Naos der Dekaden

Metadaten

Alternative Namen
Naos der Dekanen Trismegistos TM 92346
Aufbewahrungsort
Europa » Frankreich » (Städte M-P) » Paris » Musée du Louvre, Afrika » Ägypten » Alexandrien » Graeco-Roman Museum

Alexandrien: Inv. JE 25774; Grabungsnummern T1-1244, T1-1245, T1-1246 und T1-1318 (= SCA 161, 162, 163, 164);

Louvre: Inv. D 37 = N 389 = LL 91

Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Das Naosdach im Louvre hat als wichtigste Inventarnummer „N 389“ (Homepage des Louvre), ist aber üblicherweise unter der Nummer „D 37“ bekannt (falsche Nummer D32 bei Leitz 1995, 294-297).

Der Naos wird meistens „Naos der Dekaden“ genannt (z.B. Yoyotte, von Bomhard), manchmal auch „Naos der Dekanen“ (Leitz). Anfänglich war er auch unter dem Namen „Calendrier du Louvre“ bekannt (Pierret, Clère).

Herkunft
Nildelta » nördliches Delta » Nordküste » Kanopus, Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » zwischen Theben und Elkab » östliches Ufer » Komir » Saft el-Henna

Der Naos wurde zwischen 1777 und 1999 in mehreren Fragmenten auf dem Festland von Abukir und unter Wasser in der Bucht von Abukir gefunden. Das pyramidenförmige Naosdach im Louvre (Inv. D 37) wurde im Jahr 1777 von einem Angestellten des französischen Reisenden und Naturforschers Sonnini de Manoncourt (1751-1812) in der Erde bei Abukir entdeckt, anschließend von de Manoncourt angekauft und nach Rosette transportiert. Infolge von Missverständnissen mit den lokalen Behörden konnte er das pyramidenförmige Teil jedoch nicht nach Frankreich mitnehmen (Yoyotte 1954, 79). Später befand es sich in der Sammlung des Diplomaten und Althistorikers, des Grafen Marie Gabriel Florent Augustes de Choiseul-Gouffier (1752-1817), der seine Sammlung in den Jahren 1784-1792 als französischer Botschafter in Konstantinopel aufgebaut hat. Nach dem Tod von Choiseul-Gouffier wurde es 1817 oder 1818 mit dem Rest dessen Sammlung vom Louvre angekauft (ausführlich bei Yoyotte 1954, 79-81; von Bomhard 2008, 2). Es wurde in der Description de l’Égypte aufgenommen und dort mit Hinweis auf Choiseul-Gouffier nach Damiette, von anderen Teilnehmern der napoleonischen Expedition jedoch nach Rosette verortet (Description, Explication des planches).

Zwei große Fragmente (Basis/Sockel und Rückwand) wurden von Tauchern im Auftrag des Prinzen Omar Toussoun Ende 1940 in der Bucht von Abukir gefunden (genauer Fundort unbekannt, sicherlich das „Menouthis“ von Toussoun 1934 bzw. „East Canopus“ von Goddio [Goddio 2007, 22]) und dem Griechisch-römischen Museum von Alexandrien geschenkt (Inv. Nr. JE 25774) (Habachi und Habachi 1952, 251; contra Jahr 1933 von Hohneck 2020, Bd. 2, 277). Vier weitere Fragmente der Seitenwände wurden 1999 bei Unterwassergrabungen des European Institute of Underwater Archaeology (unter der Leitung von Franck Goddio) in „East Canopus“ etwa 1,8 km östlich der heutigen Küstenlinie entfernt in dem „T“ genannten Grabungssektor entdeckt.

Aus textinhaltlichen Gründen muss der Naos ursprünglich aus dem Tempel des Gottes Schu in dem Ort Jꜣ.t-nbs / Ḥw.t-nbs („Hügel bzw. Haus des Christdorns“), dem heutigen Șafț el-Ḥenneh, stammen. Irgendwann in der griechischen oder römischen Zeit wurde er dann in die Gegend von Abukir bei Alexandrien transportiert und dort vermutlich in einem Tempel der antiken Stadt Kanopos/Canopus aufgestellt. Ob er zuvor in der 31. Dynastie nach Persien verschleppt worden war (siehe Hohneck 2017; 2020, Bd 1, 176, 230), lässt sich nicht nachweisen. Später zerbrach er oder wurde zerschlagen (bei der Zerstörung des Tempels von Canopus im 4. Jh. durch die Christen?). Die vier Fragmente der Seitenwände (und wahrscheinlich auch die 1940 gefundene Basis und Rückwand) wurden in einem nicht genauer spezifizierbaren byzantinischen Kontext (7. Jh. n. Chr.) wiederverwendet (Goddio 2007, 47, 65-67; von Bomhard 2008, 5) und versanken im Mittelalter durch geologischen Veränderungen der Küstenlinie unter Wasser. Das pyramidenförmige Dach muss anderswo wiederverwendet worden sein, denn es wurde an Land gefunden und hat niemals im Wasser gelegen. Ein ähnlicher Naos für die Göttin Tefnut von Ḥw.t-nbs wurde ebenfalls ins Westdelta (auch nach Canopus?) verbracht, ist irgendwann zerbrochen und ein Fragment wurde in einem mittelalterlichen Haus von Alexandrien verbaut wiedergefunden (Yoyotte 1954, 81-82; Goddio 2016, 115-116).

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Spätzeit » 30. Dynastie » Nektanebos I. Cheperkare

Der Naos trägt auf der Vorderseite (unten auf dem Sockel und oben auf dem Türsturz) die schwer lesbaren Kartuschen von Nektanebos I. (ca. 379/8–361/0 v. Chr. oder ca. 380 – ca. 362) (Hornung, 270, 280, 495). Die Titulaturen wurden zwar in der Antike ausradiert, aber ausreichend Spuren sind erhalten, um den Thronnamen Ḫpr-kꜣ-Rꜥw zu identifizieren, der nur von Sesostris I. und Nektanebos I. getragen wurde. Die Naosform sowie der Stil der Hieroglyhen und der Dekoration passen nur zu der Zeit Nektanebos’ I. (Clère 1950, 144; Habachi und Habachi 1952, 252-253).

Inhalt

Der Naos wird nach der wichtigsten Außenseitendekoration teils „der Naos mit den Dekanen“ (z.B. Leitz 1995) und „Naos der Dekaden“ (z.B. von Bomhard 2008) genannt. Der erste Name thematisiert den Dekanstern oder die Dekankonstellation, der zweite die Periode von jeweils 10 Tagen, in denen ein(e) Dekanstern oder -konstellation sichtbar wurde oder seine Wirkung entfaltete (siehe dazu von Bomhard 2008, 97; Leitz 2010). Weil am Ende auch die Epagomenen aufgelistet sind, die nicht zu den 36 Dekanen gehören, nennt von Bomhard dies eine „Dekadenliste“ und nicht eine „Dekanenliste“, zumal die Namen der einzelnen Dekanen in den Texten nicht eigens genannt werden und alle die gleiche Ikonographie haben. Die Dekansterne oder Dekadengötter sind vermutlich als Emanationen des Schu zu betrachten, die auf den Winden des Luftgottes Schu herbeiwehen und die kurz vor Sonnenaufgang den Sonnengott gegen die Kräfte des Chaos schützen, zugleich jedoch auch Unheil in der Welt verbreiten (von Bomhard 2008, 226).

 

Textarten:

- Innenseite: Darstellungen des Gottes Schu mit Beischriften (Rückwand) und Darstellungen von mindestens 13 weiteren Göttergestalten mit Beischriften (Seitenwände), deren Verhältnis zu Schu wegen des Erhaltungszustands meist unklar ist.

- Außenseite: Dekadendekoration: idealisierter Kalender, eingeteilt in 36 Wochen von 10 Tagen (Dekaden) und einer 37. Woche von 5 Tagen (Epagomenen). Darstellungen von 36 + 1 Dekansternen oder Konstellationen oder Dekadengottheiten, jeweils in die fünf gleichen Gestalten, jedes Mal mit den gleichen Beischriften. Über die Deutung der 5 Gestalten (Ba-Vogel, Falkensphinx, löwenköpfiger Widder, schakalsköpfige Mumie, liegende Mumie) herrscht Uneinigkeit, zumal sie vielleicht als 1 + 4 Gestalten zu gruppieren sind (u.a. fünf Zeitphasen des jeweiligen Dekansterns, fünf Phasen aller Dekankonstellationen, ein Dekanstern und vier Wesensarten des jeweiligen Dekadengottes, zwei Phasen der Dekansterne und drei Gestalten des Schu; siehe Leitz 1995, 10-13; von Bomhard 2008, 91-94; Leitz 2010). Variable Beischriften zu den 36 + 1 Dekaden beschreiben für jede Zehntagewoche das Wirken des „großen Gottes“ (d.h. des Dekansterns, des Dekadengottes oder des Schu?), entweder in der betreffenden Dekade, oder erst ca. 80 Tage später nach der Dekansternkulmination in der 12. Nachtstunde (letzteres Leitz 1995, 11 und Leitz 2010). Zu dem Wirken des „großen Gottes“ gehören das Einwirken auf gewisse Körperteile, das Verursachen von Krankheiten, Wetterphänomenen und Naturereignissen (Winde, Nilüberschwemmung) sowie das Wirken in bestimmten Auslandsregionen. Der Kalendertext gehört zu den astralwissenschaftlichen Texten und enthält Informationen der Astralmedizin (Leitz 1995), Astralmeteorologie (Lehoux 2011) und vielleicht der Astralgeographie (Leitz 1995) und politischen Astrologie (Quack 2010). Anders als in der heute gängigen Astrologie ist die Komposition deskriptiv-allgemeingültig und nicht vorhersagend gehalten und betrifft ganze Bevölkerungsgruppen und nicht einzelne Individuen. Vielleicht ist der Naostext nur ein Auszug aus einem viel längeren Text, in dem für jeden Dekan oder jede Dekade das (Ein)wirken auf ein Körperteil, in der Meteorologie, in einer (Welt)region, eventuell spezifiziert für die verschiedenen „Lebensphasen“ der Dekanen, systematisch aufgelistet worden waren.

- Außenseite, oben links: Kosmogonie über die Rolle des Schu (oder des Sonnengottes?) bei der Weltschöpfung. In diesem Zusammenhang entstehen auch die Dekansterngötter als Bas der Urgötter. Re befiehlt Thoth, einen Tempel für diese 36 Dekansterne in Iat-nebes bauen zu lassen, deren Oberhaupt Schu ist, damit sie auf die Erde kommen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen.

- Außenseite, Bandeauinschrift in 9 Zeilen, vielleicht in der Art einer Monographie, über den Ort Jꜣ.t-nbs oder Ḥw.t-nbs, der ein Bollwerk an der Ostgrenze Ägyptens ist, sowie über die dort wohnenden 36 Dekansterngötter und ihren Tätigkeiten.

- Außenseite, auf dem Sockel links: 37 schlangenköpfige Geier und Sterne mit zwei sehr beschädigten theologischen oder Ritualtexten zum „Haus der Wanderdämonen“ in Jꜣ.t-nbs.

- Außenseite, auf dem Sockel rechts: Darstellungen von und Text zu Thoth und seinen Wanderdämonen und zum „Haus der Wanderdämonen“ in Jꜣ.t-nbs.

- Außenseite, auf dem Sockel hinten: Götterkartuschen des Pantheons von Șafț el-Ḥenneh und Darstellung des Tempels (?) des Sopdu.

- Außenseite, Vorderseite: Beischriften bei der Flügelsonne sowie Königstitulatur, ursprünglich sicherlich mit Nennung des göttlichen Eigentümers des Naos.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Naos enthielt ursprünglich eine löwengestaltige Statue des Gottes Schu und war sicherlich im Sanktuar oder in der Pr-wr-Kapelle des Tempels des Gottes Sopdu(-Schu) in dem Ort „Hügel / Haus des Christdornbaums“ (Jꜣ.t-nbs / Ḥw.t-nbs), dem heutigen Șafț el-Ḥenneh, aufgestellt. Die Statue wird als aus Silber mit einem Beschlag aus Feingold und mit einer Höhe von 30 cm (ohne die Krone?) beschrieben. Ein ähnlich dekorierter und beschrifteter Naos für eine gleich große Löwenstatue der Göttin Tefnut, dessen Rückwand 1841 (oder kurz zuvor) in einem Haus in Alexandrien wiederverwendet aufgefunden wurde, wird ursprünglich im Sanktuar oder in der Pr-nsr-Kapelle des gleichen Tempels gestanden haben (Yoyotte 1954, 81-82; Goddio 2016, 115-116). Rekonstruktionen der Gebäudekomplexe von Șafț el-Ḥenneh finden sich bei Virenque 2006; von Bomhard 2008, 200-204; Kessler 2011 und Tiribilli 2012. Irgendwann, vermutlich bei der Wiederverwendung des Naos des Schu in oder bei Canopus, wurden einige Inschriften im oberen Bereich der rechten Außenwand (Besucherperspektive) und die Inschriften auf der Vorderseite ausradiert. Welcher Zweck der Naos in der Zweitverwendung gehabt haben könnte, ist unbekannt (vgl. Vorschläge bei von Bomhard 2008, 227-229 für einen Zusammenhang mit dem Osiriskult in Canopus), aber er dürfte zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht länger als Behälter für ein ägyptisches Kultbild verwendet worden sein. Irgendwann später (in frühchristlicher Zeit?) wurde der Naos absichtlich zerschlagen und in einem byzantinischen Gebäude als Baumaterial wiederverwendet.

Material
Nicht Organisch » Stein » Granit
Objekttyp
Artefakt » Behälter » Kasten » Naos
Technische Daten

Material: grauer Granit (Clère 1950, 143), schwarzer Granit (Yoyotte 1954, 79); „dark granite“ mit „several pink veins“, dunkler Granit mit einigen rosafarbenen Adern (von Bomhard 2008, 6); „dark-gray granit, with a red-agglomerate area on the back“ (Habachi und Habachi 1952, 252); Diorit (Homepage Louvre; vgl. Hohneck 2020, Bd. 2, 277).

Maße: Naos mit einer fast quadratischen Grundfläche und einem pyramidenförmigen Dach (Formtypus VI von Hohneck 2020). Höhe 178 cm x Breite 88 cm x Tiefe/Dicke 80 cm. Die Basis ist 22 cm hoch, der Türsturz 32 cm und das Dach 36 cm. Die Seitenwände sind 20 cm stark (alle Maße nach Habachi und Habachi 1952, 252; von Bomhard 2008, 6). Der Innenraum ist 48 cm breit, 45 cm tief (Clère 1950, 143) und 88 cm hoch (Habachi und Habachi 1952, 252). Die Wände verjüngen sich ein wenig nach oben (unten 88 x 80 cm, oben 83 x 73 cm). Eine Hohlkehle als Übergang von Wand zu Dach ist nicht vorhanden. Vorn in den Laibungen befindet sich eine Einsparung (ca. 2 cm) mit Löchern oben und unten, die die Türzapfen von zwei Türflügeln aufnahmen (Gesamtbreite der zwei Türflügel 50 cm).

Dekoration: Der Naos ist innen und außen dekoriert. Der größte Teil der Außenwände ist mit der Thematik der 36 Dekanen in fünf Darstellungsformen versehen, die – gemeinsam mit einer 37. Gruppe für die Epagomenenperiode – ein idealisiertes ägyptisches Jahr repräsentieren (Leitz 2010). Die Innenwände zeigen die Götterstatue, die in dem Naos aufgestellt gewesen ist, zusammen mit weiteren Göttergestalten des lokalen Pantheons. Die Anordnung der 36 Dekaden zeigt die Reihenfolge, in der die Wände zu lesen sind: zunächst die linke Außenwand (links = Betrachterperspektive), dann die rechte und zum Schluss die Rückwand.

Die Inschriften auf der Vorderseite wurden in der Antike entfernt, ebenso zwei Streifen entlang der Seitenränder der rechten Außenwand (rechts = Betrachterperspektive).

Schrift
Hieroglyphen

Die Orthographie der Dekanbeschreibungen erweckt den Eindruck, dass die Vorlage eine Hieratische gewesen sein dürfte, z.B. die Schreibung der Präposition ẖr als ẖr.ï. Systematisch wird mwt „Tod“ als mr geschrieben, Pluralstriche und kleine j/ï-Striche (Z4 𓏭 ) stehen an der falschen Stelle oder sind überflüssig, das Verb wḏ „befehlen“ wird wie wḏi̯ „aussenden“ geschrieben usw. Eine kreuzförmige Sonderform für den Weg N31 𓈐 findet sich auch auf dem Naos von El-Arisch, ebenso die Determinierung von geographischen Begriffen mit einem zeilenhohen Ideogrammstrich sowie Pluralstrichen (ein Hinweis für eine Herkunft aus der gleichen Werkstatt).

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch » traditionelles Mittelägyptisch

Die Texte sind vielleicht nicht alle zur gleichen Zeit verfasst worden. Leitz schließt nicht aus, dass der große Dekadentext auf das Neue Reich zurückgeht (Leitz 1995, 39: „NR ?“). Für die Inschrift der 4. Dekade findet sich eine Parallele auf einem Naos aus der Zeit Nektanebos’ II., die zeigt, dass die Überlieferung auf dem Naos der Dekaden ziemlich fehlerhaft ist. Die horizontale Bänderinschrift hat die typische Dreifachsetzung des Alten Reichs beim Substantiv Plural, sogar beim Partizip Plural, vielleicht um ihn den Eindruck eines altehrwürdigen Textes zu verleihen. Die Kosmogonie enthält eine narrative Konstruktion, die vielleicht sprachgeschichtlich auf die 18. oder 19. Dynastie zurückgeht (Vernus, Stauder: ḫpr swt in Z. E.12). Andererseits finden sich in der Kosmogonie auch sprachlich neuägyptische oder demotische Merkmale: die Präposition m in der pronominalen Form n-jm (Z. E.19); ein zweigliedriger pw-Satz (Z. E.18) sowie zweimal ein wnn-Satz (Z. E.14 und E.18-19), jeweils nach dem Umstandskonverter jw.

Bearbeitungsgeschichte

Das zuerst gefundene und ins Louvre verbrachte Fragment wurde in der Description de l’Égypte veröffentlicht (1822, Taf. 48, von Jomard gezeichnet) und später noch einmal von Pierret abgeschrieben (1878, 73). Dessen Abschrift wurde von Brugsch reproduziert und kommentiert (1883, 179-184). Lepsius hat 1834 oder 1835 Abklatsche der dekorierten Teile angefertigt, die im Wörterbucharchiv in Berlin aufbewahrt werden. Schott 1936, 14-16 hat die Inschriften mithilfe dieser Abklatsche übersetzt. Clère 1950 konnte die Kartuschen lesen und datieren und er versuchte eine Rekonstruktion der Dekaden-Dekoration. Die zwei großen Fragmente, die 1940 gefunden wurden, haben die Brüder Habachi 1952 vorgestellt. Sie erkannten den Zusammenhang mit dem Fragment im Louvre. Yoyotte 1954 verfolgte die Herkunft des Louvre-Fragmentes zurück zu Sonnini de Manoncourt und dem Jahr 1777. Leitz 1995 hat die bis dahin bekannten Inschriften ediert, übersetzt und kommentiert (auf diese Studie basiert Lehoux 2011, 119-120, 127). Die vier Fragmente, die 1999 gefunden wurden, hat von Bomhard noch im Jahr 1999 als zugehörig erkannt und 2008 im Rahmen einer kompletten Neubearbeitung des Naos vorgelegt. Eine Zusammenfassung dieser Publikation findet sich in von Bomhard 2010, von Bomhard 2011, von Bomhard 2014 und für die Fundumstände und Rekonstruktion in Goddio 2014 und Goddio 2016. Von Bomhard 2016 hat den kosmogonischen Text des Naos noch einmal separat behandelt. Der umfangreiche Text zu den 37 Dekaden und Epagomenen und vor allem ihre fünf Götterdarstellungen werden unterschiedlich interpretiert (vgl. von Bomhard 2010; Leitz 2010; Quack 2010; Lehoux 2011). Symons 2014 erwähnt das Dokument in ihrer Präsentation der Dekansternlisten aus dem alten Ägypten. Die Texte auf dem Naos der Dekaden sind keine große Hilfe für die Rekonstruktion der Lage der Tempel von Șafț el-Ḥenneh (Virenque 2006, von Bomhard 2008, 200-204, Kessler 2011 und zuletzt Tiribilli 2012). Hohneck 2020 hat das Denkmal im Rahmen seiner Dissertation über die Naoi eingehend untersucht. Jansen-Winkeln 2023 nimmt die hieroglyphischen Inschriften in seinem Sammelband der spätzeitlichen Inschriften auf.

Editionen

- A.-S. von Bomhard, The Naos of the Decades. From the Observation of the Sky to Mythology and Astrology (Underwater Archaeology in the Canopic Region in Egypt. Oxford Centre for Maritime Archaeology, Monograph 3), Oxford 2008. [*P, *Zeichnungen, *H, Ü, K]

- L. Habachi und B. Habachi, The Naos with the Decades (Louvre D 37) and the Discovery of Another Fragment, in: JNES 11, 1952, 251-263 mit Taf. XXVIII-XXXIII und Fig. 1. [P, Rekonstruktionszeichnung, K]

- Chr. Leitz, Altägyptische Sternuhren (OLA 62), Leuven 1995, 3-57 und 295-317. (= Taf. I-XXIII) [P,H,Ü,K]

Literatur zu den Metadaten

- Description de l’Égypte. Antiquités. Planches, Tome V, Paris, 1822, Taf. 48 (mit Damiette als Herkunftsangabe); Explication des planches à Pl. 48 (mit Damiette als Herkunftsangabe); Seconde édition (Panckoucke), Vol. X, Explication des plances, 1821, 543-544. (mit Anm. bezüglich Damiette oder Rosette)

- A.-S. von Bomhard, The Naos of the Decades – The Discovery of New Fragments and Their Contribution to the Interpretation of the Monument, in: D. Robinson und A. Wilson (Hrsg.), Alexandria and the North-Western Delta. Joint conference proceedings of „Alexandria: City and Harbour“ (Oxford 2004) and “The Trade and Topograpy of Egpyt’s North-West Delta, 8th century BC to 8th century AD” (Berlin 2006) (Oxford Centre for Maritime Archaeology. Monograph 5), Oxford 2010, 161-173. [K]

- A.-S. von Bomhard, Le Naos des Décades: Puzzle archéologique et thematique, in: ENiM 4, 2011, 107-136.

- A.-S. von Bomhard, The Naos of the Decades and the astral aspect of divine judgement, in: A.-A. Maravelia (ed.), Ancient Egyptian Science and Meta-Physics: Quintessence of Religious Allegories, Roots of Scientific Thought. Proceedings of the 1st Egyptological Conference of the Patriarchate of Alexandria: 6th May 2011, Athens 2012-2014 (= Journal of the Hellenic Institute of Egyptology 2), 163-179.

- A.-S. von Bomhard, The genesis of the stars in ancient Egypt, according to the Naos of the Decades, in: N. Guilhou (ed.), Liber amicorum – speculum siderum: Nūt Astrophoros. Papers Presented to Alicia Maravelia (Archaeopress Egyptology 17), Oxford 2016, 123-138.

- A.-S. von Bomhard, Décans égyptiens (CENiM 23), Montpellier 2020 (Auszüge: 56-57, 69, 72-73, 80-89, 96, 110-116, 118).

- H. Brugsch, Thesaurus Inscriptionum Aegyptiacarum. I. Abteilung. Astronomische und astrologische Inschriften der altaegyptischen Denkmaeler, Leipzig 1883, 179-184 (nach Pierret).

- J.J. Clère, Le système des décades du calendrier du Louvre (Louvre D 37), in: JNES 9, 1950, 143-152.

- F. Goddio, The Topography and Excavation of Heracleion-Thonis and East Canopus (1996-2006) (Oxford Centre for Maritime Archaeology. Monograph 1), Oxford 2007, 20-22, 43. [K]

- F. Goddio, The Naos of the Decades reconstituted, in: A.-A. Maravelia (ed.), Ancient Egyptian Science and Meta-Physics: Quintessence of Religious Allegories, Roots of Scientific Thought. Proceedings of the 1st Egyptological Conference of the Patriarchate of Alexandria: 6th May 2011, Athens 2012-2014 (= Journal of the Hellenic Institute of Egyptology 2), 180-187.

- F. Goddio, Un récit de la création ressurgit des profondeurs, in: N. Guilhou (ed.), Liber amicorum – speculum siderum: Nūt Astrophoros. Papers Presented to Alicia Maravelia (Archaeopress Egyptology 17), Oxford 2016, 115-121.

- H. Hohneck, Ägyptische Naoi in der Fremde und ihre Rückführung durch die Ptolemäer, in: GM 253, 2017, 77-81. [K]

- H. Hohneck, Naoi. Königliche Steindenkmäler in den Tempeln Ägyptens. Vom Alten Reich bis zum Ende der pharaonischen Ära. Band I: Auswertung. Band II: Katalogteil, Mainz 2020, Bd. 1, 176-177; Bd. 2, 277-305 (Kat.-Nr. 85). (https://openscience.ub.uni-mainz.de/handle/20.500.12030/5373) [U,Ü,K]

- E. Hornung, R. Krauss und D.A. Warburton (Hrsg.), Ancient Egyptian Chronology (HdO I.83), Leiden / Boston 2006.

- K. Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit. Teil V: Die 27.–30. Dynastie und die Argeadenzeit. Band 1: Kambyses – Tachos, Wiesbaden 2023, 191-197 (Nr. 75.31). [H]

- D. Kessler, Die Naoi und die Kulttopographie von Saft el-Henneh, in: E. Bechtold, A. Gulyás und A. Hasznos (Hrsg.), From Illahun to Djeme: Papers Presented in Honour of Ulrich Luft (BARS 2311), Oxford 2011, 95-106. [K]

- D. Lehoux, Astronomy, Weather, and Calendars in the Ancient World. Parapegmata and Related Texts in Classical and Near-Eastern Societies, Cambridge 2011, 119-120, 123-127, 204. [K]

- Chr. Leitz, Das dem Naos der Dekane zugrundeliegende kalendarische System, in: D. Robinson und A. Wilson (Hrsg.), Alexandria and the North-Western Delta. Joint conference proceedings of „Alexandria: City and Harbour“ (Oxford 2004) and “The Trade and Topograpy of Egpyt’s North-West Delta, 8th century BC to 8th century AD” (Berlin 2006) (Oxford Centre for Maritime Archaeology. Monograph 5), Oxford 2010, 183-189. [K]

- P. Pierret, Recueil d’inscriptions inédites du Musée égyptien du Louvre. Deuxième Partie avec table et glossaire (Études Égyptologiques 8), Paris 1878, 73. [H]

- J.F. Quack, The Naos of the Decades and its Place in Egyptian Astrology, in: D. Robinson und A. Wilson (Hrsg.), Alexandria and the North-Western Delta. Joint conference proceedings of „Alexandria: City and Harbour“ (Oxford 2004) and “The Trade and Topograpy of Egpyt’s North-West Delta, 8th century BC to 8th century AD” (Berlin 2006) (Oxford Centre for Maritime Archaeology. Monograph 5), Oxford 2010, 175-181. [K]

- S. Schott, Die altägyptischen Dekane, in: W. Gundel, Dekane und Dekansternbilder (Studien der Bibliothek Warburg 19), Glückstadt und Hamburg 1936, 1-21 (hier: 14-16). [Ü, K]

- S. Symons, Contexts and elements of decanal star lists in Ancient Egypt, in: D. Bawanypeck und A. Imhausen (eds.), Traditions of Written Knowledge in Ancient Egypt and Mesopotamia: Proceedings of Two Workshops Held at Goethe-University, Frankfurt/Main in December 2011 and May 2012 (Alter Orient und Altes Testament 403), Münster 2014, 91-122 (hier: 111-112). [K]

- E. Tiribilli, Una ricostruzione topografica del distretto templare di Saft el-Henna tra filologia e archeologia, in: Egitto e Vicino Oriente 35, 2012, 125-142.

- Omar Toussoun, Les ruines sous-marines de la Baie d’Aboukir, in: Bulletin de la Société Royale d’Archéologie d’Alexandrie 29, 1934, 342-354 und Taf. VIII-IX. [K]

- H. Virenque, Les quatre naos de Saft el-Henneh, in: Egypte, Afrique & Orient 42, Juni 2006, 19-28. [K]

- J. Yoyotte, À propos du Naos des Décades, in: JNES 13, 1954, 79-82. [K]

- Abschriften des Berliner Wörterbuchs für Louvre D37: DZA 50.076.180-DZA 50.076.200. [H]

- Abklatsche von R. Lepsius im Archiv des Berliner Wörterbuchs für Louvre D37: Inv. Nr. 745. [A]

Online-Ressourcen
Autoren
Dr. Peter Dils
Autoren (Metadaten)
Dr. Peter Dils

Übersetzung und Kommentar

Naos der Dekaden

Vorderseite: Flügelsonne und Königstitulatur (Text A)

Innenseite

Rückwand: Darstellung der Statue des Schu (Text B)

Innenwände: Götterdarstellungen mit Beischriften (Besucherperspektive) (Text C)

links

rechts

Außenseite

links (Besucherperspektive)

Darstellungen über der Kosmogonie (Text D)

Kosmogonischer Text (Text E)

Text der Dekaden (Text F)

links (Besucherperspektive) (F.1-9)

rechts (Besucherperspektive) (F.10-21)

Rückwand (F.22-37)

Horizontale Bänderinschrift (Text G)

Sockelinschriften (Text H-K)

links: Monographie (?) zum Haus der Wanderdämonen (Text H)

rechts: Monographie zum Haus der Wanderdämonen (Text J)

Rückwand: Götterkartuschen (Text K)