Papyrus Ramesseum C + XIX.2 bottom
Übersetzung und Kommentar
pRamesseum C Recto
= Semna-DispatchespRamesseum C Verso
Überschrift (?)
[Vso. 0, x+11 – 0, x+4]2 [---] [Vso. 0, x+5]2 [---]1 Keine der Kolumnen ist über die gesamte Höhe erhalten, sodass sich nicht sagen lässt, wie viele Zeilen fehlen. Die meisten Zeilen, nämlich 12, sind in Kol. Vso. 1 und Vso. 4 erhalten. Insgesamt sind die Fragmente bis zu einer Höhe von ca. 15-16 cm erhalten. Da administrative Texte in dieser Zeit etwa 30-33 cm hoch waren, bedeutet das, dass auf dem Verso noch einmal nahezu ebenso viele Zeilen fehlen könnten, wie erhalten sind, vgl. Kraemer – Liszka 2016, 8 (inklusive der Erwähnung älterer Schätzungen).
2 Vso. 0: Kolumnenzählung mit Meyrat. Die beiden Fragmente waren anfangs als Teil von pRamesseum XIX aufgefasst worden und tragen daher bis heute die Inventarnummer BM EA 10772.2. Gardiner hatte sie zwar schon richtig pRamesseum C zugeordnet (s. Gardiner 1955, 3-4, Anm. 3, und 8), hielt sie aber für zu unbedeutend, um sie in seine Publikation einzuschließen, und hat sie daher bei seiner Kolumnenzählung unterschlagen. Aus Gründen einer einheitlichen Zitierweise übernimmt Meyrat Gardiners Kolumnenzählung und stellt diese Kolumne daher als Vso. 0 den anderen voran.
Zur Identifizierung der von Gardiner erwähnten Fragmente mit Meyrats Kolumne Vso. 0 s. Kraemer – Liszka 2016, 7. Zur Positionierung der beiden Fragmente gegenüber dem Rest von pRamesseum C vgl. a.a.O., 10-12 und 9, Fig. 1: Das Recto enthält Teile von Text 7 und 8 der Semna Dispatches, und die Rekonstruktion der Lücke zwischen den beiden Fragmenten zeigt, dass sie etwa 1,5 cm groß sein muss, also größer, als die aktuelle Montage suggeriert (s. a.a.O., 11, Fig. 2). Außerdem sind am linken Rand des Rectos noch die Anfänge von vier Zeilen eines bis dahin unbekannten, neunten Textes erhalten. Der Papyrus war also mindestens um den Platz länger, den dieser neunte Text benötigte. Das bedeutet, dass auch auf dem Verso links von Meyrats Kolumne 0 vielleicht noch Platz für weiteren Text war, also vielleicht (mindestens?) eine Kolumne „-1“. Das hat auch Implikationen für die Interpretation des Rubrums von Kolumne 0: Mit viereinhalb Zeilen Länge scheint es relativ lang für eine Überschrift, so dass man in dem Rubrum ebenso gut eine Nachschrift eines vorangegangenen, weiteren magischen Textes sehen könnte, der vor Kolumne 0 gestanden hat.
Spruchtext
[O jener Feind, --- (?) (Un-)Toter]1, (Un-)Tote, der, der keine [---]2 hat, [---]??? [---] ??? gewachsen [---].[---] dieser ... (?) [---].
Übel (komme) über dich, (o) [jener] Feind3, [(Un-)Toter, (Un-)Tote]4, usw., ...(?) [---]!5
1 Bei der derzeitigen Montage der Fragmente wäre die Lücke am Beginn des Satzes mit der in der Übersetzung vorgeschlagenen Ergänzung relativ gut gefüllt. Die noch erhaltenen schwarzen Zeichenreste nach dem Rubrum könnten auch zu dem sitzenden Mann mit Hand am Mund (Interjektion j) sowie dem f und einem Ersatzstrich (für ḫft.j) sowie noch einem weiteren f (Demonstrativpronomen pf) gehören. Die Lücke danach ist allerdings etwas zu lang für m(w)t allein; und außerdem zeigt die Rekonstruktion des Rectos, dass die Fragmente aktuell etwas zu nah aneinander montiert sind und die Lücke etwas größer sein muss (im unteren Teil etwa 1,5 cm), s. den Kommentar zum vorigen Satz. Daher muss die Einleitungsformel, sofern sie tatsächlich zu ergänzen ist, hier noch etwas länger gewesen sein als sonst. Ob ausnahmsweise noch, weil am Textanfang gelegen, die Formel nach ḫft.j pf einmalig um ein ḫft.jt tf erweitert war? Immerhin wird einmal, in Vso. 1, x+7, dezidiert die ḫft.jt tf angesprochen. Allerdings wären bei einer derartigen Ergänzung wohl dazu passende supralineare Zeichenreste an der Abbruchkante des Fragments zu erwarten, von denen es aber auf Meyrats Foto keine Spuren gibt.
2 Vom Körperteil, den der Feind hier nicht hat (jw.tj), sind noch Zeichenreste erhalten, aber nicht mehr klar identifizierbar. Der Text geht, soweit erhalten, mehr oder weniger a capite ad calcem vor, so dass hier eben der Bereich des Kopfes zu erwarten wäre. Die fraglichen Zeichenreste passen allerdings weder zu dp: „Kopf“ (vgl. die Schreibung in Vso. 2, x+8) noch zu ḥr: „Gesicht“ (vgl. die Präpositionen in Vso. 3, x+10 sowie, mit zusätzlichem r, Vso. 5, x+5).
3ḫft.j pf: In den Anrufungen v.a. neuägyptischer magischer Texte steht in Auflistungen feindlicher Entitäten oft an erster Stelle ḫft.j pfj oder ḫft.j pf.tj, gefolgt von Entitäten, bei denen dem männlichen Terminus der weibliche folgt, wie auch in pRamesseum C. Daher steht dieses pfj oder pf.tj anstelle des weiblichen Pendants der anschließenden Personengruppen.
Gardiner 1935 (1), 125, Anm. 2, merkt an, dass das pfj in diesen Fällen „strangely substituted for the feminine ḫftt“ sei. Dennoch übersetzt er ḫft.j pfj mit „yonder enemy“, als würde er es als reguläre Verbindung aus Nomen + Pronomen auffassen. Teilweise unter expliziter Berufung auf diese Fußnote von Gardiner (etwa Koenig 1981, 30, Anm. b), teilweise ohne (Roccati 2011, passim), wird dieses pfj auch oft übersetzt, als stünde tatsächlich ḫft.t da.
Borghouts 1971, 54-55, Anm. 50 vermutet dagegen darin nur eine besondere Form des Demonstrativpronomens pf: „jener“ „in its well-known ominous meaning“, d.h. als Umschreibung des Seth. Dementsprechend übersetzt er es auf S. 16 auch mit „fiend“. Die Endung .tj, die es manchmal bekommt, sei vermutlich nur eine Analogiebildung zum voranstehenden ḫft.j.
Zumindest in pRamesseum C wird aber wohl tatsächlich eine normale Verbindung aus Substantiv + Demonstrativpronomen vorliegen. Denn in Zeile Verso 1, x+7 erscheint in dieser Aufzählung die ḫft.t tf anstelle des ḫft.j pf, was sowohl Gardiners Meinung, pfj würde anstelle des Feminins stehen, als auch Borghouts’ Erwägung, dass es ein Synomym für Seth (und damit eine Apposition zu ḫft.j) sein könnte, ausschließt.
4 Ergänzung nach Kraemer – Liszka 2016, 11 (nicht übernommen von Meyrat), von ebd. stammt auch der Vorschlag, den Zeilenwechsel nach ḫft.j anzusetzen.
5 Der Text besteht aus kurzen Strophen, die mit der Formel j ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t jw.tj NN=f beginnen: „O jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, der kein ... hat“. Darauf folgen weitere Spezifikationen des Feindes und ihm zugeschriebene Frevel. Die Strophen enden mit ḏw r=k ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t ḥmw.t-rʾ: „Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!“ Ein solches Strophenende liegt auch hier vor.
[Vso. 1, x+1] [---] dir geben(?), stören [---]
O jener [Feind], (Un-)Toter, (Un-)Tote [---] Re [---] zu dir / für dich Apophis [---] (Gott) [NN].
Siehe, das, was du tust, [Vso. 1, x+5] ist (etwas), was Re hasst.
[---] die Menschen.
Übel (komme) über dich, (o) [jener] Feind, [(Un-)Toter, (Un-)Tote, etc.]! O jene Feindin1, (Un-)Toter, (Un-)Tote, die keine [---] hat [---]: Hast du deine Aufmerksamkeit2 Osiris zugewandt, wird er in der Dunkelheit mit deinen Forderungen konfrontiert (wörtl.: von deinen Forderungen gepackt),3 während du üble (Nach-)Rede hast entstehen lassen vor den Göttern der Unterwelt.
[Vso. 1, x+10] Du hast über Re gesagt, dass ⟨er⟩ doch [von(?) ---]4 seiner beiden Augen lebe, wobei er (tatsächlich aber) von ḏꜣjs-Pflanzen lebt,5 [---]6 Widder(???)7 (im) Moment, an dem er auflebt (?) (oder: den Moment, an dem er auflebt, voraussehen(???))8.
[---] Osiris, dieser [große] Gott (?)9 [---].10
1 Mit dem eindeutig femininen ḫft.t tf liegt hier eine notierenswerte Abweichung vom Formular vor, das sonst in diesem Text immer das maskuline ḫft.j pf hat. Schon der Hauptsatz kehrt mit dem maskulinen Suffixpronomen =k statt eines femininen =ṯ wieder zu dem üblichen Formular zurück.
2mꜣꜣ.n=k: Semantisch dürfte vermutlich mehr als ein nicht-intentionelles „sehen“ gemeint sein; hier wird versucht, diesen stärkeren Fokus durch eine Übersetzung mittels „Aufmerksamkeit zuwenden“ wiederzugeben.
3jṯi̯.t(w)=k m kk.w jn twꜣ.w=k: Unsichere Aussage. Das Verb twꜣ meint etwa „sich auf jmd. stützen; sich auf jemanden verlassen“ o.ä., woher die Spezialbedeutung „jmd. um etwas bitten, eine Forderung erheben“ stammt, und als twꜣ.w bezeichnete Personen sind solche, die auf die Unterstützung Anderer angewiesen sind, vgl. Gardiner 1916, 47, Berlev 1978, 64-66 und Parkinson 2012, 103. Berlev weist u.a. darauf hin, dass die twꜣ.w in Sinuhe B 132 im neuägyptischen Textzeugen oAshmolean Museum 1945.40, Zeile 57 durch wnḏ.wt sei. Dabei denkt Berlev an die Personengruppe von Wb 1, 326.5-6 (vgl. zu ihr Franke 1983, 289-295). Allerdings ist dort die gesamte Passage unklar und größtenteils zerstört, sodass sich daraus nichts zur Bedeutung von twꜣ ablesen lässt. Die Passage in pRamesseum C, 1, x+8-9 ist Berlev unklar. Fischer-Elfert (mdl. Mitteilung) vermutet, dass hier unberechtigte Ansprüche an Osiris gemeint sein könnten, die in der „Dunkelheit“, vielleicht metaphorisch für „Hilflosigkeit“ des Osiris, angemeldet würden.
Takács 1997, 144-145 zählt das Substantiv twꜣ.w zu den Wörtern, deren Wurzel eine semantische Opposition besitzen: Er bringt twꜣ.w mit try.t: „Unreines“ (Wb 5, 317.12) zusammen und führt beides auf dieselbe Wurzel wie twr: „reinigen, rein sein“ (Wb 5, 253.5-254.16) zurück.
4[___] jr.tj: Der nach der Lücke und vor jr.tj=f noch erhaltene Vogel wird der Klassifikator eines sonst zerstörten Wortes sein. Jedenfalls ergibt die Alternative „Sohn seiner beiden Augen“ keinen erkennbaren Sinn.
5ꜥnḫ⟨=f⟩ js [m A] ꜥnḫ=f m B: Quack 1996, 331 liegt hier eine Aussage vor, bei der „man zuerst, durch jś eingebettet, die verletzende Aussage wiedergibt, um anschließend die tatsächliche ‚korrekte‘ dagegen zu stellen.“ Das bedeutet für die vorliegende Stelle, dass es etwas Negatives sein muss, vom „[---] seiner beiden Augen“ zu leben, also etwas, das gerade nicht zum Wesen des Re gehört – das Leben „von der ḏꜣs-Pflanze“ dagegen schon.
6 Die Zeichenreste sind nicht rekonstruierbar.
7zr ist mit dem Widder klassifiziert. Meyrat 2019, 27 und 31 vermutet darin eine Schreibvariante des Verbs sr: „voraussehen“, das „habituellement“ mit der Giraffe klassifiziert ist. Tatsächlich mussten ägyptische Schreiber in hieratischen Texten auf andere Schreibungen ausweichen, weil es keine hieratische Giraffe gab. Stattdessen wichen die Schreiber, gerade auch bei sr, auf das Seth-Tier aus, vgl. Gardiners Kommentar zu Sign-list E20, und das führte dazu, dass sr auch in hieroglyphischen Texten (bspw. Stele Louvre C15) mit dem Seth-Tier klassifiziert werden konnte. Dass der Schreiber in pRamesseum C ein anderes Zeichen als die Giraffe verwenden musste, ist also zunächst zu erwarten; dass er dafür aber den Widder wählt, ist unüblich. Daher wird hier eine wörtliche Lesung als „Widder“ vorgezogen, Meyrats Vorschlag aber als Alternative eingetragen, um sie für Analysen des Verbs sr verfügbar zu machen. Der vorangegangene Satzteil liefert eine Aussage über eine Lebensweise des Re, und in der Zeile darüber sind, wenn Meyrats Rekonstruktion stimmt, die „Götter der Unterwelt“ genannt. Daher ist es denkbar, dass im hiesigen Satzteil eine Aussage über den widdergestaltigen nächtlichen Re getroffen wurde.
8 Die Lesung des Satzendes folgt Gardiner 1955, Taf. 29A. Der „Moment, an dem er lebt“, ist eine überraschende Aussage: Laut Gardiner 1948, 14-15 sind ꜣ.t: „der Moment“ und ꜣ.t: „die Kraft“, die „striking power“, miteinander zu verbinden. Das Wort ꜣ.t bezeichnet also konkret einen plötzlichen Moment größter Aktivität, sodass man vielleicht eher erwartet, dass es mit einem Verb verbunden wird, das etwas Punktuelles beschreibt, nichts Statisches wie „leben“. Die hier gewählte Übersetzung von ꜥnḫ mit „aufleben“ stellt nur einen Versuch dar, die Semantik dieser beiden Satzelemente aneinander anzugleichen.
9nṯr-ꜥꜣ: Völlig unsicher. Nach dem Klassifikator von Osiris ist noch in der unteren Zeilenhälfte ein kleiner Zeichenrest zu erkennen, der zu einem senkrechten Zeichen gehört haben könnte. Nach der Lücke sind der Schmutzgeier und ein weiterer Götterklassifikator (?, das Hieratische scheint eindeutig zu sein, die Form ist aber etwas anders als bei Osiris unmittelbar zuvor) erhalten. Die Lücke muss also einen Gottesnamen enthalten haben. Gardiner 1955, Taf. 29A erwägt zurückhaltend ḥkꜣ, „but sense obscure“. Meyrat macht keinen Vorschlag. Die Zeichenreste könnten auch zu nṯr-ꜥꜣ passen, was als Bezeichnung vieler Götter, auch des Osiris, gut belegt ist (s. Leitz 2002 (1), 396a). Dieses Epitheton kann sowohl syntaktisch lose als normale Nominalphrase aus Substantiv + attributivem Adjektiv auftreten, so dass das Demonstrativpronomen dazwischentreten kann (vgl. die Reiterkarte DZA 25.449.450 mit den zugehörigen Belegzetteln), als auch als enge syntaktische Einheit aufgefasst werden, der das Demonstrativpronomen nachgestellt wäre, wie es hier der Fall wäre; s. dazu Vernus 2003, 269.
10 Syntax unklar. Wenn der vorige Satz wirklich so endet, wie hier, zurückgehend auf Meyrat, angenommen wird, muss dieser Satz am Anfang von Zeile x+12 mit einem sehr kurzen Wort begonnen haben.
[Vso. 2, x+1] [--- usw.]2
1ḫft.j pn: Sic! Hier steht eindeutig das Demonstrativpronomen pn, während sonst im Text pf steht.
2 Ergänzung von ḥmw.t-rʾ schon von Gardiner 1955, Taf. 30A aufgrund des typischen Formulars dieses Textes. Anders als Gardiner suggeriert, hat das allein aber wohl nicht genügt, die Lücke am Anfang der Zeile ganz zu füllen – jedenfalls nicht bei der aktuellen Platzierung des kleinen Teilfragmentes, auf dem der Beginn des folgenden Satzes steht.
[Übel (komme) über dich,] (o) jener [F]eind, [(Un-)Toter, (Un-)Tote, us]w.!
O jener Feind, [(Un-)Toter, (Un-)Tote, der keine] Schultern/Oberarme [hat], [Vso. 2, x+5] du hast den [---] von Banebdjed gesch[lagen](?).
O [je]ner [F]ei[n]d, (Un-)Toter, (Un-)Tote, du hast die Pflöcke1 seiner (d.h. des Banebdjed) Hüter ge[---].2
Du hast gesagt, dass der Bösartige3 eintreten möge, um die Großen (Götter) auf der (Götter-)Barke zu [s]ehen.
(Und) du hast über diesen Gott gesagt, dass sein Kopf nicht existiere.
Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!
1mnj.t meint Haltepflöcke, v.a. diejenigen, an denen Schiffe angebunden werden können. Meyrat 2019, 301 und 27 ergänzt davor das Verb ḥwi̯ und verweist damit implizit auf die Phrase ḥwi̯ mnj.t: „den Landepflock einschlagen (scil.: um das Schiff daran festzumachen)“, Wb 2, 73.1-3. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Vorteile der hier angerufene „Feind“ haben sollte, Landepflöcke der Hüter des Banebdjed einzuschlagen. Neben solchen Haltepflöcken kann mnj.t auch einen Pfahl bezeichnen, der bei Bestrafungen Anwendung findet: indem der zu Bestrafende an diesen Pfahl gefesselt und geschlagen wird oder indem – als Bestrafung des Seth – ein mnj.t durch seinen Hals geschlagen wird, Wb 2, 73.4-8. Aus syntaktischen Gründen kann hier jedoch keine dieser Bedeutungen vorliegen. Daher ist fraglich, ob hier tatsächlich ḥwi̯ zu ergänzen ist oder nicht doch ein anderes Verb. Gardiner 1955, Taf. 30A hatte die Lücke offen gelassen. Der noch erhaltene Klassifikator, ein schlagender Mann, spricht für ein Aktionsverb, und weil die Lücke nicht sehr groß ist – zumindest wenn die aktuelle Montage der Fragmente korrekt ist – muss das Verb relativ kurz sein. Könnte vielleicht ein Verb des Ergreifens, Wegnehmens o.ä. gestanden haben, wie bspw. jṯi̯? Der im vorigen Satz erwähnte Banebdjed, der „Widder von Mendes“, ist ein in dieser Stadt Mendes verehrtes heiliges Tier gewesen. Möglicherweise sind die mnj.t-Pflöcke solche gewesen, mit denen der Widder festgebunden war; und das Entfernen solcher Pflöcke könnte wohl durchaus als böswillige Handlung gewertet worden sein.
Vermutlich liegt in dieser Strophe ein Wortspiel zwischen rmn und mnj.t vor.
2 Auffällig ist die Wiederholung des stropheneinleitenden Vokativs j ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t. Die Alternative wäre, dass im vorigen Satz eine besonders kurze Strophe vorliegt, deren abschließendes „Übel (komme) über dich ...“ aufgrund einer Aberratio oculi ausgefallen ist. Ein derartiger Ausfall scheint weiter unten vorgekommen zu sein. Allerdings würde bei dieser Alternative dem Vokativ im hiesigen Satz zusätzlich das typische jw.tj NN=f: „der kein ... hat“ fehlen; ferner wären das Pronomen =f in jr.w=f: „seine Hüter“ und dessen wahrscheinliches Bezugswort auf zwei Strophen verteilt. Daher ist davon auszugehen, dass die beiden durch Vokative eingeleitete Sätze doch zu nur einer Strophe gehören.
3Nbḏ ist eine Bezeichnung des Apophis oder des Seth (s. Wb 2, 247.6-7 und Zandee 1960, 208), in ptolemäischen Texten auch des irdischen Feindes (Wb 2, 247.8). Dieses Epitheton wird gerade im Mittleren Reich oft mit dem Tierfell geschrieben (vgl. van der Molen 2000, 220), das aber nicht auf den tierischen Charakter des Gottes hinweist, sondern an dieser Stelle für den Nachthimmel steht und den Nbḏ als Dämon der Nacht ausweist, s. Kees 1924, 70. Das Wort ist von dem Verb nbḏ, Wb 2, 247.4-5 abgeleitet, das eine negative Handlung ausdrückt.
Der Dämonenname selbst ist oft mit der Haarlocke geschrieben, als würde er mit nbd: „flechten“ zusammenhängen. Einen etymologischen Zusammenhang zwischen diesen Wörtern hat aber schon Hölscher 1937, 34-35, Anm. 10 ausgeschlossen, ebenso Wilson 1997, 509. Arnst 2006, 12 möchte zwischen nbd und Nbḏ zumindest eine konzeptuelle Nähe sehen, da Haare in der ägyptischen Magie, wie auch in anderen Kulturen, im Schadenzauber verwendet werden können.
(Und) du hast ⟨über⟩ Seth gesagt, dass seine Hoden nicht existieren.
[Ü]bel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!
1 Der kurze Abschnitt von Vso. 2, x+9-11 ist auch übersetzt von Gardiner 1955, 11.
O jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, [Vso. 3]1 [---][---] [Vso. 3, x+1] [us]w. durch(?)2 [NN]3!
1 Zwischen den Kolumnen Verso 2 und 3 befindet sich ein schmaler Papyrusstreifen mit Resten eines administrativen Textes, der offenbar Makulatur geworden war und sekundär zur Verstärkung von pRamesseum C angebracht wurde, als dieser an dieser Stelle zu brechen drohte, vgl. Parkinson 2009, 148 und Kraemer – Liszka 2016, hier 9; zu sehen auf den Fotos bei Gardiner 1955, Taf. 30 und Meyrat 2019, 300. Da dieser Streifen die Kolumnen des magischen Textes nicht überdeckt, muss er angebracht worden sein, als das Verso noch unbeschriftet war, s. Parkinson, a.a.O.
2ḫr: So schon vorgeschlagen von Gardiner 1955, Taf 31A mit Verweis auf dieselbe Art Erweiterung in Vso. 3, x+7 und Vso. 4, x+1, „but the upper sign does not suit very well“. Wohl aufgrund dieser Zweifel hat Meyrat 2019, 303 diese Rekonstruktion nicht übernommen. Nach dem in diesem Text verwendeten Formular passt aber eigentlich kaum etwas anderes an diese Stelle.
3 Nach der hier vorgenommenen Rekonstruktion der ersten Zeile ist die auf ḫr folgende Lücke derart kurz, dass fast nur ein spezifischer Gottesname gestanden hat.
Du hast Feuer ge[---]t, nachdem du [---] gelöscht hast [---] Sachmet.
Du hast [(den Körperteil?) ---] von (Gott) [___]u entfernt.
Übel (komme) über dich, (o) [jener] Feind, [(Un-)Toter, (Un-)Tote], usw.!
1ẖr.wj: Die Ergänzung ist relativ sicher. In der folgenden Strophe wird der ḫpš: „Schlagarm“ erwähnt. Dadurch wirkt eine der beiden Strophen fehlplatziert, denn soweit erhalten, scheint der Schreiber a capite ad calcem vorgegangen zu sein: Rücken, Oberarme/Schultern, Hände, Hoden, Schlagarm, Hintern, Penis, ws.t, Fußsohlen, Zehen. Da in der letzten Strophe die Hoden des Seth und die Augen des Horus erwähnt werden, ist es zunächst verführerisch anzunehmen, dass diese dazu geführt hat, die Strophe mit den Hoden vorzuziehen. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass über den erhaltenen Partien von Vso. 3 noch mehr Text gestanden hat – im Maximalfall noch einmal so viel, wie erhalten ist (vgl. Kraemer – Liszka 2016, 8 zum Recto) –, sodass diese Assoziation zunächst nur durch den modernen Erhaltungszustand bedingt wird.
2ḥw.t-sšr.t: So nach Meyrat 2019, 32 zu lesen. Meyrat verweist auf das ḥw.t-šsr.t im Gau von Hermopolis, das in pBoulaq 3, Zeile x+5,17 erwähnt wird und das Gauthier 1927, 134 für „le chateau de la flèche(?)“ hält. Dagegen versteht es Töpfer 2015, 119 als „Haus des Leinen“. Mit Verweis auf Goyon 1972, 77, Anm. 4 vermutet sie darin ein Heiligtum des Thot (eine Deutung, die letztlich auf Gauthier zurückgeht), einen Raum der Balsamierungsstätte oder beides. Goyon 1972, 61 und Smith 2009, 233 enthalten sich einer Deutung und übersetzen nur „Château de Cheseret“ bzw. „mansion of Shesret“.
Auch im römerzeitlichen Buch vom Ba, pBerlin P 10477 = pMacGregor, wird das ḥw.t-šsr genannt, s. Beinlich 2000, 34-35. Beinlich übersetzt fragend als „Haus der Mumienbinde (? ḥwt-šsr.t ?)“ und verweist dazu auf den Beleg des Balsamierungsrituals. In der Interpretation folgt er damit Töpfer.
Bei sšr.t handelt es sich um eine Variante zu sšr oder sšr.w, Leinenstoffen von höherer Qualität, s. dazu Scheele 2005, 31-38.
Fischer-Elfert (mdl. Mitteilung) vermutet dagegen einen Götternamen, so dass das ḥw.t sš[__] parallel zum ḥw.t Sḫm.t vor der Lücke wäre.
Du hast über Re gesagt, dass er doch ⟨von⟩ ẖꜣb.t-Pflanzen3 lebe, wobei er tatsächlich (aber) ⟨von⟩ den ꜥnꜥr.t-Tieren4 lebt.5
Auf (den Platz von) jenem hast du dieses gelegt.6
Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, etc., durch die Große Götterneunheit, die in Heliopolis ist!
1 Der Text besteht aus kurzen Strophen, die mit der Formel j ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t jw.tj NN=f beginnen: „O jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, der kein ... hat“. Darauf folgen weitere Spezifikationen des Feindes und ihm zugeschriebene Frevel. Die Strophen enden mit ḏw r=k ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t ḥmw.t-rʾ: „Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!“ Das hier stehende jw.tj ḫpš[=f] sollte also nicht nach der Strophenabschlussformel stehen, sondern nach der Stropheneinleitungsformel, die hier vielleicht nur ausgefallen ist. Möglicherweise liegt eine Aberratio oculi vor.
2nn jm[__]: Meyrat 2019, 303 rekonstruiert die Zeichenreste nach nn als Schilfblatt und w-Schleife, gibt aber über Letztere noch eine Zerstörung an. Auf S. 28 transkribiert er nn jw[... und zeigt durch das fehlende Leerzeichen vor der öffnenden Klammer an, dass er jw nicht als Partikel, sondern als Wortanfang versteht. Tatsächlich wäre die Partikel jw wenig wahrscheinlich, weil die Wortfolge nn jw erst im Neuägyptischen belegt ist, nämlich im negierten Futur nn jw=f r sḏm – für das Mittelägyptische kennt Gardiner 1957, §§ 334 und 468.4 nur ein einziges Bsp., nämlich aus dem Grab des Paheri in Elkab aus der frühen 18. Dynastie, „in colloquial conversation“, d.h. eigentlich ist das als Neuägyptizismus zu werten.
Davon abgesehen, ist unsicher, ob überhaupt jw die richtige Rekonstruktion ist. Nach dem Schilfblatt ist an der Abbruchkante des Papyrus über Meyrats w-Schleife noch ein möglicher weiterer Zeichenrest zu erkennen, so dass man vielleicht eher jm[_] statt jw[_] lesen könnte. Falls man eine Konstruktion aus nn + Infinitiv rekonstruieren möchte, könnte man jm: „wehklagen“ (Wb 1, 77.12-13) oder jꜣm: „angenehm sein, freundlich sein“ (Wb 1, 79.10-13, 17-19) in Erwägung ziehen. Allerdings ist Ersteres bislang erst ab dem Neuen Reich belegt, und bei Letzterem kommt die Hieroglyphenfolge Schilfblatt + Eule am Wortanfang laut dem Schreibungszettel DZA 20.722.940 nur in der 19. Dynastie und in ptolemäischer Zeit vor.
Da die Rekonstruktion des Verbs noch nicht möglich ist, bleibt auch unklar, wie sich das nach minimaler Lücke noch tlw. erhaltene f dazu verhält: Ist es Teil des Wortes? Ist es ein Suffixpronomen?
3ẖꜣb.t: Nach dem Klassifikator zu schließen eine Pflanzenbezeichnung. Anscheinend ein Hapax legomenon. Dem Kontext nach muss es eine Pflanze sein, von der der Sonnengott Re normalerweise nicht lebt. Aufgrund dieses Kotextes wäre zu überlegen, ob die Bezeichnung etymologisch vielleicht zur Wortfamilie ẖꜣb: „krumm sein, falsch sein“ (Wb 33,61.13-362.6) gehört.
4ꜥnꜥr.t: Zur Lesung des Hieratischen Meyrat 2019, 33. In pRamesseum C wird das Wort merkwürdigerweise mit einer Buchrolle klassifiziert (ob wegen des Wortendes, das den Schreiber an die ꜥr.t: „Buchrolle“ erinnert haben mag?). Üblicherweise ist es mit einer Schlange klassifiziert. Aufgrund dessen wird ihm eine schlangen- oder wurmartige Bedeutung zugeschrieben. Die einzige weitergehende Information zu dem Tier findet sich im pEdwin Smith, wo in Glosse C (Zeile 6,3) zu Fall 12 gesagt wird, dass es im Wasser lebe. Außerdem wird das Wort im pEdwin Smith metaphorisch auch für eine Erscheinung geronnenen Blutes in der Nase verwendet. Aufgrund dieser Eigenschaften vermutet Breasted 1930, 251 einen „slender and slimy worm“. Allen 2005, 83 und Sanchez – Meltzer 2012, 116 denken dagegen an den schlangenförmigen Aal. Einmal wird das ꜥnꜥr.t-Tier im pEbers in einer Drogenliste genannt (Rezept Eb 474). Dabei handelt es sich um ein Rezept, um das Haar einer Nebenbuhlerin ausfallen zu lassen, und dieses Tier ist neben Öl/Fett und Olivenöl die einzige Droge. Als Anwendungsprinzipien dürften in dem Fall am ehesten „Similia similibus curantur“ und „Contraria contrariis curantur“ infrage kommen, so dass das ꜥnꜥr.t-Tier also entweder ganz viel oder ganz wenig Haare besitzt. In Kombination mit den Charakteristika des pEdwin Smith ist Letzteres näherliegend (so auch Leitz 2005, 57). Das dürfte auch Ebbell im Sinn gehabt haben, wenn er hierbei an einen „ꜥnꜥr.t-Wurm (eine[n] Borstenwurm)“ (Ebbell 1939, 34, zu pEdwin Smith) bzw. „chætopod (?)“ (Ebbell 1937, 80 zu Eb 474) dachte. Jean – Loyrette 2010, 461 vermuten darin dagegen einen Blutegel, wobei ihnen als Hauptargument die äußere Erscheinung dient, die durch den Vergleich des pEdwin Smith gezeichnet wird; sie erwägen aufgrund der Lokalisierung der ꜥnꜥr.t-Erscheinung des pEdwin Smith in der Nase sogar konkret einen „parasite capable de pénétrer dans l’oropharynx des bovins et des hommes buvant l’eau des citernes et des mares“.
Zu Eb 474 gibt es eine Parallele im pHearst, nämlich im Rezept H 157. Dieses unterscheidet sich insofern von Eb 474, als kein Olivenöl verwendet wird. Außerdem wird ein ꜥpnn.t-Tier statt des ꜥnꜥr.t-Tieres genannt. Die Identifizierung des ꜥpnn.t-Tieres ist ebenfalls unsicher – vorgeschlagen wurden bislang‘: Schlange, eine Art Wurm, Eidechse [obsolet], Maulwurf [obsolet], Fischotter, Nacktschnecke, Wassermolch [unwahrscheinlich] und Blutegel. S. zu allen Vorschlägen die ausführliche Diskussion im Glossar. Die Bedeutung „Blutegel“ für ꜥpnn.t stammt von Meeks 2012, 533-535 (vielleicht unter Beeinflussung von Jeans/Loyrettes Vorschlag für ꜥnꜥr.t?). Als Argument diente ihm hierbei, dass das ꜥpnn.t-Tier groß genug sei, um es zur Verwendung in magischen und medizinischen Kontexten zu zerteilen, dass es andererseits klein genug sei, um (in Eb 576) zusammen mit Fliegen und Käfern verwendet zu werden. Im magischen pBM EA 9997 + 10309, Zeile 2,15-16 wird es in einem Kontext genannt, in dem Isis den Schlangen Arme und Beine nimmt, so dass Meeks daraus schließt, dass das ꜥpnn.t-Tier eben keine Beine habe (wobei der Kontext dieser Stelle weniger klar ist, als Meeks suggeriert). Im pBoulaq 17 wird es zwischen Fischen + Vögeln und Insekten + Würmern genannt, im späten pBM EA 10081, 36,9 dagegen vor den Kriechtieren, den [ḥrj.w]-ẖt=sn. Daraus schließt Meeks, ebd., 534 auf einen „place charnière“ zwischen diesen Tiergruppen. In dem ꜥnꜥr.t-Tier des Eb 474 vermutet er dann eben, dass darin analog zu dem ꜥpnn.t-Blutegel der Parallele H 157 ebenfalls ein Blutegel gemeint ist, vielleicht eine andere Art. Als Tertium comparationis zwischen dem ꜥnꜥr.t-Blutgerinnsel und dem ꜥnꜥr.t-Tier des pEdwin Smith erwägt er die Farbe („peut-être“ mit Meeks, ebd., 535).
In Vernus – Yoyotte 2005 gibt es nur eine kurze Erwähnung auf S. 83 unter dem sprachlichen Aspekt der Wurzelkonsonanten. Vernus übersetzt an dieser Stelle schlicht mit „ver“.
In pRamesseum C, Vso. 3, x+6 wird über das Tier gesagt, dass der Sonnengott davon lebt; diese Ernährungsweise ist zudem positiv konnotiert, hat also keinen negativen ‚Beigeschmack‘. Man kann überlegen, ob an dieser Stelle an eine bestimmte Manifestation des Sonnengottes gedacht wird, vielleicht an den Ichneumon. Dieses ernährt sich zwar nicht von Blutegeln, aber er frisst u.a. kleinere Schlangen, zu denen das ꜥnꜥr.t-Tier, seinem normalen Klassifikator nach zu schließen, zu rechnen ist. Dieses stünde damit vielleicht pars pro toto für Tiere, von denen sich ein Ichneumon ernährt. Damit könnten diese Tiere auch zu dem im vorherigen Satz erwähnten ḏdf.t dšr.t, dem „gefährlichen (wörtl.: roten) Gewürm“ (zerstörter Kontext) gehören. Fischer-Elfert (mdl. Mitteilung) erwägt darin eine despektierliche Bezeichnung des Apophis.
5ꜥnḫ=f js ⟨m⟩ A jsk ꜥnḫ=f ⟨m⟩ B: Nach Quack 1996, 331 liegt hier eine Aussage vor, bei der „man zuerst, durch jś eingebettet, die verletzende Aussage wiedergibt, um anschließend die tatsächliche ‚korrekte‘ dagegen zu stellen.“ Das bedeutet für die vorliegende Stelle, dass von der ẖꜣb.t-Pflanze zu leben etwas Negatives sein muss, was gerade nicht zum Wesen des Re gehört, von den ꜥnꜥr.t-Tieren zu leben dagegen schon.
6 Meyrat 2019, 33 vermutet: „cette phrase est sans doute à comprendre dans le sens ‚tu as mis les choses sens dessus dessous, tu as engendré le chaos‘“.
Ihre Worte können an diesem Tag [Vso. 3, x+10] der Klage, die wegen der Augen des Horus vorgebracht wurde, nicht gehört werden.
⟨Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!⟩4
1šfꜣ.yw: Mit dem „schlechten Paket“, Gardiner Sign-list Aa2, klassifiziert, das das Wort als etwas Negatives, u.U. zähflüssiger Konsistenz, ausweist. Mit Meyrat 2019, 33 wird hier davon ausgegangen, dass eine Schreibvariante des Wortes šf.wt vorliegt, eines Terminus, der von dem Verb šfu̯: „anschwellen“ abgeleitet und wohl ein allgemeiner Begriff für „Schwellungen“ ist. Auffällig ist die von den medizinischen Texten abweichende Schreibung, wo eben immer šf.wt steht – mit der Ausnahme šf.tjw in Eb 39; aber der tjw-Bussard und der Aleph-Geier sind im Hieratischen zu unterschiedlich, als dass man diese Graphie mit derjenigen von pRamesseum C verbinden könnte. Aus diesem Grund wird hier šfꜣ.yw mit „Anschwellungen“ übersetzt, um diesen Unterschied zum Terminus der medizinischen Texte auch etwas in die Übersetzung hineinzutragen.
2ꜥr.w: Auch das dürfte seine Entsprechung in den medizinischen Texten finden, wo es den ꜥr.wt-Krankheitsstoff gibt, von Deines – Westendorf 1961, 147-148. Erneut fällt die unterschiedliche Graphie ins Auge, denn in den medizinischen Texten, bzw. genauer: im pEbers, auf den sich dieser Begriff bislang beschränkte, ist das Wort feminin: ꜥr.wt. Dieses Wort tritt im pEbers in Genitivverbindungen mit einer ḥnḥn.t-Geschwulst (ḥnḥn.t n.t ꜥr.wt) und vielleicht auch einer ꜥꜣ.t-Geschwulst auf, wobei Letzteres unsicher ist: Es steht in Eb 870 ꜥꜣ.t n.t rj.t ꜥr.wt, was man sowohl disjunktiv („Wie eine ꜥꜣ.t-Geschwulst von Eiter (oder) von ꜥr.wt-Stoffen”) als auch konjunktiv („Wie eine ꜥꜣ.t-Geschwulst von Eiter (und) von ꜥr.wt-Stoffen”) auffassen könnte. Die Natur von ꜥr.wt wird allerdings nicht klar. In Eb 857 kommt es in der „Kehle“ (ḥtj.t) des Patienten vor und in Eb 859 in der šꜣšꜣ.yt-Region des Halses – beide Male nach einer „Verlagerung, Verschiebung“ (wd.t < wdi̯: „stellen, setzen, legen“(?)) von einer unbekannten Körperstelle. Diese Verschiebung ist mitursächlich für die Entstehung der ḥnḥn.t-Geschwulst, wie besonders in Eb 859a deutlich wird: ḥnḥn.t m šꜣšꜣ.yt n.t s ḫpr.t ẖr wd.t n.t ꜥr.wt n.t ry.t: „eine ḥnḥn.t-Geschwulst an der šꜣšꜣ.yt-Halsgegend (?) eines Mannes, die infolge einer Verlagerung des ꜥr.wt-Stoffes (und) von Eiter entstanden ist“. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Verschiebung allein die ḥnḥn.t-Geschwulst verursacht und das ꜥr.wt dann, wenn es nicht verschoben ist, nichts anrichtet und vielleicht sogar ein normaler Bestandteil eines gesunden Körpers sein könnte. Vielmehr wird eine ḥnḥn.t-Geschwulst in einem anderen Rezept, in Eb 858, ausgelöst (ḫpr.t) durch wd.t n.t wḫd.w: „eine Verlagerung der Krankheitsauslöser“. Diese parallele Konstruktion zeigt, dass ꜥr.wt schon per se, d.h. quasi auch „unverschoben“, ein krankheitsauslösender Stoff ist.
Im Rezept Eb 207 wird einem Patienten mit Verstopfung ein Abführmittel bereitet, und sein nꜥꜣḏ.t-Exkrement wird mit ꜥr.wt km.t: „schwarzem ꜥr.wt-Stoff“ verglichen. Ebbell 1938, 11 nimmt diese kurze Beschreibung, zusammen mit dem Umstand, dass ꜥr.wt in den anderen Rezepten zusammen mit Eiter genannt wird, zum Anlass, in ꜥr.wt eine Entsprechung der Galle und konkreter sogar der schwarzen Galle griechischer Medizin zu sehen. Das lehnt von Deines – Westendorf 1961, 148 jedoch ab, weil die explizite Nennung des Adjektivs „schwarz“ in Eb 207 auch so interpretiert werden könnte, dass ꜥr.wt auch andere Farben haben kann.
Als Benennungsmotiv erwägt MedWb 1, 148 einen Zusammenhang mit ꜥr, dem „Kern (einer Frucht)“, Wb 1, 208.13 und vergleicht mit der jn.wt-Erscheinung (a.a.O., 57-58), die möglicherweise mit jnj.t: „Samen, Kern“, Wb 1, 94.4-5 zusammengebracht werden kann (und damit dem modernen „Krankheitskeim“ – zumindest rein was die Basisbedeutung des Wortes angeht – nahekommt). Allerdings sind auch andere Benennungsmotive für ꜥr.wt nicht ausgeschlossen: Da dieser Stoff (mit-)ursächlich für die Entstehung diverser Schwellungen und Geschwulste ist, könnte man auch überlegen, ob es mit jꜥr: „aufsteigen“ (Wb 1, 41.14-25) zusammenhängt.
3ꜥrp: Gardiner 1955, Taf. 31A transliteriert das hieratische Zeichen neben dem Arm als Fremdlandzeichen, überlegt aber, ob dieses Zeichen ein p ersetzen sollte. Meyrat 2019, 303 transliteriert sofort als p. Infolgedessen hat das Verb aber keinen Klassifikator mehr. Meyrat, a.a.O., 33 möchte in diesem Wort ꜥrp eine Verschreibung für ꜥpr: „ausstatten u.ä.“ (Wb 1, 180.8-23) in der von Breasted 1930, 136 festgemachten medizinischen Spezialbedeutung „to acquire, gain“ sehen, und er übersetzt (S. 28) mit „Sont provoqués ...“.
4 Der Text besteht aus kurzen Strophen, die mit der Formel j ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t jw.tj NN=f beginnen: „O jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, der kein ... hat“. Darauf folgen weitere Spezifikationen des Feindes und ihm zugeschriebene Frevel. Die Strophen enden mit ḏw r=k ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t ḥmw.t-rʾ: „Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!“ Diese Strophenabschlussformel fehlt hier komplett, vielleicht erneut, wie in Vso. 3, x+4, aufgrund einer Aberratio oculi.
[Vso. 4, x+1] Übel (komme) [über dich], (o) [jener] Feind, [(Un-)Toter, (Un-)Tote, usw., durch] die Götter von Heliopolis!
1 Bezüglich der „Truhe (hn) der sḫr.w“ verweist Meyrat 2019, 34 auf die einmalige Bezeichnung des Beamten Tjanuni als hn n nsw ẖr sḫr.w tꜣ.wj: „Truhe des Königs mit den Plänen für die Beiden Länder“ (Urk. IV, 1015.17), die aber wohl bei aller syntaktischen Ähnlichkeit inhaltlich doch eher den abstrakteren Begriff sḫr.w: „Pläne“ u.ä. beinhaltet. In pRamesseum C wird die „Truhe mit den sḫr.w“ explizit im Inneren der wꜥb.t des Osiris verortet, weswegen Meyrat davon ausgeht, dass hier konkret religiöse Schriften mit geheimen Inhalten gemeint sind, deren Entnahme ein Sakrileg darstellt. An inhaltlichen Parallelen verweist Meyrat auf das ramessidenzeitliche Papyrusamulett pDeM 44, Zeile 16-17, wo dem „Feind“ vorgeworfen wird, „gegen“ eine ꜥfḏ.t-Kiste aus Akazienholz „gesprochen“ zu haben, die Horus, dem Herrn von Letopolis, gehört (s. Koenig 2000, 261, 274-275, Anm. ll und 281; eine Liste mit einer Inhaltsangabe einer solchen ꜥfḏ.t-Kiste publizierte Fischer-Elfert 2016, 149-169). Außerdem wird in den späten „Kultfreveln des Seth“ dem Gott Seth vorgeworfen, die ꜥfḏ.t-Kiste von Heliopolis geöffnet zu haben, die von Anubis versiegelt worden war und mehrere Glieder oder den ganzen Körper des Osiris enthielt, s. Altmann 2010, 63-67 und 105; vergleichbar auch ein Vorwurf im Papyrus des Imouthes, Altmann, a.a.O., 65. Eine ꜥfḏ.t-Kiste von Heliopolis ist schon in den Sargtexten, de Buck 1956, 243e, und erneut in den ramessidenzeitlichen Papyri Chester Beatty VII, Rto. 4,1-2 und Turin CGT 54050, Rto. 3,12 erwähnt, s. Borghouts 1971, 95-96, Anm. 165 (Borghouts’ Verweis auf pTurin 1993 [= pTurin CGT 54051] ist in pTurin CGT 54050 zu korrigieren; zur Verwechslung dieser beiden Papyri s. hier unter „Bearbeitungsgeschichte“). Die ꜥfḏ.t-Kiste von Heliopolis ist dem Inhalt nach der Osiris-Sarg, während die von Fischer-Elfert besprochene ꜥfḏ.t-Kiste definitiv eine Bücherkiste ist, die neben religiösen auch literarische und administrative Dokumente enthalten haben kann, also vergleichbar zu der Holzkiste, in der die Ramesseumspapyri lagen.
Zum Größenvergleich von ꜥfḏ.t- und hnw-Kisten im Alten Reich, aber auch mit Ausblick auf spätere Epochen, s. Brovarski 1999, 29-38. Danach haben hnw-Kisten verschiedene Größen, sind aber im Allgemeinen größer als ꜥfḏ.t-Kisten. Konkret festmachen lassen sich Maße für eine mit hnw beschriftete Kiste der Königin Hetepheres aus der 4. Dynastie, die 41,9 × 33,7 × 21,8 cm groß ist. Eine vergleichbare Kiste aus Gebelein, die Brovarski aufgrund ihrer äußeren Merkmale ebenfalls zu den hnw-Kisten zählt, misst 30,0 × 55,5 × 31,0 cm. Derartige Kisten können verschiedene Toilettenartikel, Schmuckstücke, Medikamente u.ä. beinhalten, und ebenso auch Schriftstücke (s. Brovarski, a.a.O., 36). Aufgrund der größeren Ausmaße dieser Kiste wurde für pRamesseum C als Übersetzung das Wort „Truhe“ gewählt.
Die Maße der Kiste, in der die Ramesseumspapyri lagen (von der aber unklar ist, ob sie als hnw-Kiste oder ꜥfḏ.t-Kiste galt), gibt Quibell – Spiegelberg 1898, 3 mit 18 × 12 × 12 Inch, also etwa 45 × 31 × 31 cm an.
Fischer-Elfert (mdl. Mitteilung) erwähnt, dass eine der von ihm aktuell (2020) untersuchten Schminkgefäße ebenfalls als hn bezeichnet würde. Er sieht den Unterschied von hn zu ꜥfḏ.t darin, dass Erstere auf vier Füßen steht, was auch auf das so bezeichnete Schminkgefäß zutreffe.
2sḫr.w meint eigentlich abstrakte „Pläne“, die Menschen wie Götter machen können, und „Absichten“, die sie haben können. Spezifisch „sḫr.w für Ägypten“ zu machen, also Sorge für das Land zu tragen, ist eine Handlung von Göttern wie v.a. des Chons Pꜣ-jri̯-sḫr.w, vgl. Wb. 4, 258.10-260.16. Daneben gibt es in Gestalt eines femininen sḫr.t, Wb 4, 261.1-4 auch eine materialisierte Form solcher Pläne oder Absichten. Dieses Wort wird einmal, auf dem MR-Sarg CG 28036, mit einem Brot X4A (? wohl für ein verschnürtes Papyruspaket stehend) klassifiziert und als Legende einem Paket Schreibpaletten beigeschrieben (DZA 29.550.170 = Lacau 1904, 106, Nr. 74). Auch die wenigen Belege der Ramessidenzeit deuten darauf hin, dass sḫr.t mehr als ein einzelnes Schriftstück umfasst.
Ein solches sḫr.t kann einen offiziellen und rechtswirksamen Charakter haben: So wird im Dekret des Königs Haremhab ein Schreiber herbeigerufen, der daraufhin Schreibpalette und sḫr.t ergreift, um die Regelungen des Königs niederzuschreiben (Helck 1958, 2143.8-10). Im ptolemäerzeitlichen Kanopos-Dekret, Zeile 12 der Tanis-Version, bezeichnet es offizielle Urkunden, in denen die geänderten Titel der Priester fortan notiert werden sollen (vgl. Pfeiffer 2004, 101-103). Im demotischen Teil steht an dieser Stelle des Textes pꜣ gy{.w} n ḏrꜥ md(.t), ein Begriff, der in der Administration „spezifisch die rechtsverbindliche Registrierung und damit Anerkennung des Geschäfts durch die staatliche Autorität“ markiert (s. Quack 2011, 271, Anm. l), und im griechischen Teil des Dekrets steht χρηματισμός, womit ebenfalls hochoffizielle Dokumente bezeichnet werden können (s. LSJ, s.v. χρηματισμός).
3 Die Entführung von Schriftstücken als Sakrileg erinnert an eine Notiz des griechischen Historikers Diodors, wonach der Perserkönig Artaxerxes III. nach der Rückeroberung Ägyptens zahlreiche ἀναγραφαί: „Aufzeichnungen (auch magischer oder ritueller Natur)“ aus den ägyptischen Tempeln entnehmen ließ und sie später durch seinen Günstling Bagoas den ägyptischen Priestern wieder teuer zurück verkaufte (Diod. XVI 51, Perseus). Obwohl diese Vorgänge auf realen Begebenheiten basieren könnten, ist es nicht undenkbar, dass diese Anekdote auch, basierend auf derartigen Kultfreveln, diesem König nur im Zusammenhang seiner Negativzeichnung zugeschrieben wurde.
Du hast gesagt: „Der von dir Abgewehrte war nicht [in] [Vso. 4, x+5] die große Halle von Heliopolis eingetreten (oder: Der von dir Abgewehrte wird nicht ... eintreten).“
Übel (komme) [über dich], (o) jener [F]ein[d], (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!
1ws.t: Ein unbekannter Körperteil, der paarig vorkommt und mit zwei Fleischstücken klassifiziert ist, also eher fleischigen Charakter hat. Der Kontext lässt keine weiteren Schlüsse zu. Der Text geht in seiner Nennung der Körperteile, die der Feind nicht hat (jw.tj), weitgehend a capite ad calcem vor, und die aktuelle Strophe steht zwischen ḥnn: „Penis“ und ṯbw.t: „Fußsohlen“. Daher wird das ws.t-Körperteil wohl im Bereich des Unterkörpers oder der Beine liegen. Walker 1996, 265 kennt einen Körperteil ꜣs.t, der in zwei Körperteillisten des Neuen Reiches nach ḥnn genannt wird (nämlich pGeneva MAH 15274 Rto. 2,3, Massart 1957, 175 und Taf. 24-25, und pChester Beatty VII, Vso. 4,9, Gardiner 1935 (1), 64 und Gardiner 1935 (2), Taf. 37) und den er als Schreibvariante von j(n)s.wj: „Hoden“ ansieht. Dieses Wort kommt zwar dem ws.t von pRamesseum C in Schreibung und Positionierung recht nahe, kann es aber nicht sein, weil die Hoden (ẖr[.wj]) schon weiter oben genannt werden. Es wäre zwar möglich, dass man dort zu einem anderen Körperteil ergänzt, bspw. zu ẖr[.j-ẖ.t], dem Unterleib, so dass man in ws.t dann eben doch die Hoden vermuten könnte, doch bleibt das Spekulation.
2ḫwn.t: Gardiner 1955, Taf. 32A transkribiert die letzten beiden Hieratogramme als w-Schleife und t, insgesamt also ḫwn.wt: „Clear, but unintelligible“ (Anm. 4,3 a-b). Meyrat 2019, 305 transliteriert die fraglichen Zeichen dagegen als t und das Gefäß Gardiner Sign-list W22. Er vermutet darin das seltene ḫwn.t-Getränk, Wb 3, 247.17 (a.a.O. 29 und 34, aus Tb 65; zu der Version des pLondon BM EA 10477 = pNu s. Lapp 1997, Taf. 42, Kol. 2 [= Tb 65, Kol. 3]). Dabei handelt es sich um etwas, was die Götterneunheit trinkt, und dieser Vorgang zwr ḫwn.t steht parallel zu wnm bꜥḥ: „Überschwemmung [sic; sicher metaphorisch: Überfluss] essen“. In einem der Belege für diesen Spruch ist ḫwn.t mit dem Pflanzenstängel Gardiner M2 klassifiziert, „als gäbe es einen solchen Pflanzennamen“ (DZA 27.720.710). Hornung 1997, 140 übersetzt mit „Nektar“.
3 Den Zeichenrest vor dem Namen des Thot gibt Gardiner 1955, Taf. 32A fragend als Stadthieroglyphe wieder, Meyrat 2019, 305 als sitzenden Mann. Keiner von beiden hat einen Rekonstruktionsvorschlag.
4ẖr mdw + kurz Lücke(?): Meyrat 2019, 34 verweist auf die beiden Möglichkeiten, mdw als „Wort, Rede“ oder als „Stock, Stab“ zu übersetzen und tendiert zu Letzterem in einer metaphorischen Bedeutung als „sous l’autorité“ mit Verweis auf Leitz 1999, 10. Zuletzt verweist er noch auf einen mdl. Hinweis von H.-W. Fischer-Elfert, der auch eine Schreibung von mdw[-nṯr] ohne Zeicheninversion für denkbar hält.
Sie verhüllt sich (?)4.
⟨Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!⟩5
1snq: Zum Anschluss dessen, woran man saugt, als direktes Objekt s. Wb 4, 174.13-15. Die vorliegende Stelle ist „une curieuse accusation“ (Meyrat 2019, 34-35), die er aber damit erklärt, dass die Hesat-Kuh als Mutter verschiedener Gottheiten gedacht wird und es daher ein Sakrileg sein dürfte, an ihrem Euter zu saugen.
2ḥw.t-ḏsr.t ist mit Ortsklassifikator geschrieben. Einen solchen Ortsnamen führt Gauthier 1927, 144 nur einmal, auf der Stele Brüssel E 3394 aus dem Neuen Reich, an. Dort wird u.a. die psḏ.t ḥr(.yt)-jb ḥwt ḏsr.t, die „Götterneunheit inmitten von ḥw.t ḏsr.t“, angerufen, Speleers 1923, 47, Nr. 168. Leitz 2002 (2), 158c vermutet darin „Die Neunheit, die inmitten des Tempels von Deir el-Bahari (?) ist“. Das kann jedoch zumindest für den Beleg des pRamesseum C nicht zutreffen, weil dieser Ortsname erst ab dem Neuen Reich belegt ist.
3mḏ: Gardiner 1955, Taf. 32A transliteriert das Hieratische als mnḏ oder mnḏꜥ: m-Eule, gefolgt von n („more probable than [ꜥ]“) über Kobra sowie einfacher Arm über Messer: „the word is unknown“. Meyrat 2014, 313, Anm. 437 und Meyrat 2019, 305 transliteriert dagegen: m-Eule, gefolgt von Arm über Kobra sowie einem schlagenden Arm und dem Messer. In Meyrat 2014, a.a.O., stellt er einen Zusammenhang zwischen diesem Verb und dem mḏ: „Schlachtblock“ (van der Molen 2000, 193) sowie dem mḏ.t: „Stall“ (Wb 2, 185.1-7) her, den er etwas apodiktisch mit „slaughtering house“ übersetzt.
Da diese Übersetzung nicht durch Belege gesichert ist und die Anwendbarkeit auf pRamesseum C auf keiner sicheren Basis steht, könnte man auch überlegen, ob dort eine defektive Schreibung für mḏd: „treffen (auch: mit einer Waffe)“, Wb 2, 191.14-192.9, vorliegt. In dem Fall würde aber nicht nur das d, sondern auch der für mḏd typische Klassifikator, die Weinpresse(?) (Gardiner Aa23/24) fehlen. Außerdem ist mḏd von Waffen in den älteren Texten nur vom Pfeil gemeint; erst in ptolemäischen Texten und auch dort nur selten kann es auch von Speer oder Lanze gesagt werden, was dem hiesigen Gebrauch näherkäme.
Schließlich gibt es noch ein nur zwei Mal neuägyptisch belegtes Verb mḏꜣ (Wb 2, 187.1), das theoretisch auf ein älteres mḏ zurückgehen könnte. In der Lehre des Amenemope, 15,2, ist es etwas, was einem Abhängigen an/in/mit einer pḫꜣ.t-Fußfessel geschehen kann (jw rmṯ=f nb mḏꜣ(.w) n pḫꜣ(.t)), und zwar, nachdem ihn der Prügelstock „berührt“ hat und bevor er auf dem Richtblock ge-/erschlagen wird. Im Briefroman des Wermai, 2,8, sind die Kinder des Wermai in ein ḫnr.t-Gefängnis mḏꜣ-gemacht worden (nhy jm=sn mḏꜣ(.w) m ḫn(r).t). Beides sind gewalttätige Kontexte. Allerdings erklärt Quack 2001 (1), 175, Anm. 75 das mḏꜣ in der Erzählung des Wermai als phonetische Schreibung von mḏd: „treffen“ o.ä., von ihm in Wermai mit „einsperren“ übersetzt; und Laisney 2007, 146 folgt ihm bezüglich der Passage in der Lehre für Amenemope. Damit sprächen gegen diese Lösung für das Verb des pRamesseum C dieselben Einwände.
Wie schon Meyrat 2019, 35 anmerkt, erinnert der Satz an den Apis-Mord des Kambyses bei Herodot III, 29, sodass man sich fragt, ob sich in dieser Anekdote nur eben ein solches Sakrileg magischer Texte widerspiegelt.
Zu Sakrilegen am Apis-Stier und der Hesat-Kuh s. auch Altmann 2010, 51 (Einfangen des Apis-Stieres mit einem Lasso), 52 (Versiegen-Lassen der Milch der Sechat-Hor und Umstoßen [zbn] der Hesat-Kuh), 53 (in den See der Hesat spucken).
4 Lesung mit Meyrat 2019, 305. Es bleibt aber eine „passage obscur“ (Meyrat, a.a.O., 35). Meyrat schließt das als „alors qu’elle voile cela“ an den vorigen Satz an und erwägt eine Anspielung auf eine Göttin des Nachthimmels, „auquel cas le sens en serait ‚à la faveur de la nuit‘“.
Gardiner 1955, Taf. 32A hatte Meyrats ṯꜣm st als mꜣw, gefolgt von der Schnur mit den Enden nach oben (Gardiner Sign-list V6), s, Buchrolle und Pluralstriche gelesen (die letzten drei Zeichen „probably corrupt“, s. seinen Kommentar zur Stelle). Einen Übersetzungsvorschlag bietet er nicht an.
Hier wird Meyrats Lesung präferiert, auch wenn sie obskur bleibt; einzig der Klassifikator von ṯꜣm sieht tatsächlich eher nach Gardiners Schnur mit Enden nach oben aus als nach Meyrats Stoffstreifen S28. Eine Klassifizierung von ṯꜣm mit Schnur ist belegt, allerdings laut DZA 31.194.170 erst ab der 20. Dynastie. Die vorliegende Passage wäre also u.U. der früheste Beleg dafür.
5 Der Text besteht aus kurzen Strophen, die mit der Formel j ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t jw.tj NN=f beginnen: „O jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, der kein ... hat“. Darauf folgen weitere Spezifikationen des Feindes und ihm zugeschriebene Frevel. Die Strophen enden mit ḏw r=k ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t ḥmw.t-rʾ: „Übel (komme) über dich, (o) jener Feind, (Un-)Toter, (Un-)Tote, usw.!“ Diese Strophenabschlussformel fehlt hier komplett, vielleicht erneut, wie in Vso. 3, x+4 und 3, x+10, aufgrund einer Aberratio oculi.
Du hast gegenüber2 Re die Meeräsche3 geschlachtet4.
Du hast Apophis sich erheben lassen beim Nahen des Re.
Du hast ihn anstelle von Re zum Himmel aufsteigen lassen [Vso. 5] [---]
1 Erneut findet sich hier eine Wiederholung des stropheneinleitenden Vokativs j ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t, vergleichbar zu Vso. 2, x+4-5. Das ist in Vso. 4, x+9 umso auffälliger, als zusätzlich in der vorherigen Strophe die abschließende Formel ḏw r=k ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t ḥmw.t-rʾ fehlt. Man wird allerdings nicht den ersten Vokativ {jw} ⟨j⟩ ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t jw.tj sꜣḥ=f zu dieser Strophenabschlussformel emendieren dürfen (d.h. zu ⟨ḏw r=k⟩{jw} ḫft(.j) pf m(w)t m(w)t.t jw.tj sꜣḥ=f), weil man dafür nicht nur ein ḏw r=f hinzufügen, sondern auch noch das jw.tj sꜣḥ=f tilgen oder verschieben müsste. Denn dieser mit jw.tj gebildete Zusatz steht in diesem Text immer an der Stropheneinleitung, nicht am Strophenabschluss.
2 m ḫsf Rꜥ: Das Wort ḫsf ist trotz der Klassifizierung mit dem schlagenden Mann vermutlich nicht das Verb „abwehren, abweisen“ (Wb 3, 335.6-337.2, so Bommas 1999, 124: „beim Abwehren des Re“ und Meyrat 2019, 29: „en repoussant Rê“), sondern das Nomen ḫsf.w: „das Nahen“ (Wb 3, 337.5-10). Dieses ist normalerweise mit den laufenden Beinchen klassifiziert, kann aber aufgrund der Homophonie auch mit dem schlagenden Mann geschrieben werden, vgl. den Schreibungszettel DZA 28.103.620. Diese Lesung passt inhaltlich besser; dieselbe Annahme dürfte auch die Basis für Gardiners und Borghouts’ Übersetzung „in front of Rēꜥ“ (Gardiner 1955, 11, Borghouts 1971, 214) bilden. Zur Bedeutung von m ḫsf s. Vernus 2019, 132-133 (mit der vorliegenden Stelle in Anm. 12; Hinweis Fischer-Elfert): „à la rencontre de“, „au devant de“, „devant“, „face à“, „en face de“.
3 ꜥꜣḏ.w: Bei diesem Fisch, auch ꜥꜣḏ.w geschrieben, handelt es sich um einen Oberbegriff für die Familie der Meeräschen/Mugiliden, s. Edel 1964, 155-163 und Gamer-Wallert 1970, 39-42 mit älterer Literatur. Die Identifizierung mit den Mugiliden ergibt sich zum einen daraus, dass diese Fische nach den Jahreszeitenreliefs des Niuserre saisonal den Nil hinauf- und hinabwandern; dieses Verhalten deckt sich mit dem der Mugiliden. Für diese Fische finden sich in diesen Reliefs zwei Bezeichnungen: ḥzkm.t(?) und ḥbꜣ. Das deckt sich damit, dass sich genauer gesagt zwei Mugilidenarten auf Wanderschaft begeben; da diese aber nur schwer auseinanderzuhalten sind, verwundert es Edel nicht, dass diese beiden Begriffe nach dem Alten Reich nicht mehr belegt sind. Drittens schließlich erscheint in diesen Reliefs ꜥꜣḏ.w als Oberbegriff für ḥzkm.t und ḥbꜣ, woraus Edel wiederum schließt, dass darin eben der Oberbegriff für die Familie der Mugiliden vorliegt – wobei man genauer sagen müsste: für die Mugiliden, die den Ägyptern bekannt waren. Die Wanderung des Nilfisches erinnert an die Wanderung der Sonne im Verlauf des Jahres, daher erscheinen die Mugiliden als Begleiter des Re oder als Manifestation des Re selbst, s. Vernus 2005, 267. Aus diesem Grund kann es ein Tabu (bw.t) sein, sie zu essen, s. pLeiden I 346, 3,8-9 aus der 19. Dynastie (vgl. schon die Zaubersprüche für Mutter und Kind auf pBerlin P 3027, s. beides im TLA), und im spätzeitlichen pLouvre N 3129 wird Seth angeklagt, genau das getan zu haben (Schott 1939, 21,19-20 und 23,7-8, s. Altmann 2010, 39-41, 45-46). Umgekehrt gilt es als positive Handlung, wenn Thot in Tb 123 von sich sagt: šdi̯.n=j ꜥḏ.w m ḥmi̯=f: „Ich habe die Meeräsche ergriffen, als sie zurückwich.“, vgl. Bommas 1999, 124.
4 tḫs ist, abgesehen von einem möglichen Beispiel in den Pyramidentexten (PT 502D, Pyr. § *1074b, s. im TLA) bislang nur in ptolemäischen Texten belegt. Die Stelle in pRamesseum C ist damit der einzige Beleg des Mittleren Reiches. Dieses Verb ist mit dem Messer klassifiziert und damit ein Verb des Schneidens und Stechens. Als Objekt können Tiere auftreten, die durch den Kontext klar als Opfertiere gekennzeichnet sind, sowie deren Teile, s. Wilson 1997, 1152-1153. Sind Tiere das Objekt des Verbs, ist ein Tötungsvorgang gemeint, wobei das Verb aufgrund des Kontextes der Opferung „seems to mean ‚cut up‘ ‚butcher‘, rather than ‚slaughter‘, and it may be a technical term for butchery“ (Wilson, a.a.O., 1152). Im übertragenen Sinne können auch Feinde, d.h. meist Götterfeinde, tḫs-geschlachtet werden. Zwischen beiden Kategorien – den Opfertieren und den Feinden – besteht ein semantischer Zusammenhang, denn in beiden Fällen handelt es sich um Angehörige des Chaos, die durch die Opferung vernichtet werden. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn der Verstorbene sich wünscht, dass seine mskꜣ-Haut nicht „tḫs-geschlachtet“ wird, Zandee 1960, 156.
Wenn in pRamesseum C, Vso. 4, x+11 der „Feind“ die Meeräsche tḫs-schlachtet, besteht das Sakrileg daher nicht nur darin, dass er ein Tier schlachtet, das dem Sonnengott auf seiner Fahrt hilfreich ist, sondern zusätzlich auch darin, dass dieses Tier wie ein Opfertier behandelt wird, dass also der Sinn des Opfers an dieser Stelle pervertiert wird.
Der anschließende Satz zeigt ferner, dass das Schlachten des ꜥꜣḏ.w-Fisches die natürliche Ordnung der Dinge auf den Kopf stellen kann und dazu führt, dass der Götterfeind Apophis die Rolle des Re einnimmt, s. Borghouts 1971, 214.
Nachschrift
[Vso. 5, x+1] [---] im Inneren von ...1 [---] Flüssigkeit des Kupfers (?)2, aufgefüllt mit [---] beim Es-Verbrennen. Kot eines Geckos, [--- einer Nilgan]s (?)3 und ḥmꜣ.yt-Früchte4 werden [Vso. 5, x+5] darauf gegeben5, um [---] zu machen beim Verbrennen6 [---]. Werde abgelöscht mit dem Urin einer menstruierenden Frau. (Das) soll an Spitzen/Triebe (?)7 (oder: an den Boden) von mꜣ[_] gegeben werden. Werde am vierten8 Tag eingeäschert.9 Werde in sein ‚Wasser‘10 geworfen.11 Das (dient der) Vernichtung des Feindes. (Das dient dem) Abschneiden (oder: Beseitigen) dieser (?) [---] in jedem (Gerichts-)Kollegium, [Vso. 5, x+10] zu dem (man) geht. (Oder: Das (dient) dem Abschneiden/Beseitigen der [---] in jedem (Gerichts-)Kollegium, [Vso. 5, x+10] zu dem (man) geht.)121 ḥꜣ.t: Direkt hinter der Zeichengruppe aus Löwenvorderteil, t und Strich ist der Papyrus abgebrochen. Ob es noch weitere Klassifikatoren gegeben hat, ist daher unklar, was die Identifikation des Wortes erschwert. Sofern das Wort davor tatsächlich m-ẖnw zu lesen ist, muss ḥꜣ.t zumindest etwas sein, das ein „Inneres“ haben kann, in dem (m-ẖnw) sich etwas befinden kann.
2 mw.yt n.t ḥmt: Gardiner 1955, Taf. 32A und Meyrat 2019, 306 transliterieren das Zeichen nach der Genitivpartikel als Erzstück, Gardiner Sign-list N34. Eine mw.yt n.t ḥmt/bjꜣ: „liquide (?) de cuivre“ (Meyrat, a.a.O., 29) ergibt allerdings wenig Sinn, und das umso weniger, als mw.yt in den meisten Fällen Urin und vergleichbare Körperflüssigkeiten bezeichnet, s. Grapow – von Deines 1959, 235-237 und von Deines – Westendorf 1961, 361-363. Könnte Gardiners und Meyrats Erzstück eine Verschreibung für den sitzenden Mann über Pluralstrichen sein und diese Gruppe als abgekürzte Schreibung für rmṯ gedient haben? Menschlicher Urin ist bspw. als Droge verwendet worden, s. DrogWb, 236, Gebrauch B.I und B.II sowie §1.
3 smn: Ergänzungsvorschlag von Meyrat 2019, 36. Ist das korrekt, passt in die Lücke davor eigentlich nur noch ein einziges Wort. In den medizinischen Texten kommt die Nilgans nur ein einziges Mal vor: in Eb 737, wo das Blut (snf) einer Nilgans zusammen mit dem Blut anderer Vögel gegen einen Bluterguss verschrieben wird (offenbar als Sympathiemittel), Grapow – von Deines 1959, 441.
4 ḥmꜣ.yt: Meyrat 2019, 36 hält als Alternative eine Schreibvariante von ḥmꜣ.t: „Salz“ für denkbar. Entsprechende Schreibungen sind in den medizinischen Papyri zwar belegt (Grapow – von Deines 1959, 340), aber die medizinischen Teile der Ramesseumspapyri schreiben gerade ḥmꜣ.t ohne Schilfblätter, sodass in pRamesseum C die Interpretation als ḥmꜣ.yt-Frucht zu bevorzugen ist (wobei zugegebenermaßen der einzige bisherige Beleg für die ḥmꜣ.yt-Frucht im Dossier der Ramesseumspapyri, Ram III A 8, nur mithilfe der Klassifikatoren geschrieben ist und daher ebenfalls nicht regulär ist, s. DrogWb, 344).
5 rḏi̯ ... ḥr=f: Sollte die Interpretation der Syntax korrekt sein, fällt ein Unterschied zu den medizinischen Rezepten ins Auge, wo im Normalfall die Drogenliste vorangeht und rḏi̯ ḥr=f erst nach deren Aufzählung sowie oft auch nach den Zubereitungsangaben steht. Der Bezug von ḥr=f ist unklar; die eigentliche Applikationsanweisung folgt erst im übernächsten Satz. Möglicherweise wird man an ein Amulett oder einen Verband denken können. Für die „petites figurines, probablement en limon ou autres matériaux“, deren Herstellung Meyrat 2019, 36 im oberen Teil des Papyrus vermutet, findet sich allerdings kein Hinweis.
Auffällig an der Schreibung des Verbs ist ferner, dass in Vso. 5, x+6 an scheinbar derselben syntaktischen Position die Form ḏi̯.t(w) steht.
6 m ꜣm [---]: Nach PMeyrat 2019, 36 handelt es sich hier um eine Anweisung „de désacraliser“ der von ihm im oberen Teil des Papyrus vermuteten Figurinen.
7 kfꜣ.w: Meyrat 2019, 29 und 37 („racines“) identifiziert dies als Beleg für die Droge von Grapow – von Deines 1959, 528-529. Das ist ein nicht sehr häufig genannter Pflanzenteil, der in medizinischen und magischen Kontexten als Bestandteil des Flachses (mḥj), zweier verschiedener Papyrusarten(?) (mḥj.t und mnḥ), der ḫꜣs.yt-Pflanze, der sꜣr-Pflanze und der kriechenden qꜣd.t-Pflanze genannt wird. Eine mögliche Nennung als Teil von šmšm.t ist unsicher. Außerhalb dieser Kontexte ist dieser Pflanzenteil bislang nicht genannt. Die Klassifizierung mit dem Löwenhinterteil spricht dafür, dass es einen hinteren, sprich: äußeren Teil der Pflanzen bildet. Das koptische Derivat ist ⲕⲁϥ (Černý 1976, 67, Vycichl 1983, 91). Dieses steht in koptischen Versionen der Bibel (vgl. Crum 1939, 131) an Stelle des griechischen στέλεχος („Wurzelhals, Stamm“), wobei es in Hiob 14,9 eher den „Trieb“ (so in der Vulgata: „coma“) oder „Zweig“ (so die Lutherbibel) zu bezeichnen scheint als den Stamm. In Genesis 40,10 (s. Crum, a.a.O.) steht es, bezogen auf einen Weinstock, anstelle von griechisch πυθμήν („Boden eines Gefäßes; Wurzel“, „Stamm“). Dort ist es etwas Zählbares – es gibt drei davon –, sodass auch hier eher der Stamm, d.h. bei Wein die Reben, gemeint ist (so auch die Lutherbibel). Daher gibt Stern 1875, 19a unter Verweis auf koptisches ⲭⲁϥ – eine Variante von ⲕⲁϥ – die Bedeutungen „truncus, caudex, ramus“ für kfꜣ. Der koptische Begriff meint also einen oberirdischen Teil verholzter Pflanzen: in den meisten Fällen den Stamm und einmal vielleicht eher die Triebe oder Zweige. Joachim 1890, 5 sieht in den kfꜣ.w n.w ḫꜣs.yt von Eb 19 konkret die „Stengel“, wobei die semantische Änderung von Stamm hin zu Stängel dadurch beeinflusst sein dürfte, dass er in der ḫꜣs.yt-Pflanze unter Verweis auf Brugsch die Mohnpflanze, ergo: eine nicht-verholzte Pflanze, vermutet. Dawson 1934, 45, der ḫꜣs.yt mit der Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica Jacq.) gleichsetzt, impliziert dagegen die Wurzeln; zumindest lässt seine Auflistung der in der Medizin verwendeten Bestandteile dieser Pflanze nur die Gleichsetzung „roots“ = kfꜣ.w übrig. Seine Bemerkung, dass diese „tuberous“ seien, basiert vielleicht auf Eb 179, wo bnn.t n.t kfꜣ.w n.w mḥj: „Kügelchen von kfꜣ des Flachses“ genannt werden. Gerade diese Stelle nimmt dagegen Grapow – von Deines 1959, 528-529 als Gegenargument gegen Dawson. Denn in diesen bnn.t vermutet DrogWb die Kapselfrüchte des Flachses, weswegen kfꜣ.w „etwa die Stängelspitzen sein könnten“; allgemein gibt es als Übersetzung „Blattspitzen“ und „Blattsprosse“ an. Die Übersetzung als „Stängelspitzen“ würde tatsächlich ganz gut zu der Verwendung des koptischen ⲕⲁϥ im Buch Hiob passen. Dagegen favorisiert Germer 1979, 139 wieder einen Wurzelteil. Ihr Hauptargument ist das homographe Wort kfꜣ.w, das den hinteren Teil eines Vogels, den Boden eines Topfes oder die Basis eines Abszesses bezeichnen könne (Faulkner 2002, 285 = Wb 5, 120.6-8). Daher sieht sie in den kfꜣ.w des Papyrus eher dessen Rhizom, und die bnn.t von Eb 179 seien eher Kügelchen aus der Wurzel des Leines (a.a.O., 59). In Germer 1979, 79 tendiert sie dagegen doch wieder zur Übersetzung als „Samenkapseln“ für die bnn.t des Flachses, bleibt für die kfꜣ.w n.w ḫꜣs.yt aber bei Dawsons Vorschlag „Wurzeln“ (a.a.O., 100). Dies führt aber zu Schwierigkeiten, wenn in Eb 283 auch die mny.t-Wurzel der ḫꜣs.yt-Pflanze genannt wird – hier wäre der Unterschied zwischen diesen beiden Termini zu klären (Dawson muss dies nicht, da er mny.t als Rinde ansieht). Charpentier 1981, Nr. 1253 verweist zwar auf die koptische Entsprechung und dessen Übersetzung als „tronc“, schließt sich aber für die älteren Belege aus den medizinischen Texten dem DrogWb an und denkt an „terminaisons des tiges du lin (capsules fructifères)“ für Eb 179 und „pousses des feuilles“ für die übrigen Belege.
Das von Germer angeführte homographe Wort kfꜣ.w: „Hinterteil, Unterseite“ muss der von DrogWb gegebenen Bedeutung nicht widersprechen, wenn man diese etwa als „Spitze“ oder „Trieb“ auffasst. Das „Hinterteil“ eines Vogels ist ebenfalls je nach Schwanzform spitz, ebenso wie die Unterseite mancher Gefäßtypen. Nur die „Hinterseite“ (o.ä.) der Tore des Nauri-Dekrets, Zeile 10 und die „Unterseite“ (?) der ꜥnw.t-Geschwulst in Eb 877a, die das Gegenteil des dp: „Kopfes“ dieser Geschwulst ist und als mꜣꜥ: „eben“ (?) beobachtet wird, lassen sich damit nicht erklären. Zumindest die Übersetzung als „Basis“ o.ä. der ꜥnw.t-Geschwulst bleibt allerdings in jedem Fall zu hinterfragen. Denn es bleibt zu klären, wie durch bloße Beobachtung die Beschaffenheit der Unterseite einer Geschwulst beobachtet werden kann, wenn sich darüber ein dp: „Kopf“ wölbt.
Bezüglich der Passage in pRamesseum C ist ferner fraglich, ob wirklich diese Droge vorliegt. Zumindest für medizinische Texte wäre das jedenfalls eine ungewöhnliche Satzgliedstellung. Denn dort würde man eher erwarten, dass die Wurzeln „daran“ (ḥr/r=s/f), d.h. an die zuvor genannten Drogen, gegeben oder damit „gemischt“ o.ä. werden – und weniger, dass die vorige Rezeptur „an die Wurzeln“ gegeben wird. Das heißt, das idiomatisch üblichere Formular der medizinischen Rezepte sieht so aus, dass die Wurzeln Präpositionalobjekt von ḏi̯.tw sind und nicht (semantisches) Subjekt. Daher wird hier als Alternative angeboten, kfꜣ.w als Schreibfehler für das kfꜣ-Ende (eines Gefäßes?) zu interpretieren. Hier ist vielleicht auf das Rezept Eb 325 hinzuweisen, wonach für ein Inhalationsmittel Steine im Feuer erhitzt werden sollen und sie nach und nach zusammen mit dem Heilmittel unter einen „neuen hnw-Topf“ (hnw mꜣw) gelegt werden sollen, dessen kfꜣ durchbohrt sein soll, um das Rohr zum Inhalieren aufzunehmen.
8 Die Ordnungszahl zeigt, dass die Anweisung einen zeitlich gestaffelten Herstellungsprozess enthielt und im oberen, heute verlorenen Teil der Kolumne Anweisungen zu Handlungen gestanden haben könnten, die früher, d.h. am ersten, zweiten und/oder dritten Tag, zu geschehen haben.
Gardiner 1957, § 263 kennt für diese Art der Ordinalzahlbildung mithilfe von mḥ eigentlich erst Belege ab dem Neuen Reich, und hier erst mit Werten ab „10“ aufwärts. Die Stelle in pRamesseum C ist damit nicht nur der bislang früheste Beleg für diese Ordinalzahlbildung, sondern zeigt zudem, dass sie auch schon in dieser frühen Zeit mit Werten kleiner als „10“ gebildet werden kann. Vgl. für Ersteres schon Sethe 1916, 112, der das Fehlen von Belegen vor dem Neuen Reich für einen Überlieferungszufall hält und einen Beleg aus dem Grab des Ptahschepses in Saqqara (5. Dynastie), LD II 63, als möglichen Altreichsbeleg aufführt.
9 ssf ist ein Verb der Feindvernichtung, konkret einer Vernichtung durch Feuer, wie die klassifizierende Feuerpfanne zeigt. Wenn Feinde verbrannt werden (rkḥ m ḫ.t) bzw. deren Fleisch „verzehrt“ (snm) und deren Knochen „verbrannt“ (ꜣm) werden, hat das zur Folge, dass nicht einmal mehr das ssf der Knochen oder des Körpers noch aufgefunden werden kann (DZA 29.574.240 und 29.574.250 [= Schott 1939, 51.12-16]). Das Substantiv ssf bezeichnet also einen Rückstand des Verbrennens, sodass Wb 4, 276.5-12 darin „Asche“ vermutet. Knochen verbrennen zwar nicht zwangsläufig komplett; aber wenn in Philae (DZA 29.574.240) nicht einmal mehr das ssf von Knochen nach dem Verbrennen übrig bleibt, scheint ssf wohl das Maximum dessen zu meinen, was beim Verbrennen von Knochen übrigbleiben kann, und das dürfte die Asche sein. Das dem zugrunde liegende Verb ssf (Wb, 4, 276.13-15) wird man infolgedessen vielleicht weniger mit bloßem „verbrennen“ (so Wb) als vielmehr konkret mit „einäschern“ übersetzen können.
Die Wortfamilie wird vorrangig in magischen und kultischen Zusammenhängen verwendet und benennt dort das Schicksal von Apophis, Seth oder generell göttlicher Widersacher. Der späte pSalt 825, Zeile x+17,6 kennt sogar ein spezielles Buch mit dem Titel ssf-ḫft.jw: „Einäschern der Feinde“ (s. Schott 1990, 359), aus dem zusammen mit anderen Büchern bei Feindvernichtungsritualen zitiert wird.
Speziell in ramessidischer Zeit findet sich die Wortfamilie darüber hinaus auch in Inschriften mit realweltlichem Bezug, etwa wenn Merenptah die Zelte seiner libyschen Gegner m ssf: „in Asche“ verwandelt (Kitchen 1982, 14,14).
Mit dieser Wortfamilie wohl verwandt ist ss: „verbrennen“ o.ä., Wb 4, 274.6-7 (so schon vermutet Brugsch 1868, 1209, ebenso Wb 4, 276 und Wilson 1997, 920). Auch dieses gehört in den Zusammenhang der Feindvernichtung. Ferner gibt es hierfür zwei Belege für das substantivische ss in medizinischen Kontexten, davon eines aus pRamesseum III, also in demselben Konvolut wie pRamesseum C, s. von Deines – Westendorf 1962, 795. Dieses bestätigt die Bedeutung „Asche“, denn es wird gesagt (Ram III B 6, Fall 35), dass eine sw.t-Binse in der Hand angezündet werden soll, „bis ss davon herunterfällt“. Der zweite medizinische Beleg, Bln 204, beschreibt, wie eine zuvor genannte Liste von Ingredienzien in der hꜣ n ss „gegart“ o.ä. (psi̯) werden soll. In diesem hꜣ vermutet Verhoeven 1984, 171-172 ein Substantiv „Glut“, das vielleicht eine nicht-reduplizierte Form von hh, Wb 2, 501.15-502.8, ist.
10 mw=f: Meyrat 2019, 37 vermutet hierin mit Verweis auf Wb 2, 52, 7-12 eine Körperflüssigkeit, wie Urin, Speichel oder Blut. Vgl. dazu auch von Deines – Westendorf 1961, 359, s.v. mw, I.b mit der zugehörigen Anm. 2 sowie 363, § 1. Auch als Droge kommt mw von (tierischen) Organen vor, so als Galle, Augenflüssigkeit und Saft von der Leber, s. Grapow – von Deines 1959, 120, s.v. mw B.III. Daneben kann mw in den medizinischen Texten aber auch krankhafte Flüssigkeiten, wie Eiter und dergleichen, bezeichnen, s. Wb 2, 57.13 und MedWb, 358-360, s.v. mw I.a und IV.a. Schließlich bleibt auch noch die Möglichkeit, dass mit mw Pflanzensaft gemeint ist und sich mw=f: „sein Saft“ auf eine zuvor genannte, heute zerstörte Pflanzenbezeichnung bezieht. Zu mw als Pflanzensaft s. DrogWb, 229-230, s.v. m B.II.
11 ḫꜣꜥ r mw: Zu diesem Vorgang als Strafe vgl. die Belege bei Barbotin 1999, 15. Meyrat 2019, 37 vermutet, dass hier die magischen Figürchen, die in dieser Anweisung hergestellt werden sollen, symbolisch ertränkt werden sollen. Dafür verweist er auf das Eintauchen von Ächtungsfiguren in Wasser, nachdem sie im Feuer gebacken wurden, mit Verweis auf Quack 2001 (2), 8-10 und einen kurzen Hinweis bei Borrmann 2014, 104, Anm. 10. Konkret Quack zitiert zwar Belege für die echte oder symbolische Vernichtung von Feinden durch Ertränken, allerdings verwenden fast alle seine Belege das Verb qmꜣ statt ḫꜣꜥ. Nur in dem Brief des Pianchi wird ḫꜣꜥ benutzt.
12 Gardiner 1955, Taf. 32A transliteriert das Hieratische der letzten beiden Zeilen folgendermaßen: *dn st (s und t über Pluralstrichen, mit Fragezeichen) jpw m ḏꜣḏꜣ.tt nb[.t] šmi̯.t | rʾ. Das Wort ḏꜣḏꜣ.t ist nach seiner Transliteration mit einer Gruppe aus Bewässerungskanälen (Aa8), t und Füllpunkt klassifiziert, wobei er in der zugehörigen Anmerkung schreibt, dass das vermutete Aa8 eher wie der Gürtelknoten D24 (ṯz) aussähe. Eine Übersetzung dieses Satzes gibt er nicht.
Quack 1996, 332, Anm. 126 transkribiert diesen und den vorigen Satz zusammen als: ś:ḥtm ḫftı͗ pw tr [...] m č̣ꜣč̣ꜣ.t nb.t šm.t r=ś, d.h. sḥtm ḫft(.j) pw | dr [...] m ḏꜣḏꜣ.t nb.t šmi̯.t | r=s. Er liest also die ersten beiden Zeichen von x+9 als d über r statt Gardiners d über n. Außerdem liest Quack nur pw statt jpw und muss daher den senkrechten Strich davor als Ende des vorhergehenden, teilzerstörten Wortes angesehen haben; und für die beiden einzigen Zeichen auf x+10 schlägt er explizit die Lesung r=s vor. Er übersetzt die beiden Sätze: „Das bedeutet, einen Feind zu vernichten und [...] zu beseitigen in jedem Kollegium, zu dem gegangen wird.“ Im Fließtext S. 332 deutet er das Kolophon als Hinweis, dass pRamesseum C für eine private Verwendung gegen juristische Gegner gedacht war.
Meyrat 2019, 29, 38 und 306 transliteriert und transkribiert x+9-10 als dn [r]st ı͗pw m ḏꜣḏꜣ n ṯst nbt šmt r=s, d.h. dn [r]s.t jpw m ḏꜣḏꜣ n ṯs.t nb.t šmi̯.t | r=s. Mit der Transkription dn und jpw am Satzanfang kehrt er also wieder zu Gardiner zurück; dagegen folgt er Quack explizit mit r=s statt rʾ in der letzten Zeile. In der schmalen Lücke nach dn ergänzt er das Wurfholz und schlägt vor, die Zeichen zwischen dn und jpw als rs.t: „Feinde; Feindfigürchen“, Wb 2, 452.6 zu lesen. Gardiners und Quacks ḏꜣḏꜣ.t löst er komplett anders auf: Den Wortbeginn versteht er als ḏꜣḏꜣ: „Kopf“ ohne Klassifikator, das hier metaphorisch als „Anführer“ gebraucht würde. Danach liest er ein n statt Gardiners erstem t; Gardiners Aa8 liest er, basierend auf Gardiners Kommentar zur Form, als ṯs.t; und Gardiners Füllpunkt transliteriert er als Gardiner Sign-list Z4, die doppelte diagonale Linie. Als einziger nimmt er Stellung zu dem senkrechten Strich vor dem j, den er als Tintenspur erklärt, die zu dem Schwanz des =f in der Zeile darüber gehört. Als Parallele verweist er auf eine vergleichbare Spur bei dem ḥr=f in Zeile x+5. Den gesamten Satz übersetzt er: „Débiter ces [figur]ines avec le chef de toute troupe contre laquelle on s’avancera.“ Seine Interpretation ist jedoch mit mehreren Problemen behaftet:
(1) Das Wort rs.t ist ein Femininum, kann also kein Demonstrativpronomen jpw nach sich ziehen. Vielmehr müsste dann rs.t jptw stehen. Die Übersetzung „ces [figur]ines“ ist daher nicht möglich. Diese Inkongruenz könnte man allenfalls auflösen, wenn man jpw nicht als Demonstrationspronomen interpretiert, sondern altägyptisch als Zweitnomen eines zweigliedrigen Nominalsatzes.
(2) Anders als dp ist das Wort ḏꜣḏꜣ.t den Belegen nach fast immer wörtlich als „Kopf“ oder maximal „oberes Ende“ zu übersetzen. Für eine metaphorische Bedeutung im Sinne von „Anführer“ kennt das Wb nur einen einzigen Beleg, nämlich auf der Stele Louvre C1 aus der 12. Dynastie, Zeile A.13, wo ein ḏꜣḏꜣ n pḏ.t, ein „Anführer des Barbarenvolkes“ gepackt wird (s. DZA 31.551.620 und die Neubearbeitung im TLA).
(3) šmi̯ r bedeutet zunächst nur neutral „gehen zu, in Richtung auf“ (Wb 4, 464.4-7), ist also direktiv und nicht oppositionell. Wenn das Ziel ein feindliches Land ist, könnte natürlich auch ein „ziehen gegen“ mitschwingen, und in ptolemäischen Texten kann šmi̯ r auch „gegen die Feinde ziehen“ bedeuten (Wb 4, 464.8). Allerdings ist dieser Gebrauch eben erst spät belegt (zwei frühere Belege sind unsicher und einer davon tlw. zerstört), und auch in diesen Belegen könnte die direktive Nuance weiterhin mitschwingen.
Hier wird daher weitestgehend Quack gefolgt. Als weiterführende Idee kann vielleicht noch vorgebracht werden, dass man die Gruppe nach dem s am Anfang von x+9 vielleicht auch als t über n lesen könnte. Damit erhielte man eine Konsonantengruppe stn. Schaut man sich im Wörterbuch nach Wörtern dieser Konsonantenfolge um, findet man bspw. stnm: „irreführen, ablenken“, Wb 4, 343.6-15. Eine Substantivierung stnm.w, etwa „Irreführender“ oder „Irregeleiteter“, kennt van der Molen 2000, 574, und sie kommt auch im Beredten Bauern, Zeile 145/alt 114 vor, vgl. die Übersetzung im TLA. Man könnte vielleicht spekulieren, dass die Stelle in pRamesseum C korrupt ist und Gardiners/Meyrats j von jpw ein verschriebenes Schlachtmesser T35 ist und der Rest des Wortes, d.h. komplementierendes m und laufende Beinchen, ausgefallen sind. Dies würde die folgende Rekonstruktion erlauben: dr stnm(.w) pw m ḏꜣḏꜣ.t nb.t šmi̯.t r=s: „Das (dient dem) Beseitigen eines Irreführers/Demagogen in jedem (Gerichts-)Kollegium, zu dem (man) geht.“
