Oracular Amuletic Decree L1 (Papyrus London BM EA 10083)

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
OAD L1 TM 381257
Aufbewahrungsort
Europa » Großbritannien » (Städte K-N) » London » British Museum

Inventarnummer: BM EA 10083

Erwerbsgeschichte

Der Papyrus befand sich zunächst im Besitz von Luigi Vassalli und wurde im Jahr 1856 mit weiteren Objekten unterschiedlicher Herkunft und Datierung für das British Museum angekauft (Edwards 1960a, 1; Website British Museum). Der italienische Ägyptologe Vassalli (1812–1887) reiste ca. 1841 nach Ägypten und war zunächst Antikenhändler, bevor er im Jahr 1859 Assistent von Auguste Mariette und später Kurator des Museums in Bulaq wurde (Bierbrier 2012, 553).

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben

Die genaue Herkunft des Papyrus ist nicht bekannt. Edwards (1960a, xiii) geht von einer Herkunft aus Theben aus, die er an den im Text genannten Göttern festmacht. Die Götter, die das Orakel geben, sind Month-Re-Harachte, der Herr von Theben, sowie Iunit. Für beide wird als Kultort das „Südliche Heliopolis“, in diesem Fall, also Karnak genannt. Der Name der Besitzerin des Amuletts, Buiruharchons „Sie haben Chons nicht geplündert“ (Thirion 1981, 83–84), ist vor allem im thebanischen Raum belegt, s. Thirion 1981, 84.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Dritte Zwischenzeit » 22.–23. Dynastie, (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Dritte Zwischenzeit » 21. Dynastie

Edwards (1960a, xiii–xiv) geht von einer Datierung des gesamten Korpus der Amulettpapyri mit Orakeldekreten in die 22./23. Dynastie aus. Ein einziger Text (L7: pBM EA 10730) liefert einen Hinweis auf die Datierung, denn er ist für einen Prinzen und zukünftigen General in der Armee eines Königs Osorkon geschrieben, bei dem es sich nach Edwards (1960a, xiv) und Ritner (2009, 74) vermutlich um Osorkon I. handeln dürfte, während Jacquet-Gordon (1963, 32; 1979, 175, Anm. 5) und ihr folgend Verhoeven (2001, 13) von Osorkon II. ausgehen. Diese Datierung basiert auf Textparallelen im Text auf einer Statue aus Tanis (Kairo CG 1040 + CG 881 + Philadelphia E 16159: s. Jacquet-Gordon 1960, 23), die ursprünglich für Sethos I. angefertigt und für Osorkon II. wiederverwendet und neu beschriftet wurde (Sourouzian 2010, 97–105). Der Text L7 wäre also in die 22. Dynastie, oder für den Fall, dass es sich ungeachtet der Parallelen doch um einen späteren Osorkon handeln würde, spätestens in die 23. Dynastie zu datieren. Nach Koenig (1987, 31) ist aufgrund der Paläographie sowie spezifischer Schreibungen mindestens für einen Teil der Texte, den hier bearbeiteten mit eingeschlossen, eine Datierung in die 21. Dynastie anzunehmen. Auch der Name der Besitzerin, Buiruharchons „Sie haben Chons nicht geplündert“ (Thirion 1981, 83–84) liefert einen Hinweis zur zeitlichen Einordnung. Namen von diesem Typ sind inhaltlich und sprachlich ab der 21. Dynastie belegt (Jansen-Winkeln 2007, 277; Guentch-Ogloueff 1940, 124 und 133; Jansen-Winkeln 1985, 192; Thirion 1981, 83–84), was als Terminus post quem zur paläographischen Datierung passt.

Textsorte
Orakeldekret
Inhalt

Die orakelgebenden Götter Month-Re-Harachte, Herr von Theben, und Iunit versprechen der Besitzerin des Amuletts, Buiruharchons („Sie haben Chons nicht geplündert“, Thirion 1981, 83–84), Tochter von Djedchons, Schutz vor unterschiedlichen Gefahren und Bedrohungen sowie die Gesunderhaltung ihres Körpers. Die Beschreibung des Körpers in seinen Einzelteilen sowie die Aufzählung der Gefahren und Bedrohungen generiert sich aus einem standartisierten Katalog, der allen Texten des Korpus zugrundeliegt, s. Grams 2017, 55–100.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Amulettpapyri wie der hier vorliegende Text wurden aufgerollt in einem kleinen Behälter, der aus Leder, Holz oder Metall gearbeitet sein konnte (vgl. Ray 1972, 151–153; Bourriau – Ray 1975, 257–258), um den Hals getragen und dienten somit als Apotropaion (vgl. hierzu Roß 2019, 40–44). Die Amulette wurden vermutlich in erster Linie für Kinder hergestellt (vgl. Roß 2019, 26–36; Adderly 2015, 193; Edwards 1960a, xvi), wobei es Hinweise darauf gibt, dass es sich um Säuglinge oder sehr junge Kinder gehandelt haben könnte (Roß 2019, 26–36). Wilfong (2013, 295–300) geht davon aus, dass die Länge des beschrifteten Papyrusstreifens mit der Größe des Kindes korreliert werden kann. Mittlerweile ist auch ein Orakeldekret für eine schwangere Frau belegt (pIFAO H40: Koenig 2018, 233–239), doch ist der Text leider nur fragmentarisch erhalten, so dass keine Rückschlüsse auf die ursprüngliche Länge des Dokumentes erzielt werden können.
Die Texte sind generell als Götterrede konzipiert, die durch die Phrase „Göttername + ḏd“ eingeleitet werden. Im hier vorliegenden Papyrus ist an den Stellen, wo man ḏd „sagen“ erwartet, jeweils etwas Platz frei gelassen. Edwards (1960a, xvii) geht davon aus, dass die Lücken erst, nachdem der Papyrus den Göttern vorgelegt worden ist, ausgefüllt wurden, und erst durch diesen Akt die Wirksamkeit gewährleistet war. Somit wäre der hier vorliegende Text niemals wirksam gemacht worden und folglich wohl auch nicht getragen worden. Die Tatsache, dass uns für die gleiche Besitzerin mit dem Papyrus Turin Cat. 1984 (OAD, T2) ein weiterer Papyrus vorliegt, in dem sich keine Lücken befinden, eine entsprechende „Validierung“ also stattgefunden haben muss, unterstützt diese These. Aus welchen Gründen der Text L1 (pBM EA 10083) offenbar ausgemustert wurde, ist allerdings unklar.

Material
Organisch » Faser, Pflanzliche und Tierische » Papyrus
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Papyrusstreifen
Technische Daten

Der Text ist nicht vollständig erhalten. Vom oberen Ende des Papyrus ist ein Teil von unbekannter Länge verloren. Der erhaltene Papyrusstreifen ist 63,8 cm lang und 6 cm breit. Durch den verlorenen Beginn ist schwer zu entscheiden auf welcher Seite sich der Anfang des Textes befunden hat. Edwards (1960a, 1) führt zwei Gründe an, die ihn veranlasst haben, den Beginn des Textes auf der Seite des Papyrus zu vermuten, auf der die vertikalen Fasern oben liegen (Verso): Erstens beginnen die meisten anderen Papyri ebenfalls auf dieser Seite, und zweitens befindet sich auf der anderen Seite in den Zeilen 52–59 eine Formel, die in vollständig erhaltenen Texten eine Art Epilog darstellt. Die Bezeichnungen „Recto“ und „Verso“ werden von Edwards auf den Text bezogen, was bei diesem Text dazu führt, dass er das papyrologisch definierte Verso als „Recto“ bezeichnete. Der Text beginnt also auf dem Verso und wird auf dem Recto fortgesetzt und zwar, nachdem der Schreiber den Papyrusstreifen über die Längsseite gedreht hat, sodass der Textbeginn auf der Rückseite auf dem Textbeginn der Vorderseite zu liegen kommt. Zur Herstellung eines solchen Amulettpapyrus musste eine Papyrusrolle oder ein Teil einer Rolle der Länge nach in schmale Streifen geschnitten werden.

Schrift
Hieratisch

Der Text ist in einem gut lesbaren leicht kursiven Späthieratisch geschrieben, s. Edwards 1960a, xiv, 1; vgl. Verhoeven 2001, 13.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Neuägyptisch

Die im Text verwendete Sprache ist nach Orthographie und Grammatik eindeutig dem Neuägyptischen zuzuordnen. Indizien sind z.B. die Schreibung der Suffixpronomen sowie der Gebrauch des Possessivartikels oder der Periphrase mit jri̯. Zudem ist im Futur III die Präposition r nicht geschrieben, vgl. zur Morphologie der Verben in den OAD die zitierten Beispiele bei Winand 1992, 536–537.

Bearbeitungsgeschichte

Im Jahr 1960 legte Edwards die editio princeps von insgesamt 21 Papyri vor (Edwards 1960a+b), darunter auch der hier bearbeitete Papyrus BM EA 10083. Er bezeichnete die Textgruppe als „Oracular Amuletic Decrees“ (OAD). Unser Text ist dort mit der Sigle L1 aufgenommen (Edwards 1960a, 1–13; Edwards 1960b, Taf. 1–3). Im Jahr 2018 erschien eine neue deutsche Übersetzung des Textes von Hans-Werner Fischer-Elfert (Fischer-Elfert 2018, 108–112). Verschiedene Studien widmeten sich dem Korpus der Oracular Amuletic Decrees unter diversen Gesichtspunkten, wobei Textsegmente der gesamten Gruppe bearbeitet und zitiert werden, s. Lucarelli 2009, 231–239; Wilfong 2013, 295–300; Austin 2014, 39–41; Adderly 2015, 191–227; Grams 2017, 2017, 55–100; Roß 2019.

Editionen

- Edwards 1960a: I. E. S. Edwards, Hieratic Papyri in the British Museum. Fourth Series. Oracular Amuletic Decrees of the Late New Kingdom. I. Text (London 1960), 1–13.

- Edwards 1960b: I. E. S. Edwards, Hieratic Papyri in the British Museum. Fourth Series. Oracular Amuletic Decrees of the Late New Kingdom. II. Plates (London 1960), Taf. 1–3.

- Fischer-Elfert 2018: H.-W. Fischer-Elfert, Altägyptische Zaubersprüche (Stuttgart 2018), 108–112.

Literatur zu den Metadaten

- Adderly 2015: N. J. Adderly, Personal Religion in the Libyan Period in Egypt (Saarbrücken 2015), 191–218.

- Austin 2014: A. Austin, Contending with Illness in Ancient Egypt (Los Angeles 2014).

- Bourriau – Ray 1975: J. D. Bourriau – J. Ray, Two Further Decree-Cases of ŠꜢḳ, in: Journal of Egyptian Archaeology 61, 1975, 257–258.

- Bierbrier 2012: M. L. Bierbrier, Who was Who in Egyptology, 4. Auflage (London 2012), 553.

- Grams 2017: A. Grams, Der Gefahrenkatalog in den Oracular Amuletic Decrees, in: Studien zur Altägyptischen Kultur 46, 2017, 55–100.

- Guentch-Ogloueff 1940: M. Guentch-Ogloueff, Noms propres imprécatoires, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 40, 1940, 117–133.

- Jansen-Winkeln 1985: K. Jansen-Winkeln, Ägyptische Biographien der 22. und 23. Dynastie, 2 Bände, Ägypten und Altes Testament 8 (Wiesbaden 1985), 192.

- Jansen-Winkeln 2007: K. Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit. Teil I: Die 21. Dynastie (Wiesbaden 2007), 277.

- Jacquet-Gordon 1963: H. J. Jacquet-Gordon, [Review:] I. E. S. Edwards, Hieratic Papyri in the British Museum. Fourth Series. Oracular Amuletic Decrees of the Late New Kingdom, 2 Bände (London 1960), in: Bibliotheca Orientalis 20, 1963, 31–33.

- Jacquet-Gordon 1979: H. Jacquet-Gordon, Deux graffiti de l’époque libyenne sur le toit du temple de Khonsou à Karnak, in: Anonymous (Hrsg.), Hommages à la mémoire de Serge Sauneron 1927-1976. I. Égypte pharaonique, Bibliothèque d’Étudte 81 (Caire 1979), 167–183, Taf. 27–29.

- Koenig 1987: Y. Koenig, Notes de transcription, in: Cahiers de Recherches de l’Institut de Papyrologie et d’Égyptologie de Lille 9, 1987, 31–32.

- Koenig 2018: Y. Koenig, Un nouveau décret amulettique oraculaire: Pap. IFAO H 40, Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 118, 2018, 233–239.

- Lucarelli 2009: R. Lucarelli, Popular Beliefs in Demons in the Libyan Period: The Evidence of the Oracular Amuletic Decrees, in: G. P. F. Broekman – R. J. Demarée – O. E. Kaper (Hrsg.), The Libyan Period in Egypt. Historical and Cultural Studies into the 21st – 24th Dynasties: Proceedings of a Conference at Leiden University, 25-27 October 2007, Egyptologische Uitgaven 23 (Leuven 2009), 231–239.

- Ray 1972: J. Ray, Two Inscribed Objects in the Fitzwilliam Museum, Cambridge, in: Journal of Egyptian Archaeology 58, 1972, 247–253.

- Ritner 2009: R. K. Ritner, The Libyan Anarchy. Inscriptions from Egypt’s Third Intermediate Period (Atlanta 2009), 74.

- Roß 2019: A. Roß, Der Schutz von Kindern im alten Ägypten. Die religiösen und soziokulturellen Aspekte der Oracular Amuletic Decrees (Göttingen 2019).

- Sourouzian 2010: H. Sourouzian, Seti I, not Osorkon II. A new join to the statue from Tanis, CG 1040 in the Cairo Museum, in: O. El-Aguizy – M. S. Ali (Hrsg.), Echoes of Eternity. Studies presented to Gaballa Aly Gaballa, Philippika 35 (Wiesbaden 2010), 96–105.

- Thirion 1981: M. Thirion. Notes d’onomastique. Contribution à une révision du Ranke PN (deuxième série), in: Revue d’Égyptologie 33, 1981, 79–87.

- Verhoeven 2001: U. Verhoeven, Untersuchungen zur späthieratischen Buchschrift, Orientalia Lovaniensia Analecta 99 (Leuven 2001), 13.

- Wilfong 2013: T. G. Wilfong, The Oracular Amuletic Decrees: A Question of length, in: Journal of Egyptian Archaeology 99, 2013, 295–300.

- Winand 1992: J. Winand, Études de néo-égyptien 1. La morphologie verbale, Aegyptiaca Leodiensia 2 (Liège 1992).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Anke Ilona Blöbaum

Übersetzung und Kommentar

Oracular Amuletic Decree L1 (Papyrus London BM EA 10083)

Anmerkung: Das obere Ende des Papyrus ist nicht erhalten, daher ist es schwer, zu entscheiden, auf welcher Seite sich der Anfang befunden hat. Edwards (1960a, 1) führt zwei Gründe an, die ihn veranlasst haben, den Beginn des Textes auf der Seite des Papyrus zu vermuten, auf der die vertikalen Fasern oben liegen (Verso): Erstens beginnen die meisten anderen Papyri ebenfalls auf dieser Seite, und zweitens befindet sich auf der anderen Seite in den Zeilen 52–59 eine Formel, die in vollständig erhaltenen Texten eine Art Epilog darstellt. Die Bezeichnungen „Recto“ und „Verso“ werden von Edwards auf den Text bezogen, was bei diesem Text dazu führt, dass er das papyrologisch definierte Verso als „Recto“ bezeichnete.

Verso

[… … …] [Wir werden sie retten aus der Hand von Chons]1, [Vso. x+1] dem jugendlich Existierenden, (und von) Chons, dem Pläneschmieder:2 diesen 2 großen, lebendigen Pavianen, die zur Rechten (und) Linken von Chons in Theben, dem vollkommen Gnädigen, ruhen, (und) die [Vso. x+5] diejenigen sind, die eine Schrift von Tod und Leben3 herausgebracht haben.
Wir werden sie retten aus der Hand Sachmets und ihres Sohns.
Wir werden sie bewahren vor dem Herabstürzen einer Mauer (und) vor der Verwüstung (wörtl. zerstampfen, zerstören) eines Gewittersturms.
[Vso. x+10] Wir werden sie bewahren vor Aussatz/Lepra4, vor Augenleiden/Augenverletzungen5 (und) vor dem Wirken des Udjat-(Auges)6, während der (= ihrer) gesamten Lebensdauer.
Wir werden sie retten aus der Hand der 7 Sterne des Großen Wagens (wörtl. des Vorderschenkels).7
Wir werden sie retten aus der Hand des Sterns, der vom Himmel [Vso. x+15] fällt (= Meteorit) und einen Menschen niederstreckt.
Wir werden sie retten aus der Hand der Neunheit des Südlichen Heliopolis.
Wir werden sie bewahren vor deren (der Neunheit) Frevel.
Wir werden sie (die Neunheit) ruhig sein lassen für sie.
Wir werden [Vso. x+20] sie (die Neunheit) auf ihre Gebete reagieren (wörtl. sprechen) lassen.
Wir werden sie retten aus dem Einfluss der Bücher vom Anfang des Jahres (und) aus dem Einfluss der Bücher vom Ende des Jahres.
Wir werden sie bewahren vor jeder Tod(esart), vor jeder Krankheit, vor jeder Beschwerde, vor jedem Verbrechen, vor jeglicher [Vso. x+25] Unordnung, vor jeder Frustration/Ungeduld8, vor jeder üblen (Nach)rede, vor jeder bitteren Rede, vor jeder zweit(rangig)en Rede9 (und) vor spottender Rede10.
Wir werden sie bewahren vor jeglichem schlimmen Schicksal11, vor jedem bösen Blick (wörtl. Auge), vor jedem bösen Sicht(omen)12, [Vso. x+30] vor jeder bösen Zerstörung/Narbe (?)13, vor jeder bösen Farbe.
Wir werden sie bewahren vor dem bꜣw-Machterweis14 von Amun, Mut und Chons, Amenemope, Month und Maat.
Wir werden sie bewahren vor [Vso. x+35] einem bitteren Orakelentscheid (und) vor bitterer Rede.
Wir werden sie retten aus der Hand der Götter, die einen Menschen beim Rückzug/auf der Flucht15 schnappen (wörtl. nehmen), aus der Hand der Götter, die einen Menschen als Beute16 schnappen (wörtl. nehmen), (und) aus der Hand der Götter, die [Vso. x+40] einen Menschen auf den Feldern finden und die ihn (= den Menschen) in der Stadt töten und umgekehrt.
Wir werden sie retten aus der Hand von jedem Gott (und) jeder Göttin, die (furchtbare) bꜣw-Macht (auf)nehmen, wenn sie nicht zufrieden sind.
Wir werden sie retten aus der Hand der [Vso. x+45] Götter, die (irgendwelche) Menschen schnappen anstelle eines (anderen) Menschen.
Wir werden sie retten aus der Hand des großen Fürsten in Heliopolis.
Wir werden sie bewahren vor jeglicher Einwirkung eines Krankheitsdämons (und) vor jeglicher Einwirkung eines Wanderdämons.
Wir werden sie bewahren vor jeglichem Krankheitsleid (wörtl. Bitterkeit) [Vso. x+50] (und) vor jeglicher Hitze.
Wir werden veranlassen, dass Kraft dauert in jedem ihrer Glieder.
Wir werden sie retten aus der Hand jedes Gottes (und) jeder Göttin des gesamten Landes, (sei es) im Himmel, auf der Erde, im Süden, im Norden, im Westen [Vso. x+55] (oder) im Osten.
Wir werden ⸢sie⸣ bewahren [vor] dem Überfluten des Herzens (und) vor dem Versinken des Herzens.17
Wir werden ihren Mund öffnen, um zu sprechen.
Wir werden ⟨veranlassen⟩, dass sie verschont bleibt vor jeder Einwirkung bei [jeder] ⸢Reise⸣, [Vso. x+60] die sie unternehmen sollte, in jedem Sanktuar, in das sie eintreten sollte, an jedem Ort, an den sie gehen sollte.
Wir werden sie behüten am Mittag.
Wir werden sie bewachen bei Nacht.
Wir werden sie halten18 [Vso. x+65] bei Nacht, bei Tag (und) zu ⟨jeder⟩ Zeit.
Wir werden sie retten aus der Hand der Götter der Dekade, [d]⸢ie⸣ umkehren19 zu ihren Gefährten.
Wir werden sie bewahren vor jedem bösen Wanderdämon.
Wir werden sie bewahren vor [Vso. x+70] jeglichem schlimmen Anhalten20 des Sprechens.
Wir werden sie beschützen ⟨auf⟩ dem Schiff, am Uferdamm, bei jeder Art von Reise, die sie unternehmen sollte, (und) an jedem Ort ihrer Wahl.
⟨Wir⟩ werden für sie alles Glück [Vso. x+75] bereiten, jedwedes gute Schicksal (und) eine schöne Kindheit.

1 [jw=n (r) šdi̯=st m-ḏr,t]: Ergänzung nach den Parallelen in T1, Vso (= OAD, rt.) 53; T2, vs. 85; P3, rt. 87; B, rt. 53.
2 Ḫns.w-Pꜣ-jri̯-sḫr.w: C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band V. , Orientalia Lovaniensia Analecta 114 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 763: „Chons, der die Pläne macht“. Die Spannbreite der Bedeutung von sḫr (Wb 4, 258.12–260.4) insbesondere in Verbindung mit dem Verb jri̯ (Wb 4, 260.5–16) lässt eine Vielzahl von Nuancen in der Übersetzung des Götternamens zu, wie beispielsweise „Pläneschmieder“, „Fürsorger“ oder „Machtvoller“, vgl. die Übersicht von Übersetzungsvorschlägen bei O. Witthuhn et al., Die Bentresch-Stele: ein Quellen- und Lesebuch. Forschungsgeschichte und Perspektiven eines ptolemäerzeitlichen Denkmals aus Theben (Ägypten), Göttinger Miszellen. Occasional Studies 2 (Göttingen 2015), 50 mit Anm. 137. Der Gott kommt auch in den Oracular Amuletic Decrees vor (z.B. L1, Vso. x+1) und wird dort „Contriver“ (Edwards 1960a, 1, n. 1) oder „Schicksalsbestimmer“ (Fischer-Elfert 2018, 108) übersetzt. In Rechtskontexten bedeutet jri̯ sḫr.w „rechtskräftig Kontrolle bzw. Autorität ausüben“ (R. K. Ritner, The Chicago Demotic Dictionary project: a status report, in: S. P. Vleeming (Hrsg.), Aspects of Demotic lexicography. Acts of the Second International Conference for Demotic Studies, Leiden, 19-21 September 1984, Studia Demotica 1 (Leuven 1987), 145148, hier: 352), was sich in Demotischer Rechtsterminologie mit ı͗r sḫy „to have control/legal power over“ (CDD S (15. Nov. 2013): 13.1) fortsetzt und im Koptischen ⲉⲣϣⲓϣⲓ „have power, authority“ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 59b; J. Černý, Coptic Etymological dictionary (Cambridge 1976), 38; W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 47) erhalten hat. Die bedrohliche Kraft dieses Gottes lässt sich womöglich mit einer Fähigkeit, Krankheiten bzw. Krankheitsverursacher oder -auslöser zu kontrollieren, in Verbindung setzen. Daher würde eine Übersetzung wie „Der Wirkmächtige/Machtvolle“ insbesondere im Kontext der Oracular Amuletic Decrees gut passen; vgl. zum Wesen und Namen des Gottes zusammenfassend O. Witthuhn et al., Die Bentresch-Stele: ein Quellen- und Lesebuch. Forschungsgeschichte und Perspektiven eines ptolemäerzeitlichen Denkmals aus Theben (Ägypten), Göttinger Miszellen. Occasional Studies 2 (Göttingen 2015), 74–76.
3 Zur religionsgeschichtlichen Einordnung von schicksalsbestimmenden Büchern im Alten Ägypten, s. H. Brunner, Buchführung über Leben und Tod, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 115, 1988, 14–19.
4 sbḥ: Die Bezeichnung der Krankheit sbḥ findet eine Fortsetzung in demot. sbḥ (W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 422; CDD S (13:1), 128) sowie kopt. ⲥⲱⲃϩ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 324b; J. Černý, Coptic Etymological dictionary (Cambridge 1976), 148; W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 185). Černý (Some Coptic etymologies, in: O. Firchow (Hrsg.), Ägyptologische Studien, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichung 29 (Berlin 1955), 3037, 32–33) identifizierte den Begriff aufgrund der Äquivalenz der koptischen Belege mit griech. λέπρα als Bezeichnung der Krankheit Lepra, was allgemein akzeptiert ist, s. W. Westendorf, Die Lepra im pharaonischen Ägypten, in: C. Habrich – J. C. Wilmanns – J. H. Wolf (Hrsg.), Aussatz, Lepra, Hansen-Krankheit. Ein Menschheitsproblem im Wandel 2, Kataloge des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt 4 (Ingolstadt 19821986), 3537, hier: 35–36; H.-W. Fischer-Elfert, Abseits von Ma'at. Fallstudien zu Außenseitern im Alten Ägypten, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 1 (Würzburg 2005), 83–90; Grams 2017, 70–71. Bardinet (Remarques sur les maladies de la peau, la lèpre, et le châtiment divin dans l’Égypte ancienne, in: Revue d’égyptologie 39, 1988, 3–36, hier: 25–36) ist anderer Ansicht und kommt nach Durchsicht der Belege zu dem Schluss, dass es sich bei dem Begriff eher um eine allgemeine Bezeichnung für durch Götter induzierte Krankheiten mit entstellenden Symptomen handeln dürfte.
5 kꜣmn: Zu dem seit dem Alten Reich belegten Begriffen šp „blind sein, blenden“ (Wb 4, 443.1–11) und šp.t „Blindheit“ (Wb 4, 443.12–13, H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 844–845) tritt ab dem Neuen Reich das Wort kꜣmn, das in erster Linie als Verbum, sowohl intransitiv aber auch transitiv mit der Bedeutung „blenden“ sowie als Substantiv zur Bezeichnung einer blinden Person belegt ist. Vor allem in den Oracular Amuletic Decrees wird der Begriff ebenfalls substantivisch als Bezeichnung einer Krankheit bzw. einer Bedrohung verstanden. Nach Manniche (Symbolic blindness, in: Chronique d’Égypte 53 (105), 1978, 13–21, hier: 14–17) wird durch kꜣmn (L. H. Lesko (Hrsg.), A Dictionary of Late Egyptian IV (Berkeley/Providence 1989), 34: „blindness“) eine irreversible Verletzung bzw. eine Verstümmelung des Auges ausgedrückt, wohingegen der Verlust bzw. eine Verminderung der Sehkraft mit dem Begriff šp(.t) bezeichnet wird. Aus der Tatsache, dass in den OAD, die in ihren Aussagen immer zukunftsgerichtet sind, regelmäßig kꜣmn aber šp nicht ein einziges Mal belegt ist, folgert Fischer-Elfert (pers. Mitteilung 16.10.19), dass šp.t derjenige Begriff sein muss, der eine angeborene Blindheit bezeichnen kann. Zudem weist er darauf hin (H.-W. Fischer-Elfert, Magika hieratika in Berlin, Hannover, Heidelberg und München, Ägyptische und Orientalische Papyri und Handschriften des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin 2 (Berlin 2015), 90), dass die Verbindung von kꜣmn und sbḥ (J. Černý, Coptic Etymological dictionary (Cambridge 1976), 148; D. Meeks, Année Lexicographique, 3 Bände (Paris 1980–1982), 77.3506; L. H. Lesko (Hrsg.), A Dictionary of Late Egyptian III (Berkeley/Providence 1987), 33), die in den Oracular Amuletic Decrees belegt ist, nahelegt, in kꜣmn eine Folgeerscheinung der Lepraerkrankung zu sehen, vgl. hierzu auch Grams 2017, 71. Eine Übersicht zur Konzeption von Blindheit im Alten Ägypten bietet Grässler (Konzepte des Auges im alten Ägypten, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 20 (Hamburg 2017), 261–277), deren Untersuchung die von Manniche vorgeschlagene Differenzierung der Begriffe bestätigt (ebd., 262).
6 jri̯(.t) wḏꜣ.t: Der Begriff ist uneindeutig. Edwards (1960a, 2, n. 9) emendiert hier jri̯ zu jr.t „Auge“ und liest „Udjat-eye (?)“ mit Hinweis auf Belege, die an der Stelle jr.t mw.t „Auge eines Toten“ schreiben (L 2, OAD, vso. 50, 76–77; P 4, 23; s. auch pBerlin P 3059, 31–32: H.-W. Fischer-Elfert, Magika hieratika in Berlin, Hannover, Heidelberg und München, Ägyptische und Orientalische Papyri und Handschriften des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin 2 (Berlin 2015), 90), wobei 10 weitere Belege ähnliche Schreibungen aufweisen, wie diese in unserem Papyrus, s. eine Zusammenstellung der Belege bei Grams 2017, 82–83. Edwards vermutet, dass zwei Versionen sich vermischt haben könnten, da ihm der Infinitiv jri̯ in Verbindung mit dem Udjat-Auge keinen Sinn zu geben scheint. Fischer-Elfert (2018, 108) nimmt den Infinitiv ernst und liest wörtlich „Wirken des Udjatauges“, dem hier gefolgt wird. Er setzt dies in Verbindung mit dem „Bösen Blick“. Auch sieht er in der Bezeichnung des Auges jr.t ein Derivat der Wurzel jri̯ „machen, tun, handeln“, s. H.-W. Fischer-Elfert, Lesefunde im literarischen Steinbruch von Deir el-Medineh, Kleine ägyptische Texte 12 (Wiesbaden 1997), 138, Anm. 70. Dass es sich um ein schädliches Wirken handelt, ist erkennbar an der Klassifikation des Begriffs mit dem Sterbenden in Abkürzung (Z6). Ähnlich interpretiert Grams (ebd.) diese Stelle, wobei sie das „Wirken des Udjatauges“ auf die göttliche Sphäre beschränkt im Vergleich zu anderen Ausdrücken, die das Phänomen beim Menschen bezeichnen (jr.t bjn.t). Eine vergleichbare Verwendung liegt in einem magischen Spruch gegen Schlangen vor (pTurin Cat 1993, Vso. 4.12), s. J. F. Borghouts, The ram as a protector and prophesier, in: Revue d’égyptologie 32, 1980, 33–46, hier: 35, mit n. 15. Allgemein zur Bedrohung durch und zum Schutz vor dem „Bösen Blick“ von Menschen oder Göttern, s. J. F. Borghouts, The Evil Eye of Apopis, in: Journal of Egyptian Archaeology 59, 1973, 114–150, bes. 142–148; N. Grässler, Konzepte des Auges im alten Ägypten, Studien zur Altägyptischen Kultur. Beihefte 20 (Hamburg 2017), 317–325.
7 pꜣ 7 sbꜣ n(.j) pꜣ msḫ.tjw: Nach Leitz (Tagewählerei. Das Buch ḥꜣt nḥḥ pḥ.wy ḏt und verwandte Texte, Ägyptologische Abhandlungen 55 (Wiesbaden 1994), 244–246) sind die sieben Sterne des Großen Wagens mit den ḫꜣtyw-Dämonen zu verbinden, die als Helfer des Sonnengottes gegen Apophis die Macht zu strafen und zu töten haben. Hieraus entwickelt sich wohl eine Ambivalenz ihres Wesens, das sowohl als positiv aber auch als gefährlich eingestuft werden kann. So werden die ḫꜣtyw u.a. als Bringer von Krankheiten angesehen und auch in den OAD sind sie als Bedrohung genannt (z.B. in: L1 Vso. x+48/OAD rt. 48). Das Sternbild des Großen Wagens wird von Leitz (Tagewählerei. Das Buch ḥꜣt nḥḥ pḥ.wy ḏt und verwandte Texte, Ägyptologische Abhandlungen 55 (Wiesbaden 1994), 246) so erklärt, dass sich die sieben Sterne (oder die ḫꜣtyw) als Schutzgötter um den dunkel gedachten Rinderschenkel, der mit Seth verbunden wird, aufgestellt haben, um ihn zu bewachen. Diese Vorstellung ist im spätptolemäischen Papyrus Jumilhac (XVII, 10–2) formuliert, s. Leitz (Tagewählerei. Das Buch ḥꜣt nḥḥ pḥ.wy ḏt und verwandte Texte, Ägyptologische Abhandlungen 55 (Wiesbaden 1994), 251).
8 ꜣ~rʾ~rʾ: Das Wort ꜣrr ist bisher nur in den Oracular Amuletic Decrees belegt (L1, Vso. 25/OAD rt. 25). Edwards (1960a, 3, n. 16) schlägt als Übersetzung „frustration“ vor, mit Verweis auf kopt. ⲁⲗⲱⲗ „be impatient, desire eagerly“ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 6a) bzw. „ungeduldig, unwillig sein, erstreben“ (W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch (Heidelberg 1965–1977), 4).
9 md.t nb 2nw: Vgl. Edwards 1960a, 3: „every (kind of) mean word“, was inhaltlich problematisch ist, weil die Bösartigkeit der Rede nicht explizit ausgedrückt ist. Fischer-Elfert (2018, 109) hingegen schlägt „jegliche zweitrangige Rede“ vor, was thematisch eben so viel Sinn ergibt und inhaltlich nah am Original bleibt.
10 md,t pwjꜣṯ(.t): „spottende Rede“, vgl. H.-W. Fischer-Elfert, Magika hieratika in Berlin, Hannover, Heidelberg und München, Ägyptische und Orientalische Papyri und Handschriften des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin 2 (Berlin 2015), 91.
11 ꜥš-sḥn: Der Begriff als solcher ist neutral, denn er wird in den OAD sowohl mit positiven als auch mit negativen Adjektiven kombiniert. Jasnow (A note on ꜥš-sḥn, in: Göttinger Miszellen 92, 1986, 6567) schlägt „matter, affair, commission“ vor. Fischer-Elfert (Zwei Notizen zu den Oracular Amuletic Decrees, in: Göttinger Miszellen 169, 1999, 111–112, hier: 112; Magika hieratika in Berlin, Hannover, Heidelberg und München, Ägyptische und Orientalische Papyri und Handschriften des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin 2 (Berlin 2015), 91) weist auf eine Parallele im pBerlin 3059 hin, in der anstelle von ꜥš-sḥn der Begriff md.t „Wort, Rede, Angelegenheit“ (Wb 2, 181.7–182.2) benutzt wird, was in die gleiche Richtung geht. Miriam Lichtheim (Ancient Egyptian literature. A book of readings. Volume III: The Late Period (Los Angeles 1980), 182, n. 52) geht etwas weiter und versteht den Begriff eher als „fortune“, was für die demotischen Belege allgemein akzeptiert ist, vgl. CDD (03.1), 135–136. Diese Nuance passt auch in den OAD ausgezeichnet in den Kontext.
12 kꜣ~ṯꜣ~mw: Der Eintrag im Wörterbuch (Wb 5, 148.11) basiert auf einer Belegstelle in der Siegesinschrift Ramses’ III. aus dem Jahr 11 (Medinet Habu, 82,16; K. A. Kitchen, Ramesside Inscriptions. Historical and Biographical. V (Oxford 1983), 60.11), wo der Begriff mit dem Mann mit der Hand am Mund (A2) klassifiziert ist und in der Bedeutung „Entscheidung“ verwendet wird, s. D. B. Redford, The Medinet Habu records of the foreign wars of Ramesses III, Culture and History of the Ancient Near East 91 (Leiden/Boston 2018), 51: „… their evil intentions rebounded upon themselves, (for) their descisions transgressed [the will] of god!“.
Weitere Belege finden sich in den Oracular Amuletic Decrees (OAD), wo der Begriff insgesamt sieben Mal bezeugt ist (L1: Vso. x+29/OAD, rt. 29; L2: 82; L5: OAD, vs. 17–18; L7: 12; T1: Vso. 93/OAD, rt. 93; T2: OAD, vs. 90–91; pIfao H40 A, x+2). Die Orthographie variiert, doch in jedem Fall ist das Wort mit dem Auge (D6) klassifiziert. Fischer-Elfert (2018, 109) übersetzt „angestarrt werden“, dem Grams (2017, 93) folgt; Edwards (1960a, 3–4 [21]; 54 [46]; 71 [49]) bleibt mit „glance“ etwas neutraler. Beide Vorschläge beziehen sich darauf, dass das Wort mit dem Auge D6 klassifiziert ist. Hoch (Semitic words in Egyptian texts of the New Kingdom and Third Intermediate Period (Princeton 1994), 339–340 [503]) zieht sehr überzeugend eine Verbindung zur semitischen Wurzel qsm „divination, oracle, decision“, was inhaltlich gut zu den Belegen in den OAD passt. Der Klassifikator spricht für ein Sichtomen.
13 ꜥḏn: Die Beleglage für dieses Wort ist übersichtlich. Der Begriff ist insgesamt drei Mal in den Oracular Amuletic Decrees belegt (L1, Vso. 30/OAD rt. 30; L6, vs. 30; T2, rt. 104), wobei L1 und L6 das Wort mit der Papyrusmatte Aa8 schreiben, so dass Edwards (1960a, 4 [22], 42 [21]) qnj liest und diese Belege nicht zusammen betrachtet; zur Lesung ꜥḏn, s. J. F. Quack, Zur Lesung von Gardiner Sign-List Aa 8, in: Lingua Aegyptia 7, 2000, 219224. Der Beleg in T2 gibt in einer Parallele zu L1 den Lautbestand in Einkonsonantenzeichen wieder, was die Quack’sche Lesung bestätigt, vgl. J. F. Quack, Beiträge zur koptischen Etymologie, in: G. Takács (Hrsg.), Egyptian and Semito-Hamitic (Afro-Asiatic) studies in memoriam W. Vycichl, Studies in Semitic Languages and Linguistics 39 (Leiden 2004), 116–133, hier: 118–119. Des Weiteren ist mit ꜥḏn und ꜥḏn.t ein krankheitsverursachendes Dämonenpaar im pEbers (Eb 48) erwähnt. Edwards (1960a, 66 [61]) übersetzt mit Verweis auf die Stelle im pEbers ꜥḏnw als „demon of sickness (??)“. Die Klassifikation mit der Nase (D20) erscheint hier befremdlich, insbesondere, wenn man an einen Krankheits-Dämon denkt. Vermutlich ist dies mit der lautlichen Ähnlichkeit zu ꜥḏ „riechen, hören, sehen“ (Wb 1, 238.14; P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 188) zu verbinden, wenn nicht eine Vorstellung von krankheitsverursachenden Erregern, die durch Augen, Nase, Ohren oder Mund in den Menschen eindringen, dahinter stehen mag. In den beiden anderen Belegen ist das Wort mit der schlechten Pustel (Aa2) bzw. mit dem schlechten Vogel (G37) klassifiziert, was nicht auf einen Krankheitsverursacher, sondern eher auf eine Deformation oder Schädigung durch einen solchen hinweist. Dies scheint mir auch für die Parallele in T2 am plausibelsten, wobei man dann aufgrund des Klassifikators D20 von einer Schädigung im Gesichtsbereich ausgehen dürfte.
Im Demotischen ist ꜥḏn als Verb „zerstören, verdorren“ (CDD ꜥ (03.1), 163) bekannt, was sich im Koptischen ⲱϫⲛ „aufhören, zerstören“ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 539a;J. Černý, Coptic Etymological dictionary (Cambridge 1976), 233; W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch (Heidelberg 1965–1977), 556; W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 252b) fortsetzt. Im Papyrus Insinger (34/17) ist zudem ein ꜥḏn „Zerstörer“ (vgl. M. Lichtheim, Ancient Egyptian literature. A book of readings. Volume III: The Late Period (Los Angeles 1980), 212) belegt, im Koptischen findet sich mit ⲁϭⲛⲓ „Makel, Fleck“ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 26b; J. Černý, Coptic Etymological dictionary (Cambridge 1976), 19; W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 23a) womöglich noch ein Nachklang von demotischem ꜥḏn(.t) „Narbe“ (W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 75), das Spiegelberg in einer Personenbeschreibung in einem Papyrus aus der Sammlung Amherst identifizierte (Demotische Miscellen, in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 25, 1903, 6–15, hier: 12). Devaud allerdings (Notes de lexicologie copte, in: Le Muséon 36, 1923, 8399, hier: 89) bezweifelt, dass ⲁϭⲛⲓ auf ꜥḏn zurückgeht, doch wird die Zuweisung von Quack (Beiträge zur koptischen Etymologie, in: G. Takács (Hrsg.), Egyptian and Semito-Hamitic (Afro-Asiatic) studies in memoriam W. Vycichl, Studies in Semitic Languages and Linguistics 39 (Leiden 2004), 116-133, hier: 118–119) wieder aufgenommen und bestätigt.
14 bꜣw: Zur Konzeption des Begriffs bꜣw s. J. F. Borghouts, Divine intervention in ancient Egypt and its manifestation (bꜣw), in: R. J. Demarée – J. J. Janssen (Hrsg.), Gleanings from Deir el-Medîna, Egyptologische Uitgaven 1 (Leiden 1982), 1–70; H. Roeder, Das „Erzählen der Ba-u“. Der Ba-u-Diskurs und das altägyptische Erzählen zwischen Ritual und Literatur im Mittleren Reich, in: B. Dücker – H. Roeder (Hrsg.), Text und Ritual. Kulturwissenschaftliche Essays und Analysen von Sesostris bis Dada, Hermeia. Grenzüberschreitende Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft 8 (Heidelberg 2005), 187–242, hier: 189–220; N. Baum, Les baou et leur action sur terre, in: C. Gallois – P. Grandet – L. Pantalacci (Hrsg.), Mélanges offerts à François Neveu. Par ses amis, élèves et collègues à l’occasion de son soixante-quinzième anniversaire, Bibliothèque d’étude 145 (Le Caire 2008), 9–31; H. Roeder, Die Erfahrung von Ba’u. „Sinuhe“ und „Schiffbrüchiger“ zwischen dem Erzählen und Lehren der 12. Dynastie, in: H. Roeder (Hrsg.), Das Erzählen in frühen Hochkulturen. I. Der Fall Ägypten, Ägyptologie und Kulturwissenschaft 1 (München 2009), 75–157, hier: 81–90.
15 ḥmḥm: Das Wort kommt insgesamt vier Mal in den OAD vor und ist bis auf eine Ausnahme immer mit den zurücklaufenden Beinen (D55) klassifiziert (L1: Vso. x+37/OAD, rt. 37; L2: OAD, rt. 81; L4: OAD, 19; T2: OAD, rt. 16). Der Beleg in T2 weist als Klassifikator den schlagenden Mann (A24) und die gekreuzten Stäbe (Z9) auf. Das Wort ist außerhalb der OAD nicht sehr häufig belegt. Edwards (1960a; 4 [29]) verweist auf einen Beleg auf einem Ostrakon (oBN Paris 2424) mit einem Auszug der Satirischen Schreitschrift pAnastasi I. Dort ist das Wort mit dem schlagenden Mann (A24) klassifiziert und wird mit „nachgeben, zurückweichen“ übersetzt. Edwards (ebd.) schlägt daher unter Vorbehalt „auf der Flucht“ vor. Fischer-Elfert (2018, 109) denkt eher an einen Überraschungsmoment und übersetzt „par surprise (?)“. Quack (Dämonen und andere höhere Wesen in der Magie als Feinde und Helfer, in: A. Jördens (Hrsg.), Ägyptische Magie und ihre Umwelt, Philippika 80 (Wiesbaden 2015), 101–118, hier: 109) bezieht die Angabe auf die Aktion der Götter und übersetzt „hinterrücks“. Ein weiterer Beleg außerhalb der OAD findet sich bei Parker (R. A. Parker – J. Leclant – J. C. Goyon, The edifice of Taharqa by the sacred lake of Karnak, Brown Egyptological Studies 8 (Providence 1979), 57, Taf. 39), der auf ḥmi̯ „weichen, zurücktreiben“ (Wb 3, 79.9–10) verweist und mit „auf etwas zurückkommen“ übersetzt. Generell ist bei einem reduplizierten Verbalstamm von einer Intensivierung der durch das Verb ausgedrückten Handlung auszugehen, vgl. J. P. Allen, The ancient Egyptian language. An historical study (Cambridge 2013), 100) und in den beiden Belegen außerhalb der OAD steht inhaltlich die Zurückbewegung mehr im Vordergrund als der Aspekt des Weglaufens bzw. des Fliehens. Dies passt ebenfalls zu den Belegen in den OAD und wird durch die Verwendung der zurückgehenden Beine (D55) unterstrichen. Insofern kann man davon ausgehen, dass die Menschen geschnappt werden, während sie sich „intensiv zurückziehen“, d.h. vermutlich schnell zurückweichen bzw. davonlaufen, eben auf der Flucht sind.
16 kf~ꜥ: Das Wort ist insgesamt sechs Mal in unterschiedlicher Orthographie in den OAD belegt (L1: Vso. x+38–39/OAD, rt. 38–39; L2: OAD, rt. 79–80; L4: OAD, 19; T1: Vso. 86/OAD, rt. 86; T2: OAD, rt. 17; P2, OAD, rt. 22). Edwards (1960a, 4–5 [30]) diskutiert drei Möglichkeiten der Lesung und entscheidet sich dafür, den Begriff als Derivat der Wurzel kfꜥ „erbeuten“ (Wb 5, 121.2–9) aufzufassen. Er übersetzt daher mit „by capture“. Quack (Dämonen und andere höhere Wesen in der Magie als Feinde und Helfer, in: A. Jördens (Hrsg.), Ägyptische Magie und ihre Umwelt, Philippika 80 (Wiesbaden 2015), 101118, hier: 109) folgt dem und übersetzt „in Requisition“. Fischer-Elfert (2018, 109) vermutet einen Zusammenhang mit kfi̯ „öffnen“ (Wb 5, 121.1) und übersetzt „in aller Öffentlichkeit (?)“. Die Orthographie des Wortes in den OAD ist gut mit einer Reihe von Belegen für kfꜥ aus anderen Texten zu verbinden (vgl. L. H. Lesko (Hrsg.), A Dictionary of Late Egyptian IV (Berkeley/Providence 1989), 39–40), so dass der Vorschlag von Edwards bestätigt wird.
17 hrp n(.j) ḥꜣ.t(j): Das Versinken des Herzens könnte eventuell mit einer Stelle im Papyrus Ebers (Eb 855o) in Verbindung gebracht werden, wo allerdings das jb-Herz aufgrund von Bitterkeit (dḥr.t) einsinkt (hrp), vgl. Fischer-Elfert 2018, 164.
18 mḥ.ṱ n-jm =st: Trotz der Klassifikation mit dem schlagenden Mann (A24) bei mḥ ist an dieser Stelle sicherlich nicht von einem gewaltvollen „Packen“ auszugehen, sondern ein mindestens neutrales (Fest)halten vorzuziehen.
19 ꜥny.t: Zur Verwendung des Verbs ꜥnn „(sich/etwas) umwenden, zuwenden“ (Wb 1, 188.13–189.7) als Bezeichnung für den Untergang der Dekansterne, s. Edwards 1960a, 7–8 [54].
20 ḥdb nb bjn n(.j) sḏd.jw: Vgl. das Verb ḥdb „niederwerfen, daliegen, anhalten“ (Wb 3, 205.8–17). Medizinisch ist ḥdb nur in Verbindung mit Harn bezeugt und wird dort als „Verhaltung“ (ein krankheitsbedingtes Nichtausscheiden des Harns) aufgefasst, s. H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 641. In den OAD begegnet das Verbum insgesamt drei Mal (L1, Vso. x+69–70/OAD, rt. 69–70; L5, OAD, vs. 52–53; T1, Rto. 54–55/OAD, vs. 54–55). Die beiden Belege in L5 und T1 beziehen sich auf eine Störung des Auges, die ebenfalls – wie auch das Sprechen in T1 – gut mit einem Anhalten im Sinne einer Funktionsstörung in Einklang zu bringen sind. Edwards (1960a, 8 [56]) erscheint das nicht ausreichend, vor allem, weil das Wort in L5 und T1 mit dem schlagenden Mann (A24) klassifiziert ist, weshalb er „confusion, upset“ vorschlägt. Fischer-Elfert (Anmerkung vom 20.08.2019) verweist auf Parallelen in der altorientalischen Medizin. Möglicherweise ist hier ein ähnliches Phänomen anzunehmen, wie es in einem neuassyrischen Rezept zur Lösung von Schadenszauber (VAT 13776, Vso. 16) belegt ist, und das von Schwemer (Rituale und Beschwörungen gegen Schadenzauber, Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts 2. Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 117 (Wiesbaden 2007), 114) mit „Mundlähmung“ übersetzt wurde. Er beschreibt dies folgendermaßen: „Eine bestimmte Form der Behexung, die sich nicht nur als Aphasie im engeren Sinne, sondern auch in der Unfähigkeit, seine Interessen etwa bei Hofe oder vor Gericht eloquent durchzusetzen, manifestierte.“ (D. Schwemer, Therapien gegen von Geistern oder von Hexerei verursachte Leiden; in: B. Janowski – D. Schwemer (Hrsg.) Texte zur Heilkunde, Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Neue Folge 5 (Gütersloh 2010), 123–135, hier: 130).

Recto

[... ... ...] [Rto. x+1] [Wir werden ihre beiden Hände gesund erhalten]1 (und) [de]ren 10 Finger.
Wir werden ihre beiden (Körper)seiten gesund erhalten.
Wir werden ihren Bauch gesund erhalten.
Wir werden ihren Nabel2 gesund erhalten.
[Rto. x+5] Wir werden ihr Rektum gesund erhalten.
Wir werden ihren Rumpf/ihre Bauchhöhle (wörtl. Kasten) bis zu seiner Flanke gesund erhalten.
Wir werden ihre beiden Oberschenkel und ihre beiden Unterschenkel gesund erhalten.
Wir werden die [Rto. x+10] 10 Zehen (wörtl. Finger) ihrer beiden Füße gesund erhalten.
Wir werden ihren Leib, all ihre Glieder von ihrem Kopf bis zu ihrer Fußsohle gesund erhalten.
– 2Q leer –3 Month-Re-Harachte, der Herr von Theben, [Rto. x+15] der inmitten des Südlichen Heliopolis ist.
– 1/2Q leer –3 Junit, die inmitten des Südlichen Heliopolis ist, die erhabenen Götter, die Ältesten, die zuerst entstanden sind.
Wir werden schützen Buiruharchons [Rto. x+20], deren Mutter Djedchons (ist), unsere Dienerin, unser Mündel.
Wir werden sie schützen vor einem wr.yt-Geist4 eines Kanals, vor einem wr.yt-Geist4 eines Brunnens, vor einem wr.yt-Geist4 eines Flusses, vor einem wr.yt-Geist4 eines [Rto. x+25] Teichs, vor einem wr.yt-Geist4 eines Tümpels vor einem wr.yt-Männergeist4, vor einem wr.yt- Frauengeist4, vor dem wr.yt-Geist4 ihres Vaters (und dem) ihrer Mutter, vor einem wr.yt-Geist ihrer Familie ihres Vaters [Rto. x+30] (und einem) ihrer Familie ihrer Mutter.
Wir werden sie (= die wr.yt-Geister) beruhigen für sie.
Wir werden ihr Schutz geben vor ihnen (= den wr.yt-Geistern) während ihrer5 gesamten Lebensdauer.
Wir werden sie beschützen vor (Schadens)zauber eines Syrers, [Rto. x+35] vor (Schadens)zauber eines Nubiers6, vor (Schadens)zauber eines pw~wꜣ~dj-Libyers7, vor (Schadens)zauber eines Menschen aus Ägypten, vor (Schadens)zauber eines Zauberers (und) einer Zauberin, vor jeglichem (Schadens)zauber [Rto. x+40] aller Art.
Wir werden sie bewahren vor Schorf/Ausschlag (?)8, vor Hautflechte9, vor tnmm.t-Schorf10, vor der ḥmk.t-Krankheit, vor der ṯrrw-Krankheit11 (und) vor pšj-Ausschlag.
Wir werden sie bewahren ⸢vor (?)⸣ jedem [Rto. x+45] Leid im Inneren der Gedärme (und) vor jeder Krankheit, die entsteht.
Wir werden Amun zu ihr bringen zu seiner Zeit.
Wir werden nicht zulassen, dass Menschen ihr entgegenstehen (wörtl. auf ihr stehen).
Wir werden Nechbet zu ihr bringen, wenn sie [Rto. x+50] besänftigt ist.
Es sprachen diejenigen, nämlich die erhabenen Götter, die Ältesten, die zuerst entstanden sind.
Was jedes gute Versprechen angeht, das man in diesem Orakel aufgeschrieben (wörtl. gemacht) hat, und ferner die, die man vergessen hat [Rto. x+55] zu notieren (wörtl. zu machen): sie entsprechen denjenigen (wörtl. sie sind ebenso wie), die (den Göttern) täglich vorliegen.12
Wir werden sie (die Versprechen) zum Guten der Buiruharchons, deren Mutter Djedchons (ist), unserer Dienerin, ausführen.
[Rto. x+60] Wir werden ⟨ihren⟩ Leib mit männlichen Kindern (und) Mädchen füllen.
Wir werden sie ausscheiden (= im Sinne von gebären?)13 lassen.
Wir werden veranlassen, dass sie (= die Kinder) ausgesandt werden und dass sie ihr Bericht erstatten.
Wir werden ihr [Rto. x+65] Haus anfüllen mit Rindvieh, mit Kleinvieh, mit Dienern (und) Dienerinnen, mit Gerste, mit Emmer, mit Kupfer(gerät ?) (und) mit Kleidung.

1 jw=n r snb ḏr,t=s 2: Ergänzung nach Edwards 1960a, 9, n. 1.
2 ẖpw: Edwards (1960a, 9, n. 4) übersetzt mit Verweis auf Ebbell (The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen/London 1937), 109, 117, 123) „pudenda“ (Schamgegend, Vulva), was abzulehnen ist, s. Dils, Wort-Kommentar (WCN 122880).
3 In der Leerstelle ist ḏd „es spricht“ zu ergänzen. Die Orakelamulette wurden zunächst mit der Leerstelle produziert, ḏd wurde erst bei Ausführung des Orakels nachgetragen. Dies ist in manchen Fällen durch den Tintenfluss zu erkennen. Die Tatsache, dass in diesem Papyrus diese „Validierung“ ausblieb, deutet darauf hin, dass das Amulett niemals als solches verwendet wurde. Dazu passt, dass für die Besitzerin ein zweiter „validierter“ Amulettpapyrus (T2 = P. Turin 1984) erhalten ist, s. Edwards 1960a, xvii.
4 wr.yt-Geist: Es handelt sich um eine allgemeine Bezeichnung von bösen Geistern, die unterschiedlichsten Plätzen aber auch Menschen einwohnen können. Sie können auch verstorbene Verwandte repräsentieren. Oft, aber nicht ausschließlich, finden sie sich in einer mit Wasser verbundenen Umgebung. Obschon der Begriff grammatisch ein Femininum darstellt, ist ein wr.yt-Geist offenbar nicht auf ein Geschlecht festgelegt. Ein maskulines Pendant ist nur in einem Text (T2 = pTurin 1984, rt., 62, 119) belegt. Die Oracular Amuletic Decrees sind die wichtigste Quelle für den Begriff, der außerhalb dieser Texte nur selten belegt ist, s. Lucarelli 2009, 234–235; Edwards 1960a, xxii.
5 m-ḏr.t=w: Unterhalb der Gruppe ist der Papyrus etwas verschmiert. Eventuell hat der Schreiber dort einen Fehler ausgewischt und überschrieben.
6 ḥkꜣ.w n(.j) nḥs: Allgemein zu Nubien in magischen Texten, s. Y. Koenig, La Nubie dans les textes magiques, in: Revue d’égyptologie 38, 1987, 105110.
7 pwꜣdj: Bezeichnung für einen Libyer bzw. einen libyschen Stamm, der auf einer Statue Osorkons II. (Philadelphia E 16199 u. Cairo JE 37489) als gefährlich beschrieben ist (Ritner 2009, 286 [16]) und der in der späteren ägyptischen Geschichte die Rolle der mšwš übernahm, s. K. Zibelius, Afrikanische Orts- und Völkernamen in hieroglyphischen und hieratischen Texten, Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. Reihe B (Geisteswissenschaften) 1 (Wiesbaden 1972), 113–114. Zur Lesung und Identifizierung, s. E. Graefe, Der libysche Stammesname p(j)d(j)/pjt im spätzeitlichen Onomastikon, in: Enchoria 5, 1975, 13–17; vgl. ferner: Edwards 1960a, 10, n. 23; G. Posener, La première domination perse en Égypte. Recueil d’inscriptions hiéroglyphiques, Bibliothèque d’étude 11 (Le Caire 1936), 186–187.
8 mꜥ~ššw.t: Der Begriff mššw.t (Varianten: mš.t, bš.t, mšꜣ.t, ) ist mehrfach in den Oracular Amuletic Decrees zumeist in Verbindung mit mšpn.t belegt (L1, Rto. x+41/OAD, vso. 41; L3, B 28–29; L6, Vso. 27; T1, Vso. 28/OAD, rt. 28; T2, Rto. 106–107; T3, Rto. 28; B, Rto. 72; C1, 30). Darüber hinaus finden sich nur drei weitere Belege: in einer Zusammenstellung von Heilmitteln gegen Hautkrankheiten im Papyrus Hearst (H 167; Wb 2, 158.6; H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 399) und im Papyrus Louvre E 32847 (Rto. x+12,5: T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 94), die eine direkte Parallele zu derjenigen im Papyrus Hearst darstellt, sowie im Buch des Tempels in der Dienstanweisung für den Skorpionsbeschwörer (J. F. Quack, Tabuisierte und ausgegrenzte Kranke nach dem „Buch vom Tempel“, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.) Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15.-16.3.2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 6380, hier: 68–70, 78–80). Auch in diesen Belegen gibt es eine Verbindung zu mšpn.t. Im Papyrus Hearst ebenso wie im Papyrus Louvre E 32847 ist das Wort mit der Haarlocke (D3) klassifiziert und wird durch wrḥ „salben“ behandelt, woraus geschlossen werden kann, dass die Krankheit äußerlich am Kopf auftritt. In den OAD ist das Wort generell mit der schlechten Pustel (Aa2) klassifiziert. Edwards (1960a, 10 [25], 24 [16], 42 [16], 58 [27], 74 [16], 96, [20], 115 [60]) legt sich nicht auf eine spezifische Bedeutung fest, doch ist durch den Kontext klar, dass es sich um eine Krankheit handeln muss. Mit Verweis auf die Belege in den OAD wird mšt im „Vocabulaire absent du Wörterbuch“ aufgenommen (G. Andreu – S. Cauville, Vocabulaire absent du Wörterbuch (I), in: Revue d’égyptologie 29, 1977, 5–13, 9). Fischer-Elfert schlägt „Räude, Grind (am Kopf mit Haarausfall)“ vor, dem Grams (2017, 69) folgt. Meeks (Année Lexicographique, 3 Bände (Paris 1980–1982), 77.1896) vermutet „gale, pelade (?)“, also „Krätze, Alopezie (eine bestimmte Form von Haarausfall)“. Bardinet (Remarques sur les maladies de la peau, la lèpre, et le châtiment divin dans l’Égypte ancienne, in: Revue d’égyptologie 39, 1988, 3–36, hier: 23) geht zunächst in die gleiche Richtung, wobei er eine Verbindung zu ptol. mšt „tondre (= scheren)“ (Sauneron, Esna V, 345) zieht. Später hingegen (T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 95) ist er der Ansicht, dass es sich bei dem Begriff um eine pathogene Substanz handele.
9 mꜥ~šꜣ~pnw.t: Die Krankheitsbezeichnung mšpn.t „Hautflechte“ (Wb 2, 157.6; H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 398; W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 322–323) ist in allen ihren Belegstellen zusammen mit der mš(š).t-Krankheit genannt. Als Hauptquelle sind die Oracular Amuletic Decrees (OAD) mit insgesamt sechs Belegstellen zu nennen (L1, Rto. x+41–42/OAD, vs. 41–42; L6, Vso. 27; T1, Vso. 28/OAD, rt. 28; T2, Rto. 106; T3, Rto. 28–29; B, Rto. 70–71). Darüber hinaus findet die Bezeichnung ebenfalls im Papyrus Hearst (H 160), im Papyrus Louvre E 32847 (Rto. x+12.2; T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 94) und in der Dienstanweisung für Skorpionsbeschwörer im Buch vom Tempel (J. F. Quack, Tabuisierte und ausgegrenzte Kranke nach dem „Buch vom Tempel“, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.) Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15.-16.3.2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 6380, hier: 68–70, 78–80) Erwähnung. Die Bedeutung lässt sich aus Koptischem ⲙⲉϣⲡⲱⲛⲉ bzw. ⲙⲉϫⲡⲱⲛⲉ „Hautflechte“ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 213b: „ulcer, eruption“; W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 129) erschließen, wie bereits von Ebbell (Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo 2. Hist.-Filos. Klasse 1938 (3) (Oslo 1938), 65) und Till (Die Arzneikunde der Kopten (Berlin 1951), Q 7–9) angegeben wird. Die Identifizierung ergibt sich über die Parallelisierung des koptischen Wortes mit griech. λειχήν (H. G. Liddell – R. Scott, A Greek-English Lexicon. Revised and augmented throughout by Sir Henry Stuart Jones (Oxford 1940): „a tree-moss, lichen“). Černý (Coptic Etymological dictionary (Cambridge 1976), 101) bemerkt ferner, dass schon Loret im Jahr 1909 während des Unterrichts auf diese Verbindung hingewiesen habe. Auch für das Demotische findet sich mit mḫpny (Papyrus Wien D 6257, XV, 4–8: E. A. E. Reymond, From the contents of the libraries of the Suchos temples in the Fayyum I. A medical book from Crocodilopolis. P. Vindob. D. 6257, Mitteilungen aus der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (Papyrus Erzherzog Rainer). Neue Serie 10 (Wien 1976), 56 [2]; CDD M (10:1), 221) ein Beleg für diese Krankheit. Die Identifizierung mit einer Form der Hautflechte ist allgemein anerkannt, vgl. Edwards 1960a, 10–11 [26]; T. Bardinet, Remarques sur les maladies de la peau, la lèpre, et le châtiment divin dans l’Égypte ancienne, in: Revue d’égyptologie 39, 1988, 3–36, hier: 22 (vgl. aber T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 94: „substance-mšpnt“); J. F. Quack, Tabuisierte und ausgegrenzte Kranke nach dem „Buch vom Tempel“, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.) Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15.-16.3.2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 6380, 70; H.-W. Fischer-Elfert, Abseits von Ma'at. Fallstudien zu Außenseitern im Alten Ägypten, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 1 (Würzburg 2005), 34; Grams 2017, 69. Osing (Die Nominalbildung des Ägyptischen, Sonderschrift des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 3, (Mainz 1976), 206, 742–744 [899]) sieht in mšpn.t eine Ableitung vom äg. Stamm špn „wohlgenährt sein“ (E. Edel, Altägyptische Grammatik, Analecta Orientalia 34 und 39, 2 Bände (Rom 1955 und 1964), § 120) bzw. ẖpn „fett sein“ (Wb 3, 366.12–14; E. Edel, Altägyptische Grammatik, Analecta Orientalia 34 und 39, 2 Bände (Rom 1955 und 1964), §120) mit einer Grundbedeutung „ausgebaucht, aufgetrieben sein/werden“.
10 tnmm.t: Der Begriff ist bisher nur einmal belegt. Er findet in den Oracular Amuletic Decrees (OAD) Erwähnung im Kontext einer Aufzählung von schwerwiegenden Hautkrankheiten (L1, Rto. x+42/OAD, vs. 42; Grams 2017, 69–70; J. F. Quack, Tabuisierte und ausgegrenzte Kranke nach dem „Buch vom Tempel“, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.) Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15.-16.3.2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 6380, 78). Edwards (1960a, 11 [27]) vermutet, dass es sich bei dieser Bezeichnung um eine Schreibvariante der tmy.t-Krankheit (Wb 5, 306.9; H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962), 952–953; W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 382–386) handeln könnte, da diese im pHearst (XI, 10) ebenso wie in den OAD im Zusammenhang mit mšš.t und mšpn.t genannt ist. Bardinet (Remarques sur les maladies de la peau, la lèpre, et le châtiment divin dans l’Égypte ancienne, in: Revue d’égyptologie 39, 1988, 3–36, hier: 18, 23) folgt dem, wobei er tmy.t mit nsy.t in Verbindung bringt und daher als schwerwiegende, ansteckende Hautkrankheit interpretiert, was für den Kontext in den OAD gut passt. Fischer-Elfert (Abseits von Ma'at. Fallstudien zu Außenseitern im Alten Ägypten, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 1 (Würzburg 2005), 47, 50) verweist auf tnm jḥꜥ.t im Buch vom Tempel, das er mit kopt. ⲧⲱⲗⲙ/ⲧⲛⲟⲙ „dirt, impurity“ (W. E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1962), 410b) verbindet und mit „fleckig“ übersetzt. Ein Beleg im Edfu-Tempel (II, 672) scheint diese Verbindung zu bestätigen, denn hier wird von einem Stier vor der Schlachtung dnmm abgewaschen, s. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1146. Dort ist das Wort ebenso wie in den OAD mit der Pustel (Aa2) klassifiziert. Da es im Rahmen einer Aufzählung von schwerwiegenden, unheilbaren Hautkrankheiten vorkommt, kann man nicht davon ausgehen, dass es sich um abwaschbaren Schmutz handeln dürfte, sondern um eine Form der Hautveränderung, die entweder verschmutzter Haut ähnlich sieht, wie etwa Schorf o.ä., oder dass durch das Wort eine Form der allgemeinen Unreinheit des Erkrankten ausgedrückt ist. Im Buch vom Tempel wird der Hautveränderung „glatte Haut“ entgegengesetzt, was eventuell auf einen schorfigen Ausschlag schließen lässt.
11 ṯꜣ.w-rr=w: Dieser Krankheitsbegriff ist nur im Corpus der Oracular Amuletic Decrees insgesamt vier Mal (L1: Rto. x+43/OAD, vs. 43; L5: OAD, vs. 51–52; T3: OAD, rt. 32; Cl 1 (=pCleveland 14.723), 26) bezeugt. Zwei der Belege zeigen eine Schreibung, die als „Wind gegen sie“ (ṯꜣ.w rr=w) aufgefasst werden kann, die beiden anderen könnte man „Wind gegen ihren Mund“ lesen, s. Edwards 1960a, 11 [29]; B. Bohleke, An Oracular Amuletic Decree of Khonsu in the Cleveland Museum of Art, in: Journal of Egyptian Archaeology 83, 1997, 155–167, hier: 164–165 [n]. Dies wird entweder als Flatulenz oder als krankheitsbringender Wind aufgefasst. Möglicherweise ist der demot. Krankheitsauslöser ṯꜣw-rwṱ, der in sieben Papyri im Korpus der sog. „demotic self-dedication-texts“ belegt ist, hiermit zusammenzubringen. Thompson löst diesen Begriff als „Wind bzw. Atem von außen“ auf. Die hieratischen Schreibungen sind allerdings nur schwer mit r-rw.t „außen“ (Wb 2, 405.7–8) zu vereinbaren. Möglicherweise hat man im Laufe der Zeit die Bedeutung anders verstanden. In den OAD wird der Begriff zusammen mit schwerwiegenden Hautkrankheiten erwähnt, so dass Flatulenz thematisch eher unpassend erscheint. Ein krankheitsauslösender Wind, der eventuell auch Hautirritationen hervorrufen könnte, wäre daher an dieser Stelle plausibler.
12 Die „Vergessensklausel“ ist in diesem Text ausführlicher formuliert als in anderen Orakeldekreten und weist darauf hin, dass vermutlich zusätzlich zu dem Amulett-Dekret des Schützlings, das dieser um den Hals trägt, ein Duplikat existiert hat, das im Tempel aufbewahrt wurde, s. M. Römer, Gottes- und Priesterherrschaft in Ägypten am Ende des Neuen Reiches. Ein religionsgeschichtliches Phänomen und seine Grundlagen, Ägypten und Altes Testament 21 (Wiesbaden 1994), 269 [§ 293].
13 ḫꜣꜥ: Der Textlogik folgend, erwartet man nach Schwangerschaft und vor dem Gehen lassen der erwachsenen Kinder die Geburt der Kinder. Die Verwendung des Verbums ḫꜣꜥ „werfen, legen, verlassen ausscheiden“ (Wb 3, 227.3–228.25) ist daher ungewöhnlich. Klassifiziert mit der sitzenden Frau könnte aber genau das ausgedrückt sein. Edwards (1960a, 12 [43]) interpretiert die Stelle als „Gehen lassen der (erwachsenen) Kinder“, was die Emendation eines Pronomens als direktes Objekt erfordert.