science in ancient egypt

 

Metadaten

Bezeichnung
Außensarg des Gouverneurs Djehutinacht, B1Bo
Weitere Bezeichnungen
Inv.-Nr. Boston: 20.1822–20.1827
Aufbewahrungsort
USA, Boston, Museum of Fine Arts
Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Der Sarg wurde im Mai 1915 durch die „Harvard University–Boston Museum of Fine Arts Expedition“ in Deir el-Berscheh ausgegraben. Nach dem Transport nach Kairo gelangte er durch die damals gängige Fundteilung ans Museum of Fine Arts, Boston, wo er aber erst nach dem Ersten Weltkrieg hin verschifft und am 1. März 1920 inventarisiert wurde. Seitdem befindet er sich dort (Homepage Boston MFA). Die vier Wände (Inv.-Nr. 20.1822, 20.1823, 20.1824 und 20.1825+20.1825h), der Deckel und der Boden haben alle eigene Inventarnummern bekommen: zweifellos war der Sarg zum Transport nach Kairo auseinandergenommen worden. Aus Sicherheitsgründen wurde der innere Sarg des Djehutinacht, der sich ebenfalls in Boston befindet (Inv.-Nr.: 21.962a+b = B2Bo), separat und nachträglich verschickt und exakt ein Jahr später inventarisiert.

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Berscheh

Der Sarg wurde im Mai 1915 durch die „Harvard University–Boston Museum of Fine Arts Expedition“ unter der Leitung von G. A. Reisner in Deir el-Berscheh in Grab 10, Schacht A durch H. L. Story ausgegraben (Freed et al. 2009, 95–100 und 190, Fig. 145 [Fundskizze]; De Meyer – Cortebeeck 2015, 108, Fig. 54b und 111, Fig. 57 [dreidimensionale Fundskizze und Skizze Reisner]). Das Grab wird in den aktuellen Grabungen der Universität Leuven unter der Leitung von H. Willems als Nr. 17L04/1 geführt, der Schacht ist 17L04/1A. Die oberirdische Grabkapelle ist durch Steinbruchaktivitäten weitestgehend zerstört und enthält keine Dekoration (mehr), die den Grabeigentümer hätte identifizieren können. Aufgrund des Grabinventars wurde das Grab einem Provinzgouverneur Djehutinacht und seiner gleichnamigen Frau Djehutinacht zugewiesen (Homepage Boston MFA; zum Grab siehe De Meyer – Dils 2012, 55–72). In diesem Außensarg von Gouverneur Djehutinacht befand sich der Innensarg desselben.

Datierung
Mittleres Reich, ca. 1980–1760 v. Chr.

Weil der Oberbau des Grabes durch Steinbruchaktivitäten weitestgehend zerstört wurde, sind oberirdisch keine Inschriften erhalten. Das Grab liegt zwischen den ähnlich großen Komplexen der Gouverneure Nehri I. (weiter im Norden) und Ahanacht I. (unmittelbar südlich), wobei Nehri I. als Gouverneur chronologisch später als Ahanacht I. anzusetzen ist, am Ende der 11. oder Anfang der 12. Dynastie. Die Datierung des Grabes basiert fast ausschließlich auf einer typologischen und stilistischen Untersuchung der Grabfunde, insbesondere des Sarges (Freed et al. 2009, 183–188), erst in zweiter Instanz auf dem Versuch, den Sargbesitzer mit aus anderen Quellen historisch belegten Personen Namens Djehutinacht zu identifizieren. Die übrigen Grabfunde sprechen für eine Datierung vor der Mitte der 12. Dynastie, wobei der innere Sarg des Djehutinacht (B2Bo) und die beiden Särge seiner Frau vom Dekor her und in der Orthographie einiger Textwörter laut Brovarski sogar in die späte Erste Zwischenzeit oder 11. Dynastie einzuordnen wären (Brovarski 1981, 23–25, vor allem Anm. 75). Sargtypologische Überlegungen setzen den äußeren Sarg des Djehutinacht (B1Bo) in dieselbe Gruppe wie die von Ahanacht I., dessen Grab unmittelbar südlich des Grabes des Djehutinacht liegt und in die spätere/späte 11. Dynastie datiert wird (zur Datierung von Ahanacht I. siehe Willems 2007, 84–88). Kunsthistorische Argumente der Sargdekoration von B2Bo verweisen auf die Zeit nach der Reichseinigung durch Montuhotep II. Nebhepetre und am ehesten auf die Regierung Amenemhet I. Durch weitere Inschriften von Deir el-Berscheh und Hatnub ist bekannt, dass während dieser Zeit zwei Provinzgouverneure mit dem Namen Djehutinacht lebten, einer ist Djehutinacht IV., der Sohn von Ahanacht I., der andere ist Djehutinacht V., der Sohn von Nehri I. Je nachdem, ob es sich bei unserem Sargbesitzer um Djehutinacht IV. oder V. handelt, ist eine Datierung von der Zeit Mentuhoteps IV. bis zu dessen Nachfolger Amenemhet I. möglich (ca. 1947–1910 v. Chr.) (Willems 1988, 70–72; De Meyer – Dils 2012, 57). Lapp ordnet den Sarg typologisch eher seinem Typus der 11. Dynastie zu, der seiner Meinung nach beim Übergang der 11. zur 12. Dynastie von seinem Typus der 11./12. und seinem Typus der 12. Dynastie abgelöst wurde und zu einem ungewissen Zeitpunkt vor oder nach der Reichseinigung aufkam (Lapp 1993, 71, 76, 88, 91 und 276).
Homepage Boston MFA nimmt eine Datierung in die „late Dyn. 11–early Dyn. 12; 2010–1961 B.C.“ vor.

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Die beiden Versionen des uns hier interessierenden Schlangenbeschwörungsspruch 434 befinden sich auf dem Deckel direkt am Fußende (Kol. 681–683) bzw. dem Boden des Sarges ziemlich nah am Fußende, vielleicht etwa in Höhe der Unterschenkel des Toten (Kol. 838–839) (Lesko 1979, 16–17).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf B1Bo:
Spruch 434 (x2) = CT V, 283–285 = Kol. 681–683 und ein 2. Mal Kol. 838–839 (Stegbauer 2015, 166–167, Spruch 11)

Material
Holz
Objekttyp
Sarg
Technische Daten

Bei dem Objekt B1Bo handelt es sich um den äußeren Sarg des Djehutinacht in der Form eines rechteckigen Kastens. Er besteht aus Zedernholz mit den Maßen 263 × 115 × 125 cm (Länge × Breite × Höhe), wobei die Dicke des Deckels noch hinzuzufügen ist (20 cm laut Hompage Boston MFA). Die Sargtextsprüche befinden sich auf den Innenseiten der Wände (Inv.-Nr. 20.1822, 20.1823, 20.1824 und 20.1825+20.1825h), des Deckels und des Bodens. Auf dem Sargdeckel (Inv. 20.1826: B1Bo.a) stehen 151 Textkolumnen (Kol. 520–683) mit 39 Sargtextsprüchen, auf dem Sargboden (Inv. 20.1827: B1Bo.b) 180 Textkolumnen (Kol. 687 bis 864) mit 38 Sargtextsprüchen (Lesko 1979, 16–17). Die beiden Versionen von Spruch 434 stehen in den Kolumnen 681–683, den letzten Kolumnen auf dem Deckel, direkt am Fußende bzw. in den Kolumnen 838–839 des Bodens, ziemlich nah am Fußende, vielleicht etwa in Höhe der Unterschenkel des Toten.

Schrift
Kursiv-Hieroglyphisch

Die Schrift ist in Kolumnen angeordnet, wobei die Kolumnen, soweit ersichtlich, zum Kopfende hin orientiert sind. Die Hieroglyphen wurden eingraviert.

Sprache
Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt von Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck 1954 unter der Sigle B1Bo ediert. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer B1Bo der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg B22a. Übersetzungen der Schlangensprüche finden sich bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert die Schlangensprüche in Strophen und Verse und kommentiert sie.

Editionen

- de Buck 1954: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago/Ill 1954), V 283c–285e.

Literatur zu den Metadaten

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 327.

- Brovarski 1981: E. Brovarski, Ahanakht of Bersheh and the Hare Nome in the First Intermediate Period and Middle Kingdom, in: W. K. Simpson – W. M. Davis (Hrsg.), Studies in Ancient Egypt, the Aegean, and the Sudan. Essays in Honor of Dows Dunham on the Occasion of his 90th Birthday, June 1, 1980 (Boston 1981), 14–30.

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 1050–1051.

- De Meyer – Dils 2012: M. De Meyer – P. Dils, Fowl for the Governor: The Tomb of Governor Djehutinakht IV or V at Dayr al-Barshā Reinvestigated. I. Architecture and Archaeology, in: Journal of Egyptian Archaeology 98, 2012, 55–72.

- De Meyer – Cortebeeck 2015: M. De Meyer – K. Cortebeeck, Djehoetihotep: 100 jaar opgravingen in Egypte – Djehoutihotep: 100 ans de fouilles en Égypte, Leuven 2015.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 74.

- Freed et al. 2009: R. E. Freed et al. (Hrsg.), The Secrets of Tomb 10A. Egypt 2000 BC (Boston 2009).

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. B22a.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 166–167 (Spruch 11) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins, Mededelingen en Verhandelingen van het vooraziatisch-egyptisch Genootschap „Es Oriente Lux“ 15 (Leiden 1988).

- Willems 2007: H. Willems, Dayr al-Barshā. Volume I. The Rock Tombs of Djehutinakht (No. 17K74/1), Khnumnakht (No. 17K74/2), and Iha (No. 17K74/3). With an Essay on the History and Nature of Nomarchal Rule in the Early Middle Kingdom, Orientalia Lovaniensia Analecta 155 (Leuven/Paris/Dudley 2007).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Bearbeitungsdatum
05.08.2020

Übersetzung und Kommentar

CT 434a

1. Strophe1

[681] Als Elende2 ist dieser Djehutinacht zum Haus der Elenden2 gekommen.
[682] Dieser Djehutinacht ist der, der sich befindet in den ḫꜣ.w3 des Horus (?)4.
Dieser Djehutinacht sucht Osiris bei On.
Er wurde gesandt [683] von diesem Gott, der nicht sterben kann.5

1 Eine Überschrift findet sich nur in den Textzeugen: B2Bo und B1Y, S2C und M22C, wobei sie in den letzten drei Fällen zerstört ist.
2 ḥwr.t ist m.E. auf die Isis zu beziehen, die als arme Witwe nach Osiris sucht.
3 Die Bedeutung von ḫꜣ.w ist unklar.
4 Da das Grundmotiv des Textes die Suche der Isis nach ihrem Gatten ist (vgl. den nächsten Vers) muss  m.E. als Schreibung für Horus aufgefasst werden (vgl. B9C).
5 Wörtl. „der kein Anlanden hat“.

CT 434b

Überschrift

[838] Vor[beigehen am Urgestaltigen:]1

1. Strophe

Als {Elender} ⟨Elende⟩2 ist dieser Djehutinacht zum Haus der Elenden2 [gekommen].
Dieser Djehutinacht ist der, [839] der sich befindet in den ḫꜣ.w3 des Horus (?)4.
Er sucht Osiris bei On.
Dieser Djehutinacht wurde gesandt von diesem Großen, dem Herrn, Atum, der nicht sterben kann.5

1 Eine Überschrift findet sich sonst nur in den Textzeugen: B2Bo und B1Y, S2C und M22C, wobei sie in den letzten drei Fällen zerstört ist.
2 ḥwr.t ist m.E. auf die Isis zu beziehen, die als arme Witwe nach Osiris sucht.
3 Die Bedeutung von ḫꜣ.w ist unklar.
4 Da das Grundmotiv des Textes die Suche der Isis nach ihrem Gatten ist (vgl. den nächsten Vers) muss  m.E. als Schreibung für Horus aufgefasst werden (vgl. B9C).
5 Wörtl. „der kein Anlanden hat“.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 166–167 (Spruch 11).