science in ancient egypt

  • Deutsch
  • English

Glossar

twn
Definition:

Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, 2. Bd., 49a vergleicht es mit dem tjwn-Baum aus dem Grab des Ineni, TT 81, und der koptischen Pflanzenbezeichnung ϣⲉⲛⲑⲓⲛⲟⲛ, die er (in Anlehnung an G. Parthey, Vocabularium Coptico-Latinum et Latino-Copticum e Peyroni et Tattami lexicis, Berlin 1844, 199?) mit lignum spinosum: „stacheliges Holz“ wiedergibt. Peyron selbst (Lexicon Copticum, Berlin 1896) gibt S. 53 für ⲑⲉⲓⲛⲟⲛ die Bedeutung Ebenus (mit Verweis auf Kircher, Linguae Aegyptiaca restitua, 175) und für ϣⲉⲛⲑⲉⲓⲛⲟⲛ die Übersetzung lignum platani Indicae. (Unsicher, welcher Baum gemeint. Das von Peyron gegebene arabische ﺞﺎﺳ bezeichnet den Teakbaum, Tectona grandis.) Für das Kompositum ϣⲉⲛⲑⲓⲛⲟⲛ verweist Peyron auf Kircher, 379, der dort Lignum Sethinu angibt, für Sethinus aber als Entsprechung wiederum ﺞﺎﺳ, den Teakbaum. Außerdem verweist Peyron für ϣⲉⲛⲑⲉⲓⲛⲟⲛ auf griechisch ξύλον θύϊνον (Offenbarung des Johannes, 18:12, eines der Güter der Kaufleute Babylons, die im Zuge von dessen Untergang niemand mehr kaufen will). Das Wort θύϊνον ist laut „Middle Liddell“ (Liddell/Scott/Jones, The Greek-English Lexicon – Abridged) „of the tree θυία, of cedar“ und θυία wiederum bezeichnet laut Liddell/Scott/Jones Juniperus foetidissima, den „Stinkenden Wacholder“. Allerdings kennt Liddell/Scott/Jones auch ein Wort θύον mit der Bedeutung „thyine-wood, citron-wood, Callitris quadrivalvis“, was besser zur lateinischen Entsprechung passt. Die Vulgata gibt nämlich dieselbe Bibelstelle durch lignum thyinum wieder. Das Lateinische thyinum ist laut Lewis & Short „made of the citrus-tree“. Daraus macht die Luther-Bibel lediglich „wohlriechende Hölzer“ und die King-James-Bibel „Thyine wood”, laut Merriam Webster „the fragrant and ornamental wood of the sandarac tree“. Wenn nun koptisches ϣⲉⲛⲑⲉⲓⲛⲟⲛ nur griechisches ξύλον θύϊνον wiedergibt, was recht wahrscheinlich sein dürfte, dann ist das koptische ⲑⲉⲓⲛⲟⲛ nur ein Lehnwort und eine Verbindung mit älterem twn ausgeschlossen. Auch wenn es doch ein genuin koptisches Wort wäre, ist aufgrund des eine Verbindung mit twn nicht unproblematisch.

Brugsch, Wb VII, 1347 verbindet das tjwn des Ineni dagegen mit hebräisch תְּאֵנָה, der Gemeinen Feige. Die Gleichsetzung der twn-Pflanze (mit Pflanzenklassifikator) und der tjwn-Pflanze (mit Baumklassifikator) wird meist akzeptiert. Ebbell, Papyrus Ebers, 133 gibt, ohne jegliche Erklärung (ob inspiriert durch den Klassifikator der Pyramidentextbelege, der einem Akazienzweig ähnelt?), die Bedeutung Acacia Seyal. Germer, Arzneimittelpflanzen, 212-213 hält diese Identifizierung für denkbar, u.a. ebenfalls wegen dieser Klassifikation. Das Rind, mit dem die Pflanze oft zusätzlich klassifiziert wird, hält sie für einen Hinweis darauf, dass die twn-Pflanze eine Futterpflanze sein könnte (contra Germer könnte dieser Klassifikator aber vielleicht eher auf einen Zusammenhang mit der Wortfamilie ṯwn: „zustoßen“ hinweisen, die mit dieser Hieroglyphe klassifiziert wird), und sie verweist dazu auf Darstellungen in Gräbern, in denen Ziegen Akazienblätter fressen; und der Anwendungsbereich in der Medizin würde gut zu einer gerbstoffhaltigen Pflanze wie der Akazie passen. Dawson, in: Barns, Five Ramesseum Papyri, 31 kann Ebbells Deutung weder bestätigen noch ablehnen und erwähnt, dass Loret, Flore Pharaonique, Nr. 143 den ꜥš-Baum mit Acacia seyal gleichgesetzt habe (womit er impliziert, dass er diese Möglichkeit für twn eher ausschließt). Er verweist aber ebenfalls darauf, dass die Klassifizierung von twn in den Pyramidentexten zu Akazien passen könnte. Westendorf, Handbuch Medizin 510 folgt Ebbell, Germer und Dawson, schreibt aber in den Übersetzungen vorsichtig „ṯwn-Pflanze (Akazienart ?)“. V. Loret, Le signe hiéroglyphique nn (Jonc des marais), in: Studies presented to F. Ll. Griffith, London 1932, 304-309, hier 307 geht, wie die meisten Ägyptologen, davon aus, dass tjwn und twn dieselbe Pflanze bezeichnet. Die unterschiedliche Klassifizierung mit Baum resp. allgemeinem Pflanzenklassifikator nimmt er zum Anlass, hierin ein strauchartiges, tlw. verholztes Gewächs zu sehen, „peut-être le Ceruana pratensis Forsk.“.

Von diesen Vorschlägen abgesehen, wird die Pflanze meist als unidentifiziert betrachtet, so etwa bei Lefebvre, Essai sur la médecine Égyptienne, 162, Anm. 7, Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques, § 1362 oder DrogWb, 562-564. Baum, Arbres et arbustes de l’Égypte ancienne, 176-179 hält die Möglichkeit offen, dass das tjwn aus dem Grab des Ineni und das dwn ptolemäischer Texte, das ebenfalls mit einem Baum klassifiziert wird, dasselbe Wort sind und einen Baum bezeichnen, der von twn zu differenzieren ist, sie hält es aber für ebenso denkbar, dass tjwn, twn und dwn dieselbe Pflanze bezeichnen; wie Loret sieht sie in letzterem Fall die unterschiedliche Klassifizierung als Hinweis, dass wohl eine teilweise verholzte, strauchartige Pflanze gemeint sein könnte. Einen Identifikationsvorschlag unterbreitet sie nicht.

L.P.

back

show all entries