Biographische Inschrift des „Uhrmachers“ Amenemhet

Metadaten

Schlagwörter
Aufbewahrungsort
Europa » Deutschland » (Städte A-G) » Berlin » Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, (unbekannt)

Die biographische Inschrift des Amenemhet (Jmn-m-ḥꜣ.t) wurde in Theben in Grab C. 2 gefunden, dessen genaue Verortung auf dem Hügel von Scheich Abd el-Qurna heutzutage unklar ist (s.u. Herkunft). Ein kleiner Ausschnitt der Kol. 2–5 wurde 1899 in das Ägyptische Museum in Berlin gebracht, wo er unter der Inv.-Nr. 14470 zu finden ist (von Lieven 2016, 207; Urk. IV, 42.1–7). Ein Abklatsch dieses Ausschnitts wird unter Nr. 1193 in den Archiven des Wörterbuchprojektes (jetzt: Akademievorhaben „Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache“ in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) aufbewahrt (Köpstein 1994, 32–35).

Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Ein kleiner Teil der im Grab gefundenen Inschrift wurde 1899 in das Ägyptischen Museum Berlin gebracht und unter der Nr. 14470 inventarisiert (Inv.-Nr. bei Borchardt 1920, Taf. 18 fälschlicherweise 14476). Angekauft wurde der Steinblock, der die unteren Enden der Kol. 2–5 umfasste, von Dr. Karl August Reinhardt in Luxor, vermutlich im Kunsthandel. Darauf deuten die rechteckige Form und der gewählte Ausschnitt hin, die an andere für den Verkauf im Kunsthandel aus der Wand gesägte Reliefblöcke erinnern. Bereits vor dem Ankauf hatte er am 6. Juli 1898 einen Abklatsch anfertigen lassen und diesen nach Berlin geschickt (Köpstein 1994, 60: Abklatsch-Nr. A 1193 mit Erstellungsdatum), sodass darüber entschieden werden konnte, ob das Objekt für das Museum von Interesse war (Köpstein 1994, 19; Köpstein 1996, 39). Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Inschriftenausschnitt im Jahr 1943 mit vielen anderen Stücken in das Schloss Sophienhof in der Nähe von Waren in Mecklenburg ausgelagert. Infolge der Zerstörung des Schlosses im April 1945 wurde der Reliefblock trotzdem schwer beschädigt, sodass heute nur noch ein Teil der Kartusche des Ahmose in Kol. 4 erhalten ist (von Lieven 2016, 207–209 mit Fig. 1; Anthes 1952, *3*–*4*). Der Abklatsch hingegen hat den Krieg unbeschadet überstanden (von Lieven 2016, 208–209 mit Fig. 2).

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben » westliches Ufer » Scheich Abd-el-Gurna

Im Februar 1885 entdeckten einige Bauern aus der Umgebung auf der Hügelspitze bei Scheich Abd el-Qurna in Richtung el-Asasif blickend die Überreste einer Grabstätte (Schiaparelli 1892, 201), die später von Porter und Moss als Grab C. 2 inventarisiert wurde (d.h. das 2. Grab unbekannter Lokalisierung auf dem Hügel von Scheich Abd el-Qurna). Die einzige Beschreibung des schon damals sehr zerstörten Grabes liefert Ernesto Schiaparelli, der das Grab zusammen mit Wladimir Golenischeff begutachtete. Schiaparellis Darstellung nach handelte es sich um ein Grab bestehend aus zwei in den Felsen gehauenen Kammern, die parallel zueinander angeordnet und durch einen Gang miteinander verbunden waren. Die erste Kammer sowie die linke Wand und die Decke des Ganges waren zur Zeit des Besuchs von Schiaparelli gänzlich zerstört. In der zweiten Kammer befand sich laut Schiaparelli ein Relief, in dem der Verstorbene einen Stierkampf beobachtete. Weiterhin war in dieser Kammer ein hieroglyphischer Text verortet, der sich als biographische Inschrift herausstellte. Diese 16-spaltige Hieroglypheninschrift war im oberen Bereich zu zwei Dritteln zerstört und schwer zu lesen (Schiaparelli 1892, 201). Der Name des Grabbesitzers Amenemhet ist in der Inschrift selbst nicht erhalten, sondern geht auf eine Notiz von Golenischeff zurück (s.u. Bearbeitungsgeschichte), die auf einer anderen Inschrift im Grab basieren muss (vielleicht die Stierkampfszene). In Kol. 3 der Autobiographie wird lediglich der unvollständige Titel „sr m ḥꜣ.t […]“ („ein Nobler an der Spitze [...]“) genannt, aber es ist nicht eindeutig, ob sich der Titel auf Amenemhet oder aber eventuell dessen Vater bezieht (von Lieven 2016, 220). Die Darstellung von zwei Fischen zwischen Lotospflanzen in den Notizen von Golenischeff könnten zu einer Jagdszene im Papyrusdickicht gehört haben (von Lieven 2016, 215–217).

 

Die genaue Lage des Grabes ist heute unbekannt. Laut Porter und Moss ist das Grab in Theben auf dem nördlichen Hang „probably just north of tomb 61“ zu lokalisieren (PM I/1, 457, Nr. C. 2). In einer Untersuchung zur thebanischen Nekropole stellte Friederike Kampp die Hypothese auf, dass es sich bei dem von ihr als Grab. Nr. -20- bezeichneten Grab um C. 2 handeln könnte (Kampp 1996, 139, Tab. 75; 618). Diese Erwägung könnte auf die Überlegungen zur Lage von Porter und Moss zurückgehen, denn das Grab Nr. -20- liegt in Scheich Abd el-Qurna im Bereich der oberen Umrandung unmittelbar rechts (= nördlich) von TT 61 (Kampp 1996, Plan III: Scheich Abd el-Qurna II, E–F 3). Kampp beschreibt es als Saff-Grab des Mittleren Reiches, das in der frühen 18. Dynastie wiederverwendet wurde, genauer gesagt unter Ahmose, falls es mit C.2 identisch ist (Kampp 1996, 632, 634). Als Indizien für eine solche Identifikation nennt sie neben der Lage des Grabes die Fassade sowie den Innenraum desselben. Die von Schiaparelli beschriebene Wanddekoration konnte von Kampp nicht identifiziert werden, aber da der Innenraum zum Großteil verschüttet ist, schließt sie nicht aus, dass die ehemalige Dekoration nicht doch noch zu finden ist (Kampp 1996, 634). Gegen die Identifizierung von Kampp spricht, dass Schiaparelli (1892, 203) die vordere Kammer als gänzlich und den Gang als weitestgehend zerstört beschreibt („non rimaneva più alcun vestigio della prima camera nè della parete sinistra e del soffitto del corridojo“). Dies passt nicht zum Erhaltungszustand des Grabes Nr. -20-, wie in Abb. 529 von Kampp dargestellt (Kampp 1996, 633, Fig. 529), laut der zwei Kammern (die vordere mit Pfeilern) sowie ein Gang mit Nischen, der die beiden Kammern verbindet, erhalten sind.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 18. Dynastie » Thutmosis I. Aacheperkare

Amenemhet lebte unter den Pharaonen Ahmose, Amenhotep I. und Thutmosis I.  Aus der Inschrift geht hervor, dass er 10 Jahre unter Ahmose I. (Kol. 4) und 21 Jahre unter dem „gerechtfertigten“ Amenhotep I. (Kol. 5) lebte. Letzteres ist ein typisches Attribut für Verstorbene, was darauf schließen lässt, dass er Amenhotep I. wohl überlebte. Von Thutmosis I., dessen Regierunszeit(anfang) er demzufolge ebenfalls miterlebt haben muss, wird in dem erhaltenen Text nichts erwähnt, woraus von Lieven schließt, dass der Text nicht komplett erhalten ist (von Lieven 2016, 221).

Textsorte
Inschrift » Biographische Inschrift
Inhalt

Die in 16 Kolumnen erhaltene biographische Inschrift des Amenemhet wird in der Forschung meist inhaltlich in drei Teile aufgeteilt (Popko 2006, 184f.; gegen eine Dreiteilung Brunner 1956, 325).

Kol. 1–2: militärische Gegebenheiten
Kol. 3–5: Einordnung des Lebens des Amenemhet in den Gesamtkontext
Kol. 6–16: Amenemhets wissenschaftliche Arbeit

In den ersten beiden Kolumnen geht es um außerägyptische Handlungen eines Pharaos, dessen Name nicht erhalten ist. Namentlich wird hier (das Königreich von) Mitanni erwähnt, der bislang frühste Beleg für diese Macht des Alten Orients (Brunner 1956; Belmonte/Lull 2023, 169).

Danach folgt in drei Kolumnen eine Beschreibung der Lebensspanne des Amenemhet, der dadurch in die Zeit der Pharaonen Ahmose I. bis Thutmosis‘ I. eingeordnet werden kann.

Den größten Teil (Kol. 6–16) der Inschrift macht die Beschreibung seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten aus. Besonders für die Erfindung einer Uhr wird er von Pharao Amenhotep I. gelobt (Kol. 6). Um dessen Gunst zu gewinnen, hat Amenemhet zuerst alle Schriften durchgearbeitet, die ihm zur Verfügung standen (Kol. 7). So scheint er herausgefunden zu haben, dass die Nachstunden in Sommer und Winter unterschiedlich lang sind (Kol. 8). Hierbei ist unklar, ob er selbst die Schlüsse aus den Aufzeichnungen gezogen hat oder ob in den Schriften bereits festgehalten war, dass die Nachtlängen unterschiedlich waren (von Lieven 2016, 221). Es folgt eine Beschreibung, die die Götter Re und Nechbet beinhaltet, wobei letztere ein ꜥnḫ-Zeichen und ein wꜣs-Szeper in ihren Händen hält. Die Meinungen gehen auseinander, ob es sich hier um eine Beschreibung sich bewegender Figuren eventuell durch Schnüre (?) (Sethe 1920, 114–115, Anm. 3; Quack 2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3.; von Lieven 2016, 224–226; Belmonte/Lull 2023, 170–171) oder um eine Beschreibung der Dekoration einer Wasseruhr handelt (Borchardt 1920, 62; Clagett 1995, 459; Popko 2006, 181 mit Anm. 94). Es folgen die Beschreibungen der Herstellung eines mrḫy.t-Gerätes, ein astronomisches Gerät zur Bestimmung der Zeit, sowie einer Wasseruhr. Dabei wird betont, dass beide Geräte/Uhren die Zeit immer richtig anzeigen. Umstritten ist, ob im gesamten letzten Abschnitt von der Erfindung einer Auslaufwasseruhr die Rede ist (Borchardt 1920, 62; Clagett 1995, 457–458; Popko 2006, 184; Belmonte/Lull 2023, 168 und 171) oder von der Herstellung einer Wasseruhr und eines mrḫy.t-Gerätes (Spalinger 1996, 73). Eine weitere Interpretation des Testes ist, dass von drei unterschiedlichen Dingen berichtet wird: der Erfindung einer Kunstuhr mit beweglichen Figuren sowie der Verbesserung sowohl einer Schattenuhr als auch einer Wasseruhr (Quack 2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3.). Letztendlich könnte es sich auch um eine Superuhr handeln, die sich aus den drei vorhergenannten Elementen zusammensetzt (von Lieven 2016, 228–229).

Wegen des Inhalts des größten Teils der Inschrift wird Amenemhet u.a. der „Hofastronom und Mechaniker Amenophis‘ I.“ (Sethe 1920, 115, Anm. 3), der „Uhrmacher“ (Helck 1975, 110) und der „Meisteringenieur“ (Quack 2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3) genannt.

Material
Nicht Organisch » Stein » Sandstein
Objekttyp
Architektur » Gebäude & Konstruktionen » Grab » Felsgrab
Objektteil
Wand
Technische Daten

Maße: Das Fragment der 16 Kolumnen umfassenden Inschrift, das 1899 nach Berlin kam, maß 33,5 cm in der Breite und 19 cm in der Höhe (von Lieven 2016, 207). Auf Grundlage des erstellten Abklatsches sowie der erhaltenen Reste des Originals versuchte Alexandra von Lieven eine Rekonstruktion der Größe der Inschrift. Laut von Lieven hat jede Textkolumne eine ungefähre Breite von 7–7,5 cm und jede Trennlinie zwischen den Kolumnen eine Breite von 8–9 mm, wodurch sie auf eine ungefähre Breite der Inschrift von ca. 1,30 m kommt. Basierend auf Schiaparellis Annahme, die Kolumnen 14–16 seien fast vollständig erhalten (Schiaparelli 1892, Notiz auf seiner hieroglyphischen Abschrift), hat von Lieven die Höhe der Inschrift anhand der Kartuschen abgeleitet. Die Höhe der Kartusche des Ahmose beträgt 11,5 cm (Kol. 4), diejenige Amenophis’ I. beträgt 11,8 cm (Kol. 5). Dadurch ergibt sich ihrer Schätzung nach eine Gesamthöhe der abgeschriebenen Inschrift von ca. 1,05–1,10 m (von Lieven 2016, 208). Welche hieroglyphische Abschrift sie für ihre Berechnung verwendete, ist unklar. Andere Bearbeiter gehen davon aus, dass die abgeschriebenen Hieroglyphen nicht die komplette Höhe der Inschrift umfassen, und ergänzen oberhalb von Kol. 15 noch ca. 3-5 Schriftquadrate (Popko 2006, 184; Helck 1975, 112; Borchardt 1920, 61).

 

Material: Die Inschrift ist als erhabenes Relief aus Sandstein herausgearbeitet worden. Farbe ist auf dem Fragment und dem Abklatsch nicht erhalten. Die Wahl des Materials ist insofern bemerkenswert, als das natürlich vorkommende Gestein in Scheich Abd el-Qurna Kalkstein und nicht Sandstein ist (von Lieven 2016, 208). In das Felsgrab des Amenemhet scheint demnach mindestens eine Wand aus Sandstein eingezogen worden zu sein, möglicherweise weil die eigentlichen Felswände von schlechter Qualität gewesen sind (von Lieven 2016, 208–210). Diese Hypothese wird gestützt durch die Gesteinsschichten der Innenräume des Kamppschen Grabes Nr. -20-, das möglicherweise mit Grab TT C. 2 zu identifizieren oder zumindest in der Nähe von C. 2 zu verorten sein könnte (von Lieven 2016, 210). Die Innenräume jenes Grabes sind hauptsächlich aus bröseligem, nicht sehr widerstandsfähigem Konglomeratgestein (Kampp 1996, 634).

Schrift
Hieroglyphen » reguläre Hieroglyphenschrift
Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch

Die Verwendung der Partikel jw als satzinitialer Marker (jw jri̯.n(=j) (Kol. 14 und 15)), der Infinitiv mit t-Endung (u.a. Kol. 7 m šdi̯.t), das kontingente Tempus in der Form hꜣi̯.ḫr (Kol. 13), sowie die Verwendung des Dualsuffixes (Kol. 10) =snj, sprechen dafür, dass der Text in Mittelägyptisch verfasst ist.

Bearbeitungsgeschichte

Nach der Auffindung des Grabes 1885 haben sowohl Schiaparelli als auch Golenischeff Abschriften des biographischen Textes angefertigt (Schiaparelli 1892, 201). Seine Abschrift sowie Interpretation hat Schiaparelli 1889 erstmals auf dem 8. Internationalen Orientalistenkongress vorgestellt. Eine kurze Beschreibung des Grabes und Übersetzung einiger Kolumnen publizierte er 1892 in einem zugehörigen Kongressband. Seiner Meinung nach beschrieben die Kol. 6–8 möglicherweise eine Sonnenfinsternis (Schiaparelli 1892, 207), dies stellte sich später jedoch als Fehlinterpretation heraus (Borchardt 1920, 60).
Golenischeff hat seine eigene Abschrift nie publiziert, Kopien der Seiten 452–454 seines Notizbuches sind aber von Alexandra von Lieven 2016 veröffentlicht worden (von Lieven 2016, 214–216, Fig. 5–7). Nur aufgrund der Überschrift auf Seite 454 seines Notizbuches sind der Name des Grabherren Jmn-m-ḥꜣ.t sowie seine Titel jrj-pꜥ.t, ḥꜣ.tj-ꜥ und ḫtm.w bj.tj überliefert, die in der Inschrift anderweitig nicht erhalten sind (von Lieven 2016, 216–217).
Das Bruchstück in Berlin (Inv.-Nr. 14470) wurde von Kurt Sethe in seine Bearbeitung der Urkunden aufgenommen (Urk. IV, 42, 1–7). In der Erstedition bringt er das Objekt noch nicht mit dem Grab des Amenemhet in Verbindung. Dies ist erst in der überarbeiteten Auflage von 1927 geschehen, vermutlich, da Golenischeff Sethe im Jahr 1910 (Borchardt 1920, 60, Anm. 2) auf diese Grabinschrift hinwies und ihm seine Abschrift gab, die laut Sethe vielfach von der von Schiaparelli publizierten abweiche (Sethe 1920 II, 29 mit Anm. 2). Sethe selbst behandelte 1920 nur einen für ihn relevanten Teil des Textes. In den Kol. 12–14 sah er die Beschreibung eines Mechanismus mit sich bewegenden Figuren (Sethe 1920 III, 114–115 mit Anm. 3).
Eine umfassende Neuedition veröffentlichte Ludwig Borchardt 1920. Sethe hatte ihm zuvor die Abschrift von Golenischeff zur Verfügung gestellt, sodass sich Borchardts Übersetzung und Interpretation, die ebenfalls zum Teil auf Sethe zurückgehen, von Schiaparelli deutlich unterscheiden (Borchardt 1920, 60 mit Anm. 2; von Lieven 2016, 213, Fig. 4). In seiner Bearbeitung des Textes fokussierte Borchardt sich darauf, zu verdeutlichen, dass kein, wie von Sethe angedachter, Mechanismus beschrieben wird, sondern das äußere Erscheinungsbild einer Wasseruhr, die der „Auslaufuhr I (Kairo)“ ähnlich gewesen sein müsse (Borchardt 1920, 62). Dabei handelt es sich um die Wasseruhr Kairo JE 27525, die 1904 in der Cachette von Karnak gefunden wurde und die in die Zeit des Pharaos Amenhotep III. datiert (Nelson – Leblanc 1976, 139; Gautschy 2020, 87–88).
Der vordere Teil der Inschrift findet weiterhin Erwähnung in einem Artikel von Hellmut Brunner 1956, der die zeitgeschichtlich sehr frühe Erwähnung von Mitanni in den Mittelpunkt seiner Untersuchung stellt (Brunner 1956, 327).
Wolfang Helck behandelte den Text „aus dem thebanischen Grab des Uhrmachers  Jmn-m-ḥꜣ.t“ in seiner Arbeit zu historisch-biographischen Inschriften der 2. Zwischenzeit und neue Texte der 18. Dynastie (Helck 1975, 110). Seine hieroglyphische Wiedergabe basiert auf der Publikation von Borchardt, wobei er den Text an einigen Stellen um große Teile ergänzt, die allerdings nur auf Mutmaßungen beruhen.
Eine Wiedergabe der letzten drei Kolumnen bietet von Mackensen 1978, der sich dabei an Borchardt orientiert. Der Fokus seines Artikels liegt auf der Berechnung der Genauigkeit altägyptischer Wasseruhren.
In einer Übersetzung in die englische Sprache, die ebenfalls weitestgehend auf Borchardt und Sethe beruht, liegt der Text bei Marshall Clagett vor. Auch bei ihm steht die Funktionsweise der Uhr im Vordergrund, die er ebenfalls mit der Wasseruhr in Kairo (JE 37525) vergleicht (Clagett 1995, 461).
Einen Teil der Inschrift des „Meisteringenieur[s] Amenemhet“ bespricht Joachim Quack in einem Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3 seiner unpublizierten Habilitationsschrift (Quack 2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3). Eine Transkription und Übersetzung gibt er nur von einzelnen Passagen der Kol. 10–16, sofern sie seiner Argumentation dienlich sind, die zum einen Sethes Ansicht aufgreift, der Text beschreibe in den Kol. 10–14 eine „Spieluhr bzw. eine[n] Automaten mit beweglichen, mechanisch angetriebenen Figuren“ (Quack 2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3). Zum anderen plädiert er dafür, dass der erhaltene Text insgesamt drei verschiedene von Amenemhet hergestellte Gerätschaften beschreibt.
Lutz Popko behandelt den Text 2006 unter autobiographischen Aspekten und hebt Amenemhet als Forscherpersönlichkeit hervor (Pokpo 2006, 185), während Michel Dessoudeix 2010 die Grammatik des Textes innerhalb eines Lehrbuchs für Studierende analysiert. Beide stellen die Erkenntnis des Grabherrn heraus, dass die Nachtstunden im Jahr in ihrer Länge variieren (Popko 2006, 185; Dessoudeix 2010, 215).
Eine detaillierte Bearbeitung wurde 2016 von Alexandra von Lieven vorgelegt, die sich mit dem Gesamtkonzept der Uhr befasst, hierbei v.a. mit dem Mechanismus des beschriebenen Instruments. Sie folgt der Meinung von Sethe und Quack, mit Verweis auf seine unpublizierte Habilitationsschrift, dass in der Inschrift sich bewegende Figuren beschrieben werden und nicht, wie von Borchardt angedacht, die äußere Dekoration der Uhr (von Lieven 2016, 218–219, 224–226). In ihrem umfangreichen Kommentar präsentiert sie außerdem die Ergebnisse einer ausführlichen Recherche zur Forschungsgeschichte des Textes.
In einem Sammelband zur Thematik der Zeit in antiken Kulturen stellt Marco Stockhusen 2020 die Inschrift als Quelle unter dem Aspekt der Zeitmessung steckbriefartig vor und gibt, basierend auf der Abbildung von Borchardt, eine Transkription sowie eine Übersetzung der Kol. 6–16 (Stockhusen 2020, 56).
Juan Antonio Belmonte und José Lull widmen 2023 in ihrem Kapitel zu Uhren (genauer Wasseruhren) einige Seiten (167–172) der Autobiographie des Amenemhet und analysieren dort vorrangig die Kol. 7–16. Sie orientieren sich dabei an von Lieven 2016 und kommen deshalb zu einem ähnlichen Fazit, nämlich, dass es sich bei dem beschriebenen Gerät um eine besondere Wasseruhr gehandelt haben muss.

Editionen

- E. Schiaparelli, Di un’ iscrizione inedita del regno Amenofi I., in: Actes du 8me congrès international des Orientalistes tenu en 1889 à Stockholm et à Christiania, 4me partie (Leiden 1892) 201–208. [H, tlw. Ü, tlw. K] (Zugriff 27.03.2026).
- K. Sethe, Urkunden der 18. Dynastie, I: Historisch-biographische Urkunden, Heft 1: Zeit der Hyksosvertreiber und ihrer ersten Nachfolger (Leipzig 1906). (= Urk. IV) [tlw. H]
- K. Sethe, Die Zeitrechnung der alten Aegypter im Verhältnis zu der der anderen Völker, II: Jahr und Sonnenlauf, III: Einteilung des Tages- und des Himmelskreises, in: Nachrichten von der Akademie der Wissenschaften in
Göttingen: Philologisch-Historische Klasse (Göttingen 1920), 29, 51–52, 115. [tlw. Ü, tlw. K]
- L. Borchardt, Die Ägyptische Zeitmessung (Berlin – Leipzig 1920), 60–63, Taf. 18. [H, Ü]
- H. Brunner, Mitanni in einem ägyptischen Text vor oder um 1500, in: Mitteilungen des Instituts für Orientforschung 4, 1956, 323–327. [tlw. H, tlw. Ü, tlw. K]
- L. von Mackensen, Neue Ergebnisse zur ägyptischen Zeitmessung. Die Inbetriebnahme und Berechnung der ältesten erhaltenen Wasseruhr, in: Alte Uhren 1 (1978), 13–18. [tlw. Ü]
- W. Helck, Historisch-biographische Texte der 2. Zwischenzeit und neue Texte der 18. Dyn., Kleine ägyptische Texte 6.1 (Wiesbaden ²1983), 110–112. [Ü]
- M. Clagett, Ancient Egyptian Science, II: Calendars, Clocks, and Astronomy, Memoirs of the American philosophical Society 214 (Philadelphia 1995), 457–462. [Ü, K]
- J. F. Quack, Beiträge zu den ägyptischen Dekanen und ihrer Rezeption in der griechisch-römischen Welt, unpublizierte Habilitationsschrift (Berlin 2002), Exkurs zu Kap. 1.2.3.3. [tlw. T, tlw. Ü]
- L. Popko, Untersuchungen zur Geschichtsschreibung der Ahmosiden- und Thutmosidenzeit, Wahrnehmung und Spuren Altägyptens. Kulturgeschichtliche Beiträge zur Ägyptologie 2 (Würzburg 2006), 179–185. [T, Ü, K]
- M. Dessoudeix, Lettres égyptiennes. La naissance du Nouvel Empire de Kamosis à Thoutmosis II (Arles 2010), 207, 209–220. [H, T, Ü, K]
- A. von Lieven, The Movement of Time: News from the "Clockmaker" Amenemhet, in: R. Landgráfová – J. Mynářová (Hrsg.), Rich and Great: Studies in Honour of Anthony J. Spalinger on the Occasion of His 70th Feast of Thot (Prag 2016), 207 – 231. [H, T, Ü, K, P, Abklatsch]
- M. Stockhusen, Die Grabinschrift des „Uhrmachers“ Amenemhet, in: R. Färber – R. Gautschy (Hrsg.), Zeit in den Kulturen des Altertums. Antike Chronologie im Spiegel der Quellen (Köln 2020), 55–63. [tlw. H, tlw. T, tlw. Ü, tlw. K]
- J. A. Belmonte – J. Lull, Astronomy of ancient Egypt: a cultural perspective. With contributions by Terry Mahoney. Historical & Cultural Astronomy (Cham 2023), 167–172. [tlw. H, tlw. T, tlw. Ü, tlw. K]

Literatur zu den Metadaten

- Anthes, Über das Ägyptische Museum zu Berlin während der Jahre 1939/1950, in: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 102, 1952, *1*–*4*.
- Gautschy, Eine Wasseruhr aus der Zeit Amenophis III., in: R. Färber – R. Gautschy (Hrsg.), Zeit in den Kulturen des Altertums. Antike Chronologie im Spiegel der Quellen (Köln 2020), 87–94.
- Kampp, Die thebanische Nekropole. Zum Wandel des Grabgedankens von der XVIII. bis zur XX. Dynastie, Theben 13 (Mainz 1996).
- Köpstein, Das Abklatscharchiv beim Wörterbuch der ägyptischen Sprache 1, Mitteilungen Wörterbuch der ägyptischen Sprache 3 (Berlin 1994). (Zugriff 27.03.2026)
- Köpstein, Das Abklatscharchiv beim Wörterbuch der ägyptischen Sprache 2, Mitteilungen Wörterbuch der ägyptischen Sprache 5 (Berlin 1996). (Zugriff 27.03.2026)
- Nelson – C. Leblanc, La clepsydre de Karnak, in: C. Desroches-Noblecourt (Hrsg.), Ramsès le Grand (Paris 1976), 139–149.
- Porter – R. L. B. Moss, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings, I: The Theban Necropolis, Part 1: Private Tombs (Oxford 21960).
- Sethe, Urkunden der 18. Dynastie, I: Historisch-biographische Urkunden, Heft 1: Zeit der Hyksosvertreiber und ihrer ersten Nachfolger (Leipzig 21927). (= Urk. IV).

Autoren
Johanna Ullmann, M.A.
Autoren (Metadaten)
Johanna Ullmann, M.A.

Übersetzung und Kommentar

Biographische Inschrift des „Uhrmachers“ Amenemhet

Militärische Gegebenheiten (Kol. 1–2)

[Kol. 1] […]1 Mittani, […] wird es genannt. (wörtl.: wird in Bezug auf es gesagt.) Die Feinde […]2 Der Tadel [seiner] Majestät in diesem Fremdland, als Vergeltung des Unrechts/Bösen machte er ihn.

1 [...]: Es ist schwer abzuschätzen, wie groß die Lücke zu Beginn der Kolumne war, da weder von Schiaparelli (1892) noch von Golenischeff (von Lieven 2016, 216, Abb. 7) festgehalten wurde, wie die Inschrift an der Wand gestanden hat. Dadurch ist nicht mehr eindeutig zu klären, ob vor oder nach der Inschrift noch Platz war und ob die Inschrift vielleicht ursprünglich länger war als das, was 1885 noch erhalten war (von Lieven 2016, 219). Brunner (1956, 324) geht davon aus, dass in der Höhe zusätzlich zum erhaltenen Text 14–15 Schriftquadrate zu ergänzen sind. Helck (1969, 302) ergänzt vor dem erhaltenen Text eine ganze Einleitung „[Im Jahr X Thutmosis’ I., als er zurückkam aus dem] Fremdland, das Mittani genannt wird, …“ (Beginn so übernommen von Popko 2006, 181), da er den Inhalt der folgenden Kolumne teilweise in Ägypten verortet und auf diese Weise den Bogen von Mittani nach Ägypten spannen kann.

2 [...]: Hier unterscheiden sich die Abschriften von Schiaparelli und Golenischeff. Während Schiaparelli (1892, 206, Anm. 2) am Ende der langen Lücke noch die unteren Zeichenreste des wꜣs-Szepters (S40 𓌀) erkennen will, sind derartige Spuren bei Golenischeff (von Lieven 2016, 216, Abb. 7) nicht verzeichnet, sondern nur das Stadtdeterminativ (O49 𓊖). Bisherige Bearbeiter ergänzen auf Basis von Schiaparelli den Stadtnamen Theben (Borchardt 1920, 60; Brunner 1956, 324; Helck 1983, 110; Clagett 1995, 459; Popko 2006, 180–181; Dessoudeix 2010, 216), nur von Lieven (2016, 220 mit Anm. 47) sieht davon ab. Sie argumentiert auf der Basis von Golenischeffs Abschrift, dass eine Rekonstruktion von „Theben“ an dieser Stelle nicht zielführend sei, da es in diesem Teil der Inschrift noch um militärische Aktivitäten außerhalb Ägyptens gehe. Aufgrund der großen Lücke sind aber beide Annahmen möglich.

Das Leben des Amenemhet (Kol. 3–5)

[…]3 in seinem Amt, bedeutend in seinem Rang, ein Nobler an der Spitze4 […]5 der Erde. (Ich) lebte 10 Jahre unter dem König 𓍹Nebpechtire𓍺 (Ahmose I.) [Kol. 5] […] (Ich) [leb]te 21 Jahre unter dem Horus, Der die Länder beugt, dem Herrn der Beiden Länder 𓍹Djeserkare𓍺 (Amenhotep I.) […].

3 [...]: Große Teile einer in diesem Text nicht weiter belegten Beamtenlaufbahn des Grabinhabers ergänzt Helck 1983, 110 und ihm folgend Popko 1006, 180–181: „[jrj-pꜥ.t ḥꜣ.tj-ꜥ ḫtm.w-bj.tj smr wꜥ.tj wr]…“ („Iripat, Hatia, Siegler des Königs, einziger Freund“). Die Titel jrj-pꜥ.t, ḥꜣ.tj-ꜥ und ḫtm.w-bj.tj sind durch eine Notiz von Golenischeff festgehalten worden (von Lieven 2016, 216, Abb.7), jedoch ist unklar, wo diese Titel gestanden haben. Es ist wahrscheinlich, dass Helck sich bei dieser Ergänzung an anderen Inschriften orientiert hat. Der Wortlaut dieser Kolumne mit den Ergänzungen nach Helck findet sich in mehreren Inschriften der 18. Dynastie u.a. in DZA 28.961.220, 28.961.260, 28.961.280 und 28.961.170 (letztere ohne srj m ḥꜣ.t „ein Nobler an der Spitze“). Für das Mittlere Reich kennt DZA 28.961.140 diese Formulierung ebenfalls (ohne srj m ḥꜣ.t) und für die 13. Dynastie ist zumindest die Titelreihenfolge mit weiteren, hier nicht vorhandenen Titeln belegt (Kairo CG 20530; Kubisch 2008, 208–213).

4 ein Nobler an der Spitze (sr m ḥꜣ.t […]): Im Umbruch von Kol. 3 zu Kol. 4 ergänzen die meisten Bearbeiter zum Titel „sr-m-ḥꜣ.t-[rḫ.yt]“ („Nobler, an der Spitze der Untertanen“ (Lemma-ID 852731)) (Borchardt 1920, 60; Helck 1983, 110; Clagett 1995, 459; Popko 2006, 180–181; Dessoudeix 2010, 216).

5 […]: Zu Beginn dieser Kolumne gibt es in den Textbearbeitungen verschiedene Ergänzungen unterschiedlicher Länge. Borchardt 1920, 60 fügt hinzu: „[…Amenemḥeꜥt. Er sagt: Hört, was ich euch sage, ihr] auf der Erde!“. Ähnliches ist bei Brunner 1956, 324 und Clagett 1995, 459 zu finden. Helck 1983, 110 entscheidet sich in seiner Transliteration für eine leicht abweichende Ergänzung von „[Jmn-m-ḥꜣ.t mꜣꜥ-ḫrw ḏd=f j ꜥnḫ.w tp].w tꜣ“. Popko 2006, 180–181 vermischt die Überlegungen von Borchardt und Helck, sodass in seiner Behandlung des Textes „[…Jmn-m-ḥꜣ.t mꜣꜥ-ḫrw ḏd=f śḏm.w ḏd.n=j n=ṯn ꜥnḫ.w tp.ꞽ].w-tꜣ“ mit der Übersetzung „[…Amenemhet, gerechtfertigt, er spricht: Hört das, was ich euch sage, ihr Lebenden auf] der Erde: …“ steht. Dessoudeix 2010, 216 (fälschlicherweise als Kol. 5 gekennzeichnet) fügt nur „[…ꜥnḫ(w).w tpy].w tꜣ“ mit „[…les vivants qui sont] sur terre.“ hinzu. Ohne Ergänzung bleibt die Textstelle bei von Lieven 2016, 220 mit der Begründung, es könne sich um etwas Anderes handeln als bisher von den Bearbeitern angenommen. Sie gibt zu bedenken, dass sich die Auflistung bezüglich des Ranges in der vorherigen Kolumne 3 auch auf den Vater des Amenemhet beziehen könne. Von Lieven (2016, 220) verweist an dieser Stelle auf die Biographie des Ahmose, Sohn des Ibana (Inschrift im Felsgrab EK 5). Auch wenn es wahrscheinlicher ist, dass es in den Kolumnen wohl vorrangig um Amenemhet geht, wird aufgrund der Unklarheit und der Größe der Lücke hier von einer Ergänzung und damit Einschränkung des Textinhaltes abgesehen.

Amenemhets wissenschaftliche Arbeit (Kol. 6–16)

[…] erstes [Ma]l der Gunsterweisung durch die Majestät des Königs 𓍹Djeserkare𓍺 (Amenhotep I.) […]6 […] ?7 beim Lesen in allen Schriften der Gottesworte. […] 14 [Stunden (lang)], wohingegen die Sommernacht 12 Stunden (lang) ist.8 […] (von) Monat zu Monat und eine Verkürzung (von) Monat zu Monat [Kol. 10] […] (ich)9 […] die Bewegungen des Re, …?, in ihrer beiden Rede(?)10. Die Darreichung […] ebenso […] sie […]11 vor ihm. ꜥnḫ und wꜣs sind in ihrer Hand, wie es Brauch ist. […Re(?), er] begibt [sich(?)] zu Nechbet, während sie vor Re tritt beim […], der in ihrer Hand ist, vor das Gesicht seiner Majestät. So steigt sie hinab an zwei Schnüren(?)12. […]13 der jubelt, wenn er diese Göttinnen sieht beim Hinauskommen und Hinabsteigen vor ihm/sich. 

Ich fertigte14 ein mrḫy.t-Gerät15 an, indem es berechnet/zugeteilt ist auf das Jahr. Es (d.h. das mrḫy.t-Gerät) (erschien) dem König von Ober- und Unterägypten 𓍹Djeserkare𓍺 (Amenhotep I.), gerechtfertigt, schön.16 [Kol. 15] […sie ist ge]prüft(?) zu jeder Zeit. Niemals wurde Gleichartiges gemacht seit der Urzeit.

(Ich) fertigte dieses herrliche Messgefäß17 (d.h. die Wasseruhr?) an in der Gunst des Königs von Ober- und Unterägypten 𓍹Djeserkare𓍺 (Amenhotep I.), gerechtfertigt, das halbiert ist [und gedrittelt(?)18.] (wörtl.: das geteilt ist in Hälften [und Drittel(?).]) […]19 zu Beginn des Sommers, im Winter20, beim Umfassen(?) des Mondes21 zu seinen Zeiten: Jede Stunde (kommt) zu ihrem Zeitpunkt, indem Wasser durch ein Röhrchen22 hinausfließt.23

6 [...]: Zu Beginn der folgenden Kol. 7 ergänzen Helck 1983, 111 und ihm folgend Popko 2006, 180–181 „[rd.n=f wj r…]“ (Popko 2006, 180 hat wj in der Transkription vergessen), was Popko übersetzt mit „[er beförderte mich zum …]“. Hier wird ein Bezug zu Amenemhet hergestellt und die Idee verfolgt, dass die Art des Gunsterweises für Amenemhet ein förderliches Ergebnis hervorbringt (in Form eines Geschenkes oder einer Beförderung), aber die Rekonstruktion einer genauen Formulierung erscheint aufgrund fehlender Anhaltspunkte weit hergeholt.

7 [...] ?: In den Abschriften von Schiaparelli (1892) und Golenischeff (von Lieven 2016, 216, Abb. 7) ist in Kol. 7 als erstes der Pflug (U13 𓍁) zu erkennen, gefolgt von einer Buchrolle (Y1 𓏛). Da dies in der Bearbeitung meist zu Schwierigkeiten geführt hat, wurde es in der Übersetzung oft ausgelassen (Borchardt 1920, 60; Clagett 1995, 459; Dessoudeix 2010, 216; Stockhusen 2020, 56). Es wurden dennoch zwei verschiedene Ergänzungsvorschläge vorgebracht. Zum einen die hieroglyphische Ergänzung von Helck 1983, 111, die Popko 2006, 180–181 als „[---nn šnꜥ.tw]<=j> (?)“ mit der Übersetzung „[---Nicht wurde <ich> zurückgehalten] (?)“ interpretiert. Eine andere Lesung bringt von Lieven 2016, 221 vor, die für die erhaltenen Hieroglyphen das Wort hbu̯(?) „to enter, to traverse“ (Lemma-ID 98020) ansetzt und „(I) studied (?) by reading in all writings of the god’s words.“ übersetzt. Ihrer Meinung nach handelt es sich dabei um eine übertragene Bedeutung des Verbes, die im Bedeutungsumfeld von „studying“ zu suchen sei. Sie führt an, dass eine solche Bedeutungserweiterung auch von den Verben ꜥq (Lemma-ID 41280) und ꜥm (Lemma-ID 37510) bekannt sei.

8 [...]: Diese Stelle wird allgemein als herausragend interpretiert, da Amenemhet hier beschreibt, dass er herausgefunden habe, dass die Nacht während verschiedener Jahreszeiten unterschiedlich lang sei. Uneinigkeit herrscht in der Forschung darüber, ob es sich um die Angabe konkreter Jahreszeiten handelt oder um eine abstrakte Gegenüberstellung von Sommer und Winter. So rekonstruieren die meisten, dass die Jahreszeit ꜣḫ.t 14 Nachtstunden hat (Borchardt 1920, 61; Helck 1983, 111; Popko 2006, 180–181; Dessoudeix 2010, 217; Stockhusen 2020, 56). Da später in Kol. 16 aber Sommer (šmw) und Winter (pr.t) gegenübergestellt werden, könnte auch in Kol. 8 pr.t zu ergänzen sein (Clère 1949, 14; Quack 2018, 16; Gegenüberstellung von Sommer und Winter auch bei Clagett 1995, 459; von Lieven 2016, 226). Darüber hinaus findet sich in einigen Bearbeitungen die Ergänzung des Verbes gmi̯ „finden“ (Lemma-ID 167210), um auszudrücken, dass Amenemhet dieses Verhältnis der Nachtstunden herausgefunden hat (Borchardt 1920, 61; Helck 1983, 111; Clagett 1995, 459; Popko 2006, 180–181; Dessoudeix 2010, 217). Während inhaltlich deutlich wird, um was es in dieser Passage geht, ist eine Ergänzung des Verbes gmi̯ allerdings nicht gesichert. Schiaparelli (1892, 207) versteht die Passage falsch und geht hier von einer genauen Stundenangabe eines bestimmten Tages aus: „…il giorno 14o della stagione dell’ inondazione, all’ ora 12a della notte…“. Aufgrund der Erwähnung des Verhältnisses von 14:12 wird an dieser Stelle teilweise auf die Wasseruhr aus der Zeit Amenhoteps III. verwiesen (Kairo, JE 37525), deren höchste Skala 14 und deren kürzeste Skala 12 Finger breit ist (Borchardt 1920, 62; Clagett 1995, 460–461; Belmonte/Lull 2023, 170). Zu einer kurzen Diskussion zum Konzept der Gleichstunde in dieser Inschrift siehe Stockhusen 2020, 61. Zur potentiellen Genauigkeit von Wasseruhren siehe Belmonte/Lull 2023, 175; Krauss 2016 sowie von Mackensen 1978, 16–18.

9 […] (ich): Borchardt 1920, 61 ergänzt zu „Ich [stellte auf dem Gefäß der Wasseruhr dar:]“, basierend auf seiner Interpretation, es handle sich um die Beschreibung der Dekoration einer Wasseruhr. So auch bei Clagett 1995, 495. Popko 2006, 180–181 folgt dieser Interpretation, setzt „(auf der Wasseruhr)“ aber in Klammern, um zu verdeutlichen, dass es sich um einen Zusatz zum besseren Verständnis handelt.  Helck 1983, 111 fügt in der Lücke erneut das Verb gmi̯ ein, worin Dessoudeix 2010, 217 ihm folgt: „[…] J’ai observé les mouvements…“ (dagegen Popko 2006, 181, Anm. 94, der betont, dass sich der Text nun nicht mehr auf die Entdeckungen des Amenemhet bezieht, sondern in eine Beschreibung der Wasseruhr übergegangen sei). Von Lieven (2016, 222–223) ergänzt in ihrer Übersetzung „(I) [represent]ed (?) the movements…”, basierend auf ihrer Interpretation der folgenden Kolumnen als Beschreibung eines Mechanismus sich bewegender Figuren. Sie lehnt Borchardts Vorschlag ab, den folgenden Text als Beschreibung von Darstellungen auf einer Wasseruhr zu deuten. Sethe macht 1920 in seinem Brief an Borchardt den Vorschlag, „die Art des Ganges…“ zu übersetzen (von Lieven 2016, 213, Abb. 4b). Es ist nicht allerdings nicht auszuschließen, dass er in seiner Übersetzung die Reste des möglichen Verbes sowie die Wasserlinie unterschlägt und die Übersetzung „die Art des Ganges…“  allein aus der Schreibung šm.wt zieht.

10 ihrer beiden Rede(?) (mdw=snj): Während Borchardt (1920, 62) in den Reden die Beischriften der auf der Wasseruhr dargestellten Götter sieht, deutet von Lieven (2016, 223) die Stelle im übertragenen Sinne als Interaktion der beweglichen Götterfiguren auf der Uhr. Sie hält auch die Lesung ḫrw=snꞽ für möglich, würde an dieser Stelle dann „their noise“ übersetzen mit der Überlegung, dass die beschriebene Uhr die Stunden eventuell mit einem Geräusch angekündigt habe. Diese Überlegung bleibt allerdings unbelegt. Von Lieven erwähnt lediglich kurz, dass es zumindest in Hellenistischer Zeit solche Uhren gegeben habe, aber auch hier bleibt ein genauer Verweis aus. Als andere Interpretation der Geräusche führt sie an, dass man die Geräusche vielleicht auf den Mechanismus der sich bewegenden Figuren zurückführen könne (von Lieven 2016, 223, Anm. 55). Für die Deutung als ḫrw würde man in der Regel noch den Klassifikator des sitzenden Mannes mit Hand am Mund erwarten (A2). Das Suffixpronomen wird bei einer Lesung der Mondsichel hinter Re meist auf Re und Jah bzw. auf Sonne und Mond bezogen (Sethe in seinem Brief an Borchardt 1920 (von Lieven 2016, 213, Abb. 4b); Borchardt 1920, 61; Clagett 1995, 459; Popko 2006, 181; Dessoudeix 2010, 217). Von Lieven (2016, 223) bringt die Überlegung vor, der Dual könnte sich auf Nechbet, die in Kol. 12 erwähnt wird, sowie Wadjet als „logical pairing“ beziehen. Letztere ist im erhaltenen Text namentlich nicht belegt.

11 sie [...] ([__].tj): In der Kolumne befindet sich eine weitere Lücke von ca. 2 Schriftquadraten. Danach folgt laut Golenischeffs Abschrift (von Lieven 2016, 216, Abb. 7) das Zeichen des Stabes (S43 𓌃) sowie eine Eule (G17 𓅓). Bereits Sethe hat an seinem Brief an Borchardt statt des Stabes die Lesung des tj-Stößels (U33 𓍘) vorgeschlagen (von Lieven 2016, 213, Abb. 4a). Helck (1983, 111) ergänzt in seiner Transliteration die Hieroglyphen für hꜣi̯ „hinabsteigen“, der von Dessoudeix (2010, 217) aufgegriffen wird. Von Lieven (2016, 223) ergänzt in der Lücke das Verb ꜥḥꜥ und übersetzt „[her(?)] e[q]ual, [who is standin]g…“. Trotz Sethes Einwand liest Borchardt (1920, 61) nicht tj, sondern mdw und übersetzt dies auch mit „der Rede“. Ihm folgen Clagett 1995, 459; Popko 2006, 182–183. Schiaparellis Abschrift und Übersetzung (1892, 207, Anm. 4) zeigen kein Zeichen vor der Eule.

12 an zwei Schnüren(?) (ḥr wn.(w)j): Die Interpretationen dieser Stelle gehen weit auseinander. Die meisten Bearbeiter setzen bei wn einen Infinitiv in einer Präpositionalkonstruktion an. Dieser Infinitiv bleibt entweder unübersetzt (Borchardt 1920, 61; Clagett 1995, 460) oder es handelt sich um ein Bewegungsverb (Sethe in seinem Brief an Borchardt (von Lieven 2016, 213, Abb. 4b); Helck 1983, 112; Popko 2006, 183). Am ehesten wäre hier an das Verb wni̯ „eilen“ zu denken, wobei sowohl der Klassifikator der laufenden Beine (D54 𓂻) als auch die t-Endung fehlen würden. Unklar ist, wie Dessoudeix (2010, 218) auf die Übersetzung „Sa Majesté, qui est descendue près d’elle sans s’arrêter“ kommt. Von Lieven (2016, 224) argumentiert, dass es sich auch um die Präposition ḥr und ein Substantiv handeln könnte. Sie deutet die Schlaufe am Ende der Kolumne nicht mehr als Z7 (𓏲), da der Lautwert w im Text sonst ausschließlich durch das Wachtelküken G43 (𓅱) ausgedrückt wird, sondern setzt das Determinativ V1 (𓍢) an und schlägt darauf aufbauend das Wort wn.t „string“ vor. Das fehlende t erklärt sie entweder durch eine fehlerhafte Abschrift oder durch den Abfall des Lautes zu Beginn des Neuen Reiches. In dieser Überlegung folgen ihr Belmonte/Lull (2023, 170). Der TLA kennt bislang einen Beleg des Wortes wn.t aus der Zeit Amenhoteps III., in dem die t-Endung jedoch noch erhalten ist. Die zwei Striche (Z4 𓏭) erklärt von Lieven (2016, 224) entweder als Dualendung oder als Zahl 2. Da Dualendungen eher vor dem Determinativ zu erwarten sind, wäre an dieser Stell die Zahl 2 eventuell vorzuziehen.

13 [...]: In der Lücke wird teilweise Re als Jubelnder ergänzt (Helck 1983, 112; Popko 2006, 182–183; von Lieven 2016, 226) und einmal der König selbst (Clagett 1995, 460). Inhaltlich erscheint beides sinnvoll.

14 Ich fertigte (jw jri̯.n(=j)): Quack (2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3.) vertritt die Ansicht, dass hier eine neue Gerätschaft des Amenemhet vorgestellt wird und es sich nicht mehr um die zuvor beschriebene Wasseruhr handelt. Dies macht er an der Einleitung ꞽw ꞽri̯.n(=ꞽ) („Ich fertigte...“) fest, die er als Markierung neuer Textabschnitte interpretiert, sowie an der Nennung des Gerätes mrḫy.t, das nicht Teil einer Wasseruhr sei.

15 mrḫy.t-Gerät: Ein selten genanntes astronomisches Instrument oder Teil eines Instruments. Der bislang ältestes Beleg stammt aus der Biographie des ‚Uhrmachers‘ Amenemhet vom Anfang des Neuen Reiches. Später wird es u.a. im Kenotaph Sethos’ I. und in ptolemäischen Texten genannt. Brugsch (1881, 619) versteht unter mrḫ sowie mrḫ.t ein Wort für „Stundenzeiger, Zeitmesser, Uhr“. Wörtlich interpretiert er mrḫ als ein „Instrument, welches die Zeit gleichsam zerreibt“ und leitet es von der Wurzel rḫ, rḫt „waschen“ ab (Brugsch 1881, 621: „eigentlich: durch Reiben reinigen“).
Borchardt (1920, 53–54 u. Taf. 16) übersetzt „Gerät, an dem man (die Zeit) erkennt“, d.h. er versteht darin eine m-Ableitung von rḫ „wissen, kennen“: m:rḫ.t. Er stellt weiterhin fest, dass der Name derselbe ist wie der eines von ihm zuvor behandelten astronomischen Instruments zur Bestimmung von Sternstellungen. Dieses habe besonders im Tempelbau zum Abstecken der Gebäudeachsen Verwendung gefunden. Mit dem einen Teil des Messgerätes sei erst der Nordstern anvisiert und dann mit einem anderen Teil des Messgerätes, einem Lot, eine Linie festgelegt worden. In dieser Linie sei dann ein Stab o.ä. aufgestellt worden. Im Kontext der Biographie wird seiner Meinung nach die Erfindung des Amenemhet als mrḫy.t bezeichnet, die er als Wasseruhr versteht. Er ist versucht, mrḫy.t mit „Uhr“ zu übersetzen, da der Begriff seinem Verständnis nach sowohl im Kontext von Sternen- als auch von Wasseruhren vorkomme. Vielleicht hatte Borchardt auch Brugschs Diskussion des Begriffs in dessen Wörterbuch (Brugsch 1881, 619–625) im Hinterkopf?
Das Wb. 2, 112.13 beschreibt es als astronomisches Gerät zur Beobachtung der Gestirne und Feststellung der Stunden. Neue Einblicke bot die Entdeckung des Kenotaphs Sethos’ I. in Abydos und des Textes zum Bau einer Schattenuhr an der westlichen Seite der Decke der Grabkammer, der 1933 von Frankfort erstmal publiziert wurde (1933, 76–80, Taf. 83). Ebenso findet sich dort eine Abbildung des im Text beschriebenen, L-förmigen Messgeräts. Diese Abbildung ähnelt den im Museum in Berlin aufbewahrten Schattenuhren (ÄM 19743 u. ÄM 19744; https://smb.museum-digital.de/object/167 Zugriff am: 24.06.2026). Die relevante Passage (Kol. 9–10) übersetzt er mit „…put this stꜣt facing the sun with its head towards the east – (the head namely) upon which is the mrḫt so that the shadow of the sun will be correct upon this stꜣt…”. In seiner Bearbeitung geht er davon aus, dass es sich bei mrḫy.t um den senkrecht stehenden Teil dieser Uhr handelt, der den Schatten wirft.  Während Clagett (1995, 84, 465–466) die Bezeichnung aufgrund des Kenotaph-Textes ebenfalls mit Schattenuhren in Verbindung bringt und den Begriff dort als „crossbar“ übersetzt, geht er in der Inschrift des Amenemhet davon aus, dass mrḫy.t auch einen Teil einer Wasseruhr bezeichne. Daraus leitet er ab, dass es sich vielleicht um einen Terminus für eine Uhr allgemein handeln könnte (1995, 154, Anm. 107). Im Gegensatz dazu sieht Quack (2002, Exkurs Kapitel 1.2.3.3) die Verwendung des Begriffs mrḫy.t als Beweis dafür an, dass Amenemhet in seinem Text nicht länger über die von ihm entworfene Wasseruhr spricht, sondern ebenfalls eine Schattenuhr gebaut hat. Seiner Meinung nach bezeichne dieses Wort den Schattenwerfer einer solchen. Auch von Lieven (2016, 227–228) ist der Meinung, dass dieses Gerät meist im Zusammenhang mit Schattenuhren steht und daher in der Biographie des Amenemhet nicht zur Wasseruhr gehört. Sie stellt die Überlegung an, dass das hier geschriebene Determinativ, das Schiaparelli und Golenischeff als Arm wiedergegeben haben, eventuell fehlinterpretiert wurde. Möglicherweise stand an der Grabwand eher ein Zeichen, das einer Schattenuhr ähnele (Extended Library U95). Hoffmann (2016, 354) übersetzt mrḫy.t in seiner Bearbeitung des Sonnenuhrtextes im Kenotaph Sethos’ I. als „Schattenstab“. Er leitet es als nomen instrumenti von rḫ ab und gibt die wörtliche Übersetzung „Gerät zum Wissen“ (2016, 352 mit Anm. 49). Eine allgemeine Definition als „Gerät, welches der Sonnen- und Sternbeobachtung diente“ wird bei Stockhusen (2020, 56, Anm.6) gegeben. Belmonte/Lull (2023, 171) sehen den Begriff mrḫy.t als generelles Wort, um ein Messgerät zu beschreiben, unabhängig davon, welcher Art es ist. Bei Sternenuhren könne man davon Gebrauch machen, um immer wieder in einer vertikalen Position zum Meridian zu sein (2023, 135). Als Teil einer Schattenuhr war es oben auf einer Schattenuhr befestigt, um den Schatten zu werfen (2023, 171).
Lit.:
- H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch VI (Leipzig 1881).
- L. Borchardt, Die Ägyptische Zeitmessung (Berlin – Leipzig 1920).
- H. Frankfort, The cenotaph of Seti I at Abydos, plates. Memoir of the Egypt Exploration Society 39 (London 1933).
- M. Clagett, Ancient Egyptian Science, II: Calendars, Clocks, and Astronomy, Memoirs of the American philosophical Society 214 (Philadelphia 1995).
- J. F. Quack, Beiträge zu den ägyptischen Dekanen und ihrer Rezeption in der griechisch-römischen Welt, unpublizierte Habilitationsschrift (Berlin 2002), Exkurs zu Kap. 1.2.3.3.
- A. von Lieven, The Movement of Time: News from the "Clockmaker" Amenemhet, in: R. Landgráfová – J. Mynářová (Hrsg.), Rich and Great: Studies in Honour of Anthony J. Spalinger on the Occasion of His 70th Feast of Thot (Prag 2016), 207–231.
- F. Hoffmann, Beispiele für Übersetzung und Kommentierung ägyptischer astronomischer Texte: Sonnenuhr, Sonnenaufgang und Dekansterne, in: A. Imhausen – T. Pommerening (Hrsg.), Translating Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Greece and Rome, Beiträge zur Alterumskunde 344 (Berlin – Bosten 2016), 335–378.
- M. Stockhusen, Die Grabinschrift des „Uhrmachers“ Amenemhet, in: R. Färber – R. Gautschy (Hrsg.), Zeit in den Kulturen des Altertums. Antike Chronologie im Spiegel der Quellen (Köln 2020), 55–63.
- J. A. Belmonte – J. Lull, Astronomy of ancient Egypt: a cultural perspective. With contributions by Terry Mahoney. Historical & Cultural Astronomy (Cham 2023).

16 Am Ende dieses Satzes zu Beginn der folgenden Kolumne 15 wird häufig ein Komparativ „als alles andere“ o.Ä. ergänzt (Borchardt 1920, 61; Helck 1983, 112; Popko 2006, 182–183; Dessoudeix 2010, 218). Diese Ergänzung führt unweigerlich zu der Frage, wie viel oberhalb der letzten drei Kolumnen überhaupt ergänzt werden kann bzw. wie hoch die Kolumnen waren. Helck (1983, 112) ergänzt zu Beginn in Kol. 15 insgesamt [r jry.t nb.t m-bꜣḥ], dies ist laut von Lieven (2016, 226) deutlich zu viel für die vorhandene Lücke. Sie geht davon aus, dass Golenischeffs und Schiaparellis Abschriften bezüglich des oberen Endes der Inschrift akkurat sind. Sie zieht dies aus den Notizen, die beide auf ihren Abschriften hinterlassen haben. Schiaparelli (1892, Abb.) schreibt zur Kolumne 16 „A questo colonne non dovrebbe mancare molto, supponendo che la tomba avesse una altezza normale.“ Golenischeff schreibt zu unteren Linie seiner Abschrift (von Lieven 2016, Abb. 7) „diese Linie ist horizontal und gerade, es fehlt also oben recht viel von den Inschriften cf. die Länge der letzten drei Vertikalzeilen“. Golenischeff deutet also an, dass die letzten drei Kolumnen mehr oder weniger über die gesamte Texthöhe erhalten waren. Weiterhin folgt in Kol. 15 bereits ein Vergleich, der die Bedeutung dieses Objektes betont, weshalb es ihrer Meinung nach nicht nötig sei, einen weiteren Komparativ zu ergänzen. Von Lieven (2016, 226) ergänzt deshalb nur [ꞽw=s] als Beginn des neuen Satzes in Kol. 15.

17 dieses herrliche Messgefäß (dbḥ pn šps): dbḥ (Lemma-ID 178770) wird allgemein als Messgefäß verstanden. Die Form des Determinativs (W10 𓎺) entspricht derjenigen von Wasseruhren des alten Ägypten. Als bestes Beispiel ist hier die Auslaufuhr aus der Zeit Amenhoteps III. anzuführen (Kairo, JE 37525). In der folgenden Kol. 16 wird durch die Erwähnung herausfließenden Wassers deutlich, dass es sich tatsächlich um eine Wasseruhr handelt. In der Forschung gibt es bisweilen unterschiedliche Meinungen darüber, wie viele Uhren Amenemhet in seiner Biographie beschreibt. Die meisten Bearbeiter interpretieren das Gerät als Auslaufwasseruhr (Borchardt 1920, 62; Clagett 1995, 457–458; Popko 2006, 184; Belmonte/Lull 2023, 168 und 171). Spalinger (1996, 73) scheint erstmals von zwei verschiedenen Geräten auszugehen, da Amenemhet von der Erfindung einer Wasseruhr und dem mrḫy.t spricht. Durch Quack (2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3) bzw. die Auseinandersetzung von von Lieven (2016) mit seiner Bearbeitung wurde eine Diskussion angeregt. Laut Quack wird in der Inschrift von drei verschiedenen Uhren gesprochen: einer Kunstuhr mit beweglichen Figuren, einer Schattenuhr und einer Wasseruhr. Dies macht er an der Verwendung eines textlinguistischen Merkmals fest, das zur Einleitung neuer Handlungsabschnitte dient (ꞽw ꞽri̯.n(=ꞽ)). Durch dieses Merkmal wird die Beschreibung der sich bewegenden Figuren von der Erwähnung des mrḫy.t-Gerätes in Kol. 14 getrennt sowie die Erwähnung des dbḥ pn šps von eben diesem. Hinzukommt seiner Meinung nach, dass die Erwähnung des mrḫy.t-Gerätes mit dem typischen Schlussfazit eines Handlungsberichtes abgeschlossen wird: „Niemals wurde Gleichartiges gemacht seit der Urzeit.“ (Kol.14). Die Verwendung des Demonstrativpronomens erklärt er damit, dass es sich wohl auf eine beigegebene Abbildung des Objektes beziehen müsse (Quack, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3.). Von Lieven (2016, 228–229) ist mit dieser Erklärung nicht ganz einverstanden. Ihren Ausführungen folgend, handelt es sich um eine Art Superuhr, die die Prinzipien unterschiedlicher Uhren miteinander verknüpft. Die Wasseruhr sei Teil einer mechanischen Uhr mit sich bewegenden Götterfiguren, und das Wasser spiele möglicherweise eine Rolle dabei, die Figuren in Bewegung zu bringen. Gleichzeitig sei auch die Schattenuhr Teil dieser Superuhr gewesen, eventuell um die Wasseruhr zu kalibrieren und deren Korrektheit zu unterstreichen.

18 und gedrittelt(?) (r [___]): Der Beginn der 16. Kolumne ist wieder etwas mehr zerstört. Sowohl bei Schiaparelli (1892) als auch bei Golenischeff (von Lieven 2016, 216, Abb. 7) ist nach einer Lücke von ca. einem halben Schriftquadrat ein Mund (D21 𓂋) zu erkennen und nach einer weiteren Lücke von ca. zwei Schriftquadraten eine Eule (G17 𓅓). Borchardt (1920, 63, Anm. 4) fasst das vorhandene r als Teil des Wortes „Drittel“ auf (Lemma-ID 92610) und ergänzt in seiner Übersetzung „und Drittel“, da man auf der inneren Skala nur auf 12 individuelle Stunden kommt, wenn man die Anzahl nicht nur durch zwei, sondern auch durch drei teilt. Ihm folgen Popko (2006, 183) und von Lieven (2016, 226). Clagett (1995, 460) ergänzt „[…and then the halves into halves, and finally the four thirds into thirds]”, anscheinend, um die exakte Rechnung zu dokumentieren. Seiner Meinung nach (1995, 461–462) könnte damit aber auch ausgedrückt werden, dass die Linien der Skala 1/3 Finger breit auseinanderliegen. Die Ergänzung [m] r [3(?)] (von Lieven 2016, 226) erscheint allerdings sinnvoller.

19 [...]: Die Ergänzung zu Beginn des Satzes beziehen sich meist auf die Präzision der von Amenemhet konstruierten Uhr und werden mit „[Es war richtig (?)]“ o.ä. übersetzt (Borchardt 1920, 61; Clagett 1995, 460; Popko 2006, 183; von Lieven 2016, 216). Quack (2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3.) ist der Meinung, dass Markierungen in/an der Uhr gemeint sind, die sich auf die Begebenheiten des Mondes (zḫn ꞽꜥḥ) beziehen.

20 zu Beginn des Sommers, im Winter (m ꜥq [š]mw m pr.t): Die Nennung von šmw und pr.t bezieht sich hier erneut auf die Verwendung der beiden Wörter in Opposition zueinander, sodass sie mit „Sommer“ und „Winter“ übersetzt werden können. Dieser Ansatz folgt den Überlegungen von Quack (2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3., Anm. 82). Clagett 1995, 460 übersetzt an dieser Stelle „the beginning of Akhet (?), for Peret, [for Schemu]“, um anzuzeigen, dass die Uhr zu allen drei Jahreszeiten richtig geht (Clagett 1995, 462). Er interpretiert also die allgemein als šmw angesehene Schreibung als „Akhet“, um dann „Schemu“ am Ende der Aufzählung nochmal zu ergänzen. Das ist nicht notwendig und der Platz ist dafür auch nicht ausreichend.

21 Umfassen(?) des Mondes (zḫni̯ jꜥḥ): Diese Passage wird unterschiedlich übersetzt. Inhaltlich geht es noch um die Aussage, dass die Uhr des Amenemhet zu jeder Zeit korrekt ist. Vielleicht spielt diese Stelle darauf an, dass seine Uhr auch nachts zuverlässig funktioniert. Borchardt (1920, 61) übersetzt „Zusammentreffen (?) des Mondes“, ähnlich Dessoudeix (2010, 220) „en recontrant la lune“. Clagett (1995, 460) hat „embracing (?) the moon“, darin folgen ihm Belmonte/Lull (2023, 171). Popko (2006, 183) und Stockhusen (2020, 56) entscheiden sich bei der Übersetzung für „Umfassen des Mondes“. Quack (2002, Exkurs zu Kapitel 1.2.3.3.) versteht die Stelle als „Begebenheiten des Mondes“. Von Lieven (2016, 226) liest m sḫn i͗ꜥḥ spr r tr=f mit zusätzlichem spr, das die anderen Bearbeiter nicht erkennen. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei dem Zeichen nach jꜥḥ um die Rippe (F42 𓄭) handeln könnte, aber die Mondsichel (N12 𓇺) als Determinativ erscheint wahrscheinlicher. Von Lieven übersetzt mit „in the phases of the moon, who arrives at his hour”.

22 Röhrchen (wḏn.t): Das Wort wḏn.t scheint bislang nur an dieser Stelle belegt zu sein. Der Kontext lässt darauf schließen, dass es sich um eine Öffnung oder einen Gegenstand handelt, aus dem oder durch den Wasser herausfließen kann. Deshalb wird der Begriff meist im Zusammenhang mit einer Wasser-/Auslaufuhr stehend gedeutet. Die Forschung bringt verschiedene Vorschläge zur Übersetzung: „Auslauf“ (Borchardt 1920, 61; Stockhusen 2020, 56), „Ablauf“ (Popko 2006, 183), „Röhrchen(?)“ (Quack 2002, Exkurs), „exit“ (Clagett 1995, 460), „pipe“ (von Lieven 2016, 226), „spout” (Belmonte/Lull 2023, 171–172), „orifice“ (Dessoudeix 2010, 220). Das Determinativ des Metallstückes könnte darauf hinweisen, dass der Auslauf aus Metall gewesen ist (von Lieven 2016, 227). Es könnte sich in diesem Kontext eventuell um einen Gegenstand handeln, der nochmal extra an die Wasseruhr angefügt wurde, vielleicht in Form eines Röhrchens. Borchardt (1920, 63, Anm. 5) interpretiert das Determinativ als Schmelztiegel mit Auslass, was ihn in seiner Übersetzung des Wortes als „Auslauf“ bestärkt.

23 An dieser Stelle enden die Abschriften von Schiaparelli (1892) und Golenischeff (von Lieven 2016, 216, Abb. 7) und vermutlich auch das, was vom Text zu ihrer Zeit im Grab noch erhalten war. Ob es sich dabei um die gesamte Inschrift handelt, ist fraglich. Borchardts (1920, 63) Wortlaut nach scheint er an dieser Stelle mit dem Ende des Textes zu rechnen. Von Lieven (2016, 229) argumentiert jedoch dagegen. Als offensichtlichstes Argument nennt sie die Formulierung, dass es sich bei der Konstruktion der Uhr um das erste Mal des Lobes (tp(.j) n ḥzw.t Kol. 6) durch den König handelt. Man würde bei dieser Formulierung erwarten, dass ein weiteres oder mehrere Beispiele folgen.