Heilstatue des Djedher

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
TM 58328
Aufbewahrungsort
Afrika » Ägypten » Kairo » Egyptian Museum

Inventarnummer JdE 46.341

Erwerbsgeschichte

Die Statue mit Sockel gelangte nach ihrem Auffinden in Tell Atrib bei Benha im Jahr 1918 in das Ägyptische Museum Kairo und bekam dort die Inventarnummer Journal d’Entrée 46341 (Daressy 1919). Die ein wenig später entdeckte, noch fehlende hintere rechte Ecke des Sockels wurde ebenfalls nach Kairo verbracht (Daressy 1920). Ein Abguss des Sockels findet sich im Egypt Centre in Cardiff (1933 vom Museum in Kairo für die Wellcome Sammlung erstellt), ein Abguss der Statue im Petrie Museum London (ebenfalls aus der Wellcome Sammlung) bzw. seit 2022 ebenfalls in Cardiff.

Herkunft
Nildelta » südliches Delta » zentraler Teil » Athribis

Die Heilstatue mit ihrem Sockel wurde im damaligen (!) Südosten des Ruinenhügels von Tell Atrib, dem antiken Athribis in Unterägypten, nahe einem koptischen Friedhof am 9. oder 10. September 1918 (laut Daressy 1919, 113 am 10. September; laut Engelbach 1925, 180 am 9. September) gefunden, als Erde von dort abtransportiert wurde (Daressy 1919, 113), d.h. bei Sebach-Arbeiten (siehe für diese Sebach-Arbeiten Engelbach 1924, 178 und 181). Wenig später wurde die fehlende hintere Ecke des Sockels am gleichen Ort entdeckt (Daressy 1920). Engelbach 1924, 180 gibt als Koordinaten auf einer Katasterkarte von Benha von 1910 für den Fundort „Sektor B (Sheet 4-N, Koordinaten 152:229)“ an. Das hat es Dabrowski 1962 ermöglicht, die Position auf einem Plan festzulegen (Dabrowski 1962, Plan I, Nr. 6). Er vermutet, dass die Statue in einem Horustempel unmittelbar nördlich der großen römischen O-W-Straße (decumanus), d.h. im Zentrum der antiken Stadt, aufgestellt gewesen ist (vgl. Leclère 2008, 247). Die Inschriften besagen, dass Djedher für das Sanktuar der heiligen Falken zuständig war und eine weitere Statue von sich in der Nekropole hat aufstellen lassen. Im Jahr 1919 wurde eine kopflose, naophore Statue desselben Mannes im Museum von Kairo registriert (TR 4/6/19/1: Vernus 1978, 193-195, Doc. 161) und im Jahr 1920 wurde ein Statuensockel für das Oriental Institute von Chicago angekauft (OIM 10589: Sherman 1981). Diese beiden Teile könnten zur gleichen Statue gehört haben (so zuerst Sherman, 1981, 84), die nach Meinung von Sherman (1981, 84) eben die Statue in der Nekropole gewesen sein könnte. Allerdings könnten in Anbetracht der naheliegenden Fund- und Ankaufsdaten (Sebachgrabungen fanden zur damaligen Zeit nur im Stadtgebiet statt) die drei Objekte auch alle im gleichen Komplex im Stadtzentrum aufgestellt gewesen sein, verschieden von der mutmaßlichen Statue in der Nekropole (Leclère 2008, 247-248). Gräber der 26. Dynastie wurden im Norden von Athribis gefunden (siehe Dabrowski 1962, Plan I, Nr. 9 und 10). Eine Nekropole mit Falkenbestattungen wurde in Quesna/Quwaysna, ca. 9 km nördlich von Athribis, entdeckt (Rowland 2013), aber es ist bislang unklar, ob dies die Nekropole war, für die Djedher zuständig war.

Datierung
von: (Epochen und Dynastien) » Griechisch-Römische Zeit » Hellenistische Zeit » Argeaden ("Makedonierzeit") » Philipp Arrhidaios bis: (Epochen und Dynastien) » Griechisch-Römische Zeit » Hellenistische Zeit » Argeaden ("Makedonierzeit") » Philipp Arrhidaios

Der Name des Philippus Arrhidaeus ist zwei Mal auf dem Sockel vermerkt. Er befindet sich zwischen den beiden Wasserbassins, nahe der Mündung von einem ins andere (Daressy 1919, 140-141, Z. 47; Jelínková-Reymond 1956, 65, Z. 132-133). Sherman (1981, 83-84) vermutet, dass die Heilstatue JE 46341 später als der Statuensockel OIM 10589 angefertigt worden ist, vielleicht als Djedher gerade verstorben war und den Beinamen „der Retter/Beschwörer“ bekommen hatte. Sie möchte auf Grund von historischen Informationen im Text (Soldaten im Tempelbezirk) und der Tatsache, dass die Titulatur von Philippus Arrhidaeus auf der Heilstatue unvollständig ist (der Thronname ist nicht ausgefüllt), annehmen, dass die Heilstatue kurz nach dem Tod von Alexander dem Großen und zu Beginn der Regierung von Philippus Arrhidaeus angefertigt wurde (also ca. 323 v. Chr.), der Statuensockel von Chicago entsprechend etwas früher, vielleicht noch am Ende der Regierung von Alexander dem Großen (also ca. 325 v. Chr.) (Sherman 1981, 85).

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en)
Inhalt

Die Dekoration von Statue und Statuensockel besteht aus magischen Sprüchen, Götterdarstellungen mit identifizierenden Beischriften (auf den Oberarmen und Schultern der Statue, auf der Vorderseite der Horusstele und im vorderen Becken auf der Oberseite des Sockels) sowie aus biographischen Texten und einer Auflistung der Kinder und Ehefrauen des Djedher (auf den Seitenwänden des Sockels). Zum Inhalt der biographischen Texte gehört auch, dass die magischen Formeln von einem Priester-Skorpionbeschwörer namens Wahibre zusammengestellt wurden, der dazu ein Kompendium namens „Ba-Mächte des Re“ benutzt hat.

Der Protagonist Djedher/Teos war der/ein oberste(r) Türhüter des Gottes Horus-Chentechtai und der/ein oberste(r) Wächter des (heiligen) Falken von Athribis. Einmal ist er Schreiber oder Urkundenschreiber des Schatzhauses des (heiligen) Falken, aber dieser Titel wurde ihm vielleicht nur postum verliehen, denn in seiner Biographie ist er zwar für das Schatzhaus tätig, aber als oberster Türhüter und Wächter, nicht als Verwaltungsschreiber. Einmal trägt er auch den Titel Priester der Isis, aber darüber erfahren wir nichts weiter aus den biographischen Texten. Teos war zweimal verheiratet und hatte sieben Söhne und vier Töchter. Er schreibt, dass er seine Karriere seinem Gott Chentechtai verdankt, weil dieser sein Herz geleitet und seinen Charakter erkannt hatte. Er war hauptsächlich für den heiligen Falken von Athribis zuständig, kümmerte sich um die Einkünfte dessen Schatzhauses, um die Versorgung der lebenden Falken und um ihre Einbalsamierung und Bestattung in der Nekropole im Norden von Athribis. In den unruhigen Zeiten der persischen Eroberung Ägyptens und der anschließenden Eroberung durch Alexander den Großen hatten sich Soldaten im Tempelareal niedergelassen. Teos konnte ihre Neuansiedlung außerhalb des Tempelgeländes bewirken, die alten Häuser und Baracken (?) abtragen und das Tempelgelände rituell reinigen lassen. Er ließ ein Wabet-Gebäude mit einer steinernen und einer Lehmziegelumfassungsmauer errichten, einen gepflasterten Vorhof, zwei Obstgärten, einen Brunnen und einen Teich anlegen. Er ließ ein neues Balsamierungsöl entwickeln, die verstorbenen heiligen Vögel damit einbalsamieren und sie bestatten, einschließlich der toten Vögel, die bis dahin noch nicht bestattet worden waren. Er ließ neues Ackergelände ankaufen, Emmer und Wein anbauen, Bier herstellen und alles zum Schatzhaus des Falken bringen. Er ließ Personal einstellen und eine Herde für die Schatzhausarbeiten aufbauen. Er nennt sich ein gerechter und besonnener Mann, auf den die Leute hören. Und er ließ zwei Heilstatuen anfertigen, um Menschen mit Schlangenbissen und Skorpionstichen zu heilen („wiederbeleben“). Als Belohnung schenkte ihm sein Gott ein langes Leben und den Fortbestand seines Haushaltes. Außerdem bekam er den „schönen Namen“ (einen ehrenvollen Beinamen) von Teos-dem-Retter/Beschwörer (von den Tempelbesuchern?) verliehen.

Die Inschriften sind widersprüchlich bezüglich der Urheberschaft der Statue. Einerseits sagt Djedher, dass er die Statue hat „erscheinen lassen“, andererseits rühmt sich ein Priester namens Wahibre, dass er die Texte ausgewählt und angebracht hat. Wahibre hat Djedher gekannt und hat vielleicht nach dessen Tod und in dessen Auftrag die Statue erstellen lassen. Vermutlich hatte Djedher als Mitglied des Laienpersonals des Tempels (Obertürhüter und Oberwächter) und als niNht-Priester keinen Zugang zu den magischen Schriften.

Auf der Heilstatue und auf der Oberseite des Sockels sind 25 magische Sprüche unterschiedlicher Länge eingraviert. Dreizehn von ihnen sind durch weitere Textvertreter bekannt, z.B. die bekannten Sprüche A und B oder „die Hand des Atum“. Für zwölf Sprüche, fast alle sehr kurz, konnte noch keine Parallele identifiziert werden. Die meisten Sprüche sind gegen Schlangenbisse, Skorpionstiche und Gift weiteren Ungeziefers gedacht, einige auch gegen Löwen und Krokodile gerichtet. Die göttlichen Opfer-Protagonisten sind das Horuskind, Osiris, Re, eine Katzengöttin.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Die Inschriften auf der Statue besagen, dass sie von Wab-Priestern, Schreibern und Gelehrten gelesen werden mögen, dass diese Personen die Inschriften bewahren und schützen mögen und dass sie eine Totenopferformel zugunsten von Djedher sprechen und seinen „schönen Namen“ aussprechen mögen (TB.123-127). Die Statue hat also für Djedher den Zweck, die Erinnerung an ihn am Leben zu erhalten. Zugleich haben die magischen Formeln und die Disposition des Sockels den Zweck, Menschen mit Schlangenbissen und Skorpionstichen mittels magisch aufgeladenen Wassers, das über die Statue ausgegossen und in den Becken auf dem Sockel aufgefangen wurde, Linderung zu verschaffen. Die Beschriftung auf der Oberkante des Sockels und im vorderen Wasserbecken ist deutlich von häufigem Gebrauch (Berühren, Ausschöpfen) abgenutzt. Diese Statue sowie eine zweite in der Nekropole von Athribis müssen also an öffentlich zugänglichen Orten aufgestellt gewesen sein, unsere Heilstatue sicherlich in einer Heilkultkapelle auf einem Tempelgelände in der Stadt (vgl. Kákosy 1995, 93-94). Der Aufstellungsort „dieser Statue“, vor der der Leser der Inschriften sich befindet, wird nicht konkret genannt, aber es wird angenommen, dass es beim Wabet des heiligen Falken innerhalb vom Tempelkomplex von Iat-ma war, d.h. innerhalb der gemeinsamen Umfassungsmauer mit dem Tempel des Osiris von Jat-ma, der vielleicht das lokale Osireion war (vgl. Alliot 1954, 589, 593, 597). Dazu passt, dass sich Djedher ein „Ehrwürdiger/Versorgter“ bei Osiris von bzw. bei den Göttern von Jat-ma nennt. Für Alliot war das Wabet des Falken für seine Mumifizierung bestimmt und ein anderer Ort als der Tempel des lebenden Falken, den er beim Tempel des Horus-Chentechtai vermutet (Alliot 1954, 597-598).

Material
Nicht Organisch » Stein » Basalt, Nicht Organisch » Stein » Granodiorit, Nicht Organisch » Stein » Granit
Objekttyp
Artefakt » Skulptur » Statue / Figur
Technische Daten

Die komposite Heilstatue des Djedher besteht aus zwei Teilen: dem Sockel und der Statue mit vorgelagerter Horusstele.

Die Statue ist 78 cm hoch (einschließlich einer Plinthe von 13,5 cm Höhe), 25 cm (Plinthe?) bzw. 35 cm (Ellenbogen?) breit und 43 cm tief (Daressy 1919, 113: 65 + 13,5 cm; Pirelli 2000, 368: 78 x 35 x 43 cm: Höhe x Breite x Tiefe; Homepage Kairo: 78 x 43 x 25 cm; Homepage Cardiff: 78 x 43 x 32 cm). Die Statue ist eine sog. Hockerstatue oder kuboide Statue, bei der die einzelnen Körperpartien herausgearbeitet und somit gut erkennbar sind. Der Statuenkörper ist, abgesehen von Gesicht und Füßen, mit magischen Texten und Darstellungen von Göttern versehen.

Vor den angewinkelten Beinen der Statue, zwischen den verschränkten Armen und den Füßen, befindet sich eine Horusstele. Diese besitzt eine Höhe von 30 cm und ist 21 cm breit.

Der separate Sockel (Schema und Schnitt bei Daressy 1919, 114, Fig. 1 und 2; Lacau 1921, 191, Fig. 2-3) hat die Maße 93 x 56 x 37 cm (Tiefe x Breite x Höhe) (Daressy 1919, 113 und Jelínková-Reymond 1956, 2: 94 x 56 x 31; bei Pirelli 2000: 93 x 56 x 38 cm; Homepage Kairo: 93 x 53 x 38 cm; Homepage Cardiff: 93,2 x 57 x 37 cm) und ist, abgesehen von der Unterseite, komplett beschriftet. Auf der Oberseite des Sockels finden sich zwei Vertiefungen: im vorderen Bereich eine oval-rechteckige Vertiefung von 47 x 20 x 5,5 cm (Breite x Länge x Tiefe), im hinteren Bereich eine zweite, diesmal rechteckige, leichte Vertiefung von 62 x 47,5 cm (Tiefe unbekannt) mit darin einer weiteren Aussparung für die Statuenplinthe. Laut Daressy (1919, 113) misst die Aussparung 44 x 26 x 7 cm.

Die Oberseite des Sockels ist mit magischen Texten versehen, auf den Seitenwänden befinden sich Darstellungen von Familienmitgliedern und biographischen Inschriften. Die linke hintere Ecke des Sockels war unten schon zur Zeit der Statuenherstellung beschädigt und wurde nicht beschriftet. Der obere Rand des Sockels und das vordere Becken zeigen deutliche Gebrauchsspuren: die Texte und Darstellungen sind teilweise abgenutzt.

Schrift
Hieroglyphen

Die auf der Statue und dem Sockel angebrachten Hieroglyphen „sont bien gravés“ (Daressy 1919, 115). Allerdings sind die Zeichen an manchen Stellen sehr klein und auch ihre kennzeichnenden Merkmale nicht in jedem Fall deutlich zu erkennen (Daressy 1919, 115). Die Schrift verwendet zumindest in den biographischen Texten einige Formen und Lautwerte, die man als dem „Ptolemäisch-römischen Schriftsystem“ zugehörig einstuft (z.B. der Pavian für ḏd, die Jugendlocke für šr, das Schiff für jm, die Ente für ḥnꜥ, der Geierkopf für rmṯ).

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch » traditionelles Mittelägyptisch

In den biographischen und genealogischen Texten finden sich Konstruktionen und Wortbedeutungen, die es im älteren Mittelägyptischen noch nicht gibt. Die Verwendung der Artikel pꜣ/tꜣ (bei pꜣ bjk, pꜣ nb nṯr.w, tꜣ qrs(.t), tꜣ wꜥb.t) oder des Suffixpronomens =w statt =sn geht auf das Neuägyptische zurück. Jünger ist die Verwendung von jri̯ „machen, dass“ statt dem älteren rḏi̯ „veranlassen, dass“ für Kausativkonstruktionen; die Passivkonstruktion mit neuägyptischem 3. Pers. Plural gmi̯.n=w bjk.w „Falken wurden gefunden“); sḫpr mit der Bedeutung „werden, entstehen“ und nicht „entstehen lassen“; sḫꜥi̯ mit der Bedeutung „feierlich erscheinen“ und nicht „erscheinen lassen“, qꜣw mit der Bedeutung „Länge“ und nicht „Höhe“. Auch einige Orthographien sind „jung“, wie rr für „Menschen“, m-rr für m-pẖr, n.tt für den Genitiv Maskulin und Feminin (Einfluss der jüngeren Genitivpartikel n.tj?) und für das Relativpronomen n.tj (unveränderlich), jsw für sr „Widder“, r für jw.

Bearbeitungsgeschichte

Die Inschriften wurden kurz nach dem Fund der Statue durch Daressy 1919 und 1920 in Bleihieroglyphen und mit einer Teilübersetzung publiziert. Als eine der ganz wenigen Heilstatuen mit einer exakten Datierung ist sie für die Datierung von Heilstatuen und deren magischen Sprüchen essentiell (z.B. Altenmüller 1965; Gutekunst 1995). Wegen des guten Erhaltungszustandes und weil der Sockel eindeutig zeigt, dass das Ensemble bei Wasserritualen eingesetzt wurde (zuerst Lacau 1921), genießt die Statue bis heute große Bekanntheit (z.B. Myśliwiec 1996). Auch die biographischen Textteile mit ihren topographischen und kultischen Informationen tragen zur Wichtigkeit der Statue bei. Otto 1954 und Rößler-Köhler 1991 benutzten die biographischen Inschriften, lieferten jedoch keine Übersetzung. Chassinat 1939, Alliot 1954 und Kessler 1989 werteten die Informationen zum Kult des heiligen Falken aus. Roeder 1960 und 1961 übersetzte einen Teil der Inschriften nach der Edition von Daressy. Im Jahr 1956 lieferte Jelínková-Reymond eine neue Edition mit einer neuen Abschrift der Texte, Übersetzung und Kommentierung. Känel 1984 hat drei Textstellen mit dem Titel $ḫrp Srq.t$ ausgewertet. Schulz 1992 hat die Statue in ihrer Studie zu dem kuboiden Statuentypus (bzw. Blockstatue) berücksichtigt. Gutekunst 1995 hat eine Inschrift für seine Bearbeitung von Horusstelen-Spruch B verwendet. Es ist eine „intermediäre“ Version zwischen seinen P-R- und P-L-Versionen aus seiner textgeschichtlichen „Hochphase“ (spätdynastisch bis frühptolemäisch). Sternberg-El Hotabi 1999 listet die Heilstatue in ihrer Aufstellung der Heilstatuen auf (vgl. schon Kákosy, 1987), thematisiert sie jedoch nicht weiter. Chen 2020 hat die Heilstatue in seiner Untersuchung des Bild- und Textprogramms der Heilstatuen ausführlich behandelt. Die Erwähnungen von Gartenanlagen und fremden Soldaten im Tempel in den biographischen Inschriften wurden von Thiers 1995 und 1997 ausgewertet. Im sprachlichen Bereich hat Sethe 1922 eine ungewöhnliche hieroglyphische Schreibung von „und, mit“ erkannt. Engsheden 2003 hat die biographischen Inschriften für seine Rekonstruktion des späten Verbalsystems verwendet, aber liefert keine durchgehende Übersetzung. Jansen-Winkeln 2023 liefert eine neue hieroglyphische Abschrift der biographischen Texte auf dem Sockel.

Editionen

- E. Jelínková-Reymond, Les Inscriptions de la statue guérisseuse de Djed-Ḥer-Le-Sauveur (Bibliothèque d’étude 23), Le Caire 1956 [H,Ü,K]

- G. Daressy, Statue de Zedher le Sauveur, in: ASAE 18, 1919, 113-158 [H,Ü teilweise]

- G. Daressy, Statue de Zedher le Sauveur, in: ASAE 19, 1920, 66-68 [H,Ü der 1919 noch fehlenden Ecke]

- K. Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit. Teil V: Die 27.–30. Dynastie und die Argeadenzeit. Bd. 2. Nektanebos II. – 4. Jahrhundert insgesamt, Wiesbaden 2023, 545-552 (Nr. 80.14) [H der biographischen Inschriften]

Literatur zu den Metadaten

- PM IV, 66 [B]

- M. Alliot, Le culte d’Horus à Edfou au temps des Ptolémées (Bibliothèque d‘étude 20), Le Caire 1954, Vol. II, 589-599 [K zum Falkenkult]

- H. Altenmüller, Der „Socle Behague“ und ein Statuentorso in Wien, OMRO 46 (Leiden 1965), (hier: 13-15, 23-27 [Text K1], 31) [H]

- E. Chassinat, Le mammisi d’Edfou (MIFAO 16), Le Caire 1939, S. ix-xii [K]

- M. Chen, Healing Statues in the Late Period Egypt. Creating Elite Commemoration in a Religious Context, Los Angeles 2020, passim und mit vielen Fotos (u.a. 68-70, 124-128, 149, 183-185, 196-199, 201-203, 253 und 266 (Nr. 4) (https://escholarship.org/uc/item/1kx4j7bw) [P,K]

- L. Dabrowski, La topographie d’Athribis à l’époque romaine, in: ASAE 57, 1962, 19-31 und Pl. I-II (hier: 24 und Pl. I) [Lageplan]

- R. Engelbach, The treasure of Athribis (Benha), ASAE 24, 1924, 178-185 (hier: 180) [K]

- Å. Engsheden, La reconstitution du verbe en égyptien de tradition 400-30 avant J.-C. (Uppsala Studies in Egyptology 3), Uppsala 2003, 425-426 (Index zu den verwendeten Textstellen) [isolierte Übersetzungen]

- W. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch (Text B) auf Horusstelen und Heilstatuen, Diss. Trier 1995, 75, 81, 84, 89, 234, 285, 298-305, 370 [K]

- F. von Känel, Les prêtres-ouâb de Sekhmet et les conjurateurs de Serket (Bibliothèque de l’École des Hautes Études, Section des sciences réligieuses, Bd. LXXXVII, Paris 1984, 205-208 (Doc. 31 von ḫrp Srq.t) [Ü,K von drei Textstellen mit ḫrp Srq.t]

- L. Kákosy, Some Problems of the Magical Healing Statues, in: A. Roccati et al. (Hg.), La Magia in Egitto ai tempi dei faraoni (Verona 1987), 171-186 (hier: 172, 179-181) [K]

- L. Kákosy, Heilstatuen in den Tempeln, in: D. Kurth (Hrsg.), 3. Ägyptologische Tempeltagung. Systeme und Programme der ägyptischen Tempeldekoration (ÄAT 33,1), Wiesbaden 1995, 91-98 [K]

- D. Kessler, Die heiligen Tiere und der König (Ägypten und Altes Testament 16), Wiesbaden 1989, 272-274 [K]

- P. Lacau, Les statues „guérisseuses“ dans l’ancienne Égypte (Monuments et mémoires de la Fondation Eugène Piot 25), Paris 1921, 189-209 und Taf. XV-XVI (hier: 189-193 und Taf. XV) [K, Zeichnungen]

- F. Leclère, Les villes de Basse Égypte au Ier millénaire av. J.-C. (BdE 144), Le Caire 2008, Vol. I, 247-254 [K]

- K. Myśliwiec, Athribis entre Memphis et Alexandrie, in: J. Yoyotte (ed.), L’Égypte du Delta. Les capitales du nord (Dossiers d’archéologie 213), Dijon 1996, 34-43 (hier: 35-36) [P,K] (vgl. K. Myśliwiec, Athribis – eine hellenistische Stadt im Nildelta, in: Antike Welt 25/1, 1994, 35-46, mit Erwähnung von Djedher auf S. 36-37)

- E. Otto, Die biographischen Inschriften der ägyptischen Spätzeit. Ihre geistesgeschichtliche und literarische Bedeutung (Probleme der Ägyptologie 2), Leiden 1954, 7, 15, 22, 28, 36, 40, 57, 67, 74, 128 (Text 47) [K]

- G. Roeder, Kulte und Orakel im Alten Ägypten, Die ägyptische Religion in Text und Bild III (Zürich 1960), 359-371 [Ü einiger biographischen Sockelinschriften nach Daressy]

- G. Roeder, Der Ausklang der ägyptischen Religion mit Reformation, Zauberei und Jenseitsglauben, Die ägyptische Religion in Text und Bild IV (Zürich 1961), 160- 172, Abb. 5 und Taf. 9 [Ü einiger biographischen Sockelinschriften und einiger magischen Texten auf der Statue nach Daressy]

- U. Rößler-Köhler, Individuelle Haltungen zum ägyptischen Königtum der Spätzeit (Göttinger Orientforschungen IV.21), Wiesbaden 1991, 284-286 (Dok. 86b), 373 [K]

- J. Rowland u.a., The sacred falcon necropolis of Djedhor(?) at Quesna: recent investigations from 2006–2012, in: JEA 99, 2013, 53-84 (hier: 83-84) [K]

- R. Schulz, Die Entwicklung und Bedeutung des kuboiden Statuentypus (HÄB 33-34), Hildesheim 1992, Bd. II (HÄB 34), 572, 589-590, 595, 624, 651, 656 und Tf. 142 d [P,K]

- K. Sethe, Miszelle. 𓅭 für „und“, „mit“, in: ZÄS 57, 1922, 152 [K]

- E. J. Sherman, Djedḥor the Saviour Statue Base OI 10589, in: JEA 67, 1981, 82-102 und Taf. XIII-XIV [K]

- H. Sternberg-el Hotabi, Untersuchungen zur Überlieferungsgeschichte der Horusstelen. Ein Beitrag zur Religionsgeschichte Ägyptens im 1. Jahrtausend v. Chr. (Ägyptologische Abhandlungen 62), Wiesbaden 1999, Bd. I, 109, 218, 221 (Abb. 1 und 3); Bd. II, 104-105 [K]

- Ch. Thiers, Civils et militaires dans les temples. Occupation illicite et expulsion, in: BIFAO 95, 1995, 493-516 (hier: 501 (doc. 4), 506, 512, 514) [Ü, K von Z. 22-29 der biographischen Inschrift]

- Chr. Thiers, Les jardins de temple aux époques tardives, in: S.H. Aufrère (ed.), Encyclopédie religieuse de l’univers végétal. Croyances phytoreligieuses de l’Égypte ancienne (Orientalia Monspeliensia X), Montpellier 1999, 107-120 (hier: 110) [Ü, K von Z. 26-28 und 30-36 der biographischen Inschrift]

- P. Vernus, Athribis. Textes et documents relatifs à la géographie, aux cultes, et à la histoire d’une ville du Delta égyptien à l’epoque pharaonique (BdE 74), Le Caire 1978, 193 (Doc. 160) und 322-323 (Doc. 300) [B]

Übersetzung und Kommentar

Teil I: magische Texte

1.1: Identifikation des Djedher, Z. 1-11 (auf der Brust, zu beiden Seiten des Bartes)

Der Ehrwürdige/Versorgte bei Osiris, dem Herrn von Iat-ma, (und bei) den Göttern, die sich in der (Nekropolenstadt) Rosetau1 (im Norden von Athribis) befinden, der oberste Türhüter des Horus-Chentechtai, des großen Gottes, des Herrn von Athribis, der oberste Wächter des Falken in allen seinen Sachen und allen Lieferungen des ganzen Landes, der Urkunden(?)schreiber des Schatzhauses des Falken, der sich um den Bedarf der lebenden Falken kümmert, Teos-der Retter/Rezitierer,2 den Sentaês3 geboren hat.

1 Rʾ-sṯꜣ.w: Wird schon in Wb. 2, 399.1 als Name der Nekropole von Athribis gedeutet; Gauthier, DG 3, 127. Vernus, Athribis, 359 liest Pr-Rʾ-sṯꜣw (so tatsächlich im biographischen Text, TB.21, 44, 77, 130, 150, aber oft ohne pr).

2 Ḏd-ḥr-pꜣ-šd: Ist bei Ranke, PN I, 411.16 ein eigener Name. Quaegebeur, Teëphibis, dieu oraculaire?, in: Enchoria 5, 1975, 19-24, vor allem 24: In ähnlichen Namensbildungen wie Ḏd-ḥr-pꜣ-hbj „das Gesicht des Ibis hat gesprochen“ und Ḏd-ḥr-pꜣ-mꜣj „das Gesicht des Löwen hat gesprochen“ ist pꜣ hbj/mꜣj Teil des Namens. Quaegebeur ist sich unsicher, ob pꜣ-šd ein Teil des Namens oder ein Epitheton ist. Jelínková-Reymond, Les inscriptions de la statue guérisseuse de Djed-Ḥer-le-Sauveur, BdE 23, Le Caire 1956, 6 mit Anm. 3: pꜣ-šd wurde durch Djedher/Teos selbst nachträglich am Namen Ḏd-ḥr hinzugefügt, als er seinen „schönen Namen“ gebildet hat (Z. TB.126-127). Für Vernus, in: RdE 32, 1980, 128 ist es ein Epitheton und nicht Teil von ḥr-pꜣ-šd „das Gesicht des Retters/Beschwörers“ als Subjekt von ḏd.

3 Tꜣ-šr.t-(n.t-)t(ꜣ)-jḥ.t: Lüddeckens, DemNb 1132-1133: Σεντεης; Ranke, PN I, 370.3. In Trismegistos ist der Name TM Nam 1088 Σενταης „Sentaes“ und bedeutet „Die Tochter der Kuh“.

1.2: Die Hand des Atum, Transformation des Re in ein Ichneumon, Z. 12-34 (auf dem rechten Arm (Z. 12-25), angefangen auf dem Handrücken bis zum Ellenbogen, und dem rechten Bein und Fuß (Z. 26-30) (Hierogl. nach rechts orientiert); Z. 31-34 auf der rechten Schmalseite der Horusstele und auf dem rechten Fuß (Hierogl. nach links orientiert))

Diese (Hand hier) ist jene (bekannte) Hand des Atum, die das Gewitter im Himmel und die Unruhe, die in Heliopolis ist, vertreibt, die siegreiche Kämpferin,1 die ihren Herrn beschützt, Useret/die Mächtige, die Re behütet/rächt an jenem Tag des großen Kampfes im Norden und Westen (oder: im Nordwesten) des Tempels des Uräus-Iusaas. (...,) nachdem Re seine Verwandlung in ein Ichneumon2 von 46 Ellen (Länge)3 gemacht hatte, um Apophis in dessen Rage niederzuwerfen.

– Du sollst ausfließen, (oh du,) dessen Gesicht herunterfällt4 und auf den gespuckt5 wird! –

Sie {hat geholt} 〈ist gekommen〉6 und sie hat vertrieben jedes böse Unheil, jede böse Unreinheit, das Gift jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Skorpions7 und jedes giftigen Getiers, das in jedem Glied dieses Mannes (hier) ist, der einen (Schlangen)biss/(Skorpion)stich hat.

Los (ihr)! Auf den Boden, gemäß dem, was Horus, der Triumphierende/Gerechtfertigte, gesagt hat!8 Dies ist diese (bekannte) Hand, die ich genannt habe (?). (oder: Dies ist diese, meine 〈eigene〉 Hand.9) Ich bin Horus, der Triumphierende/Gerechtfertigte, der Aufseher/Beschwörer der Selkis.10 Ich bin aus Horbeit gekommen; Ich bin bei Tagesanbruch11 herausgekommen, auf die Stimme des Herrn der Menschheit (oder: des Allherrn12) persönlich hin, an jenem Tag des Umwendens auf den Feldern13 gemäß dem, was Atum gesagt hat.14

Spruch des Schutzes des Sohnes. (?)15

Ich wurde begrüßt (?) (mit) „Willkommen!“16 in jenem meinen Namen als „Beschützer-seines-Vaters“. Ich habe meine Arme um Re gelegt.17 Meine Hand ist auf ihm mit Leben, Heil und Gesundheit. Ich habe jedes Glied von ihm geschmückt.18 Ich habe seinen Körper gereinigt/bekleidet. Ich habe all seinen Staub abgeschüttelt.19 Ich habe sein Unheil (oder: seine Schäden) gereinigt;20 sein Leiden / seine Verletzung ist für den Erdboden. Ich habe das Unheil (oder den Schaden) des/seitens Apophis, das in seinem ganzen Fleisch ist, vertrieben.

Re ist aufgestanden (oder: steht jetzt aufrecht). Wie viel besser ist er (jetzt), als er (zuvor) war! Ich habe alles Böse von ihm entfernt. (oder: nachdem ich alles Böse von ihm entfernt habe.) Möge dieser Mann (hier), der eine Stich-/Bissverletzung hat, gesund für seine Mutter aufstehen. Wie viel besser ist er (jetzt), als er (zuvor) war! Das Gift wird keine Macht über seine Glieder haben.21 Es wird sein Herz nicht mit seinem (des Giftes) Gluthauch ermatten.22 (oder: Sein Herz wird nicht wegen seines (des Giftes) Gluthauchs ermatten.) Die Einwirkung (oder: der Arm) eines Gottes wird keine Macht über ihn haben.23 Es gibt keine Göttin, die ein Unheil gegen ihn verhängt (oder: die ihm Schaden zufügt). (Denn) meine Hand ist über ihm mit Leben, Heil und Gesundheit. Ich bin Haroeris,24 der Arzt, der Gottesberuhiger (?),25 der Arzt, der Gottesberuhiger (?).

Das Gift ist tot.

1 ꜥḥꜣ(.t) nḫt(.t): Entweder zwei substantivierte Partizipien (so Borghouts: „the combative and victorious one“) oder substantiviertes Partizip + Adjektiv (so Kákosy: „a victorious warrior“) oder Partizip + Adverb/Pseudopartizip (so Ockinga: „who fights victorious“).

2 ꜥḏ: Ein Hinweis auf die Existenz dieser Tierbezeichnung neben dem ꜥḏw-Fisch findet sich schon bei Golenischeff, in: ZÄS 14, 1876, 80 (Quelle: der magische Text „Hand des Atum“ auf Heilstatue Turin Cat. 3030: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72-73 und Taf. XXI). Sie fehlt in Wb. 1. Sethe, Atum als Ichneumon, in: ZÄS 63, 1927-1928, 50-53 hat die Identifikation als Ichneumon vorgeschlagen, weil dieses Tier Schlangen angreift (im magischen Text „Die Hand des Atum“ kämpft es gegen die Apophisschlange) und weil eine Darstellung des ꜥḏ-Tieres auf dem Naos von Saft el-Henna wie ein Ichneumon aussieht. Siehe auch E. Brunner-Traut, Spitzmaus und Ichneumon als Tiere des Sonnengottes (NAWG. Phil.-hist. Kl. 1965/Nr. 7), Göttingen 1965, 157-160.

3 mḥ 46: Chr. Leitz, Das Ichneumonweibchen von Herakleopolis – eine Manifestation der Bastet, in: SAK 38, 2009, 162-163 nimmt an, dass die Zahl sich auf die wirkliche Größe des Ichneumons bezieht, nämlich 46 Finger, d.h. ca. 86 cm (ohne den Schwanz), wenn man nach gängiger magischer Praxis die Zahl beibehält, aber die Maßeinheit vergrößert (Elle statt Finger).

4 ḫr ḥr=f: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 hat „may his face fall down!“, was auf Heilstatue Turin Suppl. 9 und auf Heilstatue Turin Cat. 3030 nach šp=f (3. Pers. Sg.) statt šp=k auch passt. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 11 und 12, Anm. 6 emendiert zu ḫr〈=k〉 〈ḥr〉 ḥr〈=k〉: „Que 〈tu〉 tombes 〈sur〉 ta face!“ Ohne Emendation käme noch ein Vokativ in Betracht: „Du sollst ausfließen, (oh du,) dessen Gesicht herunterfällt und auf den gespuckt wird“ (vgl. Panov, Die Statue des Horchebe, 44: šp=k ḫr 〈ḥr〉 ḥr=f pgs ḥr=f: „Mögest du ausfließen, (du,) der 〈auf〉 sein Gesicht gefallen ist und auf den man speit!“). Auf dem Armfragment einer Heilstatue in Moskau I.1.a.5907 steht entweder šp=k ḫr ḥr ḥr[=k/f] psg ḥr=f mit 2 x ḥr nebeneinander (so Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 373), oder das vermeintliche zweite Gesicht am unteren Kolumnenende ist in Wirklichkeit ein Ideogrammstrich.

5 〈p〉g{pp}s jb=f: Anzunehmen ist, dass jb ein Fehler für die Präposition ḥr ist. Kákosy, Healing Statues, 45 hat „May his face be spat upon!“ (mit dem Substantiv ḥr und mit psg transitiv verwendet). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 11 und 12, Anm. 1 emendiert zu psg〈=tw〉 {jb}〈ḥr〉=f: „〈Qu’on〉 crache sur lui!“ (so auch Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: may they spit upon his face!). Auf Statue Turin Suppl. 9 und auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Healing Statues, 46, 72-73) steht: šp=f / ḫr ḥr=f / pgs ḥr=f: „May he perish, may his face fall down! May his face be spat upon!“ (Kákosy, Healing Statues, 45 und 73).

6 {jni̯}〈jyi̯〉.n =s: Gemeint ist die Göttin Iusaas oder die Hand, die früher im Text genannt werden. F. von Känel, Les prêtres-ouâb de Sekhmet et les conjurateurs de Serket (Bibliothèque de l’École des Hautes Études, Section des sciences réligieuses, Bd. LXXXVII, Paris 1984, 205, Anm. (a) denkt hingegen an die Göttin Selkis. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (l) erkennt in jni̯ (Topf mit Beinchen) einen Fehler für jyi̯ (Schilfblatt mit Beinchen). Die Reihenfolge von n (roter Krone) und Beinchen-Determinativ ist unerwartet: Beim sḏm.n=f kommt das Infix n normalerweise nach dem Determinativ. Auf dem magischen Teller in Sydney steht vielleicht jyi̯.jn=s (oder das zweite Schilfblatt steht dort falsch). Auch auf der Statue des Anchapis in Kairo JE 41677 findet sich jni̯ (Topf mit Beinchen) (Daressy, in: ASAE 11, 1911, 188 (Z. 11)).

7 ḏꜣr.t/wḥꜥ.t: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 14, Anm. 4 (von S. 13) listet mehrere Belege für die Reihenfolge ḥfꜣ.w ḥfꜣ.t ḏꜣr.t ḏdf.t auf, bei denen ḏꜣr.t phonetisch ausgeschrieben ist (u.a. in der Textparallele auf der Statue Tyszkiewicz). Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts, 96 liest wḥꜥ.t. In den Textparallelen auf den Heilstatuen des Hor (Turin Cat. 3030), des Anchapis (Kairo JE 41677) und des Psammetichusseneb (Turin Suppl. 9) sowie auf dem magischen Teller in Sydney ist die Reihenfolge ḥfꜣ.w ḥfꜣ.t (ḏdf.t) ḏꜣr.t, auf der Statue Tyszkiewicz ist es dieselbe Reihenfolge wie bei Djedher.

8 Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: „Come ye to earth according to that which was said unto Horus, true of voice“.

9 ḏd=j oder ḏs=j: ḏd=j findet sich ebenso auf Statue Turin Suppl. 9 und auf Statue Kairo JE 41677. Auf Statue Turin Cat. 3030 steht ḏs=j (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 73: „This is here my own hand.“); ḏs=j ebenso auf dem magischen Teller in Sydney.

10 ḫrp Srq.t: siehe F. von Känel, Les prêtres-ouâb de Sekhmet et les conjurateurs de Serket (Bibliothèque de l’École des Hautes Études, Section des sciences réligieuses, Bd. LXXXVII, Paris 1984, 205-206 (Doc. 31 von ḫrp Srq.t) [Ü,K von drei Textstellen mit ḫrp Srq.t].

11 wp-hrw: So Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 16, Anm. 5 mit Verweis auf wp-hrw in Wb. 1, 305.5 (so auch Borghouts; Kákosy, 45 und 73; Ockinga, 250). Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben: „on the first day of the month“. Abweichend Sternberg-El Hotabi, Untersuchungen, I, 51, Anm. (m): „Ich bin aus Šdnw gekommen und ich bin herausgetreten aus dem Scheitel (wp.t) des Re auf den Befehl des Herrn der Menschen selbst.“ (so auch Panov, 44).

12 nb tm.w: Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben: „Lord of the Universe“, d.h nb tm.

13 pn{n}ꜥ ḥr ꜣḥ.wt: Auf Heilstatue Turin CGT 3030 steht vielleicht pnꜥ ḥr(.j)-ꜣḥ.t: „das Umwenden des Feldervorstehers“.

14 m ḏd.n (J)tm: Die Formel m ḏd.n NN (oder: ḏd n, Var. ḏd, ḏd jn) „gemäß dem, was NN gesagt hat“ (o.ä.) findet sich des Öfteren am Ende eines Satzes. Daher würde man annehmen, dass anschließend ein neuer Satz anfängt. Dessen Lesung ist jedoch nicht ohne Probleme.

15 rʾ (n.j): Die erste Gruppe nach „Atum“ wird geschrieben: Mund + Ideogrammstrich (Statue des Djedher, Statue Turin Suppl. 9, Statue Turin Cat 3030). Auf der Heilstatue des Anchapis (Kairo JE 41677: Daressy, in: ASAE 11, 1911, 189) steht m ḏd.n Jtm n=j [...] mk zꜣ, was unerwartet ist, denn der Dativ n=j müsste vor Jtm stehen. Auf den übrigen Textträgern ist die Textstelle zerstört (Heilstatue Heliopolis, Magischer Teller Sydney, Heilstatue des Horchebis in Moskau und Heilstatue Moskau I.1.a.5907) oder sie ist unpubliziert (Heilstatue Tyszkiewicz, Horusstele BM EA 36250, Heilstatue Berlin 7554).
Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (t) und 17, Anm. 1-3 versteht Mund + Ideogrammstrich als Auge + Suffixpronomen in einer neuägyptischen periphrastischen Konstruktion jri̯=j sḏm oder als jw=j (ḥr) mki̯ (mit r für jw). Anschließend emendiert sie noch zu 〈m〉 zꜣ und sie übersetzt (S. 17 mit Anm. 2-3) „J’ai accompli la protection 〈en qualité de〉 fils.“ (ebenso Borghouts, 96: „I have ensured your safeguarding (mk.t) as a son.“).
Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45 und 73 versteht Mund + Ideogrammstrich als und er übersetzt „Spell of protection of the son.“
Panov, Die Statue des Horchebe, 44 scheint auf der Heilstatue des Anchhapi zu basieren. Er hat eine andere Satzabtrennung: m ḏd [n jtm n=j rʾ] / [m=k sꜣ nḏ ḥr]=j (...) „... gemäß [der Aussage des Atum], die er [zu mir] gesprochen hat: [Siehe, der ist (mein) Sohn, der] mich [schützt], der in diesem Namen „der Schützer seines Vaters“ gekommen ist.“ Seine hieroglyphische Textkopie, Transkription und Übersetzung stimmen allerdings nicht überein. Vgl. zuvor schon Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350: „according to that which Atum said unto me 〈and his〉 utterance was: Behold my son who avenged me, who came under that his name of the Avenger for his father.“
Ockinga, in: Fs Török, 250 versteht Mund + Ideogrammstrich als r=j und er übersetzt „through what Atum said concerning me“. Ähnlich wie Panov, liest er anschließend die Partikel m=k und nicht das Verb mki̯ (das Verb wird oben in Z. 15 ohne Determinative geschrieben).

16 nḏ ḥr=j jwi̯(.w): So nach Jelínková-Reymond, Borghouts, Kákosy. Weil das Vorangehende unterschiedlich gedeutet wurde, finden sich auch für diesen Satz mehrere Interpretationen. Panov und Ockinga haben: „[Siehe, der ist (mein) Sohn, der] mich [schützt], der in diesem Namen „der Schützer seines Vaters“ gekommen ist.“ bzw. „Behold, my son, my protector, who comes in this his name of ‘Protector of his Father’“.

17 jw rḏi̯.n=j: So nach Daressy, Jelínková-Reymond, Borghouts, Kákosy. Panov und Ockinga haben abweichend r rḏi̯(.t) n=j ꜥ.wj=j ḥꜣ Rꜥw: „um [mir meine Arme hinter Re] zu legen“ bwz. „to place (his) arms around Re for me.“ Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350 haben eine Passivkonstruktion: „So I came forth to have my arms placed behind the Sun.“

18 sẖkr: Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 17, Anm. 7 liest sjmꜣ „donner des soins à“ (so auch Borghouts, der sjmꜣ mit „to unite“ übersetzt, d.h. smꜣ). Auf Statue Turin Cat. 3030 und auf der Statue des Horchebis in Moskau (Panov, Die Statue des Horchebe, 44) ist sẖkr jedoch phonetisch ausgeschrieben. Auf Statue Turin Suppl. 9 könnte zn: „öffnen“ stehen (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49, Anm. S).

19 wḫꜣ: Wb. 1, 353.4 und 353.11 „Staub abschütteln“ (NICHT wḫꜣ „suchen“). Vgl. Edfou I, 555.12-13 (r wḫꜣ ḫm=f r smꜥr ꜥ.wt=f m kꜣ.t n.t Ḥd-ḥtp); oder fehlerhafte Schreibung von ḫꜣi̯ „untersuchen“ (Wb. 1, 354.10 und MedWb 207).
ḫm: Kákosy, Egyptian Healing Statues, 45: „I have thrown off all his dust.“ Er erkennt (S. 49, Anm. T) das Wort „Staub“ wegen des Determinativs, aber verweist ebenso auf Wb. 3, 281.6-9 für eine Kategorie von bösen Wesen. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, übersetzt (S. 17-18) „J’ai examiné toutes ses blessures“ (so auch Berlev & Hodjash, Egyptian Sculpture, 350) und sie verweist (18, Anm. 1) auf Wb. 3, 277.13 s.v. ḫm für einen krankhaften Zustand des Magens.

20 smꜥr.n=j: Auf Statue Turin Supp. 9 steht ḫrs.n=j sḏb.w=f (= ḫsr „beseitigen“), auf Statue Turin Cat. 3030 steht ḫm.n=j sḏb.w=f („ignorieren“).

21 Ab hier steht der Spruch auf der Statue des Djedher auf der rechten Seitenkante der Horusstele und ist nach links orientiert, abweichend vom bisherigen Text. Man könnte deshalb an einen anderen Spruch denken (so Daressy), aber auf der Heilstatue des Hor (Turin Cat. 3030) und der Statue Tyszkiewicz läuft der Text einfach weiter. So wahrscheinlich auch auf dem magischen Teller in Sydney und auf der Heilstatue des Harchebis in Moskau. Auf der Heilstatue Turin Suppl. 9 bricht der Text früher ab, ebenso auf der Heilstatue des Anchapis JE 41677 (Ende zerstört). Auf der Horusstele Neapel Inv. 1008 (siehe R. Cantilena und P. Rubino (eds.), La Collezione egiziana del Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Napoli, 1989, 107-109 (Nr. 11.7) und Taf. IV (Hierogl. Abschrift)) steht diese Passage im Anschluss an Spruch B.

22 bgꜣ=s: Muss hier transitiv verwendet werden (nicht im Wb. 1, 431 verzeichnet), oder man muss =s wegemendieren. Auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 10), 74 steht n(n) bgꜣ jb=f n hh=s ohne =s bei bgꜣ=s; ebenso auf dem magischen Teller in Sydney (Ockinga). Auf Statue Tyszkiewicz steht n(n) bg(ꜣ) m jb=f m hh=s „Es gibt kein Ermatten in seinem (des Patienten) Herzen wegen seines (des Giftes) Gluthauchs.“ Die Präposition beim Verb bꜣgi̯ ist wahrscheinlich n „wegen“ (s. Wb. 1, 431.11).

23 sḫm ꜥ: Laut Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 8, Anm. (cc) ist eine fehlerhafte Schreibung des Determinativs von sḫm. Aber auch auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 10-11), 74) und auf der Statue Tyszkiewicz steht n(n) sḫm ꜥ n(.j) nṯr jm =f.

24 Ḥrw-wr: wr steht ausgeschrieben auf Statue Turin Cat. 3030 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 11), 74): jnk Ḥr.w-wr zwn.w nṯr ḥtp „I am Horus the Great, the physician. The god is pleased.“ Auf der Statue Tyszkiewicz steht jnk Ḥr.w-wr ⸮zwn.w? / r nṯr ḥtp, gefolgt von ky rʾ. Das Ḥr-smsw in der Übersetzung von Borghouts, 96 ist entsprechend zu korrigieren. Ockinga, 252-253 möchte wr nicht zu Ḥrw, sondern zu zwn.w ziehen und wr-zwn.w „Oberarzt“ lesen.

25 z(w)n(.w) ⸮r:ḥtp-nṯr?: Der Anfang jnk Ḥrw ist noch auf der Seitenkante der Horusstele eingraviert, die nachfolgenden Wörter ab wr sind weniger stark und ganz am Rand eingraviert (sie sind allerdings noch erkennbar, zwnw bei Jelínková-Reymond, 8 mit Anm. (dd) ist zu korrigieren). Sie wurden weiter unten auf dem Fuß wiederholt. Die Formel „Ich bin Horus, der Arzt, der Gottesberuhiger (?)“, jedes Mal mit Inversion von nṯr und ḥtp steht ebenfalls auf Ostrakon Bruxelles E 3209, Z. 11 (van de Walle, in: CdE 42, 1967, 13-29); auf pChester Beatty VII, Rto 1.6-2.4 im Refrain m=ṯ jnk Ḥrw zwn.w ḥtp-nṯr „Behold, I am Horus, the physician soothing the god.“; auf dem medizinischen Papyrus pBerlin P 3038, Kol. 21.9 (= Bln 190) (s. LGG VI, 216a). Das r vor nṯr findet sich auch auf der Statue Tyszkiewicz (jnk Ḥr.w-wr ⸮zwn.w? / ... r nṯr ḥtp, gefolgt von ky rʾ). Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-Sauveur, 20, Anm. 1 möchte es als j:ḥtp (Partizip) lesen, was in Anbetracht der Wortinversion doch problematisch ist. Ob man mit Kákosy, Egyptian Healing Statues, 72 (Kol. 11), 74 „The god is pleased“ eher jw nṯr ḥtp(.w) (mit r für jw) lesen soll (so auch Panov 2019, 46)?

1.3: Götterdarstellungen auf dem rechten Oberarm (auf dem rechten Oberarm zwischen Ellenbogen und Schulter)

1. Register, von rechts (= vorn) nach links (= hinten)

(1. von rechts: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Szepter:) Chentechtai, der Herr des Himmels, der für sich (?) die Erde gemacht hat.
(2. von rechts: Göttin mit Hathorkrone, die ein Papyruszepter hält:) Chuit, die den Gott bekleidet, Isis, groß an Zauberkraft.
(3. von rechts: Ibisköpfiger Gott, der auf ein Krokodil steht und es spießt:) Thoth, der zweimal Große, der Herr von Hermopolis, der große Gott, der Gewalttätige (?)1 unter den Göttern.
(4. von rechts: Sieben kleine Skorpione über einander: ohne Beischrift)
(5. von rechts: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Szepter: ohne Beischrift)
(6. von rechts: Löwenköpfige Gottin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf, die zwei Schlangen und ein Skorpion in der rechten und zwei Schlangen in der linken Hand hält: ohne Beischrift)

2. Register, von rechts (= vorn) nach links (= hinten)

(1. von rechts (vor der Hand des Djedher): Ibisköpfiger Gott mit einer Papyrusrolle in der Hand:) Thoth, der zweimal große Gott, der Herr von Hermopolis, der Herr der Gottesworte.
(2. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockender Gott mit Menschenkopf:) Hu.
(3. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockender Gott mit Menschenkopf:) Sia
(4. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockender Gott mit Krokodilskopf:) Sobek.
(5. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockende Gottheit mit Menschen(?)kopf:) Nut.2
(6. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockende Gottheit mit Affenkopf:) Hep.
(7. von rechts (hockend unter der Hand des Djedher): Hockende Gottheit mit Ibiskopf:) Thoth.3
(8. von rechts: Ithyphallischer Gott mit rückwärts erhobenem Arm:) Min, der Herr des Senut-netjer-Heiligtums.
(9. von rechts: Stehende Mumie mit Skarabäus auf dem Kopf:) Anonym.
(10. von rechts: Falke auf einer Antilope; die Arme des Falken halten die Hörner der Antilope:) Horus, der Herr von Hebenu.
(1. von links: Kniender Gott mit Feder auf dem Kopf und mit erhobenen Armen:) Der den Himmel hochhebt.4
(2. von links: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Zepter:) Harachte, der Oberste der Götter.
(3. Falkenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Zepter:) Horus, der Herr von Letopolis.5
(4. von links: Menschenköpfiger Gott mit Atefkrone, der eine Schlange in jeder Hand hält:) Heka.

3. Register, 9 Götterfiguren, 5 vordere schauen zur Vorderseite der Statue, 4 hintere zur Rückseite

(1. von rechts: Löwenköpfige Göttin mit Papyrusszepter:) Sachmet, die Große, die Geliebte des Ptah.
(2. von rechts: Stehender Gott mit unklarer Ikonographie:) -unklare Zeichenspuren-
(3. von rechts: Stehender Gott mit Amun-Krone:) Amun-Re, der Herr der Throne der Beiden Länder.
(4. von rechts: Stehende Göttin mit einem Skorpionkopf, die einen Skorpion in der vorderen Hand hält:) Selkis.
(5. von rechts: Widderköpfiger Gott mit Uräus und Sonnenscheibe auf dem Kopf, der eine Schlange spießt:) Chnum, der Apophis niederstreckt, der Herr von Herwer.
(1. von links: Menschenköpfiger Gott mit Atefkrone und Was-Szepter:) Osiris, der Oberste der Götter.
(2. von links: Falkenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Szepter:) Horus, der Herr von Letopolis, der große Gott, der den Feind niederwirft.
(3. von links: Stehendes Nilpferd:) Nut, die Große, die die Götter geboren hat.
(4. von links: Falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe auf dem Kopf, der auf einem Krokodil steht, das er speert:) Chnum, der Herr von Herwer, der 〈den, der im〉 Fluss ist, niederwirft.6

1 dsm: Wb. 5, 487.5: ob für mds?

2 Lesung nach Daressy, 129; Lesung unsicher laut Jelínková-Reymond, 22.

3 Lesung nach Daressy, 129; Schreibung ähnelt eher ꜣḫ laut Jelínková-Reymond, 22.

4 ꜥḫi̯/twꜣ p.t: In LGG II, 201-202 bzw. LGG VII, 369 wird kein Gott mit dieser Ikonographie aufgelistet. Jelínková-Reymond, 140 trägt diese Schreibung unter Schu ein.

5 Ḥr.w nb Ḫm.w: Letopolis. Von Gauthier, DG III, 35 als „min“, d.h. Achmim gelesen, mit Verweis auf Daressy, in: ASAE 18, 130 (d.h. diese Textstelle). Dieselbe Orthographie des Toponyms in Ḫnt.j-Ḫm in Jelínková-Reymond, 56 (= Z. 115) in Horusstelentext A.

6 〈n.tj〉 〈m〉: Ergänzt nach Jelínková-Reymond, 22, Anm. (h).

1.4: Götterdarstellungen auf der Horusstele

Rechts vom Horuskind

(1. Zu beiden Seiten eines Falken auf einem Papyrusstab, der über einem Krokodil steht:) Horus, der auf seiner Papyrussäule ist.
(2. Vor einem falkenköpfigen Gott mit Sonnenscheibe, der zwei Schlangen vor sich hält:) Heka, der Ka des Re.
(3. Stehendes Nilpferd, das sich auf eine zꜣ-Schlaufe stützt:) Nut, die Große, die den Gott im Wasser geboren hat.
(4. Vor Nephthys mit erhobenen Armen und hinter Nephthys:) Nephthys, die Große, die Herrin (?), die Gottesmutter, die mit großer Zauberkraft, Zauber des Re.1

Links vom Horuskind

(1. Neben dem Nefertem-Stab:) Nefertem, der die Beiden Länder schützt.
(2. Vor einer löwenköpfigen Göttin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf und Papyruszepter in der Hand:) Sachmet, die Große, die Geliebte des Ptah.
(3. Falken(?)köpfiger Gött mit Widdergehörn und Sonnenscheibe auf dem Kopf, der auf einem Krokodil steht und es spießt:) Chnum, der Herr von Herwer. Schutz und Leben sind um ihm.
(4. Stehende Göttin mit Seschatsymbol auf dem Kopf und mit Papyrusszepter:) Seschat, die Große, die Herrin der Schrift, die Herrin der Gottesworte (= Hieroglyphen).
(5. Göttin mit einem Skorpion als Kopf, die ein Skorpion beim Schwanz hält:) Selkis, die Vorsteherin der Tapferkeit (?).3
(6. Nephthys mit verehrend erhobenen Händen:) Nephthys, die Gottesschwester, die Herrin der Schrift, die die Angelegenheiten richtet.4

1 wr(.t) ⸮nb.t?: Vielleicht ist das nb-Zeichen ein Fehler für r und ist das Ganze nur wr.t zu lesen (so bei Daressy, 133).
wr.t ḥkꜣ.w: Jelínková-Reymond, 25 hat das Determinativ bei ḥkꜣ.w am Anfang der 3. Kol. vergessen. Daressy, 133 hat das Frauendeterminativ B1 𓁐, aber dem Foto nach zu urteilen, ist es der Mann mit Hand am Mund A2 𓀁.
ḥkꜣw-⸢Rꜥw⸣: So Jelínková-Reymond, 25 mit dem Vermerk „vrais(emblablement)“. Daressy, 133 hat nur den Anfang ḥkꜣ. Einem Foto nach zu urteilen, ist die Lesung von Jelínková-Reymond, 25 unwahrscheinlich.

2 nb(.t) mdw-nṯr.⸮w?: Mit Pluralstrichen bei Daressy, 133; ohne Pluralstrichen bei Jelínková-Reymond, 25.

3 ḥr.j(t) qn(.t): Übersetzung unsicher. In LGG V, 442 steht ähnlich: „Die über der Stärke ist“.

4 ⸮nb(.t)? wḏꜥ-mdw.w: Sicherlich ist das von Jelínková-Reymond, 25 mit Anm. (i-j) erkannte sehr flache nb-Zeichen in Wirklichkeit der obere horizontale Strich des wḏꜥ-Zeichens (Aa21A, so bei Daressy, 133). Bei einer weiteren Nephthys-Darstellung auf dem Sockel (Jelínková-Reymond, 67) steht jedenfalls nb(.t) zẖꜣ.w wḏꜥ(.t)-mdw.w, wobei wḏꜥ(.t) mit Aa21A (und nicht Aa21) geschrieben ist.

1.5: Anrufung an Re, Z. J-R 35-48 = D 55-68 (Vor den Füßen des Djedher, auf der Oberseite des Statuensockels.):

Oh Lichtgott,1 (du,) der die Müdigkeit/Mattigkeit am Rand (oder: auf dem Ufer) des Himmels2 geschaffen hat: ich habe (dich?) umgestürzt (oder: bin vom Kurs abgekommen?)3 und bin durch den Lichtglanz hindurchgezogen. Oh diese Schwelle: meine beiden Füße sind (gegen sie) gestoßen und meine Zehen sind gegen sie getreten.4 Oh diese Schwelle, gegen die meine beiden Füße angeschlagen sind (wörtl.: die meine Füße geschlagen haben) und gegen die meine Zehen gestoßen/gegengetreten sind: (Oh) Gift des Re bei seinem (d.h. des Re) Erscheinen: komme doch auf den Boden, (du) dieses Gift einer jeder männlichen Schlange und einer jeder weiblichen Schlange, das in allen Gliedern des Mannes/Patienten ist, der einen Biss/Stich hat.5
Es ist Re, der es gesagt hat.6

1 Ꜣḫ(.w): Zweimal identisch geschrieben in Kol. 35 und 40-41. Jelínková-Reymond, 26 liest zweimal „puissance magique de Re!“, d.h. ꜣḫ.w Rꜥw. Daressy übersetzt die erste Stelle als „fils de Râ“, die zweite als „la cure de Râ“. Klasens, 54 übersetzt beide Stellen als „sun-beams“ (jꜣḫw), was besser zum Determinativ N8 auf Socle Béhague und auf Horuscippus Kairo CG 9404 passt.

2 ḥr sp.t n(.t) p.t: Auf dem Socle Béhague und dem Horuscippus Kairo CG 9404 steht sp.tj als Dual, auf der Heilstatue des Djedher (Z. 37-38) ist es der Singular sp.t.

3 snb: Graphie von znb = zbn: „umstürzen“. Jelínková-Reymond, 26, Anm. 5 denkt zunächst an zwei sḏm=f-Formen mit Dativ-n, erwägt jedoch auch zwei sḏm.n=f.

4 bnn.t: Bislang nur auf der Heilstatue des Djedher (DZA 22.887.070) und im gleichen Text auf dem Socle Béhague und dem Horuscippus CG 9404 belegt. Jelínková-Reymond, 27, Anm. 1 verzichtet auf eine Übersetzung. Klasens, 79-80 folgt Wb. 1, 460.15 mit dessen Übersetzung „die Schwelle (der Tür)“, denkt dabei jedoch an die Schwelle des Horizonts.

5 m ḫꜥ.w={{k}}〈〈f〉〉: Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert ḫꜥ.w=k zu ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Es ist jedoch auf Socle Béhague als m ḫꜥ.w=f vorhanden. Auf der Statue des Djedher scheint das k in ein f korrigiert zu sein (auf CG 9404 zerstört). Diese Formel findet sich als m ḫꜥ.w=f weitere Male auf der Heilstatue des Djedher, Z. 57 (mit unklarem Einsatz), 75-76 und 79-80 und ist schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten.

6 ḏd.w: Daressy, 121 hat ḏd.w, gefolgt von einer Lücke. Jelínková-Reymond, 25 hat ḏd.tw ⸮z?.

1.6 (Z. 49-72): Spruchsammlung von mindestens 8 Sprüchen (auf dem linken Arm und dem linken Bein)

Mein Unterarm ist (der des) Heh, die Finger (meiner) Hand sind (die des) Re.1 Wenn das Feuer zur Höhle 〈hinausgeht〉 (oder: gegen die Höhe 〈vorgeht〉),2 wovon nun werden die Götter leben? Dein Haus ist geschützt (oder: Siehe dein Haus!).3 Das Dach ist aus Gold.4 Dein Keller (?; oder: deine Höhle) ist aus schönem Türkis. (Oh) Gift des Re5 und (das) dieses Mannes6 der (Göttin) ...?... bei seinem (d.h. des Re) Erscheinen: Los! Auf den Boden!

Ein anderer Spruch.

Dies ist jener (Finger)nagel des Atum, der Uräus, die Stirnschlange des Re. (Ich) habe Binden auf sie (wen?) gehoben. Ich habe euch (wer?) gezogen auf/über dem, was Chnum anschwellen lassen (oder: ergossen) hat. (Du) ausgeschickter (?), komm! Du hast eine Beschwörung gemacht (?) für diesen Mann, der einen Biss/Stich hat.

Ein anderer Spruch.

Du sollst ausfließen, sḏḥ.w-Schlange! Du sollst ausfließen, Stierschlange! Du sollst ausfließen, Stierschlange! Du sollst ausfließen, {du sollst ausfließen,} sḏḥ.w-Schlange! Die Metallwaffe ist in seinen {beiden} Knochen. Voll ist das Große-Haus, voll ist der große Altar. Feuerbrunst wurde gelegt. Siehe, ich werde sie löschen.

Ein anderer Spruch.

Der Große wurde von einem Skorpion gebissen. Sein Gift (geht) in Richtung auf sein Gesicht (oder: sein Herz?). ... Bringe den Kopf des Horus zu ihm! Stelle die Knochen/Unterschenkel (?) des Osiris für ihn kopfüber (?) hin! Hast du das gegessen, was der, der sein Wasser macht, gegessen hat? Sein Messer (?) ist in Letopolis. Die ꜥb-Schlange wurde von seiner ꜥꜣ-Schlange gebissen. Komme, zerlege für dich das, was du selbst hergestellt hast! Gift der snw-Schlange: Sei kühl! Sei kühl! (Gift der) mꜣ-Schlange(: Sei kühl!) (Gift der) qrf-Schlange(: Sei Kühl!)

Ein anderer Spruch.

Ich habe in den Himmel geschaut und ich habe Re gesehen. Er, er wird dich beschwören! Ich habe zur/in die Erde geschaut und ich habe Geb gesehen. Er, er wird dich beschwören! Oh Re, Oberhaupt! Komme und beschwöre doch! Du hast gesehen, was ich angeschaut habe! (oder: Siehe doch, was ich angeschaut habe!) Ich bin einen Gebissenen/Gestochenen begegnet (?). Ich habe (etwas) getan, indem ich (es) nicht wusste. (??) (oder: Ich spielte den Unwissenden / den Kranken. (??)) Dann wird folglich herauskommen und verbrannt sein (?) das Gift, 〈das〉 prominent im ganzen Körper dieses Mannes 〈ist〉, der einen Biss/Stich hat.

Ein anderer Spruch.

Meine Hand ist an deinem Kopf. Selkis (hat) (ihre) Hände unter deinem Auge, (oh) Majestät des Horus. Möget ihr wiederbeleben diesen Mann, der einen Stich/Biss hat, vor dem Gift jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange, jedes Gifttieres, jedes Skorpions. Er wird leben und wohlbehalten sein 〈wie〉 Horus.

Ein anderer Spruch.

Oh Re, oh Geb, oh Nut, oh Osiris, oh Horus! Möget ihr das Herz dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat, festigen! Möget ihr ihn am Leben erhalten (oder: wiederbeleben), so wie ihr das Herz des Re zur Zeit der Rage (oder: des Machtsmoments) des Nehaher am Leben erhaltet. Möget ihr abwehren das/dieses Gift, das in seinem ganzen Körper ist, so wie ihr abwehrt den Ausfluss des Apophis, der im Körper des Größen Gottes ist. Re ist dein Schutz.

1 ḏbꜥ.w ⸮ḏr.t?=j: Kein einziger Textvertreter (Sockel Chicago OIM 9379; Statue Tyszkiewicz; Statue Turin Cat. 3030) hat ein eindeutiges ḏr.t „Hand“, was Jelínková-Reymond, 30, Anm. (b) für die Statue des Djedher liest (sehr unklar und für die Hand außerdem spiegelverkehrt; nicht gelesen bei Daressy, 116). Auf Statue Turin Cat. 3030 könnte Folgendes stehen mḥ=j m ḥḥ ḏbꜥ.w =j 〈m〉 Rꜥw „Mein Unterarm ist Heh, meine Finger 〈sind〉 Re“. Auf dem Sockel Chicago OIM 9379 ist eine Lesung mḥ=⸮j? m Ḥḥ dbꜥ=j m Rꜥw denkbar. Unbrauchbar ist die Übersetzung von Daressy, 117: „Tu es pris en main par des millions et des myriades pour le grand foyer, vers la retraite dans laquelle vivent les dieux. Jelínková-Reymond, 30 versucht folgende Übersetzung: „Le bras du 〈seigneur〉 des millions (?) d’années (?). La main (?) de Rēꜥ.“ Van de Walle, in: JNES 31, 1972, 77 verzichtet auf eine Übersetzung. Kákosy, Egyptian Healing Statues, 77 hat: „My forearm (?) with millions, (my) fingers (?) (with) millions. The (hand?) of Re.“, aber er erachtet auch eine Interpretation von ḏbꜥ.w als die Zahl „Zehntausende“ für möglich.

2 〈pri̯〉 sḏ.t: sḏ.t ist auf der Statue des Djedher falsch herum geschrieben, mit zunächst dem Determinativ Q7 und erst anschließend dem Kreuz Z9. Unter Rꜥw des vorherigen Satzes wäre noch Platz für pri̯ (I24), aber die Gravur wurde entweder an dieser schwierigen Stelle nicht ausgeführt oder zumindest nicht fertiggestellt. Auf Statue Turin Suppl. 9 und Turin Cat. 3030, fängt der Satz mit pri̯ ḫ.t an (Kákosy, Egyptian healing statues, 48, Z. 2: pri̯ ḫ.t r ṯpḥ.t), auf Sockel Chicago OIM 9379 und Statue Tyszkiewicz mit pri̯ sḏ.t. Der Anfang ist teilzerstört und unverständlich auf Heilstatue Kairo JE 41677.

3 m=k: Kákosy, Egyptian healing statues, 49 übersetzt „Your house is protected“, d.h. er erkennt das Verb mki̯ „schützen“. Auch Daressy, 117 und Jelínková-Reymond, 31 denken an das Verb mki̯ „schützen“.

4 tp m nbw: Kákosy, Egyptian healing statues, 49 übersetzt „The roof is of gold.“ Ein Suffixpronomen scheint auch in den übrigen Textvertretern zu fehlen (Turin Suppl. 9; Turin Cat. 3030, Kairo JE 41677, Sockel Chicago OIM 9379; Statue Tyszkiewicz).

5 mtw.t Rꜥw m ḫꜥ.w=f mj-n ḥr tꜣ: Gleiche Formel bei Djedher in Z. 43-44, 56-57, 75-76 und 79-80. Die Formel erscheint auch noch in einem anderen Spruch auf Heilstatue Neapel 1065 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 129, Z. x+11). Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert m ḫꜥ.w=k bzw. m ḫꜥ.w=f zu m ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Kákosy, 130 (Anm. E) folgt dem (vgl. Kákosy, 50, Anm. F). Es ist jedoch an allen Stellen in allen Textvertretern (z.B. auch auf Socle Béhague, Spruch II, Z. f.3) als m ḫꜥ.w=f vorhanden und schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten. Jelínková-Reymond, 31 übersetzt die Formel als „Le venin de Rēꜥ et de cet homme qui est souffrant est dans son corps.“ Kákosy, 49 versucht unsere Textstelle zu übersetzen mit „(O) venom of Re and of the man in whose body you are (?).“ Klasens, 54 hat „Poison of Rē when rising, come to the earth.“ Unbrauchbar ist die Übersetzung von Daressy: „Le venin pour Râ (était en) cet homme, par Neith et par ses vertus.“ Mit dem „Gift des Re“ ist das Gift der Schlange, die ihn gebissen hat, gemeint (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49, Anm. E).

6 z(j) pn ⸮n,tj?: Siehe Panov 2019, 52, Taf. 2 und Anm. 68 für die verschiedenen Versionen dieses Wortes oder dieser Gruppe. In allen Parallelversionen ist z(j) „Mann“ ohne Determinativ geschrieben und wird vom Demonstrativpronomen pn gefolgt. Auf Sockel Chicago OIM 9379 findet sich z pn n + zwei göttliche Wesen. Statue Turin Suppl. 9 hat vielleicht z p(w)⸮y? ⸮mꜣꜥ.tj? und Statue Turin Cat. 3030 z pn t.... Jelínková-Reymond, 31 Anm. 5 emendiert zu z pn n.tj ẖr dm.wt „cet homme qui est souffrant“, was von Kákosy (S. 77) einmal gefolgt wird, während er an anderer Stelle (S. 49) „(O) venom of Re and of the man in whose body you are (?).“ zu lesen versucht.

1.7: Götterdarstellungen (auf dem linken Oberarm zwischen Ellenbogen und Schulter, 3 Register mit Götterfiguren)

1. Register, 6 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue (d.h. zum Ellenbogen) hin orientiert

1. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott, der ein Krokodil speert: (anonym)
2. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Tatenenkrone und Was-Zepter: (anonym)
3. Götterfigur von links, stehendes Nilpferd, mit vorderer Tatze auf einer zꜣ-Schlaufe: (anonym)
4. Götterfigur von links, stehende Göttin mit unterägyptischer Krone und Papyruszepter: Neith, die Herrin von Sais.
5. Götterfigur von links, löwenköpfige Göttin mit Sonnenscheibe auf dem Kopf und Papyruszepter: (anonym)

2. Register, 6 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue (d.h. zum Ellenbogen) hin orientiert

1.Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Sonnenscheibe und Was-Zepter: Re-Harachte, der große Gott, der den Rebellen niederwirft.
2. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Atefkrone und Was-Zepter (unter der Hand): Horus als(?) der Gerechtfertigte/Triumphator, der Aufseher/Beschwörer der Selkis.
3. Götterfigur von links, menschenköpfiger Gott mit Straußenfeder auf dem Kopf und Was-Zepter: Schu, der Sohn des Atum.
4. Götterfigur von links, menschenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Zepter: Atum, der Herr der Beiden Länder und von Heliopolis.
5. Götterfigur von links, menschenköpfiger Gott mit Doppelkrone und Was-Zepter: Harendotes, der Sohn des Osiris.
6. Götterfigur von links, mumiengestaltiger Gott mit Atefkrone, der Krummstab und Wedel hält: Osiris, der König der Götter.

3. Register, 10 Götterfiguren, zur Vorderseite der Statue (d.h. zum Ellenbogen) hin orientiert

1. Götterfigur von links, stehende Göttin mit Isisthron auf dem Kopf: (anonym)
2. Götterfigur von links, ibisköpfiger Gott mit Atefkrone und Was-Zepter: Thot, der Herr von Hermpolis.
3. Götterfigur von links, Göttin mit einem Skorpion statt eines Kopfes und mit Papyruszepter: Selkis, die Vorsteherin1 (?) der Tapferkeit.
4. Götterfigur von links, schlangenköpfiger Gott mit einer Schlange in jeder Hand: Heka, 〈der Ka〉 (?) des Re.
5. Götterfigur von links, hockende Katze: Mut, die Große, die Herrin von Ischeru.
6. Götterfigur von links, ein Udjatauge: Das große Horusauge.
7. Götterfigur von links, ein Skarabäus: Chepri, der Vater der Götter.
8. Götterfigur von links, falkenköpfiger Gott mit Doppelkrone: Harendotes, der Sohn seines Vaters.
9. Götterfigur von links, stehender Gott mit Doppelfederkrone und langem Mantel, der eine Schlange speert: Onuris,2 der Große, der Apophis schlachtet.
10. Götterfigur von links, laufendes Ichneumon: Das Ichneumon des Re.

1 ⸮ḥr.j(t)? qn.w: Lesung unsicher. Gleiches Epitheton auf der Horusstele, dort ist ḥr.j eindeutig (J-R § 4.g.2.2 = D S. 133.d.2.2). Daressy, 131 hat sḫr(.t) ḫft.j n(.j) Rꜥw gelesen (mit ḫft.j logographisch mit A14A 𓀑 geschrieben). Dabei würde sḫr(.t) dem ⸮ḥr.j(t)? qn.w von Jelínková-Reymond, 37 entsprechen (Riegel-s O34 für Himmelszeichen N1 p.t, Plazenta Aa1 für Hügel N29, Mund D21 für Wasserlinie N35; Kreuz Z9 und schlagender Arm D40 sind identisch) und ḫft.j n(.j) Rꜥw wäre das, was Jelínková-Reymond, 37 als Ḥkꜣ n(.j) Rꜥw liest (mit A14A für/statt F178).

2 ⸮Jni̯?-ḥr.t: Daressy, 132 hat ḥr.j wr šꜥd ꜥ(ꜣ)pp. Jelínková-Reymond, 37 liest Ḥr.j-š=f šꜥd ꜥ(ꜣ)pp. Das erste Zeichen ist rund, das zweite ist nicht als ein Mund erkennbar. Auch š=f ist nicht auf dem Foto identifizierbar. Am Ehesten ist das erste Zeichen ein runder Topf mit Beinchen (Gardiner W25 𓏎). Die Lesung „Onuris“ passt gut zur Ikonographie des Gottes mit langem Mantel und Federkrone, der eine Schlange speert.

3 Ḥkꜣ 〈kꜣ〉 n(.j) Rꜥw: Lesung von ḥkꜣ n Rꜥw nach Jelínková-Reymond, 37. Ob die Pluralstriche ein Fehler für die Ka-Arme mit Ideogrammstrich sein könnten? Daressy, 131 hat ḫft.j n(.j) Rꜥw gelesen (mit ḫft.j logographisch mit A14A 𓀑 geschrieben).

1.8: (Z. 73-98): Konvolut von 7 Sprüchen auf der Perücke

Spruch 1: Die Flamme zum Himmel

Die Flamme zum (oder: gegen den) Himmel! Die spd-Spitze (?) zur (oder: gegen die) Erde! Die spd-Spitze (?) zur (oder: gegen die) Erde!1 Die Flamme zum (oder: gegen den) Himmel! (Oh) Gift des Re bei dessen Erscheinen: Los! Auf den Boden!2 Du sollst ausfließen, du bissige/zischende (?) z-Schlange,3 die ihr Fest in dem Blut feiert, an dem Tag,4 an dem seine Mutter ihn geboren hat. Du bist (?)5 zum Stock geeilt. Du hast (?) die Weiße Krone auf den Scheitel des Chontamenti gepackt. Du sagst (oder: Dir wurde gesagt):6 Du wirst König sein bis in Ewigkeit, ein Horus, der für immer dauerhaft ist. (Oh) Gift des Re bei seinem Erscheinen: Los! Auf dem Boden!

Spruch 2: Oh der, der in seinem Sarg ist

Ein anderer Spruch: Oh (du), der in seinem Sarg ist! Oh (du), der in seinem Sarg ist! Wache auf! Wache auf! Verborgen ist dein Leichnam in Ba〈bylon〉.7 Genannt/ausgesprochen wird dein Name in Heliopolis (und) innerhalb der Nekropolenstadt (von Athribis). (Oh du,) der aus der Lotosblume auf dem hohen Hügel hervorgekommen ist, der die Beiden Länder mit seinen beiden Augen erhellt: Ich kenne deinen Namen, der vor den Menschen verborgen und vor den Göttern geheim ist. Kein einziger Ort, an dem er ist, ist bekannt.8 Re (?) hat es (?) gesagt:9 „Böser“ ist dein Name. „Ausgetrockneter und Böser“ ist dein Name. „Halber Kopf (?)“ ist dein Name. „Wachsamer, dessen Abscheu der Schlummer ist“ ist dein Name. Komme und rette diesen Mann, der eine Biss-/Stichverletzung hat, so wie du dich selbst gerettet hast vor den {drei}〈vier〉 (?)10 Aufrührern/Lärmemachern, die gegen dich im Norden von Unu-Hermopolis vorgegangen sind und die gegen dich in Herwer vorgegangen sind!

Spruch 3: Wenn das Gift zum Herzen des Gebissenen hinauffährt

Ein anderer Spruch: Wenn das Gift hinauffährt zum {Kopf}〈Herzen〉 dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat, dann fährt es hinauf zum Herzen des Re. Wenn es hinaufsteigt zum Herzen dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat, dann steigt es hinauf zum Herzen der Bas von Heliopolis. Es ist der Gott, der mittels seiner Stimme beschwört. Herz einer Meerkatze, Blut eines Widders, Kopf einer Kobra.

Spruch 4: Re ist in Wut

Ein anderer Spruch: Re ist in Wut: Der, der in der Unterwelt ist, ist in den Himmel aufgestiegen. Falle auf den Erdboden! Andere Formulierung: Falle in die Unterwelt! Re ist in Wut, Ptah ist in Wut: Diese Götter, die im Himmel sind, schlafen/liegen in ihren Särgen.

Spruch 5: Wenn der See in Herakleopolis sich auftrennt

Ein anderer Spruch: Wenn der See, der in Herakleopolis ist, sich auftrennt, (dann) ist Osiris in ihm bestattet. (Aber) sein Leichnam ist in der Unterwelt in Theben. (Oh) Amset, Hapi, Duamutef, Qebehsenuef! Das Gift, das in allen Gliedern dieses Mannes ist, der eine Biss-/Stichverletzung hat, soll ausfließen. Los! Auf den Boden!

Spruch 6: Der Zwerg, der sein Wasser schützt

Ein anderer Spruch: Oh Zwerg, der sein Wasser bewacht!11 Oh sein Wasser, das der Zwerg bewacht! O sein Wasser, das der Zwerg bewacht!12 Oh Zwerg, der sein Wasser bewacht! Geschützt ist der Zwerg. Unterarm des Pavians. „gjf-Meerkatze, gjfgjf“ ist der Name des Mondes.

Spruch 7: Das böse Gift soll zurückweichen

Ein anderer Spruch: Nach hinten mit dir! Weiche zurück, oh böses Gift! Mache keine Verletzung13 in irgendeinem Glied dieses Mannes, der eine Biss-/Stichverletzung hat! Er ist (ja) jener Gott, der Herr der Nacht. Das Gift soll keine Macht über ihn haben! (Denn) er ist (ja) Be-Seth (?), der Herr der Dunkelheit, wobei er hinter dem ist, der in die Finsternis gefallen ist. Er ist (oder: ihm gehört) die vierte Stunde, das vierte Udjatauge (oder: die vierte Göttin?), die hohe (Göttin) (?), die erhellt. Es ist Thermouthis in dieser Stunde. 〈Dieser〉 Mann, der eine Biss-/Stichverletzung hat: Er ist Osiris.

1 tꜣ nsr.t: Unter dem Landzeichen (N17 ohne Sandkörner 𓇿 oder N16 mit kleinen Sandkörnern 𓇾) sind Zacken erkennbar, die eher zu einer unvollständigen Wasserlinie n (𓈖) von nsr.t gehören, als stark markierte Sandkörner des Landzeichens N16 (𓈓) sind. Jedoch zeichnet Jelínková-Reymond, 38 drei Sandkörner und Daressy, 121 ein Landzeichen (N21 𓈅) und einen Ideogrammstrich (Z1).

2 mtw.t Rꜥw m ḫꜥ.w=f mj ḥr tꜣ: Gleiche Formel auf der Heilstatue des Djedher Kairo JE 46341 in Z. 43-44, Z. 75-76 (= Textparallele) und Z. 79-80. Die Formel erscheint auch noch in einem anderen Spruch auf Heilstatue Neapel 1065 (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 129, Z. x+11). Jelínková-Reymond, 27, Anm. 4 emendiert m ḫꜥ.w=k bzw. m ḫꜥ.w=f zu m ḥꜥ.w=f: „in seinem Körper“. Kákosy, 130 (Anm. E) folgt dem (vgl. Kákosy, 50, Anm. F). Es ist jedoch an allen Stellen in allen Textvertretern (z.B. auch auf Socle Béhague, Spruch II, Z. f.3) als m ḫꜥ.w=f vorhanden und schon auf dem hieratischen Ostrakon von Deir el-Medina oDeM 1603, Z. 9 als mtw.t Rꜥw m ḫꜥꜥ=f / mj pri̯ ḥr tꜣ vertreten. Jelínková-Reymond, 31 übersetzt die Formel als „Le venin de Rēꜥ (...) est dans son corps.“ Kákosy, 49 versucht entsprechend zu übersetzen mit „(O) venom of Re (...) in whose body you are (?).“ Wir übersetzen wie Klasens, 54: „Poison of Rē when rising, come to the earth.“ Das „Gift des Re“ ist das Gift der Schlange, die ihn gebissen hat (Kákosy, Egyptian Healing Statues, 49, Anm. E).

3 z: Unbekannte Schlangenbezeichnung, geschrieben mit Riegel-z, hockender Person und Schlange. Die hockende Person sieht aus wie das Gottesdeterminativ A40 ohne Bart und ist nicht weiter detailliert (keine Arme, keine Attribute). Auf Statue Turin Cat. 3030 steht z mit der Personenhieroglyphe A1: „Mann“. Eingetragen in LGG 6, 69b als z ohne Übersetzung. Auf der Statue Tyszkiewicz (Panov, Z. 96) steht entweder z n.j mḥ 1(?) „Mann von einer Elle (?)“ oder z n〈f〉ꜥ mit Personendeterminativ A1.
nfꜥ: Die Wurzel nfꜥ mit Messerdeterminativ ist unbekannt. Die Übersetzung ist geraten. In der Lehre des Anchscheschonki (pBM EA 10508, Kol. 20.9) bezeichnet nfj.w das Geräusch einer ḥfꜣ-Schlange (von nfj/nfꜣ „ausatmen; wehen/blasen/schnaufen“). Jelínková-Reymond, 40, Anm. (i), schreibt bei den Hieroglyphen, dass das Messer (T30) für den „schlechten Vogel“ (G37) steht, d.h. sie denkt an das Substantiv nf Wb. 2, 252.1-2 „Böses, Unrechtes“. Aber sie übersetzt (41 mit Anm. 6-7): „serpent-s qui exhale (la flamme)“ (aktives Partizip des Verbs nfj „ausatmen, hauchen“). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 wählt für nfꜥ einen Imperativ „get out“ (71, Anm. E: Kákosy erwartet eigentlich eine Konstruktion nfꜥ ṯw oder nfꜥ ṯn, d.h. er denkt an das Verb nfꜥ mit den Beinchen als Determinativ: Wb. 2, 252.6 „sich eilig davon machen“). LGG IV, 207 verzichtet auf eine Übersetzung. Auf der Statue Tyszkiewicz (Panov, Z. 96) steht entweder z n〈f〉ꜥ mit Personendeterminativ A1 oder z n.j mḥ 1(?) „Mann von einer Elle (?)“ (mit Personendeterminativ A1 am Ende der Gruppe).

4 m hrw: Ist auf der Statue Tyszkiewicz ausgeschrieben und dort fehlt m/n Rꜥw (Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8). Jelínková-Reymond und Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 rekonstruieren ein ursprüngliches snf n.j Rꜥw m hrw msi̯ mw.t=f. Jelínková-Reymond, 41, Anm. 8 erwägt auf der Grundlage der Statue Tyszkiewicz auch eine Deutung als m hrw msi̯ ⸮s(w)? mw.t=f jm=f: „le jour où sa mère l’a mis au monde“. Auf Statue Turin Cat. 3030 steht msi̯.n s(w) mw.t=f jm=⸮{m}〈f〉? (mit m als Fehler für f, oder mit jm als Adverb statt jm=f).

5 〈jw=f〉 r sḫs: Jelínková-Reymond, 42, Anm. 1 emendiert zu 〈jw=f〉 r sḫs n=k und verweist auf die Statue Tyszkiewicz: „Il se précipitera vers toi“ (auf der Statue Tyszkiewicz, Z. 97 steht allerdings auch nur r sḫs n=k, was dann ebenfalls zu 〈jw=f〉 r sḫs n=k emendiert wird). Ähnlich wie auf der Statue des Djedher fehlt jw=f auch auf Statue Turin Cat. 3030; dort fehlt wohl auch r (oder m ist ein Fehler für r). Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71 übersetzt mit einem anderen Verb der Bewegung: „Run away (ḫns) (because of) the spell (?) in order to grasp the White Crown“, aber seine hieroglyphische Kopie von Statue Turin Cat. 3030 lautet eindeutig sḫs n=k. Statt r sḫs n=k wird hier eine Lesung jw sḫs.n=k: „Du bist geeilt“ vorgezogen (auch wenn man bei einem Bewegungsverb eher jw=f sḫs.w erwartet) oder j:sḫs n=k „Beeile dich“ denkbar.
r mdwi̯.t r 〈ḫ〉fꜥ n =k ḥḏ.t: Jelínková-Reymond, 42 übersetzt „〈mais〉 la formule (magique) sera contre lui.“ D.h. sie erkennt jw mdw.t r=f und sie verweist für ihre Übersetzung auf Kol. 119-120 der Statue von Djedher: mdw.wt=k r=s in Spruch A der Horusstelen (dieser Satz steht nicht in der Version der Metternichstele und ist kein gängiger Satz in Spruch A: Altenmüller, in: OMRO 46, 1965, 26 mit Textsynopse). Allerdings ist das anschließende „s’emparer de“ kaum als ꜥḫm zu lesen (so in ihrem Index S. 145), sondern eher 〈ḫ〉fꜥ, wie es tatsächlich auf Statue Turin Cat. 3030 und der Statue Tyszkiewicz (Z. 98) steht, so dass die Lesung r=f von Jelínková-Reymond nicht möglich ist. Das Wort mdw scheint auf Statue Turin Cat. 3030 und der Statue Tyszkiewicz (Z. 98) mit einem Holzdeterminativ versehen zu sein, als ob „Stab“ zu lesen sei.

6 ḏd 〈n〉=k: „Dir wurde gesagt“: Ergänzung der Präposition n nach Statue Tyszkiewicz, Z. 98 (Jelínková-Reymond, 42, Anm. 3). Auf Heilstatue Djedher Kairo JE 46341 und Heilstatue Hor Turin Cat. 3030 steht ḏd=k. Jelínková-Reymond, 42, Anm. 3 (ebenso Kákosy, Egyptian Healing Statues, 71, Anm. G) versteht die Stelle auf der Statue Tyszkiewicz als „Chontamenti, der zu dir sagt: ...“ (mit ḏd als Partizip und n=k als Dativ). Panov 2019, 61 übersetzt unpersönlich „Dir wurde gesagt“.

7 H̱r-ꜥḥꜣ: Laut Jelínková-Reymond, 40, Anm. (m) wurde ꜥḥꜣ (Gardiner D34 VAR) am unteren Ende der Perücke beim Zeilenumbruch vergessen. In der Abschrift von Daressy, 122 ist das Zeichen vorhanden. Jedenfalls ist am Ende der Kolumne ausreichend Platz vorhanden und wurde das Zeichen nur leicht eingraviert.

8 jm=s: Jelínková-Reymond, 39 liest das letzte Zeichen als negative Arme (D35 𓂜) und zieht es zum nächsten Satz n ḏd=j zp. Daressy, 122 liest jm=s mit Riegel-s 𓊃. Einem Foto nach zu urteilen, sieht das Zeichen eher wie z als wie D35 aus und es hat in der Mitte nicht die Erhöhung, die bei n rḫ.tw am Anfang des Satzes gut erkennbar ist. Das würde allerdings voraussetzen, dass bw nb hier als Feminin interpretiert wird.
n.tj jw=f jm=s: Zur grammatische Form (Adverbialsatz mit pronominalem Subjekt in einer Relativkonstruktion), die in der 25. Dynastie auftaucht, aber vereinzelt schon ramessidisch und am Ende der 20. Dynastie belegt ist, vgl. Vernus, in: RdE 41, 1990, 162, Beisp. (37); Winand, La morphologie verbale, 428-439.

9 ḏd s(w) Rꜥw oder n ḏd=j zp: Jelínková-Reymond, 43 übersetzt „je ne dirais jamais“, aber das wäre n-zp ḏd=j. Außerdem sehen die negativen Arme (D35 𓂜) eher wie ein Riegel-s (O34 𓊃) aus und dürfte die Hieroglyphe zu jm=s im vorherigen Satz gehören. Auch erwartet man bei zp die Reihenfolge z (O34 𓊃), p (Q3 𓊪) und Tenne (O50 𓊗), nicht die Reihenfolge z, Tenne, p. Deshalb dürfte mit Daressy, 122 eher „Re“ zu lesen sein.

10 {3}〈4〉: Texte zum selben Thema bei Jelínková-Reymond, 43, Anm. (3) haben die Zahl „4“, bei Djedher steht die Zahl „3“.
j:jri̯ jyi̯: Als periphrastische Umschreibung des Partizips Perfekt erscheint diese Form erst ab der 25. Dynastie (Winand, La morphologie verbale, 359, § 569). Es wird hier kein Partizip Imperfekt sein, das in dieser Form schon viel früher belegt ist (Winand, La morphologie verbale, 361, § 573).

11 s(ꜣ)w mw=f: Daressy, 124 liest zwr „boire“ mit einem Fragezeichen. Jelínková-Reymond, 44, Anm. 9 schließt die Lesung als zwr „trinken“ nicht aus, sie denkt wegen des Determinativs des schlagenden Armes jedoch eher an zꜣw/zꜣu̯ „schützen“ (gefolgt von Servajean). Tatsächlich wird im Titel des Djedher ḥr.j-zꜣ.wtj „oberster Wächter“ das zweite Element immer sw oder swt geschrieben.

12 s(ꜣ)w: Jelínková-Reymond, 40 hat dieses Wort in ihrer hieroglyphischen Umschrift vergessen (richtig bei Daressy, 124) und entsprechend das Nachfolgende anders interpretiert. Jelínková-Reymond, 44 hat „Ô nain! son eau qui protège le nain.“, was zu einer Lesung j nmj mw=f nḏ nmj passt, aber eben nicht zutreffend ist.

13 jmi̯ nkn: Ein ungewöhnlich geschriebener negativer Imperativ (oder ein negativer Infinitiv als Nachfolger des Imperativs?). Vgl. im nächsten Satz jmi̯ sḫm mtw.t jm=f: Ob unsere Stelle zu jmi̯ nkn 〈mtw.t〉 zu emendieren sei?

2.1: (Z. 99): Rückenpfeiler, mittlere Kolumne (nach rechts orientiert)

Der oberste Türhüter des Horus-Chentechtai, der oberste Wächter des Falken in allen seinen Sachen und allen Lieferungen durch jeden Mann des ganzen Landes für diesen Tempel, Djedher/Teos-der Retter/Beschwörer, den Sentaês geboren hat.

2.2: (Z. 100-113): Rückenpfeiler und Torso rechts, Beschwörung von Wassertieren (Text B)

Worte zu sprechen.

Oh alter Mann, der sich zu seiner Zeit verjüngt, (oh) Greis, der als Jugendlicher agiert (wörtl.: den Jugendlichen spielt), mögest du veranlassen, dass Thoth zu mir auf 〈meine〉1 Stimme hin kommt, damit er für mich das Wildgesicht (Neha-her)2 vertreibt. Osiris ist auf dem Wasser; das Horusauge ist bei ihm; der große Flügelskarabäus steht mit gespreizten Flügeln (schützend)3 über ihm.

Erhebt nicht eure Gesichter, (ihr) Wasserbewohner, bis Osiris an euch vorbeigegangen sein wird (oder: so dass Osiris an euch vorbeigehen kann)! (Denn) siehe, er ist auf dem Weg nach Busiris. Sein Schreiten4 ist siegreich/kraftvoll gegen euch. Versperrt wurde euer {Auge} 〈Maul〉, {Sarg/Ankleideraum} 〈blockiert/verstopft〉 wurde euer Schlund! Zurück mit dir, (du) Rebell! Erhebe nicht dein Gesicht gegen Osiris und ebenso (nicht gegen) den, der eine Biss-/Stichwunde hat, so wie die Große (?) in seiner Faust ist.5 Wenn man dem, der eine Biss-/Stichwunde hat, zu nahe tritt, dann tritt man Osiris ebenso zu nahe.

Erhebt nicht eure Gesichter, (ihr) Wasserbewohner, bis Osiris an euch vorbeigegangen sein wird (oder: so dass Osiris an euch vorbeigehen kann)! (Denn) siehe, er ist auf dem Weg nach Busiris. Versperrt wurde {das jy.t-Heiligtum} euer Maul, blockiert/verstopft wurde euer Schlund!6

Zurück mit dir, (du) Rebell! Erhebe nicht dein Gesicht gegen den/d〈ie〉, der/die eine Biss-/Stichwunde hat/hab〈en〉! Sie sind Osiris. Re besteigt7 seine Barke, um die Neunheit von Babylon zu sehen (d.h. zu besuchen?), (während) diese Herren der Unterwelt bereitstehen, dich zu bestrafen.

Falls das Wildgesicht (Neha-her) gegen Osiris vorgeht, wenn er (= Osiris) auf dem Wasser ist zusammen8 mit dem, der eine Biss-/Stichwunde hat, dann sollt ihr (euch) umdrehen und euch auf euren Rücken legen.

Oh (du) jede männliche Schlange, jede weibliche Schlange, jeder Skorpion, jedes Gifttier: euer Maul wurde von Re verschlossen; eure Kehle wurde von Sachmet verstopft/versperrt; eure Zunge wurde von Thoth herausgeschnitten;9 eure Augen wurden 〈von〉 Heka geblendet. Diese Vierzahl jener großen Götter, die den Schutz des Osiris bereiten, sie sind es, die den Schutz dessen bereiten, der eine Biss-/Stichwunde hat, (und den Schutz / d.h.) aller Menschen und allen (Klein)-Viehs, das eine Biss-/Stichwunde hat heute (wörtl.: an diesem Tag).

Der Klang eines heftigen Schreis ist im Haus-der-Neith; ein großes Gejammer ist im Mund des Katers (oder: der Katze); eine hohe/laute Stimme ist im Großen-Haus. Die Götter und Göttinnen sagen „Was ist los? Was ist los?“ bezüglich (?) des Abdju-Fisches bei seiner Geburt.

Ich habe deinen Schritt gehemmt,10 (du) Rebell! Ich bin Chnum, der Herr von Herwer. Hü〈te〉 dich davor, die Verletzung (oder: das Leid) ein zweites Mal zu wiederholen,11 wegen dessen, was mit dir (?) gemacht wurde (oder: was du getan hast) in Anwesenheit der Großen Neunheit! Wende dich doch ab! Weiche doch von mir zurück! (Denn) ich bin Thoth. Hui! Hui!

Oh Re! Bekanntlich hast du den Klang einer (so) heftigen Klage nicht (mehr) gehört seit dem Abend auf jenem Ufer von Nedit.12 Der Tonlaut eines heftigen Schreis war im Mund aller Götter und aller Göttinnen.

Die großen Götter waren in Klage wegen dieses Übels, das du angerichtet hast, (du) Rebell! Du hast Böses angerichtet. Siehe, Re ist zornig13 deswegen, (du) Rebell. Er hat befohlen,14 deine Zerstückelung durchzuführen,15 (du) Rebell. Zurück mit dir, (du) Rebell! Hui, hui! Komm auf den Boden, (du) Gift von jeder männlichen Schlange, jeder weiblichen Schlange und jedem Gifttier, das in jedem Glied dieses Mannes ist, der eine Biss-/Stichwunde hat, heute!

1 ḫrw〈=j〉: Das Suffixpronomen wurde nicht geschrieben. Der Mann mit der Hand am Mund (A2) ist Determinativ von ḫrw, wie aus Z. 108 erkennbar, und kein Fehler für Hieroglyphe A1.

2 Nḥꜣ-{Rꜥw}〈ḥr〉: Ein Kreis wurde statt eines Gesichts eingraviert.

3 pš{.t}: Die beiden letzten Hieroglyphen von pšš und die von =f wurden zunächst nach rechts orientiert eingraviert und anschließend korrigiert. Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 47 gibt ein Kreuz (Z9) als Determinativ an und das quadratische Zeichen sieht nach der Korrektur auch einigermaßen wie ein Kreuz aus, aber Daressy hat sicher Recht, dass ursprünglich die Beinchen (D54) eingraviert waren (Photo Dils).

4 nmt(.t): In den wenigen Parallelversionen, die an dieser Stelle einen Satz einfügen, steht ḏr.t=f „seine Hand“ oder jr.t=f „sein Auge“ (s. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 113 und 175; in CG 9402 wird gegen Gutekunst und Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 52 Anm. 3 jr.t=f „sein Auge“ und nicht jri̯.t=f „er handelt“ zu lesen sein). Entsprechend wird nmt/nmt(.t) das Substantiv „das Schreiten, der Schritt“ und nicht das Verb „schreiten“ sein (anders Jelínková-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 52: „Il progresse avec puissance contre vous.“).

5 mj wr.t m ḫfꜥ=f: Dieser Satz findet sich, wenn er im Text steht, hinter ꜥpy wr pš ḥr=f (s. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 157 und 298-305 für die Erklärung).

6 šr(j) {jy.t}: Mit den Hieroglyphen t und Haus (pr) sind überflüssige Zeichen vorhanden und man bekommt den Eindruck, dass der Schreiber an das jy.t-Heiligtum bei Letopolis gedacht hat.

7 ṯsi̯: Das Determinativ wird nicht der jwn-Pfeiler (O28) sein (so jedoch Daressy und Jelínová-Reymond), sondern die senkrechte Stange der Waage ohne den Haken oben (U39A ohne Haken), denn das Zeichen ist nicht ganz symmetrisch, wie man es für den jwn-Pfeiler erwarten würde.

8 ḥnꜥ: Kurth, Einführung ins Ptolemäische, I, 253, Nr. 83: Der Lautwert der Ente (G38 oder G39) als ḥn(ꜥ), der auch in Wb. 3, 110 verzeichnet ist (s. DZA 26.928.600, DZA 26.928.650), wird erklärt als eine Variante der herabschwebenden Ente (G40 und G41) mit Lautwert ḫni̯, einer Verwischung der Lautgrenzen zwischen und und einer Reduzierung des schwachen Konsonants (vgl. kopt. ϩⲛ) (Kurth, Einführung ins Ptolemäische, I, 528, § 22.2). Die Lesung ḥnꜥ an dieser Stelle schon bei Sethe, in: ZÄS 57, 1922, 152. Die Ente mit dem Lautwert ḥnꜥ findet sich oft in den biographischen Inschriften auf dem Sockel der Heilstatue.

9 šꜥ oder šꜥd: Auf der Statue des Djedher ist kein phonetisch ausgeschriebenes d vorhanden (anders auf der Metternichstele). Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 153 (Index) liest entsprechend šꜥ. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 196-197 und 199 differenziert nicht und liest überall šꜥd.

10 nḥm: Mit Daressy, 127 und gegen Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 48 ist nḥm und nicht nmt (Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 148 Index s.v. nmt, nicht s.v. tnm) zu lesen (Photo Dils), es sei denn, man geht von einem Fehler aus und emendiert. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 217 erwägt neben nmt auch noch tnm (s. Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 54, Anm. 4 für tnm und stnm). Die von Gutekunst aufgelisteten Parallelen für nḥm bestätigen die Lesung hier auf der Statue des Djedher, auch wenn das Determinativ der Beinchen (D54) unerwartet ist.

11 zꜣ.wtj tw m wḥm: Normalerweise findet sich zꜣu̯ r wḥm (Gutekunst, Textgeschichtliche Studien, 219-220. Entweder wird hier die Präposition m statt r verwendet (Belege in Wb. 3, 417.17), oder m ist der Vetitiv.

12 Derselbe Text steht ein weiteres Mal auf der Statue, im Wasserbassin auf dem Sockel (Z. 134-135: Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 69).

13 ḫꜥr: Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 55 übersetzt „Voilà Rēꜥ qui apparaît contre ... à cause de cela.”, d.h. ḫꜥi̯ r ..., aber die verschiedenen Handschriften machen klar, dass das Verb ḫꜥr und nicht ḫꜥi̯ + r „erscheinen“ vorliegt. Laut Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 229 findet sich diese Formulierung nur auf der Statue des Djedher, während alle übrigen Handschriften m=k Rꜥw nšni̯ ḫꜥr ḥr=s haben.

14 {⸮nḏ?}〈wḏ〉 =f: Die erste Hieroglyphe ist misslungen, aber ob mit Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 49 wirklich Aa27C oder Aa27D vorliegt, ist unklar (Photo Dils). Der Kopf der Keule sieht wie ein Kreuz aus, so dass man fast Z11B hat.

15 r jri̯: Mit Daressy, 127 und gegen Jelínová-Reymond, Djed-Ḥer-le-sauveur, 49 ist r jri̯ und nicht zweimal r zu lesen (Photo Dils). Die Konstruktion wḏ + r + Infinitiv findet sich laut Wb. 1, 394.15 erst ab der Spätzeit. Gutekunst, Textgeschichtliche Studien zum Verjüngungsspruch, 230 listet diese Variante nicht auf, sondern hat nur wḏ + passives sḏm=f.

2.3: (Z. 114-122): Rückenpfeiler und Torso links