Papyrus Ebers

Metadaten

Aufbewahrungsort
Europa » Deutschland » (Städte H-M) » Leipzig » Bibliotheca Albertina, Papyrus- und Ostrakasammlung
Erwerbsgeschichte

In seiner Editio princeps von 1875 schreibt G. Ebers, der Papyrus wäre "vor nunmehr 14 Jahren in einem Grab des el-Assassif (...) zwischen den Beinen einer Mumie" gefunden worden (Ebers 1875, 2), also im Jahr 1861. Irgendwann vor 1873 ist der Papyrus von einem Mann aus Gurna namens Ali Omar an den koptischen Händler und Konsularagenten des Norddeutschen Bundes Bulos Todrus verkauft worden (vgl. die Recherchen L. Borchardts von 1924, publiziert von Voß 2009, spez. 374–375; nach 1871 wird B. Todrus vielleicht eher Kaiserlich Deutscher Konsularagent gewesen sein, wie später sein Sohn; zumindest ist der Norddeutsche Bund 1871 im Deutschen Kaiserreich aufgegangen, das dessen Institutionen übernommen haben dürfte). Ob A. Omar auch der Finder oder nur ein Zwischenhändler war, lässt sich nicht eruieren. B. Todrus ist dann mit größter Wahrscheinlichkeit auch der lange Zeit namenlose Antikenhändler, der den Papyrus Anfang 1873 in Luxor an G. Ebers verkaufte (Voß 2009, 374–375).
Über die Kosten und die Geldgeber gibt es drei unterschiedliche Angaben: (1) G. Ebers selbst spricht in einem Brief an seine Frau von 1873 von einem geforderten Preis von 500(–600) englischen Pfund, den er auf 350 herunterhandeln konnte, weil der Kalender schon vorab publiziert war. G. Ebers konnte einen gewissen "Commerzienrath Günther", den er auf der Reise kennenlernte, dazu gewinnen, 250 Pfund beizusteuern (nach einem anderen Brief nur 175 Pfund), und hoffte, dass sein Bruder Martin die übrigen 100 zahlen würde: "[z]ur Noth zahlt die Bibliothek, lass ich einen Vortragszyklus dafür los oder sonst was" (Fischer 1994, 257–258). (2) G. Steindorff spricht von einer Kaufsumme von 400 englischen Pfund = 40.000 Talern, von denen der König von Sachsen 15.000 übernimmt und die anderen 25.000 aus dem Universitäts-Reisestipendienfond stammen (Steindorff 1909, 71). (3) Mohareb Todrus, der Sohn von B. Todrus, berichtet von einer ursprünglichen Forderung von 350 Napoleons, die auf 300 heruntergehandelt wurden, weil sich der Papyrus als schon kopiert erwies (Voß 2009, 374). Wer die Geldgeber bei Nr. (3) sind, ist unklar. Den Papyrus schickte G. Ebers von Kairo an das Dresdner Königliche Hausministerium (Fischer 1994, 258). Wie der Papyrus in die Universitätsbibliothek Leipzig gelangte, anstatt etwa in Dresden zu verbleiben, ist unsicher. Zumindest beteiligte sich die Universität Leipzig nach Finanzierung (2) sicher, nach Finanzierung (1) möglicherweise am Ankauf.
Die Erwerbungsgeschichte wird durch den Fakt verkompliziert, dass häufig E. Smith als vorübergehender Besitzer genannt wird und der Papyrus in frühen Beiträgen in der "Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde" sogar als Papyrus Smith bezeichnet wird. Tatsächlich muss E. Smith in den 1860er Jahren mehrfach geäußert haben, dass er im Besitz dieses Papyrus sei, so 1864 C. Goodwin gegenüber (Goodwin 1873, 107). Ein Auktionskatalog von 1869 erwähnt einen medizinischen Papyrus mit einem Kalender auf der Rückseite, der sich im Besitz des Amerikaners E. Smith befände (non vidi, zitiert nach Holmes – Kitterman 1914, 17 und Breasted 1930, 24, Anm. 1), und A. Eisenlohr schreibt, dass ihm im Februar 1870 von E. Smith zwei "von ihm erworbene" medizinische Papyrusrollen gezeigt worden seien, von denen eine über 100 Seiten lang sei und die damit nur der Papyrus Ebers sein kann (Eisenlohr 1870, 165–167).
Gegen E. Smiths Anspruch wehrt sich G. Ebers vehement: "Mit dem höchsten Interesse habe ich Mr. Goodwins Aufsatz über die calendarische Notiz auf der Rückseite des nunmehr der Leipziger Universitätsbibliothek angehörenden grossen medicinischen Papyros gelesen, den es mir im vorigen Winter im Theben zu erwerben gelungen ist und der, was ich hier ausdrücklich wiederhole, Mr. Smith niemals gehört hat." (Ebers 1874, 3). Nach Ausweis des bereits zitierten Briefes von G. Ebers an seine Frau (Fischer 1994, 257–258) war es E. Smith lediglich gelungen, eine Abschrift vom Kalender und von einigen weiteren Seiten anzufertigen, während das Original beim Händler verblieb und erst von G. Ebers erworben werden konnte. A. Eisenlohr habe, so G. Ebers weiter, seine Kopie nur nach dieser Abschrift erstellt (Ebers 1874, 4). Wie es dazu kommt, dass E. Smith A. Eisenlohr und anderen dennoch anscheinend das Original zeigen konnte (siehe A. Eisenlohrs Zitat), ist unklar. E. Smith hat nach Auskunft von M. Todrus zeitweilig bei seinem Vater B. Todrus gewohnt und dieser habe E. Smith den Papyrus einmal "geliehen" (Voß 2009, 374) – sollte diese Ausleihe E. Smith die Möglichkeit gegeben haben, den Papyrus als den seinen auszugeben? Zumindest erscheint es merkwürdig, dass E. Smith nur den kleineren Papyrus, den heutigen pEdwin Smith, behalten und publiziert und den anderen an G. Ebers weiterverkauft haben soll.

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben

G. Ebers kaufte den Papyrus im Winter 1872/1873 in Luxor, das einen Teil des antiken Großraums Theben umfasst. Nach Nachricht des ägyptischen Händlers ist der Text im Assasif, einem Teil der thebanischen Nekropole auf dem Westufer des Nils, gefunden worden. Zwar könnte der Händler den tatsächlichen Fundort verschleiert haben, um seine Einnahmequelle nicht zu verraten, aber generell ist es gut denkbar, dass der Papyrus tatsächlich aus einem Grab der thebanischen Nekropole stammt. Der Erhaltungszustand des Papyrus spricht jedenfalls dafür, dass er an einem ungestörten Platz gefunden wurde.

Datierung
von: (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Zweite Zwischenzeit » 17. Dynastie bis: (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 18. Dynastie » Amenhotep I. Djeserkare

Die Datierung des Papyrus Ebers basiert im Wesentlichen auf der Paläographie, wofür G. Ebers Handschriften der 18. Dynastie zum Vergleich heranzieht, namentlich das Rechnungsbuch pBoulaq 18 als Vorlage des Hieratischen der 12.–17. Dynastie auf der einen Seite, und den Papyrus Rollin für das Hieratische der 19. Dynastie auf der anderen Seite, zwischen denen er das Hieratisch des Papyrus Ebers ansetzte; ferner das Amenophis-Ritual des pTurin Cat. 1876 (inzwischen jedoch in die 20. Dynastie datiert) sowie die Berliner Lederrolle (Ebers 1875, 3–4), die er als etwa zeitgleich ansah. A. Erman argumentiert aus paläographischen und orthographischen Gründen dafür, die Papyri Rhind (aufgrund einer expliziten Datierungsangabe in die ausgehende Hyksoszeit zu datieren), Westcar und Ebers als etwa zeitgleich anzusehen (Erman 1890, 38–44, 54). Dem schließt sich auch G. Möller an (Möller 1909, 20).
Der Ebers-Kalender mit der Nennung eines Königsnamens auf der Rückseite des Papyrus gab gerade in den frühen Jahren Anlass für eine längere Diskussion um die zeitliche Einordnung des Textes. A. Eisenlohr datiert die Niederschrift des Kalenders in das 2. Jh. v. Chr. und vermutet in der Kartusche eine Schreibung des Namens von Kleopatra III.: "Die Schrift ist spät hieratisch und nähert sich derart dem Demotischen, dass sie eher nach als vor 200 ante Chr. gesetzt werden dürfte." (Eisenlohr 1870, 165; zu einer Spätdatierung des Kalenders siehe außerdem Riel 1875, 349–363 und Dimitriadis 1909, 191 (Hinweis R. Scholl)). Über die Abfassungszeit des medizinischen Textes äußert A. Eisenlohr sich aber nicht. G. Ebers schließt dagegen kategorisch aus, dass der Text aus der Ptolemäerzeit stammt (Ebers 1873, 41). Er schreibt zwar, dass der Schreiber der Seitenzahlen von 1–60 mit dem des Kalenders identisch sein muss, trifft jedoch zunächst keine Aussagen über dessen zeitliches Verhältnis zum Schreiber des medizinischen Textes (Ebers 1874, 3–4). Später zieht er die Zahlen der Paginierung und den Haupttext gleichermaßen für seinen paläographischen Abgleich heran und datiert den Kalender explizit in das 16. Jh. v. Chr. und die 18. Dynastie, also ungefähr zeitgleich mit dem medizinischen Hauptteil (Ebers 1875, 3–4, 9). Da die Nummerierung der Seitenzahlen bis 60 nach dem Abfassen des Haupttextes hinzugefügt wurde und das Kalendarium von der gleichen Hand geschrieben worden ist wie die Seitenzahlen, kann man davon ausgehen, dass das Kalendarium später als der Haupttext niedergeschrieben worden ist. Zur Lesung des Königsnamens im Kalendarium hat schließlich A. Erman nachgewiesen, dass er Djeser-ka-Re zu lesen und damit Amenhotep I. gemeint ist (Erman 1890, 56–60).
Eine rezente 14C-Datierung bestätigte die Datierung des Papyrus ins 16. vorchristliche Jahrhundert (Kromer – Popko – Scholl 2019). Die Vorschläge zu einer Spätdatierung sind damit im Grunde seit der Untersuchung A. Ermans, spätestens aber der 14C-Datierung, obsolet.
Die in medizingeschichtlicher Literatur, hauptsächlich in Abhandlungen zur Geschichte des Kopfschmerzes, gelegentlich angeführte Datierung um 1200 v.Chr. ist falsch und beruht auf einer Verwechslung dieses Papyrus mit dem Papyrus Chester Beatty V.

Textsorte
medizinische Sammelhandschrift
Inhalt

Insgesamt umfasst die Vorderseite des Papyrus Ebers fast 880 Einzeltexte. Diese wiederum setzen sich zusammen aus: 44 Lehrtexten, 4 Prognosen, 776 Rezepten in Kurzfassung, 28 Rezepten mit Resten des Lehrtextes, 11 Rezepten mit zusätzlichen Zaubertexten, 10 Zaubertexten mit zusätzlicher medizinischer Anwendung, 1 Zaubertext ohne medizinische Anwendung und 4 thematischen Zusammenstellungen als Auszüge von Lehrtexten. Die medizinischen Texte sind eine Kompilation aus Abschriften vermutlich älterer Texte. Insgesamt werden rund 80 verschiedene Krankheiten anhand ihrer Symptome und Diagnosen beschrieben. Die Anweisungen zu ihrer Behandlung sowie die Rezepte für die Zubereitung der Heilmittel umfassen Darm-Erkrankungen und Parasiten, Augen- und Hautprobleme, Empfängnisverhütung und gynäkologische Erkrankungen, Zahnheilkunde, die operative Behandlung von Abszessen und Tumoren, das Richten von Knochen und die Behandlung von Verbrennungen. Darüber hinaus findet sich eine Abhandlung über das Herz und die Gefäße. Die Bemerkung über spezifische Lungenerkrankungen bei Steinmetzen macht das Schriftstück zu einem der ältesten Zeugnisse der Arbeitsmedizin.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Zur ursprünglichen Verwendung können nur wenige Vermutungen geäußert werden: Neben einigen innerhalb des Fließtextes angebrachten Glossen zur Wirksamkeit einzelner Rezepte gibt es sogenannte nfr-("Gut!"-)Vermerke, die am Kolumnenrand hinzugefügt wurden und laut G. Ebers von einem anderen Schreiber als dem des Haupttextes geschrieben wurden (Ebers 1874, 3–4). Daraus könnte man schließen, dass ein Heilkundiger einige Rezepte tatsächlich verwendete und die ihm besonders wirksam erscheinenden gekennzeichnet hat. Erwähnenswert ist weiterhin, dass nach Kolumne 65 mindestens eine Kolumne herausgeschnitten und der Papyrus nachträglich wieder zusammengeklebt wurde. Dies muss geschehen sein, bevor der Text mit Seitenzahlen versehen wurde, weil diese nicht unterbrochen werden.
Insgesamt ist der Papyrus aber zu gut erhalten, als dass er ein täglicher Gebrauchstext gewesen ist. Auch seine Länge spricht gegen eine solche Verwendung: Die anfangs tabellarische Anordnung der Ingredienzien ist bald zugunsten eines reinen Fließtextes aufgegeben worden, in dem eine schnelle Orientierung kaum möglich ist. Die Kolumnen wurden nachträglich mit Seitenzahlen versehen, die sicher, wie Seitenzahlen generell, eine Orientierungshilfe bieten sollten. Für ein Kompendium wie den Papyrus Ebers ist dies aber im Grunde nicht ausreichend. Das einzige nennenswerte Strukturmerkmal ist die Tatsache, dass neue Abschnitte gelegentlich (aber nicht immer) auf einer neuen Zeile beginnen.
W. Westendorf vermutet, dass der Papyrus, wie der Papyrus Edwin Smith, Teil "einer Bibliothek oder einem Archiv im Ramesseum" gewesen sein könnte (Westendorf 1999, 22). Die Idee, dass es ein Archivtext war, hat einiges für sich, die vorgeschlagene Lokalisierung dieses Archivs im Ramesseum ist aber anachronistisch, weil dieses erst ca. ein halbes Jahrtausend nach der Niederschrift des Papyrus Ebers erbaut wurde.
Wann, wie und aus welchem Grund der Papyrus dann in das Grab gelangte, in dem er angeblich gefunden wurde, ist unbekannt.

Material
Organisch » Faser, Pflanzliche und Tierische » Papyrus
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Schriftrolle
Technische Daten

Der Papyrus Ebers war bei seinem Ankauf eine vollständig erhaltene und zusammengerollte Papyrusrolle von ursprünglich 18,63 m Länge sowie 30 cm Höhe (sogenanntes Hochformat). Die in der Literatur verbreitete Angabe, der Papyrus sei über 20 Meter lang, beruht auf einer Fehlinterpretation einer Aussage G. Ebers', dass die "Länge des beschriebenen Theils 20,23 Meter" betrage (Ebers 1875, 2). Dabei erwähnt er an dieser Stelle nicht, dass die Papyrusrolle nach Kolumne 102 gedreht wurde und die Kolumnen 103–110 sowie der Kalender auf die Rückseite geschrieben wurden; aus diesem Grund ist die Papyrusrolle als physisches Objekt kürzer als der "beschriebene Teil".
Insgesamt setzte sich die Rolle aus 46 einzelnen Papyrusblättern zusammen, die eine Breite zwischen 33–42 cm aufweisen und aneinandergeklebt wurden. Die Klebungen sind etwa 2 cm breit und relativ grob gearbeitet. Der Papyrus weist einen oberen (ca. 2,5 cm) und einen unteren (ca. 2,5–3,0 cm) Schutzrand sowie ein dem Text vorangehendes Schutzblatt von 19 cm Länge auf. Der Text besteht aus insgesamt 108 Kolumnen, die von 1 bis 110 durchnummeriert sind (die Nummern 28 und 29 hat der Schreiber aus unbekannten Gründen übersprungen; dass diese beiden Kolumnen ursprünglich vorhanden waren und erst nachträglich herausgeschnitten wurden, wie man eventuell denken könnte, ist unmöglich, weil sich zwischen Kol. 27 und 30 keine Klebung befindet), und insgesamt fast 880 Einzeltexten in Form von Rezepten und anderen kurzen Texten. Einige zusammenhängende Passagen werden durch Kapitelüberschriften eingeleitet. Eine Kolumne ist anfangs zwischen 15–19 cm breit und besteht aus 21–22 Textzeilen. Ab Kolumne 21 werden diese breiter und messen dann rund 19–22 cm. Die Kolumne 70 bildet außerdem eine Ausnahme, da sie 24 Zeilen umfasst.
Die Papyrusrolle wurde in der Universitätsbibliothek zur Verglasung in 29 Stücke (à 2–3 Kolumnen) zerschnitten. Außerdem wurden ca. 12 cm des unbeschriebenen Schutzstreifens abgeschnitten, so dass sich die ursprüngliche Länge von 18,63 m auf heute (theoretisch) 18,51 m reduziert.
Während des Zweiten Weltkriegs erlitt der Papyrus erhebliche Schäden. Gänzlich Kriegsverlust sind die Kolumnen 48–49, 55, 80–82, 93, 110. Großteils zerstört sind Kolumne 54, 56, 94, 98, 106, 109. Das bedeutet, dass drei der alten Glastafeln komplett fehlen: XIII (= Kolumnen 48–49), XXIV (= Kolumnen 80–82) und XXIX (= Kolumnen 99–102 und 103–105). Zwei weitere Tafeln sind partiell zerstört: XV (= Kolumnen 53–56), XXVIII (= Kolumnen 93–98 auf der Vorderseite, Kolumnen 106–110 auf der Rückseite).

Schrift
Hieratisch

Der Text ist in hieratischer Schrift und parallel zur Faser des Papyrus abgefasst. Wie beim Hieratischen üblich, verläuft die Leserichtung von rechts nach links. Der Haupttext ist mit schwarzer Tinte geschrieben und die Überschriften der einzelnen Abschnitte sowie die Maßangaben in rot. Die Kolumnen 2, 7–31, 24 weisen eine stichische Schreibweise sowie den Übergang zur Schreibung mit waagerechten Zeilen auf. Es ist eine Reihe von Korrekturen und Verbesserungen erkennbar, bei denen der Schreiber Fehler entweder durchgestrichen, ausradiert oder überschrieben hat.
G. Ebers vermeint, drei verschiedene Schreiberhände feststellen zu können: einen, der die Seitenzahlen "bis zu den Sechzigern" und den Kalender auf der Rückseite geschrieben habe, einen "Arzt", der die nfr-("Gut!"-)Glossen am Rand geschrieben habe, und einen "Puristen", der die Korrekturen angebracht habe (Ebers 1874, 3–4). Einer von beiden letztgenannten sei wohl auch derjenige, der die restlichen Seitenzahlen hinzugefügt habe. Logischerweise hinzuzufügen ist noch ein vierter bzw. redaktionsgeschichtlich korrekter: ein erster Schreiber, nämlich derjenige, der den medizinischen Haupttext geschrieben hat. G. Möller schreibt aber, dass die gesamte Rolle von nur einem Schreiber geschrieben wurde und nur der Kalender von einer anderen Hand stammt (Möller 1909, 20).

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Papyrus Ebers setzte schon vor dessen Erstedition ein (hier v.a. mit dem Kalender, s.o. zur Datierung) und hält bis heute an; die Bibliographie zum pEbers umfasst annähernd 300 Titel.
Die Erstausgabe des Textes veröffentlichte G. Ebers bereits im Jahre 1875. Er publizierte ein Faksimile des gesamten Textes sowie eine Transkription, Transliteration und Übersetzung der Kolumnen 1–2 ins Deutsche. L. Stern erarbeitete ein in diesem Rahmen mitveröffentlichtes hieroglyphisch-lateinisches Glossar des gesamten Papyrus. Im Jahr 1889 legte er eine Bearbeitung des Augenbuches vor (Eb 336–431), sowie in den Jahren davor und danach kleinere Einzelstudien. Eine erste, allerdings fehlerhafte und terminologisch unsystematische Gesamtübersetzung ins Deutsche legte H. Joachim im Jahre 1890 vor. Auf dieser deutschen Übersetzung basiert größtenteils die englische Übersetzung von Bryan 1930 (= Bryan 1974), die aber unvollständig, unübersichtlich und mit einem verfehlten Kommentar versehen ist. Aus dem Jahre 1913 stammt die hieroglyphische Umschrift von W. Wreszinski, die nicht zuletzt aufgrund der von ihm erstellten Nummerierung der Rezepte maßgeblich für die Bearbeitung des Textes ist. Die von ihm geplante Übersetzung und Kommentierung des Papyrus (s. Wreszinski 1913, IV) ist nie erschienen. B. Ebbell widmete sich dem Papyrus Ebers in einer 1937 erschienen Monographie, von welcher H. Grapow allerdings sagt: „von ihr gilt mutatis mutandis dasselbe, was ich schon beim pap. Edwin Smith aussprechen musste. Denn in ihr haben alle die überklugen und zum erheblichen Teil verkehrten oder doch sehr unsicheren Deutungen und Umdeutungen Aufnahme gefunden“ (Grapow 1955, 92). Weitere, maßgebliche Übersetzungen und Kommentierungen finden sich im Grundriss der Medizin IV (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und II) und V (Grapow 1958), bei T. Bardinet (Bardinet 1995) und bei W. Westendorf (Westendorf 1999). Im Jahr 2017 legten B. Lalanne und G. Métra eine hieroglyphische Transkription (basierend auf dem Original-Layout, inklusive der Paginierung), eine ägyptologische Transkription und eine Übersetzung ins Französische vor (Lalanne – Métra 2010).
Einen Abriss der Bearbeitungsgeschichte bis 2010 inklusive einer Auswertung, in welchen Forschungsbereichen welche Bearbeitung konsultiert wird, und wie sich das begründen könnte, findet sich bei T. Pommerening (Pommerening 2010, 156–164). Die Konferenz „Papyrus Ebers und die antike Heilkunde“ vom 15.–16.3.2002 in der Universitätsbibliothek der Universität Leipzig war die erste Tagung, die ausschließlich dem Papyrus Ebers gewidmet war (Fischer-Elfert 2005).

Editionen

- Bardinet 1995: T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique. Traduction intégrale et commentaire (Paris 1995), 251–373.

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,1. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958).

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,2. Übersetzung der medizinischen Texte. Erläuterungen (Berlin 1958).

- Ebbell 1937: B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen/London 1937).

- Ebers 1875: G. Ebers, Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift (Leipzig 1875).

- Fischer-Elfert 2005: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.), Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15. – 16.3.2002 in der Albertina, UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005).

- Ghalioungui 1987: P. Ghalioungui, The Ebers Papyrus. A New English Translation, Commentaries and Glossaries (Cairo 1987).

- Grapow 1955: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. II. Von den medizinischen Texten. Art, Inhalt, Sprache und Stil der medizinischen Einzeltexte sowie Überlieferung, Bestand und Analyse der medizinischen Papyri (Berlin 1955), 90–92.

- Grapow 1958: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. V. Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert (Berlin 1958).

- Joachim 1890: H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890).

- Lalanne – Métra 2010: B. Lalanne – G. Métra, Nouvelle transcription du Papyrus médical Ebers. Avec translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017).

- Pommerening 2010: T. Pommerening, Von Impotenz und Migräne. Eine kritische Auseinandersetzung mit Übersetzungen des Papyrus Ebers, in: A. Imhausen (Hrsg.), Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome, and Greece. Translating Ancient Scientific Texts (Berlin 2010), 153–174.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 22–35.

- Wreszinski 1913: W. Wreszinski, Der Papyrus Ebers. Umschrift, Übersetzung und Kommentar. I. Umschrift, Die Medizin der Alten Ägypter 3 (Leipzig 1913).

Literatur zu den Metadaten

- Breasted 1930: J. H. Breasted, The Edwin Smith Surgical Papyrus. Published in Facsimile and Hieroglyphic Transliteration with Translation and Commentary in two Volumes. I. Hieroglyphic Transliteration, Translation and Commentary, Oriental Institute Publications 3 (Chicago 1930).

- Bryan 1930: C. P. Bryan, The Papyrus Ebers. Translated from the German Version (London 1930).

- Dimitriadis 1909: D. Dimitriadis, Über fremde Körper, Würmer und Insekten im menschlichen Ohr und ihre Behandlung von der ältesten Zeit bis heute (Athen 1909).

- Ebers 1873: G. Ebers, Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 11, 1873, 41–46.

- Ebers 1874: G. Ebers, Nochmals der Calender auf der Rückseite des Leipziger Papyros Ebers, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 12, 1874, 3–4.

- Ebers 1889: G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten (Abhandlungen der philologisch-historischen Classe der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11,2–3), Leipzig 1889.

- Eisenlohr 1870: A. Eisenlohr, Der doppelte Kalender des Herrn Smith, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 8, 1870, 165–167.

- Erman 1890: A. Erman, Die Märchen des Papyrus Westcar. II. Glossar, palaeographische Bemerkungen und Feststellung des Textes, Mittheilungen aus den orientalischen Sammlungen der Königlichen Museen zu Berlin 6 (Berlin 1890).

- Fischer 1994: H. Fischer, Der Ägyptologe Georg Ebers. Eine Fallstudie zum Problem der Wissenschaft und Öffentlichkeit im 19. Jahrhundert, Ägypten und Altes Testament 25 (Wiesbaden 1994).

- Goodwin 1873: C. W. Goodwin, Notes on the Calendar in Mr. Smith's Papyrus, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 11, 1873, 107.

- Holmes – Kitterman 1914: B. Holmes – P. G. Kitterman, Medicine in Ancient Egypt. The Hieratic Material (Cincinnati 1914).

- Kromer – Popko – Scholl 2019: B. Kromer – L. Popko – R. Scholl, Die Altersbestimmung des Papyrus Ebers, in: Göttinger Miszellen 257, 2019, 63–71.

- Möller 1909: G. Möller, Hieratische Paläographie. Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit. I. Bis zum Beginn der achtzehnten Dynastie (Leipzig 1909).

- Riel 1875: C. Riel, Das Sonnen- und Siriusjahr der Ramessiden mit dem Geheimnis der Schaltung und das Jahr des Julius Cäsar. Untersuchungen über das altägyptische Normaljahr und die festen Jahre der griechisch-römischen Zeit (Leipzig 1875).

- Steindorff 1909: G. Steindorff, Das ägyptologische Institut, in: Rektor – Senat (Hrsg.), Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens der Universität Leipzig 4,1. Die Institute und Seminare der philosophischen Fakultät an der Universität Leipzig. I. Die philologische und die philosophisch-historische Sektion (Leipzig 1909).

- Voß 2009: S. Voß, Ludwig Borchardts Recherche zur Herkunft des pEbers, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo 65, 2009, 373–376.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

Eb 1–3: Einleitung mit Begleitsprüchen zur Anwendung von Heilmitteln

Eb 1 = H 78

[1,1] Anfang eines Spruches für das Auftragen eines Heilmittels auf jeden Körperteil eines Mannes:
Zusammen mit den Großen des Tempels, den Herren des Schutzes und den Herrschern der Ewigkeit kam ich aus Heliopolis. Und zusammen mit der Mutter der Götter kam ich aus Sais. Mir haben sie ihren Schutz gegeben. Mir gehören die Lehrsprüche, die der Allherr1 angefertigt hat, um zu beseitigen die Einwirkung eines Gottes, einer Göttin, eines Untoten, einer Untoten usw., die in diesem meinem Kopf, in diesem meinem Nacken, [1,5] in diesen meinen Schultern, in diesem meinem Fleisch, in diesen meinen Körperteilen sind, (und) um den Verleumder leiden zu lassen, den Obersten derer, die eine Störung in dieses mein Fleisch eindringen lassen, eine bjbj-Schädigung2 in diese meine Körperteile, als etwas, das in dieses mein Fleisch eindringt, in diesen meinen Kopf, in diese meine Schultern, in 〈diesen〉 meinen Körper, in diese meine Körperteile. Ich bin zugehörig zu Re, nachdem er gesagt hat: „Ich bin der, der ihn vor seinen Feinden beschützt.“ Thot ist sein Leiter. Er pflegt die Schrift reden zu lassen; er pflegt Sammelwerke zu erstellen; er pflegt den Gelehrten (und) den Ärzten, die in seinem Gefolge sind, Wirkungsmacht zu geben, [1,10] um den zu erlösen, (von) dem der Gott will, dass er (d.h. der Heiler) ihn leben lässt. Ich bin einer, von dem der Gott will, dass er mich leben lässt.
(Diese) Worte (sind) zu sprechen beim Auftragen eines Heilmittels auf jeden kranken Körperteil eines Mannes3. (Dieser Spruch ist) wirklich vortrefflich, Millionen Mal (erprobt)!

1 "Allherr": Wörtlich "der Herr über Alles" (nicht etwa "der Herr über das All"). Eine Bezeichnung mehrerer großer Götter des ägyptischen Pantheons. Am häufigsten wird damit der Sonnengott Atum bezeichnet, der früh mit Re verschmolzen ist.

2 bjbj: In pEbers 1,6 (Eb 1) mit dem Mann mit der Hand am Mund klassifiziert, im pHearst (H 78; pHearst 6,9) mit dem sogenannten „schlechten Paket“ und Pluralstrichen. Ein sonst unbekanntes Wort. Im pEbers steht es in syntaktischer Parallele zu ẖnn m jwf=j pn und ist damit substantivisch; im pHearst steht es unmittelbar hinter ẖnn und könnte dort also sowohl substantivisch (in Koordination, als Apposition oder als Nomen rectum) als auch adjektivisch (als Attribut) gebraucht worden sein. Übersetzungen dieses Spruches basieren in der Regel auf pEbers.

Es gibt folgende Übersetzungsvorschläge:
(1) „feebleness (?)“ (Ebbell 1937, 29).
(2) „Dumpfheit“ (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 308).
(3) „Hineinplatzen (?)“ (H.-W. Fischer-Elfert, Pap. Ebers Nr. 1–3. Reflexion eines altägyptischen Heilers über seine Initiation?, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.), Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15. – 16.3.2002 in der Albertina, UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 133–147, hier: 137).
(4) „gnawing“ (J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 45); „s’enfoncer, mordre (dans les chairs)“ (D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 2. 1978, 2. Auflage (Paris 1998), 78.1285); „en rongeant“ (Bardinet 1995, 40); „Beißen“ (Westendorf 1999, 547).
(5) B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 11 verzichten auf eine Übersetzung und schreiben nur „le (mal-)bibi“.

Bedeutung (1) scheint nur geraten.
Bedeutung (2) basiert auf K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), zu 47,9, der bjbj mit koptisch ⲃⲁⲁⲃⲉ: „dumm sein; verachten“ vergleicht – eine Vermutung, die letztlich schon auf L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 11 zurückgeht: „cf. ⲃⲁⲃⲉ, vanus, loquax, insipidus“; vermutlich über loquax kommt Stern für bjbj auf den Vorschlag „incantare“. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 243–244 erwähnt Sethes Vorschlag, distanziert sich jedoch davon, indem es das Lemma nur als „[Krankheit]“ bezeichnet. Zwar verweisen H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962) auch auf das koptische ⲃⲁⲁⲃⲉ, aber mit der Bemerkung, dass dieses bei W. Spiegelberg, Koptisches Handwörterbuch (Heidelberg 1921), 15 auf ꜥbꜥb zurückgeführt wird. Tatsächlich erwähnt Spiegelberg bjbj nicht. Dessen ungeachtet findet sich bei W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 25 und bei W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 20, jeweils s.v. ⲃⲁⲁⲃⲉ, neben ꜥbꜥb noch ein Verweis auf bjbj.
Bedeutung (3) ist an einen Vorschlag von J. Osing, [Review] J. Černý, Coptic Etymological Dictionary (Cambridge 1976), in: Journal of Egyptian Archaeology 64, 1978, 186–189, hier: 187 angelehnt. Dort schlägt Osing für das Verb bjbj der Sargtexte (R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 118; mit unvollständiger Schreibung, denn das Wort ist beide Male mit dem Messer klassifiziert) eine Bedeutung „burst in or sim.“ vor. Ferner vermutet er, vergleichbar zum Wb 1, 44.10, im bjbj der medizinischen Texte eine Ableitung davon. Osings Vorschlag zur Bedeutung des bjbj der Sargtexte wiederum basiert vielleicht nur auf seinem Vergleich mit dem Verb bb (A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts III. Texts of Spells 164-267, Oriental Institute Publications 64 (Chicago 1947), 98g; R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 120). Für Letzteres steht einmal die Variante ḫnd: „treten, gehen“, weshalb bb trotz seiner Klassifizierung wohl ein Bewegungsverb ist.
Worauf Bedeutung (4) zurückgeht, ist unbekannt. Als Hypothese könnte geäußert werden, dass sie letzten Endes ebenfalls auf dem bjbj der Sargtexte beruht, das einmal mit dem Wort ḫꜣb.w mit Zahnklassifikator wechselt. Dessen genaue Bedeutung ist aber unklar: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355–787 (Warminster 1977), 180 übersetzt es mit „the toothless one“, womit nach 181, Anm. 14 der Verstorbene als Neugeborenes zu sehen wäre. Das bjbj der Variante dagegen „cannot be explained“. D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 2. 1978, 2. Auflage (Paris 1998), 78.2932 schreibt zu ḫꜣb.w: „le mot paraît bien signifier ‚nouveau-né‘“, greift also Faulkners Idee auf. Auf dieser Parallele basiert dann auch Meeks’ Bemerkung zum Lemma bjbj, AL 78.1286: „subst pour désigner l’enfant dans le sein de sa mère“.

3 "Mann", ägyptisch s(j). Obwohl es Rezepte gibt, die dezidiert die weibliche Entsprechung s.t: "Frau" nennen, bezeichnet das maskuline s(j) im Ebers, wie allgemein, nicht ausschließlich einen Mann, sondern kann im Sinne von "jemand" auch Frauen einschließen. Der vorliegende Spruch ist daher nicht zwangsläufig nur bei der Behandlung von Männern anzuwenden.

Eb 2

Ein anderer Spruch für das Lösen jedes Verbandes:
Ein zu Erlösender werde durch Isis erlöst.1 Horus werde durch Isis von den Übeln erlöst, die gegen ihn durch seinen Onkel2 Seth getan wurden, als er (d.h. Seth) seinen (d.h. des Horus) Vater Osiris tötete. O Isis, Zauberreiche, du mögest mich erlösen! Du mögest mich von jeder schlimmen, üblen und gefährlichen (wörtl.: roten) Sache entbinden, [1,15] von den Einwirkungen eines Gottes, den Einwirkungen einer Göttin, von einem Untoten und einer Untoten, von einem Widersacher und einer Widersacherin, einem, der sich mir entgegenstellen sollte, so wie du gelöst und wie du entbunden wurdest von deinem Sohn Horus, weil ich in das Feuer eintrat und aus dem Wasser hervorkam!3 Ich werde nicht hinabsteigen zur Falle (?) (oder: zum Osten)4 dieses Tages. Während ich (noch) ein Kind und jung bin, habe ich gesprochen: „O Re, sprich für dein Abbild! (O) Osiris, klage wegen dessen, was aus dir hervorgekommen ist!“ Re sprach für seinen Leib. Osiris klagte wegen dessen, was aus ihm hervorgekommen ist. Wahrlich, du hast mich gerettet vor jeder schlimmen, üblen und gefährlichen (wörtl.: roten) Sache, vor den Einwirkungen eines Gottes und den Einwirkungen einer Göttin, vor einem Untoten, [2,1] vor einer Untoten usw.
(Dieser Spruch ist) wirklich vortrefflich, Millionen Mal (erprobt)!

1 "Ein zu Erlösender werde durch Isis erlöst.": Die passivische Übersetzung folgt Bardinet 1995 und Westendorf 1999. J. van Dijk, The Birth of Horus According to the Ebers Papyrus, in: Jaarbericht van het Vooraziatisch-Egyptisch Genootschap Ex Oriente Lux 26, 19791980, 1025, hier: 11 und H.-W. Fischer-Elfert, Pap. Ebers Nr. 1–3. Reflexion eines altägyptischen Heilers über seine Initiation?, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.), Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15. – 16.3.2002 in der Albertina, UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 133–147, hier: 139 verstehen dagegen wḥꜤ: "lösen" als Imperativ und lesen nicht die Präposition jn, sondern das defektive Verbum dicendi j.n: "'Löse dich, löse dich!', sagte Isis".

2 "Onkel": Das ägyptische Wort ist sn. Meist hat es die Bedeutung "Bruder", aber das altägyptische System der Verwandtschaftsbezeichnungen unterscheidet sich teilweise von den modernen westeuropäischen. Das ägyptische Wort sn bezeichnet auch andere männliche Verwandte der gleichen, vorigen oder nächste Generation, kann also neben dem Bruder auch den Cousin, den Schwager, den Neffen oder den Bruder eines Elternteils, also den Onkel, benennen. In diesem Spruch liegt höchstwahrscheinlich Letzteres vor und damit die geläufigere genealogische Struktur der Götterfamilie, in der Horus ein Neffe des Seth und ein Sohn von Osiris und Isis ist.

3 "Feuer" und "Wasser": K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), 71 schlägt vor, dass mit dem Feuer die Krankheit und mit dem Wasser das Heilmittel gemeint sei. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 232 vermuten eher eine Anspielung auf "eine Art Feuer- und Wasserprobe als symbolische Wiedergeburt". Zur Deutung als Feuer- und Wasserprobe im Sinne eines Initiationsritus siehe auch W. Westendorf, Beiträge aus und zu den medizinischen Texten. III. Incubus-Vorstellungen. IV. Feuer- und Wasserprobe, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 96, 1970, 145–151; hier besonders Abschnitt IV. Feuer- und Wasserprobe, 149–151. Nach Westendorf ist "ich trat in das Feuer, ich kam aus dem Wasser" als Abkürzung aufzufassen für: "ich bin in das Feuer eingetreten, ich bin aus dem Feuer herausgekommen; ich bin in das Wasser eingetreten, ich bin aus dem Wasser herausgekommen". Mit diesem Spruch, so Westendorf, wurde die Abnahme des Verbandes begleitet, um mit diesem auch die Krankheit zu entfernen; es läge mit diesem Initiationsritus eine Anleihe aus der Totenliteratur und genauer eine Anspielung auf den in Tb 126 dargestellten Feuersee vor. J. van Dijk, The Birth of Horus According to the Ebers Papyrus, in: Jaarbericht van het Vooraziatisch-Egyptisch Genootschap Ex Oriente Lux 26, 19791980, 1025, hier: 11 modifiziert Westendorfs Interpretation dahingehend, dass er die beiden Phrasen voneinander trennt. Mit dem Hinabstieg ins Feuer sei das Landen des Sonnengottes auf (der mit dem Feuersee verbundenen, vgl. etwa H. Kees, Die Feuerinsel in den Sargtexten und im Totenbuch, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 78, 1942, 4153, hier: 42) Feuerinsel gemeint, und mit der Herauskunft aus dem Wasser der Aufstieg der Sonne aus dem Urozean.

4 „Falle (oder: Osten)“: Das ägyptische Wort jꜢbt.t gibt es in dieser Schreibung nur hier. Geschrieben wie eine Ableitung von jꜢb: „links“ und mit dem Ast klassifiziert. Im Wb 1, 31.12 wird „Falle (?)“ vorgeschlagen und ein Zusammenhang mit jbṯ.t: „Vogelfalle“ vermutet (vgl. schon DZA 20.164.930 mit dem Vorschlag „Vogelnetz“ und DZA 20.561.970, mit dem diese Stelle als Beleg für jbṯ.t abgelegt ist). Jbṯ.t scheint der Vorläufer von kopt. ⲁⲃⲱ zu sein. R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 8 schlägt für jꜣbt.t „snare“ vor und J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 49 „trap“, was dann wohl die Basis für Hannigs Übersetzungsangebot „*Schlinge“ (R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 23, Nr. {765}) bildet. Der Klassifikator schließt eine Deutung als „Falle“ nicht aus, jedoch eine solche als „Schlinge“. Obwohl weder die Schreibung des Wortstammes noch die des Klassifikators für jbṯ.t belegt ist, hat sich die Gleichsetzung beider Wörter in den Bearbeitungen durchgesetzt. J. van Dijk, The Birth of Horus According to the Ebers Papyrus, in: Jaarbericht van het Vooraziatisch-Egyptisch Genootschap Ex Oriente Lux 26, 19791980, 1025, hier: 16 denkt dagegen an einen Schreibfehler für jꜣbt.t: „Osten“ als Geburtsort des Horus. H.-W. Fischer-Elfert, Pap. Ebers Nr. 1–3. Reflexion eines altägyptischen Heilers über seine Initiation?, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.), Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15. – 16.3.2002 in der Albertina, UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 133–147, hier: 140 bietet beide Möglichkeiten als Alternativen an.

Eb 3

Spruch zum Trinken eines Heilmittels:
(Es) kommt das Heilmittel. (Es) kommt das, was eine (üble) Sache aus diesem meinem Herzen, aus diesen meinen Körperteilen beseitigen kann. Stark ist der Zauber wegen des Heilmittels und umgekehrt. Hast du denn daran gedacht, dass Horus und Seth zur Großen Halle von Heliopolis gezerrt wurden, als über die Hoden des Seth und 〈das Auge des〉1 Horus beraten wurde? Dann war er [2,5] (wieder) gedeihend, wie 〈er〉1 auf Erden war. Er tut all das, was er will, wie diese Götter, die dort sind.
(Diese) Worte (sind) zu sprechen beim Trinken eines Heilmittels.
(Dieser Spruch ist) wirklich vortrefflich, Millionen Mal (erprobt)!

1 Zu den Hinzufügungen in spitzen Klammern vgl. J. F. Quack, Magie und Totenbuch. Eine Fallstudie (pEbers 2,1–6), in: Chronique d’Égypte 74 (147), 1999, 5–17, hier: 6–7.

Eb 4–103: Sammelhandschrift für Bauchbeschwerden

Eb 4 = H 53

[2,7a]1 Anfang der Sammelhandschrift von Heilmitteln2 〈zum〉 Beseitigen einer Krankheit im Bauch3:
tḥwꜣ-Pflanzen: ∅.4
Werde mit Bier vermengt. [2,10a] Werde vom Mann getrunken.

1 Ab hier ist die Kolumne in zwei Spalten geteilt: Erst wurde die vordere Spalte beschrieben; danach wurde die hintere Spalte beschrieben.

2 Bardinet 1995, teilt die Überschrift in ḥꜣ.t-ꜥ-m: „commencement“ und dmḏ.t n.t pẖr.t: „recueil des rèmedes“ und trennt diese zusätzlich von der anschließenden Spezifizierung (in diesem Falle von „(Remède pour) chasser les maux qui sont dans l’intérieur du corps“). Westendorf 1999 zieht dagegen alles zu einem Satz zusammen. Tatsächlich erfordert ḥꜣ.t-ꜥ-m den Anschluss des Folgenden, denn es ist satzsyntaktisch gesehen eine Verbindung aus zusammengesetzem Substantiv und Präposition; außerhalb der medizinischen Texte steht es nie allein. Die Phrase pẖr.t n.t dr/... bzw. k.t pẖr.t n.t dr/... (Letzteres meist verkürzt zu k.t n.t dr/...) ist wiederum eine der Standardeinleitungen medizinischer Rezepte. Die Genitiv-Nisbe n.t zeigt an, dass das Folgende ein Nomen rectum einer Genitivverbindung ist und nicht von pẖr.t getrennt werden kann. Im vorliegenden Fall scheint lediglich die Genitiv-Nisbe vergessen worden zu sein, vermutlich aufgrund des Zeilenwechsels nach pẖr.t. Da die satzsyntaktischen Gründe eher für Westendorfs Übersetzung sprechen, wird ihm gefolgt.

3 "dr Krankheit m Körper(teil)" wird im von Deines – Grapow – Westendorf 1958, bei Bardinet 1995, und Westendorf 1999 als "die Krankheit im Körper(teil) beseitigen" verstanden. Diese Auffassung dürfte sicher auf parallelen Konstruktionen mit anderen Verben, v.a. solchen der Untersuchung (wie z.B. gmi̯) basieren; evtl. auch auf der erweiterten Phrase "dr Krankheit n.tj m Körper(teil)" (vgl. die in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 315–317 aufgelisteten Stellen). Dieser Übersetzung wird hier gefolgt. Es sei aber angemerkt, dass zumindest im Fall "dr Krankheit m Körper(teil)" die Präposition m ambig ist, denn dr NN m heißt auch: "NN entfernen von/aus", vgl. Wb 5, 473.5–6, 10, 21.

4 Aus philologischer Perspektive ist es eine notorische Frage, ob die Aufzählung der einzelnen Ingredienzien eine syntaktisch unabhängige Liste ist, ob sie zu vorangegangenen, meist elliptischen Sätzen gehört, oder ob sie als Vordere Erweiterung zur nachstehenden Verarbeitungsanweisung gehört – und in letzterem Falle, ob sich diese angenommene Vordere Erweiterung nur auf die jeweils erstgenannte Verarbeitungsanweisung bezieht, oder ob alle Verarbeitungsanweisungen als ein Satz mit mehreren Prädikaten zu verstehen ist. Der Papyrus Ebers böte Argumente für alle drei Möglichkeiten des Anschlusses der Drogen: (a) Das aktuelle Rezept führt die Ingredienzien wie eine Liste auf. Diese ist schon optisch daran zu erkennen, dass jede Droge in einer neuen Zeile steht; die folgenden Kolumnen bieten teilweise noch tabellarischere Anordnungen und schreiben nicht nur jede Droge in eine neue Zeile, sondern trennen die Mengenangabe durch ein Spatium. (b) Lehrtexte, wie etwa Eb 198, führen die Ingredienzien manchmal mit jri̯.ḫr=k n=f NN ein: "Dann sollst du ihm (Heilmittel) NN bereiten"; in Eb 198c sind die Drogen sogar mit der Präposition m: "bestehend aus" angeschlossen und gehören damit definitiv zu der Einleitung. Für die aus den Lehrtexten verkürzten Rezepte könnte man daraus auf elliptische Sätze schließen: "(Du sollst ihm ein Heilmittel bereiten aus) Droge a, Droge b. ...". Die Verarbeitungsanweisungen wären dann entweder als Umstandssatz anzuschließen oder syntaktisch selbstständig. (c) Ein Rezept wie Eb 312 könnte wiederum dafür sprechen, die Verarbeitungsanweisungen zumindest partiell satzsyntaktisch zur Drogenaufzählung zu ziehen: "(Drogenliste) rḏi̯ r hnw psi̯ jr-m-ḫt (weitere Verarbeitungsanweisungen) rḏi̯.ḫr=k st swri̯ jn s …: "(Drogenliste) werde in einen Henu-Topf gegeben und gekocht. Danach sollst du (weitere Verarbeitungsanweisungen). Dann sollst du veranlassen, dass es getrunken wird von einem Mann ...". Bis alle medizinischen Texte eingegeben und eine eingehende Analyse möglich sein wird, wird daher zunächst eine pragmatische Lösung vorgezogen: Die Drogenliste, die Verarbeitungsanweisung und die Applikationsanweisung werden als syntaktisch getrennte Einheiten aufgenommen, solange nicht zwingende Gründe, wie der Anschluss der Drogen durch m in Eb 198c, eine individuelle Lösung erfordern.

Eb 5 = H 55

Ein anderes (Heilmittel) für einen Bauch, der schmerzt:
Kreuzkümmel1: 1/64 (Dja), Gänsefett2: 1/8 (Dja), Milch: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
[2,15a] Werde gekocht; werde ausgepresst3. Werde getrunken.

1 Zu dieser Drogenbezeichnung s. den Kommentar hier.

2 Zu dieser Drogenbezeichnung s. den Kommentar hier.

3 ꜥtḫ: "durchseihen; durchpressen": Im Digitalen Zettelarchiv gibt die Reiterkarte DZA 22.035.380 für die medizinischen Texte die Bedeutung „durchseihen“ an. Unter Umständen könnte es für die Anteile der Wirkstoffe und damit für die Wirksamkeit eines Medikamentes von Bedeutung sein, ob der Vorgang des ꜥtḫ mit zusätzlichem Druck („durchpressen“) oder ohne („durchseihen, filtern“) erfolgte. Dieses Verb wird aber auch zur Beschreibung der Bierherstellung verwendet – in Eb 311 wird explizit vom ꜥtḫ, „wie es zu tun ist bei der Bier(herstellung)“ gesprochen –, und bildliche Darstellungen dieses letzteren Prozesses sprechen eher für die Zusetzung von Druck. Wohl deswegen findet sich bei H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 156–158 und Westendorf 1999, passim, anders als im DZA, die Bedeutung „durchpressen“.

Eb 6 = H 56

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
[2,20a] (Werde) ebenso (verfahren).

Eb 7 = H 58, vgl. Eb 18

[2,7b] Mittel zum Öffnen des Bauches:
Milch: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: ein viertel (Dja), [2,10b] Honig: ein viertel (Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 8

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Veranlassen, dass man ausscheidet:
Honig: 1 (Dosis)1, Mehl vom Johannisbrot: 1 (Dosis), [2,15b] Mehl von Wermutkraut (?): 1 (Dosis).
Werde zu einem Zäpfchen2 verarbeitet.

1 Zu der Bedeutung des Einerstriches in den medizinischen Texten vgl. die Untersuchung von T. Pommerening, „Was verbirgt sich hinter der Quantenangabe ‚1‘ in den Rezepten für ein Maß?“, in: M. Brose et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert 2, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Beihefte 72 (2) (Berlin/Boston 2019) 831–848. Ihr zufolge bezieht sich dieser Strich weder auf ein konkretes Maß, noch meint er eine Verhältnisangabe (im Sinne von: „zu gleichen Teilen“). Vielmehr wird damit ausgedrückt, dass die damit ausgezeichnete Droge in der jeweils üblichen Menge verarbeitet werden soll: Viele Drogen werden in den medizinischen Texten immer oder fast immer in denselben Mengen verordnet, so dass es dem ägyptischen Heiler offenbar gelegentlich genügte zu wissen, dass er auch im jeweils vorliegenden Fall einfach diese „übliche Dosis“ verwenden soll. Das kann auf ein Verhältnis 1:1 hinauslaufen – nämlich dann, wenn zufällig diese „übliche Dose“ für Droge A und Droge B dieselbe ist –, muss es aber nicht.

2 mt: Der Strich hinter dem Klassifikator gehört in diesem Falle vielleicht eher zum Wort, als dass es ein Einerstrich wäre.

Eb 9, vgl. Eb 12, 14, 552, Bln 147

Mittel zum Ausscheiden:
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde gegessen [3,1] (und) hinuntergeschluckt1 mit 1/32 (Oipe = 2 Dja) Bier oder 1/64 (Oipe = 1 Dja) Wein.

1 sꜥm ist das Kausativ von ꜥm: „verschlucken, hinunterschlucken; (metaphorisch auch:) verinnerlichen > erfahren, wissen“. Dementsprechend geben etwa H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 718 und R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 724 die wörtliche Übersetzung „schlucken lassen“. Spätestens im Lauf des Neuen Reiches geht die kausative Bedeutung tlw. verloren, so dass sꜥm ebenso wie das Simplex ꜥm einfach „schlucken“ bedeuten kann. In den medizinischen Texten wird sꜥm in der Regel in einem Nachsatz nach Verben des Einnehmens verwendet, die den Vorgang des Hinunterschluckens bereits implizieren, wie wnm: „essen” oder das Simplex ꜥm: „schlucken“. Üblicherweise dient als Medium des sꜥm eine Flüssigkeit, wie süßes Bier, Milch oder Wein. Diese Nachsätze werden also verwendet, wenn ein offenbar schlecht schmeckendes Medikament oder ein fester Stoff mithilfe eines angenehmeren Hilfsmittels hinuntergespült werden soll. R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 214 bietet daher die Übersetzung „wash down“. Im Deutschen bietet sich statt der Standardübersetzung „schlucken lassen“ vielleicht eher die Übersetzung „(ver)schlucken machen“ oder sogar „verschluckbar/genießbar machen“ an; die Bedeutung scheint in diesen Kontexten eher faktitiv als kausativ zu sein (vgl. diese Unterscheidung bei W. Schenkel, Tübinger Einführung in die klassisch-ägyptische Sprache und Schrift, 7. Auflage (Tübingen 2012), 184).

Eb 10, vgl. Bln 146

Ein anderes (Heilmittel):
ꜥꜥꜣm-Pflanzen: 1/8 (Dja), [3,5] Johannisbrot: 1/8 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vom Mann an einem Tag gegessen.

Eb 11

[3,10] Ein anderes (Heilmittel):
Honig: 1/8 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Dattelsaft: 1/64 (Oipe = 1 Dja), gngn.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), [3,15] Öl/Fett: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde gekocht. Werde vom Mann an einem Tag gegessen.

Eb 12 = pLouvre E 32847, Rto. x+10,1,  vgl. Eb 9, 14, Eb 552 = pLouvre E 32847, Rto. x+7,6-7, Bln 147

Ein anderes (Heilmittel):
Wein: 1 (Dosis), [3,20] Honig: 1 (Dosis), „Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis).1
Werde ausgepresst. Werde an einem Tag getrunken.

1 Das Rezept ist identisch mit pLouvre E 32847, Rto. x+10,1. Dieselbe Rezeptur, nur mit ausgeschriebenen Mengenangaben, findet sich dann auch in Eb 552pLouvre E 32847, Rto. x+7,6–7 und ist gegen Geschwülste im Leib gedacht, s. dort und T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 75.

Eb 13 = pLouvre E 32847, Rto. x+10,1–3

[4,1] Ein anderes (Heilmittel):
Frische Datteln: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz:1 1 (Dosis), Maische (?)21 (Dosis).
[4,5] Werde mit Wasser vermengt; werde auf eine Schale gegeben. Mehl3 von gngn.t-Pflanzen werde darauf gegeben. Werde zu einer homogenen Masse verkocht;4 werde in einen ꜥpr.t-Krug (?)5 oder ein bꜣ.w-Gefäß hinein gegeben. [4,10] Werde handwarm (wörtl.: in der Wärme des Fingers) vom Mann gegessen (und) mit süßem Bier hinuntergeschluckt.

1 ḥmꜣ.t-mḥ.t scheint lexikalisiert zu sein, denn der Klassifikator Gardiner N 33 mit den Pluralstrichen steht erst – nach einem kleinen Spatium – hinter mḥ.t. Die genaue Konnotation der Bezeichnung ist schwer zu fassen. ḥmꜣ.t allein wird üblicherweise mit dem ϩⲙⲟⲩ des Koptischen verbunden und als das ägyptische Wort für "Salz" aufgefasst. Zu einer gelegentlichen, älteren Annahme, dahinter stecke spezifischer das "Meersalz", vgl. die Diskussion bei J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 189. Er schließt die Möglichkeit nicht aus; ihm zufolge sei aber der größere Teil des ägyptischen Salzes aus Binnenseen und "other similar deposits" gekommen. Die Identifizierung von ḥmꜣ.t wird jüngst wieder von S. Aufrère, L’univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d’étude 105. 2. Band (Le Caire 1991), 636–637 problematisiert. Aufrère merkt an, dass die Ägypter wohl nicht scharf zwischen ḥmꜣ.t-Salz (d.h. Natriumchlorid) und Natron (einem Dekahydrat von Natriumkarbonat) unterschieden hätten, wie sich u.a. sehr gut an der Bezeichnung sḫ.t-ḥmꜣ.t: „Salzfeld“ für das Wadi en-Natrun zeigt. Ist also schon die Identifizierung von ḥmꜣ.t allein nicht so sicher, wie die gängigen Wörterbücher suggerieren, ist es gänzlich unsicher, welche Aussage die Qualifizierung von ḥmꜣ.t durch mḥ.t beinhaltet. G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), passim belässt es bei einer wörtlichen Übersetzung „sel du Nord“ und ebenso H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 343 und Westendorf 1999, 550 bei „unterägyptischem Salz“. Breasted 1930, 383 dachte an Natriumchlorid aus der Wüste westlich des Deltas. Bardinet 1995, 253 vermutet dagegen hinter der Verbindung eine Bezeichnung für „sel marin“, was natürlich nur unter der Voraussetzung funktioniert, dass nicht ḥmꜣ.t allein schon das Meersalz bezeichnet. Es sollte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Attribuierung durch das dualistische Prinzip des ägyptischen Weltbildes motiviert ist und auf die Kulttopographie anspielt. Bei Opferhandlungen werden gelegentlich Opfergaben "aus Unterägypten" neben solchen "aus Oberägypten" genannt. Im Falle der medizinischen Texte könnte evtl. Eb 51 angeführt werden, wo neben ḥmꜣ.t-mḥ.t: "unterägyptischem Salz" jt-šmꜥ: "oberägyptische Gerste" genannt ist (zu dieser Gerste s. den Kommentar in Eb 51).

2 šbb.t: Mit dem Topf und Pluralstrichen determiniert. Abgelegt in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 486–489 s.v. šb.t: „eine Art Maische“. Westendorf 1999, 550 lässt šbb.t stehen, fügt aber immerhin in Klammern dahinter „Maische ?“ ein. Bardinet 1995, 253 gibt keinen Übersetzungsvorschlag.

3 dq,w: Die Schreibung ist ambig; das Wort könnte auch dqr: "Früchte" zu lesen sein.

4 Steht eigentlich für psi̯ jri̯ m (j)ḫ-t wꜥ.t. Derartige Verkürzungen kommen nicht selten vor, vgl. dazu W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 456.b.

5 ꜥpr.t: Schwimmer (Gardiner T 25) und Troddel (Aa 20) ähneln sich im Hieratischen sehr. Daher gibt es für das Wort zwei verschiedene Transkriptionen: Wreszinski 1913, 6 hat ḏbꜣ transkribiert; die beiden folgenden Zeichen hat er als zwei ts gelesen: ḏbꜣ.tt. Möller 1909 hat in seiner Hieratischen Paläographie keinen Ebers-Beleg für ꜥpr angegeben (s.v. Nr. 425) und hat wohl das hiesige Zeichen ebenfalls als ḏbꜣ aufgefasst. Vom Berliner Wörterbuch ist dieses Wort dagegen als Beleg für den ꜥpr.t-Krug aufgenommen worden (DZA 21.713.150) und bildet in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 138 den einzigen Beleg für dieses Gefäß. Die beiden folgenden Zeichen, die Wreszinski als zwei ts gelesen hat, werden als r und t transkribiert. Der Lesung ꜥpr.t folgen sowohl Bardinet 1995 wie Westendorf 1999. Da es für einen *ḏbꜣ.tt-Krug sonst keine anderen Belege gäbe, wird hier mit dem Wb ꜥpr.t gelesen. Auf der anderen Seite sei zugestanden, dass die Schreibung des Dreikonsonantenzeichens eher dem ḏbꜣ-Schwimmer von 39,13 als der ꜥpr-Troddel ähnelt und auch das anschließend genannte bꜣ.w-Gefäß ein Hapax legomenon ist. Es ist also nicht mit endgültiger Sicherheit auszuschließen, dass nicht doch ein sonst unbelegtes ḏbꜣ.tt-Gefäß gemeint ist. Auch die Parallele nennt die beiden Krüge, und T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 85 transliteriert das Hieratische ebenfalls als ꜥpr.t bꜣ.w. Mangels eines Fotos kann dort das Original nicht geprüft werden. Da das Rezept identisch ist mit Eb 13, trägt aber diese Parallele nichts zur Identifizierung der beiden Gefäße bei.

Eb 14, vgl. Eb 9, Bln 144, 156

Ein anderes (Heilmittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: ein viertel (Dja).
[4,15] Werde fein zermahlen. Werde vom Mann gegessen (und) mit süßem Bier hinuntergeschluckt.

Eb 15

Ein anderes (Heilmittel):
Malachit: 1 (Dosis).
Werde fein zermahlen; werde in einen (Brot)laib1 gegeben; [4,20] werde zu 3 Pillen verarbeitet. Werde vom Mann verschluckt (und) mit süßem Bier hinuntergeschluckt.

1 bj.t: Eine bestimmte Form von Brot und Gebäckstücken bzw. Kuchen; wird in Opferlisten u.ä. Brotlisten oft zusammen mit psn-Broten genannt. Wb 1, 433.1–10 vermutet eine „Art Gebäck (Brotfladen?)“; H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 155 schwanken zwischen „Fladen; Teig o.ä.“; im anglophonen Raum geht die Tendenz eher zu einer Übersetzung als „loaf“, vgl. R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 79 und J. J. Janssen, The Daily Bread. A Contribution to the Study of the Ancient Egyptian Diet, in: Bulletin of the Egyptological Seminar 13, 1997, 1538, hier: 18. (Letzterer trennt zudem Brot-bj.t vom bj.t vom šꜣy.t-Kuchen, während Wb hierin dasselbe Lemma sieht.) Die genaue Form des bj.t ist unbekannt (explizit vermerkt von P. Grandet, Le Papyrus Harris I (BM 9999), 2 Bd., Bibliothèque d’étude 109 (Le Caire 1994), 93, Anm. 338).

Eb 16

Ein anderes Heilmittel zum Öffnen des Bauches:
[5,1] wꜣm-Früchte: 1 (Dosis), jnb-Pflanzen1: 1 (Dosis), sr-Teile (?)2 der Schirmakazie: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), [5,5] šnf.t-Früchte: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

1 jnb: Nicht identifizierbar.

2 srj: Ein Hapax legomenon. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 455 erwägen eine Verschreibung für die ẖr-Teile (Wb 3, 385.13), die sonst als Teile der Schirmakazie (ksb.t) genannt werden. N. Baum, Arbres et arbustes de l’Égypte ancienne. La liste de la tombe thébaine d’Ineni (no. 81), in: Orientalia Lovaniensia Analecta 31 (Leuven 1988), 156 nennt beide Lemmata, ẖr und sr, separat, aber ohne sie zu diskutieren. Diese Notiz stellt also nur die Existenz zweier Lemmata fest, ohne eine Identifizierung miteinander zu erwägen oder abzulehnen. Wegen der unklaren Bedeutung ist auch unsicher, ob die Pluralstriche eine grammatische Pluralmarkierung sind, oder ob sie, wie bei vielen Pflanzenbezeichnungen, zur Klassifizierung gehören und damit ein Singular zu lesen ist. Das nachfolgende ksb.t ist mit dem Korn N33 geschrieben. Es ist daher unsicher, ob sr einen Bestandteil des ksb.t-Baumes, d.h. der Schirmakazie, benennt oder konkreter einen Bestandteil der Samen dieses Baumes, die ebenfalls ksb.t genannt werden. Alternativ wäre es auch denkbar, dass sich die Schreibung mit dem Korn auf die gesamte Verbindung sr n ksb.t bezieht und damit über die Natur von ksb.t selbst an dieser Stelle nichts aussagt.

Eb 17

Ein anderes (Heilmittel):
tjꜥm-Pflanzen: 1 (Dosis), [5,10] Johannisbrot: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Feigen: 1 (Dosis), Wüstendatteln (?): 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis).
[5,15] Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vom Mann gegessen.

Eb 18, vgl. Eb 7, H 58

Ein anderes (Heilmittel) zum Entleeren des Bauches:
Kuhmilch1: 1 (Dosis), [5,20] Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
[6,1] Werde fein zermahlen; werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 jrṯ.t-jḥ: Nach jḥ steht noch einmal der Topf mit Pluralmarkierung; es ist also lexikalisiert.

Eb 19

Ein anderes (Heilmittel) für den Bauch:
ḥm.w-Teile der kꜣkꜣ-Pflanze: ein viertel (Dja), ... (?)1 Datteln: ein halbes Dja (?)2, [6,5] gw-Gras3: 1/16 (Dja), Spitzen/Triebe (?) der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1/16 (Dja), Koriander: 1/16 (Dja), geronnenes (?)4 Bier: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 tf: R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 155–156 will es mit tfꜣ: „Säge“ zusammenbringen und denkt an „zerschnittene Datteln“. Westendorf 1999, 550, Anm. 5 hält eine Verschreibung für tp mw.t=f für möglich und denkt an die bnj tp mw.t=f von Eb 65: „Dattel auf ihrer Mutter“, d.h. vielleicht „unreife Dattel“.

2 gs 1/64: Möglichweise ist das hieratische Kreuz unter dem gs nicht als Maßangabe 1/64, sondern als ḏꜣ zu lesen. Zu der Möglichkeit vgl. T. Pommerening, Neues zu den Hohlmassen und zum Medizinalmasssystem, in: S. Bickel – A. Loprieno (Hrsg.): Basel Egyptology Prize 1. Junior Research in Egyptian History, Archaeology, and Philology, Aegyptiaca Helvetica 17 (Basel 2003), 201–219, hier: 216.

3 gw: Die Identifikation als Zyperngras ist keineswegs sicher, vgl. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 207–209; R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift. Deutsches Archäologisches Institut. Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 248.

4 bꜣg: Die Übersetzungen „frigidum esse, refrigerare“, die L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 11b gibt, scheint völlig geraten. Das Wb 1, 431.12 vermutet „dick werden, gerinnen (von Flüssigkeiten)?“ und dürfte dabei vielleicht an eine metaphorische Bedeutung von bꜣgi̯: „müde werden“ gedacht haben. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 241 übernehmen diese Bedeutung, geben aber durch Weglassung des Fragezeichens größere Sicherheit vor, als vorliegt (dort auch in Anm. 2 die Überlegung, dass es mit „müde sein“ zusammenhängen könnte). Davon hängen die scheinbar sicheren Übersetzungen bei R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 79 („thick, of fluids“) und R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 260, Nr. {9453}–{9454} („geronnen sein; gerinnen“) ab. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es mit dem Verb bꜣgi̯: „müde sein“ zusammenhängt; zumindest das davon abgeleitete Substantiv bꜣg ist im Mittleren Reich mit Schreibungen mit drei Wasserlinien belegt: in den Sargtexten (A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts I. Texts of Spells 1-75, Oriental Institute Publications 34 (Chicago 1935), 183d und 189e) und auf dem Sarg Kairo CG 28083 aus el-Berscheh (P. Lacau, Textes religieux, in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l'archéologie égyptiennes et assyriennes 26, 1904, 5981, 224236, hier: 229).
In Eb 19 und pRamesseum III A 31 steht es attributiv zu ḥ(n)q.t; in Eb 19 könnte es dem zusätzlichen nachgestellten Flüssigkeits-Klassifikator (Topf und Pluralstriche) nach sogar lexikalisiert sein. In Eb 19 vermutet Westendorf 1999, 550: „dickflüssiges Bier“, Bardinet 1995, 253: „dépôt (?) de bière“. Im Fall des Ramesseums-Papyrus denkt J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 20 vergleichbar zu Westendorf an „thick beer“.

Eb 20 = Ram III A 10-11 = Ram III A 26-27

[6,10] Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des wrm.yt-Leidens1 im Bauch:
Konyza (?): 1 (Dosis).
Werde mit Kuhmilch oder süßem Bier gekocht. Werde vom Mann getrunken, so dass er das wrm.yt-Leiden ausscheidet, das in seinem Bauch ist.

1 wrm.yt: B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 14 vermutet „Schlacken, Schorfe, Abfallstoffe“. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) wird diese Deutung aufgenommen, aber daneben vermutet, dass die Krankheit nach Windungen (wrm.w) bezeichnet sein könnte und ein Knäuel von Eingeweidewürmern bezeichnet.

Eb 21, vgl. Eb 35, 185, 306

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln der Lunge:
Johannisbrot: 1/64 (Oipe = 1 Dja), [6,20] süßes Bier: 2/3 (Dja).1
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde [7,1] über 4 Tage hinweg vom Mann getrunken.

1 Beide Mengenangaben sind nachträglich aus dem Einerstrich verbessert worden, Westendorf 1999, 551, Anm. 7.

Eb 22 = pLouvre E 32847, Rto. x+7,1–2

Ein anderes (Heilmittel) zum Entleeren des Bauches und Abgehenlassen jeder üblen Sache1, die im Körper eines Mannes ist:
[7,5] „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Erdmandeln: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. [7,10] Werde über 1 Tag hinweg sẖp-eingenommen2.

1 (j)ḫ.t und ḏw.t sind mit Pluralstrichen geschrieben, weswegen die Phrase von Westendorf 1999, 551 und Bardinet 1995, 254 auch pluralisch übersetzt wird. Aber auch das (j)ḫ.t in 7,9 ist mit Pluralstrichen geschrieben, obwohl es dort durch das folgende wꜥ.t als Singular markiert ist, also nur ein scheinbarer Plural vorliegt. Das ḏw.t könnte seine Schreibung von dem ebenso geschriebenen Nomen haben.

2 Vielleicht nur dasselbe Verb wie sẖb, auch wenn Wb 4, 268–269 und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 793–795 beide voneinander trennen und einen unterschiedlichen Gebrauch feststellen möchten: sẖb sei „auf flüssige Stoffe beschränkt“ (was angesichts des einzigen Belegs von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962) zunächst etwas apodiktisch wirkt, aber Bestätigung außerhalb der medizinischen Texte findet, wo abgesehen vom metaphorischen Gebrauch, etwa dem Verzehr von Seelen, tatsächlich nur Flüssigkeiten genannt sind), wohingegen sẖp bei flüssigen und festen Stoffen Anwendung finde. In Eb 122 wird sẖp verwendet, während die Parallele Bln 35 ẖpꜥ: „kauen, spülen“ hat. W. Vycichl, Grundlagen der ägyptisch-semitischen Wortvergleichung, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 16, 1958, 367–405, hier: 397 vergleicht es mit koptisch (A) ⲥⲱⳉⲡ: „verzehren, austrinken“ und vermutet darin „eine wenig schöne Form des Essens und Trinkens (...), etwa so wie wenn man ein bitteres Medikament einnimmt“.
Der Louvre-Papyrus verwendet das Verb sdb, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 74.

Eb 23 = pLouvre E 32847, Rto. x+7,2–5

Ein anderes Mittel:
Pflanzenbrei: ein halbes (Dja), sꜥꜣm-Pflanzen1: 1/32 (Dja), ꜥꜥꜣm-Pflanzen: 1/32 (Dja), [7,15] tjꜥm-Pflanzen: 1/32 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), gw-Gras: 1/32 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja),2 Weihrauch: 1/64 (Dja), [7,20] unterägyptisches Salz: 1/32 (Dja).
Werde bis zur Reduktion (???) auf 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja) gekocht3. Bevor es (vom Feuer) genommen wird, sollst du [8,1] Honig hinein geben (wörtl.: hinabsteigen lassen). Werde handwarm (wörtl.: in der Wärme des Fingers) gekocht. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.4

1 sꜥꜣm: Die Parallele nennt stattdessen die sꜥm-Pflanzen, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 75.

2 gw rʾ-32 pr.t-wꜥn rʾ-16 sind Korrekturen einer einzelnen Droge, von der allerdings nur noch schwarze Tintenspuren erhalten sind. Das heißt, die heutigen Zeilen 7,17 und 7,18 waren ursprünglich nur eine einzige Zeile mit einer einzigen Droge. Diese hat der Schreiber beim Korrekturdurchgang weggewischt und in den verfügbaren Platz die beiden Zeilen mit dem gw-Gras und den Beeren vom Stech-Wacholder gequetscht, vgl. H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 46.

3 Die Parallele schreibt „essen“ statt „kochen“, was aber T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 71 nur als Metapher für „reduzieren“ interpretiert.

4 Die Parallele empfiehlt stattdessen, es handwarm zu essen und mit einem Dritten Aufguss(?) von wässrigem süßen Bier über einen Tag hinweg hinunterzuschlucken: Die Applikationsanweisung entspricht derjenigen von Eb 29 mit dem einzigen Unterschied, das in pLouvre „süßes Bier“ statt einfaches „Bier“ steht. Vgl. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 75.

Eb 24

Ein anderes Heilmittel für den Bauch:
„Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), [8,5] gngn.t-Pflanzen: ein viertel (Dja), Wermutkraut (?): ein viertel (Dja), süßes Bier: 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.
Das (dient dem) Veranlassen, [8,10] dass ein Mann jede Ansammlung (?) ausscheiden (kann), die in seinem Bauch ist.

Eb 25, vgl. Eb 251b

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Entleeren des Bauches und Beseitigen einer Krankheitserscheinung im Bauch eines Mannes:
Rizinussamen: ∅.
[8,15] Werde gekaut (und) mit Bier hinuntergeschluckt, so dass all das, was in seinem Bauch ist, herauskommt.

Eb 26

Heilmittel für Fälle des Ausscheidens:
Honig: 1 (Dosis), [8,20] šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis), Wermutkraut (?): 1 (Dosis), [9,1] Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), das Innere einer Süßwassermuschel: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), [9,5] ꜥꜥꜣm-Pflanzen: 1 (Dosis), tjꜥm-Pflanzen: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis).
Werde zu einem Zäpfchen verarbeitet. Werde in den Hintern gegeben.

Eb 27

[9,10] Ein anderes (Heilmittel) zum Ordnen des Harns und (zum) Veranlassen, dass man ausharnt:
Gänsefett: 1/64 (Oipe = 1 Dja), „Großer-Schutz“-Droge1: 1/32 (Dja).
Werde handwarm (wörtl.: in der Wärme des Fingers) gekocht.2 [9,15] Werde mit Wein hinuntergeschluckt.

Zu dieser Droge vgl. den Kommentar hier.

2 psi̯ m srf n ḏbꜥ: Diese Stelle spricht dafür, dass psi̯ nicht in jedem Falle eine Zubereitung unter hoher Hitze impliziert.

Eb 28

Ein anderes (Heilmittel) zum Veranlassen, dass man ausharnt:
gngn.t-Pflanzen: 6 (?)1, welche wie Langbohnen von Kreta sind, Früchte/Samen der [9,20] mnwḥ-Pflanze, die man auch „Erdhaar“ nennt: ∅.
[10,1] Werde fein zermahlen; werde in Honig gegeben. Werde vom Mann gegessen (und) mit 1/64 (Oipe = 1 Dja) dattelsüßen Weines hinuntergeschluckt.

1 6: Die Zahlenangabe ist ungewöhnlich, weil gewöhnlich nur Einerstriche stehen, wenn ganze Zahlen genannt werden. Westendorf 1999, 552, Anm. 9 vermutet einen Fehler.

Eb 29

Ein anderes (Heilmittel):
Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/8 (Dja), [10,5] Honig: 1/8 (Dja).
Werde handwarm (wörtl.: in der Wärme des Fingers) gekocht. Werde über 1 Tag hinweg mit einem „Dritten (Abguss)“ (?)1 von wässrigem (?)2 Bier hinuntergeschluckt.

1 ḫmt.ny: H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 660 und 929–930 sah hierin eine jüngere Schreibung des ḫmt genannten Getränks und bringt es mit koptisch ϣⲉⲙⲏⲣ: „Hefe“ zusammen. Darauf basiert die Übersetzung von Joachim 1890, 7 und passim („Hefe“); und auf Joachim wiederum basiert Bryan 1930, 47 und passim („yeast“). Dieser Zusammenhang mit dem Koptischen ist jedoch zu streichen: Zum einen handelt es sich bei ϣⲉⲙⲏⲣ um ein Lehnwort aus einer semitischen Sprache, vielleicht dem Aramäischen oder Arabischen (W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 264, J. Černý, Coptic Etymological Dictionary (Cambridge 1976), 245 und W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 315); und sofern eine solche Entlehnung überhaupt schon zur Zeit des pEbers oder sogar der Ramesseums-Papyri stattgefunden haben würde (bei einer Entlehnung aus dem Aramäischen oder Arabischen wäre das sprachgeschichtlich gar nicht möglich), wäre das Wort wohl anders geschrieben. Zum anderen schließlich spricht allein der Konsonantenbestand gegen einen solchen Zusammenhang, denn es ließe sich keine Erklärung dafür finden, dass das koptische Derivat auf -ⲣ endet.
Ebbell 1937, 32 und passim lässt das Wort ohne Übersetzungsvorschlag. Auch Bardinet 1995, passim verzichtet auf eine Übersetzung.
H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 398 bringen ḫmt.ny mit dem Zahlwort für „drei“ in Verbindung und vermuten darin einen „Verdünnungsgrad mit Wasser auf ein Drittel (ḫmt) des Gehaltes“. Dem folgend, übersetzt Westendorf 1999, 552 u.ö.: „Drittel-Lösung/Verdünnung“. Auch W. Helck, Das Bier im Alten Ägypten (Berlin 1971), 78 hält es für eine dreifache Verdünnung. Die Wortbildung erinnert allerdings eher an eine Ordinalzahl („Dritter“) als an einen Bruch („Drittel“). Ob die Flüssigkeit also eher danach benannt wurde, dass ein bestimmter Herstellungsprozess zum dritten Mal vorgenommen oder beim dritten Mal abgebrochen wurde? Vgl. zu Letzterem vielleicht das mrḥ.t sn.nw hrw, das „Öl des zweiten Tages“ (s. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 278, Anm. 34). Oder geht der Name auf eine Qualitätsangabe zurück, so wie beim dp.t-Öl oder eventuell dem ḫnt.t-Weihrauch? Man könnte spekulieren, dass vielleicht so etwas wie der dritte Abguss gemeint sein könnte: Das altägyptische Bier enthielt zahlreiche Rückstände, und ein dritter Abguss könnte einer sein, der schon mehr Rückstände enthält als der erste und zweite Abguss. Ähnlich denkt auch A. H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica (London 1947), 233* bezüglich der nur ḫmt genannten Flüssigkeit an einen Zusammenhang mit der Herstellung, bei der irgendetwas in dreifacher Weise getan wird, hat aber keinen konkreten Übersetzungsvorschlag.

2 nḏꜣḏꜣ.yt scheint ein wässriger Zustand zu sein; dies ist v.a. aus den Wörtern nḏꜣḏꜣ und nḏꜣ.t geschlossen, die beide „Wasser“ bedeuten können.

Eb 30

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von schmerzendem Kot im Bauch eines Mannes:
[10,10] Weißes Gummiharz: 1 (Dosis), rote Tinte: 1 (Dosis), Muttermilch: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vom Mann verschluckt.

Eb 31 = pLouvre E 32847, Vso. 24,17–18

[10,15] Ein anderes (Heilmittel):
Mehl vom sw.t-Wildweizen: 1 (Dosis), tjꜥm-Pflanzen: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), „Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), [10,20] gngn.t-Pflanzen: 1 (Dosis), sẖ.t-Gerste: 1 (Dosis).
[11,1] Werde zu einer homogenen Masse zermahlen;1 werde zu einem šns-Brot verarbeitet. Werde vom Mann gegessen.

1 nḏ m (j)ḫ,t wꜥ.t: Wohl eine Abkürzung für nḏ (snꜥꜥ) jri̯ m jḫ.t wꜥ.t: "werde (fein) zermahlen, werde zu einer Masse gemacht".

Eb 32, vgl. H 3, Eb 514

Ein anderes (Heilmittel) zum Entleeren des Bauches und Abtöten von Krankheitsauslösern (?)1:
šzp.t-Teil2 vom Senf (?): ∅.
Werde fein zermahlen; [11,5] werde in 4 fqꜣ-Kuchen gegeben, (diese) werden in Honig getaucht. Werde vom Mann verschluckt.

1 Ägyptisch wḫd.w. Zu dessen Deutung als allgemeine Bezeichnung für alle möglichen krankheitsauslösenden Entitäten, seien diese nun physisch greifbar (wie es Westendorfs Übersetzung „Schmerzstoffe“ impliziert [Westendorf 1999]) oder nicht, s. die Diskussion bei K. S. Kolta – H. Tessenow: „Schmerzen“, „Schmerzstoffe“ oder „Fäulnisprinzip“? Zur Bedeutung von wḫdw, einem zentralen Terminus der altägyptischen Medizin, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 127, 2000, 38–52.

2 Zu den drei verschiedenen(?) šzp.t geschriebenen Drogen s. den Kommentar hier.

Eb 33

Ein anderes (Heilmittel):
Malachit: 1/64 (Dja), Honig: ∅.
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 34

[11,10] Heilmittel zum Öffnen des Bauches:
„Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Gänsefett: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), [11,15] süßes Bier: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 35 = Eb 185, vgl. Eb 21

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen jeder Krankheit im Bauch und Behandeln der Lunge:
[11,20] Wässriges (?) süßes Bier: ∅1, Johannisbrot: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
[12,1] Werde in einen Krug gegeben, werde ḥkn-gemacht2 „bis zum Tode“, werde gerieben ...3
Damit verbreitest du Wärme zu jeder Zeit (???).4

1 ḥnq.t nḏm.t: Die Mengenangabe fehlt hier wie in der Parallele Eb 185.

2 ḥkn: Nur in Eb 35 und im Parallelrezept Eb 185 genannt. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 856 verbindet das Wort mit dem ḥkn.w-Öl und diese beiden Wörter mit koptisch ϩⲟⲗϫ: „süß“ (dieses geht laut W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 369 jedoch auf vorkoptisches ḥꜣg zurück). Darauf basiert dann die Annahme von Joachim 1890, 8, hiermit läge ein „köstliches (Mittel)“ (und dazu Anm. 2: „Eigentlich: lieblich“) vor. Aufgrund des klassifizierenden Armes geht Wb 3, 180.11 dagegen von einem Verb aus, ohne eine Übersetzung anbieten zu können. Auf DZA 27.425.310 wird die gesamte Phrase mit Verweis auf (Georg) Ebers übersetzt mit: „Man schliesse ?? es ab gegen das Verderben ???“. Ebbell 1937, 32 bietet keine Übersetzung an. Im H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 638 werden für ḥkn die Alternativen „Zustand des Topfes“ oder „Tätigkeit der Drogenzubereitung“ genannt. Bardinet 1995, 256 schlägt unkommentiert „battu“ vor; Westendorf 1999, 553 „gerührt“. Letzterem Vorschlag folgt im Falle des Parallelrezeptes auch T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 200.

3 sjn snḏꜣḏꜣ: Nur hier und in dem gleichen Rezept Eb 185. sjn heißt eigentlich „(ab-)wischen, reiben“; das folgende direkte Objekt ist das, was gewischt oder gerieben wird. snḏꜣḏꜣ, das als Wort sonst nicht belegt ist, ist seiner Determinierung nach eine Flüssigkeit oder ein Flüssigkeitsbehälter. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 770, wird „Verflüssigung (?)“, wörtl.: „wäßrig Gemachtes“ angegeben. Westendorf 1999, 553 übersetzt: „die Lösung werde verrieben“. Aber er ergänzt noch, sicher basierend auf Eb 185, dass das Mittel getrunken werden soll, was schwierig scheint, wenn es vorher (scil.: irgendwo) „verrieben“ ist. T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 200 folgt bei ihrer Übersetzung des Parallelrezepts Westendorf: „das wäßrig Gemachte werde verrieben“. Bardinet 1995, 256 schreibt: „Frotter le produit obtenu pour faire une mousse (?)“, das sehr frei übersetzt scheint. Ob sich dahinter ein sjn s(j) n ḏꜣḏꜣ: „man zerreibe es für eine ḏꜣḏꜣ-Flüssigkeit“ verbirgt?

4 Die Übersetzung ist unsicher. Wb 4, 196.6 führt mit Verweis auf diese Stelle und das gleiche Rezept Eb 185 an: jri̯ srf: „etw. aufwärmen“. Auf DZA 29.395.880 steht: „wärme davon zu jeder Jahreszeit auf.“ H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 780, Anm. 2 schlagen für die hiesige Stelle vor: „tue (es), indem die Wärme der jeweiligen Tages- bzw. Jahreszeit in ihm (nämlich dem Medikament) ist“. Als Erklärung wird im § 1 vermutet, das Rezept komme vielleicht ohne besondere Erwärmung zur normalen, gerade aktuellen Temperatur zur Anwendung. Der Idee folgt Westendorf auch in Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999): „du mögest (es) machen, indem die Wärme der jeweiligen Zeit in ihr (der Lösung) ist“ (Westendorf 1999). Einen etwas anderen Vorschlag unterbreitet Bardinet 1995, 256: „Tu (las) prépareras à la chaleur correspondante (à celle) qui est en lui (= l’homme) à ce moment-là.“ Anders als von Deines/Westendorf bezieht er das Suffix von jm=f also nicht auf das Medikament, sondern den Mann. srf bezeichnet in den medizinischen Texten meist eine Krankheitserscheinung, gibt aber auch die Temperatur zur Herstellung oder Verabreichung der Medikamente an. Da der Herstellungsprozess dieses Rezeptes wegen weiterer unsicherer Lemmata unklar ist, ist nicht auszuschließen, dass hier von einer Hitzewirkung die Rede ist.

Eb 36

Ein anderes (Heilmittel) zum Veranlassen, dass man ausharnt:
[12,5] Süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja), šnf.t-Früchte: 1/16 (Dja), unterägyptisches Salz: 1/16 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 37

[12,10] Ein anderes (Heilmittel):
Gerste: ein Hin (= 1,6 Dja)1.
Werde geröstet, (also) ganz und gar gedörrt;2 werde zu fqꜣ-Kuchen verarbeitet; werde in [12,15] Öl/Fett gegeben. Werde von dem Mann gegessen, der nicht ausharnen3 kann.

1 hnw: Zum Verhältnis des Hin-Maßes zur Oipe und damit zum Dja vgl. T. Pommerening, Neues zu den Hohlmassen und zum Medizinalmasssystem, in: S. Bickel – A. Loprieno (Hrsg.): Basel Egyptology Prize 1. Junior Research in Egyptian History, Archaeology, and Philology, Aegyptiaca Helvetica 17 (Basel 2003), 201–219.

2 ꜥwg.w wꜣi̯: Zu den temperaturabhängigen Abstufungen der Vorgänge „rösten“ (ꜥwg) und „dörren“ (wꜣi̯), s. U. Verhoeven, Grillen, Kochen, Backen im Alltag und im Ritual Altägyptens. Ein lexikographischer Beitrag, Rites égyptiens 4 (Bruxelles 1984), 65–84, spez. 77.

3 fgn: Das n ist in Rot über dem Determinativ nachgetragen.

Eb 38

Ein anderes (Heilmittel) zum Regeln des Bauches:
šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis), šꜣms-Pflanzen: 1 (Dosis), [12,20] ḏꜣꜥ-Pflanzen1: 1 (Dosis), Malachit: eine Winzigkeit2, Honig: 1 (Dosis).
[13,1] Werde (miteinander) vermischt. Werde vor dem Schlafen(gehen) gegessen.

1 ḏꜣꜥ: Eine nur selten genannte Droge. Nach einer Angabe des Brooklyner Schlangenpapyrus wird sie in der „Sprache der Asiaten“ grbn genannt; das Wort ist darin mit dem Pflanzenstängel klassifiziert, so dass man annehmen kann, dass ḏꜣꜥ eine Pflanze ist. Entsprechend ist sie auch von R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 165–166 aufgenommen, die sich aber einer Identifizierung enthält.

2 nhj: Das Adjektiv „wenig“ wird hier wie eine Mengenangabe behandelt.

Eb 39

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Schwellungen im Bauch:
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/8 (Dja), Milch: 1/8 (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Früchte/Samen der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1/8 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), [13,10] Weihrauch: 1/64 (Dja), Wasser: ∅1.
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 „Wasser“ steht ohne Mengenangabe.

Eb 40

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Krankheit in der Seite des Bauches:1
ꜥfꜣ-Lattich (?): 1 (Dosis), Dattelsaft: 1 (Dosis).
[13,15] Werde mit Öl/Fett gekocht. (Die Seite) werde darüber verbunden.

1 gs n ẖ.t: Westendorf 1999, 554 ergänzt zur „(rechten) Hälfte des Bauches“, mit Verweis auf Eb 757, wo eine gs wnmj: „rechte Hälfte“ (ohne ẖ.t) vorkommt, und Eb 759. Bardinet 1995, 256 bleibt unspezifischer: „un côté de l’intérieur du corps“.

Eb 41, vgl. Eb 42

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen jeder Krankheit1 im Bauch:
Feigen, gegrillt und eingetaucht in frisches Olivenöl: ∅, Weinbeeren/Rosinen: ebenso, Beeren vom Phönizischen Wacholder: ebenso.
Werde [13,20] zu einer homogenen Masse vermengt. Werde von dem Mann gegessen, der eine Krankheit in seinem Bauch hat, und (werde) veranlasst, dass er (danach etwas) trinkt.

1 mḥr.t: Als singularisches Abstraktum aufgefasst von Westendorf 1999, als Plural von Bardinet 1995.

Eb 42, vgl. Eb 41

[14,1] Ein anderes (Heilmittel):
Feigen, gegrillt und eingetaucht in frisches Olivenöl: ∅, Weinbeeren/Rosinen: ebenso, Beeren vom Phönizischen Wacholder: ebenso, pꜣ-jb-Flüssigkeit: ein Hin (= 1,6 Dja), Wein: ein Hin (= 1,6 Dja).
[14,5] Werde zu einer homogenen Masse vermengt. Werde getrunken von demjenigen, der eine Krankheit in seinem Bauch hat.

Eb 43

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Krankheit des Bauches:
Öl/Fett: ∅, Erdmandeln: ∅, sꜥꜣm-Pflanzen: ∅, Perlen1, in Honig zermahlen: ∅.
[14,10] Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde über 1 Tag hinweg gegessen.

1 swj.t: Das Wort bezeichnet nicht die echte (Muschel-)Perle, sondern perlenförmige Halbedelsteine, meist Karneol.

Eb 44, vgl. Eb 153

Ein Heilmittel zum Beenden von Ausscheidungen:
Frisches Johannisbrot: 1/8 (Dja), frischer ꜣḥ-Brei: 1/8 (Dja), Öl/Fett1: ∅, Honig: ein viertel (Dja), [14,15] Wachs: 1/16 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

1 Die Mengenangabe hinter mrḥ.t fehlt.

Eb 45, vgl. Eb 47

Ein anderes (Heilmittel):
Laib eines šns-Brots: 1/16 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), [14,20] sḫt-Droge vom ḏwj.w-Vogel (?): 1/16 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 46

[15,1] Ein anderes (Heilmittel):
šnf.t-Früchte: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/16 (Dja), [15,5] jns.t-Pflanzen: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Honig: 1/16 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. (Werde) ebenso (verfahren).

Eb 47, vgl. Eb 45

[15,10] Ein anderes (Heilmittel):
Laib eines šns-Brots: 1/16 (Dja), sḫt-Droge vom ḏwj.w-Vogel (?): 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
[15,15] Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 48

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Weintrauben: 1/8 (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/32 (Dja), [15,20] Gummiharz: 1/32 (Dja), Ocker: 1/64 (Dja), [16,1] Johannisbrot: 1/32 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/8 (Dja).
(Und) man sagt folglich: „O ht.w-Dämon, o ht.t-Dämonin“1und umgekehrt –, „o ꜥḏn-Dämon, [16,5] o ꜥḏn.yt-Dämonin!“2und umgekehrt, während man (das Medikament?) durch 300 cm³ Wasser vervollständigt (?)3.4
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.5

1 ht.w und ht.t: Nur hier belegt. Westendorf 1999, 391 erwägt eine Verbindung mit der mht.t-Dämonin des pBerlin und denkt auch an eine Paviansgestalt, sicher aufgrund der phonetischen Nähe zu hṯt: „Pavian“. Bei Letzterem ist die Entpalatalisierung entsprechend der allgemeinen ägyptischen Lautentwicklung schon für das Neue Reich belegt; eine Klassifizierung mit dem Tierfell, wie hier, ist zumindest aus ptolemäischer Zeit bekannt (DZA 26.408.910). Die Ligatur im Ebers schließt auch eine Lesung htr nicht aus, nur wäre in dem Fall kein Vorschlag möglich.

2 ꜥḏn: Zu diesem Dämon(?) vgl. den Kommentar von A. Blöbaum zu pBM EA 10083 (= OAD L1), Vso. x+30, Anm. 13. Sie verbindet die Bezeichnung mit dem im Demotischen belegten Verb ꜥḏn: „zerstören“.

3 sjp: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 715 schlagen mit Verweis auf das Simplex jp in Wb 1, 66.2 („etw. für vollzählig befinden“) die Bedeutung „vervollständigen“ vor; das Verb scheint in dieser Verwendung nur hier vorzukommen. Die erweiterte Bedeutung „etw. für vollzählig befinden“ ist für jp gut belegt; die Grundbedeutung ist „zählen“. Die Grundbedeutung von sjp ist „überweisen; revidieren“. Entsprechend übersetzt Bardinet 1995, 258 mit „sera additionné de“.

4 jw sjp=tw: Zum Anschluss als virtuellen Temporalsatz und zur Interpretation des =tw als Suffixpronomen und nicht als Passivsuffix vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 235.7.a.

5 Dass die weitere Medikamentenherstellung sowie die Anweisung, wie es einzunehmen ist, ohne Überleitung erfolgt, zeigt, dass der magische Spruch syntaktisch wie eine längere Parenthese behandelt wird.

Eb 49 = H 18, pLouvre E 32847, Rto. x+6,7–8

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des Ausscheidens von Blut, das in großer Menge auftritt1:
Frischer ꜣḥ-Brei: 1/8 (Dja), [16,10] zerkleinerte Erdmandeln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Öl/Fett: 1/8 (Dja),2 Honig: 1/8 (Dja).
Werde ausgepresst.3 Werde über 4 Tage hinweg getrunken.
Jedes (andere) Heilmittel ist ihm (gegenüber) ein Zweit(klassig)es.

1 ꜥšꜣ=f: Wörtl.: „wenn es viel ist“. Offenbar ist das Rezept für Fälle mit hohem Blutverlust gedacht. Rezepte gegen Ausscheidungen von Blut allgemein, d.h. ohne Angabe, ob viel oder wenig, finden sich im Papyrus Berlin 3038, Bln 165 und 187; vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 219.

2 Öl/Fett: 1/8 (Dja): Vom Louvre-Papyrus ausgelassen, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 71.

3 Statt „Werde ausgepresst“ weist der Louvre-Papyrus an: „Werde zu einer Masse gemacht“.

Eb 50, vgl. Eb 63

[16,15] (Ein Heilmittel zum) Töten eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms:
Wurzel des Granatapfelbaumes: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 51

Ein anderes (Heilmittel):
Vierzeilige (wörtl.: schmale) (?) Gerste:1 1/64 (Oipe = 1 Dja), unterägyptisches Salz: ein halbes Dja (?), [16,20] Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

1 Ägyptisch jt-šmꜥ.w: Die gängige Übersetzung ist „oberägyptische Gerste“. Für die Möglichkeit, dass es eigentlich die „schmale“, d.h. die vierzeilige Gerste, ist, vgl. R. Müller-Wollermann, Die sogenannte ober- und unterägyptische Gerste, in: Varia Aegyptiaca 3.1, 1987, 3941. Diesem Ansatz steht T. Pommerening, Wege zur Identifikation altägyptischer Drogennamen – eine kritische Betrachtung, in: P. Dils – L. Popko (Hrsg.), Zwischen Philologie und Lexikographie des Ägyptisch-Koptischen. Akten der Leipziger Abschlusstagung des Akademienprojekts „Altägyptisches Wörterbuch“, Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-Historische Klasse 84.3 (Leipzig/Stuttgart 2016), 82111, hier: 85 mit Anm. 16 kritisch gegenüber, weil die Adjektive mḥ und šmꜥ in den Drogennamen auch mit Mineralien verbunden sein können, wo eine Übersetzung als „voll“ und „schmal“ nicht unbedingt passt. Sie bleibt daher bei der Auffassung als „oberägyptische Gerste“ bzw., es als Kompositum auffassend, als „Nordgerste“. Gerade im Rezept Eb 51, dem einzigen Vorkommen von jt-šmꜥ.w in medizinischen Texten, wird es neben der Droge ḥmꜣ.t-mḥ.t, dem „unterägyptischen Salz“, genannt, und dabei könnte tatsächlich das ägyptische Dualitätsprinzip Oberägypten & Unterägypten eine Rolle gespielt haben.

Eb 52

Ein anderes (Heilmittel):
Blätter1 der Dornakazie: 1/64 (Oipe = 1 Dja), [17,1] Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 Ägyptisch ḏrḏ: Immer nur abgekürzt mit dem Kuhohr geschrieben. Anfangs jdn gelesen, weil es etwa in der Wortfamilie jdn: „vertreten“, jdn.w: „Stellvertreter“ als Klassifikator oder Phonogramm dienen kann, s. L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 7 und H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. V (Leipzig 1880), 163. Die Lesung ḏrḏ beruht auf pBerlin P 3038, vso. 3,7, einem Nachtrag von anderer Hand als der übrige Text, s. DZA 31.687.250. Ein mögliches demotisches Derivat davon ist das Wort tt.w in pWien D 6257, F. Hoffmann, Die Verwendung hieratischer Zeichen in demotischen medizinischen Texten, in: S. P. Vleeming (Hrsg.), Aspects of Demotic Orthography. Acts of an International Colloquium held in Trier, 8 November 2010, Studia Demotica 11 (Leuven 2013), 25–39, hier: 34.
Zur Bedeutung:
(1) Ebers 1889, 210–212, Anm. 23 schlägt, vor dem Vergleich der Kollokation ḏrḏ n šnḏ.t: „ḏrḏ der Nil-/Dornakazie“ im Augenbuch mit der Verwendung von Gummiharz der Akazie gegen Augenkrankheiten bei Dioskurides, vor, in ḏrḏ (von ihm noch jdn gelesen) ein Harz zu sehen. Da in Eb 779 auch Pulver von ḏrḏ n šnḏ.t genannt wird und die gesamte Gruppe ḏrḏ n šnḏ.t mit dem Mineralienklassifikator (Gardiner Sign-list N33) geschrieben werden kann, hält er auch eine Identifikation mit getrockneten Harzkörnern für möglich. Bestätigung für die Deutung als Harz sieht er darin, dass auch ḏrḏ von Sykomoren und von ꜥr.w-Bäumen (von ihm als Terebinthe identifiziert) genutzt wird und sich, dem vergleichbar, unter den Drogen des Dioskurides auch Milchsaft der Sykomore und Terebinthenharz genannt finden. Schließlich vergleicht er das ḏrḏ des logographisch mit dem Baum geschriebenen jꜣm-Baumes mit einer Flüssigkeit, die ebenfalls logographisch mit dem Baum sowie mit Krug-Klassifikator geschrieben ist (wobei diese Flüssigkeit dank zahlreicher Pleneschreibungen sicher als bꜣq zu lesen ist). Ebers’ Deutungsvorschlag dürfte die Basis für die Übersetzung als „Harz“ bei Joachim 1890, passim und auf DZA 31.687.220 sein.
(2) V. Loret, Recherches sur plusieurs plantes connues des anciens Égyptiens (suite), in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 15, 1893, 105–130, hier: 119–122 und V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes (Paris 1892), 87–89 will in ḏrḏ eine Bezeichnung für „Hülsen, Schoten“ („gousse“) im Allgemeinen und die Schoten des Johannisbrotbaumes im Besonderen sehen; er vergleicht es dazu mit koptisch ϭⲁⲣⲁⲧⲉ: „Schote“ und vermutet darin auch den Ursprung von griechisch κεράτιον, lateinisch ceratonia und sogar dem französisch-dialektalem „Carouge“. Außerdem verbindet er es mit der Pflanzenbezeichnung dnrg (Wb 5, 470.4) sowie dem Wort ṯrk (Wb 5, 384.9); und weil Letzteres in pAnastasi IV, 12,1 als Getränk erscheint, vermutet er in Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 15, 120 in ḏrḏ nicht zuletzt auch „une espèce de liqueur“. Seinen Vorschlägen der Wortentlehnung hat L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. II, Sonderschrift. Deutsches Archäologisches Institut. Abteilung Kairo 13 (Mainz 1984), 16–17 zu Recht heftig widersprochen, und auch die Identifizierung von ḏrḏ als Hülse lehnt er ab, da in den medizinischen Texten auch ḏrḏ von Bäumen verwendet wird, die keine Hülsenfrüchte tragen, wie etwa Zizyphus, Sykomore und Weide. Keimer äußert sich vorsichtig nur soweit, dass ḏrḏ „irgend einen Teil an verschiedenen Bäumen bezeichnet“.
(3) Wohl inspiriert von Loret, jedenfalls seinen Artikel in Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 15 nennend, sieht G. Jéquier, Matériaux pour servir à l’établissement d’un dictionnaire d’archéologie égyptienne, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 19, 1922, 1271, hier: 37 „sans doute“ den Saft aus Kernen oder Samen. Darauf basiert möglichweise das „juice“ von Ebbell 1937, passim. Und obwohl von H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 602 Ebbells Übersetzung als „unklar“ abgelehnt wird, halten von Deines und Grapow es ebd. für denkbar, dass spezifisch das ḏrḏ n šnḏ.t dem ⲁⲕⲁⲕⲓⲁ(ⲥ) der koptischen medizinischen Texte entspricht, dem eingedickten Saft der Schoten und Blätter der Akazie (W. C. Till, Die Arzneikunde der Kopten (Berlin 1951), 45).
(4) Die erwähnte singuläre Pleneschreibung in Bln 204 ermöglichte den Vergleich mit dem ebenfalls singulären Wort ḏrḏr aus dem Grab des Eje in Amarna, das in dem Parallelismus „Federn der Vögel und ḏrḏr.w der Bäume“ steht und daher recht naheliegend mit „Blatt“ übersetzt wird. Die Übersetzung „Blatt“ wird seitdem favorisiert, vgl. schon A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), S. 463, Sign-list F21; G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 55, Anm. 5; F. Jonckheere, Le papyrus médical Chester Beatty, La médecine égyptienne 2 (Bruxelles 1947), passim; G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), § 1515; H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 602; von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, passim; Westendorf 1999, passim; Bardinet 1995, passim u.a. Das semantische Verhältnis zu anderen Bezeichnungen für „Blätter“, etwa gꜣb.t, wäre noch zu klären.
(5) Breasted 1930, 380 folgt zwar weitgehend dem Vorschlag (4), weist aber darauf hin, dass diese Bedeutung nicht völlig gesichert ist und dass die Rinde (cortex), speziell die Rinde der Weide (bezugnehmend auf die Droge ḏrḏ n ṯr.t), ein viel wirksameres Heilmittel sei als die Blätter. Auf Breasteds alternative Erklärung neben der als „Blätter“ weist jedenfalls auch L. Keimer, L’arbre r.t Tr.t est-il réellement le saule égyptien (Salix safsaf Forsk.)?, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 31, 1931, 117237, hier: 194 hin.

Eb 53

(Ein Heilmittel zum) Beseitigen eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms im Bauch:
Malachit: 41 Stücke.
Werde in 4 fqꜣ-Kuchen gegeben. Werde [17,5] vom Mann verschluckt.

1 Die Maßangabe ist nicht rubriziert.

Eb 54

Ein anderes (Heilmittel):
ẖr/ẖt-Teil (?)1 der Schirmakazie: 1/642 (Oipe = 1 Dja), Datteltrester (?)3: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Wasser: 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 ẖr: Nur in den medizinischen Texten und dort nur in Mitteln gegen Würmer genannt (außer Eb 99, wo es in einem Mittel gegen ꜥꜣꜥ gebraucht wird). Die Schreibung mit Einkonsonantenzeichen ist anmerkenswert, da Wörter mit dieser Konsonantenfolge meist mit dem Zweikonsonantenzeichen ẖr geschrieben werden. Ob vielleicht doch kein r, sondern ein t zu lesen ist, wie es sich in Wreszinskis Transkription findet (Wreszinski 1913)? Das Hieratische würde jedenfalls beide Lesungen zulassen. Bei einer Lesung als ẖt bestünde die Möglichkeit, es mit dem Wort ẖ.tj von Wb 3, 359.7 zu verbinden, das mit dem Seil klassifiziert ist und als dessen Bedeutung „Bast“ oder „Borke“ vermutet wird. Es ist im Totenbuch, Tb 155 und 156, als Bestandteil der Sykomore genannt, als etwas, woran man ein Amulett befestigt und was seinerseits am Hals des Verstorbenen befestigt wird. W. Helck: Materialien zur Wirtschaftsgeschichte des Neuen Reiches (Teil V). III. Eigentum und Besitz an verschiedenen Dingen des täglichen Lebens. Kapitel AI–AL, Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse. Jahrgang 1964,4 (Wiesbaden 1965), 309 (917) verweist auch noch auf Matten aus ẖt auf oKairo CG 25619, vso. 3. J. J. Janssen, Commodity Prices from the Ramessid Period. An Economic Study of the Village of Necropolis Workmen at Thebes (Leiden 1975), 140 vermutet in diesem ẖt, für das er weitere Stellen im Zusammenhang mit Körben nennt, keine Materialangabe, sondern eine besondere Herstellungsart; er hält es in Anmerkung 47 aber auch für denkbar, das ẖt des Wb mit dem ẖr der medizinischen Texte zusammenzubringen.

2 1/64 ist jeweils am Zeilenende untereinander geschrieben, weswegen es in Zeile 6 und 7, wie stellenweise auch in den vorigen Kolumnen, durch ein großes Spatium von den Drogennamen getrennt ist. Im Fall der letzten Droge ist dadurch auch das 1/32 vom 1/64 getrennt, da Letzteres direkt an mw anschließt, das 1/64 aber eben erst am Ende der Zeile steht. Daher das „sic“ bei Wreszinski 1913, 16, wohingegen sich weder in Grapow 1958, 200 noch bei Westendorf 1999, 556 ein Vermerk darauf findet.
Kurioserweise erhält man in Zeile 17,5 den Eindruck, als würde das Determinativ von ksb.t die Maßangabe leicht überschneiden, als hätte also die Maßangabe schon dagestanden und n ksb.t wäre nachgetragen worden.

3 zrm: Vermutlich eine Schreibung für das bekannte zrm.t.

Eb 55 = Bln 2

Ein Heilmittel zum Töten eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms:
[17,10] Schnitzel (?) von Datteln: 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde getrunken.

Eb 56

Ein anderes (Heilmittel):
[17,15] Zweige/Stängel1 der nšꜣ-Wasserpflanze: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Wermutkraut (?): 1/64 (Oipe = 1 Dja), süßes Bier: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde zermahlen; werde gefiltert. Werde getrunken.

1 ꜥẖm: In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 108–109 wird vermutet, dass es sich um kleine Zweige handeln könnte, an denen die Blätter noch dran sind. Eine genaue Bedeutung des Wortes lässt sich nicht festlegen.

Eb 57

Ein anderes (Heilmittel):
[17,20] ẖr/ẖt-Teil (?)1 der Schirmakazie: ∅.
Werde veranlasst, dass er 4 Tage in einem „Dritten (Abguss)“ (?) verbringt; werde nachts dem Tau ausgesetzt; [18,1] werde in einer Schale gefiltert am 5. Tag; werde gegeben zu (???)2 ---LEER GEFUNDEN---3 taub seiend (?)4; werde nachts dem Tau ausgesetzt im Sommer. Werde am Morgen getrunken.

1 ẖr: Vgl. die Diskussion in Eb 54. Interessanterweise ist ksb.t hier nicht mit dem Baum, sondern mit dem Mieralienkorn Gardiner N33 klassifiziert. Es bliebe zu klären, ob das bedeutet, dass hier nicht der Baum, sondern ein Bestandteil, etwa die Frucht gemeint ist, oder man das als Gesamtklassifikator einer Droge ẖr-n-ksb.t zu interpretieren hat.

2 rḏi̯ nn: Westendorf 1999 vermutet: „werde gegeben (?), ohne <nj?>“. Die Fragezeichen sind berechtigt, denn man erwartet ein direktes Objekt nach rḏi̯ als Angabe, wohin das Medikament gegeben wurde. Dass ein Objektsatz nach rḏi̯ vorliegt, scheidet als Alternative aus, da in dem Fall ein Subjunktiv zu erwarten ist; dieser würde jedoch mit tm=f sḏm gebildet und nicht mit nn sḏm=f (vgl. etwa das Liebeslied oCairo CG 25218, Z. 25), soweit er überhaupt negiert wird – in der Regel wird nämlich nur das rḏi̯ negiert und der Subjunktiv affirmativ angeschlossen („nicht zulassen, dass ...“). Ob in der Vorlage vielleicht die Präposition n, gefolgt von einem mit beginnenden Nomen, gestanden hat? Zur Schreibung der Präposition n mit negierenden Armen vor Nomina s. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 421, § 1. Für die Phrase vgl. das rḏi n šw: „werde in die Sonne gelegt“ in Zeile 82,13, wo das n ebenso mit diakritischem Punkt geschrieben ist wie hier, und für die Anordnung der Präposition über einem schmalen Zeichen (wenn auch in regulärer Graphie) in 53,18: rḏi n=s mw: „darauf werde Wasser gegeben“. Möglicherweise liegt hier also gar nicht ein Kopierfehler, sondern nur ein moderner Transkriptionsfehler vor: Die Zeichenfolge n n... würde, wenn übereinander geschrieben, der Negationspartikel tatsächlich sehr ähnlich sehen. Vgl. aber n nh.t in 20,11, wo beide n mit dem einfachen hieratischen Strich geschrieben sind.

3 „leer gefunden“: Eine typische Formel ägyptischer Kopisten, um anzuzeigen, dass an der entsprechenden Stelle die kopierte Vorlage zerstört (also mit einer Lücke im Papyrus) oder absichtlich getilgt und nicht wiederbeschrieben war. Mitunter kann dieser Vermerk auch ein Kunstgriff sein, um dem eigenen Text den Charakter einer Kopie von einem alten, d.h. altehrwürdigen, Original und damit dem eigenen Text eine höhere Autorität zu verleihen. In Eb 57 spricht jedoch nichts dagegen, dass tatsächlich die Kopie einer irgendwie beschädigten Vorlage vorliegt. Diese Beschädigung dürfte auch der Grund sein, weshalb der genaue Inhalt und die Grammatik dieser Passage nicht eindeutig zu klären ist.

4 jd ist genau so geschrieben wie das Verb jdi̯, weshalb es im Wb auch als Beleg hierfür abgelegt wurde (DZA 21.476.760) – wenn auch ohne Übersetzungsvorschlag. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) haben es dagegen als eigenes Lemma unklarer Bedeutung aufgeführt. Der Grund dürfte sein, dass nach der Präposition ein Infinitiv stehen müsste, der aber jdi̯.t lauten müsste.

Eb 58

Ein anderes (Heilmittel):
mw.t-Teile vom gw-Gras: 1/32 (Dja), Malachit: 1/32 (Dja), [18,5] Wasser: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 59 = Bln 4

Ein anderes (Heilmittel):
wꜣm-Früchte: ein viertel (Dja), šnf.t-Früchte: ein viertel (Dja), [18,10] ẖr/ẖt-Teil (?) der Schirmakazie: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde zermahlen; werde nachts mit Honig stehen gelassen; du sollst früh auf sein, [18,15] um es mit 1/64 (Oipe = 1 Dja) Bier zu verreiben. Werde vom Mann getrunken.

Eb 60

Ein anderes (Heilmittel):
wꜣm-Früchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Wasser: 1/64+1/64 (Oipe = 2 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken. [18,20] (Werde) alternativ mit Bier (statt Wasser zubereitet).

Eb 61, vgl. Eb 62

Ein anderes (Heilmittel):
Schilfrohr: 1/64 (Oipe = 1 Dja), [19,1] šꜣms-Pflanzen: ein viertel (Dja).
Werde mit Honig gekocht. Werde gegessen.
Ihre (d.h. der Würmer? der Ingredienzien?) Beschwörung:
„Die Last1 möge gelöst werden! [19,5] Die Mattigkeit möge weichen, die ‚Der-auf-seinem-Bauch-Ist‘ in diesen meinen Bauch gelegt hat, die ein Gott verursacht hat, die ein Feind verursacht hat!2 Streit sei wider ihn! (?)3 Der Gott möge das lösen, was er [19,10] in diesem meinem Bauch verursacht hat!“

1 Das ägyptische Wort an dieser Stelle ist pꜣw.t.

2 Übersetzung mit Westendorf 1999, 557. Bardinet 1995, 52 übersetzt: „(...) et (le corps) de celui qui a perdu ses forces (= la momie) fut retourné. (Tout à coup), un ver-hery-shetef sauta dans ce mien intérieur du corps. Que ce soit un dieu qui a agi, que ce soit un démon, (...)!” Seine Übersetzung lässt sich aber nicht ganz mit der Wortstellung des Originals vereinbaren.

3 Übersetzung unsicher. Die Graphie von šnt.t erinnert an manche Graphien für šnṯ.t: „Streit, Zank“. Westendorf 1999, 557 schlägt eine verbale Übersetzung vor: „Möge man ihn bestrafen (šnṯ.tw n-f ?)“, die aber unwahrscheinlich ist, da das Contraagens normalerweise als direktes Objekt an šnṯ angeschlossen wird (šnṯ sw, nicht šnṯ n=f) und das Passivsuffix tw hinter dem Determinativ stehen müsste.
Auch die scheinbare Präposition n ist nicht sicher: Zu einem vorgeblich zu streichenden n unter dem "schlechten Vogel", der wohl eher als eine Art Füllstrich zu interpretieren ist, vgl. G. Posener, L’enseignement loyaliste. Sagesse égyptienne du Moyen Empire, Centre de Recherches d’Histoire et de Philologie de la IVe Section de l’Ecole pratique des Hautes Etudes 2. Hautes Études Orientales 5 (Genève 1976), 96, § 6, Anm. a (im TLA unter: Loyalistische Lehre, Text oAshmolean 1938.912, § 6,11), ders., Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh. Tome II. Fasc. 1. Nos 1109-1167, Documents de fouilles de l’Institut français d’archéologie orientale 18 (Le Caire 1951), Taf. 8 (im TLA: Kemit, Handschrift oBrüssel E3208, § 7)), sowie im TLA pd'Orbiney 3,2 und 7,3, pBoulaq 13, Frg. IV,1 und IX,3.

Eb 62, vgl. Eb 61

Ein anderes nützliches Heilmittel von denen1, die für den Bauch angefertigt werden (können):
Schilfrohr: 1 (Dosis), šꜣms-Pflanzen: 1 (Dosis).
[19,15] Werde fein zermahlen; werde mit Honig gekocht. Werde von dem Mann gegessen, der Gewürm in seinem Bauch hat.
Es ist der ꜥꜣꜥ- Giftsame2, der es geschaffen hat. 〈Es〉 kann nicht durch irgendein (anderes) Heilmittel sterben.

1 Zur partitiven Auffassung der Präposition vgl. Bardinet 1995, 259. Westendorf 1999, 557 fasst die Präposition m dagegen identifizierend auf: „Ein anderes wirksames Heilmittel als etwas, das gemacht wird für den Bauch“.

2 ꜥꜣꜥ: Die hier angedeutete Konnotation mit Susanne Radestock (mdl. Mitteilung).

Eb 63, vgl. Eb 50

Ein anderes (Heilmittel):
Wurzel des Granatapfelbaumes: ∅.
[19,20] Werde zerstoßen1 mit 1/64 (Oipe = 1 Dja) Bier; werde nachts in einem Hin-Topf2 mit 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja) Wasser stehen gelassen; du sollst früh auf sein, um es durch Tücher zu filtern. Werde vom Mann getrunken.

1 Ägyptisch hbq: Ein hauptsächlich in medizinischen Texten verwendetes Wort. Die Klassifizierung mit dem schlagenden Mann oder dem schlagenden Arm besagt zunächst nur, dass es sich um ein Aktionsverb handelt. Aufgrund der ptolemäisch belegten Klassifizierung mit dem Messer und des koptischen ϩⲃⲟⲕ wird von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 565 ein spitzer Gegenstand als Instrument des Vorgangs vermutet. Als Ort des Vorgangs erscheint in den Belegen ein steinerner Mörser (šd n jnr). Außerdem kann der Vorgang, wie hier, auch über oder in einer Flüssigkeit stattfinden (dagegen wird in H. von Deines – W. Westendorf, ebd. vermutet, dass bei hbq ḥr nur eine Verkürzung aus hbq rḏi̯ ḥr: „werde zerstoßen, werde gegeben in...“ vorliegt). Das Resultat der Handlung ist eine jḫ.t wꜥ.t: „ein(heitlich)e Masse“. Da auch solche Dinge hbq-gemacht werden sollen, die nicht hart genug sind, als dass eine Übersetzung „to be crushed“ aus moderner Perspektive gerechtfertigt sei, vermutet T. Pommerening, Medical Re-enactments. Ancient Egyptian Prescriptions from an Emic Viewpoint, in: G. Rosati – M. C. Guidotti (Hrsg.), Proceedings of the XI International Congress of Egyptologists, Florence Egyptian Museum, Florence, 23-30 August 2015, Archaeopress Egyptology 19 (Oxford 2017), 519–526, hier: 525, dass dem Wort eine zusätzliche metaphorische Bedeutung innewohnt, derzufolge die Droge ähnlich zerstört werden soll wie die Krankheit oder das Symptom, wogegen die hbq-gemachte Droge verwendet werden soll.

2 hnw meint hier klar den Hin-Topf, nicht das sich daraus entwickelnde Hin-Maß. Vgl. auch T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 200, die schreibt, dass das Wort hnw in den medizinischen Texten dann, wenn es nicht als Rubrum geschrieben ist, das Gefäß meint. Gleich im nächsten Satz schreibt sie: „Sein Volumen dürfte im Mittleren Reich nicht zu weit vom späteren Standard der Hin-Maßeinheit entfernt gewesen sein, weil davon auszugehen ist, daß eine stete Entwicklung vom Alltags- über das Quasi-Meßgefäß zu der vom Gefäß unabhängigen Einheit stattfand.“ Das Rezept Eb 63 könnte jedoch ein Zeugnis dafür sein, dass noch zur Zeit von dessen Niederschrift die Größe eines Hin-Gefäßes variieren konnte: Das Verhältnis von Hin-Maß zu Dja hat sie an mehreren Stellen (etwa T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 244–246 oder T. Pommerening, Healing measures. dja and oipe in Ancient Egyptian Pharmacy and Medicine, in: J. Cockitt – R. David (Hrsg.), Pharmacy and Medicine in Ancient Egypt. Proceedings of the Conferences held in Cairo (2007) and Manchester (2008), British Archaeological Reports - International Series 2141 (Oxford 2010), 132137, 132–137, hier spez. 134) als 5 Hin = 8 Dja festmachen können. Das bedeutet, dass 1 Dja einer Menge von 0,625 Hin entspricht. Im Rezept Eb 63 sollen nun Wurzeln des Granatapfelbaumes (in ungenannter Dosierung) in einem Dja Bier zerstampft, und diese Mischung soll zusätzlich mit 3 Dja Wasser in einem Hin-Gefäß aufbewahrt werden. Die Gesamtdrogenmenge von 4(+x) Dja übersteigt dabei ein Hin-Maß um ein Vielfaches, genauer gesagt, entspricht sie 2,5(+x) Hin. Speziell im Rezept Eb 63 kann also das erwähnte Hin-Gefäß unmöglich das „Quasi-Meßgefäß“ meinen, sondern muss noch seine allgemeinere Bedeutung als Alltagsgefäß unterschiedlicher Größe haben. Inwieweit sich das auf die anderen Belege des pEbers verallgemeinern lässt, bliebe zu prüfen.

Eb 64

[20,1] Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Beseitigen eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms im Bauch:
ꜥfꜣ-Lattich (?): 1 (Dosis), Wermutkraut (?): 1 (Dosis), Pflanzenbrei: 1 (Dosis).
[20,5] Werde zu einer homogenen Masse vermengt. Werde gegessen. Dann scheidet er (d.h. der Patient) alle Würmer, die in seinem Bauch sind, aus.

Eb 65, vgl. Eb 71

Ein anderes (Heilmittel) zum Töten eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms:
[20,10] Ungeritzte Früchte, getrocknet, der Sykomore: 1 (Dosis), „Dattel-auf-seiner-Mutter“-Droge: 1 (Dosis).
Werde ordentlich zermalmt; werde in dickgewordenes Bier gegeben. [20,15] Werde vom Mann getrunken.

Eb 66

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen der Krankheit, die durch einen ḥfꜣ.t-Eingeweidewurm oder durch einen Bandwurm (?) entstanden ist:
Mehl von psḏ-Schoten: 1 (Dosis), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte bester Qualität: 1 (Dosis), [20,20] Gänsefett: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 67

(Ein anderes Heilmittel zum) Beseitigen der Krankheit, die durch [21,1] einen Bandwurm (?) entstanden ist:
Blätter der Dornakazie: 1 (Dosis), Zweige/Stängel der Polei-Minze (?): 1 (Dosis), ꜥfꜣ-Lattich (?): 1 (Dosis), ḏꜣjs-Pflanzen: 1 (Dosis).
[21,5] Werde zu einer homogenen Masse zerstoßen. Der Bauch der Frau oder des Mannes werde darüber verbunden.

Eb 68

Heilmittel zum Töten eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms:
Blätter der Dornakazie: ∅.
Werde in [21,10] einem njw-Topf in Wasser gegeben; werde nachts mit Tüchern bedeckt stehen gelassen; du sollst früh auf sein, um es in einem steinernen Mörser zu zerstoßen, bis du es vollkommen zerkleinert hast. Eine sw.t-Binse werde an seiner (des Kranken) Nase gerieben, nachdem er es getrunken hat.

Eb 69

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Beseitigen der Krankheit, die durch [21,15] einen Bandwurm (?) entstanden ist:
Konyza (?): 1 (Dosis), jnb-Pflanzen: 1 (Dosis), Knoten (?)1 der sw.t-Binse: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
[21,20] Werde über 4 Tage hinweg sdb-eingenommen2.

1 ṯs.t: Das z-förmige hieratische Zeichen hinter dem t ist schwer zu identifizieren und wird von Wreszinski 1913 wie von Grapow 1958 durch eine w-Schleife wiedergegeben. Beide versehen das Zeichen aber mit einem Fragezeichen. Auf DZA 29.037.950 wird es dagegen durch den Kanal-Klassifikator (Gardiner N 23) wiedergegeben.
Von allen Wörtern dieser und homographer Wurzeln scheint eine Gleichsetzung von ṯs.t mit dem ṯꜣz.t-Knoten die wahrscheinlichste. Es könnte sich also um einen knotigen Teil der Pflanze handeln.

2 sdb: Schon L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 43a denkt an ein Verb der Nahrungsaufnahme: „vorare, edere“. So auch vorsichtig Wb 4, 368, das mit koptisch ⲥⲁⲧⲃⲉ: „kauen, wiederkäuen“ vergleicht. Tatsächlich wird es in den medizinischen Texten in Rezepten genannt, die gänzlich oder vorrangig feste Ingredienzien haben. In der Spätzeit dürfte es dagegen eher „trinken“ meinen (so auch schon Wb 4, 369.2), denn im hieratisch-demotischen pRhind ist es mit drei Wasserlinien klassifiziert und hat als Synonym im demotischen Text zwr: „trinken“. Vielleicht deswegen schlagen H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 825 ein etwas allgemeineres „einnehmen“ vor. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 975 setzt eine ähnlich allgemeinere Übersetzung für den Gebrauch in ptolemäischen Texten an, wobei gesagt werden muss, dass die von ihr genannten Belegstellen entweder positiv eher für eine Übertragung als „trinken“ sprechen oder aber nicht dezidiert für „essen“. In einigen Texten wird sdb parallel zu Verben des Essens gebraucht, so etwa im genannten hieratisch-demotischen pRhind, wo es neben wšꜥ: „kauen, verzehren“ und qnqn: „essen“ steht (was im Demotischen durch das Verbpaar zwr und wnm ersetzt wurde) und wo es aufgrund des Kontextes wie der schon erwähnten Schreibung eher komplementär („essen“ und „trinken“) als (teil)synonym (etwa „essen“ und „verzehren“) aufzufassen ist. Ähnlich vielleicht auch bei É. Chassinat, Le temple d’Edfou. Vol. VII, Mémoires publiés par les membres de la Mission Archéologique Française au Caire 25 (Le Caire 1932), 264, 6–10, wo es in einer Anweisung zur Einnahme von Opferspeisen neben jri̯: „essen“ verwendet wird – hier könnte sich jri̯ auf die festen Opfergaben und sdb auf die flüssigen beziehen. In den Sargtexten wird es parallel zu wnm gebraucht (R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 587); allerdings ist die Identität des dort genannten Objektes von sdb, nšn.w, unklar, so dass nicht mit Sicherheit entschieden werden kann, ob es ebenfalls eher ein Verb des Trinkens als des Essens ist. Zusammengefasst bedeutet das, dass sich die Bedeutung des Verbs noch nicht genau greifen lässt: Der Kontext der medizinischen Texte lässt eher an ein Verb des Essens denken, die Komplementarität mit wnm in anderen Texten und die zusätzliche Ersetzung durch zwr im pRhind eher an ein Verb des Trinkens. So scheint es am Besten, mit H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962) bei einem allgemeineren „einnehmen“ zu bleiben, das aber nur als Platzhalter für eine noch zu spezifizierende Bedeutung verstanden werden sollte.

Eb 70, vgl. Eb 73

Ein anderes (Heilmittel) zum Töten eines ḥfꜣ.t-Eingeweidewurms:
wꜣm-Früchte: 1/8 (Dja), šnf.t-Früchte: 1/16 (Dja), unterägyptisches Salz: 1/32 (Dja), Honig: 1/8 (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde sdb-eingenommen über 1 Tag hinweg.1

1 Der Klassifikator von sdb und die Temporalangabe r hrw 1 wurden nachträglich getilgt und unter der Zeile nachgetragen, als der Schreiber merkte, dass diese Zeichen in die nächste Kolumne hineinragen würden, vgl. schon H. Grapow, Bemerkungen zum Papyrus Ebers als Handschrift, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 71, 1935, 160–164, hier: 161–162.

Eb 71, vgl. Eb 65

[22,1] Ein anderes Heilmittel:
qꜣꜣ-Früchte (?)1 der Sykomore, getrocknet: 1 (Dosis), frische Datteln: 1 (Dosis).
Werde in Bier zermalmt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 qꜣꜣ: Mit Mineralienklassifikator und Pluralstrichen, einmal mit einem Getreidekorn(?), geschrieben. Wohl vom gleichradikaligen qꜣꜣ mit Pflanzenklassifikator zu trennen, so jedenfalls H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 510–511, wohingegen Wb 5, 5.8 eine Zusammengehörigkeit dieser beiden Wörter nicht auszuschließen scheint.
Das Wort qꜣꜣ mit Mineralienklassifikator ist jedenfalls eine unbekannte Droge und wird vom ꜥr.w-Baum, der šnḏ.t-Dornakazie und der nh.t-Sykomore genannt. Einmal, in Eb 71 = Eb 65, wechselt es mit kꜣ.w, das wohl unreife Früchte bezeichnet, weswegen naheliegt, auch in qꜣꜣ eine besondere Art Früchte zu sehen. Wie so oft in der Materia medica ist nicht sicher zu entscheiden, ob die Pluralstriche zur Klassifizierung (etwa eines Kollektivums) gehören oder grammatische Pluralmarkierung sind. Die nachfolgende Genitiv-Nisbe wird jedenfalls immer nur singularisch n geschrieben. Außerhalb der medizinischen Texte scheint es aber Schreibungen ohne Pluralzeichen zu geben, sofern man diese Belege nicht dem Lemma qꜣw: „Mehl, Pulver“ zuordnet; und wenn man die Schreibung des Pseudopartizips (?) oder Partizips (?) šw.w: „getrocknet“ mit Pluralstrichen in der Drogenangabe qꜣꜣ n nh.t šw.w in Eb 71 als Indikator für einen echten Plural nimmt und das Pseudopartizp auch auf qꜣꜣ bezieht, könnte qꜣꜣ eben auch dort ein Plural sein. Andererseits bezieht sich das ebenso pluralisch geschriebene šw.w in Eb 835 auf ein üblicherweise als Kollektivum aufgefasstes pr.t (ẖnš): „Früchte/Samen von ...“, und W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 163 nennt nur singularische (!) Pseudopartizipien mit Pluralstrichen.

Eb 72, vgl. Eb 65

Ein anderes Heilmittel zum Töten eines Bandwurms (?):
ẖr/ẖt-Teil (?) der Schirmakazie: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Starkbier: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde sofort getrunken.

Eb 73, vgl. Eb 70

Ein anderes (Heilmittel):
wꜣm-Früchte: 1/8 (Dja), unterägyptisches Salz: 1/32 (Dja), šnf.t-Früchte: 1/32 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), süßes Bier: ein halbes Dja (?)1.
Werde zu 4 Pillen verarbeitet. Werde vom Mann verschluckt [22,5] (und) mit einem halben Dja (?)1 Bier hinuntergeschluckt.

1 gs 1/64: Vgl. Eb 19.

Eb 74

Ein anderes1 Heilmittel:
wꜣm-Früchte: ein viertel (Dja), šnf.t-Früchte: 1/32 (Dja), Starkbier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde fein zermahlen. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 k.t ist nicht als Rubrum geschrieben.

Eb 75

Ein anderes (Heimittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), sfṯ-Öl: 1 (Dosis), Fett: 1 (Dosis), rotes Natron:1 1 (Dosis), Galle eines gw-Rindes: 1 (Dosis).
Werde zu einem fqꜣ-Kuchen verarbeitet. Werde über 1 Tag hinweg gegessen.

1 ḥzmn-dšr: Wörtl.: „rotes Natron“. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 372 vermuten eine besondere Natronsorte, ohne einen Vorschlag zu unterbreiten, worin die Besonderheit liegen könnte. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 195 (mit älterer Lit.) identifiziert es mit dem koptischen ϩⲟⲥⲙ̄ ⲉϥⲧⲣⲉϣⲣⲟϣ und griechisch βερενικάριον und denkt dabei an ein möglicherweise durch einen Eisenanteil verunreinigtes Natron. Ferner verweist er auf Plinius, N.H. 31, 46,111, der ein Natron nennt, das durch die umgebende Erde rot gefärbt wäre, und N.H. 31, 41,86, wo von rotem Salz aus einem See nahe Memphis die Rede ist. Ausgehend von letzterer Stelle hält er es für denkbar, dass mit ḥzmn-dšr nicht nur ausschließlich Natron, sondern auch andere adstringierende Mineralien gemeint sein könnten.

Eb 76

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1 (Dosis), qst.t-Pflanzen,1 ns.ty-Keimlinge (?),1 tʾ-wj-Brot: 1 (Dosis), Bergteer (?)2: 1 (Dosis), süßes Bier: ∅.
Werde fein zermahlen; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 Hinter einigen Drogen fehlen die Maßangaben. Während Bardinet 1995, 261 den Text nimmt, wie er steht, ergänzt Westendorf 1999, 559 die Einerstriche.

2 mrḥ.t ḫꜣs.t: Wörtl.: „Öl/Fett der Wüste/des Berglandes/des Fremdlandes“; in dieser Verbindung einmalig (Eb 76). Joachim 1890, 15 entscheidet sich kommentarlos für „Erdöl (Petroleum?)“. Ihm folgen Ebbell 1937, 36: „rockoil“ und G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 83, Anm. 1. Das Wb ordnet es dagegen mit dem Übersetzungsvorschlag „fremdes Öl?“ dem Wort mrḥ.t unter (abgelegt unter DZA 24.245.330).
É. Chassinat, Le mot mrH.t dans les textes médicaux, in: Anonymous (Hrsg.), Recueil d’études égyptologiques. Dédiées à la mémoire de Jean-François Champollion à l’occasion du centenaire de la lettre à M. Dacier relative à l’alphabet des hiéroglyphes phonétiques, lue à l’Académie des inscriptions et belles-lettres le 27 septembre 1822, Bibliothèque de l’École des hautes études, Sciences historiques et philologiques 234 (Paris 1922), 447465, hier: 463–464 erwähnt an möglichen Deutungen (1) diejenige von Joachim, (2) Pissasphalt, oder (3) Asphalt, auch wenn er Letzteres wegen seiner festen Konsistenz als Äquivalent für das mit dem Krug klassifizierte mrḥ.t ḫꜣs.t für weniger wahrscheinlich hält. Außerdem hält er es für denkbar, es mit dem demotischen mrḥe ḫr, dem „syrischen Asphalt“, des pRhind zu vergleichen. Dieses hat im hieratischen Teil des Papyrus mnnn: „Bitumen“ als Synonym; darauf basierend schlägt Chassinat vor, in der Droge des pEbers eben Bitumen bzw. genauer: dessen halbflüssige Variante Pissasphalt zu sehen. Eine Bedeutung „Bitumen“ für mrḥ.t allein sieht er durch das koptische Derivat ⲁⲙⲣⲏϩⲉ gesichert. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 173–174 zweifelt dagegen an, dass mnnn primär Bitumen bezeichnet habe, weil dieses nicht vor der griechischen Zeit zur Mumifizierung verwendet worden sei (s. die Diskussion dort). Er denkt bei mnnn eher an Holzteer oder ein Baum-, konkreter Koniferenharz und vermutet, dass das mrḥe des pRhind eine dementsprechende Bedeutung habe. Bezüglich der Droge des pEbers hält er jedoch aufgrund des ḫꜣs.t weiterhin einen mineralischen Ursprung und damit Chassinats „Pissasphalt“ für möglich. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 273 geben lediglich eine wörtliche Übersetzung wieder; von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 115 tendieren vorsichtig zu der von Chassinat mit etwas Skepsis genannten Bedeutung „Asphalt?“, ebenso Bardinet 1995, 261: „huile de désert (asphalte?)“ und – ohne Fragezeichen – Westendorf 1999, 559: „Asphalt“.

Eb 77

Ein anderes (Heilmittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), rotes Natron: 1 (Dosis), sfṯ-Öl: 1 (Dosis).
Werde 〈zu〉 [22,10] einem fqꜣ-Kuchen verarbeitet. Werde über 1 Tag hinweg gegessen.

Eb 78

Ein anderes (Heimittel):
Früchte des bgs.w-Busches1: 1/8 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde erwärmt.2 Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 bgs.w: Wohl zu dem bꜣgs-Busch Wb I, 432.2–3 zu stellen, in dem K. Sethe, Übersetzung und Kommentar zu den altägyptischen Pyramidentexten 4. Spruch 336 – 506 (§§ 788a – 1101d) (Hamburg 1939), 356 aufgrund desselben Konsonantenbestands wie bꜣgs.w: „Dolch“ einen Dornbusch vermutet.

2 sšmm: Etymologisch ein sehr unspezifischer Terminus („warm/heiß machen“); allerdings weder in der Beschreibung der Nahrungsmittelproduktion noch der Rohstoffverarbeitung verwendet, und außerhalb der medizinischen (bzw. magischen) Texte sehr selten verwendet. Trotz seiner augenscheinlich allgemeinen Bedeutung ein potenzieller Kandidat für eine Fachwortliste.

Eb 79

Ein anderes (Heilmittel):
Starkbier: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), ḏꜣjs-Pflanzen: 1 (Dosis), „Feder-des-Nemti“-Pflanzen: 1 (Dosis), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1 (Dosis), tjꜥm-Pflanzen: 1 (Dosis), Wüstendatteln (?): 1 (Dosis), süßes Bier: ∅.‘
Werde gekocht. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 80

Ein anderes (Heilmittel):
Früchte des Johannisbrotbaums: 1 (Dosis), Milch: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), „Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), Wein: ∅.
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken. Das (dient dem) Entleeren des Bauches.

Eb 81

Ein anderes (Heilmittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), Herz des Zugvogels (?)1: 1 (Dosis), [22,15] Honig: 1 (Dosis), Wein: 1 (Dosis), Konyza (?): 1 (Dosis), süßes Bier: 1 (Dosis).
Werde zu fqꜣ-Kuchen verarbeitet. Werde über 1 Tag hinweg gegessen.

1 „Zugvogel (?)“, ägyptisch mšꜥ: Mit Einkonsonantenzeichen geschrieben und mit einem Vogel klassifiziert. Bei von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 116 unübersetzt gelassen; Westendorf 1999, 560 schlägt „Zugvogel“ vor, basierend auf dem gleichradikaligen Wortstamm „reisen, marschieren“. Auffälligerweise fehlt bei dem Vogelnamen die bei mšꜥ: „reisen“ (und Derivaten) üblicherweise vorhandene Klassifizierung mit den laufenden Beinchen und meist auch dem angewinkelten Bein.

Eb 82

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Behandeln eines Bandwurms (?):
Polei-Minze (?): 1 (Dosis), kmw-Korn (?)1: 1 (Dosis), nwꜣ-Pflanzen: 1 (Dosis), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1 (Dosis).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 kmw: Nur zweimal, in den Rezepten Eb 82 und 449, belegt und mit dem Rohstoffklassifikator N33:Z2 geschrieben. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), scheint in diesem kmw keine Pflanze oder ein pflanzliches Produkt gesehen zu haben, denn sie führt es nicht mit auf. G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), 752 listet es dagegen als Nr. 1258 auf, auch wenn er schreibt „drogue inconnue“. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 215 weist darauf hin, dass es in den beiden Malen, in denen es genannt wird, hauptsächlich zusammen mit pflanzlichen Drogen vermischt wird. Er hält daher ein pflanzliches Produkt nicht für ausgeschlossen, hält aber auch ein Mineral für denkbar.
H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1245 vermutet in diesem kmw die Frucht vom ḫt km: „Schwarzbaum“ (vgl. Wb 3, 340.7), der süßlich riecht und wie zerkleinertes tj-šps schmeckt (s. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 753). Das ist jedoch eher unwahrschinlich, weil es ungewöhnlich wäre, dass der Baum nach der Frucht heißt, erwartet man doch eher eine umgekehrte Benennung, vgl. die mit pr.t gebildeten Bezeichnungen in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 199.
Weiterhin vergleicht Brugsch das kmw des pEbers mit einem Substantiv km.t mit Pflanzenklassifikator in einer Inschrift des Paheri, das neben dem Getreide šr.t genannt wird (vgl. DZA 30.195.720). Brugsch vermutet darin zwei koordinierend angeordnete Substantive (H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. IV (Leipzig 1868), 1405), wohingegen Wb 5, 123.11 in km.t ein attributes Adjektiv zu šr.t sieht (vgl. auch die Übersetzung auf DZA 30.195.720). Eine Klassifizierung mit der Pflanze wäre für ein rein attributives Adjektiv km: „schwarz“ zumindest ungewöhnlich; sofern man in der Pflanze also nicht den Gesamtklassifikator eines Kompositums šr.t-km.t sieht, könnte er darauf hindeuten, dass km.t eine Pflanzenbezeichnung ist.
Eine Droge pr.t km(.t) gibt es auf oDeM 1242; Westendorf 1999, 63 übersetzt sie kommentarlos mit: „ägyptisches Getreide“, vermutet also in km(.t) das „schwarze Land, Ägypten“ oder ein davon abgeleitetes Nisbe-Adjektiv. Vgl. zu weiteren Belegen für pr.t km(.t) u.ä. R. A. Caminos, Late-Egyptian Miscellanies, Brown Egyptological Studies 1 (London 1954), 117–118, Anm. 1 und die Diskussion zu oDeM 1242. Vgl. ferner die Diskussion bei J. J. Janssen, Two ancient Egyptian ship’s logs. Papyrus Leiden 1350 verso and papyrus Turin 2008+2016, Oudheidkundige mededelingen uit het Rijksmuseum van Oudheden. Supplement 42 (Leiden 1961), 83–84, der zwischen den Übersetzungen „black seed“ und „seed of Egypt“ schwankt. Angesichts der sonstigen Verbindungen von pr.t wäre es auch nicht auszuschließen, dass es hier Samen oder Früchte der km-Pflanze sind, was zu der Pflanze aus dem Grab des Paheri passen könnte.
In ptolemäischen Gauprozessionen kommt schließlich unter den Gaben des 18. oberägyptischen Gaues ein Opfer km.y vor. Laut H. Beinlich, Die spezifischen Opfer der oberägyptischen Gaue, in: Studien zur Altägyptischen Kultur 7, 1979, 11–22, hier: 18 ist dies nur eine Variante des šnw genannten Opfers des 17. oberägyptischen Gaues; und obwohl beide Wörter mit einem Brot klassifiziert sind, weist Beinlich auf Indizien dafür hin, in beiden Wörtern Pflanzenbezeichnung zu sehen: šnw kann laut einem Text in Dendera „gepflückt“ werden (sq); km.y ist in Kom Ombo einmal mit Gardiner Sign-list M8, dem Teich mit Lotosblumen, klassifiziert; und einmal heißt das Opferstichwort ṯḥn.w n.w ṯsjw: „Blumen der (Speise)aufhäufung?“. Es wäre daher zu prüfen, ob dieses späte km.y mit dem kmw des pEbers zusammenhängen könnte.

Eb 83

Ein anderes (Heilmittel):
ꜥmꜥꜥ-Kerne (?) der Dattel: 1/16 (Dja), Wermutkraut (?): 1/8 (Dja), gw-Gras: 1/16 (Dja), „Großer-Schutz“-Droge: 1/64 (Dja), šnf.t-Früchte: 1/32 (Dja), snwt.t-Winden: ein halbes Dja (?), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), süßes Bier: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 84

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot: 1/8 (Dja), Roter Ocker: 1/64 (Dja), [22,20] gegorener Pflanzenbrei:1 ein halbes Dja (?), weißes Öl:2 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
[23,1] Werde gekocht. Werde davon getrunken. Das (dient dem) Töten des Bandwurms (?).

1 ḥsꜣ n ꜥwꜣ.yt: ꜥwꜣ.yt ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ableitung von ꜥwꜣ: „verfaulen u.ä.“. Der Gebrauch des Terminus ist fast ausschließlich auf medizinische Texte beschränkt. Die Genitivverbindung ist in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 440, s.v. Nr. I.I als Genitivus attributivus interpretiert worden; dementsprechend übersetzt Westendorf 1999, 560: „gegorener Pflanzenschleim“ und Bardinet 1995, 262: „mucilage fermenté (?)“. Alternativ sind daneben auch Deutungen als Genitivus materiae („Brei aus Vergorenem“) oder, wenn auch weniger wahrscheinlich, weil nicht am Ende des Rezeptes stehend, als Genitivus finalis („Brei für Vergorenes“) denkbar.

2 mrḥ.t ḥḏ.t: In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 269 wird vermutet, dass mrḥ.t mit attributiven „Zusätzen der Beschaffenheit“ eher ein Öl als ein Fett sei. B. Koura, Die „7-Heiligen Öle“ und andere Öl- und Fettnamen. Eine lexikographische Untersuchung zu den Bezeichnungen von Ölen, Fetten und Salben bei den alten Ägyptern von der Frühzeit bis zum Anfang der Ptolemäerzeit (von 3000 v. Chr. – ca. 305 v. Chr.), Aegyptiaca Monasteriensia 2 (Aachen 1999), 115 zufolge beziehen sich die Attribute eher „auf den Zustand der verarbeiteten pflanzlichen oder tierischen Öle“.

Eb 85

Ein anderes (Heilmittel):
Beeren vom Stech-Wacholder: 1/64 (Oipe = 1 Dja), weißes Öl: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 86

Ein Heilmittel zum Zerbrechen (d.h. zum Beseitigen) von Krankheitsauslösern (?) im Bauch:
Rindfleisch, lebhaft (?)1: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), ꜥfꜣ-Lattich (?): 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), frisches Brot: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 jwf n jḥ ꜥnḫ: jḥ ist, wie in den medizinischen Texten üblich, logographisch geschrieben; es könnte demzufolge statt der Gattungsbezeichnung jḥ: „Rind“ auch das homographe Wort jwꜣ: „Langhornrind“ oder kꜣ: „Stier“ gemeint sein (Letzteres etwa Bardinet 1995, 262). Die Wortstellung suggeriert augenscheinlich, dass hier Fleisch von lebenden Rindern gemeint ist. Dementsprechend lautet auch eine Notiz auf DZA 21.741.390: „Fl[eisch] (von einem) lebenden (Tier)?“. Bei einer solchen Annahme wäre u.U. die Diskussion von A. von Lieven, Das Göttliche in der Natur erkennen. Tiere, Pflanzen und Phänomene der unbelebten Natur als Manifestation des Göttlichen; mit einer Edition der Baumliste P. Berlin 29027, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 131, 2004, 156–172, hier: 168, Anm. 46 zu berücksichtigen, wo sie anmerkt, dass beim Mundöffnungsritual, zumindest nach Ausweis des Totenbuches des Hunefer, einem lebenden Kalb ein Schenkel abgetrennt wurde. Allerdings bedürfte diese Szene einer näheren Untersuchung: Neben dem Schenkel wird auch das Herz dargebracht des Tieres, was de facto darauf hinausläuft, dass das Tier geschlachtet wurde. Die Szene entspricht den Szenen 23–25 resp. 43–45 des Mundöffnungsrituals (nach der Zählung Ottos). Es bliebe zu prüfen, ob die Darstellung auf dem Papyrus des Hunefer Parallelen findet; in anderen Versionen dieser Szene ist das Rind liegend abgebildet; ob das Abschneiden des Schenkels am noch lebenden oder schon toten Tier geschieht, lässt sich aus diesen Darstellungen und den Beischriften nicht eruieren.
Neben dieser Interpretation von jwf n jḥ ꜥnḫ als Fleisch von einem lebenden Tier ist noch eine zweite denkbar: Zwei Belege ohne genitivischen Zusatz (Eb 664 und Bln 155), also bloßes jwf ꜥnḫ, lassen es auch denkbar erscheinen, dass sich das Attribut „lebend“ auf das Nomen regens, also auf das „Fleisch“ und nicht auf das „Rind“, bezieht, auch wenn in diesem Fall die Wortstellung in Eb 86 regelwidrig ist, weil es regelkonform jwf ꜥnḫ n jḥ lauten müsste. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 165.aa.1 mit Anm. 7 erklärt die Wortstellung allerdings damit, dass ꜥnḫ kein attributives Partizip, sondern ein Stativ ist, der ganz regulär erst auf den Genitiv folgen würde.
Davon abgesehen, wäre ohnehin die genaue Konnotation des ꜥnḫ zu hinterfragen. Westendorf 1999, 561 und Bardinet 1995, 262 denken an einen Ausdruck der Frische, aber das ist keineswegs sicher (vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 16–17), weil der Zustand der Frische meist mithilfe von wꜣḏ ausgedrückt wird (vgl. schon in diesem Rezept tʾ wꜣḏ: „frisches Brot“). Diese Unsicherheit in der genauen Bedeutung findet sich auch schon im Wb 1, 196.4, wo sich bei jwf ꜥnḫ der Zusatz findet: „d.h. soeben frischgeschlachtet?“. Die nähere Beschreibung mittels ꜥnḫ kommt nun auch bei Pflanzenteilen vor (vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 144), und zwar auch bei solchen, deren Frische in anderen Rezepten mithilfe von wꜣḏ bezeichnet wird – es muss also einen davon zu unterscheidenden Zustand bezeichnen. Generell wäre hierbei zu hinterfragen, ob aus ägyptischer Perspektive Pflanzen der Kategorie „leben“ zugeordnet wurden und die Umschreibung mittels ꜥnḫ eben den quasi noch lebendigen Zustand bezeichnet. Zumindest in den Texten der Amarnazeit ist das der Fall (vgl. Wb 1, 195.2), aber ob das auch früher der Fall war, ist unklar. Es ist daher nicht auszuschließen, dass das Wort ꜥnḫ hier nur zum Ausdruck einer anderen Qualität dient, vergleichbar zu anderen Kategorien der belebten Natur, die ebenfalls auf – aus moderner Perspektive – unbelebte Dinge angewendet wurden, wie bspw. die Unterscheidung zwischen „männlich“ (man denke an den ṯꜣ.y n msdm.t: „männlichen Bleiglanz“) und „weiblich“ (vgl. das ⲃⲉⲛⲓⲡⲉ ⲛⲥϩⲓⲙⲉ: „weibliche Eisen“). Speziell für ꜥnḫ sei an das deutsche Adjektiv „lebhaft“ erinnert, das bspw. bei Farben und Mustern eine besonders kräftige oder ins Auge springende Nuance bezeichnen kann. Vgl. ferner das Metall bqs-ꜥnḫ < *bjꜣ-Qjs-ꜥnḫ, bei dem es sich vielleicht um ein magnetisches Erz handeln könnte (s. die Diskussion bei J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 168–170, u.a. auch zu dessen Verhältnis zu griech. μάγνης ζῶν = latein. ferrum vivum = demot. mꜥkns nt ꜥnḫ). Dort bezieht sich das Adjektiv laut J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 170 wohl auf die „apparently live nature of the mineral in attracting iron“ – eine Bedeutung, die ꜥnḫ natürlich nicht haben kann, wenn es sich auf Fleisch oder Pflanzen bezieht.

Eb 87

Ein anderes (Heilmittel) zum Abwehren1 von Krankheitsauslösern (?) im Bauch:
tjꜥm-Pflanzen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), [23,5] sḫp.t-Dünnbier: 1/64 (Oipe = 1 Dja), süßes Bier: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde ausgepresst; werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 ḫsf hat anscheinend eine prophylaktische Konnotation.

Eb 88

Ein anderes (Heilmittel):
smt-Droge: 1/64 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Blätter der Dornakazie: 1/32 (Dja), Gänsefett: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 89

Ein anderes (Heilmittel):
Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Weintrauben: 1/16 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Gänsefett: 1/16 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 90 = pLouvre E 32847, Rto. 9,9–101

Ein anderes (Heilmittel) [23,10] zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens im Bauch:
„Spitzer-Stein“-Droge: 1 (Dosis), „Großer-Schutz“-Droge: 1 (Dosis), bsbs-Pflanzen: 1 (Dosis), sskꜣ-Droge: 1 (Dosis), Wachs: 1 (Dosis), sfṯ-Öl: 1 (Dosis).
Werde zermahlen; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die krankhafte Stelle) werde damit gesalbt.
Dann sollst du Mittel zum Ausscheiden bereiten, nach dem Aussperren (?)2 (der Krankheit) aus (?) seinem Bauch:
„Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), gngn.t-Pflanzen: 1 (Dosis), jnb-Pflanzen: 1 (Dosis), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1 (Dosis).
Werde zermahlen; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde zu 4 fqꜣ-Kuchen verarbeitet. (Es) werde veranlasst, dass er (d.h. der Patient) sie (d.h. die Kuchen) isst.

Statt dem sfṯ-Öl nennt die Parallele die smt-Droge. Der zweite Teil des Rezepts fehlt in der Parallele komplett, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 83.

2 Ägyptisch ḏdḥ r: Nur in Eb 90 und Eb 864c belegt, beide Male mit dem Zusatz r ẖ.t=f. Wb 5, 635.5 schlägt vor: „(ein Heilmittel) auf den Leib binden, als Umschlag“, versteht also das Heilmittel als Objekt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 1018 sieht dagegen eher die Krankheit als Objekt und vermutet, dass das Verb ein „‚Isolieren‘ der Krankheitserscheinung von der Stelle (...), wo sie Schaden anrichtet bzw. anrichten könnte“ ausdrückt: „sie wird abgesperrt gegen den Leib“. So auch von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 174, Anm. 10 zu Eb 864 und Westendorf 1999, 561. Umgekehrt Bardinet 1995, 262: „cela (les ouhaou) aura été emprisonné à l’intérieur du corps“. Ebbell 1937, 37 überrsetzt kommentarlos mit „after obstruction of his bowels“.

Eb 91 = pLouvre E 32847, Rto. 6,14–17

Ein anderes (Mittel) zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens, das schwer auf [23,15] dem Körper liegt, (und zu) seinem ordnungsgemäßen Abtöten im Bauch:
Getrocknete Myrrhe: 1/64 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), „Spitzer-Stein“-Droge: 1/64 (Dja), „Großer-Schutz“-Droge: 1/64 (Dja), jnb-Pflanzen: 1/32 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Schilfrohr: 1/16 (Dja), sꜥꜣm-Pflanzen: 1/8 (Dja), Bleiglanz: 1/64 (Dja), gngn.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja): begossene (?) Erdmandeln:1 1/32 (Dja).
Werde zermahlen; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde in angenehmer Wärme gegessen. (Dieses Rezept ist) wirklich vortrefflich!

1 wꜥḥ sti̯: begossene (?) Erdmandeln: sti̯ ist mit drei Wasserlinien klassifiziert und ist damit sti̯: „ausgießen“ und nicht sti̯: „strahlen, leuchten“ zu lesen. Der nachfolgende Rohstoffklassifikator gehört wie die Pluralstriche vermutlich zu einem lexikalisierten wꜥḥ-sti̯(.w), also nicht eigentlich zum Attribut selbst. Was sti̯ an dieser Stelle genau zu bedeuten hat, ist unsicher. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 135 denkt an die allgemeine Bedeutung „ausschütten“ und vermutet hier eine Bezeichnung der Erdmandelknollen für die Aussaat. Westendorf 1999, 562 denkt an „(mit Wasser) begossene Erdmandeln“. Vielleicht sind tatsächlich eben nicht die getrockneten, sondern im Gegenteil gewässerte Erdmandeln gemeint; aber ohne inhaltlich klarere Parallelen ist dies bloße Spekulation.

Eb 92 = pLouvre E 32847, Rto. 6,17–19

Ein anderes (Heilmittel)1 zum Herausholen [23,20] des wḥꜣ.w-Hautleidens im Bauch, oder (um) es ab(zu)töten:
Feigen: 1/32 (Dja), unterägyptisches Salz: 1/8 (Dja), frisches Brot: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.
Ein anderes (Heilmittel), nach ihm (anzuwenden):
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), [24,1] Datteltrester (?): ein halbes Dja (?), Honig: ein viertel (Dja), süßes Bier: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

1 k.t ist schwarz geschrieben, um es von dem vorigen Rezept, das mit einem Rubrum endet, optisch zu trennen, vgl. H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 48–49.

Eb 93 = pLouvre E 32847, Rto. 6,19–21

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer srf.t-Hautentzündung:
Mehl von Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Mehl vom Johannisbrot: 1/64 (Oipe = 1 Dja), mstꜣ-Flüssigkeit: 1/8 (Oipe = 8 Dja).
Werde bis zu einem Rest an Flüssigkeit von 1/32+1/16 (Oipe = 6 Dja) verkocht (d.h. bis nur noch 6 Dja übrig sind?).1
In angenehmer Wärme gibst du (es) dem (betroffenen) Mann oder der (betroffenen) Frau, so dass er (oder sie) gesund wird.

1 Auffällig ist, dass bei der Mengenangabe erst der kleinere Bruch und dann der größere steht, während es üblicherweise umgekehrt ist.

Eb 94 = pLouvre E 32847, Rto. 6,21–7,1

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens:
sꜥꜣm-Pflanzen: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Mehl vom Johannisbrot: 1/64 (Oipe = 1 Dja), unterägyptisches Salz: ein halbes (Dja), [24,5] Schnitzel (?) von Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Öl/Fett: ein halbes (Dja), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja), süßes Bier: 1/32 (Oipe = 2 Dja).1
Werde gekocht. Werde in mittlerer Wärme sẖp-eingenommen.2

1 Im Louvre-Papyrus varriiert die Drogenliste leicht: Statt der sꜥꜣm-Pflanzen stehen dort die sꜥm-Pflanzen; die Dattelkerne und das unterägyptische Salz haben die Position getauscht, und das Öl/Fett fehlt. S. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 74.

2 jmj.tw srf.wj: Wohl „bei mittlerer Wärme“ gemeint.

Eb 95, vgl. Eb 116 und pLouvre E 32847, Rto. x+9,1–2

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens im Bauch:
Süße Myrrhe: 1 (Dosis), „Großer-Schutz“-Droge: 1 (Dosis), Verengung (?)1 der bḏꜣ-Brotform: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die krankhafte Stelle) werde damit gesalbt.

1 ḥns.t: Nur in Eb 95 und dem fast identischen Rezept Eb 116 sowie dessen Parallele pLouvre E 32847, Rto. x+9,1–2 belegt. Auf DZA 26.976.580 wird, mit doppeltem Fragezeichen, aber ohne jeden begründenden Kommentar, „Ruß“ vermutet. Dem Klassifikator nach ist das Wort eine Ableitung von ḥns: „eng sein“; daher kommt Hannigs Übersetzung der Phrase als „das ‚Enge’ (die enge Spitze) der Bedja-Brotform“ (R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 579, Nr. 20991). Zu einer solchen glockenförmigen Brotform vgl. etwa H. Balcz, Die Gefässdarstellungen des Alten Reiches. Fortsetzung des Aufsatzes in Band IV, Heft 1, in: Mitteilungen des Deutschen Instituts für Ägyptische Altertumskunde in Kairo 4, 1933, 207227, hier: 210. Aber ob es an ihr tatsächlich eine Stelle gegeben hat, die als „Enge“ bezeichnet worden wäre? Neben der Brotform bezeichnet bḏꜣ auch die Gussform. Vgl. dazu etwa R. Drenkhahn, Die Handwerker und ihre Tätigkeiten im alten Ägypten, Ägyptologische Abhandlungen 31 (Wiesbaden 1976), 38–39. Ob vielleicht mit ḥns.t das Ausgussloch bezeichnet wurde oder vielleicht eher der Rest der Gussmasse, der das Ausgussloch zusetzt und damit weiter verengt? Angesichts der sonstigen Drogen dieses Rezeptes ist eigentlich ein Mineral oder ein Pflanzenprodukt zu erwarten.

Eb 96 = pLouvre E 32847, Rto. x+9,4–5

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer üblen srf.t-Hautentzündung:
Alaun: 1 (Dosis), Roter Ocker: 1 (Dosis), Tamariskensamen/-früchte: 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis), ⟦unterägyptisches⟧ Salz:1 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde daran (d.h. an die entzündete Stelle) gegeben.2

1 ḥmꜣ.t mḥ.t: Der Schreiber hat erst ḥmꜣ.t mḥ.t geschrieben, dann hat er oder ein Korrektor das Attribut mḥ.t rot durchgestrichen. Es ist also, wie auch Westendorf 1999, 563 übersetzt, nur „Salz“ gemeint. Bardinets Klammerung „sel (marin)“ (Bardinet 1995, 263) ist fehlleitend. In der Parallele steht ebenfalls nur ḥmꜣ.t, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 82.

2 In der Parallele sollen die Ingredienzien nicht „zu einer Masse gemacht“, sondern „in Eselsfett fein zermahlen“ werden. Damit soll dann „eingerieben“ werden, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018).

Eb 97

Ein anderes (Heilmittel) [24,10] zum Zerbrechen von Krankheitsauslösern (?) im Bauch:
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), tjꜥm-Pflanzen: 1/16 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), ꜥꜥꜣm-Pflanzen: 1/32 (Dja): Gänsefett: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 98

Ein anderes (Heilmittel) zum Abtöten von Krankheitsauslösern (?):
psḏ-Schoten: 1/16 (Dja), Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), sḫr-Bier:1 1/32 (Oipe = 2 Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Eselsmilch: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 ḥ(n)q.t sḫr: In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 378 wird, sicher aufgrund der fehlenden Genuskongruenz, von einem direkten Genitiv ausgegangen (bei einer attributiven Verbindung wäre ḥ(n)q.t sḫr.t zu erwarten). Dem Determinativ nach ist sḫr zu dem Verb „fällen, niederwerfen“ zu stellen. Westendorf 1999, 563 schlägt „abgestandenes Bier vor“; Bardinet 1995 unterlässt einen Übersetzungsversuch. Ob mit dem sḫr.w-Getränk der Admonitions, Wb 4, 258.6 zu verbinden?

Eb 99

Ein anderes (Heilmittel) zum Abtöten1 von Krankheitsauslösern (?) und Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens eines Untoten (oder) einer Untoten im Bauch eines Mannes [24,15] oder einer Frau:
Blätter der Dornakazie: 1/64 (Oipe = 1 Dja), ihre (d.h. der Akazie) ẖr/ẖt-Teile (?): 1/64 (Oipe = 1 Dja), ihre qꜣꜣ-Früchte (?): 1/64 (Oipe = 1 Dja), Blätter der Seyal-Akazie: 1/64 (Oipe = 1 Dja), ihre ẖr/ẖt-Teile (?): 1/64 (Oipe = 1 Dja), ihre qꜣꜣ-Früchte (?): 1/64 (Oipe = 1 Dja), sꜥꜣm-Pflanzen2: ein viertel (Dja), „Leidabwender“-Pflanzen: ein viertel (Dja), tjꜣ-Pflanzen: ein viertel (Dja), Konyza (?): ein viertel (Dja), Weinbeeren/Rosinen: ein viertel (Dja), Polei-Minze (?): ein viertel (Dja).
Werde vermischt; werde zu einem Schluckmittel verarbeitet. Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

1 k.t n.t smꜣ: Die Genitiv-Nisbe n.t ist nachgetragen; allerdings hinter dem Messer, mit dem smꜣ geschrieben ist – vielleicht fehlerhaft, vielleicht aber auch, weil der dreieckige Raum, der durch die schräge Position des Messers entstand, eine Spur größer war als der Zeilenzwischenraum vor smꜣ.

2 sꜥꜣm: Das s wurde in Rot nachgetragen.

Eb 100

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Abtöten von Krankheitsauslösern (?) im Bauch:
Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Grütze von Gerste: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Gebrochenes (?) von Datteln: ein viertel (Dja), šnf.t-Früchte: 1/8 (Dja), Schnitzel (?) von Datteln: ein viertel (Dja), [24,20] die beiden Hälften der psḏ-Schote: ein viertel (Dja), Wermutkraut (?): 1/8 (Dja).
Werde gekocht; werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 101

Ein anderes (Heilmittel):
mw.t-Teile [25,1] vom gw-Gras: 1/16 (Dja), gw-Gras vom Garten: 1/16 (Dja), gw-Gras: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja): Gummiharz: 1/32 (Dja), Gänsefett: ein viertel (Dja), Honig: ein viertel (Dja), Wasser: 1/8+1/4 (Oipe = 24 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 102 = Eb 296

Wenn du einen unter Sekret mit einem Schneiden1 (Leidenden) betrachtest, unter dem sein Bauch steif ist, (und) er an seinem Verdauungstrakt leidet, (dann) ist sein Sekret in seinem Bauch.2 Es kann keinen Weg des [25,5] Herauskommens finden3.
(Und weil) es nun keinen Weg gibt, dass es (d.h. das Sekret) herauskommen kann (?) aus ihm (d.h. dem Verdauungstrakt),4 verfault es folglich in seinem Bauch. Es kann nicht herauskommen, (sondern?) es ist zu Gewürm (?)5 geworden. Es wandelt sich folglich vollständig (oder: Es wandelt sich folglich nicht)6 zu Gewürm (?) um, bis/so dass es sich zu etwas umwandelt,7 das tot ist.
Anschließend scheidet er es aus, (und) ihm ist sofort angenehm. Wenn er es (aber) nicht in Form von Gewürm (?) ausscheidet, bereitest du ihm folglich Mittel zum Ausscheiden, so dass ihm sofort angenehm ist.

1 nqꜥ.wt: Vermutlich zur Charakterisierung eines bestimmten Schmerzes von nqꜥ: „schneiden“ abgeleitet. H. Goedicke, Readings [III-IV], in: Varia Aegyptiaca 4 (1), 1988, 33–42, hier: 33–37 vermutet dagegen hierin eine Verschreibung für das Wort „geritzte Sykomorenfrüchte“ und in dem Rezept eine Anweisung zur Behandlung von jemandem, der unter Verdauungsschwierigkeiten aufgrund des Verzehrs dieser Früchte leidet. Goedickes primäres Argument ist aber ein Zirkelschluss: Er lehnt Grapows (Grapow 1955) und Westendorfs (Westendorf 1999) Übersetzung des Wortes als „Schneiden“ ab, weil ein physisches Objekt (das st.t-Sekret) und eine Empfindung (das nqꜥ.wt-Schneiden) zu unterschiedlichen semantischen Feldern gehören und daher nicht mit der Präposition m koordiniert werden könnten. Daher deutet er m nicht komitativ („mit“), sondern instrumental („durch“). Anschließend lehnt er die Übersetzung von st.t durch „Schleimstoffe“ ab und denkt eher an eine Bedeutung „pain“ (< sti̯: „schießen“). Damit hat er aus st.t ebenfalls eine Empfindung gemacht, die nun wiederum problemlos mit nqꜥ.wt: „Schneiden“ koordiniert werden könnte.

2 Die Entscheidung, was die Apodosis zur Protasis jr mꜣꜣ=k ... ist, ist schwer zu treffen; auch wenn sich die bisherigen Übersetzungen – manche explizit, manche implizit – einig zu sein scheinen: von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I beginnen erst mit „Dann verfaulen sie in seinem Bauch“ einen neuen Satz. Die davorstehenden Hauptsätze sind jedoch ohne jegliche Konjunktion übersetzt und, durch Semikola voneinander und von der Protasis getrennt, parataktisch angeordnet worden. L. Depuydt, The Contingent Tenses of Egyptian, in: Orientalia 58, 1989, 127, hier: 11–13 hat alles zwischen nḫt ẖ.t=f ẖr=s und ḥwꜣ.ḫr=s parenthetisch interpretiert, was das kontigente Tempus zur notwendigen Apodosis macht. Damit liefert er eine grammatische Analyse zu der bereits in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I durch das „dann“ angedeuteten konditionalen Verschränkung von jr mꜣꜣ=k und ḥwꜣ.ḫr=s. Bardinet 1995, 125 und 264 folgt von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I sowohl in der parataktischen Anordnung der Krankheitsbeschreibung als auch in der Andeutung der Apodosis bei ḥwꜣ.ḫr=s durch „alors“. Dem folgt schließlich auch Westendorf 1999, 564. W. Schenkel, Kontingenter Hintergrund. Beobachtungen zum Gebrauch des śčm.ı͗n=f in erzählenden Texten, in: Lingua Aegyptia 21, 2013, 207–264 wiederum greift Depuydts explizitere Formulierung auf und markiert die Parenthese durch Gedankenstriche. (H. Buchberger, Transformation und Transformat. Sargtextstudien 1, Ägyptologische Abhandlungen 52 (Wiesbaden 1993) umgeht die Problematik, indem er erst mit wnn st.t=f m ẖ.t=f einsetzt und damit alle konditionalen Abhängigkeiten überspielt.) Folgt man diesen Interpretationen, erhielte man jedoch, ohne Parenthese, einen Satz „Wenn du jemanden siehst, der unter Sekret mit Schneiden leidet, worunter sein Bauch steif ist, (dann) verfault es in seinem Bauch“. Während dies syntaktisch denkbar ist, ergibt sich das semantische Problem, dass die Apodosis im Grunde nicht die Protasis fortführt, sondern sich auf einen Teil des Objektes der Protasis bezieht, d.h. der Nachsatz erfüllt nicht die im Vorsatz aufgestellte Bedingung. Außerdem würde die Parenthese Teil der Untersuchung sein und damit wäre der Satz wnn st.t=f m ẖ.t=f tautologisch: „Wenn du jemanden siehst, der unter Sekret mit Schneiden leidet, worunter sein Bauch steif ist – (N.B.:) sein Sekret ist in seinem Bauch – (...)“. Daher wird hier vorgeschlagen, in wnn st.t=f m ẖ.t=f den ersten Satz der Diagnose zu sehen – entweder als Apodosis oder als Nachsatz des gelegentlich ausgelassenen (W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 456d) ḏd.ḫr=k r=s: „dann sollst du dazu sagen“.

3 gmm.t=s: Vgl. die Schreibung gmi̯.n=s in der Parallele Eb 296. K. Sethe, Ägyptische Lesestücke zum Gebrauch im akademischen Unterricht. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1924), 55, Anm. f schlägt eine Verlesung der Ligatur mt aus der Ligatur mn vor, was W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 269.2, S. 196, Anm. 2 zurückweist, weil die so entstehende Form gmm.n=s erklärt werden müsste. Er äußert ebd. stattdessen die Vermutung, dass es ein „imperfektivisches sḏm.t=f“, also eine geminierte Form des relativen bzw. bi-referentiellen Futurs sein könnte. Eine solche geminierte Form ist jedoch ungewöhnlich. Ob man vielleicht stattdessen einen falsch geschriebenen Infinitiv nach Negation annehmen sollte? Hierfür ist zwar die Negation nn anstelle von n zu erwarten, aber auch im folgenden Satz wird eine Verbesserung der Negation zu nn vorgeschlagen. Damit ergäben sich die Varianten Eb 102: n(n) gm{m}.t=s wꜣ.t n.t pri.t: „ohne dass es einen Weg des Herauskommens findet“ und Eb 296: n gmi.n=s wꜣ.t n.t pri.t: „wobei es/das keinen Weg des Herauskommens gefunden hat“.

4 wꜣ.t prr.y=s jm=f: Eine grammatisch und daraus folgend inhaltlich problematische Stelle aufgrund zweier Auffälligkeiten: (1) der Gemination des Verbs und der zusätzlichen Schreibung mit Doppelschilfblatt; sowie (2) das ohne erkennbares Bezugswort dastehende jm=f. Das Parallelrezept ist an dieser Stelle identisch, bietet also keinen Lösungshinweis. K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), 83 (zu K. Sethe, Ägyptische Lesestücke zum Gebrauch im akademischen Unterricht. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1924), 55,18) denkt, dass pri̯ hier eigentlich ein feminines Partizip ist, das er auf wꜣ.t bezieht und hinter dem in der Vorlage ein maskulines Nomen folgte, auf das sich ein maskulines pri̯.y sowie das Suffixpronomen nach jm beziehen: n gr.t wꜣ.t prr⟨.t=s jm=s „weil es keine Öffnung gibt“ pri̯⟩.y=s jm=f. Durch Aberratio oculi sei der Kopist direkt vom prr.t=s jm=f zum pri̯.y=s jm=f gesprungen. Vielleicht auf einer solchen Lösung basierend, führt A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 358 die Stelle als Beleg für ein maskulines, singularisches Passivpartizip auf. Es fragt sich allerdings, wie ein Passivpartizip von pri̯: „herausgehen“ in dem vorliegenden Kontext mit wꜣ.t als Bezugswort übersetzt werden sollte.
W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 210.2 lehnt Sethes und Gardiners Lösungsvorschlag ab, weil ein derartiger Fehler nicht allein beim Kopieren geschehen sein kann, sondern teilweise schon in der Vorlage zu finden sein müsste und Eb 102 und 296 nicht völlig identisch seien, also nicht von derselben Vorlage stammen. Dieses Argument ist etwas verkürzt; doch wenn man die Abweichungen der Rezepte miteinander vergleicht, müsste man tatsächlich einen recht komplexen Überlieferungsweg rekonstruieren, wie er Westendorf vielleicht vor Augen gestanden hat: Von einer ursprünglichen, hypothetischen Quelle α mit korrektem Wortlaut wäre eine fehlerhafte Kopie (β) gemacht worden, in der v.a. die von Sethe vermutete Aberratio oculi zu verorten wäre; von dieser Kopie wären wiederum zwei verschiedene Kopien (γ und δ) mit weiteren Fehlern gemacht worden; und von diesen letzteren Kopien stammen dann die Rezepte Eb 102 und Eb 296 ab, die damit den Weg zurück in eine Handschrift finden. Schritt β würde die Fehler erklären, die Eb 102 und 296 gemeinsam haben, Schritt γ+δ diejenigen, in denen Eb 102 und 296 voneinander abweichen. Anstatt einen solchen komplizierten Entstehungsweg anzunehmen, vermutet Westendorf in prr.y=s eine ungewöhnliche Schreibung eines prospektiven sḏm=fs in Finalsätzen: „es gibt auch keinen Weg, daß er [der st.t-Schleimstoff, L.P.] herausgehen könnte“. Sein Argument gegen Sethes Lösung ist jedoch partiell zu revidieren, selbst wenn man Sethe nicht folgen möchte: (a) der Wortlaut von Eb 102 und 296 stimmt weit genug überein, um eine letztlich identische Vorlage ansetzen zu dürfen; aber (b) das weit auseinanderliegende Vorkommen der beiden Texte in der Sammelschrift gegen Bauchbeschwerden einerseits (Eb 102) und in einer Rezeptsammlung gegen Sekrete in der Leistengegend andererseits (Eb 296) spricht dafür, dass es tatsächlich in zwei verschiedenen Texten stand, die dann im pEbers vereint wurden. Bei welchem Kopiervorgang dann die von Westendorf angenommenen Fehler in den Text kamen – sofern es wirklich Fehler sind und nicht Fehlbeurteilungen von Ausnahmeschreibungen durch den modernen Philologen – kann freilich nicht eruiert werden. Diese Überlegung dürfte Westendorfs Vorschlag insofern bestätigen, als die ägyptischen Kopisten prr.y=f wohl als korrekt empfunden hatten, weil es andernfalls wohl wenigstens in einem der beiden Fälle korrigiert worden wäre.
Man könnte als Alternative anmerken, dass das hieratische prr im Grunde nicht von dem hieratischen pri̯.t kurz zuvor unterschieden werden kann und dass daher das unmittelbar vorangehende wꜣ.t n.t pri̯.t den Schreiber verleitet haben mag, wꜣ.t pri̯.t.y=s (und nicht das wꜣ.t prr.y=s der bisherigen Transkriptionen) zu schreiben (was Westendorf, ebd. grundlos ablehnt). Doch auch dann ist keine emendationsfreie Lösung denkbar; eine zunächst naheliegende Relativform (*„es gibt auch keinen Weg, des es (das Sekret) herauskommt aus ihm (dem Magen?)“) wäre grammatisch problematisch, und zudem ist die Relativform von pri̯ ohne Doppelschilfblatt geschrieben; und Relativformen mit Doppelschilfblatt von anderen IIIae inf. setzen dieses erwartungsgemäß auch vor das .t und nicht dahinter.
Vgl. zur Frage, ob ḥwꜣ.ḫr=s vielleicht die einleitende Protasis fortführt, den Kommentar dort. Zur hier gewählten Satzverbindung vgl. E. Oréal, Les particules en égyptien ancien. De l’ancien égyptien à l’égyptien classique, Bibliothèque d’étude 152 (Le Caire 2011), 447. Einen engeren Anschluss von n gr.t wꜣ.t prr.y=s jm=f an den vorangegangenen Satz, wie es von L. Depuydt, The Contingent Tenses of Egyptian, in: Orientalia 58, 1989, 127, hier: 11–13, Bardinet 1995 und Westendorf 1999 vorgeschlagen wird, hält sie für „une répétition incohérente du même contenu propositionnel“.

5 ḥsb.t: Nur in Eb 102 und in der Parallele Eb 296. Es ist in Eb 102 einmal mit dem schlechten Paket und Pluralstrichen klassifiziert sowie zweimal mit einer Schlange und Pluralstrichen. In Eb 296 ist es einmal mit dem schlechten Paket und Pluralstrichen geschrieben und zweimal mit dem schlechten Paket, der Schlange und den Pluralstrichen. Wohl aufgrund des Schlangenklassifikators wird im Wb 3, 168.8 „Würmer im Leibe?“ vermutet (so auch schon, aber mit scheinbarer Sicherheit, L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 17b und, ihm folgend, H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 852: „ϩⲱⲥ, taenia, genus vermis“, also einen Bandwurm). B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 44–45 vermutet dagegen aufgrund der zweimaligen Schreibung ohne Schlangenklassifikator, dass das schlechte Paket das wichtigere Determinativ sei und das Wort allgemein eine Krankheit benenne. Dennoch sieht er in der Schlange einen Hinweis, dass diese Krankheit „etwas wurmartiges an sich hat“, und vermutet daher Ileus, weil man hierbei, „zumindest bei mageren Individuen“, die Konturen des Darmes sehen könne. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 634–635 lehnt sich mit der Übersetzung „Gewürm, Geschlinge“ wieder an das Wb an und vermutet darin ein besonderes Aussehen der genannten Ausscheidung oder alternativ, dass sich hier die Vorstellung widerspiegele, Eingeweidewürmer entstünden aus dem Sekret.

6 tm.ḫr=s: Rein graphisch ist nicht zu entscheiden, ob das Negationsverb „nicht sein“ („es wird nicht zu Gewürm“) oder das Verb „vollständig sein“ („es wird vollständig zu Gewürm“) vorliegt. Als Negationsverb wird es aufgefasst von A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 432, Bardinet 1995, 126 und 264, und ihm folgend Westendorf 1999, 564. Auch P. Vernus, Future at Issue. Tense, Mood and Aspect in Middle Egyptian: Studies in Syntax and Semantics, Yale Egyptological Studies 4 (New Haven 1990), 77, Anm. 105 scheint eher zu tm als Negationsverb zu tendieren. Als Vollverb interpretieren es dagegen Stern, in: Ebers 1875, 48, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 108 und dezidiert IV/2, 101, Anm. 9, W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 275, L. Depuydt, The Contingent Tenses of Egyptian, in: Orientalia 58, 1989, 127, hier: 10 mit Anm. 30, H. Buchberger, Transformation und Transformat. Sargtextstudien 1, Ägyptologische Abhandlungen 52 (Wiesbaden 1993), 546. Die Beleglage für eine Negation tm.ḫr=f sḏm ist in der Tat dürftig – das Ebers-Beispiel wäre der einzige mittelägyptische Beleg; einen altägyptischen Beleg liefert immerhin noch Depuydt. Dieses äußerst seltene Vorkommen von negiertem sḏm.ḫr=f und der damit einhergehenden Unsicherheit, ob es überhaupt regulär mithilfe von tm gebildet wird, ist sicher einer der Hauptgründe, im Ebers zur Interpretation als Vollverb zu tendieren. Andererseits ist die Konstruktion tm + Verb: „etwas vollständig tun“, in dem tm Hilfsverb wäre, nicht belegt, wohingegen bei einer Erklärung von tm als Negationsverb ein nachfolgendes Verb sogar zwingend erforderlich ist und ḫpr dann das Negativkomplement wäre. Buchberger löst dieses Problem, indem er ḫpr an dieser Stelle als nominalisierten Infinitiv und damit als direktes Objekt eines transitiven tm versteht: „So vollendet er [scil.: der Schleimstoff, L.P.] das (sich) in Gewürm transformieren“. Eine letzte, wenn auch wenig wahrscheinliche Möglichkeit wäre, das Negationsverb tm in seiner ursprünglichen Bedeutung als „aufhören“ zu interpretieren, für die es durchaus Belege mit anschließendem Verb gibt („aufhören etwas zu tun“). Während tm als Negationsverb einen Zustand überhaupt negiert, würde tm in seiner Grundbedeutung das Ende eines Zustands ausdrücken. Im spätzeitlichen pBremner Rhind, 30,26 gibt es sogar einen möglichen Beleg für tm ḫpr mit der Bedeutung „aufhören zu existieren“. ḫpr m bedeutet in der Regel „werden zu“, weshalb man im Ebers analog zum Bremner Rhind eine Übersetzung „aufhören, zu Gewürm zu werden“ anbieten könnte. Allerdings ist bei Belegen für tm + Verb die Entscheidung, ob die ursprüngliche Bedeutung „aufhören zu“ oder die davon abgeleitete Bedeutung „nicht sein“ vorliegt, in Einzelfällen schwer oder unmöglich zu treffen. Im vorliegenden Fall ließe sich eine Übersetzung „aufhören zu Gewürm zu werden“ nur schwer in den Kontext eingliedern, aber die Möglichkeit sollte trotzdem erwähnt worden sein.

7 r ḫpr=s: Die Form r sḏm=f drückt üblicherweise ein finales Verhältnis aus. Bardinet 1995 schlägt vor, diese Konnotation im Fall dieser Passage in Richtung einer reinen Vorzeitigkeit zu verschieben: „(Il est bien évident que) cela ne devra pas (= ne pourra pas) se transformer en vermine avant que cela se soit transformé“. Er versteht auf S. 126 in dem ganzen Satz einen sekundären Einschub eines Redakteurs, mit dem erläutert würde, dass die st.t-Stoffe als etwas Lebendiges verstanden werden, die sterben müssen, um zu „vermine“ zu werden.

Eb 103

Ein anderes (Heilmittel) zum Abtöten von Krankheitsauslösern (?) im Bauch und Abtöten der Wurzel des wḥꜣ.w-Hautleidens im Bauch eines Mannes [25,10] oder einer Frau:
Mehl von Erdmandeln, gekocht: ein viertel (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), süßes Mehl: 1/8 (Dja), Mehl von Datteln: ⟪1/8 (Dja)⟫1, Gänsefett: ein viertel (Dja), Honig: ein viertel (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse zermahlen. Werde über 1 Tag hinweg gegessen.

1 Die ursprüngliche Maßanangabe wurde getilgt und durch 1/8 ersetzt. Zudem ist auch schon die alte Maßangabe ein Nachtrag gewesen, was sich daran zeigt, dass sie in das Interkolumnium hineinragt. Das heißt, der Schreiber hatte an dieser Stelle die Maßangabe vergessen, dann nachgetragen und dann noch einmal korrigiert.

Eb 104–220: Heilmittel für Leiden im Rumpf

[Mit Rezept 104 beginnt (ḥꜣ.t-ꜥ!) eine neue Rezeptgruppe. Diese enthält „Salbmittel“ (gs.w) und allgemein „Heilmittel“ (pẖr.t), die aber ebenfalls durch „einsalben“ (gs) appliziert werden sowie anschließend Rezepte gegen verschiedene andere Phänomene, bevor mit Eb 188 das Magenbuch einsetzt. Grapow 1955, 117 und Westendorf 1999, 24 schließen in diese Gruppe nur die Salbmittel von Eb 104 bis Eb 121 ein. Die Rezepte Eb 122–187 verstehen sie als lose Gruppe „[v]ereinzelte[r] Rezepte ohne klaren gemeinsamen Bezug“ (so Westendorf). Anders ist die Aufteilung der Rezepte bei Bardinet 1995, 265–275, der die Rezepte Eb 104–112 überschreibt mit „Onguents pour les Ouhaou“, Eb 113–130 mit „Onguents et autres remèdes contre les Ouhaou et les Oukhedou, derniers traitements“, Eb 131 mit „Formule magique“, Eb 132–152 mit „Soigner l’anus. Les différents cas“, Eb 153–164 mit „Brûlures à l’anus“, Eb 165–174 mit „Substances magiques dans l’intérieur du corps“ und Eb 175–187 mit „Dernières recettes et remèdes apparentés“. Bardinet unterteilt Eb 104–187 demzufolge in sieben Gruppen, wobei die Überschriften zeigen, dass auch diese tlw. thematisch nur lose zusammenhängen.
Hier wird, gemäß der Prämisse, hauptsächlich nach originalen Strukturmerkmalen zu gruppieren, die gesamte Gruppe Eb 104–187, als eine größere Rezeptgruppe (mit noch zu klärendem gemeinsamen Nenner) aufgefasst, bevor mit dem nächsten ḥꜣ.t-ꜥ m: „Anfang von (...)“ in Eb 188 das Magenbuch einsetzt. In dieser größeren Rezeptgruppe bilden die Rezepte Eb 104–112 tatsächlich eine klar abtrennbare, eigene Untergruppe: Sie sind als gs.w n dr wḥꜣ.w: „Salbmittel zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Leidens“ überschrieben und unterscheiden sich von den anschließenden Rezepten dadurch, dass die Ingredienzien keine Mengenangaben aufweisen.]

Eb 104–131: Salbmittel gegen das wḥꜣ.w-Hautleiden

Eb 104

Anfang der Salbmittel(rezepte) zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens:
„Spitzer-Stein“-Droge: ∅, Milch: ∅, reines Öl/Fett: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit über 4 Tage hinweg gesalbt.

Eb 105

Ein anderes Salbmittel:
Blätter der Dornakazie: ∅, „Großer-Schutz“-Droge: ∅, „Spitzer-Stein“-Droge: ∅, tꜣ-Flüssigkeit der Wäscher:1 ∅, rotes Natron: ∅, Honig: ∅, [25,15] Öl/Fett: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

1 tꜣ n rḫt.jw: Auf DZA 26.049.500 wird vorgeschlagen, zu tꜣ zu ergänzen und mit „Lauge (?)“ zu übersetzen. Dieselbe Droge tꜣ findet sich aber auch auf pHearst 11, 11–12, so dass eine Verschreibung unwahrscheinlich ist. Mit einem anderen Klassifikator und nicht vom „Wäscher“, sondern als tꜣ einer šb.t-Maische (?), findet sie sich schließlich noch in pEbers 43,14 (auch dort wurde eine Ergänzung zu tꜣ erwogen: DZA 30.933.340).

Eb 106

Ein anderes Salbmittel:
šnf.t-Früchte: ∅, „Eselskopf“-Pflanzen (?)1: ∅, bsbs-Pflanzen: ∅, sbtt.yt-Pflanzen2: ∅, ns.tjw-Pflanzen: ∅, Schmutz (?) des Hofes:3 ∅, Olivenöl: ∅, reines Öl/Fett: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

1 ḏꜣḏꜣ (j)ꜥꜣ: „Eselskopf“: Nur in Eb 106 genannt. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 595 erwägen, trotz fehlendem Pflanzenklassifikator, in Analogie zur Pflanzenbezeichnung msḏr (j)ꜥꜣ: „Eselsohr“, auch in ḏꜣḏꜣ (j)ꜥꜣ einen Pflanzennamen. So auch Bardinet 1995 und Westendorf 1999. Nicht genannt dagegen von R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981) oder J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961); d.h. von den beiden Ersteren nicht als Pflanze, von Letzterem nicht als Mineral angesehen.

2 sbtty.t-Pflanze: Eine unbekannte Pflanze. Ob das Wort mit der aus ptolemäischen Texten bekannten sbt.t-Pflanze (Wb 4, 96.5–6) zu verknüpfen ist? Ein Zusammenhang zwischen beiden Bezeichnungen wurde schon früher vermutet: s. DZA 29.124.340 und P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 824.

3 mkj n hʾ: „Schmutz des Hofes“: V. Loret, Recherches sur plusieurs plantes connues des anciens Égyptiens (suite), in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 16, 1894, 114, 92102, hier: 93–94 interpretiert das Wort als Bezeichnung einer Decke oder eines überdachten Einganges, weil er hinter dem Phonogramm eine Art Stein oder Querbalken vermutet, der auf zwei (sic, ausgehend von der Zeichenform sollten es drei sein) Stützen liegt. Neben dem mkj n hʾ gibt es die parallel gebildeten Drogenbezeichnungen jtnw n hʾ: „Erde des Hofes“ und ẖnn n hʾ: „Staub des Hofes“. Das Wort jtn vergleicht er mit koptisch ⲉⲓⲧⲛ: „κοπρία, stercus, fimus“, d.h. Dunghaufen, Misthaufen o.ä. Analog dazu vermutet er in mkj den ägyptischen Vorläufer des koptischen ⲙⲏⲟⲉⲓⲕ, für das er die Bezeichnungen „κόπρος, stercus, fimus“, Kot, Dung, Mist, gibt. Seinem Etymologisierungsvorschlag scheint sich J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 217 anzuschließen, auch wenn er angesichts der Qualifizierung von jtnw durch n hʾ: „vom Hof“ eher an die Bedeutung „dirt“ denkt. Die Bedeutung „Schmutz; Staub“ etc. ist tatsächlich sowohl für das ägyptische jtn wie auch für das koptische ⲉⲓⲧⲛ gut belegt. W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 53 sieht ebenfalls in jtnw den Vorläufer des koptischen ⲉⲓⲧⲛ; die Identifikation von ⲙⲏⲟⲉⲓⲕ mit mkj lehnt er allerdings S. 89, Anm. 1 ab und deutet das koptische Wort als Kompositum ⲙⲏ ⲟⲉⲓⲕ aus ⲙⲏ: „Urin“ (s. S. 86) und ⲟⲉⲓⲕ: „Brot“ (vgl. S. 140; ob er vielleicht an eine Bedeutung wie *Exkrementfladen dachte?). Gardiner Sign-list O4 vermutet im Phonogramm h, anders als Loret, eine Schilfhütte. Während Wb 2, 470.1–2 in dem Wort einen „Hof, Halle o.ä.“ vermutet, denkt Gardiner, a.a.O. an „room (?)“. K. Eaton, itn.w n h ı͗tn.w n h, in: Göttinger Miszellen 206, 2005, 2932, schließt sich der Interpretation Gardiners an, denkt bei dem Phonogramm an eine Schilfhütte und im mkj des pEbers wie auch in dem ẖnn (sic, ihr ꜥnn muss ein Fehler sein) an Materialien „out of which the h-structure was made“ (S. 31).

Eb 107

Ein anderes Salbmittel:
Mehl vom Johannisbrot: ∅, Mehl von Langbohnen: ∅, ns.tjw-Pflanzen: ∅, „Großer-Schutz“-Droge: ∅, Olivenöl: ∅, reines Öl/Fett: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit über 4 Tage hinweg gesalbt.

Eb 108

Ein anderes Salbmittel:
„Erdlotos“: ∅, jns.t-Beinpartie des Esels:1 ∅, šfšf.t-Pflanzen2 des [25,20] Teiches/Sees: ∅, frisches smj-Milchfett: ∅, reines Öl/Fett: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit über 4 Tage hinweg gesalbt.

1 jns.t: Der Klassifikation nach ein Teil des Beines. Es wird von modernen Bearbeitern meist im unteren Bereich des Beines, unterhalb der Knie, verortet. So etwa L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 5a: „pars cruris vel pedis“, Wb 1, 99.18–20: „unterer Teil des Beines (Unterschenkel samt Fuss?)“, H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriss der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 93: unterer Teil des Beines, Westendorf 1999, 565: „Unterschenkel“. Bardinet 1995, 265: „tibia“, B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 59: „jarret“. Ausschlaggebend dafür dürfte der Horusmythos von Edfu sein, in dem einem Nilpferd, dem Tier des Seth, mit einem Metallspeer in die Fußsohle des Vorderbeins gestochen wird und das beschrieben ist mit: ḥmt mn m jns.t=f: „Das Erz (d.h. der Speer) bleibt in seinem jns.t (stecken)“, s. E. Naville, Un chapitre inédit du Livre des morts, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 11, 1873, 2534, 8196, hier: 89, H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. V (Leipzig 1880), 97–98 und dazu mit Zeichnung DZA 20.921.090.
Schon Brugsch, a.a.O., verweist aber auch auf eine „nicht unwichtig[e]“ Passage im Grab des Djefaihapi aus dem Mittleren Reich, in der vom jns.t n.t mn.t n.t kꜣ, dem „jns.t vom Oberschenkel des Stieres“ die Rede ist. Diese Stelle spricht dafür, dass jns.t (auch?) am Oberschenkel lokalisiert werden kann.
J. H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 266 gibt für das Substantiv jns.t – ohne nähere Diskussion, aber vielleicht ebenfalls basierend darauf – die Bedeutungen „1. hindleg (including buttock) 2. thigh“ an und schreibt: „Probably equivalent to mnt. inst in the lower limb seems to be parallel to gbꜣ [Arm, Oberarm, L.P.] in the upper limb.“ Sollte zudem auf pUniversity College A verso (P. Posener-Kriéger – J. L. de Cenival, The Abu Sir papyri, Hieratic papyri in the British Museum 5 (London 1968), Taf. 66) tatsächlich jns.t genannt sein, wie St. Grunert in seiner Übersetzung im TLA annimmt (der erste Beleg ist unwahrscheinlich, weil mit einem Vogel klassifiziert; der zweite immerhin möglich), dann wäre die Bedeutung „Unterschenkel“ zweifelhaft. Denn obwohl der Kontext nicht ganz klar ist, scheinen doch fleischhaltige Partien von Vögeln genannt zu sein; und Unterschenkel von Vögeln wären in dem Zusammenhang kaum zu erwarten.
Davon abgesehen wird die Verbindung jns.t n.t (j)ꜥꜣ von Rezept Eb 108 eher als Pflanzenbezeichnung angesehen, vergleichbar dem ḏꜣḏꜣ (j)ꜥꜣ von Eb 106, s. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 244 und II, 189, Anm. 2.

2 šfšf.t: Aufgrund der hiesigen Herkunftsangabe („vom Teich/See“) wird in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) die Bedeutung „Schlamm“ vermutet.

Eb 109

Ein anderes Salbmittel:
šꜥ.t-Kleie (?)1 von Gerste, gänzlich ausgeglüht2: ∅, Riedgras, gänzlich ausgeglüht2: ∅, mjmj-Getreide, gänzlich ausgeglüht2: ∅, „Spitzer-[26,1]Stein“-Droge: ∅, Milch einer (Frau), die einen Knaben geboren hat: ∅, frisches Olivenöl: ∅, Öl/Fett: ∅.
Werde gekocht. (Die betroffene Stelle) werde damit über 7 Tage hinweg gesalbt.

1 šꜥ.t: Ein außerhalb wie innerhalb der medizinischen Texte seltenes Produkt. Es wird einmal in ḥqꜣ.t-Scheffeln (K. Sethe, Urkunden der 18. Dynastie [IV,937-1226], Urkunden des Ägyptischen Altertums IV/13-16 (Leipzig 1908–1909), 1137,10) und einmal (in dem Brief München ÄS 4313, s. H. Buchberger, tp and pw-rs.ti - der Brief auf dem Gefäß München ÄS 4313, in: Studien zur Altägyptischen Kultur 18, 1991, 49–87, hier: 72–73) mit dem sdf-Maß gemessen, mit dem auch Feigen gemessen werden können. J. F. Quack, Ägyptisch šꜥ(.t) „Kleie“ und ein angeblich semitischer Personenname, in: Die Welt des Orients 27, 1996, 58, hier: 7–8 bringt diese Drogenbezeichnung mit demotisch šꜥ und koptisch (ⲉ)ϣⲟ: „Kleie“ zusammen.
Es bliebe zu entscheiden, ob alle drei als „ausgeglüht“ (snwḫ) bezeichneten Ingredienzien parallel zu verstehen sind und šꜥ.t-Kleie von Gerste, Riedgras und mjmj-Getreide verwendet werden sollen, oder ob nur die Gerste genitivisch den šꜥ.t-Kleie zuzuordnen ist und die anderen beiden Ingredienzien eigentlich schon die nächsten Drogen der Liste bilden. Die Parallelität legt eigentlich Ersteres nahe.

2 snwḫ: Die Übersetzung „ausglühen“ (also ein Zubereiten ohne Flüssigkeit) im Gegensatz zum älteren Vorschlag „verkochen“ (eine Zubereitungsart mit Flüssigkeit) basiert auf U. Verhoeven, Grillen, Kochen, Backen im Alltag und im Ritual Altägyptens. Ein lexikographischer Beitrag, Rites égyptiens 4 (Bruxelles 1984), 181–189, die die Bedeutung "(gänzlich) ausglühen lassen" wahrscheinlich gemacht hat.
Unbegründet bleibt Bardinets (Bardinet 1995) unterschiedliche Übersetzung der ersten beiden Erwähnungen durch „bouillie“ und der dritten durch „calcinée“, obwohl in allen drei Fällen dasselbe Wort vorliegt.

Eb 110

Ein anderes Salbmittel:
bsbs-Pflanzen: ∅, jbsꜣ-Pflanzen: ∅, sbtt.yt-Pflanzen: ∅, pꜣḏt.t-Teil1 von der Sykomore: ∅, Leinsamen (?): ∅, Blätter vom „Stechholz“: ∅, reines Öl/Fett: ∅, Olivenöl: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit über 8 Tage hinweg gesalbt.

1 pꜣḏt.t: Oder pꜣḏr.t, aufgrund des folgenden femininen n.t aber keinesfalls pꜣḏrd, wie Wreszinski 1913, 30, transkribiert. Ein Hapax legomenon.

Eb 111

Ein anderes Salbmittel:
Schmutz (?) des [26,5] Hofes: ∅, Früchte/Samen der sꜣr-Pflanzen: ∅, Sellerie: ∅, sskꜣ-Droge: ∅, Früchte/Samen der jbw-Pflanze: ∅, Kreuzkümmel: ∅, Wachs: ∅, Öl/Fett: ∅, Olivenöl: ∅, Milch einer (Frau), die einen Knaben geboren hat: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit über 9 Tage hinweg gesalbt.

Eb 112

Ein anderes Salbmittel:
šfšf.t-Pflanzen: ∅, bsbs-Pflanzen: ∅, Früchte/Samen der jbw-Pflanze: ∅, sskꜣ-Droge: ∅, „Großer-Schutz“-Droge: ∅, „Spitzer-Stein“-Droge: ∅, Sellerie: ∅, getrocknete Myrrhe: ∅, süße Myrrhe: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde damit über 10 Tage hinweg gesalbt.

Eb 113 = Eb 117

Heilmittel zum Beseitigen [26,10] des wḥꜣ.w-Hautleidens und Herausholen von Krankheitsauslösern (?):
Galle eines Rindes1: ein halbes Dja (?), unterägyptisches Salz: 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde zu einer homogenen Masse vermischt. (Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

1 jḥ: Nur logographisch geschrieben; die Transkription jḥ ist unsicher. Das Parallelrezept verwendet nicht die wdd-Galle des so geschriebenen Tieres, sondern die bnf-Galle. Im Rezept Eb 75 wiederum wird bnf-Galle eines gw-Stieres genannt, so dass man sich fragen könnte, ob auch in Eb 117 und daran anschließend in Eb 113 eigentlich ebenfalls gw zu lesen ist. Andererseits entspricht die Schreibung des Tieres in Eb 113 und Eb 117 derjenigen des Milchlieferanten in der Droge jrṯ.t [RIND]: „Kuhmilch“, so dass damit am wahrscheinlichsten ein weibliches Rind oder eine generische Rinderbezeichnung gemeint ist, wohingegen gw ein männliches Rind meint.

Eb 114

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens im Körper eines Mannes:
Weißes Öl: 1 (Dosis), Nilpferdfett: 1 (Dosis), alter (?) Honig:1 ∅, „Großer-Schutz“-Droge: 1 (Dosis), tjꜥm-Pflanzen: 1 (Dosis), Wermutkraut (?): 1 (Dosis), pꜣḫ-Pflanzen2: 1 (Dosis), Wachs: 1 (Dosis), bsbs-Pflanzen: 1 (Dosis), sfṯ-Öl: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde damit über 4 Tage hinweg gesalbt.

1 bj.t js.t: Nach Wreszinskis dreifachem „sic“ (Wreszinski 1913, 31) zu urteilen, mit dem er einerseits die fehlende Maßangabe hinter bj.t und js.t vermerkte und andererseits die Buchrolle von js.t markierte, scheint er in js.t eine Schreibung für js.w: „Schilfrohr“ vermutet zu haben.

2 pꜣḫ: Westendorf 1999, 499 vermutet mit Verweis auf koptisch ⲡⲉⲏ: „Melone“.

Eb 115

Ein anderes (Heilmittel) zum Vorbeugen (wörtl.: zum Nicht-Zulassen, dass entsteht) [26,15] einer srf.t-Hautentzündung (und) jeder üblen Sache an jedem Körperteil:
sꜣy.t-Pflanzen, getrocknet: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis).
Werde fein zermahlen; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

Eb 116 = pLouvre E 32847, Rto. x+9,1–2, vgl. Eb 95

Ein anderes (Rezept) ((für))1 ein Salbmittel (zum) Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens an jedem Körperteil eines Mannes:
Süße Myrrhe: 1 (Dosis), „Großer-Schutz“-Droge: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Johannisbrot: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Bleiglanz: 1 (Dosis), Verengung (?) der bḏꜣ-Brotform: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. [26,20] (Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

1 n.t ist schwarz über der Zeile nachgetragen. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 245 übersetzen „Ein anderes (Heilmittel), ein Salbmittel (...)“ und plädieren in den Erläuterungen in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 190 dafür, das n.t zu streichen, und es wird vermutet, dass der Schreiber in gs.w den Infinitiv „das Salben“ gesehen haben könnte. Dieser Übersetzung folgt Bardinet 1995, 266. Dagegen schlägt Westendorf 1999, 566 vor: „Ein anderes (Rezept/Heilmittel) für ein Salbmittel (und) das Beseitigen (...)“. Vgl. auch Eb 118, wo eindeutig das n.t von Anfang an drin stand. Dass in Eb 116 das n.t nachträglich eingefügt wurde, ist ein Indikator dafür, dass es vom Korrektor vermisst wurde und daher nicht ignoriert werden sollte.

Eb 117 = Eb 113

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens und Herausholen von Krankheitsauslösern (?):
Galle1 eines Rindes2: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

1 bnf: Aufgrund der vergleichbaren Anwendungsgebiete und der Parallele von wdd des Rindes und bnf des Rindes schloss W. R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts II, in: Journal of Egyptian Archaeology 19, 1933, 133–137, hier: 136, dass beide Termini Synonyme seien. Breasteds ältere Deutung (Breasted 1930) als Exkrement lehnte er v.a. wegen des häufig verwendeten Fleischdeterminativs ab und weil es bnf vom ꜣbḏw-Fisch gibt, man aber schwerlich die Exkremente eines Fisches sammeln könnte.

2 jḥ: Nur logographisch geschrieben; die Transkription jḥ ist unsicher. Im Rezept Eb 75 wird bnf-Galle eines gw-Stieres genannt, so dass man sich fragen könnte, ob in Eb 117 eigentlich ebenfalls gw zu lesen ist. Andererseits entspricht die Schreibung des Tieres in Eb 117 derjenigen des Milchlieferanten in der Droge jrṯ.t [RIND]: „Kuhmilch“ , so dass damit am Wahrscheinlichsten ein weibliches Rind oder eine generische Rinderbezeichnung gemeint ist, wohingegen gw ein männliches Rind meint.

Eb 118

Ein anderes (Rezept) für ein Salbmittel [27,1] (zum) Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens in jedem Körperteil eines Mannes:
„Erdhaar“-Früchte: ∅, Öl/Fett: ∅.
(Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

Eb 119

Ein anderes (Heilmittel) zum Vorbeugen einer srf.t-Hautentzündung:
Öl/Fett: 1/32+1/641 (Oipe = 3 Dja), sꜣy.t-Pflanzen, zermalmt: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), Süßwassermuschel: 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis).
Werde fein zermahlen; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Der Körper werde damit eingerieben.

1 1/64: Es ist definitiv ein echtes Hieratogramm für 1/64 und nicht etwa ein nachträglich geänderter Einer-Strich. Die hier vertretene Kombination einer „richtigen“ Zahlenangabe mit dem Einerstrich ist jedenfalls die Ursache für Westendorfs doppelte Zahlenangaben in Westendorf 1999, 566–567 als „1 ro (?) (5 ro ?)“, weil er unsicher war, ob die Striche wirklich als simple Einerstriche zu lesen seien (also „1 ro“ nach seiner Interpretation der Maßangaben) oder als Abkürzung für 1/64, das von ihm angesetzte Scheffelgrundmaß von „5 ro“ (vgl. auch Westendorf 1999, 522–523).

Eb 120

Ein anderes (Heilmittel) zum ordnungsgemäßen Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens:
Öl/Fett: 1 (Dosis), Leinsamen (?): 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), sꜣy.t-Pflanzen: [27,5] 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis).
(Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 121

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Krankheitsauslösern (?):
ẖsꜣ.yt-Balsam: 1 (Dosis), Roter Ocker: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), sskꜣ-Droge: 1 (Dosis), mjmj-Getreide: 1 (Dosis), Gummiharz: 1 (Dosis), snn-Harz: 1 (Dosis), jbr-Öl: 1 (Dosis), Fett: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde daran (d.h. an die betroffene Stelle) gegeben.

Eb 122 = Bln 35

Ein anderes Heilmittel zum Abwehren von Krankheitsauslösern (?) im Mund:
Wermutkraut (?): 1/8 (Dja), tjꜥm-Pflanzen: 1/8 (Dja), ꜥꜥꜣm-Pflanzen: 1/16 (Dja), Früchte/Samen der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/16 (Dja), Johannisbrot: 1/8 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), [27,10] smt-Droge: 1/64 (Dja)1, wt.yt-Teil der Sykomore: 1/8 (Dja), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1/16 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg sẖp-eingenommen.

1 1/64: Die Mengen von Weihrauch und smt-Droge sind gegenüber den anderen Drogen sehr gering. Mit Westendorf 1999, 515, Anm. 58 sollte die Möglichkeit bedacht werden, dass dies weniger mit der Wirksamkeit als eher mit der Seltenheit der Produkte und damit dem Wert zusammenhängen könnte. Auch vom Ocker ist eine kleinere Menge empfohlen worden. Auffällig ist, dass sich in dem Rezept ansonsten die Mengenangaben 1/8 und 1/16 stets abwechseln.

Eb 123, vgl. Eb 251d

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Krankheitsauslösern (?):
Öl, das aus Rizinussamen hergestellt wird.
Der Mann werde damit gesalbt, der1 ein wḥꜣ.w-Hautleiden infolge von Flattern (?)2 und Faulen (oder: Taumeln) (hat)2, wobei das Aufstehen/Stillstehen (?) der rjwm-Körperteile (?), als ob ihm (d.h. dem Mann?) nichts zugestoßen wäre, schwierig3 ist. Um sie (d.h. die genannten Krankheitsphänomene) zu beseitigen4, soll er (d.h. der Patient) aber beim Einreiben entsprechend der 10-Tage(-Kur)5, (genauer:) während des frühmorgendlichen Einreibens, berochen werden.6
(Dieses Rezept ist) wirklich vortrefflich, Millionen Mal (erprobt)!

1 n.tj: In seinem Kommentar zum Parallelrezept Eb 251d vermutet K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), 81 (54,14) den Ausfall einer Präposition. Zu einer possessiven Funktion des Relativpronomens vgl. dagegen W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 321 (allerdings nur mit diesem und wenigen Zusatzbelegen).

2 jṯṯ.wt ḥwꜣ.w: Das erste Wort ist nur hier und im Parallelrezept 251d belegt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 111 vermuten einen Zusammenhang mit dem gleichradikaligen Verb jṯṯ: "fliegen". Das Wort ḥwꜣw scheint zunächst seiner Schreibung und Klassifizierung mit dem schlechten Paket zufolge zum Wortfeld "faulen" zu gehören. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 111 vermuten dagegen einen Zusammenhang mit dem einmalig belegten Verb ḥwꜣwt, Wb 3, 50.5, das "taumeln" o.ä. zu heißen scheint (derselbe Zusammenhang auch in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 34, Anm. 2 hergestellt). Da die Bedeutung beider Begriffe unsicher ist, ist auch nicht zu klären, wie sich beide syntaktisch zueinander verhalten. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 12 und Westendorf 1999, 567 setzen beide koordinierend nebeneinander; Ebbell 1937, 41 vermutet ein attributives Adjektiv: "bad putrid jṯṯt"; Bardinet 1995, 267 denkt an ein Genitivverhältnis: "l’émergence d’une décomposition dangereuse".

3 qsn: K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), 81 sieht hierin ein Adverb und Ebbell 1937, Bardinet 1995, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und Westendorf 1999 übersetzen es auch adverbial oder stativisch, bezogen auf die vorherigen Erscheinungen. Allerdings ist es durchaus möglich, dass damit eine weitere Spezifizierung der Krankheit mithilfe eines Adjektivalsatzes (qsn + Infinitiv, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 892, W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 406.bb.2) vorliegt. In dem Fall wäre das anschließende ꜥḥꜥ kein Hilfsverb zur Einleitung des folgenden Satzes (so K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927)) bzw. Vollverb "zum Stillstand kommen" (so von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und Westendorf 1999), sondern eben der als Subjekt gebrauchte Infinitiv (vielleicht wird man die Wortverteilung auf DZA 21.476.430 auch so deuten könnten).

4 rjwm: Im Wb 2, 400.14 als separates Wort „Verbum? (…) Substantiv?“ eingetragen. Auf DZA 25.813.910 wird ein Zusammenhang mit koptisch ⲗⲱⲱⲙⲉ („verfaulen“) erwogen. Auch in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 523 wird eine Lesung als ein einziges Wort favorisiert, dessen Bedeutung aber nicht genauer als „krankhafte Erscheinung“ bzw. allenfalls noch (im Vergleich zu den ebenfalls unklaren Wörtern jṯṯ.t und ḥwꜣ.w) als „krankhafte Bewegung“ eingegrenzt werden kann. Auch von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und Westendorf 1999 gehen von einem einzigen Wort aus. K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), 81 schlug dagegen vor, das Wort aufzuteilen und in dem Fleischstück und den Pluralstrichen eine verderbt geschriebene Krankheitserscheinung und in dem Wort davor ein Verb mit der Bedeutung "weichen" o.ä. zu sehen. So scheint es auch Ebbell 1937, 41 zu sehen, wenn er schreibt "then rjwmw the skin (?)" und damit in dem Fleischstück vielleicht eine Abkürzung für jwf "Fleisch > Haut" (?) versteht. Der Sethe'schen Aufteilung folgend, denkt C. E. Sander-Hansen, Kleinigkeiten aus der Medizin, in: O. Firchow (Hrsg.), Ägyptologische Studien, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 29 (Berlin 1955), 287–288, hier: 287 bei rjwm an einen Hörfehler für rwj mn.t: „dann schwindet die Krankheit“. Diese Vermutung ist jedoch insofern problematisch, als man bei einem Hörfehler davon ausgehen sollte, dass das verhörte Wort in ein sinnvolles geändert wird, was hier nicht der Fall zu sein scheint. Auch Bardinet 1995 folgt Sethe und Sander-Hansen: "La partie malade disparaîtra". Zu Schreibungen von rwi̯ mit Arm mit Handfläche nach unten und laufenden Beinchen vgl. Wb 2, 406 (allerdings erst ab der 19. Dynastie belegt, vgl.DZA 25.857.730 und DZA 25.857.740); und zumindest im Alten Reich konnte das Verb auch rjw geschrieben werden, so dass hauptsächlich das m komplett falsch ist.

5 Hier wird auf die Einreibemittel Eb 104–112 verwiesen.

6 ḫnm.tw=f: Die Parallele schreibt nur ḫnm=f. Es ist naheliegend, in beiden Fällen ein passives sḏm=f zu sehen, vgl. schon W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 188 mit Anm. 5. Für die in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) vorgeschlagene Bedeutung „behandeln“ gibt es nur dieses und das Parallelrezept Eb 251 als Belege. Wb 3, 293.1 gibt: „jem[anden] mit Salbe behandeln o.ä.“, was ebenso nur auf der hier verwendeten Kombination mit wrḥ beruht. K. Sethe, Erläuterungen zu den ägyptischen Lesestücken. Texte des Mittleren Reiches (Leipzig 1927), 81 (54,16) vermutet schlicht die Bedeutung „jmd. beriechen“ und verweist dafür auf die zuvor geschilderte Krankheitserscheinung ḥwꜣ.w („Fäulnis“ o.ä.). Damit nähert er das Wort wieder dem Grundlemma ḫnm: „einatmen, riechen“ an und es fragt sich, ob man überhaupt ein separates Lemma ansetzen muss.

Eb 124

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Krankheitsauslösern (?):
[27,15] Panzer einer Schildkröte: 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis), frisches Olivenöl: 1 (Dosis), sfṯ-Öl: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde erhitzt. (Die betroffene Stelle) werde damit gesalbt.

Eb 125

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Beseitigen des wḥꜣ.w-Hautleidens und von kꜣkꜣ.wt-Blasen:
jḥ.w-Pflanzen: ein halbes Dja (?), šꜣšꜣ-Früchte: ein viertel (Dja), mjmj-Getreide: ein halbes Dja (?), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 126, vgl. Eb 229

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von jn.wt-Erscheinungen (?)1 von Krankheitsauslösern (?):
Feigen: 1/8 (Dja), (Brot)laib aus sw.t-Wildweizen: 1/32 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 jn.wt: Das Phänomen wird nur im Zusammenhang mit wḫd.w genannt. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 7–8, der in wḫd.w „Eiterkrankheiten“ vermutet, versteht jn.wt als eine Bezeichnung für Fälle, in denen eine Eiterkrankheit eine Eiterbildung an einer anderen Körperstelle verursacht. Ausgehend von Bln 161, wo vom Hin- und Herwandern von wḫd.w als zusätzliche Erläuterung zu jn.wt die Rede ist (ḫdi̯ ḫnti̯ wḫd.w), vermutet er in dem Nomen eine Bezeichnung für „Wandrungen“; zur Stützung verweist er auf das Verb jni̯: „verweilen, zögern“ (Wb 1, 92.18–19), von dem seiner Meinung nach das Nomen abgeleitet sein könnte. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 57–58 weisen jedoch auf die Unsicherheit dieser etymologischen Verbindung hin und erwägen einen Zusammenhang mit jn.yt: „Kern o.ä.“ von Pflanzen (Wb 1, 94.4–5). Dieses Wort jn.yt ist in vorptolemäischer Zeit sicher belegt nur in medizinischen Texten (ein möglicher Beleg im ramessidenzeitlichen Liebeslied des pTurin Cat. 1966 ist unsicher).

Eb 127

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von jn.wt-Erscheinungen (?)1 [27,20] von Krankheitsauslösern (?):
šnf.t-Früchte: 1 (Dosis), das Innere des Johannisbrots: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis), Blätter der Dornakazie: 1 (Dosis), Blätter der Seyal-Akazie: 1 (Dosis), Kuhmilch: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verkocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 jn.wt: Siehe den Kommentar bei Eb 126.

Eb 128, vgl. H 203

Ein anderes Heilmittel [30,1]1 für die Vorderseite des Unterschenkels (d.h. für das Schienbein):
Gehirn (?)2 des Welses, das inmitten seines Kopfes gefunden wird: ∅.
Man soll es folglich in Honig tauchen. (Der Unterschenkel/Das Schienbein) werde darüber verbunden, so dass er3 sofort gesund wird.

1 Die originale Seitenzählung unterschlägt die Nummern 28 und 29.

2 Ägyptisch ꜥmm: L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 9a denkt an einen Teil des Darmtraktes („intestinum quoddam“). G. A. Reisner, The Hearst Medical Papyrus. Hieratic Text in 17 Facsimile Plates in Collotype with Introduction and Vocabulary, University of California publications in Egyptian archaeology 1 (Leipzig 1905), 18 vermutet „roe (?)“, „eggs (?)“; diese Vorschläge werden ohne Begründung geliefert. W. Wreszinski, Der Londoner medizinische Papyrus (Brit. Museum Nr. 10059) und der Papyrus Hearst. In Transkription, Übersetzung und Kommentar, Die Medizin der alten Ägypter 2 (Leipzig 1912), 118 denkt an „Gehirn“ und zieht hierfür Eb 128 heran; sein Hauptargument ist daher sicher die Bemerkung, dass es im Kopf des Welses zu finden sei. É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Memoires de l’Institut francais d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 214–215 sieht in ꜥmm, wie Wreszinski, eine Bezeichnung für das Gehirn.
In Eb 427 ist vom ꜥmm eines ꜥpnn.t-Tieres die Rede. In diesem Tier vermutet Chassinat eine Bezeichnung für den Fischotter, in Eb 427 ein Rezept gegen Trichiasis und vergleicht daraufhin die Droge ꜥmm n ꜥpnn.t mit dem ⲁⲛⲅⲉⲫⲁⲣⲟⲥ ⲛ̄̄ⲟⲩϩⲟⲣ ⲙⲟⲟⲩ, dem „Gehirn des Otters“ des von ihm besprochenen koptischen Rezeptes. W. R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts, in: Journal of Egyptian Archaeology 18, 1932, 150154, hier: 150–151, hat die Bedeutung „Gehirn“ für ꜥmm wieder abgelehnt: Seiner Ansicht nach spricht die angeführte Lokalisierung eher gegen das Gehirn, weil in dem Fall nicht explizit geschrieben werden müsste, dass es im Kopf zu finden sei. Er vermutet eher kleinere kalkhaltige oder kieselartige Objekte, die alle von den Ägyptern mit ein und demselben Terminus belegt seien: Im Fall des Fisches vermutet er Otholiten, im Fall von ꜥmm von Enten eher die Kiesel im Magen; hinter ꜥgg.t vermutet er eine Nacktschnecke und in deren ꜥmm rudimentäre Gehäuse, die manche Nacktschneckenarten noch, eingewachsen in ihren Mantel, besitzen. Da es nicht mit der Beschreibung von Menschen verbunden wird, schließt er ein allgemeines „Gehirn“ aus. E. Iversen, Some remarks on the terms amm and Ajs, in: Journal of Egyptian Archaeology 33, 1947, 4751, hier: 47–51 schließt sich wieder Wreszinskis Identifikation mit dem „Gehirn“ an: Chassinat habe überzeugend gezeigt, dass ꜥmm dem koptischen ⲁⲛⲅⲉⲫⲁⲣⲟⲥ entspreche, pgg.t sei keine Schnecke, sondern ein Frosch oder eine Kröte (was die Erklärung ihrer ꜥmm als rudimentäre Gehäuse obsolet macht) und es komme in den Sargtexten auch von einem Menschen vor. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 96 widersprechen wiederum Iversen, weil sich die von ihm erwähnte Sargtextstelle in Wirklichkeit auf einen Vogel bezieht und in einem Kontext mit qꜣb: „Darm“ steht. Als Bedeutung wird in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) daher etwas zurückhaltender nur vorgeschlagen: „ein Körperteil eines Tieres“. R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 72 schließt sich ohne Diskussion des Begriffes Iversen an, ebenso Bardinet 1995, 268 in seiner Übersetzung des Rezeptes. Westendorf 1999, 496 empfindet die Verbindung von ꜥmm mit Eingeweiden dagegen als wenig problematisch und verweist auf eine ähnliche Bedeutungsspanne von ꜣjs: „Windungen“, die ebenfalls einerseits für das Gehirn, andererseits für Gedärm verwendet wird.
Dawsons Einwand, dass ein Gehirn selbstverständlich im Kopf ist und eine entsprechende Glossierung überflüssig scheint, hat eine gewisse Berechtigung. Andererseits ist die Präposition jm.wtj auffällig, die eben nicht nur ein semantisch breites „in“, sondern spezifischer ein „zwischen (zwei Dingen)“ bzw. ein „inmitten“ bezeichnet, was an seiner Erklärung von ꜥmm als Otholiten zweifeln lässt.

3 Das Pronomen bezieht sich entweder auf den kranken Mann (so Westendorf 1999) oder auf den Unterschenkel (so Bardinet 1995, wenn auch seine Übersetzung korrigiert werden muss, weil sich das =f grammatisch nur auf den Schenkel, nicht aber auf die Vorderseite des Schenkels beziehen kann).

Eb 129, vgl. Eb 175

Ein anderes (Heilmittel) zum Zerbrechen von Krankheitsauslösern (?):
Mehl vom sw.t-Wildweizen: 1 (Dosis), Mehl von Gerste: 1 (Dosis), Mehl vom mjmj-Getreide: 1 (Dosis), „Stechholz“: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
(Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 130

Ein anderes Heilmittel zum Ausheilen einer Wunde1, (wenn) Krankheitsauslöser (?) entstanden sind:2
Mehl vom mjmj-Getreide: [30,5] 1 (Dosis), süßes Bier: 1 (Dosis), jrt.w-Farbstoff: 1 (Dosis), Blätter der Dornakazie: 1 (Dosis), Streifen (?) aus feinstem Leinen: 1 (Dosis), süße Myrrhe: 1 (Dosis), das Ausgepresste von süßem Bier: 1 (Dosis).
(Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

1 wbn.w: Mit dem schlechten Paket und den Pluralstrichen geschrieben; Letztere wurden im Nachhinein wieder durchgestrichen.

2 wḫd.w ḫpr: Von W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 167.1.b als einziger Beleg für einen virtuell konditionalen Satz aus Substantiv + PsP angeführt.

Eb 131

Eine Beschwörung von Krankheitsauslösern (?):
„Die Krankheitsauslöser (?) sind es, die aus bqn1 hervorkamen, die aus bqn1 hervorkamen, der Buchrolle, die keine Schrift hat.2 Meine beiden Arme sind es, die 〈...〉 (?).3 Ich werde Busiris zermalmen. Ich werde Mendes niederreißen. Ich werde zum Himmel kommen. Ich werde betrachten, was dort getan wird.4 (Es) soll nicht in Abydos5 geopfert werden, um zu beseitigen6 [30,10] die Einwirkung eines Gottes, die Einwirkung einer Göttin, die Einwirkung eines Krankheitsauslösers (?)7, die Einwirkung einer Krankheitsauslöserin (?), die Einwirkung eines Untoten, die Einwirkung einer Untoten usw., die Einwirkung jeder üblen Sache, die in diesem meinem Körper, in diesem meinem Fleisch, in diesen meinen Körperteilen ist. Wenn sich aber die Einwirkung eines Gottes, die Einwirkung einer Göttin, die Einwirkung eines Krankheitsauslösers (?), die Einwirkung einer Krankheitsauslöserin (?), die Einwirkung eines Untoten, einer Untoten usw., die Einwirkung [30,15] jeder üblen Sache, die in diesem meinem Fleisch, in diesem meinem Körper, in diesen meinen Körperteilen ist, entfernt, werde ich nicht sagen, werde ich nicht wiederholen, zu sagen:
‚Speie aus! Erbrich! Gehe zugrunde, wie (du) entstanden bist!‘“
(Dieser Spruch ist) viermal zu sprechen, während auf das Leiden des Mannes gespien wird. (Dieser Spruch ist) wirklich vortrefflich, Millionen Mal (erprobt)!

1 bqn: J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 34 schlägt kommentarlos, wenn auch mit Fragezeichen, „swelling“ vor. Den Vorschlag übernimmt D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 2. 1978, 2. Auflage (Paris 1998), 78.1374: „gonflement (?), tumeur (?)“. Darauf wiederum geht R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 279, Nr. {10149} zurück, der lediglich die Reihenfolge der beiden Vorschläge vertauscht: „*Tumor; *Anschwellung“. Bardinet 1995, 50 vermutet eher ein „foyer putride (?)“. Westendorf 1999, 569 lässt das Wort unübersetzt.

2 mḏꜣ.t jw.tt sẖꜣ=s: J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978)übersetzt „A book without script“ und denkt in Anm. 125 (S. 104) an: „A suggestive mystification or an indication of a lacuna in the original m[anu]s[cript] (unattested elsewhere in this form).“ Das folgende jn ꜥ.wj=j hält er für den Beginn einer weiteren jn-Konstruktion, deren zweiter Teil ausgefallen ist. Bardinet 1995, 50 zieht beide Phrasen zusammen: „un texte de protection qui n’a pas été rédigé de mes mains.“ Diese Lösung hält Westendorf 1999, 569 mit Anm. 27 für „völlig abwegig“; er schließt sich wieder Borghouts an, indem er in der „Schriftrolle, die keine Schrift hat“ einen Hinweis auf eine Lücke in der Handschrift vermutet. jn ꜥ.wj=j übersetzt er aber nicht als Beginn einer jn-Konstruktion, sondern schließt es als Agens-Markierung an den vorangehenden Satz an: „durch meine beiden Arme/Hände.“ Damit schließt er sich Ebbell 1937, 41–42 an, der jw.tt sẖꜣ=s als Einschub behandelt, ohne dessen Bedeutung weiter zu erläutern. In Anbetracht von Borghouts Bemerkung, dass dieser Satz eine sonst unbekannte Art wäre, eine Lücke zu vermerken, sei zumindest auch die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dass er eine Apposition zu dem letztendlich unbekannten Wort bqn darstellt.

3 S. die vorige Anmerkung.

4 J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978) und Bardinet 1995 übersetzen dies als unabhängigen Hauptsatz, parallel zu den vorigen. Westendorf 1999 schließt ihn als Finalsatz an den vorigen an.

5 ꜣbḏw wird hier ausnahmsweise nicht mit Stadtklassifikator (Gardiner O49), sondern mit dem Fremdlandklassifikator geschrieben. Vgl. zur Bedeutung dieser Klassifikatoren E.-S. Lincke, Raumwissen in Hieroglyphen. Die sprachliche Kategorisierung des ägyptischen Ortes Sile (Tjaru) aus prototypentheoretischer Sicht, in: K. P. Hofmann – S. Schreiber (Hrsg.), Raumwissen und Wissensräume. Beiträge des interdisziplinären Theorie-Workshops für Nachwuchswissenschaftler/innen, eTopoi Journal for Ancient Studies Special volume 5 (Berlin 2015), 127155.

6 r dr: Nach H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 504 liegt eine normale Konstruktion mit final gebrauchtem Infinitiv vor. J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978) und Bardinet 1995 analysieren die Form eher passivisch; vgl. zu einem passivischen dr nach der Präposition r W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 259.e: „so daß [...] beseitigt werden“.

7 wḫd.w wird hier künstlich um ein feminines Pendant ergänzt, weil es die magische Formel erfordert. Westendorf 1999 personifiziert beide Lemmata und deutet sie als entsprechende Dämonen, sicher, weil es zwischen belebten Agentia genannt wird. Die Graphie ist allerdings nicht anders als sonst im Papyrus und am Ende der Reihe steht das unbelebte s.t-ꜥ jḫ.t nb.t.

Eb 132–164: Heilmittel für das Rektum

Eb 132 = Eb 147

Ein Heilmittel zum Behandeln des Bauches und Behandeln des Rektums:
Milch: 1/32 (Oipe = 2 Dja) und (?) ein viertel (Dja), Gänsefett1: 1/8 (Dja), Mehl von Erdmandeln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), Weinbeeren/Rosinen: ein viertel (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 mrḥ.t-ꜣPD: Das Wort mit seiner Mengenangabe scheint nachgetragen zu sein: Bereits der Vogel ragt etwas über das Zeilenende hinaus; die Mengenangabe ist gänzlich in das Interkolumnium geschrieben. Vermutlich hat vor der Korrektur die erste Zeichengruppe vom nachfolgenden dq.w dort gestanden, die ihrerseits jetzt in der folgenden Zeile im Interkolumnium vor dem rechten Seitenrand steht, also nachgetragen wurde. Tintenspuren sind allerdings unter mrḥ.t keine erkennbar. Diese Korrektur wurde auch vermerkt von H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 51 unter 9.a.

Eb 133 = Eb 148

Ein anderes (Heilmittel):
Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1,5 (Dosen) (?), [30,20] Mehl von Gerste: ein viertel (Dja), Mehl von Datteln: ein viertel (Dja), Honig: 1/16 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), [31,1] Gänsefett: 1/8 (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 134 = Eb 149

Ein anderes (Heilmittel):
Gänsefett: 1/16 (Dja), Honig: 1/16 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), frisches Brot: ein viertel (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 135 = Eb 150, vgl. Bln 43

Ein anderes (Heilmittel):
Saft vom Johannisbrot: 1/32 (Oipe = 2 Dja), ((Honig: 1/8 (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.))1

Der Schreiber hat das Ende dieses Rezeptes und den Beginn des folgenden vergessen und später am oberen Seitenrand nachgetragen. Dabei endet der Nachtrag auffälligerweise auch auf der Droge mw n.w ḏꜣr.t. Man hat dadurch einen relativ sicheren Beleg dafür, dass beide Rezepte schon in der Vorlage aufeinander folgten und der Schreiber des pEbers beim Kopieren durch Aberratio oculi von einem mw n.w ḏꜣr.t zum zweiten verrutschte.
Das Korrekturkreuz ist nicht über, sondern unter der Zeile nachgetragen.

Eb 136 = Eb 151

((Ein anderes (Heilmittel):
Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Honig: 1/32 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Saft vom Johannisbrot: ein viertel (Dja),))1 Pflanzenbrei für šꜥ.yt-Kuchen (d.h. Pflanzenbrei in der Art, wie für šꜥ.yt-Kuchen erforderlich): 1/64 (Oipe = 1 Dja), Gänsefett: ein viertel (Dja).
Werde gekocht; werde zu šꜥ.yt-Kuchen verarbeitet. Werde an jedem/irgendeinem Tag gegessen (und) mit wässrigem (?) Bier hinuntergeschluckt.

1 S. den Kommentar zu Eb 135.

Eb 137 = Eb 152

Ein anderes (Heilmittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), süßes Bier: ein viertel (Dja), Honig: 1/16 (Dja), [31,5] Weihrauch: 1/64 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Feigen: 1/8 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde an jedem/irgendeinem Tag getrunken.

Eb 138

Ein anderes (Heilmittel) zum1 Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens in einem Mann, (zum) Abtöten von Krankheitsauslösern (?), (zum) Beseitigen des Leids, das an einem Mann entstanden ist, (und zum) Behandeln des Rektums, (um) es (zu) kühlen:
Wermutkraut (?): 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), süßes Bier: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 k.t n.t: Die Genitivpartikel n.t ist versehentlich wiederholt worden; dabei ist die Ligatur allerdings unterschiedlich geschrieben worden.

Eb 139

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Hitze am Rektum und an der Blase für einen, der an vielen „Winden“ (leidet), ohne dass er sie kennt:1
[31,10] jbw-Pflanzen: 1 (Dosis), Salz: 1 (Dosis), Flaschenkürbis: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse zermahlen; werde zu einem Zäpfchen verarbeitet. Werde in den Hintern gegeben.

1 n rḫ=f st: Es gibt verschiedene, teilweise gegensätzliche Interpretationen der Phrase. Auf DZA 31.558.960 geht man bspw. aus von „einer Person, die viele Winde von sich gibt, ohne es zu wissen“. So wurde die Stelle auch von W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 344 α aufgefasst. Bardinet 1995, 269 vermutet dagegen hierin die Unfähigkeit, die Blähungen aufzuhalten. Auch Westendorf hat dann in Westendorf 1999, 570 an „einen (Mann), der viele Winde läßt, ohne daß er es (zu verhindern) weiß“ gedacht. J. H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 232–233 denkt an einen Blähbauch o.ä., d.h. an eine vermehrte Gasentwicklung im Darm, ohne dass es abgehen könnte. Die Blasenbeschwerden erklärt er dann als sekundäre Symptome, die vom zunehmenden Druck im Becken oder von der Pathologie des pḥ.yt verursacht worden sein könnten. Als Alternativerklärungen bietet er in Anm. 233 noch an, dass der Patient eventuell auch gar nichts von der Gasentwicklung in seinem Darm wisse (vergleichbar zu DZA), oder dass seine Symptome daher rührten.

2 Die Paralelle nennt „unterägyptisches Salz“ statt einfachem „Salz“, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 76.

Eb 140

Ein anderes Zäpfchen zum Kühlen des Rektums:
ḫpr-wr-Pflanzen: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), „Teich-Zungen“-Droge1: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), Myrrhe: 1 (Dosis), Ostafrikanischer Kampfer (?): 1 (Dosis).
Werde zu einem Zäpfchen verarbeitet. Werde in den Hintern gegeben.

1 ns-š: „Teich-Zungen-Droge“: L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 29a vermutet ein „n[omen] seminis herbae“. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 696 übersetzt das ägyptische Kompositum wörtlich mit „Seezunge“, verweist aber auf Stern und wird daher nicht den im Deutschen gleichnamigen Fisch gemeint haben. Breasted 1930, 383 denkt an „garden tongue“. É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Memoires de l’Institut francais d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 159–161 diskutiert einen möglichen Zusammenhang mit koptisch ⲗⲁⲥ ⲛ̄ⲉⲓⲟⲙ: „Zunge des Meeres; cuttlebone“, den er aber letztendlich ablehnt, weil das koptische ⲉⲓⲟⲙ nicht dem ägyptischen š entspricht. Dennoch wird diese Bezeichnung übernommen, etwa von Ebbell 1937, 132: „cuttle-bone“. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 216–217 lehnt diese Gleichsetzung erneut ab, weil š den See bezeichne und nicht das Meer, was der Herkunft der Sepia widerspricht. G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 648 verweist zwar auf die ältere Literatur, gibt als Hinweis auf eine Identifikation aber nur an „produit pharmacologique inconnu“, ist sich also der pflanzlichen Herkunft nicht ganz sicher. Westendorf 1999, 501 schließt sich explizit Harris’ Zweifeln an und bleibt bei der vagen wörtlichen Wiedergabe durch „ns-šj (‚Zunge des Sees‘)“.

Eb 141

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Krankheitsauslösern (?) am Rektum:
Feigen: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Rückgrat des Rindes: 1 (Dosis).
[31,15] Werde zu einem Zäpfchen verarbeitet. Werde in den Hintern gegeben.

Eb 142

Ein anderes (Heilmittel) ((zum)) Herausholen von Hitze aus dem Rektum:
Antilopenfett: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 143 = Eb 785

Ein Heilmittel zum Kühlen des Rektums:
Olivenöl: 1 (Dosis), Saft vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde in den Hintern gegossen.

Eb 144

Ein anderes Heilmittel zum Verschaffen von Linderung (am) Hintern:
Weihrauch: 1 (Dosis), shr.t-Harz/-Halbedelstein: 1 (Dosis), ẖsꜣ.yt-Balsam1: 1 (Dosis), Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Bleiglanz: 1 (Dosis), Johannisbrot: 1 (Dosis), sjꜣ-Droge: 1 (Dosis), Olivenöl: 1 (Dosis), Fett: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis).
Werde fein [31,20] zermahlen; werde zu einer Pille verarbeitet. Werde über 4 Tage hinweg in den Hintern gegeben.

1 In den medizinischen Texten mit den Haaren oder dem Korn klassifiziert; als Herkunft wird das Medja-Land, also eine nubische Region, genannt. Einmal wird die Verbindung gnn n ẖsꜣ.yt genannt; gnn wiederum wird nur als Nomen regens für diese Droge und für nnjb: „Styrax“ verwendet. In Eb 655 = H 124 wechselt es mit der ḫꜣs.yt-Pflanze. Schon H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 896, der pHearst nocht nicht kannte, vermutet hinter ẖsꜣ.y.t (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 417–418) und ḫꜣs.yt (ebd., 391–393) dieselbe Droge und versteht die ḫsꜣ.w-Pflanze (ebd., 403), die in Dendera einmal ẖs.y geschrieben ist, als weitere Graphie. Diese so polymorphe Pflanzenbezeichnung führt er auf ẖzi̯ (Wb 3, 398.Ende–399.10) und ẖzꜣ (Wb 3, 400.1) zurück, was er beides mit hebräisch חָשָׁה: „sich ruhig, untätig verhalten“ verbindet und mit „matt, müde werden“ übersetzt. Aufgrund dieser Etymologie sieht er in der Drogenbezeichnung „eine beruhigende, schlafbringende Pflanze und deren Bestandtheile, die Mohnpflanze, das Opium“. Darauf bezieht sich explizit Joachim 1890, 25 mit Anm. 5 und passim, der hinter diesen Pflanzenbezeichnungen die Mohnpflanze sieht. Diese Vermutung könnte eine der drei Quellen für den modernen Mythos sein, dass im Papyrus Ebers Opium verschrieben würde (vgl. pars pro toto hier [letzter Zugriff 18.10.2019]) – neben der angeblichen Verschreibung von Schlafmohn gegen Kindergeschrei in Eb 782 als Hauptquelle und vielleicht auch der veralteten Deutung von sḏr in Eb 156. W. R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41–46, hier: 45 stellt die Gebrauchsweisen der ḫꜣs.yt-Pflanze zusammen. Er verweist besonders auf die Nennung von sd.w: „Schwänzen“ der Pflanze (in Eb 209), was auf Ranken hinweise; dies und die Verwendungsweisen lassen ihn an Bryonia dioica Jacq., die Rotfrüchtige Zaubrübe, denken. Zum Verhältnis von ḫꜣs.yt zu ẖsꜣ.yt und ḫsꜣ.w äußert er sich nicht explizit, aber die von ihm zusammengestellten Belege sind ausschließlich solche der ḫꜣs.yt-Pflanze, so dass er die Gleichsetzung dieser Drogennamen wohl ablehnt. Auf Dawson geht sicher Lefebvres Übersetzung von ḫꜣs.yt mit „bryone“ zurück; er folgt aber noch Brugsch/Joachim in der Annahme, ẖsꜣ.yt bezeichne dieselbe Droge (bspw. G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 159 und 165; das Rezept Eb 837, in dem die ḫsꜣ.w-Pflanze vorkommt, behandelt er nicht, so dass seine Interpretation dazu unklar ist). Gegen die Gleichsetzung von ẖsꜣ.yt und ḫꜣs.yt spricht laut H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 418, dass im Rezept Eb 614 beide Drogen gleichzeitig genannt sind, denn in den Drogenaufzählungen würde dieselbe Droge nie zweimal aufgelistet. Sie vermuten stattdessen in ẖsꜣ.yt einen Balsam oder ein Harz, ohne dies weiter einzuschränken. Schon Ebbell 1937, 92, und später Westendorf 1999, 632 und Bardinet 1995, 338 differenzieren zwischen den beiden Drogen, wie v.a. bei den letzten beiden deutlich wird.
Für Belege von ẖsꜣ.yt außerhalb der medizinischen Texte vgl. die Sammlung von B. Koura, Die „7-Heiligen Öle“ und andere Öl- und Fettnamen. Eine lexikographische Untersuchung zu den Bezeichnungen von Ölen, Fetten und Salben bei den alten Ägyptern von der Frühzeit bis zum Anfang der Ptolemäerzeit (von 3000 v. Chr. – ca. 305 v. Chr.), Aegyptiaca Monasteriensia 2 (Aachen 1999), 234–235. Wie in den medizinischen Texten kann es auch außerhalb derselben mit Haaren oder Korn klassifiziert sein (zumindest in der 1. Zwischenzeit und im Mittleren Reich), ansonsten auch mit Gefäßen und in einem Fall mit dem „schlechten Paket“, Gardiner Sign-list Aa 2. M. Alliot, Les rites de la chasse au filett, aux temples de Karnak, d’Edfou et d’Esneh, in: Revue d’égyptologie 5, 1946, 57–118, hier: 66, Anm. 5 vermutet einen Zusammenhang mit der personifizierten ḫns.wt-Perücke und denkt, wohl noch Brugsch/Joachim sowie Lefebvre folgend, an eine Pflanze. Dies nimmt P. Barguet, La déesse Khensout, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 49, 1950, 17, hier: 6–7 auf und vermutet ebenfalls eine Pflanze und damit ein daraus gewonnenes Harz, das zur Salbenproduktion genutzt wurde. Etymologisch sieht er einen Zusammenhang mit dem südlich von Ägypten gelegenen Fremdland H̱sꜣ.j, so dass das Harz nach seinem Herkunfts- oder Zwischenhandelsort benannt wäre. E. Edel, Ein bisher falsch gelesenes afrikanisches Produkt in der Inschrift des rw-ḫwjf (Herchuf), in: Studien zur Altägyptischen Kultur 11, 1984, 187–193 vermutet in dem Produkt „eine feste, kornartige Substanz (Harzkörner?)“, die aromatisch ist (S. 192), weil es im ältesten Beleg mit drei Körnern klassifiziert ist und auch in späterer Zeit oft mit dem kornähnlichen Rohstoffklassifikator geschrieben ist. Wie Barguet denkt auch er an eine Benennung nach dem Land H̱sꜣ.j. Außerdem verbindet er den Drogennamen mit dem aus Altreichstexten bekannten nubischen Produkt šsꜣ.t/ẖsꜣ.t und vermutet im šs(ꜣ).yt-Produkt des Neuen Reiches eine weitere Schreibvariante. Dieser letzte Punkt muss jedoch zurückgewiesen werden, weil das šsꜣ.yt-Produkt wohl eine grüne Fritte bezeichnet, die auch in den medizinischen Texten in verschiedenen Schreibungen vorkommt. Es wäre zwar nicht einmalig, aber doch auffällig, wenn dieselbe Droge in zwei derart verschiedenen Graphien genannt würde. Auch Koura, a.a.O., 234–235 differenziert zwischen ẖsꜣ.yt und šs(ꜣ).yt. Anstatt den Produktnamen von dem Ländernamen H̱sꜣ.j herzuleiten, bespricht sie mögliche etymologische Zusammenhänge mit dem seltenen Verb ẖzꜣ: „ungepflegt sein, ungesalbt sein“ o.ä. (ebenso, nur mit anderem Bedeutungsansatz, schon Brugsch, s.o.) sowie dem einmal belegten Verb šsꜣ: „duften“. Insgesamt lehnt sie einen Zusammenhang mit dem ersten Verb jedoch ab, einen solchen mit dem zweiten Verb konnte sie aufgrund fehlender Referenzen nicht besprechen (der konkrete Beleg, A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts VI. Texts of spells 472–786, Oriental Institute Publications 81 (Chicago 1956), 293o, war ihr nicht bekannt). Da sie das ẖsꜣ.yt-Produkt im Kapitel zu pflanzlichen Ölen behandelt, sieht sie jedenfalls darin implizit eine Ableitung von einer Pflanzenbezeichnung. Ihre Argumentation zur Bedeutung des Verbs ẖzꜣ ist jedoch weniger plausibel: Sie stellt es in Zusammenhang mit ẖzi̯: „schwach sein“ und schlägt die Bedeutung „ungesund, befallen, ausgesetzt sein“ vor. Trotz der wenigen Belege scheint aber doch deutlich zu werden, dass „salben“ o.ä. sehr wohl Teil des Begriffsinhaltes von ẖzꜣ sein könnte. Im Graffito des Djehutinacht-anch (R. Anthes, Die Felseninschriften von Hatnub. Nach den Aufnahmen Georg Möllers, Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Aegyptens 9 (Leipzig 1928), Nr. 12), Zeile 12–13 wird nämlich die wrḥ-Salbe jemandem zugewiesen, der ẖzꜣ ist, und in den Admonitions wird darüber geklagt, dass Personen „ẖzꜣ durch mrḥ.t-Salböl“ sind. Ferner wird das Verb mit den Haaren klassifiziert, ein Zusammenhang mit dem ẖsꜣ.yt-Produkt ist also gut möglich; das šsꜣ des Sargtextbelegs ist dagegen unklassifiziert. Die Semantik des Verbs beinhaltet demzufolge sehr wahrscheinlich den Vorgang des Salbens, die Klassifizierung mit den Haaren bezeugt aber eventuell eine semantisch breitere Bedeutungsspanne, wie es „ungepflegt sein“ ist. Wenn ẖzꜣ also „ungepflegt sein“ o.ä. bedeutet, könnte ein davon abgeleiteter Produktname etwas bezeichnen, was zur Körperpflege benutzt wird resp. benutzt werden kann. Da ẖsꜣ.yt allerdings den Texten zufolge ein ganz spezifisches Produkt ist, verbietet sich jedoch eine semantisch indifferente Übersetzung etwa als *„Pflegemittel“. Vielmehr muss eine konkrete Produktbezeichnung vorliegen.

Eb 145

Ein anderes (Heilmittel) für ein wnḫ-Leiden1 im Hintern:
Myrrhe: 1 (Dosis), [32,1] Weihrauch: 1 (Dosis), gw-Gras vom Garten2: 1 (Dosis), mḥ.tt-Droge3 vom Ufer: 1 (Dosis), Sellerie: 1 (Dosis), Koriander: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Salz: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verkocht; werde zu einem Faserbausch (?) verarbeitet. Werde in den Hintern gegeben.

1 wnḫ: Abgesehen von Eb 145, wo es am oder im Hintern vorkommt (m pḥ.wj), wird es sonst im Umfeld von Knochen bzw. Knochenverbindungen lokalisiert. Während das Wort in den anderen Fällen allein mit dem Riemen (Gardiner Sign-list V12) klassifiziert wird, erhält es in Eb 145 als zusätzlichen Klassifikator noch das „Schlechte Paket“. Wohl deswegen und aufgrund der unterschiedlichen Lokalisierung gibt es in Wb 1, 324.9–13 zwei pathologisch relevante Lemmata. In Eb 145 vermutet Wb Hämorrhoiden; für das Phänomen an den Knochenverbindungen dagegen eine Zerrung oder Verrenkung. Ersteres nimmt auch G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 139 auf, wenn auch nicht, ohne auf die Unsicherheit der Übersetzung hinzuweisen. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 13, F. Jonckheere, Le papyrus médical Chester Beatty, La médecine égyptienne 2 (Bruxelles 1947), 194 und Westendorf 1999, 571 vermuten dagegen Prolapsus recti. Bardinet 1995, 270 überträgt das Wort mit einem unspezifischeren „relâchement“. Eine nähere Identifikation des Phänomens kann jedenfalls aus der kontextlosen Nennung in Eb 145 nicht gewonnen werden und jegliche Interpretation bleibt eine Hypothese. Zum wnḫ bei Knochen und Knochenverbindungen s. den ausführlichen Kommentar von P. Dils zu pEdwin Smith, Fall 25.

2 ḥsp.t ist mit t-Endung geschrieben, wie es eigentlich erst in späterer Zeit vorkommt. Dafür fehlt das determinierende Kanalzeichen. Es liegt daher wohl kein Frühbeleg für eine Schreibung mit t-Endung vor, sondern ein Schreibfehler.

3 mḥ.tt: Nur in Eb 145 belegt; Existenz schon im Wb 2, 126.8 angezweifelt. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 282–283, denken, dass ein Fehler vorliegen könnte und man eigentlich wieder das gw-Gras erwarten könnte, da auch in anderen Rezepten gw-Gras vom Garten und gw-Gras vom Ufer nebeneinander stehen. Was für eine Art Fehler vorliegt, ist allerdings unklar. Westendorfs alternative Überlegung, dass mḥ.tt wie mj.tt: „dasselbe“ gebraucht worden sein könnte (Westendorf 1999, 571, Anm. 31), ist unwahrscheinlich, weil es für das Wortfeld mḥ keine Bedeutung gibt, von der sich eine solche Bedeutung ableiten ließe.

Eb 146

Ein anderes Heilmittel:
sḫt-Droge von der -Gans: 1 (Dosis), Gehirn (?) von der Bläßgans: 1 (Dosis).
Werde in den Hintern gegeben.

Eb 147 = Eb 132

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln des Rektums:
Milch: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Gänsefett: [32,5] 1/8 (Dja), Mehl von Erdmandeln: ein viertel (Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), Weinbeeren/Rosinen: ein viertel (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 148 = Eb 133

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl von Gerste: ein viertel (Dja), Mehl von Datteln: ein viertel (Dja), Mehl vom sw.t-Wildweizen: ein viertel (Dja), Honig: 1/16 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), Fett: 1/8 (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde über 1 Tag hinweg getrunken1.

1 Die Applikationsanweisung ist nur mit dem Mann mit der Hand am Mund abgekürzt, was üblicherweise die Schreibung für swr: „trinken“ ist. Allerdings wird bis auf den allenfalls zähflüssigen Honig keine flüssige Droge genannt. Westendorf 1999, 572 ergänzt noch „werde durchgepresst“ (d.h. Ꜥtḫ), wie es in der Parallele Eb 133 steht.

Eb 149 = Eb 134

Ein anderes (Heilmittel):
Gänsefett: 1/16 (Dja), Honig: 1/16 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), frisches Brot: ein viertel (Dja).
Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 150 = Eb 135, vgl. Bln 43

Ein anderes (Heilmittel):
Saft vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Honig: 1/8 (Dja).
Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 151 = Eb 136

[32,10] Ein anderes Heilmittel:
Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Honig: 1/32 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Saft vom Johannisbrot: ein viertel (Dja), Pflanzenbrei für šꜥ.yt-Kuchen (d.h. Pflanzenbrei in der Art, wie für šꜥ.yt-Kuchen erforderlich): ein viertel (Dja), Gänsefett: ein viertel (Dja). Werde gekocht; werde zu einem šꜥ.yt-Kuchen verarbeitet.
Werde an jedem/irgendeinem Tag gegessen (und) hinuntergeschluckt mit einem „Dritten (Abguss)“ (?) von wässrigem (?) Bier.

Eb 152= Eb 137

Ein anderes (Heilmittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), süßes Bier: ein viertel (Dja), Honig: 1/16 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja): Weinbeeren/Rosinen: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Feigen: 1/8 (Dja): Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja).
[32,15] Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 153, vgl. Eb 44

Was zu tun ist bei einer Verstopfung durch Hitze im Rektum, wenn er (d.h. der Patient) an Zusammenziehungen in seinen Beinen leidet:
Das Innere vom Johannisbrot: 1/32 (Dja), frischer ꜣḥ-Brei: 1/8 (Dja), Wachs: 1/16 (Dja), Gänsefett: 1/8 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 154

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Hitze im Rektum:
šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis), jwḥ.w-Früchte: 1 (Dosis), Gummiharz: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Wermutkraut (?): 1 (Dosis), mw.t-Teile der [32,20] rkrk-Pflanze: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), tpꜣ.wt-Teile1 der Sykomore: 1 (Dosis), ḥḏ.w-Harz (?): 1 (Dosis), Dattel im ꜥmꜥ-Zustand2: 1 (Dosis).
Werde zermahlen (und) vermengt. Werde von dem Mann getrunken, der an [33,1] Hitze leidet, oder von der Frau.

1 tpꜣ.wt: Sowohl Wb 5, 295–296 als auch H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 555–556 führen das maskuline tpꜣ.w und das feminine tpꜣ.wt als separate Lemmata auf. Beide Wörterbücher enthalten sich aber genauerer Idenfikationsversuche. Für die maskuline Drogenbezeichnung ist gelegentlich aufgrund der Verbindung tpꜣ.w n wꜥn: „tpꜣ.w vom Stech-Wacholder“ in Eb 655 ein Baumbestandteil vermutet worden. In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 555 wird diese Möglichkeit aber angezweifelt, weil die Parallele im pHearst an der Stelle das auch sonst häufigere ẖpꜣ n wꜥn schreibt und das tpꜣ.w n wꜥn des pEbers einen Schreibfehler darstellen könnte. Auf einem ramessidenzeitlichen Ostrakon erscheint eine tpꜣ.w-Frucht (?) (wie andere Früchte in ms-Körben gemessen und daher wohl ebenfalls eine Frucht), die im Wb als weiteres separates Lemma genannt wird (Wb 5, 295.10), bei dem aber ein Zusammenhang mit der tpꜣ.w-Droge vermutet wurde. Die Schreibung von tpꜣ.w in Eb 670, die mit derjenigen der tpꜣ.w-Frucht identisch ist, würde diese Vermutung jedenfalls stützen. G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), 800 trennt, wie das Wb, beide tpꜣ.w-Lemmata in Nr. 1362, die tpꜣ.w-Droge, und Nr. 1363, die tp(ꜣ).w-Frucht. Unter Nr. 1362 führt er aber neben dem maskulinen tpꜣ.w n wꜥn auch das feminine tpꜣ.wt n.t nh.t auf, trennt also nicht zwischen dem maskulinen und dem femininen Wort der medizinischen Texte. Auch Westendorf 1999, 509 vermutet im femininen tpꜣ.wt „eine ähnliche Erscheinung wie tpꜣ.w“. Westendorf verweist auf P.H. Chapman, Case Seven of the Smith Surgical Papyrus. The Meaning of tpꜣw, in: Journal of the American Research Center in Egypt 29, 1992, 35–42 und dessen Vorschlag „Borke“ oder „Kambium“. Westendorfs darüber hinausgehende Vermutung „gallartige Auswüchse auf der Oberfläche des Baumes“ ist allerdings ein Zirkelschluss: Sie basiert auf seiner Deutung der tpꜣ.w-Krankheit als „Kopfgrind mit Blasen- oder Borkenbildung?“ (S. 142), die wiederum von Chapmans Interpretation der tpꜣ.w-Droge als Borke oder Kambium abhängt.

2 ꜥmꜥ: in unbekannter Zustand der Dattel. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 175 haben keinen Vorschlag, vergleichen aber mit ꜥmꜥꜥ n(.j) bnr: „ꜥmꜥꜥ-Körner(???) der Dattel“, die aber ihrerseits nur ein einziges Mal vorkommen. Bardinet 1995, 271 lässt ihn unübersetzt. Westendorf 1999, 537 vermutet für bnj ꜥmꜥ „‚unbeschnittene/jungfräuliche‘ Datteln“. Dieser Vorschlag beruht auf der lange gebräuchlichen Übersetzung der ꜥmꜥ.t-Frau mit „Jungfrau“ und des ꜥmꜥ-Mannes mit „Unbeschnittener“ o.ä. (einen möglichen Zusammenhang mit diesem Lemma deuten bereits H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 178, Anm. 5 an). Gegen beide Deutungen hat sich P. F. O’Rourke, The ama.t mꜥt-woman, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 134, 2007, 166–172 und P. F. O’Rourke, The ama mꜥ-male, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 137, 2010, 45–53, hier ausgesprochen und vielmehr die Bedeutung „(gesellschaftlich/kultisch) Unreiner“ und speziell bei der ꜥmꜥ.t-Frau eine mit der Menstruation verbundene Unreinheit wahrscheinlich gemacht. Die Frage wäre nun, ob das hiesige ꜥmꜥ zu demselben Wortfeld gehört und wenn ja, was man unter einer unreinen Dattel zu verstehen habe.

Eb 155

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Hitze am Rektum:
Mehl von Langbohnen: 1 (Dosis), Mehl vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Myrrhe: 1 (Dosis), jhm.t-Harz: 1 (Dosis), Bleiglanz1: 1 (Dosis).
Werde zu einem Zäpfchen verarbeitet. Werde in den Hintern gegeben.

1 msdm.t ist konventionell geschrieben und nicht, wie bisher, kryptographisch.

Eb 156

Ein Heilmittel zum Kühlen (namens) „Kunst des Arztes“:
ḥḏ.w-Harz (?)1: [33,5] 1/64 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Innerei (?) eines fetten2 jwꜣ-Mastrindes: ein halbes (Dja), sḏr-Getränk3: 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja), Honig4: ∅.
Werde ausgepresst. Werde in das Rektum gegossen.

1 ḥḏ.w: Die Determinierung mit der Pflanze erinnert an ḥḏ.w: „Zwiebel/Knoblauch o.ä.“, die Schreibung mit drei ḥḏ-Keulen an das ḥḏ.w-Harz. Die kleine Mengenangabe könnte ebenfalls ein Indikator für eine seltenere Droge sein.

2 ḏdꜣ bezieht sich entweder auf das jwꜣ-Rind (so Bardinet 1995) oder auf ꜣs (so Westendorf 1999); Letzteres aber nur, wenn man ꜣs n jwꜣ als lexikalisierte Verbindung deutet.

3 sḏr: Sicher vom Verb sḏr: „liegen, schlafen“ abgeleitet; vgl. auch den sḏr.t-Rauschtrank aus dem Buch von der Himmelskuh. Ebers 1889, 148 und 195 vermutet aufgrund dieser etymologischen Verbindung in diesem „Liege- oder Schlaftrank“ Opium. Diese Vermutung könnte eine der drei Quellen für den modernen Mythos sein, dass im Papyrus Ebers Opium verschrieben würde (vgl. pars pro toto hier [letzter Zugriff: 18.10.2019]) – neben der angeblichen Verschreibung von Schlafmohn gegen Kindergeschrei in Eb 782 als Hauptquelle und vielleicht auch der veralteten Deutung von ẖsꜣ.yt in Eb 144 und anderen Rezepten (vgl. die entsprechenden Kommentare). Die Tatsache allein, dass der sḏr-Trank rein etymologisch von sḏr: „liegen, schlafen“ abgeleitet ist, ist aber für eine Identifikation keinesfalls ausreichend: Der sḏr.t-Rauschtrank im Buch von der Himmelskuh besteht etwa nur aus Bier, das mithilfe von Ocker rotgefärbt ist, damit es von der blutgierigen Hathor/Sachmet getrunken wird.

4 bj.t: Ohne Mengenangabe. Westendorf 1999, 573, Anm. 34 vermutet, dass sich die Mengenangabe von 3 Dja sowohl auf das sḏr-Getränk wie auf den Honig bezieht, und verweist dazu auf Eb 277. Die beiden Rezepte unterscheiden sich aber insofern, als in Eb 277 die Mengenangabe hinter beiden Stoffen steht, hier dagegen zwischen beiden Stoffen.

Eb 157, vgl. Bln 179, 180+181, Bt 26

Ein anderes (Heilmittel):
Innerei (?) eines jwꜣ-Mastrindes: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Milch, gekocht: ein halbes Dja (?), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja), mhwj-Milchfett: ein halbes (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg in den Hintern gegossen.

Eb 158

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot: 1 (Dosis), Konyza (?): 1 (Dosis), Wasser: ∅.
Werde in das Rektum gegossen.

Eb 159

Ein anderes (Heilmittel):
Saft vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Blätter der Dornakazie: 1 (Dosis), Blätter des [33,10] Christdorns: 1 (Dosis), mhwj-Milchfett: ∅.
Werde in den Hintern gegossen.

Eb 160

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Kühlen eines Rektums:
Mehl vom Johannisbrot: 1/32 (Dja), „Mäuseschwanz“-Pflanzen: 1/32 (Dja), Honig: ein viertel (Dja), Wasser: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 161, vgl. H 80

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Verschaffen von Linderung (an den) Gefäßen des Hinterns:
Fett: 1/64 (Dja), Blätter der Dornakazie: 1/64 (Dja).
(Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 162

Ein anderes (Heilmittel) zum Ausheilen eines Rektums, das krank ist:
Rückgrat des Rindes: 1 (Dosis), swg-Teil von Fett, getrocknet: 1 (Dosis), [33,15] Bodensatz vom Wein: ∅.
Werde zu einem Zäpfchen für einen Mann oder eine Frau verarbeitet.

Eb 163

Ein anderes kühles Zäpfchen für das Rektum:
šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis), Mehl vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Bodensatz vom Wein: 1 (Dosis), ḫpr-wr-Pflanzen: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), Mehl von Gerste: 1 (Dosis), Mehl von Datteln: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einem Zäpfchen verarbeitet. Werde in das Rektum gegeben.

Eb 164

Das, was Linderung1 (im) Rektum verschafft und was Linderung1 [33,20] (im) Unterleib verschafft:
Mehl von Langbohnen: 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis), (werde?) verrührt2 mit Myrrhe: 1 (Dosis), ẖsꜣ.yt-Balsam aus dem (in Nubien gelegenen) Medja-Land: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Mehl vom Johannisbrot: 1 (Dosis), [34,1] Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse zermahlen; werde mit diesem (genannten) Honig vermengt; werde zu einem Kügelchen verarbeitet. Werde über 4 Tage hinweg in den Hintern gegeben.

1 snḏm ist beide Male vielleicht besser partizipial zu übersetzen als infinitivisch, wie Westendorf 1999 es tut.

2 wšm: Bardinet 1995, 272 und Westendorf 1999, 574 deuten es passivisch und damit als Bestandteil der Rezeptbereitung. Es wäre aber auch denkbar, dass hier ein Stativ vorliegt; vgl. zu dieser generellen Problematik W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), §§ 165, 181–182 und 250. Diese Frage hat Einfluss auf die Zusammensetzung des Rezeptes: Eine Lesung als Passiv würde implizieren, dass Langbohnenmehl und Natron mit Myrrhe (und?) allen anderen Bestandteilen verrührt werden solle. Eine Deutung als Stativ würde dagegen ein zweistufiges Herstellungsverfahren implizieren: das Natron, das (scil.: zuvor) mit Myrrhe verrührt worden ist, soll nun mit den anderen Ingredienzien verarbeitet werden. Dies könnte unter Umständen Auswirkungen auf die Mengenangaben haben. Denn wenn ein Teil Natron schon mit einem Teil Myrrhe verrührt wurde, bevor es in diesem Rezept zur Anwendung kommt, bezieht sich die Mengenangabe vielleicht gar nicht auf das reine Natron, sondern schon auf das Natron-Myrrhe-Gemisch.

Eb 165–182: Heilmittel gegen Beschwerden in Bauch und Unterleib

Eb 165, vgl. H 36, 54

Das, was Zauberei im Bauch beseitigt1:
Das Innere von ḥmm-Pflanzen2: 1 (Dosis), das Innere einer Süßwassermuschel: 1 (Dosis), ((Weihrauch: 1 (Dosis),))3 „Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis), süßes Bier: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse zerrieben. Werde [34,5] vom Mann getrunken.

1 dr: Wie im vorigen Rezept ist eine partizipiale Übersetzung Westendorfs (Westendorf 1999) und Bardinets (Bardinet 1995) infinitivischer Übersetzung vorzuziehen.

2 ḥmm: Vielleicht eine Fehlschreibung; die Variante in H 54 schreibt die ḥmꜣ.yt-Pflanzen. Als alternative Erklärung vermuten H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 350 auch einen Fehler für die ḥmw-Pflanzen. Dieser Möglichkeit, dass ein Fehler vorliegt, schließt sich auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 367 an.

3 snṯr 1 ist nachgetragen: Das nṯr-Zeichen am Ende von Zeile 3, und der Rest ist vor Zeile 4 in das Interkolumnium gequetscht worden.

Eb 166

Ein anderes (Heilmittel):
„Mein-Arm-fasst-mein-Arm-packt“-Pflanzen1.
1/16 (Oipe = 4 Dja) vom Saft werde nachts dem Tau ausgesetzt2, und ein Hin (= 1,6 Dja) des Wassers davon werde über 4 Tage hinweg täglich getrunken.3

1 Die Identität der Pflanze ist unklar, aber der bildliche Name spricht immerhin für eine rankende oder kletternde Pflanze. Die von G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 833 genannten weiteren Belege bei W. Barta, Aufbau und Bedeutung der altägyptischen Opferformel, Ägyptologische Forschungen 24 (Glückstadt 1968), sind zu streichen: Sie gehören sämtlich zur folgenden Nr. 834: ḫfnn.wt. Die Pflanze ist damit ein Hapax legomenon.

2 Die kotextuelle Bedeutung von sḏr ist unsicher. Als reines Attribut einer Droge ohne jeden Zusatz (*liegendes „Mein-Arm-fasst-mein-Arm-packt“) kommt es sonst in den medizinischen Texten nicht vor. In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 117 und in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 831 wird daher die Konstruktion sḏr NN n jꜣd.t präferiert: „werde 20 ro von Wasser nachts dem Tau ausgesetzt“. In der zugehörigen Anmerkung 2 in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 106 wird als Alternative erwogen, ḥr: „in“ nach sḏr zu ergänzen: „*werde nachts 20 ro Wasser stehen gelassen“. Dafür verweisen von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II auf Eb 63. Dort steht zwar, dass eine Droge „im Wasser“ stehen gelassen werden soll, aber der explizite Zusatz n jꜣd.t fehlt. Als dritter Vorschlag findet sich ebd. die Ergänzung eines jr.j nach mw; das ergäbe dann etwa: „‘Mein-Arm-fasst-mein-Arm-packt’-Pflanzen, werde 20 ro des Saftes davon dem Tau ausgesetzt“.

3 Die Interpretation des Satzes ist sehr unsicher, v.a. weil die einzige genannte Mengenangabe nicht ausreicht, um davon 4 Tage lang täglich 1 Hin zu trinken: Nach dem von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I favorisierten Umrechnungsquotienten würde die Angabe 1/16 einem Maß von „20 ro“ entsprechen. Viermal je 1 Hin („32 ro“) – die zu trinkende Menge – entsprechen aber „128 ro“, also einem Vielfachen davon. Deswegen wird im H. von Deines - H. Grapow - W. Westendorf, Ergänzungen. Drogenquanten, Sachgruppen, Nachträge, Bibliographie, Generalregister, Grundriss der Medizin der alten Ägypter 9 (Berlin 1973), 11 vorgeschlagen, den hinteren Winkel des Horusauges in den vorderen Winkel des Horusauges zu korrigieren, also ½ bzw. „160 ro“ anstelle von 1/16 zu lesen. Dadurch wäre nach dem Trinken von 4 Hin = „128 ro“ sogar noch ein Rest von 32 ro übrig.
Auch nach der Neuinterpretation der Maßangaben durch Pommerening (T. Pommerening, Neues zu den Hohlmassen und zum Medizinalmasssystem, in: S. Bickel – A. Loprieno (Hrsg.): Basel Egyptology Prize 1. Junior Research in Egyptian History, Archaeology, and Philology, Aegyptiaca Helvetica 17 (Basel 2003), 201–219) bleibt die Problematik bestehen, dass die zu trinkende Gesamtmenge die einzige genannte Mengenangabe überschreitet: Folgt man Pommerening, entsprechen die genannten 1/16 umgerechnet 4 Dja, das sind 2,5 Hin, also 1,5 Hin zu wenig. Ersetzt man, wie von H. von Deines - H. Grapow - W. Westendorf vorgeschlagen, ebenfalls 1/16 durch ½, hätte man 32 Dja und damit ganze 20 Hin. Eine Menge von 20 Hin zu produzieren, um letztlich nur 4 zu verbrauchen, scheint aber unökonomisch. Daher liegt es näher anzunehmen, dass ein anderer Fehler als der von H. von Deines - H. Grapow - W. Westendorf vorgeschlagene vorliegen muss, ohne dass ein Lösungsvorschlag vorgebracht werden kann.

Eb 167

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Zauberei im Bauch eines Mannes oder einer Frau:
ḏꜣjs-Pflanzen: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), „Selbstentstandenes“ vom Honig:1 1 (Dosis), Natron: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vom Mann [34,10] oder von der Frau sdb-eingenommen.

1 ḫpr ḏs=f n bj.t: H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 167 vermuten darin ein Gärungsprodukt des Honigs oder einen durch Verzuckerung entstandenen Bodensatz. Bardinet 1995, passim wie Westendorf 1999, passim legen sich in ihren Übersetzungen des pEbers auf ersteren Vorschlag fest. B. S. Feierabend, Biene und Honig im pharaonischen Ägypten: Eine Studie anhand schriftlicher und bildlicher Quellen (Mainz 2009), 138–139 zweifelt diese Übersetzung an, weil ḫpr-ḏs=f auch als Epitheton von Schöpfergottheiten auftritt und diese „nichts mit Gärung zu tun“ haben. Sie vermutet viel eher, dass „Jungfernhonig“ bzw. Wabenhonig gemeint sein könnte, der ohne mechanisches, menschliches Zutun, wie Pressen oder Schleudern, aus entdeckelten Honigwaben herausfließt [vgl. dazu hier (letzter Zugriff 23.03.2020)] und daher keine Verunreinigungen besitzt. Dieser Honig wird etwa bei Plinius, N.H. IX,38 durch „quod per se fluxit“: „was von selbst herausfließt“, beschrieben, was sie an die ägyptische Bezeichnung ḫpr-ḏs=f bzw. die Kurzform ḫpr erinnert. Zweifelhaft wird ihre Hypothese dadurch, dass es auch ḫpr-ḏs=f n bnj, „Selbstentstandenes von Dattelsaft“ gibt (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 176), das analog gebildet ist, aber aus naheliegendene Gründen nicht analog zu Feierabends Hypothese erklärt werden könnte. Daher scheint doch die Überlegung, in ḫpr-ḏs=f ein Gärungsprodukt zu sehen, die wahrscheinlichere Lösung zu sein.

Eb 168

Eine anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Beseitigen von Zauberei und des ꜥꜣꜥ-Giftsamen eines Gottes (oder) eines Untoten im Bauch eines Mannes:
Der nhp-Teil1 vom gw-Gras: 1/8 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), Früchte/Samen der tḥwꜣ-Pflanze: 1/64 (Dja), jbw-Pflanzen: 1/8 (Dja).
Werde zu Mehl verarbeitet; werde in Bier gegeben. Werde vor dem Schlafengehen getrunken.

1 nhp: Bedeutung unklar; die Klassifizierung mit der Sonnenscheibe suggeriert einen Zusammenhang mit dem Wortfeld nhp: „früh auf sein“.

Eb 169

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl von Datteln: ∅.
Werde in Öl/Fett gegeben; werde in Maische gegeben; [34,15] werde ins Feuer gestellt; werde 〈in〉 Datteltrester (?) gegeben. Werde von einer Frau gegessen, deren Bauch versperrt ist.

Eb 170

Ein anderes (Heilmittel):
jbw-Pflanzen: 1/64 (Dja), šꜣms-Pflanzen: 1/16 (Dja), tḥwꜣ-Pflanzen: 1/64 (Dja), Koriander: 1/8 (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verkocht. Werde vor dem Schlafengehen getrunken.

Eb 171

Ein anderes (Heilmittel):
šꜣms-Pflanzen: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), qsn.tj-Mineral: 1/64 (Dja), Honig: ein halbes Dja (?).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vor dem Schlafengehen getrunken.

Eb 172 = Eb 233, H 81

Ein anderes (Heilmittel):
[34,20] Weintrauben: 1/8 (Dja), Gummiharz: 1/16 (Dja), šꜣms-Pflanzen: 1/8 (Dja), Honig: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/16 (Dja).
Werde zermahlen. Werde vor dem Schlafengehen getrunken.

Eb 173

[35,1] Ein anderes (Heilmittel):
psḏ-Schoten: 1/16 (Dja), Konyza (?): 1/16 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), mjmj-Getreide: 1/8 (Dja), sꜥꜣm-Pflanzen: 1/8 (Dja), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde vor dem Schlafengehen getrunken.

Eb 174, vgl. Eb 239

Ein anderes (Heilmittel):
jbw-Pflanzen: 1/64 (Dja), Koriander: 1/16 (Dja), mjmj-Getreide: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), šꜣms-Pflanzen: 1/16 (Dja).
Werde mit Honig, einem halben Dja (?), gekocht. Werde von der Frau beim (?)1 Schlafengehen getrunken.

1 r sḏr: Sonst steht dp-ꜥ sḏr: „vor dem Schlafengehen“. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 508 ist das vorliegende Rezept unter der Bedeutung r in Zeitangaben genannt.

Eb 175, vgl. Eb 129

Heilmittel zum Beseitigen von Hitze im Unterleib:
mjmj-Getreide: 1 (Dosis), sw.t-Wildweizen, gekocht: 1 (Dosis), [35,5] Mehl vom sw.t-Wildweizen: 1 (Dosis), Mehl von Gerste: 1 (Dosis), „Stechholz“: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Der Unterleib werde damit verbunden.

Eb 176

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Mehl von Erdmandeln: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), šf.w-Teil1 (des Bieres): 1 (Dosis).
Der Unterleib werde damit verbunden.

1 šf.w: Ein Bestandteil des ḥnq.t- und des zrm.t-Bieres. Auf DZA 30.050.100 wird ohne weiteren Kommentar „Schaum“ in Erwägung gezogen. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 491 vermuten „Schlamm“, was gar nicht zu der Verbindung mit Bier passt. Westendorf 1999, 576 denkt an „Bodensatz“.

Eb 177

Ein anderes (Heilmittel):
Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Wüstendatteln (?): 1 (Dosis), Datteln: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Datteltrester (?): 1 (Dosis).
Der Unterleib werde darüber verbunden.

Eb 178

Ein anderes (Heilmittel):
Erdmandeln, zermahlen: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Polei-Minze (?): 1 (Dosis), „Stechholz“: 1 (Dosis).
Der Unter〈leib〉 werde darüber verbunden.

Eb 179

Ein anderes (Heilmittel):
Kugeln von den Spitzen/Trieben (?) des Flachses: 1 (Dosis), [35,10] Pflanzenbrei: ∅.
Werde an den Unterleib des Mannes gegeben, der krank ist.

Eb 180

Ein anderes (Heilmittel):
Öl/Fett von der Oberseite eines Kruges:1 ∅.
Werde an den Unterleib eines Mannes gegeben.

1 mrḥ.t n.t dp ds: É. Chassinat, Le mot mrH.t dans les textes médicaux, in: Anonymous (Hrsg.), Recueil d’études égyptologiques. Dédiées à la mémoire de Jean-François Champollion à l’occasion du centenaire de la lettre à M. Dacier relative à l’alphabet des hiéroglyphes phonétiques, lue à l’Académie des inscriptions et belles-lettres le 27 septembre 1822, Bibliothèque de l’École des hautes études, Sciences historiques et philologiques 234 (Paris 1922), 447465, hier: , 445–465 vermutet hierin das Pech, mit dem die Krugdeckel verschlossen werden. In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 273 wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass es etwas sein könnte, was sich auf in Krügen aufgewahrtem mrḥ.t absetzt.

Eb 181

Ein anderes (Heilmittel):
Schlamm (?): ∅.
Werde 〈mit (?)〉 dem ꜣb-Teil1 der mstꜣ-Flüssigkeit zerstoßen. Werde an den Unterleib eines Mannes gegeben.

1 ꜣb: Mit den laufenden Beinchen klassifiziert, als würde es zum Wortfeld ꜣb: „aufhören, verweilen, sich trennen“ gehören. Darauf aufbauend, vermutet Westendorf 1999, 494 und 577: „Abgestandenes“. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 145, H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 9–10 wie Bardinet 1995, 274 enthalten sich einer Deutung. Im Wb ist diese Stelle dem ꜣbw-Medikament = H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 4 zugeordnet, allerdings ohne Übersetzung: DZA 20.043.530.

Eb 182 = H 16

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen (der Einwirkung eines) Untoten1 im Bauch eines Mannes:
Früchte/Samen der tḥwꜣ-Pflanze: 1 (Dosis), Selleriesamen: 1 (Dosis), qꜣꜣ-Früchte (?) der Seyal-Akazie: 1 (Dosis), das Innere einer Süßwassermuschel: 1 (Dosis), šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis).
Werde fein zermahlen. Werde vom Mann mit Honig sdb-eingenommen.

1 mwt: Nicht der „Tote“ selbst, sondern die „Einwirkung eines Toten“, Westendorf 1999, 577.

Eb 183–187: Heilmittel gegen Beschwerden in der Brust

Eb 183

Heilmittel für das Behandeln [35,15] der Brust:
Johannisbrot: 1/16 (Dja), Kreuzkümmel: ein viertel (Dja), Wein: ∅.
Werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 184

Ein anderes (Heilmittel):
Gerste, gemahlen: ein viertel (Dja), mw.t-Teile vom gw-Gras: ein viertel (Dja), nṯr-Pflanzen: 1/32 (Dja), das Innere von Johannisbrot: 1/32 (Dja), wt.yt-Teile der Sykomore: 1/32 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), tjꜥm-Pflanzen: 1/8 (Dja), Wasser: ∅.
Werde über 4 Tage hinweg sdb-eingenommen.

Eb 185 = Eb 35, vgl. Eb 21

Gut!
Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln der Brust, (zum) Beseitigen jeder Krankheit im Bauch (und zum) Behandeln der Lunge:
Wässriges (?) süßes Bier: ∅, Johannisbrot: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde in einen Krug gegeben, werde ḥkn-gemacht [35,20] „bis zum Tode“1, werde gerieben ...(?). Damit verbreitest du Wärme zu jeder Zeit (???). Davon werde täglich ein Hin (= 1,6 Dja) getrunken.

1 r mwt: T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 200 übersetzt mit „bis es verfault“.

Eb 186

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von qꜣd.w-Hitzeschüben1 ((von Krankheitsauslösern (?)))2 in der Brust:
Feigen: 1 (Dosis), šzp.t-Teil der Weintrauben: 1 (Dosis), Wüstendatteln (?): 1 (Dosis), [36,1] Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), smt-Droge: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Gebrochenes (?) von Datteln: 1 (Dosis), süßes Bier: ∅.
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 qꜣd.w: Nur in Eb 186 belegt. Der Vorschlag „Hitze“ basiert auf dem Klassifikator; die Präzisierung auf Hitzeschub hat nur den Zweck, in der Übersetzung zu verdeutlichen, dass das Wort mit einem pluralischen Genitivwort verbunden ist und demzufolge wohl als Plural verstanden wurde. Die Pluralstriche des Wortes sind daher in diesem Falle vielleicht nicht Teil der Klassifizierung als Abstraktum, sondern sind eine echte Pluralmarkierung.

2 n.w wḫd.w ist ein Nachtrag am Ende resp. Anfang der Zeile. Der Satz lautete also zunächst: „Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen der qꜣd.w-Hitzeschübe in der Brust“. Es ist nicht nachprüfbar, ob nur ein Abschreibefehler vorlag, der sofort berichtigt wurde, oder ob n.w wḫd.w ein späterer sekundärer Zusatz ist, um die qꜣd.w-Hitze weiter zu spezifizieren.

Eb 187

Ein anderes (Heilmittel) zum Abwehren von Krankheitsauslösern (?) in der Brust:
Blätter der Dornakazie: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde zermahlen; werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 188–220: Lehrtexte über Leiden des Verdauungstraktes (das sogenannte „Magenbuch“)

Eb 188

Erfahrungswissen zu Leiden des Verdauungstraktes:1
[Eb 188a] Wenn du einen Mann mit [36,5] einer Verstopfung seines Verdauungstraktes untersuchst, der (es) schwer hat, Speise zu essen, und das, indem sein Bauch eingeschnürt (wörtl.: eng) und sein jb-Herz/Gemüt2 (zu) matt zum Gehen3 ist wie (bei) ein(em) Mann, der an Hitze am Rektum leidet, betrachtest du ihn folglich, indem er auf dem Rücken liegt.
[Eb 188b] Findest du seinen Bauch brennend vor (und) eine Verstopfung in seinem Verdauungstrakt, sagst du folglich dazu:
„Das ist ein Vorfall der Leber.“
(Und) du bereitest ihm folglich das Geheimmittel aus [36,10] Kräutern,4 das ein Arzt (gewöhnlich) bereitet (aus) „Schafsmelone“5 (und) Schnitzel (?) von Datteln – werde gemischt, werde mit Wasser ausgepresst (und) werde vom Mann über 4 Morgen hinweg getrunken –, so dass du seinen Bauch entleerst.6
[Eb 188c] Nachdem dies getan wurde, wenn du (dann) die beiden Durchflüsse (wörtl.: Kanäle)7 in seinem Bauch vorfindest, indem die rechte Körperhälfte ((warm ist))8 (und) die linke Körperhälfte kühl, sagst du folglich dazu:
„Das ist eine Krankheitserscheinung beim Bändigen (?)9 [36,15] ihres Fressens.“
[Eb 188d] (Und) du betrachtest ihn folglich erneut.
Findest du seinen Bauch gänzlich (ab)gekühlt vor, sagst du folglich:
„Seine Leber ist geöffnet. 〈Sie〉 hat sich (?) gewässert (?). Er hat das Mittel angenommen.“10

1 Hier wird vorläufig der Communis opinio gefolgt, laut der rʾ-jb den Magen bezeichnet. Zur Identifizierung von rʾ-jb mit dem Thorax/Brustkorb s. dagegen J. H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 127–146.

2 Die Vermutung auf DZA 31.425.970, dass hinter jb=f eine „Lücke“, d.h. ein ausgefallener Passus, anzunehmen ist, begründet sich in der ungewöhnlichen Voranstellung des Subjekts: Parallel zu ẖ.t=f ḥns.t wäre jb=f ẖs.y zu erwarten.

3 šm.t: Wohl nicht der reine Infinitiv, wie H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 850 und Westendorf 1999, 678, vermuten, sondern eher das – auf den Infinitiv zurückgehende – Nomen šm.t: „das Gehen; der Gang“. Interessanterweise bezeichnet šm.t ḥꜣ.tj in Eb 854 den Herzschlag.

4 sp n sštꜣ n smy.t: Während Bardinet 1995, 276 konkret an ein physisches „(livre) secret des plantes“ denkt, löst Westendorf 1999, 578 die Genitive rein attributiv auf: „ein geheimes Kräuter-Mittel“.

5 pꜣḫ-sr.t: So und nicht pꜣḫ-st.t, wie Wreszinski 1913, 50 transkribiert. Die Droge kommt nur in Eb 188 und in anderer Schreibung in Eb 829 vor. In Eb 829 steht vor dem Pflanzenklassifikator noch das jb-Böckchen. Damit ist auch der zr-Widder in Eb 693 klassifiziert, was die Lesung sr.t absichert. Westendorf 1999, 499 erwägt, ausgehend von seinem Identifizierungsvorschlag pꜣḫ = „Melone“, in pꜣḫ-sr.t eine „Schafs-Melone“. Er enthält sich allerdings einer Identifizierung der so bezeichneten Pflanze.

6 r wḫꜣ=k: Die erneute Rückkehr zur 2. Person Singular verleiht der Rezeptur den Charakter eines Einschubs. In der Bedeutung von wḫꜣ wird Westendorf 1999 gefolgt. Bardinet 1995 vermutet dagegen das Lemma wḫꜣ: „untersuchen“: „jusqu’à ce que tu examines (à nouveau) l’intérieur de son corps“. Für wḫꜣ: „untersuchen“ gibt es jedoch nur einen einzigen Beleg, für den zudem schon auf DZA 22.572.650 und in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 207 ein Fehler für ḫꜣi̯: „untersuchen“ vermutet wurde.

7 mr: Wörtlich: „Kanal; Teich/See“, aber auch „Uferrand“. L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 7a interpretiert das Wort als Kurzschreibung für jtr.w, wörtl.: „Fluss“, das hier als Synonym für me (a.a.O., 20b), d.h. gs: „Seite“ verwendet würde; dazu hat ihn vielleicht Eb 188c verleitet, wo auf die mr.wj, die „beiden Kanäle“, die rechte und linke „Seite“ (gs) folgen. Als Bedeutung gibt er lat. „latus“. (Ob man ihm eine Assoziationskette „Fluss“ > „breit“ (lat. „latus“) > „Seite“ (lat. „latus“) unterstellen kann?) Dies scheint sich als Bedeutung etabliert zu haben, so etwa bei H. L. M. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 22, Ebbell 1937, 47, Bardinet 1995, 276, Westendorf 1999, 578. Vgl. auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 382, die diese Bedeutung ebenfalls für den dualischen Gebrauch in Eb 188c annehmen, für die singularische Verwendungsweise aber eher an den Verdauungskanal denken.
G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 24 übersetzt den Dual in Eb 188c mit „deux courants“ und vermutet a.a.O., Anm. 1: „Expression imagée pour indiquer que le malade est flévreux.“ Den singularischen Beleg in Eb 198 übersetzt er dagegen ebd., 127 mit „le canal ( = le cardia?)“. Ausgehend von der Bedeutung „Kanal“, erwägt J. H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 136, in mr eher den Hohlraum zu sehen, der sich am Rücken eines liegenden Menschen neben der Wirbelsäule abzeichne (d.h. wohl: zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt?). F. van Elst, [Review:] S. Radestock, Prinzipien der ägyptischen Medizin. Medizinische Lehrtexte der Papyri Ebers und Smith. Eine wissenschaftstheoretische Annäherung, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 4 (Würzburg 2015), in: Chronique d’Égypte 91 (181), 2016, 99–104, hier: 102 schlägt dagegen vor, die Bezeichnung des Magens als rʾ-jb als Indikator dafür zu sehen, dass die Ägypter den Magen-Darm-Trakt und den Blutkreislauf als physisch tatsächlich miteinander verbunden auffassten. Der mr-Kanal sei vielleicht genau diese Verbindung. Prinzipiell scheint gut dazu zu passen, dass die mr-Kanäle laut Eb 188c m ẖ.t lokalisiert werden, was der Basisbedeutung der Präposition nach im Körper und nicht am Körper ist. Andererseits liefert Van Elst noch keinen Vorschlag für den Dual von Eb 188c, der dann eben mehr als nur eine Verbindung andeuten würden. Außerdem müsste überdacht werden, wie der Arzt die beiden Kanäle dann gmi̯: „(vor)finden“ kann; sie sind jedenfalls dann nicht mehr direkt palpierbar, sondern ihr Zustand kann nur indirekt (eben vielleicht durch die unterschiedliche Wärme?) festgestellt werden.

8 šmm wurde nachträglich, nur mit der Feuerpfanne geschrieben, zwischen jmn.j und gs in die Zeile gequetscht. Diese Graphie ist in Wb 4, 468 als Variantenschreibung aufgenommen, aber der Kontext zeigt, dass sie nur eine Notlösung ist.

9 mḫ.t: Wreszinski 1913, 50 transkribiert mḫr, und das Original lässt tatsächlich beide Möglichkeiten zu. Auf DZA 24.319.200 ist Wreszinskis r dagegen als t wiedergegeben. Es wurde ebenda noch vorgeschlagen, in der hieratischen Ligatur m+ eine Verschreibung für die Ligatur mn+n zu verstehen. Jedoch würde das die Bedeutung des Wortes auch nicht klären. Im Wb wurde das Verb dann auch unter mḫ abgelegt: Wb 2, 129.13. Die dort angegebene Bedeutung „sich ausbreiten o.ä.“ passt allerdings nicht. Aus dem Grund wurde in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 388, allerdings zurückkehrend zur Transkription mḫr, erwogen, ob eine Nebenform von mḫꜣ: „fesseln“ mit einer Bedeutung „bändigen, einstellen“ vorliegen könnte. D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 2. 1978, 2. Auflage (Paris 1998), 78.1832 liefert dagegen weitere Belege, die sowohl die Lesung mḫ als auch die Bedeutung „juguler“ untermauern. Auf den Bedeutungen von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962)und Meeks basiert Westendorfs Verständnis von mḫ wnm=s als ‚ihre schädliche Tätigkeit (wörtlich: Fressen) einstellen’. Bardinets Übersetzung (Bardinet 1995) von mḫ mit ‚s’étendre’ geht dagegen wieder auf den Vorschlag des Wb zurück.
Die Kombination der Kopula pw und eines adverbialen ḥr sḏm scheint zunächst die Satzsyntax zu verkomplizieren. A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 325 erklärt Sätze des Musters jnk/NN pw sḏm(.w)/ḥr sḏm dahingehend, dass pw das Subjekt sei und die restlichen Wörter (jnk/NN sḏm(.w)/ḥr sḏm) eine Pseudoverbalkonstruktion bilden, die einen Prädikatssatz formt. Er vergleicht mit französisch „c’est que“. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 405 schlägt jedoch vor, das scheinbare Pseudopartizip sḏm(.w) in der Konstruktion jnk/NN pw sḏm(.w) eher als attributives Partizip oder als Adjektiv zu erklären. Damit wären die Sätze des Musters jnk/NN pw sḏm(.w) normale zweigliedrige pw-Sätze, bestehend aus einer Nominalphrase mit Nomen + Attribut und dazwischengeschobenem pw. Diese Voranstellung des pw in die Nominalphrase ist auch anderweitig gut belegt und würde dem nicht entgegenstehen. Einzig Gardiners Beispiele mit ḥr sḏm anstelle von sḏm(.w) seien nach Westendorf nicht so zu erklären; er nennt dabei explizit den vorliegenden Satz. Derartige Konstruktionen würden also weiterhin grammatische Sonderfälle bleiben. Dementsprechend komplex ist auch seine Übersetzung in Westendorf 1999, 578: „Es ist der Fall, daß die Krankheitserscheinung (ḫꜣj.t) dabei ist, ihre schädliche Tätigkeit (wörtlich: Fressen) einzustellen.“ Bardinet ging zuvor sogar einen Schritt weiter und setzte ḫꜣ.yt ḥr mḫ.t und wnm=s parallel: „Cela signifie que l’altération (du foie) s’étend et qu’elle dévore.“ Inzwischen hat H. Satzinger, Die ägyptischen Gerundiva, in: Lingua Aegyptia 14, 2006, 139–144 allerdings den Blick auf nicht-prädikative Verbindungen von Präposition + Infinitiv gelenkt, also solche, in denen ḥr sḏm nicht prädikative Adverbialphrase eines Adverbialsatzes ist, sondern wie ein Gerundium ein Nomen um ein Attribut erweitert. Analog dazu könnte man auch Gardiners resp. Westendorfs pw-Sätze mit ḥr sḏm verstehen. Sie wären in dem Fall keine pw-Sätze mit einer Pseudoverbalkonstruktion als Prädikatssatz, sondern ebenfalls schlichte zweigliedrige pw-Sätze, deren nominales Prädikat um ein Präpositionalattribut erweitert ist. Dieselbe Verwendungsweise von Adverbialattributen findet sich auch sonst in den medizinischen Texten in den Sätzen jr ḫꜣi̯=k z ḥr mn NP: „Wenn du einen Mann untersuchst, der an NP leidet“.

10 „Er hat das Mittel angenommen“: Üblicherweise als Aussage über die Wirksamkeit des Mittels verstanden, s. explizit H. L. M. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 23, Joachim 1890, 40, Ebbell 1937, 47, S. Radestock, Prinzipien der ägyptischen Medizin. Medizinische Lehrtexte der Papyri Ebers und Smith. Eine wissenschaftstheoretische Annäherung, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 4 (Würzburg 2015), 136–137. So sicher auch die Auffassung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 88 (allerdings unsicher, ob sich das Pronomen auf den Patienten oder den Magen bezieht, s. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 83, Anm. 14), G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 24, Bardinet 1995, 276 (ungewollt ambivalent: er hat sowohl in diesem wie im vorigen Satz ein Subjekt 3. Person Sg. „il“, was aber daran liegen wird, dass sich das „il“ des vorigen Satzes auf „foie“ bezieht, dasjenige in diesem Satz auf „un homme“) und Westendorf 1999, 578. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass ein sḏm.n=f in diesem unabhängigen Gebrauch sehr ungewöhnlich ist; W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 239 nennt auch nur diese eine Stelle.

Eb 189

[Eb 189a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, und das, indem ihm alle seine Körperteile schwer sind wie (bei) einem Ausbruch (?)1 von Müdigkeit, legst du folglich deine Hand auf seinen Verdauungstrakt. [36,20] Findest du seinen Verdauungstrakt hustend (?)2 vor, und das, indem (er) unter deinen Fingern geht und kommt, sagst du folglich dazu:
„Das ist eine Trägheit des Essens, die zuvor3 verhindert (wörtl.: nicht zugelassen) hat, [37,1] dass er isst.“
[Eb 189b] (Und) du bereitest ihm folglich irgendetwas, ihn (zu) öffnen, (nämlich) Schnitzel (?) von Datteln, ausgepresst mit verdorbenem Bier, so dass (?) sein Appetit (wörtl.: das Essen seines Brotes) (wieder)kommt.
[Eb 189c] Wenn du ihn untersuchst, nachdem dies getan wurde, (und) findest du seine Rippengegend erhitzt (und) seinen Bauch (ab)gekühlt vor, [Eb 189d] sagst du folglich:
„Seine Trägheit ist abgegangen.“
(Und) du veranlasst folglich, dass er seinen Mund vor jeder (Art von) Verbranntem (Fleisch) hütet.

1 bs.w: Im Wb gibt es ein Lemma bsw: „eine Krankheit, ob Schwellung?“ mit einem Verweis auf koptisch ⲟⲩⲓⲥⲉ, Wb 1, 475.3. (Allerdings ist die Bedeutung des Koptischen laut W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 277 nicht gesichert.) Als Belege finden sich im Wb abgelegt Eb 189 (bs.w mit den Klassifikatoren Fisch + Beine + Pluralmarkierung), Bln 53 (bs.y mit den Klassifikatoren Fisch + Beine) als etwas, das ḥm-vertrieben werden kann (das Verb ist nur hier belegt; in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 596 wird daher nicht ausgeschlossen, dass es auch eine Krankheitserscheinung ḥm.w-bsj sein könnte) und Bln 14 (bs.y mit den Klassifikatoren Riemen + Papyrusrolle; auf DZA 22.928.670 wird aber erwogen, die Klassifikatoren als Fisch + Beine zu lesen). In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 252 ist dieses Nomen als Sublemma von bz aufgenommen worden, mit allen drei Wb-Belegen und noch einem vierten: Bln 52 (bs.w mit den Klassifikatoren Schlechtes Paket + Pluralmarkierung; von den Wb-Bearbeitern noch keinem Lemma zugeordnet, vgl. DZA 27.882.230). Damit hätte dieses seltene Wort jedes Mal eine andere Graphie. Wenn man den DZA-Vorschlag annimmt und die Klassifikatoren Riemen + Papyrusrolle als Fisch + Beine liest, hätte man nur drei Graphien: bs.w mit Fisch und Beinen geschrieben, bs.w mit schlechtem Paket, beides als Plural markiert, sowie singularisches bs.y mit Fisch und Beinen. Es wäre also denkbar, dass hier eigentlich zwei oder sogar drei Lemmata vorliegen. Diese Vermutung wird noch dadurch bestärkt, dass zumindest in Eb 189 kaum eine „Schwellung“ o.ä. vorliegen wird, sondern eher eine Art „Ausbruch“, wie schon B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 19 vorschlägt.

2 sr.w: Zu dieser Lesung gegenüber Wreszinskis st.w (Wreszinski 1913) s. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 775, Anm. 1. Bei B. Ebbell, Die alt-ägyptische Chirurgie. Die chirurgischen Abschnitte der Papyrus E. Smith und Papyrus Ebers, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. 2. Hist.-Filos. Klasse 1939 (2) (Oslo 1939), 76 und in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962) wird ein Zusammenhang mit sr: „Pauke“ erwogen; in Letzterem wird auch ein Zusammenhang mit dem Husten (sr.jt) vorgeschlagen unter der Vermutung, dass beim Husten der Bauch auch mitschwingen würde. Ob es vielleicht schlicht das Verb zum sr.jt-Husten ist?

3 ḫnt: DZA 25.159.160 gibt adverbiales „vorher“ wieder. Will man das Partizip tm nicht präterital, sondern präsentisch übersetzen, könnte man auch eine Emendation zu ⟨mj⟩ ḫnt: „⟨wie⟩ zuvor“ in Betracht ziehen. Das in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 663 angegebene „weiterhin“ (so dann auch Westendorf 1999) passt nicht in das Bedeutungsspektrum von ḫnt. Die Satzstellung würde es ferner auch erlauben, ḫnt als Adverb der Partizipialphrase (tm rḏi̯) und nicht als Adverb des davon abhängigen Objektsatzes (wnm=f) zu interpretieren.

Eb 190

[Eb 190a] Wenn du einen Mann mit einer Verstopfung untersuchst, [37,5] die Anhebungen1 eines Hustens verursacht, und das, indem seine Krankheitserscheinung2 unter seiner Rippengegend ist wie Klumpen (?)1 von Kot, (sagst du folglich dazu)3:
„Das sind Versteifungen (?)4 an seinen beiden Rippengegenden. Sein Verdauungstrakt hat sich verengt.“
[Eb 190b] (Und) du bereitest ihm folglich starke Mittel zum Trinken:
Frischer ꜣḥ-Brei, gekocht mit Öl/Fett (und?) Honig: ∅, Wermutkraut (?): 1/32 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja).
Werde dazu (d.h. zu dem ꜣḥ-Brei?) gegeben; werde zu einer homogenen Masse verkocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.
[Eb 190c] Wenn du ihn danach untersuchst, (und) findest du ihn mit [37,10] seiner Krankheitserscheinung des ersten Falles5 vor, bedeutet das, dass er gesund werden wird.

1 fꜣy.t und ḏrw.t sind Hapax legomena. fꜣy.t ist zweifellos eine Ableitung von fꜣi̯: „heben; tragen“, ist aber kein Infinitiv, sondern ein Nomen (vgl. dezidiert schon DZA 23.567.360). ḏrw.t wird ebd. vorschlagsweise mit „Knolle“ übertragen; in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 1009 wird unter Verweis auf ḏrj: „fest“ die Bedeutung „Klumpen“ erwogen.

2 ḫꜣ.yt=f: Sic! Bardinets „les altérations dont il souffre“ (Bardinet 1995) klingt, als würde er ḫꜣ.yt mn=f o.ä. lesen.

3 „Dann sollst du dazu sagen“: Diese Phrase kann ausgelassen worden sein, vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 293, Anm. 3. Bardinet 1995 unterlässt in seiner Übersetzung eine Markierung, dass sie hier nur ergänzt ist.

4 sṯs.w: Ein Hapax legomenon? Auf DZA 31.685.430 wird angenommen, dass die Diagnoseeinleitung des vorigen Satzes nicht ausgelassen wurde, sondern fehlerhaft ausgefallen ist und dass man zu ⟨ḏd.ḫr=k r⟩=s ṯs.w ergänzen müsse. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 823, 823, wird sṯs.w dagegen als separates Lemma aufgenommen; in Anm. 1 wird jedoch angedeutet, dass es eventuell eine Variante zu ṯs.w (H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 970) sein könnte.

5 sp dp.j ist ein Rückverweis auf den ersten Fall dieser Lehrtextgruppe, d.h. auf Eb 188.

Eb 191 = Eb 194

[Eb 191a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, und das, indem er an seinem Arm, seiner Brust und der Seite seines Verdauungstraktes leidet und indem man dazu sagt: „Das ist eine Grünfärbung.“, sagst du folglich dazu:
„Das ist etwas, das durch den Mund (oder: als Zauberspruch) eingetreten ist. Das ist der Tod (oder: ein Untoter), der ihn durchfahren1 hat.“
[Eb 191b] (Und) du bereitest ihm folglich ḏdb-artige2 Kräutermittel:
Früchte/Samen der tḥwꜣ-Pflanze: 1 (Dosis), ḫꜣs.yt-Pflanzen: 1 (Dosis), Polei-Minze (?): 1 (Dosis), Konyza (?): 1 (Dosis), dšr.w-Schrot (?)3 der sẖ.t-Gerste: 1 (Dosis).
Werde mit Öl/Fett gekocht. Werde vom Mann getrunken.
[37,15] [Eb 191c] Du legst folglich ((deine Hand)) gebeugt auf ihn, bis es dem Arm angenehm ist, frei von Beschwerden4. (Und) du sagst folglich:
„Diese Beschwerden sind hinabgestiegen zum ‚geraden Darm‘ und zum Rektum. Nicht soll (?) ich das Mittel jemals wiederholt (anwenden) (müssen).5

1 ḫns bedeutet gewöhnlich „durchstreifen, durchziehen“ u.ä. und ist transitiv. Der Anschluss n=f ist ungewöhnlich; daraus resultieren sicher diejenigen Übersetzungsversuche, die dem Verb eine direktive Nuance verleihen (wie Ebbell 1937, 48: „that threatens him“, oder Westendorf 1999, 579: „der zu ihm herangetreten ist“).

2
ḏdb: Unsichere Bedeutung. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 1017–1018 wird ein Zusammenhang mit ḏdb: „stechen“ erwogen und „anstacheln“ vorgeschlagen. Mit dieser Bedeutung, allerdings ohne auf die Unsicherheit der Bedeutung hinzuweisen, findet sich das Wort dann bei R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 1094–1095, Nr. {40543}. Bardinet 1995, 277, denkt an „un traitement fortifiant“, Westendorf 1999, 257, an „aufputschende (?) Mittel“.

3 dšr.w: In der Parallele Eb 194b steht stattdessen dḏw, ein Zwischenprodukt bei der Mehlherstellung, also vielleicht ein gröberes Mehl oder Schrot (vgl. Edel, QH II, 1.2, 26).

4 jh: „Elend“: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 98 vermutet in dem jh-Leiden eine allgemeine Bezeichnung für verschiedenste Krankheiten; im pSmith steht es in Glossen, die sich auf andere Krankheiten beziehen, und auch in Eb 191 wird damit auf das zuvor genannte mn rʾ-jb: „Magenleiden“ referiert, das wꜣḏ: „Grünfärbung“ genannt ist. Es wird sich nur um eine Variante des Wortes ꜣh.w handeln, vgl. schon Wb 1, 117 und 1, 12.4–6, das seinerseits wohl mit dem gelegentlich belegten Verb ꜣh zusammenhängen dürfte, das einen Zustand des Elends benennt.

5 D.h. das Mittel ist sehr wirksam. Zur futurischen Übersetzung vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 343 a β. Andererseits könnte man erwägen, diesen Satz als Beleg für ein perfektischen Begleitumstand nach § 344 b β zu lesen: „Dieses Leiden ist hinabgestiegen zum Mastdarm und zum Rektum, ohne dass ich das Mittel jemals wiederholt (anwenden musste).“ Die Parallele hat ein passives sḏm, bei der eine vergleichbare Alternative zur Verfügung steht. Bardinet 1995 übersetzt emphatisch: „il est hors de question que je renouvelle le traitement!“, was aber mit der einfachen Negation n nicht geht, vgl. W. Schenkel, Tübinger Einführung in die klassisch-ägyptische Sprache und Schrift, 7. Auflage (Tübingen 2012), 333–335, J. P. Allen, Middle Egyptian. An Introduction to the Language and Culture of Hieroglyphs, 3. Auflage (Cambridge 2014), 380.

Eb 192 = Eb 195

[Eb 192a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, und das, indem er oft erbricht1, (und) wenn du es (d.h. das Krankheitsphänomen?) vorn2 an seiner Vorderseite findest, und das, indem seine Augen entzündet/gerötet3 sind und indem seine Nase läuft (?)4, sagst du folglich dazu:
„Das sind Fäulnisprodukte seines Sekrets5. 〈Sie〉 steigen6 nicht als sein Sekret zu seinem Leistenbereich (?) hinab.“
[37,20] [Eb 192b] (Und) du bereitest ihm folglich ein šns-Brot aus sw.t-Wildweizen und viel Wermutkraut (?). Ein dbḥ-Messbecher7 werde darauf [38,1] gegeben, (gefüllt) mit Zwiebeln/Knoblauch,8 und es/er (?) werde mit {Hunger}9 〈Bier〉 (und?) fettem Fleisch vom Rind10 eingetrübt (?)11.
Werde vom Mann gegessen (und) mit Bier vom Extra-Opfer (?)12 hinuntergeschluckt, bis/so dass sich seine Augen öffnen und sein ḫnt-Schnupfen verschwindet13, indem er (zunächst) als Sekret abgegangen14 ist.

1 qꜣs: Außerhalb der medizinischen Texte nur einige wenige Male in ptolemäischen Tempelinschriften belegt; keine zu den medizinischen Papyri zeitgenössischen Belege. Die Bedeutung „erbrechen“ beruht sicher hauptsächlich darauf, dass es u.a. als eine Begleiterscheinung von Magenbeschwerden genannt wird. In den ptolemäischen Tempeltexten wird qꜣs als „ausspucken“, aber auch als positiv besetztes Verbum von Feldern oder der Nilflut, die Pflanzen „ausspeien/hervorquellen lassen“, verwendet.

2 ḫnt.y: Nach H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 663 und Westendorf 1999 liegt das Verb ḫnti̯: „vorn sein“ vor. Bardinet 1995 übersetzt mit „s’exsuder“. Er vermutet also ebenfalls einen verbalen Gebrauch, aber nicht in der Basisbedeutung „vorn sein“, sondern anscheinend als Ableitung von der ḫnt-Krankheit. Seine Gründe, weshalb er hier ḫnt mit „exsudat“ und nicht, wie üblich, mit „Schnupfen; Katarrh“ übersetzt, sind unbekannt.

3 šsm: In den medizinischen Texten ausschließlich von den Augen gesagt. (In Tb 160 kommt ein Verb šsm, Variante šs, vor, mit dem eine Aussage zu den Gliedern des Osiris gemacht wird. Ob dasselbe Verb vorliegt, ist aufgrund dieses anderen Kontextes unsicher.) Das šsm der medizinischen Texte wird meist ohne Klassifikatoren geschrieben; nur einmal wird es in pEdwin Smith 10,15 mit einem Auge klassifiziert (nach dem ty) und in pEbers 109,20 mit der Buchrolle (vor dem ty). In Sm 19 wird in einer Glosse zu dem šsm-seienden Augen erklärt, dass sie rot seien wie die Farbe der (leider unidentifizierten) šꜣs-Pflanze. In Eb 877a wird gesagt, dass die Augen wꜣḏ-„grün“ und šsm seien (Westendorf 1999, 709, Anm. 289, vermutet dagegen, dass wꜣḏ fehlerhaft für ḏꜣ ist, das in anderen Beschreibungen als Augenkrankheit auftritt). In Eb 192 heißt es ferner, dass die Augen sich nach der Behandlung wieder öffnen. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 54 nimmt das Letztere als aussagekräftigeres Charakteristikum und vermutet in der šsm.wt-Krankheit eine Ptosis. Im Wb 4, 546.1 wird für šsm „entzündet sein o.ä.“ vorgeschlagen. Breasted 1930, 282 vergleicht mit den šsm-„bandages“ von Pyr. 2114b = PT 690 und dem šsm.t-Mineral, das u.a. in K. Sethe, Urkunden der 18. Dynastie [IV,315-624], Urkunden des Ägyptischen Altertums IV/9-12 (Leipzig 1907), 706.12 vorkommt. Er vermutet darin „reddish or red-streaked objects“. In den zp.w šsm.w (siehe beispielsweise Eb 190b = pEbers 37,7) sieht er einen nominalen maskulinen Gebrauch dieses Wortes und in šsm.wt (Eb 408 = pEbers 62,9) einen nominalen femininen Gebrauch. Das Nomen von Eb 408 ist durch dšr: „rot“ weiter qualifiziert. Alles in allem schlägt er als Bedeutung von šsm „to be blood-shot“ vor. Insgesamt sind jedoch Teile seiner Argumentation zu überdenken: Die šsm-„bandages“ sind völlig anders geschrieben; ferner sind sie ein Hapax legomenon, das bislang nur in den Varianten dieses einen Pyramidentextspruches belegt sind. Ein Zusammenhang mit dem šsm der medizinischen Texte lässt sich nicht herstellen. Bei dem šsm.t-Mineral handelt es sich höchstwahrscheinlich um Malachit, also eher ein grünes als ein rotes Mineral. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 869–870 spiegelt sowohl die Wb-Bedeutung wie auch Breasteds Interpretation wider: „gerötet; entzündet“. Für die šsm.wt-Krankheit wird eine Rötung oder Entzündung der Augen vermutet, aber Ebbels Deutung auch erwähnt. Auch das šsm der zp.w šsm.w wird diesem Wortfeld zugerechnet. R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 272 übernimmt für šsm die Bedeutung von Breasted; R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 905 diejenige von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962).

4 tḫb: Nur hier und in dem Parallelrezept Eb 195. Auf DZA 30.936.460 wird ein Zusammenhang mit tḫb: „eintauchen“ oder tḫb: „Geschwulstblase“ vermutet. In Wb 5, 234.14 wird nur noch der Verweis auf die „Geschwulstblase“ genannt. Auch in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 960–961, werden die Lemmata tḫb (dort mit „Aufschwemmung, Flüssigkeitsabsonderung“ übersetzt) und tḫb: „Feuchtigkeit absondern“ demselben Wortstamm zugeordnet. Bardinet 1995 vermutet „grossir“. Ob vielleicht doch zu tḫb: „eintauchen“ gehörig und etwa „befeuchtet, feucht sein“ gemeint?

5 st.t=f: Westendorf 1999, 579 mit Anm. 40 vermutet mit Verweis auf Eb 102 = 296 in dem Bezugswort von =f nicht den Kranken, sondern dessen Magen.

6 hꜣi̯.n: Das Zeichen unter den laufenden Beinchen interpretiert Wreszinski 1913 als Pluralstriche, der Grapow 1958 als n. In ersterem Fall läge eine ungewöhnliche, aber nicht einzigartige, Schreibung des neuägyptischen Suffixpronomens der 3. Person Plural vor, im zweiten Fall würde sich ein negiertes sḏm.n=f mit ausgelassenem Subjekt ergeben.

7 dbḥ: Die Gefäßbezeichnung ist in Eb 192 mit dem Elefantenzahn Gardiner Sign-list F18 (phonetischer Klassifikator für bḥ), einem stark abgekürzten Krug (W24) (?) und einem Strich (Z1) geschrieben. In Eb 195 steht dagegen einzig ein halbrundes Zeichen, das ein wenig so wirkt, als hätte der Schreiber erneut mit dem Elefantenzahn begonnen, ihn aber dann wesentlich runder ausgeführt und damit zu einem Gefäßklassifikator uminterpretiert. Einen ähnlichen oder denselben Klassifikator verwendete er in Eb 205b beim ḏsf.w-Gefäß (dieses ist das einzige andere Mal, dass es in den medizinischen Texten vorkommt, mit der Feuerpfanne geschrieben). Die hieroglyphische Wiedergabe dieses Zeichens ist unterschiedlich und teilweise uneinheitlich gehandhabt worden. L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 51b und 54b gibt den Klassifikator bei beiden Wörtern mit dem Zeichen W31 der Theinhard-Liste (= Gardiner Sign-list W10) wieder. Wreszinski 1913, 53 und 60 transkribiert dagegen den Klassifikator von dbḥ mit dem Elefantenzahn – mit Fragezeichen versehen – und denjenigen von ḏsf.w mit demselben Zeichen wie Stern. Sterns Lösung scheint Möller jedoch nicht überzeugt zu haben, denn dieser führt in seiner Paläographie (Möller 1909, Nr. 492) für das entsprechende Zeichen überhaupt keinen Ebers-Beleg auf. Falls er eine andere Idee zur Entsprechung dieses Zeichens hatte, bleibt sie ungenannt. In der Zeichenliste des Berliner Wörterbuches erscheinen beide Belege ebenfalls unter ein- und demselben Zeichen auf Blatt W5, das aber kaum etwas anderes als die abstrahierte Form des Hieratogramms abbildet. Ebenso die handschriftlichen Hieroglyphen bei Grapow 1958, 155 und 162. Das in Druckhieroglyphen gesetzte MedWb (H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962)) differenziert dagegen zwischen beiden Belegen und gibt S. 976 den Klassifikator von dbḥ mit einem Zeichen wieder, das der Form nach dem nb-Korb entspricht (ohne dieser zu sein, denn dieser sieht im Hieratischen, auch demjenigen des pEbers, anders aus), und S. 1012 den Klassifikator von ḏsf.w, zu Stern zurückkehrend, mit Gardiner Sign-list W10. Es gibt noch einen vereinzelten ptolemäischen Beleg von ḏsf.w; dieser ist mit einem Zeichen klassifiziert, das P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1246 mithilfe des um 90° gekippten Zeichens N104 der Extended Library schreibt. Dieses Zeichen N104 in originaler Ausrichtung wird in der Zeichenliste von Kurth (D. Kurth, Einführung ins Ptolemäische. Eine Grammatik mit Zeichenliste und Übungsstücken I (Hützel 2007), Nr. 12, 81) als Variante von Gardiner Sign-list N41 in der Funktion als Phonogramm von bjꜣ angeführt. Ob man, davon rückschließend, vielleicht den Klassifikator von ḏsf.w im pEbers eben als N41 interpretieren könnte und dies dann auch für den Klassifikator von dbḥ? Eine solche Klassifikation ließe sich durchaus mit einem dbḥ-Gefäß vereinbaren, das jedenfalls in manchen Fällen aus Metall sein konnte (vgl. dazu T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 62–65). Die wenigen fürs Alt- und Mittelhieratische angeführten Formen für N41 bei Möller 1909, Nr. 446 sehen diesem Klassifikator jedenfalls nicht unähnlich, wenn auch gerade der Ebers-Beleg dreieckiger geschrieben ist als die Hieratogramme von ḏsf.w und dbḥ. Da dbḥ ein Messgefäß ist, könnte man das Hieratogramm auch als Entsprechung für U93 der Extended Library interpretieren, bei dem es sich den Nachbarzeichen nach wohl um die Schale einer Waage handelt.

8 m ḥḏ.w steht unerwartet weit hinter dem Verb. Schon in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 715 wird daher ein elliptisches (?) mḥ: „gefüllt“ hinter ḥr=f angenommen. Vgl. auch Westendorf 1999.

9 {ḥqr} <ḥ(n)q.t>: Emendation nach der Parallele.

10 jwf ḏdꜣ n jḥ: Bardinet 1995 schließt dies an das Bier an, Westendorf 1999 an den sw.t-Emmer, die sꜥm-Pflanzen und den Messbecher mit Zwiebeln/Knoblauch.

11 sjꜣrr: Ein Hapax legomenon. Der Schreibung nach sicher ein Kausativum von jꜣrr, das aber seinerseits ebenfalls sehr selten ist. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 715 sind noch unsicher, ob das Medikament zerkleinert oder abgeschwächt oder ob der Patient berauscht werden soll. Bardinet 1995 folgt der ersten Vermutung, Westendorf 1999, der letzten.

12 ḥꜣ.w-(j)ḫ.t: Der ursprünglichen Wortbedeutung nach ein „Überfluss an Dingen“. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 615 vermutet zumindest für die selbstständig gebrauchte Verbindung der griechisch-römischen Zeit, dass es sich um einen Überschuss an Bier oder Wein handeln könnte, der sauer geworden sei und als spezielles Getränk geopfert worden sei. Ob das auch für den älteren Gebrauch zutrifft, ist nicht klar.

13 r wn ... r z(b)j: Während man das erste Verb als Infinitiv auffassen könnte („um seine Augen zu öffnen“), zeigt das zweite Verb, dass r sḏm=f vorliegen muss. Wie oft in den medizinischen Texten ist unsicher, ob dieses temporal („bis dass“) oder konsekutiv („so dass“) aufzufassen ist. Ebbell 1937, 49, Bardinet 1995, 278 und Westendorf 1999, 580 entscheiden sich für Ersteres, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 90 und W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 166.bb.4 für Letzteres.

14 hꜣꜣ: Die Parallele hat den Stativ hꜣi̯.y. Nach W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), §§ 21.3 und 164.bb liegt bei der Schreibung von Eb 192 nur eine scheinbare Gemination vor. Wollte man die Stelle anders erklären und etwa ein Partizip ansetzen, wäre unter Umständen noch ein Doppelschilfblatt (hꜣꜣ.y) zu erwarten, vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 295.aa.1.

Eb 193

[Eb 193a] Wenn du einen Mann mit einer Verstopfung seines Verdauungstraktes untersuchst, legst du folglich deine Hand auf ihn. Findest du seine Krankheitserscheinung [38,5] und (?) seine Verdickungen (?)1 zitternd (?) vor, indem sie mit spitzen Fingern auf ihm ist (?),2 sagst du folglich dazu:3
„Das ist eine Anhäufung von Kot (oder: von Krankheitsauslösern (?))4, bevor sie sich festgesetzt hat.“
[Eb 193b] (Und) du bereitest ihm folglich Kräutermittel:
dšr.w-Schrot (?) der mnḏj-Pflanze:51/64 (Oipe = 1 Dja) (und) ein halbes (Dja), gekocht 〈mit〉 Öl/Fett und Honig, tjꜥm-Pflanzen: 1/16 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), gw-Gras vom Ufer: 1/16 (Dja), gw-Gras vom Garten: 1/16 (Dja), Wein: ∅, Milch: ∅.
Werde gegessen (und) mit süßem Bier hinuntergeschluckt, [38,10] so dass er sofort gesund wird.

1 swmt: Als Substantiv wäre es ein Hapax legomenon. Wreszinski 1913 vermutete bereits, dass eigentlich zwei Wörter vorliegen – ein erstes, das mit s und w-Schleife beginnt und dessen Ende aus unbekannten Gründen ausgefallen ist, und als zweites die mt.w-Gefäße (DZA 20.031.150). Vgl. auch den Vorschlag von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 725, Anm. 2, der von einer Haplographie für swmt mt.w=f: „seine Gefäße sind verdickt“ ausgeht. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 90 gehen dagegen von einem Nomen swmt aus und übersetzen als Umstandssatz: „indem seine Verdickungen zittern“. Bardinet 1995, 278 denkt ebenfalls an ein einziges Wort, interpretiert swmt aber als Verb und übersetzt: „son altération est epaisse et tremblotante“. Es ist unklar, ob er es zu einem Stativ emendierte oder von dem Paradigma NN sḏm=f ausgeht. Westendorf 1999 folgt dem Vorschlag von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, swmt aufzuteilen, und emendiert zu ḫꜣ.yt=f swmt(.tj) mt.w=f ꜣwr: „(...) und findest du seine Krankheitserscheinung (...) verdickt; seine (des Magens) Gefäße zittern (...)“.

2 spd.tj ḏbꜥ.w ḥr=f: In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I ist übersetzt mit „wenn sie (die Hand) mit spitzen Fingern auf ihm ist“ und als wörtliche Übersetzung: „indem sie spitz an Fingern auf ihm ist“. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 178 denkt an ein „Pseudopartizip mit bestimmendem Substantiv“: „wenn du mit spitzen Fingern darauf bist“ (vergleichbar dann auch im Westendorf 1999). Bardinet 1995 übersetzt dagegen, als stünde ein Umstandssatz mit Pseudoverbalkonstruktion (*ḏbꜥ.w spd(.w) ḥr=f) da: „(...) quand les doigts se font pointus au-dessus“. Die Konstruktion bleibt ungewöhnlich; auch in Fragen des Bezugswortes von spd ist keine Entscheidung zwischen dem angeredeten Arzt und dessen Hand zu treffen, da die Endung diesbezüglich ambivalent ist (vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 163.1.bb und dd).

3 Der Satz ist möglicherweise verderbt.

4 ḥs: Das schlechte Paket und die Pluralstriche sind laut von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II hier nicht wḫd.w, sondern ḥs zu lesen. So liest dann auch Westendorf 1999. Bardinet 1995 liest dagegen wḫd.w.

5 dšr.w n.w mnḏj: Mit dšr.w liegt dasselbe Produkt vor wie in Eb 191. Die dort gegebene Übersetzung „Schrot (?)“ beruht aber einzig auf der Parallele, in der dḏw statt dšr.w steht, und auf der Bedeutung von dḏw als Zwischenschritt des Mahlvorgangs. Die Identififzierung der derzeit unbekannten mnḏj-Pflanze darf demzufolge nicht davon abhängig gemacht werden, dass Teile von ihr zu Schrot zermahlen werden können. Vielmehr ist umgekehrt die Bedeutung von dšr.w gegebenenfalls von mnḏj abhängig zu machen.

Eb 194 = Eb 191

[Eb 194a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, und das, indem er an seinem Arm, seiner Brust und der Seite seines Verdauungstraktes leidet und indem man dazu sagt: „Das ist eine Grünfärbung.“, sagst du folglich dazu:
„Das ist etwas, das durch den Mund (oder: als Zauberspruch) eingetreten ist. Das ist der Tod (oder: ein Untoter), der ihn durchfahren hat.“
[Eb 194b] (Und) du bereitest ihm folglich ḏdb-artige Kräutermittel:
tḥwꜣ-Pflanzen: 1 (Dosis), ḫꜣs.yt-Pflanzen: 1 (Dosis), Polei-Minze (?): 1 (Dosis), Konyza (?): 1 (Dosis), Schrot (?) der sẖ.t-Gerste: 1 (Dosis).1
Werde mit Bier gekocht. Werde vom Mann getrunken.
[38,15] [Eb 194c] Du legst folglich du deine Hand gebeugt auf ihn, 〈bis〉 es dem Arm angenehm ist, frei von Beschwerden. (Und) du sagst folglich:
„Diese Beschwerden sind hinabgestiegen zum ‚geraden Darm‘ und zum Rektum. Nicht soll (?) das Mittel jemals wiederholt (angewendet) werden (müssen).“2

1 S. den Kommentar zur Paralle Eb 191.

2 Vgl. den Kommentar zur Parallele.

Eb 195 = Eb 192

[Eb 195a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, und das, indem er oft erbricht, (und) wenn du es (d.h. das Krankheitsphänomen?) vorn an seiner Vorderseite findest, und das, indem seine Augen entzündet/gerötet sind und indem seine Nase läuft (?), sagst du folglich dazu:1
„Das sind Fäulnisprodukte seines Sekrets. 〈Sie〉 steigen nicht [[als]]2 [38,20] sein Sekret [[zu]] seinem Leistenbereich (?) hinab.“
[Eb 195b] (Und) du bereitest ihm folglich ein šns-Brot aus sw.t-Wildweizen und viel Wermutkraut (?). Ein dbḥ-Messbecher3 werde darauf gegeben, gefüllt mit Zwiebeln/Knoblauch, und es/er (?) werde mit Bier (und) fettem Fleisch [39,1] vom Rind eingetrübt (?).
Werde vom Mann gegessen (und) mit Bier vom Extra-Opfer (?) hinuntergeschluckt, bis/so dass sich seine Augen öffnen und sein ḫnt-Schnupfen verschwindet, indem er (zunächst) als Sekret abgegangen ist.3

1 Vgl. den Kommentar zur Parallele Eb 192.

2 Die Präposition r ist aus dem n von hꜣi̯.n korrigiert worden, wohl nachdem der Schreiber sah, dass er sie beim Zeilenwechsel vergessen hatte. Damit hat er aber – sicher unbeabsichtigt – aus dem präsentischen „nicht steigen ⟨sie⟩ hinab“ ein präteritales „nicht stiegen ⟨sie⟩ hinab“ gemacht.

3 Vgl. den Kommentar zur Parallele.

Eb 196

Wenn du einen Mann untersuchst, der daran zeitweilig leidet1 wie am Essen von Kot (?)2, und das, indem sein Herz müde ist wie (bei) einem, der keucht (?)3, wenn (?) er läuft, sagst du folglich:
„Das ist eine ḥnw.t-Versperrung (?)4 eines Haufens (?).“ [39,5] Er kann nicht hochgebracht werden. Das jb-Herz (des Patienten) ist nicht froh über diesen schlimmen Fall. Er hat eine ḫzd-Geschwulst5 erzeugt.6 (Es sind) Fäulnisprodukte des Eiters.7 Die Krankheitserscheinung hat Druck ausgeübt (?).
So bereitest du ihm folglich Mittel, sie (zu) zerbrechen, als Heilmittel.

1 mn=f st: Das enklitische Pronomen bezieht sich auf die Stauung von Eb 193, bevor Eb 194 und 195 dazwischengeschoben wurden und den Bezug zerstörten, vgl. Westendorf 1999, 581, Anm. 1.

2 wnm.w n.w ḥs: DZA 30.611.850 vermutet einen Fehler für jm.w. Nach H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 50 ist jm.w „eitriger Inhalt“. Laut H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 187 und 632 ist dagegen wnm.w n.w ḥs: „Kotessen“ zu lesen. Dem folgt Westendorf 1999, der an eine Umschreibung für „Koterbrechen“ denkt. Bardinet 1995 liest wnm n wḫd.w: „à la morsure des oukhedou“.

3 kḥ.w: Ein Hapax legomenon; mit dem Mann mit der Hand am Mund klassifiziert. Im pWestcar gibt es ein ebenso klassifiziertes Nomen kḥkḥ.t. A. M. Blackman, Some Philological and Other Notes, in: Journal of Egyptian Archaeology 13, 1927, 187–192, hier: 188 leitet Letzteres von einer nur rekonstruierten Verbalform *kḥkḥ her und vermutet dieselbe semitische Wurzel wie arabisch kꜥḥḥ: „husten“. In Anm. 1 vermutet er im kḥ des pEbers eine Form des Simplex zum reduplizierten *kḥkḥ. Auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 908, Anm. 1 vergleicht mit dem kḥkḥ.t des pWestcar und schlägt für kḥ vor: „keuchen (?)“. (Ob das Wortfeld kḥkḥ: „alt werden“ damit zusammenhängt, ist unbekannt: R. O. Faulkner, Giessen University Library Papyrus No. 115, in: Journal of Egyptian Archaeology 44, 1958, 6674, hier: 74 vermutet es.) Nach W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 50 liegt bei kḥ.w ḫpi̯ dagegen ein prospektives sḏm mit nominalisiertem Partizip an Subjektsstelle vor: „wie einer keucht, der gelaufen ist“.

4 ḥnw.t: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 607 schlagen eine Verbindung zu ḥn: „versperren“ vor und übersetzt „Versperrung (?)“. Dem folgen Bardinet 1995 und Westendorf 1999.

5 ḫzd: Bardinet 1995 interpretiert es als Abszess; H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 669 und Westendorf 1999 denken an eine Geschwulst.

6 jri̯.n=f: Bezieht sich das Suffixpronomen auf den ṯs.w-Haufen oder auf den zp-Fall?

7 Ein durch jw eingeleiteter eingliedriger Nominalsatz? W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 189, Anm. 3 fragt, ob es ein schlichter Verbalsatz mit passivem sḏm=f sein könnte: „der Eiter wurde zum Faulen gebracht“.

Eb 197

[Eb 197a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, und das, indem sein Körper gänzlich fremdartig verschrumpelt1 ist, (und) wenn du ihn untersuchst, du findest (aber?) keine Krankheitserscheinung in (seinem) Bauch vor außer einer ḥnw.t-Erscheinung2 des Körpers, (die) wie die py.t-Erscheinung3 (ist), sagst du folglich dazu:
[39,10] „Das ist Kummer4 deines Hauses (???).“
[Eb 197b] (Und) du bereitest ihm folglich Mittel dagegen:
Nubischer Hämatit von Elephantine: ∅, zermahlen, Leinsamen (?): ∅, Johannisbrot: ∅.
Werde mit Öl/Fett und Honig gekocht. Werde vom Mann über 4 Morgen hinweg gegessen, um seinen Durst zu vertilgen (und) um den Kummer seines jb-Herzens zu beseitigen.

1 ḫmꜣꜣ: Aufgrund der im Folgenden genannten nḥꜣ-Unebenheiten schlagen H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 657 „schrumpeln o.ä.“ vor.

2 ḥnw.t: Unbekannt. Nur hier belegt, es sei denn, man verbindet es trotz der unterschiedlichen Klassifikatoren mit dem ḥnw.t des vorigen Rezepts. Bardinet 1995 übersetzt mit „parties terminales de la superficie“. Westendorf 1999 denkt an die „Furchen des Körpers“.

3 py.t: Unbekannt. L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 31b übersetzt kommentarlos „globulus“. Ob beeinflusst von dem Klassifikator und dem fast unmittelbar folgenden, von ihm páit transkribierten Drogennamen [d.h. qmy.t: „Gummiharz“], dessen Bedeutung er mit „granum quoddam, granulum, globulus“ ansetzt? Auf ihn dürften wohl alle Deutungen dieses Wortes als etwas Kugel- bzw. Kügelchenartiges zurückgehen, etwa Joachim 1890, 44 („Kügelchen“), Bardinet 1995, 278 („pustules (?)“) und Westendorf 1999, 581 („Beeren/Körner (?)“).
Wb 1, 502.4, Ebbell 1937, 50, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 260 und von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 91 unterlassen eine Übersetzung. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 260, Anm. 1 weisen darauf hin, dass dieses Wort, wie das ebenfalls nur einmal belegte pjw des pEdwin Smith, in einem Kontext vorkommt, in dem von „Furchen oder Wellen bzw. Schrumpelungen die Rede“ sei.

4 nḥꜣ meint ursprünglich wohl die Unebenheit. Es kann aber auch einen unerfreulichen Zustand des Herzens bezeichnen. Zur metaphorischen Bedeutung vgl. A. B. Lloyd, Once More Hammamat Inscription 191, in: Journal of Egyptian Archaeology 61, 1975, 5466, hier: 63–65. Die Stelle Eb 197 übersetzt er auf S. 63 mit „It is distress for your house“. Da am Ende der Prognose das nḥꜣ.t-jb-Leiden genannt wird, vermuten von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 86, Anm. 4, dass beide Male dieselbe Krankheit vorliege  und pr nur eine sprachliche Verschleifung für jb sein könnte. Westendorf 1999, 581 erwähnt diese Möglichkeit ebenfalls, übersetzt aber trotzdem mit „Unruhe deines Hauses“ (also ähnlich wie Lloyd, nur mit Genitiv-n anstelle der Präposition n). Auch in W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 33, Anm. 1 erwähnt er diesen denkbaren Phonemwechsel, erwägt aber als Alternative, dass das pr = /pi/ nicht für jb = /ip/ (?), sondern für die py.t-Erscheinung des vorigen Satzes stehen könnte. Bardinet 1995, 278 bleibt bei der wörtlichen Übersetzung: „une désaggrégation de ta maison (= de toi-même)“.

Eb 198, vgl. Eb 593, H 143, Eb 594

Gut!
[Eb 198a] Wenn du seine Verstopfung in seinem Verdauungstrakt untersuchst, (und) findest du heraus, dass sie blockiert ist und den Durchfluss zugesetzt (wörtl.: den Kanal überquert) hat,1 und das, indem sein Herz eng (?)2 und indem sein Verdauungstrakt staubtrocken3 ist, sagst du folglich dazu:
„Das ist Blut, ein Nest/Sumpf,4 bevor es geronnen ist.“
Du veranlasst folglich, [39,15] dass (es) abgeht durch5 das (folgende) Heilmittel.
[Eb 198b] (Und) du bereitest ihm folglich Wermutkraut (?): 1/8 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja).
Werde mit Bier vom Extra-Opfer (?) gekocht; werde zu einer homogenen Masse ausgepresst. Werde vom Mann getrunken.
[Eb 198c] Dieser Krankheitsfall wird durch seinen Mund oder seinen Hintern abgehen wie das Blut eines Schweines, nachdem es verbrannt wurde,6 und zwar nachdem du ihm einen Verband darüber7 angelegt hast, so dass es (d. h. das Blutnest?) vorher8 gerinnt – und zwar, bevor du dieses Mittel bereitet hast.
Du bereitest ihm folglich eine ordentliche, erstklassige [39,20] Salbe aus Fett vom Rind: ∅, dem ꜥr-Teil vom Sellerie: ∅, šꜣw.yt-Pflanzen: ∅, Myrrhe: ∅ und ꜥꜣg.yt-Absonderung: ∅.
Werde zermahlen. (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

1 Die Phrase „den Kanal überqueren“ kommt noch einmal in Eb 205a vor. Während sich sonst in der längeren Protasis fast alle maskulinen Pronomina auf den Patienten beziehen, bezieht sich das =f dieser Phrase vermutlich, wie dasjenige des vorangegangenen und syntaktisch parallelen ḏbꜣ.n=f, auf den Magen. Für ḏbꜣ in Bezug auf Körperteile s. Wb 5, 558.9. Die Phrase „er hat den Kanal überquert“ ist also nicht, wie man verführt sein könnte zu denken, eine Metapher für einen schon quasi halb tot seienden Patienten, der zur Nekropole oder sogar schon auf den Wasserwegen des Jenseits unterwegs ist, sondern ein medizinischer Ausdruck für irgendeine krankhafte Tätigkeit des Magens. Im Rezept Eb 188c werden die mr.wj m ẖ.t, die beiden „Kanäle im Rumpf/Bauch“ des Patienten, genannt, weshalb H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 382 in diesem Begriff einen bildhaften „Ausdruck für den Verdauungskanal“ sehen.

2
ḥws: Ein Hapax legomenon. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) wird vermutet, dass es mit ḥns: „eng sein“ zusammenhängen könnte.

3 ḫm: Als Verb außer hier und in Eb 448 nur noch einmal in der Erzählung des Sinuhe erwähnt (B 22).

4 znf zš: Die Verbindung zš n znf ist noch aus zwei weiteren Texten bekannt. Die in Eb 198 stehende Verbindung ist sicher damit zu verbinden, ist aber nicht einfach mit „Blut-Nest“ zu übersetzen (so Westendorf 1999). Besser erscheint Bardinets (Bardinet 1995) appositionelle Anordnung: „le sang, un marais...“.

5 m in instrumentaler Funktion ist zwar bekannt, ist in dieser Funktion in der Verbindung mit hꜣi̯ in den medizinischen Texten aber sonst nur noch ein weiteres Mal aus Eb 199 bekannt.

6 ḏꜣf: Das Suffixpronomen ist, sicher aus graphischen Gründen, vor den Klassifikator gerutscht. Während Bardinet 1995 es mit der Übersetzung „cuire“ umgehen konnte, sich auf eine Konnotation festzulegen, ist Westendorfs „gekocht/erhitzt“ (vgl. schon Wb 5, 522.8) nicht richtig: ḏꜣf bedeutet „verbrennen“, wie gerade die Verwendung von Schiffen und (feindlichen) Zelten als Experiencer (Wb 5, 522.9) zeigt.

7 wt ḥr: „Verband darüber“. Es ist unklar, ob hier ein adverbialer Gebrauch des ḥr vorliegt (vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 626, § 5), oder ob aufgrund des Zeilenwechsels das Suffixpronomen ausgefallen ist und die normale Präposition gemeint ist.

8 Ob das m-ḥꜣ.t vielleicht eher zum übergeordneten Satz jri̯.n=k n=f wt gehört und nicht zu bꜣg=st?

Eb 199

[Eb 199a] Wenn du einen an einer Verstopfung in seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, [40,1] (und) findest du sie vor, indem sie unter deinen Fingern geht und kommt wie Öl/Fett im Inneren eines Schlauches, sagst du folglich dazu:
„Sie wird durch seinen Mund abgehen durch (?) Pflanzenbrei1.“2
[Eb 199b] (Und) du bereitest ihm folglich mjmj-Getreide: 1/64 (Oipe = 1 Dja) und ein halbes (Dja), ((Schnitzel (?) von Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja) und ein halbes (Dja)))3.
Werde vermengt; werde ausgepresst mit/zu (?) „männlichem“ Pflanzenbrei;4 werde zermahlen; werde mit Öl/Fett und Honig gekocht.
Werde vom Mann 〈über〉 4 Morgen 〈hinweg〉 gegessen, und zwar, indem dieser (d.h. der Verdauungstrakt bzw. die Verstopfung) über mjkꜣ.t-Frucht (?), getrocknet, [40,5] zermahlen und vermengt (?)5, verbunden ist.

1 m ḥsꜣ: von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 91 übersetzen: „durch Pflanzenschleim“ und vermutet in der zugehörigen Anmerkung in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 87 hierin einen Hinweis auf den im folgenden Rezept genannten Pflanzenbrei. Dem folgt auch Westendorf 1999. Bardinet 1995, 279 übersetzt „comme du mucilage“. Denkbar wäre auch, die Präposition modal und nicht instrumental zu übersetzen; der im Folgenden herzustellende Pflanzenbrei wäre dann nach dem Prinzip similia similibus hergestellt.

2 Westendorf 1999, 582, vermutet, dass die Diagnose ausgefallen ist.

3 (j)ny.t n.t bnj 1/64 gs wurde am oberen Seitenrand nachgetragen. Die Stelle, an der es eingefügt werde soll, ist mit einem roten Kreuz markiert.

4 ḥzꜣ ṯꜣy: Es ist syntaktisch nicht eindeutig, ob der Pflanzenbrei eine weitere Komponente des Rezeptes ist, mit der zusammen das andere durchgepresst werden soll (so Bardinet 1995), oder ob es das Produkt ist, das durch das Durchpressen entsteht (so Westendorf 1999). H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 367 und 369, Anm. 10 scheint beide Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Was sich hinter dem „männlichen“ Pflanzenbrei verbirgt, ist unklar. Westendorf 1999, 515, Anm. 57 zieht einen magischen Hintergrund für die Benennung in Erwägung. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 368 weist darauf hin, dass einmal Mehl als ein Produkt davon genannt wird und es demzufolge einen festen Zustand haben muss. In Eb 199 steht hinter ṯꜣy der Mann mit der Hand am Mund, der sonst weder ṯꜣy allein noch das Kompositum ḥzꜣ ṯꜣy determiniert. Ob der Schreiber hier versehentlich schon die Applikationsanweisung begann und dann mit dem Herstellungsprozess fortfuhr, ob ein anderer Fehler vorliegt oder doch eine ungewöhnliche Ausnahmeschreibung, ist unklar.

5 ꜣmj.w: Normalerweise ist wenigstens eine weitere Droge zu erwarten, mit der zusammen etwas ꜣmj-vermischt werden kann. Ob im Text etwas ausgefallen ist? In Fällen, in denen Drogen mit einer Flüssigkeit ꜣmj-gemischt werden, wird das Verb auf DZA 20.060.400, 20.060.420, 20.060.440, und 20.060.650 mit „auflösen“ übersetzt. So übersetzt würde die Passage zwar glatter klingen, weil „auflösen“ bereits impliziert, dass eine Flüssigkeit mitzudenken ist. Aber dies würde darüber hinwegtäuschen, dass an der vorliegenden Stelle syntaktisch gesehen trotzdem eine Droge fehlt.
Mit von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 91, wird swšr nḏ ꜣmj.w hier als Zustandsbeschreibung der mjkꜣ.t-Droge aufgefasst und nicht als anschließende, weitere Verarbeitungsanweisung (so Bardinet 1995 und Westendorf 1999). Denn nachdem die Droge jetzt Teil eines Verbandes ist, kann sie schwerlich noch weiter verarbeitet werden.

Eb 200

[Eb 200a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, (und) findest du es (d.h. das Leiden) an seinem Rücken vor wie die Last eines Gestochenen/Gebissenen, sagst du folglich dazu:
„Das sind Krankheitsauslöser (?), die seinen Rücken angreifen1. (Das ist) eine Krankheit, die ich mit Mitteln der Nach(behandlung) behandeln werde.“
Gehe dagegen vor! Meide sie nicht!
[Eb 200b] Du bereitest folglich dagegen ḫmt-Mittel des ḏsf.w2 und gibst ihm ein Heilmittel für die Nach(behandlung):
„Stechholz“: 1 (Dosis), Polei-Minze (?): 1 (Dosis), Blätter der Dornakazie: 1 (Dosis), bzn-Salz des Maurers: 1 (Dosis).
Werde zermahlen; werde mit Bodensatz von süßem Bier gekocht. [40,10] (Die betroffene Stelle) werde darüber 4 Tage lang verbunden, so dass er sofort gesund wird.

1 thi̯.w: Die Lesung des waagerechten Striches unter den laufenden Beinchen folgt Wreszinski 1913, 57, Grapow 1958, 159 und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 958. Damit wäre wḫd.w in Eb 200 als Plural aufzufassen, wohingegen dieselbe Schreibung in anderen Fällen, etwa in s.t-ꜥ wḫd.w, das parallel zu singularischem s.t-ꜥ nṯr steht, eher als Kollektivum aufzufassen ist. Den waagerechten Strich dagegen als n zu lesen (so DZA 31.133.780), was graphisch näherliegend ist, würde die Form zu einem sḏm.n=f machen (vgl. zum Gebrauch dann W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 239.aa.1) und die Ergänzung eines Suffixpronomens erfordern: wḫd.w pw thi̯.n⟨=f/sn⟩ ḥr psḏ=f: „Ein Krankheitsauslöser ist es / Krankheitsauslöser sind es; ⟨er⟩ hat / ⟨sie⟩ haben seinen Rücken ...“. (NB: In dem Fall wäre es wieder offen, ob wḫd.w ein syntaktisch singularisches Kollektivum oder eine Pluralform ist.)
Auffällig ist auch die Konstruktion mit der Präposition ḥr: Eigentlich bedeutet thi̯ ḥr: „abweichen von, ablenken von“, nicht „abweichen hin zu“. Die hier gewählte Übersetzung folgt dennoch mit der Communis opinio der letzteren, eigentlich nicht belegten Bedeutung, da diese dem Ergebnis der Untersuchung entspricht (s. den vorigen Satz).

2 ḫmt.w n.w ḏsf.w: Eine unbekannte Behandlungsweise oder ein Heilmittel.
In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 659, wird ein Zusammenhang zwischen ḫmt.w und dem Verb ḫmt: „stechen“ in Betracht gezogen. Ob ḫmt.w vielleicht schlicht zu der ḫmt-Flüssigkeit von Wb 3, 285.1 zu stellen ist oder mit ḫmt.w n.w sogar ein Schreibfehler für die ḫmt.nw-Flüssigkeit von Wb 3, 285.2–4 vorliegt?
Das Wort ḏsf.w mit der Feuerpfanne ist nur nur in Eb 200 belegt. Während der Sammlung der Belege für das Wb wurde ein Zusammenhang mit dem determinativlosen Verb ḏsf vermutet, das nur einmal in ptolemäischer Zeit belegt ist, vgl. die Notiz auf DZA 31.703.130. Im fertigen Wb wurde es aber als eigenes Lemma abgelegt (Wb 5, 609.10) und ein Zusammenhang mit dem ḏsf.w-Gefäß von Eb 205b erwogen. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 1012 sind beide Nomina dann tatsächlich als ein Lemma abgelegt; dem folgt auch R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 1090, Nr. {40364}–{40366}. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1246 vermutet ebenfalls in beiden Nomina dasselbe Lemma und stellt auch die Verbindung mit dem Verb ḏsf wieder her. Während das Wb nur vorsichtig „Art Gefäß o.ä.“ notiert, gibt Wilson vereinfachend „cauldron“ an. Aufgrund fehlender weiterer Belege kann aber ḏsf.w nicht genau übersetzt werden. Bardinet 1995, 280 denkt eher daran, dass das Wort eine „remède“ bezeichnet. Westendorf 1999, 582 lässt das Wort unübersetzt, gibt aber danach in Klammern die Möglichkeit „heiße Brühe/Suppe ?“. Dies dürfte wohl auf eine Kombination der Klassifikatoren Feuerpfanne (Eb 200) und Gefäß (Eb 205) zurückgehen.

Eb 201

Gut!
[Eb 201a] Wenn du eine Verstopfung seines Verdauungstraktes untersuchst, (und) findest du sie sehr bitter vor, sagst du folglich dazu:
„Das ist die Verstopfung einer hy.t-Dämonin“, die du zerbrechen sollst.1 Sie (d.h. die Verstopfung) ist wie (diejenige einer) nsy.t-Dämonin/Krankheit2, nachdem sie sich im Bauch festgesetzt hat.
[Eb 201b] (Und) du bereitest ihm folglich tjꜥm-Pflanzen: 1 (Dosis), šꜣšꜣ-Pflanzen: 1 (Dosis), gw-Gras vom Ufer: 1 (Dosis), gw-Gras vom Garten: 1 (Dosis), Johannisbrot: 1 (Dosis).
Werde mit süßem Bier gekocht, so dass du diesen Fall der hy.t-Dämonin zerbrichst.

1 ngg: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 487 vermutet an dieser Stelle eine Relativform oder ein imperfektisches sḏm=f. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 317ee entscheidet sich für eine imperfektische Relativform: „das ist eine hj.t-Verstopfung, die du zerbrechen sollst“. Dem folgt Bardinet 1995: „(C’est une obstruction/démon que) tu détruiras.“ Die Übersetzung entspricht jedoch einer prospektiven Relativform, die klassisch mittelägyptisch nur selten vorkommt und in den medizinischen Texten auch anders gebildet wird (vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 316). Vielleicht deswegen übersetzt Westendorf später (Westendorf 1999, 563) als unabhängiges prospektives sḏm=f: „Du sollst (sie (die Verstopfung)) zerbrechen“. Doch auch diese Form wird außerhalb und innerhalb der medizinischen Texte nicht mittels Gemination gebildet.

2 nsj.t: In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 481 ist die Stelle als Beleg für die nsj.t-Krankheit [unbelebt] abgelegt; Bardinet 1995, und Westendorf 1999 sehen hierin eine nsj.t-Dämonin [belebt]. Am Lemmaansatz ändert diese Differenz nichts. Die Identifikation der Krankheit bleibt dagegen nach wie vor unklar: B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 62, 1927, 13–20, hier: 13 denkt an Epilepsie, M. Alliot, Une famille de mots reconstituée: jns Pyr., jns 2 Gr., ins "être rouge", in: Revue d’égyptologie 10, 1955, 1–7 an eine Ableitung von jns: „Rot; Blut“ („congestion de sang“), W. Westendorf, Beiträge aus und zu den medizinischen Texten. III. Incubus-Vorstellungen. IV. Feuer- und Wasserprobe, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 96, 1970, 145–151, hier: 147 an einen Inkubus (< ns: „einsinken“?). Ebbells Interpretation ist nicht beweisbar, Alliots Ableitung unwahrscheinlich, weil keine der sicheren Ableitungen von jns: „rot“ mit der ns-Zunge geschrieben ist, wie es bei der Krankheit der Fall ist.

Eb 202

Gut!1
[Eb 202a] Wenn du einen Mann [40,15] mit einer Verstopfung seines Verdauungstraktes untersuchst, und das, indem er sehr schmerzvoll erbricht (und) er daran leidet wie (an der) sẖ.t-Krankheit (?)2, sagst du folglich:
„Das ist eine ṯꜣ.w-Ansammlung (?) von Kot3, bevor sie sich festgesetzt hat.“
[Eb 202b] (Und) du bereitest ihm folglich einen Trank: Feigen: 1/8 (Dja), Milch: 1/16 (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja).
Werde nachts mit 1/32 (Oipe = 2 Dja) süßem Bier stehen gelassen; werde ausgepresst. Werde sehr oft getrunken, so dass er sofort gesund wird.

1 Die Glosse scheint von anderer Hand geschrieben zu sein als die vorige: Das Zeichen ist mit dünnerer Linie geschrieben und beim unteren Teil hat der Schreiber anders abgesetzt.

2 sẖ.t: Das Hieratische ist zweideutig: Im Wb wurde sẖr transkribiert (Wb 4, 270.9, vgl. die Notiz auf DZA 29.558.680). Ebbell 1937, 52 hat wohl sẖ.t gelesen und an einen Zusammenhang mit sẖ: „Verletzung o.ä.“ gedacht, wenn er mit „wound (?)“ übersetzt. (Nach V. P.-M. Laisney, L’Enseignement d’Aménémopé, Studia Pohl. Series maior 19 (Roma 2007), 143 dürfte dieses sẖ eher zu sẖ.t: „Schlag“ gehören.) H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 792 lesen sẖ.t mit Fragezeichen und hält einen Zusammenhang mit der sẖ.t-Droge für denkbar: „er erbricht sich unter starken Schmerzen, er leidet daran wie wenn er sẖ.t gegessen hätte“.

3 ḥs: Ebbell 1937, 52 und Bardinet 1995, 280 lesen nicht ḥs, sondern wḫd.w.

Eb 203

Gut!1
[Eb 203a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, legst du anschließend deine Hand auf ihn. Wenn du herausfindest, dass es (d.h. das Leiden?) sich [40,20] an seiner rechten Körperseite festgesetzt hat,2 sagst du folglich:
„(Es) hat sich zusammengeballt (?) und einen Klumpen (?) gebildet.“
[Eb 203b] (Und) du bereitest ihm folglich Mittel dagegen in Form von sofort (wirksamen) Mitteln:
mjmj-Getreide: ∅.
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.
[Eb 203c] Wenn du ihn untersuchst, [41,1] nachdem dies getan wurde, (und) findest du diese seine Krankheitserscheinung leidvoll/schmerzend vor wie zuvor,3 [Eb 203d] bereitest du ihm folglich wirksam(er)e Mittel, so dass es (d.h. die Krankheitserscheinung?, der Klumpen?) abgeht (und) er gesund wird:
Früchte/Samen der tḥwꜣ-Pflanze: 1/64 (Dja), šzp.t-Teil vom Senf (?): ∅.
Werde zermahlen; werde mit süßem Bier gekocht.
[Eb 203e] Du bereitest ihm folglich wirksame Mittel aus Öl/Fett, so dass 〈es〉 von ihm abgeht:4 ꜥꜣ.t-Körner (?)5: ∅, sẖ.t-Gerste (?): ∅.
Werde zermahlen; ((werde)) mit Öl/Fett und Honig ((gekocht)). Werde [41,5] vom Mann über 4 Tage hinweg gegessen.

1 Dieselbe dünne Linie wie bei der Glosse zum vorigen Rezept, dafür entspricht die Zeichenform eher der Glosse zu Eb 201.

2 ṯs.n=f: In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II wird vermutet, dass sich das Suffixpronomen auf die hier nicht explizit genannte šnꜥ-Verstopfung bezieht.

3 mj jm.j-ḥꜣ.t: Westendorf 1999, 583, Anm. 51, hält diese Adverbiale für einen Querverweis auf ein früheres Rezept, nämlich Eb 188, das erste Rezept dieser Rezeptgruppe. Möglicherweise ist aber auch schlicht gemeint, dass ein neues Mittel bereitet werden soll, wenn das vorige nicht gewirkt hat und das Leiden eben „wie zuvor“ da ist. Dies steht zugegebenermaßen in einem gewissen Kontrast zu der Glosse, die dieses Rezept als „gut“ kennzeichnet.

4 r hꜣꜣ n=f: W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 229.1 nennt diese Stelle als Beleg für imperfektisches sḏm=f nach der Präposition r. Seiner Übersetzung in W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 584 zufolge („bis daß (sie) ihm abgeht“) nahm er an, dass das Suffixpronomen nach dem Verb ausgefallen ist. Vgl. schon Übersetzung und Kommentar in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 92–93 und II, 89. Bardinet 1995, 280 ging dagegen davon aus, dass die Stelle komplett ist, war aber mit der Übersetzung unsicher: „pour quand (?) cela sera tombé“.
Ein vergessener Vorschlag findet sich auf DZA 21.646.030: Dort ist das ꜥꜣ.t des folgenden Satzes als Agens von hꜣꜣ verstanden worden: „dass die Geschwulst von ihm abgehe“ bzw. „bis ihm Steinchen abgehen“ (zur Übersetzung s. den folgenden Kommentar). Diese Satztrennung würde den hiesigen Satz syntaktisch jedenfalls vervollständigen. Ein Gegenargument ist allerdings, dass ꜥꜣ.t schwarz geschrieben ist und daher eher zu sẖ.t zu ziehen ist.

5 ꜥꜣ.t: Mit einem Korn klassifiziert. Im Vorfeld der Publikation des Wb als Beleg für die ꜥꜣ.t-Geschwulst interpretiert, vgl. die Übersetzung auf DZA 21.646.030 eben als „Geschwulst“. Später ist das Lemma dann trotz des Klassifikators als Schreibung für den ꜥꜣ.t-Stein interpretiert worden: Der Zettel ist unter diesem ꜥꜣ.t-Mineral abgelegt, und darauf ist als Alternativübersetzung „Steinchen“ nachgetragen worden. In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 78 wurde es dann als Hapax legomenon („unbekannte Droge, vielleicht ein Mineral“) aufgenommen. Eine Verbindung zum ꜥꜣ.t-Stein wurde nicht mehr in Erwägung gezogen; zumindest findet sich kein entsprechender Verweis.

Eb 204

Gut ist die Anwendung (?). (Oder: Gut! Geprüft! (?))1
[Eb 204a] Wenn du einen Mann mit einer Verstopfung in seiner linken Körperseite untersuchst, und das, indem sie unter seiner Rippengegend ist,2 ohne dass sie ‚das Land quert‘,3 sagst du folglich dazu:
„Sie (d.h. die Verstopfung) hat eine Uferbank gebildet (und) sie hat eine Sandbank befestigt.4
[Eb 204b] (Und) du bereitest ihm folglich Mittel des/für seinen früheren … (ob: Zustand?)5, (bestehend) aus psḏ-Schoten: einem viertel (Dja), zermahlen, tjꜥm-Pflanzen: 1/8 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchten: 1/8 (Dja).
Werde mit Öl/Fett: 2/3 (Dja) und Honig: 1/3 (Dja) zu einer homogenen Masse verkocht. Werde vom Mann über 4 Tage hinweg gegessen.
[Eb 204c] Wenn du den Mann untersuchst, nachdem dies getan wurde, (und) findest du sie (d.h. die Verstopfung) ausgebreitet und nach [41,10] unten hin verschwunden vor, [Eb 204d] bereitest du ihm folglich ein Pulver aus gänzlich gekochten psḏ-Schoten.
Werde vom Mann über 4 Tage hinweg gegessen, um seinen Bauch zu füllen, und um seinen Darm zu krümmen (?).
[Eb 204e] Du legst folglich deine Hand auf ihn.
Findest du es6 geschnitten und gemahlen wie etwas von der Getreideernte vor, [Eb 204f] bereitest du ihm folglich ein Sofort-Mittel zum Kühlen:
mjmj-Getreide: 1 (Dosis), jwḥ-Früchte: 1 (Dosis), Wasser: ∅.
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 Die Form des nfr-Zeichens erinnert an diejenige der Glosse von Eb 202. Während die Glossen des Ebers gewöhnlich nur nfr lauten, steht hier unter dem nfr noch ein Auge, das wohl als jri̯ zu lesen ist (so auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 460; nur noch ein weiteres Mal: in Ram III B 10). Ob jri̯ in diesen beiden Fällen eine Abkürzung für jri̯.t: „was anzuwenden ist“ (Wb 1, 110.15) ist? Eine mit dem Auge geschriebene Textmarkierung kommt auch in den Liebesliedern des pHarris 500 vor; dort nicht im Interkolumnium, sondern jeweils über den grḥ-, d.h. den Strophenende-Markierungen. Diese Markierungen deutet B. Mathieu, La poésie amoureuse de l’Égypte ancienne. Recherches sur un genre littéraire au Nouvel Empire, Bibliothèque d’étude 115 (Le Caire 1996), 66, Anm. 159 als einen Prüfvermerk und versteht „vu, litt. fait“. R. B. Parkinson, Poetry and Culture in Middle Kingdom Egypt. A Dark Side to Perfection, Athlone Publications in Egyptology and Ancient Near Eastern Studies (London/New York 2002), 114, Anm. 5. liest die Zeichenkombination des pHarris 500 dagegen als jri̯ grḥ: „make a pause“. Während man Mathieus Interpretation des jri̯ in pHarris 500 unter Umständen auf die Ebers-Glosse übertragen könnte – wenn es auch nicht sehr wahrscheinlich ist –, würde Parkinsons Vorschlag einen Vergleich beider Glossierungen ausschließen. In den magischen Sprüchen gegen Skorpionstiche des pChester Beatty VII Recto kommt mehrfach ein Auge vor, das jeweils am Beginn des Spruches über der Zeile eingetragen ist. A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series. Chester Beatty Gift (London 1935), 59 vermutet darin einen Vermerk „done“, „used“, der „indicates that the magician had made practical use of this incantation“.
Auf der Abrechnung pBN 209 aus der Zeit Sethos’ I, Kol. 4, findet sich mehrmals das Auge mit Lidstrich, Gardiner D5/6, als Randvermerk, hier vermutlich als Revisionsvermerk mit der Lesung ptr: „gesehen“, s. W. Spiegelberg, Rechnungen aus der Zeit Setis I. (circa 1350 v. Chr.) mit anderen Rechnungen des Neuen Reiches. Text (Strassburg 1896), 67 mit Anm. 2 (dort Verweis auf W. Spiegelberg, Correspondances du temps des rois-prêtres, publiées avec autres fragments épistolaires de la Bibliothèque Nationale, in: Notices et extraits des manuscrits de la Bibliothèque Nationale et autres bibliothèques 34, 1895, 199–317, hier: 299) und W. Spiegelberg, Rechnungen aus der Zeit Setis I. (circa 1350 v. Chr.) mit anderen Rechnungen des Neuen Reiches. Tafeln (Strassburg 1896), Taf. 10. Sollte das einfache Auge des pEbers derselbe Revisionsvermerk sein: ptr: „geprüft (< gesehen)“? Dies würde jedenfalls inhaltlich gut zu der Feststellung nfr: „gut“ passen.

2 Da ḏr.w wohl die Rippengegend meint, wäre bei der Körperregion ẖr ḏr.w zunächst an die Regio hypochondriaca zu denken. Das kann jedoch ein falscher Freund sein, denn zum einen ist unwahrscheinlich, dass der Ägypter die Rumpfregionen so fein definierte, zum anderen kann auch „unter der Rippengegend“ im Sinne von „im Brustkorb“ gemeint sein.

3 n ḏꜣi̯.n=f tꜣ: Die Phrase ist einmalig in den medizinischen Texten; außerhalb der medizinischen Texte bedeutet ḏꜣi̯ tꜣ nur im wörtlichen Sinne „ein Land durchqueren“ und in wenigen Fällen metaphorisch „etwas [Gutes oder Schlechtes] unternehmen“, dann aber stets mit Präpositionalphrase r NN: „gegenüber NN“. J. H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 137 vergleicht die hiesige Stelle mit den Krankheitsbildern, bei denen von „Kanälen“ (bezeichnet in etwa eine Körperhälfte) die Rede ist. Er hält mehrere Möglichkeiten der Interpretation für denkbar: (1) tꜣ könnte ein Fehler für mr: „Kanal“ und die vorliegende Stelle damit zu den metaphorischen Beschreibungen von Krankheiten zu stellen sein, die über eine Körperseite hinausstrahlen. (2) Es könnte die Metapher der Kanäle vervollständigen: Wenn „zwei Kanäle“ (mr.wj) die beiden Körperhälften bezeichnen, könnte mit dem „Land“ die dazwischenliegende Wirbelsäulenregion gemeint sein. (3) tꜣ könnte das Zwerchfell benennen. (4) Es könnte die Abgrenzung der šnꜥ-Verstopfung benennen. Er schließt damit, dass das evozierte Bild bei egal welcher Deutung demjenigen vom Kreuzen der mr-„Kanäle“ entspricht und dass die Krankheit hier in Eb 204 nur in einer Körperhälfte lokalisiert wird, weil eben davon die Rede ist, dass das tꜣ nicht durchquert wird.

4 ṯs.n=f: Syntaktisch ist nicht eindeutig, ob es parallel zu jri̯.n=f zu setzen ist („Gapping“; so Westendorf 1999), oder ob ein Umstandssatz zu jw jri̯.n=f wḏb vorliegt (so Bardinet 1995). Die Bedeutung des Satzes ist in beiden Fällen unklar.

5 sp.w n.w jm.j=f-ḥꜣ.t: von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 93 und II, 89–90 waren unsicher, ob in der freien Stelle nach nw eigentlich etwas stehen sollte, das aus unbekannten Gründen nicht geschrieben wurde, oder ob wirklich nichts gestanden hat. Zur Erklärung des jm.j=f ḥꜣ.t „sein am Anfang befindlicher“ wird erwogen, dass ein Mittel für das Anfangsstadium der Krankheit gemeint sein könnte. Westendorf 1999 schließt sich dieser Vermutung an. Bardinet 1995 übersetzt „qui est auparavent“, markiert die Phrase aber durch ein Fragezeichen als unsicher.

6 st: Das Bezugswort des Objektspronomens ist unsicher. Bardinet 1995 vermutet die šnꜥ-Verstopfung, Westendorf 1999 das Abgegangene. Folgt man Bardinet, muss man st zu sw emendieren.

Eb 205

[Eb 205a] Wenn du einen an seinem Verdauungstrakt leidenden Mann untersuchst, (und) wenn du ihn (d.h. den Verdauungstrakt) vorfindest, nachdem er den Durchfluss zugesetzt (wörtl.: den Kanal überquert) hat, und das, indem er an seinen beiden Seiten leidet, indem sein Bauch gegenüber Nahrung eingeschnürt (wörtl.: eng) [41,15] und indem sein jb-Herz schwer ist vom Dagegen-Antreten, (sagst du dazu:)1
„Das ist eine bṯ.w-Krankheit2.“
Du sollst dagegen ankämpfen mit wirksamen Mitteln, nachdem er/es (?) von Flüssigkeit von der Gerste umschlossen ist.
Nachdem es unter deinen Fingern gekommen ist, [Eb 205b] bereitest du ihm folglich 4 Morgen(mittel?)3 im ḏsf-Gefäß4, die in ihn (d.h. in den Patienten?) eindringen5 und seine Gestalten6 ḏdb-machen:
Erdmandeln: ein halbes (Dja), šzp.t-Teil vom Gummiharz: 1/8 (Dja), Ocker: 1/16 (Dja).
Werde mit Öl/Fett und Honig gekocht. Werde vom Mann über 4 Tage hinweg gegessen.
[Eb 205c] Nachdem7 (es) sich ausgebreitet hat unter deinen Fingern wie Sandkörner (und?) jedes/irgendeines seiner Körperteile [41,20] unter der „Bitternis“ brennt, (sollst du ihm bereiten:) Brot im Fäulniszustand: ∅, etwas vom Reinigungsopfer(?): ∅ und Brot in Vogel(form) (?)8: ∅.
Tritt dagegen an! Meide es nicht!

1 m ꜥq r=f: Westendorf 1999, 585 geht davon aus, dass davor die Phrase „dann sollst du dazu sagen“ sowie die eigentliche Diagnose ausgefallen sind; ähnlich ist wohl seine Notiz „verkürzt“ in W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 286.1 zu verstehen. Bardinets Übersetzung (Bardinet 1995) gibt vollständige Sätze wieder, bietet aber keine Apodosis zur Protasis. Syntaktisch ist jedenfalls ein Imperativ als Apodosis möglich, vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 286.3. Eine solche Lösung wird hier vorgeschlagen.
Eine weitere Option wäre die, dass gar kein Vetitiv vorliegt, sondern eine adverbiale Erweiterung: „(und) sein jb-Herz belastet ist vom Dagegen-Antreten.“ Bei einer solchen Interpretation würde eine Apodosis an anderer Stelle benötigt, die man dann im folgenden Satz oder in einem elliptischen „(dann sollst du dazu sagen:)“ finden könnte. Kontextuell betrachtet ließe sich bei einer solchen Interpretation der Stelle der übernächste Satz („Dann sollst Du dagegen ankämpfen ...“) jedenfalls sinnvoller anschließen als bei Westendorfs Lösung, der sich gezwungen sah, davor eine weitere Ellipse „(Wenn aber ...)“ zu postulieren.

2 Bardinet 1995 denkt an eine Vergiftung. Westendorf 1999, 584 denkt eher an ein Partizip des Verbs bṯ: „(einen Kranken) aufgeben“, das in dem positiven Gegenstück zum hiesigen Text, Eb 200, auftritt: ꜥq r=f m bṯ sw: „Tritt dagegen an, meide es nicht!“ Demzufolge übersetzt er in Eb 205 mit: „es ist (ein hoffnungsloser Fall), dem man aus dem Weg gehen soll.“ Das hat aber zur Folge, dass er den folgenden Satz, in dem dann eben doch eine Behandlung angesprochen wird, nicht direkt anschließen kann und eine weitere Textergänzung vornehmen muss: „Wenn du aber...“.

3 dwꜣ.wt: Sofern das direkte Objekt von jri̯ nicht ausgefallen ist, muss es in dwꜣ.wt zu suchen sein. Daher Westendorfs Übersetzung (Westendorf 1999), der hierin keine Temporalangabe, sondern ein „Morgen(-Mittel)“ sieht. Andererseits ist in den Herstellungsanweisungen sonst eher die Herstellung eines Mittels genannt, und die Anweisung, es auf mehrere Tage zu verteilen, de facto also mehrere daraus zu machen, wird explizit als Temporalangabe angeschlossen: „werde eingenommen über x Tage/Morgen hinweg“.

4 ḏsf.w: Zum Klassifikator vgl. die Diskussion zum dbḥ-Gefäß in Eb 195b.

5 ꜥq r=f: Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 vermuten hierin eine Angabe, dass das Mittel in den Patienten eindringt.

6 jr.w=f: Mit „seinen Gestalten“ ist vielleicht der Zustand (Bardinet 1995) oder sind die „Lebensgeister“ (Westendorf 1999) gemeint, die ḏdb: angestachelt oder gestärkt werden. Aufgrund der nicht völlig sicheren Konnotation ist unklar, ob die Pluralstriche Teil der Klassifizierung sind, oder ob ein echter Plural vorliegt.

7 jr m-ḫt scheint eher die Konnotation „nachdem“ als „wenn“ zu haben.

8 ꜥb und t’ m ꜣpd.w: Unklare Drogen. Die Bedeutung von ꜥb ist von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 137 nur geraten, weil es neben t’ m ꜥwꜣ steht.

Eb 206

[Eb 206a] Wenn du einen Mann mit einer Verstopfung seines Verdauungstraktes untersuchst, und das, indem sein jb-Herz aufgeregt ist, [42,1] (weil?) ihm der Zugang schwierig ist, nachdem er irgendwelche Nahrung gegessen hat,1 und indem das Vorbeigehen an seinem Verdauungstrakt eng ist und indem er an seinen Beinen und an den dbb.w-Körperteilen2 leidet, (aber) nicht (an) seinen Oberschenkeln – wenn du ihn (also) untersuchst, (und) findest du seinen Verdauungstrakt verstopft vor wie (den) eine(r) Frau, nachdem ein Ungeborenes (?)3 sie getreten (wörtl.: geschlagen) hat,4 und das, indem sein Gesicht/seine Körperoberfläche verschrumpelt ist, sagst du folglich dazu:
„Das ist eine Verstopfung mit (?) Sekret.“
[42,5] Tritt gegen sie an! Meide es nicht!
[Eb 206b] (Und) du bereitest ihm folglich Mittel, die (selbst) dem Gehilfen (?)5 des Arztes geheim sind – abgesehen von deinem eigenen „Söhnlein“ (oder: abgesehen von deinem eigenen Sohn/Schüler)6:
Frische Gerste, ohne dass sie gedörrt ist: ∅. Werde mit Wasser gekocht, ohne zuzulassen, dass es siedet. Um es mit Schnitzeln (?) von Datteln zu vermengen, kommt es vom Feuer. Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken, so dass er sofort gesund wird.

1 „(weil?) ihm der Zugang schwierig ist, nachdem er irgendwelche Nahrung gegessen hat“: Es ist nicht klar, ob dies parallel zu den anderen Symptomen gestellt werden soll, oder ob syntaktisch eine weitere Unterordnung erfolgt.

2 dbb.w: Ein unbekannter Körperteil (?). L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 51b verweist auf ein mögliches koptisches Derivat ⲑⲉⲃⲓ und gibt als Bedeutung „cavea, sacculus“. Dieses koptische Wort ist vermutlich ⲑⲃⲁⲓ: „Cella, Spelunca“ ~ ⲑⲉⲃⲓ: „Fovea, Caverna“ (A. Peyron, Lexicon Copticum. Accedunt auctaria ex Ephemeridi Aegyptiaca Berolinensi exerpta (Berlin 1896), 50a). Für letzteres Wort verweist Peyron auf A. Kircher, Lingua aegyptiaca restituta. Opus tripartitum. Quo linguæ coptæ sive idiomatis illius primæui Ægyptiorum pharaonici, vetustate temporum pæne collapsi, ex abstrusis Arabum monumentis, plena instauratio continetur. Cui adnectitur supplementum earum rerum, quæ in Prodromo copto, & opere hoc tripartito, vel omissa, vel obscurius tradita sunt, noua, & peregrina eruditione contextum, ad instauratæ linguæ usum, speciminis loco declarandum (Romæ 1643), 135. Dieser gibt für ⲡⲓⲑⲉⲃⲓ (d.h. ⲑⲉⲃⲓ mit maskulinem Artikel) zwar die lateinische Entsprechnung „cippus“, aber als arabisches Äquivalent nennt er ﺍﻠﻨﻘﺮ (übernommen von Peyron), was sich von der arabischen Wurzel „aushöhlen, schnitzen, schlagen“ ableitet (Hinweis J. Hensel). D.h. Kircher, der das Wort in einer Liste chirurgischer Instrumente aufführt, dachte an das, womit man etwas aushöhlen kann, Peyron an das, was ausgehöhlt ist.
Joachim 1890, 49 denkt an die Fußsohlen, aber sicher nur, weil es auf wꜥr.t folgt, was er als Bezeichnung für Füße versteht. É. Chassinat, Le manuscrit magique copte No 42573 du Musée Égyptien du Caire, Bibliothèque d’études coptes 4. Publications de l’Institut Français d’Archéologie Orientale (Le Caire 1955), 78 folgert ferner, dass sich Joachim vielleicht auch von der ṯb.t, der „Fußsohle“ (Wb 5, 361.9–363.3) hat leiten lassen, da er S. 182 dieses Wort in Eb 854h (geschrieben tb.t) eben mit „Fusssohle“ übersetzt. Diese Gleichsetzung lehnt Chassinat aber zurecht aus sprachlichen Gründen ab. Joachims Vorschlag folgt, wie üblich, Bryan 1930, 137.
B. Ebbell, Ägyptische anatomische Namen in: Acta Orientalia 15, 1937, 291–310, 291–310, hier: 305 erwägt hierin eine Bezeichnung der Hüftgegend einschließlich des Beckenbeins, weil gesagt wird, dass der Schmerz in den wꜥr.t feststellbar ist, was er als Unterschenkel interpretiert, und in den dbb.w, aber nicht in den Oberschenkeln. Daraus schließt er, dass die Oberschenkel zwischen wꜥr.t und dbb.w liegen müsste, weil nur dann die Hervorhebung, dass die Oberschenkel schmerzfrei seien, sinnvoll wäre. Er überlegt, ob die koptischen Wörter ϫⲫⲱⲧ und ϯⲡⲉ damit verwandt sein könnten. In Ebbell 1937, 54 übersetzt er seinem Vorschlag entsprechend mit „hips (?)“. Abgelehnt wird sein Vorschlag von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 975, wonach nicht einmal sicher sei, dass überhaupt ein Substantiv vorläge; danach könne vielleicht auch das Pseudopartizip einer Nebenform von ḏbꜣ: „verstopfen“ (vgl. Wb 5, 4436.3–4) vorliegen. Da gleich in der nächsten Zeile ḏbꜣ in seiner normalen Form auftaucht, distanziert sich H. von Deines – W. Westendorf gleich wieder von diesem Vorschlag und bleibt bezüglich einer Übersetzung von dbb.w offen (auch von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, bieten keine Übersetzung). Die von Ebbell genannten koptischen Wörter seien nach H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962) jedenfalls mit dbb.w nicht zu verbinden, ϫⲫⲱⲧ sei vielleicht mit ḫpd: „Hinterbacken“ zu verbinden und ϯⲡⲉ ist dp.t: „Lende“. Auf ihn gehen vielleicht auch G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 128 und Bardinet 1995, 282 zurück, die mit „hanches“ übersetzen.
Chassinat, a.a.O., 77–79 erwägt schließlich in dbb.w den „prototype“ des einmal koptisch belegten ⲧⲃⲃⲟⲟⲩ. Dieses koptische Wort ist seiner Übersetzung der fraglichen Stelle zufolge ein Körperteil, aus dem man neben dem Mittelfinger Blut ziehen kann. Eine Übersetzung von ⲧⲃⲃⲟⲟⲩ hält er aber aber für ebensowenig möglich wie eine solche von dbb.w. Auf ihn bezieht sich explizit W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 222 („ein Körperteil“) und Westendorf 1999, 585 („Hüften (?)“) mit Anm. 54. Missverständlich ist Westendorfs Anmerkung 54. Darin verweist er auf Chassinats ⲧⲃⲃⲟⲟⲩ und zitiert ihn mit: „partie du corps ... proche ou depande des membres inferieurs“. Allerdings stammt dieses Zitat aus Chassinats Kommentar zum dbb.w des pEbers und nicht zu ⲧⲃⲃⲟⲟⲩ. Auch die „Hüften (?)“ gehen nicht auf Chassinat zurück, sondern wohl ebenfalls auf Ebbell. Letztendlich ist auch Chassinats Vergleich zu streichen, der ohnehin wenig zur Identifizierung von dbb.w beigetragen hat. Denn ⲧⲃⲃⲟⲟⲩ ist wohl nur ein Ghostword, und T. S. Richter, Der Dieb, der Koch, seine Frau und ihr Liebhaber. Collectanea magica für Hans-W. Fischer-Elfert, in: Enchoria 29, 2005, 6778, hier: 76–77 vermutet darin das Verb „reinigen“.

3 Das Wort wn.w ist vor griechisch-römischen Texten nur in Eb 206 belegt; die im Wb 1, 315.10 („vom Kind im Mutterleib“) und bei H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 185 („Embryo“) gegebene Bedeutung beruht einzig auf dieser Stelle. In einigen griechisch-römischen Texten tritt es als Bezeichnung für den jungen König auf, vergleichbar mit ḥwnw, für das es vielleicht stehen könnte (vgl. die Vermutung bei P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 232); in letzterem Falle stünde das Wort allerdings für das schon geborene, wenn auch noch junge Kind. Ähnlich dürfte das Nomen allein oder als Bestandteil von Götterbezeichnungen aufzufassen sein, vgl. C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band II. b, Orientalia Lovaniensia Analecta 111 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 389c–390a; für die Götterbezeichnung wn.w werden bereits zwei Belege des Neuen Reiches notiert. Laut R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 210, Nr. {7565} bezeichnet wn.w „*Embryo; Kind (a[uch] Kalb)“, mit Letzterem dürfte er sich auf die einmal im Neuen Reich bezeugte Bezeichnung des Osiris als wnn.yw m s.t Gb: „Kalb auf dem Thron des Geb“, Wb 1, 315.8, beziehen. Im Koptischen gibt es schließlich noch ein Wort ⲟⲩⲟⲛ: „Kind“, s. W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 552.

4 mj s.t ḥwi̯.y.n st wn.w: Der Nebensatz wird auf verschiedene Weise interpretiert und übersetzt: Ebbell 1937, 54: „like (in) a woman who has thrown (her) fetus“; G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 128: „comme (il arrive chez) une femme qui a rejete l’enfant qu’elle portait dans son sein“; von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 94: „wie bei einer Frau, die ein Embryo geschlagen hat“; Bardinet 1995, 282: „comme (celui d’) une femme dont l’enfant qu’elle portait en son sein a été brisé“; Westendorf 1999, 585: „wie (bei) einer Frau, die ein Embryo geschlagen hat“ (ebenso S. Radestock, Prinzipien der ägyptischen Medizin. Medizinische Lehrtexte der Papyri Ebers und Smith. Eine wissenschaftstheoretische Annäherung, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 4 (Würzburg 2015), 158); Lalanne – Métra 2010, 89: „comme (celle) d’une femme dont l’enfant a été brisé en elle“.
Westendorf 1999, 585, Anm. 55 vergleicht mit Kah 9, wo mj.tt ḥwj.t steht: „wie eine, die geschlagen worden ist“. Daraus ergibt sich, dass die Frau Objekt und das in Eb 206 genannte Kind Subjekt ist; die Interpretationen von Ebbell und Lefebvre sind damit hinfällig. Auch die Übersetzungen von Bardinet und Lalanne/Métra werden anzweifelbar.
Alle Übersetzer geben den Satz relativisch oder partizipial wieder. Zumindest bei von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, Westendorf 1999 und Radestock ist das definitiv nur ein virtueller Relativsatz, denn W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 238.2 fasst ḥwi̯.y.n als sḏm.n=f auf. Bardinet scheint dagegen zu emendieren und von einem Relativsatz oder einem passiven Partizip auszugehen, wofür man aber das st streichen müsste; stattdessen müsste an wn.w ein Suffixpronomen angehängt werden, das in einem Relativsatz das notwendige resumptives Element stellt. Die Lösung von Lalanne/Métra, n=s mit „en elle“ wiederzugeben, ist nicht möglich: „en elle“ wäre jm=s, nicht n=s, und Ersteres müsste dem Subjekt nachgestellt sein. Somit scheint die verbale Lösung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I die beste zu sein. Problematisch ist nur die Form ḥwi̯.y.n, die eine Ausnahme unter den sḏm.n=f-Formen ist. Daher sollte als Alternative noch überlegt werden, ob ḥwi̯.y ein propektivisches sḏm=f sein könnte. Dies wäre morphologisch möglich (vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), §§ 193–199) und offenbar kann ein propektivisches sḏm=f auch als virtueller Umstandssatz zur Beschreibung von Krankheitssymptomen u.a. dienen (ebd., § 212.2). Allerdings wäre n=st dann eine präpositionale Verbindung, und ḥwi̯ n bedeutet „schlagen für/zugunsten jmd.“, nicht etwa „schlagen in Richtung von“.

5 ẖr swn.w: „der Untergebene des Arztes“: So der Vorschlag von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 691, dem Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 folgen.

6 Das Hieratische sieht so aus, als stünde zꜣ.t=k ḏs=k, d.h. „deine eigene Tochter“. Diese Nennung konkret der Tochter und nicht des Sohnes (i.S. eines Schülers) verwundert und hat bisher keine Erklärung gefunden (angemerkt noch jüngst von T. Pommerening, „Wer weiß was?“. Heilkundliches Wissen und Wissenstransfer zur Zeit der Pharaonen, in: N. Reggiani - F. Bertonazzi (Hrsg.), Parlare la medicina. Fra lingue e culture, nello spazio e nel tempo. Atti del convegno internazionale, Università di Parma, 5-7 settembre 2016, STUSMA: Studi sul mondo antico 7 (Firenze/Milano 2018), 147–180, hier: 156, Anm. 40). Ebbell 1937, 54 und G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 128 problematisieren die Stelle gar nicht, sondern übersetzen kommentarlos mit „daughter“ bzw. „fille“. Ebenso unkommentiert auch noch die jüngste Gesamtübersetzung des Papyrus von B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 89: „ta propre fille“. Bardinet 1995, 282 schreibt zumindest „fille (sic)“. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 94 übersetzen zwar ebenfalls mit „Tochter“, vermuten aber in der zugehörigen Anmerkung 6 (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 91), dass hier zꜣ.tj: „männlicher Erbe“ gemeint sein könnte (so ebenfalls H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 704, Anm. 2). Diese Vermutung hat dann Westendorf 1999, 100 und 585 mit der Übersetzung „Erbe/Nachfolger“ übernommen. Dieser Vorschlag dürfte wohl auf dem königlichen Epitheton zꜣ.tj Gb: „zꜣ.tj des Geb“ (Wb 3, 412.13) basieren. Für dieses gibt es allerdings nur einen einzigen Beleg, nämlich K. Sethe, Urkunden der 18. Dynastie [IV,1-314], Urkunden des Ägyptischen Altertums IV/1-4 (Leipzig 1907), 14.14. Wb gibt daneben noch drei weitere Belege für ein zꜣ.t (ohne Bezug auf Geb) an, das sich auf männliche Personen bezieht. Neben diesem Lemma von Wb 3, 412.13 kennt Wb auch noch die Bezeichnung zꜣ.tj für Schu und Tefnut (Wb 3, 412.9, vgl. auch R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 434–435), das dort als Dual von zꜣ.t: „Tochter“ interpretiert wurde. W. Schenkel, zꜣ.t „Kindchen“, ṯꜣ.t „Jüngchen“, in: Göttinger Miszellen 84, 1985, 65–70, hier: 65 weist jedoch darauf hin, dass diese Verbindung eigentlich nicht zutreffen kann, weil bei einer Gruppenbezeichnung, die männliche und weibliche Personen einschließt, im Ägyptischen entweder singularische Kollektiva (z.B. msw.t: „Nachkommenschaft“) oder maskuline Konkreta (z.B. ms.w: „Kinder“) verwendet würden. Bei Schu und Tefnut wäre daher ein maskuliner Dual zꜣ.wj und kein femininer Dual zꜣ.tj zu erwarten. Als Lösung schlägt Schenkel vor, dass dieser Dual zꜣ.tj auf einem Singular zꜣ.t basiert, dessen t-Endung kein biologisches Femininum anzeigt, sondern ein Diminutiv-Suffix im Sinne von P. Behrens, Das afroasiatische Diminutivmorphem t im Ägyptischen, in: Göttinger Miszellen 57, 1982, 17–24 ist: *„Kindchen“ (d.h. eigentlich „Söhnchen“). Die unter Wb 3, 412.13 abgelegten Belege von zꜣ.t ohne Bezug auf Geb könnten dann Belege für die von Schenkel nur rekonstruierte Grundform sein, so dass für das zꜣ.tj Gb des Wb letztlich nur der eine Beleg aus der Karnakstele des Ahmose übrigbleibt. Unter dieser Voraussetzung könnte Eb 206b = pEbers 42,5 ein weiterer Beleg für dieses Wort zꜣ.t: „Kindchen“ sein. Es wäre zwar noch immer unerwartet, dass nicht einfaches zꜣ: „Sohn“ steht, das als Metapher für „Schüler“ gut belegt ist, aber es würde die Stelle erklären, ohne sie emendieren zu müssen.
Eine andere, noch einfachere Lösung wäre, den Haken unter der Spießente gar nicht als t, sondern als hieratischen sitzenden Mann und damit als Klassifikator eines maskulinen zꜣ: „Sohn, i.S.v. Schüler“ zu lesen. Unter dieser Prämisse wäre die Schreibung überhaupt nicht mehr auffällig. Eine solche Ligatur für Spießente + sitzender Mann ist aus dem pLouvre E 3226 aus der Zeit Thutmosis’ III. belegt, s. G. Möller, Hieratische Paläographie. Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit. Bd. 2. Von der Zeit Thutmosis’ III bis zum Ende der einundzwanzigsten Dynastie (Osnabrück 1965 (= 1927)), Nr. 216B, Anm. 2 = M. Megally, Considérations sur les variations et la transformation des formes des signes hiératiques dans le papyrus E.3226 du Louvre, Études sur le Papyrus E.3226 du Louvre 3 (Paris 1969), Taf. VI. Ein zusätzliches Argument für eine Lesung der vorliegenden Stelle als Spießente + sitzender Mann ist die Schreibung von zꜣ-ḥmm: „Kautergehilfe“ (?) mit demselben Hieratogramm im medizinischen pLouvre E 32847, Verso 6,6, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 186 und das Foto dieser Kolumne auf dem vorderen Buchdeckel. Diese Personenbezeichnung ist im pEbers (Eb 863, 864, 865, 872 und 876) immer mit logographischer Spießente geschrieben, ist also dort definitiv immer ein maskuliner zꜣ-ḥmm. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass im Louvre-Papyrus stattdessen eine zꜣ.t-ḥmm: „Kautergehilfin“ gemeint sein sollte, zumal das Kompositum als Ganzes, wie im pEbers, mit einem sitzenden Mann klassifiziert ist. Das fragliche Hieratogramm wird also im pLouvre E 32847 als Ligatur aus Spießente und sitzender Mann zu verstehen sein und weder als Spießente allein (so die hieroglyphische Umsetzung von Bardinet) noch als Spießente und t. Analog dazu wird das graphisch identische Hieratogramm von Eb 206 wohl ebenfalls eher eine Ligatur aus Spießente und sitzendem Mann sein statt, wie bislang angenommen, eine Ligatur aus Spießente und t. Dass das Wort zꜣ: „Sohn“ in Eb 763 dagegen logographisch, d.h. mit der Spießente allein, aber ohne sitzenden Mann, geschrieben ist, ist jedenfalls kein Argument gegen diese Interpretation. Denn beide Passagen, Eb 206 und Eb 763, stammen aus verschiedenen Textgruppen und könnten daher auf unterschiedlichen Vorlagen mit unterschiedlichen orthographischen Konventionen basieren. In Eb 2, 499 und 500, wo zꜣ konkret einen göttlichen Sohn meint, nämlich Horus als Sohn der Isis, ist zꜣ mit dem Falken auf Standarte klassifiziert.

Eb 207

[Eb 207a] Wenn du einen Mann mit einer Verstopfung ((untersuchst)), und das, indem sein jb-Herz aufgeregt ist, sein Gesicht bleich (?) ist und sein jb-Herz (heftig (?)) [42,10] klopft – wenn du ihn (also) untersuchst, (und) findest du sein jb-Herz heiß und seinen Bauch aufgetrieben (?) vor, (dann) ist das eine tiefsitzende Ansammlung, nachdem er Verbranntes gegessen hat. [Eb 207b] Du bereitest ihm folglich ein Mittel zum Ausspülen1 des Verbrannten (und) zum Öffnen seines Darmes in Form eines Tranks:
Süßes Bier: ∅.
Werde nachts mit Angeritzten Sykomorenfrüchten, getrocknet, stehen gelassen. Werde über 4 Tage hinweg gegessen und getrunken.2
[Eb 207c] Du sollst täglich früh auf sein wegen des „Seinigen“ (?)3 und um zu betrachten, [42,15] was aus seinem Hintern abgegangen ist.
Wenn ihm nꜥꜣḏ.t-Exkremente (?) abgehen wie schwarze ꜥr.wt-Substanz (?), sagst du folglich dazu:
„Dieses Verbrannte ist abgegangen.“
Sein Verdauungstrakt4 ist ruiniert (?)5. Sein Bauch ist gestört (oder: elend) (?)6.
[Eb 207d] Wenn du ihn untersuchst, nachdem dies getan wurde, und das, indem etwas von seinem Hintern abgegangen ist wie šš.t-Teile von Langbohnen, und indem Tau7 darauf ist, ausstrahlend wie Ausfluss [42,20] der tpꜣ.wt-Pflanzenteile (?), sagst du folglich über dieses, das in seinem Verdauungstrakt ist:
„(Es) [43,1] ist abgegangen“.
[Eb 207e] (Und) du bereitest ihm folglich kühlende Mittel und gibst den Topf (mit dem Mittel???) aufs Feuer (???).
Werde veranlasst, dass er (d.h. der Patient?) das auspresst (?), was insgesamt gekocht wurde.8

1 jꜥi̯ heißt wörtlich „waschen“. Im Folgenden ist vom „Öffnen des Darmes“ die Rede; daher wird man hier vielleicht an ein „ausspülen“ denken können.

2 Anmerkenswert ist, dass hier für das Bier und die Sykomorenfrüchte jeweils eigene Verben zur Einnahme genannt werden. Üblicherweise wird, je nach Konsistenz des Heilmittels, nur „essen“ oder „trinken“ genannt.

3 ntf: Die Bedeutung ist unsicher. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 489 vermuten darin das unabhängige Personalpronomen der 3. Pers. Sg. Mit Verweis auf A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 114 Obs. (Gardiners Beleg ist pRhind, Nr. 49) wird darin eine Umschreibung für „Inhalt“ erwogen. Ob das nicht aber vielleicht auf ein substantiviertes (n.j)-ntf: „Was ihm gehört“ zurückgeht? Alternativ erwägen H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) ein Verb. Bardinet 1995 übergeht die Phrase, Westendorf 1999 übernimmt die Idee von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) und denkt an den „(Magen-)Inhalt“. Ob es vielleicht eher ein Euphemismus für die Ausscheidung des Patienten (als Vorgang oder Produkt) ist? Fraglich bleibt ferner, ob rꜥ-nb: „täglich“ zum Hauptsatz gehört oder an ntf anzuschließen ist.

4 r’-jb=f: Auf DZA 24.681.990 wird vorgeschlagen, das dastehende r jb zu r⟨ʾ-⟩jb zu emendieren und zu übersetzen: „Sein Magen ist ...“ (für das Verb wurde kein Vorschlag angegeben). In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 92, Anm. 8 wurde dagegen vorgeschlagen, zu r ⟨rʾ-⟩jb zu emendieren: „dieses scharf gebratene Fleisch (...) ist abgegangen zu seinem Magen.“ Dem folgen Westendorf 1999, und C. Leitz, Die medizinischen Texte aus dem Alten Ägypten, in: A. Karenberg – C. Leitz (Hrsg.) Heilkunde und Hochkultur I. Geburt, Seuche und Traumdeutung in den antiken Zivilisationen des Mittelmeerraumes, Naturwissenschaft, Philosophie, Geschichte 14 (Münster/Hamburg/London 2000), 17–34, hier: 29–30. Bardinet 1995 übersetzt dagegen „l’entrée de son intérieur-ib est en mauvais état“, als hätte er sogar zu r⟨ʾ⟩ ⟨rʾ-⟩jb ergänzt. Von der Art der Emendation hängt ab, ob man die Worte an das Ende des vorigen Satzes hängt, oder ob damit einen neuen Satz beginnt.

5 jz.y: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 105 nennt nur diesen Beleg und übersetzt mit „sich in üblem Zustand befinden“. Vermutlich hängt das Wort mit dem Wortfeld jz: „alt [im positiven wie negativen Sinne]; verfallen [von Gebäuden]“ zusammen. Zur Schreibung mit dem „schlechten Vogel“ vgl. pMoskau 127 (Wermai), Z. 3,8. Wieder hängt von der Emendation von r jb=f ab, wie man dieses Verb anschließt: Als Stativ an ein rʾ-jb=f (DZA 24.681.990; Bardinet 1995) oder als Verb in Suffixkonjugation (oder prädikatives Partizip im Adjektivalsatz?) an das folgende ẖ.t=f (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I; Westendorf 1999).

6 ẖn.t: Auf DZA 24.681.990 wird ein Schreibfehler für ẖzi̯.t: „elend“ vermutet. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 687 interpretieren es als ungewöhnliche Graphie für ẖnn: „stören, gestört sein, sich zersetzen“, das sonst mit den rudernden Armen geschrieben ist. Dafür verweist es auf eine ähnlich abweichende Graphie des Verbs ẖnn: „entzündet sein“ vom Sinai. In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 und in W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), wo ẖ.t=f als Subjekt zu jsi̯ gezogen ist (s. den vorigen Kommentar), wird ẖn.t partizipial als Attribut angeschlossen: „übel ergeht es seinem Bauch, der gestört ist“. Bardinet 1995 hat ähnliche Satzgrenzen wie auf DZA 24.681.990 und übersetzt: „son intérieur du corpse est bouleversé“. Letztlich implizieren beide Vorschläge Ausnahmeschreibungen, denn in beiden Fällen müsste man das determinierende Fleischstück erklären.

7 jꜣd.t: Vielleicht liegt nur eine Verwechslung mit jd.t: „(Wohl-)Geruch, Duft“ vor. Beide Wörter sind ab dem Mittleren Reich oft miteinander verwechselt worden, vgl. Wb 1, 36 und 152.

8 Eine unverständliche Phrase, die möglicherweise korrupt ist (schon DZA 24.508.440, Westendorf 1999, 586, Anm. 58). Joachim 1890, 50: „Mach Du ihm Mittel, die das Gesicht kühlen; den Kessel über Feuer stellen, eine Mischung ihm machen und auf dieselbe Weise kochen.“ (vermerkt aber ebd., Ab. 4, das dieser Abschnitt schwierig zu übersetzen sei); DZA 24.508.440: „Bereite du ihm Mittel zum Abkühlen .... auf dem Feuer, lasse es .....“; Ebbell 1937, 54: „Thou shalt prepare for him remedies to cool the face at the side of a vessel (with water) over the fire; let him attend (?) the boiling all through“; von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 95: „Dann sollst du ihm machen Kühlmittel .... auf Feuer; werde veranlaßt, daß er auspresse (mḏd) das Gekochte ganz und gar.“ (mit der Erwägung in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 92, Anm. 11, psi̯.t ḥr-qd alternativ als „ganz und gar Gekochtes“ zu verstehen und als andere Bezeichnung für das ḏꜣf-Fleisch zu interpretieren); Bardinet 1995, 282: „Alors tu lui prépareras un traitement froid pour .?. sur le feu. Le presser et le cuire à point.“; Westendorf 1999, 586: „Dann sollst du ihm ein Kühlmittel machen <ḥr rꜣ-ꜥ nw ??> auf das Feuer (?); werde veranlaßt, daß er das Gekochte ganz und gar auspreßt.“; S. Radestock, Prinzipien der ägyptischen Medizin. Medizinische Lehrtexte der Papyri Ebers und Smith. Eine wissenschaftstheoretische Annäherung, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 4 (Würzburg 2015), 161: „Dann sollst du für ihn Mittel machen zum Kühlen ḥr rꜣ-ꜥ nw (?) auf das Feuer. Werde veranlasst, dass er auspresst das Gekochte ganz und gar.“
- ḥr wird von Joachim und Ebbell als Nomen „Gesicht“ verstanden (so vermutlich auch die Auffassung von Stern, in: Ebers 1875, 40, s.v. zp, wo die vorliegende Stelle als letztes Bsp. erscheint und das Zitat mit ḥr endet). H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 624, Bardinet, Westendorf 1999 und Radestock denken dagegen eher an die Präposition, wobei Westendorf 1999, 586, Anm. 58 noch erwägt, dass sie zusammen mit dem Folgenden eine Verschreibung für das ḥrw-ꜥ, das „Sofort-Mittel“, sein könnte.
- rḏi̯: Stern, in: Ebers 1875, 42, s.v. sét, gefolgt von Joachim, liest rḏi̯. Diese Lesung wird später nicht wieder aufgenommen, sicher weil sie die explizite Tilgung des senkrechten Striches erfordert. Einzig H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 624, Anm. 2 erwägen noch eine Lesung als „ḥr rḏj (oder rḏj.t) ꜥ tp sḏ.t ‚indem ein Topf aufs Feuer gesetzt wird‘“. Hierfür muss die Stelle bereits emendiert worden sein, denn in der gegebenen Transkription ist der Arm zweifach belegt: als Äquivalent für Gardiner Sign-list D37 im Verb rḏi̯ und als Phonogramm für das Wort ꜥ(j): „Napf“ (vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 116 und 2, 829). Ebbell versteht die Schreibung dagegen offenbar als Präpositionalphrase r ꜥ: „at the side of“. Westendorf, dem Radestock folgt, interpretiert die Schreibung als rʾ-ꜥ, ohne aber eine Übersetzung vorzuschlagen.
- nw: Als Gefäßbezeichnung erachtet von Stern (ḥn.w gelesen), Joachim, Ebbell und im Alternativvorschlag von H. von Deines – W. Westendorf ( gelesen, vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 116 und 2, 829). Westendorf und Radestock geben nw ohne Übersetzung.
- dp sḏ.t wird von allen als Präpositionalphrase interpretiert.
Hier wird versucht, der Phrase mit so wenig Eingriffen wie möglich einen Sinn abzugewinnen. Dies zieht im Grunde nach sich, dass dem Alternativvorschlag von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962)gefolgt wird, unter einer leichten Modifikation in der Gefäßbezeichnung (Lesung nw statt ꜥ(j)). Dies erfordert letztendlich lediglich die Tilgung des Striches vor dem nw-Topf. Ob hier in verkürzter Weise von der Herstellung des Kühlmittels die Rede ist, die natürlich einen Erhitzungsprozess beinhalten kann?

Eb 208, vgl. Eb 213

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen einer Verstopfung im Verdauungstrakt:
Brot von Christdornfrüchten: 1 (Dosis), Flaschenkürbis: 1 (Dosis), Ausscheidung (?)1 einer Katze: 1 (Dosis), süßes Bier: 1 (Dosis), Wein: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

1 ry.t: In dem nahezu identischen Rezept Eb 213 steht stattdessen ḥs, weswegen H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 323 die Bedeutung „Ausscheidung“ für ry.t angeben. Zu „Katze“ statt „Kater“ s. Eb 213.

Eb 209

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln einer Verstopfung in der rechten Seite, nachdem eine nsy.t-Dämonin sie (d.h. die Seite) befallen hat:
[43,5] šnf.t-Früchte: 1/16 (Oipe = 4 Dja), weiße sẖ.t-Gerste:11/8 (Dja), grüne sẖ.t-Gerste:11/8 (Dja), „Schwänze“ der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Sellerie des Berglandes: 1/8 (Dja), unterägyptischer Sellerie: 1/8 (Dja), ḫꜣ.w-Blätter2 des Lotos: 1/8 (Dja), Myrrhe: 1/16 (Dja), „Stechholz“: 1/8 (Dja), Malachit vom wjꜣ-Schiff: 1/8 (Dja), sfṯ-Öl: 1/16 (Dja), twn-Pflanzen: 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Fett der Spießente3: 1/8 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 sẖ.t: Die Farbattribute scheinen keinen Reifezustand zu bezeichnen (etwa „grün“ für „unreif“ und „weiß“ für „reif“). Denn in Opferlisten werden ebenfalls beide Sorten von sẖ.t-Gerste nebeneinander genannt, und es ist wenig wahrscheinlich, dass dort unreife Gerste erscheint. Im Gegenteil könnte wꜣḏ, wie so häufig, aufgrund der Assoziation „grün“ = „frisch/neu“ eben frische sẖ.t-Gerste meinen; wofür allerdings „weiße“ sẖ.t-Gerste stehen sollte, ist unsicher. Vielleicht sind es auch schlicht zwei von den Ägyptern taxonomisch verschiedene Unterarten von sẖ.t-Gerste.

2 ḫꜣ.w: Das Schriftzeichen, Gardiner Sign-list M12, zeigt eine stilisierte Lotospflanze mit Blatt, Stiel, Rhizom und angedeuteten Wurzeln, s. L. Keimer, La signification de l’hiéroglyphe rd M31, M32, etc., in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte 48, 89–108, hier: 92–93.
Die verwendeten Übersetzungen haben sich im Laufe der Zeit geändert: L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 59a vermerkte „enuntiatio incerta“, legte sich aber auf „flos“ fest. Daher wird ḫꜣ.w n.w sšn bei Joachim 1890, 50 auch durch „Lotusblume“ wiedergegeben, vgl. auch R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 183: „[ḫꜣ.w n.w sšn] ‚lotus-f[lowers]“. Dagegen wendet Wb (s. DZA 27.591.560) ein, dass bei einer solchen Wortbedeutung die Phrase ḫꜣ.w n.w sšn tautologisch wäre und wohl eher das „Blatt“ des Lotos gemeint sei. So dann der entsprechende Eintrag in Wb 3, 219.1–2: „Blätter (?)“ (wobei sich der alte Vorschlag „Blumen“ vielleicht noch in Wb 3, 221.1 erhalten hat: ḫꜣ.w: „Kräuter, Blumen“); nachfolgend Ebbell 1937, u.a. 55: „leaves“, H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 390: „Blätter“, G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 803; „feuilles?“. G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), u.a. 154: „feuilles“, Bardinet 1995, u.a. 283: „feuilles“.
D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 3. 1979 (Paris 1982), 79.2128 nimmt die Zeichenbeschreibung von Keimer als Wortbedeutung: „rhizome et feuille de lotus“, ebenso R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 27, auf die er verweist, die aber den Bedeutungsschwerpunkt auf den „unterirdischen Teil der Pflanze“ einschränkt und S. 27 beim Lotos an das „Rhizom“ und S. 127 bei der šsp.t-Melone an „Wurzel“ denkt. Dem folgt Westendorf 1999, 503.
Gardiner Sign-list M12 gibt für ḫꜣ.w n.w sšn unspezifisches „lotus plants“. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 702 vereint alle Bedeutungen und ist dadurch etwas inkonsequent: Als Hauptübersetzung für ḫꜣ.w gibt sie „leaves, blossoms“ und schreibt dann im Kommentar „ḫꜣw are the leaves or rhizomes of the lotus and as the sign M12 is a lotus plant, it may be that the word means ‚lotus‘ or ‚lotus leaf‘ in general“. In der Gauliste Edfou IV 34, 7–8 kommt das pḥ.w-Gewässer mit „seinen Lotosknospen“ (nḥb.w=f), deren ḫꜣ.w sich (noch?) nicht geöffnet haben (oder: „leuchten“, oder: „grün sind“): n wbg ḫꜣ.w=sn. Hier scheint ḫꜣ.w ein Bestandteil der nḥb.w-Knospen zu sein, also jedenfalls nicht die Wurzel. Ob es die Blütenblätter meint? Bei einer solchen Übersetzung könnte man fragen, wieso das Zeichen M12 alle Bestandteile einer Lotospflanze zeigt außer der Blüte, aber die Bedeutung könnte sich natürlich im Laufe der Zeit gewandelt haben. Auf jeden Fall scheint diese Stelle eher in Richtung „Blatt“ als „Wurzel“ zu deuten.

3 S. den Kommentar hier, v.a. am Ende.

Eb 210

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Verstopfung in der rechten Seite bei gleichzeitigem (Ab-)Löschen (?)1:
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), [43,10] qsn.tj-Mineral: 1/16 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/16 (Dja), jns.t-Pflanzen: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Milch: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), Weihrauch, gespalten (?)2: 1/8 (Dja), weißes Gummiharz: 1/32 (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/16 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Blätter der Dornakazie: 1/32 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Blätter des Christdorn: 1/32 (Dja), Blätter der Sykomore: 1/32 (Dja), Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 ḫft ꜥḫm: Welche Bedeutung die Präposition hier hat, ist umstritten. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 655 führen Eb 210 als einzigen Beleg für die Bedeutung „durch; dadurch, dass“ mit Infinitiv auf. Vgl. auch von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 101: „durch (Ab)löschen“. Bardinet 1995, wie Westendorf 1999, gehen dagegen von der gängigeren Bedeutung „at the time of, when“ aus (A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 169).

2 pḫꜣ: Eine unbekannte Verarbeitungsanweisung. Die Grundbedeutung des Verbs ist „spalten, durchschlagen; öffnen“. Darauf basiert Ebbell 1937, 55: „split (?) frankincense“. Das „Öffnen“ (pḫꜣ oder spḫꜣ) des Körpers ist ein medizinischer Terminus technicus für „abführen“ als Reinigung des Körpers. Es ist wohl dieser Gebrauch, der Germers (Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 117) und Westendorfs (Westendorf 1999, 587) Übersetzung mit „gereinigt“ zugrunde liegt. Bardinet 1995, 283 verzichtet auf eine Übersetzung: „partie-pekha de la résine de térébinthe“. Seine Übersetzung scheint zu suggerieren, dass er pḫꜣ als Bestandteil des snṯr-Weihrauchs interpretierte; sowohl Schreibung wie auch Wortstellung lassen aber eher an das Verb und damit an eine Zustandsbeschreibung denken.

Eb 211, vgl. Eb 597

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Verstopfung von Blutfraß1 am Verdauungstrakt:
tꜣ-Flüssigkeit von Maische: 1 (Dosis), gegorener Pflanzenbrei: [43,15] 1 (Dosis), Olivenöl: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

1 Zu diesen Phänomen vgl. den Kommentar hier.

Eb 212

Ein anderes Heilmittel für den Verdauungstrakt:
Erdmandeln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/64 (Oipe = 1 Dja), „Erdhaar“-Früchte: ein viertel (Dja), Feigen: ein wenig, Angeritzte Sykomorenfrüchte1 der Sykomore oder Johannisbrot aus der Oase: ∅.
Werde fein zermahlen,2 gegeben in süßes Bier vom täglichen Bedarf; werde nachts dem Tau ausgesetzt, ohne ihm Sonnenlicht zu zeigen,3 (weil) es (nämlich) zugedeckt wurde; 1/64 (Oipe = 1 Dja) Honig (und) 1/64 (Oipe = 1 Dja) Gänsefett werde dazu gegeben; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vom Mann oder von der Frau getrunken.

1 nqꜥ.wt n.t nh.t: Da der Terminus nqꜥ.wt allein spezifisch die reife Sykomorenfrucht meint, ist der Zusatz n.t nh.t in gewisser Hinsicht tautologisch.

2 nḏ snꜥꜥ rḏi̯.tj: Das Verb snꜥꜥ wird gewöhnlich als Pseudopartizip verstanden oder zumindest so übersetzt, vgl. explizit zu dieser Frage W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 175. Eine Alternativlösung wäre eine Erklärung als zweites unpersönliches Passiv parallel zu nḏ, so etwa Breasted 1930, 500 („ground, triturated“) und J. P. Allen, The Art of Medicine in Ancient Egypt (New York/New Haven/London 2005), 115 („ground, smoothed“). Bei einer Deutung als Pseudopartizip wäre der Bezug zu klären: Ist es unpersönlich aufzufassen? Bezieht es sich auf den unmittelbar zuvor genannten Vorgang nḏ: „werde zermahlen“? Oder bezieht es sich auf die zuvor genannten Drogen? Für letzteren Fall würden unter Umständen die bei Westendorf ebd. genannten, wenn auch wenigen, Einzelfälle sprechen, in denen snꜥꜥ mit zusätzlichen Pluralstrichen geschrieben ist. Ein solcher Bezug würde aber bei Rezepten mit femininen Einzeldrogen eine Form snꜥꜥ.tj erfordern, sofern man nicht von einer endungslosen Form ausgeht (s. zu dieser Frage Westendorf, ebd.). Für diese Frage ist die vorliegende Stelle von Bedeutung, da hier rḏi̯.tj folgt. Dieses kann sich eigentlich nicht auf die Gruppe von Einzeldrogen beziehen, da dann eine maskuline Form zu erwarten wäre, als ein rḏi̯(.w) (vgl. A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 511.1). Denkbar wären folgende Erklärungen: (1) Der Schreiber hat die Drogenliste allein, also noch vor der Verarbeitungsanweisung, schon als pẖr.t: „Heilmittel“ oder ꜣbḫ.t (vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 4, ob vielleicht ein „(Drogen)gemisch“?) verstanden, auf das sich ein singularisches rḏi̯.tj beziehen kann. (2) W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 81, Anm. 1 erwähnt die Möglichkeit, dass „in gewissen Fällen Pflanzenbezeichnungen als Feminina behandelt werden“, was er aber unmittelbar darauf ablehnt, weil es dafür, abgesehen von den Ausnahmen, die er ebd. und im zugehörigen § 123: „fehlerhafte Genuskongruenz“ nennt, keine Anhaltspunkte gäbe. Die hiesige Stelle könnte u.U. diesen Ausnahmen hinzugefügt werden, denn wenn man die Pflanzenbezeichungen als Feminina aufgefasst hätte, bestünde die Liste, auf die sich rḏi̯.tj bezieht, eben nur aus Feminina.

3 rḏi̯ mꜣꜣ=s šw: Zur Grammatik vgl. bspw. Westendorf 1999, 587: „ohne sie die Sonne sehen zu lassen“. Bardinets Übersetzung (Bardinet 1995, 283) „sans permettre que le soleil voie cela“ ginge dagegen nur, wenn man in s eine Schreibung des enklitischen Personalpronomens sieht statt des Suffixpronomens. Das enklitische Pronomen ist aber gewöhnlich ausführlicher geschrieben, vgl. Westendorf 1999, § 86. Auffällig ist, dass in der folgenden Weiterverarbeitungsanweisung das singularische Personalpronomen =s durch das pluralische Pronomen =sn ersetzt wird.
Zur Übersetzung „veranlassen, dass der A das B sieht“ > „dem A das B zeigen“ vgl. J. Assmann, Ägyptische Hymnen und Gebete, Die Bibliothek der Alten Welt. Reihe der Alte Orient (Zürich 1975), 487 (Poetische Stele Thutmosis’ III.) und zu Z. 46 die Anmerkung auf S. 636.

Eb 213, vgl. Eb 208

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Verstopfung im Verdauungstrakt:
Brot von Christdornfrüchten: 1 (Dosis), [43,20] Katzenkot1: 1 (Dosis), Roter Ocker: 1 (Dosis), Flaschenkürbis: 1 (Dosis), süßes Bier: 1 (Dosis), Wein: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

1 Wörtl.: „Kot eines Katers“. Es wird aber nicht spezifisch der Kot einer männlichen Katze gemeint sein, sondern ganz allgemein Katzenkot: Wo eine männliche Tierbezeichnung existiert, wird diese in den Drogennamen als generisches Maskulinum genutzt, was besonders in den Fällen klar wird, in denen „Milch“ verwendet wird, bspw. jrṯ.t-jꜥꜣ: „Eselsmilch“.

Eb 214, vgl. pChester Beatty VIII vso. 5,1–3

Ein anderes Heilmittel für den Verdauungstrakt:
Honig: 1 (Dosis), Olivenöl: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Wein: 1 (Dosis).
[44,1] Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde gekocht. Werde gegessen.

Eb 215

Ein anderes (Heilmittel):
Honig: 2 (Dosen), Mehl vom mjmj-Getreide: 2 (Dosen), „Erdhaar“-Früchte: 1 (Dosis).
Werde zu 4 fqꜣ-Kuchen für 4 Tage verarbeitet. Nachdem der Honig zuvor gekocht wurde, gibt man folglich das Mehl vom mjmj-Getreide und die „Erdhaar“-Früchte hinzu (wörtl.: lässt man ... hinabfallen). Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

Eb 216

Ein anderes (Heilmittel) für den Verdauungstrakt:
Weihrauch: 1/64 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/64 (Oipe = 1 Dja), „((Erd))haar“-Früchte1: ein viertel (Dja), Honig: [44,5] ein viertel (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Gänsefett: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde gekocht. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 šnj-tꜣ: Der Wortbestandteil tꜣ ist in Rot über der anschließenden Mengenangabe nachgetragen.

Eb 217 = H 48

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Krankheit des jb-Herzen:
Mehl von Datteln: ein viertel (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), ꜥmꜣ.w-Pflanzen/-Früchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken, thb-gemacht (?)1 zu 1/32 (Oipe = 2 Dja).

1 thb.w: Wie in Eb 23 ist auch hier die Mengenangabe größer als die Gesamtmenge der Bestandteile.

Eb 218 = H 49

Ein anderes (Heilmittel):
Milch: 1/64 (Oipe = 1 Dja)1, Honig: 1/16 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 Die Mengenangabe der Milch ist nachträglich zwischen jrṯ.t und bj.t geschrieben worden. Dazu ist vorher etwas schwarz Geschriebenes, nicht mehr Identifzierbares, gelöscht worden (Stelle auch aufgeführt bei H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 43).

Eb 219

Heilmittel zum Beseitigen einer Zusammenballung von Hitze am ḥꜣ.tj-Herzen:
jns.t-Pflanzen: 1 (Dosis), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja), Gummiharz: 1/32 (Dja), ḫꜣ.w-Blätter der šzp.t-Melone (?): [44,10] 1/32 (Dja), qsn.tj-Mineral: 1/32 (Dja), Honig: ein viertel (Dja), Wasser: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 220

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Behandeln des ḥꜣ.tj-Herzens:
šzp.t-Melone (?): 1/32 (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Ocker: 1/32 (Dja), frische Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 221–241: Heilmittel gegen ꜥꜣꜥ-Giftsamen

Eb 221 = H 79

Anfang der Heilmittel zum Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens im Bauch und im ḥꜣ.tj-Herzen:
Früchte/Samen der šꜣms-Pflanze: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), Ocker: 1/64 (Dja), Honig: sfḫ (?) und ein halbes (Dja).
Werde zu [44,15] einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vor dem Schlafengehen gegessen.

Eb 222 = H 80

Ein anderes (Heilmittel):
gw-Gras: 1/8 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), Malachit: 1/64 (Dja), shr.t-Harz/-Halbedelstein: 1/32 (Dja), psḏ-Schoten: 1/32 (Dja), Honig: sfḫ (?) und ein halbes (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vor dem Schlafengehen gegessen.

Eb 223 = Eb 172, H 81

Ein anderes (Heilmittel):
Gummiharz: 1/32 (Dja), Weintrauben: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), šꜣms-Pflanzen: 1/16 (Dja), Honig: sfḫ (?) und ein halbes (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vor dem Schlafengehen gegessen.

Eb 224 = H 82

Ein anderes Heilmittel:
Erdmandeln, [44,20] zermahlen: 1/64 (Oipe = 1 Dja), ḥm.w-Teile der kꜣkꜣ-Pflanze: 1/8 (Dja), ḫs-Teile1 der Sykomore: 1/8 (Dja), frische Datteln: 1/8 (Dja), ḫꜣ.w-Blätter des Lotos: 1/8 (Dja), frischer ꜣḥ-Brei: 1/32 (Oipe = 2 Dja), Wasser: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde ausgepresst. Werde sofort getrunken.

1 ḫsꜣ.w: Als vom jmꜣ-Baum und der nh.t-Sykomore kommend genannt; mit dem Rohstoffklassifikator N33 oder dem Korn M33B (?) bzw. dem Ei H8 (?) geschrieben – das Hieratogramm ist seiner Form nach nicht eindeutig. Nur zwei Mal, im selben Rezept (Eb 224 = H 82), mit Pluralzeichen geschrieben und in der Variante des pHearst auch von einer pluralischer Genitiv-Nisbe n.w gefolgt, so dass in dem Rezept wohl ein echter Plural vorliegt. Die Identität ist unklar und meist wird keine Übersetzung angeboten. Fragend schlägt L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 62b „fructus arborum quarundam“ vor. Diese Idee wird aufgegriffen von G. A. Reisner, The Hearst Medical Papyrus. Hieratic Text in 17 Facsimile Plates in Collotype with Introduction and Vocabulary, University of California publications in Egyptian archaeology 1 (Leipzig 1905), 35 („large fruit (such as dom-nut, sycomore fig, etc.)“) und G. Jéquier, Matériaux pour servir à l’établissement d’un dictionnaire d’archéologie égyptienne, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 19, 1922, 1271, hier: 16. Wenn F. Jonckheere, Le papyrus médical Chester Beatty, La médecine égyptienne 2 (Bruxelles 1947), 21, Anm. 7 schreibt, dass das Wb die Bedeutungen „Teig“ und „Schleim“ vorgeschlagen habe, was er selbst ablehnt, scheint er es mit ḥzꜣ verwechselt zu haben, das vom Wb tatsächlich so übersetzt wird. Denn für ḫsꜣ.w bietet Wb keine Übersetzung an. Westendorf 1999, 503 schlägt noch „Gallapfel“ vor, weil ihn das „eiförmige Determinativ (...) an eine kugelige Bildung an den Bäumen denken“ lässt. Dies allein scheint jedoch für eine Identifikation nicht ausreichend.

Eb 225, vgl. H 83

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens eines Gottes (oder) eines Untoten im Bauch eines Mannes:
Blätter [45,1] der Dornakazie: 1/32 (Dja), Blätter der Seyal-Akazie: 1/32 (Dja), qꜣꜣ-Früchte (?) der Seyal-Akazie: 1/32 (Dja), Johannisbrot: 1/8 (Dja), Salz: 1/32 (Dja), Weintrauben: 1/8 (Dja), das Innere einer Süßwassermuschel: 1/32 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), šꜣms-Pflanzen: 1/16 (Dja), Honig: sfḫ (?) und ein halbes (Dja).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Werde vor dem Schlafengehen gegessen.

Eb 226 = H 84

Ein anderes (Heilmittel):
jns.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), unterägyptischer Sellerie: 1/32 (Dja), qsn.tj-Mineral: 1/32 (Dja), [45,5] Honig〈wasser〉(?)1: 1/16 (Oipe = 4 Dja), Weintrauben: 1/32 (Dja), Erdmandeln: 1/32 (Dja), Brot von Christdornfrüchten: 1/16 (Dja), jbw-Pflanzen: 1/32 (Dja), Koriander: 1/16 (Dja).
Werde ausgepresst. Werde vor dem Schlafengehen getrunken.

1 Die große Menge Honig lässt schon von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 124 mit Anm. 4 zu Eb 226 und Westendorf 1999, 589, Anm. 62, beide Male mit Verweis auf Eb 277, vermuten, dass eigentlich mit Honig versetztes Wasser zu denken ist.
H 84 verschreibt nur 1/32 Dja Honig und erwähnt tatsächlich danach Wasser, nämlich in einer Menge von 2 Dja, was nach Westendorf ebenfalls zu emendieren ist. D.h. er erwägt eine Emendation von Eb 226 zu ⟨mw⟩ bj.t 1/16 und von H 84 zu mw {rʾ-32} bj.t 1/16.

Eb 2361

(([45,23] Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens am ḥꜣ.tj-Herzen:
Sellerie: 1/16 (Dja), jbw-Pflanzen: 1/32 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.))2

1 Die Kolumne 45 enthielt ursprünglich 23, nach H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 53 wohl sogar 24 Zeilen (ganz schwache Verdunklungen am unteren Zeilenrand könnten Zeichenreste sein, aber ebenso gut auch bloße Verunreinigungen der Oberfläche). Beide Zeilen wurden gelöscht, um einen Nachtrag aufzunehmen, der jetzt als (neue) Zeile 45,23 firmiert. Dass dieser Nachtrag auf Eb 226 folgen sollte, zeigt das Kreuz hinter dem sḏr von Eb 226, das eine Auslassung markiert. Wreszinski 1913 hat aber, als er die Rezepte durchzählte, dieses Kreuz nicht beachtet (bzw. es in der Transkription mit einem „sic“ versehen und daher vielleicht für ein falsch gesetztes ḥsb-Zeichen gehalten) und das Rezept in Zeile 45,23 als Eb 236 gezählt, weil es scheinbar auf Eb 235 folgt, und das Rezept in 46,1 als Eb 237. So ist auch das scheinbar doppelte k.t beim Zeilenumbruch von Zeile 45,22 auf 45,23, das Wreszinski mit einem „sic“ versah, simpel zu erklären: Das k.t am Ende von Z. 45,22 gehört zum ursprünglichen Text. Das k.t am Beginn der nachgetragenen Zeile 45,23 ist keine Dittographie aufgrund des Zeilenwechsels, sondern gehört eben zum Nachtrag.
Was ursprünglich in der von Grapow behaupteten unteren Zeile *45,24 vor der Löschung gestanden hat, konnte er selbst nicht angeben. Er stellte die Möglichkeit in den Raum, dass dort ursprünglich das Rezept gestanden hat, das jetzt Zeile 46,1 bildet, von Wreszinski als Eb 237 gezählt wurde und seinerseits ebenfalls ein Nachtrag ist. In dem Fall müsste man aber erklären, was dann in Zeile 45,23 gestanden hat. Ferner kann ein mechanisches Argument gegen diese Vermutung angeführt werden: Angenommen, der Schreiber sieht sich genötigt, das ganze Rezept Eb 236 nachzutragen, hat aber nicht genügend Raum am unteren Kolumnenrand (wo ursprünglich 24 Zeilen gestanden haben). Also entscheidet er sich, so die logische Fortführung von Grapows Hypothese, ganze zwei Zeilen zu löschen, den neu gewonnenen Raum mit dem Nachtrag zu füllen, und – nur einen Teil (!) – des gelöschten Textes seinerseits über Kol. 46 nachzutragen: eben das, was jetzt die eine Zeile 46,1 bildet. Dies erscheint angesichts der Alternative, Eb 236 schlicht am oberen Rand von Kol. 45 nachzutragen, wie etwa in Kol. 31, relativ unökonomisch. Dort hätte ihm nämlich kein anderer Text im Wege gestanden, der hätte gelöscht werden müssen: Die Paginierung erfolgte erst später, es stand also noch keine Zeilenzahl im Weg (deutlich zu erkennen in Kolumne 46, wo die Paginierung den Nachtrag berücksichtigt, also hinzugefügt wurde, als dieser schon stand).
Bardinet 1995 folgt Wreszinskis Rezept-Zählung und stellt seine Übersetzung von Eb 236 nach Eb 235. Westendorf 1999, hat den Nachtrag als solchen angesehen und lässt ihn in der Übersetzung auf Eb 226 folgen.

2 Das ganze Rezept ist ein Nachtrag, s. den Kommentar am Beginn von Eb 236.

Eb 2371

(([46,1] Ein anderes (Heilmittel):
jbw-Pflanzen: 1/64 (Dja), Sellerie: 1/32 (Dja), tḥwꜣ-Pflanzen: 1/64 (Dja), süßes Bier: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde gekocht; werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.))

1 Das Rezept ist wie das vorige, Eb 236, ein Nachtrag und gehört hinter Eb 226, wie das dort stehende Kreuz zeigt. Vgl. den Kommentar zu Eb 236.

Eb 227, vgl. Bln 58

[45,6] Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens am ḥꜣ.tj-Herzen (und zum) Beseitigen von Vergesslichkeit des jb-Herzens1, Flucht des jb-Herzens2 und Stichen des jb-Herzens3:
jns.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Sellerie: 1/16 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

1 mh.t-jb: Das Verb mhi̯ ist „vergessen“ als Antonym von sḫꜣ: „sich erinnern“. Die Verbindung des Verbs wie des davon abgeleiteten Nomens mh.t mit dem Herzen kommt auch außerhalb der medizinischen Texte vor und dürfte eine allgemeine Vergesslichkeit oder Nachlässigkeit benennen, ist also kein medizinischer Terminus für ein bestimmtes Symptom oder eine Krankheit. Dagegen vermutet W. R. Dawson, Adversaria Ægyptiaca, in: Aegyptus 12 (1), 1932, 916, hier: 16 in dem mhh jb: „dass das Herz vergisst“ von pEbers 102,15 Aussetzer des Pulses („intermittent pulse“) oder einen sehr schwachen Herzschlag, der nicht als Pulsschlag spürbar ist.
Als amüsanter Zufall sei darauf hingewiesen, dass der Schreiber in Eb 227 das Wort jb: „Herz“ vergessen hat und über der Zeile nachtragen musste, und dass vor diesem Rezept ganze zwei andere Rezepte vergessen oder übersehen wurden und später am Ende der Seite bzw. Anfang der folgenden Seite nachgetragen wurden.

2 wꜥr jb: H. Grapow, Kranker, Krankheiten und Arzt. Vom gesunden und kranken Ägypter, von den Krankheiten, vom Arzt und von der ärztlichen Tätigkeit, Grundriss der Medizin der alten Ägypter III (Berlin 1956), 38 übersetzt „Gedankenflucht“ (erweiterte Bedeutung von jb nicht als „Herz“, d.h. das Organ, sondern als „Gedanken“). Westendorf 1999, 590 vermeidet selbst diese Interpretation und übersetzt: „Flucht des Herzens (jb)“. Ähnlich allgemein schon Bardinet 1995, 286: „la fuite de l’interieur-jb“.

3 dm.wt jb: Auch dieser Terminus lässt sich nicht genau medizinisch fassen. H. Grapow, Kranker, Krankheiten und Arzt. Vom gesunden und kranken Ägypter, von den Krankheiten, vom Arzt und von der ärztlichen Tätigkeit, Grundriss der Medizin der alten Ägypter III (Berlin 1956), 38 erwägt „Gewissensbisse“, betont aber in der zugehörigen Anmerkung b, dass dies alles andere als sicher sei. Die Verben dm: „schärfen“ und dm: „stechen“ kommen häufiger vor; das abgeleitete Nomen dm.t: „Stich“ (auch vom Stich eines Skorpions) aber nur in wenigen, weitestgehend medizinischen und magischen Kontexten. Die Verbindung mit jb ist nur hier belegt.

Westendorf 1999, 397 erwägt für alle drei Termini auch „rein organische Fehlfunktionen des Herzens (...): Unregelmäßiger Puls, vorübergehender Schwächeanfall und Stiche in der Herzgegend.“

Eb 228

Ein anderes (Heilmittel):
Weintrauben: 1/16 (Dja), Erdmandeln: 1/8 (Dja), Brot von Christdornfrüchten: 1/16 (Dja), jbw-Pflanzen: 1/16 (Dja), Sellerie: 1/32 (Dja), [45,10] ((jns.t-Pflanzen: 1/16 (Dja),))1 Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

1 jns.t r’-16 ist am Beginn von Zeile 10 nachgetragen, offenbar nachdem zuvor die Mengenangabe von mꜣt.t gelöscht wurde, denn dieses scheint am Ende von Zeile 9 nachgetragen.

Eb 229, vgl. Eb 126

Sofort1 (wirksame) Mittel zum Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens eines Gottes (oder) eines Untoten, (und zum Beseitigen) des Schlagens (?) jeder Sache:2
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/32 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Wasser: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

1 ḥr.w-ꜥ ist hier, wie in Eb 203b, mit Pluralzeichen geschrieben, während im pEbers die Schreibung ohne Pluralstriche die übliche zu sein scheint. Auch im pHearst ist es beide Male mit Pluralstrichen geschrieben und in H 57 folgt dem Wort die pluralische Genitiv-Nisbe n.w. Dies könnte als Indikator für einen grammatischen Plural gewertet werden; auf Eb 229 folgen weitere Rezepte mit „Sofort (wirksamen) Mitteln“, so dass man hier den Plural auch inhaltlich erklären könnte: Das ḥr.w-ꜥ von Eb 229 würde sich einerseits allein auf das Rezept Eb 229 beziehen und leitet andererseits eine ganze Gruppe ähnlicher Rezepte ein; das Wort hätte hier dieselbe Ambivalenz wie pẖr.t in der Einleitung von Rezeptgruppen des Typs ḥꜣ.t-ꜥ-m pẖr.t. In Eb 203b, wo „Mittel in Form von sofort (wirksamen) Mitteln“ gemacht werden sollen, könnte der Plural vielleicht als generischer Plural interpretiert werden, auch wenn im konkreten Fall nur ein einziges Mittel folgt. Zu prüfen blieben die beiden Stellen des pHearst, ob sie eine ähnliche Ambivalenz aufweisen könnten. Andernfalls wären die Pluralstriche Teil der Klassifizierung, wie bei pẖr.t (obwohl auch gelegentlich pluralisch aufgefasst), zp, gs u.a.

2 sqr jḫ.t nb.t: Dieselbe Phrase, tlw. um ein zusätzliches Attribut ḏw.t: „übel“ erweitert, steht noch einmal in Eb 231 und ähnlich in Eb 876a. Im Wb 4, 307.7 ist beim Verb sqr eine metaphorische Bedeutung „Krankhaftes im Körper beseitigen“ angegeben, mit den beiden Stellen Eb 229 und 231 als Beleg. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 805 haben dagegen beide Stellen unter dem Lemma „Schlag, Schlagverletzung“ abgelegt. Bardinet 1995 folgt noch der Wb-Interpretation, Westendorf 1999 derjenigen von H. von Deines – W. Westendorf.

Eb 230

Ein anderes (Heilmittel), ein sofort (wirksames) Mittel zum ordnungsgemäßen Behandeln des ḥꜣ.tj-Herzens:
Feigen: 1/8 (Dja), Ocker: 1/16 (Dja), Gummiharz: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 231

Ein sofort (wirksames) Mittel zum Beseitigen (der Einwirkung) eines Untoten im Bauch, (zum) Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens eines Gottes (oder) eines Untoten (sowie) der Krankheitsauslöser (?) und des Schlagens (?) jeder üblen Sache:1
Unterägyptischer Sellerie: [45,15] 1/32 (Dja), Erdmandeln: ein viertel (Dja), Angeritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), mjmj-Getreide: 1/64 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/64 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

1 sqr jḫ.t nb.t: Dieselbe Phrase, tlw. ohne ḏw.t: „übel“, steht noch einmal in Eb 229 und ähnlich in Eb 876a. Im Wb 4, 307.7 ist beim Verb sqr eine metaphorische Bedeutung „Krankhaftes im Körper beseitigen“ angegeben, mit den beiden Stellen Eb 229 und 231 als Beleg. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 805 haben dagegen beide Stellen unter dem Lemma „Schlag, Schlagverletzung“ abgelegt. Bardinet 1995 folgt noch der Wb-Interpretation, Westendorf 1999 derjenigen von H. von Deines – W. Westendorf.

Eb 232

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl von Erdmandeln: 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Weintrauben: 1/8 (Dja), jns.t-Pflanzen: 1/16 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), gw-Gras: 1/32 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 233

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln des ḥꜣ.tj-Herzens und Entfernen der Krankheitsauslöser (?):
Ocker: 1/32 (Dja), Gummiharz: 1/32 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: ein halbes Dja (?), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Grütze vom [45,20] sw.t-Wildweizen: ein halbes Dja (?), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 234

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Wasser: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 235

Ein anderes (Heilmittel)1, ein sofort (wirksames) Mittel zum Kühlen des ḥꜣ.tj-Herzens:
Feigen: 1/8 (Dja), jns.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), Ocker: 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

1 k.t: Hier ist ein elliptisches pẖr.t zu denken, da sich das feminine k.t nicht auf das maskuline ḥr.w-ꜥ beziehen kann.

Eb 238, vgl. H 87

Ein anderes (Heilmittel),1 [46,2] ein sofort (wirksames) Mittel zum ordnungsgemäßen Beseitigen des ꜥꜣꜥ-Giftsamens im Bauch und im ḥꜣ.tj-Herzen:
Mehl von jbw-Pflanzen: 1/64 (Dja), Mehl vom Koriander: 1/16 (Dja), süßes Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde vor dem Schlafengehen getrunken.2

1 k.t steht am Ende von Zeile 45,22. Die jetzt auf dem Papyrus stehenden Rezepte Eb 236 und 237 = Zeile 45,23 und 46,1 sind Nachträge, die hinter Eb 226 = Zeile 45,6 gehören. Vgl. zu den Details den Kommentar zu Eb 236. Dementsprechend wird das k.t von 45,22 von Grapow 1958, 261 und von Westendorf 1999, 590, Anm. 63 dem Rezept Eb 238 zugeschlagen. Da aber unklar ist, was vor der Rasur in Zeile 45,23 gestanden hat (s. wiederum den Kommentar zu Eb 236), ist auch nicht auszuschließen, dass das k.t zu einem weiteren, ansonsten völlig getilgten Rezept gehört. Auch das ḥr.w-ꜥ ist ein Nachtrag, denn es wurde vor die Zeile 46,2 in den Kolumnenzwischenraum geschrieben, hat also vielleicht ursprünglich in der letzten Zeile von Kolumne 45 gestanden. Eigentlich hätte der Korrektor dann auch den Kasus der Genitivnisbe n.t anpassen müssen.
Bardinet 1995, der die Rezepte entsprechend der Nummerierung von Wreszinski 1913 übersetzt, ohne die Umstellung von Eb 236 und 237 zu berücksichtigen, hat das k.t von 45,22 nicht mit übersetzt, sondern beginnt mit „Potion-her-â“.

2 Sic. Es gibt keine Verarbeitungsanweisung („werde zu einer Masse gemacht“ o.ä.).

Eb 239, vgl. Bln 115, Eb 174

Ein anderes (Heilmittel):
jbw-Pflanzen: 1/64 (Dja), Koriander: 1/16 (Dja), tḥwꜣ-Pflanzen: 1/64 (Dja), šꜣms-Pflanzen: 1/16 (Dja), [46,5] mjmj-Getreide: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: ein halbes (Dja).
Werde gekocht. Werde vor dem Schlafengehen gegessen.

Eb 240

Ein anderes (Heilmittel):
Wasser einer Gerste, deren Inneres herausgeholt wurde1 (in Form von?) Gerste, zerstampft und gekocht:2 1/64 (Oipe = 1 Dja), qst.t-Pflanzen: 1/16 (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), Honig: 1/16 (Dja), mw.t-Teile der rkrk-Pflanze: 1/32 (Dja), 〈... der〉 Sykomore: 1/32 (Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst; werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 jt šdi̯ ẖn=sn: Auffälligerweise wird hier mit einem pluralischen Suffixpronomen auf das Kollektivum jt zurückverwiesen. Dies wird aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass jt auch als Plural aufgefasst wurde. Zu nicht stimmiger Numeruskongruenz zwischen Kollektiva und Suffixen vgl. schon A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 510.2. Ähnliches findet sich bspw. auch bei der Erwähnung von Tributabgaben, wo davon die Rede sein kann, dass ein singularisches Land mit „ihren“ (d.h. der Bewohner) Abgaben genannt wird, etwa in pSallier I, 1,2.

2 mw n.w jt šdi̯ ẖn=sn jt sḥm psi̯: Ebbell 1937, 58 sieht hierin zwei Drogenangaben: „barley-water whose substance is removed, pounded and toasted barley“. Ebenso von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 149: „Gerstenschleim (...), dessen Inhalt (...) herausgenommen ist; Gerste, zerstampft, gekocht“; und Bardinet 1995, 287: „eau d’orge, débarassée de son contenu (= l’orge trempée); orge écrasée et cuite“. Weil bei der ersten Droge dann aber die Mengenangabe fehlen würde, erwägen von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 126, dass vielleicht auch nur eine einzige Drogenbezeichnung vorliegen könnte. So dann auch Westendorf 1999, 592: „Wasser (Schleim) von Gerste, deren Inhalt herausgeholt ist, (und zwar hergestellt aus) Gerste, zerstampft (und) gekocht“.

Eb 241

Ein anderes (Heilmittel) zum Abwehren des ꜥꜣꜥ-Giftsamens:
nḥbw.t-Droge1 von Balken: ∅.
Werde gänzlich ausgeglüht (und) in Öl/Fett (gegeben). Werde darauf (d.h. auf die betroffene Stelle) gegeben.

1 nḥbw.t: Hapax legomenon unbekannter Bedeutung. Die hier vorgeschlagene Spezifizierung in Richtung auf etwas Flüssiges beruht einzig auf der Klassifizierung mit dem Topf. Die Herkunftsangabe n.t zꜣw macht diese Lesung zugegebenermaßen anzweifelbar; am ehesten wäre noch ein Harz o.ä. denkbar. Die von Westendorf 1999, 501 für die gesamte Verbindung nḥbw.t n.t zꜣw gegebene Übersetzung „Knospen von Zweigen“ (mit Verweis auf J. F. Borghouts, The magical texts of Papyrus Leiden I 348, Oudheidkundige mededelingen uit het Rijksmuseum van Oudheden 51 (Leiden 1970), 81, Anm. 124) ist sehr fraglich: Zum einen ist Borghouts’ Gleichsetzung des hier stehenden nḥbw.t mit den nḥb.t-Knospen aufgrund der unterschiedlichen Klassifikatoren problematisch; zum anderen hat Borghouts selbst, a.a.O., 147, Anm. 351 die Wb-Belege für zꜣw: „Zweige“ (Wb 3, 419.19) als Fehlschreibungen erklärt (die von ihm stattdessen gegebenen Zusatzbelege sind ihrerseits ebenso fraglich). Westendorf 1999, 592, Anm. 66 vermerkt, dass die äußerliche Anwendung ungewöhnlich sei.

Eb 242–260: Heilmittel gegen Kopfschmerzen und andere negative Einwirkungen von Göttern

Eb 242–247: Die sogenannten „Göttermittel“

Eb 242

[46,10] Anfang der Heilmittel: Was Re für sich selbst bereitet hat:1
Honig von mittlerer Hitze (wörtl.: Honig zwischen den beiden Hitzen): 1 (Dosis), Wachs: 1 (Dosis), ẖpꜣ-Kügelchen (?)2 des Weihrauchs: 1 (Dosis), Früchte/Samen der sꜣr-Pflanze: 1 (Dosis), Johannisbrot: 1 (Dosis), šꜣšꜣ-Früchte: 1 (Dosis), mw.t-Teile vom gw-Gras: 1 (Dosis), Früchte/Samen der ḏꜣjs-Pflanze: 1 (Dosis), jbw-Pflanzen: 1 (Dosis), ḫꜣs.yt-Pflanzen: 1 (Dosis), Bestes (?) 〈vom〉 Weihrauch:31 (Dosis), prš-Droge4: 1 (Dosis), Koriandersamen: 1 (Dosis), ẖpꜣ-Kügelchen (?)2 des Stech-Wacholders: 1 (Dosis), ẖpꜣ-Kügelchen (?)2 der ꜥš-Konifere: 1 (Dosis), frischer ꜣḥ-Brei5: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Das Leiden werde darüber verbunden.
[46,15] Das (dient dem) Beseitigen der Einwirkung eines Gottes, 〈einer Göttin,〉6 eines Untoten, einer Untoten, eines Krankheitsauslösers (?), einer Krankheitsauslöserin (?) in allen Körperteilen eines Mannes, so dass ihm sofort angenehm ist.

1 Wörtlich steht da: „Anfang des Heilmittels, das Re für sich selbst hergestellt hat.“ Die folgenden Rezepte sind zwar ebenfalls für Re hergestellt, aber von anderen Göttern. Daher hat pẖr.t an dieser Stelle im Grunde eine doppelte Funktion:
Zum einen dient es zusammen mit ḥꜣ.t-ꜥ-m der Einleitung dieser Rezeptgruppe der sogenannten „Göttermittel“ und bildet die von der Präposition m geforderte Nominalphrase – dieser syntaktisch notwendige Zusammenhang schließt auch die Möglichkeit aus, mit Bardinet 1995, speziell S. 288, die ḥꜣ.t-ꜥ-m-Anfänge mit einem einfachen „Commencement“ zu übersetzen, als läge damit eine eigenständige Überschrift vor.
Zum zweiten bildet es die Einleitung des Einzelrezeptes Eb 242, nämlich des Rezeptes, das Re für sich selbst hergestellt hat. Die Übersetzung versucht, diese doppelte Funktion widerzuspiegeln.

2 ẖpꜣ: Ein unbekannter Bestandteil von ꜥš-Koniferen, Stech-Wacholder, Grenadill-Bäumen, aber auch von Weihrauch (d.h. vielleicht von Weihrauchbäumen?). Ein weiteres, scheinbar gleich geschriebenes Wort ẖpꜣ ist ferner als Teil des Malachit belegt; s. hierzu die Diskussion zu ḥsb.w. Die Bedeutung von ẖpꜣ ist unklar. L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 61a sowie H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 962 verbinden es noch mit dem gleichgeschriebenen Wort für „Nabel“ und verstehen in der Drogenbezeichnung eben analog den „Nabel“ oder die „Lende“, wobei letzteres im metaphorischen Sinne für die Genitalien steht, wie Sterns Verweis auf koptisch (ϣⲓⲡⲉ,) ϣⲓⲡⲓ: „Scham“ zeigt. In Wb 3, 365–366 sind dagegen ẖpꜣ: „Nabel“ und die ẖpꜣ-Droge als verschiedene Lemmata aufgefasst. Dawson vermutet Harzperlen; Gardiner, der die äußere Form als Tertium comparationis zwischen den beiden ẖpꜣ-Begriffen sah, Nadeln (beide genannt bei J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 18). H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 413 lehnen letztere Bedeutungen aber ab, weil sie nicht auf alle Verbindungen von ẖpꜣ passt. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 51 lehnt auch Dawsons Interpretation ab, weil der von ihr mit Dahlbergia melanoxylon identifizierte hbnj-Baum kein Harz absondert. Dennoch schlägt sie vor, die Suche nach der Bedeutung zumindest auf perlenförmige Objekte zu beschränken, worauf ihrer Ansicht nach der Klassifikator hindeuten könnte, und denkt an Kügelchen.
Ein alternativer Interpretationsversuch geht schon auf Ebers 1889, 225 mit Anm. 40 zurück: Mit Verweis auf Dioskurides I 129, wo Ebenholzspäne verordnet werden, schlägt er mit aller Vorsicht „Späne“ vor; er erwägt einen Zusammenhang mit koptisch ϣⲱⲃ: „scheren“ und vermutet, dass ẖpꜣ das Abgeschorene, Geschnittene, Abgehobelte bezeichnen könnte. Sicher gehen Ebbell 1937, 69: „chip“ und G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 80: „écaille“ darauf zurück.
Westendorf 1999, 504 nennt dann sowohl „Harzperlen“ als auch „Schuppen“, setzt aber beides in Fragezeichen. Auf S. 611 entscheidet er sich für „Schuppen“.

3 ḫnt.t m snṯr: In Eb 242 ohne m geschrieben, in den anderen Belegen mit m, H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 401 zufolge ist das m dort wohl aufgrund des Zeilenwechsels ausgefallen. Wreszinski 1913 und Barns vermuten eine Qualitätsangabe: „allerfeinstes snṯr“; vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 401, die diese Interpretation aber ablehnen. Da es in Eb 256 als Einzeldroge für eine Salbe („der Kopf werde damit gesalbt“) verwendet wird, vermuten H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) stattdessen eine Droge mit „salbenartige[r] Konsistenz“. Dieser Begründung folgt auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), die als weiteres Argument noch hinzufügt, dass es in Eb 242 neben Harzperlen genannt wird. Westendorf 1999, schließt sich H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) und Germer an und vermutet, dass bei der Droge „wahrscheinlich mit einem kostbaren Salböl ‚veredelter‘ Weihrauch“ vorliege. Es ist zumindest anzumerken, dass B. Koura, Die „7-Heiligen Öle“ und andere Öl- und Fettnamen. Eine lexikographische Untersuchung zu den Bezeichnungen von Ölen, Fetten und Salben bei den alten Ägyptern von der Frühzeit bis zum Anfang der Ptolemäerzeit (von 3000 v. Chr. – ca. 305 v. Chr.), Aegyptiaca Monasteriensia 2 (Aachen 1999), keine von der Präposition ḫntj abgeleiteten Ölnamen kennt.
Bardinet 1995, lässt ḫnt.t unübersetzt.

4 prš: Vgl. die Diskussion bei H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 203 und bei J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 145–166: Wohl identisch mit demotisch prš und koptisch ⲡⲏⲣϣ̄. Das koptische Wort kann eine rotfärbende Substanz (Äquivalent zu griechisch μίλτος), Rostpilze (Äquivalent zu griechisch ἐρυσίβη) oder Ungeziefer benennen, vgl. W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 269b. Das demotische Lemma ist auf dem magischen Papyrus London-Leiden, V,4 (zu weiteren Stellen s. im TLA) belegt: Dort soll bei einer Divination eine Lampe ohne prš verwendet werden; in ähnlichen Anleitungen auf griechischen magischen Texten steht das Adjektiv ἀμίλτωτος: „ungerötelt“, vgl. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 145–146 mit Verweis auf F. Ll. Griffith – H. Thompson, The Demotic Magical Papyrus of London and Leiden, 3 Bd. (London 1904–1909), Vol. I, 44; beide beziehen sich auf P. Mag. Gr. Leid. V (d.h. C. Leemans, Papyri Graeci Musei Antiquarii Publici Lugduni-Batavi (Lugduni Batavorum 1843-1885), Vol. II) = K. Preisendanz, Papyri Graecae Magicae. Bd. II (Leipzig/Berlin 1931), Nr. XII resp. pLeiden I 384 Verso, Kol. I,22 und IV,25, sowie auf G. Parthey, Zwei griechische Zauberpapyri des Berliner Museums, Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin 1866 (Berlin 1866), = K. Preisendanz, Papyri Graecae Magicae. Bd. I (Leipzig/Berlin 1928), Nr. I resp. pBerlin P 5025 A und B, Zeile 277. Aufgrund dessen schließt Harris, dass auch das demotische prš, ähnlich dem koptischen, einem griechischen μίλτος entspricht. Dieses wiederum benennt verschiedene rote Materialien, wie rote Erde oder Ocker, rotes Blei, Rostpilze oder Blut, vgl. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 146 und H. G. Liddell – R. Scott, A Greek-English Lexicon. Revised and augmented throughout by Sir Henry Stuart Jones (Oxford 1940), 1134, s.v. μίλτος. Davon ist die erste Bedeutung die am weitesten verbreitete. Harris kommt daher zu dem Schluss, dass prš, auch schon das vordemotische, „a red ochreous earth“ bezeichne.
In Philae, also in ptolemäischer Zeit, wird prš einmal mit dem Pflanzenklassifikator geschrieben und in Edfu wird einmal gesagt, dass es eine Bezeichnung für Beeren vom Stech-Wacholder, pr.t wꜥn, sei. A. Lüchtrath, Das Kyphirezept, in: D. Kurth (Hrsg.), Edfu. Bericht über drei Surveys. Materialien und Studien, Die Inschriften des Tempels von Edfu. Begleitheft 5 (Wiesbaden 1999), 97–145, hier: 126 erwägt, darin eventuell spezifischer ein „Fruchtmus aus zerstampften Wacholderbeeren“ zu sehen, und deutet einen Zusammenhang mit der Drogenbezeichnung der medizinischen Texte an. Zumindest in älterer Zeit können prš und pr.t wꜥn tatsächlich nicht vollkommen identisch gewesen sein, so dass Lüchtraths Vorschlag, in ersterem nicht einfach nur Beeren vom Stech-Wacholder zu sehen, nachvollziehbar ist. Denn im Rezept Eb 655 werden beide Drogen zusammen genannt und laut H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 418 wird in keiner Drogenaufzählung dieselbe Droge zweimal genannt. Warum Lüchtrath für das prš in Philae eine spezifisch breiige Konsistenz annimmt, schreibt sie aber nicht; über die Konsistenz des prš der medizinischen Texte gibt es jedenfalls keine unabhängige Auskunft, so dass diese einem diesbezüglichen Vergleich nicht dienlich sind.
In einer Ölliste auf einem Sarg der 12. Dynastie gibt es eine Ölbezeichnung prš.t, vgl. B. Koura, Die „7-Heiligen Öle“ und andere Öl- und Fettnamen. Eine lexikographische Untersuchung zu den Bezeichnungen von Ölen, Fetten und Salben bei den alten Ägyptern von der Frühzeit bis zum Anfang der Ptolemäerzeit (von 3000 v. Chr. – ca. 305 v. Chr.), Aegyptiaca Monasteriensia 2 (Aachen 1999), 242 = J.-E. Gautier – G. Jéquier Mémoire sur les fouilles de Licht, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 6 (Le Caire 1902), Taf. 23. Ob dies mit der Drogenbezeichnung und/oder dem ptolemäischen Lemma zusammenhängt, ist unklar.

5 Der Abstrich des von ꜣḥ liegt über dem Einerstrich des vorangegangenen ẖpꜣ n ꜥš. Also hat der Schreiber selbst bei so kurzen roten Passagen wie den Einerstrichen in diesem Rezept die Binse jedes Mal gewechselt und nicht etwa kurze Freiräume gelassen und sie dann alle auf einmal gefüllt.

6 Obwohl weder von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 noch von Bardinet 1995 oder Westendorf 1999 vermerkt, wird man wohl aus Gründen der Systematik ein weibliches Pendant zu „Gott“ ergänzen können.

Eb 243 = H 71

Ein anderes,1 das zweite Heilmittel, das Schu für sich selbst bereitet hat:2
Mehl vom sw.t-Wildweizen: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Mehl vom Koriander: 1 (Dosis), Ruß von der Wand: 1 (Dosis), Mehl vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Mehl von Langbohnen: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), qst.t-Pflanzen: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), Pflanzenbrei: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Das Leiden werde darüber verbunden.

1 Der Anfang ist nicht als Rubrum geschrieben, um es von dem vorigen Rezept, das mit einem Rubrum endet, abzusetzen.

2 Wie im vorigen Rezept steht „jri̯.t.n Gottesname ḥr=f ḏs=f“. Die folgenden Rezepte zeigen aber, dass die genannten Gottheiten das Rezept nicht für sich selbst, sondern für Re anfertigen. Vermutlich bezieht sich Wreszinskis „sic“ auf diese Inkonsistenz (Wreszinski 1913). Bardinet 1995 und Westendorf 1999 haben dagegen so übersetzt, wie es dasteht.

Eb 244 = H 72

Ein anderes, das dritte Heilmittel, [46,20] das Tefnut für Re selbst bereitet hat:
Mehl von ꜥmꜥꜥ-Körnern (der Gerste / des Emmers): 1 (Dosis), šnf.t-Früchte: 1 (Dosis), Gänsefett: 1 (Dosis).
Werde zu irgendeiner Masse zusammengeschlossen.1
Jedes Leiden, jede Einwirkung eines Gottes oder einer Göttin werde (darüber) verbunden, so dass ihm sofort angenehm ist.

1 ḫtm m (j)ḫ.t nb.t: Es ist zumindest der Lexik zufolge keine „masse homogène“ (so Bardinet 1995), sondern eher mit Westendorf 1999 „irgendeine Masse“. Vielleicht ist auch, dem allgemeineren Anwendungsspektrum entsprechend, „jede (Art) Masse“ gemeint.

Eb 245 = H 73

Das vierte Heilmittel, das Geb für Re selbst hergestellt bereitet hat:
Mehl vom Johannisbrot: 1 (Dosis), Mehl von tḥwꜣ-Pflanzen: 1 (Dosis), Mehl vom „Stechholz“: 1 (Dosis).
Werde mit „Selbstentstandenem“ vom Dattelsaft fein zermahlen.
[47,1] Jedes Leiden, (verursacht) durch eine Einwirkung eines Gottes, (und) jede üble Sache werde (darüber) verbunden, so dass 〈ihm〉 sofort angenehm ist.

Eb 246 = H 74

Das fünfte Heilmittel, das Nut für Re selbst bereitet hat:
Ziegel der Mauer: 1 (Dosis), Spitzen/Triebe (?) des qꜣd.t-Kriechkrauts: 1 (Dosis), Kalk (?) vom Ufer eines Gewässers:1 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis), unterägyptisches Salz: 1 (Dosis), frischer ꜣḥ-Brei: 1 (Dosis), Öl/Fett: 1 (Dosis), Honig:2 1 (Dosis), sfṯ-Öl: 1 (Dosis), Laib eines šns-Brots: 1 (Dosis).
Werde gekocht; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet.
Jedes Leiden, (verursacht) durch [47,5] einen Krankheitsauslöser (?) (oder) durch eine Krankheitsauslöserin (?), durch die Einwirkung (eines Gottes / Untoten) (oder) durch jede (andere) Sache, werde darüber verbunden.

1 jnr n sp.t mw: Wörtl.: „Stein vom Ufer eines Gewässers“. B. Ebbell, Die ägyptischen Drogennamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 64, 1929, 4854, hier: 49–50 vermutet darin die Schalen von Meerestieren und verweist auf ähnliche Bezeichnungen bei Dioskurides; außerdem werden der von Dioskurides genannte asbestos ex tôn lithôn kochlakôn („Kalk von Steinkieseln“) und jnr n sp.t mw gegen dieselben Erkrankungen angewendet. Vgl. auch J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 184.

2 {qmy}.t: Ein Schreibfehler aufgrund des Zeilenumbruchs? Am Ende von 47,3 steht der auffliegende Vogel, mit dem im Ebers qmy.t „Gummi“ geschrieben ist. Am Beginn der folgenden Zeile stehen t, Ersatzstrich, Krug und Pluralstriche. Dieselbe Schreibung, ebenfalls bei einem Zeilenumbruch, kommt in Eb 317 vor. Das Parallelrezept H 74 schreibt an der Stelle bj.t: „Honig“. Wreszinski 1913, 73 hat den Vogel mit einem „sic“ versehen, denkt also sicher, dass im Ebers ebenfalls bj.t zu lesen ist. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 261 übersetzen „Honig“, ohne auf die Schreibung einzugehen, und in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 157 sind die beiden Stellen Eb 246 und 317 sogar so aufgenommen, als wären sie mit der Biene geschrieben. Westendorf 1999, 593 übersetzt ebenfalls schlicht „Honig“. Ebbell 1937, 59 liest dagegen „gum“, ebenso Bardinet 1995, 289: „gomme“ (wobei er interessanterweise die Stelle Eb 317 emendiert und auf S. 299 „miel“ übersetzt). Insgesamt spricht die Schreibung doch eher für „Honig“: Zwar gibt es Schreibungen von qmy.t mit dem Gefäß, aber im Ebers wird das Wort durchgängig mit dem Kreis klassifiziert (vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 516). bj.t wird im Ebers dagegen immer mit dem Gefäß klassifiziert, auch wenn die Schreibung speziell mit dem Ersatzstrich nur in den beiden genannten Stellen vorliegt.

Eb 247 = H 75

Ein anderes, das sechste (Heilmittel), das Isis für Re selbst bereitet hat, um die Krankheit zu beseitigen, die in seinem Kopf ist:
Koriandersamen: 1 (Dosis), Früchte/Samen der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1 (Dosis), sꜥꜣm-Pflanzen: 1 (Dosis), Früchte/Samen der šꜣms-Pflanze: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde mit diesem Honig vermengt.
(Die schmerzende Stelle) werde darüber verbunden, so dass ihm sofort angenehm ist.
Was jeden anbetrifft, für den dieses Heilmittel bereitet1 wurde bei jeder Krankheit im Kopf, bei jeder schlimmen und üblen Sache: [47,10] Ihm wird sofort angenehm sein.

1 jrr.w: Wreszinski 1913, 73 transkribiert jri̯.tw oder jri̯=tw; so auch Grapow 1958, 446. Das Parallelrezept H 75 schreibt jrr=j. Als passives Verb, d.h. jri̯.tw, fasst Ebbell 1937, 59 die Stelle auf, muss dann jedoch das nb.t nach n=f als fehlerhaft tilgen: „If this remedy is made for him“. Vergleichbar von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 260, nur mit der Lesung als aktives Verb, d.h. jri̯=tw: „Wenn man ihm dieses Heilmittel macht“. Laut W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), S. 163, Anm. 1 ist jedoch jrr.w zu transkribieren: „was jeden anbetrifft, dem man dieses Heilmittel macht“ (vgl. seine Übersetzung der Hearst-Stelle oben auf S. 163 und S. 222). Auf S. 220 führt er die Stelle dementsprechend als Beleg für ein Passivpartizip auf. So findet es sich dann auch bei Westendorf 1999, 593: „Was jeden anbetrifft, dem dieses Heilmittel gemacht wird“. Er kann zumindest nb stehen lassen, muss aber die Schreibung des Hearst als fehlerhaft auffassen. Bardinet 1995, 289 (vgl. auch 56–57) scheint sich in der Wahl der 1. Person vom Hearst leiten zu lassen, teilt aber die partizipiale Auffassung des jri̯: „Quiconque à qui j‘ai préparé cette médication“.

Eb 248–260: Heilmittel gegen Kopfschmerzen

Eb 248 = H 76

Heilmittel zum Beseitigen einer Einwirkung im Kopf:1
Inneres vom Johannisbrot: 1 (Dosis), ḫs-Teil des jꜣm-Baumes: 1 (Dosis), Natron: 1 (Dosis), šfšf.t-Pflanzen: 1 (Dosis), Gräten vom Nilbarsch, gekocht: 1 (Dosis), (Gräten vom) Roten Nilbuntbarsch, gekocht: 1 (Dosis), Schädel vom Fiederbartwels, gekocht: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), jbr-Öl: 1 (Dosis).
Der Kopf werde damit über 4 Tage hinweg eingerieben.

1 Die Rezeptgruppe 248ff. wird nicht durch ḥꜣ.t-ꜥ-m o.ä. eingeleitet, ist aber durch das Fehlen der Götternamen von der vorigen Gruppe abgegrenzt. Allerdings vermutet Grapow 1955, 119 einen Zusammenhang mit der vorigen Gruppe insofern, als die Mittel Eb 243–247, also bis auf das erste alle „Göttermittel“, ihre Parallele in der Gruppe H 71–75 haben, und die Rezepte Eb 248 und 249 auch in der Parallele an die „Göttermittel“ anschließen und dort H 76 und H 77 bilden. Grapow 1955 vermutet ebd., dass diese Rezepte gegen „Einwirkungen im Kopf“ an die „Schmerzen im Kopf“ von Eb 247 anknüpfen. Auch das Rizinus-Rezept Eb 251 sei vielleicht über eine solche Assoziation mit den „Göttermitteln“ verbunden, weil als erste Anwendungsweise die Behandlung des Kopfes genannt würde. Damit gliedert Grapow 1955 die Mittel Eb 242–247 als 7. Rezeptgruppe, die Rezepte Eb 248–250 und 252–260 als 8. Abschnitt und den eingeschobenen Text Eb 251 als 9. Abschnitt, eben mit den genannten inhaltlichen Verbindungsmöglichkeiten zur 7. Gruppe. Westendorf 1999, folgt in seiner Aufteilung des Ebers dieser Gruppierung. Bardinet 1995, 288–291 ordnet dagegen alle Rezepte Eb 242–260 seiner „Groupe 4: Onguents protecteurs et maladies de la tête“ zu und untergliedert lediglich in Eb 242–247 („Groupe 4,A: Onguents protecteurs d’usage général (protégeant la guérison, empêchant le récedives)“) sowie Eb 248–260 („Groupe 4,B: Onguents protecteurs pour certaines maladies de la tête et dernières recettes pour la tête“).

Eb 249 = H 77

Ein anderes (Heilmittel):
Dillsamen: 1 (Dosis), Früchte/Samen der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1 (Dosis), Koriandersamen: 1 (Dosis), Konyza (?): 1 (Dosis), „Stechholz“: 1 (Dosis), Eselsfett: 1 (Dosis).
Der Kopf werde damit eingerieben1.

1 wrḥ scheint teilweise über einer Rasur zu stehen.

Eb 250, vgl. Eb 7301

Ein anderes (Heilmittel) für eine Krankheit in der Hälfte des Kopfes:
Schädel [47,15] des Welses: ∅.
Werde gänzlich ausgeglüht (und) in Öl/Fett (gegeben). Der Kopf werde damit über 4 Tage hinweg gesalbt2.

1 Weitere Literatur zu diesem Rezept, besonders zur Definition der Krankheit:
Pommerening 2010, 153–174, spez. 164–172.

2 gs dp: „den Kopf salben“: Ein Wortspiel mit gs dp: „Hälfte des Kopfes“? Auffälligerweise wird für den Vorgang des Salbens im vorigen Rezept, das für allgemeinere Beschwerden im Kopf gedacht ist, das Verb wrḥ verwendet. Ist das Wortspiel vielleicht sogar umfassender, so dass man etwa mḥr.t m gs dp mit dem mḥr.t gs dp jm vergleichen könnte?

Eb 251, vgl. Eb 25 und 123

Kenntnis dessen, was aus/mit der Rizinuspflanze hergestellt werden (kann) nach (Anweisungen),1 die in Schriften alter Zeiten gefunden wurden,2 (eine Kenntnis,) die etwas für die Menschen Nützliches/Wirksames (ist):
[Eb 251a] Seine (d.h. des Rizinus) Wurzeln werden in Wasser zerstoßen (und) werden an den Kopf dessen3 gelegt, der krank ist: Er wird folglich sofort gesund, als ob er nicht krank war. [Eb 251b] {Wenn}4 Auch (kann) von dem Mann5 mit Diarrhoe (?)6 mit/als (?) Kot etwas von seinem Samen7 zusammen mit Bier gekaut werden.
Das (dient dem) Beseitigen einer Krankheitserscheinung im Bauch des Mannes.
[Eb 251c] Auch (kann) [47,20] man mit seinem Samen das Haar einer Frau wachsen lassen:
Werde zermahlen; werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde in Öl/Fett gegeben. Die Frau8 salbt folglich ihren Kopf damit.
[Eb 251d] Auch9 wird sein Öl aus seinem Samen hergestellt, um den zu salben, der ein wḥꜣ.w-Hautleiden infolge von Flattern (?) und Faulen (oder: Taumeln) (hat), wobei das Aufstehen/Stillstehen (?) der rjwm-Körperteile (?)10, als [48,1] ob ihm (d.h. dem Mann?) nichts zugestoßen wäre, schwierig ist.
Um sie (d.h. die genannten Krankheitsphänomene) zu beseitigen, soll er (d.h. der Patient) aber beim Einreiben entsprechend der 10-Tage(-Kur), (genauer:) während des frühmorgendlichen Einreibens,11 berochen werden.
(Dieses Rezept ist) wirklich vortrefflich, Millionen Mal (erprobt)!

1 jrr.wt m wird in H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 332, Abschnitt F.II.a.1 als „herstellen aus“ verstanden (so schon H. L. M. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 25; und H. von Deines – W. Westendorf folgend von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 307 und Westendorf 1999, 594). Es wäre auch denkbar, das m instrumental aufzufassen (so V. Loret, Le ricin et ses emplois médicinaux dans l’ancienne Égypte, in: Revue de médecine 22, 1902, 687698, hier: 696, Anm. 1; DZA 21.285.380, W. R. Dawson, Studies in Medical History. (a) The Origin of the Herbal. (b) Castor-Oil in Antiquity, in: Aegyptus 10, 1929, 4772, hier: 53, Anm. 1; Ebbell 1937, 59; Grapow 1955, 49 und Bardinet 1995, 290).

2 m sẖꜣ.w js.wt: Stern, in: Ebers 1875, 7 gibt für js.wt die adjektivische Bedeutung „vetus“ vor, und so wird es in der nachfolgenden, älteren Literatur immer verstanden: H. L. M. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 25 („in einem alten Buche“), Joachim 1890, 62 („in alten (...) Bücher[n]“), V. Loret, Le ricin et ses emplois médicinaux dans l’ancienne Égypte, in: Revue de médecine 22, 1902, 687698, hier: 696 („d’anciens écrits“), DZA 21.285.380 („in einem alten Buch“), W. R. Dawson, Studies in Medical History. (a) The Origin of the Herbal. (b) Castor-Oil in Antiquity, in: Aegyptus 10, 1929, 4772, hier: 53 („in an ancient book“), Ebbell 1937, 59 („in old writings“). Dieser adjektivische, attributive Gebrauch von js.wt ist hier aber nicht möglich, weil js.wt feminin ist, sẖꜣ.w aber maskulin. Daher wird js.wt in der jüngeren Literatur immer als Nomen und sẖꜣ.w js.wt als Genitivverbindung interpretiert. Der Übergang erfolgt in Grapow 1955, 101 übersetzt noch „in alten Schriften“, H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958), 307 aber schon „in Schriften alter Zeit“, vgl. auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 104. So dann bei G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 48 („dans des écrits de l’ancien temps“), Westendorf 1999, 594 („in Schriften der alten Zeit“) und Bardinet 1995, 290 („dans des écrits de l’ancien temps“).

3 Hinzufügung der Genitivnisbe und damit Substantivierung der Relativphrase mit von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 231, Anm. 2 zum hiesigen Rezept. Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 beziehen n.tj dagegen auf den „Kopf“.

4 Emendation des jr zu jw mit Westendorf 1999, 594, Anm. 69. In den Teilen c und d hat der Schreiber ebenfalls zunächst jr geschrieben und es dann in jw verbessert. Prinzipiell sind aber dieser und der folgende Satz durch ein temporales oder konditionales Verhältnis miteinander verbunden; es wäre daher auch möglich, den Satz so zu belassen, wie er ist, und in diesem Satz die Protasis, im folgenden Satz die Apodosis eines Konditionalsatzes anzusetzen.

5 ḫr s: Der Anschluss des Agens mittels der Präposition ḫr ist sehr selten. Üblich ist ein Anschluß mit jn oder n.

6 whj: Eine selten genannte Krankheitserscheinung, die neben dem allgemeinen Klassifikator Gardiner Sign-list Aa2, dem „schlechten Paket“, im Rezept H 19 mit den drei Wasserlinien geschrieben ist, also vielleicht etwas Flüssiges bezeichnet. H 19 verschreibt gekochtes (psi̯) Rinderblut dagegen. Das davorstehende Rezept H 18 ist eines gegen Ausscheiden von Blut, woraus H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 202 folgern, dass whj mit Blut verbunden sei. In pLansing, 10,1–2 wird es dadurch verursacht, dass der Betroffene zu wenig Trinkwasser zur Verfügung hat, das zudem faulig und salzig ist (A. H. Gardiner, Late-Egyptian Miscellanies, Bibliotheca Aegyptiaca 7 (Bruxelles 1937), 108, R. A. Caminos, Late-Egyptian Miscellanies, Brown Egyptological Studies 1 (London 1954), 401).
Joachim 1890, 62 schlägt für whj m ḥs, sicher basierend auf dem Verb whi̯: „entgehen, entkommen, verfehlen“, eine Übersetzung als „Mangel an Excrementen“, d.h. Verstopfung, vor. Dieselbe Interpretation findet sich bei V. Loret, Le ricin et ses emplois médicinaux dans l’ancienne Égypte, in: Revue de médecine 22, 1902, 687698, hier: 696: „lorsque l’on a une absence de selles“ und bei W. R. Dawson, Studies in Medical History. (a) The Origin of the Herbal. (b) Castor-Oil in Antiquity, in: Aegyptus 10, 1929, 4772, hier: 53: „a person who is constipated“. Auch G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 135 hält diese Interpretation zumindest noch für möglich.
B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 59, 1924, 55–59, 144–149, hier: 148 vergleicht das Rezept H 19 dagegen mit Dioskurides, De mat. med. II 79, wo gebratenes Blut verschiedener Tiere gegen Dysenterie und „Bauchflüsse“ verschrieben wird. Obwohl unter den Tieren, deren Blut laut Dioskurides helfen soll, kein Rind genannt wird, hält Ebbell die Ähnlichkeiten für ausreichend, in whj eine Bezeichnung von Diarrhoe oder Dysenterie zu sehen. In Ebbell 1937, 59 entscheidet er sich dann für das weniger spezifische „looseness in his excrements (diarrhea)“. Dem schließt sich Westendorf 1999, 594 an: „Durchfall im Kot“. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 307, G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 135 und Bardinet 1995, 290 übersetzen whj dagegen nicht.
Wenn man whj als Diarrhoe versteht, wäre noch zu klären, wie in Eb 251b der präpositionale Anschluss m ḥs zu interpretieren ist. „Durchfall im Kot“, wie Ebbell und Westendorf 1999 vorschlagen, ist jedenfalls anzweifelbar, denn der „Durchfall“ wäre eine Erscheinungsform des Kots, aber wäre kaum etwas „im“ Kot. Sollte es ein „m of predication“ sein: „Durchfall als Kot“?

7 tꜣy=f pr.t: Mehrere griechische Autoren erwähnen den Gebrauch von Rizinusöl in Ägypten als Lampenöl und schreiben, dass die Ägypter die Rizinuspflanze κίκι genannt hätten. Auf dieser Zuschreibung basiert die Annahme in älterer Literatur, dass das kꜣkꜣ der medizinischen Texte dieses κίκι sei. Mit Verweis auf einige Texte der 3. Zwischenzeit und Spätzeit, namentlich die Statue Louvre A 90, auf der sgnn n dgm: „Öl des dgm-Baumes“ zur Beleuchtung eines Tempels verwendet wird, identifizierte dagegen E. Revillout, Taricheutes et choachytes. Seconde étude, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 18, 1880, 7080, 103120, 136148, hier: 92, Anm. 1 und ders., L’antigraphe des luminaires, in: Revue égyptologique 2, 1882, 7883, hier: 79, Anm. 4 eben dieses dgm und das in demotischen Texten genannte tkm als Rizinus. Dem schloss sich V. Loret, Le ricin et ses emplois médicinaux dans l’ancienne Égypte, in: Revue de médecine 22, 1902, 687–698, spez. 694 an. Zusätzlich verwies Loret auf das koptische Derivat ⲧⲏϭⲙⲉⲥ (S), ϫⲓⲥⲙⲓⲥ (B), das ebenfalls Rizinus bedeute. Seitdem wird üblicherweise das dgm der medizinischen Texte eben mit Rizinus übersetzt.
Für das Rezept Eb 251b bedeutet das, dass Rizinussamen gegen Diarrhoe verschrieben werden. Hierbei muss allerdings bedacht werden (Hinweis K. Stegbauer), dass die Samenschalen des Rizinus das hochtoxische Rizin enthalten und schon wenige Samen potenziell tödlich sind (vgl. RÖMPP und Toxnet, Zugriff: 24.01.2017). Kaut man also „etwas/einige von seinen Samen“, beseitigt das zwar das „Leiden im Bauch des Mannes“, aber auf eine potenziell endgültige Weise. Man kann daher vielleicht erwägen, dass in Eb 251b irgendeine zusätzliche Verarbeitungsanweisung der Rizinussamen nicht mit aufgezeichnet worden ist.

8 ḫr s.t: Ebbell 1937, 59 interpretiert ḫr als Einleitung des Agens, analog zu Eb 251b: „(...) and put into oil by the woman“. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 277.2.b und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 665 interpretieren ḫr dagegen als Bildungselement des Paradigmas ḫr=f/NP sḏm=f: „dann soll die Frau ihren Kopf damit einreiben“. Diese Interpretation ist die weitaus häufigere und findet sich schon bei V. Loret, Le ricin et ses emplois médicinaux dans l’ancienne Égypte, in: Revue de médecine 22, 1902, 687698, hier: 696: „Que la femme s’en enduise la tête“; W. R. Dawson, Studies in Medical History. (a) The Origin of the Herbal. (b) Castor-Oil in Antiquity, in: Aegyptus 10, 1929, 4772, hier: 53: „Let the woman anoint her head with it“; dann eben in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 307: „dann soll die Frau ihren Kopf damit salben“; weiterhin bei Bardinet 1995, 209: „alors la femme en enduira sa tête“ und Westendorf 1999, 594: „dann soll die Frau ihren Kopf damit salben“.

9 jw: Auch dieses jw ist aus etwas anderem verbessert worden. Während man beim jw von Abschnitt [c], v.a. im Vergleich mit dem jr von Abschnitt [b], noch vage Reste des ursprünglichen jr erkennen kann, ist hier in Abschnitt [d] nur noch zu erkennen, dass das jw über etwas Weggewaschenem steht – bei dem es sich aber sicher ebenfalls um ein jr gehandelt hat.

10 Vgl. den Kommentar in Eb 123.

11 ḫnm=f: Zur passivischen Übersetzung vgl. den Kommentar zur Parallele in Eb 123.

Eb 252

Ein anderes (Heilmittel)1 zum Beseitigen von Zittern2 im Kopf:
Wenn der Kopf eines Mannes zittert, legst du folglich deine Hand an seinen Kopf, ohne dass er dadurch Schmerzen bekommt.3
Du bereitest ihm folglich Natron, in Öl/Fett zermahlen: ∅, [48,5] Honig: ∅, Wachs: ∅.
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. (Der Kopf) werde darüber verbunden.

1 k.t n.t ist nicht rubriziert, um es von der vorigen, rubrizierten, Passage abzusetzen.

2 dꜣw.t: Eine Ableitung von dꜣ: „zittern“. Vielleicht ist auch ein Wackeln am Kopf, also eine äußerliche Erscheinung, gemeint.

3 D.h.: nicht so fest?

Eb 253

Ein anderes Heilmittel für einen Kopf, der schmerzt, (und um) Krankheitsauslöser (?) schwinden (zu) lassen:1
Weihrauch: 1 (Dosis), Fettes von jbw-Pflanzen: 1 (Dosis), jbr-Öl: 1 (Dosis), Schilfrohr: 1 (Dosis), Fett: 1 (Dosis).
Werde zermahlen; werde gekocht. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

1 ssꜣꜣ wḫd.w: In älteren Übersetzungen als Krankheitsterminus ssꜣꜣ verstanden, vgl. bspw. DZA 31.876.670 oder Ebbell 1937, 60. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 795 und von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 47, Anm. 1 schlagen dagegen vor, analog zu Eb 254 ssꜣi̯.t wḫd.w zu lesen. Zur scheinbaren Geminierung von ssꜣ und der ungewöhnlichen Klassifizierung von wḫd.w mit dem schlechten Vogel s. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 795, Anm. 4: Mit Verweis auf Möller 1909, Nr. L schlagen H. von Deines – W. Westendorf vor, den vermeintlichen zweiten Schmutzgeier eher als Ligatur aus t und laufenden Beinchen zu verstehen. Außerdem wird vorgeschlagen, das schlechte Paket nicht über, sondern hinter dem schlechten Vogel stehend zu interpretieren. So ist dann in Grapow 1958, 59 wḫd.w tatsächlich so geschrieben, als stünde es im Original hinter ssꜣꜣ; dieses Verb ist aber weiterhin mit zwei Schmutzgeiern wiedergegeben. Tatsächlich sieht das hieratische Zeichen genau so aus wie der Schmutzgeier davor, so dass der Vorschlag von H. von Deines – W. Westendorf vielleicht eher einen antiken Schreibfehler als einen modernen Transliterationsfehler voraussetzt. Leider gehört diese Kolumne zu den Kriegsverlusten, so dass es kein Foto von ihr gibt und man einzig auf das Faksimile angewiesen ist. Daher kann nicht geprüft werden, ob möglicherweise irgendeine von Ebers 1875 nicht erkannte Korrektur vorliegt.

Eb 254

Ein anderes Heilmittel für einen Kopf, der schmerzt, (um um) die Krankheitsauslöser (?) schwinden (zu) lassen:
Weihrauch: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Gänsefett: 1 (Dosis).
Werde gekocht. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

Eb 255

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln des Kopfes:
Öl vom Ostafrikanischen Kampfer (?): 1 (Dosis), jbsꜣ-Pflanzen: 1 (Dosis), gnn-Teil [48,10] vom ẖsꜣ.yt-Balsam: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis).
(Der Kopf) werde damit täglich eingerieben.
Das (dient der) Behandlung des Kopfes.

Eb 256

Ein anderes (Heilmittel):
Bestes (?) vom Weihrauch: 1 (Dosis).
Der Kopf werde damit sehr oft eingerieben.

Eb 257

Ein anderes (Heilmittel) zum Gesundmachen eines Kopfes, der schmerzt:
Schilfrohr: 1 (Dosis), Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Koniferenharz: 1 (Dosis), pꜣꜥr.t-Holz (?): 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Fett: 1 (Dosis).
Werde zermahlen. Werde an den Kopf gegeben.

Eb 258

Ein anderes (Heilmittel):
Kreuzkümmel: 1 (Dosis), gsfn-Droge: 1 (Dosis), Früchte/Samen der tntm-Pflanze: 1 (Dosis), Myrrhe: 1 (Dosis), Olivenöl: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Lotos:1 ∅.
Werde zermahlen. Werde an den Kopf gegeben.

1 sšn: Westendorf 1999 ergänzt eine Mengenangabe, Bardinet 1995 nicht.

Eb 259

Ein anderes (Heilmittel) zum [48,15] Kühlen eines Kopfes, der schmerzt:
Ocker: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), versteinertes Holz:1 1 (Dosis), wꜣnb-Pflanzen2: 1 (Dosis), Ostafrikanischer Kampfer (?): 1 (Dosis), Geweih des Damhirschs:31 (Dosis), Gummiharz: 1 (Dosis), nṯr.yt-Natron4: 1 (Dosis), Lehm5 des Töpfers: 1 (Dosis), Johannisbrot: 1 (Dosis), Wasser: 1 (Dosis).
Werde zermahlen. Werde an den Kopf gegeben.

1 ḫt-ꜥwꜣ: Wörtl.: „verfaultes Holz“. In einer ptolemäischen Mineralienliste aus Edfu als Import aus Punt genannt (s. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 753). Darauf verweist Ebers 1889, 73 [= 205], Anm. 14, und vermutet hierin „Holz in zerreibbarem Zustand“. Weil es mehrfach zusammen mit festen Substanzen verarbeitet werden soll, denkt er konkret an ein Bindemittel und schreibt dem ḫt-ꜥwꜣ daher neben dem zerriebenen auch einen feuchten Zustand zu. Auf diese Besprechung verweist Joachim 1890, 64 mit Anm. 4, bleibt aber bei einer wörtlichen Übersetzung als „Fauliges Holz (?)“. Ebbell 1937, 133 vermutet ohne Angabe von Gründen Aloe socotrina – ob sich die Festlegung zumindest der Pflanzenart gerade mit der Herkunft aus Punt begründen lässt? Laut R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 102 ist diese Pflanze aber erst in römischer Zeit nach Ägypten gekommen. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 178–179 verweist auf Nennungen von ḫt-ꜥwꜣ eben in einer Mineralienliste. Dieses Produkt sei daher von den Ägyptern wohl nicht als Pflanze, sondern als mineralischer Stoff klassifiziert worden, sah aber offenbar holzartig genug aus, um eben als „verfaultes Holz“ umschrieben zu werden. Er vermutet versteinertes Holz.

2 wꜣnb: H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 124 vergleicht mit Eb 555, wo die wꜣb-Wurzel vom tj-šps-Baum genannt wird, und erwägt in Eb 259 eine fehlerhafte Schreibung dafür, u.a. verursacht durch den Zeilenumbruch innerhalb von wꜣnb. Diese Vermutung findet sich auch bei Westendorf 1999, 596, Anm. 71. Es ist allerdings auch nicht auszuschließen, dass eine Schreibung für wnb: „Blüte“ vorliegt.

3 db n hnn: Das Ägyptische unterscheidet nicht zwischen Hörnern und Geweihen. Beides wird gleichermaßen als db: „Horn“ bezeichnet.

4 nṯr.yt: Wohl eine Natron(/nṯr.j)-Art oder -bereitungsform, vgl. Breasted 1930, 412 und H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 319.

5 dbn: Breasted 1930, 412 denkt an „mortar“. In der Lehre des Cheti, § 9.3, wird der Töpfer dahingehend karikiert, dass seine Kleidung steif (nḫt) vor daran haftendem dbn ist. Von Reisner stammt der Vorschlag „pottersclay“; vgl. auch J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 207. Bardinet 1995 lässt das Wort unübersetzt.

Eb 260

Ein anderes (Heilmittel) für einen Kopf und für eine Schläfe:
Weihrauch: 1/64 (Dja), ḥḏ.w-Harz: 1/64 (Dja), nṯr.yt-Natron: 1/32 (Dja), snn-Harz: 1/32 (Dja), Malachit: 1/32 (Dja), Bleiglanz: 1/32 (Dja), Erz aus Kusae: 1/32 (Dja), wꜣḥ-[48,20]-nḥb.t-Mineral/-Pflanzen1: 1/64 (Dja): Wasser: ein halbes Dja (?).
Werde zermahlen. Werde an die Schläfe gegeben.

1 wꜣḥ-nḥb.t: Mit dem Hausgrundriss klassifiziert und nur hier belegt. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 166 nennt ein ebenfalls nur einmal belegtes Mineral wꜣḥ vom pChester Beatty IV, vso. 8,2 (gleichfalls mit dem Steinklassifikator geschrieben) und erwägt in Anm. 2 einen Zusammenhang mit dem hier stehenden wꜣḥ-nḥb.t. Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 vermuten ebenfalls ein Mineral. In ptolemäischen Texten gibt es ein mit Pflanzenstängel oder einer Lotosblüte klassifiziertes wꜣḥ-nḥb.t. Dabei könnte es sich um einen Lotoskranz, eine Lotospflanze, oder um eine spezifische Wasserpflanze handeln – die Deutung ist nicht ganz sicher. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 196 nennt in der Diskussion zu diesem Wort abschließend auch die Ebers-Stelle. Sie stellt zwar keine explizite Verbindung zwischen beiden Lemmata her, suggeriert aber durch die Nennung, dass sie eine solche für denkbar hält.

Eb 261–283: Heilmittel gegen Festsetzungen des Harns und Schmerzen im Unterleib

Eb 261

Anfang1 der Heilmittel zum Beseitigen einer Festsetzung von Harn, wenn der Unterleib krank ist:2
sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja), Datteln: ein viertel (Dja), Erdmandeln, gekocht: ein viertel (Dja), Wasser: ein halbes und ein viertel (Dja).
Werde zermahlen; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 Bardinet 1995 setzt das ḥꜣ.t-ꜥ-m als „Eb 261“ vom Rest des Rezeptes als „Eb 261bis“ ab. ḥꜣ.t-ꜥ-m ist aber üblicherweise an das Folgende angeschlossen; aus grammatischer Sicht ist ein Anschluss sogar zwingend, weil die Präposition m (wie Präpositionen allgemein) eine syntaktische Ergänzung erfordert. Ihm ist in gewisser Weise recht zu geben, dass sich die Einleitung sicher nicht nur auf dieses eine Rezept, sondern auf eine ganze Gruppe (Eb 261–283) bezieht; vgl. auch schon DZA 26.534.580.

2 Wenn das Faksimile dieser Kolumne zuverlässig ist, könnte die Überschrift ganz oder teilweise eine Korrektur sein: Die Faksimile-Fassung mit Papyrushintergrund zeigt unter pẖr.t n.t rote Spuren, als wären es Tintenreste eines früheren Textes; und der Abstrich des Klassifikators von kns liegt über dem s des sw.t-Emmers, ist also nach diesem hingeschrieben worden. Leider ist das Original dieser Kolumne ein Kriegsverlust, sodass sie nicht kollationiert werden kann. In anderen Kolumnen sind manche Tintenspuren nicht ins Faksimile übernommen worden und umgekehrt lassen sich manche Tintenspuren aus dem Faksimile nicht am Original bestätigen. Doch immerhin der Abstrich des kns könnte aussagekräftig sein.

Eb 262

Ein anderes (Heilmittel) zum Veranlassen, dass ein Kind [49,1] die Anhäufung von Harn1 ausscheidet, die in seinem Bauch ist:
Ein altes Schriftstück2, gänzlich ausgeglüht (und) in Öl/Fett (gegeben).
Sein Bauch werde (damit) gesalbt, um seinen Harn(fluss) zu regeln.

1 ṯs.w n mw.yt: Wb 5, 399.13 (mit Verweis auf Wb 5, 409.5) vermutet, dass es sich um dasselbe Phänomen wie das ṯs.t n.t mw.yt von Eb 261 handelt, aber Schreibung und Genus differieren.

2 Mit dem „alten Schriftstück“ ist kein beliebiges Stück „Altpapyrus“ gemeint, sondern ein Papyrus mit einem Rezept oder einem magischen Spruch aus „alter Zeit“, vergleichbar mit dem in Eb 251 erwähnten Schriftstück. Durch die Verarbeitung eines solchen Schriftstückes sollte die darin niedergeschriebene Heilwirkung auf den Patienten übergehen.

Eb 263

Ein anderes (Heilmittel) zum Ordnen des Harns:
Rispe vom Schilf: 1/8 (Dja), Datteln1: ein viertel (Dja), Spitzen/Triebe (?) der ḫꜣs.yt-Pflanze: ein viertel (Dja), Honig: ein halbes Dja (?), Beeren vom Stech-Wacholder: ein viertel (Dja), Wasser: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 bnrj: Westendorf 1999 scheint versehentlich die Wurzel, mit der bnr determiniert ist, als Papyrusstängel wꜣḏ verlesen zu haben, denn er übersetzt „grüne Datteln“.

Eb 264

Ein anderes (Heilmittel) zum Richten von Harn im Überfluss (?)1:
gw-Gras: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: [49,5] 1 (Dosis), Wurzel der bḥḥ-Pflanze2: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse zerstoßen; werde nachts mit süßem Bier stehen gelassen. Werde getrunken, und das, indem der Satz (?) daran ist.

1 ḥꜣ.w ist mit dem sitzenden Mann geschrieben. Sterns Vorschlag (in: Ebers 1875, 114), hierin die Bezeichnung für einen Erwachsenen („homo adultus“) zu sehen, wodurch Eb 264 ein Gegenstück zu Eb 262 wäre, ist interessant, aber rein spekulativ und würde das Wort zu einem Hapax legomenon machen. Sein Vorschlag findet sich noch bei Joachim 1890, 66 und, mit einem Fragezeichen versehen, auf DZA 23.952.770. Ebbell 1937, 61 denkt dagegen an das normale Wort ḥꜣ.w: „Überfluss“: „the too excessive urine“. So auch G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 148: „une urine excessive“, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 135: „Harnüberfluss“ und Westendorf 1999, 597: „Harn des Überflusses“. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 117, Anm. 1, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 583, Anm. 2 und Westendorf 1999, 597, Anm. 73 schlagen hierfür dezidiert vor, den sitzenden Mann in die Buchrolle zu emendieren. Alternativ halten H. von Deines – W. Westendorf es aber auch für denkbar, dass mit dem Wort eine „Person, die Überfluß hat“ gemeint sein könnte. Diesen Vorschlag übernimmt Bardinet 1995, 292: „l’homme qui a de l’excédent“.

2 bḥḥ: Eine nur hier belegte Pflanzenbezeichnung. Es ist aber denkbar, dass sie mit der bḥ-Pflanze und/oder der nbḥḥ-Pflanze verbunden werden kann (vgl. schon DZA 22.906.630 und DZA 22.905.180), deren Identifikation aber ebenso unmöglich ist.

Eb 265

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Stauung von Hitze an der Blase, wenn er (d.h. der Patient) an Verhaltungen des Harns leidet:
Unterägyptisches Salz: 1/64 (Dja), mhwj-Milchfett: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Olivenöl: 1 (Dosis), Honig: 1 (Dosis), süßes Bier: 1 (Dosis).
Werde in das Rektum gegossen.

Eb 266

Ein anderes (Heilmittel) 〈zum〉 Ordnen des Harns, wenn er nicht geordnet ist:
Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), šꜣšꜣ-Früchte: 1/8 (Dja), Gänsefett: 1/8 (Dja), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Erdmandeln: 1/8 (Dja), [49,10] Schnitzel (?) von Datteln: 1/16 (Dja), frische Datteln: 1/32 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 267

Ein anderes Heilmittel, etwas, was zu tun ist1 für den, der an einer ḥnꜥ.w-Zusammenziehung seines Harnes leidet:
Leber vom jwꜣ-Mastrind2: 1 (Dosis), jns.t-Pflanzen: 1 (Dosis).
((Werde zu)) einem pꜥ.t-Gebäck ((verarbeitet)). Werde vom Mann gegessen.

1 pẖr.t (regulär mit Pluralstrichen geschrieben) jrr.wt: Für das Verhältnis der Numeri zueinander gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten:
(1) Die Pluralform jrr.wt zeigt, dass pẖr.t an dieser Stelle syntaktisch als Plural aufgefasst wurde. Vgl. dazu auch die Verwendung pluralischer Demonstrativpronomen bei pẖr.t, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 288, s.v. B.IX.c.4–5. Daneben kommt aber auch die Verwendung singularischer Demonstrativpronomina bei gleicher Schreibung vor, B.IX.c.1–3.
(2) pẖr.t ist auch hier singularisch und die Pluralstriche von jrr.wt sind zu tilgen.
(3) jrr.wt ist substantiviert und eine selbstständige Apposition zu pẖr.t, analog zu den Fällen, in denen es allein ein Rezept einleitet, vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 93, s.v. jri̯, § 2 (zu A IV) und Grapow 1955, 49, v.a. letzter Absatz.
Hier wird Erklärung (3) favorisiert, weil sie weder eine Emendation notwendig macht noch die Stelle den Fällen für Numerusinkongruenz hinzufügt.

2 jwꜣ ist logographisch geschrieben. Es könnte also auch jḥ zu transkribieren sein, das sehr oft allein mit dem Rind und dem Ideogrammstrich geschrieben wird. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 608 merken aber an, dass es in den medizinischen Texten keinen Beleg für jḥ in Pleneschreibung gäbe. H. Grapow – H. von Deines führen Eb 156 und 157 an, wo ꜣjs n jwꜣ genannt wird, und vergleicht es mit deren Varianten Bln 179 und 180 sowie Bt 26, wo statt jwꜣ nur logographisch das Rind steht. Daher liegt die Lesung jwꜣ für das logographisch geschriebene Rind nahe. Bardinets „taureau“ (Bardinet 1995) dürfte eine Lesung als kꜣ: „Stier“ wiedergeben. Westendorf 1999 übersetzt „Rind“, so dass unsicher ist, ob er jwꜣ oder das allgemeinere jḥ gelesen hat.

Eb 268, vgl. Bln 185

Ein anderes (Heilmittel):
Leinsamen (?): 1/8 (Dja), das Innere vom Johannisbrot: 1/32 (Dja), sw.t-Wildweizen, zerstoßen: ein viertel (Dja), Gänsefett: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), jḥ.w-Pflanzen: 1/8 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 269

Ein anderes (Heilmittel) zum Ordnen des Harns:
„Stechholz“: 1 (Dosis).
Werde in Pflanzenbrei zerstoßen. Werde an die Eichel / den Penis1 gegeben.

1 bꜣḥ: Der Penis heißt ḥnn, die Vorhaut ṯꜣm. Deswegen, und weil in der Sonnenlitanei ḥnn und bꜣḥ als zwei verschiedene Organe genannt werden, wird im H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriss der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 86 in bꜣḥ ein Wort für die Eichel vermutet. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 241 fügen dem Argument noch die Glosse Sm 10,20 hinzu, derzufolge bꜣḥ das pḥwj ḥnn=f, das „Ende seines Penis“ ist. Dies widerspricht dem älteren H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriss der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 86, wo unter dem pḥwj derselben Passage die „Ansatzstelle des Penis am Körper“, also eher die Peniswurzel, vermutet wird. G. M. Sanchez – E. S. Meltzer, The Edwin Smith Papyrus. Updated Translation of the Trauma Treatise and Modern Medical Commentaries (Atlanta 2012), 201 und 203 übersetzen schlicht mit „the end of his penis“, ohne sich genauer festzulegen, welches Ende sie meinen.
W. A. Ward, The four Egyptian homographic roots B-ꜣ. Eymological and Egypto-Semitic studies, Studia Pohl. Series maior 6 (Rome 1978), 124–127 führt das Wort bꜣḥ auf das Verb bꜣ: „pour out semen“ mit -Suffix zurück und gibt als Grundbedeutung für bꜣḥ „what pours out semen“ an. Ward vermutet, dass bꜣḥ sowohl den Penis als auch spezifischer die Eichel bezeichnen kann. Anmerkenswert ist hier, dass im Stundenbuch bꜣḥ=s: „ihr [fem.] bꜣḥ“ gemeint ist. Aus diesem Grund vermutet Breasted 1930, 325, dass bꜣḥ nur allgemein „sexual organ“ meint.

Eb 270

Ein anderes (Heilmittel):
Halm der sw.t-Binse: 1 (Dosis), Langbohnen, [49,15] gänzlich ausgeglüht: 1 (Dosis).
Werde in Öl/Fett gegeben. Die Eichel / der Penis1 werde damit gesalbt.

1 Die hier vorliegende Graphie von bꜣḥ erinnert eher an das Wort mt: „Gefäß“, aber der Kontext zeigt, dass ein Wort für „Penis“ vorliegt.

Eb 271

Ein anderes (Heilmittel):
Ein Hin-Topf, gefüllt mit Sumpfwasser1: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), „Schwänze“ der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1 (Dosis), Pflanzenbrei: 1 (Dosis), jꜥy.t-Droge2 vom Bier: 1 (Dosis), ḫꜣ.w-Blätter der šzp.t-Melone (?): 1 (Dosis), frische Datteln: 1 (Dosis).
Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 mw n.w zš: Das Lemma kann sowohl den Sumpf als auch einen Vogelteich oder ein Vogelnest bezeichnen. Letzteres ist innerhalb der Drogenbezeichnung mw n.w zš: „Wasser vom “ unwahrscheinlich, weil ein Vogelnest in der Regel trocken ist. Die Determinierung in Eb 271 mit dem Kanal könnte in Richtung „Sumpf“ weisen, wohingegen der kultivierte „Sumpf“, also der Teich bzw. der Geflügelhof, oft mit einem Hausgrundriss determiniert ist. Allerdings kommt es zu Überschneidungen in diesen Graphien und es wäre eine genauere Untersuchung nötig, um Klarheit zu erlangen, ob man in diesem Falle über die Klassifikatoren die Bedeutungen wirklich differenzieren kann. Im Wb sind jedenfalls alle drei Bedeutungen einem einzigen Lemma zugeordnet, wobei die Verbindung mw n.w zš als „Sumpfwasser“ angegeben ist (Wb 3, 484.3). R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 246 differenziert zwischen den Lemmata : „marsh“ und zšj: „nest“. Die Bedeutung „Vogelteich“ ist nicht mit aufgeführt. Die Graphie von Eb 271 würde in seiner Lemmaverteilung ebenfalls in die Kategorie „marsh“ fallen. Es ist allerdings gut denkbar, dass im Ägyptischen gar nicht zwischen dem Sumpf und dem Vogelteich unterschieden wird, wie es die Homophonie bzw. Homographie auch nahelegt, so dass effektiv nicht festzustellen ist, ob Wasser aus sumpfigen Gegenden oder solches aus einem Vogelteich gemeint ist.

2 jꜥj.t: Eine unbekannte, nur viermal belegte Droge. Sie ist einmal (Eb 271) mit drei Wasserlinien, einmal mit Wasserlinien und Topf (Bln 154), einmal nur mit Topf (H 62) und einmal mit Brot (Ram III A23) determiniert. Im Fall der Verbindung mit ḥnq.t schlägt G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 146 „écume (?) de bière“ vor, weist aber in Anm. 6 auf die Unsicherheit der Übersetzung hin.

Eb 272

Ein anderes (Heilmittel):
Holz vom Christdorn: 1 (Dosis).
Werde in einem „Dritten (Abguss)“ (?) von mstꜣ-Flüssigkeit zerstoßen. Die Eichel / der Penis werde damit gesalbt.

Eb 272bis = Ram III A 30–311

Ein anderes (Heilmittel) zum Ordnen des Harns eines Kindes:
ꜣgg.t-Faser (?)2, die im Schilf ist: ∅.
Werde gänzlich in süßem Bier zerrieben, [49,20] einem Napf3 (voll), im (Zustand des) Gerinnen(s) (?)4.5
Werde von der Frau getrunken.6 In einem Hin-Topf werde (es) dem Kind gegeben.

1 Das Rezept hat von Wreszinski 1913 keine eigene Nummer erhalten. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 und Grapow 1958, Bardinet 1995 und Westendorf 1999 nummerieren es als 272bis.

2 ꜣgg.t: Ein Hapax legomenon; die von den Übersetzern standardmäßig angesetzte Bedeutung „Mark“ ergibt sich nur aus der hiesigen Qualifizierung, dass es sich in einem Pflanzenstängel befindet. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 82–83 versieht diese Übersetzung zu Recht mit einem Fragezeichen, weil Schilfrohr kein Mark in den Halmen hat. Aufgrund dessen zweifelt sie allerdings eher die Identifizierung von nbj.t mit Schilfrohr an als umgekehrt die Übersetzung von ꜣgg.t mit Mark. Im Rezept Eb 325 wird jedoch ein šbb n nbj.t, ein „Rohr der nbj.t-Pflanze“, als Teil einer Inhalationsapparatur genannt, durch das der Rauch des beschriebenen Heilmittels eingeatmet werden soll. Diese Pflanze hat demzufolge einen röhrenartigen, d.h. innen hohlen, Bestandteil, was gut zum Schilfrohr passt. Die Frage nach der Bedeutung von ꜣgg.t ist damit weiterhin offen, muss aber bei nur einem einzigen Beleg reine Spekulation bleiben. Vielleicht ist die innere Schicht (das innere Parenchym) des Schilfrohres gemeint, oder die Pflanzenfasern unter der verholzten Außenschicht. Aber es kommt auch jeder andere Teil in Frage, v.a. da Halm und Rispe als Bestandteile vom nbj.t genannt werden, dieses Wort also wohl die Pflanze in ihrer Gesamtheit und nicht nur die signifikanten Halme bezeichnet.

3 ḫꜣw: Bis auf T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), die an das ḫꜣ.wj-Getränk denkt, gehen alle davon aus, dass hiermit die Gefäßbezeichnung Wb 3, 225.10–16 vorliegt (so auch das Wb, vgl. DZA 27.607.110 und DZA 27.607.330, sowie H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 648). Pommerenings Übersetzung würde eine zweifache Emendation voraussetzen: einmal die Hinzufügung einer Präposition vor ḫꜣ.wj und zum zweiten die Streichung des m. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 und Bardinet 1995 scheinen das Gefäß als Apposition zum Bier zu stellen; die Wortfolge wäre regulär. Westendorf 1999 fügt in Klammern die Präposition „in“ dazu und macht aus der Apposition eine parenthetische Ortsangabe, wo die Drogen verarbeitet werden sollen. Das trifft sicher den Inhalt der Aussage und wäre daher ebenfalls denkbar. Die vielleicht darauf zurückgehende Übersetzung von R.-A. Jean – A.-M. Loyrette, La mere, l’enfant et le lait en Egypte ancienne. Traditions médico-religieuses. Une étude de sénologie égyptienne (textes médicaux des papyrus Ramesseum nos III et IV) (Paris 2010) („dans une coupe“) scheint dagegen etwas zu frei.

4 Der Zusatz m bꜣg ist schwer zu interpretieren. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 und Westendorf 1999 denken an eine zusätzliche Zustandsbeschreibung des Bieres, T. Pommerening, Neues zu den Hohlmassen und zum Medizinalmasssystem, in: S. Bickel – A. Loprieno (Hrsg.): Basel Egyptology Prize 1. Junior Research in Egyptian History, Archaeology, and Philology, Aegyptiaca Helvetica 17 (Basel 2003), 201–219 an eine solche des ḫꜣ.wj-Getränks. Die Interpretation von Bardinet 1995 würde eine Emendation zu r bꜣg=s erfordern; diejenige von R.-A. Jean – A.-M. Loyrette, La mere, l’enfant et le lait en Egypte ancienne. Traditions médico-religieuses. Une étude de sénologie égyptienne (textes médicaux des papyrus Ramesseum nos III et IV) (Paris 2010) würde zu große Eingriffe voraussetzen. Sollte eine Textverderbnis vorliegen? Die Parallele auf pRamesseum III, A 30–31 schreibt: sjn ḥr ḥ(n)q.t bꜣg.t ḫꜣ.wj nꜥꜥ: „(...) reduced to paste with a ḫꜣwy-bowl of thick beer; it is to be finely mixed (...)“ (J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 20).

5 von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 295 übersetzen: „werde ganz und gar verrieben in süßem Bier, eine Schale (ḫꜣw), in geronnenem Zustand“. Bardinet 1995, 293: „(Ce) sera pilé dans une vase-khaou de bière douce, de sorte qu’elle soit épaisse.“ Westendorf 1999, 598: „werde ganz und gar verrieben mit süßem Bier, (in) einer Schale, in geronnenem Zustand“. T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 10 (Hamburg 2005), 200: „werde ganz und gar verrieben mit süßem Bier zu geronnenem ḫꜣw(y)-Getränk“. R.-A. Jean – A.-M. Loyrette, La mere, l’enfant et le lait en Egypte ancienne. Traditions médico-religieuses. Une étude de sénologie égyptienne (textes médicaux des papyrus Ramesseum nos III et IV) (Paris 2010), 141: „À broyer complètement dans une coupe de lie épaisse de bière douce“.

6 Westendorf 1999, 440 merkt die Besonderheit an, dass das Mittel sowohl vom Kind als auch von der Mutter getrunken wird.

Eb 273

Was zu tun ist für ein Kind, das unter Nässen (?)1 leidet:
Fayence, gänzlich zu einer Pille ausgeglüht: ∅.
Wenn es ein älteres Kind ist, soll es sie durch Schlucken2 verschlucken.
Wenn es in Windel(n) ist (d.h. noch ein Kleinkind), [50,1] soll für es (die Pille) von seiner Amme in Milch zerrieben werden;3 werde davon über 4 Tage hinweg gelutscht (?)4.

1 ḏꜣḏ.yt: Mit den Wasserlinien klassifiziert und vielleicht mit nḏꜣḏꜣ zu verbinden. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 997 vermuten „Nässen“; R.-A. Jean – A.-M. Loyrette, La mere, l’enfant et le lait en Egypte ancienne. Traditions médico-religieuses. Une étude de sénologie égyptienne (textes médicaux des papyrus Ramesseum nos III et IV) (Paris 2010), 153 schlagen konkret Harninkontinenz vor.

2 ꜥm als Nomen in den medizinischen Texten nur hier belegt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 139, Anm. 3 lehnt eine alternativ denkbare Erklärung als Komplementsinfinitiv ab, weil diese nicht durch Präpositionen angeschlossen sind, und schlägt die Übersetzung „Schluckmittel (?)“ vor.

3 sjn ḥr jrṯ.t: Westendorf 1999, 598 vermutet, dass die Pille konkret auf der Brust der Amme verrieben werden soll, damit der Säugling die Medizin während des Stillens aufnehmen kann.

4 kff wird auffälligerweise nicht mit dem üblichen Klassifikator für Nahrungsaufnahme, dem Mann mit der Hand am Mund, geschrieben, sondern mit dem Mund, aus dem eine Flüssigkeit heraustritt. Wohl aus dem Grunde gab das Wb 5, 122.2 die Bedeutung „sabbern (vom Kinde an der Brust)?“ an. Das Verb kfꜣ: „ausspeien, ausfließen“ kann genauso wie hier kff geschrieben werden und kfꜣ r heißt: „fließe aus in Richtung ...“. Ob man verstehen soll, dass die Amme die dermaßen in Milch verrührte Fayence in den Mund nehmen und in den Mund des Säuglings spucken soll? Die Frage wäre dann nur, worauf sich das Suffixpronomen nach der Präposition r bezieht.

Eb 274, vgl. Eb 279, H 66

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Harn, der in großer Menge auftritt:
Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Wasser: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 275, vgl. Eb 277

Ein anderes (Heilmittel):
Gummiharz: ein viertel (Dja), Grütze vom sw.t-Wildweizen: ein viertel (Dja), frischer ꜣḥ-Brei: ein viertel (Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 276 =Eb 281

[50,5] Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Harndrang:
Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), gw-Gras: 1 (Dosis), Bier: ein Hin (= 1,6 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 277 = H 63, pLouvre E 32847, Rto. x+6,1–2, vgl. Eb 275

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Harn, der in großer Menge auftritt:
Gummiharz: ein viertel (Dja), Grütze vom sw.t-Wildweizen: ein viertel (Dja), frischer ꜣḥ-Brei: ein viertel (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Honigwasser1: 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja).
Werde nachts stehen gelassen; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 mw bj.t: Bislang stets als zwei Drogen verstanden; die folgende, für Honig relativ große Menge hat von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, Anm. 116, Anm. 2 zu Eb 277 veranlasst zu „vermuten (...), Wasser und Honig gehörten hier zusammen als: Wasser 15 ro mit Zusatz von Honig“. Dennoch setzen von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 134 Wasser und Honig durch ein Semikolon voneinander ab, wie es zwischen einzelnen Drogen steht. Westendorf 1999, 599 verfolgt dann die im Kommentar geäußerte Idee weiter und übersetzt „Wasser (und) Honig“; Bardinet 1995, 293 und B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 105 stellen beide Drogen, wie in der Übersetzung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, nebeneinander: Bardinet mit Semikolon „eau ; miel“ Lalanne/Métra nur mit Komma getrennt: „eau, miel“ (sonst setzen sie zwischen Drogen ebenfalls ein Semikolon, so dass das hier gewählte Komma vielleicht doch eine nähere Verbindung andeuten soll). Die Vermutung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II dürfte durch die neue Parallele in pLouvre E 32847 Bestätigung finden, wo mw n bj.t steht: „Wasser vom Honig“ oder „eau miellée“, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 69.
In H 63 steht nur mw, das sogar in noch größerer Menge, nämlich 5 Dja, verschrieben wird. In Eb 275 stehen nur die ersten drei Ingredienzien.

Eb 278 = H 64, vgl. H 67

Ein anderes (Heilmittel):
Wurzel des qꜣd.t- Kriechkrauts: ein viertel (Dja), Weintrauben: 1/8 (Dja), Honig: ein viertel (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/32 (Dja), süßes Bier: 1/64 + ein halbes 1/64 (Oipe = 1,5 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über [[4]] 〈〈1〉〉 Tag hinweg getrunken.

Eb 279 = H 66, vgl. Eb 274

[50,10] Ein anderes (Heilmittel):
Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Gummiharz: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 280 = H 65, vgl. Bln 33

Ein anderes (Heilmittel):
Gummiharz: 1/32 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 281 = Eb 276

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Harndrang:
Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), gw-Gras: 1 (Dosis), Bier: ein Hin (= 1,6 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 282 = H 68

Heilmittel zum Halten des Harns:
Sellerie des Berglandes: ein viertel (Dja), unterägyptischer Sellerie: 1/8 (Dja), oberägyptische jbw-Pflanzen: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), frischer ꜣḥ-Brei1: 1/8 (Dja), [50,15] unterägyptische jbw-Pflanzen: 1/16 (Dja), 〈〈pšn.t-Droge2: 1/16 (Dja), wꜣm-Früchte3: 1/16 (Dja)4, dwꜣ.t-Pflanzen5: 1/16 (Dja), Wasser: 1/16 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.〉〉6

1 ꜣḥ-wꜣḏ: Die Mengenangabe ist teilweise über den Schwanz der -Kobra geschrieben und ragt etwas in das Interkolumnium hinein, trägt also den Charakter eines Nachtrags.

2 pšn.t: Nur zweimal im Ebers und einmal mit der Metathese zu špn.t im pHearst. Eine unbekannte Droge. Der Klassifikator lässt keine sichere Entscheidung zu, ob eine Pflanze oder ein Mineral vorliegt.

3 wꜣm: Ohne Determinativ, und die Mengenangabe ist nachträglich dahinter gequetscht.

4 pšn.t 1/16 wꜣm 1/16 ist insgesamt sehr gedrängt geschrieben und dürfte eine Korrektur sein. Vom ursprünglichen Text ist nichts mehr vorhanden. Vor dem mw ist die Spur eines roten Abstriches zu erkennen, sodass auch dieses und die davorstehende Maßangabe Korrekturen sind; man wird daraus folgern dürfen, dass auch das dwꜣ.t eine Korrektur ist, auch wenn darunter keine älteren Tintenspuren zu erkennen sind. Vgl. auch H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 43.

5 dwꜣ.t: Immer nur mit dem Stern ohne phonetische Komplemente geschrieben. Daher ist die Lesung als dwꜣ.t nicht sicher.

6 sḏr n jꜣd.t ꜥtḫ swr r hrw 4 ist sehr gedrängt geschrieben und ragt in das Interkolumnium. Ab dem davor stehenden mw 1/16 sind rote Farbspuren des älteren Textes zu erkennen (vgl. auch H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 43). Hier hat ursprünglich der Beginn von Eb 283 gestanden, wie Westendorf 1999, 600, Anm. 76 zurecht vermutet. Der Platz ist ausreichend für k.t pẖr.t, aber im Grunde auch noch für etwas mehr, so dass der Rezeptanfang nicht mit Sicherheit komplett rekonstruiert werden kann.

Eb 283

[[[Ein anderes Heilmittel ...]]] zum Regeln des Harns, wenn der Unterleib schmerzt, beim ersten Mal, dass er (scil.: der Harnfluss) leidvoll/schmerzhaft ist:
Honig: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1 (Dosis), gw-Gras: 1 (Dosis), jšf-Droge1 des Bäckers: 1 (Dosis), ḫs-Teil der Sykomore: 1 (Dosis), Wurzel der kꜣkꜣ-Pflanze: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), frische Datteln: 1 (Dosis), Wurzel der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1 (Dosis), ꜣḥ-Brei: ∅.
Werde erhitzt; werde ausgepresst; werde in ein ṯꜣb-Gefäß gegeben.
[50,20] (Es) werde am frühen Morgen hergestellt, bevor die Zeit des Frühstücks anbricht, und es werde getrunken, so dass er sofort gesund wird.

1 jšf: Westendorf 1999, 495 vermutet eine Ableitung von šfj: „schwellen“ und schlägt „Hefe“ vor.

Eb 284 – 293: Mittel zur Appetitanregung und/oder gegen Essstörungen

Eb 284

Anfang der Heilmittel zum Veranlassen, dass das jb-Herz1 Nahrung aufnimmt:
Fettes Fleisch: [51,1] 1/16 (Dja), ṯr.w-Ocker: 1/32 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), smt-Droge: 1/64 (Dja), tjꜥm-Pflanzen: 1/16 (Dja), Gänsefett: 1/8 (Dja), 〈〈Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Starkbier:〉〉2 1/64 (Oipe = 1 Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde getrunken.

1 jb: Ob man zu ⟨r’-⟩jb: „Magen“ ergänzen kann?

2 Das jšd r’-8 am Ende von Zeile 2 ragt so weit in das Interkolumnium hinein, dass der Schreiber vor den beiden ersten Zeilen der folgenden Kolumne eine Trennlinie einzeichnen musste, um die Zeilen optisch voneinander zu trennen. Auch das ḏsr.t am Beginn von Zeile 3 steht im Interkolumnium. H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 52 sieht darin Nachträge, aber keine Korrekturen. In der Tat sind keine Zeichenreste eines älteren Textes erkennbar. Allerdings ist die Mengenangabe von ḏsr.t um ein halbes Schreibquadrat eingerückt, so dass davor sicher etwas gestanden haben muss. Während die Phonogramme von ḏsr.t sehr klein geschrieben sind, sind die Klassifikatoren, die genau die Einrückung ausfüllen, normal geschrieben. Daher ist zu vermuten, dass der Schreiber die Droge jšd r’-8 vergessen hat und an ihrer Stelle eigentlich die Phonogramme von ḏsr.t standen; diese hat er dann gelöscht, um das Vergessene am Ende von Zeile 2 nachzutragen, und sie dann ihrerseits vor Zeile 3 nachgetragen.

Eb 285

Ein anderes (Heilmittel):
Süßes Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja), sḫp.t-Dünnbier: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Starkbier: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Mehl von Datteln: 1/8 (Dja), Mehl vom sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), [51,5] smt-Droge: 1/64 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Gänsefett: 1/8 (Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 286

Ein anderes (Heilmittel):
šnf.t-Früchte: 1/32 (Dja), süßes Bier: ein halbes Dja (?).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 287

Ein anderes (Heilmittel):
Wein: ein halbes Dja (?), Grütze vom sw.t-Wildweizen: 1/8 (Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

Eb 288

Ein anderes (Heilmittel):
tjꜥm-Pflanzen: 1/8 (Dja), Erdmandeln: 1/8 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Knochenmark: 1/8 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Wein: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über [[1]] 〈〈4〉〉4 Tage hinweg getrunken.

1 hrw 4: Die Zahl ist zu Teilen über dem k des folgenden k.t geschrieben und damit eine spätere Korrektur. Laut H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 48 stand erst hrw 1, danach wurde der Einerstrich durch Auswischen der Mitte zu zwei übereinanderstehenden Einerstrichen (ein dunkler Fleck im Zwischenraum zwischen den beiden Einerstrichen könnten Tintenreste sein), und es wurden daneben zwei weitere Einerstriche hinzugefügt.

Eb 289, vgl. Eb 290

Ein anderes (Heilmittel):
Brot, durch (?) Dörren1 getrocknet:2 ein halbes Dja (?), Erdmandeln: ein viertel (Dja), qsn.tj-Mineral: 1/32 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Oipe = 2 Dja).
Werde ausgepresst. Werde über 4 Tage3 hinweg getrunken.

1 wꜣm: Auf DZA 22.065.610 ist „vgl. [jꜣm]“ notiert; gemeint ist das Verb ꜣm, vgl. Wb 1, 31 und Wb 1, 10.1–3, wo sich dann ein entsprechender Verweis auf wꜣm findet. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 162 verweisen in Anm. 2 dagegen auf das mehr oder weniger synonyme Verb wꜣi̯; und W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), §§ 34.3 und 43.3 nennt dieses Wort unter seinen Beispielen für den Wechsel w > m, d.h. er vermutet, dass hier das Stativ-w als m erscheint. U. Verhoeven, Grillen, Kochen, Backen im Alltag und im Ritual Altägyptens. Ein lexikographischer Beitrag, Rites égyptiens 4 (Bruxelles 1984), 83–84 findet diese Erklärung zumindest problematisch, da im pEbers sowohl wꜣi̯ als auch wꜣm vorkommen, das Verb also sowohl in der einen wie auch in der anderen Schreibung verwendet würden.

2 tʾ šwi̯ n wꜣm: von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 97 und Westendorf 1999, 601 übersetzen: „Brot, getrocknet durch Dörren“. Der Anschluss mit n ist problematisch. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 301 nennt die Stelle als möglichen Beleg für den Anschluss des Partizips mit m oder n. Allerdings führt er für diese Konstruktion nur zwei weitere Belege an, von denen einer sich gut als normaler adverbieller Anschluss erklären lässt. U. Verhoeven, Grillen, Kochen, Backen im Alltag und im Ritual Altägyptens. Ein lexikographischer Beitrag, Rites égyptiens 4 (Bruxelles 1984), 83 findet die Funktion des n an dieser Stelle fraglich. Bardinet 1995, 295 übersetzt: „pain sec doré (au four)“.

3 hrw 4: Laut H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 48 stand erst hrw 1, danach wurde der Einerstrich durch Auswischen der Mitte zu zwei übereinanderstehenden Einerstrichen, und es wurden daneben zwei weitere Einerstriche hinzugefügt. Anders als im Rezept davor und danach ist das nachfolgende k.t aber nicht von den hinteren Einerstrichen überschrieben worden, sondern man gewinnt sogar eher den Eindruck, dass das k.t den oberen hinteren Einerstrich überschneidet.

Eb 290, vgl. Eb 289

Ein anderes (Heilmittel):
Brot, gedörrt1: 1/8 (Dja), Erdmandeln: [51,10] 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wasser: 1/64 (Oipe = 1 Dja) und ein halbes (Dja) (d.h. 1,5 Dja).
Werde zermahlen; werde ausgepresst. Werde über [[1]] 〈〈4〉〉2 Tage hinweg getrunken.

1 wm: Die Schreibung nur mit der Feuerpfanne spräche für eine Lesung als psi̯, aber die Parallelität zum vorigen Rezept spricht für eine Lesung wꜣm.

2 hrw 4: Die Zahl ist zu Teilen über dem k des folgenden k.t geschrieben und damit eine spätere Korrektur. Laut H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 48 stand erst hrw 1, danach wurde der Einerstrich durch Auswischen der Mitte zu zwei übereinanderstehenden Einerstrichen (ein dunkler Fleck im Zwischenraum zwischen den beiden Einerstrichen könnten Tintenreste sein), und es wurden daneben zwei weitere Einerstriche hinzugefügt.

Eb 291

Ein anderes (Heilmittel):
Fettes Fleisch: 1/16 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/16 (Dja), Feigen: 1/16 (Dja), Sellerie: 1/16 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 292

Ein anderes (Heilmittel):
wtjw-Backwerk1: 1/8 (Dja), ḥkn-Backwerk: 1/8 (Dja), Gebrochenes (?) von Datteln: 1/8 (Dja), Honig: 1/32 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 1 Tag hinweg getrunken.

1 wtjw: Ein Hapax legomenon; die Schreibung ist mehrdeutig: Die hier verwendete Transkription ist konform mit der Transliteration des Hieratischen von Wreszinski 1913. Wb 1, 289.15 transkribiert das Wort dagegen wwtjw, schließt aber Lesungen als wtjw und twtjw nicht aus. Grapow 1958, 169 und H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 145 kehren wieder zur Lesung von Wreszinski zurück; H. Grapow – H. von Deines halten aber die Transkription von Wb 1, 289.15 als Alternative für denkbar.
Westendorf 1999, 601, Anm. 77 denkt an einen Zusammenhang mit jt: „Gerste“ und vergleicht auch mit dem t’-wt-Brot.

Eb 293

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Erdmandeln: 1/8 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Gebrochenes (?) von Datteln: 1/32 (Dja), ḥḏ.w-Harz (?): 1/32 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja), fettes Fleisch: ein viertel (Dja), Ägyptische Weide: 1/8 (Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 294–304: Heilmittel gegen krankmachende Sekrete

Eb 294 = H 35

[51,15] Anfang der Heilmittel für das Abführen (wörtl.: Abgehen-Lassen) von Sekret aus dem Leistenbereich (?):
Ein Gewächs1 – ihr (sic) Name ist snwt.t-Winde; wie das qꜣd.t-Kriechkraut2 wächst sie auf ihrem Bauch; (üblicherweise) treibt sie Blüte(n) wie der Lotos3 – seine gꜣb.t-Blätter werden wie weißes Holz4 vorgefunden5: Es wird folglich herbeigeholt und auf dem Leistenbereich (?) verrieben. Dann beginnt es (d.h. das Sekret), sofort abzugehen. Ihre Frucht kann ferner den an Krankheitsauslösern (?) Leidenden mit Brot verabreicht werden, um zu veranlassen, dass (es) (d.h. das Sekret) aus dem Leistenbereich (?) abgeht.6

1 sm.w ist eine sehr allgemeine Bezeichnung für Pflanzen mit einem variablen Bedeutungsspektrum: Es kann den Bäumen gegenübergestellt sein und damit nicht-verholzte Pflanzen bezeichnen; es kann Viehfutter bezeichnen; es kommt sowohl in wilder wie auch in kultivierter Form vor; es kann Gemüse oder selten auch ein Fruchtlieferant sein. Es handelt sich um keinen botanisch eindeutig klassifizierbaren Terminus; die oft verwendete ägyptologische Grundübersetzung „Kraut“ meint das Kraut im weitesten und ursprünglichen Sinne der nutzbaren Pflanzen, die eben nicht Unkraut sind.

2 Zu dieser Pflanze s. die Diskussion die Anm. im Veterinärmedizinischen Papyrus Kahun.

3 sšn: pHearst schreibt stattdessen srd: „Gewächs“ o.ä. Diese Parallele zum Ebers scheint aber fehlerhaft zu sein, so schreibt der Hearst auch sinnloses s.t: „Frau“ statt st.t: „Sekret“. Daher ist der Ebers-Version Vorrang zu geben.

4 ḫt ḥḏ: In Eb 294 steht eine zunächst unspezifische attributive Verbindung „weißes/helles Holz“. Das Parallelrezept H 35 im pHearst versieht ḥḏ mit Gardiner M2 und Pluralstrichen als Klassifikatoren; diese letztere Schreibung könnte darauf hindeuten, dass der Schreiber des pHearst ein Kompositum *„Weißholz“ angedacht hat. Die Alternative, dass diese Klassifikatoren zu ḥḏ gehören und „Holz der ḥḏ.w-Pflanze“ gemeint ist, scheidet aus, weil die so geschriebene ḥḏ.w-Pflanze mit der Zwiebel resp. dem Knoblauch identifiziert wird und keine verholzten Bestandteile hat. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 140 und Westendorf 1999, 601 übersetzen wörtlich „weißes Holz“; bei H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), gibt es keinen separaten Eintrag dazu und nicht einmal einen Kommentar unter dem Eintrag ḫt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 671 vermerken unter ḫt ḥḏ: „‚weißes Holz‘ einer Pflanze“, gehen also wohl davon aus, dass es nur ein Pflanzenbestandteil, also tatsächlich nur helles Holz o.ä., ist. Weder G. Charpentier, Recueil de materiaux epigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), noch R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), haben einen eigenen Eintrag dazu.
Anders dagegen Ebbell 1937, 63. Er gibt für diese Verbindung keine Übersetzung an, was man zumindest so interpretieren kann, dass er sie nicht wörtlich aufzufassen scheint (auch wenn seine Übersetzung des Satzes sonst problematisch ist).T. Bardinet 1995, 296 übersetzt es kommentarlos mit „sycomore (litteralement: ‚bois blanc’)“.
In ptolemäischen Texten ist ein ḫt ḥḏ (s. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 753) als Styraxlieferant neben ḫt km: „schwarzem Holz“ und ḫt dšr: „rotem Holz“ genannt. Es ist eine „Wiederholung wie das Getrocknete des ḏꜣr.t-Baumes“, d.h. vom Johannisbrotbaum, es wird fest, wenn es zerbrochen wird, ist weich wie der Charakter (?; jwn: „Farbe, Wesen, Charakter“) von Gold, riecht wie tj-šps (der Kampferbaum, vgl. A. Lüchtrath, tj-šps, der Kampferbaum Ostafrikas, in: Göttinger Miszellen 101, 1988, 43–48); und wenn es auf seine Seite gelegt wird „mit seinem Einschnitt (?)“, ist es wie die Flügelfarbe des sft-Vogels. Vgl. zu diesem Text C. Leitz, Aromatische Substanzen, in: A. Rickert – B. Ventker (Hrsg.), Altägyptische Enzyklopädien. Die Soubassements in den Tempeln der griechisch-römischen Zeit. Soubassementstudien I. Bd. 1, Studien zur spätägyptischen Religion 7 (Wiesbaden 2014), 483-516, hier: 508–509.

5 r gmi̯.tw: Die Bedeutung des r ist unklar. Die Schreibung so zu nehmen, wie sie ist, und ein adverbielles r sḏm=f anzunehmen, führt zu keiner sinnvollen Übersetzung. In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 140 wird mithilfe von „wenn“ übersetzt, also zu jr korrigiert (explizit in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 120, Anm. 8); als Apodosis dient jni̯.ḫr.tw=f ...: „Wenn man seine Blütenblätter findet wie weißes Holz, dann soll man es holen“. Dem folgt dann auch Bardinet 1995. Eine solche Emendation würde der Beschreibung der Pflanze eine zusätzliche, temporale Note verleihen: Die Pflanze soll geholt werden, wenn ihre Blätter wie „weißes Holz“ vorgefunden werden; vermutlich ist das also der Zeitpunkt, zu dem sie ihre Heilkraft entfaltet.
von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 120, Anm. 8 erwägen allerdings für die Lösung noch zwei Alternativen, nämlich eine schlichte Tilgung oder eine Interpretation als Schreibung für jw. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), S. 33 und 233, Anm. 5 entscheidet sich für Letzteres, eine Erklärung als Graphie für jw sḏm=f, führt diese Stelle dann aber im entsprechenden Paragraphen nicht auf. Westendorf 1999 übersetzt den Satz dieser Lösung entsprechend rein verbal koordinierend. Bei dieser Interpretation entfiele die temporale Komponente und der Satz wäre ein Bestandteil der generellen Beschreibung der Pflanze.
Die Parallele in pHearst schreibt unsinniges dgm=s: „ihr Rhizinus (?) ist ...“ anstelle von r gmi̯.tw gꜣb.t=f. Allerdings ließe sich die Lesung der Phoneme als dgm leicht als Verlesung eines hieratischen r gmi̯ erklären; und die Determinierung (Gardiner M2 und Pluralstriche) korrespondiert mit der Determinierung von gꜣb.t im Papyrus Ebers. Es wäre also denkbar, dass der Kopist des Hearst die Phoneme von gꜣb.t übersehen hat und aus einem *r gmi̯ gꜣb.t die dgm-Pflanze gemacht hat. Dies lässt darauf schließen, dass das r in der gemeinsamen Vorlage von Ebers und Hearst gestanden haben muss und kein Fehler des Ebers ist.

6 In der Beschreibung der Pflanze wechseln in diesem Rezept das maskuline und das feminine Personalpronomen, so dass man zunächst den Eindruck hat, als bezögen sie sich teils auf das maskuline smw und teils auf das feminine snwt.t. Es fragt sich, ob hier nicht zwei unterschiedliche Beschreibungen ineinander geschoben sind. Die Sätze mit maskulinem Bezug lesen sich: „Ein Gewächs, dessen (o.ä.) Blätter wie weißes Holz (vor)gefunden werden: Es soll herbeigeholt werden (und) es soll auf der Leistengegend verrieben ⟨werden⟩. Damit wird es (d.h. das Sekret) sofort abgehen.“ Die Sätze mit femininem Bezug lesen sich: „snwt.t ist ihr Name. Wie eine qꜣd.t-Pflanze wächst sie auf ihrem Bauch. (Gewöhnlich) treibt sie Blüte(n) wie Lotos. Ihre Frucht kann ferner den an Krankheitsauslösern (Leidenden) mit Brot verabreicht werden, um zu veranlassen, dass (es) (d.h. das Sekret) aus der Leistengegend abgeht.“

Eb 295

Ein anderes (Heilmittel):
Wenn du einen Mann betrachtest, in dessen Nacken Sekret ist, [51,20] und zwar, indem er am Gelenk (?) seines Nackens leidet, er an seinem Kopf leidet, seine Halswirbel steif sind und sein Nacken (es) schwer (hat), ohne dass (es) ihm gelingt, auf seinen Bauch zu schauen, (weil?) es ihm schwierig ist, sagst du anschließend:
„(Das ist) einer mit Sekret in seinem Nacken.“
[52,1] (Und) du veranlasst folglich, dass er sich einreibt (und) dass er sich schminkt, so dass ihm sofort angenehm ist.

Eb 296 = Eb 102

Ein anderes (Heilmittel):
Wenn du (einen) an Sekret (Leidenden) mit einem Schneiden betrachtest, unter dem sein Bauch steif ist (und) er an seinem Verdauungstrakt leidet, (dann) ist sein Sekret in seinem Bauch. Es kann keinen Weg des Herauskommens finden. (Und weil) es nun keinen Weg gibt, dass es (d.h. das Sekret) herauskommen kann (?) aus ihm (d.h. dem Verdauungstrakt), verfault es folglich in seinem Bauch. Es kann nicht herauskommen, (sondern?) es ist zu [52,5] Gewürm (?) geworden. Es wandelt sich folglich vollständig (oder: Es wandelt sich folglich nicht) zu Gewürm (?) um, bis/so dass es sich zu etwas umwandelt, das tot ist.1 Anschließend scheidet er es aus, (und) ihm ist sofort angenehm. Wenn er es (aber) nicht in Form von Gewürm (?) ausscheidet, bereitest du ihm folglich Mittel zum Ausscheiden, so dass ihm sofort angenehm ist.

1 m(w)t ist mit Pluralstrichen geschrieben, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass es ein pluralisches Subjekt hat. Im Gegenteil verzeichnet W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 163 Schreibungen des Stativs mit Pluralstrichen nur bei der 3. Person Singular, nicht bei der 3. Person Plural.

Eb 297 = Bln 136, vgl. Eb 321

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Sekret im Bauch:
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/16 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), Blätter der Dornakazie: 1/32 (Dja), ṯr.w-Ocker: 1/64 (Dja), Polei-Minze (?): 1/32 (Dja), gngn.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), [52,10] süßes Bier: ∅.
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 298

Ein anderes (Heilmittel),1 etwas, was zu tun ist für einen Mann, der an ḫnt-Schnupfen in seinem Kopf leidet, (und der) Sekret in seinem Nacken hat:
jbr-Öl: 1 (Dosis), ẖsꜣ.yt-Balsam: 1 (Dosis), Ast vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Weihrauch: 1 (Dosis), Bleiglanz: 1 (Dosis), Ocker: 1 (Dosis), Steinbockfett: 1 (Dosis).
Werde zermahlen; werde zu einem Verband verarbeitet.2 Werde an den Kopf gegeben.

1 k.t ist erneut nicht rubriziert, um es vom vorigen Rezept, das mit einem Rubrum endet, abzuheben.

2 jri̯ m šd: Die Verbindung jri̯ m bedeutet „machen zu etw.“ oder „herstellen aus etw.“. Hier ist sicher Ersteres gemeint, wobei genau genommen nicht die Herstellung der Binde, sondern nur die Herstellung dessen, was in der Binde ist, beschrieben ist. Westendorf 1999, 603 vermutet sogar, dass eine Abkürzung für jri̯ (m jḫ.t wꜥ.t rḏi̯) m šd: „werde (zu einer Masse) gemacht (und) in eine Binde (gegeben)“ vorliegt.

Eb 299

Ein anderes Heilmittel:
„Feder-des-Nemti“-Pflanzen: 1 (Dosis), nḥd.t-Myrrhe1: 1 (Dosis), Kreuzkümmel: 1 (Dosis), Beeren vom Stech-Wacholder: 1 (Dosis), Myrrhe: 1 (Dosis), Koniferenharz: ((1 (Dosis))), Steinbockfett: 1 (Dosis),2 jbr-Öl: 1 (Dosis).
Werde [52,15] zu einer homogenen Masse verarbeitet; werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 nḥd.t: Geschrieben wie der nḥḏ.t-Eckzahn, aber H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 311–319 trennen zwischen beiden Drogen, weil die nḥḏ.t-Droge auch mit dem Rohstoffklassifikator N33 geschrieben werden kann, der Zahn dagegen nicht, und weil der Zahn in den beiden Belegen, in denen er vorkommt, durch eine Tierbezeichnung weiter spezifiziert wird.
R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 179 schreibt dezidiert, dass die Droge nur in medizinischen Texten genannt ist. Ob man daraus schließen kann, dass sie die Belege aus den ptolemäischen Tempelinschriften (s. im Folgenden) nicht kannte, oder ob sie in Letzterem ein anderes, nicht mit der Droge zusammenhängendes Wort vermutete, ist unbekannt. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 537 sieht hierin dasselbe Wort.
Die Bedeutung ist unsicher. Zumindest das nḥd(.t) der ptolemäischen Texte ist eine Myrrheart, vgl. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 537. Und auf diesen späten Belegen beruhen, in manchen Fällen mit explizitem Bezug, in anderen mit zu vermutendem Bezug, alle Versuche, den Drogennamen in der Übersetzungssprache auf ein Harz einzugrenzen:
- Ebers 1889, 69 („eine Weihrauchart“), der sich auf S. 144–145, Anm. 115 auf von Dümichen publizierte Texte, d.h. diese ptolemäischen Inschriften, stützt, in denen diese Droge unter „den Produkten der Balsamsträucher“ genannt sei;
- Joachim 1890, 74 („neḥedet-Harz“) und 116 („neḥed-Harz“), der aber ganz unsystematisch an anderen Stellen auch „Korn“, „Körner“ und im Index sogar „Samen“ hinzufügt und mit Letzterem „Zahnkrautkörner“ meint (womit er sich dezidiert auf Ebers 1889 stützt, der, wohl basierend auf der Homographie mit dem nḥḏ.t-Zahn, tatsächlich S. 69 „Zahnkörner“ und S. 144 „Zahn(kraut?) Körner“ schreibt und auf S. 69, Anm. 4 den „aegyptischen Zahnbaum, balanites aegyptiaca“ nennt, der aber eine Gleichsetzung der Droge mit Teilen oder Produkten dieses Baumes auf S. 144–145 letztendlich doch ablehnt);
- sicher auch Ebbells kommentarlose und durch nichts begründete Eingrenzung auf „Gum ammoniac“ (das ist ein Harz von Dorema ammoniacum) in Ebbell 1937, 132;
- D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 3. 1979 (Paris 1982), 79.1597 („un aromate“) und
- Westendorf 1999, 501 („nḥd.t-Duftstoff”), der ferner Dieter Kurths persönliche Mitteilung „Weihrauch“ nennt.
Ebers hatte neben Dümichen auch auf „Brugsch’s Wörterb., ser. II S. 251“ d.h. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. V (Leipzig 1880), 251, verwiesen, wo nḥd.t mit einem Harz namens mamama (H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. II (Leipzig 1868), 585 = das mmꜣꜥ... von Wb 2, 59.4) gleichgesetzt würde (dieses Harz ist laut dem einzigen Beleg, DZA 24.003.720, eine „trockene Myrrhe“ von karneolartiger Farbe und sehr süßem/angenehmen Duft). Brugschs Beleg stammt ebenfalls aus Dümichens Texten, nämlich aus J. Dümichen, Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler II (Leipzig 1866), Taf. 86, Zeile 5 (= Edfu II, 206,3). C. Leitz, Aromatische Substanzen, in: A. Rickert – B. Ventker (Hrsg.), Altägyptische Enzyklopädien. Die Soubassements in den Tempeln der griechisch-römischen Zeit. Soubassementstudien I. Bd. 1, Studien zur spätägyptischen Religion 7 (Wiesbaden 2014), 483-516, hier: 512 nennt zwei weitere Belege für diese Myrrheart, die er vergleichbar mit Brugsch als mꜥmꜥm und mꜥmꜣm transkribiert; und er ruft dazu auf zu prüfen, ob sie mit griechisch μαμάλι, arab. „Maʿmal“ identifiziert werden könnte. Der von H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. II (Leipzig 1868), 585 genannte Hauptbeleg für dieses Lemma ist dagegen zu streichen, weil es sich dabei um die mꜥmꜥ: „Dumpalme“ handelt (vgl. eine fast identische Schreibung bei P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 403).

2 ꜥḏ ꜥš ꜥḏ nrꜣw: Der Einerstrich für ꜥḏ ꜥš ist nachgetragen worden, allerdings versehentlich ein Wort zu weit hinten, nämlich hinter dem zweiten ꜥḏ.

Eb 300

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Sekret im Bauch eines Mannes oder einer Frau:
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/16 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Honig: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde ausgepresst. Werde getrunken.

Eb 301 = H 33, vgl. Kah. 14

Ein anderes Heilmittel zum Entfernen einer Krankheit in allen Körperteilen eines Mannes:
Pflanzenbrei aus Maische (d.h. gemaischter Pflanzenbrei).
Werde fein zermahlen; werde mit gegorenem Pflanzenbrei vermengt. (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 302 = H 131

Ein anderes (Heilmittel) [52,20] zum Beseitigen des dḥr.t-Phänomens1:
Johannisbrot.
Werde mit Honig zermahlen. Werde mit Bier getrunken.

1 dḥr.t: Stern, in: Ebers 1875, 52 trennt die Belege auf zwei verschiedene Wörter, die er beide etymologisch mit koptisch ⲧϩⲟ („Schlechtigkeit, Bitternis“) verbinden möchte:
(a) dḥr.t mit dem Tierfell klassifiziert: „facies, aspectus, cutis“; nur zwei Belegstellen, in denen dḥr.t sb.t steht. Das zweite Wort übersetzt er mit „musca canina; pendiculus“ und sah darin den Vorläufer des koptischen ⲥⲓⲃ „Zecke; Laus; Ungeziefer“ (so dann später auch Wb 3, 432.14–16).
(b) dḥr.t mit Tierfell und „schlechtem Vogel“ resp. allein mit dem „schlechtem Vogel“ klassifiziert und von Stern mit „putredo; morbus cutis“ wiedergegeben, d.h. einer Hautkrankheit und speziell einer Fäulnis (eigentlich Fäulnis von Wunden, s. C. T. Lewis – C. Short, A Latin Dictionary).
H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1373 sieht Sterns Lemma (a) nur als Variante für maskulines dḥr: „Leder, Haut“. Für Sterns Lemma (b) schlägt er dagegen eine Verbindung mit dem Stamm dḥr: „Furcht, Schaudern“ (H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. IV (Leipzig 1868), 1656) vor.
In Wb 5, 482 finden sich drei separate Lemmata:
(1) dḥr.t in der Verbindung dḥr.t sb.t, also Sterns Lemma (a). Im Wb ist es schlicht mit „Krätze o.ä.“ übersetzt. Ausschlaggebend scheint hierfür vielleicht, ähnlich wie bei Brugsch, die Determinierung mit dem Tierfell gewesen zu sein, und das Lemma folgt im Wb unmittelbar dem dḥr-Leder.
(2) Auf dḥr.t folgt im Wb das Verb dḥr: „bitter sein“, das in übertragener Bedeutung auch vom Herzen oder Magen gesagt werden kann. Es drückt das Gegenteil von nḏm: „angenehm“ und bnr: „süß“ aus. Die einmal belegte Nennung im Zusammenhang mit der wdd-Galle scheint aber für die Bedeutungsfindung wenig bedeutend gewesen zu sein; eher war wohl umgekehrt die Kombination von wdd mit dḥr wichtig für die Identifikation von Ersterem, vgl. die Notizen auf DZA 22.679.460.
(3) Als drittes Lemma findet sich im Wb das von dḥr: „bitter sein“ abgeleitete Nomen dḥr.t: „Bitternis“ und allgemeiner „Böses, Unheil“ (auch Schreibungen mit dem Tierfell).
Zur Deutung des dḥr.t-Phänomens führt B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 62 das Rezept Eb 205c an, wonach das dort genannte Leiden unter den Fingern des Untersuchenden macht (Ebbell übersetzt mit „öffnen“). Das erinnert ihn an die Druckstellen bei „ödematöse[n] Schwellung[en], Wassersucht o.ä.“. Anders als das Wb und wieder näher an Stern will Ebbell das Lemma von dḥr: „Leder“ ableiten. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 131, Anm. 1 zu IV L2c halten diesen Vergleich aber für unhaltbar. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 988 sind die beiden femininen Nomina dḥr.t, die im Wb zu zwei Lemmata aufgeteilt sind, wieder zu einem Lemma zusammengeführt. P. Vernus, Études de philologie et de linguistique (II), in: Revue d’égyptologie 34, 19821983, 115128, hier: 121–125 schließt sich der Herleitung des Wb von dḥr: „bitter sein“ an. Er zeigt auf, dass dḥr.t mit šmm.t-Hitze verbunden sein kann und durch ṯꜣw-Wind verbreitet wird. Westendorf 1999, 603 geht von einer „(dämonischen) ‚Bitternis-Krankheit‘“ aus.

Eb 303

Ein anderes (Heilmittel) zum Abwehren von šmm.t-Hitze:
ꜥbḫn-Frosch.
Werde mit Öl/Fett ausgeglüht. (Die betroffene Stelle) werde damit eingerieben.

Eb 304

Ein anderes (Heilmittel):
Der Kopf des ḏdb-Fisches1.
Werde mit Öl/Fett ausgeglüht. Werde dem Mann an sein Fleisch (?)2 gegeben.

1 ḏdb: Nur hier belegt. Westendorf 1999, 603 schlägt durch seine Übersetzung „Stecher“-Fisch implizit eine Ableitung der Bezeichnung vom Verb ḏdb: „stechen“ vor. Eine Identifikation des Fisches bleibt unmöglich.

2 jwf: Nur mit dem Fleischstück geschrieben, was ungewöhnlich ist. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962)31, Anm. 2 erwägt mit Verweis auf Gardiner, Sign-list F51 noch eine abgekürzte Schreibung für ḥꜥw: „Leib“; die von Gardiner für eine solche Lesung des Fleischstückes angeführte Belegstelle K. Sethe, Urkunden der 18. Dynastie [IV,937-1226], Urkunden des Ägyptischen Altertums IV/13-16 (Leipzig 1908–1909), 959, 2 schreibt aber drei Fleischstücke und nicht, wie es hier der Fall wäre, nur eines. Die Möglichkeit, dass ein Euphemismus für Unterleib oder die Genitalien vorliegt (vgl. die Abkürzung für kns bei Gardiner, ebd.) schließen H. von Deines – W. Westendorf, ebd. aus. Bardinet 1995, wie Westendorf 1999, bleiben bei „chair“ resp. „Fleisch“, versehen es aber aufgrund der unsicheren Lesung mit einem Fragezeichen.
Die Abkürzung wird wohl ihre Ursache darin haben, dass der Schreiber am Ende der Rezeptgruppe angelangt war und die letzten Worte noch in dieser Kolumne unterbringen wollte, um die nächste Kolumne direkt mit ḥꜣ.t-ꜥ-m beginnen zu können.

Eb 305–325: Heilmittel gegen Husten

Eb 305, vgl. Eb 307, 324

[53,1] Anfang der Heilmittel zum Beseitigen des Hustens:
Frisches Johannisbrot.
Werde in einem neuen ḥn.w-Topf in Wasser gegeben. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 306, vgl. Eb 21

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot.
Werde mit süßem Bier gekocht. Ein Dja (?) davon werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 307, vgl. Eb 305, 324

Ein anderes (Heilmittel):
So sollst du1 ein rmn.t-Gefäß (bereit)stellen, dessen (eine) Hälfte mit Wasser und die (andere) Hälfte mit Johannisbrot (gefüllt) ist. Du lässt es folglich 4 Tage lang ruhen (wörtl.: verbringen), wobei es (tagsüber) dem Sonnenlicht ausgesetzt ist und nachts dem Tau ausgesetzt ist. (Und) du veranlasst folglich, [53,5] dass ein Viertel eines Dja (?) aus diesem rmn.t-Gefäß abgegossen werde2. Veranlasst werde (weiterhin), dass der mit dem Husten3 es4 über 4 Tage hinweg trinkt, so dass er sofort gesund wird.

1 rḏi̯.ḫr=k: In den folgenden Sätze liegt ein Kausativum aus rḏi̯ + Verbalform vor, hier dagegen einfaches rḏi̯. Auf DZA 25.903.090 wird vermutet, dass hier jni̯.tw n=k nach rḏi̯.ḫr=k ausgefallen ist: „Lass ⟨dir bringen⟩ ...“.

2 stf.tw: Als aktivisches sḏm=tw NN übersetzt etwa von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 161 oder Westendorf 1999, 604, als passivisches sḏm.tw NN bspw. von Bardinet 1995, 298. Letzteres ist wahrscheinlicher, das Paradigma rḏi̯ sḏm.tw=f ist regulär. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 253 vermutet zwar, dass in den medizinischen Texten das Passiv nach rḏi̯ mithilfe eines endungslosen sḏm gebildet wird, gesteht aber ein, dass keiner der von ihm genannten Belege grammatisch eindeutig ist.

3 sry.t: Angesichts der relativischen Konstruktion mit ntj + Präposition ḥr würde man zunächst an ein Verb und damit an das Paradigma ntj ḥr sḏm: „einer, der hört“ denken. Das für diese Konstruktion notwendige Verb sr: „husten“ ist vielleicht in Eb 189a belegt. Das Wort ist hier allerdings genauso geschrieben wie klar nominale Fälle, so dass auch hier das Substantiv vorliegen wird.

4 sw: Satzsyntaktisch scheint sich das Pronomen auf das ausgegossene Viertel-Dja zu beziehen. Von der Handlungslogik ausgehend ist aber sicher der im Gefäß verbliebene Rest gemeint, denn erstens wird das Medikament über vier Tage verteilt getrunken, und um das mit dem ausgegossenen Viertel-Dja tun zu wollen, müsste es auch irgendwo aufbewahrt werden; und zweitens bliebe der größere Teil des Medikaments ungenutzt, wenn nur das ausgegossene Viertel-Dja getrunken werden sollte.

Eb 308, vgl. Eb 313

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl von Datteln: ein Hin-Maß.
Werde zu einem ḫꜣḏ.w-Fladen gemacht: (Das heißt, das Mehl) werde in zwei Schalen gegeben; (diese) werden aufs Feuer gestellt; dadurch werde (dann) dieses ḫꜣḏ.w-Brot zum Entstehen gebracht. (Und) es wird folglich (vom Feuer) genommen, nachdem dies getan wurde. Werde mit Fett und Olivenöl zu einem ꜣmꜥ.t-Brei gemacht. Werde vom Mann in angenehmer Wärme gegessen, so dass er sofort gesund wird.

Eb 309, vgl. Bln 30

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot: 1, Datteln, zerquetscht: 1, ein Hin-Maß Milch.
Werde getrunken.

Eb 310, vgl. Bln 38

Ein anderes (Heilmittel):
Kuhmilch.
Werde gekocht. Nachdem das mhwj-Milchprodukt zermahlen worden ist,1 werde Dickmilch/Sauermilch dazu gegeben.
Werde von dem Mann sẖb-eingenommen. Werde mit Milch, die gekocht wurde, über 4 Tage hinweg geschluckt.

1 jr m-ḫt mhwj nḏ: Nach H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 65, s.v. B.I das einzige Beispiel der Konstruktion jr m-ḫt + Nomen + Pseudopartizip. Da m-ḫt ein späterer Nachtrag ist (s. schon H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 52), ohne dass zusätzlich Spuren einer Rasur unter jr oder mhwj erkennbar wären, kann man wohl annehmen, dass ursprünglich jr mhwj zu lesen war: „Was das mhwj-Milchprodukt angeht: ...“ Damit könnte die Stelle im Prinzip als Glosse verstanden werden, auch wenn die grammatische Konstruktion für Glossen ebenfalls ungewöhnlich ist (zu den üblichen Konstruktionen s. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 68, s.v. jr, § 2). Eb 310 wäre damit das erste Rezept dieses Papyrus mit einer Glosse, die anderen folgen erst kurz vor Ende des Textes.

Eb 311

Ein anderes (Heilmittel):
Kerne von Datteln.
Werde zerstoßen;1 werde in einen Stoffbeutel2 gegeben. Dieser Beutel werde 1 (?) Tag3 in Maische gelegt.4 Ins Feuer werde sie (d.h. die Maische?) gelegt.5 Der (so entstandene?) ꜣḥ-Brei werde (vom Feuer) genommen. Dieser Beutel werde entleert, (indem) er (d.h. sein Inhalt) in einen ḥn.w-Topf gefüllt (zu sein hat). Wasser werde ihm (dem Inhalt) (zu)gegeben. Werde ausgepresst, wie es zu tun ist bei [53,15] der Bier(herstellung). Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

1 hbq: Die Wortstellung würde es erlauben, darin sowohl ein Attribut zu bnj zu lesen (so Bardinet 1995) wie auch eine erste Handlungsanweisung (so Westendorf 1999).

2 qrf.t: Ein nur in Eb 311 und im mathematischen Papyrus Rhind, Aufgabe Nr. 62 belegter Behälter. Dem hiesigen Rezept nach aus Stoff und daher am wahrscheinlichsten als eine Art Beutel aufzufassen. Auffälligerweise wird dieser Beutel in administrativen Texten etwa aus Deir el-Medina nicht genannt, scheint also kein allgemein gebräuchliches Objekt gewesen zu sein.

Ein maskuliner qrf-Beutel ist durch zwei Belege aus der 1. Zwischenzeit resp. dem Mittleren Reich bekannt: zum einen aus Grab Nr. 5 in el-Bersheh (F. Ll. Griffith – P. E. Newberry, El Bersheh II (London 1895), Taf. 17 unten) und zum anderen aus dem Brief pBerlin 10031 A aus Illahun, Zeile VS.3, vgl. im TLA. Beide Belege sind aber zu unspezifisch, als dass sie mehr Informationen zu dieser Art Beutel liefern können.
Drei weitere Belege für ein homographes Lemma qrf stammen wiederum aus dem Neuen Reich, wo im Zusammenhang mit dem Wag-Fest von Abydos der „Tag des Aufziehens (?; zbi̯) der Segel (?, qrf)“ genannt ist; vgl. Wb 3, 431.28 und Wb 5, 60.3. Unter diesem Lemma sind im Wb auch die beiden MR-Belege für den qrf-Beutel (?) abgelegt. Ob dieses Lemma mit dem qrf.t-Beutel von Eb 311 zusammenhängt, ist unklar, aber möglich. W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 80 hält es ferner für denkbar, dass das koptische Wort ⲕⲗⲁϥⲧ: „Kappe“ ebenfalls mit dem Lemma qrf zusammenhängt.

3 hrw 1: Vgl. den Kommentar zum folgenden Satz.

4 Die beschriebene Prozedur ist inhaltlich schwer zu durchdringen. Zu betonen ist, dass die Maische nicht zu den zerstoßenen Dattelkernen *in* den Beutel hineingefüllt, sondern umgekehrt der Beutel in die Maische gelegt werden soll. Darauf folgt ein Erhitzungsvorgang (s. den nächsten Satz), bei dem der Beutel aber nicht verbrannt oder anderweitig zerstört wird, weil er sich danach noch entleeren lässt (s. den drittnächsten Satz). Man muss daher wohl voraussetzen, dass die Maische am Beutel haften bleibt und im Feuer gebacken wird. Oder wird die Maische inklusive dem Beutel mit Dattelkernen doch noch in ein Gefäß gefüllt und dieser Vorgang nur deswegen nicht genannt, weil er selbstverständlich ist? In jedem Fall impliziert die Beschreibung, dass der ꜣḥ-Brei, der durch den Prozess zu entstehen scheint (s. den übernächsten Satz), allein aus den erhitzten und zerkleinerten Dattelkernen besteht (so wohl auch das Verständnis von H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 6). Anders DZA 20.064.350: Dort wird bezüglich des übernächsten Satzes vermutet, dass sich die ꜣḥ-Droge „beim Kochen oben absetzt“, was implizieren würde, dass sich noch etwas Anderes, Ungenanntes, im Beutel befindet, *worauf* sich das ꜣḥ absetzen kann.
Technologiegeschichtlich interessant ist, dass der Herstellungsprozess oder wenigstens der letzte Teil davon mit der Bierherstellung verglichen wird. Weitgehend basierend auf der Darstellung im Grab des Ti, beschreibt W. Helck, Das Bier im Alten Ägypten (Berlin 1971), S. 30–36 die Bierherstellung folgendermaßen: (1) Emmer-Malz und Weizenmehl werden zu einem Teig vermischt; (2) dieser Teig wird in runde Klumpen, pzn genannt, aufgeteilt; (3) diese werden mit Wasser verdünnt und durch ein Sieb gestrichen: dni̯.t sṯ.t: „Verdünnen der Brotmasse / Verdünnen für die Brotform“. (4) Der so flüssiger gemachte Teig wird in sṯ.t genannte Formen gegossen und (5) darin (bzw. in Darstellungen in „Gräbern weniger hochgestellter Leute“ auch ohne jegliche Form) im Feuer angebacken. Anschließend (6) werden die Braubrote zerbröckelt und mit sgnn (Helck: Dattelsaft?) gemischt; diese Masse wird (7) ꜥtḫ: „durchgemischt/-geseiht“ und das Ergebnis zum Gären stehengelassen.
Bei der Bierherstellung kann nun auch ein ꜣḥ genanntes Produkt zum Einsatz kommen: In den Bierbrauszenen im Grab des Nianch-Chnum und Chnumhotep in Dahschur findet sich die Darstellung eines Mannes, der in einem großen Gefäß steht und dessen Beischrift lautet: zšn ꜣḥ: „Austreten des ꜣḥ“ (A. M. Moussa – H. Altenmüller, Das Grab des Nianchchnum und Chnumhotep. Old Kingdom tombs at the causeway of king Unas at Saqqara, Archäologische Veröffentlichungen. Deutsches Archäologisches Institut. Abteilung Kairo 21 (Mainz 1977), 70–71 und Tafel 23). Rechts von dieser Szene befindet sich die Darstellung der Bierherstellung in mehreren Subszenen. Diese Subszenen der Bierherstellung lesen A. M. Moussa – H. Altenmüller, 70 weitestgehend von rechts nach links, was theoretisch die Szene, in der ꜣḥ ausgetreten wird, ganz ans Ende der Bierherstellung setzen würde. Moussa/Altenmüller denken jedoch, dass es sich dabei nicht um eine weitere Subszene der Bierherstellung handelt, sondern um eine eigenständige Szene, die im Arbeitsprozess der eigentlichen Bierherstellung voranzustellen ist. Ähnlich denkt auch St. Grunert, Bierbrauer unter sich. Über den Nutzen eines Wörterbuches beim Übersetzen nicht nur lockerer Reden, in: Göttinger Miszellen 173, 1999, 91–112, hier: 91–94, dass hiermit der erste Arbeitsschritt der Bierherstellung, nämlich die Zerkleinerung des Rohstoffes, dargestellt sein könnte, die entweder auf einem Mahlstein oder durch Zertreten in einem Bottich erfolgte. Als Argument führt Grunert an, dass ꜣḥ mit drei Getreidekörnern und nicht als Flüssigkeit klassifiziert ist.
Es wäre aber auch eine andere Lesereihenfolge denkbar: Im Register über der Bierherstellung ist die Herstellung zweier Brotsorten dargestellt: links ḥṯꜣ-Brot und rechts pzn-Brot. Genauer gesagt sind nur zwei Szenen dargestellt, die das „Verdünnen (dni̯.t) des sṯ.t-Teiges“ sowie das „Ausgießen“ desselben zeigen. Dies ließe sich mit Helcks Reihenfolge der Bierherstellung vergleichen: In beiden Fällen wird sṯ.t-Teig dni̯-verdünnt und dann ausgegossen. St. Grunert schlägt im TLA folgende Lesereihenfolge des 4. und 5. Registers vor: Formen von pzn-Brot, Erhitzen einer Backform, ṯjs-Zerkleinern des frischen Brotes, Verdünnen/Einweichen (dni̯.t) des sṯ.t-Teiges, Ausgießen (Grunert: „Umschütten“), zšn-Zerkleinern des ꜣḥ, Tragen (von Bierkrügen), Ausschmieren der Krüge mit Ton, Versiegeln der Krüge, „Abschneiden“ und ꜥtḫ-Durchseihen, Abfüllen des Bieres. Bei dieser Lesefolge befände sich der zšn ꜣḥ genannte Prozess zwischen dem „Ausgießen“ und den Vorbereitungen der Krüge, mithin ungefähr an der Stelle der Prozedur, in der Helck das Zerkleinern des angebackenen Braubrotes und die Zugabe von Dattelsaft vermutet.

5 von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 163 übersetzen den vorigen und diesen Satz mit: „werde dieser Beutel gegeben in eine Maische am Tage, an dem sie ins Feuer gegeben wird“. Ebenso Bardinet 1995, 299: „ce sachet sera placé dans de la chebet le jour où celle-ci est mise au feu.“ Syntaktisch müsste man wohl davon ausgehen, dass dd.tw=s in dem Fall ein substantivisches sḏm=f als Nomen rectum einer Genitivverbindung ist, vgl. dazu B. Gunn, A Special Use of the śḏm·f and śḏm·n·f forms, in: Journal of Egyptian Archaeology 35, 1949, 2124 und W. Schenkel, Tübinger Einführung in die klassisch-ägyptische Sprache und Schrift, 7. Auflage (Tübingen 2012), 296. (Eine Relativform, an die man zunächst auch denken könnte, scheidet als Erklärung aus, weil das dafür notwendige resumptive Element fehlt; es wäre dann *dd.tw=s m ḫ.t jm=f o.ä. zu erwarten.) Westendorf 1999, 605 schlägt stattdessen vor: „werde dieser Beutel in Maische (šb.t) gegeben einen Tag lang (?) (...), man möge ihn ins Feuer geben“. In der zugehörigen Anmerkung 81 spricht er sich explizit gegen die Übersetzung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I aus.
Nach von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und Bardinet wäre also die Information, dass etwas im Feuer erhitzt wurde, eine Hintergrundinformation und nähere Beschreibung der šb.t-Maische; nach Westendorf 1999 wäre dies ein Detailvorgang der eigentlichen Drogenbereitung und damit Vordergrundinformation. Welche der beiden Lösungen die bessere ist, ist schwer zu entscheiden. Die von Westendorf 1999 genannten Referenzen W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), §§ 150,2 und 224,2 sprechen jedenfalls nicht gegen den Vorschlag von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I (in § 150,2, Anm. 2 hält er die Interpretation von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I noch für eine Alternative und in § 227.3 sogar für die bessere Lösung). Die Schreibung spricht weder für die eine noch für die andere Lösung. Das Wort hrw ist mit der Sonnenscheibe abgekürzt. Danach steht ein senkrechter Strich, der nach der Auffassung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I als Logogrammstrich, nach derjenigen von Westendorf 1999 als Zahlzeichen zu verstehen ist. Im pEbers sind für hrw beide Schreibungen belegt, sowohl mit der Sonnenscheibe allein als auch mit Sonnenscheibe + Logogrammstrich, s. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 568. Ein klarer Fall, in dem hrw mit Sonnenscheibe und Logogrammstrich geschrieben ist und in einer Genitivkonstruktion mit einem geminierten Verb als Nomen rectum steht – also genau die Konstruktion, die nach von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I auch in Eb 311 steht –, findet sich in pEbers 97,13: hrw mss.tw=f: „Tag seines Geboren-Werdens“.
Andererseits ist im folgenden Satz davon die Rede, dass der ꜣḥ-Brei „herausgenommen“ (šdi̯) werden solle. Der Satz ist stark verkürzt, so dass nicht ganz sicher ist, woraus der Brei genommen werden soll. Theoretisch infrage kämen der qrf.t-Beutel und das Feuer. Wenn das Verb im Zusammenhang mit der Drogenzubereitung vorkommt, benennt es aber in der Mehrzahl der Fälle das Herausnehmen aus dem Feuer, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 874–875. Wenn man das auch für Eb 311 annimmt, wäre der im vorigen Satz genannte Vorgang „werde ins Feuer gelegt“ Teil der eigentlichen Drogenzubereitung und Vordergrundinformation. Dies spräche für Westendorfs Lösung.

Eb 312, vgl. Bln 36

Ein anderes (Heilmittel):
Gegorener Pflanzenbrei: 1/4 (Dja), Öl/Fett: 1/4 (Dja), Bier: 1/4 (Dja).
Werde in einen Kessel gegeben; werde gekocht.
Danach zermahlst du folglich ꜥfꜣ-Lattich (?): 1, „Stechholz“: 1.
Werde in diesen Kessel gegeben. Nachdem es gekocht und ausgepresst wurde, gibst du es folglich (zu) trinken über 4 Tage hinweg.

Eb 313, vgl. Eb 308

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl von Datteln: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde in Wasser gegeben; werde zu šd.t-Teig gemacht; werde vermengt,1 und das, nachdem du zwei Schalen aufs Feuer gestellt hast, so dass sie heiß werden, (und dann) dieser šd.t-Teig dazugegeben wurde2; [53,20] werde zu einem ḫꜣḏ.w-Fladen gemacht.
Nachdem er gebacken wurde, machst du ihn folglich mit Honig und Rinderfett zu ꜣmꜥ.t-Brei. Werde über 1 Tag hinweg gegessen.

1 ꜣmj.w: Ebbell 1937, 66, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 162 und Westendorf 1999, 605 verstehen darin die nächste Anweisung und setzen ꜣmj.w parallel zu jri̯ m šd.t. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 6 interpretieren es dagegen als Umstandssatz der Vorzeitigkeit, der an die vorige Anweisung anzuschließen ist: „nachdem sie (d.h. die Drogen, L.P.) gemischt sind“. Bardinet 1995, 299 folgt zwar dem Vorschlag der Unterordnung, übersetzt das Verb aber, ebenso wie den Hauptsatz, prospektivisch/optativisch („qui sera battue“), so dass ꜣmj.w letztendlich auch bei ihm die nächste Verarbeitungsanweisung darstellt.
Der Vorschlag von H. von Deines – W. Westendorf hat zunächst einiges für sich, denn man gewinnt den Eindruck, dass der šd.t-Teig eine Folge des Vermengens darstellt und nicht die Bedingung. Andererseits ist es auch gut möglich, dass die Anweisung jri̯ m šd.t den Prozess der Vermischung von Dattelmehl und Wasser bereits einschließt und sich der Prozess des ꜣmj-Vermengens auf einen anderen, zweiten Vermischungsvorgang bezieht, der während des Erhitzungsprozesses stattfindet. So ließe sich auch jw rḏi̯.n=k syntaktisch gut anschließen, und auch inhaltlich, sofern man rḏi šd.t tn r=s als Fortführung des jw-Satzes analysieren darf. Westendorf (Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 172 und Westendorf 1999) lässt dagegen mit jw einen vorangestellten temporalen Umstandssatz der Vorzeitigkeit zu rḏi šd.t tn r=s beginnen, was im Ägyptischen zwar vorkommt, aber nicht sehr oft. Ebbell 1937, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und Bardinet 1995 beginnen mit jw rḏi̯.n=k einen neuen Hauptsatz, aber ebenfalls einen, der gegenüber der folgenden Verarbeitungsanweisung in der Vergangenheit steht. Bei beiden Lösungen sieht die Handlungsreihenfolge so aus: Mehl und Wasser werden vermischt; dies wird zu einem šd.t-Teig gemacht; dieser wird in zwei Schalen gegeben, die zuvor erhitzt worden waren; dies wird zu einem ḫꜣd.w-Fladen gemacht. Durch die hier vorgeschlagene Lösung ergibt sich ein Arbeitsschritt mehr: Mehl und Wasser werden vermischt; dies wird zu einem šd.t-Teig gemacht; dieser wird in zwei Schalen gegeben, die zuvor erhitzt worden waren, und (darin?) nochmals vermengt; dies wird zu einem ḫꜣd.w-Fladen gemacht. Sollte dieser zusätzliche Vermischungsvorgang vielleicht eine Art Umrühren des Teigs in den Schalen benennen? Oder sollte dies die erneute Zusammenführung der beiden Teile zu einer einzigen Masse benannt haben? Denn obwohl der Teig in zwei Schalen erhitzt, also geteilt wurde, wird danach nur ein einziger Fladen produziert – dass das ḫꜣd.w des folgenden Satzes ein Singular ist, ergibt sich aus dem qfn=f des darauffolgenden Satzes.

2 r=s: Das Suffixpronomen wird sich ganz allgemein auf den beschriebenen Aufbau der Gefäße beziehen, denn die einzigen beiden satzsyntaktisch infrage kommenden, explizit genannten Bezugsworte pgꜣ und 2 (sn.w) sind maskulin.

Eb 314

Ein anderes (Heilmittel):
Kuhmilch, Erdmandeln.
Werde in ein rmn.t-Gefäß gegeben, wobei (dies)es aufs Feuer gestellt werde wie (zum) Kochen von Langbohnen.
Nachdem (es) gekocht wurde, kaut der Mann folglich [54,1] diese Erdmandeln. Werde mit dieser Milch über 4 Tage hinweg hinuntergeschluckt.

Eb 315, vgl. Bln 29

Ein anderes (Heilmittel):
Honig, smj-Dickmilch.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde gegessen, (und) werde mit Bier des „Dritten (Abgusses)“ (?) über 4 Tage hinweg hinuntergeschluckt.

Eb 316

Ein anderes (Heilmittel):
Zähne vom Schwein.
Werde fein zermahlen; werde in vier fqꜣ-Kuchen gefüllt. Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

Eb 317, vgl. Bln 34

Ein anderes (Heilmittel):
Flüssigkeit vom Datteltrester (?), [54,5] Honig, smj-Dickmilch.
Werde gekocht.1 Werde mit fqꜣ-Kuchen gegessen über 4 Tage hinweg.

1 psi̯ wurde als Korrektur nachträglich in Rot zwischen smj und wnm gequetscht.

Eb 318

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl vom mjmj-Getreide: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Gänsefett 1/64 (Oipe = 1 Dja), Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde gekocht. Werde über 4 Tage hinweg gegessen.

Eb 319

Ein anderes (Heilmittel):
Mehl von Datteln: 1/32 (Dja), šnf.t-Früchte: 1/32 (Dja), tjꜥm-Pflanzen: 1/8 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja).
Werde fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht; werde in 1/16 (Oipe = 4 Dja) Bier gegeben; werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde über 4 Tage hinweg getrunken.

Eb 320

Ein anderes (Heilmittel):
tjꜥm-Pflanzen: 1/32 (Dja), ꜥmꜣ-Pflanzen: 1/32 (Dja).
Werde fein zermahlen; werde aufs Feuer gestellt. Der Rauch davon werde über 1 Tag hinweg mit einem Schilfrohr inhaliert (wörtl.: verschluckt).

Eb 321, vgl. Eb 297, Bln 136

[54,10] Ein anderes (Heilmittel), ein sofort (wirksames) Mittel zum Beseitigen von Husten im Bauch:
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/16 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), Blätter der Dornakazie: 1/32 (Dja), ṯr.w-Ocker: 1/64 (Dja), Polei-Minze (?): 1/32 (Dja), gngn.t-Pflanzen: 1/8 (Dja), süßes Bier.
Werde nachts dem Tau ausgesetzt. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 322

Ein anderes (Heilmittel):
mjmj-Getreide, geröstet.
Werde mit Bier vermengt, wozu eine bḏꜣ-Backform erwärmt werde;1 werde zu einem Fladen gemacht. Werde über 2 Tage2 hinweg gegessen.

1 sšmm bḏꜣ r=s wird in den existierenden Übersetzungen üblicherweise dem vorherigen und dem folgenden Satz parallel gestellt. Allerdings benennt der Satz eigentlich keinen separaten Schritt der Verarbeitungsanweisung, sondern scheint eher die Art, wie das Mischen des Getreides mit dem Bier vonstatten gehen soll, weiter zu präzisieren. Daher wäre es wohl besser, ihn im Sinne von W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 255.2.a oder b als untergeordneten Nebensatz aufzufassen.
von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 136 schlagen noch als Alternative vor: „werde erhitzt, indem ein bḏꜣ-Topf dafür ⟨verwendet wird⟩“. In diesem Fall wäre sšmm doch wieder Teil der Verarbeitungsanweisung und könnte parallel zu ꜣmj.w und jri̯ gestellt werden. Das folgende bḏꜣ r=s scheint in dem Fall allerdings etwas zu stark verkürzt, selbst für die formelhaften medizinischen Texte.

2 Die Angabe von zwei Tagen ist ungewöhnlich.

Eb 323

Ein anderes (Heilmittel):
Honig: 1 Hin (= 1,6 Dja), Rinderfett: [54,15] 1 Hin (= 1,6 Dja), Flüssigkeit vom Datteltrester (?): 2 Hin (= 3,2 Dja), mjmj-Getreide, geröstet: 1 Hin (= 1,6 Dja), Gummiharz der Dornakazie.
Werde zu einer Masse zermahlen;1 werde gekocht. Werde handwarm (wörtl.: in Wärme des Fingers) gegessen.

1 Wohl verkürzt aus: „Werde gemahlen, (werde) zu einer Masse (gemacht).“

Eb 324, vgl. Eb 305, 307

Ein anderes (Heilmittel):
Frisches Johannisbrot.
Werde in ein rmn.t-Gefäß gegeben, dessen (eine) Hälfte mit Wasser, (die andere) Hälfte mit Johannisbrot (gefüllt) ist. (Es) werde davon ein Hin-Maß täglich getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 325

Ein anderes (Heilmittel):
Realgar: 1, Rötel (?): 1, ꜥꜥꜣm-Pflanzen: 1.
Werde zu einer Masse zermahlen.1
Du holst du folglich 7 Steine. [54,20] Du erhitzt sie folglich auf dem Feuer. Du nimmst (wörtl.: holst) folglich einen davon. Du gibst folglich (etwas) von diesem Heilmittel darauf. Du bedeckst ihn (d.h. den Stein) folglich mit einem neuen ḥn.w-Topf, dessen Unterseite durchbohrt wurde2. Du gibst folglich ein Rohr3 des Schilfs in diese Durchbohrung. (Und) du gibst folglich deinen Mund an dieses Rohr, so dass du den Rauch davon inhalierst (wörtl.: verschluckst).
(Werde) ebenso (verfahren) mit jedem (anderen) Stein.
[55,1] (Und) du isst folglich etwas Fett danach, von fettem Fleisch oder Öl/Fett.4

1 Wohl verkürzt aus: „Werde gemahlen, (werde) zu einer Masse (gemacht).“

2 whb: Nach W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 255.2.b ein passives sḏm in einem virtuell relativen Umstandssatz.

3 šbb als „Rohr“ ist nur in Eb 325 belegt; im Inhalationsrezept Eb 320 wird anstelle der gesamten Konstruktion šbb n nbj.t: „Rohr (?) vom nbj.t-Schilfrohr“ nur ein sb.t-Rohr genannt. Ob dies auf leicht unterschiedliche Konstruktionen hinweist oder nur eine sprachliche Variante ist, bleibt unklar.
Anmerkenswert ist, dass die Deutung von šbb: „Speiseröhre; Luftröhre“ unter anderem auf diesem Wort beruht (vgl. DZA 29.993.410), wohingegen dessen koptisches Derivat ⲥⲟⲩⲱⲃⲉ die Kehle bezeichnet.

4 jwf ḏdꜣ mrḥ.t rʾ-pw: Bardinet 1995 scheint dies koordinierend an qn anzuschließen: „quelque chose de gras, viande grasse ou grasse/huil“. Westendorf 1999, interpretiert das m dagegen identifizierend und jwf ḏdꜣ sowie mrḥ.t als nähere Erläuterung zu qn: „etwas Fettes (…) in Form von fettem Fleisch oder Öl/Fett“.

Eb 326–335: Heilmittel gegen die gḥ.w-Krankheit

Eb 326

Anfang der Heilmittel zum (Ab)töten der gḥ.w-Krankheit1:
„Göttlicher-Falke“-Droge (?)2: 1/16 (Dja), Etwas, das in der Süßwassermuschel ist3: 1/16 (Dja), ḥmw.t-Droge4: 1/16 (Dja), Kot vom jdw-Vogel5: 1/16 (Dja), Olivenöl: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde zu einer Masse gemacht; werde gekocht; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

1 Mit der Eidechse (Gardiner Sign list I 1) klassifiziert und nur hier belegt, aber die Rezeptgruppe umfasst immerhin 9 Rezepte (d.h. 10 mit einem, das doppelt ist). B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 59, 1924, 55–59, 144–149, hier: 147–148 vermutete hierin Asthma und brachte vier Faktoren zur Identifizierung der Krankheit an: (1) Das Rezept steht nach den Hustenrezepten, aber vor den Augenrezepten, sei also wohl mit dem Brustraum verbunden. (2) Er identifizierte das Tier, mit dem die Krankheit determiniert ist, mit einem Chamäleon. Dieses Tier sei als Klassifikator gewählt worden, weil Chamäleons die Fähigkeit haben, sich bei Gefahr aufzublasen und die Luft geräuschvoll abzugeben – das klinge wie ein Fauchen, das dem Atmen eines Asthmatikers ähnele. Die Identifikation mit Asthma sah Ebbell ferner darin gestützt, dass (3) nur Einnahmemittel angewendet werden, also eine innere Krankheit vorliege, und (4) die Anzahl von 10 resp. 9 Rezepten für eine gewisse Häufigkeit der Krankheit spreche. Grapow 1955, 122 vermutet in dem Klassifikator dagegen eher einen Indikator für eine tierische Ursache, „vielleicht ein Parasit“. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 923 tendieren dagegen wieder zu Ebbells Deutung und vermutet in dem Wort ein Onomatopoetikum. Bardinet 1995, 178, kombiniert beide Erklärungen und erwägt eine von Parasiten verursachte Krankheit mit Atemnot. Hannig, HWb, 905 (übernommen in der Marburger Edition, 976, Nr. 36034) erwägt einen möglichen Zusammenhang mit der gꜣḥ.w-Mattigkeit (D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 1. 1977 (Paris 1980), 77.4613, TLA-Lemmanr. 856733). Für Letztere gibt es zwar Schreibungen ohne , aber immer mit dem charakteristischen Klassifikator des matt dasitzenden Mannes. W. Westendorf, Beiträge aus und zu den medizinischen Texten, in: Göttinger Miszellen 153, 1996, 107112, hier: 111–112 folgt dem Vorschlag von H. von Deines – W. Westendorf, in gḥ.w ein onomatopoetisches Wort zu sehen, das auf ein Keuchen hindeutet. Den Klassifikator identifiziert er aber, anders als Ebbell, mit einem Gecko, der als eines der wenigen Reptilien eine Stimme habe. Das Geräusch, das jemand mit gḥ.w-Leiden hat, würde vielleicht an die Stimme des Geckos erinnern. Damit schließt sich der Kreis: Ebbell nimmt die Klassifizierung zum Anlass, in der Krankheit Asthma zu sehen; und Westendorf nimmt den von Ebbell und von H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) vermuteten Zusammenhang mit Atemproblemen zum Anlass, den Klassifikator als Gecko zu erklären, weil die Atemprobleme wie der Ruf eines Geckos klängen.

2 Mit dem nṯr-Zeichen, dem Falken mit Flagellum, dem „schlechten Paket“ sowie Pluralstrichen geschrieben. Die Lesung ist unsicher: H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 319 transkribieren nṯr ..., hält aber auch bjk-nṯr für denkbar. Das ist mit allem Vorbehalt auch von Westendorf 1999 übernommen worden. Bardinet 1995 unterlässt dagegen einen Lesungsversuch gänzlich und setzt nur drei Punkte. Sofern es sich nicht um eine spielerische Schreibung einer bekannten Droge, wie z.B. des einfachen nṯr-Natrons, handelt, wäre es ein Hapax legomenon.

3 Eine ungewöhnliche Formulierung. Das „Innere einer Süßwassemuschel“ wird sonst genau so, nämlich jm.j n wḏꜥ.yt, genannt, H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 147–148.

4 Eine nur in Eb 326 und 330 belegte Droge. Unter Umständen könnte es eine feminine Form der ḥm.w-Teile der kꜣkꜣ-Pflanze sein, die einmal in H 82 auch mit dem Rohstoffklassifikator anstelle der sonst dafür üblichen Stängel geschrieben wurde.

5 Das jdw-Tier kommt nur in Eb 326 vor, vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 76. Dort wird als alternative Lesung auch njdw angegeben, weil ḥs + Tier: „Kot von ...“ sehr oft im direkten Genitiv konstruiert sind und daher das n in Eb 326 auch der erste Konsonant des Tiernamens anstelle der Genitivnisbe sein könnte. Der Ohr-Klassifikator spricht jedoch eher dafür, dass der Tiername mit dem Verb jdi̯: „taub sein“ in Verbindung gebracht werden kann, oder dass der Schreiber des pEbers eine solche Verbindung für möglich hielt. Dies spricht doch für die Lesung jdw und gegen njdw. Als weiterer Klassifikator tritt der Vogel auf. Stern, in: Ebers 1875, 7, schrieb nur unspezifisch, dass das jdw-Tier ein Vogel sei, nannte dann aber zusätzlich das arabische Wort iwazz: „Gans“ mit der lateinischen Entsprechung „anser“ (wörtl.: „die Lachende, Gackernde“?). H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 76 erwähnen noch die Möglichkeit, dass es sich auch um ein Insekt handeln könnte – Insektennamen wurden tatsächlich oft mit einem Vogel klassifiziert. Die meisten in den medizinischen Texten genannten Kotarten stammen allerdings i.d.R. von Wirbeltieren (bis auf ḥs n ꜥff: „Fliegenkot“, bei dem es sich um einen Decknamen für Propolis handeln könnte), so dass auch in diesem Fall wahrscheinlicher ein Vogel gemeint ist.
Die gesamte Verbindung ḥs n jdw ist zusätzlich mit Gardiner N 33 klassifiziert, dem allgemeinen Rohstoffklassifikator. Es könnte daher auch sein, dass gar nicht echter Kot dieses Vogels gemeint ist, sondern dass es sich um den Namen eines Minerals, einer Pflanze oder eines Pflanzenproduktes handeln könnte.

Eb 327

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): [55,5] 1/8 (Dja), Weintrauben: 1/8 (Dja), Geritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Wein: ein halbes Dja (?), Gänsefett: 1/8 (Dja), süßes Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 328

Ein anderes (Heilmittel):
ꜥmꜣ-Pflanzen1: 1/64 (Oipe = 1 Dja), frisches Brot: ein halbes Dja (?), Ocker: 1/32 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/8 (Dja), Öl/Fett: 1/64 (Oipe = 1 Dja), unterägyptisches Salz: ein viertel (Dja).
Werde zu einer Masse gemacht; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

1 Wegen der großen Dosis vermutet Westendorf 1999, 608 mit Anm. 85, dass an dieser Stelle nicht die Pflanze als solche, sondern Saft dieser Pflanze verwendet werden sollte. Ähnlich schon H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 89.

Eb 329 = Eb 331

Ein anderes (Heilmittel):
Weihrauch: 1/64 (Dja), frische sw.t-Binse: [55,10] 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 330

Ein anderes (Heilmittel):
„Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), Zwiebeln/Knoblauch: 1/8 (Dja), ḥmw.t-Droge: 1/8 (Dja), tjꜣ-Pflanze: 1/8 (Dja), fauliges Fleisch: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Gänsefett: 1/8 (Dja), Starkbier: 1/16 (Dja).
Werde gekocht; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 331 = Eb 329

Ein anderes (Heilmittel):
Weihrauch: 1/64 (Dja), frische sw.t-Binse: 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), Wein: ein viertel (Dja).
Werde gekocht. Werde gegessen1 über 1 Tag hinweg.

1 Im Gegensatz zu der Parallele Eb 329 wird dieses Heilmittel nicht getrunken, sondern gegessen. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass in Eb 329 derselben Menge Drogen viermal mehr Wein zugegeben wird als in Eb 331 und damit der Flüssiganteil wesentlich höher ist.

Eb 332

Ein anderes (Heilmittel):
Unterägyptisches Salz: 1/16 (Dja), „Großer-Schutz“-Droge: 1/16 (Dja), Ocker: 1/16 (Dja), Wein: 1/16 (Dja), Starkbier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 333

Ein anderes (Heilmittel):
[55,15] Fayence1: 1/64 (Oipe = 1 Dja), Stern2 der Dattel: 1/64 (Oipe = 1 Dja), süßes Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
Werde zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. Werde gegessen über 1 Tag hinweg.

1 Geschrieben, als würde es „Krokodilserde“ bedeuten, und so ist es auch lange gelesen worden: tꜣ-mzḥ: „Krokodilserde“, viell. metaphorisch für „Krokodilskot“, vgl. etwa H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 544–545. Zur Lesung als ṯḥn.t: „Fayence“ s. D. Kurth, Zu THn.t in medizinischen Texten, in: Göttinger Miszellen 111, 1989, 8183 und schon Borghouts in den Thesen zur Verteidigung seiner Dissertation (eingelegt in J. F. Borghouts, The magical texts of Papyrus Leiden I 348, Oudheidkundige mededelingen uit het Rijksmuseum van Oudheden 51 (Leiden 1970), hier „Stelling XV“). Kurth zeigt, dass tꜣ zur Schreibung des initialen verwendet wird und das Krokodil nicht mzḥ, sondern ḥn, ḥn.t oder ḥnt.j zu lesen sei. Zusätzlich führt er einige Belege für diese und ähnliche Schreibungen für ṯḥn.t in ptolemäischer Zeit an. Seiner Lesung folgen Bardinet 1995, 302: „glaçure-tjehent“ und Westendorf 1999, 494 und 608, der direkt „Fayence“ übersetzt, es aber noch in Anführungszeichen setzt. Diese Graphie von ṯḥn.t ist in den medizinischen Texten auf den Ebers beschränkt. Daneben kommen auch „normale“ Schreibungen von ṯḥn.t vor. Vermutlich handelt es sich aber nicht um zwei verschiedene ṯḥn.t-Arten, sondern nur um verschiedene Graphien; vgl. dasselbe Phänomen bei msdm.t: „Bleiglanz“, das im pEbers sowohl spielerisch als auch graphisch unauffällig geschrieben wird.

2 Diese Droge ist nur in Eb 333 belegt. Die Lesung ist unsicher. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 434 halten es für denkbar, dass es eine Verschreibung für wḏꜥ ist, das als Teil der Dattel auch an anderen Stellen genannt wird. Zwar seien die Schreibungen des Sterns und des wḏꜥ-Zeichens im pEbers deutlich unterscheidbar, aber H. Grapow – H. von Deines halten es für möglich, dass der Schreiber in der Vorlage eine Graphie von wḏꜥ vorgefunden habe, die er als sbꜣ verlesen haben könnte.

Eb 334

Ein anderes (Heilmittel):
Frisches twr-Rohr: 1/16 (Dja), frisches Brot: 1/8 (Dja), „Erdhaar“-Früchte: 1/8 (Dja), pḫ.t-ꜥꜣ.t-Droge1: 1/8 (Dja), Sellerie: 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Kreuzkümmel: 1/64 (Dja), Feigen: 1/16 (Dja), Weintrauben: 1/16 (Dja), Wein: ein halbes Dja (?), Starkbier: 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
Werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

1 pḫ.t-ꜥꜣ ist „pḫ.t vom Esel“, wohl pflanzlicher Herkunft, weil alle anderen Bestandteile des Rezeptes pflanzlicher Natur sind. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 205 verweisen auf die Droge pꜣḫ-sr.t, sieht also vielleicht einen Zusammenhang. Das pḫ.t von Eb 334 ist mit dem ejakulierenden Phallus klassifiziert. Wohl deswegen vermutet Westendorf 1999, 609 darin „Esels-Ausscheidung“. Einen zweiten Beleg für das Wort vermeint S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 85 in pBrooklyn 47.218.48+85, Zl. 4,7 gefunden zu haben, wo allerdings prḫ-ꜥꜣ.t steht, was man mit „Eselsblüte“ o.ä. übersetzen könnte. Tatsächlich ist die Lesung des ersten Teils des Kompositums im pEbers als pḫ.t (so H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) und Westendorf 1999; also < *pḫ) gar nicht sicher. Das Hieratische ließe auch eine Lesung als pḫt (mask.), pḫd oder sogar pḫr möglich erscheinen – Letzteres würde das Wort weiter an Saunerons Beleg annähern, da man von einer Metathese ausgehen könnte: prḫ ~ pḫr.

Eb 335

Ein anderes (Heilmittel):
Honig: 1/32 (Dja), Starkbier: ein viertel (Dja), Wein: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
[55,20] Werde ausgepresst. Werde getrunken über 1 Tag hinweg.

Eb 336–431: Sammelhandschrift für die Augen (Das Augenbuch)

Eb 336

{Ein anderes (Heilmittel):}1 Anfang der Sammelhandschrift für die Augen:
Was zu tun ist bezüglich eines Gewächses von Krankheitsauslösern (?) mit/im (?)
2 Blut im Auge.
Oberägyptische sjꜣ-Droge: 1, Honig: [56,1] 1, snn-Mineral: 1, nḥd.t-Myrrhe: 1.
Sein (d.h. des Auges) Wasser3 werde (damit) behandelt4.
Weihrauch: 1, Myrrhe: 1, tntm-Droge: 1, Ocker: 1.
Das Gewächs werde (damit) behandelt4.
Unterägyptische sjꜣ-Droge: 1, Roter Ocker: 1, Malachit: 1, Honig: 1.
Danach bereitest du ihm (d.h. dem Patienten) anschließend: Öl/Fett: 1.
Anfang der Nachbehandlung: Wachs: 1, gsfn-Droge: 1, Bestes (?) vom Weihrauch:5 1, Ocker: 1.
Vollendung (?)6 der Nachbehandlung: „Fauliges-Holz“-Droge: [56,5] 1, Weihrauch: 1, Gänsefett: 1.
Ende der Nachbehandlung: Ocker: 1, Bleiglanz: 1, Öl/Fett: 1.
(Die kranke Stelle) werde darüber verbunden 4 Tage lang.
Du sollst (d.h. den Verband (?)) überhaupt nicht stören!7

1 Dieses k.t wurde mechanisch an den Anfang gesetzt, ist aber zu streichen, weil hier eine neue Rezeptgruppe mit einer eigenen Überschrift beginnt. Vgl. Westendorf 1999, 609, Anm. 87. Bardinet 1995, 302 hat das k.t gar nicht erst mit übersetzt oder diesen Fehler angemerkt.

2 Grammatisch kann die Präposition sowohl „mit“ als auch „in“ bezeichnen. Ersteres etwa Bardinet 1995: „qui se trouve dans le sans ...“, Letzteres bei Westendorf 1999: „Gewächs von Schmerzstoffen mit Blut“.

3 In diesem Zusammenhang in der Regel als Krankheit oder Symptom betrachtet: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 358 versteht hierin einen „Krankheitsstoff“. Bardinet 1995, 302 denkt konkreter an eine „sérosité“. Westendorf 1999, 286 nennt mw als Inhalt einer Schwellung, spezifisch im Kontext mit šfw.t. In seiner Übersetzung des konkreten Rezeptes Eb 336 auf S. 609 bleibt er aber bei einer wörtlichen Übersetzung „Wasser“, so dass unsicher bleibt, ob er hierin dasselbe versteht wie das Wasser als Inhalt der Schwellung.

4 Sowohl Westendorf 1999, als auch Bardinet 1995 übersetzen es infinitivisch. Es wäre aber auch eine Übersetzung als passives sḏm=f möglich.

5 In Eb 242 ohne m geschrieben, in den anderen Belegen mit m, H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 401 zufolge ist das m dort wohl aufgrund des Zeilenwechsels ausgefallen. Wreszinski 1913 und Barns vermuten eine Qualitätsangabe: „allerfeinstes snṯr“; vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 401, die diese Interpretation aber ablehnen. Da es in Eb 256 als Einzeldroge für eine Salbe („der Kopf werde damit gesalbt“) verwendet wird, vermuten H. Grapow – H. von Deines stattdessen eine Droge mit „salbenartige[r] Konsistenz“. Dieser Begründung folgt auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), die als weiteres Argument noch hinzufügt, dass es in  neben Harzperlen genannt wird. Westendorf 1999, schließt sich H. Grapow – H. von Deines und Germer an und vermutet, dass bei der Droge „wahrscheinlich mit einem kostbaren Salböl ‚veredelter‘ Weihrauch“ vorliege. Es ist zumindest anzumerken, dass B. Koura, Die „7-Heiligen Öle“ und andere Öl- und Fettnamen. Eine lexikographische Untersuchung zu den Bezeichnungen von Ölen, Fetten und Salben bei den alten Ägyptern von der Frühzeit bis zum Anfang der Ptolemäerzeit (von 3000 v. Chr. – ca. 305 v. Chr.), Aegyptiaca Monasteriensia 2 (Aachen 1999), keine von der Präposition ḫntjEb 242 abgeleiteten Ölnamen kennt.
Bardinet 1995, lässt ḫnt.t unübersetzt.

6 In medizinischen Texten nur hier belegt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 906 schlagen mit Verweis auf Wb 5, 130.1 („Vollendung der Zeit“) eine Übersetzung als „Vollendung der Nachbehandlung“ vor. Das eigentliche „Ende“ kommt aber erst noch im folgenden Satz.

7 Die ungewöhnliche intransitive Verwendung erschwert die Feststellung, was nicht gestört werden soll. DZA 28.244.010 vermutet das Auge und übersetzt: „drücke (?) nicht sehr“. Bardinet 1995, und Westendorf 1999, vermuten dagegen, dass der Verband nicht gestört werden soll. Ebbell 1937, 68 bleibt unspezifisch: „Thou shalt not disturb much.“

Eb 3371

Ein anderes (Heilmittel), etwas, was zu tun ist bezüglich einer tḫn-Verletzung2 am Auge:
Am ersten Tag Sumpfwasser: 1.
Am zweiten Tag Honig: 1, Bleiglanz: 1, 1 Tag lang.
Wenn es (d.h. das Auge) blutet, (dann verwende) Honig: 1, Bleiglanz: 1.
(Die verletzte Stelle) werde darüber verbunden 2 Tage lang.
Wenn aber oft Flüssigkeit daraus heraustritt (wörtl.: herabsteigt), dann bereitest du ihm (d.h. dem Auge) „Es-werde-ausgewrungen“-Mittel (?)3.
jꜣw-Droge4: 1, Malachit5: 1, [56,10] Weihrauch: 1, Kopf der hdn-Pflanze6: 1.
Werde gekocht.

1 Wreszinski 1913 setzt mit Eb 337 und 338 zwei Rezepte an, wobei er Rezept 337 nach psi̯̯ enden lässt und davon ausgeht, dass die Applikationsanweisung dieses Rezeptes und die Überschrift von Eb 338 verloren wären. Darin sind ihm Grapow 1958, 90 und Bardinet 1995, 303 gefolgt. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 59, Anm. 1 zu Eb 338 lieferen dann auch die Begründung nach: die „grüne Augenschminke“, wꜣḏ, sei sowohl in Eb 337 als auch in 338 genannt. Dass beide Drogenaufzählungen zum selben Rezept gehören, verbietet die Beobachtung des Grundrisses, dass in den Drogenauflistungen nie eine Droge zweimal genannt sei (vgl. etwa in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959) 418, s.v. ẖsꜣj.t). Westendorf 1999, 609 mit Anm. 89 fasst trotzdem beide Rezepte zusammen; als mögliche Argumente, in zwei Rezepte aufzuteilen, führt er die doppelte Nennung des wꜣḏ an (wie H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958)) sowie die fehlende Applikationsanweisung nach psi̯. Letzteres Argument lehnt er dann aber ab, weil auch schon am Anfang von Eb 337 (d.h. nach der ersten Drogenliste) keine Applikationsanweisung stünde und deren Fehlen daher nicht ausschlaggebend sei. Ein Gegenargument bezüglich der doppelten Nennung von Malachit führt er allerdings nicht an.

2 Ein relativ seltenes Wort, das den Belegen nach exogen entstandene Beschädigungen von Objekten bezeichnet. In medizinischen Kontexten ist es auf Verletzungen am Auge beschränkt und in diesen Fällen auch mit einem Auge klassifiziert. Ebbell 1937, 68 übersetzt mit „blow“, Bardinet 1995, 303 mit „blessure“, Westendorf 1999, 609 mit „Ritzung“.

3 Wreszinski 1913, 97 transkribiert n ꜥfs. Dem folgen Ebbell 1937, 68 (allerdings ohne Übersetzungsvorschlag: „for ꜥfś“) und G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 76, Anm. 1 (ebenfalls ohne Übersetzungsvorschlag, aber mit dem Vermerk „avec déterminatif des maladies (pustule, signe Aa, 2)“). Wb 1, 169.14, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 59, Anm. 3 und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962)135 lesen dagegen „ꜥꜥfs (?)“ und vermuten eine fehlerhafte Schreibung für ꜥꜥf=s, das vielleicht die am Rezeptende nicht genannte Applikationsanweisung vorwegnimmt. Westendorf 1999, 610 vermutet einen noch weiter gehenden Schreibfehler für ꜥꜥf=s m wt: „es pressen mit einem Verband“ im Sinne von „eine Kompresse anlegen“. Als weitere Alternative wäre auch zu überlegen, ob ein substantivierter und lexikalisierter Satz ꜥꜥf=s oder noch eher ꜥꜥf-s(j): „es werde ausgepresst“ vorliegt und das schlechte Paket nicht als wt zu lesen ist, sondern den Klassifikator dieses Nomens bildet. Zum schlechten Paket als Klassifikator für Worte des Wortfeldes „verbinden“ vgl. die Bemerkungen bei A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), Sign-list, Aa2 (anstelle des Zeichens V38 verwendet). An Beispielen für solche substantivierten Sätze vgl. dp-ḥr-mꜣs.t: „der Kopf (ist) auf dem Knie“ für „Trauer; Trauerhaltung“, bw-rḫ=f: „Nicht kennt er (etwas)“ für „Ignorant“ oder „Unbekannter“, jw.tj-n=f: „dem nichts gehört“ für „Habenichts“, vgl. auch Borghouts, Egyptian, § 89 mit weiteren Beispielen. Aus dem medizinischen Wortschatz ließe sich diesbezüglich noch der Pflanzenname ḫfꜥ-ꜥ=j-ꜣm-ꜥ=j: „Mein Arm fasst, mein Arm packt“ anführen (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 397), der als Kompositum einen eigenen Klassifikator bekam. Bardinet 1995, 303 übersetzt ab zp.w: „le traitement destiné à assechér“. Es ist unklar, an welche Wörter er dachte. Sein „destiné à“ dürfte eine Präposition n wiedergeben, wodurch sein Vorschlag der Worttrennung von Wreszinski, Ebbell und Lefebvre nahesteht. Wie er zu „assechér“ kommt, bleibt allerdings unklar. Dachte er an eine übertragene Bedeutung von (j)ꜥf, das eigentlich ein Auswringen oder Auspressen bezeichnet und damit natürlich impliziert, dass am Ende etwas Ausgepresstes und damit Flüssigkeitsloses, Trockenes zurückbleibt?

4 Mit Rohstoffklassifikator und Pluralstrichen geschrieben; nur in Eb 337 belegt. Nach J.-C. Goyon, Une identification possible de la plante hdn des anciens Égyptiens, in: J. Friedrich (Hrsg.), Studien zu Sprache und Religion Ägyptens. Zu Ehren von Wolfhart Westendorf, überreicht von seinen Freunden and Schülern. Bd. 1 (Göttingen 1984), 241–250, hier: , 245, Anm. 29 ist es nur eine graphische Variante von jꜣꜣ (Wb 1, 27.8) aus einem Text in Edfu. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 163 schließt aufgrund des Kontextes, in dem jꜣꜣ steht, dass es ein Mineral sein muss und vielleicht noch konkreter ein Pigment sein könnte.

5 Ebers 1889, 203–204, Anm. 11 sieht hierin eine Bezeichnung für Kieselkupfer, d.h. Chrysokoll, weil es einige wenige Male mit der Materialangabe ḥmt: „Kupfer” verbunden wird und er daher in bloßem wꜣḏ ein kupferhaltiges Mineral vermutet. Die Vermutung Chrysokoll wird von Loret, Florence, in: de Morgan, Fouilles à Dahchour 1, 160–164 bestätigt, die Reste grüner Schminke chemisch analysieren ließen. Dementsprechend identifiziert V. Loret, La turquoise chez les anciens Égyptiens, in: Kêmi 1, 1928, 99114, hier: 104 wꜣḏ mit Chrysokoll, worauf die Übersetzungen von Lefebvre und Jonckheere basieren (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 127). Ebbell 1937, 132 übersetzt dagegen kommentarlos mit Malachit (wegen des Zusammenhangs mit dem Wortfeld wꜣḏ: „grün“?). Diese Identifizierung übernehmen dann auch H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 127 und ihm folgend Westendorf 1999 und Bardinet 1995. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 102–104 kommt nach einer Untersuchung der in den Quellen genannten Verwendungsweisen von wꜣḏ zu dem Ergebnis, dass es, wenn als Pigment oder in Medikamenten gebraucht, Malachit, Grünspan, Chrysokoll oder, als künstliches Äquivalent, grüne Fritte bezeichnet, wobei er am ehesten zu Malachit tendiert. Außerhalb von Schminkmitteln und Medikamenten sei das Bedeutungsspektrum noch breiter und könne auch andere grüne Mineralien und Gesteinsarten einschließen und in diesem Bedeutungsumfang vielleicht dem lateinischen smaragdus entsprechen (C. T. Lewis – C. Short, A Latin Dictionary [letzter Zugriff: 23.06.2016]).

6 Laut J.-C. Goyon, Une identification possible de la plante hdn des anciens Égyptiens, in: J. Friedrich (Hrsg.), Studien zu Sprache und Religion Ägyptens. Zu Ehren von Wolfhart Westendorf, überreicht von seinen Freunden and Schülern. Bd. 1 (Göttingen 1984), 241–250 ist es Bupleurum, Hasenöhrchen. Was der Kopf (dp.t) dieser Pflanze ist, ist unklar.

Eb 338

Blätter der Dornakazie: 1, Malachit: 1, Papyrus: 1, Johannisbrot: 1, Wasser: 1.
Werde zermahlen. Werde in sein (d.h. des Auges) Inneres gegeben.

Eb 339

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer Verschleierung1 im Auge.
Myrrhe: 1, „Großer-Schutz“-Droge: 1, šs.yt-Fritte: 1, Johannisbrot: 1, unterägyptische gy.t-Pflanzen: 1, Papyrus: 1, kꜣy.t-Kot (?)2 einer Gazelle: 1, das Innere des qꜣd.yt-Insekts31, weißes Öl.
Werde in Wasser gegeben; werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. (Die kranke Stelle) werde 4 Tage lang darüber verbunden.
Eine alternative (?) Anweisung:
Du gießt es folglich mit einer Geierfeder [56,15] (scil.: ins Auge).

1 Der gelegentlichen Klassifizierung mit dem Auge wie auch seinem Kontext nach eine Augenkrankheit. CT VII [1089], 369d–370b u.a. kennt auch ein ḥꜣtj-Phänomen, das das ganze Gesicht (ḥr) betrifft, vgl. J. F. Borghouts, The Evil Eye of Apopis, in: Journal of Egyptian Archaeology 59, 1973, 114–150, hier: 116. Einzig das Vorkommen dieses Phänomens in einem magischen Spruch für die weibliche Brust (Eb 811) passt nicht in diesen Kontext. Ebers 1889, 218 mit Anm. 24 vermutet in diesem Phänomen eine Bezeichnung von Lippitudo oder Eiterfluss im Auge. Hierfür lässt er sich von dem Klassifikator Gardiner N4, dem vom Himmel herabfallenden Regen, leiten, und verbindet das Wort mit koptisch ϩⲓϯ, das eben Lippitudo bezeichne. Dem folgt B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 32–33, der anfügt: „Lippitudo entspricht ungefähr dem, was man heute Blepharitis (Entzündung des Augenlidrandes) nennt.“ In B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen/London 1937), 68 übersetzt er das Wort dann mit „blear-eyedness“. Das Wort könnte etymologisch auch mit dem homographen Nomen ḥꜣtj: „Hülle“ zusammenhängen. Es gibt auch ein Nomen ḥꜣtj: „Verhüllung (des Himmels), Bewölkung“, das der Graphie nach ebenfalls in diesen Bereich gehört. So übersetzen von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 46 auch mit „Verschleierung“, was Bardinet 1995 und Westendorf 1999 übernehmen.

2 Nur in Eb 339 und 425 von einer Eidechse gesagt. Schon Stern, in: Ebers 1875, 33 vermutet darin Kot oder Mist; übernommen von H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 525. Vermutlich begründet sich dieser Vorschlag im Klassifikator, dem sogenannten „schlechten Paket“ Gardiner Aa 2. Jedenfalls wird keine andere Begründung angegeben. H. Grapow – H. von Deines merken an, dass das gewöhnliche Nomen für Kot in medizinischen Texten ḥs ist.

3 Das Tierfell, mit dem das Tier geschrieben ist, klassifiziert es nicht als Säugetier, sondern als Teil einer Tierklasse [HIDE AND TAIL]; bei dieser Tierklasse gibt es einige „fuzzy edges“, wie Skorpione, Frösche, Flöhe, Schildkröten und ein paar Würmer (vgl. O. Goldwasser, Prophets, Lovers and Giraffes. Wor(l)d Classification in Ancient Egypt, Classification and Categorization in Ancient Egypt 3. Göttinger Orientforschungen. 4. Reihe: Ägypten 38 (Wiesbaden 2002), 62 und 68–69 mit weiteren Beispielen), d.h. es gibt Tiere, die mit dem Tierfell geschrieben werden, aber nicht eigentlich zu der Klasse [HIDE AND TAIL] gehören. S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 55–56, Anm. 3, erwähnt das Tier bei seiner Besprechung der qꜣdj-Schlange. Obwohl er dezidiert schreibt „Ce mot [le serpent qꜣdj, L.P.] est employé dans Pap. Ebers no 339 (...), sous la forme [qꜣd.yt]“, geht er nicht weiter auf einen möglichen Zusammenhang ein, sondern scheint sich eher von einer Gleichsetzung beider Tiere zu distanzieren: An möglichen Zusammenhängen erwähnt er das koptische ⲕⲁⲧⲁⲓ: „Heuschrecke“ (zu diesem Nomen W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 123a); die ptolemäische Verwendung der Biene für den Lautwert kꜣ.t (diese Lesung kꜣ.t: „Arbeit“ scheint aber eher eine Metapher auf Basis des Fleißes des Tieres zu sein und nicht auf eine sonst nicht belegte Bezeichnung zurückzugehen, vgl. D. Kurth, Einführung ins Ptolemäische. Eine Grammatik mit Zeichenliste und Übungsstücken I (Hützel 2007), 45); eine Vogelbezeichnung qꜣd sowie der arabische Name qꜣdy für Agama flavimaculata: Rüppel, der auf eine ägyptische Bezeichnung zurückgehen könnte. Aber: „Tout cela n’est qu’hypothese“ (S. 56). W. Westendorf, Schlange und Schlangenkraut, in: M. Minas – J. Zeidler (Hrsg.), Aspekte spätägyptischer Kultur. Festschrift für Erich Winter zum 65. Geburtstag, Aegyptiaca Treverensia. Trierer Studien zum Griechisch-Römischen Ägypten 7 (Mainz 1994), 265–267, hier: , 265 erwähnt dann, dass Sauneron in seiner Besprechung des qꜣdj-Tieres eben die Ebers-Stelle zitiert hätte, schließt sich ihm aber bezüglich der Zurückhaltung in der Identifizierung von qꜣdj-Schlange und qꜣd.yt-Tier an. Im römerzeitlichen Tebtynis-Onomastikon wird das qꜣd.yt-Tier schließlich in einer Tiergruppe aufgelistet, die unter dem Label „was vom Himmel ins (?) Kraut fällt“ zusammengefasst wird (also vielleicht Ungeziefer im Allgemeinen bezeichnet). Dort wird gesagt, dass es ein großes ꜥpšꜣ.yt-Insekt sei, und es wird demotisch qtj und altkoptisch ⲕⲉⲧⲟⲩ glossiert. Vgl. J. Osing, The Carlsberg Papyri 2. Hieratische Papyri aus Tebtunis I, 2 Bände, CNI Publications 17 (Copenhagen 1998), 123–124. Osing vermutet darin dann eine Kakerlake, jedenfalls nicht eine Heuschrecke.

Eb 340

Ein anderes (Heilmittel):
gsfn-Droge: 1, „wsf-des-Teiches“-Droge1: 1 Wurzeln (wörtl.: Enden) des mḥy.t-Papyrus2: 1.
Danach bereitest du ihm (d.h. dem Patienten?) folglich Knochenmark: 1, Wachs: 1.
Werde an seine (d.h. des Auges) „Rücken“3 gegeben.

1 Nur hier belegt. Nach š: „Teich“ steht der Mineralienklassifikator, so dass es sich um ein zusammengesetztes Nomen handelt. Es wäre auch zu erwägen, dass hier ein missverstandener Textfehler vorliegt, in dem Sinne, dass in der Vorlage eine Lücke oder Zerstörung vorlag, die der Schreiber als solche notierte, und die dann später als Drogenbezeichnung missverstanden wurde. Ähnliches ist in Königslisten passiert, vgl. die Diskussion um die Bedeutung und Lesung der wzf- oder ḏfꜣ-Einträge im Turiner Königspapyrus, K. Ryholt, The Turin King-list, in: Ägypten und Levante 14, 2004, 135–155, hier: 147–148, bei denen es sich um vergleichbare missverstandene „textkritische“ Notizen des Kopisten handelt. Der vermeintliche Drogenname könnte daher eigentlich so aufzulösen sein: „[LÜCKE] des Teiches“.

2 Ob auch hier ein Fehler vorliegt? Vgl. Eb 179, wo kfꜣ.w-Teile des mḥj-Flachses verwendet werden. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 282 verweisen dagegen auf den mnḥ-Papyrus, von dem einmal in den Zaubersprüchen für Mutter und Kind (pBerlin 3027) auch kfꜣ.w-Teile verwendet werden.

3 Was mit dem sꜣ, dem „Rücken“ des Auges, gemeint sein könnte, ist unklar. H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriss der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 33 vermutet darin „das obere Lid des geschlossenen Auges“. So dann auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 705. Bardinet 1995, passim folgt diesem Vorschlag und übersetzt „paupières“. Westendorf 1999, ist vorsichtiger und belässt es bei der „Außenseite“ des Auges. E. Iversen, The Hieroglyph Aa18, in: Journal of Egyptian Archaeology 42, 1956, 54–57, hier: 56–57 versteht in der Hieroglyphe Gardiner Sign-list Aa18, mit der das Wort sꜣ geschrieben ist, einen Deckel und vermutet daher in den sꜣ n jr.tj des pEbers die „Deckel der Augen“, ergo: die Augenlider. Die Interpretation des Zeichens Aa18 als Deckel beruht u.a. auf Darstellungen eines ebenso aussehenden Gegenstandes am oberen Ende von Köchern in Darstellungen Rames’ III. in Medinet Habu, woraus schon Brugsch geschlossen habe, dass das der Deckel des Köchers sei (s. Iversen mit weiterer Literatur zur Diskussion dieser These). Ein weiteres Argument ist die Darstellung eines Gegenstandes, der wie Gardiner Aa17 aussähe, der älteren Form von Aa18, als Klassifikator eines Wortes sjꜣ auf einem Relief des Alten Reiches in Karlsruhe. Hierfür verweist er auf eine Diskussion der Szene bei Jéquier (G. Jéquier, Note sur deux hiéroglyphes, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 7, 1910, 8996, hier: 95), der dieses sjꜣ als Schreibung des Wortes sꜣi̯: „sättigen, satt sein“ auffasst, es aber konkret in diesem Falle als „boucher, couvrir“, d.h. als „verschließen“, verstanden wissen will, weil es einer Person beigeschrieben ist, die einen Behälter / einen Korb mit einem Deckel verschließt. Aufgrund dessen identifiziert er die Hieroglyphe Aa17 als Deckel des Korbes. Dem schließt sich Iversen an und vermutet in dem Wort sꜣ eine allgemeine Bezeichnung für „Deckel“, egal ob für einen Korb oder einen Köcher. H. Goedicke, On the Origin of the Hieroglyph Aa17, in: Journal of Egyptian Archaeology 45, 1959,  99–100, hier: 99–100 weist jedoch nach, dass Jéquiers Interpretation hinfällig ist und in dem fraglichen Relief eigentlich ein Mann mit einem Sieb mit Griffen dargestellt sei. Das fragliche Wort sjꜣ wäre nicht sꜣi̯: „sättigen; satt sein“, sondern sjꜣ(r): „(durch)sieben“. Er verweist auf zwei (noch unpublizierte) Darstellungen von Bogenschützen aus dem Alten Reich, bei denen der leere Köcher an die Form Aa17 erinnerten; aus der Praxis, diesen auf dem Rücken zu tragen, leitet er ferner die Bedeutung „Rücken“ für das mit Aa17 geschriebene sꜣ ab. In dem im Neuen Reich verwendeten Zeichen Aa18 vermutet er, wie Iversen, den Deckel des Köchers. Goedickes Argumente blieben zu prüfen; auf dem Relief Metropolitan Museum of Arts, Inv.-Nr. 22.1.23, auf das er verweist, kann man kaum von einer „striking similarity to the hieroglyph [Aa17]“ sprechen. Obwohl Goedicke insgesamt Iversens Deutung von Aa18 als Deckel nicht widerspricht, macht seine neue Deutung von Aa17 als Köcher Iversens Vorschlag, in sꜣ eine Bezeichnung für den „Deckel“ zu sehen und in sꜣ n jr.tj die „Deckel der Augen“, zweifelhaft. M. I. Hussein, Notes on Some Hieroglyphic Signs, in: Discussions in Egyptology 30, 1994, 4754, hier: 49–52 will in der sꜣ-Hieroglyphe ein ägyptisches Holzschloss und in seiner hieratischen Entsprechung den dazu gehörigen Schlüssel erkennen. Es bliebe allerdings zu prüfen, ob der von ihm gemeinte Schlosstyp überhaupt schon für eine derart frühe Zeit belegt ist, wie es das sꜣ-Zeichen erfordert (zu ähnlichen Schlössern aus römischer und späterer Zeit s. W.M. Flinder Petrie, Tools and Weapons. Illustrated by the Egyptian Collection in University College, London, and 2000 Outlines from Other Sources, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [30] (London 1917), 59 und Taf. 75, Nr. W132 = UC63793 und I. Zych, Note on the Collection of Wooden Finds from Naqlun, in: Polish Archaeology in the Mediterranean 11 (Reports 1999), 2000, 145–148, hier: 146–147).
Eine aktuelle kurze Besprechung des Terminus sꜣ n jr.tj findet sich bei N. Grässler, Konzepte des Auges im alten Ägypten, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 20 (Hamburg 2017), 109; sie schließt sich sich weitgehend der Bedeutung „Lid“ an (vgl. auch S. 168, Tab. 2), verweist aber auch darauf, dass die Mittel, die auf dem sꜣ aufgetragen werden sollen, in den meisten Fällen Schminkmittel mit dem Bestandteil msdm.t, Bleiglanz, sind, „die um das Auge herum angebracht wurden“.
Die generelle Vorsicht der Bearbeiter bei der Gleichsetzung dieses „Rückens der Augen“ mit dem Augenlid ist nicht ganz unberechtigt, denn in anderen Textgattungen scheint es andere Bezeichnungen für die Augenlider zu geben: H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriss der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 33, Anm. 8 verweist etwa auf Totenbuchspruch 172. Darin findet sich eine Aufzählung verschiedener Körperteile: auf das Auge selbst (jr.t) folgen dort die gꜣb.tj (im Dual, also zweimal vorhanden) und deren sṯr.wt (im Plural), die aus Lapislazuli seien, dann die mnḏ.t („Augäpfel“?) und die ẖs.w, die „mit Augenschminke gefüllt“ seien und damit sehr wahrscheinlich ebenfalls eine Augenpartie bezeichnen. In den gꜣb.tj vermutet Grapow (auch schon Wb 5, 154.11) die Wimpern, weil sie mit den Haaren klassifiziert sind, und weil „deren sṯr.wt“, also ein Teil davon, aus Lapislazuli sind, der traditionellen Farbe vom Haar der Götter. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 469 gibt für die sṯr.wt, die im Londoner medizinischen Papyrus einmal im unklaren Zusammenhang genannt werden, dementsprechend die Übersetzung „Wimperhaare“, plädiert also implizit dafür, dass die Ägypter zwischen den Wimpern in ihrer Gesamtheit und dem einzelnen Wimpernhaar terminologisch unterschieden hätten. (Was zunächst erst einmal nachzuweisen wäre, weil es zwar viele ägyptische Wörter für Haare, Locken, Haarflechten u.ä., aber kein davon zu trennendes, separates Wort für das einzelne Haar gibt, pEbers verwendet in den Augenrezepten das allgemeine Wort šnj: „Haar“, wenn von einem Haar, das ins Auge wächst, also sicher einer einzelnen Wimper, die Rede ist.) Sie verweisen ferner auf E. Naville, Un chapitre inédit du Livre des morts, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 11, 1873, 2534, 8196, hier: 82, der sich ebenfalls auf Tb 172 bezieht: Naville geht davon aus, dass die darin erwähnten gꜣb.tj die Augenbrauen oder vielmehr die oberen Augenlider bezeichne, und sṯr.t dann die Wimpern. Seine Interpretation von gꜣb.tj als Augenlider muss allerdings angezweifelt werden, denn es wäre erklärungsbedürftig, warum das Wort dann mit Haaren klassifiziert würde, wenn doch der einzige haarige Bestandteil, nämlich die daran befestigten Wimpern, eine eigene Bezeichnung, eben sṯr.wt, hätten. Diese sṯr.wt sind dann auch noch mit dem Fleischstück determiniert, was wiederum gar nicht zu der Wimper passt, sondern eben eher zu einem fleischigen Körperteil. D. Meeks, Notes de lexicographie (§ 5–8), in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 77, 1977, 79–88, hier: 79–83 vermutet dann auch, umgekehrt zu Naville, in gꜣb.tj die Wimpern (also wie Wb und H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriss der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954)) und in sṯr.wt die oberen Augenlider. Letzteres hält er für eine Ableitung von einer Wurzel ṯr: „(re)courvir, faire couvercle“, die er auch in dem Verb sṯr: „(eine Mumie mit Binden) umhüllen“ (Wb 4, 344.7) oder der ṯr.t-Weide wiedererkennen möchte. Die Nennung von sṯr.t im Zusammenhang mit der ṯb.t-Fußsohle im Londoner medizinischen Papyrus erklärt er für merkwürdig, enthält sich aber aufgrund des zerstörten Kontextes einer Interpretation. Da das Wort aber somit in einem religiösen wie auch einem medizinischen Text („de nature magique il est vrai“, 83) vorkommt, sieht er hierin „[un] terme courant et non d’un vocable poétique“ (S. 83). In den ebenfalls in Tb 172 genannten ẖs.w, die mit Augenschminke gefüllt seien, vermutet er ferner die Unterlider (S. 81) und weist auf die daraus folgende Beobachtung hin, dass die Ägypter terminologisch zwar im Ober- und Unterlid distinktive Körperteile sahen, dass sie aber zwischen den Wimpern des Ober- und des Unterlides nicht unterschieden hätten. Ganz zweifelsfrei bleibt Meeks’ Interpretation aber nicht, denn die Klassifizierung der beiden Wörter (Haare für gꜣb.tj und Fleisch für sṯr.t) passt zwar besser als bei den Identifizierungen von Naville und Grapow, aber warum sind dann die Oberlider in Tb 172 mit Lapislazuli in Verbindung gebracht, das eher mit Haaren in Verbindung gebracht werden kann? Mit der ergänzenden Übersetzung „leurs (= les yeux) paupières supérieures sont (maquillées) en lapis-lazuli véritable“ übergeht er jedenfalls diese Problematik. Wenn es aber, von dieser Unsicherheit abgesehen, eine Bezeichnung für die Augenlider gab – sei es gꜣb.tj, sei es sṯr.wt –, fragt sich, warum im pEbers und in wenigen Belegen des pRamesseum III hierfür das Lemma sꜣ verwendet wird. Sollte vielleicht doch eine andere Stelle im Umfeld des Auges gemeint sein? Oder ist sꜣ ein echtes Fachwort der medizinischen Texte?

Eb 341

Ein anderes (Heilmittel) für das Abwehren von Krankheitsauslösern (?) in den Augen:
Bleiglanz: 1, Roter Ocker: 1.
Die Augen werden damit geschminkt.

Eb 342

Ein anderes (Heilmittel) zum Öffnen der Seh(kraft), in Form von etwas, das an den „Rücken“ der Augen gegeben wird:
Früchte der tntj-Pflanze1: 1, das Innere der Schirmakazie(nfrucht) (?)2: 1, Bleiglanz: 1, Wasser: 1.
Werde fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Mit dem Mineralienklassifikator und den Pluralstrichen geschrieben. Es ist aber unsicher, ob diese genuin zum Wort gehören oder die gesamte Verbindung pr.t-tntj kennzeichnen. Wb 5, 313 vermutet einen Zusammenhang mit der tn.tj-Pflanze.

2 H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 530 vermuten, dass ksb.t an dieser Stelle nicht den Baum, sondern die Frucht bezeichnet, deren „Inneres“ hier verwendet werden soll. Vgl. analog dazu etwa die Nennung des „Inneren der ḏꜣr.t-Frucht“, R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 170. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 145 hält das „Innere des ksb.t“ dagegen für ein Harz oder ein anderes Ausflussprodukt, analog zum „Inneren des Mimusopsbaumes“. NB: Diese Identifikation dient ihr dann als Argument gegen die Gleichsetzung des ksb.t-Baumes mit der Schirmakazie, weil von dieser keine Harzgewinnung belegt sei.

Eb 343

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot: 1, das Innere einer Süßwassermuschel: [56,20] 1.
Werde vermischt mit Öl/Fett: 1; werde zu jwšš-Brei gemacht; werde veranlasst, dass er trocknet; (etwas) davon werde zerstoßen, nachdem er getrocknet ist. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 344

Ein anderes (Heilmittel):
Mistkäfer (?)1: ⟨1⟩, Bleiglanz: 1, Johannisbrot: [57,1] 1, Ocker: 1, Krokodilskot: 1, „Großer-Schutz“-Droge: 1, rotes Natron: 1, Honig: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 393–394 führen ḫpr mit Eb 344 als einzigem Beleg als eigenständige Droge auf, ohne einen Deutungsvorschlag zu unterbreiten, vgl. auch H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 289. So auch Ebbell 1937, 49: „ḫpr stibium“ und Bardinet 1995, 304: „kheper de galène“. Die Schreibung ist mit derjenigen von Eb 733 identisch, wo deutlich der Mistkäfer ḫprr gemeint ist, weil von der Verwendung seines Kopfes und seiner Flügel die Rede ist. Ob in Eb 344 vielleicht auch der Mistkäfer als Tier gemeint ist und schlicht die Maßangabe ausgefallen ist? So interpretiert auch Westendorf 1999, 611 die Stelle. Seine Begründung in Anm. 91, warum die Maßangabe ausgefallen ist, ist allerdings kryptisch: „Die Quante fehlt hier, weil nicht die Einheit 5 ro [d.h. der Einerstrich, L.P.], sondern die Einheit ‚Käfer‘ gefordert ist“. Eine solche Einheit „Käfer“ lässt sich aber in den ägyptischen Texten nicht belegen.

Eb 345

Ein anderes (Heilmittel) zum Zusammenziehen der Iris des Auges:
ẖpꜣ-Kügelchen (?) des Afrikanischen Ebenholzbaumes1: 1, oberägyptische sjꜣ-Droge: 1.
Werde in Wasser zerstoßen. Werde sehr oft an die Augen gegeben.

1 hbnj ist laut R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten (Hamburg 1979), 49, und R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 92 nicht der echte Ebenholzbaum, sondern Dalbergia melanoxylum, der Baum, von dem „Grenadill“ alias „Afrikanisches Ebenholz“ gewonnen wird. Letztere Pflanze wird in der modernen Pflanzensystematik nicht mehr zur Familie der Ebenholzgewächse gerechnet, sondern zur Familie der Hülsenfrüchtler. Dies ist sprachgeschichtlich anmerkenswert, da sich das Wort „Ebenholz“ vom ägyptischen hbnj ableitet.

Eb 346 = Eb 407

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen eines wḥꜣ.t-Phänomens1 in den Augen:
Bleiglanz: 1, Roter Ocker: [57,5] 1, Ocker: 1, rotes Natron: 1.
Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Nur in Eb 346 belegt. Die Parallele Eb 407 schreibt stattdessen nḥꜣ.t, die darüber hinaus noch zwei weitere Male belegt ist. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 204, Anm. 8 halten bei wḥꜣ.t eine Verschreibung oder Nebenform zu nḥꜣ.t für möglich; H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 472 denken konkreter an zwei verschiedene Ableitungen von ḥꜣ und hält einen Schreibfehler für eher unwahrscheinlich. Westendorf 1999, 611, Anm. 92 hält wḥꜣ.t wieder für eine „sprachliche Variante von nḥꜣ.t“, ohne lexikographisch mehr ins Detail zu gehen.

Eb 347, vgl. Eb 360

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Weißen (Stellen) in den Augen:
Schildkrötengalle: 1, Honig: 1.
Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 348

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Blut in den Augen:
ṯrw-Ocker: 1, Malachit: 4, Bleiglanz: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1, Johannisbrot: 1, Wasser: 1.
Werde fein gemahlen. Werde in die Augen gegeben.

Eb 349

Ein anderes Heilmittel, ((das hergestellt werden soll))1 bei einer tḫn-Verletzung, die sich im Auge festgesetzt hat:
Kot, der im Bauch eines Kindes ist2, getrocknet: 1, Honig: 1.
Werde in Pflanzenbrei gegeben. Werde ⟨an⟩ den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Über der Zeile nachgetragen.

2 Menschlicher Kot wird nur selten in der altägyptischen Medizin verwendet. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 363, Anm. 2 erwägen, darin Kindspech, Mekonnium, zu sehen.

Eb 350

[57,10] Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen eines nḥꜣ.t-Phänomens in den Augen:
Galle der Schildkröte: 1, jbr-Öl: 1.
Werde in die Augen gegeben.

Eb 351, vgl. L 23 [35]

Ein anderes (Heilmittel) gegen Nachtblindheit (?)1 in den Augen:
Leber vom Rind, geröstet und ausgepresst.
Werde daran (d.h. an das Auge) gegeben.
Wirklich vortrefflich!

1 Im Allgemeinen wird darin dasselbe Wort verstanden, das der Londoner medizinische Papyrus šꜣr.w schreibt. Laut H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 835 ist dies möglicherweise ein Hinweis auf eine Grundform šlw. Auch für die Schwachsichtigkeit ḫꜣrw gibt es einmal, in Eb 415, eine Schreibung ohne r. H. von Deines – W. Westendorf haben mit dieser Begründung die phonetische Nähe von r und im Sinn. šꜣ(r).w ist mit dem Auge determiniert, ist also eindeutig ein mit den Augen zu verbindendes Phänomen. B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 59, 1924, 55–59, 144–149, hier: 57–58 vermutet in dem Wort eine Nachtblindheit, weil Eb 351 die Verabreichung von Leber vorschreibt und griechische Texte ebenfalls Leber zur Heilung von νυκταλωπία: „Nachtblindheit“ vorsehen. Dass der Kranke in pBM EA 10059, VIII,1 nach Verabreichung des Medikaments sofort sehen würde, spricht auf jeden Fall dafür, dass eine Beeinträchtigung der Sehkraft oder Sehstärke gemeint ist. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 835 nennen šꜣ(r).w zwar nur „[Augenkrankheit]“, hält aber Ebbells Deutung für eine „durchaus wahrscheinliche“. Nunn, Egyptian Medicine, 200 zweifelt die Bedeutung „Nachtblindheit“ dagegen an, weil die Leber, wie sie in Eb 351 angewendet werden soll, keine heilende Wirkung besitze und abgesehen davon nichts anderes auf die Bedeutung „Nachtblindheit“ hinweise. Einen Gegenvorschlag zur Bedeutung gibt er nicht. Leitz, Magical and Medical Papyri, 64 erwähnt, dass die griechischen Texte mit νυκταλωπία sowohl Nachtblindheit als auch Tagblindheit meinen, hält aber ebenfalls im Fall des ägyptischen šꜣ(r).w die Nachtblindheit für das Wahrscheinlichere. Westendorf 1999, 149, Anm. 98 erwähnt zwar Nunns Zweifel, bleibt aber dennoch bei der Übersetzung als „Nachtblindheit“.

Eb 352

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Blut in den Augen:
Weihrauch: 1, Sellerie: 1.
Werde in die Augen gegeben.

Eb 353

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen ((einer Ballung)) von Hitze in den Augen:
Johannisbrot: 1, Bleiglanz: 1, Früchte der tn.tj-Pflanze: 1.
Werde ⟨an⟩ den „Rücken“ der Augen gegeben.1

Diese Phrase wird in der Mehrzahl der Fälle ḏi̯ r sꜣ geschrieben, weswegen H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 540, Anm. 4 erwägen, dass das r versehentlich falsch positioniert ist.

Eb 354

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von „Fett“1in den Augen.
Bleiglanz: 1, Papyrus: 1, Roter Ocker: 1, [57,15] „Großer-Schutz“-Droge: 1, Honig: 1.
Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Der Schreibung nach könnte es mit qn: „fett sein“ (Wb 5, 40,8,14) zusammenhängen, so schon Ebers 1889, 232. Daneben gibt es auch noch eine qnj.t-Verletzung des Auges, die aber anders geschrieben ist. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 56 sieht in beiden Lemmata dasselbe Wort, lehnt aber einen Zusammenhang mit „fett sein“ ab, weil es keine Augenkrankheit gäbe, die etwas mit Fett zu tun hat. Er vermutet eher einen etymologischen Zusammenhang mit qn „Böses, Leid, Schaden“ (Wb 5, 48, 2–13). In dem Versuch, einen derart allgemeinen Begriff weiter einzuschränken, verweist er darauf, dass Dioskurides mehrere Male Verletzungen der Hornhaut, Ulcus corneae, bespricht. Weil dieses Phänomen den Griechen also bekannt war, in den ägyptischen Texten dagegen bislang fehlt, erwägt er, in qn.t eben eine Verletzung der Hornhaut zu sehen. Entsprechend auf Ebbell 1937, 70: „injury of the eyes (ulcus corneæ)“. G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 79 denkt an Pinguicula (bzw. Pinguecula), auch wenn Ebbell dies bereits abgelehnt hat. Alternativ hält er es auch für möglich, dass es „taies particulièrement épaisses de la cornée, une variété du leucome“ sein könne.
H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 886–887 trennen qn.t von qnj.t ab. Bardinet 1995 und Westendorf 1999 folgen dieser Differenzierung. Während Bardinet qn.t wörtlich mit „la graisse“ wiedergibt, folgt Westendorf Lefebvres Deutung als Pinguicula.

Eb 355

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Kügelchen im Auge:
Bleiglanz: 1, Papyrus: 1, Johannisbrot: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1, gsfn-Droge: 1.
Werde mit Wasser vermengt. Werde ⟨an⟩ den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 356 = pLouvre E 32847, Vso. 22,2–4

Ein anderes (Heilmittel) gegen šp.t-Blindheit:
Die Augen eines Schweines, indem das Wasser davon genommen (?, oder: entfernt?) wird, echter Bleiglanz: 1, Roter Ocker: 1, „Selbstentstandenes“ von Honig: 1.
Werde fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. Werde in das Ohr des Mannes gegossen,1 so dass er sofort gesund wird.
Handle (so) [57,20] und du wirst (den Erfolg) sehen!
Wirklich vortrefflich!2
Du sagst folglich als Zauber:
„Ich habe dieses3 gebracht (und) an die Stelle von diesem3 gegeben (oder: das an die Stelle von diesem gegeben wurde)4. Ersetzt5 ist das wirklich wütende ꜣh-Leiden!“
Zwei Mal (zu sprechen).

1 Im Parallelrezept soll das Ohr des Mannes damit „gesalbt“ (wrḥ) werden, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 237.

2
H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 345 scheinen hierin das Objekt zum mꜣꜣ=k: „du wirst sehen“ des vorangegangenen Satzes zu sehen. Allerdings gibt es diesen Satz auch häufiger ohne jeglichen Zusatz, so dass šs-mꜣꜥ eher eine syntaktisch eigenständige Glosse ist. So übersetzt es auch Westendorf 1999, 613.

3 Laut Bardinet 1995, 53 und 305 bezieht sich das erste Demonstrativpronomen auf das Medikament und das zweite auf die šp.t-Blindheit (ebenso T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 238). Laut Westendorf 1999, 613 bezieht sich das erste Pronomen auf die Augen des Schweines und das zweite auf die Augen des Patienten.

4 Es ist nicht eindeutig, in welchem syntaktischen Verhältnis das rḏi̯ zum vorigen Satz steht. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 51, Westendorf 1999, 613 und C. Leitz, Die medizinischen Texte aus dem Alten Ägypten, in: A. Karenberg – C. Leitz (Hrsg.), Heilkunde und Hochkultur I. Geburt, Seuche und Traumdeutung in den antiken Zivilisationen des Mittelmeerraumes, Naturwissenschaft, Philosophie, Geschichte 14 (Münster, Hamburg, London 2000), 17–37, hier: 26 schließen es an den vorigen Satz an: „(und) an die Stelle von diesem (...) gesetzt/gegeben“. Diese Bearbeiter gehen also von einer Ellipse des Suffixpronomens und eigentlich auch von einer Ellipse des Infixes n aus. Ebbell 1937, 70 und Bardinet 1995, 305 schließen das Verb dagegen partizipial an das nn an, mit dem der vorige Satz endet: „(...) this which was applied (...)“ resp. „(...) ceci (...) qui a été mis (...)“.

5 Wie bei dem rḏi̯ des vorigen Satzes herrscht keine Einigkeit, wie diese Form syntaktisch aufzufassen ist: von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 51 stellen es wie das rḏi̯ elliptisch auf dieselbe syntaktische Stufe wie das jw jri̯.n=j: „Ich habe dieses gebracht (und) (...) gegeben (und) ersetzt (...)“. Dem folgt C. Leitz, Die medizinischen Texte aus dem Alten Ägypten, in: A. Karenberg – C. Leitz (Hrsg.), Heilkunde und Hochkultur I. Geburt, Seuche und Traumdeutung in den antiken Zivilisationen des Mittelmeerraumes, Naturwissenschaft, Philosophie, Geschichte 14 (Münster, Hamburg, London 2000), 17–37, hier: 26. Bardinet 1995, 305 übersetzt es ebenfalls verbal und interpretiert ꜣdw substantivisch und nicht adjektivisch-attributiv wie die anderen Bearbeiter. Das Verb ḏbꜣ fasst er zudem final auf: „de sorte que la partie faible a été échangée avec la partie aggressive“.
Ebbell 1937, 70 setzt ḏbꜣ zu rḏi̯ parallel; doch weil er dieses als Partizip deutete, ist auch das ḏbꜣ ein Partizip: „I have brought this which was applied (...) and replaces (...)“. Westendorf 1999, 613 übersetzt schließlich so, als würde er es als passives Partizip auffassen, das die Prädikatsstelle in einem Adjektivalsatz einnimmt: „Ersetzt ist das furchtbare Leiden.“

Eb 357 = pLouvre E 32847, Vso. 22,4

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von šp.t-Blindheit in den Augen durch [58,1] Kügelchen (?)1.
Getrocknete Myrrhe.
Werde in gegorenem Pflanzenbrei zermahlen. Werde ⟨an⟩ den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 „Kügelchen“: Nur noch ein weiteres Mal in den medizinischen Texten als Drogenform verwendet.

Eb 358, vgl. Eb 420

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot.
Werde in Honig zerstoßen. Werde ⟨an⟩ den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 359

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln der Seh(kraft) in den Augen:
Bleiglanz: 1, ṯr.w-Ocker: 1, Johannisbrot: 1, gsfn-Droge: [58,5] 1, „Männliches“ vom Bleiglanz: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde an die Augen gegeben.

1 „Bleiglanz“: Auffällig ist, dass es in diesem Rezept zweimal genannt wird, und zwar einmal in einer spielerischen, quasi „proto-ptolemäischen“ Schreibung, und einmal in regulärer mittelägyptischer Orthographie. Nach H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 418 (s.v. ẖsꜣj.t) tauchen Drogen in den ägyptischen Rezepten nie doppelt auf; dies vor Augen, scheinen „Bleiglanz“ und das „Männliche vom Bleiglanz“ dem Ägypter vielleicht unterschiedlich genug, um als verschiedene Drogen identifiziert zu werden.

Eb 360, vgl. Eb 347

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen der Weißen (Stellen) in den Augen:
Donner ist am südlichen Himmel am Abend1 (und) Unwetter am nördlichen Himmel. Ein Pfeiler (d.h. eine der vier Himmelsstützen?)2 ist ins Wasser gefallen. Die Mannschaft des Re3 schlägt ihre Poller ein, weil/während [58,10] Köpfe ins Wasser fallen.4
„Wer ist es denn, der ihn holen wird, der ihn finden wird?
Ich bin es, der ihn holen wird.
Ich bin es, der ihn finden wird.
Ich habe eure Köpfe geholt.
Ich habe eure Nacken angeknüpft.
Ich habe die von euch abgeschnittenen (Köpfe) an ihrem Platz befestigt.
Ich habe euch geholt, um die Einwirkung eines Gottes, eines Toten und einer Toten usw. zu beseitigen.“
(Diese) Worte (sind) zu sprechen über Schildkrötengalle, die in [58,15] Honig zerstoßen ist. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Die Präposition ḏr ist zwar im temporalen Gebrauch gewöhnlich ingressiv („seit“, so Ebbell 1937, 70, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 49, Borghouts, Papyrus Leiden I 348, 204, J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 37, Westendorf 1999, 613), scheint aber im Zusammenhang mit ḫꜣwj den Belegen zufolge oft eine durative Nuance zu haben („am“, so Bardinet 1995, 49).

2 Der Schreibung nach liegt der Terminus jwn: „Pfeiler, Stütze“ vor. Die Klassifizierung mit dem Hausgrundriss ist exzeptionell. Sie findet sich nur noch im etwa zeitgleichen pRhind und in der wesentlich späteren Weihinschrift Ramses’ II. in Abydos. Was allerdings mit dem Pfeiler, der ins Wasser gefallen ist, gemeint sein könnte, ist nicht klar. Ebbell 1937, 70 übersetzt stattdessen kommentarlos „corpses“, interpretiert es also als Schreibung des Lemmas jwn.w: „Leichenhaufen“, Wb 1, 54.4. So auch Westendorf 1999, 613: „Anhäufung (von Leichen)“. Zwar ist das auch einmal mit dem Hausgrundriss belegt, aber der für dieses Lemma typische Klassifikator des liegenden und blutenden Mannes (Gardiner A14) fehlt im hiesigen Rezept. Zudem ist jwn.w: „Leichenhaufen“ nur im Plural belegt und nur in der Verbindung mit der Präposition m als Präpositionalobjekt zu jri̯.w: „gemacht (zu Leichenhaufen)“ oder Verben des Tötens und Schlagens. Abzulehnen ist auch der Versuch von von Deines – Grapow – Westendorf 1958, darin eine von jwn: „Pfeiler“ abzuleitende allgemeinere Subbedeutung „Anhäufung, Haufen“ anzusetzen, die sich in Eb 360 vielleicht auf die im weiteren Textverlauf genannten abgeschlagenen Köpfe beziehen würde (H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 32, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 49 und II, 56, Anm. 1).

3 Damit ist die Rudermannschaft gemeint, die den Sonnengott Re in der Sonnenbarke über den Himmel rudert.

4 Die syntaktische Konstruktion ist nicht ganz eindeutig. Die häufigste Übersetzung ist die eines Kausalsatzes „weil die Köpfe ins Wasser gefallen sind“: Ebbell 1937, 70, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 49, J. F. Borghouts, Ancient Egyptian magical texts: translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 38, Westendorf 1999, 614. Expliziert wird diese Interpretation in W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 437.2. Vermutlich wird man hier die gut belegte Konstruktion ḥr sḏm=f (A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 165.11) ansetzen dürfen. Ähnlich kausativ ist auch die Übersetzung von Bardinet 1995, 49, die sich aber nicht ganz in der originalen Wortstellung wiederfindet: „à cause des têtes qui sont tombées dans l’eau“. Alternativ ist die Übersetzung als Begleitumstand, so Borghouts, Papyrus Leiden I 348, 204: „while heads fell into the water“, parallel zum Vorigen gesetzt, das er übersetzt mit: „while the crew of Re drove in their mooring-poles“. Dies wäre ḥr + Infinitiv (A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 165.10), aber dann wäre dp.w ein zweites, nachgestelltes Subjekt, was merkwürdig erscheint.
Zur inhaltlichen Deutung verweist Borghouts, Papyrus Leiden I 348 auf den Sargtextspruch CT VII [818], wo davon die Rede ist, dass während der Nachtfahrt der Sonne Feinde (?) durch Schu (?) geköpft werden. Aufgrund diverser Anspielungen hält Borghouts eine Verbindung des hiesigen Schu mit Mechenti-irti, dem Horus von Letopolis, für möglich, dem die Fähigkeiten eines Arztes zugesprochen werden und der einigen Texten zufolge blind ist. Entsprechend vermutet er auch in Eb 360 Mechenti-irti als Sprecher der folgenden Passagen. Laut Bardinet handelt es sich bei den Köpfen, die hier ins Wasser fallen, um diejenigen der Mannschaft des Re, und er erwägt, dass hier durch eine Analogie die Sonnenbarke, die einen Verlust erfährt, mit dem kranken Auge verglichen wird und dass die Wiederherstellung der Integrität der Sonnenbarke auf die Heilung des Auges übertragen wird. Auch Grundriß der Medizin IX, 76 vermutet im anschließend genannten Wiederfinden und Wiederanknüpfen der Köpfe eine Metapher für die Heilung des Sonnenauges.

Eb 361

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Hitze in den Augen:
Beeren vom Phönizischen Wacholder aus Byblos.
Werde in/mit Wasser fein zermahlen. Werde dem Mann an den „Rücken“ seiner Augen gegeben, so dass er sofort gesund wird.

Eb 362

Ein anderes (Heilmittel):
Mark von der Kinnlade eines Esels.
Werde in kaltem Wasser zerstoßen. Werde dem Mann an seine Schläfe gegeben, so dass er sofort [58,20] gesund wird.

Eb 363

Ein anderes (Heilmittel) für die Schläfe:
Sellerie.
Werde in/mit kaltem1 Wasser zermalmt. Werde dem Mann an seine Schläfe gegeben, so dass er sofort gesund wird.

1 Dass hier im Gegensatz zu Zeile 58,19 die Pluralstriche hinter qb.w fehlen, könnte daran liegen, dass das Wort am Zeilenende steht und schon die klassifizierenden Wasserlinien in das Interkolumnium hineinragen. Obwohl der Schreiber in diesen Kolumnen durchaus auch innerhalb von Wörtern die Zeile umgebrochen hat, könnte er auch die Setzung der Pluralstriche am Beginn der neuen Zeile verzichtet oder es schlicht vergessen haben.

Eb 364

Ein anderes (Heilmittel):
Zähne vom Esel.
Werde in Wasser zerstoßen. Werde dem Mann an seine Schläfe gegeben, so dass er sofort gesund wird.

Eb 365

[59,1] Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen eines Wütens1 im Auge.
Kot vom Pelikan: 1, unterägyptisches Salz: 1, Weihrauch: 1:
Werde zu einer Masse gemacht. Werde ins Innere des Auges gegeben.

1 Schon Ebers 1889, 254–255 vermutet hierin Pterygium, denn er vergleicht das Wort mit ꜣd: „Krokodil“ und notiert eine „Bemerkung unseres verehrten Freundes, des Leipziger Chirurgen Carl Thiersch, dass die Haut, welche sich bei der Pterygionkrankheit über den Augapfel zieht, in der That einem Krokodilkopfe recht ähnlich sieht.“ Auch B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 6 denkt an Pterygium, wenn auch nicht wegen der von Ebers resp. Thiersch beschriebenen Form, sondern nach einer Zusammenschau der Lokalisierung (in einem Auge, nicht in beiden gleichzeitig; einmal explizit „in den Augenwinkeln“) und der Anwendung von Salz, die abgesehen vom Augenmittel aus Byblos sonst nicht in den Augenmitteln verwendet wird, was dieses Rezept mit der Angabe von Dioskurides vergleichbar mache, dass Salz Pterygium entfernen kann. So auch Ebbell 1937, 70 und, ihm folgend, G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 77. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962),15 erwähnen Ebbells Identifizierung ebenfalls, bleibt aber trotzdem vorsichtig bei einer allgemeinen „[Augenkrankheit]“. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 41 und Bardinet 1995, 306 geben nur den ägyptischen Begriff wieder, ohne ihn zu deuten. Westendorf 1999, 614 bringt ihn dann mit dem Verb ꜣd: „wütend sein (gegen jmdn.)“ in Verbindung und übersetzt ihn als das „Wüten“. In Anm. 100 erwähnt er Ebbells Deutung, lehnt sie aber mit Verweis auf eine persönliche Mitteilung eines Göttinger Augenarztes namens Martin Vogel ab, dem zufolge Patienten einen Glaukomanfall als „wütenden Schmerz“ beschreiben, was vielleicht hiermit gemeint sein könnte.

Eb 366

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Hitze:
Oberägyptische sjꜣ-Droge.
Werde in Wasser vom pꜣwꜥ-Gewässer (?)1 gegeben. Werde in das Auge gegeben, so dass er gesund wird.

1 Eine unbekannte Herkunftsangabe, die nur drei Mal, in Eb 366, 464 und in der Schreibung pꜣꜥ in Eb 736, vorkommt. Der Klassifizierung nach ist es ein Gewässer und alle drei Mal in der Verbindung „Wasser von pꜣwꜥ“. DZA 23.119.950 vermutet für den Beleg Eb 464, dass dort der -Arm vielleicht an Stelle des Armes mit Spitzbrot, also ḏi̯, steht. DZA 23.119.970 schlägt bei Eb 736 vor, dass es eine Variante für pꜣdw sein könnte, ein Vergleich, den DZA 23.119.970 als „wohl grundlos“ ablehnt. Bardinet 1995 gibt keine Übersetzung an. Westendorf 1999, 489–499 schlägt vor, es nicht als Kompositum zu lesen, sondern als ein Wort: pꜣwꜥ. Zur Annäherung an eine Deutung gibt er drei Richtungen an: (1) Er verweist, wie schon die Bearbeiter des Berliner Wörterbuches vor ihm, auf das Wort pꜣdw; (2) gleichzeitig verweist er auf das pꜣꜥ.t-Gewässer Wb 1, 497.19; (3) er hält es auch für denkbar, dass mit diesem Wort eine ältere Form von pꜣ-wr vorliegt, das er, Aufrère, in: BIFAO 87, 1987, 36–39 folgend, mit Essig identifiziert. Sollte Nr. (2) der Fall sein, sei darauf verwiesen, dass A. H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica (London 1947), 12* anzweifelt, dass das pꜣꜥ.t-Gewässer am Himmel zu lokalisieren sei, wie Wb annimmt. Vielmehr sei es ein Land „susceptible for irrigation“ und vielleicht mit dem pꜥ.t-Land identisch.

Eb 367

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Katarrh in den Augen.
Bleiglanz: 1/32 (Dja), snn-Harz: 1/16 (Dja), ḥtm-Mineral: 1/16 (Dja), ṯr.w-Ocker: 1/64 (Dja), frische [59,5] Myrrhe: 1/64 (Dja), oberägyptische sjꜣ-Droge: 1/64 (Dja).
Werde fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. Werde in die Augen gegeben, so dass sie sofort gesund werden.

Eb 368

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von bjdj-Blindheit1 in den Augen.
Echter Bleiglanz.
Werde in einem Hin-Topf ins Wasser gegeben 4 Tage lang.
Die Handlung werde wiederholt über 4 Tage hinweg in (der Form, dass) es in Spießentenfett gelegt (ist). Man soll ihn (d.h. den Bleiglanz) folglich mit/in der Milch einer (Frau), die einen Knaben geboren hat, waschen. Werde getrocknet über 9 Tage hinweg. (Und) man soll ihn folglich zermahlen. (Es) werde ein Kügelchen aus Myrrhe unversehrt (?)2 dazu gegeben.
[59,10] (Es) werden die Augen ((desjenigen, dessen Augen an der bjdj-Blindheit (leiden),)) damit geschminkt.3

1 Der Determinierung mit dem Auge und der Position des Rezeptes im Augenbuch zufolge eine Krankheit, Verletzung o.ä. des Auges. In den medizinischen Texten außer in Eb 368 nur noch einmal in Eb 385 genannt. Dort steht es in einer Auflistung von augenbezogenen Phänomenen zwischen ḥꜣr.w und šp.t. Laut G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 82 mit Anm. 1 ist es nicht identifiziert. Auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), Bardinet 1995 und Westendorf 1999 enthalten sich eines Deutungsvorschlags. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 44–45 und V, 77 nennt es nur eine „Augenkrankheit“ resp. „Krankheit“; die Sortierung der Rezepte der augenbezogenen Phänomene in Grapow 1958 erfolgte rein alphabetisch nach den einzelnen Phänomenen (s. S. 71), erlaubt also keine Rückschlüsse auf irgendeine Interpretation von Seiten der Autoren. Es gibt noch einige wenige ptolemäer- resp. römerzeitliche Belege. In einem Sachmet-Hymnus, der in mehreren ptolemäischen Tempeln steht, ist Sachmet bezeichnet als mꜣꜣ(.t) jr.t-nb.t tm ḫpr b(j)d(j); vgl. Germond, Sekhmet, 30. Germond, Sekhmet, 31 übersetzt das fragliche Wort ganz unspezifisch mit „Blindheit“ und das gesamte Epitheton mit: „(celle) qui fait voir tout oeil sans qu’advienne la cécité“. Als Übersetzungsvariante gibt er S. 90, Anm. 18: „que ne peut voir aucun oeil sans devenir aveugle“. Germond verweist ebenfalls nur auf Lefebvre, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 und Grapow 1958 sowie auf Eb 385, wo bjdj zwischen šp.t, was Germond als „cécité“ versteht, und ḥꜣr.w, das er mit „l’amblyopie“ übersetzt, steht. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 339 übersetzt das Epitheton, Germond folgend, mit: „who makes every eye see, whithout whom [...] comes blindness“ bzw. „who cannot see any eye without becoming blind“. Insgesamt scheint eine Variante des Epithetons mꜣꜣ.t jr.t-nb.t dg.t jm=s: „die jedes Auge (d.h jedermann) ansieht, das auf sie blickt“ vorzuliegen (s. LGG III, 205a–b). Das zeigt sich insbesondere an einem der Belege aus Denderah, genauer D VII, 107, 15, wo zwischen jr.t-nb.t und tm ḫpr bjdj ein Rest von dg=s steht. Damit bedeutet das Epitheton nur: „diejenige, die jedes Auge (d.h. jedermann) sieht, das nicht bjdj hat“ o.ä. Auf pFlorenz PSI inv. I 72, Zl. x+4,25 ist davon die Rede, dass Regenwolken vertrieben werden und dann Licht (ḥḏḏ.wt) anstelle von bjdj sei. Osing/Rosati, Papiri, 163 übersetzen bjdj=f hier mit „offuscamento dei suoi occhi“, verweisen aber nur auf Wb und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), ohne weitere Argumente anzubringen.
T. Pommerening, Medical Re-enactments. Ancient Egyptian Prescriptions from an Emic Viewpoint, in: G. Rosati – M. C. Guidotti (Hrsg.), Proceedings of the XI International Congress of Egyptologists, Florence Egyptian Museum, Florence, 23-30 August 2015, Archaeopress Egyptology 19 (Oxford 2017), 519–526, hier: 523–524 geht davon aus, dass bjdj eine bakteriell verursachte Konjunktivitis, vielleicht das erste Stadium eines Trachoms, sein könnte: In Eb 368 werden mehrere Drogen verarbeitet: Bleiglanz, Wasser, Spießentenfett und Milch einer Frau, die ein männliches Kind geboren hat. Auch wenn Bleiglanz eine antibakterielle Wirkung hat, ist auffällig, dass die gesamte Verarbeitung der Drogen 17 Tage dauert, und der Bleiglanz nicht sofort angebracht wird. In dem Bleiglanz vermutet sie daher nach dem Prinzip similia similibus eher eine Imitation der kranken Pupille; und das Wasser wie auch die Tatsache, dass das Medikament neun Tage lang getrocknet werden soll, deutet sie als Hinweis darauf, dass bjdj mit krankhafter Feuchtigkeit zu verbinden ist, die geheilt werden muss. Auch das Spießentenfett könnte ihr zufolge eine pathologische Erscheinung symbolisieren, und sie denkt konkret an „blurred vision“.

2 von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 54, Anm. 4 und Westendorf 1999, 615, Anm. 101 schlagen zwei Optionen vor: Das Verb könnte hier einen Gegensatz zu zermahlenen Myrrhekugeln (vgl. Eb 357) ausdrücken oder eine Verschreibung für wꜣḏ: „frisch“ sein. Bardinet 1995, 306 entscheidet sich für die zweite Option.

3 Nach jm hat der Schreiber bereits mit dem nächsten Rezept angefangen; später hat er seinen Fehler bemerkt, ein rotes Markierungskreuz gesetzt und die fehlenden Wörter unter der Seite nachgetragen. Bardinet 1995 hat bei seiner Übersetzung den Nachtrag vergessen.

Eb 369

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen eines Wütens im Auge:
Erstes Mittel, nach seiner (d.h. des Wütens) Beschwörung:
Honig von „Entstandenem“1 oder gw-Teil (?)2 des Honigs.
Werde daran gegeben über 4 Tage hinweg.
Zweites Mittel:
Grünspan (wörtl.: metallener Grünstein): 1/8 (Dja), Bleiglanz: 1/8 (Dja), „Fauliges-Holz“-Droge: 1/8 (Dja). oberägyptische sjꜣ-Droge: 1/8 (Dja).
Werde zu einer Masse zermahlen. Werde daran gegeben über 4 Tage hinweg.

1 Eine unklare Herkunftsbezeichnung des Honigs. Nur in Eb 369 und Eb 385 belegt. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 395 vermuten ein Gärungsprodukt und vergleicht es mit der Phrase ḫpr-ḏs=s: „das von selbst Entstandene“. B. S. Feierabend, Biene und Honig im pharaonischen Ägypten: Eine Studie anhand schriftlicher und bildlicher Quellen (Mainz 2009), 139 denkt dagegen aufgrund des Mineralienklassifikators, mit dem ḫpr.j geschrieben ist, an eine körnige Substanz und damit an aus Honig kristallisierten Zucker. Am Rande sei erwähnt, dass Ebers 1889, 260 in bj.t n.t ḫpr.j eine Bezeichnung für Käferwachs, Schellack (< „Honig vom Käfer“) versteht. Diese Idee wird später zu Recht nicht wieder aufgegriffen (Joachim 1890, 89 erwähnt es noch in Anm. 6, gibt in der Hauptübersetzung aber nur noch die Transkription „χepera Honig“), eine Begründung ist aber nicht gegeben: Die Schreibung von ḫpr wäre auffällig, wenn auch nicht unerklärbar (Schreibungen mit einem Schilfblatt sind für das Substantiv seit der 18. Dynastie belegt, und die Klassifizierung mit Mineralienkorn N33 resp. nw-Topf ließe sich als Klassifikator der Gesamtdroge erklären). Als tatsächliches Gegenargument kann angeführt werden, dass über eine Schellack-Gewinnung in Ägypten nichts bekannt ist.

2 Nur in Eb 369 belegt. Basierend auf dem Klassifikator, dem Stoffstreifen Gardiner Sign-list S28, der auch bei Wörtern wie „verdecken“ verwendet werden kann, vermuten H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 537 einen Überzug oder „eine Art Krustenbildung bei der Eindickung“. B. S. Feierabend, Biene und Honig im pharaonischen Ägypten: Eine Studie anhand schriftlicher und bildlicher Quellen (Mainz 2009), 139 erwägt dagegen, in gw eine Bezeichnung für den Wabendeckel zu sehen, mit dem die Bienenwaben verschlossen sind (vergleichbar schon Ebers 1889, 156, Nr. 45, der darin eine Bezeichnung der Honigwabe vermutete).

Eb 370

Ein anderes (Heilmittel):
Eidechsenkot: 1, oberägyptische sjꜣ-Droge: 1, Bleiglanz: 1, „Entstandenes“ vom Honig: 1.
Werde zu einer [59,15] Masse zermahlen. Werde an die Augen gegeben.

Eb 371

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, Bleiglanz: 1, „Entstandenes“ vom Honig: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde an die Augen gegeben.

Eb 372

Ein anderes (Heilmittel):
Grünspan (wörtl.: metallener Grünstein): 1, Bleiglanz: 1.
Werde an die Augen gegeben über 4 Tage hinweg.

Eb 373

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, Bleiglanz: 1, snn-Harz: 1, „Entstandenes“ vom Honig: 1.
Werde zu einer Masse zermahlen. Werde an die Augen gegeben über 4 Tage hinweg.

Eb 374

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1, Erz aus Kusae: 1, ḥtm-Mineral: 1, Ei vom Strauß: 1, oberägyptische sjꜣ-Droge: 1, Pulver von der ḥnw.t-Droge1: [59,20] 1, Honig: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde an die Augen gegeben.

1 Nur in Eb 374 belegt. Nach der Klassifizierung mit dem Erzstück zu schließen, wohl ein Metall oder Mineral.

Eb 375

Ein anderes (Heilmittel):
Schwarzer Feuerstein: 1, Weihrauch: 1, Bleiglanz: 1, Honig: 1.
Werde in die Augen gegeben über 4 Tage hinweg.

Eb 376

Ein anderes (Heilmittel) für das Tränen (?)1 im Auge:
Ton für Statuen: 1, ḥm.w-Teile der kꜣkꜣ-Pflanze: 1, Honig: 1.
[60,1] Werde fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. Werde an die Augen gegeben.

1 Wohl eine Ableitung von ḏfḏf: „tränen“. Obwohl dieses Phänomen, mit verschiedentlichen Ursachen, sicher häufig vorgekommen sein muss, ist das Wort nur in Eb 376 belegt.

Eb 377

Ein anderes Mittel ⟨zum⟩ Öffnen der Seh(kraft):
Bleiglanz: 1/8 (Dja), „Fauliges-Holz“-Droge: ein viertel (Dja), snn-Mineral: ein viertel (Dja), ṯr.w-Ocker: 1/64 (Dja), oberägyptische sjꜣ-Droge: 1/64 (Dja), Myrrhe: 1/64 (Dja).
Werde zu einer Masse gemacht. Die Augen werden damit geschminkt.

Eb 378

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen einer „Anhebung“1 von Wasser in den beiden Augen:
Echter Lapislazuli: 1, Malachit: 1, snn-Mineral: 1, Milch: [60,5] 1, Bleiglanz: 1, Fayence: 1, mnww-Teil (?)2 der šb.t-Melone: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Geschrieben wie eine Ableitung von ꜥḫi̯: „etw. anheben“ und wohl von der anders geschriebenen ꜥḫw-Krankheit zu unterscheiden. Ebbell, in: ZÄS 64, 1929, 120 denkt an „Katarakt“; H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 151 übersetzt mit „Aufstauung“.

2 Eine unbekannte Droge oder Teil einer Droge; nur in Eb 378 belegt. Schon die Lesung ist unsicher, denn das Hieratische könnte man auch mntw lesen. Ein Klassifikator fehlt.

Eb 379

Ein anderes (Heilmittel):
shr.t-Harz/-Halbedelstein1: 1, Gänsefett: 1, „Entstandenes“ vom Honig: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde in die Augen gegeben über 4 Tage hinweg.

1 J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 130–131 vermutet, dass es sich um einen grünen Halbedelstein handelt, ohne ihn aber genauer identifizieren zu können. Die Vermutung, dass es ein grüner Stein sei, basiert u.a. darauf, dass z.B. Herzskarabäen damit beschrieben sind, von denen sehr viele von grüner oder grünlicher Farbe sind, und darauf, dass mehrere andere Amulette u.ä., die in Denderah als shr.t bezeichnet werden, auch in grünen Mineralien gefertigt werden. Außerdem leite sich der Name shr.t vom Verb shru̯: „zufriedenstellen; erfreuen“ her, was ebenfalls auf eine grüne Färbung hindeute, weil „grün“ von den Alten Ägyptern mit Freude assoziiert würde (J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 131 und 224–225).

Eb 380

Ein anderes (Heilmittel):
gsfn-Droge: 1, Malachit: 1, „Was-auf-seinem-Bergland-hervorkommt“-Droge1: 1.
Werde zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. Die Augen werden damit geschminkt.

1 Eine nur in Eb 380 belegte Umschreibung oder ein Satzname für eine Droge; ein abschließender Mineralien- oder Pflanzenklassifikator fehlt. Ebbell, in: ZÄS 64, 1929, 120 vermutet darin eine Bezeichnung für Naphtha, eine Deutung, die zumindest als Möglichkeit in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 202 und bei Westendorf 1999, 616 angegeben wird und der sich auch Lefebvre, in: Fs Grapow, 209 anschließt. Bardinet 1995 enthält sich eines Übersetzungsvorschlages. Die Deutung ist allerdings keineswegs sicher: In Totenbuchspruch 183 kommt die Partizipialkonstruktion pri̯.t ḥr ḫꜣs.t als Umschreibung für Pflanzen o.ä. vor, jedenfalls als etwas, das „wachsen“ (srwḏ) kann. Der Zusatz ḥr ḫꜣs.t=f, also ohne das Verb pri̯, kann ferner als Adverbialattribut von Metallen stehen, vgl. Wb 3, 235.15–17. Nach DZA 27.648.280 ff. könnte es auch ein Metall „aus seinem Land/Berg“ sein.

Eb 381

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen einer tḫn-Verletzung im Auge:
šꜣšꜣ-Früchte, ((gekocht))1: 1, Johannisbrot: 1, Honig: 1.
Werde fein zermahlen; werde [60,10] durch Tücher geseiht (?)2. Das Auge, (indem) es eine tḫn-Verletzung davongetragen hat,3 werde darüber am „Rücken“ der Augen verbunden.

1 psi̯ wurde zwischen šꜣšꜣ und der Mengenangabe in schwarz nachgetragen. Dafür mussten die Klassifikatoren von šꜣšꜣ und die Mengenangabe gelöscht und in größerem Abstand zueinander erneut eingetragen werden, vgl. auch H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 43.

2 Nach H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 708, „werde aufbewahrt“, dem auch Bardinet 1995 folgt. Dévaud, in: Kêmi 1, 1928, 140 vermutet dagegen eine Verschreibung für sꜣr/sꜣj: „sieben“ (genannt auch in H. von Deines – W. Westendorf, 708, Anm. 2). Westendorf 1999 folgt in seiner Übersetzung Dévauds Vorschlag.

3 Der einzige Beleg für tḫn als Verb. Der Schreiber hat ursprünglich nt.(j)t tḫn.tj r=s stehen: „das darauf/daran eine tḫn-Verletzung davongetragen hat“. Später wurden die Stativendung und das r mit einer roten Linie durchgestrichen und hinter dem s die doppelte diagonale Linie (Gardiner Z4) nachgetragen. Dadurch wurde aus dem Stativ die Konstruktion Partizip + enklitisches Personalpronomen, die in den medizinischen Texten oft anstelle eines Stativs verwendet wird.

Eb 382

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von „Weißen (Stellen)“ im Auge:
Granit.
Werde fein zermahlen; werde in Tüchern durchgesiebt (?) und es (werde) an die Augen (ge)streut.

Eb 383

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von „Unebenheit“ (Trachom?) in den Augen:
Blätter der Dornakazie: 1, Mehl vom Johannisbrot: 1, Granit: 1.
Werde zermahlen. Die Augen werden darüber verbunden.

Eb 384

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Blut an den Augen:
Zwei Schalen aus Mergelton, die eine mit Mehl vom mjmj-Getreide und Milch einer (Frau), die einen Knaben geboren hat, die andere mit Milch1. [60,15] Werde nachts dem Tau ausgesetzt.
Du solltest (?) früh auf sein,2 um deine Augen3 mit diesem mjmj-Getreide zu füllen.
Nach diesem (Verfahren) wäschst du folglich die Augen 4 Mal täglich mit dieser Milch.

1 Es ist unsicher, ob auch die zweite Schale Muttermilch enthalten soll, ob dort also nur eine Verkürzung von jrṯ.t n.t msi̯.t ṯꜣ.y vorliegt, oder ob auch andere Milch gemeint ist. Nach H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 56 kann aufgrund einer Reihe von Parallelen darauf geschlossen werden, dass bei jrṯ.t, wenn ohne Herkunftsangabe, in den Rezepten oft Kuhmilch gemeint ist.

2 An anderen Stellen lautet diese Anweisung dwꜣ.ḫr=k: „so sollst/musst du früh auf sein“. Hier steht ein einfaches sḏm=f, das aufgrund der Parallelen wohl optativisch aufgefasst werden soll. So auch Westendorf 1999: „Du mögest früh auf sein ...“.

3 Wie in Eb 325 wird hier ausnahmsweise der Patient selbst angeredet und nicht der Arzt. Westendorf 1999, 617, Anm. 102 vermutet in beiden Fällen ein „Hausrezept“.

Eb 385 = pLouvre E 32847, Vso. 22,5–7

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen einer „Anhebung“ von Wasser in den Augen.
„(Es) kommt der Malachit, (es) kommt der Malachit; (es) kommt das Grüne, (es) kommt der Ausfluss des Horus-Auges1; (es) kommt die Absonderung des Atum-Auges; (es) kommt der Ausfluss, der aus Osiris herausgekommen ist; (es) kommt zu ihm das, was er beseitigt hat: (pathogene) Flüssigkeit, Eiter, Blut, Schwachsichtigkeit, bjdj-Blindheit, šp.t-Blindheit, Verschleierung, die Einwirkung eines Gottes und eines Toten, einer Toten, eines Krankheitsauslösers (?), einer Krankheitsauslöserin (?), jeder schlimmen und üblen Sache, die in diesen Augen ist“, usw.
(Diese) Worte (sind) zu sprechen über Malachit, der im Honig des „Entstandenen“ zerstoßen worden ist.
gw-Gras werde [61,1] mit ihnen (?) zerstoßen.
Werde an das Auge gegeben.
Wirklich vortrefflich!

1 jnf gibt es sowohl verbal (Wb 1, 96.9) als auch nominal (Wb 1, 96.10). Der verbale Gebrauch wird vom bhd-Duft gebraucht, daher die im Wb angegebene Notiz „vom Weihrauch“. Unter dem nominalen Gebrauch sind dort Eb 385, pBerlin P. 3055, Zl. 3 und Passagen aus Denderah und Edfu gelistet. J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 99 lehnt diese Subsummierung aller (der wenigen) Belege unter einem Lemma ab. Die Belege aus Denderah und Edfu hält er für ein Wort für Malachit, weil es dort eine Variante zu wꜣḏ zu sein scheint. Einen etymologischen Zusammenhang zwischen „Ausfluss“ und diesem Malachit hält er aber immerhin für denkbar. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 84 nennt ebenfalls nur die Beispiele aus den Tempeltexten, obwohl sie sonst ältere Belege, auch aus dem pEbers nennt, wenn sie sie für relevant hält. Sie hält jnf aber für ein Räuchermittel, weil es als aus dem Udjat-Auge kommend beschrieben wird. Diese Herkunftsangabe haben die Stellen der Tempeltexte mit Eb 385 gemeinsam. In pBerlin P. 3055 tritt jnf als Umschreibung für Honig auf, weswegen H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 59 auch für Eb 385 vermutet, dass damit der wenig später genannte Honig gemeint sein könnte. Alle drei Deutungen – Malachit, Weihrauch oder ein anderes Räuchermittel, und Honig – sind hier denkbar. Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 enthalten sich einer Interpretation, was mit dem Ausfluss des Horus-Auges gemeint sein könnte.

Eb 386

Ein anderes (Heilmittel) zum Auftragen (und) zum Abwehren von Krankheitsauslösern (?) in den Augen:
Der Kopf der ḥnj-Sumpfpflanze, Johannisbrot, Honig, Gänsefett: Teil zu Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde auf den „Rücken“ der Augen gegeben.
Wirklich vortrefflich; millionenfach (erprobt)!

Eb 387

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Strängen von Blut1 in den Augen.
Getrocknete Myrrhe, nḥd.t-Myrrhe, Malachit (oder: frische nḥd.t-Myrrhe): Teil zu Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 Die mt.w: „Gefäße; Stränge“ sind aus ägyptischer Perspektive ein integraler Bestandteil der menschlichen Anatomie, wobei die Ägypter aber nicht zwischen Hohlgefäßen und Muskeln sowie Nerven unterschieden. Mit den hier genannten „Strängen von Blut“ sind keine „Blutgefäße“ gemeint, sondern eine krankhafte Erscheinung. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 405, Anm. 1 vermuten „eine Art Blutgeäder“.

Eb 388

Was zu tun ist vom 3. Monat der Peret-Jahreszeit bis [61,5] zum 4. Monat der Peret-Jahreszeit:
Bleiglanz, oberägyptische sjꜣ-Droge, ḥtm-Mineral, „Fauliges-Holz“-Droge: Teil ⟨zu⟩ Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde in die Augen gegeben.

Eb 389

Ein anderes (Heilmittel) ⟨zum⟩ Schminken, etwas, was zu tun ist in der Schemu-, der Peret- und der Achet-Jahreszeit:1
Bleiglanz.
Werde am Morgen im Blässgansfett zermahlen, ohne (es) aufs Feuer fallen zu lassen (?).2 Werde damit in der Nacht geschminkt.

1 Schemu, Peret und Achet sind die drei Jahreszeiten des ägyptischen Kalenders. Die normale Reihenfolge ist aber Achet, Peret und Schemu, d.h. die Reihenfolge ist umgekehrt.

2 Die Formulierung und damit der beschriebene Vorgang sind unklar, daher auch das Fragezeichen bei Bardinet 1995, 309 hinter „tombe“. Die Verbindung rḏi̯ hꜣi̯ ḥr: „fallen auf ... veranlassen“ resp. mit Negation: „fallen auf ... nicht zuzulassen“ ist in diesem Zusammenhang ungewöhnlich. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 561 nennen nur diese eine Stelle. Für die Anweisung, Drogen aufs Feuer zu stellen, d.h. sie zu erwärmen, wird sonst einfaches rḏi̯ ḥr ḫ.t: „aufs Feuer geben/setzen“ verwendet.

Eb 390 = Eb 400

Ein anderes (Heilmittel):
Bleiglanz, Malachit, Lapislazuli, Honig, Ocker: Teil zu Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde zu einem ziehbaren (?; d.h. zähem? oder flüssigem?)1 jwšš-Teig gemacht.

1 Ägyptisch sṯꜣ: Als attributives Adjektiv steht es außerhalb der medizinischen Text bei Meret-Behältern, die auf einem Schlitten stehen und gezogen werden können; sicher ist es eine Ableitung von sṯꜣ: „ziehen, fließen, sich begeben (zu)“. Für den hiesigen Kontext erwägt Wb 4, 354.6 die Bedeutung „zäher Teig o.ä.?“; vor dem Hintergrund, dass sṯꜣ auch „fließen“ bedeuten kann, könnte man aber auch an das Gegenteil, nämlich „flüssigen Teig“, denken.

Eb 391

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen [61,10] von Katarrh im Kopf durch schminken (oder: als Schminkmittel):
Bleiglanz: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1/8 (Dja), snn-Droge: 1/16 (Dja), ḥtm-Mineral: 1/16, ṯr.w-Ocker: 1/64 (Dja), getrocknete Myrrhe: 1/64 (Dja), Früchte der tntj-Pflanzen: 1/64 (Dja).1

1 Das Rezept endet ohne Verarbeitungs- und/oder Applikationsanweisung.

Eb 392

Ein anderes Heilmittel für das Auge, dem irgendeine üble Sache geschehen ist:
Galle vom {Menschen} ⟨Schwein⟩.1
Werde in zwei Hälften geteilt;2 seine (eine) Hälfte werde in Honig gelegt (und) das Auge damit am Abend geschminkt, und seine (andere) Hälfte werde getrocknet, fein zermahlen (und) das Auge werde damit am Morgen geschminkt.

1 Eb 392 wäre die einzige Stelle in den medizinischen Texten, in denen ein menschliches Organ als Droge verwendet würde. Aus diesem Grund schließt Dawson, in: ZÄS 62, 1927, 21–22, dass in der Vorlage für das Rezept das im Hieratischen ähnliche Substantiv rr: „Schwein“ gestanden hat und eigentlich Schweinegalle gemeint ist.

2 Bezeichnend für die ägyptische Rechenweise dürfte sein, dass die beiden Hälften hier nicht etwa als *gs 2: „2 Hälften“, sondern als Dual gs.wj: „die beiden Hälften“ bezeichnet werden.

Eb 393

Ein anderes (Heilmittel) für das Stärken der Seh(kraft), [61,15] etwas, das gemacht wird vom 1. Monat der Peret-Jahreszeit bis zum 2. Monat der Peret-Jahreszeit:
Bleiglanz, „Männliches“ vom Bleiglanz, snn-Mineral: Teil zu Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde an/in die Augen gegeben.

Eb 394

Ein anderes (Heilmittel):
Oberägyptische sjꜣ-Droge, Bleiglanz: Teil zu Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 395, vgl. Eb 399

Ein anderes (Heilmittel):
Johannisbrot, Bleiglanz, Honig: Teil zu Teil (d.h. zu gleichen Teilen).
Werde in die Augen gegeben.

Eb 396

Ein anderes (Heilmittel) zum Öffnen der Seh(kraft):
Eine Scherbe eines neuen Hin-Gefäßes, mit Pflanzenbrei bedampft1. Werde sehr oft an die Augen gegeben.

1 Eigentlich „beräuchern“. Welcher Vorgang genau damit gemeint ist, erhellt sich durch die Rezepte Bln 60 und 76: Drogen werden im Feuer erhitzt, „(ab)gelöscht“ (ꜥḫm) mit ḥzꜣ-Brei und anderer Flüssigkeit, und damit werde der Patient „beräuchert“ (kꜣp.w s(j) ḥr=st) (Bln 60).

Eb 397

Ein anderes (Heilmittel), (nämlich) ein Schminkmittel zum Öffnen der [61,20] Seh(kraft):
Bleiglanz, Knochenmark vom Rind. Werde in die Augen gegeben.

Eb 398, vgl. Eb 337

Ein anderes (Heilmittel) zum Öffnen der Seh(kraft):
Bleiglanz: 4, Honig: ((3)). (Werde) ebenso (verfahren).

Eb 399, vgl. Eb 395

Ein anderes (Heilmittel) zum Öffnen [62,1] der Seh(kraft):
Bleiglanz, Saft von frischem Johannisbrot, „Selbstentstandenes“ vom Honig. Werde in die Augen gegeben.

Eb 400 = Eb 390

Eine anderes Schminkmittel:
Bleiglanz: 2, Honig: 4, Malachit: ein viertel (Dja), Ocker: ein viertel (Dja), echter Lapislazuli.
Werde zermahlen. Werde in die Augen gegeben.

Eb 401

Ein anderes Schminkmittel:
Bleiglanz: 2, Gänsefett: 2, Wasser: 4.
Werde in die Augen gegossen.

Eb 402

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen der Weißen (Stellen), die in den Augen entstanden sind:
Bleiglanz: 1, [62,5] „Fauliges-Holz“-Droge: 1.
Werde fein zermahlen. Werde in die Augen gegeben.

Eb 403

Ein anderes (Heilmittel):
ṯr.w-Ocker: 1, Bleiglanz: 1, Wasser.
Werde fein zermahlen. Werde in die Augen gegeben.

Eb 404

Ein anderes (Heilmittel):
Afrikanisches Ebenholz, Bleiglanz, Wasser.
(Werde) ebenso (verfahren). 

Eb 405

Ein anderes (Heilmittel):
Galle des ꜣbḏ.w-Fisches, Bleiglanz.
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 406, vgl. Eb 414

Ein anderes (Heilmittel):
smj-Dickmilch, Milch.
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 407 = Eb 346

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von „Unebenheit“ (Trachom?):
Bleiglanz: 1, Roter Ocker: 1, Ocker: 1, Rotes Natron: 1.
Werde zermahlen. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 408

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von roter Entzündung in den Augen.
Johannisbrot, Blätter der Dornakazie, Malachit, [62,10] Milch von einer (Frau), die einen Knaben geboren hat.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 409

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen eines Wütens im Auge:
Bleiglanz: ein halbes (Dja), Eier vom Geier (?)1: ein halbes und ein viertel (Dja).
Werde fein zermahlen. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

1 „Eier vom Geier“: Nur in Eb 409 als Droge verwendet. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 304 vermuten, dass die Eierschale gemeint sei, weil eine genaue Dosierung angegeben ist und außerdem beide Drogen miteinander „verrieben“ werden sollen. Die Verwendung des Verbs snꜥꜥ ist zwar weniger signifikant, weil es auch in solchen Rezepten verwendet wird, in denen feste Drogen in Flüssigkeiten „verrieben“ werden sollen und wo es dann folglich eher mit „verrührt“ übersetzt werden könnte; von großem Aussagewert ist aber tatsächlich die Angabe, ein Dreiviertel Dja zu verwenden, was ca. 225 ccm entspricht. Denn das lässt sich unter Umständen leichter von Eierschalen abmessen als vom viskosen Eiklar und -dotter.
Die Verschreibung speziell von Geiereiern in diesem Mittel gegen ein Augenleiden erklärt sich aus der diesem Vogel zugeschriebenen großen Sehkraft: es liegt ein Sympathiemittel vor, s. C. Leitz, Die Rolle von Religion und Naturbeobachtung bei der Auswahl der Drogen im Papyrus Ebers, in: Fischer-Elfert 2005, 41–62, hier: 54.

Eb 410, vgl. Eb 411, 413

Ein anderes (Heilmittel):
Bleiglanz: 2 (Dja), Honig: 1/64 (Dja), Ocker: 1/16 (Dja), Roter Ocker: 1/8 (Dja), snn-Mineral: 1/16 (Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 411, vgl. Eb 410, 413

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1/32 (Dja), Ocker: ein viertel (Dja), Bleiglanz: 1/32 (Dja), snn-Mineral: 1/16 (Dja), „Selbstentstandenes“ vom Honig: ein viertel und 2 (Dja) (?)1.
(Werde) ebenso (verfahren).

1 Es wird kaum „ein Viertel von 2“ gemeint sein, weil dafür ein einfacheres „ein Halbes (scil. von 1)“ näherliegend wäre. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 52, Anm. 2 vermuten einen Schreibfehler, dass nämlich ḥsb: „ein Viertel“ anstelle der Bruchzahl 1/30 steht und die gesamte Mengenangabe daher als 1/32 zu lesen wäre. Im pEbers sind zwar ḥsb und 1/30 klar zu unterscheiden, aber es könnte sich um einen Kopierfehler handeln.

Eb 412

Ein anderes (Heilmittel):
Schwarzer Feuerstein: [62,15] 1/32 (Dja), Weihrauch: 1/8 (Dja), Fayence: 1, Honig: 1.
Werde an die Winkel der Augen gegeben.

Eb 413, vgl. Eb 410, 411

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1/64 (Dja), Ocker: 1/64 (Dja), „Selbstentstandenes“ vom Honigs: 1/8 (Dja), Bleiglanz: 1/8 (Dja), snn-Mineral: 1/32 (Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 414, vgl. Eb 406

Ein anderes (Heilmittel) zum Öffnen der Seh(kraft):
smj-Dickmilch, Milch einer (Frau), die einen Knaben geboren hat.
Werde zu einer Masse gemacht. Werde in die Augen gegossen.

Eb 415, vgl. pLouvre E 32847, Vso. 20,21–21,2

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Verschleierung, Verdunkelung, Schwachsichtigkeit und (jeglicher) Einwirkung, die in den Augen entstanden ist:
„Fauliges-Holz“-Droge: 1, [62,20] Malachit: 1, Mehl vom Johannisbrot: 1, Blätter der Dornakazie: 1, ẖpꜣ-Kügelchen (?) des Afrikanischen Ebenholzbaumes: 1, Saft von qbw-Früchten: 1.
Werde zu einer Masse gemacht; werde zu jwšš-Teig gemacht; werde getrocknet; werde in Wasser zerstoßen. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 416

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen eines qnj.t-Phänomens (am Auge):
Malachit: 2, ṯr.w-Ocker: 1, Bleiglanz: 2 und ein halbes (Dja?), Natron: 1, Ocker: 1/8 (Dja).
Werde in Wasser zermahlen. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben.

Eb 417

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, Gänsefett: 1.
Der „Rücken“ der Augen werde damit gesalbt.
Tue (es) und du wirst (den Erfolg) sehen!

Eb 418

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Katarrh in der Nase:
Bleiglanz: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1, getrocknete Myrrhe: 1, Honig: 1.
Werde damit geschminkt über 4 Tage hinweg.
Tue es, und du wirst (den Erfolg) sehen! Siehe, das ist ein ordnungsgemäßes (Heilmittel)!

Eb 419

Ein anderes Schminkmittel, (nämlich) das, was für den Großen der Schauenden1, Chui, angefertigt wurde2:
Bleiglanz: 1, Malachit: 1, [63,5] oberägyptische sjꜣ-Droge: 1, unterägyptische sjꜣ-Droge: 1, Roter Ocker: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1, „Selbstentstandenes“ vom Honig: 1.3

1 „Großer der Schauenden“ ist der Titel des Hohepriesters von Heliopolis. Mit dem hier genannten Chui ist wohl Chuienher gemeint, der zur Zeit der 6. Dynastie, also am Ende des Alten Reiches, lebte. Vgl. W. Spiegelberg, in: ZÄS 58, 1923, 152 und Moursi, Die Hohenpriester des Sonnengottes, 32–33.

2 Die Präposition n nach dem Verb jri̯ bezeichnet gewöhnlich die Person, für die etwas angefertigt wird, und nicht, von wem es angefertigt ist, vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 93. Entsprechend hat Grapow, Grundriß der Medizin III, 92 ältere Übersetzungen von Eb 419 korrigiert (z.B. Ebbell 1937, 75), und er schreibt dezidiert, dass hier das Rezept für Chui angefertigt wurde.

3 Sic. Das Rezept endet ohne Applikationsanweisung.

Eb 420, vgl. Eb 358

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von šp.t-Blindheit in den Augen:
Johannisbrot.
Werde fein zermahlen; werde durch Tücher durchgeseiht; werde in „Selbstentstandenes“ vom Honig eingeschlossen1.2 Werde in die Augen gegeben.

1 So die wörtliche Übersetzung, der auch Westendorf 1999 folgt. Ob damit „bedeckt“ (in einem Gefäß) gemeint ist? Bardinet 1995 übersetzt mit „malaxé“, was sicher auch einem „einschließen in etw.“ entspricht, aber einen anderen Verarbeitungsvorgang bezeichnet.

2
Der Satz ist zum größten Teil (d.h. abgesehen vermutlich von bj.t: „Honig“) eine Korrektur: Die Wörter sind sehr eng geschrieben und es sind Tintenreste erkennbar, die auf einen gelöschten Text verweisen. Es hat also möglicherweise anfangs eine andere Verbindung mit Honig im Rezept gestanden.

Eb 421

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen des „ḫsf-des-Fleisches“-Phänomens1 in den Augen:
Malachit, Weihrauch, Roter Ocker.
Werde zermahlen. Werde an die Augen gegeben.

1 Dieses Phänomen ist nur hier belegt. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 39 übersetzt als „Umdrehen des Fleisches“ und denkt an Ektropium. Von G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 74 abgelehnt, von Westendorf 1999, 623 zumindest in Anm. 108 genannt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 668 erwähnen die Möglichkeit, ḫsf vom Verb ḫsf abzuleiten und die Stelle mit der in koptischen Texten belegten Krankheitserscheinung ⲁⲁϥ ⲛ̅ϩⲟⲩⲟ: „Zuviel-Fleisch“ (Till, Arzneikunde der Kopten, 15, Nr. 9) in Verbindung zu bringen, die auch am Auge auftreten kann. Dem folgt wohl Bardinet 1995, 312: „une partie déprimé de la chair superficielle“. J. H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 3–18, spez. 18 zeigt, dass ḫꜥw eher den Körper oder die Haut bezeichnet, weniger „Fleisch“. Daher wird hier eben mit „Haut“ übersetzt. Für ḫsf verbietet sich aufgrund der nur einmaligen Nennung eine genauere Übersetzung.

Eb 422

Ein anderes Heilmittel für die Augen, (nämlich) das, was ein Asiat aus Byblos mitgeteilt hat:
ꜥḏrn-Droge (?)1: 1, Datteln: 1, frische Gerste2: 1, Gerste: 1, ṯwṯkn-Droge: 1, Roter Ocker: 1, [63,10] Alaun: 1, Salz: 1, Blei: 1, Bleiglanz: 1, Mark vom Unterschenkel, frisches Olivenöl.3
Werde in das Heilmittel gegeben.4

1 Eine nur in Eb 422 belegte Drogenbezeichnung. Aufgrund des Kontextes in einem byblitischen Rezept wie auch wegen der Schreibung wird angenommen, dass es sich um ein Fremdwort handelt. Es ist unsicher, ob die Schreibung als syllabisch aufgefasst werden sollte; v.a. die Kombination aus Löwe und n ist ungewöhnlich. Bardinet 1995, 313 gibt die Schreibung schlicht durch „âdjal“ wieder, hat also mindestens das n am Wortende als fehlerhaft verstanden oder die Kombination von Löwe und n als Wiedergabe eines /l/ gedeutet. Im Index, S. 567, definiert er das Wort noch als „nom sémitique“, gibt aber weiter keinen Übersetzungsvorschlag. Westendorf 1999, 497 erwägt, unter Verweis auf eine Auskunft von Borger, eine Ableitung von akkadisch ar(a)zallu: „Pflanze, Stein“. Hoch, Semitic Words, 90, Nr. 110 (Lesungsvorschlag: ꜥaṣūrun) vermutet einen Zusammenhang mit der semitischen Wurzel ꜥṣr: „(Trauben/Oliven) auspressen“, wobei das ägyptische Wort dann einer Passivkonstruktion entspräche: „that which is squeezed out“.

2 Oder: „grüne Gerste“? Beide Varianten auch bei Westendorf 1999, 623. Das Adjektiv wꜣḏ erlaubt beide Übersetzungen, wobei es, wenn es als Attribut von Drogennamen verwendet wird, üblicherweise im Sinne von „frisch“ zu verstehen ist, vgl. auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 164.
Auffällig ist außerdem, dass hier „frische Gerste“ und normale „Gerste“ direkt hintereinander genannt werden. Laut H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 418 und 505 wird in den Drogenlisten der Rezepte nie eine Droge zweimal genannt. Entweder wäre das Rezept Eb 422 ein Gegenargument gegen diese Behauptung, oder aber dieses Rezept ist ein Hinweis darauf, dass die Ägypter „frische Gerste“ und „Gerste“ als unterschiedlich genug auffassten, um darin zwei verschiedene Drogen zu sehen.

3 Bei den beiden letzten Drogenbezeichnungen fehlt die Maßangabe.

4 Zu dieser Übersetzung der Präposition ḥr s. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 59 und II, 64, Anm. 4 sowie Westendorf 1999, 623 mit Anm. 110: Dort wird vermutet, dass mit dem eigentlichen „Heilmittel“ die beiden zuletzt genannten Drogen, diejenigen ohne Maßangaben, gemeint sind, in die die anderen hineingetan werden sollen. Ebbell 1937, 76 übersetzt die Präposition dagegen identifizierend: „are given as a remedy“, vergleichbar Bardinet 1995, 313: „(Ce) sera appliqué sous forme de remède.“ Ein solcher Gebrauch der Präposition ḥr ist allerdings nicht belegt.

Eb 423 = Eb 430, pLouvre E 32847, Vso. 20,1–2

Ein anderes (Heilmittel) ⟨zum⟩ Beseitigen von Kügelchen1 im Auge:
Bleiglanz: 1, snn-Mineral: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1.
Das Auge werde damit geschminkt.

1 Die Parallele Eb 430 hat das wohl richtigere pds.t. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 21 vermutet bei Letzterem ein Hordeolum oder Chalazion. Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 bieten in ihren Übersetzungen Ersteres als mögliche Bedeutung an.

Eb 424

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen einer Einkrümmung des Haares im Auge:
Myrrhe: 1, Eidechsenblut1: 1, Blut einer Fledermaus1: 1.
Das Haar werde herausgezogen. (Das Heilmittel) werde daran (d.h. an das Auge) gegeben, so dass es gesund wird.

1 Auffällig ist, dass das Eidechsenblut im direkten Genitiv (snf ḥ⟨n⟩tꜣsw), das Fledermausblut im indirekten Genitiv (snf n d(ꜣ)gy.t) geschrieben ist. Ob das durch den Zeilenwechsel vor ḥntꜣsw verursacht wurde oder andere Gründe hat, ist unklar.

Eb 425

Ein anderes Heilmittel zum Verhindern, dass (wieder) ein Haar in(s) Auge wächst, nachdem es heraus(ge)rissen (wurde):
Weihrauch, mit Kot [63,15] einer Eidechse zermahlen: 1, Blut vom Rind: 1, Blut vom Esel: 1, Blut vom Schwein: 1, Blut vom Hund: 1, Blut vom Ziegenbock: 1, Bleiglanz: 1, Malachit: 1.
Werde mit diesem Blut fein zu einer Masse zermahlen. Werde an die Stelle dieses Haares gegeben, nachdem es heraus(ge)rissen (wurde).
Es kann nicht wieder wachsen.

Eb 426 = pLouvre E 32847, Vso. 22,8

Ein anderes (Heilmittel):1
Blut der Fledermaus: 1, Ränder eines neuen Hin-Topfes: 1, Honig: 1.
Werde fein zermahlen. Werde an die Stelle dieses Haares gegeben, nachdem es heraus(ge)rissen (wurde).

1 In der Parallele ist dieses Rezept nicht mit k.t überschrieben, sondern mit der Überschrift von Eb 425, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 239–240. 

Eb 427 = pLouvre E 32847, Vso. 22,8–9

Ein anderes (Heilmittel):
Fett vom Rind: 1, [63,20] Olivenöl: 1, Gehirn (?) vom ꜥpnn.t-Tier: 1.
Werde zu einer Masse zermahlen; werde aufs Feuer gegeben. Werde an die Stelle des Haares gegeben.

Eb 428

Ein anderes (Heilmittel):
Galle des wjꜣ.t-Vogels.
Ein Schilfrohr werde damit angefeuchtet. Werde an die Stelle dieses Haares gegeben, nachdem [64,1] es heraus(ge)rissen (wurde).

Eb 429

Ein anderes (Heilmittel) zum Verhindern, dass (wieder) ein Haar in(s) Auge wächst, nachdem es heraus(ge)rissen (wurde):
Propolis (?, wörtl.: Kot einer Fliege): 1, Roter Ocker: 1, Harn.
Werde zerstoßen. Werde an die Stelle dieses Haares gegeben, nachdem es heraus(ge)rissen (wurde).

Eb 430 = Eb 423, pLouvre E 32847, Vso. 20,1–2

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Kügelchen1 im Auge:
snn-Mineral: 1, Bleiglanz: 1, „Fauliges-Holz“-Droge: 1.
Die Augen werden damit geschminkt.

1 B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 21 vermutet Hordeolum oder Chalazion. Bardinet 1995 wie Westendorf 1999 bieten in ihren Übersetzungen Ersteres als mögliche Bedeutung an.

Eb 431

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von „Fett“ im Auge.
[64,5] Feuersteinsplitter.
Werde in Pflanzenbrei zerstoßen. Werde viele Male daran gegeben.

Eb 432–436: Rezepte gegen Bisswunden

Eb 4321 = H 21, pLouvre E 32847, Rto. x+7,21–8,1 und Vso. 25,7–8

Ein anderes (Heilmittel) gegen Menschenbisse2:
ẖꜥꜥ-Teile3 vom ⟨šd.t-Teig, die in einem⟩ ꜥnḏ.w-Topf ⟨sind⟩,4 Porree, zermalmt.
Werde zu einer Masse gemacht. (Die verletzte Stelle) werde darüber verbunden.

1 Die Rezeptgruppe Eb 432–436 ist eine der wenigen des pEbers, die nicht mit ḥꜣ.t-ꜥ-m beginnt, sondern direkt mit einem ersten Rezept. Die Thematik ist aber eine komplett andere als das vorherige Augenbuch, nämlich eben verschiedene Bisswunden. Dieser thematische Bruch zum Augenbuch lässt es vertretbar erscheinen, mit Eb 432 eine neue Rezeptgruppe zu beginnen; so wird es auch in den bisherigen Übersetzungen des pEbers gehandhabt. Dass Eb 432 mit k.t: „ein anderes (Heilmittel)“ beginnt und damit suggeriert, dass es an die vorherigen anschließt, steht dem nicht entgegen. Auch im Augenbuch ist das k.t an manchen Stellen semantisch zu einem reinen Marker umgewandelt, der nur den Umstand markiert, dass ein neuer Textabschnitt beginnt: so direkt am Beginn des Augenbuches, wo es vor der Einleitungsformel ḥꜣ.t-ꜥ-m steht, oder in manchen Rezepten, wo es einem maskulinen sdm(.w): „Schminkmittel“ vorgeschaltet ist, auf das es sich, satzsyntaktisch gesehen, eigentlich gar nicht beziehen kann.

2 rmṯ: „Menschen“: Theoretisch wäre auch möglich, es als Verschreibung für rr: „Schwein“ zu lesen, das im Hieratischen ähnlich geschrieben ist. Aber Westendorf 1999, 625, 112 erwähnt dezidiert, dass auch die koptische Medizin Bisswunden durch Menschen kennt und eine Korrektur der Lesung daher nicht nötig sei.

3 ẖꜥꜥ ist in den Belegen verschieden klassifiziert: Als Flüssigkeit, mit dem relativ unspezifischen Rohstoffklassifikator Gardiner Sign-list N33, oder, etwa in Eb 578, gänzlich ohne Klassifikator. Die älteren Übersetzungen lassen sich wohl weitgehend vom ersten Beleg auf pEbers, in Eb 432, leiten, wo ẖꜥꜥ.w eines ꜥnḏ.w-Topfes erwähnt werden. So zu vermuten für L. Stern, Glossarium, in: Ebers 1875, 1–63, hier: 59: „pulvis?“ (d.h. Staub, Pulver o.ä.). Ähnlich auch Ebers 1889, 330. Dieser übersetzt Eb 432: „Man zerstosse Stücke eines ꜥandu gefässes“, hat also vielleicht *ẖꜥ(.w) ꜥ.w n.w ꜥnḏ.w gelesen. Darauf basiert dann die Übersetzung von Joachim 1890, 101: „Stücke eines āndu-Gefässes“; Wb 3, 364.7: „Stücke (o.ä.)“, mit den zugehörigen Belegzetteln, speziell DZA 28.194.810: „Stücke eines Gefässes“; Ebbell 1937, 76: „shell of ꜥnḏw-vessel“; G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 167: „Morceaux d’un (vase-)ândjou“. Die vier Letztgenannten haben allerdings Ebers’ andere Wortteilung nicht beachtet, wie sich daran zeigt, dass sie kein Äquivalent für Ebers’ „Man zerstosse“ bieten. Daher ist diese Übersetzung nicht haltbar (letzten Endes auch schon von den Wörterbuchmitarbeitern vermutet, denn das Wort „Stücke“ ist auf dem Eingangszettel DZA 28.194.760 durchgestrichen). Auch die Übersetzung von Ebers selbst ist nicht haltbar, da es kein Wort ẖꜥ: „zerstoßen“ gibt. Ob er es mit ẖꜣ verwechselt hat, das im Ebers mehrfach vorkommt? H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 411 lehnen die Übersetzung als „Stücke“ dezidiert ab und erwähnt stattdessen einen Vorschlag von Barns (J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 18, Nr. 23), der in ẖꜥꜥ.w einen allgemeinen Mengenbegriff vermutet. Genauer denkt Barns bezüglich der Schreibung mit Gefäßklassifikator an „pot(ful)“ (ob beeinflusst von dem einmal belegten ẖꜥ.w-Gefäß von Wb 3, 364.8, das R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 2. Auflage (Mainz am Rhein 1997), 632 für eine mögliche Verschreibung für das ẖpꜥ.w-Gefäß von ebd. 633 = R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 683, Nr. {24858} hält?), für die Schreibung mit Rohstoffklassifikator an „portions“ und für diejenige mit Wasserlinien an „quantities“. Ähnlich allgemein und vorsichtig ist Faulkners Angabe „measure (?); allowance (?)“ in R. O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 201. Dessen Vorschläge gehen auf Belege in den Sargtexten zurück: In Spruch 39, A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts I. Texts of Spells 1-75, Oriental Institute Publications 34 (Chicago 1935), 168b, lautet der entsprechende Satz in der Version B12Cb: n swrj.t N pn ḥzꜣ=j r ẖꜥꜥ=f, in der Version B12Cc: n swrj.t=j ḥzꜣ N pn r ẖꜥꜥ=f. Etwas unklar, vielleicht zu frei, ist die Übersetzung bei R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume I Spells 1–354 (Warminster 1973), 32: „(before I had eaten the bread of my nurse,) before I had drunk my due measure of milk“. Es geht generell darum, dass etwas passiert ist, als der Sprecher noch sehr jung war. Die erste Version würde eigentlich lauten: „bevor dieser N meinen Brei getrunken hat entsprechend/bezüglich seinem/s (d.h. dem/s N? oder dem/s Brei(s)?) ẖꜥꜥ.w”. Die zweite Version würde bedeuten: „bevor ich den Brei dieses N getrunken habe entsprechend/bezüglich seinem/s ẖꜥꜥ.w“. Die Varianz in den Aktanten bei sonst gleichbleibenden Satzgliedern macht es wahrscheinlich, dass sich das Possessivpronomen von ẖꜥꜥ.w auf den „Brei“ bezieht; denn würde es sich auf eine der beiden Personen beziehen, wäre wenigstens in einer der beiden Varianten eine Anpassung des Pronomens zu erwarten (*„mein ẖꜥꜥ.w“). Die Verbindung ḥzꜣ r ẖꜥꜥ=f erscheint auch in Spruch 476 (A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago 1954), 370a) und evtl. Spruch 468 (ebd., 384i) (tlw. zerstört). Faulkner scheint in diesem „Brei“ eine Bezeichnung für „Milch“ zu vermuten, und in ẖꜥꜥ.w „Anteil“ o.ä. Eine noch etwas andere Deutung findet sich bei R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 2. Auflage (Mainz am Rhein 1997), 632 = R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 682: „*Bodensatz, Restlauge; *Neige“ (gefolgt von Westendorf 1999, 503 und 625) und R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 418: „dregs“. Diese Übersetzung könnte vielleicht auf Wreszinskis Übersetzung des pHearst basieren, der etwas apodiktisch schreibt (W. Wreszinski, Der Londoner medizinische Papyrus (Brit. Museum Nr. 10059) und der Papyrus Hearst. In Transkription, Übersetzung und Kommentar, Die Medizin der alten Ägypter 2 (Leipzig 1912), 75): „ẖꜥꜥ.w bezeichnet im allgemeinen ‚Abfälle‘“ (NB: spezifisch in H 21, der Parallele von Eb 432, übersetzt Wreszinski dagegen, vielleicht inspiriert von Stern, „Krümel“); dass das von Hannig vorgeschlagene Bedeutungsspektrum konkret in Richtung ‚Reste von Flüssigkeiten‘ geht liegt an den Kotexten: ẖꜥꜥ.w kommt u.a. als Bestandteil von flüssigen oder zähflüssigen Stoffen vor. Insgesamt betrachtet sind jedoch alle Vorschläge spekulativ.
Die Varianten von Eb 432 = H 21 auf pLouvre E 32847 bieten wenig zusätzliche Informationen: In der Recto-Variante (T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 78) ist das Wort zerstört. In der Verso-Variante (Bardinet, ebd., 253) ist das Wort mit N33 klassifiziert. Ungewöhnlich ist dort die Schreibung der Phoneme: Mit , dem Napf Gardiner W10 und dem -Arm. Bardinet schlägt vor, dass der Napf hier die Lesung ẖꜥꜥ.w habe, „comme déterminatif phonétique“. Als phonetisches Determinativ wäre er jedoch eher am Wortende zu erwarten. Vielmehr verhält sich der Napf hier wie ein nach vorn und hinten komplementiertes Mehrkonsonantenzeichen; oder eher wird er hier vielleicht schon den Lautwert haben, den er spätestens im ptolemäischen Schriftsystem haben kann, s. D. Kurth, Einführung ins Ptolemäische. Eine Grammatik mit Zeichenliste und Übungsstücken I (Hützel 2007), 425.

4 Korrektur nach H 21. Die Varianten in pLouvre E 32847 scheint uneinheitlich zu sein: Die Recto-Variante hatte diesen Zusatz definitiv nicht. Dort ist zwar der Anfang des Rezeptes verloren, aber Rto. 8,1 setzt mit dem Wortende des ꜥnḏ.w-Gefäßes ein, auf das direkt der Porree folgt, T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 78. In der Verso-Variante ist zwar die fragliche Passage ebenfalls zerstört, aber Bardinet, ebd., 253 ergänzt hier nach der Version von H 21, woraus man schließen könnte, dass die Lücke lang genug dafür war.

Eb 433 = H 22, pLouvre E 32847, Rto. x+8,1–2 und Vso. 25,8

Ein anderes, zweites Heilmittel:
Weihrauch: 1, Ocker: 1, Galle der Ziege: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. (Die verletzte Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 434 = H 23, pLouvre E 32847, Rto. x+8,2 und Vso. 25,8

Ein anderes, drittes Heilmittel:
nṯr-Pflanze1: 1, Weihrauch: 1, ḥḏ.w-Harz: 1.
Werde gekocht; werde zu einer Wundsalbe gemacht. (Die verletzte Stelle) werde darüber verbunden.

1nṯr-Pflanze“: Nur hier belegt. Die Parallele H 23 schreibt stattdessen qst.t, eine ebenso unbekannte Pflanze. Ebbell 1937, 133 denkt bei Letzterer an „costus?“, d.h. das κόστος von Dioskurides I 15. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 522 betonen noch einmal die Unsicherheit, die sich schon in Ebbells Fragezeichen zeigt. Bei R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 142–143 findet sich kein Deutungsvorschlag. Die Recto-Variante in pLouvre E 32847 lässt diese Position komplett aus und scheint direkt mit dem Weihrauch anzufangen, in der Verso-Variante steht wie in Eb 434 die nṯr-Droge, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 78 und 253.

Eb 435 = pLouvre E 32847, Vso. 25,6–7

Ein anderes (Heilmittel):
Anschließend verbindest du ihn am ersten Tag mit/über frischem Fleisch.1
[64,10] Danach behandelst du ihn mit Öl/Fett und Honig, so dass ihm sofort angenehm ist. Danach gibst du folglich das Öl/Fett in2 Wachs (scil.: und gibst es auf die Wunde), so dass ihm sofort angenehm ist.

1 Das Rezept gehört in eine Gruppe gegen Menschenbisse. Das „ihn“ bezieht sich auf den Biss, ägyptisch pzḥ.
In der Parallele pLouvre E 32847 beginnt die kleine Gruppe von Rezepten gegen Menschenbisse, die mehrere Parallelrezepte zum pEbers enthält, mit diesem Rezept, das überschrieben ist mit pẖr.t jrr.wt r pzḥ r(m)ṯ: „Heilmittel, was zu tun ist bezüglich eines Menschenbisses“, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 252.

2 ḥr: „in“ ist in Rot nachgetragen. Das spricht dafür, dass hier die Konstruktion rḏi̯ A ḥr B: „Droge A werde in Droge B gegeben“ vorliegt. Der Umstand, dass diese Präposition nachgetragen, also vom Schreiber vermisst wurde, zeigt, dass sie wohl keine koordinierende Funktion hatte (so etwa Westendorf 1999, 625: „Danach sollst du Öl/Fett und Wachs geben“). Denn eine Koordination zweier Substantive kann im Ägyptischen auch durch bloße Nebeneinanderstellung ausgedrückt werden, benötigt also nicht zwangsläufig eine Präposition. Hätte der Schreiber eine Koordinierung ausdrücken wollen, hätte demzufolge im Prinzip keine Notwendigkeit bestanden, etwas nachzutragen.

Eb 436

Was zu tun ist bezüglich eines Krokodilbisses:1
Wenn du einen Krokodilbiss untersuchst, (und) findest du ihn vor, indem sein Fleisch aufgeworfen (?) ist und seine Seiten (d.h. Ränder?) geteilt sind, verbindest du ihn folglich am ersten Tag mit frischem Fleisch, so wie (es getan wird mit) jeder Wunde eines Mannes.

1 dp(.j)-rʾ: Die Verbindung dp.j-rʾ bedeutet eigentlich „Das am/im Mund Befindliche“ und dient als übertragene Bezeichnung für „Ausspruch“ o.ä. Als Bezeichnung einer Krankheit oder Verletzung kommt diese Verbindung nur in Eb 436 vor. Die Behandlung entspricht derjenigen anderer Bisswunden, weswegen davon auszugehen ist, dass hiermit ein Krokodilbiss gemeint ist, bzw. genauer gesagt: eine von einem Krokodil verursachte Bisswunde, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 947. Vor diesem Hintergrund fragt sich, ob man dp(.j) rʾ n mzḥ in diesem Kontext nicht als Reverse Nisbe auffassen sollte, d.h. nicht als „das, was am/im Maul des Krokodils ist“, sondern als „das, an dem das Maul des Krokodils ist/war“.

Eb 437–450: Heilmittel gegen ein ḫns.yt-Phänomen am Kopf

Eb 437 = H 24

Anfang der Heilmittel zum Beseitigen eines ḫns.yt-Phänomens1 am Kopf:
Rizinussamen: 1, Fett: 1, [64,15] Olivenöl: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. (Die betroffene Stelle) werde damit jeden Tag eingerieben.

1 ḫns.yt-Phänomen: Ein offenbar nicht selten vorkommendes Krankheitsphänomen am Kopf (m dp nach Eb 437), denn es gibt im pEbers 14 Rezepte dagegen. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 36–37 schließt aufgrund der Position der Rezeptgruppe vor den Mitteln zum Haarefärben sowie aus der Tatsache, dass die Krankheit im pHearst mit den Haaren geschrieben ist, auf eine Krankheit am behaarten Teil des Kopfes. Eine Identifizierung mit Haarausfall oder Ergrauen schließt er aus, weil dies später im pEbers besprochen ist, und Schuppen vermutet er hinter der Bezeichnung tpꜣ.w, weswegen er das hier ebenfalls ausschließt. In mehreren der Rezepte ist von einem Pulver die Rede, weswegen Ebbell von einem nässenden Ausschlag ausgeht (dem schließt sich Westendorf 1999, 142 an), vielleicht das ἄχωρ der griechischen Texte, speziell Alexander Med. (Trallianus), Therapeutica, Kapitel 8, auf das Ebbell verweist. Als weitere Hinweise in dieser Richtung wertet Ebbell, dass fünf der genannten Mittel laut Dioskurides gegen Nässen wirken und vier davon ausdrücklich gegen Achor eingesetzt würden (De Materia Medica 32, 68, sowie im [pseudepigraphen?] De simplicibus medicamentis I, 99). R.D. Hoblyn, A Dictionary of Terms Used in Medicine and the Collateral Sciences, Rev. Ed., Philadelphia 1845, 18 definiert Achor folgendermaßen: „A small acuminated pustule, which contains a strawcoloured matter, and is succeeded by a thin brown or yellowish scab.“, laut der 39.–42. Ausgabe des Pschyrembel von 1940 Achorion Schönleinii (heute Trichophyton Schoenleini, Verursacher von Favus, vgl. die 264. Ausgabe des Pschyrembel, 657, s.v. „Favus“). Bardinet 1995, 315 denkt dagegen eher an eine „substance“, „qui est dans la tête“.

Eb 438

Ein anderes (Heilmittel):
sꜣr-Pflanzen.
Werde in/mit Honig zermalmt. (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 439

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, Honig: 1.
(Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 440

Ein anderes (Heilmittel):
„Spitzer-Stein“-Droge: 1, Dattelsaft: 1, špnn-Droge: 1, Honig: 1, šnf.t-Früchte: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. (Die betroffene Stelle) werde damit eingerieben.

Eb 441

Ein anderes (Heilmittel):
Honig: 1, Dattelsaft: 1, šnf.t-Früchte: 1.
Werde damit gesalbt1.

1 gs: Die anderen Salbmittel gegen das ḫnsy.t-Phänomen sollen immer wrḥ-eingerieben werden. Eb 441 ist das einzige, das gs verwendet.

Eb 442

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, Öl/Fett: 1, Johannisbrot: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. [64,20] (Die betroffene Stelle) werde darüber verbunden.

Eb 443

Ein anderes (Heilmittel):
Nilpferdhaut, ausgeglüht: 1, Öl/Fett: 1, špnn-Droge: 1, Johannisbrot: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. (Die betroffene Stelle) werde damit eingerieben.

Eb 444

Ein anderes (Heilmittel):
ꜣbw-Droge1: 1, Myrrhe: 1, Mehl vom Johannisbrot: 1, Fayence: 1, Eier vom Strauß: 1.
(Die betroffene Stelle) werde [65,1] damit bestreut (?)2.

1 ꜣbw-Droge: Ein Hapax legomenon. Ebbell 1937, 77 schlägt „ivory“ vor, das aber sonst in vorptolemäischer Zeit immer mit dem Knochen klassifiziert ist. Vielleicht aus dem Grund wurde sein Vorschlag in H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 4 genannt, aber nicht als Übersetzung angeboten. Trotzdem wurde Ebbells Vorschlag von Bardinet 1995 übernommen, wenn auch mit Fragezeichen (Papyrus médicaux, 315: „ivoire (?)“), während Westendorf 1999, 626 keine Übersetzung gibt.

2 tmt: „bestreuen (?)“: Das Verb kommt nur im pEbers vor. Stern, in: Ebers 1875, 48 gibt als Vorschlag: „conjungere, aducctere“ [sic, gemeint ist sicher adductere]. Als koptische Derivate vermutet er ⲧⲉⲙ, ⲧⲟⲙⲓ. Brugsch, Wb VII, 1327 ließ sich möglicherweise von Sterns Vorschlag leiten, als er das Wort zu dmꜣ: „zusammenbinden“ stellte. Seiner grammatischen Form nach liegt aber bei tmt.w kein tw-Passiv vor, sondern ein w- oder endungsloses Passiv. Das zweite t gehört also ebenfalls zum Stamm. Die Verbindung mit dem genannten koptischen Wort ist daher zu streichen; das koptische ⲧⲱⲱⲙⲉ, zu dem auch die beiden von Stern genannten Varianten gehören, bedeutet nach W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 232 u.a. „verbinden, berühren“. Die Bearbeiter des Wb, die das ägyptische Lemma richtig tmt lasen, waren sich der Bedeutung nicht sicher, wie die verschiedenen Vorschläge auf den Belegzetteln anzeigen: „einreiben“ (z.B. DZA 31.101.190), „eine Wunde trocken machen“ (DZA 31.101.240), „legen“ (DZA 31.101.250), „mischen (?)“ (DZA 31.101.270). Letzten Endes entschied man sich im Wb 5, 309.2–3 für: „eine Wunde bestreuen mit einem Pulver, etw. streuen auf“. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 954–955 übersetzen schließlich mit „pudern“, was eine trockene und sehr feine Konsistenz des semantischen Instruments, eben ein „Puder“, voraussetzt. Die aussagekräftigste Stelle für die Eigenschaften des semantischen Instruments ist Eb 766d, wo tmt.w als Anwendungsart von Mitteln zum „Trocknen einer Wunde“ (⟨s⟩šwi̯ wbn.w) genannt wird. Es dürfte sich also mindestens um ein hygroskopisches Mittel handeln. Aufgrund des Rezeptes Eb 622, wo Natron auf eine Zehe tmt.w-getan werden soll, lässt sich vielleicht die Konnotation „streuen“ festmachen. Allerdings ist die Korngröße des genannten Natrons unbekannt; es dürfte sehr grobkörnig sein und daher kaum dem Bedeutungsspektrum „Pulver“ und noch weniger dem von „Puder“ entsprechen. Die Angabe nḏ snꜥꜥ, wörtl.: „werde fein zerrieben“, die in Eb 446 genannt ist, wo das daraus entstehende Mittel ebenfalls tmt.w-getan werden soll, ist dagegen wenig aussagekräftig – im Gegenteil wird diese Phrase mitunter auch bei Rezepten mit flüssigen Bestandteilen genannt, und gelegentlich wird dezidiert eine weitere Flüssigkeit genannt, in der etwas „zerrieben“ werden soll. Die Phrase nḏ snꜥꜥ ist daher zu unspezifisch und kann sowohl „werde fein zermahlen“ (fester Zustand) und „werde gut verrührt“ o.ä. (flüssiger Zustand) bedeuten. Für tmt ergibt sich daher keine Klarheit über den Endzustand der so verarbeiteten Drogen und für das Verb keine nähere und sicherere Eingrenzung als „streuen; bestreuen“ (?).
Die Bedeutungsfindung geht sicher einher mit der zum Verb tmtm, das vielleicht mit tmt zusammenhängt (vgl. explizit H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 956, Anm. 1, und mit dem Nomen tmt.w, dessen Zusammenhang mit tmt schon Brugsch, ebd. vermutet hat.
Weder die Art des Verhältnisses zwischen tmt und tmtm, noch die Bedeutung des Letzteren, ist allerdings klar. Eine einfache Ableitung des Letzteren vom Ersteren in Form einer Reduplikation kommt zunächst nicht infrage, weil das Muster ABA.B nicht belegt ist. Allenfalls könnte man erwägen, dass beide Lemmata von einem Simplex *tm unbekannter Bedeutung abgeleitet wären, wobei tmtm nach dem Muster AB.AB total redupliziert wäre und tmt nach dem Muster AB.A teilredupliziert. Vgl. dazu EAG §§ 429–439. Die Bedeutung von tmtm ist im Wb 5, 309.7–8 mit „zerquetschen o.ä.“ festgemacht. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 956 gibt dagegen ohne weitere Begründung „pulverisieren“ an, und Westendorf 1999, 672 geht noch einen Schritt weiter, wenn er es mit ‚zu Puder machen‘ übersetzt. Keine dieser Bedeutungen lässt sich an den wenigen Belegen verifizieren; im Gegenteil gehören zu den so verarbeiteten Drogen auch Öle/Fette bzw. Honig, die sich nur schwerlich mit einem pulverigen oder sogar puderigen Endprodukt in Übereinstimmung bringen lassen. Allenfalls die zweite in H. von Deines – W. Westendorf angegebene Bedeutung „bestreuen mit“ ließe sich halten. Doch auch sie ist nur geraten, denn die beiden Belege könnten ebenso gut zu der Wb-Bedeutung „zerquetschen“ passen, könnten aber theoretisch auch „einlegen in“ o.a. bedeuten.
Das Nomen tmt.w übersetzte Stern, ebd. mit „Globulus“. In den Belegzetteln des Wb ist es verschiedentlich mit „Salbe“, „Masse (?)“, oder „Kugeln“ übersetzt und als „Mittel zum Trocknen“ (DZA 31.101.280) wiedergegeben und in Wb 5, 309.4–5 dann mit „Pulver, Puder“ übersetzt. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 955–956 reduziert diese beiden Angaben auf das feine „Puder“. Breasted 1930, 220–221 denkt zwar bei tmt.w ebenfalls an ein Mittel zum Trocknen von Wunden, übersetzt aber, anders als die deutschsprachige Tradition, mit „poultice“. Die alte Bedeutung als Globulus im Sinne eines Einnahmemittels lehnt er ab, hält maximal im Fall von Eb 862c „suppositories“ für denkbar. Warum er allerdings konkret an „poultice“ denkt, schreibt er nicht. Tatsächlich wird jedenfalls tmt.w dazu benutzt, Wunden zu trocknen (Eb 766c), aber gelegentlich gehören Fette resp. Öle zu seinen Bestandteilen bzw. entsteht es durch „kochen“ (psi̯) der Einzeldrogen, so dass es nicht ausschließlich ein trockenes Pulver sein kann.

Eb 445

Ein anderes (Heilmittel):
„Spitzer-Stein“-Droge: 1, špnn-Droge: 1, Myrrhe: 1, shr.t-Harz/-Halbedelstein: 1.
(Die betroffene Stelle) werde damit bestreut (?).

Eb 446

Ein anderes (Heilmittel):
Kreuzkümmel: 1, „Erdhaar“-Früchte: 1, „Teich-Zungen“-Droge: 1, šfšf.t-Droge: 1.
Werde fein zu einer Masse zermahlen. (Die betroffene Stelle) werde damit bestreut (?).

Eb 447

Ein anderes (Heilmittel):
Nilpferdfett: 1, Mehl von jbsꜣ-Pflanzen: 1, Myrrhe: 1, gsfn-Droge: 1, „Großer-Schutz“-Droge: 1.
Werde zu einer Masse zermahlen. (Die betroffene Stelle) werde damit eingerieben.

Eb 448

Ein anderes (Heilmittel):
prš-Droge: 1, Fayence: 1, [65,5] jbsꜣ-Pflanzen: 1.
(Die betroffene Stelle) werde damit bestreut (?). Wenn sie (?) staubt, applizierst (wörtl.: gibst) du folglich Öl/Fett.

Eb 449

Ein anderes (Heilmittel):
Straußenfett, Galle vom ꜣbḏw-Fisch, kmw-Korn (?), „Großer-Schutz“-Droge, sfṯ-Öl, Weihrauch.
Werde zu einer Masse gemacht. Der Kopf werde damit über 4 Tage hinweg eingerieben.

Eb 450

Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker: 1, Frisches Johannisbrot: 1, Öl/Fett: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. (Die betroffene Stelle) werde damit eingerieben.

Eb 451–463: Heilmittel gegen Ergrauen des Haares

Eb 451

Anfang der Heilmittel zum Beseitigen von Ergrauen und zum Behandeln des Haares:
Blut eines schwarzen Kalbs.
Werde mit Öl/Fett gekocht. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

Eb 452

Ein anderes (Heilmittel):
Panzer der Schildkröte, [65,10] Wirbelsäule (?) vom Raben / von der Krähe (?)1.
Werde mit Öl/Fett gekocht. (Der Kopf) werde damit sehr oft eingerieben.

1 gꜣbg.w: „Rabe/Krähe (?)“: Die Tierbezeichnung ist nur im Ebers und Hearst belegt. Es ist mit dem Vogel klassifiziert und sowohl Eier, Wirbel als auch Knochen finden Verwendung. Demzufolge handelt es sich wirklich um einen Vogel und nicht etwa um ein Insekt, die teilweise ebenfalls mit einem Vogel klassifiziert werden können (vgl. etwa die Schreibungen von ꜥff: „Fliege“). In den Sargtexten gibt es einen gbg bzw. gbgꜣ geschriebenen Vogel, der als „schwarzer Vogel“ (ꜣpd km) bezeichnet wird. Dieses Tier ist i.d.R. mit einer Gans, also dem prototypischen Vogelklassifikator, klassifiziert, in CT VI, 318a (Spr. 688) jedoch mit einem schwarzen Vogel mit geradem Schnabel bzw. in CT III, 144d (Spr. 205) mit einem schwarzen Geier. Schott, Schreibung und Schreibgerät im Jenseits, in: JEA 54, 1968, 48 vermutet darin eine Krähe und in der ägyptischen Bezeichnung ein Onomatopoetikum. Vgl. auch die Diskussion bei Grimm, in: Fs Aßfalg, 141–142 mit Abb. 10–12 zu den Schreibungen der Sargtexte. Vernus, Bestiaire, 63, 80 und 365 vermutet in dem Vogel einen Vertreter der Gattung Corvus, „corbeaux et corneilles“, bzw. genauer Corvus corax, Corvus ruficollis oder Corvus rhipidurus. R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 685 gibt dagegen kommentarlos, aber wohl basierend auf der Klassifizierung in CT II, 144d, „vulture“ als Übersetzung. Eine mögliche Gleichsetzung des gbgꜣ-Vogels der Sargtexte mit dem gꜣbg.w-Vogel der medizinischen Texte ist schon bei der Erstellung des Berliner Wörterbuches besprochen worden, vgl. Wb 5, 155.1 und 165.2 sowie die Bemerkung auf DZA 30.631.260. Ebbell 1937, 78 übersetzt gꜣbg.w kommentarlos mit „raven“; es liegt nahe, dass dieser Vorschlag ebenfalls in der Gleichsetzung mit dem Vogel der Sargtexte begründet liegt. Diese Identifikation wird auch von Grieshammer, Jenseitsgericht, 35–36 vertreten, der zwar S. 36, Anm. 186 Ebbels Übersetzung mit „Rabe“ bespricht und für denkbar erachtet, sich im Haupttext aber nicht festlegt.

Eb 453

Ein anderes (Heilmittel) zum Vorbeugen von Ergrauen:
Plazenta einer Katze, Eier vom Raben / von der Krähe (?), Öl/Fett, jbr-Öl.
Werde vollständig ausgeglüht. Werde an den Kopf des Mannes gegeben, nachdem er rasiert wurde.

Eb 454

Ein anderes (Heilmittel):
Blut vom Horn eines schwarzen Rindes.1
Werde vollständig mit Öl/Fett ausgeglüht. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

1 Westendorf 1999, 627, Anm. 116 vermutet, dass eine Haplographie für „Blut des Horns (und) Horn eines schwarzen Rindes“ vorliegen könnte, weil die folgende Verarbeitungsanweisung „ausglühen/kalzinieren“ eine feste Substanz erfordert.

Eb 455

Ein anderes (Heilmittel):
Gehirn vieler Fiederbartwelse (oder: Gehirn eines einfachen Fiederbartwelses1).
Werde in einen Hin-Topf gegeben. Werde an den Kopf des Mannes gegeben, der nicht ergrauen soll.

1 ꜥšꜣ wird in der Regel als Attribut zu wḥꜥ.w verstanden: „viele Fiederbartwelse“, so etwa von Ebbell 1937, 78, von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 297, G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 52, Westendorf 1999, 628. In H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 153, Anm. 3 wird als zusätzliche Alternative erwogen, ꜥšꜣ auf ꜣjs, das Gehirn, zu beziehen: „viel Gehirn von wḥꜥ-Fischen“. Bardinet 1995, 317 scheint das Adjektiv übersehen oder stillschweigend getilgt zu haben. Die Angabe ist in der Tat ungewöhnlich: Man erwartet eine konkrete Mengenangabe oder umgekehrt eine unbestimmte Angabe ꜣjs n wḥꜥ.w: „Gehirn vom Fiederbartwels“. Auch der Numerus ist nicht so eindeutig, wie er zunächst erscheint: Die Pluralstriche, mit denen sowohl wḥꜥ.w als auch ꜥšꜣ geschrieben sind, deuten nicht zwangsläufig auf einen grammatischen Plural hin. Denn Drogennamen sind in den medizinischen Texten, auch dann, wenn sie singularisch verwendet werden, fast regelmäßig mit Pluralstrichen geschrieben; und bei ꜥšꜣ sind die Pluralstriche normalerweise reiner Klassifikator. Es wäre daher noch als dritte Alternative neben der Communis Opinio und der in H. von Deines – W. Westendorf gegebenen zu erwägen, dass ꜥšꜣ an dieser Stelle nicht die Bedeutung „viel, zahlreich“, sondern „gewöhnlich, einfach“ o.ä. (Wb 1, 228.21) hat: „Gehirn eines einfachen Fiederbartwelses“. Dies ist bereits auf DZA 21.995.240 als Option erwogen worden. Mit dieser Bedeutung ist ꜥšꜣ mehrfach als Attribut von Tieren belegt, vgl. die Reiterkarte DZA 21.995.210 mit den darunter abgelegten Belegzetteln (u.a. auch die vorliegende Stelle). Zugegebenermaßen tritt das Adjektiv fast ausschließlich in der 20. Dynastie in Vogelbezeichnungen (ꜣpd ꜥšꜣ) auf. Dass ꜥšꜣ in diesen Fällen keinesfalls die Bedeutung „viel“ haben kann, zeigt sich daran, dass diese Bezeichnungen oft mit konkreten Zahlen verbunden sind und damit in ihrer Anzahl determiniert sind, und sogar mit so geringen Zahlwerten wie „2“ (DZA 21.995.440) und „1“ (DZA 21.995.500) auftreten. Einige wenige Male wird das Adjektiv auch mit Rinderbezeichnungen verbunden. Eine Verbindung mit einem Fisch wäre dagegen bislang einmalig. Worin sich zudem ein „einfacher Fiederbartwels“ von anderen, nicht weiter spezifizierten Fiederbartwelsen (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 138) unterscheiden sollte, wäre ebenfalls noch zu klären. Im Fall der Bezeichnung ꜣpd ꜥšꜣ denkt R. A. Caminos, Late-Egyptian Miscellanies, Brown Egyptological Studies 1 (London 1954), 130 aufgrund der jeweiligen Kontexte jedenfalls an „rather small fowl which would appear to have been thought particularly suitable for temple offerings“.

Eb 456

Ein anderes (Heilmittel):
[65,15] Kaulquappen1 vom šd.yt-Kanal.
Werde getrocknet. Werde zermahlen. Werde mit jbr-Öl vermengt. (Der Kopf) werde damit eingerieben, nachdem er rasiert wurde.

1 ḥfrn: „Kaulquappen“. Nur zwei Mal im pEbers belegt; einmal mit einer Schlange und einmal mit einem Fisch klassifiziert. DZA 26.722.830 verweist auf ḥfn („Kaulquappe“) und ḥfnr. Letzteres wird ebenfalls als Variante von ḥfn betrachtet und mit koptisch ϩⲁϥⲗⲉⲉⲗⲉ, ⲁϥⲗⲉⲗⲓ verglichen (DZA 26.722.790), das aber „Eidechse“ heißt (s. ebd. und W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 319, der ebenfalls das ältere ḥfn: „Kaulquappe“ nennt).

Eb 457

Ein anderes (Heilmittel):
Blut von der Wirbelsäule (?) eines Raben / einer Krähe (?):
Werde in echtes jbr-Öl gegeben. (Der Kopf) werde damit eingerieben.
Anschließend streckt er (d.h. der Patient) seinen Arm auf den Rücken eines lebenden Milans aus; an eine lebende Schwalbe gibt er (dagegen?) seinen Kopf.

Eb 458

Ein anderes (Heilmittel):
Horn einer Gazelle.
Werde vollständig mit Öl/Fett in einem Kessel ausgeglüht. Werde mit Öl/Fett vermengt. Der Kopf eines Mannes oder einer Frau werde damit eingerieben.

Eb 459

Ein anderes (Heilmittel) zum ordnungsgemäßen Beseitigen von Ergrauen [65,20] und (zum) Behandeln des Haars:
Blut eines schwarzen Rindes.
Werde in Öl/Fett gegeben. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

Eb 460

Ein anderes (Heilmittel) zum Beseitigen von Ergrauen:
Huf eines Esels, vollständig ausgeglüht, Vulva einer Hündin, šzp.t-Teil der ḥmꜣ.yt-Frucht (?), Gummi, Fasern (?) (Rezept bricht ab). ---1

1 Das Rezept Eb 460 bricht unvermittelt mitten in der Zeile ab, und Eb 461 setzt bei Kolumne 66,1 unvermittelt mitten im Wort ein. Es ist daher schon früher vermutet worden (etwa von H. Grapow, Beschreibung und Kollation des Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 84, 1959, 3854, hier: 41), dass die usprünglich folgende Kolumne herausgeschnitten worden und der Papyrus neu zusammengeklebt worden sein muss. Das ist bereits vor der Paginierung geschehen, denn die Kolumnenzählung wird nicht unterbrochen. Tatsächlich befindet sich zwischen den (jetzigen) Kolumnen 65 und 66 eine relativ gerade Schnittkante. Da sich die vorhergehende Klebung im Interkolumnium zwischen Kolumne 64 und 65 befindet, also nur eine Kolumne weiter vorn, und es unwahrscheinlich ist, dass nur eine Kolumne weiter schon die nächste Klebung notwendig war, kann man diese Schnittkante zwischen Kolumne 65 und 66 als weiteren Indikator für diese Hypothese werten.
Dass Zeile 22 nur zur Hälfte beschrieben wurde, ist auffällig. Man könnte die Hypothese wagen, dass der Text von Zeile 22 ursprünglich am Beginn der heute herausgeschnittenen Kolumne gestanden hat, und dass derjenige, der die Rolle wieder zusammengeklebt hat, das Ende des Rezeptes unter Zeile 21 nachgetragen hat – entweder, soweit er sich erinnerte, oder das Rezept endete tatsächlich ohne Verarbeitungs- und Applikationsanweisung (vgl. zu Belegen Grapow 1955, 66, wo auch Eb 460 angeführt ist).

Eb 461

[Ein anderes (Heilmittel): ----]
[66,1] [----]-Droge, Öl/Fett (oder: [---]-Droge vom Öl/Fett), schwarzer ḥfꜣ.t-Eingeweidewurm1, der wꜥwy.t-Wurm2, der im Kot gefunden wird.
Werde mit Öl/Fett gekocht. (Der Kopf) werde damit sehr oft eingerieben.

1 mrḥ.t ḥf(ꜣ).t: Sowohl H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), Bardinet 1995 wie auch Westendorf 1999 vermuten ein Genitiv-Verhältnis: „Öl/Fett eines schwarzen ḥfꜣ.t-Wurmes“, wobei H. Grapow – H. von Deines, 336 vorschlagen, darin einen in Öl/Fett verkochten Wurm zu sehen. Angesichts des fragmentarischen Zustandes des Rezeptes kann das aber nur ein Vorschlag sein. Es könnte ebenso gut sein, dass mrḥ.t hier das Nomen rectum einer zusammengesetzten Drogenbezeichnung im indirekten Genitiv ist, vgl. bspw. H. Grapow – H. von Deines, 256, unter B.

2 wꜥwy.t-Wurm: Nur hier belegt; immerhin kann man der Textstelle entnehmen, dass es sich um ein Tier handelt, dass im Kot zu finden ist, was die vagen Deutungsansätze „Wurm“ und „Made“ begründet. Eine grammatisch maskuline Entsprechung findet sich an drei Stellen in den Liebesliedern des pHarris 500 als Köder zum Vogelfangen, wobei zweimal der echte Wurm als Köder gemeint ist und einmal metaphorisch das Haar der Geliebten mit diesen Würmern gleichgesetzt sind, die als Köder den Verliebten anlocken, der sich selbst als Vogel bezeichnet. Als geköderte Vögel werden in einem Beleg Zugvögel aus Punt genannt, im zweiten Beleg die gb-Gans, und im dritten Beleg eine junge (?, krṯ) gb-Gans. Aus der Verwendung als Köder zum Vogel-, genauer: zum Gänsefangen kann man eventuell schließen, dass der wꜥw.y-Wurm unter Umständen auch etwas größer sein kann, denn immerhin muss er als Köder tauglich sein. Zwar gibt es Abbildungen des Schlagnetzes in der Grabdekoration, aber keine so detaillierte, dass der Köder zu erkennen oder sogar zu identifizieren wäre. Sofern der als Köder gebrauchte wꜥw.y-Wurm mit dem Wurm des pEbers in Verbindung gebracht werden kann, fragt sich, ob das .t eine Feminin-Endung ist oder, wie bei ḥfꜣ.t vermutet, ein Diminutivsuffix.
Der letzte im Wb angeführte Beleg (DZA 22.180.210 = Edfu I,1, 224), aus dem Tempel von Edfu, ist wohl zu streichen. Zwar ist das dort geschriebene Wort ww (?) weder mit Sicherheit zu lesen noch zu identifizieren, so dass kein Gegenvorschlag unterbreitet werden kann. Aber dem Formular nach ist die hinter dem klassifizierenden (?) Napf stehende Schlangenhieroglyphe weniger ein weiterer Klassifikator als vielmehr eine ptolemäische Schreibung des Suffixpronomens =k.

Eb 462

(Zum) Vorbeugen von Ergrauen an den Augenbrauen:
Honig mit Saft vom Johannisbrot, Fayence.
Nach dem Waschen1 in einem Zeitraum von drei Monaten, (und) nach dem Es-Verfestigen (?)2, indem es stehen gelassen wurde,3 mögest du (es) jeden Tag daran geben.

1 jꜥi̯: Die Grundbedeutung des Verbs ist „waschen“, die Konnotation im hiesigen Kontext ist unklar. Bardinet 1995, übersetzt es, wohl nur verursacht durch den hier gegebenen Kontext, mit „tremper“.

2 m-ḫt smn st sḏr: „nach dem Es-Verfestigen (?), indem es stehen gelassen wurde“: von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I schlagen vor: „nachdem es stehengelassen ist, indem es die Nacht verbracht hat“ unter Verweis auf die häufige Verarbeitungsanweisung sḏr n jꜣd.t: „werde über Nacht dem Tau ausgesetzt“. So versteht es auch Westendorf 1999, 629, nur dass er smn nicht durativ („stehenlassen“), sondern ingressiv („ansetzen“) versteht. Beide Übersetzungen implizieren, dass das Medikament eine Zeit lang ruhen muss, wobei der Fokus auf das Ruhen (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I) bzw. auf das zuvor erfolgte Verarbeiten der Drogen (Westendorf 1999) gelegt wird. Eine Aussage über den Zweck dieser Zubereitungsphase treffen sie nicht. Anders Bardinet 1995, 318, der smn mit „aura été stabilisé (= homogénéisé)“ übersetzt. Der hier gegebene Vorschlag „verfestigen, festmachen“ beruht auf der Verwendung des Verbs in den medizinischen Texten im Zusammenhang mit der Stärkung oder Befestigung von mt.w-Gefäßen oder Zähnen. Welche genaue Konnotation das Verb wirklich hat, hängt wesentlich auch von derjenigen von jꜥi̯: „waschen“ ab und muss zunächst offenbleiben.

3 sḏr: Die Grundbedeutung des Verbs ist „eine Nacht zubringen“, doch davon abgeleitet auch „eine Zeit bei einem Tun zubringen“ bis hin zu einer rein auxiliaren Bedeutung „dabei sein etwas zu tun“. Viele Rezepte enthalten die Anweisung, ein Medikament „nachts im Tau stehen zu lassen“ (sḏr n jꜣd.t). Dementsprechend wird der Aspekt des nächtlichen Stehenlassens auch in allen Übersetzungen des Rezeptes Eb 462 genannt. Das führt hier aber zu der zeitlichen Diskrepanz, dass einerseits von einer Zubereitungsdauer von drei Monaten die Rede ist, wohingegen das sḏr sonst eigentlich eine Ruhephase über (scil.: eine) Nacht meint. Bardinet 1995 löst diese Diskrepanz auf, indem er sḏr in diesem Rezept nicht als adverbiale Modifikation von smn interpretiert, sondern als Beginn des Hauptsatzes. Ein derartig kurzer Hauptsatz – auch wenn ihm ein zweiter folgt – scheint jedoch ungewöhnlich. Aus diesem Grund wird hier von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I und Westendorf 1999, gefolgt, die den Hauptsatz erst mit rḏi̯=k beginnen lassen.

Eb 463 vgl. H 148

Ein anderes gutes Heilmittel:
[66,5] Warmes sḏr-Getränk,1 Leber eines Esels, indem sie in einen Topf2 gegeben ist,3 bis (es) zu Kügelchen geworden ist.
Werde getrocknet. Werde in einen ḏꜣḏꜣ-Topf (und dieser) aufs Feuer gegeben.
(Sobald (???)) das, was darin ist, bereit ist auszuglühen, werde (es) in Öl getaucht. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

1 srf n sḏr: Zur grammatischen Konstruktion vgl. vielleicht A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 94.1, W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 154.3.bb.1 und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 441, Abschnitt VI: Substantiviertes Adjektiv als Nomen regens einer Genitiv-Konstruktion. Andernfalls ist srf ein eigenständiges Nomen, wie vielleicht in ptolemäischer Zeit in Edfu, wo eine derartig geschriebene Bier- oder Biergefäßbezeichnung erscheint, P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 885. Die Schreibung von srf mit Gefäßklassifikator spricht eigentlich eher für Letzteres, doch kann Ersteres nicht ganz ausgeschlossen werden.

2 ḥn.w: „Topf“: So die Auflösung der Abkürzung im H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.1. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 606. Im ähnlichen Rezept H 148 steht dagegen der ḏꜣḏꜣ-Topf, weswegen H. von Deines – W. Westendorf, 606, Anm. 1 es auch für möglich halten, die Abkürzung in Eb 463 eben ḏꜣḏꜣ zu lesen.

3 rḏi̯ sj: „indem sie gegeben ist“: Diese Art des untergeordneten Adjektivalsatzes dient als Alternative zum Stativ (vgl. W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 171 oder A. H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3. Auflage (Oxford 1957), § 374 Ende) und stellt daher eine adverbiale Erweiterung zur Drogenliste dar. Es kann daher nicht, wie bei Bardinet 1995, der Beginn der Verarbeitungsanweisung sein. Ob es sich indes nur auf die Eselleber bezieht, oder auf beide Drogen, ist unbekannt.

Eb 464–476: Heilmittel zum Festigen der Haare

Eb 464

Anfang der Heilmittel zum Befestigen (oder: zum Wachsen-Lassen)1 der Haare:
sꜣr-Pflanzen, zermalmt: 1, (gegeben?) in Öl/Fett: 1.
Werde in Wasser vom pꜣwꜥ-Gewässer (?) gegeben. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

1 srwḏ: „befestigen“: Wie auch in anderen Texten bzw. im Fall des Basisverbs rwḏ: „fest sein“ könnte eine Verschreibung mit dem ähnlich geschriebenen srd vorliegen, das in den folgenden Rezepten genannt wird, vgl. auch H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 779, Anm. 2. Daher auch das Fragezeichen hinter dem Verb bei Westendorf 1999. Diese Vermutung bekommt weiteres Gewicht dadurch, dass Eb 464 das einzige Rezept dieser Gruppe ist, das für das „Befestigen“ des Haares, d.h. wohl als Vorbeugung von Haarausfall, gedacht ist, wohingegen sonst immer von srd.t: „wachsen lassen“ die Rede ist, d.h. dass dort Haarwuchsmittel gemeint sind.

Eb 465

Ein anderes (Heilmittel) zum Wachsen-Lassen der Haare eines Kahlen:
Fett eines grimmig blickenden Löwen1: 1, Nilpferdfett: [66,10] 1, Krokodilsfett: 1, Katzenfett: 1, Schlangenfett: 1, Steinbockfett: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. Der Kopf des Kahlköpfigen werde damit eingerieben.

1 „Fett eines grimmig blickenden Löwen“: Im Ägyptischen steht dieselbe Konstruktion wie bei den anderen Drogennamen dieses Rezeptes, nämlich der sogenannte direkte Genitiv. Dass in diesem Fall kein deutsches Kompositum gebildet wurde (analog zu „Nilpferdfett“ etc.), liegt einzig daran, dass sich die Verbindung „grimmig blickender Löwe“ nur schwer in den ersten Teil eines solchen Kompositums umwandeln lässt.

Eb 466, vgl. Eb 771

Ein anderes (Heilmittel) zum Wachsen-Lassen der Haare bei (?) nssq-Haarausfall1:
„Haare“ eines Igels (?)2.
Werde vollständig mit Öl/Fett ausgeglüht. Der Kopf werde damit eingerieben über 4 Tage hinweg.

1 nssq: Nach EAG § 119 N eine Ableitung von einer Wurzel nsq. Das Wb kennt mit dieser Konsonantenfolge nur das Wort nsq: „beißen“ (Wb 2, 336.15, vgl. W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 77, 528). B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 59, 1924, 55–59, 144–149, hier: 56–57 vermutet in dem Nomen eine Bezeichnung für Alopecia areata, denn er vergleicht die Rezepte des pEbers gegen dieses Phänomen mit Dioskurides und Celsus, die ganz ähnliche Drogen und Verarbeitungsanweisungen gegen ἀλωπεκία nennen, was Ebbell aufgrund der Beschreibung bei Celsus, De Medicina VI 4 eben mit Alopecia areata identifiziert.

2 ḥntꜣ: „Igel (?)“: Seiner Klassifizierung mit dem Tierfell zufolge ein Vertreter der ägyptischen Tierklasse [HIDE AND TAIL], zu der vornehmlich (wenn auch nicht ausschließlich) Säugetiere gehören. In Eb 466 und 771 in Haarwuchsmitteln eingesetzt, wobei in Eb 466 dessen „Haare“, in Eb 771 dessen „Stacheln“ Verwendung finden. Als Bedeutung kommen daher am ehesten der Igel oder das Stachelschwein infrage, und zwischen diesen beiden Optionen changieren entsprechend die Übersetzungen der wenigen Belege (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 354–355 und H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 611 favorisieren das Stachelschwein). Im pSmith wird es zum Vergleich mit dem menschlichen Sternum oder Manubrium (?) herangezogen, für das das Tier wohl namengebend war (vgl. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII.2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961–1962), 611). Von Droste zu Hülshoff, Igel, bespricht 13–15 das ḥntꜣ-Tier und führt die Vertreter der beiden Übersetzungen „Igel“ und „Stachelschwein“ an. Zwar legt sie sich selbst nicht explizit auf einen der beiden Vorschläge fest, verweist aber auf Dioskurides und Plinius, die verschiedene Körperteile von Igeln in Haarwuchsmitteln nennen. In diesem Zusammenhang scheint erwähnenswert, dass das Igelbugschiff im Alten Reich als ḥn.t (feminin) oder ḥnt (maskulin) bezeichnet wird, vgl. etwa Altenmüller, in: SAK 28, 2000, 6–7.

Eb 467

Ein anderes (Heilmittel):
ṯr.w-Ocker, zerstoßen in Flüssigkeit der Galle: 1.
Werde daran gegeben.
ꜥfꜣ-Lattich (?), aufgeschnitten.
Werde daran gegeben.
Das Innere einer Süßwassermuschel, zerstoßen [66,15] in jbr-Öl: 1.
Werde daran gegeben.

Eb 468

Ein anderes Heilmittel zum Wachsen-Lassen der Haare, das angefertigt wurde für Schesch, die Mutter der Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten Teti, des Gerechtfertigten:
jns.t-Beinpartie eines Hundes: 1, Kerne der Dattel: 1, Huf eines Esels: 1.
Werde in einem Topf vortrefflich mit Öl/Fett gekocht. (Das Haar/Der Kopf) werde damit eingerieben.

Eb 469

Ein anderes (Heilmittel):
Schwarze Eidechse.
Werde zerschlagen wie das Erz eines Siebs1; werde mit Öl/Fett gekocht. (Der Kopf) werde damit eingerieben.

1 kꜣ.t-mtrḫ.t: Ebbell 1937, 79 vermutet hierin eine weitere Droge, auch wenn er keine Übersetzung anbietet: „a black lizzard, is pounded like copper, kꜣt mtrḫt, is boiled (...)“. Es handelt sich aber wohl um ein Instrument, das identisch ist mit dem kꜣ.t-mrḫ.t des oBM EA 5633rto., Zeile 2,5, vgl. schon die Vermutung in Wb 5, 94.3–4 und auch Janssen, Prices, 145–146 und 431. Janssen, Prices, 145 erwägt, in kꜣ.t-m(t)rḫ.t ein Metallsieb zu sehen, während das einfache m(t)rḫ.t ein Sieb oder einen Filter aus Flechtwerk bezeichnen könnte. Das Objekt von oBM EA 5633 kostet nur 1 Deben, weshalb es wohl relativ klein ist. Ob diese Kleinheit ein generelles Charakteristikum des kꜣ.t-mrḫ.t ist oder nur auf dasjenige dieses Ostrakons zutrifft, ist unklar.
In welchem semantischen Verhältnis das Gerät und die davor stehende Verarbeitungsanweisung stehen, ist umstritten. von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 227, Anm. 2, vermutet, dass die Eidechse in Eb 469 vielleicht „durchlöchert werden soll wie ein Sieb“. Westendorf 1999, 630 übersetzt „Schwarze Eidechse; werde zerstoßen wie durch ein Sieb von Metall (geschlagen)“, meint also, dass die Eidechse völlig zerkleinert werden soll. Bardinet 1995, 319 vermutet dagegen, dass kꜣ.t-mtrḫ.t ein Instrument ist, mit dessen Hilfe die Eidechse zerkleinert werden soll: „(Ce) sera pile avec l’instrument de metal (appele) kat-meterekh“. Letzteres geht nur, wenn man die Präposition mj in m emendiert.

Eb 470

Ein anderes (Heilmittel) [66,20] zum ordnungsgemäßen Behandeln der Haare:
Zahn eines Esels.
Werde in Honig zerschlagen. (Der Kopf) werde ⟨damit⟩ gesalbt.

Eb 471

Ein anderes (Heilmittel) zum Behandeln der Haare:
ṯr.w-Ocker: 1, Bleiglanz: 1, „Stechholz“: 1, Öl/Fett: 1, Kot einer Gazelle: 1, Nilpferdfett: 1.
Werde zu einer Masse gemacht. (Das Haar/Der Kopf) werde [67,1] damit eingerieben.

Eb 472

Ein anderes (Heilmittel) zum Wachsen-Lassen der Haare (bei) einer Wunde:
Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1, gw-Gras: 1, ḫsꜣ.w-Teil des jmꜣ-Laubbaumes: 1, šꜣšꜣ-Früchte: 1, mjmj-Getreide: 1, Öl/Fett: 1, Honig: 1.
(Das Haar/Der Kopf) werde darüber verbunden.

Eb 473

Ein anderes (Heilmittel) zum Wachsen-Lassen der Haare:
Öl/Fett: 1, sfṯ-Öl: 1.
(Das Haar/Der Kopf) werde damit eingerieben.

Eb 474 = H 157

Ein anderer (Spruch) zum Ausfallen der Haare (wörtl.: zum Veranlassen, dass die Haare kahl/leer sind):
ꜥnꜥr.t-Tier, gekocht und vollständig ausgeglüht mit Öl/Fett (und?) Olivenöl.
Werde an den Kopf der Verhassten gegeben.

Eb 475

Ein anderes (Mittel):
Lotosblatt.
Werde vollständig ausgeglüht; [67,5] werde in Öl/Fett gegeben. Werde an den Kopf der Verhassten gegeben.

Eb 476

(Mittel,) es (zu) beseitigen, wie es entstanden ist (?):
Panzer einer Schildkröte.
Werde vollständig ausgeglüht; werde zermahlen; werde in Fett der jns.t-Beinpartie eines Nilpferdes gegeben. (Der Kopf/das Haar) werde damit wirklich wirklich oft eingerieben.

Eb 477–481: Heilmittel zum Behandeln der Leber

Eb 477

Anfang der Heilmittel zum Behandeln der Leber:1
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), šzp.t-Teil der Weintrauben: 1/16 (Dja), Geritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Früchte der ḫꜣs.yt-Pflanze: 1/16 (Dja), Gummi: 1/32 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), smt-Droge: 1/64 (Dja), Wasser: 1/32+1/64 (Oipe = 3 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

1 Ebbells Vermutung „jaundice“, Gelbsucht, beruht nur darauf, dass Behandlungen für die Leber auch an anderen Stellen im pEbers genannt werden und die kleine Rezeptgruppe hier „among diseases of the skin“ stünde (genauer: nach Mitteln zur Haarbehandlung und vor Mitteln gegen Brandwunden), weshalb er annimmt, dass hier konkret Leberphänomene angesprochen seien, die Auswirkungen auf die Haut des Patienten haben (Ebbell 1937, 80, Anm. 1).

Eb 478

Ein anderes (Heilmittel):
[67,10] Feigen: 1/8 (Dja), Weinbeeren/Rosinen: 1/8 (Dja), Beeren vom Phönizischen Wacholder: 1/16 (Dja), Schilfrohr: 1/16 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), Ocker: 1/32 (Dja), Wasser: 1/32 (Dja).
(Werde) ebenso (verfahren).

Eb 479

Ein anderes (Heilmittel):
ḫꜣ.w-Blätter des Lotos: 1/8 (Dja), Wein: 1/16 (Oipe = 4 Dja), Mehl von Christdornfrüchten: 1/8 (Dja), Feigen: 1/8 (Dja), Milch: 1/16 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), süßes Bier: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 480

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Wüstendatteln (?): 1/8 (Dja), jns.t-Pflanzen: 1/4 (Dja), Brot von Christdornfrüchten: 1/8 (Dja), Johannisbrot: 1/32 (Dja), Geritzte Sykomorenfrüchte: 1/16 (Dja), šzp.t-Teil der Weintrauben: 1/8 (Dja), smt-Droge: 1/64 (Dja), Weihrauch: 1/64 (Dja), [67,15] süßes Bier: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 481

Ein anderes (Heilmittel):
Feigen: 1/8 (Dja), Geritzte Sykomorenfrüchte: 1/8 (Dja), Beeren vom Stech-Wacholder: 1/16 (Dja), oberägyptische sjꜣ-Droge: 1/8 (Dja), Wasser: 1/16 (Oipe = 4 Dja).
Werde nachts dem Tau ausgesetzt; werde ausgepresst. Werde getrunken über 4 Tage hinweg.

Eb 482–514: Heilmittel für Verbrennungen und Heilmittel zum Beseitigen von Striemen

Eb 482

Anfang der Heilmittel für Verbrennung(en):
Was diesbezüglich zu tun ist am ersten Tag:
Schwarzer Schlamm.
Werde daran gegeben.
Was zu tun ist am zweiten Tag:
Schaf-/Ziegenkot.
Werde gekocht; werde in gegorenem (?) Datteltrester fein zermahlen. Werde daran gegeben.
Was zu tun ist am dritten Tag:
ꜥꜣg.yt-Absonderung von der Dornakazie, getrocknet, indem sie mit gekochter šꜥ.t-Kleie (?) von Gerste und Johannisbrot zermahlen ist. (Oder: ꜥꜣg.yt-Absonderung von der Dornakazie, getrocknet, indem sie mit šꜥ.t-Teig (?) von gekochter Gerste und Johannisbrot zermahlen ist. Oder: ꜥꜣg.yt-Absonderung von der Dornakazie, getrocknet, indem sie mit šꜥ.t-Kleie (?) von Gerste zermahlen ist. Johannisbrot werde gekocht.)1
Werde in Öl/Fett gegeben. (Die Wunde) werde darüber verbunden.
[67,20] Was zu tun ist am vierten Tag:
Wachs, Rinderfett; Leeres Papyrusblatt werde mit Erdmandeln gekocht; werde zu einer Masse gemacht. (Die Wunde) werde darüber verbunden.
Was zu tun ist am fünften Tag:
Johannisbrot: 1, Roter Ocker: 1, ḫsꜣ.w-Teil vom jꜣm-Laubbaum: 1.
Werde mit Spänen (?) vom Kupfer2 fein zermahlen; werde zu einer Masse gemacht. (Die Wunde) werde verbunden.

1 Die Bezüge der Verben und damit die syntaktischen Ebenen sind in den Übersetzungen unterschiedlich interpretiert worden. An Verben stehen zur Diskussion: (1) šwi̯.t, (2) nḏ sj, (3) psi̯, (4) ḏi̯.w.
- Ebbell 1937, 81 interpretiert (2) nḏ sj und (1) ḏi̯.w als Verarbeitungsanweisungen, parallel zu wt, die anderen beiden als Attribute: „dry gallnut of acacia, it is ground with warm šꜥt of barley, ḏꜣrt, is put in oil and (it) is bandaged therewith“.
- Ähnlich G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 164, der allerdings in (2) nḏ sj noch eine weitere Zustandsbeschreibung des Harzes vermutet und erst mit (4) ḏi̯.w die eigentlichen Verarbeitungsanweisungen beginnen lässt: „Resine d’acacia desséchée, qui a ete broyée avec de l’orge grillée et de la coloquinte. A mettre dans de l’huile, puis on bandera avec cela.“
- Eine dritte und vierte Interpretation findet sich im Grundriß der Medizin: In von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 214 wird schon in (3) psi̯ die erste Verarbeitungsanweisung angesetzt, vielleicht sogar schon in (2) nḏ sj: „ꜥꜣgj.t (Harz) der Dornakazie, getrocknet; zerrieben in šꜥ.t (Teig) von Gerste; werde gekocht mit Koloquinte (ḏꜣr.t); werde gegeben in Öl/Fett; werde damit verbunden.“ (Hier ist nḏ sj noch etwas verkürzt übersetzt und daher ambivalent; als erste Verarbeitungsanweisung explizit wahrscheinlich gemacht in W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 188b, S. 134.) Als Alternative wird in von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 163, Anm. 2 erwogen, dass sich (3) psi̯ „auf die vorher genannten Drogen“, also das Harz und den Teig, bezieht. Das ist aber unwahrscheinlich, weil dann ḏꜣr.t syntaktisch in der Luft hängen würde. Lefebvres Deutung lehnen von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II, 163, Anm. 2 ab, weil psi̯ dann, wenn es sich auf šꜥ.t n.t jt bezöge, eigentlich im Stativ stehen müsste: psi̯.tj. Dies ist aber nicht zwingend, Ausnahmen finden sich in W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), § 163dd, S. 117 mit Anm. 1. Vgl. auch Eb 497, wo sich endungslose psi̯-Zustände sowohl auf maskuline als auch auf feminine Drogennamen beziehen. Bardinet 1995, 321 folgt der Hauptübersetzung von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I.
- Westendorf 1999, 632 variiert dagegen Levebvres Übersetzung dahingehend, dass er psi̯ nicht auf šꜥ.t n.t jt, sondern auf jt bezieht und damit eine Antwort auf den Kritikpunkt von von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I liefert. Wie bei von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I sieht er aber in (2) nḏ sj schon andeutungsweise die erste Verarbeitungsanweisung: „ꜥꜣgj.t-Harz der Dornakazie, getrocknet; zerrieben in Brot/Kuchen (šꜥ.t) von gekochter Gerste (und) Johannisbrotfrucht (ḏꜣr.t); werde gegeben auf Öl/Fett; werde damit verbunden.“ Westendorfs Interpretation ist aber nur möglich, wenn man in