Statue der Isis lactans in Göttingen
Übersetzung und Kommentar
Statue der Isis lactans in Göttingen
Rechte Thronseite
Oh alter Mann, der sich zu seiner Zeit verjüngt,
(oh) Greis, der (seine) Verjugendlichung macht,
mögest du veranlassen, dass Thoth zu mir auf meine Stimme hin kommt,
damit er für mich das (Krokodil) Wild〈gesicht〉 (Neha-her) vertreibt.
Siehe, Osiris ist auf dem Wasser;
Linke Thronseite
das Horusauge ist bei ihm; der große Flügelskarabäus ist in 〈seiner〉 Faust.
Maga, der Sohn des Seth, werde „zurückgepusht“1 von dem, der auf dem Wasser ist.
Wenn man diesem Bildnis (?)2 des Horus zu nahe tritt, tritt man dem Horusauge, dem Mond (oder: dem weinenden/verfinsterten(?) Horusauge), ebenfalls zu nahe.
1„zurückgepusht“ (ꜥmṯ.tw): Wb. 1, 187.10 „sich abwenden o.ä.“, kopt. ⲱⲙϫ (Černý, CED, 228 „wean“; Vycichl, DELC, 249 „sévrer”; Crum, CD, 524a „to wean“). Semit. Lehnwort, belegt ab der 25. Dyn. (Taharqa). Das Verb ꜥmṯ/ꜥmḏ ersetzt im Ritual für den Abwehr des Bösen (Urk. VI) in der neuägyptischen/demotischen Übersetzung die in der älteren Textversion verwendeten Verben ḥmi̯ (Urk. VI, 95.7; 123.5), sḥmi̯ (Urk. VI, 73.18; 137.18), ḫsf (Urk. VI, 103.6; 117.2; 139.14) und sjntj (Urk. VI, 139.6) (Vernus, in: BIFAO 75, 1975, 45, Anm. aak; Vernus, in: RdE 41, 1990, 203 § 27.1). Siehe auch Quack, in: ZDMG 146, 1996, 512 (zur semit. Wurzel ꜥms, עמס; „heben; tragen“, vgl. Phön. ꜥms „wegtragen“). Laut Quack, Eine magische Stele, 32 ist ꜥmṯ.tw eher eine Verbalform mit der Passivendung .tw und wohl nicht ein Imperativ mit dem enkl. Personalpronomen 2. P. Sg. (Imperativ + Enkl. Pron. bei Karig, Wagner).
2 diesem Bildnis (((r)) tꜣ ⸮dnj.t/tj.t?): Das r wurde nachträglich und klein eingefügt. Das Zeichen nach dem Demonstrativum tꜣ sieht wie die halbe Kartusche 𓍸/ (V11: dnj.t) aus, scheint hier jedoch für die zwei Strichen unter dem Udjatauge 𓂇/ (D17) tj.t zu stehen (Karig verweist auf tj.t in Wb. 5, 240.13 für den umgekehrten Irrtum: tj.t als Schreibung von dnj.wt). Vgl. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien, 163, Anm. 3.2, der allerdings die Lesung tꜣ dp.t n.t Ḥrw „das Schiff des Horus“ vorzieht (mit dem Schiff P13 um 90° gedreht), nach einem Vorschlag von Altenmüller, in: OMRO 46, 1965, 30, Anm. 3. Altenmüller spricht im Zusammenhang mit dem „Schiff des Horus“ von einer „früheren Fassung“ von Horusstelentext B, für die es jedoch keine weiteren Belege gibt.
