ḥnbꜣbꜣ „Pochen (?)“
Das Verb ḥnbꜣbꜣ kommt bislang nur im Geschwulstbuch des pEbers vor. Brugsch 1881, 795 gibt die Bedeutung „eine rundliche Form zeigen“. Eine Begründung dafür liefert er nicht, aber vermutlich ist sein Vorschlag durch das a.a.O., drei Einträge zuvor genannte ḥnb beeinflusst, das er als „das Gewundene, die Kugel“ übersetzt. Diesen Zusammenhang stellt jedenfalls explizit von Deines – Westendorf 1962, 607, Anm. 4 her. Sicher basierend auf Brugsch, ist „rundlich sein“ u.ä. auch die gängige Übersetzung der betreffenden Ebers-Stellen in der bisherigen Literatur, von Joachim 1890, 192-194 bis zu Lalanne – Métra 2017, 219–223.
Ebbell 1929, 21 variiert Brugschs Vorschlag und vermutet, dass ḥnbꜣbꜣ „gewölbt“ oder „halbkugelförmig“ heißen könnte, weil es in allen Fällen zur Beschreibung einer Geschwulst diene, wozu ein solches Charakteristikum passen würde. Daraus macht MedWb 2, 607 „kugelig“. Edel 1970, 49 stellt auch den Personennamen Ḥnbꜣbꜣ zu diesem Wort und vermutet, dass er „der Kugelige, der Kugel(bauch)“ bedeuten könnte. In einem Nachtrag zu dieser Seite auf S. XII will Edel dieses Wort zu den anderen stellen, die von der Wurzel bꜣ abgeleitet und mit einem runden Zeichen klassifiziert sind, wie „Erdloch“, „Höhle“ und „kahle Stelle (am Kopf)“. Bezüglich ḥnbꜣbꜣ vermutet er einen Bedeutungsübergang von „rund“ zu „ausgebeult, kugelig“.
Ward 1978, 29-31, §§ 46-48 zweifelt diesen Zusammenhang dagegen an und zieht eher eine Verbindung zu seiner Wurzel „bꜣ I“ mit der Bedeutung „throb“. Er vermutet, dass an den erwähnten Stellen des pEbers keine Beschreibung der Form vorläge, sondern „an apt description of the throbbing of swellings and blood-vessels by pulsating blood“.
Literatur:
– Brugsch 1881: H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome (Leipzig 1881).
– von Deines – Westendorf 1962: H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-ḏ), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962).
– Ebbell 1929: B. Ebbell, Der chirurgische Teil des Papyrus Ebers, in: Acta Orientalia ediderunt Societates Orientales Batava Danica Norvegica 7, 1929, 1–47.
– Edel 1970: E. Edel, Die Felsengräber der Qubbet el Hawa bei Assuan. II. Abteilung. Die althieratischen Topfaufschriften. 1. Band. Die Topfaufschriften aus den Grabungsjahren 1960, 1961, 1962, 1963 und 1965. 2. Teil. Text (Fortsetzung) (Wiesbaden 1970).
– Joachim 1890: H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890).
– Lalanne – Métra 2017: B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017).
– Ward 1978: W. A. Ward, The Four Egyptian Homographic Roots B-ꜣ. Etymological and Egypto-Semitic Studies, Studia Pohl. Series Maior 6 (Rome 1978).
Dr. Lutz Popko
