science in ancient egypt

 

Metadaten

Bezeichnung
Papyrus Brooklyn 47.218.02
Aufbewahrungsort
USA, New York, Brooklyn Museum

Inventarnummer: 47.218.2a–g

Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Der Papyrus gehört zu einer Gruppe von Papyri, die durch Charles E. Wilbour (1833–1896) in Ägypten angekauft wurden. Irgendwann nach dem Tod von Wilbour in Paris, wo er seit 1874 oder 1875 lebte, gelangten sie von dort nach New York, wo sie in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts im Haus der Familie in einer Reisetruhe ("trunk") wiedergefunden wurden. Im Jahr 1947 wurden sie von seiner Tochter Theodora Wilbour dem Brooklyn Museum vermacht. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten hatten die Kinder von Charles Wilbour dessen ägyptische Sammlung, ägyptologische Bibliothek und persönliche Dokumente dem Brooklyn Museum übergeben sowie den Charles E. Wilbour Fund gegründet. J.D. Cooney inventarisierte die unausgerollten Papyruspakete und Metallkästchen mit Fragmenten in 158 Einheiten unter der Nr. 47.218.xxx (Guermeur, 2015–2016, 13–16). Der Obstetrik-Papyrus bekam die Inventarnummer 47.218.2, aber seitdem wurden 93 weitere Fragmente des Papyrus in anderen Einheiten entdeckt. Die Rolle wurde aus konservatorischen Gründen in 7 Teile zerlegt (Glasplatten 47.218.2.a bis g).

Herkunft
Oberägypten, Elephantine

Die exakten Fund- und Herkunftsumstände des Konvoluts der Brooklyner Papyri waren lange Zeit unbekannt. S. Sauneron äußerte die Vermutung, dass sie aus einem Tempelarchiv stammen könnten: "Although their place of origin is not yet known, we can now assume that most of these papyri came from the same source, undoubtedly a vase containing the scientific and religious archives of a temple or a sanatorium." (Sauneron 1968–1969, 109). Auf der Grundlage der internen textlichen Verweise in den Papyri auf Götter und Rituale, die mit Heliopolis in Verbindung stehen, vermutete S. Sauneron eine lokale Zuordnung zu einer religiösen Bibliothek in Heliopolis (Sauneron 1970, viii–ix). Er spekulierte, dass in Folge der Grabungen É. Navilles im Auftrag der Egypt Exploration Society im Dezember 1887 in Heliopolis die Papyri in den Antikenhandel gelangt sein könnten (Sauneron 1970, ix, Anm. 8; Guermeur 2015–2016, 15). Auch J.-Cl. Goyon vermutete, dass der Inhalt von pBrooklyn 47.218.50 auf ein Königsritual hinweist, das in der Region Memphis-Heliopolis stattfand (Goyon 1972, 15–16), aber er äußerte sich nicht zum Fundort des Papyrus.
U. Verhoeven-van Elsbergen beobachtete bei ihrer paläographischen Untersuchung zum Papyrus Brooklyn 47.218.48+85, dass einige Zeichenformen, wie z.B. T28, der Quellenlage nach zu urteilen ausschließlich in der Region zwischen Abydos und Memphis belegt sind (Verhoeven-van Elsbergen 2001, 305), was den Herkunftsradius des Papyrus zumindest einschränken würde und S. Saunerons Vermutung zu bestätigen scheint.
J. F. Quack zweifelte eine heliopolitanische Herkunft des Konvoluts der Brooklyner Papyri an und plädierte für Elephantine: "Die angenommene Herkunft des Fundkomplexes aus Heliopolis stützt sich auf keinerlei positive Indizien, heliopolitanische Theologie in den religiösen Texten ist in der Spätzeit in ganz Ägypten verbreitet. Vor allem würden die Erhaltungsbedingungen in Heliopolis kaum den Fund derart vollständiger Rollen erlauben. Dagegen ist bekannt, daß Wilbour viel Material in Elephantine angekauft hat; gerade die medizinischen Texte würden auch gut zu den nachweislich in Elephantine gefundenen Papyri (heute in Berlin) passen." (Hoffmann – Quack 2007, 361, Anm. a).
Heute weiß man, dass die Brooklyner Papyrus 47.218er Gruppe in den 1940-er Jahren in einer großen Reisetruhe von Charles Wilbour wiederentdeckt wurde, aufbewahrt in Metallkisten oder in Papier eingerollt, wobei einige Rollen mit „Elephantine, Feb. 1896“ beschriftet waren. Wilbour hat zumindest einen Teil von ihnen also im Februar 1896 während seines letzten Aufenthalts in Ägypten (Herbst 1895 – Frühling 1896) auf Elephantine erworben. Außerdem konnten von einem anderen Papyrus der Gruppe, dem magischen Papyrus Brooklyn 47.218.156, direkt anpassende Fragmente in Berlin gefunden werden, die aus den Grabungen von Friedrich Zucker und Otto Rubensohn in den Jahren 1906–1908 auf Elephantine stammen (Guermeur 2015–2016, 15–16). Die Gruppe der 47.218er Papyri bildet allerdings keine Einheit, denn sie erstreckt sich chronologisch vom Alten Reich bis in die Byzantinische Zeit und enthält Texte in hieratischer, demotischer, griechischer, aramäischer und lateinischer Schrift bzw. Sprache. Sie wurde also nicht in ihrer Gesamtheit als geschlossener Fund entdeckt und kann aus inhaltlichen Gründen nicht einmal aus einem einzigen Ort stammen. Ein römerzeitlicher Berliner griechischer Papyrus gehört mit einem Brooklyner Papyrus zusammen (TM 10288: pBerlin P 25513 und pBrooklyn 47.218.24) und enthält Quittungen für die Kamelsteuer in Soknopaiu Nesos. Es ist nicht einmal sicher, ob alle hieratischen Texte des Konvoluts zusammengehören. Der saitische Orakelpapyrus pBrooklyn 47.218.3 mit einem Orakelverfahren vor Amun-Re in Anwesenheit von vielen unterschreibenden Zeugen muss aus inhaltlichen Gründen aus Theben stammen. Deshalb ist Elephantine als Fundort des Papyrus 47.218.2 zwar wahrscheinlich, aber (noch) nicht mit absoluter Sicherheit nachgewiesen.

Datierung
Spätzeit, 5.–3. Jh. v. Chr.

Die Gruppe der hieratischen 47.218-Papyri in Brooklyn wird von S. Sauneron – zweifellos aus paläographischen Gründen – zwischen der Libyerzeit ("époque «libyenne»") und den letzten (einheimischen) Dynastien datiert, wobei die Mehrzahl der Texte saitisch zu sein scheint (Sauneron 1970, viii). G. Burkard übersetzt diese Angaben von Sauneron in den Zeitraum um 1080–400 v. Chr., wobei die Mehrzahl in das 8.–7. Jh. v. Chr. zu datieren ist (Burkard 1980, 98; 1080–400 v. Chr. wäre die Zeit der 21.–30. Dynastie). Über die Elephantine-Papyri in Berlin sagt er aus, dass sie in der Hauptsache aus dem 9.–6. Jh. v. Chr. oder aus der Zeit ab dem 4. Jh. v. Chr. stammen (Burkard 1980, 96, 98; Burkard 1994, 101). In einer postumen Publikation nennt S. Sauneron Brooklyner Papyri mit medizinischem Inhalt, darunter 47.218.2, und datiert sie zwischen der Saitenzeit und dem Anfang der Ptolemäerzeit (Sauneron 1989, 188–189). U. Verhoeven-van Elsbergen listet fünf Papyri des Brooklyner Konvoluts auf, deren bisherige paläographische Datierungen einen Zeitraum von der 22. Dynastie bis zum Anfang der Ptolemäerzeit abdecken (9.–4. Jh. v. Chr.). Aufgrund ihrer eigenen paläographischen Untersuchung möchte sie jedoch drei von ihnen konkret in die Saitenzeit verorten (Verhoeven-van Elsbergen 2001, 19, 306, 318, 325), d.h. in die 26. Dynastie (664–525 v. Chr.). J.F. Quack spricht für pBrooklyn 47.218.47 von einer "späthieratischen (etwa saitischen) Handschrift" (Quack 2013, 181, Anm. 16). J. Unger ordnet den Rectotext des pBrooklyn 47.218.75+86 paläographisch der 2. Hälfte der 26. Dynastie zu, der Versotext ist paläographisch etwas jünger und gehört vielleicht in die 27. Dynastie (Unger 2015). Der berliner medizinische Papyrus Rubensohn, der in Elephantine gefunden wurde und möglicherweise aus demselben Fundkontext stammt, wird paläographisch zwischen dem Ende der Perserzeit und dem Anfang der Ptolemäerzeit datiert (4. Jh. v. Chr.) (Westendorf 1974, 248; 1999, 50).
I. Guermeur datiert den Papyrus 47.218.2 aus paläographischen Gründen einmal in die Zeit zwischen dem 4.–1. Jh. v. Chr. (Guermeur 2013, 13), in anderen Publikationen zwischen dem 5.–3. Jh. v. Chr. (Guermeur 2012, 541; 2015–2016, 13), d.h. nach der Saitenzeit. Auf der Online Sammlungsdatenbank des Brooklyner Museums wird die zeitliche Einordnung mit „664–525 B.C.E.“, „Dynasty XXVI or later“ und „Late Period, probably Saite Period“ angegeben.

Textsorte
medizinisches Fachbuch
Inhalt

Der Papyrus umfasst medizinisch-magische Abhandlungen zum Schutz von Mutter und Kind, sowohl vor der Geburt als auch danach (d. h. die prä- und postnatale Versorgung von Mutter und Kind). In der Literatur finden sich unterschiedliche Abschnittsangaben und -grenzen (Guermeur 2013, O'Rourke 2013), aber nach jetzigem Forschungsstand (Guermeur 2012, 2015–2016, 2016b) enthält der Papyrus fünf Abschnitte. Der erste Abschnitt ist der längste (Fragmente von 2 oder 3 Kolumnen am Anfang sowie Kol. x+I bis x+IV.7) und soll die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind mit Zaubersprüchen und Amulettpapyri schützen und Früh- und Totgeburten verhindern. Im zweiten Abschnitt wird das Geburtshaus mit Zaubersprüchen geschützt (Kol. x+IV.7–x+V.14). Der dritte Abschnitt thematisiert reale Unterleibsbeschwerden der Mutter nach der Geburt in Form von Lehrtexten / Informationen aus Erfahrungswissen (sog. šsꜣw-Texte), mit medizinischer Untersuchung, Diagnose und Behandlung mit pharmazeutischen Rezepten (Kol. x+V.15–x+VI.15). Im vierten Abschnitt wird das verängstigte und schreiende (vielleicht zahnende) Kind mit Zaubersprüchen und Amulettpapyri beruhigt (Kol. x+VI.16–x+VIII.3). Im fünften Abschnitt geht es um Schutz vor Albträume (Kol. x+VIII.4–23), aber es ist unklar, ob das kleine Kind oder jemand anderes der Schutzbedürftige ist. Im dritten Abschnitt, in dem die Ursache der Unterleibsbeschwerden mit den physischen Folgen der Geburt zusammenhängen, wird mit rein medizinischen Mitteln für das Wohl der Mutter gesorgt, in den vier übrigen Abschnitten werden böse Geister als Ursache von Gefahren und Beschwerden identifiziert, die mit magischen Mitteln bekämpft werden müssen. Medizinisches und Magisches sind also komplementäre Herangehensweisen für das Wohl von Mutter und Kind.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Papyrus gehört zu einer großen Menge von Papyri, die teils von Charles Wilbour angekauft wurden, teils bei Grabungen zutage kamen. Im Rahmen des ERC-Projekts "Elephantine: Localizing 4000 Years of Cultural History. Texts and Scripts from Elephantine Island in Egypt" wird aktuell (2015–2020) eine Bestandsaufnahme des Materials vorgenommen. Erst danach können Vermutungen über den ursprünglichen Verwendungskontext des iatromagischen Obstetrik-Papyrus angestellt werden. Die bislang bekannt gewordenen medizinischen Papyri in Brooklyn aus dem gleichen Materialfund sind der iatromagische Obstetrik-Papyrus (47.218.2), ein Papyrus, der sowohl Rücken- und Afterbeschwerden als auch Frauenbeschwerden enthält (47.218.75+86), ein Papyrus zu Mund- und Zahnbeschwerden (47.218.87) und ein Papyrus mit Frauenproblemen (47.218.47). Außerdem gibt es ein Schlangentraktat (47.218.48+85) sowie einen Text zu Schlangenbissen (47.218.138), magische Papyri (47.218.156), Schutzrituale (u.a. zum Schutz der königlichen Ohren: 47.218.49), Königsrituale (47.218.50), geographische Texte (u.a. der Deltapapyrus 47.218.84) und ein Weisheitsbuch (47.218.135). Der in Berlin aufbewahrte medizinische Papyrus Rubensohn (Westendorf 1974, 247–254) könnte zum gleichen spätzeitlichen Fund gehören. Einige Texte der 47.218er Gruppe gehören anscheinend nicht zur großen Gruppe der vorgenannten Texte, wie ein thebanischer Orakelpapyrus aus der Saitenzeit (47.218.3) und ein Brief aus dem Alten Reich (47.218.18). S. Sauneron mutmaßt als ursprünglichen Verwendungskontext einerseits die berufliche Bibliothek eines Vorlesepriesters oder eines Dorfmediziners, andererseits die Bibliothek eines religiösen Zentrums, nicht so sehr die eines Tempels, als eher die einer Kapelle von Heilern/Heilgöttern, eines Sanatoriums oder Lebenshauses (1970, viii). Goyon vermutet für die verschiedenen Papyri ebenfalls eine Herkunft aus einer Tempelbibliothek, einem Lebenshaus oder der Bibliothek eines Magiers (1972, 13 mit Anm. 4).

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Der Papyrus ist 2,43 + x m lang und umfasst aktuell insgesamt neun erhaltene "Seiten", von denen acht beschriftet sind. Ursprünglich war der Papyrus länger, denn es wurden 93 weitere Fragmente der zwei oder drei Anfangsseiten/-kolumnen identifiziert (Guermeur 2015–2016, 16). Die Abschrift hört auf Seite/Kolumne x+8 auf, die Seite/Kolumne x+9 blieb unbeschriftet. Jede Kolumne bestand aus 20 bis 23 Textzeilen. Der Text war mit Abbildungen konzipiert: In Kol. x+III und x+VII ist Platz frei gelassen, um die für die Papyrusamulettröllchen erforderliche Darstellung zu illustrieren (wurde niemals ausgeführt). Der als Textträger dienende Papyrus ist von außerordentlich feiner Qualität. Der gesamte untere Teil des Papyrus ist beschädigt, wobei die Lücken vom Anfang zum Ende hin kleiner werden.

Schrift
Hieratisch

Sehr klar und geradlinig geschrieben, in schwarzer und roter Tusche. Die schwarze Tusche ist tiefschwarz. Die rote Tusche wird für Titelüberschriften, Abschnittswechsel und Quantenangaben verwendet.

Sprache
Mittelägyptisch mit Neuägyptizismen

Sofern die bislang publizierten Textteile repräsentativ sind, vereint der Papyrus Textmaterial aus unterschiedlichen Sprachstufen. Die Textgrundlage ist im Wesentlichen Mittelägyptisch (oder Spätmittelägyptisch) in einer späten Orthographie, aber mit zahlreichen Einflüssen aus dem Neuägyptischen, vor allem in Zaubersprüchen, in denen böse Wesen direkt angesprochen werden. Der neuägyptische Artikel pꜣ/tꜣ/nꜣ steht in vielen Abschnittstiteln. Die Abschnitte 1 und 2 sind Mittelägyptisch, enthalten aber sowohl ältere oder archaisierende Elemente (Demonstrativpronomen jpw, Negation nfr pw, Postposition js) als auch periphrastische Konjugationen (jri̯ ḥꜣgg, jri̯ sḥrj) und neuägyptische Imperative (mj-n, mj.t). Das Wort ḥw~bꜣ (syllabisch geschrieben) "Lamm" (Kol. x+III.13) ist bislang nur demotisch (ḥyb) belegt. Der "rein medizinische" Abschnitt 3 ist Mittelägyptisch und hat sogar eine Passage gemeinsam mit dem gynäkologischen Papyrus Kahun aus dem Mittleren Reich. Abschnitt 4 ist ebenfalls Mittelägyptisch mit späten Orthographien (nn sḏm.n=f, pwy für pꜣ mit den Beinchen als Determinativ) und enthält außerdem den Imperativ mj-n, das Futur-III und den Konjunktiv als Fortsetzung des Futur-III sowie das merkwürdige Konditionalgefüge ḫr wnn=ṯn (ḥr) tm sḏm ... jw=j r ḏd. Abschnitt 5 ist noch unpubliziert.

Bearbeitungsgeschichte

Erstmals untersucht wurde das Papyruskonvolut 1948 von Sir Alan Gardiner. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts haben es sich Georges Posener und Michel Malinine angesehen, wobei Posener versucht hat, die Natur einzelner Texte anhand der wenigen sichtbaren Wörter zu bestimmen. Die Publikation des Konvoluts wurde 1966 Serge Sauneron anvertraut, der 11 Papyri entrollen und restaurieren ließ und einige veröffentlichte. Er identifizierte auch den obstetrischen Papyrus 47.218.2 und fertigte eine erste provisorische Transkription an (Guermeur 2015–2016, 14). Nach dem Tod von Sauneron wurde die Publikation des obstetrischen Papyrus durch Jean-Pierre Corteggiani angekündigt (Bardinet, 1995, 20, Anm. 5). Derzeit wird der Papyrus von Ivan Guermeur und Paul O'Rourke zur Publikation vorbereitet, wobei ersterer schon einige Passagen in Aufsätzen veröffentlicht hat.

Literatur zu den Metadaten

- Burkard 1980: G. Burkard, Bibliotheken im alten Ägypten, Überlegungen zur Methodik ihres Nachweises und Übersicht zum Stand der Forschung, in: Bibliothek. Forschung und Praxis 4,2, 1980, 96, 98.

- Burkard 1994: G. Burkard, Literarische Tradition und historische Realität, in: ZÄS 121, 1994, 93–106, hier: 101.

- Goyon 1972: J.-C. Goyon, Confirmation du pouvoir royal au nouvel an [Brooklyn Museum Papyrus 47.218.50], Bibliothèque d'Étude 52 (Le Caire 1972), 13–16.

- Guermeur 2012: I. Guermeur, À propos d'un passage du papyrus médico-magique de Brooklyn 47.218.2 (X+III,9 – X+IV,2), in: C.-M. Zivie-Coche – I. Geurmeur (Hrsg.), "Parcourir l'éternité". Hommages à Jean Yoyotte I, Bibliothèque de l'École des Hautes Études, Sciences Religieuses 156 (Turnhout 2012), 541–557.

- Guermeur 2013: I. Guermeur, Entre magie et médecine. L'exemple du papyrus Brooklyn 47.218.2, in: Égypte, Afrique & Orient 71, 2013, 11–22.

- Guermeur 2015–2016: I. Guermeur, Le papyrus hiératique iatromagique n° 47.218.2 du musée de Brooklyn, in: Bulletin de la Société française d'égyptologie 193–194, 2015–2016, 10–28.

- Guermeur 2016a: I. Guermeur, Encore une histoire de socière (š-ꜥ-l.ṱ)? Une formule de protection de la chambre dans le mammisi (pBrooklyn 47.218.2, x+V.2-6), in: S.L. Lippert – M. Schentuleit – M.A. Stadler (Hrsg.), Sapientia Felicitas. Festschrift für Günter Vittmann zum 29. Februar 2016, Cahiers "Égypte Nilotique et Méditerranéenne" (CENiM) 14 (Montpellier 2016), 171–189.

- Guermeur 2016b: I. Guermeur, Der Papyrus Brooklyn 47.218.2. Ein Handbuch zum Schutz der werdenden Mutter: Vortrag im Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig & Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Leipzig, 15. Dezember 2016.

- Hoffmann – Quack 2007: F. Hoffmann – J. F. Quack, Anthologie der demotischen Literatur, Einführungen und Quellentexte zur Ägyptologie 4 (Münster 2007), 361, Anm. a.

- O'Rourke 2015: P. F. O'Rourke, A Royal Book of Protection of the Saite Period. pBrooklyn 47.218.49, Yale Egyptological Studies 9 (New Haven 2015), 1.

- J.F. Quack, Zauber ohne Grenzen. Zur Transkulturalität der spätantiken Magie, in: A.H. Pries, L. Martzolff, R. Langer u.a. (Hgg.), Rituale als Ausdruck von Kulturkontakt. "Synkretismus" zwischen Negation und Neudefinition. Akten der interdisziplinären Tagung des Sonderforschungsbereiches "Ritualdynamik" in Heidelberg, 3.–5. Dezember 2010 (Studies in Oriental Religions 67), Wiesbaden 2013, 177–199, hier: 181, Anm. 16.

- Sauneron 1966–1967: S. Sauneron, Some Newly Unrolled Hieratic Papyri in the Wilbour Collection of The Brooklyn Museum, in: The Brooklyn Museum Annual 8, 1966–1967, 98–102, hier: 100–101.

- Sauneron 1968–1969: S. Sauneron, The Wilbour Papyri in Brooklyn. A Progress Report, in: The Brooklyn Museum Annual 10, 1968–1969, 109–113, hier: 113.

- Sauneron 1970: S. Sauneron, Le papyrus magique illustré de Brooklyn. Brooklyn Museum 47.218.156, Wilbour Monographs 3 (Brooklyn 1970), viii–ix.

- Unger 2015: Anonymus (Hg.), 47. Ständige Ägyptologenkonferenz 10. bis 12. Juni 2015 (Programm + Abstracts), 13.

- Verhoeven-van Elsbergen 2001: U. Verhoeven-van Elsbergen, Untersuchungen zur späthieratischen Buchschrift, Orientalia Lovaniensia Analecta 99 (Leuven 2001), 19, 304–307.

- Westendorf 1974: W. Westendorf, Papyrus Berlin 10456. Ein Fragment des wiederentdeckten medizinischen Papyrus Rubensohn, in: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung (Ost-Berlin) (Hrsg.), Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Berliner Ägyptischen Museums, Mitteilungen aus der Ägyptischen Sammlung 8 (Berlin 1974), 247–254.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I, 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 78.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils
Bearbeitungsdatum
15.10.2019

Übersetzung und Kommentar

Teil 1, Schutz der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes (bis x+4.7)

Spruchinhalt: Eine Beschwörung zum Schutz des ungeborenen Kindes in der Gebärmutter

[x+2.1] Ein anderer Spruch:
Oh (Du,) diese Frau!
Dein Schutz wurde eingerichtet von Horus.
Dein Schutz wurde (dir) zugeweiht/zugeschlagen1 von Seth.
Deine magischen Spruchtexte wurden eingewickelt vo[n] Denen-mit-zerstückelnder-Macht (?)2 wegen/für(?) ihre3 Mutter, [Isis], die Große, die inmitten des Flusses/Nils ist, die schwanger [ist mit] diesen 4 (?) [Göttern]4, (d.h. mit) dem Samen(erzeugnis) des Haroeris, der seinen [Vater] vor dessen Feinden schützt, (d.h. mit) Amset, Hapi, Duamutef (und) Qebehsenuef.

1 sqr: Ist Seth hier trotz des Feind-Determinativs positiv zu bewerten und liegt eine Bedeutung wie "zuwidmen", "(Schutz) konsekrieren (für)" vor?
2 Ḫbḫb.w-sḫm: Weil der Name sonst nicht bekannt ist, ist die genaue Lesung wegen der mehrdeutigen Schreibung unsicher. Die Wiedergabe als "Khebkhebous" (Guermeur, in: EAO 71, 2013, 14), bei der sḫm unberücksichtigt bleibt, ist unwahrscheinlich. ḫbḫb kann ein Partizip Aktiv Singular und sḫm ein Nomen Plural sein (ḫbḫb-sḫm.w: "der die Mächtigen erschlägt [o.ä.]") oder ḫbḫb-sḫm ist univerbiert und insgesamt ein Plural. Letzteres würde das Suffixpronomen Plural bei mw.t=sn am einfachsten erklären, weshalb diese Lösung hier bevorzugt wird. Die genaue Bedeutung von ḫbḫb ist unsicher. Ist es eine reduplizierte Form von ḫbi̯: "verringern", ḫbꜣ: "(zer)hacken" oder ḫb: "hinrichten"? In den ptol. Tempeltexten hat das Verb ḫbḫb häufig ein Messerdeterminativ und bezeichnet das Erschlagen oder Zerstückeln von Feinden mit unterschiedlichen Waffen (Wilson, Ptol. Lex., 716–717: "to slay"). Ist sḫm: "die Machtgestalt, das Machtbildnis" eine Bezeichnung für ein göttliches Wesen, oder ist es "das Sechem-Zepter"? Und, schließlich, ist sḫm das direkte Objekt von ḫbḫb: "Die den Mächtigen zerstückeln" oder liegt eine Limitation vor: "Die mit zerstückelnder Macht / zerstückelndem Machtbildnis"?
3 mw.t=sn: Unklar ist, worauf sich das Suffixpronomen bezieht. Ist ḫbḫb als ein Plural zu betrachten, oder sind es die sḫm.w?
4 nṯr.w 4: Ergänzung Guermeur. Der letzte der vier senkrechten Striche ist erhalten. Die Ergänzung der Zahl 4 sowie des Substantivs nṯr.w geht aus den nachfolgend aufgelisteten 4 Göttern hervor.

Diese Frau ist Isis, [die schwanger (?) ist.]
Möge sie (d.h. Isis?) sagen: "Es lebe der, der in ihrem (d.h. der schwangeren Frau?) Bauch ist, dieses (männliche) Kind, [ewiglich (?)]1."

1 ḏ.t: Ergänzung Guermeur. Seine Ergänzung [ḏ.t jri̯=s]n würde die ganze Lücke ausfüllen und passt zu jri̯=sn ḥꜣgg im nächsten Satz, ist aber unsicher wegen des Suffixpronomens jm.j=f am Zeilenende, für das es ohne Emendierung zu jm.j=s kein brauchbares Bezugswort gibt. Ein solches könnte vielleicht in der Lücke gestanden haben. Da ein Menschenleben endlich ist, wäre eine Ergänzung "ewiglich" auch unerwartet. Vom Wortanfang sind Spuren erhalten, die sich jedoch nicht eindeutig identifizieren lassen.

Sie (d.h. die Schutzgötter?) jubeln über seinen (des Bauches?) Inhalt (?), so wie sie jubeln über Isis, die in (dem Ort) Netjeri1 ist (einem Gewässer bei Behbeit el-Hagar), wobei sie im Verborgenen schwanger ist in Anbetracht ihres Bruders Seth.

1 Nṯr.j: Siehe Favard-Meeks, Les toponymes Nétjer et leurs liens avec Behbeit el-Hagara et Coptos, in: M.-F. Boussac, M. Gabolde, G. Galliano (Hgg.), Autour de Coptos. Actes du colloque organisé au Musée des Beaux-Arts de Lyon (17-18 mars 2000), Topoi Suppl. 3, 2002, 33–34 für dieses Toponym und seine Beziehungen zur Mutterschaft.

Mögen sie nicht krank sein!
Mögen sie nicht [x+2.5] verstört sein!
Mögen sie das, was in ihnen ist, nicht auf den Boden werfen!

Möge sie (sg., d.h. die schwangere Frau) in Frieden aufwachen!
Möge ihr Bauch in Frieden aufwachen!
Möge ihre Gebärmutter in Frieden aufwachen!
Möge ihr mšd-Körperteil (Vaginaöffnung?)1 in Frieden aufwachen!
Möge das, was in ihrem Schoß (wörtl.: ihren beiden Beinen) ist, in Frieden aufwachen!
Möge das, was in ihrem Oberschenkelbereich ist, in Frieden aufwachen!

1 m(ꜥ)šd: Diese Körperteilbezeichnung ist nicht in den Wörterbüchern verzeichnet. Guermeur, in: Egypte Afrique & Orient, 71, 2013, 15 übersetzt mit "le devant de son vagin". Ist es ein Substantiv mit m-Präfix und dem Element šd: "Vagina"? Oder sollte man an eine Bildung mit dem Verb šdi̯: "entnehmen" denken: Ort, an dem das Kind entnommen, d.h. geboren wird?

Möget ihr (pl.) nicht erstarrt darniederliegen (?; oder: besinnungslos sein?)1!
Möget ihr (pl.) das, was in ihnen (d.h. dem Schoß/Oberschenkelbereich?) ist, nicht auf den Boden werfen!

1 nqm: Die Bedeutung ist nicht sicher. Brugsch, Wb 3, 813–814 hat zuerst eine Parellele mit dem hebräischen Verb naqam und dem arabischen Verb naqama, beide "sich rächen, Rache ausüben" gesucht. Das wird nicht länger akzeptiert. Wb. II, 344 trennt zwischen zwei Verben: Das eine ist in den Pyramidentexten belegt, hat eine Haarlocke als Determinativ und wird als "schlechte Eigenschaft des Haares (parallel zu "krank")" definiert (Wb. II, 344.3). Dieses erscheint in den inhaltlich verwandten Stellen Pyr. § 521b (Spruch PT 324), 2055b und 2056b (Spruch PT 684), in denen das Verb nqm parallel zu mr: "krank sein, leiden" verwendet wird: Die smꜣ-Schläfe ist mr-krank an den Monatsanfängen und nqm an den Monatsmitten. Laut Sethe, Übersetzung und Kommentar, II, (395 und) 398 könnte mr "das Schmerzen, nḳm den Haarausfall o.ä. als äußerliches Symptom des Leidens sein". Faulkner und Allen übersetzen die betreffenden Stellen mit "to be bald" (Faulkner, The Ancient Egyptian Pyramid Texts, 103, 294; ebenso Allen, The Ancient Egyptian Pyramid Texts, 67 [T9], 291 [N514]). Hannig, Ägyptisches Wörterbuch I, 663 trägt Pyr. § 2055b und 2056b unter "glatzköpfig sein" ein {16635} (mit Haarlocke als Determ. in Pyr. Pepi II), während er Pyr. 521b als "*geplagt sein (verursacht durch Einfluss Übelgesinnter)" {16637} (ohne Determinativ in Pyr. Teti) als ein separates Lemma auflistet. Das zweite Verb wird mit dem schlechten Vogel determiniert und in Wb. II, 344.4–5 als "traurig sein" übersetzt, weil es in einigen Kontexten als das Gegenteil von wnf: "fröhlich sein" bzw. m ršw.t: "in Freude", ršrš: "sich freuen" verwendet wird (das Verb wurde auf Zettel DZA 25.313.130 zuerst als "leiden, Schmerzen haben" übersetzt und dann verändert in "trauern"; die Übersetzung "traurig sein" ebenfalls bei Derchain-Urtel, in: GM 6, 1973, 41–42, die einen etymologischen Zusammenhang zwischen qmꜣ: "beklagen" und nqm vermutet [n-Präformans-Bildung]). Die kontrastierende Verwendung von nqm und wnf findet sich in einem Turiner Zauberpapyrus (Pleyte & Rossi, Tf. 131, Zl. 3: nqm=⟨ṯ⟩ nn wnf=ṯ = DZA 25.313.190 = pTurin CGT 54051, Rto 2.3, ed. Roccati, Magica taurinensia, 68); die Verwendung von nqm und ršrš steht im gleichen Text (Pleyte & Rossi, Tf. 131, Zl. 4: wn nqm ḥr ršrš = DZA 25.313.200 = pTurin CGT 54051, Rto 2.4, ed. Roccati, Magica taurinensia, 68) sowie auf der Metternichstele (wn m nqm m ršw(.t) = DZA 25.313.210). Im gleichen Text gibt es auch den Gegensatz zwischen ḥꜥi̯: "jubeln" und nqm (Pleyte & Rossi, Tf. 131, Zl. 4: tꜣ mtw.t wn ḥꜥi̯.tj / nqm n=s jb n.j ꜥšꜣ.t = DZA 25.313.230; ähnlich Metternichstele, Zl. 5–6: tꜣ mtw.t wn m ḥꜥꜥ(.wt) / nqb n=s jb n.j ꜥšꜣ.t). Gardiner, in: JEA 16, 1930, 21 zweifelt die Übersetzung von Wb. II als "traurig sein" an, weil nqm in den Pyramidentexten parallel zu mr "be ill" verwendet wird und damit "almost synonymous" sein wird (Gardiner hält also die durch Erman/Grapow getrennten Verben für zusammengehörig). Gardiner übersetzt das Verb nqm in einem Brief an einen Toten mit "to be afflicted" und das Substantiv nqm.t mit "affliction" ("in Schmerzen sein, leiden" ist ebenso ein Gegensatz zu "sich freuen, froh sein, jubeln" wie "traurig sein"). Faulkner, CD, 141 übersetzt entsprechend "suffer, be afflicted", auch im Papyrus Bremner Rhind 30.26 (Faulkner, The Papyrus Bremner-Rhind, BiAeg 3, 1933, 81, Zl. 5–6): nn ḫpr=k / nqm=k / sḏr.n=k nn nhs=k: "Thou shalt not exist, thou shalt suffer; when thou sleepest thou shalt not awake" (Faulkner, in: JEA 24, 1938, 44). In den magischen Texten auf dem Verso des Papyrus Deir el-Medina I, Kol. 2.4–7 steht ein Mann unter der Todesdrohung des Osiris und er ist in einem großen nqm.t, wie ein Mann, der tot ist, während/obwohl er an seinen Beinen und seiner Hand zittert, während sein Kopf unbeweglich ist, während sein Gesicht schwarz ist, während sein Mund verzogen (?) ist, während der Geruch seines Mundes wie (der von) trockener Myrrhe ist und seine Augen blinzeln. Nachdem er sich erholt hat, fällt er für lange Zeit in einen tiefen Schlaf. (jr z [ẖr mwt] n.j Wsjr / wnn=f m nqm.t ꜥꜣ.t mj z mwt.tj / jw=f ḥr ktkt m rd.wj=f m ḏr.t=f / jw tp=f smn / jw ḥr=f km / jw rʾ=f shꜣy / jw stj rʾ=f m [ꜥn]tjw šw jr.tj=fj ḥr ꜥẖn / jr ḥr-sꜣ jri̯.n=f wḏꜣ / mtw=f jri̯ qd ꜥꜣ m ꜣ.t ꜥꜣ.t, Černý, Papyrus hieratiques de Deir el-Medineh, Tf. 10). Černý erkennt einen Zusammenhang zwischen nqm, nmꜥ: "schlafen" und sḏr: "schlafen, nachts liegen" auf der Grundlage von pDeM I, von pAnastasi IV, rto 5.3, von dem Text Papyrus Turin/Metternichstele sowie von Papyrus Bremner-Rhind. Er kombiniert dieses mit den Textstellen mit dem Verb mr: "krank sein, leiden", um für nqm die Bedeutung "être couché inconscient à la suite d'une maladie" vorzuschlagen. Meeks, ALex 78.2254 zitiert nach Černý: "être couché, inconscient (à la suite d'une maladie)"; er hat ebenso: ALex 79.1641: être inconscient; souffrir". Hannig, HWB, 461 bietet ebenfalls die beiden Bedeutungsvorschläge von Černý und Gardiner: "*erstarrt darniederliegen; *geplagt sein, leiden". Die Bedeutung "bewußtlos sein" o.ä. würde in pAnastasi IV, rto 5.3 passen, wo jb=j nqm parallel mit ḥꜣ.tj=j nn sw m ẖ.t=j verwendet wird. Auch die Parallelstellen von (mittelägyptisch) Papyrus Louvre 3129 G 40 nqm jb=k und neuägyptisch pBM 10252.5 hrp ḥꜣ.tj=k$ (Schott, Urk. VI, 79, Zl. 14–15; hrp: "absinken; unterdrücken") würden zu einem reduzierten Bewußtsein passen. Das Substantiv nqm(.t) steht im Grab des Mutirdis parallel zu ḏw: "Übel" (Assmann, Grab des Mutirdis, 99, Kol. 26–27: nhꜣ ḏw=k / rwj nqm=k / šzp=k mꜣw.t jtn). Im magischen Papyrus Leiden I 348, 6.6–7 (Spruch 13) steht nqm(.t) am Ende einer ganzen Reihe von Krankheitserregern und anderen negativen Begriffen.

Oh (Du,) diese Frau!
Dein Schutz ist der Schutz der Isis, die in (dem Ort) Netjeri ist (einem Gewässer bei Behbeit el-Hagar).
Horus, Osiris, Thoth und Har⟨oeris?⟩ sind dein Schutz.
Mögen sie deinen Schutz geben/bestellen als Vorfälle (oder: mit Heilmitteln) der Isis.
Mögen sie deinen Schutz geben/bestellen mit der Sehne, die im Fersen-/Fußknöchelbereich (?)1 des Osiris ist.

1 sst: Ist ein Teil des Unterschenkels, wie aus den Gliedervergottungslisten hervorgeht: (Sonnenlitanei [ed. Hornung, Buch der Anbetung des Re, 214]: genannt zwischen mn.tj: "Schenkel" und sꜣḥ.w: "Zehen"; Zaubersprüche für Mutter und Kind, Rto 5.1: genannt nach mn.tj: "Schenkel" und pꜣd, kopt. ⲡⲁⲧ: "Knie, Kniescheibe"; danach folgt nichts mehr; Vso 5.5: zwischen rd.wj: "(Unteres) Bein; Fuß" und sꜣḥ.w; vgl. Tb. 42; Tb. 181; CT VII, 161c: mn.tj, ⸮⸢s⸣[st].⸢wj⸣?; siehe Yamazaki, Zaubersprüche, 23, Anm. (tt)). Ebers/Stern, Papyros Ebers, II, 41 übersetzt mit "digiti pedis", d.h. "Zehen". Brugsch, Wb 7, 1119 folgt Ebers/Stern, wobei er auf die Reihenfolge der Körperteile in pEbers, Kol. 77 verweist (mꜣs.t: Eb 603–610, pꜣd: Eb 612, sst: Eb 613–614). Erman, Zaubersprüche, 21, Anm. 1 vermerkt: "die übliche Übersetzung von śśt mit 'Zehen' ist nicht haltbar, denn in [Spruch] U [d.h. Vso 5.5] steht es neben dem gewöhnlichen Worte für Zehen (śꜣḥ)." Deshalb übersetzt Erman, 21 und 49 mit "Knöchel(?)". Dem folgt Ebbell, The Papyrus Ebers, 92 ("śśt (ankle?)"). Davon abweichend hat Wb. IV, 279.5: "als Masculinum. ein Teil des Beins: ob die Wade?" (ebenso Faulkner, CD, 246: "calf (?) of leg"). Der Grund ist vielleicht, dass in der Sonnenlitanei in der Version von Thutmosis III. die Reihenfolge der Körperteilbezeichnungen mn.tj, sst.wj, rd.wj, sꜣḥ.w ist (rd.wj fehlt in den übrigen Textversionen). Außerdem verweist DZA 29.577.960 auf den Vergleich von sst mit dem ḥz.t-Gefäß in der Gliedervergottung von Mutter und Kind, Vso 5.5: sst.w=k ḥz.t 2 ⸮snsn.y? ⸮wpi̯.y? ⸮⟨j⟩tr(w)?: "deine (beiden) sst-Körperteile sind die 2 Hezet-Gefäße, die ...?... den Fluss öffnen" als weiteres Argument für die Deutung als Wade statt als Knöchel. Dem folgt Lefebvre, Parties du corps humain, 49, § 57: "le mollet" (mit Verweis auf die Sonnenlitanei und Mutter und Kind rto 5.1). Auch Grapow, Anatomie, 93 hat: "In dem Wort śśt vermuten wir die 'Wade'". MedWb II, 796–797 stellt die Identifikation als "Wade" erneut in Frage und fragt an, "Ob aber nicht eher die Fußknöchel gemeint sind?; vgl. dt. 'Fessel' und engl. 'ankle' im Sinne von 'Fußfessel'". Die Begründung findet sich in Mutter und Kind, Rto 5.1, weil dort sst mit der Beschwerde ḏnḥ einhergeht, die MedWb als "fesseln" auffasst (ḏnḥ wird zu kopt. ⲧⲱⲛϩ: "sich verfangen; einfangen, binden"; andere Interpretationen von ḏnḥ sind "Flügel knicken" und "Krampf(?)"). MedWb vergleicht "fesseln" mit dem Substantiv "die Fessel" als Teil des Fußes von Huftieren, das gefesselt wird. Weeks, Anatomical Knowledge, 61 nennt die beiden Interpretationen "ankle" (nach Ebbell) und "fibula", d.h. Wadenbeinknochen (nach Grapow) und beschließt "'ankle' is a most tempting translation, but without further evidence must remain a tentative reading." Westendorf, Handbuch Medizin, 226, 229–230 versteht sst als "Fessel, Fußgelenk" und wohl nicht "Wade" unter Berufung auf ḏnḥ und auf die Körperteilfolge rd.wj, sst.wj und sꜣḥ.w (Mutter und Kind, Vso 5.4–5). Hannig, HWB, 825 listet beide Interpretationen mit Fragezeichen auf: "*Wade; *Fußknöchel". Walker, Anatomical Terminology, 275 interpretiert den Gliedervergottungsvergleich mit dem Hezet-Gefäß für seine Bestimmung von sst anders als DZA 29.577.960: "post. lower leg excluding foot, i.e. calf muscle + ankle. In Mutter u. Kind (Vs 5.5) the sst is likened to a ḥst-jar which has exactly the same shape as a human calf + ankle, viewed from behind." Die Sehne (rwḏ) im sst des Osiris, die in pBrooklyn 47.218.2 genannt wird, könnte die Achillessehne sein, was dann für den Bereich an der Rückseite des Knöchels, oberhalb der Ferse sprechen würde. Sofern die Gleichstellung von sst und ḥz.t in der Gliedervergottung tatsächlich über die Form verläuft, müsste der Bereich größer sein und könnte die ganze Rückseite des Unterschenkels von der Wade bis zur Unterseite der Ferse einschließen (der Standfuß des ḥz.t-Gefäßes ist vielleicht eher die Ferse als der von Walker genannte Knöchel).

Worte zu sprechen über eine (Pflanze namens) Sehne-des-Phönix.
(Sie) werde mit 7 Knoten hergestellt; (sie) werde der Frau für ihren Anus gegeben.
Wenn es keine (Pflanze namens) Sehne-des-Phönix gibt, [dann sollst du eine ...]-Pflanze [nehmen/geben(?).]
1

1 [... ... ]ꜣ.t: Vor dem Wortende mit dem Pflanzendeterminativ fehlen 3 Quadrate.

Kol. x+2.9 bis x+2.21 sind noch unpubliziert

Spruchinhalt: Eine Beschwörung zum Schutz des ungeborenen Kindes in der Gebärmutter, geschrieben auf einem Amulettpapyrus

[x+3.1] Oh Himmel, oh Erde, oh Unterwelt, oh Flut, oh jene Götter, die in ihnen sind!
Kommt, damit ihr alles, was ich [sage], hören werdet.

Ich bin Nut, die die Götter geboren hat in die[sem ihren Namen]1 von Neith.
Ich (fem.) werde [das Ei im Bauch von (Frau) NN]1, geboren von (Frau) NN, wohlbehalten sein lassen, so wie Re wohlbehalten worden ist2 im Leib der A[maunet, die lebt in]1 der Sykomore.

1 Ergänzungen durch Guermeur nach dem Amulettpapyrus pBerlin P 15784a+b + P 10469 (ed. Fischer-Elfert, Magika Hieratika, 146–151).
2 swḏꜣ Rꜥ: Man erwartet, dass Re in diesem Zusammenhang der Geheilte ist und nicht derjenige, der heilt. Dann muss swḏꜣ ein sḏm=f-Passiv sein. Weder im pBerlin noch im pBrooklyn ist ein Suffixpronomen hinter swḏꜣ vorhanden.

Worte zu sprechen über diese Göt[ter(figuren), die gemalt wurden/sind auf] einem neuen Papyrusblatt.
(Es) werde um den Hals der Frau gelegt.
(Es ist) [wirklich] millionenfach [vorzüglich]. (oder: (Es ist [wirklich vorzüglich] (und) millionenfach (erprobt))

Das Ende von Kol. x+3.4 sowie Kol. x+3.5–8 und der Anfang von x+3.9 sind noch unpubliziert

Spruchinhalt: Eine Beschwörung zum Schutz vor wiederholter Totgeburt

[x+3.9] Ein anderes Amulett, das gemacht wird für eine Frau, deren Kinder zur Welt (wörtl.: nach draußen) gekommen sind, ohne dass die von ihr Geborenen (über)lebt haben.
Oh Re, oh Atum, oh Chepri, oh Schu, oh Tefnut, oh Geb, oh Nut, [x+3.10] oh Osiris, oh Isis, oh Be (= Seth), oh Nephthys, oh Götter und Göttinnen, die (ihr) im Himmel und auf der Erde seid,
seht ihr, was der Feind, Jener (oder: die Feindin), der Tote/Wiedergänger, die Tote/Wiedergängerin und so weiter – (nämlich) die Götter und Menschen, Männer und Frauen, die jegliche Art von Bösem (oder: irgend etwas Böses) tun1 – getan haben gegen (Frau) NN, geboren von (Frau) NN:
sie erlauben nicht, dass für sie (d.h. Frau NN) ein männlicher Sohn oder eine weibliche Tochter (über)lebt.

1nṯr.w ... jri̯ (j)ḫ.t nb(.t) ḏw(.t): Guermeur, in: Gs Yoyotte, 554, macht aus nṯr.w r(m)ṯ ṯꜣj.w ḥm.wt jri̯ (j)ḫ.t ḏw einen Zwischensatz und schließt r mn.t ... bei jri̯.t.n ḫft.j ... ḥmw-rʾ an. Dem wird hier gefolgt. Man könnte auch übersetzen: "Seht ihr, was der Feind, Jener (oder: die Feindin), der Tote/Wiedergänger, die Tote/Wiedergängerin und so weiter getan haben! Die Götter und Menschen, Männer und Frauen, die jegliche Art von Bösem (oder: irgend etwas Böses) gegen (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, getan haben, sie erlauben nicht, ..."

Nun hörten es die Esel1.
Da sind die Esel gestorben,
(und) da sind ihre Eselsfohlen dahingeschieden.
Beraubt (wörtl.: leer) ist also dieses Land von der Majestät/Inkarnation des Seth.
Wie wird es also diesem Land ergehen, wenn die Majestät/Inkarnation des Seth nicht in ihm ist?

1 ꜥꜣ.(w)t: Dies muss ein kollektiver Begriff sein, denn das Suffixpronomen 3. Pl. in skꜣ.w=sn kann sich nur hierauf beziehen.

Nun hörten es die Schafe.
Da sind die Schafe gestorben,
(und) da sind ihre Lämmer1 dahingeschieden.
Beraubt (wörtl.: leer) ist also dieses Land von der Majestät/Inkarnation des Ba(-neb-ded?).
Wie wird es also diesem Land ergehen, wenn die Majestät/Inkarnation des Ba(-neb-ded?) nicht in ihm ist?

1 ḥb: Fehlt in Wb 3; vgl. demotisch hyb und ḥyb: "Lamm" (Erichsen, Glossar, 268 und 291) und koptisch ϩⲓⲉⲓⲃ: "Lamm" (Crum, CD, 652b).

Nun hörten es die Rinder.
Da sind die Rinder gestorben,
(und) da sind ihre Kälber dahingeschieden.
Beraubt (wörtl.: leer) ist also [dieses Land] von der Majestät/Inkarnation des Apis.
[Wie] wird es also diesem Land ergehen, wenn die Majestät/Inkarnation des Apis nicht in ihm ist?

Nun [hörten] es die Ziegen.
[x+3.15] [Da sind] die Ziegen gestorben,
(und) da sind [ihre] Zicklein dahingeschieden.
Beraubt (wörtl.: leer) ist also dieses Land von der Majestät/Inkarnation der Unut.
Wie wird es also diesem Land ergehen, wenn ⟨⟨die Majestät/Inkarnation der⟩⟩ Unut nicht [in ihm] ⟨⟨ist⟩⟩?

[Nun] hörten die [Schweine] darauf / auf sie.
Da sind die Schweine gestorben,
(und) da sind ihre Ferkel1 [dahingeschieden].
Beraubt (wörtl.: leer) ist also [dieses Land von der Majestät/Inkarnation] des Schesemu.
[Wie] wird es also diesem Land ergehen, wenn die Majestät/Inkarnation des [Schesemu nicht] in ihm ist?

1 rjrj: Geht zurück auf rr: "Schwein", kopt. ⲣⲓⲣ: "Schwein", muß aber dem Zusammenhang nach das "Ferkel" bezeichnen, vgl. kopt. ⲣⲁⲁⲣ: "Ferkel".

Nun hörten die Hun[de] darauf / auf sie.
Da sind die Hunde [gestorben],
(und) da sind ihre [Welpen]1 dahingeschieden.
Beraubt (wörtl.: leer) ist also dieses Land von der [Majestät/Inkarnation des Ba]ba.
Wie wird es [also diesem Land] ergehen, wenn die Majestät/Inkarnation des Ba[ba] nicht [in] ihm ist?

1 Das Wort für "Welpe" ist leider zerstört und es ist auch sonst kein ägyptisches Wort mit dieser Bedeutung sicher nachgewiesen. Für das demotische (tꜣy) ꜥlw.t wurde "weiblicher Welpe" vorgeschlagen (pMag London & Leiden, Kol. 19, Zl. 35: Griffith & Thompson, 127: "butch-pups(?)"; ebenso Johnson, in: Betz, The Greek Magical Papyri in Translation, 227: PDM xiv.588; anders Vittmann, in: TLA: "(Hunde)kinder"); vgl. demot. ꜥlw: "Kind" und kopt. ⲁⲗⲟⲩ: "Junge; Mädchen".

Nun hörten es die Fische.
[Da sind] die Fische [gestorben],
(und) da ist [ihre] Fisch[brut]1 dahingeschieden.
[Beraubt (wörtl.: leer)] ist also [dieses] Land [von der Majestät/Inkarnation des] Sobek.
Wie wird es also ⟨diesem⟩ Land ergehen, [wenn die Majestät/Inkarnation des Sobek nicht] in ihm ist?

1 ft[ft]: Ist nicht in Wb 1, 581 verzeichnet. Es gibt das Verb ftft: "springen, hüpfen", das einmal zur Benennung des "Schnellens o.ä." der Fische verwendet wird (Wb 1, 581.5: Beleg Amunhymnus pLeiden I 350, rto 2.7: nšm.t ḥr ftft m mw = DZA 23.586.410) und das Substantiv ftt als eine Bezeichnung für Fische (Wb. I, 581.15: nur 1 Beleg: Tb 153B nach der Version Pb = Papyrus des Nfr-wbn=f bei Naville: DZA 23.586.950; weitere Belege für die Graphie ftt sind pNu [Lapp, Tf. 59], pKairo JE 26230 [Totenbucharchiv Bonn], pKairo JE 95868 [Totenbucharchiv Bonn]). Guermeur, in: Gs Yoyotte, 547 ergänzt ftft, weil  hinter ft[_] noch Spuren erkennbar sind. Eventuell ist auch ft[t] zu lesen, denn die Spuren erlauben keine eindeutige Identifikation.

Nun hörten e[s die Vögel].
[Da sind die Vög]el1 [gestorben],
(und) da sind [ihre Küken] dahingeschieden.
[Beraubt (wörtl.: leer)] ist also dieses Land [x+3.20] v[on der Majestät/Inkarnation der Feld]göttin.
[Wie] wird es also [diesem] Land ergehen, [wenn die Majestät/Inkarnation der] Feldgöttin nicht in ihm ist?

1 ꜣpd.w: Nur das Vogel-Determinativ ist erhalten, aber das reicht aus, um das Wort sicher zu ergänzen. Die Bezeichnung für den Jungvogel ist leider verloren, eventuell ist ṯꜣ: "Jungvogel, Nestling" zu ergänzen.

Nun [hörten es die Schlangen/Würmer/Kriechtiere]1.
Da sind die [Schlangen/Würmer/Kriechtiere]1 gestorben,
[(und) da sind ihre Schlangen]-Kinder [dahingeschieden.]
Beraubt (wörtl.: leer) ist also dieses Land von der Majestät/Inkarnation der [Wadjet.]
Wie [wird es also diesem Land ergehen,] wenn die Majestät/Inkarnation der Wadj[et] nicht [in ihm ist]?

1 ḏdf.t: Vom ersten Beleg des Wortes sind nur die Pluralstriche erhalten, vom Anfang des zweiten Belegs ist gerade noch ausreichend erhalten, um das t/d unter der -Schlange zu identifizieren; das Wort kann nicht ḥfꜣ.w sein. Wegen der Göttin Wadjit ist jedenfalls eine Schlangenbezeichnung o.ä. erforderlich.

[Nun hörten] es die Mäuse.
[Da sind die Mäuse] gestorben,
(und) [da sind] ihre [Mäuschen/Jungmäuse] dahingeschieden.
[Beraubt (wörtl.: leer) ist also dieses Land von der Majestät/Inkarnation des] (Spitzmausgottes) Amam.
[Wie] wird [es also diesem Land ergehen, wenn] die Majestät/Inkarnation des Am[am nicht in ihm ist?]

[Was die]ses angeht, das [sie] getan haben [gegen die Götter] und Göttinnen, [alle schlechte] Sa[chen ... ... ...] alle Achs/Zaubersprüche (?) [... ... ...]
[...] retten den Bau[ch der (Frau) NN, geboren von der (Frau) NN ... ...] in der Nacht, [x+4.1] am Tage, zu jedem Zeitpunkt, in diesem Monat (oder: an diesem Fest des 2. Tages des Monats), an diesem Fest des 15. Monatstages, in diesem Jahr einschließlich dessen Zubehör (wörtl.: wie dem, was darunter ist; d.h. die Epagomenen).

Worte zu sprechen über einer Holzfessel(?) aus Weidenholz und einer Hacke aus [...], festgebunden mit der (Pflanze namens) Sehne-des-Phönix an/auf einem Stück groben Stoff (?; oder Schurz?)1 aus schwarzen Fäden.

1 šntj: Guermeur, in: Gs Yoyotte, 551–552 diskutiert ausführlich die Belege für dieses Wort in der Kombination šntj n.t mnw km, das in Wb 4, 518.12–13 als eine jüngere Schreibung von šnj: "Haar" betrachtet wird (DrogWb 241: "Haar eines schwarzen Fadens o.ä."; Westendorf, Handbuch Medizin, 423: "Faser eines schwarzen Fadens"). Guermeur verweist u.a. auf Caminos, LEM, 432, der šnj: "Haar" im Sinne von einem groben Gewebe ("coarse fabric") auffasst, z.B. aus Wolle. Guermeur übersetzt mit "toile grossière". šnj: "Haar" ist allerdings ein Maskulinum, was nicht zum Genitiv mit n.t passt. Könnte es eine jüngere Form von šnḏ.wt: "(königlicher) Lendenschurz" sein, das noch im Demotischen als šnt/šntꜣ: "Schurz" und im Koptischen als ϣⲛⲧⲱ: "Leinwand, Leinengewand" belegt und ein Femininum ist?

(Es) werde der Kopf der Frau mit Ziegenfett eingecremt.
(Es) werde das Amulett um ihren Hals gelegt. (oder: ..., indem das Amulett um ihren Hals gelegt wird.)

Spruchinhalt: Rezept/Spruch zum Schutz vor einer Fehlgeburt

Ein anderer Spruch. Worte zu sprechen:

Du bist erledigt, (du) Toter, der tot ist (wörtl.: in totem/getötetem Zustand)!
Du bist verjagt, (du) Toter!
Der Wind hat deine Kleidung aufgerissen/weggezogen, so dass deine Schande/Kastration (?) sichtbar geworden ist.

Du wirst die Beerdigung des Osiris nicht beobachten (können);
du wirst nicht zur großen Neschemetbarke hinuntersteigen (können)!

Dein Kopf wurde abgeschnitten;
du wirst dich nicht aufrichten (können).
Du bist vor dich hin abgeflossen/ausgelaufen/zugrunde gegangen;
du wirst nicht (mit bösen Absichten) zu dieser Frau und ihren Kindern hinuntersteigen (können).

(Du,) der auf die Klageschreie (wörtl.: Stimme des Jammerns/Wehgeschreis) hin gekommen ist,
die Flamme möge/wird gegen dich vorgehen – (du) Feind, Jener (oder: Feindin?)1, Toter/Wiedergänger, Tote/Wiedergängerin, Gegner, Gegnerin und so weiter – [x+4.5] in der geheimen Halle.2

1 pfj: Steht an der Stelle, an der in den nachfolgenden Feindpaaren jeweils die feminine Form steht. Deshalb übersetzen Koenig (in: BIFAO 99, 1999, 266–267, Anm. (s); Koenig transkribiert pf.t in BIFAO 104, 2004, 292, 323) und Guermeur (in: CENiM 11, 173, Anm. (g)) mit "(une) ennemie". Borghouts, in: NISABA, 5, 22, 27, 32, 85 übersetzt mit "fiend". Er erwägt anscheinend eine Transkription pf.ty in pLeiden I 348, Rto 2.9 und erklärt es als eine pejorative Bedeutung des Demonstrativpronomens pf/pfy mit der gleichen Endung wie bei ḫft.y (OMRO 51, 1970, 54–55, Anm. 50). Fischer-Elfert, Altägyptische Zaubersprüche, 35, 37, 38, 39, 47 hat "Jener (= Seth)". Vittmann, in: ZÄS 111, 1984, 169 übersetzt nicht und bleibt bei pfj. Gardiner, Chester Beatty Gift, 125, Anm. 2 erwähnt, dass "pfy seems strangely substituted for the feminine ḫftt", aber er übersetzt "O [yonder] enemy".
2 m-ẖnw wsḫ.t štꜣ.t: Unterschiedliche Satzsegmentierungen sind möglich. Hier wird davon ausgegangen, dass die Flamme in der geheimen Halle gegen die Feinde vorgehen wird, nicht dass sich eine spezifische Gruppe von Feinden in der geheimen Halle aufhält (ebenso Guermeur, in: CENiM 11, 173, Anm. (h)).

(So wie) die weibliche Katze dich vertrieben hat, (so) hat der Falke dich zurückgedrängt.

Du bist abgeflossen/ausgelaufen, (mit dem Ergebnis, dass) du erledigt bist, (du) Toter/Wiedergänger, Tote/Wiedergängerin und so weiter.

Worte zu sprechen über einen Falken, eine Katze und ein Udjatauge (?; oder: (d.h. zwei) Amulette)1 aus Fayence, aufgezogen auf einer ꜥꜣ.t-Leinenschnur aus rotem Stoff.

1 wḏꜣ.t: Guermeur, in: CENiM 11, Anm. (j) versteht dieses Wort eher als "Amulett" im Allgemeinen denn als ein "Udjatauge-Amulett", weil vorhin im Text nur von einem Falken und einer Katze die Rede war.

(Es) werde der Frau an ihrem Hintern/Anus gegeben/gesetzt, so dass er (das Kind?) (planmäßig) gelöst (d.h. entbunden) wird.
(Es) werde um den Hals ihres Sohnes gelegt am Tag seiner Geburt.

Das ist ein großer Schutz des (männlichen) Kindes im Geburtshaus.
(Es ist) wirklich millionenfach vorzüglich.

 Teil 2, Schutz der Geburtsstätte (x+4.7 – x+5.14)

Spruchinhalt: Spruch zum Schutz des Bettes/Schlafgemachs

Spruch zum Schutz des Bettes/Schlafgemachs der Gebärenden.

(Frau) NN, geboren von (Frau) NN, schläft/liegt auf einer Matte von qmꜣ-Binsen1 – andere Lesung: (auf) einer sauberen/reinen Matte von Halfagras2 –,
während Isis bei/an ihrem Schoß (d.h. vor ihr) steht,
(und) während Nephthys hinter ihr (d.h. hinter ihrem Rücken) steht;
Hathor steht an ihrem Kopf,
(und) Renen(ut)et steht an ihren Füßen.
Ipet-weret bereitet ihren Schutz,
(und) die Götter und Göttinnen behüten sie.

1 qmꜣ: Äg. qmꜣ und wohl auch gmy ist identisch mit demot. qm/qmꜣ/qme/qmꜣe, Var. km und mit kopt. ⲕⲁⲙ. Koptisches ⲕⲁⲙ entspricht in den griechisch-koptisch-demotischen Scalae und auch in anderen Texten griech. τό θρύον: "reed, rush" (LSJ) [auch τό θροῖον, θρῖον, θρυων geschrieben] und arab. ḥalfāʾ: "Gras (allg.), Halfagras" (Wehr, 201: "alfa, esparto") (für die kopt.-griech. Korrespondenz siehe Crum, CD, 108a und Keimer, Gartenpflanzen II, 75 und Anm. 51; z.B. Scala Paris 44, fol. 83 vso 38–39; für kopt.-arab. siehe auch Spiegelberg, Koptische Etymologien, 1920, 4–6). Die Gleichstellung von qmꜣ mit ⲕⲁⲙ wird generell akzeptiert und ist die Grundlage für die Identifikation der "Binse o.ä." (fr. "jonc", eng. "rush") als ein allgemeiner Pflanzenbegriff. Erichsen, Glossar, 537 übersetzt dem. qm als "Schilf, Binse", aber der Übersetzung "Schilf" (fr. "roseau", eng. "reed") wird sonst nicht gefolgt (Meeks, ALex 77.4396: "jonc, roseau" vs. Meeks ALex 79.3131: "jonc"; weitere Belege für Übersetzungen mit "Schilf" in demotischen Texten bei Hughes, in: MDAIK 14, 1956, 86 [Reich, Spiegelberg]). Die arabische Entsprechung aus den Scalae mit "Gras, Halfa-Gras" wird nicht berücksichtigt. Nur Hughes, in: MDAIK 14, 1956, 87 glaubt nicht an "Binse" oder "Schilf", weil diese auf sumpfigen Böden wachsen und das kann seiner Meinung nach in einigen Urkunden aus Theben nicht zutreffen, weshalb er meint "in all probability the plant is the halfa grass" (Hughes erwähnt den Beitrag von Keimer, in: OLZ 30/3, 1927 nicht). Eine mögliche Bestätigung für die Richtigkeit von "Binse o.ä." findet sich in der textlichen Verwendung der Pflanze für Flechtarbeiten. Brugsch, Wb 4 (1868), 1452, 1453 und 1455 unterscheidet anfänglich zwischen 3 Pflanzenbezeichnungen qm (geschrieben mit Wurfholz und Pflanzendeterminativ), qmꜣ (geschrieben mit Vogel- und Pflanzendeterminativ) und gmy. Für qm verweist er auf demotisch qme und koptisch ⲕⲁⲙ und er versteht die Pflanze als "Binse, le jonc, ḥalfāʾ, ʾasal [Wehr, 17], arundo, juncus", was sich aus dem kopt. ⲕⲁⲙ begründet. Für qmꜣ bieter er keine Bedeutung, aber er verweist auf koptisch ϭⲁⲓⲙⲉ (S): "Huhn", um die Pflanzenbezeichnung als "Hühnerkraut" zu übersetzen (Benennungsmotiv). gmy in pAnastasi IV, Kol. 8.12 nennt er eine als Nahrung dienende Pflanze und er vergleicht mit χημίς, das bei Dioskurides, Materia medica, III, 69 als ägyptische Bezeichnung für griech. ἐλαφόβοσκον genannt wird, d.h. der Pastinak. Brugsch Wb 7 (1882), 1248 nimmt später an, dass alle drei Bezeichnungen qm, qmꜣ und gmy dieselbe Pflanze sind "arundo, juncus", d.h. ein Schilfgras/Rohr oder eine Binse. Loret, in: Journal asiatique, 8. Série, 10, 1887, 111 setzt qmꜣ mit kopt. ⲕⲁⲙ, griech. θρύον, lat. juncus gleich. Erman/Grapow, Wb. V (1931) unterscheiden zwischen qmꜣ: "Binse o.ä." (Wb. V, 37.14–16) und zwei Wörtern gmy: "eine (Gemüse-)pflanze" (Wb. V, 170.5) und gmy: "Pflanze (bei der Kyphibereitung)" (Wb. V, 170.6). Caminos, LEM, 167–168, nimmt dagegen an, dass gmy in pAnastasi IV, 8.12 identisch ist mit qm⸮ꜣ?y in pLansing 11.6 (gleicher Text) und mit der Pflanze qmꜣ, kopt. ⲕⲁⲙ "reeds". Aufrère, in: BIFAO 86, 1986, 29–30 führt die gmy-Pflanze einerseits ebenfalls auf qmꜣ zurück, vermutet aber andererseits, dass in manchen Fällen eine spezifische Binsenart gemeint sein muss und dass die Übersetzung "roseau" nicht zutrifft. Das hebräische gómeʾ (גֹמֶא) (Gesenius, Hebr. HWB, 129: "Schilf, Binse") geht auf äg. qmꜣ zurück (vgl. schon Brugsch, Wb 4, 1452). Loret (in: Kêmi 13, 1954, 22–23) möchte qmꜣ als qꜣm bzw. qlm ( als Schreibung für /l/) lesen und darin den Ursprung von griech. ὁ κάλαμος: "reed" (LSJ) und ägyptisch-arabisch qalam (Wehr, 788) erkennen. Keimer, in: OLZ 30/3, 1927, 145 und 153 meint, dass die Übersetzung von ⲕⲁⲙ als "Binse" sicherlich richtig ist (briefliche Information von Spiegelberg) und er nimmt an, dass die gewöhnliche Binse von Ägypten gemeint ist, d.h. in seiner Terminologie Juncus maritimus Lamarck, auch wenn er diese Identifikation noch nicht für völlig gesichert hält. (Deshalb die Identifikation als "Juncus maritimus Lam." bei Charpentier, 722, Nr. 1197.) Laut Germer, Flora, 200–201 kommt J. maritimus Lmk. jedoch in Ägypten nicht vor und ist Juncus rigidus C.A. Mey. gemeint. Sie meint, dass der altäg. Name für die Gattung juncus (spec.) am wahrscheinlichsten jsr ist (Germer nennt die Bezeichnung qmꜣ nicht in ihrem Flora-Band). Germer, Handbuch Heilpflanzen, 129 übersetzt qmꜣ Kꜣš mit "Binse aus Kusch". Osing, Nominalbildung, 686, Anm. 777 leitet den Pflanzennamen als nomen agentis von der intransitiven Bedeutung von qmꜣ: "werfen; sich bewegen" (Wb. V, 33.15) ab: "das sich Bewegende, das Schwankende". Vycichl, Dictionnaire étymologique, 80 glaubt nicht an diese Etymologie.
2 ꜥnb: Eine Pflanze, die für Flechtwerkarbeiten genutzt wurde, möglicherweise Ägyptisches Halfa-Gras. Brugsch, Wb 1 (1867), 196 gibt für die einzige Belegstelle, die er bis dahin kennt (Dümichen, Kalenderinschriften, Tf. 28, Nr. 39 = DZA 21.733.670 = Medinet Habu MH III, Tf. 160, Sektion 32, Nr. 1105) keine Übersetzung, aber er schreibt, dass es wohl identisch mit hebräisch einav (ענב): "Traube" (Gesenius, Hebräisches HWB, 548–549) und arabisch ꜥinab: "Weintraube" (Wehr, 647) ist. Brugsch, Wb 5 (1880), 236 sieht eine etymologische Verwandtschaft mit dem seltenen Verb ꜥnb, dass er als "umschliessen, umwinden, sich herumwinden" versteht (so schon Brugsch, Wb 1, 196 für das Verb), weshalb er den Pflanzennamen als "die sich windende, herumlegende (sc. Pflanze)" deutet. (Die Bedeutung des Verbs ꜥnb ist nicht ganz klar: Wb. I, 192.3–4: "(den Mund) verschliessen; etw. umschlossen halten (in der Kralle)"; Wilson, Ptol. Lex., 155: "close the mouth, catch"; Osing, Nominalbildung, I, 186: "verschließen; umschlingen, (um)winden"; II, 505, Anm. 213: "um-, verschließen; fassen; binden, flechten" und II, 711, Anm. 824: "binden/flechten".). Jéquier, in: BIFAO 19, 127–128 betrachtet die Pflanze ebenfalls als eine essbare Pflanze und vergleicht sie mit den hebr. und arab. Wörtern für "Traube". Diese Interpretation wird heute abgelehnt, z.B. weil die Pflanze für Flechtwerkarbeiten eingesetzt wird, was für Trauben nicht passt. Wb. I, 192.1 hat: "Art Pflanze (ob Rute? Stengel?) aus der man Matten herstellt"; vgl. Faulkner, CDME, 43: "reed-stalk (for matting)". Keimer, in: OLZ 30/3, 1927, 76–85 und 145–154 behandelt drei Pflanzenbezeichnungen (qmꜣ, ꜥnb und rdm.t), aus denen Flechtwerk, Körbe usw. hergestellt wurden. Er nimmt an, dass qmꜣ die gewöhnliche Binse von Ägypten meint (in seiner Terminologie Juncus maritimus Lam.) und rdm.t für die Cyperaceae-Gräser steht. Weil für die häufig in Flechtwerkarbeiten verwendete Pflanze Ägyptisches Halfa-Gras somit noch kein altägyptisches Wort belegt ist, könnte laut Keimer dann ꜥnb das Ägyptische Halfa-Gras sein, d.h. Eragrostis cynosuroides R.S. Keimer nimmt des Weiteren an (S. 81–2), dass das Unkraut ἡ ἄγρωστις in den griechischen Ackerpachtpapyri Ägyptens für Eragrostis cynosuroides steht (nicht in anderen griechischen Texten, in denen es als medizinische und essbare Pflanze beschrieben wird!; ἄγρωστις als Bezeichnung für Halfa-Gras wurde von Keimer durch Ausschlussverfahren bestimmt: die übrigen genannten Unkräuter sind θρύον: "ist gewiß die gewöhnliche ägyptische Binse" und κάλαμος: "vermutlich Saccharum biflorum Forsk."). Über einer der ἄγρωστις-Arten, nämlich ἄγρωστις ἡ ἐπαμήλωτος [für ? ἐπ-αμελητος? not to be cared for?] schreibt Dioskurides, Materia Medica, IV, 29 (ed. Wellmann, 192, laut Archetyp RV), dass es von den Ägyptern ἀνουφί/ἀνουφή genannt wurde, und Keimer möchte in diesem ἀνουφί/ἀνουφή äg. ꜥnb erkennen (S. 153–154). Der Interpretation von Keimer wird seitdem meistens gefolgt. Caminos, LEM, 167: "alfa-grass". Leahy, in: RdE 34, 1982–1983, 85–87, Anm. (e): "halfa-grass" und in dem betreffenden Text "probably an area of halfa-grass used to pasture cattle". Janssen, in: JEA 77, 1991, 86 hat: "ꜥnb is the name for 'halfa-grass', a common material for baskets and mats". Hannig, HWB, 155: "Halfa-Gras (Desmostachya bipinnata (L.) Stapf.". Meeks, ALex 77.0658 hat "le halfa (Stipa tenacissima)", aber das ägyptische Halfa-Gras (Desmostachya bipinnata (L.) Stapf. = Eragrostis cynosurides Beauv.) ist eine andere Pflanze als das Halfa-Gras, das im westlichen Nord-Afrika wächst (Germer, Flora, 218). Germer, Flora, 202 ist vorsichtiger: Sie schreibt, dass Desmostachya bipinnata (L.) Stapf. = Eragrostis cynosurides Beauv. = Ägyptisches Halfagras "vielleicht den Namen ꜥnb trug". Für Osing, Nominalbildung, 186 ist ꜥnbw ein Nomen instrumenti "Flechtmaterial, Halfagras", abgeleitet vom 3-rad. Verb ꜥnb: "verschließen; umschlingen, (um)winden" bzw. "binden, flechten".

Falls ein Feind, Jener (oder: eine Feindin), ein Toter/Wiedergänger, eine Tote/Wiedergängerin, ein Gegner, eine Gegnerin und so weiter, jegliche/irgendeine schlechte und böse Sache kommen wird,
um auf (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, an einer Stunde des Tages hinabzusteigen (oder: über Frau NN herzufallen),
dann werden die 7 Pfeile (wörtl.: wird die Siebenergruppe der Pfeile) überaus erfolgreich sein beim Entfernen des Gegners [x+4.10] von (Frau) NN, geboren von (Frau) NN,
wobei ein jeder von ihnen ihren Schutz bereitet.

Falls ein Feind, Jener (oder: eine Feindin), ein Toter/Wiedergänger, eine Tote/Wiedergängerin, ein Gegner, eine Gegnerin und so weiter zu (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, an einer/der Stunde des Horus kommen wird,
dann werden die 7 Rezitierer (wörtl.: die Siebenergruppe der Rezitierer) für (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, rezitieren,
wobei ein jeder von ihnen ihren Schutz bereitet.

Rest von Kol. x+4.11 und x+4.12–22 sind unpubliziert
Hier stehen weitere Formeln mit jr jwi̯ ḫft.j ... zu Stunden des Seth, Thoth und Sobek, woraufhin weitere Göttergruppen aktiv werden. Am Ende wird wiederum eine Zauberformel über einen Gegenstand ausgesprochen.

Spruchinhalt: Schutzmaßnahmen für das Geburtshaus

[x+5.1] Die Schutzmaßnahmen, die man durchführt für das Geburtshaus.

Rest von Kol. x+5.1 sowie der größte Teil von x+5.2 sind unpubliziert

Spruchinhalt: Weiterer Spruch zum Schutz des Bettes/Schlafgemachs

Ein anderer Spruch zum Schutz des Bettes/Schlafgemachs des Geburtshauses.

Sei gegrüßt, du (faience-)glänzendes Horusauge!
Sei gegrüßt, du frisches/grün-blaues Horusauge, mit zahlreichen Erscheinungsformen/Transformationen,
die ihren (göttlichen) Herrn schützt mit ihrer Flamme, mit/aus ihrem Körper, mit/bei ihrer ersten Erscheinungsform/Transformation von/in Chemmis!

Komm du (fem.) doch!
Mögest du vertreiben jegliche Angst, jeglichen Schrecken und jegliche Furcht vor der Sau, der Wildsau, der (tiergestaltigen) Hexe(?), [x+5.5] der Fresserin des Westens, jeglicher (Unglücks)-Großen, jeglichem hrr-Wesen (?)1, jeglicher schlechten und bösen Sache, die gekommen ist, um (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, zu bedrängen/verletzen in der Nacht, am Tage, zu jedem Zeitpunkt.

1 hrr nb: Guermeur, in: CENiM 14, 181–182, Anm. (l) verweist einerseits auf ein gefährliches Wesen hꜣ~rw in einem Orakeldekret-Amulett (pTurin Inv. 1984) und auf Seth-Bezeichnungen hjw/hꜣ~rw, die möglicherweise dasselbe Wesen wie hrr bezeichnen (obwohl nb eher für eine Gruppe von Wesen als für ein Individuum spricht), andererseits auf das demotisch (ḥlly, hllꜣ.t) und koptisch belegte Wort ϩⲗⲟⲗ für "Dunkelheit, Finsternis". In seiner Übersetzung entscheidet er sich für "ténèbres".

Ihr werdet nicht zulassen,1 dass sie zum Geburtshaus kommen.

1 nn ḏi̯.t=tn: Obwohl in den vorherigen Sätzen ein weibliches Wesen im Singular angerufen wurde, steht hier ein Plural.

Worte zu sprechen über einem Amulett (oder: einem Udjat-Auge) aus Fayence, das auf einer snb-Pflanzen(faser) aufgezogen ist.
(Es) werde um den Hals einer/der Frau des Geburtshauses (oder: im Geburtshaus) gelegt.

Spruchinhalt: Spruch zum Schutz des Liegeplatzes

Spruch zum Durchführen des Schutzes des Liegeplatzes (oder: der Schlafstätte) der Gebärenden.

Kol. x+5.7–14 sind unpubliziert

Teil 3, Körperliche Beschwerden der Mutter kurz nach der Geburt (x+5.15 – x+6.15)

[x+5.15] Anfang der Lehrtexte (oder: des Erfahrungswissens) und der Rezepte, die gemacht werden für eine Frau, die gerade geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt)1.

1 m {ms(i̯.t)}⟨msw.t⟩ wꜣḏ(.t): An allen entsprechenden Stellen im pBrooklyn wird msi̯.t mit der hockenden Frau determiniert (Sign-List B1 in der hieratischen Standardabkürzung; Ausnahme: Kol. x+6.2–3 im Zeilenumbruch: ohne Determinativ), was für eine Übersetzung "die Gebärende" spricht. Im gynäkologischen Papyrus Kahun (Kol. 1.22 = Fall Kah 6) steht bei m ms(y/w).t wꜣḏ.t kein Determinativ und passt die Übersetzung "mit einer frischen Geburt", d.h. "mit einer Geburt, die gerade frisch stattgefunden hat" besser. Auch in pBrooklyn würde diese Lesung besser passen, denn ms(i̯.t) wꜣḏ(.t) bedeutet nicht "eine, die frisch geboren hat", sondern "eine Gebärende, die (noch) grün/jung ist". Auch würde m ms(y/w).t wꜣḏ.t gut als Bezugswort für r=s in šsꜣw n(.j) z.t m ms(w.t) wꜣḏ(.t) ḥr mn ẖ.t=s r=s wr passen: "Lehrtext (über) einer Frau mit einer frischen Geburt, die diesbezüglich/deshalb sehr an ihrem Bauch/Unterleib leidet".

Kol. x+5.15–16 bislang nur in Übersetzung publiziert:

Wenn du eine Frau, die gerade geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt), untersuchst, die leidet an ihrer kns-Unterleibsregion, dann musst du daraufhin für sie zubereiten:
spr.t-Frucht, 1/64 (Oipe = 1 Dja); šꜣšꜣ-Frucht, 1/4 (Dja); Milch, 1/4 (Dja); Honig, 1/8 (Dja); süßes Bier, 1/8+1/64 (Oipe = 9 Dja).
(Es) werde gekocht; (es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken 4 Tage lang.
Und es werde mit neuem Gänsefett in ihr Fleisch (d.h. Vagina/Genitalbereich) eingefüllt.

Kol. x+5.17–22 mit weiteren Rezepten sind bislang unpubliziert

nächster Lehrtext in Kol. x+5.22–6.1

[x+5.22] [Lehrtext/Erfahrungswissen (über)] einer Frau, die [gerade] geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt).

[Wenn du eine Frau, die gerade geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt), untersuchst], die leidet an [ihrem Anus, (an) ihrer kns-Unterleibsregion und (an) dem] Ansatz / der Wurzel [ihrer Schenkel (d.h. der Leistenbeuge),]
[dann musst du daraufhin dazu sagen:]
[Das sind Ausscheidungen ihrer] Gebärmutter.1

1 Ergänzungen Guermeur nach der Textparallele im gynäkologischen Papyrus Kahun x+1.8–12 (Fall Kah 3).

Dann musst [du] daraufhin [für sie] zubereiten:
[... ... ...]
[x+6.1] [... ... ...;] Fett eines männlichen/wilden (?)1 Schweines, Blätter der Nilakazie; Milch einer (Frau), die ein männliches (Kind) geboren hat.
(Es) werde zu einer Masse gemischt, ganz früh am Morgen;2 ⟨(es) werde getrunken (?)⟩ vier Tage lang.

1 ⸮(ꜥ)ḥ(ꜣ)w⟨tj⟩?: Guermeur übersetzt mit "cochon mâle (ou sauvage)", was darauf hinweist, dass er ꜥḥꜣwtj o.ä. liest.
2 ꜣbḫ ... dwꜣw: in pKahun x+1.11–12 steht jri̯ m (j)ḫ.t wꜥ.t, gefolgt von zwr m dwꜣ.t 4: "(es) werde getrunken an vier Morgenden". Weil die eigentliche Anwendung des Rezepts am Patienten in pBrooklyn fehlt, ist wahrscheinlich zwr ausgefallen. Andererseits ist die Lücke in Kol. x+5.23 so lang und sind die Zutaten in Kol. x+6.1 ganz andere als in pKahun, so dass die Zutaten und Anwendungsvorschriften zu einem anderen Rezept (k.t) gehören könnten. Dann könnte auch ein anderes Verb wie wnm: "essen" oder wdḥ: "einlaufen, einfüllen" fehlen.

ein weiteres Rezept in Kol. x+6.1–2 ist bislang unpubliziert

weiterer Lehrtext in Kol. x+6.2–4 bislang nur in Übersetzung publiziert:

Lehrtext/Erfahrungswissen über eine Frau, die gerade geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt), die an ihrer kns-Unterleibsregion dementsprechend/diesbezüglich sehr leidet und die auf ihrem Platz herumrutscht,
(obwohl) ihr keinerlei Verletzung geschehen ist, wobei sie häufig laut schreit (wörtl.: ihre Stimme ist in häufigem Gebrüll).
Dann musst du daraufhin für sie zubereiten:
spr.t-Frucht, 1/64 (Oipe = 1 Dja); šꜣšꜣ-Frucht, 1/64 (Oipe = 1 Dja); Bier, 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja).
(Es) werde gekocht; (es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken 4 Tage lang.

weitere Rezepte in Kol. x+6.4–8 bislang unpubliziert

weiterer Lehrtext in Kol. x+6.8–11:

[x+6.8] Erfahrungswissen über eine Frau, die gerade geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt), die an ihrem Bauch/Unterleib dementsprechend/diesbezüglich sehr leidet.

Wenn du eine Frau ⟨, die gerade geboren hat (wörtl.: mit einer frischen Geburt),⟩ untersuchst, die an ihrem Bauch/Unterleib dementsprechend/diesbezüglich sehr leidet,
wobei sie/er (d.h. die Frau oder der Bauch?) in der Art von (?) zwei gestreckten (?) Bogen (?)1 ist und auf einer (Körper)seite Schmerzen hat (bzw. [er/der Bauch] schmerzt) ab ihrem (d.h. der Frau) Herzen bis zu ihrer kns-Unterleibsregion – (auf) ihrer rechten (Körper)hälfte oder (auf) der linken gleichermaßen –,
der Schlaf kann deswegen nicht zu ihr gelangen,

1 j(w)=s m pḏ.t 2 ḏꜣ.wt/ḏꜣ.tj: Die Schreibung j(w)=s ist entweder archaisierend (Edel, Altäg. Gramm., § 881) oder das bedeutungslos gewordene w wurde ausgelassen (Jansen-Winkeln, SMÄG, § 51 und 365). Es stellt sich die Frage, was das Bezugswort von =s ist: entweder die Frau (s.t), die schon in ẖ.t=s: "ihr Bauch" durch =s ausgedrückt wird, oder der Bauch (ẖ.t). Spätestens bei jb=s ist (wieder) die Frau gemeint. Guermeur übersetzt "qui a les deux aires tendues", Sauneron paraphrasiert diesen Textbereich nur ("who is sensitive in such and such a place of the abdomen"), beide betrachten also die "Frau/sie" als Subjekt. Das Wort pḏ.t ist geschrieben wie pḏ.t: "der Bogen (als Waffe)". Guermeurs Übersetzung "aire" erinnert an Ortsbezeichnungen wie pḏ.t: "Gewölbe, Himmel" (Wb 1, 569.2), pḏ: "Raum, Weite" (Wb 1, 569.3) oder pḏ.wj: "Seitenwände" (Wb 1, 569.4–5). Die Übersetzungen von Guermeur und Sauneron erwecken jedenfalls den Eindruck, dass sie pḏ.t als eine Körperregion verstehen. Man könnte an einen doppelt vorhandenen bogenförmigen Bereich des Körpers denken wie die "Flanken" oder "Taille" (Metapher von pḏ.t "Bogen (als Waffe)") oder an die "Bogen", die entlang der Handflächen/Unterarme entstehen, wenn die Bauchdecke mit beiden Händen von den Seiten her zur Mitte zu zusammengeschoben wird, um den nach der Entbindung noch vergrößerten Uterus zu ertasten (beides Vorschläge von Frau Prof. Dr. med. Dr. phil. Ortrun Riha, Leipzig; E-Mail vom 01.03.2017). Allerdings könnte sich die Frau nicht "in" (m) diesen Körperbereichen befinden, das wäre nur mit "Bauch" (für Gebärmutter?) als Satzsubjekt möglich. Auch wenn man für m die Bedeutung "sein als; in der Form/Art von; im Zustand von" ansetzt, würde der "Bauch" als Subjekt mehr Sinn ergeben. Das letzte Wort besteht aus den phonetischen Elementen ḏꜣ, dem Kreuz als Determinativ und der Endung wt oder tw/tj. Die Schreibung passt für die Verben ḏꜣi̯: "übersetzen, durchziehen" und "ausstrecken, entgegenstrecken". Sollte man den Bogenbereich des Körpers als "gestreckt", eventuell "angespannt" oder "überdehnt" verstehen?

dann musst du daraufhin [x+6.10] dazu sagen:
"Das ist eine blitzartige/niedersausende/ruckartige (?) sšd-Bewegung1 ihres Uterus.
So wie er (der Uterus?) sich umgedreht hat (oder: herumgegangen ist), so leidet sie (die Frau?) Schmerzen an ihrem Bauch/Unterleib. (oder: Kaum hat er (der Uterus?) sich umgedreht (oder: ist herumgegangen), da leidet sie (die Frau?) Schmerzen an ihrem Bauch/Unterleib.)
(Das ist) eine Krankheit, die ich behandeln werde."

1 sšd: Wird von Sauneron mit "dislocation" übersetzt; ebenso Guermeur "déplacement". Das sonst nicht belegte Substantiv ist mit den "gehenden Beinchen" determiniert und deshalb von einem Bewegungsverb abgeleitet. Es gibt ein Verb sšd, das mit einem Krokodil, einem Stern oder die Strahlensonne determiniert ist und etwas wie "niedersausen", "blitzen" oder "blitzschnell sein" bedeutet. Das Substantiv könnte dann eine blitzartige, ruckartige o.ä. Bewegung implizieren. Die Fälle Eb 789 und 795, in denen veranlasst wird, dass der Uterus zu seiner Stelle hinabsteigt (rdi̯ hꜣi̯ jd.t r s.t=s), setzen voraus, dass der Uterus sich nach oben verschieben/verlagern kann. Im gynäkologischen Papyrus Kahun wandert (ḫpi̯) der Uterus (oder die Frau?) (Fall Kah 2). Es gibt in Diagnosen auch Zerrungen (nrjw: Kah 8) und Lockerungen/Lösungen/Verschiebungen ([wnḫ]w: Kah 9) des Uterus, wie sie für Knochen und Wirbel belegt sind. In einem graeco-ägyptischen magischen Papyrus (PGM VII, 260–271) wird das Aufsteigen (ἀνάδρομος) des Uterus beschrieben, der an seinen Platz zurückkehren soll (ἀποκατασταθῆναι ἐν τῇ ἕδρᾳ), aber es ist unsicher, ob hier ägyptisches oder griechisches Gedankengut zugrunde liegt: der griechische Text wird in jüdischen und christlichen magischen Kontexten rezipiert (H.D. Betz, Jewish Magic in the Greek Magical Papyri [PGM VII.260–71], in: P. Schäfer & H.G. Kippenberg [Hgg.], Envisioning Magic [Studies in the History of Religions 75], Leiden & New York & Köln 1997, 45–63). (Für die "wandernde" Gebärmutter in der griechischen Medizin, siehe Leven, Antike Medizin, 325–326 s.v. Gebärmutter; für die "floating/wandering womb" im Ägyptischen siehe H. Merskey & P. Potter, The Womb Lay Still in Ancient Egypt, in: British Journal of Psychiatry 154/6, 1989, 751–753 [DOI: 10.1192/bjp.154.6.751]; A. Bednarski, Hysteria Revisited: Women's Public Health in Ancient Egypt, in: A. McDonald & Chr. Riggs (Hgg.), Current Research in Egyptology 2000, BARS 909, Oxford 2000, 11–17; R.R. Suvorov, The Kahun Papyrus in Context: The 'Floating Uterus', in: R.J. Dann (Hg.), Current Research in Egyptology 2004, Oxbow 2006, 138–146). Vielleicht haben die Alten Ägypter Krämpfe (Darmkoliken oder auch Nieren- oder Gallenkoliken) kurz nach der Geburt als Bewegungen des Uterus aufgefasst (Vorschlag von Frau Prof. Dr. med. Dr. phil. Ortrun Riha, Leipzig; E-Mail vom 01.03.2017).

Dann musst du daraufhin für sie zubereiten:
trockenes bẖs-Gebäck.
(Es) werde fein zermahlen/zerrieben; (es) werde zubereitet durch Erhitzung mit neuem Gänsefett; (es) werde gegessen.

Ein anderes (Rezept):
mꜣꜥ-Pflanzen/Holz;
(Es) werde fein gemahlen mit Honig; (es) werde gegessen 4 Tage lang.

weitere Rezepte und ein weiterer Lehrtext in Kol. x+6.11–15 bislang unpubliziert

[x+6.15] Ich habe (es) gesehen; (es) ist unter meiner Aufsicht passiert.

Rest der Zeile unpubliziert

Teil 4, Schutz des Kindes bei Angstausbrüchen und Heulkrämpfen (x+6.16 – x+8.3)

Spruchinhalt: Schutz vor Angstausbrüchen bei einem Mädchen

 

[x+6.16] Buch der Vertreibung von Furcht und Angst aus einem weiblichen Kind (oder: kleinen Mädchen).

Ich bin (die Nilpferdgöttin) Reret, die mit ihrer Stimme bezwingt – ihrer Stimme mit bösem Gebrüll –,
die den rettet, der aus ihrem Körper hervorgegangen/herausgekommen ist;
die ergreift/wegnimmt das Herz eines Toten/Wiedergängers, einer Toten/Wiedergängerin, die Einwirkung eines Gottes, die [Einwirkung einer Gött]in, den Schatten eines Gottes, denen, die in [ihrem (?)] Ba (?) sind, alle [...];
die mit großem Terror und tobendem Aktionsmoment/Höhepunkt, die wütet [gegen] ihre Feinde;
die Glut, das Feuer, [das] aus ihrem Mund/Maul [kommt], um sich mit dem [...] Mund/Maul (drohend) zu nähern.

Es fürchten sich vor ihr der Tote/Wiedergänger, die Tote/Wiedergängerin, der Gegner, die Gegnerin, [jeder?] männliche Ach, [jede?] weibliche Ach, die Flamme, jede nsy.t-Krankheit, jede Angst, jeder Gott, jede Göttin, [jede?] schädliche Sache, die in jedem/irgendeinem Körperteil von [(Frau) NN], geboren von (Frau) NN, ist.

Kol. x+6.20–21 bislang nur in Übersetzung publiziert:

Ich bin die Große mit ihrer Macht, [die kämpft (?)] wegen/für ihre Sachen, die vertreibt [den Räuber(?)] von ⟨ihrem⟩ Sohn Horus, die vertreibt [..., die H]exe, [die Wildsau], die Fresserin [des Westens], die gekommen sind zu (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, [... ... ...

Kol. x+6.22–23 bislang unpubliziert

Kol. x+7.1–4 bislang nur in Übersetzung publiziert:

[... (ihr) Götter von] Babylon!
Kommt und bereitet den Schutz des erhitzten männlichen (Kindes) an diesen 4 Stunden!
Möget ihr das Herz von (Frau) NN, geboren von (Frau) NN, wiederbeleben.
Möget ihr ihn/es (d.h. das Kind) retten vor jeder Furcht, jeder Angst, (vor) einem Toten/Wiedergänger, einer Toten/Wiedergängerin, (vor) der Wildsau, der Hexe, der Fresserin des Westens.
Worte zu sprechen über diese Götter, die auf dem Schriftstück stehen.
(Es) werde geschrieben auf einer (kleinen) Papyrusrolle; (es) werde gegeben an den Hals des Knabens, der Furcht und Angst hat.

Kol. x+7.5–11, Schutz vor Angstausbrüchen bei einem Jungen (bislang unpubliziert)

Spruchinhalt: Kol. x+7.11–17, weiterer Schutz vor Angstausbrüchen

[x+7.11] Ein anderes Buch der Vertreibung von Furcht und Angst.
Hinaufgeschnellt ist ein Schrei von/wegen ṯjꜣtj.t-Leiden1 (Zahnschmerzen/Kaumuskelkrampf??) und (von/wegen) jd.t-Unheil2 zu jedem Gott und jeder Göttin. (oder: Hinaufgeschnellt ist ein Schrei von/wegen ṯjꜣtj.t-Leiden (Zahnschmerzen/Kaumuskelkrampf??), (d.h.) das/dem jd.t-Unheil eines jeden Gottes und einer jeden Göttin.)

1 ṯjꜣtj.t: Bislang nicht belegtes Wort, das mit dem Feinddeterminativ versehen ist. Guermeur lässt es zuerst (2013) unübersetzt, aber verweist (S. 22, Anm. 24) auf tjꜣ: "Freudenlärm (?)" oder eine Art von Gesang mit geschlossenem Mund und auf "Trismus". In einer späteren Übersetzung (2015–2016) hat er "douleur dentaire", d.h. er denkt an tjꜣ, das mit dem Zahn oder mit dem Mann mit Hand am Mund determiniert ist und ein Leiden bezeichnet, dass im Zahn- oder Kieferbereich lokalisiert wird und deshalb teils als "Zahnschmerzen" (Subst.) bzw. "Zahnschmerzen haben" (Verb), teils als "Kaumuskelkrampf, Trismus" übersetzt wird. Ein tjꜣ-Leiden im Zahnbereich kann auch von der Gebärmutter verursacht werden laut medizinischem Papyrus Kahun (Fälle Kah 5, 23+24 und 33). Westendorf, Handbuch Medizin, 430, Anm. 750 vermutet eine durch Schmerzen ausgelöste Verkrampfung. Es ist unklar, ob ṯjꜣtj.t mit tjꜣ zusammenhängt. Der Spruch soll einen kleinen Jungen schützen, so dass er vermutlich den Schrei von/wegen ṯjꜣtj.t ausgestoßen hat.
2 ḥm.t oder jd.t: Ein negativer, unheilverheißender Begriff, der noch nicht genauer gedeutet werden kann. Der Begriff wird in Dendara X, 359.7 (= DZA 26.749.650) parallel zu ꜥbw: "Unreines; Sündhaftes" verwendet und geht von einer Gottheit aus oder wird von ihr übertragen. Osiris möge davor bewahrt (nḥm) werden. In einem Handbuch eines Sachmetpriesters übersetzt Rosati, in: Osing/Rosati, Papiri geroglifici e ieratici da Tebtynis, 197 mit "i sintomi (negativi)". jd.t können sich im Leib/Bauch (ẖ.t) befinden (pFlorenz PSI inv. I 73 + pCarlsberg 463, Fragm. E.3), sie gehören zu den Seuchen des Jahres (jꜣd.t rnp.t: pFlorenz PSI inv. I 73 + pCarlsberg 463, Fragm. A.1.1) und können mit einer ḫꜣy.t-Krankheit oder einem ḫꜣy.t-Leiden zusammenhängen (pFlorenz PSI inv. I 73 + pCarlsberg 463, Fragm. A.1.3). Auf dem Amulettpapyrus pLouvre 3233b (Goyon, in: BIFAO 77, 1977, 49–50 und Tf. XV mit Korrektur Quack, in: Fs Kitchen, 416) wird jd.t von Gottheiten erschaffen (qmꜣ) und parallel mit šꜥd: "Gemetzel" und nšnj: "Aufruhr" verwendet. Der vom Amulett Geschützte möchte dem entkommen (pri̯ m jd.t). Quack übersetzt mit "Seuche".

Seit gegrüßt, ihr Siebenergruppe von Sternen des Himmels, die sich im (Sternbild des) Großen Bären befinden und die an ihrem täglichen Platz stehen (oder: kulminieren?), wobei ihre Gesichter zum Großen-Grünen-Meer (Mittelmeer im Norden?) gerichtet sind!

Kein Gott und keine Göttin haben ihren Namen kennengelernt und (ebenso wenig den Namen) des Kindes, das im Innern der Lotosblüte ist.

Kommt! Möget ihr (Herrn) NN, geboren von (Frau) NN, vor jeglicher [x+7.15] bösen Sache retten!

Aber falls ihr nicht auf meine Worte hört, dann werde ich euren Namen in Anwesenheit der Anderen/Feinde nennen.

Ich werde euch in den Westen verschleppen, so wie die (übrigen) Sterne des Himmels, und Osiris wird an euch eine Bestrafung vollstrecken.1

1 mtw NN jri̯ sbjw: Konstruktion mit Konjunktiv. Das Substantiv sbjw, hier ausnahmsweise mit dem Messer determiniert, kann entweder sbj.t "Feindseligkeit" oder sbjw: "Feindseliges" sein, beides kommt in Kombination mit jri̯ vor. Allerdings spricht die Präposition n (statt r bei sbj) eher für eine ungewöhnliche Schreibung von sbꜣ.yt: "Strafe" (das Messer ist ebenfalls ein unerwartetes Determinativ bei sbꜣ.yt) in der Konstruktion jri̯ sbꜣ.yt n: "eine Strafe vollziehen an" (Wb 4, 86.9–11; so auch Guermeur, in: Egypte Afrique & Orient, 71, 2013, 20 "un châtiment"; anders Guermeur, in: BSFE 193–194, 2015–2016, 25: "mutilations"). Osiris wird im Westen eher eine Strafe verhängen/vollstrecken als etwas Feindseliges tun.

Worte zu sprechen/rezitieren über diese Götter(bildnisse), die auf dem Schriftstück sind.
(Es) werde zu einer Schriftrolle gemacht (d.h. einem kleinen Papyrusamulett); (es) werde um den Hals des männlichen Kindes gelegt.

Kol. x+7.17–x+8.3, Spruch zum Vertreiben von Schreikrämpfen(?) (bislang nur in Übersetzung publiziert):

Spruch zum Vertreiben von Schreikrämpfen (?) von Tränen.
Zurück, (du) Feind, Jener (oder: Feindin), Toter/Wiedergänger, Tote/Wiedergängerin, Gegner, Gegnerin und so weiter!
(Du) Schreikrampf (?) von Tränen, der in jedem Glied von (Herrn) NN, geboren von (Frau) NN, ist,
(... ... ...)
[... ... ...] deinen Schutz.
Mögest du kein Gebrüll mit deiner Stimme ausstoßen, (mein) Sohn Horus!
Du bist ermattet/angeschlagen.
Ich bin erledigt, mein Herz ist betrübt wegen (meines) Sohnes Horus.
Als Isis [ihre] Stimme [zum] Himmel ausstieß, hörte der, der im Horizont ist, was sie sagte:
"Mein Herz ist kraftlos, meine Gliedmaßen sind gebeugt.
Ich habe Kummer wegen (meines) Sohnes Horus.
Er ist ein Kind (und) sein Vater ist verstorben; ich bin eine arme/alleinstehende Frau (und) mein großer Bruder ist in seinem Sarg."

Teil 5, Schutz vor Albträumen (ab x+8.4)

[x+8.4] Die Sprüche zur Abwehr einer Vergewaltigung (oder: eines sexuellen Übergriffs) durch einen Toten/Wiedergänger, eine Tote/Wiedergängerin in einem (Alb-)Traum.

Rest des Papyrus unpubliziert