Heilstatue des Hor (Turin Cat. 3030)
Übersetzung und Kommentar
Heilstatue des Hor (Turin Cat. 3030)
Texte auf der Brust: Sprüche gegen Schlangengift
Spruch 1 (Z. A.1-A.5)
Worte zu sprechen: Die Flamme zum (oder: gegen den) Himmel! Die spd-Spitze (?)1 zur (oder: gegen die) Erde! (Oh) Gift des Re bei dessen (d.h. des Re) Erscheinen2: Los! Auf den Boden! Du sollst ausfließen, du bissige/zischende (?)3 z-Schlange (??)4, die ihr Fest in/mit dem Blut des Re feiert 〈an dem Tag〉,5 an dem seine Mutter ihn geboren hat. Zu dir eilt der Stab (?) (oder: Du bist 〈zum〉 Stab geeilt, um ...),6 um für dich zu packen die Weiße Krone7 am/vom (?) Scheitel des Chontamenti. Du sagst (oder: Dir wurde gesagt):8 Du wirst König sein bis in Ewigkeit, ein Horus, der für immer dauerhaft ist. Gift des Re bei dessen (d.h. des Re) Erscheinen: Los! Auf den Boden!
Spruch 2 (Z. A.5-A.9)
Sei doch ruhig! (??) (oder: Oh Ruhige ... (?)) ...?...9 Die ḫt-tꜣ-Schlange10 ist auf das Gesicht gefallen. Ich sah, dass das Gesicht (?) nach oben blickte. (??)11 Ich sah erhabene(?)/geheime Sachen, die aus einer Flamme (oder: aus einer Kiste) gekommen sind, die aus Heliopolis gekommen ist.12 Kom[m] [auf] den Boden!13 Komm hinaus, (du) zꜣ-tꜣ-Schlange! Er hat für sich verschluckt. (?)
Spruch 3 (Z. A.9-A.15)
...?... Dein Stock tötet Anubis. Komm zu mir (?), betrachte (?) ...?... du hast weggenommen (?) ...?... ... diese ... an der Stelle. Gekühlt wird die verzehrende Flamme. Mir gehört das Wasser dieses Auges. 〈Das Horusauge ist gegen das Gesicht der Nay-Schlangen, gegen das Gesicht〉 ihrer Uräen (?), verdrängt (?) danach (?) (oder: 〈Das Horusauge ist auf/über den Nay-Schlangen, auf〉 ihren Uräen (?), verdrängt (?) danach (?)).14 Der nicht kennt deinen ganzen Jubel (???). Ihre mꜣw-Schlangen sind umgedreht, ihre nꜥ(y)-Schlangen ...
1 spd oder spd.t: Ist auf der Heilstatue des Djedher Kairo JE 46341 mit dem Messer determiniert und muss wegen des Parallelismus ein Substantiv sein. Auf der Statue Tyszkiewicz ist das Determinativ ein Dorn (M44) (Panov, 41, Z. 95). Jelínková-Reymond, 41, Anm. 3 denkt wegen des Parallelismus mit nsr/nsr.t und wegen der Grundbedeutung von spd an eine Feuerbezeichnung: „une flamme très aiguë, une flèche de feu, un éclair“. Kákosy, 71 „the sharp flame“ (mit Anm. B: „spd is a word of uncertain meaning“).
2 m ḫꜥ.w=f: Wird des Öfteren als Verlesung für m ḥꜥ.w=f gedeutet, aber es kommt an mehreren Stellen und auf mehreren Textträgern vor (Statue Tyszkiewicz, Z. 96 und 99). Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert eine Stelle mit ḫꜥ.w=k auf der Heilstatue des Djedher zu ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Es ist an der betreffenden Stelle jedoch auf Socle Béhague als m ḫꜥ.w=f vorhanden und schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten. Diese Formel findet sich als m ḫꜥ.w=f weitere Male auf der Heilstatue des Djedher, Z. 57 (mit unklarem Einsatz), 75-76 und 79-80.
3 nfꜥ: Die Wurzel nfꜥ mit Messerdeterminativ ist unbekannt. Die Übersetzung ist geraten. In der Lehre des Anchscheschonki (pBM EA 10508, Kol. 20.9) bezeichnet nfj.w das Geräusch einer ḥfꜣ-Schlange (von nfj/nfꜣ „ausatmen; wehen/blasen/schnaufen“). Jelínková-Reymond, 40, Anm. (i), schreibt bei den Hieroglyphen, dass das Messer für den „schlechten Vogel“ steht, d.h. sie denkt an das Substantiv nf Wb. 2, 252.1-2 „Böses, Unrechtes“. Aber sie übersetzt (41 mit Anm. 6-7): „serpent-s qui exhale (la flamme)“ (aktives Partizip des Verbs nfj „ausatmen, hauchen“). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 wählt für nfꜥ einen Imperativ „get out“ (71, Anm. E: Kákosy erwartet eigentlich eine Konstruktion nfꜥ ṯw oder nfꜥ ṯn, d.h. er denkt an das Verb nfꜥ mit den Beinchen als Determinativ: Wb. 2, 252.6 „sich eilig davon machen“). LGG IV, 207 verzichtet auf eine Übersetzung.
4 z: Unbekannte Schlangenbezeichnung, geschrieben mit Riegel-z und Personenhieroglyphe A1, als ob hier „Mann“ steht. Auf der Statue des Djedher Kairo JE 46341, Z. 77 steht hinter der hockenden Person noch eine Schlange. Die hockende Person sieht aus wie das Gottesdeterminativ A40 ohne Bart und ist nicht weiter detailliert (keine Arme, keine Attribute). Eingetragen in LGG 6, 69b als z ohne Übersetzung. Auf der Statue Tyzskiewicz könnte vielleicht z n.j mḥ 1 „Mann von einer Elle“ stehen (anders Panov 2019, 52 mit Anm. 68, 61 mit Anm. 90, der an eine Verschreibung für znnj „Schmutz“ (Wb. 3, 461.3) denkt).
5 Rꜥw hrw: Auf der Statue Tyszkiewicz ist m hrw ausgeschrieben, aber dort fehlt Rꜥw (Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8). Jelínková-Reymond und Kákosy, 71 rekonstruieren ein ursprüngliches snf n.j Rꜥw m hrw msi̯ mw.t=f jm=f „(on the day) on which his mother gave birth“. Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8 erwägt auf der Grundlage der Statue Tyszkiewicz auch eine Deutung als m hrw msi̯ ⸮s(w)? mw.t=f jm=f: „le jour où sa mère l’a mis au monde“, allerdings bezogen auf die z-Schlange. Auf Statue Turin Cat. 3030 steht msi̯.n s(w) mw.t=f jm=⸮{m}〈f〉? (mit m als Fehler für f, oder mit jm als Adverb statt jm=f).
6 sḫs n=k mdw: Auf der Statue Tyszkiewicz scheint jw=f r sḫs n=k zu stehen (Jelínková-Reymond, 42, Anm. 1): „Il se précipitera vers toi“ (sofern jw=f nicht jm=f zu lesen ist! Panov erkennt r/jw sḫs.n=k r mdw „du bist zum (heiligen) Stab geeilt“). Ähnlich wie auf der Statue des Djedher fehlt jw=f auch auf Statue Turin Cat. 3030; dort fehlt wohl auch r (oder m ist ein Fehler für r). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 übersetzt mit einem anderen Verb der Bewegung: „Run away (ḫns) (because of) the spell (?) in order to grasp the White Crown“, aber seine hieroglyphische Kopie von Statue Turin Cat. 3030 lautet eindeutig sḫs n=k. Statt r sḫs n=k wäre auch eine Lesung jw sḫs.n=k: „Du bist geeilt“ (auch wenn man bei einem Bewegungsverb eher jw=f sḫs.w erwartet) oder sogar j:sḫs n=k „Beeile dich“ denkbar.
7 r mdwi̯.t r ḫfꜥ n =k ḥḏ.t: Jelínková-Reymond, 42 übersetzt „〈mais〉 la formule (magique) sera contre lui.“ D.h. sie erkennt jw mdw.t r=f und sie verweist für ihre Übersetzung auf Kol. 119-120 der Statue von Djedher: mdw.wt=k r=s in Spruch A der Horusstelen (nicht in der Version der Metternichstele und kein gängiger Satz in Spruch A: Altenmüller, in: OMRO 46, 1965, 26 mit Textsynopse). Allerdings ist das auf der Statue des Djedher anschließende „s’emparer de“ kaum als ꜥḫm zu lesen (so in ihrem Index S. 145), sondern eher 〈ḫ〉fꜥ (wohl nicht ein Fehler für ꜣmm), wie es tatsächlich auf Statue Turin Cat. 3030 steht, so dass die Lesung r=f von Jelínková-Reymond nicht möglich ist. Das Wort mdw scheint auf Statue Turin Cat. 3030 mit einem Holzdeterminativ versehen zu sein, als ob „Stab“ zu lesen sei.
8 ḏd 〈n〉=k: „Dir wurde gesagt“: So ḏd n=k nach Statue Tyszkiewicz (Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8; vgl. Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71, Anm. G; Panov, 41, Z. 98).
9 Laut Panov, 62 steht auf der Statue Tyszkiewicz mꜣꜣ.n=j smꜣ wsr=f „ich sah seine Kraft getötet werden“. Kákosy, 71 Anm. I-J hat dieselbe Stelle als mḥ.n=j mꜣw.t „ich habe den Stab gepackt“ gelesen (mḥ „packen“ wird mit m konstruiert!). Für die Statue Turin Cat. 3030 denkt er an eine Verschreibung mḥ〈.n=j〉 mꜣṯ „[I have] seized the idea (?) that the Khet-ta snakes (must) fall on the face.“
10 ḫt-tꜣ: Kákosy, 71, Anm. (K) transkribiert ḫt-tꜣ und vergleicht mit der ḫty-Schlange von Wb. 3, 348.18; so auch LGG V, 970a.
11 Kákosy, 71: „I have seen, I have looked at the face.“ Laut Panov steht auf der Statue Tyszkiewicz mꜣ.n=j dgꜣ ḥr r-ḥr(.w) „Ich sah (ihn) mit dem Gesicht nach unten(?)“.
12 Auf der Statue Tyszkiewicz steht (j)ḫ.t štꜣ.t pri̯ m ꜥfd.t pri̯ m Jwn.w (Kákosy, 71; Panov, 62).
13 ⸮m? ⸮=ṯn?: Lesung unsicher. Kákosy übersetzt „Come [on] the earth“, d.h. m(j) [ḥr] tꜣ. Auf der Statue Tyszkiewicz steht mj pri̯ ḥr tꜣ „Komm! Geh hinaus auf den Boden!“
14 Emendierung gemäß der Heilstatue Tyszkiewicz, Z. 110.
Auf dem rechten Arm, Schulter und Rückenpfeiler
Die Hand des Atum, Transformation in ein Ichneumon (Z. B.1-B.27)
Worte zu sprechen durch den Wächter, der die Unruhe beseitigt, Horus, den Gerechtfertigten.
Diese (Hand hier) ist jene (bekannte) Hand des Atum, die das Gewitter im Himmel und die Unruhe in Heliopolis vertreibt, die siegreiche Kämpferin,1 die ihren Herrn beschützt, Useret/die Mächtige, die Re behütet/rächt an jenem Tag des großen Kampfes im Norden und Westen (oder: im Nordwesten) des Tempels des Uräus-Iusaas. (...), nachdem Re seine Verwandlung in ein Ichneumon2 von 46 Ellen (Länge)3 gemacht hatte, um Apophis in dessen Rage niederzuwerfen.
Er (d.h. Apophis) möge zugrunde gehen, indem er auf sein 〈Gesicht〉4 gefallen sei und indem auf ihn gespuckt5 werde!
Sie (die Hand) ist gekommen und 〈sie〉 hat vertrieben jedes Unheil, jede böse Bosheit, das Gift6 jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Gewürms und jedes Skorpions,7 das in jedem Glied jedes Mannes und jedes Stücks Kleinvieh ist, das ich untersuche (wörtl.: das unter meinen Fingern ist).
Los! Auf den Boden, 〈gemäß dem〉, was Horus, der Triumphierende/Gerechtfertigte, gesagt hat! Dies ist diese, meine eigene8 Hand. Ich bin Horus, der Triumphierende/Gerechtfertigte,9 der Skorpionbeschwörer der Selkis. Aus Horbeit bin ich gekommen. Auf die Stimme des Herrn der Menschheit (oder: des Allherrn)10 persönlich hin bin ich bei Tagesanbruch11 hinausgegangen, an jenem Tag des „Umwendens“ auf den Feldern12 gemäß dem, was Atum gesagt hat.13
Spruch des Schutzes (durch den) Sohn.14
(??) Ich wurde begrüßt (?) (mit) „Willkommen!“ in diesem seinem Namen als „〈Beschüt〉zer-〈seines〉-Vaters“15. Ich habe meine Arme um Re gelegt.16 Meine Hand ist auf/über ihm mit Leben, Heil und Gesundheit. Ich habe 〈jedes〉 Glied von ihm geschmückt. Ich habe all seinen Staub abgeschüttelt. 〈Ich〉 habe sein Unheil (oder: seine Schäden) umgestürzt (?);17 sein Leiden / seine Verletzung ist für den Erdboden bestimmt. 〈Ich〉 habe sein Unheil (oder den Schaden) des/seitens Apophis, das in seinem ganzen Fleisch ist, vertrieben. Re steht aufrecht.
(... in seinem Fleisch) gänzlich. Re steht aufrecht.18 Wie viel besser ist er (jetzt), als er (zuvor) war! Ich habe alles Böse, das an ihm war, entfernt (oder: nachdem ich alles Böse von ihm entfernt habe).19 Möge der ...?...20 Mann, der unter meinen Fingern ist (= den ich als Arzt untersuche), gesund für seine Mutter aufstehen. Wie viel besser ist er (jetzt), als er (zuvor) war! Das Gift wird keine Macht über 〈seinen〉 Körper haben. Sein Herz wird nicht wegen seines (des Giftes) Gluthauchs ermatten.21 Nicht wird die Einwirkung (oder: der Arm) eines Gottes Macht über ihn haben; nicht gibt es eine Göttin, die ein Unheil gegen ihn verhängt. (Denn) meine Hand ist über ihm mit Leben, Heil und Gesundheit. Ich bin Haroeris, der Arzt, der Gottesberuhiger (oder: Ich bin Horus, der Oberarzt, der Gottesberuhiger).22
1 ꜥḥꜣ(.t) nḫt(.t): Entweder zwei substantivierte Partizipien (so Borghouts: „the combative and victorious one“) oder substantiviertes Partizip + Adjektiv (so Kákosy: „a victorious warrior“) oder Partizip + Adverb/Pseudopartizip (so Ockinga: „who fights victorious“).
2 Ein Hinweis auf die Existenz dieser Tierbezeichnung neben dem ꜥḏw-Fisch findet sich schon bei Golenischeff, in: ZÄS 14, 1876, 80 (Quelle: der magische Text „Hand des Atum“ auf Heilstatue Turin Cat. 3030: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72-73 und Taf. XXI). Sie fehlt in Wb. 1. Sethe, in: ZÄS 63, 50-53 hat die Identifikation als Ichneumon vorgeschlagen, weil dieses Tier Schlangen angreift (im magischen Text „Die Hand des Atum“ kämpft es gegen die Apophisschlange) und weil eine Darstellung des ꜥḏ-Tieres auf dem Naos von Saft el-Henna wie ein Ichneumon aussieht. Siehe auch E. Brunner-Traut, Spitzmaus und Ichneumon als Tiere des Sonnengottes (NAWG. Phil.-hist. Kl. 1965/Nr. 7), Göttingen 1965, 157-160. Im Text „Die Hand des Atum“ ist das Determinativ meistens das Tierfell, aber auf Horusstele BM EA 36250 ist vielleicht das Tier abgebildet (unsicher auf dem Foto, das mir zur Verfügung steht).
3 mḥ 46: Chr. Leitz, Das Ichneumonweibchen von Herakleopolis – eine Manifestation der Bastet, in: SAK 38, 2009, 162-163 nimmt an, dass die Zahl sich auf die wirkliche Größe des Ichneumons bezieht, nämlich 46 Finger, d.h. ca. 86 cm (ohne den Schwanz), wenn man nach gängiger magischer Praxis die Zahl beibehält, aber die Maßeinheit vergrößert (Elle statt Finger).
4 ḫr ḥr=f oder ḫr 〈ḥr〉 ḥr=f: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 hat „may his face fall down!“, was auf Heilstatue Turin Suppl. 9 und auf Heilstatue Turin Cat. 3030 nach šp=f (3. Pers. Sg.) passt. Auf der Heilstatue des Djedher steht šp=k ḫr ḥr=f psg jb=f. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 11 und 12, Anm. 6 emendiert zu ḫr〈=k〉 〈ḥr〉 ḥr〈=k〉: „Que 〈tu〉 tombes 〈sur〉 ta face!“ Ohne Emendation käme noch ein Vokativ in Betracht: „Du sollst ausfließen, (oh du,) dessen Gesicht herunterfällt und auf den gespuckt wird“ (vgl. Panov, Die Statue des Horchebe, 44: šp=k ḫr 〈ḥr〉 ḥr=f pgs ḥr=f: „Mögest du ausfließen, (du,) der 〈auf〉 sein Gesicht gefallen ist und auf den man speit!“). Auf dem Armfragment einer Heilstatue in Moskau I.1.a.5907 steht entweder šp=k ḫr ḥr ḥr[=k/f] psg ḥr=f mit 2 x ḥr nebeneinander (so Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 373), oder das vermeintliche zweite Gesicht am unteren Kolumnenende ist in Wirklichkeit ein Ideogrammstrich.
5 pgs ḥr=f: Wie in der vorherigen Phrase kann ḥr die Präposition „auf“ oder das Substantiv „Gesicht“ sein. Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 hat šp=f / ḫr ḥr=f / pgs ḥr=f: „May he perish, may his face fall down! May his face be spat upon!“ (mit dem Substantiv ḥr und mit psg transitiv verwendet). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 11 und 12, Anm. 1 emendiert zu psg〈=tw〉 {jb}〈ḥr〉=f: „〈Qu’on〉 crache sur lui!“ (so auch Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: may they spit upon his face!).
6 sḏb nb ḏw ⸮jri̯? ḏw mtw.t: Kákosy, 73 mit Anm. (G) übersetzt „all bad harms, the efflux and the venom ...“. Er liest sḏb nb ḏw rḏw mtw.t und vermerkt, dass rḏw sonst nicht in den Parallelen auftritt. Statt rḏw wird hier jri̯ ḏw (mit dem Auge statt des Mundes) vorgeschlagen, was allerdings auch unsicher ist.
7 ḏꜣr.t/wḥꜥ.t: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 14, Anm. 4 (von S. 13) listet mehrere Belege für die Reihenfolge ḥfꜣ.w ḥfꜣ.t ḏꜣr.t ḏdf.t auf, bei denen ḏꜣr.t phonetisch ausgeschrieben ist (u.a. in der Textparallele auf der Statue Tyszkiewicz; alle übrigen Parallelen für diesen Satz sind logographisch geschrieben). Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts, 96 liest wḥꜥ.t. In den Textparallelen auf den Heilstatuen des Hor (Turin Cat. 3030), des Anchhapi (Kairo JE 41677) und des Psammetichusseneb (Turin Suppl. 9) sowie auf dem magischen Teller in Sydney ist die Reihenfolge ḥfꜣ.w ḥfꜣ.t (ḏdf.t) ḏꜣr.t, auf der Statue Tyszkiewicz ist es dieselbe Reihenfolge wie bei Djedher.
8 ḏs=j oder ḏd=j: Auf Statue Turin Cat. 3030 steht sicher ḏs=j (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 73 und Taf. XXI: „This is here my own hand.“); ḏs=j ebenso auf dem magischen Teller in Sydney und auf der Statue Tyszkiewicz (nach Panov). ḏd=j findet sich auf Statue Turin Suppl. 9, Statue Kairo JE 41677 und Djedher JE 46341.
9 jnk Ḥr.w mꜣꜥ-ḫrw: Quack, in: Koenig, La Magie, 2002, 55 mit 65, Anm. 61-62 versteht „je suis un saint justifié“ (d.h. jnk ḥr.j statt jnk Ḥr.w). Die Schreibung des Namens ist mit Gesicht und phonetischem Komplement r (Z. B.14, 15). Am Anfang findet sich eine Schreibung mit dem Horusfalken (Z. B.2).
10 nb tm.w: Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben: „Lord of the Universe“, d.h nb-(r-)tm.
11 wp-hrw: So Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 16, Anm. 5 mit Verweis auf wp-hrw in Wb. 1, 305.5 (so auch Borghouts; Kákosy, 45 und 73; Ockinga, 250). Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben: „on the first day of the month“. Abweichend Sternberg-El Hotabi, Untersuchungen, I, 51, Anm. (m): „Ich bin aus Šdnw gekommen und ich bin herausgetreten aus dem Scheitel (wp.t) des Re auf den Befehl des Herrn der Menschen selbst.“ (so auch Panov, 44).
12 pnꜥ ḥr ꜣḥ.wt: Die Präposition ist mit einem Ideogrammstrich versehen, nicht mit dem phonetischen Komplement des Mundes (so Kákosy, 72; siehe jedoch seine Taf. XXV). Kákosy, 45 übersetzt „on that day of turning the face (against) the field(s)“ und scheint ḥr als „Gesicht“ zu verstehen.
13 m ḏd.n (J)tm: Die Formel m ḏd.n NN (oder: ḏd n, Var. ḏd, ḏd jn) „gemäß dem, was NN gesagt hat“ (o.ä.) findet sich des Öfteren am Ende eines Satzes. Daher würde man annehmen, dass anschließend ein neuer Satz anfängt. Dessen Lesung ist jedoch nicht ohne Probleme.
14 rʾ (n.j): Die erste Gruppe nach „Atum“ wird geschrieben: Mund + Ideogrammstrich (Statue des Djedher, Statue Turin Suppl. 9, Statue Turin Cat 3030). Auf der Heilstatue des Anchhapi (Kairo JE 41677: Daressy, in: ASAE 11, 1911, 189) steht m ḏd.n Jtm n=j [...] mk zꜣ, was unerwartet ist, denn der Dativ n=j müsste vor Jtm stehen. Auf den übrigen Textträgern ist die Textstelle zerstört (Heilstatue Heliopolis, Magischer Teller Sydney, Heilstatue des Harchebis in Moskau, Heilstatue Moskau I.1.a.5907, Horusstele BM EA 36250) oder sie ist unpubliziert (Heilstatue Tyszkiewicz r=j, Heilstatue Berlin 7554).
Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (t) und 17, Anm. 1-3 versteht Mund + Ideogrammstrich als Auge + Suffixpronomen in einer neuägyptischen periphrastischen Konstruktion jri̯=j sḏm oder als jw=j (ḥr) mki̯ (mit r für jw). Anschließend emendiert sie noch zu 〈m〉 zꜣ und sie übersetzt (S. 17 mit Anm. 2-3) „J’ai accompli la protection 〈en qualité de〉 fils.“ (ebenso Borghouts, 96: „I have ensured your safeguarding (mk.t) as a son.“). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 versteht Mund + Ideogrammstrich als rʾ und er übersetzt „Spell of protection of the son.“ Panov, Die Statue des Horchebe, 44 scheint auf der Heilstatue des Anchhapi zu basieren. Er hat eine andere Satzabtrennung: m ḏd [n jtm n=j rʾ] / [m=k sꜣ nḏ ḥr]=j (...) „... gemäß [der Aussage des Atum], die er [zu mir] gesprochen hat: [Siehe, der ist (mein) Sohn, der] mich [schützt], der in diesem Namen „der Schützer seines Vaters“ gekommen ist.“ Seine hieroglyphische Textkopie, Transkription und Übersetzung stimmen allerdings nicht überein. Vgl. zuvor schon Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: „according to that which Atum said unto me 〈and his〉 utterance was: Behold my son who avenged me, who came under that his name of the Avenger for his father.“ Ockinga, in: Fs Török, 250 versteht Mund + Ideogrammstrich als r=j und er übersetzt „through what Atum said concerning me“. Ähnlich wie Panov liest er anschließend die Partikel m=k und nicht das Verb mki̯ (das Verb wird oben in Z. 15 ohne Determinative geschrieben).
15 nḏ ḥr=j jwi̯(.w): So nach Jelínková-Reymond, Borghouts, Kákosy. Weil das Vorangehende unterschiedlich gedeutet wurde, finden sich auch für diesen Satz mehrere Interpretationen. Panov und Ockinga haben: „[Siehe, der ist (mein) Sohn, der] mich [schützt], der in diesem Namen „der Schützer seines Vaters“ gekommen ist.“ (Panov) bzw. „Behold, my son, my protector, who comes in this his name of ‘Protector of his Father’“ (Ockinga).
16 jw rḏi̯.n=j: Mit r als Graphie für jw. Panov und Ockinga haben abweichend r rḏi̯(.t) n=j ꜥ.wj=j ḥꜣ Rꜥw: „um [mir meine Arme hinter Re] zu legen“ bzw. „to place (his) arms around Re for me.“ Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben eine Passivkonstruktion: „So I came forth to have my arms placed behind the Sun.“
17 ⸮ḫm?: „umstürzen, angreifen, übel verfahren mit“. Auf Heilstatue Turin Suppl. 9 + Florenz 8708 des Psammetichseneb steht ḫrs/ḫsr „beseitigen, vertreiben“, auf den Heilstatuen des Djedher JE 46341, des Harchebis (Moskau) und der Statue Tyszkiewicz ist es das Verb smꜥr „reinigen; gut machen“.
18 Dieser Textteil ist eine Dittographie.
19 jr.j=f: In den übrigen Textversionen steht r=f. Die Textkopie von Kákosy (72, Kol. 9 und 74 mit Anm. M: er liest Rꜥw=f) ist wohl zu A47 oder A48 und Pluralstrichen Z2B zu korrigieren. Für die Kombination von ḏw.t (WCN ID 182900) oder ḏw (WCN ID 182860) und jr.j (WCN ID 28500) siehe die Kollokationen im TLA, z.B. Tb. 18: dr=f ḏw.t nb.t jr.jt=j (https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/IBUBd0JxZVSq8kfDqDyZsdqSg08); ebenso Tb. 171 (https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/IBUBd0aYmIdE10z1vw3NyYXlwmE).
20 ꜥḥꜥ z ⸮...? r-n.tj ẖr ḏbꜥ.w=j: unleserliche Gruppe. Auf weiteren Textversionen steht ꜥḥꜥ z pn n.tj ... (Heilstatue des Djedher JE 46341; Heilstatue des Harchebis in Moskau) bzw. ꜥḥꜥ z nb ꜥw.t nb.t n.tj ... (Horusstele BM EA 36250). Die Hieroglyphen Aa2, Ideogrammstrich und Finger bei Kákosy, 72 sind unsicher. Es ist zweifelhaft, dass hier ẖr ḏbꜥ zu lesen ist, in Anbetracht der Tatsache, dass ẖr ḏbꜥ.w=j anschließend steht.
21 bgꜣ{.t}: Es ist nicht sicher, ob das von Kákosy, 72 gezeichnete t überhaupt vorhanden ist. Bei hh hat Kákosy zweimal den Feuertopf gezeichnet, statt einmal den Feuertopf und einmal das Suffix =s.
22 Ḥrw-wr: wr steht ausgeschrieben auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 11), 74): jnk Ḥr.w-wr zwn.w nṯr ḥtp „I am Horus the Great, the physician. The god is pleased.“ Auf der Statue Tyszkiewicz steht jnk Ḥr.w-wr ⸮zwn.w? / r nṯr ḥtp, gefolgt von ky rʾ. Das Ḥr-smsw in der Übersetzung von Borghouts, 96 ist entsprechend zu korrigieren. Ockinga, 252-253 möchte wr nicht zu Ḥrw, sondern zu zwn.w ziehen und wr-zwn.w „Oberarzt“ lesen. Die Formel „Ich bin Horus, der Arzt, der Gottesberuhiger (?)“, jedes Mal mit Inversion von nṯr und ḥtp, steht ebenfalls auf Ostrakon Bruxelles E 3209, Z. 11 (van de Walle, in: CdE 42, 1967, 13-29); auf pChester Beatty VII, Rto 1.6-2.4 im Refrain m=ṯ jnk Ḥrw zwn.w ḥtp-nṯr „Behold, I am Horus, the physician soothing the god.“; auf dem medizinischen Papyrus pBerlin P 3038, Kol. 21.9 (= Bln 190). Es gibt Textversionen mit r vor nṯr: auf der Heilstatue des Djedher JE 46341 und auf der Statue Tyszkiewicz (jnk Ḥr.w-wr ⸮zwn.w? / ... r nṯr ḥtp, gefolgt von ky rʾ). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 20, Anm. 1 möchte es als j:ḥtp (Partizip) lesen, was in Anbetracht der Wortinversion doch problematisch ist. Ob man mit Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 11), 74 „The god is pleased“ eher jw nṯr ḥtp(.w) (mit r für jw) lesen soll (so auch Panov 2019, 46)?
Auf dem linken Arm, Schulter und Rückenpfeiler
Horusstelen-Spruch A (Z. C.1-C.21)
Worte zu sprechen durch den Wächter, der die Unruhe beseitigt, den Armeeschreiber, Hor, den Gerechtfertigten, der sagt (?)1:
Sei gegrüßt, du Gott, Sohn eines Gottes. Sei gegrüßt, du Erbe, Sohn eines Erben. Sei gegrüßt, du Stier, Sohn eines Stieres, den die göttliche Kuh geboren hat. Sei gegrüßt, du Horus, der aus Osiris hervorgegangen ist, den Isis, die Göttliche/Göttin, geboren hat. Besprich für mich mit deinem Namen! Rezitiere für mich mit/aus deiner Magie! Besprich für mich mit deinen (wirksamen) Zaubersprüchen! Beschwöre für mich mit deinen Beschwörungen, die du ersonnen hast.
Es sind kunstfertige Sprüche aus/in deinem Mund, die dein Vater Geb dir anvertraut hat, die deine Mutter Nut dir gegeben hat, die dich gelehrt hat dein Bruder (?),2 der Vorsteher von Letopolis, um deinen zꜣ-Schutz zu bereiten, um deine mk.t-Protektion/Sicherheit zu wiederholen, um das Maul von jedem giftigen Gewürm zu verschließen, (von) denen, die in der Luft (wörtl.: im Himmel) sind, denen, die auf dem Land sind, denen, die im Wasser sind, um die Menschen wiederzubeleben, um die Götter zufriedenzustellen, um 〈Re〉 mit deinen Lobpreisungen/Gebeten zu verklären.
Komme zu mir, schnell, schnell, heute, so wie als du gerudert hast im Gottesschiff. Mögest du für mich jeden Löwen in der Wüste, jedes Krokodil im Fluss, jedes beißende (Schlangen-)Maul in seiner Höhle abwehren. Mögest du sie mir machen wie einen Kieselstein auf dem Gebirge, wie die Topfscherbe eines Gefäßes auf/entlang der Straße. Mögest du mir das/dieses (zuvor genannte) aufgesprungene/pulsierende (?) Gift beschwören, das in jedem Glied eines jeden Mannes und eines jeden Tieres ist, den/das man mir bringt.3
Hüte dich, dass deine Worte deswegen (oder: wegen ihr, d.h. das Gift) lächerlich gemacht (oder: weggelacht) werden. Siehe, (wenn) sie (d.h. das Gift) gegen dich vorgeht, (dann) umgekehrt (d.h. dann gehst du ebenfalls gegen sie vor). Siehe, dein Name ist in mir heute. Lass für mich dein Ansehen mittels deiner Magie entstehen! Erhöhe (es) für mich mit deinen wirksamen Zaubersprüchen! Belebe den, der eine beengte Kehle hat!
Möge dir Lobpreis gegeben werden 〈durch〉 die Untertanen. Möge Maat in deiner Gestalt (oder: wegen deines Wesens) gepriesen werden. Möge man mit dir (d.h. mit deinem Namen) heute rufen: „Ich bin Horus, der Retter/Beschwörer!“.
Die Elle des Heh (Z. C.21-C.24)
Ein anderer Spruch. Worte zu sprechen:
Meine Elle ist die von Heh (oder: ist unendlich lang).4 Meine Finger sind 〈die des〉 Re. Wenn die Flamme gegen die Höhle (der Schlange oder der Überschwemmung?) vorgeht, wovon werden dann die Götter leben? Siehe5 dein Haus! Das Dach (?)6 ist aus Gold. Deine Höhle ist aus schönem Türkis. (Oh) Gift des Re, (oh) ...7 bei seinem Erscheinen: Los! Auf den Boden!
Der Nagel des Atum (Z. C.25-C.27)
[Ein anderer Spruch.] Rezitation:
Dies ist jener (Finger-)Nagel des Atum, der Uräus, die Stirnschlange des Re. 〈Ich〉 habe Stoffstreifen über sie (wen?) gehoben.8 [Ich habe] euch (wer?) [gezogen/geschleppt]9 auf/über das, was Chnum anschwellen lassen (oder: ergossen)10 hat. (Du) Ausgeschickter (?),11 komm! Beschwöre doch 〈den, der〉 einen Biss 〈hat〉.
Der Nagel des Ptah (Z. C.27-C.28)
Ein anderer Spruch. Rezitation:
Dies ist jener (Finger-)Nagel des [Ptah]12, der Uräus, die Stirnschlange des Osiris. [Ich habe] diese/jene (?) gezogen über das, was die Uräen über sie haben anschwellen lassen, um niederzuwerfen mit dem Samen (?) in (?) Sechenet.13 Erschaffen der Reinheit und der Reinigung. Knoten der Knoten (?) der Sothis (??). Komm, richte auf den Mann, der unter meinen Fingern ist! Ich (?) rette/beschwöre (?) mit dir (?) im Tempel der Neith.
1 ⸮ḏ(d)?: Unsicheres Zeichen. Vielleicht auch nur A1 als Determinativ bei Ḥr.w mꜣꜥ-ḫrw.
2 Nw.t sbꜣ: Die Emendierung von Kákosy, 75, Anm. e ist überflüssig. Der Name der Göttin Nut endet mit der Himmelshieroglyphe. Der anschließende Stern ist nicht Teil des Himmelsdeterminativs, sondern ist das Phonogramm sbꜣ. Das laut Kákosy anschließende ḏi̯=j ist nicht vorhanden: das mutmaßliche ḏi̯ ist der schlagende Arm D40 und das mutmaßliche =j ist das Determinativ A2.
⸮sn?=k: Kákosy hat das phonetische Komplement n vergessen. Die Form von sn ist vom Hieratischen beeinflusst. Auf der Heilstatue des Psammetichseneb Turin Suppl. 9 + Florenz 8708 kann man nur šni̯ n=k „für dich beschwören“ lesen.
3 jni̯=tw n=j: Seltene Erweiterung der Formel. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien, 136 (Phrase 6.5) listet eine Variante mit jni̯=tw n=j ẖr mtw.t.
4 Dieser erste Satz macht in mehreren Textvertretern Schwierigkeiten. Auf Statue Turin Cat. 3030 wird Folgendes stehen mḥ=j m Ḥḥ ḏbꜥ.w =j 〈m〉 Rꜥw „Meine Elle ist die (des Gottes) Heh (der den Himmel stützt), meine Finger 〈sind〉 (die des) Re“ (ḏbꜥ.w ḥḥ bei Kákosy ist eine Fehllesung für ḏbꜥ.w=j). Kákosy übersetzt, 77 als „My forearm (?) with millions, (my) fingers (?) (with) millions. The (hand?) of Re.“, aber er erachtet auch eine Interpretation von ḏbꜥ.w als die Zahl „Zehntausende“ für möglich. Auf dem Sockel Chicago OIM 9379 ist eine Lesung mḥ=⸮j? m Ḥḥ ḏbꜥ=j m Rꜥw denkbar. Unbrauchbar ist die Übersetzung von Daressy, 117: „Tu es pris en main par des millions et des myriades pour le grand foyer, vers la retraite dans laquelle vivent les dieux.“ Jelínková-Reymond, 30 versucht auf der Grundlage der Heilstatue des Djedher folgende Übersetzung: „Le bras du 〈seigneur〉 des millions (?) d’années (?). La main (?) de Rēꜥ.“ Van de Walle, in: JNES 31, 1972, 77 verzichtet auf eine Übersetzung.
5 m=k: Kákosy, 49 und 77 übersetzt „Your house is protected“, d.h. er erkennt das Verb mki̯ „schützen“. Auch Daressy, 117 und Jelínková-Reymond, 31 denken an das Verb mki̯ „schützen“.
6 tp: Kákosy, 49 und 77 übersetzt „The roof is of gold.“ Ein Suffixpronomen scheint auch in den übrigen Textvertretern zu fehlen (Statue des Djedher Kairo JE 46341; Turin Suppl. 9; Turin Cat. 3030, Kairo JE 41677, Sockel Chicago OIM 9379; Statue Tyszkiewicz).
7 spn.t: Zwischen mtw.t Rꜥ.w und m ḫꜥw=f ist etwas Unverständliches eingefügt, das vielleicht wie z pn N(j).t „dieser Mann der Neith“ aussieht. In allen Parallelversionen ist z(j) „Mann“ ohne Determinativ geschrieben, aber eine andere Interpretation wie z.B. zpn oder zp n.j o.ä. erscheint nicht vielversprechender. Auf Sockel Chicago OIM 9379 findet sich z pn n + zwei göttliche Wesen. Statue Turin Suppl. 9 hat vielleicht z p⸮y? ⸮mꜣꜥ.tj? und Statue Turin Cat. 3030 z pn t.... Jelínková-Reymond, 31 Anm. 5 emendiert zu z pn n.tj ẖr dm.wt „cet homme qui est souffrant“, dem Kákosy (S. 77) einmal folgt, während er an anderer Stelle (S. 49) „(O) venom of Re and of the man in whose body you are (?).“ zu lesen versucht. Panov 2019, 52 mit Anm. 68 (zu Kol. 61 auf der Statue Tyszkiewicz), 61 mit Anm. 90 (zu Kol. 96 und 99), denkt an eine Verschreibung für znnj „Schmutz“ (Wb. 3, 461.3).
8 fꜣi̯.n(=j): Das Verb fꜣi̯ ist auf der Statue des Djedher, der Statue Tyszkiewicz und der Statue Kairo JE 41677 phonetisch ausgeschrieben. Das Suffixpronomen ist in keinem Textvertreter explizit vorhanden. ḥr=sn: Unklar ist, worauf sich =sn bezieht. Jelínková-Reymond, 32 hat „J’ai apporté les bandelettes contre cela (?).“ Kákosy, 49 übersetzt „I have lifted up strips (of cloth) on them“ und meint (S. 50, Anm. G), dass der Magier droht, die Stoffstreifen mit magischen Sprüchen auf die (bisher nicht genannten) Feinde zu legen. Daressy, 118 bezieht es auf den Uräus und das Auge (oder die Stirnschlange), die Stoffstreifen tragen: „Uraeus, oeil de Ra, qui portent sur elles les bandes“.
9 sṯꜣ.n =j: So auf Heilstatue JE 41677, Z. 35-36 und auf Heilstatue Turin Suppl. 9 (Kákosy, 48, Z. 7-8) sṯꜣ.n=j ṯn ḥr ḫfḫf H̱nm.w (ist auf Heilstatue Turin Cat. 3030 zerstört). Auf der Statue des Djedher, der Statue Tyszkiewicz und der Statue Kairo JE 41677 steht nur sṯꜣ ṯn. Jelínková-Reymond, 32 mit Anm. 3 emendiert dort zu „〈Je〉 vous ai amenés avec le vent du Nord.“
10 ḫfḫf: Ist auf Statue Turin Suppl. 9, Statue Turin Cat. 3030, Statue Tyszkiewicz mit den Wasserlinien determiniert. Auf der Statue des Djedher ist es mit den Beinchen determiniert, ebenso auf Statue Kairo JE 41677. Jelínková-Reymond, 32 mit Anm. 3 möchte die Beinchen zum Segel emendieren, was ihr dann das Wort „Nordwind“ liefert (abgelehnt von Kákosy, 79, Anm. M). Es gibt bislang keine Textparallelen mit dem Segel als Determinativ. H̱nmw: Wird von Kákosy, 49 zu ḫfḫf gezogen „the flood of Khnum“, was zu einer Bezeichnung der Überschwemmung passen könnte. Jelínková-Reymond, 32 fängt mit „Chnum“ einen neuen Satz an „Khnoum, qui fut envoyé“.
11 h(ꜣ)b: Wird normalerweise als hꜣb „aussenden“ gedeutet. Kákosy, 78, Anm. N zieht in einer Textversion die Lesung hbi̯ „to tread on“ vor. Die syntaktische Einordnung von h(ꜣ)b oder hbi̯ ist unklar. Daressy, 118 („Khnoum qu’on a envoyé quérir“) und Jelínková-Reymond, 32 („Khnoum, qui fut envoyé.“) machen daraus attributive Verbalformen zu „Chnum“. Das anschließende mj ist bei Daressy unklar. Jelínková-Reymond, 32 erkennt einen Imperativ „Viens et conjure la blessure de cet homme souffrant“ (d.h. mj šdi̯ nkn (n.j) z pn n.tj ẖr dm.t) mit nkn: „Verletzung“ ohne Determinativ geschrieben. Daressy, 118 übersetzt „Tu as sauvé cet homme qui souffrait“ und muss das n vor z tilgen. Auf Statue Kairo JE 41677, Z. 36 und Statue Turin Cat. 3030 steht šdi̯.n=k dm.t/dm.t=k: „Du hast den/deinen Biss/Stich beschworen“ oder „Beschwöre für dich den/deinen Biss.“ Statue Turin Suppl. 9 hat: šdi̯=k ⸮dm.t?=k. Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49 übersetzt Statue Turin Suppl. 9 als: „Send it! Come! May you recite yourself(?)“ (Kákosy liest hꜣb / mj / šdi̯=k ḏ.t=k). Für Statue Turin Cat. 3030 übersetzt er (Kákosy, 77): „Tread(?) (on it), come and conjure the wound.“ (etwa: hbi̯ mj šdi̯ n=k dm.t).
12 [Ptḥ]: Ergänzt gemäß Heilstatue Kairo JE 41677, Z. 36-37.
13 Obwohl Kákosy, 76 es nicht in seiner Textkopie vermerkt, könnte, seiner Taf. XXII nach zu urteilen, etwas zerstört sein. m ꜥ[ꜣꜥ] [m] [Sḫn.t]: Ergänzt gemäß Heilstatue Kairo JE 41677, Z. 38.
Auf der Horusstele und auf dem Gewand
Horusstelen-Spruch B (Z. D.1-D.8, E.1-E.5)
Worte zu sprechen durch den Wächter, der die Unruhe beseitigt, Hor, 〈den Gerechtfertigten〉:
Oh alter Mann, der sich zu seiner Zeit [verjüngt], (oh) Greis, der als Jugendlicher agiert (wörtl.: den Jugendlichen spielt), mögest du veranlassen, dass Thoth zu mir auf [meine] Stimme hin kommt, [damit er für mich das Wild]gesicht (Neha-her) [vertreibt]. Osiris ist auf dem Wasser; das Horusauge ist bei ihm; der große Flügelskarabäus steht mit gespreizten Flügeln (schützend) über ihm. Die Große [ist in seiner Faust],1 den die Götter (schon) als nḫn-Kind geboren haben (?).2 Wenn man dem, der einen Bissverletzung hat, zu nahe tritt, dann tritt man dem weinenden/verfinsterten (?) Horusauge ebenfalls zu nahe.
Zurück mit euch, (ihr) Wasserbewohner, Feind, jener/Feindin, (Un-)Toter/Wiedergänger, (Un-)Tote/Wiedergängerin, Widersacher, Widersacherin und so weiter! Erhebt nicht eure Gesichter, (ihr) Wasserbewohner, bis Osiris an euch vorbeigegangen sein wird (oder: so dass Osiris an euch vorbeigehen kann)! (Denn) siehe, er ist auf dem Weg nach Busiris. Versperrt [wurde euer Maul, blockiert/verstopft wurde euer Schlund!]
[Zurück] mit dir, (du) Rebell! Erhebe nicht dein Gesicht gegen den, der eine Bissverletzung hat! Sie3 sind Osiris (wenn er) hinaufsteigt (wört.: beim Hinaufsteigen) zu seiner Barke, um die Götter (?)4 von Babylon zu betrachten! Die Herren der Unterwelt stehen bereit, dich zu bestrafen. Falls das Wildgesicht gegen Osiris vorgeht, während dieser auf dem Wasser und das Horusauge bei/über ihm ist, dann wird 〈euer〉 Gesicht umgedreht werden, 〈auf euren Rücken gesetzt (d.h. zum Rücken hin orientiert)〉.
Oh (ihr) Wasserbewohner, euer Maul wurde von Re verschlossen. Euer Schlund wurde von Sachmet verstopft/blockiert. Eure Zunge wurde von Thoth abgeschnitten. Eure Augen wurden von Heka geblendet. Die Vierergruppe jener großen Götter, die den Schutz des Osiris bereiten, sie sind es, die den Schutz dem, der auf dem Wasser ist, und dem, der eine Bissverletzung hat, bereiten, (d.h. den Schutz) aller Menschen und allen Kleinviehs, die heute auf dem Wasser sind (...) so dass/bis (?) der, der eine Bissverletzung hat und der, der auf dem Wasser ist, wohlbehalten hinausgehen. [... ... ...] Schutz [... ... ...]
Eine aufschreiende [Stimme] ist im Haus-der-Neith;5 eine laute Stimme ist im Großen-Haus; ein großes Gejammer ist im Mund des Katers (oder: der Katze).6 Die Götter und Göttinnen sagen: „Was ist los“ bezüglich (?) des Abdu-Fisches bei seiner Geburt.
Bremse für mich deine Schritte, (oh) Rebell! (Denn) ich bin Chnum, der Herr von Herwer. Hüte dich davor, deine Verletzung (oder: dein Leid) ein zweites Mal zu wiederholen, wegen dessen, was mit dir gemacht wurde (?; oder: was du getan hast) in Anwesenheit der Großen Neunheit! Du sollst dich umwenden (?). Weiche (?) doch von mir! (Denn) ich bin Thoth. Hui! Hui!
Oh Re! Bekanntlich hast du nicht (mehr) den Lärm eines heftigen Geschreis gehört seit dem Abend an jenem Ufer von Nedit. [(Es ist) die heftig schreiende Stimme jedes Gottes und] jeder Göttin. Die großen Götter sind in Klage wegen des Übels, das du angerichtet hast, (du) Rebell, der Böses tut. Siehe [Re tobt vor Wut] deswegen. Er hat befohlen, dass deine Zerstückelung durchgeführt wird. Zurück mit dir, (du) Rebell! Hui, hui!
Horusstelen-Text: Schlangenbeschwörung (Z. E.5-E.7)
Ein anderer Spruch. Worte zu sprechen:
Beschworen wurde doch die Neunheit des Re durch die Glatte-Schlange.7 Gebissen wurde das nww-Kind, gebissen wurde das nḫn-Kind durch die Djeser-Tep-Schlange. Sei still! Sei still, (mein) Sohn! Ich bin deine Mutter. Ich bin die, die dich retten/beschwören wird. (Oh) Herrin-der-Magie, komme und beschwöre mit mir (?; oder: den (mit Gift) gefüllten?)!8 Ich gebe Atemluft dem Nebti-König, deinem Erben, (oh) Re. Zweimal!
1 wr m ḫfꜥ=f bzw. wr.t m ḫfꜥ=f: Siehe Gutekunst, 158. Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts, 111, Anm. 292 vermutet, dass in Textversionen mit wr (ohne t) vielleicht die Kobra-Göttin gemeint ist, aber sagt zugleich, dass das nachfolgende Epitheton eher zur Himmelsgöttin Nut passt. D.h. für ihn ist wr als wr.t zu lesen. Schon Seele, in: JNES 6, 1947, 47, Anm. 44 schreibt für eine Horusstele in Chicago (Inv. 16881), dass wr „written as if it were the name of a goddess“ ist (hieroglyphischer Text nicht publiziert). Auf Horusstele Moskau I.1.a.4963 (Hodjash und Berlev, Nr. 184) steht wr.t (ohne Determinativ), auf Horusstele Milano, Castello Sforzesco 983.63.1 (Sist, in: OrAnt 22, 1983, Taf. XVI) sogar t(ꜣ) wr.t (ohne Determinativ).
2 r:msi̯.n: Gutekunst erklärt nicht, wie die Form j:msi̯.n grammatisch zu deuten ist, obwohl sie mehrfach belegt ist. Eigentlich kann nur nṯr.w das Subjekt sein. Gutekunst, 265 versteht die Form von msi̯ ohne n als Partizip zu wr bzw. ꜥpy wr oder eventuell zu =f und mit nṯr.w als direktem Objekt: „der große Sonnenkäfer Api ist in seiner (= Osiris) Faust, der, welcher die Götter (schon) als Kind erschaffen hat.“
3 nt.w: Ist das absolute Personalpronomen 3. Pl. in neuägyptischer Form (vgl. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien, 115 und 182-183). Anschließend ist eine Auslassung erfolgt. Man erwartet nt≡w Wsjr (jw) Rꜥw ḥr ṯsi̯ r wjꜣ=f, aber es gibt auch Varianten mit Osiris statt Re als Subjekt (z.B. Heilstatue Turin Cat. 3031), die Gutekunst als Folge der Verschmelzung von Re und Osiris erklärt (siehe ausführlich Gutekunst, Textgeschichtliche Studien, 184-187, Varianten b1-b2).
4 nṯr.w n.w H̱r.j-ꜥḥꜣ: Man erwartet eigentlich psḏ.t n.t H̱r.j-ꜥḥꜣ „die Neunheit von Babylon“, aber es gibt kein Foto, um die Lesung zu prüfen. Vielleicht sind Kreis und Strich unter der mꜣ-Sichel als psḏ.t zu lesen.
5 ⸢ḥw.t-Nj.t⸣: Kákosy, 81, Anm. (c) hat die Hieroglyphen nicht erkannt und als unförmiges Zeichen und schlagenden Arm gelesen, obwohl ihm bewusst war, dass ḥw.t-Nj.t erforderlich war.
6 my(.w): Unklare Zeichen. Kákosy, 81, Anm. (d) denkt an psḏ.t. Vielleicht phonetisch ausgeschriebenes mj.tt + Tierfell. In einigen Textvertretern steht ḫrw nṯr.w (z.B. Horusstele Chicago OIM E16881), aber ḫrw lässt sich nicht in den Spuren erkennen.
7 〈šni̯〉 〈ms〉: Ergänzt gemäß der Version auf der Horusstele Chicago OIM E16881 (Seele, in: JNES 6, 1947, 47-48).
8 mj.t šdi̯ ḥnꜥ=⸮j?: Das Determinativ bei ḥnꜥ ist der Mann mit Hand am Mund (A2). Kákosy, 81 übersetzt als „Come and read the command“ (mit ḥnꜥ als Schreibung für ḥn „Befehl“).
Beischriften zu den Götterdarstellungen (F-J)
Vorderseite, auf der Brust (F)
(auf dem rechten Schlüsselbein, Text nach außen orientiert:) ...?...1
(auf dem linken Schlüsselbein, Text nach außen orientiert:) ...?...1
zweimal vier Gottheiten verehren den pantheistischen Sonnengott in der Sonnenscheibe zwischen Ka-Armen
(rechte Brusthälfte, stehender Gott mit Froschkopf:) Amun.
(rechte Brusthälfte, stehende Göttin mit Schlangenkopf:) Amaunet.
(rechte Brusthälfte, stehender Gott mit Froschkopf:) Huh.
(rechte Brusthälfte, stehende Göttin mit Schlangenkopf:) Hauhet.
(linke Brusthälfte, stehender Gott mit Froschkopf:) Kuk.
(linke Brusthälfte, stehende Göttin mit Schlangenkopf:) Kauket.
(linke Brusthälfte, stehender Gott mit Froschkopf:) Nun.
(linke Brusthälfte, stehende Göttin mit Schlangenkopf:) Naunet.
Rückseite, auf dem Rückenpfeiler (G)
1. Register
(Isis im Papyrusdickicht:) Ich bin Isis, die Herrin von Chemmis.
2. Register
(stehende Nilpferdgöttin mit Menschenkopf und Federkrone:) Heret (die Ferne?).
(Göttin mit Geierkopf, die einen Bogen (?) in der vorderen Hand hält:) Nechbet, die Weiße 〈von Hierakonpolis〉.
(stehende Nilpferdgöttin mit Krokodilskopf und Federkrone, die ein Messer in der Vordertatze hält:) Sobek.
(stehende Göttin mit Skorpion auf dem Kopf, die einen Schlangenstab hält:) Selkis.
3. Register
(stehende Nilpferdgöttin mit Löwenkopf und Atefkrone, die ein Messer in der Vordertatze hält:) Sachmet, die Große, geliebt von Ptah.
4. bis 9. Register
(19 Gottheiten:) anonym.
10. Register
(Schrein mit Falkenkopf und Schakalskopf auf dem Deckel; Beischrift beim Falkenkopf:) Amun/der Verborgene.
11. Register
(pantheistischer Sonnengott in Ka-Armen, von 4 Pavianen verehrt vor dem Sonnengott:) Dritte Rezitation (?) des (?) Re.2
12. Register
(Skorpion mit Doppelschwanz, Rinderkopf(?) und Hathorkrone:) Die Ehrwürdige/Isis (?)3, Selkis.
(Gott mit 2 Falkenköpfen, 4 Flügeln, Mondscheibe und -sichel auf dem Kopf, stehend auf zwei Krokodilen:) Chonsu, der Große, der 〈aus〉 dem Nun hervorgekommen ist.
13. Register
(hockende Göttin mit Hathorkrone, die einem Krokodil die Brust gibt:) Isis, die Große, die Gottesmutter, die Herrin des Himmels.
(falkenköpfiger Gott mit zwei Flügeln und einem Vogelschwanz, der ein Krokodil speert:) Horus, der Große (?), der Herr der Bahariya-Oase (?; oder: der beiden Messer), der große Gott, der Herr des Himmels.
auf dem Gewand am rechten Bein (H)
9 Register mit jeweils 5 oder 6 Gottheiten; fast alle anonym.
6. Register
(4. Gottheit: hockender Pavian (?) mit Falkenkopf und Falkenschwanz, Mondscheibe und -sichel, rückwärts erhobenem Arm mit Wedel:) Chons, der Herr der Maat (?), der aus der Maat (?) hervorgekommen ist.
(5. Gottheit: Krokodil mit Falkenkopf und Atef(?)krone, mit nach vorn gebogenem Schwanz:) ...?...
(6. Gottheit: Krokodil mit Federkrone:) Monthu.
auf dem Gewand am linken Bein (J)
9 Register mit jeweils 4 bis 7 Gottheiten; fast alle anonym.
6. Register
(1. Gottheit: hockende Göttin, mit einem Krokodil (?) auf dem Schoß:) Isis.
(2. Gottheit: thronende Göttin mit einem Skorpion auf dem Kopf, die einem Kind die Brust gibt; Thron umgeben von zwei Schlangen und stehend auf einem Krokodil:) Isis, die Zaubermächtige.
(3. Gottheit: Schlange auf hohen Beinen, die eine Sonnenscheibe in den Händen hält:) Atum, der große Gott, der Herr des Himmels.
(4. Gottheit: ityphallischer Gott mit Doppelfederkrone und rückwärts erhobenem Arm mit Wedel:) Min.
7. Register
(1. Gottheit: stehender Gott mit Doppelfederkrone, vier Flügeln und rückwärts erhobenem Arm mit Wedel:) Amenope(?).
(2. Gottheit: hockender Greif mit Falkenkopf und Sonnenscheibe, mit einem geflügelten Wesen als Schwanz:) Der Wadjet (?) kennt/frisst.
8. Register
(1. Gottheit: löwenköpfige Göttin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf, die auf zwei Schlangen steht und ihre Köpfe hält:) ...?...
(2. Gottheit: geflügeltes Krokodil mit Falkenkopf, auf einem Podest, in einem Schrein:) Der seinen Namen verbirgt (oder: Der, dessen Name verborgen ist).
1 Für Kákosy (Egyptian Healing Statues, 15, 37, 51 und 83) sind dies keine echten Königsnamen, sondern magische Kartuschen, die sich ebenfalls auf der Heilstatue des Psammetichseneb (Turin Suppl. 9 + Florenz 8708: Kákosy, 51) und auf der Heilstatue des Anchhapi, Kairo JE 41677 (Daressy, in: ASAE 11, 1911, 188) finden. Auf der Heilstatue des Hor (Turin Cat. 3030) sieht das Ende eher wie nḏm/bnr nṯr.w (Schote M29 + Falke G5 + Pluralstriche Z2) und nicht wie jꜣ.w aus. Sie wurden früher auch als Kartuschen des Chababasch (31. Dynastie) gelesen. Kákosy (S. 83) würde den Namen versuchsweise als ꜥḫbꜣjꜣw oder qꜣbꜣjww lesen.
2 šdi̯ mḥ-3 Rꜥw: Zur Übersetzung siehe Kákosy, 85. Kákosy, 191 erwägt als Alternativübersetzung „Heilstatue, 3 Ellen (hoch), Re“. Vgl. šdi̯ mḥ 5 auf Heilstatue Neapel 1065 (auf dem Rücken, rechts, 1. Register: Kákosy, 151 und Taf. XLVI).
3 Die Ehrwürdige (⸮Šps.t?): Kákosy, 85 liest Ꜣs.t (Isis), aber das erste Zeichen sieht eher wie eine thronende Frau (ohne Flagellum!) aus.
