Ostrakon Deir el-Medineh 1441

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
oDeM 1441 oDeir el-Medineh 1441
Aufbewahrungsort
Afrika » Ägypten » Kairo » Institut Français d'Archéologie Orientale

Inventar-Nr. 1441

Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Die Gefäßscherben wurden über mehrere Kampagnen verteilt bei den Grabungen des Institut Français d’Archéologie Orientale (IFAO) in Deir el-Medineh gefunden. Ihren Aufschriften zufolge stammen sie alle aus dem „GP“, d.h. dem „Grand Puits“, und wurden gefunden am: 24.03., 26.03, 12.04. und 13.04.1949; am 09.03., 11.03 und 12.03.1950 und am 08.01.1950.

Das Gefäß trägt die Inventarnummer 2241. Außerdem haben die Scherben infolge der Suezkrise von 1956 folgende Sequesternummern erhalten: 1266, 1284, 1285, 1411, 1412, 1414, 1418, 1423, 5471, 5601, 6768, 7584 und 11303. S. dazu Posener, oDeM 1410-1606, 40.

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben » westliches Ufer » Deir el-Medineh

S. zur Erwerbsgeschichte.

Datierung
von: (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 19. Dynastie bis: (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 20. Dynastie

Aufgrund des Fundortes wird der Text in die Ramessidenzeit datieren. Die Teilparallele oBerlin P 14229 ist paläographisch vielleicht in die 20. Dynastie zu datieren, s. Fischer-Elfert 2015, 343.

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en)
Inhalt

Der Text bietet eine „Liturgie zur Versöhnung eines Ahnengeistes“ (Assmann 2001, 185, gefolgt von Fischer-Elfert 2015, 345) mit Anleihen aus dem Totenbuchspruch 137A (Fischer-Elfert 1986, 81 und 84). Es wird zunächst eine Vierergruppe von Gottheiten, vielleicht Horus, Seth, Thot und Dunanui, angerufen, und es sind wohl dieselben, die den Sonnengott reinigen sollen. Der Satz „Jubel herrscht unter den ‚Müde‘“, zusammen mit der Nennung des Westens und des Landes des Gerechten, verortet das Geschehen im Jenseits. Im folgenden Spruch erscheint ein frischverstorbener oder besser gesagt: frisch bestatteter Verstorbener, als Nutznießer. Er wird im Jenseits willkommen geheißen und beopfert. Ein weiterer Spruch oder Spruchabschnitt ist stark zerstört, aber die Erwähnung von „Osiris“ schließt ihn thematisch sicherlich an die vorherigen Passagen an.

Die zweite Textkolumne richtet sich dann an einen leider nicht namentlich genannten Gott, in dem Fischer-Elfert, Lit. Ostraka, 75, Anm. a aber Thot als Psychopompos, als Führer der Seele, vermutet. Dieser soll den Verstorbenen vor den Totengott Osiris bringen, ihn beurteilen und ihn besänftigen.

Auch die dritte Textkolumne widmet sich der Ankunft des Verstorbenen im Jenseits und dem Empfang durch die bereits im Jenseits, der „Höhle“, Befindlichen.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Text ist laut Fischer-Elfert, Lit. Ostraka, 84-86 der Entwurf für eine Beschriftung von Grabwänden mit Verklärungssprüchen, also Sprüchen, die den Verstorbenen in ein jenseitiges Wesen verwandeln sollen. Die über den Text verstreuten Angaben wie „rechts“ und „links“ sollen hierbei markieren, an welche Wand bzw. an welchen Wandteil des Grabes die jeweils nachfolgende Passage geschrieben werden soll. Fischer-Elfert, a.a.O. illustriert das explizit mit den Gräbern TT3 und TT 218b in Deir el-Medineh, wo der Totenbuchspruch 137B (dieser gehört eng mit Tb 137A zusammen, der eine Inspirationsquelle für oDeM 1441 bildete) auf dem Tympanon der westlichen Innenwand der Grabkammer angebracht wurde. Darauf basierend, vermutet er, dass Kolumne 1 an der „rechten“ = nördlichen und „linken“ = südlichen Längswand einer Grabkammer angebracht werden solle und Kolumne 3 in der „rechten“ = nördlichen sowie „linken“ = südlichen Hälfte der Westwand; Kolumne 2 verortet er vorschlagsweise zusammen mit der zweiten Hälfte von Kolumne 1 an der südlichen Längswand. Eine Zuordnung zu einem konkreten Grab schlägt er nicht vor, merkt aber an, dass Totenbuchsprüche auf Papyri häufig von ihren Äquivalenten auf Grabwänden abweichen und daher nicht unbedingt eine Eins-zu-Eins-Entsprechung zu erwarten ist.

Assmann 2001, 185 hat den Text mit seiner Bezeichnung als „Liturgie zur Versöhnung eines Ahnengeistes“ in die Nähe der Briefe an Tote gerückt. Dem steht Fischer-Elfert 2015, 342 und 345 skeptisch gegenüber, weil die Verwendung des Platzhalters mn: „NN, (Herr) So-und-so“ den Text als Entwurf kennzeichnet und er sich fragt, ob man je Entwürfe für Briefe an Tote angefertigt habe. (Aber vgl. immerhin Klotz 2009, spez. 140, der in dem Modellbrief „Kemit“ eine Vorbereitung der Schüler auf dieses Genre „Briefe an Tote“ vermutet.) Fischer-Elfert folgt aber Assmanns Vorschlag, in oDeM 1441 die Besänftigung eines Ahnengeistes insofern zu sehen, als diese den Hausstand bedrohen können und deren Befriedung daher der „Wahrung des lieben Haussegens“ dienen könnte.

Material
Künstliche Materialien » Keramik
Objekttyp
Artefakt » Behälter » Gefäß
Technische Daten

Der als Ostrakon bezeichnete Textträger ist eigentlich ein komplettes Gefäß von ursprünglich 35 cm Höhe und einem Durchmesser von 90 cm, Posener 1978, 40. Bislang sind 36 Fragmente gefunden, aber das Gefäß konnte damit nicht vollständig rekonstruiert werden.

Schrift
Hieratisch
Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Neuägyptisch

Der Text weist mehrere neuägyptische Features auf, wie bspw. die neuägyptische Artikelreihe pꜣ/tꜣ/nꜣ und die neuägyptischen Possessivpronomina pꜣy=/tꜣy=/nꜣy=. In Zeile 1,2 und 2,7 erscheint das neuägyptische Suffixpronomen =w. Dagegen kommt in Zeile 1,7 eventuell =sn vor, falls nicht das enklitische Personalpronomen vorliegt. Je ein neuägyptisches emphatisches sḏm=f und eine neuägyptische Relativform mit j-Augment kommen in Zeile 2,6 vor, im selben Satz. In Zeile 2,6 wird ein neuägyptisches negatives Futur bn sḏm=f verwendet; dagegen kommen in Zeile 2,3-4, 2,6, 207 und 3,13-14 nn-sḏm=f-Formen vor. Das Paradigma jw=f r sḏm am Ende von Zeile 2,7 ist wohl als Futur III zu klassifizieren; dagegen liegt im Zeilenumbruch 3,2-3 mit dem uneingeleiteten NP r sḏm ein eher mittelägyptisches Paradigma vor.

Bearbeitungsgeschichte

Der Text ist von Posener 1978, 40 und Taf. 25-27 mit technischen Daten und einer hieroglyphischen Umschrift publiziert worden. Für die zweite Kolumne hat er auch ein Faksimile des hieratischen Textes mitgegeben. Fischer-Elfert 1986, 74-86 legte eine grundlegende Bearbeitung mit erneuter hieroglyphischer Umschrift, Übersetzung sowie ausführlicher philologischer und inhaltlicher Kommentierung vor. Darin bestimmte er den Text als Entwurf für Verklärungssprüche und eine mögliche Vorlage für die Dekoration eines Grabes mit dem entsprechenden Text. Kolumne 2 liefert einige Stichwörter, die wie ein Gegenentwurf zu einer Passage aus der Lehre des Ani wirken. Diese Passage zog Quack 1994, 182 heran, um die entsprechende Passage als „Anti-Verklärungen“ zu definieren. Assmann 2001, 185, zitierte ebenfalls eine kurze Passage aus der zweiten Kolumne und vermutete hierin die Versöhnung eines Ahnengeistes. Zuletzt edierte Fischer-Elfert 2015, 74-86 eine partielle Parallele zu oDeM 1441 auf oBerlin P 14229. In diesem Zusammenhang lieferte er erneut eine Übersetzung auch des DeM-Ostrakons und übernahm Assmanns Deutung als Versöhnung eines Ahnengeistes, wenn auch nicht dessen Zuordnung des Textes in das Umfeld der „Briefe an Tote“.

Editionen

- G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el Médineh. Tome III (fasc. 2). Nos. 1410-1606, DFIFAO 20 ([Le Caire] 1978), 40, Taf. 25-27

- H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, KÄT 9 (Wiesbaden 1986), 74-86

Literatur zu den Metadaten

- Assmann 2001: J. Assmann, Tod und Jenseits im alten Ägypten (München 2001).

- Fischer-Elfert 1986: H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986).

- Fischer-Elfert 2015: H.-W. Fischer-Elfert, Magika Hieratika in Berlin, Hannover, Heidelberg und München, Ägyptische und Orientalische Papyri und Handschriften des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin 2 (Berlin 2015).

- Klotz 2009: D. Klotz, Fish at Night and Birds by Day (Kemit VIII), in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 136, 2009, 136-140.

- Posener 1978: G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el Médineh. Tome III (fasc. 2). Nos. 1410-1606, Documents de fouilles de l’Institut français d’archéologie orientale 20 ([Le Caire] 1978).

- Quack 1994: J. F. Quack, Die Lehren des Ani. Ein neuägyptischer Weisheitstext in seinem kulturellen Umfeld, Orbis Biblicus et Orientalis 141 (Freiburg (Schweiz), Göttingen 1994).

Online-Ressourcen
Autoren
Dr. Lutz Popko
Autoren (Metadaten)
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

oDeM 1441

Spruch zur Versöhnung eines Ahnengeistes

[1,1]Rechts:1 Er wird das Quartett [der] Ältesten(?), [der Herren des abgeschirmten Landes ---]2 ziehen [---]. [---], die im Himmel sind, und die, die aus der Unterwelt gekommen sind, [1,2]um herabzusteigen [zu ---] und um Re zu reinigen am Fest des 6. Monatstages. Man wird dir sagen: „Jubel (herrscht) unter den ‚Müden‘3 wegen [1,3](?) [---] zum Westen [---], dem Land des(?) Gerechten.“4 Der Spruch für die Achtheit am [Tage des] [1,4]Begräbnisses, das [für] Osiris NN bereitet wird, (ist es). ❡5 „Willkommen, willkommen! Du hast den Westen erreicht, du Gelobter [---]. [1,5][Die(?) Rinder ziehen]6 dich. Sängerin⟨nen⟩ sind vor dir. Räucherpfannen sind neben dir. [---] gießen [---] aus. [1,6]Süden/südlich [--- geöffnet wird (?)]7 dir der Weg.“ Die Herren der Unterwelt werden dir sagen: „Willkommen, [willkommen]! [1,7][---] ihre/sie.“ ❡

Links:8 [---] werden dir zujubeln [---] [1,8]die [---]. [Man] wird dir sagen: „[---] [1,9]Göttin [---] [---] Uferrand Götter [---] [1,10]große [---] [---] Osiris NN.“ ❡ Osiris [NN [1,11]---] [---] [___]-Gefäße, während du in den Westen (gehst o.ä.) [---] [1,12]Isis [---] [---] Maat [für(?)] dich(?) [---] Wasser/[___]-Gewässer des(?) Westens, [---] gemacht/tun/handeln [---] [2,1]Wenn du in die Gegenwart des Re eintrittst,9 sollst du10 [2,2]ihm den NN überweisen11. Du sollst kein Vergehen von ihm tadeln, (sondern) dich [2,3]seines guten Wesens erinnern. Du sollst veranlassen, dass sein Vieh freien Lauf12 hat, ohne dass [2,4]es (aber) vom Weg abweicht. Du sollst das srj13 dort süß sein lassen zusammen mit dem [2,5]Bierkrug. Ernte(?) und Jagdbeute sind im Speicher. Du sollst Zufriedenheit im Inneren des Hauses verbreiten, [2,6]ohne dass man (trübe) Gedanken fasse.14 Du sollst das Verderben beseitigen (und) Zuwendung15 (?) zeigen. Man handelt (ja) nach dem, was du gesagt hast. Du sollst Schädliches fortnehmen [2,7](und dafür) Nützliches gewähren, ohne dass deine Pläne säumig sind. Du sollst doch dafür sorgen, dass die Ernten16 auf dem Feld entstehen: Sie werden sich verhunderttausendfachen. [2,8]Ruft man zu einem, sind Tausend gekommen, und man zitiert17 dich vor Re, um dich wegen deines guten Wesens zu rühmen. Dein Herz soll froh sein über deine [2,9]Nützlichkeit. Man soll deine Tüchtigkeit loben. Man soll Olivenöl auf deinen rechten Arm geben und deinen linken bestreichen(?). [2,10]Man soll den Halskragen an deinen Hals knoten. [Man soll ---] legen [---].

[3,1]Rechte Ecke: [3,2]Der Westen wird sich für dich öffnen. Seine Tore [3,3]werden dich in Frieden empfangen. [3,4]Die Höhlenbewohner werden dir Lobpreis entgegenbringen. [3,5](Denn) du hast den bekleidet, der {verhüllt} ⟨nackt⟩18 war. [3,6]Die vier [3,7]Lampendochte, die im Morgenhaus sind, werden sich für dich entzünden. [3,8]Osiris [NN (?) ---]. ❡

[3,9][Linke Ecke:]19 [3,10]Die südlichen Tore [3,11]der Unterweltshöhle werden [sich] für dich [öffnen].20 Das Westgebirge wird sich für dich auftun. [3,12]Du wirst [3,13]durch die geheime Pforte hinein- und hinausgehen können, ohne dass [3,14]deine Ba-Seele weggenommen21 (???) wird. Mögest [3,15]du (?) zufrieden sein [über(?)] die Opfer auf dem Altar in der Gotteshalle(?), (o) Osiris NN.

1 wnm.j: Das Wort ist wohl ein Anbringungsvermerk und notiert, an welcher Wand im Grab die anschließende Passage aufgeschrieben werden soll, s. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 84. Das Gegenstück smḥ.j steht in Zeile 1,7.

2
Ergänzung von H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 83 nach einem ähnlichen Text auf oDeM 1080. Da im Folgenden oft von Reinigung gesprochen wird, vermutet er in diesem Quartett die Reinigungsgötter Horus, Seth, Thot und Dunanui. Die Zerstörung des Satzendes erschwert die genaue Interpretation der Aussage ebenso wie das unvermittelt erscheinende Suffixpronomen =f – sofern es überhaupt dasteht, denn Posener versieht es mit einem Fragezeichen, und die Fotos der IFAO-Datenbank sind nicht gut genug, um diese Lesung zu prüfen. Gehört dieser Satz vielleicht gar nicht zum eigentlichen Text, sondern ist die Beschreibung einer Vignette?

3 H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 84 schlägt für jh.y und m wrḏ eine verbale, imperativische Übersetzung vor: „Jubel/freue (dich), werde nicht müde“. Außerdem fragt er sich, ob man am Beginn der folgenden Zeile „an [deinem Herzen]“ ergänzen kann, weist aber darauf hin, dass man dafür noch den Rest des sublinearen Abstrichs des k-Korbes erwarten würde und Posener auf nichts dergleichen hinweist. Das Wort wrḏ.w ist aber mit Falken auf Standarte und Pluralstrichen geschrieben. Beides müsste man streichen, wenn man wrḏ verbal auffasst. Daher wird hier eine alternative Übersetzung vorgeschlagen.

4 tꜣ n mꜣꜥ.tj: Fischer Elfert, a.a.O. übersetzt mit „Land der Gerechten“. Zunächst steht aber ein Singular mꜣꜥ.tj, kein Plural mꜣꜥ.tj.w. Derselbe Ausdruck tꜣ n mꜣꜥ.tj steht noch einmal in TT 218, K.A. Kitchen, Ramesside Inscriptions, Historical and Biographical. Vol. III (Oxford 1980), 710.2 als Apposition zu jmn.t(j)t: „Westen“ und wurde in C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. III. p-nbw, Orientalia Lovaniensia Analecta 112 (Leuven 2002), 229b-230a als Beleg [15] dem Eintrag Mꜣꜥ.ty: „Der zur Maat gehörige“ zugeordnet.

5  Ergänzung des Zeilenendes mit H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 82. Er schließt die Wortfolge an den vorherigen, unvollständig erhaltenen Satz an: „die Sprüche der Achtheit am [Tage(?)] des Begräbnisses, das dem Osiris NN bereitet wird(?)“. Hier wird dagegen vorgeschlagen, sie als eigenständigen Satz analog zu der häufigen magischen Schlussformel „Ein Spruch für/gegen … ist es“ zu interpretieren. Die Wortwahl ist dafür zugegebenermaßen ungewöhnlich. Denn in dieser Formel wird in der Regel das Substantiv rʾ: „Spruch“ verwendet und dieses ohne Artikel verwendet.

6 Ergänzungen mit G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el Médineh. Tome III (fasc. 2). Nos. 1410-1606, Documents de fouilles de l’Institut français d’archéologie orientale 20 ([Le Caire] 1978), Taf. 25 und H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 84.

7 „geöffnet“: So der Ergänzungsvorschlag von H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 84.

8 Wie das Pendant wnm.j: „rechts“ in Zeile 1,1 wird hier ein Anbringungsvermerk für die nachfolgenden Passagen vorliegen, s. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 84.

9 jw=k (ḥr) ꜥq: Hier liegt wohl ein vorangestellter konditionaler (vgl. F. Junge, Das sogenannte narrative kontinuative jw=f ḥr (tm) sḏm, in: Journal of Egyptian Archaeology 72, 1986, 113-132, hier 128) oder temporaler (H. Satzinger, Neuägyptische Studien. Die Partikel ir. Das Tempussystem, Beihefte zur Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 6 (Wien 1976), 102) Umstandssatz vor.

10 jw=k und ḥn=k: Das Suffixpronomen bezieht sich auf den Gott, der in Kolumne 1 genannt gewesen sein muss, dessen Name aber zerstört ist. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 75, Anm. a denkt hierbei an Thot, an den dann auch der folgende Text gerichtet ist.

11 ḥn=k: Die Teilparallele auf oBerlin P 14229 schreibt stattdessen ḥn: „gehen“.

12 nšjꜣ: Zum Verständnis des wohl verderbten Wortes s. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986),75-76, Anm. c.

13 srj: Geschrieben 𓐠𓄿𓃭𓏤𓇋𓄿𓏛𓏥. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986),76, Anm. d vermutet hierin eine Verschreibung für srm.t: „Dattelbier“. Seine Argumente für diese Gleichsetzung sind (1) die Kombination mit dem Verb nḏm, die auch für das srm.t-Getränk gut belegt ist; (2) die Kombination mit dem ꜥš-Krug, der vornehmlich für Bier verwendet wird, und (3) die Kombination mit m-jm, die den Ausfall des finalen m (die t-Endung war ohnehin schon verschwunden) erklären könnte. Sein Argument (2) ist etwas zu relativieren, da srm.t wohl eher den Pressrückstand von Datteln bezeichnet, gelegentlich auch einen Dattelbrei oder dicken Dattelsaft, jedenfalls kein Bier, s. den Lemmakommentar. Da aber ꜥš-Krüge wiederum nicht ausschließlich für Bier verwendet werden, ist dieses Argument nicht völlig auszuschließen. Dennoch sind auch andere Interpretationen denkbar; hier ist in erster Linie an pGenève MAH 15274 + Turin CGT 54063, Zeile 5,3-4 zu denken, wo ein 𓊃𓅭𓂋𓏤𓇋𓇋𓈒𓏥 geschriebenes magisches Requisit in ꜥš-Krügen aufbewahrt wird und bei Hundebissen (?) zur Anwendung kommt. Worum es sich dabei handelt, ist unsicher, aber es könnte sich um eine(n) der sr, sꜣr, sr.t oder sꜣr.t genannten Pflanze(nteile) handeln, s. den Lemmakommentar zu sꜣr.

14 Zur möglichen Bedeutung des Satzes s. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 76-77, Anm. e mit Verweis auf Wenamun, 2,69. J. Assmann, Tod und Jenseits im alten Ägypten (München 2001), 185 mit Anm. 39 auf S. 554 fragt sich dagegen, ob sḫr.w ein Fehler für srḫ.w: „Anklagen“ (d.h. sḫr) ist: „ohne daß man Anklagen vorbringt“.

15 ḫꜣm: H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 77, Anm. f denkt aufgrund des zusätzlichen Mannes mit Hand am Mund an eine Bedeutung wie „Zuwendung, Zuneigung“. Auf S. 75 übersetzt er mit „Milde“.

16 skꜣ.w m sḫ.t: H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 75 und 77, Anm. h versteht die beiden Begriffe als semantische Ergänzungen: skꜣ(.t), das gerade gepflügte Land, das zu sḫ.t i.S. eines fruchttragenden Ackers wird. Interessanterweise gibt es aber auch ein Substantiv skꜣ, Wb 4, 316.10 = https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/lemma/146620, das nicht das Pflügen (und die damit verbundene Aussaat?) benennt, sondern das andere Ende des Arbeitsprozesses, die Ernte. Für diese Bedeutung gibt es nur sehr wenige Belege, auffälliger Weise sind aber zwei von ihnen mit dem neuägyptischen Artikel pꜣ verbunden.

17 ꜥš m-bꜣḥ GN: Zu der hier gewählten Nuance des Verbs s. H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986),79, Anm. b.

18 Emendation mit H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 80 und 81, Anm. c in Anlehnung an Tb 145.

19 Ergänzung mit H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 81-82.

20 Ergänzung mit H.-W. Fischer-Elfert, Literarische Ostraka der Ramessidenzeit in Übersetzung, Kleine ägyptische Texte 9 (Wiesbaden 1986), 81-82.

21 ḫnfj: Bedeutung unsicher. Den teilweise zerstörten Klassifikator hat Posener als vornübergebeugten stehenden Mann transliteriert. Könnte es das Verb ḫnf, Wb 3, 291,9-10, https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/lemma/117960 sein, das parallel zu šdi̯ steht und daher vielleicht „wegnehmen“ o.ä. heißen könnte?