science in ancient egypt

 

Metadaten

Recto des Papyrus Chester Beatty X (großes Fragment) Recto des Papyrus Chester Beatty X (großes Fragment) Link
Bezeichnung
Papyrus Chester Beatty X
Weitere Bezeichnungen
Papyrus London BM EA 10690
TM 381082
Aufbewahrungsort
GB, London, British Museum
Erwerbsgeschichte

Der Papyrus Chester Beatty X gehörte zuerst zur Papyrussammlung des amerikanischen Großindustriellen Alfred Chester Beatty (1875–1968), der die Papyri II–XIX im Jahre 1930 dem British Museum in London schenkte (Hall 1930, 46–47), während er den Papyrus Chester Beatty I in der Chester Beatty Library in Dublin unterbrachte.

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Medineh

Die genauen Erwerbsumstände sowie der originale Fundzusammenhang des Papyrus sind ungewiss. G. Posener gibt an, dass die 19 Chester-Beatty-Papyri mit dem Fund von 17 (?) Papyri aus Deir el-Medineh zu vergesellschaften sind, die im Jahre 1928 von B. Bruyère in einem schmalen, trapezförmigen Bereich mit gestampftem Boden zwischen dem Gewölbe einer Grabkapelle und dem Fundament einer Grabpyramide in Deir el-Medineh entdeckt wurden: "Il est permis de dire à présent que la découverte dépassa en importance les papyrus recueillis par le fouilleur le 20 février 1928. (...) On saura plus tard que les papyrus Chester Beatty proviennent de la même trouvaille." (Černý 1978, VIII; Plan des Fundorts: Bruyère 1929, Plan 1: unten rechts, zwischen den Schächten P.1165 und P.1169). Darüber hinaus verweist er auf den Eintrag in B. Bruyères Grabungstagebuch vom 21. Februar 1928, in dem es heißt, dass ihm zu Ohren gekommen sei, dass er von drei Arbeitern bestohlen wurde. Der Papyrus Chester Beatty X ging demnach möglicherweise als Diebesgut in den Antikenhandel, wo er von A. Chester Beatty erworben wurde (Černý 1978, VIII). Zu dem Papyrusfund scheinen, abgesehen von den 19 Chester-Beatty-Papyri und den 17 von J. Černý gemeinsam veröffentlichten Deir-el-Medineh-Papyri (für die wenigsten der 17 Papyri liegen genaue Fundbeschreibungen vor), auch zwei Naunachte-Papyri in Kairo zu gehören, eventuell noch zwei Naunachte-Papyri in Oxford sowie ein Genfer Papyrus (P. Geneva MAH 15274), also insgesamt mindestens 40 Papyri (Pestman 1982, 155–172). Falls dies stimmt, wurden also alle Papyri im oberirdischen Bereich einer Grabanlage gefunden, dessen oder deren Besitzer bei der Grabung nicht bestimmt werden konnte(n). P. W. Pestman ermittelte die aufeinanderfolgenden Eigentümer der Papyri als Ken-her-chepesch-ef den Älteren, seine Frau Naunachte und ihre Söhne aus zweiter Ehe, Amun-nacht und Pa-maa-nacht-ef. Möglicherweise ist einer der Papyri (Papyrus Chester Beatty IX) irgendwann nass geworden, entrollt und nach der Trocknung wieder aufgerollt worden (Gardiner 1935 I, 78). Y. Koenig verweist auf den Brief Papyrus BM EA 10326 (= LRL, Nr. 9), in dem nassgeregnete Papyri inspiziert und später in einem Grab mit oberirdischen Räumen deponiert wurden, und er erkennt Analogien zwischen den dort geschilderten Vorgängen und dem Fundzusammenhang des Fundes von B. Bruyère von 1928 (Koenig 1981, 41–43).

Datierung
Neues Reich, 19. Dynastie, ca. 1292–1191 v. Chr.

Die Datierung beruht auf paläographischen Kriterien. Laut A. H. Gardiner ist die Schrift "small and neat, and may possibly belong to the middle of the Nineteenth Dynasty" (Gardiner 1935 I, 114). Die datierten Texte des Archivs, zu dem Papyrus Chester Beatty X gehört bzw. die identifizierten Eigentümer des Archivs, stammen aus dem Datierungszeitraum von der frühen Regierungszeit Ramses' II. bis hin zu Ramses IX. (Pestman 1982, 158). Dies umfasst eine Zeitspanne von ca. 170 Jahren (ca. 1279–1109 v. Chr.).

Textsorte
medizinisches Fachbuch
Inhalt

Der Papyrus ist auf beiden Seiten mit Rezepten und Beschwörungen zum gleichen Thema und in derselben Handschrift geschrieben. Deshalb ist anzunehmen, dass auf Vorder- und Rückseite Teile desselben Textes mit Rezepten für den Penis stehen. Aus diesem Grund wird er vom Herausgeber Gardiner als Text mit Aphrodisiaka ("a book of aphrodisiacs") eingestuft. Manniche spricht von "love potions" (Manniche 1987, 103). Es überwiegen Rezepte mit einer Überschrift, Angaben von Zutaten und Quanten sowie Herstellungs- und Verabreichungshinweisen (die Arzneien werden teils getrunken, teils auf den Penis aufgetragen, einmal gegessen). Nur in drei Fällen gibt es eine Rezeptüberschrift, zweimal "Rezept, um das Glied (oder: ein Gliedmaß) eines Toten zu beleben", einmal "Rezept, um den Samen zu holen". Auf der Vorderseite findet sich außerdem zweimal eine Beschwörung, die parallel zu der Verabreichung auszusprechen ist. In einer dieser Beschwörungen ist vom Eingang (?) der Vulva die Rede. Insgesamt überwiegen die Rezepte so sehr, dass der Text zu den medizinischen Papyri gerechnet werden muss, auch wenn Störungen des männlichen Geschlechtsorgans sonst kaum im Corpus der medizinischen Texte belegt sind und unser Text dort auch nicht berücksichtigt wird (Westendorf 1999, 219–220). Papyrus Chester Beatty XIII handelt ebenfalls vom Penis, aber dort sind nur magische Sprüche vorhanden.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Das Papyruskonvolut, zu welchem auch der Papyrus Chester Beatty X zählt, gehörte zum Familienbesitz einer thebanischen Familie. Das Papyrusarchiv hat dabei mindestens 40 Papyri umfasst, die heute in verschiedenen europäischen Sammlungen untergebracht sind (Pestman 1982, 155). Während der ursprüngliche Besitzer unidentifiziert bleibt, ist bekannt, dass das Papyrus-Archiv zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt an den Schreiber Ken-her-chepesch-ef übergegangen ist. Durch seine Frau Naunachte wurde das Korpus schließlich an die Kinder aus zweiter Ehe weitervererbt. Zunächst ging der Papyrus in den Besitz des Amun-nacht und dann über weitere unbekannte Hände, bis er schließlich zusammen mit den anderen Stücken im oberirdischen Bereich einer Grabanlage deponiert wurde (Pestman 1982, 160–172; siehe auch Koenig 1981, 41–43). Das Papyrusarchiv besteht thematisch aus folgenden Textsorten: private Urkunden und Verwaltungstexte (u.a. Briefe, Memoranda), (Schul)-Übungen, semi-literarische Texte (medizinische, magisch-medizinische, mantische) und "rein" literarische Texte. P. W. Pestman nennt die semi-literarischen Texte, zu denen Papyrus Chester Beatty X gehört, "something like practical handbooks for daily use" (Pestman 1982, 165).

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Zum Papyrus gehören 41 Fragmente, von denen die Hälfte zu einem lückenhaften Papyrus von ca. 30 cm Länge rekonstruiert werden kann (Lücke unbestimmbarer Breite in der Mitte). Die ursprüngliche Länge des Papyrus ist unbekannt (mindestes 2 x 30 cm für 2 Textkolumnen), die Höhe beträgt aktuell 19,5 cm und wird ursprünglich vielleicht ca. 1 cm höher gewesen sein (Halbformat). Nur eine Blattklebung ist erhalten (auf 9 cm vom linken Rand), so dass die urprüngliche Breite eines Papyrusblattes unbekannt ist. Er ist beidseitig beschriftet. Dazu wurde die Rolle um die Schmalseite gewendet: Der untere Rand der Vorderseite ist ebenfalls der untere Rand der Rückseite.
Auf der Vorderseite findet sich eine Textkolumne von ca. 30 cm Breite (Zeilenanfang nicht erhalten) mit 14 Textzeilen. Oben ist ein freier Rand von 2 cm vorhanden, unten etwas mehr als 1 cm. Auf einem weiteren Fragment ist die rechte untere Ecke (d.h. der Anfang) einer zweiten Kolumne erhalten (4 Textzeilen), noch andere winzige Fragmente können nicht genauer eingeordnet werden. In der zweiten Kolumne beträgt der untere freie Rand 3,5 cm. Auf der Rückseite steht ebenfalls eine Textkolumne, diesmal eine schmalere als auf der Vorderseite und mit 13 Textzeilen. Zeilenanfang und -ende sind erhalten. Hier beträgt der obere freie Rand 2 cm und der untere 1 cm. Auf der Rückseite des kleineren Fragments stehen 5 Textzeilen ohne Anfang oder Ende in einer schnelleren und weniger sorgfältigeren Hand als der ersten Kolumne. Der untere Rand beträgt hier 2,5 cm.

Schrift
Hieratisch

Die Leserichtung verläuft von rechts nach links. Die Verwendung von Rubra für Quantenangaben und neue Abschnitte ist zu beobachten. Dieselbe Schreiberhand hat Vorder- und Rückseite beschrieben.

Sprache
Mittelägyptisch

Weder in der Orthographie noch in der Grammatik sind neuägyptische Einflüsse ersichtlich (höchstens die Orthographie von ẖr in Rto, Zl. 1).

Bearbeitungsgeschichte

Im Rahmen seiner Untersuchung zu den hieratischen Papyri des British Museum legte A. H. Gardiner im Jahre 1935 eine Erstbearbeitung des Textes vor. Er gibt eine hieroglyphische Umschrift aus dem Hieratischen, einen Überblick über den Inhalt und einige Passagen in Übersetzung. Seither fand der Text, abgesehen vom durch Gardiner übersetzten Auszug (Manniche 1987, 103), kaum Beachtung.

Editionen

- Gardiner 1935 I: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. I. Text (London 1935), 114-115.

- Gardiner 1935 II: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. II. Plates (London 1935), Taf. 62–63.

- Manniche 1987: L. Manniche, Sexual Life in Ancient Egypt, London & New York 1987, 103 (Deutsche Übersetzung: Liebe und Sexualität im alten Ägypten, Zürich und München 1988, 164).

Literatur zu den Metadaten

- Bruyère 1929: B. Bruyère, Rapport sur les fouilles de Deir el-Médineh (1928), Fouilles de l'Institut Franҫais d'Archéologie Orientale du Caire 6,2 (Le Caire 1929), Plan 1.

- Černý 1978: J. Černý, Papyrus hiératiques de Deir el-Médineh. I. Nos I–XVII, Documents de Fouilles de l'Institut Franҫais d'Archéologie Orientale du Caire 8 (Le Caire 1978), VIII.

- Hall 1930: H. R. H. Hall, The Chester-Beatty Egyptian Papyri, in: British Museum Quarterly 5,2, 1930, 46–47.

- Koenig 1981: Y. Koenig, Notes sur la découverte des papyrus Chester Beatty, in: Bulletin de l'Institut Franҫais d'Archéologie Orientale 81, 1981, 41–43.

- Pestman 1982: P. W. Pestman, Who Were the Owners, in the "Community of Workmen", of the Chester Beatty Papyri, in: R. J. Demarée – J. J. Janssen (Hrsg.), Gleanings from Deir el-Medîna, Egyptologische Uitgaven 1 (Leiden 1982), 155–172.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils
Bearbeitungsdatum
12.07.2019

Übersetzung und Kommentar

Recto

[...]
[Rto x+1.1] [Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[... ...]; Bleiglanz/Galenit1: 1 (Portion)2; mjmj-Getreide3: 1 (Portion).
(Es) werde aufgepiekst/aufgefädelt (??)4, (es) werde gemahlen, (es) werde unter die Eichel / den Penis (?)5 gegeben.

1 msdm.t: Gardiner, Chester Beatty Gift, Tf. 62 ergänzt die Determinative als Mineralkorn und Pluralstriche, aber die erhaltene Spur am oberen Rand der Zeile spricht gegen das Mineralkorn.
2 1: Zur Übersetzung als "Portion" vgl. Pommerening, [im Druck].
3 mjmj: Diese nicht identifizierte Körnerfrucht ist ab dem Alten Reich in verschiedenen Kontexten und Zubereitungsarten belegt. Sie ist eine Zutat in medizinischen Rezepten, in Kombination mit sw.t "Weizen", bd.t: "Emmer" und jt: "Gerste". Brugsch, Hierogl.-demot. Wb., II, 1868, 632 hat mjmj (Beleg: pAnastasi IV, Rto 8.11) zuerst versuchsweise mit semitisch mʾm "maculam adspersit" (welches semitische Wort? Hebr. mʾm "nichts wissen wollen von, verachten, verschmähen") in Verbindung gebracht, daher seine Übersetzungshypothese: "etwa eine gefleckte, bunte (Hülsen?)frucht, Bunte Bohne" (für die Deutung als Hülsenfrucht verweist er auf ꜥrš⟨n⟩: "Linsen", das zwei Wörter vor mjmj in pAnastasi IV genannt wird). Maspero, Genre épistolaire, 1872, 13 betrachtet mjmj in pAnastasi IV, 8.11 als "espèce de datte, peut-être le coco" (franz. "coco" = "Kokosnuss"), womit er vermutlich an die nussförmige Frucht der Dumpalme denkt. Stern, Papyros Ebers II, 22 übernimmt die Bedeutung von Maspero als Frucht der Dumpalme, weil der Name der Dumpalme mꜣmꜣ lautet (es wird also ein phonetischer Zusammenhang zwischen mjmj und mꜣmꜣ vorausgesetzt). Brugsch, Hierogl.-demot. Wb., VI, 1880, 595 erkennt dieses Mal im ägyptischen Wort eine semitische Wurzel yamm/yamam: "glänzen, hell sein" (welches Wort? yam bedeutet "Meer") und identifiziert mjmj als "die Früchte von ⲙⲟⲛⲙⲉⲛ citria arbor, malus aurea" (Brugsch meint (B) ⲙⲁⲛⲙⲟⲛ "Orange, Apfelsine": Crum, CD, 176). Er lehnt die Interpretation als Frucht der Dumpalme ab, weil seiner Meinung nach die ägyptische Sprache systematisch zwischen den Orthographien mꜣmꜣ und mm trennt. Noch eine neue Identifikation liefert Brugsch, in: ZÄS 29, 1891, 25-28. Dieses Mal hat er mjmj auf der Hungersnotstele von Sehel (Kol. 17) gefunden, das dort als ein Produkt aus Nubien aufgelistet wird. Brugsch erkennt darin jetzt das von Plinius genannte "Ammi, Ami" (Nat. Hist., Buch XIX, 47.161: Plinius spricht von Äthiopischem, Afrikanischem und Ägyptischem Kümmel, lat. "cuminum"; Buch XX, 58.163: ein "cuminum", das die Griechen "ami" nennen und laut Manchen "Aethiopicum cuminum" ist). Für Brugsch ist äg. mjmj also identisch mit lat. "ami" und als Bezeichnung einer Art Kümmel zu verstehen. Die Ausgangshypothese von Brugsch ist allerdings falsch, denn mjmj wird auf der Hungersnotstele nicht als ein Nahrungsmittel, sondern in einer Liste von kostbaren Mineralien (ꜥꜣ.t štꜣ.t) aus Nubien beschrieben. Trotzdem wird mjmj nicht in Harris, Lexicographical Studies (1961) behandelt, so als ob er es tatsächlich als Beleg für das Nahrungsmittel einstuft. Sollte mjmj auf der Hungersnotstele ein Mineral sein, dann fällt die Verknüpfung der mjmj-Pflanze mit Nubien/Äthiopien weg. Laut Keimer, Gartenpflanzen, I, 1924, 149 sprechen die Belege von der 18. Dyn. bis zur griech. Zeit tatsächlich gegen Brugsch dafür, dass mjmj "irgendeine Körnerfrucht" ist und nichts mit Kümmel zu tun hat. Sethe, in: Borchardt, Grabdenkmal des Königs Sahure, II, 114 liefert einen Beleg für m(j)m(j) als eine Opfergabe für Bastet, wobei das Wort dieselben Getreidekörner wie jt, bd.t und bšꜣ als Determinativ aufweist (Sign-List M33) und in rotbrauner Farbe gemalt ist. Deshalb definiert Wb. 2, 58.7 mjmj als "Art Früchte von rotbrauner Farbe". Weitere Belege für mm/m(j)m(j) im Alten Reich liefert Edel, Die Felsengräber der Qubbet el Hawa bei Assuan, II. Abteilung. Die althieratischen Topfaufschriften, I.2, 1970, 23-24 (Nr. 11). Dawson, in: JEA 21, 1935, 37-38 greift den Kümmel-Vorschlag von Brugsch wieder auf und fügt einen Beleg bei Dioscurides, De materia medica, III, 62 hinzu (ἄμι, lat. ἄμιουμ, d.h. "amium" als Bezeichnung für Äthiopisches oder Königliches Kyminon, αἰθιοπικὸν κύμινον und βασιλικὸν κύμινον, zu unterscheiden von κύμινον τὸ ἡμερον und κύμινον ἄγριον). Für Dawson ist mjmj ein Fremdwort, "probably Nubian". Die Pflanze ἄμι/ ἄμμι ist seiner Meinung nach Ammi majus, L. (eng. "Bullwort", deutsch "Große Knorpelmöhre") oder Ammi visnaga, Lam. (eng. "Spanish Toothpick", deutsch "Bischofskraut"). Gardiner, The Wilbour Papyrus, II, 1948, 113-114 lehnt aus phonetischen Gründen den Zusammenhang zwischen mjmj und ἄμι ab und meint, dass die Verwendungskontexte von mjmj in den medizinischen Papyri und in anderen Texten eindeutig dafür sprechen, dass es ein Getreide wie sw.t: "Weizen" und jt: "Gerste" sein muss und eventuell ein Synonym von bd.t: "Emmer" oder genauer eine Bezeichnung der Emmerkörner sein könnte (daher Caminos, LEM, 166 sowie Faulkner, CDME, 104: "seed-corn of emmer (?)"; Charpentier, Recueil, 326, Nr. 506: "grain de blé amidonnier à ensemencer?"). Tatsächlich kommt mjmj zusammen mit sw.t und jt aber nicht mit bd.t in pEbers und pHearst vor und es gibt dqw von sw.t, jt und mjmj, aber nicht dqw von bd.t. Außerdem vermutet Gardiner, dass in pLansing 3.5-7 mjmj anstelle von bd.t verwendet wird (akzeptiert von Caminos, LEM, 382). Er kann jedoch nicht erklären, wie bd.t und mjmj beide in einer Scheune (šnw.t) in pAnastasi IV, 8, 10-11 = pLansing 11.4-5 gelagert werden können. Zur Unterstützung seiner Getreidekörner-Hypothese verweist Gardiner nicht auf pRamesseum III, A 25, wo m(j)m(j) mit dem Kornmaß Sign-List U9 geschrieben ist (dasselbe Determinativ kann allerdings auch bei Datteln verwendet werden). Lefebvre, Médecine égyptienne, 1956, 62-63 mit Anm. 7 ist geneigt, die Interpretation von Dawson abzulehnen und sich Gardiner anzuschließen. Er übersetzt mjmj deshalb mit "épeautre", d.h. "Dinkel" (weil für Lefebvre deutsch "Emmer" = engl. "Spelt" = franz. "épeautre" ist), aber er fragt sich, ob ein anderes Getreide wie franz./arab. "doura", deutsch "Durra" für Sorghum vulgare, Pers. (= Sorghum bicolor, L. = Mohrenhirse, Sorghumhirse) ebenfalls möglich ist. DrogWb 220-223 folgt ebenfalls Gardiner: "sicher eine Körnerfrucht und wohl den 'Emmer' bezeichnend". Helck, Verwaltung, 1958, 266-267 vermutet gegen "Emmer", dass es sich "vielleicht (...) doch um eine besondere Körnerart, dessen Mehl besonders gern zu Puder verwandt wurde" handelt. Gegen Emmer spricht, dass der Feldertrag niedriger zu sein scheint als bei sonstigem Getreide (Helck, Verwaltung, 267, Anm. 2). Germer, Arzneimittelpflanzen, 275-280 erkennt ein Nahrungsmittel, das als Füllmittel in Rezepten verwendet wird, aber lehnt die Gleichstellung von mjmj mit "Emmer(korn)" ab. Denn mjmj und bd.t sind beide Zutaten in Eb 572 und finden sich beide in der Scheune von pAnastasi IV, 8, 10-11 = pLansing 11.4-5 eingelagert. Germer hält die Interpretation als Sorghum für denkbar, aber nicht beweisbar. Westendorf, Handbuch Medizin, 500 hat entsprechend "mjmj-Körnerfrucht (Durrha ?)". Guiter, in: BIFAO 101, 2001, 227-228 nennt sowohl Emmer als auch Sorghum als mögliche Identifikationen. Germer, Handbuch Heilpflanzen, 76-78 lehnt die Deutungen als Kümmel und als Emmerkorn ab, aber auch als Durra/Sorghum, weil diese Hirsenart im pharaonischen Ägypten nicht nachgewiesen ist (zu antiken Sorghumresten aus Ägypten und deren Datierung siehe Germer, Flora, 227-228). Sie liefert keine neue Deutung für dieses Nahrungsmittel. Hannig, HWB, 344 bleibt noch bei "*Durra, Sorghum, Sorgho, Echte Mohrenhirse (Sorghum bicolor, oder eine andere Hirse)" (* = unsicher). Campbell/David, in: Cockitt/David, Pharmacy and Medicine, BARS 2141, 2010, 27 folgen weiterhin Dawson (Ammi majus oder visnaga).
Edel, Die Felsengräber der Qubbet el Hawa bei Assuan, II. Abteilung. Die althieratischen Topfaufschriften, I.2, 1970, 23-24 (Nr. 11) hat auf Töpfen die Aufschrift mit einer Pflanze mm.t gefunden, die er als weibliches Pendant des Nahrungsmittels mjmj betrachtet. Er fragt sich, ob die in pEbers belegte mjm.t-Pflanze (mit dem mj-Zeichen geschrieben; ein möglicher weiterer Beleg bei Wilson, Ptol. Lex., 411), nur eine andere Schreibung der mm.t-Pflanze ist.
4 mnḫ/mnḫ.t: Lesung nach Gardiner, aber teilzerstört. Es folgt keine Quantenangabe mehr, so dass keine weitere Droge vorliegen wird (eine Droge mnḫ ist sonst in den medizinischen Texten nicht belegt; eine Substanz mnḫ.w in Zusammenhang mit Weihrauch wird von Hannig, HWB, 361 {13097} aufgelistet: Quelle = ?, wschl. NR). Nach der Quantenangabe von mjmj ist nicht zu erwarten, dass mnḫ noch als Adjektiv/Partizip zu mjmj zu ziehen ist (bei mjmj belegt sind mjmj ꜥwg: "gedörrtes mjmj", mjmj nḏ: "gemahlenes mjmj" und mjmj snwḫ: "zerkochtes mjmj"). Es ist bislang nicht als Verb der Drogenverarbeitung in den medizinischen Texten belegt (nur als Adverb r mnḫ nach dem Verb der Drogenbereitung), aber eine andere Interpretation bietet sich nicht an. Ist es ein Vorstadium von nḏ: "mahlen"? Belegt ist ein Verb mnḫ mit den Bedeutungen "auffädeln" und "aufspießen".
5 bꜣḥ/ḥnn: Lesung des Penis mit Samenfluss (Sign-List D53) nach Gardiner. An anderen Stellen in diesem Papyrus wird der Penis mit Samenfluss immer als ḥnn phonetisch ausgeschrieben.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
[(Drogenbezeichnung): (Quantenangabe)]; [pr.t-Samen] (?) des Selleries1: 1 (Portion); ... ... ...2: 1 (Portion).
(Es) werde [damit (?)3] eingecremt/gesalbt.

1 mꜣt.t: Die Bedeutung "Sellerie" oder "Wilder Sellerie" geht auf Loret, in: RecTrav 16, 1894, 4-11 zurück, der das ägyptische Wort mit koptisch ⲙⲓⲧ: "parsley or celery" (Crum, CD, 188a) verbindet und frühere phonetische Angleichungen an ⲙⲉⲑⲁⲓⲟ und an μοθόθ ablehnt. ⲙⲉⲑⲁⲓⲟ findet sich bei Brugsch, Hierogl.-dem. Wb., II, 1868, 594 "crocus hortensis" und bei Stern (Ebers, Papyros Ebers, II, 26). Es bedeutet laut Crum, CD, 188a "carthamus, safflower" (Färberdistel, Saflor, Falscher Safran), weil es in der Scala von Kircher arab. ꜥuṣfur (Wehr, Dictionary of modern written Arabic, 617) entspricht, das in der Pariser Scala selbst mit ανθοκνηκον (vgl. ἡ κνῆκος) wiedergegeben wird. Stern gibt zwar (B) ⲙⲉⲑⲁⲓⲟ, Var. ⲙⲉⲧⲁⲓⲱ als Bedeutung an, er verweist aber auch auf μοθόθ bei Dioskurides, De materia medica, II, 180 RV (ägyptischer Name für χελιδόνιον μέγα, d.h. Chelidonium majus). Dieser Angleichung wird von Ebers, Papyrus Ebers. Die Maase und das Kapitel über die Augenkrankheiten, 2. Teil, 1889, 231 gefolgt, der mit "gemeines Schöllkraut" übersetzt. Loret lehnt beide ältere Deutungen ab, weil die betreffenden Pflanzen zur Zeit des Papyrus Ebers nicht in Ägypten belegt sind und/oder nicht mit den Spezifizierungen von mꜣt.t übereinstimmen. Er findet eine bessere lautliche Entsprechung im koptischen ⲙⲓⲧ "l'ache" (d.h. Sellerie, arab. karfus, griech. τὸ σέλινον, lat. Apium), dessen Bedeutung durch die griechischen und arabischen Entsprechungen (griech.) πολύτριχον, μακεδόνιον, (arab.) maqdûnis bzw. (griech.) πετροσέλινον, (arab.) karafs in den Scalae (Crum, CD, 188a) abgesichert ist und dessen medizinische Verwendungen mit denen von mꜣt.t in den Papyri übereinstimmen. Loret übersieht eine weitere Bestätigung bei Dioskurides, der schreibt, dass μιθ der ägyptische Name für σέλινον κηπαῖον ist (Dioscurides, De mat. med., III, 64 RV).
Loret erkennt vier Arten von mꜣt.t in den medizinischen Papyri: mꜣt.t ohne Erweiterung, mꜣt.t mḥ.yt: "Mati de marais", mꜣt.t mḥ.t: "Mati du Nord" und mꜣt.t ṯs.yt (lies mꜣt.t ḫꜣs.t): "Mati de montagne". Für ihn ist mꜣt.t ohne Erweiterung der kultivierte Sellerie (Apium dulce Mill.), mꜣt.t mḥ.yt: "Mati de marais" der wilde Sellerie (Apium graveolens L.), mꜣt.t mḥ.t: "Mati du Nord" Crithmum pyrenaicum Forsk. und mꜣt.t ṯs.yt Apium Petroselinum L. Lefebvre, Médecine égyptienne, 149 gibt teilweise andere Identifikationen. Für ihn ist mꜣt.t ohne Erweiterung der kultivierte Sellerie, Apium graveolens L.; mꜣt.t mḥ.t: "Mati du Nord" wäre eine für das Delta typische Varietät, vielleicht Apium dulce Mill; dem Element "petro-" in Apium petroselinum L. könnte laut Lefebvre ḫꜣs.t entsprechen, was seiner Meinung nach für eine Identifikation von mꜣt.t ḫꜣs.t mit Petersilie sprechen könnte (gefolgt von Charpentier, Recueil, 320-323, Nr. 501bis). Die Bezeichnungen von Loret und Lefebvre sind zu revidieren, weil mꜣt.t mḥ.yt sowie mꜣt.t mḥ.t unterschiedliche Graphien derselben Pflanze sein könnten und Apium dulce Mill. heute als eine andere Bezeichnung von Apium graveolens L. betrachtet wird. Für Germer, Arzneimittelpflanzen, 92-99 und Germer, Handbuch Heilpflanzen, 74-76 ist die Identifikation von mꜣt.t mit Apium graveolens L., Sellerie, nicht sicher, aber jedoch wahrscheinlich, dank des koptischen ⲙⲓⲧ sowie der Tatsache, dass Sellerie in Ägypten wild wächst, archäologisch belegt und mit der medizinischen Verwendung in den Papyri in Einklang zu bringen ist. Für Germer sind "Sellerie des Nordens" und "Sellerie des Berglandes" eher unterschiedliche Kultursorten als wirklich unterschiedliche Pflanzen bzw. ist keine genauere Bestimmung als "Sellerie" möglich. Gegen die Deutung von "Sellerie des Berglandes" als Petersilie spricht ihrer Meinung nach, dass Petersilie archäologisch nicht in chronologisch gesicherten Kontexten nachgewiesen und vielleicht erst in griechisch-römischer Zeit oder noch später kultiviert wurde (Keimer, Gartenpflanzen, I, 39, Nr. 27). Hannig, HWB, 340 versieht die Übersetzung "*Sellerie" mit einem Asterisk als Zeichen von Unsicherheit in der Bedeutung. Für mꜣt.t mḥ.t hat er "*Sellerie (Apium graveolens)" und für mꜣt.t ḫꜣs.t "Deverra tortuosa, Pituranthos tortuosus" sowie "*Petersilie (Apium petroselinum L.)" [Deverra tortuosa und Pituranthos tortuosus sind Synonyme von Crithmum pyrenaicum Forsk.].
Vor mꜣṯ.t steht keine Quantenangabe, so dass das vorangehende Wort dazuzurechnen ist. DrogWb 216 erwähnt pr.t mꜣt.t und ꜥr n.j mꜣt.t als in medizinischen Texten belegte Kombinationen, aber nur pr.t mꜣt.t ist mit den Spuren vereinbar.
mꜣt.t: "Sellerie" ist orthographisch mit einem großen Strauch oder kleinem Baum mꜣṯr.t, mꜣty.t, mꜣt.t zusammengefallen (siehe Edel, in: ZÄS 96, 1970, 9-14), den Daumas, Note sur la plante matjet, in: BIFAO 56, 1957, 59-66 als Calotropis procera identifiziert, weil die Früchte laut eines ägyptischen Textes auf einem Pfeiler im sog. Sanatorium von Dendara Testikeln ähneln (akzeptiert von Edel sowie von Zibelius, in: LÄ II, 659; Charpentier, Recueil, 320-323, Nr. 501bis; Aufrère, in: BIFAO 86, 1986, 10; Borghouts, The Magical Texts of Papyrus Leiden I 348, Leiden 1971, 93, Anm. 160; vgl. Germer, Handbuch Heilpflanzen, 215-216). Die Frucht wird wegen einer Beschreibung von Flavius Josephus, Bellum Iudaicum, Buch IV, Kap 8, § 484 manchmal auch "Sodomsapfel / Apfel von (der Stadt) Sodom" genannt (Josephus selbst spricht von καρπός). Vgl. auch Dawson, in: JEA 19, 1933, 133-135 und 137, der wegen des Zusammenhangs von mꜣt.t oder mꜣṯr.t mit Testikeln auf dem magischen Papyrus Leiden I 348 Rto 6.1 an die Mandragora dachte (er differenzierte noch nicht zwischen mꜣt.t und mꜣṯr.t).
2 smn: Lesung nach Gardiner. Das Wortende ist nicht erhalten und die Lesung mn ist unsicher (mn ähnelt ⸮mnḫ? in Rto 1, ist aber in Rto 9 ganz anders geschrieben). Es gibt keine mit smn anfangende Drogenbezeichnung im DrogWb (nur snf n.j smn: "Blut der smn-Gans"). Vielleicht hat der antike Schreiber nicht smn, sondern s⟨b⟩tt geschrieben, mit nachträglich eingefügtem b. Auch das nächste Wort ist problematisch: ein auf b (?) endendes Wort mit drei Wasserwellen. Eine Lesung qb ist sehr fraglich.
3 wrḥ [jm]: Vgl. weiter unten in Zl. 2, wo das Rezept mit wrḥ jm endet.

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[... ... ...]; Öl/Fett: 1 (Portion).
(Es) werde der ḥnn-Penis damit gesalbt/eingecremt.1

1 gs ḥnn: gs ḥnn jm ebenfalls weiter unten in Zl. 6 und 10 und mehrfach auf dem Verso (Zl. 3, 5, 6 und 13). In einem zerstörten Zusammenhang auf pRamesseum IV steht gs ḥnn n.j z jm: "den Penis eines Mannes damit eincremen". Warum vom Verb wrḥ in der vorherigen Zeile auf das Verb gs umgeschaltet wird, ist unklar.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Myrrhe: 1 (Portion); [... ... ...].
(Es) werde damit gesalbt/eingecremt.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Körner/Früchte von [...: (Quantenangabe); ...: ...; ...]: 1 (?)1 (Portion); süßes Bier.
(Es) werde von einem Mann getrunken am Anfang/vor (?) [dem Schlafengehen (?)2 ...

1 ⸮1?: Ein schwarzer und kein roter Strich, weshalb die Lesung als Quantenangabe unsicher ist. Es ist ebenfalls unsicher, ob pr.t aus Zl. 2 und 1 aus Zl. 3 zum selben Rezept gehören.
2 zwr tp-ꜥ sḏr: Diese Ergänzung nach Eb 168 und 238.

[Rezept (?) zur (?) ...] Same/Gift (?) [...] ... [in/aus irgend]einem [Körper]teil (?).1
[...]-Körner/Mineral2: 1/64 (Oipe = 1 Dja); Milch/Weintrauben (?)3: 1/64 (Oipe = 1 Dja); Öl/Fett: 1/8 (Dja); Honig: 1 (Portion); Wasser/Saft von Gerste4 [...]
[(Es) werde ... (Zubereitungsart)]. (Es) werde getrunken5 4 Tage lang.

1 [...] ⸢mtw,t⸣ ... ⸮[ꜥ],t? ⸮[nb].t?: Reste eines längeren Rubrums, dass möglicherweise die Überschrift einer neuen Rezeptgruppe bildete. Lesung mtw.t nach Gardiner. Vgl. die Überschrift auf dem Verso, Zl. 9: pẖr.t n.t jni̯.t mtw.t: "Rezept/Heilmittel zum Herausholen von Gift". Die Ergänzung von [m] ꜥ.t nb.t (seltener sind ḥr ꜥ.t nb.t oder r ꜥ.t nb.t: siehe MedWb I, 118) passt zu den Spuren und kann auch am Ende von Überschriften stehen, ist aber keineswegs sicher.
2 [_]⸮b?j: Das erste teilweise erhaltene Zeichen ist vielleicht kein b, sondern ein j. Das Wort bj: "Grütze" ist normalerweise keine Zutat an sich.
3 jrt.t: Die Determinierung mit Mineralkorn spricht gegen das Wort "Milch". Vielleicht ist es eine Schreibung für jꜣrr.t "Weintrauben".
4 mw n.j jt: DrogWb, 71, 73 s.v. jt: "Gerstenschleim". Es wird ebenfalls in Zl. 13 erwähnt.
5 zwr r hrw 4: Der Mann mit Hand am Mund ist erhalten. Dies kann die Abkürzung oder das Ende von ausgeschriebenem zwr sein, aber auch andere Verben der Arzneimittelaufnahme kommen gelegentlich in Betracht in der Kombination Verb + r hrw 4, vor allem wnm (Eb 16, 44, 99, 203e, 204b, 205b, 215, 316-318, 548, H 26-27, B 29, 31, 34, 44, 152, 153), ausnahmsweise sẖp (Eb 122), sdb (Eb 69, 184), sbš.y (Eb 696), ẖpꜥ (Eb 749, H 9), vgl. auch sꜥm (Eb 314, 315, B 47). Vgl. [sd]b/[sẖ]b r hrw 4 weiter unten in Zl. 14. Weil die vorangehende Zeichenspur nicht eindeutig als drei Wasserlinien ergänzt werden kann, ist hier vielleicht eine abgekürzte Schreibung von zwr vorzuziehen; zu wnm lässt sich die Zeichenspur auch nicht ohne weiteres ergänzen. Die Autoren des Grundrisses begründen in MedWb II, 730-732 (s.v. zwr), weshalb sie die abgekürzte Schreibung des Mannes mit Hand am Mund fast immer zwr lesen. Auch in unserem Fall ist sicher zwr zu lesen, weil gleich im Anschluß eine Formel folgt, die zu sprechen ist, "wenn dieses (gerade genannte) Rezept getrunken wird".

Worte zu sprechen, wenn dieses Rezept getrunken wird:
Los, richte (?)1 dich auf, [Rto x+1.5] [oh/du ..., ... ...] in/aus (?) den Gliedern einer Frau ... straucheln/gleiten in einem Gerstenfeld.
Horus knotet sich/ihn auf [... ... ...] sein [...], kräftig ist der Same / das Gift [auf (oder: für)] einem liegenden/schlafenden (d.h. nicht erigierten) Penis.
(Es sind die) Worte vier Mal zu sprechen.

1 ⸮ṯsi̯?: Lesung sehr unsicher und von Gardiner wegen der Formel m ṯsi̯ ṯw vorgeschlagen. Das hintere Ende von wäre seiner Meinung nach zerstört, aber eine Zerstörung ist auf dem Photo nicht erkennbar und das Zeichen sieht eher wie gs aus, wobei der am Ende einer kleinen Lücke stehende senkrechte Strich allerdings nicht mit dem schlagenden Mann, dem Determinativ von gs, vereinbar ist.

Ein anderes/weiteres Heilmittel/Rezept.
[... ...]; [...]-Mineral/Körner: 1 (?) (Portion); [__]sꜣ-Droge: 1 (Portion); šb[_]-[Droge1: ...; ...-Droge]: ⸮⸢1⸣? (Portion); (Mehl/Früchte/Brot) des Christdornbaumes:2 1 (Portion); ꜥrw-Strauch3: 1 (Portion); [...: (Quantität)]; [We]ihrauch: 1 (Portion); Honig: 1 (Portion).
(Es) werde der Penis damit gesalbt.

1 šb[_]: Unterschiedliche Wörter sind möglich: ein šb.t-Baum, eine šb.t-Gurken- oder Melonenart, šb.t als eine Art Maische, die šbb-Pflanze. Die Lücke nach šb beträgt allerdings 4 Quadrate, was mehr ist, als was für die gerade aufgeführten Drogen erforderlich ist.
2 nbs: Das DrogWb 300-302 listet jšd.t-Früchte, ws.t-Mehl, Holz, ḏrḏ-Blätter und -Brot des Christdorns als Zutaten in Rezepten auf. Hier scheint jedoch eine rote Quantenangabe unmittelbar vor nbs zu stehen.
3 ꜥrw: DrogWb 105-107 kennt nur einen ꜥrw-Baum. Gardiner meint den Stengel M2 als Determinativ ergänzen zu können, was nur bedingt zu einem Baum passt. Vielleicht ist das Determinativ durch ꜥr.t: "Papyrusrolle" hervorgerufen.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept):
mkj-Produkt1 des ḫnw-Rastplatzes (?): [Quantität]; [... ...]; süßer Dattelbrei/-trank (?)2: 1 (Portion).
(Es) werde damit gesalbt.

1 mkj: Wb. 2, 162.6. DrogWb 291 listet mkj n.j h: "mkj des Hofes" als Droge auf. Letztere Droge wird von Hannig, HWB, 393 {14154} als "*Kalk-Salpeter" in Stallungen gedeutet. Vgl. Harris, Minerals, 217, der auf Loret, in: RecTrav 16, 1894, 92-95 verweist und eine Übersetzung als "dung" oder "excrement" in Anlehnung an Loret für möglich hält. Das von Loret genannte ⲙⲏⲟⲉⲓⲕ "Kot, Dung" scheint allerdings auf mwy.t n(.t) ꜥqw zurückzugehen: siehe Crum, CD, 158a, s.v. (S) ⲙⲏ ⲟⲉⲓⲕ, (F) ⲙⲏ ⲛⲁⲓⲕ: "urine of bread" und kann also nichts mit mkj zu tun haben.
2 ⸮[sr]⸢m.t⸣?: Der von Gardiner nicht gelesene Zeichenrest könnte ein mw.t-Geier sein, was dann zu [sr]m.t zu vervollständigen wäre. Die Kombination srm.t nḏm.t ist als Droge belegt (DrogWb 457 mit Verweis auf Bln 177 und 178: dby n.j srm.t nḏm.t, dort allerdings nicht mit dem mw.t-Geier geschrieben) und findet sich auch in pAnastasi III, 3.5 als Getränk von ꜥꜣ-nḫt, d.h. die Stadt Piramesse. Die Hauptzutat des Getränks und Nahrungsmittels srm.t war lange Zeit unbekannt (z.B. Wb. 3, 463.7: "ein Getränk: wohl Art Bier"; Helck, Materialien, 691-692: "ein Getränk, das anscheinend besonders süß war (Pap. Anastasi III 3, 5), dessen Ingredienzien aber nicht bekannt sind"). Gardiner, AEO II, 234*-235* vermerkt, dass es häufig parallel zu Bier genannt wird und nicht nur ein Getränk war, sondern auch in halbfestem oder festem Zustand gegessen wurde. Im Grab des Antefiqer (TT 60) wird srm.t in der Herstellung eines Getränks genannt, für das alte Datteln bnr verwendet werden (Davies, Antefoker, Tf. 11): ein hungriges (ḥqr) Kind möchte srm.t in einem Schüsselchen von einem Mann bekommen, der eine Masse durchseiht, die offensichtlich aus den vorher genannten alten Datteln hergestellt wurde. Klebs, Die Reliefs und Malereien des mittleren Reiches, Heidelberg 1922, 83 hat als Erste diese Szene bei Antefiqer als Szene der Dattelweinbereitung identifiziert, nachdem Davies sie als Bierbrauszene gedeutet hatte (Davies, Antefoker, 15-16). Wallert, Die Palmen im Alten Ägypten (MÄS 1), Berlin 1962, 30-31 spricht ebenfalls von der Herstellung von Dattelwein und übersetzt srm.t mit "Gegorenes". Helck, Das Bier im Alten Ägypten, Berlin 1971, 32-33 erkennt in srm.t wegen der Darstellung im Grab des Antefiqer eine "Dattelmasse", daneben auch ein Getränk, wobei es "sich um Dattelsaft gehandelt haben" wird. Obwohl srm.t ausschließlich im Grab des Antefiqer mit Datteln in Zusammenhang gebracht wird, ordnet Germer, Arzneimittelpflanzen, 160-161 srm.t ohne weiteres unter bnr/bnj: "Dattel" ein und definiert es als "ein süßes aus Datteln hergestelltes Getränk" und "sicherlich neben dem Getränk ebenso den Dattelpreßrückstand". Ähnlich Germer, Handbuch Heilpflanzen, 63-64: "ein aus Datteln hergestelltes Getränk. Das Wort bezeichnet ebenso den Pressrückstand der Datteln". Hannig, HWB, 789 übersetzt srm.t mit "*Dattelbrei, Dattelgetränk" (* = unsicher!). Unklar bleibt, ob es sich beim Getränk um einen Saft (z.B. "Dattelsaft") oder ein gegorenes Getränk (z.B. "Dattelwein") handelt. Das Produkt wurde auch aus entfernteren Domänen und aus dem Ausland in Krügen importiert (Hayes, in: JNES 10, 1951, 90-91: Krugaufschriften / dockets; z.B. oTurin CGT 57062, Zl. 3: srm.t von Qdj: Helck, in: SAK 18, 1991, 235), was dann kein nicht-haltbarer Saft sein kann. Auf oGardiner 81 (Černý & Gardiner, Hieratic Ostraca, Tf. 57.4) sind Quantitäten von Bier und srm.t Arbeitsleistungen eines gewissen Montuseref (ein Bierbrauer?) und ergeben zusammen eine weitere Biermenge (Helck, Materialien, 690 und 691; Helck, Das Bier im Alten Ägypten, Berlin 1971, 46), d.h. srm.t könnte eine Zutat des Bieres für eine Art von Dattelbier sein (zu Datteln als Zutat im Bier siehe Helck, Das Bier im Alten Ägypten, Berlin 1971, 32-36). Das Wort srm.t ist mit koptisch (S) ⲥⲟⲣⲙ, ⲥⲁⲣⲙ: "Hefe; Bodensatz, Trub" (Crum, CD, 355a: "lees, dregs of wine, oil &c", griech. τρυγίας) zu verbinden und wird demzufolge eine Bedeutungsentwicklung durchlaufen haben.

Worte zu sprechen, wenn [dieses] Rezept getrunken1 wird:
[Los, richte dich auf (oder: Sei gegrüßt) ...], Seth, Sohn der Nut, mit mehr Kraft als jeder (anderer) Gott.
Der Penis ist in (?) der smtj-Pflanze2, [... ... ...].
(Es sind die) Worte vier Mal zu sagen.

1 zwr: Die Verwendung von zwr: "trinken" ist im Widerspruch mit der Tatsache, dass im vorangehenden Satz mit dem Preparat gesalbt/eingecremt wird.
2 smtj: Wird hier mit einem Pflanzendeterminativ versehen. Wb. 4, 144.13 kennt nur ein mit N33 determiniertes Produkt smt als Droge (DrogWb 442). Charpentier, Recueil, Nr. 951 legt den Beleg von pChester Beatty X bei smt ab. Hannig, HWB, 768 differenziert zwischen smt: "e. Arzneistoff" {28212} und smtj: "e. Pflanze (*Gartenkresse, Lepidium sativum)" {28213}. Westendorf, Handbuch Medizin, 505 hält die unterschiedliche Determinierung nicht für einen ausreichenden Grund, um zwei Lemmata anzusetzen. Das Arzneimittel smt wurde von Stern mit "grana quaedam" übersetzt, aber er verweist schon auf σέμεθ bei Dioskurides als ägyptischen Namen der Pflanze(ngattung) nasturtium (Papyros Ebers, II, 39). Nasturtium ist der wissenschaftliche Name für die Pflanzengattung der Brunnenkressen. Wiedemann, Sammlung altägyptischer Wörter welche von klassischen Autoren umschrieben oder übersetzt worden sind, Leipzig 1883, 38 nennt σέμεθ dann nach Dioskurides II, 155 (ed. Wellmann: σεμέθ) κάρδαμον und Lepidum sativum (Bezeichnung aus dem 18. und 19. Jh. für Lepidium sativum L., d.h. Gartenkresse) und gibt smt im Papyrus Ebers als ägyptische Entsprechung. Chassinat, Papyrus médical copte, 84-85 versucht die Gleichsetzung von σέμεθ und smt anhand der medizinischen Anwendungen von smt in den altägyptischen Papyri zu überprüfen. Er kommt zu dem Schluß, dass die Gleichsetzung von σέμεθ und smt philologisch unproblematisch ist, aber dass die medizinischen Anwendungen von smt die Gleichsetzung von smt mit den Körnern von Lepidium sativum L. nicht notwendig erscheinen lassen. Er ist sich nicht einmal sicher, ob smt pflanzliche Körner und nicht ein Mineral, ein Harz oder ein Pulver sind, weil der Name der Pflanze, aus der die Körner stammen, nicht überliefert sei. Das könnte dann mit smtj im Papyrus Chester Beatty X der Fall sein. Lefebvre, Médecine égyptienne, 142 hält die Früchte oder Körner smt für nicht identifiziert. DrogWb 442 vermutet, dass es "dem snṯr verwandt ein Harz oder dem tpnn ähnlich eine Frucht sein" könnte, weil es mit diesen beiden Drogen, Weihrauch bzw. Kümmel, gern gemeinsam vorkommt. Für Germer, Arzneimittelpflanzen, 183-184 ist smt nicht identifiziert. Charpentier, Recueil, 586-587, Nr. 951 hält die Gleichsetzung von sm.t (sic für smt) und σεμέθ für "probable" und identifiziert smt deshalb als franz. "Cresson alénois", lat. "Lepidium sativum L." Auch Manniche, Ancient Egyptian Herbal, 115, 163, 166 akzeptiert die Gleichsetzung und erkennt in smt Lepidum sativum L. (für: Lepidium sativum L.). Westendorf, Handbuch Medizin, 505 spricht für smt von "Kresse ?" mit Verweis auf Charpentier und Manniche. Germer, Handbuch Heilpflanzen, 115 schreibt, dass smt innerlich und als Kaumittel verordnet wird und dass eine Identifizierung noch nicht möglich ist. Sie lehnt eine auf der Gleichsetzung von smt mit σεμέθ basierende Identifikation grundsätzlich ab (S. 14) und weist darauf hin, das für κάρδαμον neben Lepidium sativum L. auch Erucaria aleppica Gärtn. (auf S. 372: Erucaria hispida (L.) Druce; für: Erucaria hispanica (L.) Druce?) vorgeschlagen wurde, eine Kresse-Art, die weder in Ägypten wächst noch dort durch Funde belegt ist. Festzuhalten bleibt, dass die Identifikation von smt als eine Art Kresse nur auf der Gleichsetzung von smt mit σεμέθ = κάρδαμον bei Dioskurides beruht. Lehnt man sie ab, ist smt/smtj eine nicht identifizierte Pflanzenart.

Ein anderer/weiterer Spruch:
Sei gegrüßt, (du) Gott [... ... ...,] der die Pat-Leute er[schaffen hat]1, Chnum, der die Rechit-Leute begründet/organisiert hat!
Mögest du die Öffnung (?) jeder Vulva wissen lassen (??)2 [... ... ...] seine Höhle.
Sei du stark (d.h. erigiert), sei nicht schlaff!
Sei du mächtig, sei nicht elend!
[... ... ...] mögest du [...] die beiden Hoden(?)3, mögest du fest machen die beiden Testikel(?)4 zusammen/gemeinsam mit Seth, dem Sohn der Nut.

1 ⸢nṯr⸣ [... qmꜣ]: Ergänzung nach Gardiner, Chester Beatty Papyri, Tf. 62, der in seiner Übersetzung (S. 115) die Restlücke mit "Hail to thee, thou [great?] god, who created the patricians" schließt. Die Ergänzung [qmꜣ] ist durch die erhaltenen Determinative gesichert.
2 srḫ.y: Gardiner, Chester Beatty Papyri, 115 übersetzt "test (?)". Ein Verb srḫ mit dem schlagenden Mann als Determinativ ist unbekannt. Sollte man sdḫ: "verstecken" lesen (ebenfalls nicht mit dem schlagenden Mann als Determinativ) und so verstehen, dass der Mann mit seinem geheilten Penis die Öffnung der Vulva verdeckt?
3 dḥ.tj: Unbekanntes Wort, ein Körperteil im Dual, dem verdoppelten Determinativ nach zu urteilen. Gardiner, Chester Beatty Papyri, 115 übersetzt "Thou ...est ⟨thy⟩ testicles (?)". Daher Hannig, HWB, 1058: *dḥtt: "Hoden" {39202}.
4 sn.tj: Gardiner, Chester Beatty Papyri, Tf. 62 hat hieroglyphisch ⸢b⸣dj.wj umschrieben, aber er verweist (S. 115, Anm. 2) auf einen Lesungsvorschlag von Černý als ⸢sn⸣.tj, der ihm nachträglich besser gefällt. Vgl. sn.t: "Polierstein" (wird die Form der Testikel mit der Form eines Poliersteins verglichen??). Die Spuren passen nicht für zmꜣ.tj als Bezeichnung der Hoden.

Worte zu sprechen über [Rto x+1.10] [... ... ...] ... süßen [...].
(Es) werde der Penis da[mit] gesalbt.
[Weitere (?)]1 Mittel (?) [zur ...

1 zp.w: Eine Ergänzung der Lücke ist schwierig. Die Verwendung einer anderen Tinte lässt auf einen neuen Abschnitt schließen. Andere Möglichkeiten sind z.B. [ḏi̯ r=f] zp.w [ꜥšꜣ.w]: "(es) werde ihm viele Male appliziert" (Eb 431). Gegen ḥḥ n zp: "Millionenfach (erprobt)" spricht der Plural. Für die Ergänzung [ḏd mdw.w] zp.w [4] (vgl. Kol. x+1.5) ist die Lücke zu klein.

[... trinken/essen/...] des Heilmittels, das hergestellt wurde.
jns.t-Pflanze1: 1/32 (Dja); Honig: 1/32 (Dja); süßes Bier: [(Quantität); ... ... ...]
(Es) werde getrunken (?)2 vier Tage lang.

1 jns.t: Noch nicht identifizierte Pflanze. Bislang wurden zwei Identifikationsvorschläge gemacht, die beide auf eine lautliche und inhaltliche Gleichstellung des ägyptischen Wortes mit einem bei den antiken Autoren überlieferten Wort basieren. Wiedemann, Sammlung altägyptischer Wörter welche von klassischen Autoren umschrieben oder übersetzt worden sind, Leipzig 1883, 11-12 verweist für jns und jns.t im Papyrus Ebers auf die bei Pseudo-Apuleius Herbarius überlieferten lateinischen Transkriptionen ägyptischer Pflanzennamen anese und anusi (Kap. 11 und 101: anese für lat. artemisia, anusi für lat. tussilago oder salvia). Schon Parthey, Vocabularium coptico-latinum et latino-copticum E. Peyroni et Tattami lexicis, Berolini 1844, 580 hat anusi mit lat. salvia, griech. ἐλελίσφακον verknüpft. Loret, La flore pharaonique, 2. Aufl. 1892, 51, Nr. 80 identifiziert das anusi von Pseudo-Apuleius mit dem bei Dioskurides (III, 35, ed. Wellmann) fehlerhaft überlieferten ἀπουσί (für ἀνουσί), das er als Salvia aegyptiaca L. identifiziert (siehe auch S. 137: hierogl. jns.t = Anousi = [franz.] Sauge ? = Salvia aegyptiaca L.). Ein anderer Identifikationsversuch findet sich s.v. jns.t in Wb. 1, 100.1-2: "eine essbare Pflanze (ob Anis ?ἄνισον?)", wobei Erman/Grapow also eine etymologische Verwandtschaft zwischen jns.t und ἄνισον/ἄννησον vermuten. Für Gardiner, AEO I, 21 ist diese Gleichstellung "highly questionable". Lefebvre, Médecine égyptienne, 61 schreibt dazu "l'anis, si tant est que cette traduction soit sûre; elle est du moins fort possible" und vermerkt 61, Anm. 4 noch die arabische Entsprechung yansoun. DrogWb 44-45 verzichtet auf eine Bestimmung und nennt die Vorschläge Anis und Salbei in der Diskussion. Charpentier, Recueil, 92-93, Nr. 155 schreibt "une plante non encore déterminée avec certitude", aber auch "l'identification avec le grec ἄνησον, anis, n'est pas absolument certaine". Germer, Handbuch Heilpflanzen, 30-31 findet die Identifikation als eine Salbei-Art "nicht überzeugend", weil sie Identifikationen über bei den antiken Autoren überlieferten Synonymennamen (insbesondere bei Dioskurides) grundsätzlich für sehr zweifelhaft hält (siehe S. 13-14). Gegen die Identifikation als Anis (Pimpinella anisum L.) führt sie das Fehlen dieser Kulturpflanze in Ägypten vor der römischen Zeit an (Germer, Flora, 139; Keimer, Gartenpflanzen, I, 38 meint auch ohne botanische Funde oder Identifizierung des altägyptischen Namens, dass diese Pflanze "bestimmt vorhanden gewesen sein" muss). Hannig, HWB, 89 listet die beiden bislang vorgeschlagenen Identifikationen als unsicher auf: "e. Pflanze (*Anis, Pimpinella anisum; *Salbei, Salvia spec.)".
2 zwr: Der Mann mit Hand am Mund ist erhalten. Dies kann die Abkürzung oder das Ende von ausgeschriebenem zwr sein, zumal süßes Bier als Flüssigkeit im Rezept vorhanden ist, aber auch andere Verben der Arzneimittelaufnahme kommen gelegentlich in Betracht in der Kombination Verb + r hrw 4, vor allem wnm (Eb 16, 44, 99, 203e, 204b, 205b, 215, 316-318, 548, H 26-27, B 29, 31, 34, 44, 152, 153), ausnahmsweise sẖp (Eb 122), sdb (Eb 69, 184), sbš.y (Eb 696), ẖpꜥ (Eb 749, H 9), vgl. auch sꜥm (Eb 314, 315, B 47). Vgl. [sd]b/[sẖ]b r hrw 4 weiter unten in Zl. 14. Die Autoren des Grundrisses begründen in MedWb II, 730-732 (s.v. zwr), weshalb sie die abgekürzte Schreibung des Mannes mit Hand am Mund fast immer zwr lesen.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
[(flüssige Droge)]: 1/64 (Oipe = 1 Dja); schwarzer Emmer:1 [(Quantität); ... ...]
[(Es) werde ..., (es) werde getrunken (?)] vier (?) [Tage lang].

1 btj km / Km.t: siehe auch Verso 1.8 (dort mit Haardeterminativ, was vielleicht für "schwarz" spricht).

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Früchte/Körner von mrrj-Pflanze/Mineral (?)1: 1/8 (Dja); tbsw-Droge/Pflanze2: [(Quantität)]; Gerstenwasser 1/8 (Dja).
(Es) werde dem Tau [ausgesetzt]3, (es) werde getrunken (?)4 [vier Tage lang.]

1 mꜥ⸢r⸣[r]j: Das Wort ist weitestgehend erhalten auf pChester Beatty 10, Verso, Kol. 1.1. Es findet sich keine Droge mrrj im DrogWb. Auf pChester Beatty 10, Rto, Kol. x+1.11 in der Kombination pr.t m⸢r⸣[r]j/mꜥ⸢r⸣[r]j. Man erwartet nach pr.t eigentlich eine Pflanzenbezeichnung, obwohl das Wort mit Mineralkorn und Pluralstrichen determiniert ist. Auf dem Verso geht pr.t nicht voran. Hannig, HWB, 369 {13363} "e. Mineral". Ob es einen Zusammenhang mit mrr.yt: "Klumpen (von Weihrauch)" gibt?
2 tbs: Keine entsprechende Drogenbezeichnung im DrogWb. Die tbs-Pflanze wird vom Beredten Bauern als Handelsware mitgeführt. Falls sie mit der Wurzel tbs: "stechen" zusammenhängt, könnte sie dornig sein. Hannig, HWB, 993 {36703} listet als mögliche Pflanzen "*Kameldorn, Alhagistrauch, Mannaklee, Mannastrauch, Türkischer Süßklee, Alhagi graecorum/maurorum" auf.
3 [rḏi̯/sḏr] n jꜣd,t: sḏr n jꜣd,t ist die gängige Formulierung, aber die Lücke ist nicht groß und die Spuren passen nicht für die abgekürzte Schreibung von sḏr. Andererseits ist rḏi̯ n jꜣd,t nur in pChester Beatty VI, Rto Kol. 5.2 (Bt 6) belegt.
4 zwr [r hrw 4]: Der Mann mit Hand am Mund ist erhalten. Dies kann die Abkürzung oder das Ende von ausgeschriebenem zwr sein, zumal süßes Bier als Flüssigkeit im Rezept vorhanden ist, aber auch andere Verben der Arzneimittelaufnahme kommen gelegentlich in Betracht in der Kombination Verb + r hrw 4, vor allem wnm (Eb 16, 44, 99, 203e, 204b, 205b, 215, 316-318, 548, H 26-27, B 29, 31, 34, 44, 152, 153), ausnahmsweise sẖp (Eb 122), sdb (Eb 69, 184), sbš.y (Eb 696), ẖpꜥ (Eb 749, H 9), vgl. auch sꜥm (Eb 314, 315, B 47). Vgl. [sd]b/[sẖ]b r hrw 4 weiter unten in Zl. 14. Die Autoren des Grundrisses begründen in MedWb II, 730-732 (s.v. zwr), weshalb sie die abgekürzte Schreibung des Mannes mit Hand am Mund fast immer zwr lesen. Laut MedWb II, 832 folgt auf sḏr n jꜣd,t in den meisten Fällen zwr.

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[__]ꜣ-Produkt1: 1/64 (Oipe = 1 Dja); [(Droge)]: [(Quantität)]; Öl/Fett: 1/4 (Dja); Honig: [(Quantität); ... ...; Wasser (?)] der Gerste: 1/8 (Dja).
[(Es) werde ... (Zubereitungsart).]2 (Es) werde getrunken (?) vier Tage lang.

1 [__]ꜣ 1/64: Das Determinativ des schlagenden Mannes lässt vermuten, dass die verlorene Droge in einem verarbeiteten Zustand vorlag (Typus jt sḥm: "zerstampfte Gerste" oder wꜥḥ nꜥg/nꜥgꜣ: "zerkleinerte Mandeln").
2 _[__] ⸮swr? r hrw 4: Möglicherweise folgt nach [⸮mw?] n,j jt rʾ-8 noch eine weitere Droge, weil die Länge der Lücke nicht genau bestimmt werden kann, aber eine Zubereitungsart des Heilmittels ist nach der Auflistung von 6 Zutaten wahrscheinlicher. Ob die Spuren mit dem waagerechten Strich auf der Zeilenlinie wie am Ende von Zl. 11 als [rḏi̯/sḏr] n [jꜣd,t] ergänzt werden können?

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Öl/Fett: 1/8 (Dja); Weizen: 1/64 (Oipe = 1 Dja); mnhp-Droge1: [(Quantität)]; Milch: 1/128 (Dja).
[(Es) werde ... vier Tage lang.]2

1 mnhp: Fehlt in anderen Papyri als Droge (nicht im DrogWb), steht aber ebenfalls auf dem Verso, Zl. 1 und 6. Es ist laut Wb. 2, 82.18 als Pflanze mit aphrodisierender Wirkung (Wortbildung m + nhp: "Mittel zum Begatten") belegt und wird dem Gott Min dargeboten (Charpentier, Recueil, 336-337, Nr. 528).
2 Vermutlich fängt in der Lücke am Anfang von Zl. 13 ein neues Rezept an, denn ansonsten würde sw.t zweimal im selben Rezept stehen und hätte man mindestens 12 Zutaten. In der Lücke vor bj.t (Zl. 13) ist der Anfang dieses neuen Rezepts nicht anzusetzen, weil diese Lücke kaum groß genug ist, um darin j[__ ⸮zwr? r hrw 4 k.t] bj.t unterzubringen. Auch lässt sich kein Verb der Drogenbereitung oder -verabreichung finden, dass mit j anfängt (jwḥ trifft wohl nicht zu).

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[...-Droge]: 1/128 (Dja); j[__]-Droge: [(Quantität)]; Honig: 1/64 (Oipe = 1 Dja); Weizen: [(Quantität)]; [Droge]: 1/64 (Oipe = 1 Dja); gemahlene Gerste: [(Quantität)]; [(Droge)]: 1/64 (Oipe = 1 Dja); Wasser [von] Gerste: 3/32 (Oipe = 2,5 Dja) (?)1.
(Es) werde gekocht, (es) werde durchgeseiht, [(es) werde getrunken (?)2 vier Tage lang.]

1 1/32 1/16: Eine solche Quantität ist eigentlich unmöglich, weil das größere Maß vor dem kleineren kommen müsste.
2 psi̯ ꜥtḫ: Vom nächsten Wort ist ein senkrechter Strich am Wortanfang erhalten, der aber kaum zu s (für z[wr] oder s[ꜥm] oder s[db]) ergänzt werden kann.

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]1
jns.t-Pflanze: 1/64 (?)2 (Oipe = 1 Dja); [... ... ... ...]; [__]s,t-Pflanze: [(Quantität)]; [süßes (?) ...]: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
(Es) werde gemahlen, [(es) werde ...], (es) werde eingenommen (?)3 vier Tage lang.

1 k.t: Eine winzige Spur roter Tinte vor jns.t kann an dieser Stelle nur zu einem k.t gehören.
2 jns.t ⸢1/64⸣: Lesung der Quante nach Gardiner. Eventuell würde auch rʾ-8 oder rʾ-32 passen (vgl. jns.t rʾ-32 oben in Zl. 10).
3 [__]b: Zwei Verben der Drogeneinnahme, die in anderen medizinischen Texten belegt sind, sind sẖb: "einschlürfen" und sdb: "einnehmen, essen". Das Verb sdb ist in pEbers und pHearst belegt (MedWb II, 825), sẖb kommt nur mit Flüssigkeiten vor (MedWb II, 794). Die Kombination sdb r hrw 4 ist in den Rezepten Eb 69 und 184 belegt.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept) [zur ...].1
Honig: 1/8 (Dja); ⸮db(y.t)?-Getränk2: 1/8 (Dja); jšd-Frucht (Balanitesfrucht?)3: 1/8 (Dja); Salz (?): 1/32 (?)4 (Dja); [Rto x+2.1] [...

1 k.t [...] ⸢...⸣: Auf das Rubrum k.t folgt eine Lücke, die mit drei roten senkrechten Strichen endet. Gardiner, Chester Beatty Papyri, Tf. 62 erkennt darin ein p, es könnten auch die drei letzten Striche einer 4 sein. In beiden Fällen ist es keine normale Quantenangabe und ist deshalb davon auszugehen, dass die Überschrift länger war als nur k.t. Falls die Spuren zu p gehören, könnten sie eigentlich nur zum Demonstrativpronomen pn ergänzt werden, denn es folgt kein Determinativ.
2 tb: Ob hier das Getränk dby.t (DrogWb 575-576; Wb. 5, 435.3) gemeint ist? Auch die unbekannte Pflanze dby.t kann mit dem Gefäßdeterminativ versehen werden (DrogWb 576; Wb. 5, 435.1-2).
3 jšd: Laut Germer, Handbuch Heilpflanzen, 35-37 nach heutigem Forschungsstand wahrscheinlich die Frucht des Balanites-Baumes.
4 ḥmꜣ.yt 1/32: Gardiner, Chester Beatty Papyri, Tf. 62 liest die Zahl nicht, aber die Spuren würden zu rʾ-32 passen (vgl. rʾ-32 in Zl. 10).

[Lücke von 10 Zeilen]
[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[Drogen und Quantitäten.]
[Rto x+2.x+1] (Es) werde fein gemahlen, (es) werde [...1

1 ⸮ḥ?[__]: Gardiner liest den erhaltenen Strich als ⸮ḥ?, mit Fragezeichen. Mit anfangende Verben, die in der Drogenbereitung verwendet werden, sind ḥbs: "bedecken" und vielleicht ḥkn (Bedeutung unbekannt). Es könnte aber auch ein mit s anfangendes Verb sein, wie swr, sꜥm, sdb, sbš.y und sẖb.

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[Drogen und Quantitäten.]
... (Es) werde ge....] vier Tage lang.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Zer[stampfte/gemahlene (?)]1 Gerste [...
...]. (Es) werde gekocht, (es) werde getrunken vier Tage lang.2

1 jt s[__]: Als Ergänzungen kommen jt sḥm: "zerstampfte Gerste", jt sšš: "šš-gemachte Gerste", jt snwḫ: "zerkochte Gerste" und jt ski̯.y: "gemahlene Gerste" in Betracht (DrogWb 70). Von diesen ist jt sḥm am häufigsten belegt.
2 Die Zeilenreste gehören gewiss zu zwei verschiedenen Rezepten.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
[...]

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
...] ṯwn-Pflanze [...

Fragmente Recto

Fragment 1

...] [Droge X]: 1/8 (Dja); [...

Fragment 2

...] auf dem [...

Fragment 3

...] ... [...
... [s]mtj-Droge (?) [...
... (Droge)]: 1/64; [zerstampfte/gemahlene (?)]1 Gerste: [(Quantität); ...

1 jt ⸮s[ḥm]?: Gardiner hat jt pr[...] gelesen, aber die Spuren passen besser für s. Dann kommen jt snwḫ, jt sḥm, jt sšš und jt skj in Betracht. Von diesen ist jt sḥm am häufigsten belegt.

Fragment 4

…] ⸮[1/]⸢8⸣? […
[(Es) werde ge]trunken [vier] Tage lang. [...

Fragment 5

[...]
...] Wasser/Flüssigkeit (?): 1 (Portion).
(Es) werde gesalbt [...

Fragment 6

...], [Körperteil] des [...

Fragment 7

...] Knochen (?) / qst.t-Droge (?) [...

Fragment 8

...] [Droge]: 1/128.
(Es) werde gekocht, [...

Fragment 9

...] Bier [...

Fragment 10

... ...]-Droge darüber. (Pausezeichen/neuer Abschnitt) [...
...] Chep[ri] (?) verehren (?) [...

[Zeichenspuren auf Fragemten 11–14]

Fragment 15

...] dort/davon.
Ein anderes/weiteres (Rezept).
Inneres [von ...

Fragment 16

...] Penis [...
[...]

[Fragmente 17–21 sind unleserlich]

Fragment 21

...] salben [...

Fragment 22

...] Zauber (?) [...

Fragment 23

...] (Droge): 1/64 (Oipe = 1 Dja); Milch (?): [...
...] Weih[rauch], [...

Fragment 24

...] Gerste

Fragment 25

(Es) werde [...], (es) werde eingenommen (?) [4 Tage lang (?).]

Fragment 261

...] für/des Osiris [...
...] 2/4 (?) Male [...

1 Fragment 26 gehört möglicherweise nicht zu pChester Beatty 10 (Oberkante Recto = Oberkante Verso), weil der Text auf der Rückseite dieses Fragments anders orientiert ist (Oberkante Recto = Unterkante Verso).

Verso

[Vso x+1.1] [Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
...: ...; sü]ßes [...]: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
(Es) werde getrunken vier Tage lang.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Honig: 1/8 (Dja); mnhp-Droge: [1/8 (Dja)]; [...-Droge]: 1/8 (Dja); mrrj-Mineral (?): 1/8 (Dja); süßes Bier: 1/8 (Dja).
(Es) werde durchgeseiht, (es) werde getrunken vier Tage lang.

(Titel kurz oder nicht ausgeführt?).
swt-Droge1: 1 (Portion); jbsꜣ-Pflanze2: [1 (Portion); ...-Droge: (Quantität)]; Blätter der Sykomore: 1 (Portion); [...]-Teil der ꜥš-Konifere: 1 (Portion); beblätterte Zweige3 [der ...-Pflanze/Baum: (Quantenangabe); ...] mit (?) Weihrauch: 1 (Portion).
(Es) werde [fein?] zerrieben, [(es) werde ... vier Tage lang (?).]

1 swt/sw.t: Das komplexe, teilzerstörte Determinativ ist nicht identifizierbar. Dadurch ist unklar, ob sw.t das "zw.t-Getreide" (Emmerweizen?) oder die "Perle, Pille" (swj.t) oder noch ein anderes Wort ist. Eine Droge sw.t (Emmerweizen?) mit einem Ei-förmigen Determinativ (M33) ist belegt in Rto 1.12, etwas aus sw.t ([__]m n.j sw.t) steht in Vso 1.11 (Weizen?) und sw.t von schwarzem Emmergetreide (btj km) findet sich in Vso 1.7-8 und 1.9. Was dieser sw.t-Teil des schwarzen Emmers ist, ist unklar. Charpentier, Recueil, I, 276, Nr. 443 und II, 572, Nr. 922 übersetzt diese beiden Stellen mit "grain de blé noir". Für ihn ist es dasselbe Wort wie das zw.t-Getreide, aber mit einer zweiten Bedeutung "Korn; Same" ("grain; graine"), die dann selbst zum Krankheitsbild sw.t "etwas Körniges (?)" führt (MedWb II, 723).
2 jbsꜣ: Brugsch, Hierogl.-dem. Wb 1, 41 hat das im pBerlin Med. 3038 vorkommende jb-nw-sꜣ aufgelistet, ohne einen Identifikationsvorschlag zu machen, aber er verweist als erster auf koptisch ⲁⲃⲥⲱⲛ, das er als "mentha montana" auffasst (kopt. bei Peyron, Lexicon, 2b). Jéquier, in: BIFAO 19, 1922, 27 verbindet jb-nw-sꜣ ebenfalls mit ⲁⲃⲥⲱⲛ, Var. ⲁⲩⲥⲟⲛ, das in einer kopt.-arab. Scala dem arab. naꜥnāʾ giblī (Crum, CD, 2b) bzw. al-naꜥnāʾ al-giblī (Kircher, Linguae aegyptiaca restituta, 195, mit als eigener lat. Übers. "mentha montana"; Loret, in: ASAE 1, 1900, 62, Nr. 377) entspricht, was seinerseits von Jéquier als "wilde Minze" verstanden wird. Während viele Bearbeiter jb-nw-sꜣ als identisch mit jbsꜣ betrachten, möchte Jéquier die beiden Wörter getrennt halten, findet aber für jbsꜣ keine Deutung (Jéquier, in: BIFAO 19, 1922, 30-31). Ein Problem für die Identifikation von jbzꜣ mit ⲁⲃⲥⲱⲛ ist, dass die Orthographie ⲁⲃⲥⲱⲛ nur bei Peyron auftaucht (von ihm rekonstruierte sahid. Form von boh. ⲁⲩⲥⲟⲛ?), während in den Scalae (B) ⲡⲓⲁⲩⲥⲟⲛ steht, was den möglichen phonetischen Zusammenhang zwischen ⲁⲩⲥⲟⲛ und jbsꜣ schwächt. jbsꜣ ist eine Pflanze, die der Beredte Bauer aus dem Wadi Natrun in Ägypten verkaufen möchte (Textzeuge R 4.4), was vielleicht ein Indiz dafür ist, dass sie in Ägypten selten sei oder nicht vorkomme. Ob jbzꜣ n sḫ.t: "jbzꜣ des Feldes" (med. pChester Beatty VI, Vso 2.1) sich auf das Wadi Natrun bezieht oder eine andere Varietät ist, lässt sich nicht bestimmen. Laut Germer, Arzneimittelpflanzen, 234 kann man aufgrund der Anwendungen in den medizinischen Texten nur sagen, dass die Pflanze vor allem "durch äußerliche Anwendung eine belebende und erweichende Wirkung hat. Dafür kämen vor allem Pflanzen mit einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen in Frage." Germer geht nicht auf die Frage ein, ob die Pflanze jbzꜣ etwas mit dem in der Thinitenzeit und im AR belegten Öl jbzꜣ zu tun hat. Andere Autoren vermuten diesen Zusammenhang, so dass die jbzꜣ-Pflanze eine "Ölpflanze" wird (Helck, in: LÄ VI, 1114 und 1116, Anm. 10). Koura, Die 7-Heiligen Öle, 206-207 vermerkt, dass in keinem ägyptischen Text der Zusammenhang zwischen Pflanze und Öl zum Ausdruck kommt. Laut Hannig, HWB, 41-42 {1495} sind mögliche, aber unsichere Identifikationsvorschläge u.a. Cyperus articulatus, Wermut und Wilde Minze. Ätherisches Öl findet sich z.B. in Minze, Wermut und Nussgras (Cyperus rotundus). Meint Hannig mit Cyperus articulatus das Cyperus rotundus L.?
3 ꜥẖmw: Wird allgemein als "Blätterzweige" (DrogWb, 108-109) bzw. als "beblätterte Zweige" (Germer, Handbuch, 159) oder "Zweige" (Hannig, HWB, 171) bzw. "twigs" (Faulkner, CDME, 48) übersetzt. Etwas spezifischere Umschreibungen finden sich in Wb 1, 266.12-13: "die Blätter (oder kleine Zweige?) der Bäume und kleinerer Pflanzen", bei Charpentier, Recueil I, 174, Nr. 265: "feuilles d'arbres ou de petites plantes attachées avec leur pétiole à la tige" bzw. "rameaux" und bei Wilson, Ptol. Lex., 178: "twigs, leaves, or small branches" bzw. "probably small leafy branches". Die Übersetzung "Zweig; branche d'un arbre" geht schon auf Brugsch, Hierogl.-dem. Wb. 1, 215 zurück, der im kopt. (B) ⲗⲁϧⲉⲙ "Zweig, Stengel, Rohr" einen Nachfahr dieses Wortes erkennt (für die kopt. Form siehe auch Vycichl, in: ZÄS 88, 1963, 150 und Vycichl, DELC, 101). ꜥẖmw ist von der nh.t-Sykomore, der ṯr.t-Weide, der njꜣw-Pflanze, der nb-Pflanze, der nšꜣw-Pflanze und der šb.t-Pflanze belegt (Quellen: medizinische Papyri und Papyrus für Mutter und Kind); ꜥẖmw kann Früchte (pr.t) tragen (E I, 583.6 und VI, 225.15-16); die Lotosblüte (nḫb) blüht (wbg) auf den ꜥẖmw, die der König in einem Lotosopfer herbeibringt (E III, 186.1); die ꜥẖmw selbst blüht (wbg), wenn Horus als Sonnengott aufgeht (wbn) (E III, 145.11); die ꜥẖmw verbreitet einen angenehmen Duft (nḏm stj) (E III, 102.5). ꜥẖmw der Sykomore halten die Model des Sokar beim Choiakritual weich (sgnn: D X, 31.10 und 44.13) bzw. Osiris ruht (ḥtp) auf ꜥẖmw der Sykomore (D X, 41.10 und 46.3).

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[... ...]; Honig.
(Es) werde der Penis damit gesalbt.1

1 Nach nḏ als Verb der Rezeptverarbeitung müsste anschließend ein neues Rezept anfangen. Das kann nur kurz gewesen sein. Es steht keine Quantenangabe hinter bj.t.

Ein anderes/weiteres Rezept zum Wiederbeleben der Gliedmaßen eines Toten1.
Mehl/Pulver von Alabaster: 1/8 (Dja); jbsꜣ-Pflanze: [1/8 (Dja)]; [(Droge): (Quantität)]; šnf.t-Pflanzen(?)droge: 1/8 (Dja); Bodensatz2 von süßem Bier: 1/64 (Oipe = 1 Dja).
(Es) werde fein zerrieben [Vso x+1.5] zu einer Masse; (es) werde der Penis damit gesalbt.

1 mwt: Gardiner, Chester Beatty Gift, 114 fragt sich, ob "Toter" im Sinne von "impotent" aufzufassen sei.
2 tꜣḥ: Brugsch, Hierogl.-dem. Wb., IV (1868), 1526 übersetzt tꜣḥ im med. Pap. Berlin P 3038 (Kol. VII.7) = Bln 79 (tꜣḥ(.t) n.t ḥnq.t nḏm(.t)) mit "Hefe" und verweist auf kopt. ⲑⲟϩ "faex", d.h. "Hefe; Bodensatz". Stern übernimmt für tꜣḥ.t diesen Vorschlag von Brugsch im Index des Papyrus Ebers (Ebers, Papyros Ebers, II, 1875, 48) als kopt. ⲑⲟϩ "faex". Ein solches kopt. Wort mit dieser Bedeutung ist jedoch in den Wörterbüchern nicht verzeichnet (nicht bei Crum, CD, 453-454; auch nicht bei Peyron, Lexicon, 257-258; Crum, CD, 355 liefert ⲥⲟⲣⲙ für "lees, dregs of wine, oil &c"). Vermutet Brugsch eine substantivische Ableitung von ⲧⲱϩ "trübe werden, trüben, mischen, durcheinenanderrühren, verwirren" als die Trubstoffe in einem Getränk? Trotzdem bleibt die Übersetzung "Hefe" bzw. "Bodensatz" weiter existieren, denn es ist ein Produkt, dass sich in (süßem) Bier, Wein und anderen Getränken findet. Die Übersetzung "Hefe" auch bei Wreszinski, Großer med. Pap. Berlin, 1909, 68 (Nr. 79); Lefebvre, Médecine égyptienne, 91 mit Anm. 2: "la lie". Es ist in den medizinischen Papyri mit einem Gefäß oder mit Wasser determiniert, in den Admonitions ist es eine ärmliche Nahrung, die mit einem Brotzeichen versehen ist (Gardiner, Admonitions, 28 übersetzt: "dregs", d.h. "Bodensatz"; ebenso Faulkner, CDME, 294: "lees, dregs"; Wb 5, 233.12-234.3 bzw. 234.4 trennt tꜣḥ.t: "als Bestandteil äusserlich angewendeter Heilmittel: eine Flüssigkeit (ob dicklicher Bodensatz?)" von tꜣḥ.t: "notdürftige Nahrung"). DrogWb, 545-548 (hier: 547) ist vorsichtig: "bezeichnet vielleicht einen Bodensatz". Charpentier, Recueil, II, 789, Nr. 1331: "dépôt de liquide, utilisé médicalement". Der Begriff "Bodensatz" ist weiter gefasst (d.h. nicht auf Getränke wie Bier und Wein beschränkt) als "Geläger", "Vollhefe" oder "Trub" und in den altägyptischen Getränken wird der "Bodensatz" oder "Trubstoff" nicht auf "Hefe" bzw. Hefekulturen beschränkt gewesen sein.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept) um zeugungsfähig/erigiert (?) zu machen [...] Glied (?).
Galle der Schildkröte: 1 (Portion); Galle des Abdu-Fisches: 1 (Portion).
(Es) werde der Penis damit gesalbt vier Tage lang.

Ein anderes/weiteres Heilmittel/Rezept (zur) ... [... ...] ...1
ṯꜣz,t-Teil [des ...]2; mnhp-Droge3 (ein Aphrodisiakum) in der Sonne (?; oder: beim Trocknen?).
(Es) werde zu einer Masse gemacht; (es) werde auf einmal (?) gemischt (?) / gegriffen (?)4; [... ...]5 er/sein [...], er trinkt (es) für (?) seinen Samen.

1 k.t pẖr.t (n.t) ⸮snn[_]?: Die übliche Struktur der Überschrift besteht aus k.t pẖr.t (o.ä.) + Infinitiv in einem (indirekten) Genitiv. Ein Verb snn ist laut MedWb in den medizinischen Papyri nicht belegt. Leider ist das Determinativ zerstört. Man könnte an s:nn: "beruhigen" (Hannig, Ägyptisches Wörterbuch II/2, 2262 {28618}) bzw. "give pleasure (?)" (van der Molen, Hieroglyphic Dictionary Coffin Texts, 510) (Kausativ, vgl. pẖr.t sꜥnḫ in Vso 4 und k.t (pẖr.t) n.t snhp in Vso 5) oder an znn/zni̯: "vorübergehen" (vgl. jni̯ in Vso 9) denken. Das Verb znnj: "seelisch leiden" würde eine andere Überschriftstruktur voraussetzen.
2 ṯꜣz.t: DrogWb, 569 listet ṯꜣz n.j ꜥš "ṯꜣz-Teil der Konifere" ṯꜣz n.j wḏꜥjt: "ṯꜣz-Teil der Frischwassermuschel (?)" und ṯꜣz.t n.t sw.t: "ṯꜣz.t-Teil der Binse" als Drogen auf.
3 mnhp: Siehe oben Rto 1.12 und Vso 1.1.
4 ꜣmw: Entweder ꜣmj: "mischen" (immer mit mj-Zeichen geschrieben) oder ꜣmm: "greifen" (ꜣmm wird nicht in der Drogenbereitung verwendet).
5 j:[__]: Gardiner, Tf. 63 transkribiert mit einem Schilfblatt. Eventuell könnte man auch die Zahl "1" lesen und anschließend den Mann mit Hand am Mund als abgekürzte Schreibung für ein Verb der Drogenaufnahme (meistens zwr, das aber weiter hinten im Satz genannt wird). In diesem Satz steht dreimal der Mann mit Hand am Mund kurz hintereinander, davon zweimal abgekürzt oder teilzerstört.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
sw.t-Teil1 von schwarzem Emmer, der zu einem Puder (?)2 gemacht worden ist: 1 (Portion).
(Es) werde gekocht mit [1 Portion (?) Wasser, (es) werde ... vier Tage lang].

1 sw.t: Siehe oben Vso 1.2.
2 ⸮tmt.w?: Das von Gardiner transkribierte rm.t oder rmt ist ein unbekanntes Wort, das sich nicht in den Wörterbüchern findet. Schaut man sich in MedWb I, 86-89 die Konstruktionen der Drogenverarbeitung mit jri̯ m an, dann gibt es zwei Wörter, die wenigstens die Buchstaben m und t enthalten: mt und tmt.w. Das erste Lemma mt: "Zäpfchen" kommt nicht in Betracht, denn es wird mit dem Phallus geschrieben. Auch keine Schreibung von tmt.w: "Puder" ist identisch, aber zumindest sind hier neben Schreibungen mit dem Phonogramm tm (Gardiner Sign-List U15) auch rein phonetische Schreibungen belegt (MedWb II, 955) und bei letzterem ist das Anfangs-t sehr groß geschrieben, so dass es einem r ähnelt.

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[...]: 1 (Portion); Christdorn1: 1 (Portion); pr.t-šnj-Frucht (Wacholderbeeren?)2: 1 (Portion).
(Es) werde zu [einer] Masse gemacht, (es) werde getrunken vier Tage lang.

1 nbs: Ist als Bezeichnung eines Baumes, dessen Holz und dessen Früchte belegt. Das Wort ist auch demotisch als nbs und einmal koptisch als ⲛⲟⲩⲃⲥ überliefert. Der Baum wächst in ägyptischen Gärten (Grab des Ineni), das Holz wird für Bogen und andere Gerätschaften verwendet, die Früchte in Brot verarbeitet, als Grabbeigaben abgebildet, in Opferlisten erwähnt und als Heilmittel eingesetzt. Es wird sich deshalb um eine einheimische Baumart handeln. Eine erste, wilde Spekulation als Identifikation war die Palme. Bei Birch, Dictionary of Hieroglyphics, in: Bunsen, Egypt's Place in Universal History, 1867, 446 s.v. nesb sind nbs-Früchte noch "Datteln" (daher: Loret, in: RecTrav 7, 1885, 103: nbs wird von manchen Ägyptologen fälschlicherweise als "palmier" übersetzt). Etwas besser begründet ist die Deutung als "Maulbeerbaum": Eine in Nubien verehrte Form des Thoth ist Thoth als Herr von pr-nbs: "Haus des nbs-Baumes", in griechischer Wiedergabe Πνουψ. Thoth hat einen eigenen Tempel in Dakka (äg. Name pr-srq.t "Haus der Selkis / des Skorpions", griech. Wiedergabe Ψελχις / Ψελκις), in unmittelbarer Nähe von el-Maharraqa und in einem Gebiet, wo das Toponym Ἱερὰ Συκάμινος, Hiera Sycaminus, übersetzt "Heilige Sycaminus/Sykomore", lokalisiert wird. Das griechische ἡ συκάμινος ist der Maulbeerbaum, wobei mit συκάμινος ἡ Αἰγυπτία der συκόμορος gemeint ist, d.h. der wilde Feigenbaum oder Maulbeerfeigenbaum, d.h. die Sykomore (LSJ; Theophrast, Hist. plant. IV, 2.1; Diod. I, 34.8; Strabo 17.2.4; A. Dalby, Food in the Ancient World from A to Z, London 2003, 317). Entsprechend findet man bei Brugsch, Hierogl.-dem. Wb., 3, 1868, 750 für nbs die Bedeutungsangabe: "der Baum, welchen die Alten Sycaminus nannten. Formell entspräche jedoch im Kopt. ⲉⲣⲃⲓⲥⲓ cannabis." (Unklar ist, weshalb Brugsch hier (B) ⲉⲣⲃⲓⲥⲓ: "Hanf" [Crum, CD, 58a] nennt.) Brugsch, Dictionnaire géographique, 1879, 333-335 hat "le mûrier", d.h. der Maulbeerbaum. Brugsch, in: ZÄS 22, 1884, 20 übersetzt demotisch nbs im magischen Papyrus London-Leiden mit "Maulbeerbaum". Stern, im Glossar zum Papyrus Ebers, 27, gibt nbs ebenfalls mit "sycaminus" wieder, vermerkt jedoch, dass einige Wissenschaftler "sycaminus" von "sycomorus" unterscheiden möchten. Tatsächlich wird auch nh.t schon seit der Zeit von Champollion (Dictionnaire, 180) als "Sykomore" verstanden (kopt. ⲛⲟⲩϩⲉ). Zum Baum von Hiera Sycaminus vgl. eine Darstellung einer Göttin unter einem Baum in einem Heiligtum beim Tempel von Maharraqa (Brugsch, Thesaurus, 701). Bei Piehl, pHarris I, 81 findet man nur "espèce d'arbre".
Dümichen (1886) und Maspero (1891) sind unabhängig voneinander zu der Überzeugung gekommen, dass nbs der Christdornbaum sein muss. Dümichen kam durch das Studium des Papyrus Ebers zu der Überzeugung, dass nbs nicht der Maulbeerbaum (lat. morus, griech. μορέη τὸ δένδρον) und nbs-Brot kein Fruchtkuchen von Maulbeeren sein kann, sondern ein aus den Früchten des Afrikanischen Lotusbaumes (Zizyphus Lotos W.) gebackenes Brot sein wird, dass bei Athenaeus (Deipnosophistai XIV, 65) genannt wird (Dümichen, in: C.E. Moldenke, Ueber die in altägyptischen Texten erwähnten Bäume und deren Verwerthung, Leipzig 1886, 108-109, Anm. **; 110, Anm. *; zu Athenaeus' Erwähnung: ein in Libyen "Lotus" genannter Baum, der in der Forschung als Zizyphus identifiziert wurde; vgl. Herodot IV, 177 und Theophrast, Historia Plantarum IV, 3, 1-3; zur Bezeichnung Lotos/Lotus in den antiken Texten siehe z.B. R. König & G. Winkler, C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde Lateinisch – deutsch, Bücher XII/XIII, Botanik: Bäume, München 1977 = Düsseldorf 2007, 286-287). Dümichens Identifizierung findet sich versteckt in einer Anmerkung in einer Dissertation, in der ein anderer Identifikationsvorschlag für nbs gemacht wird (Cordia mixa, Cordia sebestena L.: s. Germer, Flora, 159), der aber in der Forschung nicht beibehalten wurde. Maspero (in: PSBA 13, 1891, 496-501 mit Fig. 1) ist von einer Darstellung des Thoth (von Pnoubs) unter einem Baum im Tempel von Dakka ausgegangen, die er für eine Darstellung des nbs-Baumes hielt und in dessen Gestaltung er einen Christdornbaum (Zizyphus Spina Christi = Rhamus napeca Forsk.), arab. sidr und nabq/nabiq, erkannte. Eine Bestätigung für seine Hypothese fand er in der Verwendung von nbs-Holz und nbs-Früchten im alten Ägypten, die mit der Verwendung von nabq im modernen Ägypten übereinstimmten; auch die Größe der nbs-Früchte in den Darstellungen passte zur Identifikation. Beachte, dass nabq/nabiq/nabaq der Name der Frucht von Zizyphus Spina Christi ist, der Baum selbst heißt arab. al-sidr.
Die Hypothese von Dümichen und Maspero wurde von vielen Ägyptologen gleich akzeptiert. Lüring folgt Dümichen in dessen Deutung von nbs als Zizyphus Lotus W. (Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri, Leipzig 1888, 156-157, Nr. 25). Loret (Flore, 1. Aufl., 1888, 44, 45; Flore, 2. Aufl., 1892, 98, Nr. 166) schreibt s.v. Zizyphus Spina-Christi Willd., dass der hieroglyphische Name des Christdorns "Nabas" sein könnte. Er begründet dies nicht, aber es dürfte auf Maspero und/oder Dümichen zurückgehen. Loret (in: RecTrav 15, 1894, 126) nennt nbs ein "jujube", d.h. Jujube-Baum (von: Zizyphus jujuba); gemeint ist der "Jujubier égyptien". Griffith (in: ZÄS 38, 1900, 87) schreibt, dass Loret (Flore) meint, dass der nbs-Baum ein "nebek" sei (d.h. nabq). Gardiner (Egyptian Hieratic Texts, Leipzig 1911, 41*, Anm. 4) folgt ebenfalls der Identifikation von Maspero. Für Kamal (in: ASAE 12, 1912, 240) geht arab. nebaq auf äg. nbs zurück. Jéquier (in: BIFAO 19, 1922, 224) verwendet die französisierte Bezeichnung napéca (von lat. napeca in: Rhamnus napeca L., wobei napeca sicherlich die latinisierte Form von arab. nabq/nabiq/nabaq ist).
Allerdings waren nicht alle Ägyptologen von der Deutung überzeugt. Griffith & Thompson (Demotic Magical Papyrus, III. Indices, London 1909, 46, Nr. 458) beschränkt sich auf "name of a tree". Wb. 2, 245.10 hat auch noch keine sichere Identifikation: "Art häufiger Baum und seine Frucht. Ob Zizyphus? vgl. griech. -νουψ". Crum, CD, 222b s.v. ⲛⲟⲩⲃⲥ: "a tree".
Die ausführlichste Begründung für nbs als Christdornbaum (Zizyphus Spina Christi) findet sich bei Keimer (Gartenpflanzen I, 64-70 mit Anm. auf S. 115-118 und nbs-Belegen auf S. 160-163). Die Argumente für die Identifikation sind:
- Wegen der vielen Belege von nbs und den Verwendungen der kleinen Beeren in Brot usw., muss es ein in Ägypten gängiger Baum bzw. eine Frucht sein; Christdorn ist ein gängiger Baum, Holz und Früchte sind archäologisch nachgewiesen.
- Maspero benutzte den Christdornbaum als Schattenbaum, wie in altägyptischen Abbildungen Thot in Dakka unter dem nbs-Baum und Sopdu unter dem nbs-Baum in Saft el-Henna sitzen.
- Der im Tempel von Dakka (Pnoubs) dargestellte Baum ähnelt mit seinem "äusserst knorrigen Stamm" (Keimer) Christdorn und nicht Sykomore/Feigenbaum; bei alten Christdornbäumen können die Dornen fehlen.
- nbs-Beeren sind in den Darstellungen kleiner als Feigen-, Sykomoren- und Mimusops-Früchte, was für Beeren des Christdorns zutrifft.
- Zwischen äg. nbs und arab. nabq/nabiq/nabaq könnte vielleicht eine etymologische Verwandtschaft existieren. Allerdings ist der phonetische Übergang von s zu q problematisch und lebt das Wort im Koptischen kaum weiter. Es ist zwar einmal als ⲛⲟⲩⲃⲥ belegt (Crum, CD, 222b: "a tree"; Černý, CED, 107: "a tree = nbs, Christ's thorn tree, Zizyphus spina Christi"; Westendorf, KHWB, 120; Vicychl, DELC, 140), allerdings nicht in den Scalae, wo das Wort für Christdorn ⲕⲏⲛⲁⲣⲓ, ⲕⲉⲛⲛⲁⲣⲓ bzw. ⲭⲣⲱⲟⲩⲛⲓ bzw. ⲕⲗⲏ lautet (arab. nabq, sidr) (Keimer, Gartenpflanzen, 163).
- nbs-Holz kann für Bogen und Speerschäfte verwendet werden, was zu der Verwendung von Christdornholz für Stiele von Gerätschaften noch im 20. Jh. passt.
- nbs-Beeren werden in der altägypt. Medizin verwendet, wie Christdornbeeren in der arabischen Medizin (arab. nabq/nabiq/nabaq).
- nbs und nh.t sind zwei verschiedene Baumarten im Garten des Ineni, weshalb nbs nicht Sykaminos = Sykomore sein kann, denn diese Baumart wird von nh.t vertreten.
- Ein kleiner Topf im Grab des Tutanchamun (Gefäß 614E oder 614G) mit der Aufschrift nbs enthielt pflanzliches Material, dass Keimer als die Früchte von Zizyphus spina Christi identifizierte (Lucas, in: ASAE 41, 1942, 144: Gefäß 614E; siehe aber Černý, Hieratic Inscriptions from the Tomb of Tut'ankhamūn, Oxford 1965, 5, Nr. 33: Gefäß C 614G ist nbs, aber "much broken, and contents lost").
- Vielleicht ist die Orthographie bs ein älterer Vorläufer von nbs, dass erst ab der 2./3. Dyn. belegt ist (Kahl, Frühägyptisches Wörterbuch, I, 142-143; II, 231-233; Osing, Nominalbildung, 321: nbs ist eine mit m-Präfix gebildete denominale Erweiterung von bs, wobei m vor dem Labial b zu n dissimilierte). Jedenfalls wurden in mit bs beschrifteten Gefäßen im Grab des Hemaka die Früchte des Christusdornbaumes gefunden (Keimer, in: ASAE 42, 1943, 279-281).
Seit der Studie von Keimer wurde die Identifikation von nbs als Christusdornbaum, die Keimer selbst noch als "sehr wahrscheinlich mit Recht" bzw. "wahrscheinlich" eingestuft hat, nicht mehr infrage gestellt (s. DrogWb 300-302; Charpentier, Recueil, I, 384-387, Nr. 609; Germer, Arzneimittelpflanzen, 82-85; Germer, Flora, 114-115; Baum, Arbres et arbustes, OLA 31, Leuven 1988, 169-176; Germer, Handbuch Heilpflanzen, 83-84, 365-366; Manniche, Ancient Egyptian Herbal, 157-158). Keimer hat auch darauf hingewiesen, dass botanische Bezeichnungen wie "Zizyphus jujuba Lam.", "Zizyphus lotus Lam." und "Zizyphus sativa Gaertn." nicht zutreffen können und nur "Zizyphus spina Christi Willd." infrage kommt (in diesem Sinne veraltet: Campbell/David, in: Cockitt/David, Pharmacy and Medicine, BARS 2141, Oxford 2010, 28: Zizyphus lotus, Zizyphus spina Christi).
2 pr.t-šnj: Das Lemma ist seit 1865 bekannt, als Dümichen und Brugsch es im Kyphirezept identifizierten, ohne es schon lesen oder bestimmen zu können (Brugsch, in: ZÄS 3, 1865, 67 mit Tafel (Zl. 3); Dümichen, Geogr. Inschr. II = Brugsch, Recueil, IV, Text 56-57 und Tf. 83, Zl. 4 = Edfou II, 211.10-11). Dort erscheint es als Synonym von mrḥ.t nꜥr, dass damals noch mnnw nꜥr und später zꜣ nꜥr gelesen wurde. pr.t-šnj findet sich zunächst nur verdeckt in Brugsch, Hierogl.-dem. Wb. s.v. mennu-nār (Bd. II, 1868, 656: Lesung pir-(šen?)-u). Ebers, in: ZÄS 12, 1874, 109 übersetzt pr.t-šnj in dem Kyphirezept von pEbers (Kol. 98.14a = Eb 852) als "wahrscheinlich Wacholder (ἀρκευθίδες)", weil er in pr.t das Wort für "Frucht" im Sinne von"Beere" erkennt und dieses mit den Zutaten des Kyphirezeptes, wie es griechisch bei Plutarch, Galen und Dioscurides überliefert ist, abgleicht. Stern spricht im Glossar zum Papyrus Ebers (Ebers, Papyros Ebers, II, Leipzig 1875, 45) entsprechend von "baccae iuniperi", d.h. Wacholderbeeren. Er verweist auch auf das sog. Kyphi-Rezept und auf das Vorkommen von ḫt n.j šn im Garten des Grabes von Ineni (TT81: Baum, Arbres et arbustes, 128-129; dieser Beleg hilft nicht weiter). Brugsch findet im Januar 1875 einen weiteren Beleg für pr.t-šnj im Tempel von Hibis, der dem zu widersprechen scheint. Er zitiert (in: ZÄS 13, 1875, 123) eine Bauinschrift aus dem Tempel von Hibis (Brugsch, Reise nach der Grossen Oase Khargeh, Tf. XI; de Garis Davies, Hibis III, Tf. 45) in der Oase Charga, dessen Türen aus ꜥš-Holz aus den westlichen Gebirgen/Fremdländern (ḫꜣs.wt jmn.tt) sind und dessen Name pr.t-šnj lautet. Obwohl ꜥš-Holz für Brugsch im Prinzip "Zeder" o.ä. ist, dieses aber im westlichen Gebirge bzw. in der Westwüste nicht wächst, eine besondere Art von Acacia nilotica dagegen schon, erkennt er in pr.t-šnj eben diese besondere Art von Acacia. Daher Brugsch, Hierogl.-dem. Wb. 6 (1880), 475 s.v. pir-šen(?): "Bezeichnung einer Acacienspecies, die sonst auch men nār genannt wird". Neben dem westlich von Ägypten beheimateten pr.t-šnj gibt es im pEbers auch ein pr.t-šnj von Byblos (Eb 361 = pEbers 58.16). Loret, in seiner Untersuchung zum Kyphirezept (in: Journal asiatique, 8e série, Bd. 10, 1887, 123-126), folgt Brugsch bezüglich ꜥs als eine Acacia-Art und meint, dass mit der betreffenden ägyptischen Akazie nicht die in Europa bekannte Robinie oder Pseudo-Akazie (Robinia pseudo-acacia L.), sondern eine Mimosa gemeint ist, genauer Acacia Farnesiana Willd. (Süße Akazie). Für ꜥs setzt Loret die Identifikation Acacia Seyal an (Loret, Flore, 2. Aufl., 85, Nr. 143). Loret wird anschließend von Schweinfurth darauf hingewiesen, dass Acacia Farnesiana Willd. ursprünglich nicht in Ägypten beheimatet war, so dass er eine andere Art von Acacia vorschlägt, Acacia spirocarpa Hochst. (Loret, Flore, 2. Aufl., 85-86, Nr. 144). Allerdings beruht dieser hypothetische Vorschlag auf einer falschen lautlichen Angleichung der arabischen Bezeichnung Sammor für Acacia spirocarpa Hochst. (heute: Acacia tortilis Hayne) mit Sannâr, der ehemals so gelesenen synonymen Pflanzenbezeichnung mrḥ.t nꜥr. Keimer, Gartenpflanzen, II, 23 weist diese Gleichstellung von Loret zurück und beschließt aus der Hibis-Inschrift, dass pr.t-šnj "die Frucht einer Conifere" sein wird, weil er den ꜥš-Baum als eine Konifere einstuft. Die weiteren Identifikationsversuche von pr.t-šnj hängen tatsächlich mit der Identifikation von ꜥš zusammen, der nicht nur in Syrien-Palestina, sondern laut der Hibisinschrift auch westlich von Ägypten vorhanden gewesen sein muss. Es kann keine Zeder gewesen sein, weil er nicht gerade wächst, was in Widerspruch mit Abbildungen ist (siehe Loret, in: ASAE 16, 1916, 44-45; Jacquemin, in: Kêmi 4, 1931, 113-118; Glanville, in: ZÄS 68, 1932, 8-10, Nr. 3). Für Lüring ist ꜥš eine Zypresse, pr.t-šnj sind deshalb die Früchte der Zypresse (Cupressus fastigiata, de Candolle = Cupressus sempervirens) (Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri, Leipzig 1888, 148-151, Nr. 7 für ꜥš; 159, Nr. 29 für pr.t-šnj). Ducros weist die Interpretation als Acacia Seyal ab und entscheidet sich für Taxus baccata, die Gemeine Eibe (in: ASAE 14, 1914, 1-12), er äußert sich jedoch nicht zu pr.t-šnj. Loret nimmt als Antwort auf Ducros die Identifikationsfrage von ꜥš wieder auf und beschließt, dass der ꜥš-Baum sowohl für Kiefer (Pinus) wie auch für Tannen (Abies) stehen kann, die genauere Bezeichnung ꜥš mꜣꜥ für die Kilikische Tanne (in: ASAE 16, 1916, 33-51). Dass der ꜥš-Baum eine Konifere ist, wird durch die Analyse des Inhalts eines mit ꜥš beschrifteten Gefäßes aus dem Grab des Tutanchamun als Koniferenharz bestätigt (Lucas, in: ASAE 41, 1942, 145). Auf die Arbeit von Loret aufbauend, erkennt Chassinat in pr.t-šnj die Konifere Pinus Pinea bzw. dessen Nüsse (franz. pin pignon; deutsch Pinie; "pignon" = Pinienkern = Piniennuss innerhalb des Pinienzapfens) (Chassinat, in: REA 3, 1929-1931, 159-164, Nr. 23; zusammengefasst bei Chassinat, Khoiak II, 430-431). Ebbell übersetzt pr.t-šnj mit "pignon; Pinus Pinea" (Ebers, The Papyrus Ebers, Copenhagen 1937, 132), ohne auf Chassinat zu verweisen. Diese Interpretation findet sich ebenfalls bei Lefebvre, Médecine égyptienne, 39 ("S'agit-il, comme le propose Ebbell, des graines (comestibles) du Pinus Pinea L.? C'est possible."); Charpentier, Recueil, I, 296-297, Nr. 268 ("graines de pin pignon") und bei Germer, Flora, 9 ("Ebbell vermutete in dem Namen pr.t-šnj die Pinien-Nuß, eine Deutung, die sich zwar nicht beweisen läßt, aber vielleicht das Richtige trifft"). DrogWb, 200-202 verzichtet auf eine Deutung. Die Darstellung der Ernte von pr.t-šnj-Früchten wurde 1977 mit der Publikation der Mastaba des Nianchchnum und Chnumhotep bekannt (Moussa & Altenmüller, Das Grab des Nianchchnum und Chnumhotep, AV 21, Mainz 1977, 102 mit Tf. 34 [Szene 15.1], 110-111 mit Tf. 38 [Szene 16.3]) und passt nicht zu Pinienkernen aus Pinienzapfen. Germer, Arzneimittelpflanzen, 268-271 (ebenso bei Moussa & Altenmüller, 102, Anm. 530) schließt aus der Darstellung, dass es ein größerer Strauch oder kleiner Baum sein kann, mit rotbraunen Früchten, die kleiner als Feigen (dꜣb) sind und in der Größe Weintrauben (jꜣrr.t) und Wacholderbeeren (wꜥn) ähneln und wahrscheinlich, wie diese, essbar gewesen sind. Aus der Verwendung von pr.t-šnj-Früchten in den medizinischen Texten leitet sie ab, dass die Früchte "eine leicht abführende und eventuell auch harnregulierende Wirkung" haben. Allerdings verzichtet Germer auf eine Deutung. Später übersetzt sie die Bezeichnung pr.t-šnj wörtlich mit "Haarfrucht" (d.h. šnj wäre das Wort für "Haar") und meint, dass dieser Name, die Abbildung bei Chnumhotep und Nianchchnum und die bei Piniensamen kaum vorhandene pharmazeutische Wirkung gegen die Deutung "Pinie" sprechen (Germer, Handbuch, 69-71). Die Interpretation von Hannig, HWB, 304 {10983}: "weiße Maulbeere (Morus alba)" ist nicht mit der Tatsache vereinbar, dass dieser Baum laut Germer "erst in Zusammenhang mit der Seidenraupenzucht, wahrscheinlich in frühislamischer Zeit, nach Ägypten eingeführt wurde" (Germer, Flora, 24) und auch der Schwarze Maulbeerbaum vermutlich erst in hellenistischer Zeit nach Ägypten kam (Germer, Flora, 23-24). Auch in der Bibel taucht der schwarze Maulbeerbaum erst spät auf. Außerdem gibt es keinen Zusammenhang mit den ꜥš-Koniferen. Lüchtrath untersucht erneut das Kyphirezept (in: Kurth [Hg.], Edfu: Bericht über drei Surveys [Edfu Begleitheft 5], Wiesbaden 1999, 127-130). Sie liefert weitere Argumente, die gegen "Pinienkerne" sprechen, und vermerkt das Nebeneinander von pr.t wꜥn und pr.t šnj. Weil für wꜥn die Bedeutung "Wacholder" angenommen wird und in den griechischen Kyphirezepten zwei Arten von Wacholderbeeren vermerkt sind, kommt sie zu dem Schluß, dass pr.t šnj ebenfalls eine Art von Wacholderbeeren sein wird. Sie nimmt des Weiteren an, dass mrḥ.t nꜥr, die andere Bezeichnung für pr.t šnj im Kyphirezept, für "Mus des nꜥr-Baumes" steht, der dann ein Wacholder sein muss, eventuell Juniperus phoenicea L. (Phönizischer Wacholder), der auch in Ägypten und in Libyen wächst. Dies ist mit den von Germer herausgearbeiteten Merkmalen von pr.t šnj vereinbar und Pommerening (in: Deicher & Maroko [Hgg.], Die Liste, Berlin 2015, 152, Anm. 77 hält die Deutung von Lüchtrath für "sehr überzeugend". Eine etymologische Erklärung für šnj ("Haar" oder ein anderes Wort?) steht noch aus.

Rezept zum Holen/Bringen des Samens.
sḏbꜣ-Droge (?)1 [... ... ...]; sw.t-Teil von schwarzem Emmer.
(Es) werde gekocht mit 1 (Portion) Wasser, [Vso x+1.10] (es) werde (vom Feuer?) genommen beim Aufbrodeln (?; oder: am frühen Morgen?)2, (man) lässt (es) abkühlen, (es) werde gegessen [...].
[... ... ...]
Etwas wirklich Vorzügliches, millionenfach (erprobt)!

1 sḏbꜣ: Findet sich nicht in den Wörterbüchern. Man erwartet an dieser Stelle eine Drogenbezeichnung. Könnte es eine gänzlich abweichende Schreibung von sḏb sein (Wb. 4, 382.16: Zaubersprüche für Mutter und Kind, Spruch C, Kol. Rto 2.5), das als Körperteil des Abdju-Fisches (Borghouts, AEMT, 42: "tail?") (Körperteil, weil parallel zum Kiefer und zum Rücken/Rückgrat von weiteren Tieren) eine Zutat in einem Zauberrezept ist?
2 m nhp: Eine Drogenbereitung kann am frühen Morgen (m nhp) gemacht werden (Eb 283: MedWb I, 468), aber das Determinativ der Beinchen passt nicht dazu; eine Emendation zur Sonnenscheibe wäre erforderlich. Muss man die Konstruktion als m + Infinitiv eines Bewegungsverbs auffassen und "springen; pulsieren" im Sinne von "aufbrodeln" verstehen?

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
Mehl [von ...: (Quantität)]; [__]mw1 von Emmerweizen (?):2 1/128 (Oipe = 1/2 Dja); Wasser.
(Es) werde zubereitet mit der Hitze/Temperatur von [...]3, (es) werde gekocht (?) ... [...

1 [_]mw: Mögliche Ergänzungen sind jm.j: "Inneres" (Rto, Fragment 15); vgl. auch ꜥẖm.w-Blätterzweige (Vso, Kol. 1.2).
2 qꜣ.w/dq.w [n.w] [___] [___] [__]mw n(,j) swt: Vielleicht ist die Lücke kürzer und es steht "Mehl, gemacht? von ... von Emmerweizen". Vgl. oben in Zl. 8: sw.t n.t btj km jri̯ m tmt(.w). Ob [_]mw mit tmt(.w) zusammenhängt? Es gibt aber nicht die Verbindung "tmt.w-Puder von ...".
3 srf [...]: Vgl. srf n.j ḏbꜣ: "Wärme eines Fingers" und srf n.j sḏr: "Wärme von sḏr-Flüssigkeit".

[Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).]
[(Droge)]: 5/64 (Oipe = 5 Dja); Honig: [(Quantität)].
[(Es) werde ....]

[Ein ...], das dazu gemacht wird.
qd-Pflanze (?)1; ḫpr[__]-Droge2; Frucht/Samen des Christdorns: [...]; [...]: 1 (?) (Portion); Myrrhe3.
[(Es) werde fein zerrieben (?) zu]4 einer [Masse], (es) werde der Penis damit ge[salbt].

1 qd: Eine Droge qd mit Pflanzendeterminativ findet sich nicht im DrogWb. Es gibt einen Baum qd.t (Wb. 5, 79.9-13), aber das Pflanzendeterminativ ist unsicher und würde auch nicht passen für die belegten Schreibungen des Baumes. Die Lesung ist auch nicht sicher, denn hinter dem mutmaßlichen qd-Zeichen und über dem mutmaßlichen d ist noch eine weitere Zeichenspur erhalten.
2 ḫpr: Mehrere Drogen, die mit ḫpr anfangen, sind im DrogWb 393-396 aufgelistet: ḫpr, ḫpr-ḏs=f, ḫpr-wr, ḫprj, ḫprr.
3 ꜥntjw: Winzige Spuren des nächsten Wortes sind erhalten. Sie sind in schwarzer Tinte, was gegen das Vorhandensein einer Quantenangabe spricht.
4 [...] m jḫ.t wꜥ.t: Zahlreiche Verben der Drogenbereitung können mit "zu einer Masse" verbunden werden (Liste in MedWb I, 101). Gardiner, Chester Beatty Gift, Tf. 63 und Anm. Vs. 1.12 ergänzt snꜥꜥ, er hält aber jri̯ ebenfalls für möglich.

Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept) zur Wiederbelebung eines/des Glieds [...].1
[(eine Flüssigkeit)]: 1/16 + 1/64 (Oipe = 5 Dja); Emmer; [(Quantität)]; [... ...]; ⸢Gerste⸣ (?): [(Quantität)]; [(ein Körperteil)] des [Vso x+2.1] [...

1 Vgl. Vso 1.4: pẖr.t (n.t) sꜥnḫ ꜥ.t n.t mwt: "Rezept zum Wiederbeleben des Gliedes (oder: der Glieder) eines Toten".

Fragmente Verso

Die kleinen Fragmente enthalten keine Information, die nicht schon aus dem Rest des Textes bekannt ist.

[Vso x+2.x+1] ...]: Kreuzkümmel: 1 (Portion); sꜣ-wr-Harz (?) [...
...]; [ss]kꜣ-Körner (?)1: 1 (Portion); [...
...] [...] von Weizen: 1/128 (Oipe = 1/2 Dja); Mehl [von ...
...], [jb]sꜣw-Pflanze: 1 (Portion); jmꜣ-Laubbaum [...
[Vso x+2.x+5] ...], [šꜣ]šꜣ-Frucht: 1 (Portion); ꜥꜣ-Pflanze (?)2 [...

1 kꜣ.w oder [__]kꜣ.w: Mehrere Lesungen sind möglich: kꜣ.w: "ungeritzte Sykomorenfrüchte", [mj]kꜣ.t und [ss]kꜣ. Die letzte Droge ist häufiger belegt (DrogWb 463-464) und passt besser zu der Schreibung (bei kꜣ.w steht der Phallus in dem einzigen Beleg in DrogWb 524); die zuvor erhaltene Zeichenspur könnte zu einem senkrecht-s passen. mjkꜣ.t und sskꜣ sind nicht identifiziert.
2 ꜥꜣ: Gardiner, Chester Beatty Gift, Tf. 63 liest ꜥꜣ mit dem Pflanzendeterminativ; letzteres ist nicht eindeutig auf dem Photo erkennbar oder stark abgekürzt geschrieben (anders als in der Zeile darüber). Eine Pflanze ꜥꜣ ist im DrogWb oder bei Charpentier nicht verzeichnet. In den Sargtexten findet sich die ꜥꜣꜥ-Pflanze, die auch ꜥꜣw geschrieben wird (van der Molen, Hieroglyphic Dictionary, 66 [2 Lemmata]: "plant" bzw. "reed?"; Hannig, Ägyptisches Wörterbuch, II/1, 485 [1 Lemma] {4832}: "Schilfrohr"). Ob es diese Pflanze ist?

Fragment 1

[unbeschriftet]

Fragment 2

andere (?)1 (oder Teil einer Drogenbezeichnung)

1 Kein Rubrum!

Fragment 3

[...]
...] [vi]er (?) [Tage lang (?)]; werde gegeben [...
...] [mn]hp-Droge [...

Fragment 4

[…]

Fragment 5

[unbeschriftet]

Fragment 6

...]. Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept).
...] reines1 [...

1 wꜥb: Kann eine Spezifizierung von mrḥ.t (DrogWb 256-257) und von ḥsmn (DrogWb 371) sein.

Fragment 7

[…]

Fragment 8

...; (es) werde ...] vier Tage lang. [...

Fragment 9

[…]

Fragment 10

[unbeschriftet]

Fragment 11

[unbeschriftet]

Fragment 12

[…]
[…]

Fragment 13

...]. Ein anderes/weiteres (Heilmittel/Rezept). Myr[rhe: ...

Fragment 14

... Hermo]polis (?) [...
...] (Droge): 1 (?); [...

Fragment 15

... (Droge)]: 1/64 (Oipe = 1 Dja); Honig: [(Quantität)].

Fragment 16

...]. (Es werde) gesalbt [...
[...]

[Fragmente 17–20 sind unleserlich]

Fragment 21

...] (Droge): 1/8; [...

Fragment 22

[…]

Fragment 23

...] [...]wt-Droge: 1 (Portion); [...
...] Mil[ch] (?) [...

Fragment 24

...] (Droge): 1/4; Gerste: [...
...] Weihrauch: [...

Fragment 25

[…]

Fragment 261

... Hermo]polis (?) [...

1 Fragment 26 gehört möglicherweise nicht zu pChester Beatty 10 (Oberkante Recto = Oberkante Verso), weil der Text auf der Rückseite dieses Fragments anders orientiert ist (Oberkante Recto = Unterkante Verso).