Sarg des Senbi bzw. der Wechhotep, M3C

Metadaten

Wissensbereiche
Schlagwörter
Aufbewahrungsort
Afrika » Ägypten » Kairo » Egyptian Museum

Inventarnummer: JdE 42825

Erwerbsgeschichte

Der Sarg wurde während der Ausgrabungen durch Ahmed Bey Kamal vom 5. April bis Ende Mai 1910 in Meir entdeckt (Kamal 1911, 7). Es war die erste Kampagne in Meir, die er von 1910 bis 1914 auf Kosten von Said Bey Khaschabah (einem Händler aus Assiut) und Mohammed Effendi Seoudi durchführte (Kamal 1911, 3). Der Sarg gelangte aufgrund der damals gültigen Fundteilung ins Ägyptische Museum in Kairo.

Herkunft
Niltal von Kairo bis Assiut » zwischen Tell el-Amarna und Assiut » westliches Ufer » Meir

Der Sarg wurde während der Ausgrabungen durch Kamal im April/Mai 1910 in Meir entdeckt. Leider ist seine Fundbeschreibung sehr verwirrend. Man könnte herauslesen, dass der Sarg mit fünf weiteren im Schacht A des Felsgrabes (oder: hinter dem Felsgrab) des Vorstehers der Propheten und Gaufürsten Senbi II. (Porter – Moss 1934, 251: Grab B.3) gefunden wurde (Kamal 1911, 10–11, 28, 33–34). Laut Kamal war es der Hauptschacht des Grabes (Kamal 1911, 11: „le puits du maître“), aber weil sich dieser Schacht hinter der Grabkapelle statt in der Kapelle oder deren Vorhof befindet und die dort gefundenen Särge eines Hausverwalters Senbi nicht dem Gaufürsten Senbi II. gehörten, gehörte der Schacht vielleicht gar nicht zum Grab B.3. Außerdem ist es ebenso möglich, dass Kamal nach der Beschreibung des Sarges im Schacht A fünf weitere Fundkomplexe auflistet, die nicht in diesem Schacht gefunden wurden (so Porter – Moss 1934, 256). Willems 1988, 88 nimmt an, dass Kamal vor allem in der unmittelbaren Umgebung der Gräber B.1–3 gearbeitet hat, dass Sarg M3C also in Zusammenhang mit dem Eigentümer einer dieser Gräber stand. Der Sarg gehörte laut Inschrift ursprünglich einem Mann namens Senbi, später einer Frau namens Wechhotep (Wḫ-ḥtp) (Kamal 1911, 34).

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Mittleres Reich » 12. Dynastie

Die Datierung beruht auf einer Kombination von mutmaßlichem Fundzusammenhang und typologischen Merkmalen. Die wahrscheinliche Fundsituation in der Nähe der Gräber B.1–3, die zwischen der zweiten Hälfte der Regierungszeit Amenemhets I. und dem Anfang der Regierung Amenemhets II. gebaut wurden, sprechen laut Willems dafür, dass der Besitzer von M3C mit einem dieser Gräber zusammenhängt (Willems 1988, 88), was einen chronologischen Ansatz liefert. Das passt zu der typologischen Untersuchung des Sarges durch Willems, der zu seiner Sarggruppe B von Meir gehört. Paläographische Merkmale dieser Sarggruppe B passen zu Merkmalen in den Gräbern B.1–3 (Willems 1988, 97). Der Sarg kombiniert Außendekorationstyp IIIaa von Willems mit seinem Innendekorationstyp 1b (Willems 1988, 24). Diese Kombination ist im benachbarten Deir el-Berscheh nur für die Regierungszeit Sesostris‘ I. belegt. In der Annahme, dass die typologische Entwicklung in Meir und Deir el-Berscheh ähnlich verlief, datiert Willems den Großteil seiner Sarggruppe B von Meir in die Regierungszeit Sesostris‘ I. (1920–1875) oder kurz danach (Willems 1988, 97). Lapp 1993, 286 setzt Sarg M3C (seine Nr. M11) typologisch in seinen Sargtyp der 11./12. Dynastie, d.h. er gehört typologisch nach den Sargtyp 11. Dynastie und vor den Sargtyp 12. Dynastie von Lapp. Die einzige genauere chronologische Angabe ist, dass Lapps Sargtypen der 12. und der 12./13. Dynastie nicht früher als die Zeit Sesostris‘ I./Amenemhets II. datieren (Lapp 1993, 114–115, 119–120). Sarg M3C gehört also typologisch zu den älteren Särgen des Mittleren Reiches, was sich mit Willems‘ Beobachtungen (frühere 12. Dynastie) deckt.

Textsorte
Inhalt

Der uns hier interessierende Schlangenbeschwörungsspruch 434 (Kol. 187–188) befindet sich auf dem Boden des Sarges am Fußende (Kol. 132–188), falls die Textkolumnen am Kopfende anfingen (Lesko 1979, 60).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf M3C:
Spruch 434: Kol. 187–188 (CT V, 283–285)

Material
Organisch » Holz
Objekttyp
Artefakt » Behälter » Sarg
Technische Daten

Der kastenförmige Sarg der Wechhotep (Wḫ-ḥtp) hat die Maße 190 × 55 × 41 cm (Länge × Höhe × Breite) (Kamal 1911, 33).

Schrift
Hieroglyphen » Kursivhieroglyphisch, Hieratisch

Die Schrift des hier aufgenommenen Textes verläuft in Kolumnen von rechts nach links (Plan der Bodenbeschriftung: CT V, 163). Es wurde nur schwarze Tinte genutzt. Kamal vermerkt nicht, ob die Texte in Kursivhieroglyphen oder in hieratischer Schrift geschrieben sind.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch

Interessant ist, dass der Sarg ursprünglich einem Mann namens Senbi gehörte, dessen Namen durch den von Wechhotep ersetzt wurde. Auch wurde häufig das Suffixpronomen der 2. Person Singular maskulin =k getilgt und durch das der 2. Person Singular feminin =ṯ ersetzt (Kamal 1911, 33–34).

Bearbeitungsgeschichte

Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck 1954 unter der Sigle M3C ediert. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer M3C der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg M11. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert den Schlangenspruch in Strophen und Verse und kommentiert ihn.

Editionen

- de Buck 1954: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago/Ill 1954), V 283c–285a.

Literatur zu den Metadaten

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 327.

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 1050–1051.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 74.

- Kamal 1911: A. Kamal, Rapport sur les fouilles exécutées dans la zone comprise entre Deïrout au nord et Deîr-el-Ganadlah, au sud, in: Annales du service des antiquités de l’Égypte 11, 1911, 3–39, hier: 33–34.

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. M11.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents, Berkeley 1979.

- Porter – Moss 1934: B. Porter – R. L. B. Moss, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. IV. Lower and Middle Egypt (Delta and Cairo to Asyut) (Oxford 1934), 256.

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 166–167 (Spruch 11 = CT 434) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins (Leiden 1988).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Katharina Stegbauer
Autoren (Metadaten)
Dr. Peter Dils

Übersetzung und Kommentar

CT 434

1. Strophe1
[187] Als Hu bin ich zum Haus der Hut gekommen.
Ich bin die, die sich befindet in den ḫꜣ.w2 des Horus (?)3.
[188] Ich suche Osiris bei On.
Ich bin gesandt von diesem Großen, dem Herrn, Atum, der nicht sterben kann.4

1 B1Y hat einen weiteren Vers. Eine Überschrift findet sich nur in den Textzeugen: B2Bo und B1Y, S2C und M22C, wobei sie in den letzten drei Fällen zerstört ist.
2 Die Bedeutung von ḫꜣ.w ist unklar.
3 Da das Grundmotiv des Textes die Suche der Isis nach ihrem Gatten ist (vgl. den nächsten Vers) muss hr.png m.E. als Schreibung für Horus aufgefasst werden (vgl. B9C).
4 Wörtl. „der kein Anlanden hat“.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 166–167 (Spruch 11 = 434).