Heilstatue des Djedher

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
TM 58328
Aufbewahrungsort
Afrika » Ägypten » Kairo » Egyptian Museum

Inventarnummer JdE 46.341

Erwerbsgeschichte

Die Statue mit Sockel gelangte nach ihrem Auffinden in Tell Atrib bei Benha im Jahr 1918 in das Ägyptische Museum Kairo und bekam dort die Inventarnummer Journal d’Entrée 46341 (Daressy 1919). Die ein wenig später entdeckte, noch fehlende hintere rechte Ecke des Sockels wurde ebenfalls nach Kairo verbracht (Daressy 1920). Ein Abguss des Sockels findet sich im Egypt Centre in Cardiff (1933 vom Museum in Kairo für die Wellcome Sammlung erstellt), ein Abguss der Statue im Petrie Museum London (ebenfalls aus der Wellcome Sammlung) bzw. seit 2022 ebenfalls in Cardiff.

Herkunft
Nildelta » südliches Delta » zentraler Teil » Athribis

Die Heilstatue mit ihrem Sockel wurde im damaligen (!) Südosten des Ruinenhügels von Tell Atrib, dem antiken Athribis in Unterägypten, nahe einem koptischen Friedhof am 9. oder 10. September 1918 (laut Daressy 1919, 113 am 10. September; laut Engelbach 1925, 180 am 9. September) gefunden, als Erde von dort abtransportiert wurde (Daressy 1919, 113), d.h. bei Sebach-Arbeiten (siehe für diese Sebach-Arbeiten Engelbach 1924, 178 und 181). Wenig später wurde die fehlende hintere Ecke des Sockels am gleichen Ort entdeckt (Daressy 1920). Engelbach 1924, 180 gibt als Koordinaten auf einer Katasterkarte von Benha von 1910 für den Fundort „Sektor B (Sheet 4-N, Koordinaten 152:229)“ an. Das hat es Dabrowski 1962 ermöglicht, die Position auf einem Plan festzulegen (Dabrowski 1962, Plan I, Nr. 6). Er vermutet, dass die Statue in einem Horustempel unmittelbar nördlich der großen römischen O-W-Straße (decumanus), d.h. im Zentrum der antiken Stadt, aufgestellt gewesen ist (vgl. Leclère 2008, 247). Die Inschriften besagen, dass Djedher für das Sanktuar der heiligen Falken zuständig war und eine weitere Statue von sich in der Nekropole hat aufstellen lassen. Im Jahr 1919 wurde eine kopflose, naophore Statue desselben Mannes im Museum von Kairo registriert (TR 4/6/19/1: Vernus 1978, 193-195, Doc. 161) und im Jahr 1920 wurde ein Statuensockel für das Oriental Institute von Chicago angekauft (OIM 10589: Sherman 1981). Diese beiden Teile könnten zur gleichen Statue gehört haben (so zuerst Sherman, 1981, 84), die nach Meinung von Sherman (1981, 84) eben die Statue in der Nekropole gewesen sein könnte. Allerdings könnten in Anbetracht der naheliegenden Fund- und Ankaufsdaten (Sebachgrabungen fanden zur damaligen Zeit nur im Stadtgebiet statt) die drei Objekte auch alle im gleichen Komplex im Stadtzentrum aufgestellt gewesen sein, verschieden von der mutmaßlichen Statue in der Nekropole (Leclère 2008, 247-248). Gräber der 26. Dynastie wurden im Norden von Athribis gefunden (siehe Dabrowski 1962, Plan I, Nr. 9 und 10). Eine Nekropole mit Falkenbestattungen wurde in Quesna/Quwaysna, ca. 9 km nördlich von Athribis, entdeckt (Rowland 2013), aber es ist bislang unklar, ob dies die Nekropole war, für die Djedher zuständig war.

Datierung
von: (Epochen und Dynastien) » Griechisch-Römische Zeit » Hellenistische Zeit » Argeaden ("Makedonierzeit") » Philipp Arrhidaios bis: (Epochen und Dynastien) » Griechisch-Römische Zeit » Hellenistische Zeit » Argeaden ("Makedonierzeit") » Philipp Arrhidaios

Der Name des Philippus Arrhidaeus ist zwei Mal auf dem Sockel vermerkt. Er befindet sich zwischen den beiden Wasserbassins, nahe der Mündung von einem ins andere (Daressy 1919, 140-141, Z. 47; Jelínková-Reymond 1956, 65, Z. 132-133). Sherman (1981, 83-84) vermutet, dass die Heilstatue JE 46341 später als der Statuensockel OIM 10589 angefertigt worden ist, vielleicht als Djedher gerade verstorben war und den Beinamen „der Retter/Beschwörer“ bekommen hatte. Sie möchte auf Grund von historischen Informationen im Text (Soldaten im Tempelbezirk) und der Tatsache, dass die Titulatur von Philippus Arrhidaeus auf der Heilstatue unvollständig ist (der Thronname ist nicht ausgefüllt), annehmen, dass die Heilstatue kurz nach dem Tod von Alexander dem Großen und zu Beginn der Regierung von Philippus Arrhidaeus angefertigt wurde (also ca. 323 v. Chr.), der Statuensockel von Chicago entsprechend etwas früher, vielleicht noch am Ende der Regierung von Alexander dem Großen (also ca. 325 v. Chr.) (Sherman 1981, 85).

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en)
Inhalt

Die Dekoration von Statue und Statuensockel besteht aus magischen Sprüchen, Götterdarstellungen mit identifizierenden Beischriften (auf den Oberarmen und Schultern der Statue, auf der Vorderseite der Horusstele und im vorderen Becken auf der Oberseite des Sockels) sowie aus biographischen Texten und einer Auflistung der Kinder und Ehefrauen des Djedher (auf den Seitenwänden des Sockels). Zum Inhalt der biographischen Texte gehört auch, dass die magischen Formeln von einem Priester-Skorpionbeschwörer namens Wahibre zusammengestellt wurden, der dazu ein Kompendium namens „Ba-Mächte des Re“ benutzt hat.

Der Protagonist Djedher/Teos war der/ein oberste(r) Türhüter des Gottes Horus-Chentechtai und der/ein oberste(r) Wächter des (heiligen) Falken von Athribis. Einmal ist er Schreiber oder Urkundenschreiber des Schatzhauses des (heiligen) Falken, aber dieser Titel wurde ihm vielleicht nur postum verliehen, denn in seiner Biographie ist er zwar für das Schatzhaus tätig, aber als oberster Türhüter und Wächter, nicht als Verwaltungsschreiber. Einmal trägt er auch den Titel Priester der Isis, aber darüber erfahren wir nichts weiter aus den biographischen Texten. Teos war zweimal verheiratet und hatte sieben Söhne und vier Töchter. Er schreibt, dass er seine Karriere seinem Gott Chentechtai verdankt, weil dieser sein Herz geleitet und seinen Charakter erkannt hatte. Er war hauptsächlich für den heiligen Falken von Athribis zuständig, kümmerte sich um die Einkünfte dessen Schatzhauses, um die Versorgung der lebenden Falken und um ihre Einbalsamierung und Bestattung in der Nekropole im Norden von Athribis. In den unruhigen Zeiten der persischen Eroberung Ägyptens und der anschließenden Eroberung durch Alexander den Großen hatten sich Soldaten im Tempelareal niedergelassen. Teos konnte ihre Neuansiedlung außerhalb des Tempelgeländes bewirken, die alten Häuser und Baracken (?) abtragen und das Tempelgelände rituell reinigen lassen. Er ließ ein Wabet-Gebäude mit einer steinernen und einer Lehmziegelumfassungsmauer errichten, einen gepflasterten Vorhof, zwei Obstgärten, einen Brunnen und einen Teich anlegen. Er ließ ein neues Balsamierungsöl entwickeln, die verstorbenen heiligen Vögel damit einbalsamieren und sie bestatten, einschließlich der toten Vögel, die bis dahin noch nicht bestattet worden waren. Er ließ neues Ackergelände ankaufen, Emmer und Wein anbauen, Bier herstellen und alles zum Schatzhaus des Falken bringen. Er ließ Personal einstellen und eine Herde für die Schatzhausarbeiten aufbauen. Er nennt sich einen gerechten und besonnenen Mann, auf den die Leute hören. Und er ließ zwei Heilstatuen anfertigen, um Menschen mit Schlangenbissen und Skorpionstichen zu heilen („wiederbeleben“). Als Belohnung schenkte ihm sein Gott ein langes Leben und den Fortbestand seines Haushaltes. Außerdem bekam er den „schönen Namen“ (einen ehrenvollen Beinamen) von Teos-dem-Retter/Beschwörer (von den Tempelbesuchern?) verliehen.

Die Inschriften sind widersprüchlich bezüglich der Urheberschaft der Statue. Einerseits sagt Djedher, dass er die Statue hat „erscheinen lassen“, andererseits rühmt sich ein Priester namens Wahibre, dass er die Texte ausgewählt und angebracht hat. Wahibre hat Djedher gekannt und hat vielleicht nach dessen Tod und in dessen Auftrag die Statue erstellen lassen. Vermutlich hatte Djedher als Mitglied des Laienpersonals des Tempels (Obertürhüter und Oberwächter) und als nicht-Priester keinen Zugang zu den magischen Schriften.

Auf der Heilstatue und auf der Oberseite des Sockels sind 25 magische Sprüche unterschiedlicher Länge eingraviert. Dreizehn von ihnen sind durch weitere Textvertreter bekannt, z.B. die bekannten Sprüche A und B oder „die Hand des Atum“. Für zwölf Sprüche, fast alle sehr kurz, konnte noch keine Parallele identifiziert werden. Die meisten Sprüche sind gegen Schlangenbisse, Skorpionstiche und Gift weiteren Ungeziefers gedacht, einige auch gegen Löwen und Krokodile gerichtet. Die göttlichen Opfer-Protagonisten sind das Horuskind, Osiris, Re, eine Katzengöttin.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Die Inschriften auf der Statue besagen, dass sie von Wab-Priestern, Schreibern und Gelehrten gelesen werden mögen, dass diese Personen die Inschriften bewahren und schützen mögen und dass sie eine Totenopferformel zugunsten von Djedher sprechen und seinen „schönen Namen“ aussprechen mögen (TB.123-127). Die Statue hat also für Djedher den Zweck, die Erinnerung an ihn am Leben zu erhalten. Zugleich haben die magischen Formeln und die Disposition des Sockels den Zweck, Menschen mit Schlangenbissen und Skorpionstichen mittels magisch aufgeladenen Wassers, das über die Statue ausgegossen und in den Becken auf dem Sockel aufgefangen wurde, Linderung zu verschaffen. Die Beschriftung auf der Oberkante des Sockels und im vorderen Wasserbecken ist deutlich von häufigem Gebrauch (Berühren, Ausschöpfen) abgenutzt. Diese Statue sowie eine zweite in der Nekropole von Athribis müssen also an öffentlich zugänglichen Orten aufgestellt gewesen sein, unsere Heilstatue sicherlich in einer Heilkultkapelle auf einem Tempelgelände in der Stadt (vgl. Kákosy 1995, 93-94). Der Aufstellungsort „dieser Statue“, vor der der Leser der Inschriften sich befindet, wird nicht konkret genannt, aber es wird angenommen, dass es beim Wabet des heiligen Falken innerhalb vom Tempelkomplex von Iat-ma war, d.h. innerhalb der gemeinsamen Umfassungsmauer mit dem Tempel des Osiris von Jat-ma, der vielleicht das lokale Osireion war (vgl. Alliot 1954, 589, 593, 597). Dazu passt, dass sich Djedher ein „Ehrwürdiger/Versorgter“ bei Osiris von bzw. bei den Göttern von Jat-ma nennt. Für Alliot war das Wabet des Falken für seine Mumifizierung bestimmt und ein anderer Ort als der Tempel des lebenden Falken, den er beim Tempel des Horus-Chentechtai vermutet (Alliot 1954, 597-598).

Material
Nicht Organisch » Stein » Basalt, Nicht Organisch » Stein » Granodiorit, Nicht Organisch » Stein » Granit
Objekttyp
Artefakt » Skulptur » Statue / Figur
Technische Daten

Die komposite Heilstatue des Djedher besteht aus zwei Teilen: dem Sockel und der Statue mit vorgelagerter Horusstele.

Die Statue ist 78 cm hoch (einschließlich einer Plinthe von 13,5 cm Höhe), 25 cm (Plinthe?) bzw. 35 cm (Ellenbogen?) breit und 43 cm tief (Daressy 1919, 113: 65 + 13,5 cm; Pirelli 2000, 368: 78 x 35 x 43 cm: Höhe x Breite x Tiefe; Homepage Kairo: 78 x 43 x 25 cm; Homepage Cardiff: 78 x 43 x 32 cm). Die Statue ist eine sog. Hockerstatue oder kuboide Statue, bei der die einzelnen Körperpartien herausgearbeitet und somit gut erkennbar sind. Der Statuenkörper ist, abgesehen von Gesicht und Füßen, mit magischen Texten und Darstellungen von Göttern versehen.

Vor den angewinkelten Beinen der Statue, zwischen den verschränkten Armen und den Füßen, befindet sich eine Horusstele. Diese besitzt eine Höhe von 30 cm und ist 21 cm breit.

Der separate Sockel (Schema und Schnitt bei Daressy 1919, 114, Fig. 1 und 2; Lacau 1921, 191, Fig. 2-3) hat die Maße 93 x 56 x 37 cm (Tiefe x Breite x Höhe) (Daressy 1919, 113 und Jelínková-Reymond 1956, 2: 94 x 56 x 31; bei Pirelli 2000: 93 x 56 x 38 cm; Homepage Kairo: 93 x 53 x 38 cm; Homepage Cardiff: 93,2 x 57 x 37 cm) und ist, abgesehen von der Unterseite, komplett beschriftet. Auf der Oberseite des Sockels finden sich zwei Vertiefungen: im vorderen Bereich eine oval-rechteckige Vertiefung von 47 x 20 x 5,5 cm (Breite x Länge x Tiefe), im hinteren Bereich eine zweite, diesmal rechteckige, leichte Vertiefung von 62 x 47,5 cm (Tiefe unbekannt) mit darin einer weiteren Aussparung für die Statuenplinthe. Laut Daressy (1919, 113) misst die Aussparung 44 x 26 x 7 cm.

Die Oberseite des Sockels ist mit magischen Texten versehen, auf den Seitenwänden befinden sich Darstellungen von Familienmitgliedern und biographischen Inschriften. Die linke hintere Ecke des Sockels war unten schon zur Zeit der Statuenherstellung beschädigt und wurde nicht beschriftet. Der obere Rand des Sockels und das vordere Becken zeigen deutliche Gebrauchsspuren: die Texte und Darstellungen sind teilweise abgenutzt.

Schrift
Hieroglyphen

Die auf der Statue und dem Sockel angebrachten Hieroglyphen „sont bien gravés“ (Daressy 1919, 115). Allerdings sind die Zeichen an manchen Stellen sehr klein und auch ihre kennzeichnenden Merkmale nicht in jedem Fall deutlich zu erkennen (Daressy 1919, 115). Die Schrift verwendet zumindest in den biographischen Texten einige Formen und Lautwerte, die man als dem „Ptolemäisch-römischen Schriftsystem“ zugehörig einstuft (z.B. der Pavian für ḏd, die Jugendlocke für šr, das Schiff für jm, die Ente für ḥnꜥ, der Geierkopf für rmṯ).

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch » traditionelles Mittelägyptisch

In den biographischen und genealogischen Texten finden sich Konstruktionen und Wortbedeutungen, die es im älteren Mittelägyptischen noch nicht gibt. Die Verwendung der Artikel pꜣ/tꜣ (bei pꜣ bjk, pꜣ nb nṯr.w, tꜣ qrs(.t), tꜣ wꜥb.t) oder des Suffixpronomens =w statt =sn geht auf das Neuägyptische zurück. Jünger ist die Verwendung von jri̯ „machen, dass“ statt dem älteren rḏi̯ „veranlassen, dass“ für Kausativkonstruktionen; die Passivkonstruktion mit neuägyptischem 3. Pers. Plural gmi̯.n=w bjk.w „Falken wurden gefunden“); sḫpr mit der Bedeutung „werden, entstehen“ und nicht „entstehen lassen“; sḫꜥi̯ mit der Bedeutung „feierlich erscheinen“ und nicht „erscheinen lassen“, qꜣw mit der Bedeutung „Länge“ und nicht „Höhe“. Auch einige Orthographien sind „jung“, wie rr für „Menschen“, m-rr für m-pẖr, n.tt für den Genitiv Maskulin und Feminin (Einfluss der jüngeren Genitivpartikel n.tj?) und für das Relativpronomen n.tj (unveränderlich), jsw für sr „Widder“, r für jw.

Bearbeitungsgeschichte

Die Inschriften wurden kurz nach dem Fund der Statue durch Daressy 1919 und 1920 in Bleihieroglyphen und mit einer Teilübersetzung publiziert. Als eine der ganz wenigen Heilstatuen mit einer exakten Datierung ist sie für die Datierung von Heilstatuen und deren magischen Sprüchen essentiell (z.B. Altenmüller 1965; Gutekunst 1995). Wegen des guten Erhaltungszustandes und weil der Sockel eindeutig zeigt, dass das Ensemble bei Wasserritualen eingesetzt wurde (zuerst Lacau 1921), genießt die Statue bis heute große Bekanntheit (z.B. Myśliwiec 1996). Auch die biographischen Textteile mit ihren topographischen und kultischen Informationen tragen zur Wichtigkeit der Statue bei. Otto 1954 und Rößler-Köhler 1991 benutzten die biographischen Inschriften, lieferten jedoch keine Übersetzung. Chassinat 1939, Alliot 1954 und Kessler 1989 werteten die Informationen zum Kult des heiligen Falken aus. Roeder 1960 und 1961 übersetzte einen Teil der Inschriften nach der Edition von Daressy. Im Jahr 1956 lieferte Jelínková-Reymond eine neue Edition mit einer neuen Abschrift der Texte, Übersetzung und Kommentierung. Känel 1984 hat drei Textstellen mit dem Titel ḫrp Srq.t ausgewertet. Schulz 1992 hat die Statue in ihrer Studie zu dem kuboiden Statuentypus (bzw. Blockstatue) berücksichtigt. Gutekunst 1995 hat eine Inschrift für seine Bearbeitung von Horusstelen-Spruch B verwendet. Es ist eine „intermediäre“ Version zwischen seinen P-R- und P-L-Versionen aus seiner textgeschichtlichen „Hochphase“ (spätdynastisch bis frühptolemäisch). Sternberg-El Hotabi 1999 listet die Heilstatue in ihrer Aufstellung der Heilstatuen auf (vgl. schon Kákosy, 1987), thematisiert sie jedoch nicht weiter. Chen 2020 hat die Heilstatue in seiner Untersuchung des Bild- und Textprogramms der Heilstatuen ausführlich behandelt. Die Erwähnungen von Gartenanlagen und fremden Soldaten im Tempel in den biographischen Inschriften wurden von Thiers 1995 und 1997 ausgewertet. Im sprachlichen Bereich hat Sethe 1922 eine ungewöhnliche hieroglyphische Schreibung von „und, mit“ erkannt. Engsheden 2003 hat die biographischen Inschriften für seine Rekonstruktion des späten Verbalsystems verwendet, aber liefert keine durchgehende Übersetzung. Jansen-Winkeln 2023 liefert eine neue hieroglyphische Abschrift der biographischen Texte auf dem Sockel.

Editionen

- E. Jelínková-Reymond, Les Inscriptions de la statue guérisseuse de Djed-Ḥer-Le-Sauveur (Bibliothèque d’étude 23), Le Caire 1956 [H,Ü,K].

- G. Daressy, Statue de Zedher le Sauveur, in: ASAE 18, 1919, 113-158 [H,Ü teilweise].

- G. Daressy, Statue de Zedher le Sauveur, in: ASAE 19, 1920, 66-68 [H,Ü der 1919 noch fehlenden Ecke].

- K. Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit. Teil V: Die 27.–30. Dynastie und die Argeadenzeit. Bd. 2. Nektanebos II. – 4. Jahrhundert insgesamt, Wiesbaden 2023, 545-552 (Nr. 80.14) [H der biographischen Inschriften].

Literatur zu den Metadaten

- PM IV, 66 [B].

- M. Alliot, Le culte d’Horus à Edfou au temps des Ptolémées (Bibliothèque d‘étude 20), Le Caire 1954, Vol. II, 589-599 [K zum Falkenkult].

- H. Altenmüller, Der „Socle Behague“ und ein Statuentorso in Wien, OMRO 46 (Leiden 1965), (hier: 13-15, 23-27 [Text K1], 31) [H].

- E. Chassinat, Le mammisi d’Edfou (MIFAO 16), Le Caire 1939, S. ix-xii [K].

- M. Chen, Healing Statues in the Late Period Egypt. Creating Elite Commemoration in a Religious Context, Los Angeles 2020, passim und mit vielen Fotos (u.a. 68-70, 124-128, 149, 183-185, 196-199, 201-203, 253 und 266 (Nr. 4) (https://escholarship.org/uc/item/1kx4j7bw) [P,K].

- L. Dabrowski, La topographie d’Athribis à l’époque romaine, in: ASAE 57, 1962, 19-31 und Pl. I-II (hier: 24 und Pl. I) [Lageplan].

- R. Engelbach, The treasure of Athribis (Benha), ASAE 24, 1924, 178-185 (hier: 180) [K].

- Å. Engsheden, La reconstitution du verbe en égyptien de tradition 400-30 avant J.-C. (Uppsala Studies in Egyptology 3), Uppsala 2003, 425-426 (Index zu den verwendeten Textstellen) [isolierte Übersetzungen].

- W. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch (Text B) auf Horusstelen und Heilstatuen, Diss. Trier 1995, 75, 81, 84, 89, 234, 285, 298-305, 370 [K].

- F. von Känel, Les prêtres-ouâb de Sekhmet et les conjurateurs de Serket (Bibliothèque de l’École des Hautes Études, Section des sciences réligieuses, Bd. LXXXVII, Paris 1984, 205-208 (Doc. 31 von ḫrp Srq.t) [Ü,K von drei Textstellen mit ḫrp Srq.t].

- L. Kákosy, Some Problems of the Magical Healing Statues, in: A. Roccati et al. (Hg.), La Magia in Egitto ai tempi dei faraoni (Verona 1987), 171-186 (hier: 172, 179-181) [K].

- L. Kákosy, Heilstatuen in den Tempeln, in: D. Kurth (Hrsg.), 3. Ägyptologische Tempeltagung. Systeme und Programme der ägyptischen Tempeldekoration (ÄAT 33,1), Wiesbaden 1995, 91-98 [K].

- D. Kessler, Die heiligen Tiere und der König (Ägypten und Altes Testament 16), Wiesbaden 1989, 272-274 [K].

- P. Lacau, Les statues „guérisseuses“ dans l’ancienne Égypte (Monuments et mémoires de la Fondation Eugène Piot 25), Paris 1921, 189-209 und Taf. XV-XVI (hier: 189-193 und Taf. XV) [K, Zeichnungen].

- F. Leclère, Les villes de Basse Égypte au Ier millénaire av. J.-C. (BdE 144), Le Caire 2008, Vol. I, 247-254 [K].

- K. Myśliwiec, Athribis entre Memphis et Alexandrie, in: J. Yoyotte (ed.), L’Égypte du Delta. Les capitales du nord (Dossiers d’archéologie 213), Dijon 1996, 34-43 (hier: 35-36) [P,K] (vgl. K. Myśliwiec, Athribis – eine hellenistische Stadt im Nildelta, in: Antike Welt 25/1, 1994, 35-46, mit Erwähnung von Djedher auf S. 36-37).

- E. Otto, Die biographischen Inschriften der ägyptischen Spätzeit. Ihre geistesgeschichtliche und literarische Bedeutung (Probleme der Ägyptologie 2), Leiden 1954, 7, 15, 22, 28, 36, 40, 57, 67, 74, 128 (Text 47) [K].

- G. Roeder, Kulte und Orakel im Alten Ägypten, Die ägyptische Religion in Text und Bild III (Zürich 1960), 359-371 [Ü einiger biographischen Sockelinschriften nach Daressy].

- G. Roeder, Der Ausklang der ägyptischen Religion mit Reformation, Zauberei und Jenseitsglauben, Die ägyptische Religion in Text und Bild IV (Zürich 1961), 160- 172, Abb. 5 und Taf. 9 [Ü einiger biographischen Sockelinschriften und einiger magischen Texten auf der Statue nach Daressy].

- U. Rößler-Köhler, Individuelle Haltungen zum ägyptischen Königtum der Spätzeit (Göttinger Orientforschungen IV.21), Wiesbaden 1991, 284-286 (Dok. 86b), 373 [K].

- J. Rowland u.a., The sacred falcon necropolis of Djedhor(?) at Quesna: recent investigations from 2006–2012, in: JEA 99, 2013, 53-84 (hier: 83-84) [K].

- R. Schulz, Die Entwicklung und Bedeutung des kuboiden Statuentypus (HÄB 33-34), Hildesheim 1992, Bd. II (HÄB 34), 572, 589-590, 595, 624, 651, 656 und Tf. 142 d [P,K].

- K. Sethe, Miszelle. 𓅭 für „und“, „mit“, in: ZÄS 57, 1922, 152 [K].

- E. J. Sherman, Djedḥor the Saviour Statue Base OI 10589, in: JEA 67, 1981, 82-102 und Taf. XIII-XIV [K].

- H. Sternberg-el Hotabi, Untersuchungen zur Überlieferungsgeschichte der Horusstelen. Ein Beitrag zur Religionsgeschichte Ägyptens im 1. Jahrtausend v. Chr. (Ägyptologische Abhandlungen 62), Wiesbaden 1999, Bd. I, 109, 218, 221 (Abb. 1 und 3); Bd. II, 104-105 [K].

- Ch. Thiers, Civils et militaires dans les temples. Occupation illicite et expulsion, in: BIFAO 95, 1995, 493-516 (hier: 501 (doc. 4), 506, 512, 514) [Ü, K von Z. 22-29 der biographischen Inschrift].

- Chr. Thiers, Les jardins de temple aux époques tardives, in: S.H. Aufrère (ed.), Encyclopédie religieuse de l’univers végétal. Croyances phytoreligieuses de l’Égypte ancienne (Orientalia Monspeliensia X), Montpellier 1999, 107-120 (hier: 110) [Ü, K von Z. 26-28 und 30-36 der biographischen Inschrift].

- P. Vernus, Athribis. Textes et documents relatifs à la géographie, aux cultes, et à la histoire d’une ville du Delta égyptien à l’epoque pharaonique (BdE 74), Le Caire 1978, 193 (Doc. 160) und 322-323 (Doc. 300) [B].

Autoren
Dr. Peter Dils
Autoren (Metadaten)
Dr. Peter Dils

Übersetzung und Kommentar

Teil I: magische Texte

1.1: Identifikation des Djedher, Z. 1-11 (auf der Brust, zu beiden Seiten des Bartes)

Der Ehrwürdige/Versorgte bei Osiris, dem Herrn von Iat-ma, (und bei) den Göttern, die sich in der (Nekropolenstadt) Rosetau1 (im Norden von Athribis) befinden, der oberste Türhüter des Horus-Chentechtai, des großen Gottes, des Herrn von Athribis, der oberste Wächter des Falken in allen seinen Sachen und allen Lieferungen des ganzen Landes, der Urkunden(?)schreiber des Schatzhauses des Falken, der sich um den Bedarf der lebenden Falken kümmert, Teos-der Retter/Rezitierer,2 den Sentaês3 geboren hat.

1 Rʾ-sṯꜣ.w: Wird schon in Wb. 2, 399.1 als Name der Nekropole von Athribis gedeutet; Gauthier, DG 3, 127. Vernus, Athribis, 359 liest Pr-Rʾ-sṯꜣw (so tatsächlich im biographischen Text, TB.21, 44, 77, 130, 150, aber oft ohne pr).

2 Ḏd-ḥr-pꜣ-šd: Ist bei Ranke, PN I, 411.16 ein eigener Name. Quaegebeur, Teëphibis, dieu oraculaire?, in: Enchoria 5, 1975, 19-24, vor allem 24: In ähnlichen Namensbildungen wie Ḏd-ḥr-pꜣ-hbj „das Gesicht des Ibis hat gesprochen“ und Ḏd-ḥr-pꜣ-mꜣj „das Gesicht des Löwen hat gesprochen“ ist pꜣ hbj/mꜣj Teil des Namens. Quaegebeur ist sich unsicher, ob pꜣ-šd ein Teil des Namens oder ein Epitheton ist. Jelínková-Reymond, Les inscriptions de la statue guérisseuse de Djed-Ḥer-le-Sauveur, BdE 23, Le Caire 1956, 6 mit Anm. 3: pꜣ-šd wurde durch Djedher/Teos selbst nachträglich am Namen Ḏd-ḥr hinzugefügt, als er seinen „schönen Namen“ gebildet hat (Z. TB.126-127). Für Vernus, in: RdE 32, 1980, 128 ist es ein Epitheton und nicht Teil von ḥr-pꜣ-šd „das Gesicht des Retters/Beschwörers“ als Subjekt von ḏd.

3 Tꜣ-šr.t-(n.t-)t(ꜣ)-jḥ.t: Lüddeckens, DemNb 1132-1133: Σεντεης; Ranke, PN I, 370.3. In Trismegistos ist der Name TM Nam 1088 Σενταης „Sentaes“ und bedeutet „Die Tochter der Kuh“.

1.2: Die Hand des Atum, Transformation des Re in ein Ichneumon, Z. 12-34 (auf dem rechten Arm (Z. 12-25), angefangen auf dem Handrücken bis zum Ellenbogen, und dem rechten Bein und Fuß (Z. 26-30) (Hierogl. nach rechts orientiert); Z. 31-34 auf der rechten Schmalseite der Horusstele und auf dem rechten Fuß (Hierogl. nach links orientiert))

Diese (Hand hier) ist jene (bekannte) Hand des Atum, die das Gewitter im Himmel und die Unruhe, die in Heliopolis ist, vertreibt, die siegreiche Kämpferin,1 die ihren Herrn beschützt, Useret/die Mächtige, die Re behütet/rächt an jenem Tag des großen Kampfes im Norden und Westen (oder: im Nordwesten) des Tempels des Uräus-Iusaas. (...,) nachdem Re seine Verwandlung in ein Ichneumon2 von 46 Ellen (Länge)3 gemacht hatte, um Apophis in dessen Rage niederzuwerfen.

– Du sollst ausfließen, (oh du,) dessen Gesicht herunterfällt4 und auf den gespuckt5 wird! –

Sie {hat geholt} 〈ist gekommen〉6 und sie hat vertrieben jedes böse Unheil, jede böse Unreinheit, das Gift jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Skorpions7 und jedes giftigen Getiers, das in jedem Glied dieses Mannes (hier) ist, der einen (Schlangen)biss/(Skorpion)stich hat.

Los (ihr)! Auf den Boden, gemäß dem, was Horus, der Triumphierende/Gerechtfertigte, gesagt hat!8 Dies ist diese (bekannte) Hand, die ich genannt habe (?). (oder: Dies ist diese, meine 〈eigene〉 Hand.9) Ich bin Horus, der Triumphierende/Gerechtfertigte, der Aufseher/Beschwörer der Selkis.10 Ich bin aus Horbeit gekommen; Ich bin bei Tagesanbruch11 herausgekommen, auf die Stimme des Herrn der Menschheit (oder: des Allherrn12) persönlich hin, an jenem Tag des Umwendens auf den Feldern13 gemäß dem, was Atum gesagt hat.14

Spruch des Schutzes des Sohnes. (?)15

Ich wurde begrüßt (?) (mit) „Willkommen!“16 in jenem meinem Namen als „Beschützer-seines-Vaters“. Ich habe meine Arme um Re gelegt.17 Meine Hand ist auf ihm mit Leben, Heil und Gesundheit. Ich habe jedes Glied von ihm geschmückt.18 Ich habe seinen Körper gereinigt/bekleidet. Ich habe all seinen Staub abgeschüttelt.19 Ich habe sein Unheil (oder: seine Schäden) gereinigt;20 sein Leiden / seine Verletzung ist für den Erdboden. Ich habe das Unheil (oder den Schaden) des/seitens Apophis, das in seinem ganzen Fleisch ist, vertrieben.

Re ist aufgestanden (oder: steht jetzt aufrecht). Wie viel besser ist er (jetzt), als er (zuvor) war! Ich habe alles Böse von ihm entfernt. (oder: nachdem ich alles Böse von ihm entfernt habe.) Möge dieser Mann (hier), der eine Stich-/Bissverletzung hat, gesund für seine Mutter aufstehen. Wie viel besser ist er (jetzt), als er (zuvor) war! Das Gift wird keine Macht über seine Glieder haben.21 Es wird sein Herz nicht mit seinem (des Giftes) Gluthauch ermatten.22 (oder: Sein Herz wird nicht wegen seines (des Giftes) Gluthauchs ermatten.) Die Einwirkung (oder: der Arm) eines Gottes wird keine Macht über ihn haben.23 Es gibt keine Göttin, die ein Unheil gegen ihn verhängt (oder: die ihm Schaden zufügt). (Denn) meine Hand ist über ihm mit Leben, Heil und Gesundheit. Ich bin Haroeris,24 der Arzt, der Gottesberuhiger (?),25 der Arzt, der Gottesberuhiger (?).

Das Gift ist tot.

1 ꜥḥꜣ(.t) nḫt(.t): Entweder zwei substantivierte Partizipien (so Borghouts: „the combative and victorious one“) oder substantiviertes Partizip + Adjektiv (so Kákosy: „a victorious warrior“) oder Partizip + Adverb/Pseudopartizip (so Ockinga: „who fights victorious“).

2 ꜥḏ: Ein Hinweis auf die Existenz dieser Tierbezeichnung neben dem ꜥḏw-Fisch findet sich schon bei Golenischeff, in: ZÄS 14, 1876, 80 (Quelle: der magische Text „Hand des Atum“ auf Heilstatue Turin Cat. 3030: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72-73 und Taf. XXI). Sie fehlt in Wb. 1. Sethe, Atum als Ichneumon, in: ZÄS 63, 1927-1928, 50-53 hat die Identifikation als Ichneumon vorgeschlagen, weil dieses Tier Schlangen angreift (im magischen Text „Die Hand des Atum“ kämpft es gegen die Apophisschlange) und weil eine Darstellung des ꜥḏ-Tieres auf dem Naos von Saft el-Henna wie ein Ichneumon aussieht. Siehe auch E. Brunner-Traut, Spitzmaus und Ichneumon als Tiere des Sonnengottes (NAWG. Phil.-hist. Kl. 1965/Nr. 7), Göttingen 1965, 157-160.

3 mḥ 46: Chr. Leitz, Das Ichneumonweibchen von Herakleopolis – eine Manifestation der Bastet, in: SAK 38, 2009, 162-163 nimmt an, dass die Zahl sich auf die wirkliche Größe des Ichneumons bezieht, nämlich 46 Finger, d.h. ca. 86 cm (ohne den Schwanz), wenn man nach gängiger magischer Praxis die Zahl beibehält, aber die Maßeinheit vergrößert (Elle statt Finger).

4 ḫr ḥr=f: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 hat „may his face fall down!“, was auf Heilstatue Turin Suppl. 9 und auf Heilstatue Turin Cat. 3030 nach šp=f (3. Pers. Sg.) statt šp=k auch passt. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 11 und 12, Anm. 6 emendiert zu ḫr〈=k〉 〈ḥr〉 ḥr〈=k〉: „Que 〈tu〉 tombes 〈sur〉 ta face!“ Ohne Emendation käme noch ein Vokativ in Betracht: „Du sollst ausfließen, (oh du,) dessen Gesicht herunterfällt und auf den gespuckt wird“ (vgl. Panov, Die Statue des Horchebe, 44: šp=k ḫr 〈ḥr〉 ḥr=f pgs ḥr=f: „Mögest du ausfließen, (du,) der 〈auf〉 sein Gesicht gefallen ist und auf den man speit!“). Auf dem Armfragment einer Heilstatue in Moskau I.1.a.5907 steht entweder šp=k ḫr ḥr ḥr[=k/f] psg ḥr=f mit 2 x ḥr nebeneinander (so Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 373), oder das vermeintliche zweite Gesicht am unteren Kolumnenende ist in Wirklichkeit ein Ideogrammstrich.

5 〈p〉g{pp}s jb=f: Anzunehmen ist, dass jb ein Fehler für die Präposition ḥr ist. Kákosy, Healing Statues, 45 hat „May his face be spat upon!“ (mit dem Substantiv ḥr und mit psg transitiv verwendet). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 11 und 12, Anm. 1 emendiert zu psg〈=tw〉 {jb}〈ḥr〉=f: „〈Qu’on〉 crache sur lui!“ (so auch Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: may they spit upon his face!). Auf Statue Turin Suppl. 9 und auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Healing Statues, 46, 72-73) steht: šp=f / ḫr ḥr=f / pgs ḥr=f: „May he perish, may his face fall down! May his face be spat upon!“ (Kákosy, Healing Statues, 45 und 73).

6 {jni̯}〈jyi̯〉.n =s: Gemeint ist die Göttin Iusaas oder die Hand, die früher im Text genannt werden. F. von Känel, Les prêtres-ouâb de Sekhmet et les conjurateurs de Serket (Bibliothèque de l’École des Hautes Études, Section des sciences réligieuses, Bd. LXXXVII, Paris 1984, 205, Anm. (a) denkt hingegen an die Göttin Selkis. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (l) erkennt in jni̯ (Topf mit Beinchen) einen Fehler für jyi̯ (Schilfblatt mit Beinchen). Die Reihenfolge von n (roter Krone) und Beinchen-Determinativ ist unerwartet: Beim sḏm.n=f kommt das Infix n normalerweise nach dem Determinativ. Auf dem magischen Teller in Sydney steht vielleicht jyi̯.jn=s (oder das zweite Schilfblatt steht dort falsch). Auch auf der Statue des Anchapis in Kairo JE 41677 findet sich jni̯ (Topf mit Beinchen) (Daressy, in: ASAE 11, 1911, 188 (Z. 11)).

7 ḏꜣr.t/wḥꜥ.t: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 14, Anm. 4 (von S. 13) listet mehrere Belege für die Reihenfolge ḥfꜣ.w ḥfꜣ.t ḏꜣr.t ḏdf.t auf, bei denen ḏꜣr.t phonetisch ausgeschrieben ist (u.a. in der Textparallele auf der Statue Tyszkiewicz). Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts, 96 liest wḥꜥ.t. In den Textparallelen auf den Heilstatuen des Hor (Turin Cat. 3030), des Anchapis (Kairo JE 41677) und des Psammetichseneb (Turin Suppl. 9) sowie auf dem magischen Teller in Sydney ist die Reihenfolge ḥfꜣ.w ḥfꜣ.t (ḏdf.t) ḏꜣr.t, auf der Statue Tyszkiewicz ist es dieselbe Reihenfolge wie bei Djedher.

8 Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: „Come ye to earth according to that which was said unto Horus, true of voice“.

9 ḏd=j oder ḏs=j: ḏd=j findet sich ebenso auf Statue Turin Suppl. 9 und auf Statue Kairo JE 41677. Auf Statue Turin Cat. 3030 steht ḏs=j (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 73: „This is here my own hand.“); ḏs=j ebenso auf dem magischen Teller in Sydney.

10 ḫrp Srq.t: siehe F. von Känel, Les prêtres-ouâb de Sekhmet et les conjurateurs de Serket (Bibliothèque de l’École des Hautes Études, Section des sciences réligieuses, Bd. LXXXVII, Paris 1984, 205-206 (Doc. 31 von ḫrp Srq.t) [Ü,K von drei Textstellen mit ḫrp Srq.t].

11 wp-hrw: So Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 16, Anm. 5 mit Verweis auf wp-hrw in Wb. 1, 305.5 (so auch Borghouts; Kákosy, 45 und 73; Ockinga, 250). Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben: „on the first day of the month“. Abweichend Sternberg-El Hotabi, Untersuchungen, I, 51, Anm. (m): „Ich bin aus Šdnw gekommen und ich bin herausgetreten aus dem Scheitel (wp.t) des Re auf den Befehl des Herrn der Menschen selbst.“ (so auch Panov, 44).

12 nb tm.w: Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben: „Lord of the Universe“, d.h. nb tm.

13 pn{n}ꜥ ḥr ꜣḥ.wt: Auf Heilstatue Turin Cat. 3030 steht vielleicht pnꜥ ḥr(.j)-ꜣḥ.t: „das Umwenden des Feldervorstehers“.

14 m ḏd.n (J)tm: Die Formel m ḏd.n NN (oder: ḏd n, Var. ḏd, ḏd jn) „gemäß dem, was NN gesagt hat“ (o.ä.) findet sich des Öfteren am Ende eines Satzes. Daher würde man annehmen, dass anschließend ein neuer Satz anfängt. Dessen Lesung ist jedoch nicht ohne Probleme.

15 rʾ (n.j): Die erste Gruppe nach „Atum“ wird geschrieben: Mund + Ideogrammstrich (Statue des Djedher, Statue Turin Suppl. 9, Statue Turin Cat. 3030). Auf der Heilstatue des Anchapis (Kairo JE 41677: Daressy, in: ASAE 11, 1911, 189) steht m ḏd.n Jtm n=j [...] mk zꜣ, was unerwartet ist, denn der Dativ n=j müsste vor Jtm stehen. Auf den übrigen Textträgern ist die Textstelle zerstört (Heilstatue Heliopolis, Magischer Teller Sydney, Heilstatue des Horchebis in Moskau und Heilstatue Moskau I.1.a.5907) oder sie ist unpubliziert (Heilstatue Tyszkiewicz, Horusstele BM EA 36250, Heilstatue Berlin 7554).
- Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (t) und 17, Anm. 1-3 versteht Mund + Ideogrammstrich als Auge + Suffixpronomen in einer neuägyptischen periphrastischen Konstruktion jri̯=j sḏm oder als jw=j (ḥr) mki̯ (mit r für jw). Anschließend emendiert sie noch zu 〈m〉 zꜣ und sie übersetzt (S. 17 mit Anm. 2-3) „J’ai accompli la protection 〈en qualité de〉 fils.“ (ebenso Borghouts, 96: „I have ensured your safeguarding (mk.t) as a son.“).
- Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 versteht Mund + Ideogrammstrich als und er übersetzt „Spell of protection of the son.“
- Panov, Die Statue des Horchebe, 44 scheint auf der Heilstatue des Anchhapi zu basieren. Er hat eine andere Satzabtrennung: m ḏd [n jtm n=j rʾ] / [m=k sꜣ nḏ ḥr]=j (...) „... gemäß [der Aussage des Atum], die er [zu mir] gesprochen hat: [Siehe, der ist (mein) Sohn, der] mich [schützt], der in diesem Namen „der Schützer seines Vaters“ gekommen ist.“ Seine hieroglyphische Textkopie, Transkription und Übersetzung stimmen allerdings nicht überein. Vgl. zuvor schon Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: „according to that which Atum said unto me 〈and his〉 utterance was: Behold my son who avenged me, who came under that his name of the Avenger for his father.“
- Ockinga, in: Fs Török, 250 versteht Mund + Ideogrammstrich als r=j und er übersetzt „through what Atum said concerning me“. Ähnlich wie Panov, liest er anschließend die Partikel m=k und nicht das Verb mki̯ (das Verb wird oben in Z. 15 ohne Determinative geschrieben).

16 nḏ ḥr=j jwi̯(.w): So nach Jelínková-Reymond, Borghouts, Kákosy. Weil das Vorangehende unterschiedlich gedeutet wurde, finden sich auch für diesen Satz mehrere Interpretationen. Panov und Ockinga haben: „[Siehe, der ist (mein) Sohn, der] mich [schützt], der in diesem Namen „der Schützer seines Vaters“ gekommen ist.“ bzw. „Behold, my son, my protector, who comes in this his name of ‘Protector of his Father’“.

17 jw rḏi̯.n=j: So nach Daressy, Jelínková-Reymond, Borghouts, Kákosy. Panov und Ockinga haben abweichend r rḏi̯(.t) n=j ꜥ.wj=j ḥꜣ Rꜥw: „um [mir meine Arme hinter Re] zu legen“ bwz. „to place (his) arms around Re for me.“ Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben eine Passivkonstruktion: „So I came forth to have my arms placed behind the Sun.“

18 sẖkr: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 17, Anm. 7 liest sjmꜣ „donner des soins à“ (so auch Borghouts, der sjmꜣ mit „to unite“ übersetzt, d.h. smꜣ). Auf der Heilstatue des Hor (Turin Cat. 3030) und auf der Statue des Horchebis in Moskau (Panov, Die Statue des Horchebe, 44) ist sẖkr jedoch phonetisch ausgeschrieben. Auf Statue Turin Suppl. 9 könnte zn: „öffnen“ stehen (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49, Anm. S).

19 wḫꜣ: Wb. 1, 353.4 und 353.11 „Staub abschütteln“ (NICHT wḫꜣ „suchen“). Vgl. Edfou I, 555.12-13 (r wḫꜣ ḫm=f r smꜥr ꜥ.wt=f m kꜣ.t n.t Ḥd-ḥtp); oder fehlerhafte Schreibung von ḫꜣi̯ „untersuchen“ (Wb. 1, 354.10 und MedWb 207).
ḫm: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45: „I have thrown off all his dust.“ Er erkennt (S. 49, Anm. T) das Wort „Staub“ wegen des Determinativs, aber verweist ebenso auf Wb. 3, 281.6-9 für eine Kategorie von bösen Wesen. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, übersetzt (S. 17-18) „J’ai examiné toutes ses blessures“ (so auch Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350) und sie verweist (18, Anm. 1) auf Wb. 3, 277.13 s.v. ḫm für einen krankhaften Zustand des Magens.

20 smꜥr.n=j: Auf Statue Turin Supp. 9 steht ḫrs.n=j sḏb.w=f (= ḫsr „beseitigen“), auf Statue Turin Cat. 3030 steht ḫm.n=j sḏb.w=f („ignorieren“).

21 Ab hier steht der Spruch auf der Statue des Djedher auf der rechten Seitenkante der Horusstele und ist nach links orientiert, abweichend vom bisherigen Text. Man könnte deshalb an einen anderen Spruch denken (so Daressy), aber auf der Heilstatue des Hor (Turin Cat. 3030) und der Statue Tyszkiewicz läuft der Text einfach weiter. So wahrscheinlich auch auf dem magischen Teller in Sydney und auf der Heilstatue des Harchebis in Moskau. Auf der Heilstatue Turin Suppl. 9 bricht der Text früher ab, ebenso auf der Heilstatue des Anchapis JE 41677 (Ende zerstört). Auf der Horusstele Neapel Inv. 1008 (siehe R. Cantilena und P. Rubino (eds.), La Collezione egiziana del Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Napoli, 1989, 107-109 (Nr. 11.7) und Taf. IV (Hierogl. Abschrift)) steht diese Passage im Anschluss an Spruch B.

22 bgꜣ=s: Muss hier transitiv verwendet werden (nicht im Wb. 1, 431 verzeichnet), oder man muss =s wegemendieren. Auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 10), 74 steht n(n) bgꜣ jb=f n hh=s ohne =s bei bgꜣ=s; ebenso auf dem magischen Teller in Sydney (Ockinga). Auf Statue Tyszkiewicz steht n(n) bg(ꜣ) m jb=f m hh=s „Es gibt kein Ermatten in seinem (des Patienten) Herzen wegen seines (des Giftes) Gluthauchs.“ Die Präposition beim Verb bꜣgi̯ ist wahrscheinlich n „wegen“ (s. Wb. 1, 431.11).

23 sḫm ꜥ: Laut Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (cc) ist eine fehlerhafte Schreibung des Determinativs von sḫm. Aber auch auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 10-11), 74) und auf der Statue Tyszkiewicz steht n(n) sḫm ꜥ n(.j) nṯr jm =f.

24 Ḥrw-wr: wr steht ausgeschrieben auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 11), 74): jnk Ḥr.w-wr zwn.w nṯr ḥtp „I am Horus the Great, the physician. The god is pleased.“ Auf der Statue Tyszkiewicz steht jnk Ḥr.w-wr ⸮zwn.w? / r nṯr ḥtp, gefolgt von ky rʾ. Das Ḥr-smsw in der Übersetzung von Borghouts, 96 ist entsprechend zu korrigieren. Ockinga, 252-253 möchte wr nicht zu Ḥrw, sondern zu zwn.w ziehen und wr-zwn.w „Oberarzt“ lesen.

25 z(w)n(.w) ⸮r:ḥtp-nṯr?: Der Anfang jnk Ḥrw ist noch auf der Seitenkante der Horusstele eingraviert, die nachfolgenden Wörter ab wr sind weniger stark und ganz am Rand eingraviert (sie sind allerdings noch erkennbar, zwnw bei Jelínková-Reymond, 8 mit Anm. (dd) ist zu korrigieren). Sie wurden weiter unten auf dem Fuß wiederholt. Die Formel „Ich bin Horus, der Arzt, der Gottesberuhiger (?)“, jedes Mal mit Inversion von nṯr und ḥtp steht ebenfalls auf Ostrakon Bruxelles E 3209, Z. 11 (van de Walle, in: CdE 42, 1967, 13-29); auf pChester Beatty VII, Rto 1.6-2.4 im Refrain m=ṯ jnk Ḥrw zwn.w ḥtp-nṯr „Behold, I am Horus, the physician soothing the god.“; auf dem medizinischen Papyrus pBerlin P 3038, Kol. 21.9 (= Bln 190) (s. LGG VI, 216a). Das r vor nṯr findet sich auch auf der Statue Tyszkiewicz (jnk Ḥr.w-wr ⸮zwn.w? / ... r nṯr ḥtp, gefolgt von ky rʾ). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 20, Anm. 1 möchte es als j:ḥtp (Partizip) lesen, was in Anbetracht der Wortinversion doch problematisch ist. Ob man mit Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 11), 74 „The god is pleased“ eher jw nṯr ḥtp(.w) (mit r für jw) lesen soll (so auch Panov 2019, 46)?

1.3: Götterdarstellungen auf dem rechten Oberarm (auf dem rechten Oberarm zwischen Ellenbogen und Schulter)

1. Register, 6 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue hin (d.h. zum Ellenbogen) orientiert, von rechts (= vorn) nach links (= hinten)

(1. von rechts: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Szepter:) Chentechtai, der Herr des Himmels, der für sich (?) die Erde gemacht hat.
(2. von rechts: Göttin mit Hathorkrone, die ein Papyruszepter hält:) Chuit, die den Gott bekleidet, Isis, groß an Zauberkraft.
(3. von rechts: Ibisköpfiger Gott, der auf ein Krokodil steht und es spießt:) Thoth, der zweimal Große, der Herr von Hermopolis, der große Gott, der Gewalttätige (?)1 unter den Göttern.
(4. von rechts: Sieben kleine Skorpione über einander: ohne Beischrift)
(5. von rechts: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Szepter: ohne Beischrift)
(6. von rechts: Löwenköpfige Gottin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf, die zwei Schlangen und ein Skorpion in der rechten und zwei Schlangen in der linken Hand hält: ohne Beischrift)

2. Register, 14 Götterfiguren, 10 vordere schauen zur Vorderseite der Statue, 4 hintere zur Rückseite, von rechts (= vorn) nach links (= hinten)

(1. von rechts (vor der Hand des Djedher): Ibisköpfiger Gott mit einer Papyrusrolle in der Hand:) Thoth, der zweimal große Gott, der Herr von Hermopolis, der Herr der Gottesworte.
(2. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockender Gott mit Menschenkopf:) Hu.
(3. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockender Gott mit Menschenkopf:) Sia
(4. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockender Gott mit Krokodilskopf:) Sobek.
(5. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockende Gottheit mit Menschen(?)kopf:) Nut.2
(6. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockende Gottheit mit Affenkopf:) Hep.
(7. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockende Gottheit mit Ibiskopf:) Thoth.3
(8. von rechts: Ithyphallischer Gott mit rückwärts erhobenem Arm:) Min, der Herr des Senut-netjer-Heiligtums.
(9. von rechts: Stehende Mumie mit Skarabäus auf dem Kopf:) Anonym.
(10. von rechts: Falke auf einer Antilope; die Arme des Falken halten die Hörner der Antilope:) Horus, der Herr von Hebenu.
(1. von links: Kniender Gott mit Feder auf dem Kopf und mit erhobenen Armen:) Der den Himmel hochhebt.4
(2. von links: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Zepter:) Harachte, der Oberste der Götter.
(3. Falkenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Zepter:) Horus, der Herr von Letopolis.5
(4. von links: Menschenköpfiger Gott mit Atefkrone, der eine Schlange in jeder Hand hält:) Heka.

3. Register, 9 Götterfiguren, 5 vordere schauen zur Vorderseite der Statue, 4 hintere zur Rückseite, von rechts (= vorn) nach links (= hinten)

(1. von rechts: Löwenköpfige Göttin mit Papyrusszepter:) Sachmet, die Große, die Geliebte des Ptah.
(2. von rechts: Stehender Gott mit unklarer Ikonographie:) -unklare Zeichenspuren-
(3. von rechts: Stehender Gott mit Amun-Krone:) Amun-Re, der Herr der Throne der Beiden Länder.
(4. von rechts: Stehende Göttin mit einem Skorpionkopf, die einen Skorpion in der vorderen Hand hält:) Selkis.
(5. von rechts: Widderköpfiger Gott mit Uräus und Sonnenscheibe auf dem Kopf, der eine Schlange spießt:) Chnum, der Apophis niederstreckt, der Herr von Herwer.
(1. von links: Menschenköpfiger Gott mit Atefkrone und Was-Szepter:) Osiris, der Oberste der Götter.
(2. von links: Falkenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Szepter:) Horus, der Herr von Letopolis, der große Gott, der den Feind niederwirft.
(3. von links: Stehendes Nilpferd:) Nut, die Große, die die Götter geboren hat.
(4. von links: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe auf dem Kopf, der auf einem Krokodil steht, das er speert:) Chnum, der Herr von Herwer, der 〈den, der im〉 Fluss ist, niederwirft.6

1 dsm: Wb. 5, 487.5: ob für mds?

2 Lesung nach Daressy, 129; Lesung unsicher laut Jelínková-Reymond, 22.

3 Lesung nach Daressy, 129; Schreibung ähnelt eher ꜣḫ laut Jelínková-Reymond, 22.

4 ꜥḫi̯/twꜣ p.t: In LGG II, 201-202 bzw. LGG VII, 369 wird kein Gott mit dieser Ikonographie aufgelistet. Jelínková-Reymond, 140 trägt diese Schreibung unter Schu ein.

5 Ḥr.w nb Ḫm.w: Letopolis. Von Gauthier, DG III, 35 als „min“, d.h. Achmim gelesen, mit Verweis auf Daressy, in: ASAE 18, 130 (d.h. diese Textstelle). Dieselbe Orthographie des Toponyms in Ḫnt.j-Ḫm in Jelínková-Reymond, 56 (= Z. 115) in Horusstelentext A.

6 〈n.tj〉 〈m〉: Ergänzt nach Jelínková-Reymond, 22, Anm. (h).

1.4: Götterdarstellungen auf der Horusstele

Rechts vom Horuskind

(1. Zu beiden Seiten eines Falken auf einem Papyrusstab, der über einem Krokodil steht:) Horus, der auf seiner Papyrussäule ist.
(2. Vor einem falkenköpfigen Gott mit Sonnenscheibe, der zwei Schlangen vor sich hält:) Heka, der Ka des Re.
(3. Stehendes Nilpferd, das sich auf eine zꜣ-Schlaufe stützt:) Nut, die Große, die den Gott im Wasser geboren hat.
(4. Vor Nephthys mit erhobenen Armen und hinter Nephthys:) Nephthys, die Große, die Herrin (?)1, die Gottesmutter, die mit großer Zauberkraft2, Zauber des Re3.

Links vom Horuskind

(1. Neben dem Nefertem-Stab:) Nefertem, der die Beiden Länder schützt.
(2. Vor einer löwenköpfigen Göttin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf und Papyruszepter in der Hand:) Sachmet, die Große, die Geliebte des Ptah.
(3. Falken(?)köpfiger Gött mit Widdergehörn und Sonnenscheibe auf dem Kopf, der auf einem Krokodil steht und es spießt:) Chnum, der Herr von Herwer. Schutz und Leben sind um ihm.
(4. Stehende Göttin mit Seschatsymbol auf dem Kopf und mit Papyrusszepter:) Seschat, die Große, die Herrin der Schrift, die Herrin der Gottesworte (= Hieroglyphen)4.
(5. Göttin mit einem Skorpion als Kopf, die ein Skorpion beim Schwanz hält:) Selkis, die Vorsteherin der Tapferkeit (?).5
(6. Nephthys mit verehrend erhobenen Händen:) Nephthys, die Gottesschwester, die Herrin der Schrift, die die Angelegenheiten richtet.6

1 die Große, die Herrin (?) (wr(.t) ⸮nb.t?): Vielleicht ist das nb-Zeichen ein Fehler für r und ist das Ganze nur wr.t zu lesen (so bei Daressy, 133).

2 mit großer Zauberkraft (wr.t ḥkꜣ.w): Jelínková-Reymond, 25 hat das Determinativ bei ḥkꜣ.w am Anfang der 3. Kol. vergessen. Daressy, 133 hat das Frauendeterminativ B1 𓁐, aber dem Foto nach zu urteilen, ist es der Mann mit Hand am Mund A2 𓀁.

Zauber des Re (ḥkꜣw-⸢Rꜥw⸣): So Jelínková-Reymond, 25 mit dem Vermerk „vrais(emblablement)“. Daressy, 133 hat nur den Anfang ḥkꜣ. Einem Foto nach zu urteilen, ist die Lesung von Jelínková-Reymond, 25 unwahrscheinlich.

4 nb(.t) mdw-nṯr.⸮w?: Mit Pluralstrichen bei Daressy, 133; ohne Pluralstrichen bei Jelínková-Reymond, 25.

5 ḥr.j(t) qn(.t): Übersetzung unsicher. In LGG V, 442 steht ähnlich: „Die über der Stärke ist“.

6 ⸮nb(.t)? wḏꜥ-mdw.w: Sicherlich ist das von Jelínková-Reymond, 25 mit Anm. (i-j) erkannte sehr flache nb-Zeichen in Wirklichkeit der obere horizontale Strich des wḏꜥ-Zeichens (Aa21A, so bei Daressy, 133). Bei einer weiteren Nephthys-Darstellung auf dem Sockel (Jelínková-Reymond, 67) steht jedenfalls nb(.t) zẖꜣ.w wḏꜥ(.t)-mdw.w, wobei wḏꜥ(.t) mit Aa21A (und nicht Aa21) geschrieben ist.

1.5: Anrufung an Re, Z. J-R 35-48 = D 55-68 (Vor den Füßen des Djedher, auf der Oberseite des Statuensockels):

Oh Lichtgott,1 (du,) der die Müdigkeit/Mattigkeit am Rand (oder: auf dem Ufer) des Himmels2 geschaffen hat: ich habe (dich?) umgestürzt (oder: bin vom Kurs abgekommen?)3 und bin durch den Lichtglanz hindurchgezogen. Oh diese Schwelle4, gegen die meine beiden Füße angeschlagen sind (wörtl.: die meine Füße geschlagen haben) und gegen die meine Zehen gestoßen/gegengetreten sind: (Oh) Gift des Re bei seinem (d.h. des Re) Erscheinen: komme doch auf den Boden! (Du) dieses Gift einer jeder männlichen Schlange und einer jeder weiblichen Schlange, das in allen Gliedern des Mannes/Patienten ist, der einen Biss/Stich hat.5
Es ist Re, der es gesagt hat.6

1 Ꜣḫ(.w): Zweimal identisch geschrieben in Kol. 35 und 40-41. Jelínková-Reymond, 26 liest zweimal „puissance magique de Re!“, d.h. ꜣḫ.w Rꜥw. Daressy übersetzt die erste Stelle als „fils de Râ“, die zweite als „la cure de Râ“. Klasens, 54 übersetzt beide Stellen als „sun-beams“ (jꜣḫw), was besser zum Determinativ N8 auf Socle Béhague und auf Horuscippus Kairo CG 9404 passt.

2 ḥr sp.t n(.t) p.t: Auf dem Socle Béhague und dem Horuscippus Kairo CG 9404 steht sp.tj als Dual, auf der Heilstatue des Djedher (Z. 37-38) ist es der Singular sp.t.

3 snb: Graphie von znb = zbn: „umstürzen“. Jelínková-Reymond, 26, Anm. 5 denkt zunächst an zwei sḏm=f-Formen mit Dativ-n, erwägt jedoch auch zwei sḏm.n=f.

4 bnn.t: Bislang nur auf der Heilstatue des Djedher (DZA 22.887.070) und im gleichen Text auf dem Socle Béhague und dem Horuscippus CG 9404 belegt. Jelínková-Reymond, 27, Anm. 1 verzichtet auf eine Übersetzung. Klasens, 79-80 folgt Wb. 1, 460.15 mit dessen Übersetzung „die Schwelle (der Tür)“, denkt dabei jedoch an die Schwelle des Horizonts.

5 m ḫꜥ.w={{k}}〈〈f〉〉: Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert ḫꜥ.w=k zu ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Es ist jedoch auf Socle Béhague als m ḫꜥ.w=f vorhanden. Auf der Statue des Djedher scheint das k in ein f korrigiert zu sein (auf CG 9404 zerstört). Diese Formel findet sich als m ḫꜥ.w=f weitere Male auf der Heilstatue des Djedher, Z. 57 (mit unklarem Einsatz), 75-76 und 79-80 und ist schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten.

6 ḏd.w: Daressy, 121 hat ḏd.w, gefolgt von einer Lücke. Jelínková-Reymond, 25 hat ḏd.tw ⸮z?.

1.6 (Z. 49-72): Spruchsammlung von mindestens 8 Sprüchen (auf dem linken Arm und dem linken Bein)

Mein Unterarm ist (der des) Heh, die Finger (meiner) Hand sind (die des) Re.1 Wenn das Feuer zur Höhle 〈hinausgeht〉 (oder: gegen die Höhe 〈vorgeht〉),2 wovon nun werden die Götter leben? Dein Haus ist geschützt (oder: Siehe dein Haus!).3 Das Dach ist aus Gold.4 Dein Keller (?; oder: deine Höhle) ist aus schönem Türkis. (Oh) Gift des Re5 und (das) dieses Mannes6 der (Göttin) ...?... bei seinem (d.h. des Re) Erscheinen: Los! Auf den Boden!

Ein anderer Spruch.

Dies ist jener (Finger)nagel des Atum, der Uräus, die Stirnschlange des Re. (Ich) habe Binden auf sie (wen?)7 gehoben. Ich habe euch (wer?) gezogen auf/über dem, was Chnum anschwellen lassen (oder: ergossen) hat. (Du) ausgeschickter (?), komm! Du hast eine Beschwörung gemacht (?) für diesen Mann, der einen Biss/Stich hat.

Ein anderer Spruch.

Du sollst ausfließen, sḏḥ.w-Schlange! Du sollst ausfließen, Stierschlange! Du sollst ausfließen, Stierschlange! Du sollst ausfließen, {du sollst ausfließen,} sḏḥ.w-Schlange! Die Metallwaffe ist in seinen {beiden} Knochen. Voll ist das Große-Haus, voll ist der große Altar. Feuerbrunst wurde gelegt. Siehe, ich werde sie löschen.

Ein anderer Spruch.

Der Große wurde von einem Skorpion gebissen. Sein Gift (geht) in Richtung auf sein Gesicht (oder: sein Herz?).

Ein anderer Spruch.

Bringe den Kopf des Horus zu ihm! Stelle die Knochen/Unterschenkel (?) des Osiris für ihn kopfüber (?) hin! Hast du das gegessen, was der, der sein Wasser macht, gegessen hat? Sein Messer (?) ist in Letopolis. Die ꜥb-Schlange wurde von seiner ꜥꜣ-Schlange gebissen. Komme, zerlege für dich das, was du selbst hergestellt hast! Gift der snw-Schlange: Sei kühl! Sei kühl! (Gift der) mꜣ-Schlange(: Sei kühl!) (Gift der) qrf-Schlange(: Sei kühl!)

Ein anderer Spruch.

Ich habe in den Himmel geschaut und ich habe Re gesehen. Er, er wird dich beschwören! Ich habe zur/in die Erde geschaut und ich habe Geb gesehen. Er, er wird dich beschwören! Oh Re, Oberhaupt! Komme und beschwöre doch! Du hast gesehen, was ich angeschaut habe! (oder: Siehe doch, was ich angeschaut habe!) Ich bin einen Gebissenen/Gestochenen begegnet (?). Ich habe (etwas) getan, indem ich (es) nicht wusste. (??) (oder: Ich spielte den Unwissenden / den Kranken. (??)) Dann wird folglich herauskommen und verbrannt sein (?) das Gift, 〈das〉 prominent im ganzen Körper dieses Mannes 〈ist〉, der einen Biss/Stich hat.

Ein anderer Spruch.

Meine Hand ist an deinem Kopf. Selkis (hat) (ihre) Hände unter deinem Auge, (oh) Majestät des Horus. Möget ihr wiederbeleben diesen Mann, der einen Stich/Biss hat, vor dem Gift jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Gifttieres, jedes Skorpions. Er wird leben und wohlbehalten sein 〈wie〉 Horus.

Ein anderer Spruch.

Oh Re, oh Geb, oh Nut, oh Osiris, oh Horus! Möget ihr das Herz dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat, festigen! Möget ihr ihn am Leben erhalten (oder: wiederbeleben), so wie ihr das Herz des Re zur Zeit der Rage (oder: des Machtsmoments) des Nehaher am Leben erhaltet. Möget ihr abwehren das/dieses Gift, das in seinem ganzen Körper ist, so wie ihr abwehrt den Ausfluss des Apophis, der im Körper des Größen Gottes ist. Re ist dein Schutz.

1 ḏbꜥ.w ⸮ḏr.t?=j: Kein einziger Textvertreter (Sockel Chicago OIM 9379; Statue Tyszkiewicz; Statue Turin Cat. 3030) hat ein eindeutiges ḏr.t „Hand“, was Jelínková-Reymond, 30, Anm. (b) für die Statue des Djedher liest (sehr unklar und für die Hand außerdem spiegelverkehrt; nicht gelesen bei Daressy, 116). Auf Statue Turin Cat. 3030 könnte Folgendes stehen mḥ=j m ḥḥ ḏbꜥ.w =j 〈m〉 Rꜥw „Mein Unterarm ist Heh, meine Finger 〈sind〉 Re“. Auf dem Sockel Chicago OIM 9379 ist eine Lesung mḥ=⸮j? m Ḥḥ dbꜥ=j m Rꜥw denkbar. Unbrauchbar ist die Übersetzung von Daressy, 117: „Tu es pris en main par des millions et des myriades pour le grand foyer, vers la retraite dans laquelle vivent les dieux. Jelínková-Reymond, 30 versucht folgende Übersetzung: „Le bras du 〈seigneur〉 des millions (?) d’années (?). La main (?) de Rēꜥ.“ Van de Walle, in: JNES 31, 1972, 77 verzichtet auf eine Übersetzung. Kákosy, Egyptian Healing Statues, 77 hat: „My forearm (?) with millions, (my) fingers (?) (with) millions. The (hand?) of Re.“, aber er erachtet auch eine Interpretation von ḏbꜥ.w als die Zahl „Zehntausende“ für möglich.

2 〈pri̯〉 sḏ.t: sḏ.t ist auf der Statue des Djedher falsch herum geschrieben, mit zunächst dem Determinativ Q7 und erst anschließend dem Kreuz Z9. Unter Rꜥw des vorherigen Satzes wäre noch Platz für pri̯ (I24), aber die Gravur wurde entweder an dieser schwierigen Stelle nicht ausgeführt oder zumindest nicht fertiggestellt. Auf Statue Turin Suppl. 9 und Turin Cat. 3030, fängt der Satz mit pri̯ ḫ.t an (Kákosy, Egyptian healing statues, 48, Z. 2: pri̯ ḫ.t r ṯpḥ.t), auf Sockel Chicago OIM 9379 und Statue Tyszkiewicz mit pri̯ sḏ.t. Der Anfang ist teilzerstört und unverständlich auf Heilstatue Kairo JE 41677.

3 m=k: Kákosy, Egyptian healing statues, 49 übersetzt „Your house is protected“, d.h. er erkennt das Verb mki̯ „schützen“. Auch Daressy, 117 und Jelínková-Reymond, 31 denken an das Verb mki̯ „schützen“.

4 tp m nbw: Kákosy, Egyptian healing statues, 49 übersetzt „The roof is of gold.“ Ein Suffixpronomen scheint auch in den übrigen Textvertretern zu fehlen (Turin Suppl. 9; Turin Cat. 3030, Kairo JE 41677, Sockel Chicago OIM 9379; Statue Tyszkiewicz).

5 mtw.t Rꜥw m ḫꜥ.w=f mj-n ḥr tꜣ: Gleiche Formel bei Djedher in Z. 43-44, 56-57, 75-76 und 79-80. Die Formel erscheint auch noch in einem anderen Spruch auf Heilstatue Neapel 1065 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 129, Z. x+11). Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert m ḫꜥ.w=k bzw. m ḫꜥ.w=f zu m ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Kákosy, 130 (Anm. E) folgt dem (vgl. Kákosy, 50, Anm. F). Es ist jedoch an allen Stellen in allen Textvertretern (z.B. auch auf Socle Béhague, Spruch II, Z. f.3) als m ḫꜥ.w=f vorhanden und schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten. Jelínková-Reymond, 31 übersetzt die Formel als „Le venin de Rēꜥ et de cet homme qui est souffrant est dans son corps.“ Kákosy, 49 versucht unsere Textstelle zu übersetzen mit „(O) venom of Re and of the man in whose body you are (?).“ Klasens, 54 hat „Poison of Rē when rising, come to the earth.“ Unbrauchbar ist die Übersetzung von Daressy: „Le venin pour Râ (était en) cet homme, par Neith et par ses vertus.“ Mit dem „Gift des Re“ ist das Gift der Schlange, die ihn gebissen hat, gemeint (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49, Anm. E).

6 z(j) pn ⸮n,tj?: Siehe Panov 2019, 52, Taf. 2 und Anm. 68 für die verschiedenen Versionen dieses Wortes oder dieser Gruppe. In allen Parallelversionen ist z(j) „Mann“ ohne Determinativ geschrieben und wird vom Demonstrativpronomen pn gefolgt. Auf Sockel Chicago OIM 9379 findet sich z pn n + zwei göttliche Wesen. Statue Turin Suppl. 9 hat vielleicht z p(w)⸮y? ⸮mꜣꜥ.tj? und Statue Turin Cat. 3030 z pn t.... Jelínková-Reymond, 31 Anm. 5 emendiert zu z pn n.tj ẖr dm.wt „cet homme qui est souffrant“, was von Kákosy (S. 77) einmal gefolgt wird, während er an anderer Stelle (S. 49) „(O) venom of Re and of the man in whose body you are (?).“ zu lesen versucht.

7 ḥr=sn: Unklar ist, worauf sich =sn bezieht. Jelínková-Reymond, 32 hat „J’ai apporté les bandelettes contre cela (?).“ Kákosy, 49 übersetzt „I have lifted up strips (of cloth) on them“ und meint (S. 50, Anm. G), das der Magier droht, die Stoffstreifen mit magischen Sprüchen auf die Feinde zu legen. Daressy, 118 bezieht es auf den Uräus und das Auge (oder die Stirnschlange): „Uraeus, oeil de Ra, qui portent sur elles les bandes“.

1.7: Götterdarstellungen (auf dem linken Oberarm zwischen Ellenbogen und Schulter, 3 Register mit Götterfiguren)

1. Register, 6 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue (d.h. zum Ellenbogen) hin orientiert

1. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott, der ein Krokodil speert: (anonym)
2. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Tatenenkrone und Was-Zepter: (anonym)
3. Götterfigur von links, stehendes Nilpferd, mit vorderer Tatze auf einer zꜣ-Schlaufe: (anonym)
4. Götterfigur von links, stehende Göttin mit unterägyptischer Krone und Papyruszepter: Neith, die Herrin von Sais.
5. Götterfigur von links, löwenköpfige Göttin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf und Papyruszepter: (anonym)

2. Register, 6 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue (d.h. zum Ellenbogen) hin orientiert

1.Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Zepter: Re-Harachte, der große Gott, der den Rebellen niederwirft.
2. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Atefkrone und Was-Zepter (unter der Hand): Horus als(?) der Gerechtfertigte/Triumphator, der Aufseher/Beschwörer der Selkis.
3. Götterfigur von links, menschenköpfiger Gott mit Straußenfeder auf dem Kopf und Was-Zepter: Schu, der Sohn des Atum.
4. Götterfigur von links, menschenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Zepter: Atum, der Herr der Beiden Länder und von Heliopolis.
5. Götterfigur von links, menschenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Zepter: Harendotes, der Sohn des Osiris.
6. Götterfigur von links, mumiengestaltiger Gott mit Atefkrone, der Krummstab und Wedel hält: Osiris, der König der Götter.

3. Register, 10 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue (d.h. zum Ellenbogen) hin orientiert

1. Götterfigur von links, stehende Göttin mit Isisthron auf dem Kopf: (anonym)
2. Götterfigur von links, ibisköpfiger Gott mit Atefkrone und Was-Zepter: Thot, der Herr von Hermopolis.
3. Götterfigur von links, Göttin mit einem Skorpion statt eines Kopfes und mit Papyruszepter: Selkis, die Vorsteherin (?)1 der Tapferkeit.
4. Götterfigur von links, schlangenköpfiger Gott mit einer Schlange in jeder Hand: Heka, 〈der Ka〉 (?)2 des Re.
5. Götterfigur von links, hockende Katze: Mut, die Große, die Herrin von Ischeru.
6. Götterfigur von links, ein Udjatauge: Das große Horusauge.
7. Götterfigur von links, ein Skarabäus: Chepri, der Vater der Götter.
8. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Doppelkrone: Harendotes, der Sohn seines Vaters.
9. Götterfigur von links, stehender Gott mit Doppelfederkrone und langem Mantel, der eine Schlange speert: Onuris3, der Große, der Apophis schlachtet.
10. Götterfigur von links, laufendes Ichneumon: Das Ichneumon des Re.

1 ⸮ḥr.j(t)? qn.w: Lesung unsicher. Gleiches Epitheton auf der Horusstele, dort ist ḥr.j eindeutig (J-R § 4.g.2.2 = D S. 133.d.2.2). Daressy, 131 hat sḫr(.t) ḫft.j n(.j) Rꜥw gelesen (mit ḫft.j logographisch mit A14A 𓀑 geschrieben). Dabei würde sḫr(.t) dem ⸮ḥr.j(t)? qn.w von Jelínková-Reymond, 37 entsprechen (Riegel-s O34 für Himmelszeichen N1 p.t, Plazenta Aa1 für Hügel N29, Mund D21 für Wasserlinie N35; Kreuz Z9 und schlagender Arm D40 sind identisch) und ḫft.j n(.j) Rꜥw wäre das, was Jelínková-Reymond, 37 als Ḥkꜣ n(.j) Rꜥw liest (mit A14A für/statt F178).

2 Ḥkꜣ 〈kꜣ〉 n(.j) Rꜥw: Lesung von ḥkꜣ n Rꜥw nach Jelínková-Reymond, 37. Ob die Pluralstriche ein Fehler für die Ka-Arme mit Ideogrammstrich sein könnten? Daressy, 131 hat ḫft.j n(.j) Rꜥw gelesen (mit ḫft.j logographisch mit A14A 𓀑 geschrieben).

3 ⸮Jni̯?-ḥr.t: Daressy, 132 hat ḥr.j wr šꜥd ꜥ(ꜣ)pp. Jelínková-Reymond, 37 liest Ḥr.j-š=f šꜥd ꜥ(ꜣ)pp. Das erste Zeichen ist rund, das zweite ist nicht als ein Mund erkennbar. Auch š=f ist nicht auf dem Foto identifizierbar. Am Ehesten ist das erste Zeichen ein runder Topf mit Beinchen (Gardiner W25 𓏎). Die Lesung „Onuris“ passt gut zur Ikonographie des Gottes mit langem Mantel und Federkrone, der eine Schlange speert.

1.8: (Z. 73-98): Konvolut von 7 Sprüchen auf der Perücke

Spruch 1: Die Flamme zum Himmel

Die Flamme zum (oder: gegen den) Himmel! Die spd-Spitze (?) zur (oder: gegen die) Erde! Die spd-Spitze (?) zur (oder: gegen die) Erde!1 Die Flamme zum (oder: gegen den) Himmel! (Oh) Gift des Re bei dessen Erscheinen: Los! Auf den Boden!2 Du sollst ausfließen, du bissige/zischende (?) z-Schlange,3 die ihr Fest in dem Blut feiert, an dem Tag,4 an dem seine Mutter ihn geboren hat. Du bist (?)5 zum Stock geeilt.6 Du hast (?) die Weiße Krone auf den Scheitel des Chontamenti gepackt. Du sagst (oder: Dir wurde gesagt):7 Du wirst König sein bis in Ewigkeit, ein Horus, der für immer dauerhaft ist. (Oh) Gift des Re bei seinem Erscheinen: Los! Auf dem Boden!

Spruch 2: Oh der, der in seinem Sarg ist

Ein anderer Spruch: Oh (du), der in seinem Sarg ist! Oh (du), der in seinem Sarg ist! Wache auf! Wache auf! Verborgen ist dein Leichnam in Ba〈bylon〉.8 Genannt/ausgesprochen wird dein Name in Heliopolis (und) innerhalb der Nekropolenstadt (von Athribis). (Oh du,) der aus der Lotosblume auf dem hohen Hügel hervorgekommen ist, der die Beiden Länder mit seinen beiden Augen erhellt: Ich kenne deinen Namen, der vor den Menschen verborgen und vor den Göttern geheim ist. Kein einziger Ort, an dem er ist, ist bekannt.9 Re (?) hat es (?) gesagt:10 „Böser“ ist dein Name. „Ausgetrockneter und Böser“ ist dein Name. „Halber Kopf (?)“ ist dein Name. „Wachsamer, dessen Abscheu der Schlummer ist“ ist dein Name. Komme und rette diesen Mann, der eine Biss-/Stichverletzung hat, so wie du dich selbst gerettet hast vor den {drei}〈vier〉 (?)11 Aufrührern/Lärmemachern, die gegen dich im Norden von Unu-Hermopolis vorgegangen sind und die gegen dich in Herwer vorgegangen sind!

Spruch 3: Wenn das Gift zum Herzen des Gebissenen hinauffährt

Ein anderer Spruch: Wenn das Gift hinauffährt zum {Kopf}〈Herzen〉 dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat, dann fährt es hinauf zum Herzen des Re. Wenn es hinaufsteigt zum Herzen dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat, dann steigt es hinauf zum Herzen der Bas von Heliopolis. Es ist der Gott, der mittels seiner Stimme beschwört. Herz einer Meerkatze, Blut eines Widders, Kopf einer Kobra.

Spruch 4: Re ist in Wut

Ein anderer Spruch: Re ist in Wut: Der, der in der Unterwelt ist, ist in den Himmel aufgestiegen. Falle auf den Erdboden! Andere Formulierung: Falle in die Unterwelt! Re ist in Wut, Ptah ist in Wut: Diese Götter, die im Himmel sind, schlafen/liegen in ihren Särgen.

Spruch 5: Wenn der See in Herakleopolis sich auftrennt

Ein anderer Spruch: Wenn der See, der in Herakleopolis ist, sich auftrennt, (dann) ist Osiris in ihm bestattet. (Aber) sein Leichnam ist in der Unterwelt in Theben. (Oh) Amset, Hapi, Duamutef, Qebehsenuef! Das Gift, das in allen Gliedern dieses Mannes ist, der eine Biss-/Stichverletzung hat, soll ausfließen. Los! Auf den Boden!

Spruch 6: Der Zwerg, der sein Wasser schützt

Ein anderer Spruch: Oh Zwerg, der sein Wasser bewacht!12 Oh sein Wasser, das der Zwerg bewacht! Oh sein Wasser, das der Zwerg bewacht!13 Oh Zwerg, der sein Wasser bewacht! Geschützt ist der Zwerg. Unterarm des Pavians. „gjf-Meerkatze, gjfgjf“ ist der Name des Mondes.

Spruch 7: Das böse Gift soll zurückweichen

Ein anderer Spruch: Nach hinten mit dir! Weiche zurück, oh böses Gift! Mache keine Verletzung14 in irgendeinem Glied dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat! Er ist (ja) jener Gott, der Herr der Nacht. Das Gift soll keine Macht über ihn haben! (Denn) er ist (ja) Be-Seth (?), der Herr der Dunkelheit, wobei er hinter dem ist, der in die Finsternis gefallen ist. Er ist (oder: ihm gehört) die vierte Stunde, das vierte Udjatauge (oder: die vierte Göttin?), die hohe (Göttin) (?), die erhellt. Es ist Thermouthis in dieser Stunde. 〈Dieser〉 Mann, der eine Biss-/Stichverletzung hat: Er ist Osiris.

1 tꜣ nsr.t: Unter dem Landzeichen (N17 ohne Sandkörner 𓇿 oder N16 mit kleinen Sandkörnern 𓇾) sind Zacken erkennbar, die eher zu einer unvollständigen Wasserlinie n (𓈖) von nsr.t gehören, als stark markierte Sandkörner des Landzeichens N16 (𓈓) sind. Jedoch zeichnet Jelínková-Reymond, 38 drei Sandkörner und Daressy, 121 ein Landzeichen (N21 𓈅) und einen Ideogrammstrich (Z1).

2 mtw.t Rꜥw m ḫꜥ.w=f mj ḥr tꜣ: Gleiche Formel auf der Heilstatue des Djedher Kairo JE 46341 in Z. 43-44, Z. 75-76 (= Textparallele) und Z. 79-80. Die Formel erscheint auch noch in einem anderen Spruch auf Heilstatue Neapel 1065 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 129, Z. x+11). Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert m ḫꜥ.w=k bzw. m ḫꜥ.w=f zu m ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Kákosy, 130 (Anm. E) folgt dem (vgl. Kákosy, 50, Anm. F). Es ist jedoch an allen Stellen in allen Textvertretern (z.B. auch auf Socle Béhague, Spruch II, Z. f.3) als m ḫꜥ.w=f vorhanden und schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten. Jelínková-Reymond, 31 übersetzt die Formel als „Le venin de Rēꜥ (...) est dans son corps.“ Kákosy, 49 versucht entsprechend zu übersetzen mit „(O) venom of Re (...) in whose body you are (?).“ Wir übersetzen wie Klasens, 54: „Poison of Rē when rising, come to the earth.“ Das „Gift des Re“ ist das Gift der Schlange, die ihn gebissen hat (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49, Anm. E).

3 z: Unbekannte Schlangenbezeichnung, geschrieben mit Riegel-z, hockender Person und Schlange. Die hockende Person sieht aus wie das Gottesdeterminativ A40 ohne Bart und ist nicht weiter detailliert (keine Arme, keine Attribute). Auf Statue Turin Cat. 3030 steht z mit der Personenhieroglyphe A1: „Mann“. Eingetragen in LGG 6, 69b als z ohne Übersetzung. Auf der Statue Tyszkiewicz (Panov, Z. 96) steht entweder z n.j mḥ 1(?) „Mann von einer Elle (?)“ oder z n〈f〉ꜥ mit Personendeterminativ A1.
nfꜥ: Die Wurzel nfꜥ mit Messerdeterminativ ist unbekannt. Die Übersetzung ist geraten. In der Lehre des Anchscheschonki (pBM EA 10508, Kol. 20.9) bezeichnet nfj.w das Geräusch einer ḥfꜣ-Schlange (von nfj/nfꜣ „ausatmen; wehen/blasen/schnaufen“). Jelínková-Reymond, 40, Anm. (i), schreibt bei den Hieroglyphen, dass das Messer (T30) für den „schlechten Vogel“ (G37) steht, d.h. sie denkt an das Substantiv nf Wb. 2, 252.1-2 „Böses, Unrechtes“. Aber sie übersetzt (41 mit Anm. 6-7): „serpent-s qui exhale (la flamme)“ (aktives Partizip des Verbs nfj „ausatmen, hauchen“). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 wählt für nfꜥ einen Imperativ „get out“ (71, Anm. E: Kákosy erwartet eigentlich eine Konstruktion nfꜥ ṯw oder nfꜥ ṯn, d.h. er denkt an das Verb nfꜥ mit den Beinchen als Determinativ: Wb. 2, 252.6 „sich eilig davon machen“). LGG IV, 207 verzichtet auf eine Übersetzung. Auf der Statue Tyszkiewicz (Panov, Z. 96) steht entweder z n〈f〉ꜥ mit Personendeterminativ A1 oder z n.j mḥ 1(?) „Mann von einer Elle (?)“ (mit Personendeterminativ A1 am Ende der Gruppe).

4 m hrw: Ist auf der Statue Tyszkiewicz ausgeschrieben und dort fehlt m/n Rꜥw (Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8). Jelínková-Reymond und Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 rekonstruieren ein ursprüngliches snf n.j Rꜥw m hrw msi̯ mw.t=f. Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8 erwägt auf der Grundlage der Statue Tyszkiewicz auch eine Deutung als m hrw msi̯ ⸮s(w)? mw.t=f jm=f: „le jour où sa mère l’a mis au monde“. Auf Statue Turin Cat. 3030 steht msi̯.n s(w) mw.t=f jm=⸮{m}〈f〉? (mit m als Fehler für f, oder mit jm als Adverb statt jm=f).

5 〈jw=f〉 r sḫs: Jelínková-Reymond, 42, Anm. 1 emendiert zu 〈jw=f〉 r sḫs n=k und verweist auf die Statue Tyszkiewicz: „Il se précipitera vers toi“ (auf der Statue Tyszkiewicz, Z. 97 steht allerdings auch nur r sḫs n=k, was dann ebenfalls zu 〈jw=f〉 r sḫs n=k emendiert wird). Ähnlich wie auf der Statue des Djedher fehlt jw=f auch auf Statue Turin Cat. 3030; dort fehlt wohl auch r (oder m ist ein Fehler für r). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 übersetzt mit einem anderen Verb der Bewegung: „Run away (ḫns) (because of) the spell (?) in order to grasp the White Crown“, aber seine hieroglyphische Kopie von Statue Turin Cat. 3030 lautet eindeutig sḫs n=k. Statt r sḫs n=k wird hier eine Lesung jw sḫs.n=k: „Du bist geeilt“ vorgezogen (auch wenn man bei einem Bewegungsverb eher jw=f sḫs.w erwartet) oder j:sḫs n=k „Beeile dich“ denkbar.

6 r mdwi̯.t r 〈ḫ〉fꜥ n =k ḥḏ.t: Jelínková-Reymond, 42 übersetzt „〈mais〉 la formule (magique) sera contre lui.“ D.h. sie erkennt jw mdw.t r=f und sie verweist für ihre Übersetzung auf Kol. 119-120 der Statue von Djedher: mdw.wt=k r=s in Spruch A der Horusstelen (dieser Satz steht nicht in der Version der Metternichstele und ist kein gängiger Satz in Spruch A: Altenmüller, in: OMRO 46, 1965, 26 mit Textsynopse). Allerdings ist das anschließende „s’emparer de“ kaum als ꜥḫm zu lesen (so in ihrem Index S. 145), sondern eher 〈ḫ〉fꜥ, wie es tatsächlich auf Statue Turin Cat. 3030 und der Statue Tyszkiewicz (Z. 98) steht, so dass die Lesung r=f von Jelínková-Reymond nicht möglich ist. Das Wort mdw scheint auf Statue Turin Cat. 3030 und der Statue Tyszkiewicz (Z. 98) mit einem Holzdeterminativ versehen zu sein, als ob „Stab“ zu lesen sei.

7 ḏd 〈n〉=k: „Dir wurde gesagt“: Ergänzung der Präposition n nach Statue Tyszkiewicz, Z. 98 (Jelínková-Reymond, 42, Anm. 3). Auf Heilstatue Djedher Kairo JE 46341 und Heilstatue Hor Turin Cat. 3030 steht ḏd=k. Jelínková-Reymond, 42, Anm. 3 (ebenso Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71, Anm. G) versteht die Stelle auf der Statue Tyszkiewicz als „Chontamenti, der zu dir sagt: ...“ (mit ḏd als Partizip und n=k als Dativ). Panov 2019, 61 übersetzt unpersönlich „Dir wurde gesagt“.

8 H̱r-ꜥḥꜣ: Laut Jelínková-Reymond, 40, Anm. (m) wurde ꜥḥꜣ (Gardiner D34 VAR) am unteren Ende der Perücke beim Zeilenumbruch vergessen. In der Abschrift von Daressy, 122 ist das Zeichen vorhanden. Jedenfalls ist am Ende der Kolumne ausreichend Platz vorhanden und das Zeichen wurde nur leicht eingraviert.

9 jm=s: Jelínková-Reymond, 39 liest das letzte Zeichen als negative Arme (D35 𓂜) und zieht es zum nächsten Satz n ḏd=j zp. Daressy, 122 liest jm=s mit Riegel-s 𓊃. Einem Foto nach zu urteilen, sieht das Zeichen eher wie z als wie D35 aus und es hat in der Mitte nicht die Erhöhung, die bei n rḫ.tw am Anfang des Satzes gut erkennbar ist. Das würde allerdings voraussetzen, dass bw nb hier als Feminin interpretiert wird.
n.tj jw=f jm=s: Zur grammatische Form (Adverbialsatz mit pronominalem Subjekt in einer Relativkonstruktion), die in der 25. Dynastie auftaucht, aber vereinzelt schon ramessidisch und am Ende der 20. Dynastie belegt ist, vgl. Vernus, in: RdE 41, 1990, 162, Beisp. (37); Winand, La morphologie verbale, 428-439.

10 ḏd s(w) Rꜥw oder n ḏd=j zp: Jelínková-Reymond, 43 übersetzt „je ne dirais jamais“, aber das wäre n-zp ḏd=j. Außerdem sehen die negativen Arme (D35 𓂜) eher wie ein Riegel-s (O34 𓊃) aus und dürfte die Hieroglyphe zu jm=s im vorherigen Satz gehören. Auch erwartet man bei zp die Reihenfolge z (O34 𓊃), p (Q3 𓊪) und Tenne (O50 𓊗), nicht die Reihenfolge z, Tenne, p. Deshalb dürfte mit Daressy, 122 eher „Re“ zu lesen sein.

11 {3}〈4〉: Texte zum selben Thema bei Jelínková-Reymond, 43, Anm. (3) haben die Zahl „4“, bei Djedher steht die Zahl „3“.

12 s(ꜣ)w mw=f: Daressy, 124 liest zwr „boire“ mit einem Fragezeichen. Jelínková-Reymond, 44, Anm. 9 schließt die Lesung als zwr „trinken“ nicht aus, sie denkt wegen des Determinativs des schlagenden Armes jedoch eher an zꜣw/zꜣu̯ „schützen“ (gefolgt von Servajean). Tatsächlich wird im Titel des Djedher ḥr.j-zꜣ.wtj „oberster Wächter“ das zweite Element immer sw oder swt geschrieben.

13 s(ꜣ)w: Jelínková-Reymond, 40 hat dieses Wort in ihrer hieroglyphischen Umschrift vergessen (richtig bei Daressy, 124) und entsprechend das Nachfolgende anders interpretiert. Jelínková-Reymond, 44 hat „Ô nain! son eau qui protège le nain.“, was zu einer Lesung j nmj mw=f nḏ nmj passt, aber eben nicht zutreffend ist.

14 jmi̯ nkn: Ein ungewöhnlich geschriebener negativer Imperativ (oder ein negativer Infinitiv als Nachfolger des Imperativs?). Vgl. im nächsten Satz jmi̯ sḫm mtw.t jm=f: Ob unsere Stelle zu jmi̯ nkn 〈mtw.t〉 zu emendieren sei?

2.1: (Z. 99): Rückenpfeiler, mittlere Kolumne (nach rechts orientiert)

Der oberste Türhüter des Horus-Chentechtai, der oberste Wächter des Falken in allen seinen Sachen und allen Lieferungen durch jeden Mann des ganzen Landes für diesen Tempel, Djedher/Teos-der Retter/Beschwörer, den Sentaês geboren hat.

2.2: (Z. 100-113): Rückenpfeiler und Torso rechts, Beschwörung von Wassertieren (Text B)

Worte zu sprechen.

Oh alter Mann, der sich zu seiner Zeit verjüngt, (oh) Greis, der als Jugendlicher agiert (wörtl.: den Jugendlichen spielt), mögest du veranlassen, dass Thoth zu mir auf 〈meine〉1 Stimme hin kommt, damit er für mich das Wildgesicht (Neha-her)2 vertreibt. Osiris ist auf dem Wasser; das Horusauge ist bei ihm; der große Flügelskarabäus steht mit gespreizten Flügeln (schützend)3 über ihm.

Erhebt nicht eure Gesichter, (ihr) Wasserbewohner, bis Osiris an euch vorbeigegangen sein wird (oder: so dass Osiris an euch vorbeigehen kann)! (Denn) siehe, er ist auf dem Weg nach Busiris. Sein Schreiten4 ist siegreich/kraftvoll gegen euch. Versperrt wurde euer {Auge} 〈Maul〉, {Sarg/Ankleideraum} 〈blockiert/verstopft〉 wurde euer Schlund! Zurück mit dir, (du) Rebell! Erhebe nicht dein Gesicht gegen Osiris und ebenso (nicht gegen) den, der eine Biss-/Stichwunde hat, so wie die Große (?) in seiner Faust ist.5 Wenn man dem, der eine Biss-/Stichwunde hat, zu nahe tritt, dann tritt man Osiris ebenso zu nahe.

Erhebt nicht eure Gesichter, (ihr) Wasserbewohner, bis Osiris an euch vorbeigegangen sein wird (oder: so dass Osiris an euch vorbeigehen kann)! (Denn) siehe, er ist auf dem Weg nach Busiris. Versperrt wurde {das jy.t-Heiligtum} euer Maul, blockiert/verstopft wurde euer Schlund!6

Zurück mit dir, (du) Rebell! Erhebe nicht dein Gesicht gegen den/d〈ie〉, der/die eine Biss-/Stichwunde hat/hab〈en〉! Sie sind Osiris. Re besteigt7 seine Barke, um die Neunheit von Babylon zu sehen (d.h. zu besuchen?), (während) diese Herren der Unterwelt bereitstehen, dich zu bestrafen.

Falls das Wildgesicht (Neha-her) gegen Osiris vorgeht, wenn er (= Osiris) auf dem Wasser ist zusammen8 mit dem, der eine Biss-/Stichwunde hat, dann sollt ihr (euch) umdrehen und euch auf euren Rücken legen.

Oh (du) jede männliche Schlange, jede weibliche Schlange, jeder Skorpion, jedes Gifttier: euer Maul wurde von Re verschlossen; eure Kehle wurde von Sachmet verstopft/versperrt; eure Zunge wurde von Thoth herausgeschnitten;9 eure Augen wurden 〈von〉 Heka geblendet. Diese Vierzahl jener großen Götter, die den Schutz des Osiris bereiten, sie sind es, die den Schutz dessen bereiten, der eine Biss-/Stichwunde hat, (und den Schutz / d.h.) aller Menschen und allen (Klein)-Viehs, das eine Biss-/Stichwunde hat heute (wörtl.: an diesem Tag).

Der Klang eines heftigen Schreis ist im Haus-der-Neith; ein großes Gejammer ist im Mund des Katers (oder: der Katze); eine hohe/laute Stimme ist im Großen-Haus. Die Götter und Göttinnen sagen „Was ist los? Was ist los?“ bezüglich (?) des Abdju-Fisches bei seiner Geburt.

Ich habe deinen Schritt gehemmt,10 (du) Rebell! Ich bin Chnum, der Herr von Herwer. Hü〈te〉 dich davor, die Verletzung (oder: das Leid) ein zweites Mal zu wiederholen,11 wegen dessen, was mit dir (?) gemacht wurde (oder: was du getan hast) in Anwesenheit der Großen Neunheit! Wende dich doch ab! Weiche doch von mir zurück! (Denn) ich bin Thoth. Hui! Hui!

Oh Re! Bekanntlich hast du den Klang einer (so) heftigen Klage nicht (mehr) gehört seit dem Abend auf jenem Ufer von Nedit.12 Der Tonlaut eines heftigen Schreis war im Mund aller Götter und aller Göttinnen.

Die großen Götter waren in Klage wegen dieses Übels, das du angerichtet hast, (du) Rebell! Du hast Böses angerichtet. Siehe, Re ist zornig13 deswegen, (du) Rebell. Er hat befohlen,14 deine Zerstückelung durchzuführen,15 (du) Rebell. Zurück mit dir, (du) Rebell! Hui, hui! Komm auf den Boden, (du) Gift von jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange und jedem Gifttier, das in jedem Glied dieses Mannes ist, der eine Biss-/Stichwunde hat, heute!

1 ḫrw〈=j〉: Das Suffixpronomen wurde nicht geschrieben. Der Mann mit der Hand am Mund (A2) ist Determinativ von ḫrw, wie aus Z. 108 erkennbar, und kein Fehler für Hieroglyphe A1.

2 Nḥꜣ-{Rꜥw}〈ḥr〉: Ein Kreis wurde statt eines Gesichts eingraviert.

3 pš{.t}: Die beiden letzten Hieroglyphen von pšš und die von =f wurden zunächst nach rechts orientiert eingraviert und anschließend korrigiert. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 47 gibt ein Kreuz (Z9) als Determinativ an und das quadratische Zeichen sieht nach der Korrektur auch einigermaßen wie ein Kreuz aus, aber Daressy hat sicher Recht, dass ursprünglich die Beinchen (D54) eingraviert waren (Photo Dils).

4 nmt(.t): In den wenigen Parallelversionen, die an dieser Stelle einen Satz einfügen, steht ḏr.t=f „seine Hand“ oder jr.t=f „sein Auge“ (s. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 113 und 175; in CG 9402 wird gegen Gutekunst und Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 52 Anm. 3 jr.t=f „sein Auge“ und nicht jri̯.t=f „er handelt“ zu lesen sein). Entsprechend wird nmt/nmt(.t) das Substantiv „das Schreiten, der Schritt“ und nicht das Verb „schreiten“ sein (anders Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 52: „Il progresse avec puissance contre vous.“).

5 mj wr.t m ḫfꜥ=f: Dieser Satz findet sich, wenn er im Text steht, hinter ꜥpy wr pš ḥr=f (s. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 157 und 298-305 für die Erklärung).

6 šr(j) {jy.t}: Mit den Hieroglyphen t und Haus (pr) sind überflüssige Zeichen vorhanden und man bekommt den Eindruck, dass der Schreiber an das jy.t-Heiligtum bei Letopolis gedacht hat.

7 ṯsi̯: Das Determinativ wird nicht der jwn-Pfeiler (O28) sein (so jedoch Daressy und Jelínková-Reymond), sondern die senkrechte Stange der Waage ohne den Haken oben (U39A ohne Haken), denn das Zeichen ist nicht ganz symmetrisch, wie man es für den jwn-Pfeiler erwarten würde.

8 ḥnꜥ: Kurth, Einführung ins Ptolemäische, I, 253, Nr. 83: Der Lautwert der Ente (G38 oder G39) als ḥn(ꜥ), der auch in Wb. 3, 110 verzeichnet ist (s. DZA 26.928.600, DZA 26.928.650), wird erklärt als eine Variante der herabschwebenden Ente (G40 und G41) mit Lautwert ḫni̯, einer Verwischung der Lautgrenzen zwischen und und einer Reduzierung des schwachen Konsonants (vgl. kopt. ϩⲛ) (Kurth, Einführung ins Ptolemäische, I, 528, § 22.2). Die Lesung ḥnꜥ an dieser Stelle schon bei Sethe, in: ZÄS 57, 1922, 152. Die Ente mit dem Lautwert ḥnꜥ findet sich oft in den biographischen Inschriften auf dem Sockel der Heilstatue.

9 šꜥ oder šꜥd: Auf der Statue des Djedher ist kein phonetisch ausgeschriebenes d vorhanden (anders auf der Metternichstele). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 153 (Index) liest entsprechend šꜥ. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 196-197 und 199 differenziert nicht und liest überall šꜥd.

10 nḥm: Mit Daressy, 127 und gegen Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 48 ist nḥm und nicht nmt (Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 148 Index s.v. nmt, nicht s.v. tnm) zu lesen (Photo Dils), es sei denn, man geht von einem Fehler aus und emendiert. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 217 erwägt neben nmt auch noch tnm (s. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 54, Anm. 4 für tnm und stnm). Die von Gutekunst aufgelisteten Parallelen für nḥm bestätigen die Lesung hier auf der Statue des Djedher, auch wenn das Determinativ der Beinchen (D54) unerwartet ist.

11 zꜣ.wtj tw m wḥm: Normalerweise findet sich zꜣu̯ r wḥm (Gutekunst, Textgeschichtliche Studien, 219-220. Entweder wird hier die Präposition m statt r verwendet (Belege in Wb. 3, 417.17), oder m ist der Vetitiv.

12 Derselbe Text steht ein weiteres Mal auf der Statue, im Wasserbassin auf dem Sockel (Z. 134-135: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 69).

13 ḫꜥr: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 55 übersetzt „Voilà Rēꜥ qui apparaît contre ... à cause de cela.”, d.h. ḫꜥi̯ r ..., aber die verschiedenen Handschriften machen klar, dass das Verb ḫꜥr und nicht ḫꜥi̯ + r „erscheinen“ vorliegt. Laut Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 229 findet sich diese Formulierung nur auf der Statue des Djedher, während alle übrigen Handschriften m=k Rꜥw nšni̯ ḫꜥr ḥr=s haben.

14 {⸮nḏ?}〈wḏ〉 =f: Die erste Hieroglyphe ist misslungen, aber ob mit Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 49 wirklich Aa27C oder Aa27D vorliegt, ist unklar (Photo Dils). Der Kopf der Keule sieht wie ein Kreuz aus, so dass man fast Z11B hat.

15 r jri̯: Mit Daressy, 127 und gegen Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 49 ist r jri̯ und nicht zweimal r zu lesen (Photo Dils). Die Konstruktion wḏ + r + Infinitiv findet sich laut Wb. 1, 394.15 erst ab der Spätzeit. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 230 listet diese Variante nicht auf, sondern hat nur wḏ + passives sḏm=f.

2.3: (Z. 114-122): Rückenpfeiler und Torso links, Horusstelen-Spruch A

Rezitation:

Sei gegrüßt, Gott, Sohn eines Gottes. Sei gegrüßt, Erbe, Sohn eines Erben. Sei gegrüßt, Stier, Sohn eines Stieres, den die göttliche Kuh geboren hat. Sei gegrüßt, Horus, der aus Osiris hervorgegangen ist, den Isis, die Göttliche/Göttin, geboren hat.

Besprich für mich mit deinem Namen! Rezitiere für mich mit deiner Magie! Besprich für mich mit deinen Zaubersprüchen! Beschwöre für mich mit deinen Beschwörungen, die du ersonnen hast. Das ist deine Kunstfertigkeit in/aus deinem Mund, die dein Großvater Geb dir anvertraut hat, die deine Großmutter Nut dir gegeben hat, die dir gelehrt wurde bei der (oder: durch die) Majestät des Vorstehers von Letopolis, um deinen zꜣ-Schutz zu bereiten, um deine mk.t-Protektion/Sicherheit zu wiederholen, um das Maul von jedem Gifttier zu verschließen, das in der Luft (wörtl.: im Himmel) ist, das auf dem Land ist, das im Wasser ist, um die Menschen wiederzubeleben, um die Götter zufriedenzustellen, um Re mit deinen Lobpreisungen/Gebeten zu verklären.

Komme zu mir, beeile dich! Komme zu mir, beeile dich heute, so wie es für dich der Steuermann im Gottesschiff getan hat (oder: so wie du (gerade) das Steuerruder bedient hast). Mögest du für mich jeden Löwen in seiner (!) Wüste, jedes Krokodil in seinem (!) Fluß, alle beißenden (Schlangen-)Mäuler in ihren Höhlen abwehren. Mögest du sie mir machen wie einen Kieselstein im Gebirge, wie die Scherbe (wörtl.: Bruchstück) eines Topfes (oder) eines Gefäßes auf/entlang der Straße. Mögest du mir das/dieses (zuvor genannte) aufgesprungene/pulsierende (?) Gift beschwören, das in jedem Glied dieses Mannes ist, der einen Biss/Stich hat.

Hüte dich, dass deine Worte deswegen (oder: wegen ihr, d.h. das Gift) lächerlich gemacht (oder: weggelacht) werden. Siehe, sie geht gegen dich vor? (Dann,) sie〈he〉, du gehst gegen sie vor! Deine (Zauber)worte sind gegen sie. Siehe, dein Name ist dort an diesem Tag. Lass für mich dein Ansehen mit deiner Magie entstehen, für mich erhöht mit deinen (wirksamen) Zaubersprüchen, um den am Leben zu erhalten, der eine beengte Kehle hat.

Möge dir Lobpreis gegeben werden durch die Untertanen. Möge Maat in deiner Gestalt gepriesen werden, möge ein Gott nach deiner Art gerufen werden. Siehe, man ruft mit dir (d.h. mit deinem Namen) an diesem Tag: „Ich bin Horus, der Retter/Beschwörer.“

2.4: (Z. 122): Torso links, Der Große geht im Himmel herum, die Sedjeh-Schlange am Eingang ihrer Höhle

Ein anderer Spruch:
Der Große zieht im Himmel herum; die sḏḥ-Schlange zieht am Eingang ihrer Höhle herum. Der Gott kommt hervor und es leckt (?)1 nach ihm das Maul dessen, der ihn beißt (?).


1 nsbi̯.w n=f ⸮rʾ? ⸮n(.j)? ⸮dm?=f: Daressy, 128 übersetzt „Le dieu sort. Il a piqué de la pointe de son arme.“ Jelínková-Reymond, 62 hat: „Le dieu est sorti. Il a avalé (?) le reptile (?).“ Sie fragt sich, ob ⸮rʾ? ⸮n(.j)? ⸮dm?=f als rʾ-{n-}pzḥ zu lesen ist.

2.5: Statuenplinthe und Schmalseite (Z. 123-127), Familie des Djedher

Tay-Hor (?)1, die Tochter des (?) obersten Türhüters des Horus Chentechtai2, Djedher/Teos, die geboren (?)3 hat Renpet-neferet(?).
Pa-di-...4 ... Tu (?), die Tochter des obersten [Türhüters des] Horus Chentechtai, [Djedher ...].

1 Tꜣy-Ḥr.w: Daressy, 128 und Jelínková-Reymond, 63 haben Tꜣy-ḥz gelesen, aber die Zeichenspuren passen besser zu einem Falken. Der Name Tꜣy-Ḥr.w ist auf dem Sockel des Djedher in Chicago als 2. Ehefrau des Djedher überliefert. Ihr Vater hieß ebenfalls Djedher, ihre Mutter war Renpetneferet.

2 ḥr.j-jr.j-ꜥꜣ.w (n.j) Ḥr.w Ḫnt.j-ẖ.ty: So nach Daressy und Jelínková-Reymond, aber unsicher.

3 msi̯.n: Daressy, 128 vermerkt eine Lücke, Jelínková-Reymond gibt gar keine Hieroglyphen oder Lücke an. Einem Foto nach zu urteilen, sind es vielleicht zwei hohe Zeichen, mit einem n unter den Ellenbogen der Frau mit den beiden Sistren.

4 P(ꜣ)-ḏi̯-...: Das von Daressy, 128 als P(ꜣ)-ḏi̯-zꜣ-wn und von Jelínková-Reymond, 63 als P(ꜣ)-ḏi̯-wn gelesene, stimmt nicht mit den auf einem Foto erkennbaren Zeichenspuren überein. Vielleicht steht da P(ꜣ)-ḏi̯-Ḥrw zꜣ ⸮Wn...? (mit dem Horus-Falken anders herum orientiert).

3.1: Oberseite Sockel, um das ovale Wasserbecken herum (Z. 128-133), Identifikation des Djedher

Es lebe der Versorgte/Ehrwürdige bei den Göttern, die in Iat-ma sind; derjenige, der sein Herz leitet, um das zu tun, was sein Gott liebt; der sich um den Bedarf der lebenden Falken, die in diesem Land sind, kümmert, Djedher/Teos-der-Retter/Beschwörer, den Sentaês geboren hat.
〈〈Es lebe〉〉 der Versorgte/Ehrwürdige bei den Göttern, die im Nekropolenbezirk/Rosetau im Norden von [Kem-wer/Athribis] sind; der [die Sachen/Opfergaben] für den Falken [macht]; [der darum kämpft (?)], sie vor den oberen/fernen Fremdländern ⸢zu verbergen⸣ (?), nämlich (?) Djedher/Teos-der-Retter/Beschwörer, den Sentaês geboren hat.
Es lebe der vollkommene Gott, der Herr der Beiden Länder 𓍹(leer)𓍺, der Sohn des Re 𓍹Philippos𓍺, beschenkt mit Leben, geliebt von Horus-Chentechtai, dem Herrn von Kem-wer/Athribis.
〈〈Es lebe〉〉 der vollkommene Gott, der Herr der Beiden Länder 𓍹(leer)𓍺, der Sohn des Re 𓍹Philippos𓍺, beschenkt mit Leben, geliebt von Horus-Chentechtai, dem Herrn von Kem-wer/Athribis.
Djedher/Teos-der-Retter/Beschwörer.
Djedher/Teos-der-Retter/Beschwörer.
Djedher/Teos-der-Retter/Beschwörer.
Djedher/Teos-der-Retter/Beschwörer.

3.2: Oberseite Sockel, im ovalen Wasserbecken, Götterdarstellungen

Jeweils eine Barke an den Schmalseiten und jeweils eine Götterprozession an den Längsseiten; in der Mitte des Ovals 5 Textkolumnen.
Vordere Längsseite (Objektperspektive) des Beckens: 14 Gottheiten, nach rechts zur Barke des Sonnengottes hin orientiert.

(1. Gottheit, nach rechts orientiert: stehende Isis mit verehrend erhobenen Händen:) Isis, groß an Zauberkraft,1 Gebieterin der Götter.
(2. Gottheit, nach rechts orientiert: stehende Nephthys mit verehrend erhobenen Händen:) Nephthys, Herrin der Schrift,2 die die Gerichtssachen entscheidet.
(3. Gottheit, nach rechts orientiert: ibisköpfiger Gott, der auf einem Krokodil steht und es speert:) Thoth, der zweimal Große, der Herr von Hermopolis, der den Feind fällt.3
(4. Gottheit, nach rechts orientiert: stehender, menschenköpfiger Gott mit Doppelfederkrone und Modius des Amun:) Amun-Re, König der Götter.4
(5. Gottheit, nach rechts orientiert: hockende Katze:) Mut, die Große, die Herrin von Ischeru.
(6. Gottheit, nach rechts orientiert: ithyphallischer, stehender Gott mit Amunfederkrone und rückwärts erhobenem Arm:) [Min], der von Koptos.
(7. Gottheit, nach rechts orientiert: widderköpfiger, stehender Gott:) [Chnum].5
(8. Gottheit, nach rechts orientiert: stehender Gott mit Löwenhinterteil auf dem Kopf, der zwei Schlangen gekreuzt vor der Brust hält:) Heka, der Ka des Re.
(9. Gottheit, nach rechts orientiert: falkenköpfiger, stehender Gott mit Sonnenscheibe und Doppelfederkrone:) Month-Re(?), Herr von Theben.
(10. Gottheit, nach rechts orientiert: ibisköpfiger, stehender Gott, der ein Udjatauge und eine Papyrusrolle hält:) Thoth, der zweimal Große, der Herr von Hermopolis, der Herr der Gottesworte (Hieroglyphen).6
(11. Gottheit, nach rechts orientiert: menschenköpfige Gottin, stehend, mit unterägyptischer Krone:) Neith, die Große, die Gottesmutter.
(12. Gottheit, nach rechts orientiert: löwenköpfige, stehende Göttin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf:) Tefnut.7
(13. Gottheit, nach rechts orientiert: stehender Zwerg mit Udjatauge über dem Kopf:) [...]8
(14. Gottheit, nach rechts orientiert: stehender, widderköpfiger Gott:) Chnum, der die Menschen geformt und die Götter gemacht hat.


Rechte Schmalseite (Objektperspektive): Barke des Sonnengottes, zur Vorderseite hin orientiert: 3 Götter in der Barke.

(Mittlerer Gott in der Barke: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Uräus, thronend, nach links orientiert:) Re-Harachte,9 der große Gott, der Herr des Himmels, der Oberste der Götter.
(Vorderer Gott in der Barke, zum Sonnengott gerichtet: Ibisköpfiger Gott, stehend, nach rechts orientiert, verehrt den Sonnengott:) Thoth, der zweimal Große, der Herr von Hermopolis (?), Herz (?) des Re, der Apophis fällt, 〈der Herr von〉 Hermopolis.10
(Hinterer Gott in der Barke: Falkenköpfiger Gott, am Ruder der Barke stehend, nach links orientiert:) Horus, der Steuermann in der Barke des Re.


Hintere Längsseite (Objektperspektive) des Beckens: 10 Gottheiten nach links zur Barke des Udjatauges hin orientiert.

(1. Gottheit, nach rechts orientiert: stehende Isis mit verehrend erhobenen Händen:) Isis, groß an Zauberkraft,11 Gebieterin der Götter.
(2. Gottheit, nach rechts orientiert: stehende Nephthys mit verehrend erhobenen Händen:) Nephthys, Herrin der Schrift, die die Gerichtssachen entscheidet.12
(3. Gottheit, nach rechts orientiert: stehende Göttin mit Löwenkopf und Sonnenscheibe, die eine Schlange in jeder Hand hält:) Sachmet, die Große, geliebt von Ptah.
(4. Gottheit, nach rechts orientiert: stehender Gott mit Menschenkopf, der eine Schlange in jeder Hand hält:) Heka, der Ka des Re.
(5. Gottheit, nach rechts orientiert: stehender Gott mit Menschenkopf und Doppel(?)federkrone, der eine Schlange speert:) Onuris, der Apophis niedermetzelt.13
(6. Gottheit, nach rechts orientiert: stehende, löwenköpfige Göttin mit Sonnenscheibe, die eine Schlange diagonal hinter ihrem Körper hält:) Tefnut, Tochter des Re, Fürstin der Götter.
(7. Gottheit, nach rechts orientiert: hockende Katze:) Mut,14 die Große, die Herrin von Ischeru.
(8. Gottheit, nach rechts orientiert: stehendes Nilpferd:) Nut, die Große, die den Gott im Urgewässer (?)15 geboren hat.
(9. Gottheit, nach rechts orientiert: falken/menschen(?)köpfiger Gott, der auf einem Krokodil steht und es speert:) Horus, der auf seinem Papyrusstängel steht.
(10. Gottheit, nach rechts orientiert: widderköpfiger Gott, der auf einem Krokodil steht und es speert:) Chnum, Herr von Herwer.


Linke Schmalseite (Objektperspektive): Barke des Udjatauges, zur Rückseite hin orientiert: 3 Götter in der Barke.

(Mittlerer Gott in der Barke: Udjatauge auf einem Kasten, nach links orientiert:) Auge des Horus.
(Vorderer Gott in der Barke, zum Udjatauge gerichtet: Falke auf Serech, nach rechts zum Udjatauge orientiert:) Horus, der Sohn der Isis, der Sohn des Osiris, der große Gott.
(Hinterer Gott in der Barke: Thronender Gott mit Atefkrone, hinter dem Udjatauge, nach links orientiert:) Osiris, der Herr von Busiris, der große Gott, der sich vorn in Kem-wer/Athribis befindet.

1 wr.t ḥkꜣ.w ḥnw.t nṯr.w: Jelínková-Reymond hat ḥnw.t nṯr.w, Daressy hat ḥkꜣ.w vergessen.

2 nb(.t) zẖꜣ.w: Von Daressy vergessen. Jelínková-Reymond hat das Ei bei „Nephthys“ vergessen.

3 sḫr ḫft.j: Daressy hat das Determinativ von sḫr (A15) vergessen, Jelínková-Reymond hat den gefallenen Feind (A14 Var.) vergessen.

4 nswt nṯr.w: Steht in einer 2. Kolumne hinter dem Kopf des Amun-Re und wurde sowohl von Daressy als auch von Jelínková-Reymond übersehen.

5 [H̱nm.w]: Unklare Zeichenspuren, zunächst ein senkrechtes Zeichen, dann den Unterkörper eines Vogels, dahinter noch ein unklares Zeichen. Daressy gibt zuerst eine Lücke, dann eine Eule. Jelínková-Reymond hat zuerst eine Lücke, dann den hockenden Chnum 𓁠 (Gardiner C4) als Determinativ.

6 nb mdw-nṯr: Steht vor den Füßen des Gottes und wurde von Daressy übersehen.

7 Tfnw.t: Daressy und Jelínková-Reymond beenden den Namen mit einem Himmelszeichen, das jedoch nicht eindeutig erkennbar ist. Es sieht eher wie zwei kleine Zeichen aus. Man könnte an zꜣ.t [Rꜥw] denken, wobei Spuren über der Sonnenscheibe der Tefnut zu [Rꜥw] gehören könnten.

8 Die Beischrift vor dem Udjatauge und über der Sonnenscheibe der Tefnut ist unleserlich (oder gehört sie noch zu Tefnut?).

9 Rꜥw-Ḥr.w-ꜣḫ.tj: Die Sonnenscheibe auf dem Kopf des Falken wurde sowohl von Daressy als auch von Jelínková-Reymond übersehen.

10 ꜥ(ꜣ)pp 〈nb〉 Ḫmn.w: Die Hieroglyphen bei Daressy sind falsch. Das von ihm gelesene Epitheton nb mdw.w nṯr ist nicht vorhanden. Jelínková-Reymond hat die zwei p von Apophis vergessen und das Feinddeterminativ ist nicht erkennbar. Unmittelbar über Thoth ist noch einmal Ḫmn.w geschrieben, als ob ursprünglich der Text als Ḏḥw.tj ꜥꜣ ꜥꜣ nb / Ḫmn.w in zwei Kolumnen vor und über dem Kopf geplant war. Das spätere Ḫmn.w ist mit einem unklaren Zeichen (kein nw-Topf), einer Sonnenscheibe mit Uräus (N6) und einem Ideogrammstrich (Z1) statt mit Stadtdeterminativ versehen, als ob hier jb Rꜥw angedacht war.

11 wr.t ḥkꜣ.w ḥnw.t nṯr.w: Daressy hat ḥkꜣ.w vergessen. Jelínková-Reymond hat es mit F178 (Löwenhinterteil auf Standarte), nicht mit F22 (𓄖) kopiert.

12 nb(.t) zẖꜣ.w wḏꜥ(.t) mdw.w: Jelínková-Reymond hat das Ei bei „Nephthys“ sowie nb(.t) zẖꜣ.w wḏꜥ(.t) mdw.w vergessen.

13 ꜥꜣpp: Steht zwischen dem Speer und den Beinen des Gottes und wurde von Daressy und Jelínková-Reymond übersehen. Das Determinativ ist unförmig, vielleicht Aa2. Die für mds von Jelínková-Reymond. 68, Anm. 3 vorgeschlagene Lesung ṯmꜣ-ꜥ trifft nicht zu.

14 Mw.t: Die Hieroglyphe ist keine Katze, wie sie Daressy abdruckt, sondern ein Geier.

15 ⸮nw.w?: Jelínková-Reymond. 68, Anm. 4 liest bzw. emendiert zu ms nṯr.wy m nw „qui a enfanté les 〈deux〉 dieux dans le Noun“, wobei sie auf eine Beischrift auf S. 22 verweist, wo Nw.t wr.t msi̯(.t) nṯr.wj steht (zwei nṯr-Zeichen in unterschiedlicher Richtung). Die Textkopie von Daressy als m ⸮mw? trifft nicht zu.

3.3 Oberseite Sockel, im ovalen Wasserbecken (Z. 134-138), Anrufung an Re aus Text B

Oh Re! Bekanntlich hast du den Klang einer (so) heftigen Klage nicht (mehr) gehört seit dem Abend auf jenem Ufer von Nedit.
{Die große Stille} 〈das große Geschrei〉 war im Mund aller Götter und aller Göttinnen. Die großen Götter1 waren in Klage wegen dieses Übels, das du angerichtet hast, (du) böser Rebell! Siehe, Re ist in (?)2 tobender Wut deswegen. Er hat befohlen, deine Zerstückelung durchzuführen.3 Zurück mit dir, (du) Rebell! Erhebe dein Gesicht nicht gegen Horus, den Erben des Osiris, mit dem Isis, die Göttliche, schwanger war, und den Nephthys aufgezogen hat (?).4 ⸢Fließe aus!⸣ [Fließe aus,] (du) Gift,5 (mit dem Ergebnis, dass du) beseitigt bist auf dem Boden! Der Schutz des Himmels, in dem Re sich befindet, ist der Schutz des Großen Gottes, der in seinem Sarg ist, und ist der Schutz dessen mit einer Biss-/Stichwunde am heutigen Tag. Re hat Macht über dich (?);6 Thoth führt deine Zerstückelung durch; Nun, der Große,7 rettet dich8, (mein?) Sohn Horus – Ich bin seine Mutter Isis9 –, und ebenso den, der eine Biss-/Stichwunde hat, vor dem Gift einer jeden männlichen Schlange, einer jeden weiblichen Schlange, eines jeden Skorpions, eines jeden Gifttieres und so weiter. Hüte dich vor diesem Mann, der eine Biss-/Stichwunde hat! (Es ist) Horus, der Sohn der Isis.

1 nṯr.w: Die Hieroglyphengruppe wurde von Daressy vergessen.

2 Rꜥw ⸮m? nšni̯ ḫꜥr: Daressy, in: ASAE 18, 1919, 141 hat Rꜥw nšni̯, Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 69 hat Rꜥw m nšni̯. Der Text ist hier so abgerieben, dass die Anwesenheit des m nicht mittels Photo bestätigt werden kann. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 229 listet nur noch die Horusstele London BM EA 958 (Arundale und Bonomi, Gallery of Antiquities selected from the British Museum, London 1842, Taf. 20) für die Variante mit m (dort eindeutig vorhanden und mit der Eule geschrieben) auf.

3 jw jri̯: jw ist als Schreibung von r aufzufassen. Die Konstruktion wḏ + r + Infinitiv findet sich laut Wb. 1, 394.15 erst ab der Spätzeit. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 230 listet diese Variante nicht auf, sondern hat nur wḏ + passives sḏm=f.

4 ⸢⸮rr.n?⸣ ⸢Nb.t-ḥw.t⸣: Von diesen 5 bis 6 Quadraten sind nur noch einzelne Zeichenspuren erkennbar. Daressy hat keine Lesung vorgeschlagen. Der Ergänzungsvorschlag von Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 69 [z pn n.tj ẖr dm.wt mj.tt]: „und ebenso nicht gegen diesen Mann, der eine Biss-/Stichwunde hat“ ist nicht mit den vorhandenen Spuren vereinbar. In anderen Texten wird jwr.n Ꜣs.t nṯr.t von bnn/bnbn.n Nb.t-ḥw.t gefolgt (CG 9304, tranche gauche; Sternberg-el Hotabi, Untersuchungen I, 48), aber auch das ist in den Spuren nicht erkennbar. Auf der Heilstatue Tyszkiewics, linke Seite des Gewandes, Z. 16 (s. Photo bei Fröhner, La collection Tyszkiewicz, 1892, Taf. 48; Panov, 2019, Kol. 92) steht ⸮m? fꜣi̯ ḥr =k r Ḥr.w jwr.n Ꜣs,t nṯr.t rr.n Nb.t-ḥw.t / šp.t zp-2 tꜣ mtw.t bḥn.tj ḥr tꜣ. Das ist zum einen mit den Spuren vereinbar (Photo Dils) und passt zum anderen auch gut zu der Fortsetzung mit šp [zp-2] tꜣ mtw.t auf der Statue des Djedher.

5 ⸢šp⸣ [zp-2]: Wir ergänzen gemäß der Statue Tyszkiewicz (linke Seite des Gewandes, Z. 16: s. Photo bei Fröhner, La collection Tyszkiewicz, 1892, Taf. 48; Panov, 2019, Kol. 92), weil in der Ergänzung von Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 69, [z pn n.tj ẖr dm.wt mj.tt tꜣ mtw.t] der Vokativ tꜣ mtw.t auf nichts referieren kann. Der Text ist sehr sparsam mit Demonstrativpronomina und es ist unwahrscheinlich, dass tꜣ hier als Artikel verwendet wird, weil der Artikel sonst gar nicht verwendet wird. Die Lesung šp ist jedenfalls mit den Spuren vereinbar (Photo Dils).

6 Rꜥw sḫm jm=⸮t? Die Lesung von Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 69 als Rꜥw sḫm tw passt nicht zu den Spuren. Daressy, in: ASAE 18, 1919, 141 hat Recht mit der Lesung jm. Das anschließende Pronomen sieht tatsächlich wie t aus, aber im nächsten Satz steht eindeutig =k, was man auch hier erwartet.

7 Nwn-wr: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 70 übersetzt mit „Nut, die Große“.

8 (ḥr) nḥm=k: Könnte auch als „Oh) Nun, der Große, mögest du (meinen) Sohn Horus retten“ übersetzt werden.

9 jnk mw.t=f Ꜣs.t: Steht ebenfalls an dieser Stelle auf der Heilstatue Tyszkiewicz (Panov 2019, Kol. 93). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 70 mit Anm. 8 nimmt an, dass diese Passage weiter nach hinten eingefügt werden muss und dass hier zꜣ Ḥr.w n.tj ẖr dm.wt mj.tt m-ꜥ mtw.t n.t ḥfꜣ.w nb ... zu lesen ist: „... rettet dich, den Sohn Horus und den Gebissenen ebenfalls vor dem Gift jeglicher Schlange ...“.

3.4: Oberseite Sockel, Ausfluss vom großen ins kleine Becken (Z. 139-142), Identifikation des Djedher

Vier mittlere Kolumnen im großen Bassin, am Ausfluss zum ovalen Bassin: 4 Kol., zur linken Seite der Statue hin orientiert.

Der oberste Türhüter des Horus-Chentechtai, der 〈oberste〉1 Wächter des Falken in allen seinen Sachen und in allen Lieferungen des ganzen Landes durch alle Menschen, Teos-der Retter/Beschwörer, den Sentaês geboren hat.

1 〈ḥr.j〉-zꜣ.wtj n(.j) bjk: Der vollständige Titel lautet ḥr.j-zꜣ.wtj-n.j pꜣ bjk.

3.5: Oberseite Sockel, rechte Hälfte des großen Beckens (Z. 143-161), Beschwörung des Giftes und der Giftschlange durch den Allherrn

Im großen Becken und auf dem Beckenrand, rechte Hälfte: Beschwörung des Giftes und der Giftschlange durch den Allherrn.

Rezitation:
Der Klang eines Geschreis ist draußen (oder: drang nach draußen). Siehe, Isis ist deshalb/dorthin (oder: zu ihm, dem Klang) hochgeschnellt. {Es war}1 Selkis, die Große, 〈ist〉 auf die Stimme der Isis hin 〈dazugekommen〉. Sie begab sich (?)2 zum Großen Haus wegen ihres Sohnes Horus, (ihres) Ältesten, der aus ihr hervorgegangen war. Sie gab einen klagenden Schrei (oder: einen Ruf um Aufmerksamkeit) ab zum 〈Herrn〉 von Hermopolis (?),3 so dass (es) die sehr4 großen Götter hörten.
Dann sagte Isis, die Göttin/Göttliche: (Oh) Pfeileramulett aus Fayence! (Oh) Pfeileramulett aus Fayence! Mögest du mich bei meinem Vater, dem Allherrn, anmelden.
Dann sagte der Herr der Menschheit5 persönlich: Die Stimme einer Betrübten (?) ist draußen am Tor, wie die einer Frau (?) wegen ihres Sohnes, der zu ihr durchgedrungen ist (oder: der ihr nahe ist).6
Dann antwortete/reagierte Sia an [... persönlich (?)] (du) mit wohlbehaltenem Herzen [... ... ...]. [... ...] deine Tochter. Ihr Sohn wurde von der špt-jb-Schlange gebissen. Der große Gott, er hat ihn persönlich beschworen. Er hat dieses Gift (hier) in seiner (d.h. des Giftes) Macht ⸢abgewehrt⸣.7
Du sollst ausfließen, (du) Feind, der in seiner Unwissenheit gehandelt hat, der die Schwäche in den Sohn Horus gesetzt hat, ohne dass es sein (des Horus) Unrecht gibt, ohne dass es seine Schlechtheit/Unreinheit gibt, ohne dass ausgesandt werden (?)8 [... ... ...] [Du ___]-Schlange, nimm dein Gift weg! (So) sollst du (= der Feind, d.h. die männliche Giftschlange) sagen (?) zu der aufgerichteten Schlange am Kopf (?)9 der Großen, der Göttlichen (?)10 unter den Göttern, die deine Ba-Macht gegeben haben, die dein Erscheinen gegeben haben, die deinem Ka Würde verliehen haben wie Nehebkau. Wenn du nicht wegnimmst dein Gift, das umherschlängelt/eingeschlüpft (?) ist11 im ganzen Körper des Horus und im ganzen Körper des Mannes, [der eine Biss-/Stichwunde hat, dann wirst] du [ausfließen (?)], dann wirst du umgedreht werden wegen (oder dich umwenden zu)12 dem, was aus deinem Maul gekommen ist.
Du sollst sagen zum Feind unter den Menschen, (zu) den Unruhestifter[n]/Widersacher[n] (?)13 unter den Göttern: Deine Zähne werden zerbrechen/zerbrochen werden (oder: Achte auf deine (Gift)zähne!);14 dein Gift wird ausfließen/verspritzt werden; dein Kopf wird entfernt werden; deine Kraft wird weggenommen werden. Du wirst Angst haben vor einer Maus, du wirst dich fürchten vor einem Frosch! Du wirst (erschreckt) aufspringen vor den Jungtieren von ꜥꜥ.w-Vögeln;15 [du wirst zurücklassen (?)]16 das snbt.t-Tier. Du wirst/sollst dich zurückziehen zum Hügel, der dich erschaffen hat. Dein Vater (?), die Erde, wird dich (?) nicht verbergen.17 Nicht wird es für dich deine Mutter,18 die Lehmziegel(mauer?) (oder: der Sarg), geben. Du wirst dich auf den Boden zurückziehen, du wirst auf dem Wasser treiben/ertrinken. Du wirst zur Zerstückelung gehen, du wirst ins Gemetzel ankommen. Wenn man sich (deiner) erinnert, wird man auf deinen Namen spucken. Komm! Geh hinaus auf den Boden, (du) böses Gift, das in jedem Glied des Horus, des Babys, ist, das ebenso in jedem Glied dieses Mannes ist, der eine Biss-/Stichwunde hat. Ich werde Atemluft den Kindern der Selkis geben; dann werden (infolgedessen) die leben, die in ihren Hügeln sind. Du wirst nicht zirkulieren, du wirst nicht (heiß) herumgehen (?). Du wirst kalt wie Wasser sein, du wirst wie ein Stein eingesammelt werden (oder: zusammengerollt sein).19 Du sollst deine Hit[ze] entfernen!20 Dein Feuer in jedem Glied des Mannes, der eine Biss-/Stichwunde hat,21 ist gelöscht, wie (das in jedem Glied des) Horus, des Babys, ⸢ihres⸣ [Sohnes] (?) (oder: deshalb?).22

〈Ein anderer Spruch:〉
Möge Re für mich den, der in {den Beiden Ländern} 〈der Erde〉23 ist, beschwören; möge Geb für mich den, der in ihm ist, beschwören. Dieser Mann, der unter (meinen) Fingern ist: (Oh) Nut, breite dich über ihn aus! (Oh) Geb, du mögest ihn stützen. Möget ihr [ih]m sein Herz in seinen Leib setzen. Möget ihr es beleben, wie ihr belebt das Herz des Re während des Angriffsmoments des Nehaher.24 Möget ihr vertreiben das/dieses Gift, das in allen Gliedern dieses Mannes ist, der eine Biss-/Stichwunde hat, so wie ihr vertreibt den Ausfluss des Apophis, der im Körper des großen Gottes ist.
(Oh) Herz dieses Mannes, der eine Biss-/Stichwunde hat, erhebe dich! (Denn) siehe, die beiden großen Götter sind dein Schutz. Ich habe zum Himmel geschaut und ich habe Re gesehen: Er, er wird dich beschwören.25 Ich habe zur Erde geschaut und ich habe Geb gesehen: Er, er wird dich beschwören. Erhebe dich, (du) Herz dieses Mannes, der eine Biss-/Stichwunde hat! (Denn) das Gift ist tot.

Ein anderer Spruch:
Icher, Icher!26 Falle hin! Maat, Maat! Ba-Löwe (?)27 〈ist〉 dein Name in Wahrheit. Ba-Löwe (?) 〈ist〉 dein Name in Wahrheit. Du bist der große Leichnam, der im Haus [des Benbensteins (?)] im Innern von Heliopolis ist, dieser Mann, der eine Biss-/Stichwunde hat, (ist es) ebenso. Sein [... ist] auf [...]. Vier [Mal] (zu wiederholen).

1 {jn}〈jyi̯.n〉: Korrektur gemäß des Vorschlags von Jelínková-Reymond 74, Anm. (c). Ist auf pBM EA 9997+10309, Kol. VI, 1 nicht erhalten.

2 sr=s: Jelínková-Reymond 74, Anm. (5) schlägt vor ⸮s〈jꜥ〉r? „hinaufgehen“, was allerdings einen Textfehler voraussetzt. Leitz verweist auf das Bewegungsverb sr „besuchen“ (Wb. 4, 190.20-23).

3 r {{r}}〈〈nb〉〉 n(.j) ⸮Ḫmn.w?: Die Zeichen wurden nachträglich korrigiert. Das zweite r wurde zu einem nb-Korb aufgefüllt, die beiden mutmaßlichen s von Ḫmn.w wurden ebenfalls geändert. Daressy, 136 liest ein Stadtdeterminativ bei Ḫmn.w, Jelínková-Reymond hat ein pr-Zeichen. Für beide gibt es kaum Platz nach der Umarbeitung, aber Spuren eines kleinen, gefüllten, nicht mehr identifiziertbaren Zeichens sind vorhanden (gefüllt, daher eher Stadtdeterminativ O49 als Haus P1).

4 ꜥꜣ.w: Zwei horizontale Zeichen, die durch eine Bruchlinie verunstaltet sind; Lesung ꜥꜣ.w nach dem Kontext. Jelínková-Reymond meint, dass das obere Zeichen, der horizontale Pfeiler, sogar gespiegelt dargestellt ist, aber das ist nicht länger erkennbar.

5 tmm/tmw: Der zweite Vogel ist entweder eine Eule (so Daressy) oder ein Wachtelküken (so Jelínková-Reymond), es lässt sich nicht entscheiden auf dem Foto. Das erste Personendeterminativ ist nicht A1 (so Jelínková-Reymond), sondern der hockende Gott ohne Bart (A40). Das zweite Personendeterminativ ist eine Spur kleiner, eher B1 (so Daressy) als B7C (so Jelínková-Reymond).

6 ḫrw jnd(.t): Jelínková-Reymond, 75, Anm. (6) möchte in jnd eine graphische Variante von jni̯ „bringen“ erkennen: „La voix s’est portée en dehors“. Leitz. 16 hat „a saddened voice“ mit jnd als attributives Partizip. ⸮ḥm.t/jd.t?: Leitz, 16 übersetzt mit „like that (of the) woman saving her son, after he has approached it“ und basiert sich auf pBM EA: mj šdi̯ ⸮...? zꜣ=s tkn jm=f. Dabei muss sich jm=f auf das Tor beziehen. Jelínková-Reymond 75, Anm. (7) liest oder emendiert mj ⸮sḏm/ḥm.t? r zꜣ=s als m-ḏr 〈pzḥ/ḏdb ḏꜣr.t〉 r zꜣ=s: „lorsque 〈le scorpion a piqué〉 son fils alors que (celui-ci) s’approchait de lui.“ Weder pzḥ noch ḏdb verlangen die Präposition r, aber Jelínková-Reymond erkennt in ⸮ḥm,t/jd.t? das Wort ḏꜣr.t, wozu das r dann gehören müsste. Daressy liest einen Skorpion (L19) mit t und Ei statt ⸮ḥm.t/jd.t?, aber ein Skorpion ist keineswegs im unförmigen Zeichen erkennbar und die Reihenfolge t und Ei kann auch nicht stimmen, dem Foto nach zu urteilen.

7 ⸢ḫsf⸣.n=f: Korrigiere ḥr ⸮r?n=f „auf seinem Namen“ von Daressy und [ḥr r]n=f von Jelínková-Reymond. Diese Lesung von Leitz, 16, Anm. 84 nach pBM EA 9997+10309, Kol. VI, 3 passt tatsächlich besser zu den erhaltenen Spuren auf dem Sockel (das mutmaßliche r ist eher ein Arm).

8 n hbi̯/h(ꜣ)b _w[_]: Daressy, 136 liest jw nach dem Verb hꜣb, aber das erste Zeichen sieht nicht wie ein Schilfblatt aus. Jelínková-Reymond, 76 übersetzt „Il (?) ne descend [...]“ und trägt es in ihrem Index (S. 150) bei hb „entrer“ ein (d.h. hbi̯). Leitz, 16 hat „without sending out [...]“ und auf pBM EA 9997+10309, Kol. VI, 4 ist hꜣb mit Aleph geschrieben.

9 kꜣ=k r ⸮ꜥḥꜥ.y? n tp oder nʾ.t wr.t: Das senkrechte Zeichen mit dem Arm durch sieht eher wie ⸮ꜥḥꜥ.y? aus und nicht wie sḫm.y. Ist der Agathodaimon der Stadt gemeint? Jelínková-Reymond, 76 übersetzt „Tu complotes (?) contre le serpent-ꜥḥy de la grande tête divine (?) ...“ Leitz, 16 hat „May you speak of the raising of the great uraeus, the goddess among the gods.“ und hält die Version von Djedher für besser als die Version von pBM EA 9997+10309, Kol. VI, 4 mit [kꜣ]=k r ꜥḥꜥ n nʾ.t wr.t.

10 nṯr.j⸮.tw?: Das senkrechte Zeichen nach der nṯr-Gruppe wird keine sw-Binse sein (so Daressy) und ist keinesfalls ein weiteres nṯr-Zeichen (so Jelínková-Reymond), sondern wird das tr-Zeichen sein, das man bei nṯr.j erwartet, auch wenn es nach vorn und nicht nach hinten orientiert ist. Am Ende ist wahrscheinlich noch eine Lücke für ein horizontales Zeichen (nicht senkrecht, wie bei Jelínková-Reymond) zu berücksichtigen.

11 sbḫ: Wb. 4, 92.14 „sich ausbreiten o.ä. (vom Gift in den Gliedern)“ (mit dieser Textstelle als einzigem Beleg); vgl. Leitz, 16, Anm. 16, der eher an sḫbḫ (Wb. 4, 239.5-6) denkt, das in pBM EA 9997+10309, Kol. VI.6 vielleicht als s[ḫ]b[ḫ] vorhanden ist und für das auch das Simplex-Verb ḫbḫ in Zusammenhang mit Schlangen belegt ist. Dann müsste der Text der Statue des Djedher zu s〈ḫ〉bḫ emendiert werden.

12 [___] =k wḏb =k: Jelínková-Reymond, 76 mit Anm. 11 ergänzt „[ton venin] t’entourera“ ([mtwt=k] (ḥr/r) wḏb=k). Laut Leitz, 17 mit Anm. 91 ist šp=k eine ebenfalls mögliche, wenn nicht sogar bessere Ergänzung: „may you flow out (?), may you turn at the issue from your mouth.“

13 ⸮ḫrw?.y[w]/⸮ḏꜣ?.y[w]: Die Lesung ḏꜣ bei Daressy und bei Jelínková-Reymond (mit Bohrer (U28/29) und Schmutzgeier (G1)), aber die Spuren passen besser zu ḫrw.y[w] „Lärmmacher, Unruhestifter“ (mit Ruder (P8) und Wachtelküken (G43)). Auf pBM EA 9997+10309, Kol. VI.7 ist die Stelle beschädigt und kann sowohl ḏꜣ.yw (mit einem kleinen Aleph) als auch ḫrw.yw (mit der w-Schlaufe) sein (Leitz liest bzw. ergänzt ḏꜣ.yw, vielleicht wegen der Edition von Daressy und bei Jelínková-Reymond der Statue des Djedher).

14 z(ꜣ)w/zw(ꜣ): Jelínková-Reymond, 76 übersetzt „Or ton corps sera tranché“ und verweist wegen des Messerdeterminativs auf das Verb zꜣw „(Nase, Ohren) abschneiden“ (Wb. 3, 419.12). Leitz, 17 hat „Beware your teeth!“, vielleicht weil in pBM EA 9997+10309, Kol. VI.7 zꜣu̯ geschrieben ist. jbḥ.w: Die Lesung ist sicher. Daressy und Jelínková-Reymond (76: „ton corps“) sind zu korrigieren.

15 ꜥꜥ.w: Jelínková-Reymond, 77 mit Anm. 2 liest nur msj.t. „les oiseaux des eaux“ (s. Index S. 147 msyw „petits oiseaux des eaux“; Wb. 2, 143.3 „Art Wasservogel“). Leitz, 17, Anm. 94 erkennt zwei Wörter ms.w ꜥꜥ.w, wobei ꜥꜥ.w eine unbekannte Vogelbezeichnung ist. Sowohl auf der Statue des Djedher als auch auf pBM EA 9997+10309, Kol. VI.8 ist die Lesung ms.w ꜥꜥ.w vorzuziehen.

16 [ḫꜣꜥ]=k: Das Verb wird nach pBM EA 9997, Kol. 6.8-9 ergänzt; dort ist das snbt.t-Tier in einer Zerstörung verschwunden. Leitz, 17 hat: „you release [the snbtt-animal]“. Allerdings passen die Spuren nicht zu ḫꜣꜥ. Vor =k erkennt man entweder Pluralstriche (Z2) oder ein pr-Haus mit Ideogrammstrich (O1*Z1), davor ein dickeres, horizontales Zeichen wie k (V31) oder nb (V30) oder d (D46), kein r (D21). Daressy, 137 liest t (X1) und Pluralstriche (Z2), aber das t steht nicht da bzw. es steht noch ein horizontales Zeichen zwischen mutmaßlichem t und mutmaßlichen Pluralstriche. Jelínková-Reymond hat ein beschädigtes k-Zeichen (V31) und Pluralstriche (Z2).

17 Lesung unsicher. Jelínková-Reymond, 77 übersetzt „Son visage ne sera pas caché en bas (?)“ und emendiert nb zu r (d.h. n(n) ḥꜣp ḥr=f {nb}〈r〉 tꜣ). Daressy liest tp=f statt ḥr=f (so Jelínková-Reymond), aber das Zeichen ähnelt eher dem frontalen Gesicht ḥr, wobei die anschließenden kleinen Zeichen allerdings keine eindeutigen Ideogrammstriche und Fleischzeichen sind. Vielleicht sind es misslungene t und pr-Zeichen und es liegt ḥꜣp.t „Versteck“ vor. Leitz, 17 hat „your father, the earth, may you not conceal yourself (?)“ und er erwägt in Anm. 95 die Lesung nn ḥꜣp tw jt=k tꜣ. Auf pBM EA 9997, Kol. 6.9 ist nn [__]tj tj jt=k tꜣ erhalten. Die Lesung „Vater“ ist sicher auf pBM und passt gut zu „Mutter“ in der nächsten Zeile (korrigiere Daressy und Jelínková-Reymond).

18 mw.t=k: Der Geier ist zwar beschädigt, aber der Kopf ist eindeutig. Korrigiere Daressy (Eule mit Arm G20) und Jelínková-Reymond (eine Eule, G17). Auf pBM EA 9997, Kol. 6.9 steht nn wn.t n=k ⸮zꜣ.t?=k db.t, wobei allerdings sowohl eine abgekürzte Schreibung von mw.t als auch von zꜣ.t möglich sind.

19 sꜣ〈q〉=t: Jelínková-Reymond, 77, Anm. 10 übersetzt „tu es brisé comme la pierre“ und denkt an das Verb sꜣw „brechen“, aber das passt nicht zum Determinativ . Leitz, 17 hat „may you be collected as stone“, was für sꜣq spricht und von pBM EA 9997, Kol. 6.12 bestätigt wird (dort sjꜣq mit Determinativ I5).

20 dr=t tꜣ[w]=t: Ergänzt gemäß pBM EA 9997, Kol. 6.12, wo steht [dr] tꜣw=ṯ: „[Möge] deine Hitze [entfernt sein], möge dein Feuer gelöscht sein“. Es passt besser zu den erhaltenen Spuren als tꜣ [mtw].t von Jelínková-Reymond, 73. Der Ideogrammstrich bei Daressy und Jelínková-Reymond ist das untere Ende des Kohlebeckens mit Rauch (Q7).

21 n.tj ẖ((r)) dm.wt: Ein kleines r wurde nachträglich zwischen ẖr (W13) und dm.wt (T30A) eingefügt.

22 [zꜣ/ḥr]⸢=s⸣ oder ⸮p[.t]?: Daressy, 137 liest p.t, ohne eine Zerstörungsangabe, aber er übersetzt (S. 139) „Râ a conjuré dans les deux terres“, ohne p.t zu berücksichtigen. Jelínková-Reymond, 73 gibt eine Lücke von einem Quadrat an. Erhalten sind ein Ideogrammstrich oder ein kleines p sowie der untere Rand eines horizontalen Zeichens darunter, vielleicht ein Riegel-s, eher kein Himmelszeichen. Bei einer Lesung [zꜣ/ḥr] stünde der Ideogrammstrich vor statt hinter dem ergänzten Ei bzw. Gesicht. Eine Lesung oder Ergänzung k(y) r(ʾ) ist nicht möglich.

23 šni̯ n=j: Das Verb šni̯ scheint ohne Determinativ geschrieben zu sein. Die Personenhieroglyphe ist in beiden Sätzen mit šni̯ jedes Mal A1, nicht A2 als Determinativ von šni̯. Daressy liest „Râ a conjuré dans les deux terres“, d.h. šni̯.n Rꜥw, Jelínková-Reymond, 77 übersetzt „Rēꜥ a conjuré pour moi.“ jm.j tꜣ.wj: Gemeint ist tꜣ, nicht tꜣ.wj. Jelínková-Reymond, 77 übersetzt „Rēꜥ a conjuré pour moi celui qui est dans la terre“, also ob nur tꜣ vorliegt.

24 ⸢N⸣ḥꜣ-ḥr: Das n ist in einem Bruch am Anfang der Kolumne noch erkennbar. Daressy liest hinter dem Aleph-Geier das Gesicht (D2), Jelínková-Reymond liest ein Kreuz (Z9). Jedenfalls ist es er seitliche Kopf (D1), nicht das frontale Gesicht (D2).

25 Dieser und der nächste Satz ebenfalls in Z. J-R TM.67-68 = D 49-50, dort als Anfang eines neuen Spruchs.

26 jḫr: Daressy hat jḫr, Jelínková-Reymond jḫjr. Das zweite Schilfblatt ist sehr fraglich.

27⸮bꜣ?-__: Daressy hat einen Widder, Jelínková-Reymond einen Stier. Das erste Zeichen ist eindeutig ein Widder, darunter könnte ein laufender Löwe stehen. Ob dieser den Lautwert m (aus mꜣj) haben könnte?

3.6: Oberseite Sockel, linke Hälfte des großen Beckens (Z. 162-180), Beschwörung einer gestochenen Katze

(Spruch zur Beschwörung einer (von einem Skorpion gestochenen) Katze.)
Worte zu sprechen:
Oh Re, komme zu deiner Tochter! Ein Skorpion hat sie in der Einsamkeit gestochen. Ihr Geschrei, es hat den fernen Himmel erreicht.1 Komme zu deiner Tochter! Gift ist in ihrem Körper vorhanden (wörtl.: eingegangen). So wie es (das Gift) in ihrem Fleisch herumgewandert ist,2 hat sie (die Katze?) ihren Mund auf den Boden gesetzt,3 (denn) siehe, das Gift ist in ihrem Körper vorhanden (wörtl.: eingegangen). Komme, du, doch mit deiner Macht, mit deinem Zorn4 und mit deiner Röte (für: Blutrünstigkeit?)! Aber siehe,5 es (das Gift) verbirgt sich vor dir,6 (auch wenn) es vorhanden (wörtl.: eingegangen) ist im ganzen Körper dieser Katze, die unter 〈meinen〉7 (untersuchenden) Fingern ist. Ignoriere/vergiss nicht deine herrliche Tochter! Siehe, ich, Re(?),8 bin um dich herum (oder: (als Schutz) hinter dir) mit Leben! Ich bin es, der dieses Gift9 zu Fall gebracht hat (oder: für mich zu Fall bringe),10 das im ganzen Körper dieser Katze ist.

(Du), diese Katze! Dein Kopf ist der Kopf des Re, des 〈Herrn〉 der Beiden Länder, der die Untertanen und alle Krummherzigen niederschlägt; die Furcht vor ihm ist in den ganzen Beiden Ländern und in allen Lebenden/Lebewesen ewiglich.

(Du), diese Katze! Deine 〈beiden〉 Augen sind die beiden Augen 〈des Herrn〉11 des Glanzauges, der die Beiden Länder auf dem Weg der Dunkelheit erhellt.

(Du), diese Katze! Deine Nase ist die Nase des Thoth, des zweimal Großen, des Herrn von Hermopolis, des Chefs der 〈Beiden〉12 Länder 〈des/für〉 Re, der Atemluft gibt für die Nase eines jeden Menschen.

(Du), diese Katze! Deine beiden Ohren sind 〈die Ohren〉 des Allherrn, der die Bitte aller Menschen hört, wenn sie zu ihm rufen, und der im ganzen Land richtet.

(Du), diese Katze! Dein Mund/Maul ist der Mund des Atum, des Herrn des Lebens, der Opfergaben erhält (oder: und des Erhaltens von Opfergaben). Er hat das Erhalten-der-Opfergaben veranlasst und er hat das Gift auf den Boden gestellt für/wegen diese/r Katze. (oder: nachdem er das Erhalten-der-Opfergaben veranlasst und das Gift auf den Boden gestellt hat für/wegen diese/r Katze.)13

(Du), diese Katze! 〈Dein〉 Hals ist der Hals des Nehebkau, der an der Spitze des (oder: im) Großen-Haus ist,14 der die Menschen mit der Arbeit seiner Arme belebt.

(Du), diese Katze! Dein ḥꜣtj-Herz ist das ḥꜣtj-Herz des Thoth, des Herrn der Maat. So wie er dir Atemluft für die Kehle gegeben hat (oder: um 〈deine〉 Kehle 〈zu öffnen〉),15 so hat er Atemluft gegeben für/gegen die, die im Leib dieser Katze sind.16

(Du), diese Katze! Dein jb-Herz ist das jb-Herz des Chentechtai, des Herrn von Athribis, des Vorstehers der Götter, der die jb-Herzen und die ḥꜣtj-Herzen an ihrem Platz festigt. Er hat dein jb-Herz auf seinem Platz gefestigt und dein ḥꜣtj-Herz auf seiner richtigen Stelle.

(Du), diese Katze! Deine Hand/Vorderpfote ist die Hand der Großen Neunheit und der Kleinen Neunheit. 〈Deine〉 beiden Hände werden gerettet vor dem Gift einer jeden beißenden Ra-Schlange.

(Du), diese Katze! 〈Dein〉 Leib ist 〈der Leib〉 des Osiris, des Herrn von Busiris. Nicht kann er zulassen, dass das Gift irgendetwas von ihrer Macht ausübt im Leib dieser Katze.

(Du), diese Katze! 〈Deine〉 beiden Oberschenkel sind 〈die Oberschenkel〉 des Month, des Herrn von Theben. So wie er deine beiden Oberschenkel aufgerichtet hat, so hat er das Gift auf den Boden gebracht/geholt für diese Katze.

(Du), diese Katze! Deine Zehen (oder: deine beiden Unterschenkel) sind die Zehen (oder: Unterschenkel)17 des Chons in Theben Neferhotep, der die ganzen Beiden Länder täglich durchstreift. Er hat das Gift zu Boden springen lassen,18 das im ganzen Körper dieser Katze ist.

(Du), diese Katze! Deine beiden Füße sind die Füße des Amun, des Älteren, des Horus (?),19 des Herrn von Theben. So wie er deine beiden Füße auf dem Boden hat bleiben lassen, so hat er das böse Gift, das im ganzen Körper (oder: in jedem Glied)20 dieser Katze ist, zu Fall gebracht.

(Du), diese Katze! 〈Deine〉 Oberarme sind 〈die Oberarme〉21 des Horus, der seinen Vater Osiris vor Seth schützt. Er hat gemacht, dass das böse Gift jeder (männlichen) Schlange, jeder weiblichen Schlange und jedes Skorpions [zu Boden fließt (?)],22 das im ganzen Körper (oder: in jedem Glied) dieser Katze ist.

(Du), diese Katze! Deine Fußsohlen sind die Fußsohlen der Isis und der Nephthys, die die ganzen Beiden Länder durchstreifen. Sie wenden das Gift in Richtung Boden für diese Katze.23

(Du), diese Katze! Deine Hinterbacke ist die Hinterbacke dessen, der in Mehetweret ist.

(Du), diese Katze! Es gibt kein Glied von dir, das ohne einen Gott ist. Ein jeder von ihnen24 ist der Schutz deines Körpers, angefangen bei deinem Kopf bis zu deinen Füßen. Sie haben zu Fall gebracht und sie haben bestraft das Gift jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Skorpions und 〈jedes〉 giftigen Gewürms, das im ganzen Körper (oder: in irgendeinem Glied) dieser Katze ist, die unter 〈meinen〉 (untersuchenden) Fingern ist.25 Sie haben zu Fall gebracht und sie haben bestraft das Gift jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Skorpions und jedes giftigen Gewürms, das 〈im〉 ganzen Körper (oder: in irgendeinem Glied) dieses Mannes ist, der einen Biss/Stich hat, wie diese Katze.

Es ist Re, der es gesagt hat.26

1 pḥ=f ⸮〈r〉? ḥr.t: Die Verwendung von pḥ mit Präposition r auf der Metternichstele ist laut Wb. 1, 534 nicht vor der 18. Dynastie belegt, was ein Indiz für das Redaktionsdatum der Metternichstele sein könnte. Allerdings wird pḥ auf der Heilstatue des Djedher (Z. 164) mit direktem Objekt verwendet: sbḥ.w=s pḥ.n=f ḥr.t (bzw. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 79 ergänzt die Präposition gemäß der Metternichstele).

2 pẖr.n=s m jwf=s: Das Verb pẖr wird auf der Metternichstele transitiv verwendet, auf der Heilstatue des Djedher (Z. 165) mit der Präposition m.

3 rḏi̯=s rʾ=s r tꜣ: Lässt die Katze infolge des Gifts ihren Kopf hängen? Auf der Metternichstele steht rḏi̯=s rʾ=s r=s (Verwechselung des Land-Zeichens und des Riegel-z in die eine oder die andere Richtung). Sander-Hansen, Metternichstele, 29 nimmt an, dass die Katze das Gift aussaugen will (so schon Moret, in: RHR 72, 1915, 228, und Roeder, Urkunden zur Religion, 84; mit der Katze als Subjekt auch Sternberg-el Hotabi, in: TUAT II, 362; anders Allen, Art of Medicine, 54: „It has given its mouth to her“, wobei „it“ = der Skorpion oder das Gift und „her“ = die Tochter).

4 dndn〈=k〉: Daressy, in: ASAE 18, 1918, 134, liest dndn=k mit allen Zeichen, inklusive Determinativ bei dndn, vorhanden. Für Sander-Hansen, Metternichstele, 21 ist das Determinativ von dndn=k zerstört. Jelínková-Reymond, 79 hat dn〈dn=k〉. Das zweite d ist kleiner graviert, das zweite n kaum vorhanden, für das Determinativ oder =k ist kein Platz mehr (Photo Dils). Eine diagonale Bruchlinie (schon Antik im Ansatz?) erschwert die Lesung bzw. erschwerte die Gravur des zweiten d und zweiten n.

5 m={t}〈k〉 sw〈t〉: Daressy und Sander-Hansen haben das t von m=t nicht kopiert, es ist aber vorhanden (richtig bei Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 79; geprüft auf Photo Dils). Auf der Metternichstele (Z. 12) steht ebenfalls m=t. Anscheinend ist die Partikel auf beiden Textvorlagen verfrüht vom Sonnengott Re als Bezugsgröße auf dessen Tochter umgeschaltet. Andererseits wird m=ṯ in den ptolemäischen Tempeltexten in der Mehrzahl der Fälle auch für männlich oder Plural verwendet und ist nicht auf eine feminine Bezugsperson beschränkt: Kurth, Einführung ins Ptolemäische, Bd. II, 785.

6 jmn=s r-ḥꜣ.t=k: Auf der Metternichstele (Z. 13) steht m={t}〈k〉 s{w}〈j〉 jmn.tj ẖr-ḥꜣ.t =k (mit dem abhängigen Pronomen sj). Das Pronomen =s unter jmn auf der Statue des Djedher ist zwar beschädigt, aber es ist keinesfalls [t]j/[t]w. Es kann auch nicht das ẖr-Zeichen sein (für ẖr-ḥꜣ.t statt r-ḥꜣ.t). Sander-Hansen, Metternichstele, 21 lässt das Pronomen =s weg, aber Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 79 hat sicherlich recht, ein z zu kopieren (markiert als „vrais(emblable)“), denn ansonsten wäre die Hieroglyphe viel zu groß und der Strich passt nicht wirklich als Bodenlinie von A5. Grammatisch ist die Kombination von m=k sw/sj und jmn s(j) oder jmn=s verwunderlich. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 81, Anm. (d) will sw als st lesen: „le voilà, il est caché devant toi“, aber das löst das Problem nicht. Sicherlich sollte man mk sw(t) „siehe aber“ lesen (swt wird laut Jansen-Winkeln, SpMägGr, 216 § 373 in der Dritten Zwischenzeit immer ohne t geschrieben). Liest man sw(t), dann kann anschließend mangels eines Bezugsworts kein Adjektivalsatz jmn s(j) als Ersatz des Pseudopartizips (s. Gardiner, EG § 374; Jansen-Winkeln, SpMägGr, 359, § 579) folgen, sondern es muss ein sḏm=f vorliegen.

7 n.tt ẖr ḏbꜥ.w〈=j〉: Das Suffixpronomen ist auf der Metternichstele vorhanden. Anscheinend ruft ein untersuchender Arzt den Sonnengott zu Hilfe.

8 m=t twj: Im klassischen Ägyptischen erwartet man eigentlich m=t wj mit dem abhängigen Pronomen, aber es sind eindeutig zwei t vorhanden, so dass hier ein proklitisches Pronomen in einem Präsens-I-Adverbialsatz vorzuliegen scheint. Sander-Hansen, Metternichstele, 15 geht von einem Schreibfehler aus. Belege für die Kombination von m=k mit dem Proklitischen Pronomen (Wb 5, 246.3) sind selten: DZA 30.959.860 (tw=t), DZA 30.961.340 (tw=tw) und DZA 30.961.370 (tw=tw). Auf der Statue des Djedher steht hinter dem Personendeterminativ von twj/wj noch ein hockender Gott mit etwas auf dem Kopf. Ist es ein zweites Determinativ für die Ich-Person, um anzugeben, dass „ich“ der Sonnengott ist, oder soll man separat „Re“ lesen?

9 tꜣ mtw.t tn n〈.tj〉: Die Kombination von tꜣ und tn findet sich später im Text auch auf der Metternichstele Z. 34 für tꜣ mjw.t tn n.tj (redaktionelle Überarbeitung eines ursprünglichen und sprachlich älteren mtw.t tn n.tt?). Auf der Metternichstele (Z. 14-15) steht an der hiesigen Stelle nur tꜣ mtw.t n.tj.

10 jnk sḫr.n=j: Auf der Metternichstele (Z. 14) steht zweifelsfrei jnk sḫr.n=j. Auf der Heilstatue des Djedher (Z. 168) ist wahrscheinlich ebenfalls jnk vorhanden, auch wenn es wie rꜥw-nb aussieht (Daressy, in: ASAE 18, 1919, 134 hat ḥr-nb; Sander-Hansen, Metternichstele, 22 hat es als rꜥw-nb gelesen; Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 81 Anm. (f) erkennt jnk). Das erste Zeichen ist ein Kreis, vielleicht etwas zu weit nach unten angeordnet (Rand des nw-Topfes nicht graviert, keinesfalls ḥr), das dritte sieht eher wie ein Korb ohne Henkel aus (Jelínková-Reymond: mit Henkel). Die Konstruktion jn + Subjekt + sḏm.n=f ist problematisch, auch wenn sie im Altägyptischen bezeugt ist (Edel, Altäg Gr., 424, § 846 β). Von der Bedeutung her erwartet man hier ein Futur (Sternberg-el Hotabi, in: TUAT II, 362) oder zumindest ein Präsens (Allen, Art of Medicine, 54) und kein Perfekt (Perfekt jedoch bei Sander-Hansen, Metternichstele, 27; Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 82). Oder ist die Tatsache, dass Re als Schutz hinter seiner Tochter steht, schon ausreichend, um das Gift als besiegt zu erklären? An anderer Stelle erwägt Jansen-Winkeln, SpMägGr, 351, § 563 diese Konstruktion als jn + Subjekt + Partizip sḏm + Dativ n=f aufzulösen. Kurth, Einführung ins Ptolemäische, II, 893, § 230 listet einige Beispiele für jn + Subjekt + sḏm.n=f mit Vergangenheitsbedeutung.

11 〈nb-〉ꜣḫ.t: nb ist vorhanden auf der Metternichstele (Z. 16). „Die beiden Augen des Glanzauges“, auch wenn „Glanzauge“ die Bezeichnung einer Göttin sein kann, ergeben hier keinen Sinn (so übersetzt jedoch Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 82).

12 ḥr.j-tp tꜣ〈.wj n/n(.j)〉 Rꜥw: tꜣ ist mit drei Punkten determiniert (d.h. N16, wie bei Daressy; N17 bei Sander-Hansen ist falsch), Jelínková-Reymond fügt zusätzlich noch zweimal N21 hinzu und vermerkt „peu distinct“ (d.h. N16A). Dies kann nicht ausgeschlossen werden (Photo Dils), auch wenn die Schreibung sonst immer N16 auf der Statue ist. Das anschließende „Re“ ist mit N6 und nicht mit N5 geschrieben (falsch bei Daressy und Sander-Hansen), wobei die Kobra nach innen und nicht nach außen orientiert ist (falsch bei Jelínková-Reymond). Auf der Metternichstele steht ḥr.j-tp tꜣ.wj n Rꜥw. Dieses Epitheton wird normalerweise als „das Oberhaupt der beiden Länder des Re“ übersetzt (Roeder, Urkunden zur Religion, 85; ebenso Moret, in: RHR 72, 1915, 228; Sander-Hansen, Metternichstele, 28; Sternberg-el-Hotabi, in: TUAT II, 363; Allen, Art of Medicine, 54). Sind es die beiden Länder des Re, oder ist es das Oberhaupt des/für Re? Auf der Heilstatue des Djedher (Z. 169) steht nichts zwischen tꜣ〈.wj〉 und Rꜥw. Vielleicht ist daher n als m-Identikum aufzufassen: „der Chef der Beiden Länder als/in der Funktion des Re“. In LGG finden sich nur 2 Belege für die Verbindung tꜣ.wj n Rꜥw, einmal ḥr.j-tp tꜣ.wj n(.j) Rꜥw (unsere Textstelle) und einmal sšm.t tꜣ.wj n.t Rꜥw (n.t ist nur n geschrieben). Laut LGG V, 400 ist ḥr.j-tp (n.j) tꜣ ebenfalls belegt, wenn auch nur sehr selten und gerade auch für Thoth, aber wie erklärt man dann das anschließende Re? Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 82 emendiert nicht: „préposé à la Terre, Soleil qui donne à respirer à tout le monde.“

13 zmꜣ (j)ḫ.t rḏi̯.n=f zmꜣ-(j)ḫ.t: Der Satz bietet drei Schwierigkeiten: die Lesung zmꜣ, die Bedeutung von zmꜣ-(j)ḫ.t und die Lesung des Verbs als sḏm.n=f oder als passives sḏm=f mit Dativ.
Daressy, in: ASAE 18, 1919, 134 und Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 79 lesen nicht zmꜣ-(j)ḫ.t, sondern nfr-(j)ḫ.t, was in LGG nicht als Epitheton belegt ist. Auf der Metternichstele steht sicher zmꜣ-(j)ḫ.t, auf der Statue des Djedher ist sowohl zmꜣ wie auch nfr möglich, aber die Form weicht vom eindeutigen nfr-Zeichen in Chonsu-em-Waset Neferhotep (Z. 173) ab, weshalb wir uns hier für zmꜣ entscheiden (in Z. 173 ist nfr mit zwei Querstrichen und unten mit einer rundlichen Form graviert, an unserer Stelle gibt es keinen oder nur einen Querstrich und unten eine zweigliedrige Herzform).
Roeder, Urkunden zur Religion, 85 übersetzt hier „der (jeden) beschenkt, der ihm Geschenke gibt“, aber dann wäre zumindest zmꜣ (j)ḫ,t 〈n〉 rḏi̯ n=f zmꜣ-(j)ḫ.t erforderlich. Deshalb erscheint eine Satztrennung vor rḏi̯ angemessen. Dann ist rḏi̯.n=f entweder ein sḏm.n=f (so Sander-Hansen, Metternichstele, 28 „... des Herrn des Lebens, der die Dinge vereinigt (?). / Er hat Vereinigung der Dinge veranlaßt“) oder ein passives sḏm=f mit Dativ (so Moret, in: RHR 72, 1915, 228: „celui qui réunit les offrandes, à qui l’on donne les offrandes”; Sternberg-el-Hotabi, in: TUAT II, 363 übersetzt ähnlich: „des Herrn des Lebens und der Opfergaben, dessen, dem die Opfergaben dargebracht werden.“). Sander-Hansen, Metternichstele, 29, Anm. zu Z. 20 erachtet die übliche Bedeutung von zmꜣ-(j)ḫ.t „Opfergaben erhalten“ hier für nicht sinnvoll, weshalb er wörtlich „der die Dinge vereint“ übersetzt. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 82 übersetzt zmꜣ/nfr (j)ḫ.t einfach als „offrandes“ in „seigneur de vie et des offrandes. Il a présenté les offrandes ...“ (wie Moret und Sternberg-el Hotabi). Aus ihrer Übersetzung geht nicht hervor, wie sie das nfr-Zeichen deutet. Allen, Art of Medicine, 54 versteht das erste zmꜣ-(j)ḫ.t als eine Personifizierung des Atum, „the Unity“, das zweite zmꜣ-(j)ḫ.t als Substantiv und Bestandteil eines Wechselsatzes: „... Atum, lord of life, the Unity: as he has given unity, he has saved you ...“.

14 ḫnt/ḫnt.j ḥw.t-ꜥꜣ.t: Die meisten Bearbeiter erkennen in ḫnt nicht die Präposition ḫnt (so nur Allen, Art of Medicine, 54), sondern die Nisbe ḫnt.j (so Roeder, Urkunden zur Religion, 85; Moret, in: RHR 72, 1915, 228; Sander-Hansen, Metternichstele, 28; Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 82; Sternberg-el-Hotabi, in: TUAT II, 363).

15 r 〈srq〉 jḥ.tj=〈t〉: Auf der Metternichstele steht r srq jḥ.tj=t, aber auch ohne die Ergänzungen würde der Satz einen Sinn ergeben.

16 rḏi̯ ṯꜣw r jm.j.w ẖ.t n.t mjw.t tn: Auffällig ist die Verwendung der Präposition r. Normalerweise wird der Begünstigte von rḏi̯ ṯꜣw mit der Präposition n eingeführt, während r für den Ort oder Gegenstand steht, an dem Atemluft gegeben wird (z.B. r fnḏ und r jḥ.tj). Kann „das, was im Leib dieser Katze ist“ als Euphemismus für das Gift stehen, und ist das Geben von Luft also ein Heilmittel gegen (r) das Gift?

17 sꜣḥ oder sḏḥ: Jelínková-Reymond, 80 liest sꜣḥ (erste zwei Zeichen s und ), Daressy, in: ASAE 18, 1918, 134 liest sḏḥ (erste zwei Zeichen s und dann das Monogramm von und ). Sander-Hansen, Die Metternichstele, 25 hat für die Statue von Djedher sḏb (mit sic) (mit und b) gelesen, wobei er sagt, das Original und ein Photo konsultiert zu haben. Auf der Metternichstele (Z. 28) steht sḏḥ.w: „die beiden Unterschenkel“, aber die Orthographie mit dem nb-Zeichen unter den zwei Knochenharpunen auf der Stele des Djedher erinnert mehr an sꜣḥ.w: „Zehen“.

18 nhp: Wird überwiegend intransitiv als „springen“ verwendet, in der Spätzeit auch transitiv „niederwerfen o.ä.“. DZA 25.179.520 (unsere Stelle) klassifiziert nhp bei der transitiven Bedeutung. Die sḏm.n=f- und sḏm=f-Konstruktionen in den umliegenden Sätzen und das generell aktive Eingreifen der Schutzgottheiten sprechen tatsächlich dafür, dass nhp transitiv ist. Frühere Belege für die transitive Verwendung stehen schon im magischen Papyrus Harris (Kol. 5.3 und eventuell Kol. 5.9).

19 ⸮Ḥr.w?: Sander-Hansen, Metternichstele, 28 und 29, Anm. zu Z. 30 vermutet, dass die Hieroglyphe G6 auf der Metternichstele Determinativ ist (ebenso Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 83; Sternberg-el Hotabi, in: TUAT II, 364; Allen, Art of Medicine, 54), aber er könnte es eventuell auch als „Falke“ lesen, weil auf der Heilstatue des Djedher (Z. 174) ebenfalls ein Falke (G5) steht. Roeder, Urkunden zur Religion, 85 liest „Horus“. Moret, in: RHR 72, 1915, 229 hat „le dieu“. Eigentlich erwartet man den Schmutzgeier (G1) als phonetisches Komplement von ꜥꜣ, aber es ist eindeutig ein Falke (G5) bzw. ein Falke mit Wedel (G6, auf der Metternichstele).

20 m 〈ḥ〉ꜥ.w nb n.j oder m ꜥ(.wt) nb(.t) n(.t): Vorher im Text stehen zweimal tꜣ mtw.t ꜥq.tj m ḥꜥ.w=s (Z. 165 und 167) und zweimal tꜣ mtw.t n.tt m ḥꜥ.w nb n.j mjw.t tn (Z. 168 und 173-174). Hier und weiter unten steht dreimal dieselbe Konstruktion mit der Körperbezeichnung, aber diesmal nur mit Ayin und drei Fleischzeichen geschrieben. Die parallelen Formulierungen in diesem Spruch sprechen für die Emendation zu 〈ḥ〉ꜥ.w „Körper“ und gegen die Lesung ꜥ.w(t): „Glieder“. Vergleicht man die Textversion der Statue des Djedher mit der Textversion der Metternichstele, bekommt man allerdings folgendes Ergebnis: Auf der Metternichstele findet man ebenfalls die Formulierung tꜣ mtw.t bjn.t n.tt m ḥꜥ.w nb jm=ṯ (Z. 24), aber daneben auch tꜣ mtw.t m ꜥ.wt nb(.t) jm=ṯ (Z. 32). Außerdem steht auf der Metternichstele in der Parallelstelle zu Djedher Z. 168 tatsächlich n.tj m ꜥ.wt nb(.t) n(.t) mjw.t tn (Z. 14) und ebenso ꜥ.wt (Metternichstele Z. 33) in der Parallelstelle zu tꜣ mtw.t bjn(.t) n.t ḥfꜣ.w nb ḥfꜣ.t nb(.t) ḏꜣr.t nb(.t) r tꜣ n.tt m 〈ḥ〉ꜥ.w nb n(.j) mjw.t tn (Djedher Z. 175, 177 und 179). Und wo auf der Statue des Djedher n(n) 〈ḥ〉ꜥ.w jm=t šw m nṯr (Z. 175) steht, findet sich an der entsprechenden Stelle auf der Metternichstele erneut das Substantiv ꜥ.t (Z. 33). Es sieht also so aus, dass sowohl 〈ḥ〉ꜥ.w nb als auch ꜥ(.wt) nb(.t) als Lesung möglich sind.
Laut Schreibungszettel DZA 21.557.210 (s.v. ꜥ.t) steht die Schreibung Arm + 3 Fleischzeichen einige wenige Male für ꜥ.t (5 Belege im NR und später: DZA 21.557.230), während die Schreibung nur mit den 3 Fleischzeichen fast immer ḥꜥ.w zu lesen ist („einigermaßen sichere“ Ausnahmen auf DZA 21.557.240). Laut DZA 26.575.120 (s.v. ḥꜥ.w) ist die Schreibung nur mit 3 Fleischzeichen ab der 18. Dynastie belegt (s. DZA 26.575.150) und zumindest in der Kombination ḥꜥ.w-nṯr die gewöhnliche Schreibung (s. DZA 26.575.160). In den Schreibungszetteln des DZA s.v. ḥꜥ.w (DZA 26.575.120 bis DZA 26.575.250) wird die Schreibung Arm + 3 Fleischzeichen nicht mehr thematisiert.

21 ḫpš: Die Position dieses Körperteils in der Gliedervergottung ist unerwartet. Selbst wenn man von der Bedeutung „Vorderschenkel“ ausgeht, steht es hier an der falschen Stelle.

22 jri̯.n=f [šp] [tꜣ] mtw.t: Dieser Satz steht nicht auf der Metternichstele. Ergänzung gemäß Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 80 und 83, Anm. 9. Eine Spur, die zum spuckenden Mundes von šp gehören könnte, ist noch vorhanden (Sander-Hansen, Metternichstele, 25 liest h mit Fragezeichen), aber es ist ein wenig verwunderlich, dass keine Spur von tꜣ erkennbar ist, zumal das t normalerweise vor der Brust des Schmutzgeiers steht. Die Verwendung von jri̯ mit derselben Funktion wie rḏi̯ als „veranlassen, dass“ ist laut Wb. 1, 111.9 nur spät belegt. Vielleicht ist die Ergänzung falsch.

23 pẖr: Die transitive Verwendung ist im DZA unter „(etwas) umwenden, umdrehen“ (DZA 23.468.460) hinter Wb. 1, 544.13 „den Nacken umdrehen“ bei „das Gesicht, den Nacken, das Herzen umwenden“ angegeben, aber ist nicht als ein besonderer Kontext markiert (diese Stelle = DZA 23.468.490). Roeder, Urkunden zur Religion, 86 setzt eine Bedeutung „(etw. zu Boden) eilen (lassen)“ an. Sander-Hansen, Metternichstele, 28 hat „Er hat das Gift zur Erde gekehrt“. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 83, Anm. 11 begründet die Übersetzung „détourner“ mit dem Kontext.

24 ⸢w⸣ꜥ nb jm =sn: Nach šwi̯(.tj) m nṯr ist eine Lücke: die Ecke des Sockels ist abgebrochen. Weder Daressy (S. 135) noch Sander-Hansen (S. 26) markieren diese, Jelínková-Reymond, 80 gibt eine Lücke von 2 Quadraten an. Tatsächlich scheint unterhalb von nṯr nichts eingraviert zu sein (Photo Dils). Wenn man die beiden anderen an der Ecke anschließenden Seiten prüft, ergibt sich folgendes Bild: Auf der linken Seiten des Sockels liest Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 122, § 11, Z. 133-135, als ob keine Zeichen fehlen (ebenso Daressy, in: ASAE 18, 1919, 153, Z. 172-174). Aber auf der Rückseite des Sockels setzt sie eine Lücke von 2 Quadraten an (Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 131, § 14, Z. 156; ebenso Daressy, in: ASAE 18, 1919, 154, Z. 175). Falls dies richtig ist, könnte die Reihenfolge der Gravierarbeit folgendermaßen stattgefunden haben. Zunächst wurde die Inschrift auf der Rückseite eingraviert, dann brach die Ecke ab. Anschließend wurde die linke Seite des Sockels eingraviert (die Kolumnentrennlinien laufen in die Bruchstelle hinein). Die Inschrift auf der Oberseite des Sockels kam zum Schluss (die Kolumnentrennlinie hört auf und der verbliebene Platz unter nṯr wurde leer gelassen).
In der Lücke zwischen ⸮ṯ? und zꜣ sind ebenfalls keine Hieroglyphen eingraviert (Photo Dils), obwohl hier Platz für Zeichen vorhanden ist (so auch von Daressy, 135 markiert als „espace vide“). Sander-Hansen (Metternichstele, 26) und Jelínková-Reymond (Djed-Ḥer-le-sauveur, 80) markieren eine Zerstörung von 3 Quadraten und Jelínková-Reymond (Djed-Ḥer-le-sauveur, 84) berücksichtigt dies in ihrer Übersetzung: „il n’y a pas de membres en toi qui soit privé de 〈son〉 dieu [..........]......] (176) Chacun d’eux est [sous la protection (?)]. La protection du corps de la tête jusqu’aux pattes (est établie)!“
⸮ṯ? --3Q-- zꜣ: ⸮ṯ?: Das Zeichen ist eindeutig V13 (so ebenfalls bei Daressy, in: ASAE 18, 1919, 135 und bei Sander-Hansen, Metternichstele, 26) und nicht Aa15 (so Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 80). Nimmt man an, dass tatsächlich niemals etwas eingraviert war, und falls man statt ⸮ṯ? ein falsch herum orientiertes m liest, schließt sich die Lücke: „Ein jeder von ihnen ist der Schutz deines Körpers“. Dies setzt voraus, dass ⸢w⸣ꜥ nb jm=sn sich auf die Götter bezieht und nicht auf die Körperteile. Dann könnte auch die Ecke mit dem mutmaßlichen Satzanfang wirklich unbeschriftet geblieben sein.

25 n.tt ẖr ḏbꜥ.w〈=j〉: Dieselbe Formulierung oben in Z. 168, wo das Suffixpronomen ebenfalls fehlt. An der obigen Stelle ist es auf der Metternichstele (Z. 13) vorhanden. Der hiesige Satz auf der Statue des Djedher fehlt auf der Metternichstele.

26 ḏd.ṱ s(t): Dieselbe Orthographie des Partizips mit abhängigem Pronomen auch in Z. 48 der Statue (Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 25 und 27, Anm. 7). Weil das Objektspronomen *tw=s nicht existiert, kann tw/ṱ nur ein Hinweis sein, dass der zweite Konsonant von ḏd ausgesprochen wurde (vgl. Orthographien des Partizips Passiv mit Suffixpronomen: Erman, Neuäg. Gram., 119, § 257 und 182-183, § 382); außerdem erwartet man kein Pronomen 3. Pers. Fem., sondern ein Neutrum (vgl. Horus und Seth, pChester Beatty I, Kol. 6.14: jn {m} rʾ=k j:ḏd sw ḏs=k: „es ist dein eigener Mund, der es gesagt hat“).