Heilstatue des Wesirs Psammetichseneb

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
Trismegistos TM 109217 Turin Suppl. 9 + Florenz 8708;
Aufbewahrungsort
Europa » Italien » (Städte Q-Z) » Turin » Museo Egizio
Erwerbsgeschichte

Der erhaltene Teil der Statue ist in zwei Stücke zerbrochen, von denen das obere sich heute im Ägyptischen Museum in Turin, das untere sich im Museo Archeologico in Florenz befindet. Es ist davon auszugehen, dass die Statue bereits bei der Auffindung zerbrochen war, da lediglich die obere Hälfte in den Publikationen von Athanasius Kircher (1654, 1666) abgebildet ist bzw. im Museo Kircheriano in Rom ausgestellt war (ab 1651?). Das Turiner Fragment wurde aus dem zwischen 1874 und 1913 aufgelösten Museo Kircheriano erworben (im Jahr 1896 laut Homepage Turin; Leospo 1989, 69; Roccati 1989, 203; Lollio Barbieri 1995, 115-117). Wie das Fragment in Florenz ins dortige Museum gelangt ist, ist nicht publiziert. Es stammt aus den Sammlungen der Medici (Lollio Barbieri 1995, 183). Kircher 1654, 506 spricht von zwei Statuen in seinem Museum (vgl. Leospo 1989, 69 und 878, Anm. 19, die darin vielleicht auch das Fragment von Florenz vermutet). Nachdem H. de Meulenaere die Vermutung geäußert hatte, dass beide Teile zusammengehören könnten (mündliche Mitteilung an Kákosy; Roccati 1989, 203), wurde dies im Jahr 1984 durch einen Gipsabguss, der von Florenz nach Turin gesandt worden war, bestätigt (Kákosy 1999, 37).

Herkunft
Vorderasien und Europa » Rom, Nildelta » südliches Delta » östlicher Teil » Heliopolis

Das Turiner Fragment wurde im 17. Jh. (vor 1654) in Rom gefunden (Kircher 1654, 506; Roullet 1972, 121). Kircher 1654, 506 gibt als Fundort an: „in antiquissimis romanae urbis ruderibus“, d.h. „in sehr alten Schutthaufen/Ruinen der römischen Stadt“. Es wird angenommen, dass die Statue ursprünglich irgendwo in Ägypten aufgestellt war (Roullet 1972, 155), bevor sie in der Römerzeit nach Rom transportiert wurde. Dass sie dort vielleicht im Iseum Campense aufgestellt war (Lollio Barberi 1995, 183, mit Fragezeichen!), lässt sich nicht nachweisen. Über die Herkunft des Fragments in Florenz ist nichts publiziert, aber Pellegrini 1898, 170 erwähnt, dass er es gänzlich mit Kalk verkrustet vorgefunden hat, was zu den Ruinen Roms für das Turiner Fragment passt. Vom Statuenstifter, dem Wesir Psammetichseneb, sind vier weitere Statuen bekannt (Statue Louvre E 17379; Statue Kairo CG 682 = JE 29877; 2 Statuen im Pariser Kunsthandel). Die Inschriften dieser Statuen zeugen von Beziehungen nach Memphis, Heliopolis, Alt-Kairo (H̱r-ꜥḥꜣ) (Yoyotte 1954, 92-94, 99; el-Sayed 1982, 187, 188), Bubastis und vielleicht Letopolis (Perdu 2006, 45-46, 48-49), so dass auch die Heilstatue ursprünglich aus dem südlichen Unterägypten (aus der weiteren Umgebung von Heliopolis) gekommen sein dürfte. Perdu 2006, 44 verweist auf das oberste Abbildungsregister auf der linken und rechten Seite der Statue, wo Psammetichseneb in Verehrung vor jeweils vier Gottheiten kniet, die im Pantheon von Heliopolis passen, jedoch nicht typisch für das Repertorium der Heilstatuen sind. Deshalb nimmt er an, dass diese Statue aus dem Tempel von Heliopolis stammt.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Spätzeit » 30. Dynastie

Objekttypologisch werden Heilstatuen meistens in die 30. Dynastie bis in die (frühe) Ptolemäerzeit datiert (Chen 2020, 38-40), weshalb die Heilstatue des Psammetichseneb auch in diese Zeit eingeordnet wird (z.B. Sternberg el-Hotabi 1999, II, 102: „Frühe Hochphase“ oder ca. 380-280 v. Chr.). Weder die fünf Statuen von Psammetichseneb, noch Denkmäler seiner Familie tragen den Namen eines Königs. Yoyotte 1954, 113 platziert die Familie in die Zeit 350-250 v. Chr., wobei die beiden Wesire der Familie „dans les derniers temps de la monarchie nationale“ gehören (Yoyotte 1954, 112). Laut Perdu 2006, 47 haben die Statuen des Psammetichseneb stilistische und orthographische Merkmale, die gemeinsam für die 30. Dynastie sprechen. Er nennt die Heilstatue des Merhoritef (Florenz 1788), die ebenfalls stilistisch in die 30. Dynastie datiert wird, als engste Parallele für die Heilstatue des Psammetichseneb. Eine genauere Datierung ist nicht möglich (Perdu 2006, 47; Forgeau 2018, 220-222), obwohl dies manchmal versucht wird. R. el-Sayed datiert die Kairo-Statue CG 682 des Psammetichseneb ans Ende der 29. oder an den Anfang der 30. Dyn. (el Sayed 1982, 204). Eine Datierung unter Nektanebos II. (359-341 v. Chr.) (so Roccati 1989, 203; Bolla 1997, 388) oder ans Ende des 4. Jhs. v. Chr. (Leospo 1989, 64) basiert vielleicht auf dem Motiv der Verehrung des pantheistischen Sonnengottes, über dem sich zwei magische (?) Kartuschen befinden. Es befindet sich an derselben Stelle auf der Heilstatue des Anchhapi (Kairo JE 41677) aus der Regierung Nektanebos II. (Daressy, 1911, 188). Es ist unsicher, ob Heilstatuen wie die von Psammetichseneb schon vor der Regierung Nektanebos II. belegt sind (Kákosy 1987, 179; Chen 2020, 38-40). Wegen der regelhaften Nennung des Wesir-Amtes als höchster Titel des Psammetichseneb kann die Statue nicht mehr aus der 31. Dynastie (341-332: so jedoch Homepage Turin: 343-332 BCE) oder der (frühen) Ptolemäerzeit (Gutekunst 1995, 284, 369) stammen. Textgeschichtlich gehört Spruch B zur „P-L-Version“, die laut Gutekunst 1995, 282 und 284 bislang nur in seiner textgeschichtlichen „Hochphase“ belegt ist, d.h. „Spätdyn. – Frühptol. (ca. 400-250/200?)“ (Gutekunst 1995, 34).

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en)
Inhalt

Die Beschriftung besteht aus magischen Sprüchen sowie aus Beischriften bei den Darstellungen.

- auf der Brust: Ertüchtigung des Herzens

- rechte Seite Horusstele und Beine: Spruch B

- linke Seite Horusstele und Beine: Spruch A

- rechter Arm: Die Hand des Atum; Transformation des Re in ein Ichneumon

- linker Arm: Der Arm des Heh, die Finger des Re, der Fingernagel des Atum

- Vorderseite der Horusstele: Gebete an Horus auf seinem Papyrusstängel und an Nefertem. Sie mögen den Schutz des auf dem Wasser und dem Land Reisenden sowie des Gebissenen/Gestochenen bereiten. Entsprechend mögen sie (das Maul) die Kriechtiere, die mit dem Maul beißen oder mit dem Schwanz stechen, verschließen und Krokodile sowie Löwen abwehren.

 

Ertüchtigung des Herzens: Reaktive/kurative Magie, Thoth, Herz, Biss/Stich (Gift)

Spruch oder Begrüßung/Gebet, an Thoth gerichtet. Er möge das Herz eines Gebissenen/Gestochenen funktionsfähig und wohlbehalten sein lassen. Am Ende steht eine Handlungsanweisung: der Spruch sei über eine Abbildung des Thoth in schwarzer Tinte, die über dem Herzen des Patienten gemalt ist, auszusprechen.

 

Horusstelentext B: Reaktive/kurative Magie, Beschwörung, Schutz auf dem Wasser, Osiris, Reisende, Wassertiere, Nehaher.

Der sogenannte „Spruch B“ der Horusstelen und Heilstatuen hat zum Ziel, einen Reisenden auf dem Wasser zu schützen, insbesondere vor Krokodilen. Er fängt mit einer Anrufung an den Sonnengott/Schöpfergott an, dass dieser Thoth schicken möge, um das Krokodil Nehaher vom Rezitierenden zu vertreiben. Er sagt, dass Osiris mit dem schützenden Horusauge auf dem Wasser ist und dass ein Angriff auf einen Reisenden gleichkommt mit einem Angriff auf das Horusauge. Anschließend spricht der Zauberer/Beschwörer die gefährlichen Wassertiere und insbesondere das Krokodil Nehaher direkt und in imperativischer Form an. Sie sollen Osiris nicht angreifen, oder ihnen wird das Gesicht umgedreht werden bzw. ihnen droht die Vernichtung. Er sagt, dass eine Vierergruppe von Göttern Osiris und den mit einer Biss-/Stichverletzung beschützt. An dieser Stelle hört diese Kurzversion von Spruch B aus Platzmangel auf.

 

Horusstelentext A: Reaktive/kurative Magie, Horus-Sched, Thoth; dwꜣ-Verehrung

Ein von Thoth ausgesprochener Spruch zur „Verehrung“ des Horus, um ihn zu „verklären“. Die Ich-Person (Thoth als Magier) begrüßt den jugendlichen Horus und bittet ihn, dass er mit seiner Magie und seinen Zaubersprüchen kommen möge, um die gefährlichen Tiere in der Wüste, im Wasser und in den Höhlen abzuwehren und um das Gift im Patienten zu beschwören. Wenn das Gift gegen Horus (als Patienten) vorgeht, dann soll er gegen das Gift vorgehen. Der Spruch ist aus Platzmangel verkürzt und hört mit dem Satz auf, dass Horus’ Name im Rezitierenden ist, d.h. dass er sich mit Horus identifiziert.

 

Hand des Atum, Re als Ichneumon: Magie, Hand des Atum, Re, Ichneumon, Apophis, Horus, Skorpionbeschwörer, Arzt

Die rechte Hand des Heilers wird mit der personifizierten Hand des Atum gleichgesetzt. Die Hand wird als eine siegreiche Kämpferin für Re beschrieben, nachdem Re selbst sich in einen Ichneumon verwandelt hat, um die Apophisschlange zu besiegen. Die Hand oder ihre Personifikation als Uräus-Iusaas besiegt das Gift von Schlangen und Skorpionen. Anschließend identifiziert sich der Rezitierende/Heiler mit Horus, dem Skorpionbeschwörer, der aus Horbeit gekommen ist. Horus steht dem Sonnengott Re bei, er versorgt und reinigt dessen Körper und beseitigt das Unheil von Apophis. Hier hört der Spruch aus Platzmangel auf.

 

Unterarm des Heh, Finger des Re, Fingernagel des Atum: Konvolut von kurzen, unklaren Sprüchen, die mit dem linken Arm des Heilers, seinem Finger oder seinem Fingernagel zusammenhängen. Sie werden mit den entsprechenden Gliedern des Sonnengottes gleichgesetzt. Der Uräus des Re oder des Osiris spielt eine Rolle. Ziel ist die Beschwörung von Gift im Patienten.

 

Gebete an Horus auf seinem Papyrusstängel und an Nefertem: Prophylaktische Magie; Horus auf seinem Papyrusstängel; Nefertem; Schlange, Krokodil, Löwe

Horus auf seinem Papyrusstängel und Nefertem mögen den Schutz des auf dem Wasser und dem Land Reisenden sowie des Gebissenen/Gestochenen bereiten. Entsprechend mögen sie (das Maul) die Kriechtiere, die mit dem Maul beißen oder mit dem Schwanz stechen, verschließen und Krokodile sowie Löwen abwehren.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Sicherlich war die Statue ursprünglich in einem Tempelbezirk aufgestellt. Laut Perdu 2006, 41 waren die fünf Statuen, die es von Psammetichseneb gibt, gedacht, um die Erinnerung an den Wesir in verschiedenen Tempeln von Unterägypten lebendig zu halten.

Material
Nicht Organisch » Stein » Granit
Objekttyp
Artefakt » Skulptur » Statue / Figur
Technische Daten

Material: Schwarzer/Grauer Granit (Kákosy 1999, 39: „dark granite“); Granodiorit (Homepage Turin). Weitere Bezeichnungen: schwarzer Basalt (für Turin Suppl. 9: Sternberg el-Hotabi 1999, Bd. II, 110); grüner Steatit (für Florenz 8708: Sternberg el-Hotabi 1999, Bd. II, 102).

Höhe 36+x cm, Breite 12 cm, Dicke/Tiefe 16+x cm (Kákosy 1999, 39). Das Gewicht des Fragments in Turin wird auf 8 bis 10 kg geschätzt (Chen 2020, 36, Anm. 56). Heilstatue eines stehenden Mannes, der eine Horusstele vor dem Unterkörper hält. Kopf, linke Schulter und Füße fehlen. Die ursprüngliche Höhe könnte ca. 47 cm betragen haben (ohne den Sockel; bei einem geschätzten Verlust von 5 bis 5,5 Quadraten für Kopf und Füße in einem Grid von 22,5 Quadraten). Der Körper ist oberhalb der Horusstele schräg nach hinten in zwei Teile zerbrochen. Der Oberkörper in Turin besitzt eine Höhe von 16,6 cm und eine Breite von 13,5 cm. Der Unterkörper in Florenz hat eine Höhe von 23 cm und eine Breite von 12 cm. Die zusammengesetzten Fragmente ergeben eine Höhe von 36 cm, eine Breite von 12 cm und eine Tiefe/Dicke von 16 cm (Kákosy 1999, 39). Der Mann ist wie ein Wesir gekleidet: er trägt ein brusthohes Gewand und hat eine Maatstatuette als Amulett um den Hals vor der Brust gehängt. Die hohe und schmale Horusstele zeigt das nackte Kind frontal dargestellt, mit Jugendlocke an der Schläfe sowie Besmaske über dem Kopf. Er hält eine Schlange, einen Skorpion und eine Antilope sowie den Papyrusstängel mit dem Falken auf der Dolde in der rechten Hand, eine weitere Schlange, einen Skorpion, einen Löwen sowie die Nefertemstandarte in der linken. Die Krokodile unter seinen Füßen sind weggebrochen.

Schrift
Hieroglyphen
Bearbeitungsgeschichte

Die Zeichnungen von Kircher 1654 und 1666 des Turiner Fragments erlauben es nicht, die Inschriften zu lesen. Dank der Edition von Pellegrini 1898 wurden die Texte des Fragments in Florenz ab dem Jahr 1898 zugänglich (von Altenmüller 1965 genutzt). Breasted hat im Zeitraum 1900/01 eine neue Abschrift dieser Texte in Florenz für das Berliner Wörterbuch angefertigt oder sie zumindest kollationiert (Erman und Grapow 1953, 39-40). Nachdem De Meulenaere die Zusammengehörigkeit der Fragmente Florenz und Turin erkannt hatte, wurden Fotos der vereinigten Stücke veröffentlicht (Kákosy 1987, 173; Leospo 1989, 65; Roccati 1989, 203), aber die Texte des Fragments in Turin sind erst von Kákosy 1999 ediert worden. Gutekunst 1995 berücksichtigt das Stück in Florenz für seine textkritische Studien von Spruch B; ihm ist bekannt, dass das Turiner Fragment dazugehört. Sternberg-El Hotabi 1999 listet die Heilstatue in ihrer Aufstellung der Heilstatuen auf, thematisiert sie jedoch nicht weiter. Chen 2020 hat die Heilstatue in seiner Untersuchung des Bild- und Textprogramms der Heilstatuen aufgenommen. Die Statue ist in den Studien zu den ägyptischen Objekten, die im antiken Rom aufgestellt waren, verzeichnet (Roullet 1972; Lollio Barberi 1995).

Editionen

- L. Kákosy, Healing Statue of Psammetik-Seneb, in: L. Kákosy (Hg.), Egyptian Healing Statues in three Museums in Italy (Turin, Florence, Naples) (Catalogo del Museo Egizio di Torino. Serie prima - Monumenti e testi, Vol. IX), Turin 1999, 37-67, pl. I-XV [P,H,Ü,K].

Literatur zu den Metadaten

- H. Altenmüller, Der „Socle Béhague“ und ein Statuentorso in Wien, in: OMRO 46 (Leiden 1965), 15-20, 23-27, 31 [H,Ü von Sprüchen A und B in Textsynopse, Version F2].

- M. Bolla, „Statua magica“ und „Frammento di statua magica“, in: E. A. Arslan (Hg.), Iside. Il mito, il mistero, la magia, Mailand 1997, 388 (Nr. V.3 und V.4) [P,K].

- J.H. Breasted, in: Digitalisiertes Zettelarchiv DZA 50.009.830 bis DZA 50.009.880 (Wb. Nr. 30, Zetteln 211-227) [H].

- M. Chen, Healing Statues in the Late Period Egypt. Creating Elite Commemoration in a Religious Context, Los Angeles 2020, 255 und 269 (Nr. 12); 263 und 278 (Nr. 36) (https://escholarship.org/uc/item/1kx4j7bw) [K].

- A. Erman und H. Grapow, Das Wörterbuch der ägyptischen Sprache. Zur Geschichte eines großen wissenschaftlichen Unternehmens der Akademie (Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Vorträge und Schriften, 51), Berlin 1953 [K zu den Wb-Zetteln von Breasted].

- A. Forgeau, Nectanébo. La dernière dynastie égyptienne, Paris 2018 [K].

- W. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch (Text B) auf Horusstelen und Heilstatuen, Diss. Georg-August-Universität Göttingen (Trier 1995), 75, 81, 84, 89, 284, 290, 368-369, 375 [K].

- L. Kákosy, Some Problems of the Magical Healing Statues, in: A. Roccati et al. (Hg.), La Magia in Egitto ai tempi dei faraoni (Verona 1987), 172-174, 176 [P,K].

- A. Kircher, Athanasii Kircherii Oedipus aegyptiacus. Hoc est universalis hieroglyphicae veterum doctrinae temporum iniuria abolitae instauratio. Tomus III: Theatrum Hieroglyphicum, Roma 1654, 506-509 [Zeichnungen von Vorder- und Rückseite Fragm. Turin].

- A. Kircher, Ad Alexandrum VII. Pont. Max. Obelisci Aegyptiaci nuper inter Isaei Romani rudera Effossi Interpretation Hieroglyphica, Romae 1666, 117-121 [Zeichnungen von Vorder- und Rückseite Fragm. Turin, mit rekonstruiertem Kopf].

- E. Leospo, Anthanasius Kircher und das Museo Kircheriano, in: G. Sievernich und H. Budde (eds), Europa und der Orient, 800-1900, Berlin, Gütersloh, München 1989, 58-71 (hier: 65 (Abb. 71), 69, 395 (Nr. 1/27), 878 (Anm. 19)) [P,K].

- O. Lollio Barbieri, in: O. Lollio Barbieri, G. Parola und M.P. Toti (ed.), Le Antichità Egiziane di Roma Imperiale, Roma 1995, 115, 183-185 (Nr. 37) [P,K].

- A. Pellegrini, Sopra un frammento di statuetta egizia, in: Atti della Reale Accademia dei Lincei. Anno CCXCIV, 1897. Classe di Scienze Morali, Storiche e Filologiche, Ser. 5, Vol. 5, Fasc. 2, Roma 1898, 169-191 und Taf. I-III [H,Ü,K, Abb. des Teils in Florenz].

- O. Perdu, Psammétique-séneb, un vizir d’Héliopolis avant la conquête d’Alexandre, in: Le Delta égyptien et la XXXe dynastie: Egypte, Afrique & Orient 42, 2006, 41-52 [K].

- A. Roccati, Steloforo di granito, in: A.M. Donadoni Roveri (ed.), Dal Museo al Museo. Passato e Futuro del Museo Egizio di Torino, Torino 1989, 203 (Nr. 7) [P,K].

- A. Roullet, The Egyptian and Egyptianizing Monuments of Imperial Rome (EPRO 20), Leiden 1972, 121 (Nr. 226) und Taf. CLXXI (Fig. 244-245) [P,K].

- R. el-Sayed, Un document relatif au culte dans Kher-Aha (statue Caire CG 682), in: BIFAO 82, 1982, 187-204 (hier: 202) [K].

- Heike Sternberg-El Hotabi, Untersuchungen zur Überlieferungsgeschichte der Horusstelen (Ägyptologische Abhandlungen 62), Wiesbaden 1999. Teil II: Materialsammlung, 102 (Florenz) und 110-111 (Turin) [K].

- J. Yoyotte, Prêtres et sanctuaires du nome héliopolite à la Basse Époque, in: BIFAO 54, 1954, 83-115 (hier: 92-94 und 111-113, insbesondere 92, Anm. 1; 112, Anm. 5) [K].

Online-Ressourcen

Museo Egizio: https://collezioni.museoegizio.it/en-GB/material/S_9/ (Zugriff 10.01.2024)

TM: https://www.trismegistos.org/text/109217 (Zugriff 10.01.2024)

Autoren
Dr. Peter Dils
Autoren (Metadaten)
Dr. Peter Dils

Übersetzung und Kommentar

Heilstatue des Wesirs Psammetichseneb

Brust: Spruch zur Ertüchtigung des Herzens (A)

7 Zeilen auf dem Brustbereich des hohen Lendenschurzes, zu beiden Seiten einer Maatstatuette.1

Rezitation:

Sei gegrüßt, (du) dank dessen man lebt! Sei gegrüßt, (du) dank dessen man gesund ist! Sei gegrüßt, Thoth, Ältester der Neunheit, der das jb-Herz funktionsfähig macht, der das ḥꜣ.tj-Herz an seinen (des Herzens) Brustkorb setzt. Mögest du das jb-Herz eines jeden Mannes und eines jeden Stücks Kleinvieh, der/das einen Stich/Biss hat, wohlbehalten (?)2 auf seinem Platz sein lassen und ihr (?) ḥꜣ.tj-Herz an seiner (richtigen) Stelle, so wie du Harachte dauerhaft in der Nachtbarke etablierst, damit/sodass/indem er in der Tagesbarke fährt.

Worte zu sprechen über (einer Abbildung des) Thoth (oder: eines Ibis)3, in schwarzer Tinte geschrieben/gemalt über dem Herzen eines jeden Mannes, der einen Stich/Biss hat, damit er sofort ge〈sund〉 wird.

1 Bislang keine Textparallelen. Texte, das Herz betreffend, finden sich in ähnlicher Art auf Heilstatue Neapel 1065 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 120-122) und Statue Tyszkiewicz (Lefebvre, in: BIFAO 30, 1931, 93-94) an derselben Stelle.

2 Mögest du wohlbehalten (?) sein lassen (s⸮〈w〉ḏꜣ?): Lesung gemäß Kákosy, 38 (dort mit Fragezeichen). Kákosy übersetzt „Bring the heart of every man (...) in its place“. Vielleicht ist eher smn zu lesen, das zwei Zeilen weiter als mj smn=k erscheint.

3 Thoth (oder: eines Ibis) (⸮Ḏḥw.tj?): Kákosy, 39 übersetzt mit „an ibis“, d.h. er liest hbj. In Z. 2 steht der Ibis auf einer Standarte, in Z. 6 ist keine Standarte vorhanden.

Vorderseite der Horussstele: Bildbeischriften (B-C)

(Beischrift beim Falken auf dem Papyrusstängel rechts vom Horuskind (Objektperspektive), 6 Textkolumen dem Falken auf dem Papyrusstängel betreffend vor dem Falken auf dem Papyrusstängel:) Horus, der auf seinem Papyrusstängel ist, der große Gott, der Herr des Himmels. Mögest du den Schutz bereiten dem, der auf dem Wasser ist, und dem, der auf dem Land ist, und dem, der eine Biss-/Stichverletzung hat. Mögest du für mich (das Maul von) allen -Schlangen, die mit ihrem Maul [beißen] oder mit ihrem Schwanz/Stachel stechen, verschließen. [Mögest du] für mich jedes Krokodil im Wasser und jeden Löwen in der Wüste (oder: auf dem Plateau) [abwehren].

(Beischrift beim Nefertemsymbol links vom Horuskind (Objektperspektive), 6 Textkolumnen dem Nefertemsymbol betreffend vor dem Nefertemsymbol:) Nefertem, der die Beiden Länder beschützt, der große Gott. Mögest du den Schutz über Osiris bereiten [an] allen seinen Orten. Mögest du den Schutz bereiten dem, der eine Biss-/Stichverletzung hat, und/oder der auf dem Wasser ist und/oder der auf dem Land ist. Mögest du für mich (das Maul von) allen -Schlangen, die mit ihrem Maul beißen oder [mit] ihrem Schwanz/Stachel stechen, verschließen. Mögest du für mich die Krokodile im Wasser und die Löw[en in der Wüste (oder: auf dem Plateau)] abwehren. Horus, der Retter/Beschwörer.

Rechte Seite: Horusstelen Spruch B (D)

Linke Seite: Horusstelen Spruch A (E)

Rechter Arm und Schulter (F)

Linker Arm und Schulter (G)

Bildbeischriften (H-K)

Brust (H)

Rückenpfeiler (I)

Rechte Körperhälfte (J)

Linke Körperhälfte (K)