science in ancient egypt

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Glossar

ḥfꜣ.t
Definition:

Meist, aber wohl fälschlich, mit dem Spulwurm identifiziert:

Sowohl Joachim, Papyros Ebers, XVII-XVIII, als auch Ebbell, Alt-ägyptische Krankheiten, 34, identifizieren ḥfꜣ.t mit Ascaris lumbricoides; und wohl über Ebbells Übersetzung des Papyrus Ebers (Ebbell, Papyrus Ebers, 130) dürfte diese Identifikation in medizinhistorische Arbeiten eingegangen sein. Die Argumente sind allerdings kaum ausreichend: Joachim verweist dazu auf pEbers 66,1 (= Rezept Eb 461), wo ein „scharzer ḥfꜣ.t-Wurm“ gegen Ergrauen eingesetzt werden soll, und diese Farbcharakterisierung würde nicht zum Bandwurm, dafür aber zu Ascaris lumbricoides passen – obwohl dieser eher rosafarben bis weiß ist. Ebbell führt dagegen als Argument an, dass mit diesem Wort ḥfꜣ.t (korrekter wäre eigentlich: das maskuline Gegenstück ḥfꜣ.w) auch Schlangen bezeichnet würden und ḥfꜣ.t daher wohl generell einen rundlichen Wurm bezeichnet. Und da Ascaris lumbricoides in Ägypyten „sehr verbreitet ist, und da derselbe oft mit dem Stuhlgang abgeht, groß und deshalb leicht erkennbar ist, muß man ohne Zweifel an denselben denken“.

Germer, Arzneimittelpflanzen, 56-57 und Germer, Handbuch, 30 denkt bei ḥfꜣ.t dagegen an den Bandwurm. Denn in vier Rezepten wird mnj.t n.t jnhm: „Wurzel des Granatapfelbaumes“ dagegen verschrieben. Die Rinde von Stamm und Wurzel enthält ein Alkaloid, das „ein sicheres Bandwurmmittel“ ist (Arzneimittelpflanzen, 57), das aber „keine anderen Wurmarten abtötet“ (Handbuch, 30), und deswegen geht sie davon aus, dass ḥfꜣ.t eben den Bandwurm bezeichnet.

T. Pommerening, Medical Re-enactments: Ancient Egyptian Prescriptions from an Emic Viewpoint, in: G. Rosati, M.C. Guidotti (Hrsg.), Proceedings of the XI[th] International Congress of Egyptologists. Florence Egyptian Museum. Florence, Italy 23-30 August 2015, Archeopress Egyptology 19, Oxford 2017, 519-526 kommt in ihrer detaillierten Besprechung des Rezepts Eb 63 zu einem anderen Ergebnis: Germers Interpretation lehnt sie ab, weil sie voraussetzen würde, dass die Ägypter empirisches Wissen über die pharmaologische Überlegenheit der Granatapfelwurzel auf Bandwürmer gegenüber anderen Würmern habe (S. 520). Durch Nachkochversuche des Rezeptes Eb 63, in dem Granatapfelwurzeln zerstoßen und in Bier stehengelassen werden sollen, stellt Pommerening fest, dass eher das Wirkprinzip „similia similibus curantur“ vorliegt, denn das Ergebnis sieht aus wie eine Ansammlung von Würmern im Stuhl (s. eindrücklich S. 525, Abb. 8A/B). Einer Eingrenzung auf eine spezifische Gattung oder Art steht sie skeptisch gegenüber; sie vermutet in ḥfꜣ.t eher „a general term for intestinal ‚winding‘ worms“ (S. 525), der auch Taenia einschließe, ohne auf diesen beschränkt zu sein. Zu Pommerenings Argumenten ist aber einschränkend anzumerken, dass in Eb 66 der ḥfꜣ.t-Wurm und der pnd-Wurm nebeneinander genannt sind, und da letzterer eine spezifische Wurmart zu bezeichnen scheint, ist es eigentlich naheliegend, dass auch ersterer eine spezifischere Bedeutung hat.

L.P.

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