science in ancient egypt

 

Metadaten

Papyrus Edwin Smith Papyrus Edwin Smith Link
Bezeichnung
Papyrus Edwin Smith
Weitere Bezeichnungen
Chirurgischer Papyrus
Das sogenannte Wundenbuch
Aufbewahrungsort
USA, New York, The New York Academy of Medicine, Malloch Rare Book Room

Inventarnummer 217

Erwerbsgeschichte

Nach dem Tod des Erstbesitzers E. Smith im Jahre 1906 schenkte dessen Tochter, Miss Leonora Smith, den Papyrus der New York Historical Society. Von 1938 bis 1948 befand sich der Papyrus im Brooklyn Museum in New York, bevor er 1948 an die New York Academy of Medicine übergeben wurde. Dort wird er in dem Malloch Rare Book Room mit der Inventarnummer 217 aufbewahrt (Breasted 1930 I, 20–25; Allen 2005, 70; Sanchez – Meltzer 2012, 1–2). Informationen zum Erstbesitzer E. Smith finden sich in Wilson 1964, 52–57, 230, Kilgour 1993, 292–297 (vor allem 292–293), Bierbrier 2012, 515 und Sanchez – Meltzer 2012, 16–18.

Herkunft
Oberägypten, Theben

Der Papyrus wurde am 20. Januar 1862 von dem Amerikaner E. Smith (1822–1906), damals Einwohner von Luxor, Geldleiher, Antikenhändler und -fälscher sowie Freizeit-Ägyptologe, in Luxor von Mustapha Agha, Antikenhändler und Vize-Konsul von Großbritannien, Belgien und Russland, erworben. Am 17. März 1862 erwarb er vom selben M. Agha einen weiteren Papyrus. Dieser zweite Papyrus war jedoch eine moderne Fälschung, zusammengesetzt aus Fragmenten dreier unterschiedlicher alter Papyri, darunter die Bruchstücke der ersten Kolumne des Papyrus Edwin Smith (Breasted 1930 I, 21–22, 75–76).
Der ursprüngliche Fundort ist unbekannt, dürfte aber ein Grab in der thebanischen Nekropole gewesen sein, denn nur in diesem Kontext könnte ein Papyrus der 17. oder frühen 18. Dynastie so unbeschadet auf uns gekommen sein. Sollte er aus einem Grab stammen und zusammen mit dem Papyrus Ebers gefunden worden sein, sind die Fundumstände des Papyrus Ebers relevant. Beide Texte waren spätestens am 14. November 1864 in Luxor im Besitz oder in der Obhut von E. Smith (siehe dazu einen Brief von E. Smith an C. Goodwin: Dawson 1934, 110–121). Auch beim Papyrus Ebers ist der Fundort unbekannt, aber laut G. Ebers hat der ägyptische Verkäufer ihm mitgeteilt, dass sein Papyrus in einem Grab im Assasif in einem Sarg zwischen den Beinen einer Mumie gefunden worden sei (Breasted 1930 I, 25).

Datierung
Späte Zweite Zwischenzeit bis Anfang Neues Reich, 17.–18. Dynastie, Zweite Hälfte des 16. Jh. v. Chr.

Die Datierung in die spätere Zweite Zwischenzeit oder in das frühe Neue Reich, d. h. in die 17. oder den Anfang der 18. Dynastie, vielleicht in die Mitte des 16. Jh. v. Chr. (?), beruht auf der Paläographie und den vermuteten Fundumständen. Paläographisch ähnelt der Papyrus Edwin Smith dem Papyrus Ebers (enthält einen Kalender aus Jahr 9 Amenhoteps I.) und dem Papyrus Westcar (keine genaue Datierung) sowie dem mathematischen Papyrus Rhind (Jahr 33 des Hyksos-Königs Apophis) (Breasted 1930 I, 28–29, mit Vergleichstabelle auf 26–27). J. H. Breasted lässt die Verso-Texte in einer zweiten Hand außer Betracht und vermutet, dass sie etwas später niedergeschrieben wurden. Einige Zeichen weisen eine ältere Form als die im Papyrus Ebers verwendete auf, weshalb J. H. Breasted annimmt, dass der Papyrus Edwin Smith mindestens eine Generation früher als der Papyrus Ebers kopiert wurde, d.h. kurz vor dem Anfang des Neuen Reiches. Für ihn datiert der pEdwin Smith in die Hyksoszeit, die er mit dem 17. Jh. v. Chr. gleichsetzt (Breasted 1930 I, 28–29). Eine nachträgliche Untersuchung der Orthographie der Wörter von pEdwin Smith durch J. H. Breasted zeigt teils jüngere, teils ältere Wortformen als der pEbers. J. H. Breasted tendiert mit der nötigen Vorsicht dazu, dieses Ergebnis als eine Bestätigung für eine frühere Datierung als pEbers zu betrachten (Breasted 1930 I, 593–595). Heute wird die Hyksoszeit nicht länger mit dem 17. Jh. gleichgesetzt. Die mit den Hyksos zeitgenössischen südägyptischen 16.–17. Dynastien, die J. P. Allen als Zeit der Abschrift nennt (Allen 2005, 70), situiert er in die Periode 1650–1550 v. Chr. Sanchez und Meltzer folgen J. H. Breasted und J. P. Allen in der Datierung in die Hyksoszeit und thebanischer 17. Dynastie, möglicherweise etwas früher als pEbers (Sanchez – Meltzer 2012, 12, 14). Die Datierungen von H. Grapow (Grapow 1955, 88–89) und W. Westendorf (Westendorf 1999, 16) nennen als Datum den Anfang des Neuen Reiches oder konkreter um 1550 v. Chr., wobei dies auf die Datierung des Papyrus Ebers zurückgeht, in dem ein Kalender aus dem 9. Jahr Amenhoteps I. nachträglich (!) auf die Rückseite geschrieben wurde. H. Grapow und W. Westendorf vermuten außerdem, dass Papyrus Edwin Smith und Papyrus Ebers zusammen gefunden wurden (Westendorf 1999, 22), so dass nicht nur die paläographischen Ähnlichkeiten, sondern auch die mutmaßlichen Fundumstände für eine zeitgleiche Datierung sprechen würden. H. Grapow hält es dabei für unerheblich, dass J. H. Breasted den Papyrus Edwin Smith etwa eine Generation früher als den Papyrus Ebers datieren möchte (Grapow 1955, 89).
Der ursprüngliche Text des sogenannten Wundenbuchs, auch genannt "chirurgisches Handbuch", ist deutlich älter als die erhaltene Abschrift. Das Wundenbuch ist von der Grammatik und vom Wortschatz her gesehen ein Mischtext und kann inhaltlich in mehrere redaktionelle Stufen unterteilt werden. Folgende Redaktionsphasen sind denkbar: (1) Verfassung des ursprünglichen "chirurgischen Handbuchs"; (2) Erweiterung des Handbuchs durch Differenzialdiagnosen, alternative Behandlungen und einen Zauberspruch; (3) Hinzufügung von Zwischenüberschriften zu den Einzelfällen; (4) eine oder mehrere Glossierungsphasen unter Hinzuziehung mindestens zweier weiterer heilkundiger Trakate.
Sowohl der medizinische Haupttext als auch die Glossen weisen Spuren einer älteren Sprachstufe als die Hyksoszeit auf (Liste von Altägyptischen Merkmalen bei Breasted 1930 I, 73–75 und siehe dazu Westendorf 1962, 328 mit Anm. 2). Für J. H. Breasted stammen beide Texte aus dem Alten Reich, einer Zeit, die er (nach heutigem Wissen verfrüht) zwischen 3000 und 2500 v. Chr. ansetzt. Für ihn sind auch die Glossen früher als das Mittlere Reich, was eine Datierung des Haupttextes in "the early part of the Old Kingdom" voraussetzt (Breasted 1930 I, 73–75).
J. H. Breasted spekuliert mit dem Architekten und später als Arzt vergöttlichten Imhotep als potentiellem Autor, was aber höchst unwahrscheinlich ist. W. Westendorf nimmt ebenfalls an, dass der Text im Alten Reich entstanden ist (Westendorf 1966, 10). E. S. Meltzer setzt für das ursprüngliche Dokument eine Zeit zwischen dem Ende des Alten Reiches und dem frühen Mittleren Reich an oder "very roughly ca. 2200–2000 BC" (Sanchez – Meltzer 2012, 12). Abweichend von diesen frühen Datierungen schreibt J. P. Allen, dass sowohl die Sprache des Textes als auch die vom Kopist gemachten Fehler auf ein Original hinweisen, das etwa 200 bis 300 Jahre älter wäre als die Zeit der Abschrift, die er ca. 1650–1550 bzw. ca. 1600 v. Chr. ansetzt (Allen 2005, 70). Was die Glossierungsphase angeht, vermerkt H.-W. Fischer-Elfert, dass die beiden jry.w-Textsammlungen, die in drei Glossen erwähnt werden, "literarhistorisch mit der im religiösen Spruchgut erstmalig in der späten 13. Dyn. greifbaren Praxis der Glossierung von Totenbuchredaktionen in Zusammenhang gebracht werden" sollten (Fischer-Elfert 2013, 26).

Textsorte
medizinische Sammelhandschrift
Inhalt

Der Papyrus Edwin Smith enthält auf dem Recto einen einheitlichen Text zum Thema Wunden und Verletzungen sowie deren Identifikation, Diagnose, Prognose und Behandlung. Auf der Rückseite sind Texte unterschiedlicher Art zusammengetragen, die unabhängig vom Thema Wunden und Verletzungen sind.
Der Text auf der Vorderseite ist ein Traktat zu Wunden und Verletzungen und wird mit den modernen Bezeichnungen "Wundenbuch" und "Chirurgischer Papyrus" umschrieben. Der antike Titel ist nicht erhalten. In einzelnen Abschnitten, die zudem in identisch konzipierte Untersegmente gegliedert sind (Titel, Untersuchung, Diagnose und Prognose, Behandlung, Erklärungen in Glossenform), werden insgesamt 49 Krankheitsfälle zu Wunden, Brüchen, Verrenkungen, Zerrungen, Geschwüren und Geschwülsten aufgelistet. Die 49. Diagnose ist unvollständig, da der Kopist mitten im Satz aufgehört hat seine Vorlage weiter abzuschreiben, obwohl die Papyrusrolle noch nicht voll war. Die einzelnen Fälle fangen beim Kopf an und hätten beim Fuß enden sollen, aber der Kopist hörte bereits beim Rückgrat mit seiner Schreibarbeit auf. Innerhalb der einzelnen Körperteilbereiche ist die Reihenfolge überwiegend von einer leichten Verletzung bis hin zu einem hoffnungslosen Fall. Fakultativ sind glossenartige Kommentare ans jeweilige Ende eines Falls angehängt worden, insgesamt 69 verschiedene. Meistens steht eine solche Glosse nur beim ersten Textvorkommen, manchmal wird sie in einem späteren Fall wiederholt.
Der gleiche Kopist, der auf der Vorderseite das sogenannte Wundenbuch abgeschrieben hat, hat auf der Rückseite zuerst acht magische Formeln (Zaubersprüche) gegen die "Seuchen des Jahres" kopiert (Kol. 18–20.12; eine Gruppe von Problemen mit Ungeziefer sowie Infektionskrankheiten, die regelmäßig – u.a. zur Zeit der Nilüberschwemmung – auftraten). Er machte nach einem neuen Absatz weiter mit einem Rezept zu einer Menstruationsstörung und mit zwei Rezepten zur Hautpflege (Kol. 20.13–21.8). Ein anderer Kopist setzte die Kopierarbeit nach einem neuen Absatz mit einem Salbenrezept für eine Verjüngungskur (also auch ein Hautpflegemittel) fort (Kol. 21.9–22.10). Nach einem weiteren Absatz beendete der zweite Kopist seine Arbeit mit einem Rezept für eine Beschwerde am After (Kol. 22.11–14). Eine Fläche von etwa 12 Kolumnen Länge ist auf dem Verso leer geblieben.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Für wen der Text ursprünglich verfasst wurde und welchem Zweck er dienen sollte, ist unklar. War es ein Handbuch für die Ärzteausbildung, ein Referenzwerk in einer Tempelbibliothek oder gar ein praktisches Manual für den Arzt im Felde? Auch hinsichtlich des Verwendungskontextes der konkreten Textkopie, die wir Papyrus Edwin Smith nennen, können nur Mutmaßungen angestellt werden. J. H. Breasted hält es für möglich, dass der erste Besitzer gar nicht so sehr an dem Wundenbuch interessiert war, sondern den Kopisten beauftragte, mit seiner Kopierarbeit aufzuhören und stattdessen auf der Rückseite die Seuchenbeschwörungen einzutragen. Er nennt den letzten Besitzer einen "village quack", der den durch häufiges Hantieren am Anfang beschädigten Papyrus mit ins Grab genommen hat (Breasted 1930 I, 19–20). Ein anderer ursprünglicher Aufbewahrungskontext könnte eine Tempelbibliothek gewesen sein (diese alternative Möglichkeit findet sich bei Allen 2005, 70). Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein einzelner Papyrus oder eine Tempelbibliothek der frühen 18. Dynastie außerhalb eines Grabes die Jahrtausende unbeschadet hätte überstehen können.

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Die Papyrusrolle misst 4,68 m in der Länge und ist zwischen 32,5–33 cm hoch (Hochformat). Sie besteht aus 12 aneinander geklebten Blättern (à 40 cm Breite) mit 11 hervorragend gearbeiteten Klebungen. Das erste erhaltene Blatt am rechten Rand der Rolle ist teilweise zerstört. Es enthielt den Anfang des Wundenbuchs, von dem vermutlich (nur) eine Textkolumne vollständig verloren ist. Der Text des Wundenbuchs besteht heute noch aus 17 Textkolumnen. Auf dem Verso befinden sich fünf weitere Kolumnen mit anderen Texten. Jede Kolumne hat eine Höhe von 28–29 cm und eine Breite von 18–27 cm (die ersten Kolumnen sind generell breiter als die späteren). Jede Kolumne enthält zwischen 18 und 26 Textzeilen. Die letzten 39 cm des Recto bzw. die ersten 39 cm des Verso sind unbeschriftet (Breasted 1930, 25, 28). Nach der Auffindung wurde der Papyrus aus konservatorischen Gründen in acht Stücke zerteilt (Allen 2005, 70).

Schrift
Hieratisch

Die Schrift- und Leserichtung des Textes auf beiden Seiten des Papyrus verläuft von rechts nach links. Das Recto sowie die ersten 3,5 Textkolumnen des Verso sind von derselben Hand geschrieben. Der Rest der Texte ab der Mitte der dritten Kolumne wurde von einer anderen Schreiberhand in einem deutlich abweichenden Duktus verfasst. J. H. Breasted vermutet, dass diese zweite Hand möglicherweise etwas jünger ist (Breasted 1930 I, 28).
Die Handschrift des ersten Schreibers ist klar und von hoher Qualität, allerdings lässt die Klarheit der Handschrift des Öfteren nach, ist die Distanz zwischen den Zeilen etwas unregelmäßig und liegen stellenweise Fehler vor. Man könnte eine gewisse Unkonzentriertheit oder Ermüdung des Schreibers vermuten, der wahrscheinlich ein Berufsschreiber und kein Arzt war. In vielen Fällen bemerkte der Schreiber selbst seine Fehler und korrigierte sie über oder in der Zeile. Einmal hat er ein paar Worte vergessen, die er mit einem Verweiskreuz oberhalb der Kolumne ergänzt hat.
Der Schreiber verwendete schwarze und rote Tinte. Die rote Tinte kam entweder am Anfang eines neuen Absatzes zur Anwendung oder ganze Absätze wurden abwechselnd in schwarzer und roter Tinte geschrieben. Auch hier war der Schreiber des Öfteren inkonsequent. Bei den Rezepten auf dem Verso stehen die Mengenangaben in roter Tinte.

Sprache
Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Im Jahre 1930 lieferte J. H. Breasted nach 10 Jahren philologischer Arbeit eine meisterhafte Edition des kompletten Papyrus Edwin Smith mit einer photographischen Reproduktion, hieroglyphischer Transkription des Hieratischen, einer Übersetzung sowie einem umfassenden Textkommentar. Diese Edition ist bis heute die Ausgangslage der Forschung. Ein Jahr später, im Jahr 1931, machte M. Meyerhof den Inhalt des Wundenbuchs mit Hilfe dieser Arbeit im deutschen Sprachraum bekannt, wobei er J. H. Breasteds Übersetzung der Fälle entweder ins Deutsche übersetzte oder sie paraphrasierte und einen kurzen medizinischen Kommentar dazu lieferte. B. Ebbell basierte seine deutsche Übersetzung des Wundenbuchs aus dem Jahr 1939 im Wesentlichen auf J. H. Breasteds Arbeit und fügte eine eigene medizinische Kommentierung hinzu. Eine unabhängige Neubearbeitung und Übersetzung ins Deutsche erfolgte im Rahmen des Projekts "Grundriss der Medizin der alten Ägypter" (Band IV und V) mit einer Übersetzung und einer thematisch organisierten hieroglyphischen Umschreibung. Der Text wurde vollständig in den zugehörigen Wörterbüchern und in der Grammatik erfasst (DrogWb; MedWb; Westendorf 1962, 328 mit Anm. 2). Im Jahre 1966 legte W. Westendorf eine weitere Übersetzung vor, die er 1999 aktualisierte. Im Rahmen einer Ausstellung des Metropolitan Museum of Art, New York, lieferte J. P. Allen im Jahre 2005 eine komplette farbliche Reproduktion und eine neue englische Übersetzung des gesamten Texts im zugehörigen Katalog. Die aktuellste Bearbeitung wurde 2012 von G. M. Sanchez und E. S. Meltzer veröffentlicht, mit einem kompletten Satz Farbfotos des Wundenbuchs, einer hieroglyphischen Transkription, einer englischen Übersetzung und einem philologischen sowie medizinischen Kommentar.

Editionen

- Allen 2005: J. P. Allen, The Art of Medicine in Ancient Egypt (New York/New Haven/London 2005), 70–115.

- Breasted 1930 I: J. H. Breasted, The Edwin Smith Surgical Papyrus. Published in Facsimile and Hieroglyphic Transliteration with Translation and Commentary in two Volumes. I. Hieroglyphic Transliteration, Translation and Commentary, Oriental Institute Publications 3 (Chicago 1930).

- Breasted 1930 II: J. H. Breasted, The Edwin Smith Surgical Papyrus. Published in Facsimile and Hieroglyphic Transliteration with Translation and Commentary in two Volumes. II. Facsimile Plates and Line for Line Hieroglyphic Transliteration, Oriental Institute Publications 4 (Chicago 1930).

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,1. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958), 126, 172–199, 266, 272, 302–303.

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,2. Übersetzung der medizinischen Texte. Erläuterungen (Berlin 1958), 22–23, 140–155, 248.

- DrogWb: H. von Deines – H. Grapow, Grundriss der Medizin der Alten Ägypter. VI. Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen (Berlin 1959).

- Ebbell 1939: B. Ebbell, Die alt-ägyptische Chirurgie. Die chirurgischen Abschnitte des Papyrus E. Smith und Papyrus Ebers, Skrifter utgitt av det norske Videnskaps-Akademi i Oslo. Historisk-Filosofisk klasse 2 (Oslo 1939), 7–72.

- Grapow 1958: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. V. Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert (Berlin 1958), 299–348, 455–456, 466–467, 519–523.

- Kosack 2011: W. Kosack, Der medizinische Papyrus Edwin Smith. The New York Academy of Medicine, Inv. 217. Neu in Hieroglyphen übertragen, übersetzt und bearbeitet (Berlin 2011).

- MedWb: H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII,1+2. Wörterbuch der medizinischen Texte (Berlin 1961).

- Meyerhof 1931: M. Meyerhof, Über den "Papyrus Edwin Smith". Das älteste Chirurgiebuch der Welt, in: Deutsche Zeitschrift für Chirurgie 231, 1931, 645–690.

- Sanchez – Meltzer 2012: G. M. Sanchez – E. S. Meltzer, The Edwin Smith Papyrus. Updated Translation of the Trauma Treatise and Modern Medical Commentaries (Atlanta 2012).

- Westendorf 1962: W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VIII. Grammatik der medizinischen Texte (Berlin 1962), 328 mit Anm. 2.

- Westendorf 1966: W. Westendorf, Papyrus Edwin Smith. Ein medizinisches Lehrbuch aus dem Alten Ägypten. Wund- und Unfallchirurgie. Zaubersprüche gegen Seuchen, verschiedene Rezepte. Aus dem Altägyptischen übersetzt, kommentiert und herausgegeben, Hubers Klassiker der Medizin und der Naturwissenschaften 9 (Bern 1966).

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 16–22.

Literatur zu den Metadaten

- Bierbrier 2012: M. L. Bierbrier (Hrsg.), Who was who in Egyptology, 4(London 2012), 515.

- Dawson 1934: W. R. Dawson, Charles Wycliffe Goodwin, 1817–1878. A Pioneer in Egyptology (London 1934), 110–121.

- Fischer-Elfert 2013: H.-W. Fischer-Elfert, Anfang eines iry.w-Traktats des wti-Umwicklers inclusive einer post-mortalen Thanatologie, in: Chronique d'Égypte 88 (175), 2013, 26.

- Grapow 1955: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. II. Von den medizinischen Texten. Art, Inhalt, Sprache und Stil der medizinischen Einzeltexte sowie Überlieferung, Bestand und Analyse der medizinischen Papyri (Berlin 1955), 88–90, 108–112.

- Kilgour 1993: F. G. Kilgour, Locating Information in an Egyptian Text of the 17th Century B.C., in: Journal of the Association for Information Science and Technology 44,5, 1993, 292–297.

- Wilson 1964: J. A. Wilson, Signs & Wonders upon Pharaoh. A History of America Egyptology (Chicago 1964), 52–57, 230.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils
Bearbeitungsdatum
22.09.2017

Übersetzung und Kommentar

Der aktuell vorhandene Text setzt mitten in der Diagnose einer Kopfverletzung ein. Der Erhaltungszustand des Anfangs des Papyrus sowie die Anordnung der Verletzungsfälle lassen vermuten, dass nur eine einzige Kolumne bzw. Seite des Textes fehlt und dass die erste erhaltene Kopfverletzung auch tatsächlich der erste beschriebene Fall ist. Falls diese Vermutungen stimmen sollten, fehlen nur die allgemeine Einleitung und der Anfang von Fall 1.

Fall 1 (0.x–1.12): Kopfverletzung ohne klaffende Wunde

[1.1] (Titel:) [...]
(Untersuchung:) [...]
(Diagnose:) [Dann sagst du daraufhin über ihn (den Patienten):]
["Einer mit einer Wunde] an seinem Kopf
– allerdings schmerzen/bleiben(?) die Ränder (wörtl. Lippen) seiner Wunde1 [... ... ...], ohne dass es eine Klaffung gibt,
und doch(?) [reicht] sie (?, d.h. die Wunde) [bis zum Knochen] seines [(Hirn-)Schädels(?)]2:
Eine Krankheit3, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du sie (d.h. die Wunde) folglich [am er]sten [Tag] über (oder: zusammen mit) [frischem] Fleisch verbinden.4
Du sollst (sie/ihn)5 danach täglich mit Öl/Fett, [Honig] und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

1 jsṯ mn sp.tj wbn.w=f: Das schwer lesbare Wort zwischen jsṯ und sp.tj kann dank Glosse B (Kolumne 1.9) als mn "leiden" ergänzt werden. Breasted, Surgical Papyrus, 93 ergänzt zögernd die Negation nn(?): "while his wound does [not] have two lips", was jedoch nicht zu den Spuren passt; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 32 ergänzen n-wn.t, was ebenfalls nicht zu den Spuren und außerdem nicht in die Lücke hineinpasst. Westendorf, Handbuch Medizin, 711, Anm. 1 (so schon Grundriß IV/2, 140, Anm. 8 zu Fall 1) liest mn, allerdings mit der Buchrolle am Ende und der Bedeutung "bleiben": "und zwar bleiben die beiden Lippen seiner Wunde [eng beieinander ...], nicht ist ein Klaff vorhanden". Grundriß und Westendorf emendieren mn "leiden" in Glosse B zu mn "bleiben"; die Lesung des Determinativs von mn in Kolumne 1.1 als Buchrolle ist jedoch nicht eindeutig. Laut MedWb I, 367 (II) kann ein Körperteil schmerzen, weshalb möglicherweise auch die Lippen (sp.tj), d.h. die Ränder der Wunde schmerzen können.
2 qs n.j ḏnn.t=f: Die Lesung ḏnn.t ist unsicher, weil ein Ideogrammstrich hinter dem Kopf steht und ḏnn.t normalerweise ohne den Ideogrammstrich geschrieben wird. Ein Beispiel für ḏnn.t=f mit Ideogrammstrich steht in Fall 5 (Kolumne 2.12 und 2.17). Dagegen hat tp fast immer einen Ideogrammstrich, nur in Kolumne 1.1 und 4.17 ([wbn.w] m tp=f bzw. tp n ꜣmꜥ.t) fehlt er.
3 mr/m(ḥ)r: Wird mit Breasted, Surgical Papyrus, 95 meistens mit "(schmerzende) Krankheit" übersetzt. MedWb I, 381 erwägt die Möglichkeit, dass nicht bloß "Krankheit" vorliegt, sondern dass in der Formel mr ꜥḥꜣ=j ḥnꜥ der Krankheits-Dämon, d.h. der Krankheitserreger gemeint ist. Die Vermutung von Grapow, Grundriß II, 33, Anm. 2, dass in den drei Verdiktsformeln ein Substantiv (oder Partizip?) "Kranker" vorliegt, wird in MedWb I, 376–382 nicht übernommen und findet sich auch nicht in Wb. II. Lediglich Edel, in: ZÄS 84, 1959, 20, Anm. 2 folgt Grapow. Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus übersetzen mr in der Formel mr jri.y=j/ꜥḥꜣ=j ḥnꜥ/n jri.w nj in den Fällen 1–2 mit "injury", danach mit "a medical condition".
4 wt.ḫr=k sw: "du musst ihn/sie verbinden" und srwḫ=k sw "du musst ihn/sie versorgen". Das Personalpronomen sw muss sich auf ein männliches Substantiv beziehen, entweder auf den "Mann/Patienten" oder auf die Wunde/Verletzung (ist äg. maskulin wbn.w) oder die verletzte Körperstelle. Man wäre zumindest bei wt.ḫr=k sw geneigt, das Personalpronomen auf die Wunde (wbn.w) oder auf das verletzte Körperteil zu beziehen (ähnlich bei jdr=k sw "du mögest "ihn", d.h. den Mann oder die wbn.w-Wunde nähen"). Das funktioniert auch gut, solange ein maskulines Bezugswort vorhanden ist. In den Fällen 30, 32, 39 und 42 liegen jedoch feminine Verletzungsarten und (teilweise) feminine Körperteilbezeichnungen vor (Fall 30: nrw.t; ob auf ṯꜣz n.j nḥb.t zu beziehen?; Fall 32: nsw.t; ob auf ṯꜣz n.j nḥb.t zu beziehen?; Fall 39: bn.t und qb.t, ob auf sqr m qꜣb.t zu beziehen?; Fall 42: nrw.t und ḥn.w n.w qꜣb.t; letzteres ist ein Plural und verlangt nach sn); vgl. auch Fall 27: wbn.w, aber kf.t jptf bei wt.ḫr=k in Kolumne 9.16. Westendorf, Handbuch Medizin bezieht sw in seinen Übersetzungen dieser Fälle auf den Wirbel im Nacken (TAz: Fälle 30 und 32), auf den Schlag/die Schlagverletzung (sqr: Fall 39) und auf die Rippen (ḥn.w), wobei er es in den Fällen 30, 32 und 42 mit einem Fragezeichen versieht. Ansonsten kommt dort eigentlich nur der Mann/Patient in Betracht. Es stellt sich dann die Frage, ob an allen Stellen der Mann/Patient gemeint sein wird (so Grundriß IX, 80, zu IV/2 Seite 149 zu Sm Fall 30 Note 3 Ende; nur Allen, Art of Medicine, übersetzt systematisch mit "him", d.h. dem Mann/Patienten).
5 Bei der Behandlung fehlt das Objekt. Es ist wie im vorherigen Satz (sw) wohl die Wunde, die mit Öl/Fett, Honig und Faserbausch versorgt wird, obwohl im Nebensatz (r nḏm=f) anschließend der Mann/Patient gemeint ist. Der gleiche Satz kommt noch in zahlreichen weiteren Fällen vor, fast immer mit dem Pronomen sw (Fall 10, 11, 17, 26, 27, 28, 32, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 42, 43, 46, 47). Das Pronomen sw wurde in Fall 12 (Kolumne 9.20) nachgetragen. Es fehlt ebenfalls in Fall 18 (Kolumne 7.11), Fall 19 (Kolumne 7.19) und Fall 30 (Kolumne 10.11). Vgl. Fall 10 (Kolumne 5.8) für sw für Wunde/Patient; srwḫ ist schon in Fall 1 (Kolumne 1.3) eingetragen.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "du untersuchst (etymol.: vermisst) einen Mann" angeht:
[das bedeutet,] eine Person NN zu taxieren / einzuschätzen (wörtl.: zählen, berechnen)1.
[... ist wie das Zäh]len/Berechnen2 einer Sache mit dem Oipe-Getreidemaß.
(Eine Person NN) zu untersuchen [ist, wie] wenn irgendeine beliebige Sache mit dem Oipe-Maß [gezählt/berechnet] wird.
Irgendetwas mit den Fingern zu zählen/berechnen <geschieht(?)>, um [1.5] [zu kennen ...]
[De]nn (?), wenn eine Sache mit dem Oipe-Maß vermessen wird, [dann (?) ist das dasselbe wie (?),] wenn ein Leiden damit taxiert/eingeschätzt(?) wird und ebenso (wie) wenn das Leiden eines Mannes vermessen/untersucht wird, um [den Rhythmus (wörtl.: Gang)] des Herzens [kennenzulernen]. (?)
Es gibt mt-Gefäße3 in/aus ihm (d.h. in dem Patienten oder aus dem Herzen)4 für [jedes] Glied/Körperteil.
[Was] diese (d.h. Glieder/Körperteile) angeht, (auf die) die Sachmetpriester (oder) jeder (andere) swn.w-Arzt seine beiden Hände, (d.h.) seine Finger legt,
– [auf den Kopf, auf den Hinterkopf], auf die beiden Hände, auf die Stelle des jb-Herzens5, auf die beiden Beine:
dem ḥꜣ.tj-Herz gilt sein Messen/Untersuchen (wörtl.: es ist für das Herz / wegen des Herzens, dass er misst/untersucht).
Denn es ist der Fall, dass seine (d.h. des ḥꜣ.tj-Herzens?) mt-Gefäße6 hinten (?; wörtl.: an der Hinterseite)7 sind, (und zwar?) an/in der Stelle des jb-Herzens;
(Und) es ist der Fall, dass [es (d.h. das Herz) vorn in8] jedem mt-Gefäß eines jeden Glieds/Körperteils [spricht].9
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt10 "Untersuchen/Messen" zum / über das [Legen] seiner [Hände/Finger]11 auf die mt-Gefäß[e] seines Kopfes, seines Hinterkopfes (und) seiner beiden Beinen12.
[Man/Er misst die mt-Gefäße(?)]13 seines ḥꜣ.tj-Herzens, um die šsꜣ.w-Hinweise/Informationen14, die dort sichtbar werden (wörtl.: entstehen) (oder: das šsꜣ.w-Erfahrungswissen, das daraus entsteht),15 kennenzulernen.
[Er (d.h. der Arzt)] sagt, [dass] es/sie [untersucht/gemessen wird], um das, was dort16 sichtbar wird (oder: geschehen ist), kennenzulernen.

1 jp: Bedeutet "zählen, rechnen" und erweitert "registrieren; (steuerlich) veranlagen" usw. Breasted, Surgical Papyrus, 105–106 vermutet, dass "zählen" sich auf das Messen des Pulses beziehen wird (ähnlich Grundriß der Medizin IV/2, Anm. 3 zu Fall 1; Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 32, Anm. 7), weil im Text im Anschluss vom Zählen mit den Fingern die Rede ist. Bardinet, Papyrus médicaux, 86–87 lehnt diese Interpretation ab, weil das eine moderne Untersuchungsmethode ist. Für ihn bedeutet jp: "faire le bilan", d.h. wenn der ägyptische Arzt den Patienten vermisst (ḫꜣi̯), stellt er eine Bilanz von allen Unregelmäßigkeiten auf und das Messen des Pulses ist nur eine davon. Allen (Art of Medicine, 72: "taking account of someone") und Meltzer (Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 33: "evaluating someone") umschreiben jp ähnlich wie Bardinet.
2 Die Lücke von ca. 5–6 Quadraten lässt sich nicht genau ergänzen; pw und mj füllen nicht die ganze Lücke aus. An etwas vollständigeren Ergänzungen liegen vor: "cela veut dire faire un bilan de quelqu'un (men). [Examiner est comme] faire un bilan de choses (différentes) avec la mesure-oipé." (Bardinet, Papyrus médicaux, 85 und 493); "[Das bedeutet] das Zählen/Messen eines beliebigen (Mannes) [mit den Fingern (?) wie das Zählen/Messen] von Dingen mit dem Zählmaß." (Westendorf, Handbuch Medizin, 711). Vielleicht ist auch eine Ergänzung mit mj.tt statt mit mj möglich. Es kann sein, dass die Lücke nach jp mn auch nur sehr kurz ist und dass anschließend ein neuer Satz in schwarzer Tinte anfängt (vgl. die Übersetzung von Bardinet).
3 mt: Ist ein wichtiger Begriff der ägyptischen Anatomie, der sowohl Hohlgefäße (Blutgefäße, Lymphgefäße) als auch Stränge (Muskeln, Sehnen) bezeichnet (MedWb I, 400–408). Es gibt keinen entsprechenden Begriff im Deutschen ("Gefäßstrang"?).
4 jm=f: Für die Interpretation der Textstelle ist die Identifikation des Bezugswortes von =f wichtig. Für Breasted bezieht sich "in ihm" auf das Herz (ebenso Ebbell). Allen, Ritner und Meltzer übersetzen nicht mit "in ihm", sondern "aus ihm", was für das Herz sinnvoller ist. Ein alternatives Bezugswort für =f ist der Mann/Patient. Grundriß der Medizin IV/2, 172, Anm. 6 zu Fall 1 erwägt sowohl das Herz als auch den Mann/Patienten als Bezugswort. Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 30 (und Westendorf, Handbuch Medizin, 711) entscheidet sich für den Mann, ebenso Bardinet, Papyrus médicaux, 84.
5 s.t-jb: "Stelle des jb-Herzens" wird teilweise als ein (lexikalisiertes) Kompositum, teilweise als eine normale Genitivverbindung aufgefasst. Da es inmitten von anderen Körperteilen erwähnt wird, erwartet man, dass es auch eine Körperteilbezeichnung ist. Die Stelle/Stätte des jb-Herzens (als Genitiv) ist der Ort, wo sich das Herz befindet, weshalb Ritner, in: JNES 65, 2006, 102 mit "chest" übersetzt. Für Walker, Anatomical Terminology, 147, 158, 176–177 mit seiner Interpretation von jb als "mind, person, self", ist s.t-jb wohl eine Bezeichnung für das physische Herz. Breasted versteht s.t-jb als ein Kompositum mit dem Bildungselement s.t für Aktivitäten, weshalb er mit "pulse" übersetzt (ebenso Allen). Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 16 hat "Stelle des Magens", weil er jb fälschlicherweise als "Magen" identifiziert (zur Identifikation siehe Ebbell, in: Acta Orientalia 15, 1937, 293–296). MedWb II, 701 trägt es als Genitiv-Verbindung unter s.t ein.
6 mt.w=f: Auch hier stellt sich die Frage, was das Bezugswort von =f ist. Ist es das gerade genannte ḥꜣ.tj-Herz (so implizieren wohl die meisten Übersetzer und explizit Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 30; Westendorf, Handbuch Medizin, 711)? Bardinet, Papyrus médicaux, 494 denkt jedoch an Mann/Patienten: "les conduits-met de l'homme".
7 m ḥꜣ: Die Lesung (m ḥꜣ oder mḥꜣ) und Interpretation sind umstritten. Das Wort ḥꜣ bedeutet "Hinterkopf" (Wb III, 8.5–9) und mehr allgemein "Hinterseite, Rückseite" (Wb III, 8.10–11). Auch das Wort mḥꜣ bedeutet "Hinterkopf" und wird in jüngeren Texten mkḥꜣ geschrieben. Breasted übersetzt die Textstelle mit "in the back of his head and in the pulse". Dazu geht er von einer Haplographie aus: m ḥꜣ für m ḥꜣs (Breasted, Surgical Papyrus, 104 Anm. (c), 113; er nimmt überflüssigerweise einen zusätzlichen Fehler von mḥꜣ für mkḥꜣ an; gleiche Übersetzung bei Ebbell, Allen). Meltzer (in: Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 33) hat: "It is a fact that / the case that his vessels of the back of the head and nape are out of the seat of the heart". (Wegen des Suffixpronomens erwartet man vielleicht eher eine indirekte Genitivkonstruktion *mt.w=f n.w mḥꜣ.) Für (m) mt.w spricht, dass im nächsten Satz eindeutig m.tw als Substantiv vorliegt. Einen anderen Weg gehen die Autoren des Grundrißes der Medizin. Die gegensätzliche Präposition ḫnt "vorn in" im nächsten Satz könnte für eine Präpositionalkonstruktion m ḥꜣ "an der Hinterseite; hinten" sprechen (so MedWb I, 575 mit Anm. 1). Damit fällt eine Erwähnung des Hinterkopfes weg (so Grundriß IV/1, 172; ebenso Westendorf, Bardinet, Brawanski). Ist m s.t-jb dann eine Präzisierung von m ḥꜣ "hinten, (und zwar) an der Stelle des Herzens" (vgl. die Übersetzung von Ritner, in: JNES 65, 2006, 102: "that is, its vessels are (extending from) behind, in the chest")? Denn ansonsten würde man eine zusammengesetzte Präposition wie m-ḥꜣ-n.j erwarten. Sollte man die Stelle so verstehen, dass die mt-Gefäße "hinten", d.h. am Anfang, gleich am Herzen sind, und sich nach "vorn", zu den Gliedmaßen, ausdehnen, wo man das "Sprechen/Klopfen" des Herzens, d.h. den Puls, am vorderen Ende der Gefäße feststellen kann? Für die Interpretation von m-ḥꜣ und ḫnt als hinten/innen bzw. vorn/außen vgl. auch Westendorf, Handbuch Medizin, 711: "Denn es ist der Fall, dass seine (des Herzens) Gefäße hinten (innen) an der Stelle des Herzens (jb) sind; (und) es ist der Fall, [dass es (das Herz) vorn (außen) spricht in] jedem Gefäß einer jeden Körperstelle."
8 ḫnt: Die meisten Übersetzungen gehen von der Bedeutung "vorn, an der Spitze" > "in" aus, wobei "in" in der Zielsprache teilweise zu "aus heraus" abgeändert wird: "[it speaks from out of] every vessel" (z.B. Ritner, in: JNES 65, 2006, 102). Die Übersetzung von Allen, Art of Medicine, 73 weicht ab: "[it speaks] to every vessel". Hier ist mt nb nicht länger das Medium in dem oder durch das das Herz spricht, sondern es ist der Adressat.
9 Ergänzung der Lücke mdwi̯ ḫnt nach der gleichen Passage in pEbers 854a (Grundriß V, 1; Synopse bei Breasted, Surgical Papyrus, 106–107).
10 ḏd=f: An einigen späteren Stellen in den Glossen von pEdwin Smith wird aus gewissen Traktaten zitiert. Da im vorherigen Satz eine identische Passage mit dem sog. Gefäßbuch im Papyrus Ebers vorliegt, ist ein Zitat aus einer gemeinsamen Quelle denkbar, die vielleicht im fehlenden Anfang des Textes gestanden haben kann. Ansonsten könnte mit "er" der prototypische Arzt gemeint sein. Allen, Art of Medicine, 73 lässt das Herz aus dem vorherigen Satz weiterreden mit einem Umstandssatz: "revealing the measurement of his [...]", d.h. "indem es nennt/offenlegt die Messung seines [...]".
11 ḏı͗.t ⸮ḏr.tj/ḏbꜥ.w?=f: Es gibt zwei Ergänzungsvorschläge für die Lücke, die beide von der Lesung ḏd r "sagen über, bezüglich" ausgehen. Breasted, Surgical Papyrus, 103, 104 und 113, hat die Ergänzung wbn.w auf der Grundlage des erhaltenen =f erraten: "He says 'measure' (ḫꜣ.t) regarding his [wound]" (gefolgt von Ebbell). Im Grundriß IV/1, 172 wird eine andere Ergänzung vorgeschlagen: "Er sagt 'Messen' zum [Geben] seiner [Hände] auf die Gefäße seines Kopfes" (gefolgt von Westendorf, Brawanski, Ritner, Meltzer). Bardinet, Papyrus médicaux, 87 und 494 kombiniert beide Ergänzungen auf unmögliche Weise: "Il dit (= le médecin): 'examiner' à propos de sa [plaie] sur (= en plaçant les doigts sur) les conduits-met de la tête". Die Übersetzung von Meltzer (in: Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 33): "He says: 'Examining (i.e.) [placing] his [hands] upon the vessels ...'" impliziert eine Lesung ẖꜣi̯.t r[ḏı͗.t] ... mit dem Infinitiv rḏı͗.t statt ḏı͗.t und eine Substantivalsatzkonstruktion mit einem ausgefallenen pw.
12 rd.wj=f: Breasted, Surgical Papyrus, 103, Anm. (p) nimmt an, dass aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende der Zeile nichts fehlt, vermutlich weil die Beine auch in Zeile 7 die letzten aufgelisteten Körperteile sind. In Anbetracht der Länge der übrigen Zeilen, könnten jedoch 1 bis 2 Quadrate am Zeilenende fehlen, vermutlich mit dem Anfang des nächsten Satzes.
13 Ergänzung der Lücke nach einem Vorschlag von Grundriß IV/1, 172: "[Man misst die Gefäße] seines Herzens (ḥꜣ.tj)" (gefolgt von Westendorf, Brawanski, beide mit "er misst", d.h. der Arzt misst, statt "man misst").
14 šsꜣ.w ist ein Kernwort für das Wissen in der medizinischen Literatur. Es kommt von der Wurzel šsꜣ "kundig sein, erfahren sein" und ist ein auf Erfahrung basierendes Wissen, das weitertradiert wird und "kundig macht". Für Breasted, Surgical Papyrus, 79–80 sind es ursprünglich vielleicht "(objektive) Hinweise, Anzeichen, Symptome" ("indications"), die man beobachten kann, später die darauf basierenden "Anweisungen, Richtlinien, Vorschriften" ("instructions"). Für Westendorf (Handbuch Medizin, 82–83; Papyrus Edwin Smith, 19) impliziert das Wort sowohl das gesammelte und gespeicherte Wissen in Form einer "Kunde" wie Heilkunde (< "kundig sein") als auch die Absicht dieses Wissen als Information ("Bekundung" < "kundig machen, künden") weiterzugeben.
15 šsꜣ.w ḫpr jm: Zwei unterschiedliche Interpretationen liegen vor, je nachdem ob ḫpr als Objektsgenitiv oder als attributives Partizip einzustufen ist. Dieses hängt wiederum mit der Übersetzung von šsꜣ.w zusammen. Im ersten Fall ist "Erfahrungswissen über das / dessen, was geschieht / geschehen ist" zu verstehen (Bardinet, Papyrus médicaux, 87–88, 494: "(re)connaître le descriptif (médical) (chesaou) concernant ce qui se déroule en lui (= l'homme)."). Im zweiten Fall (so die meisten Übersetzungen) ist es "ein Hinweis, ein Symptom, eine Information, die sich dort manifestiert". Die unterschiedlichen Graphien von ḫpr und ḫpr.yt (im nächsten Satz) sprechen für eine attributive Verwendung von ḫpr in diesem Satz.
16 jm: Wegen der Lücke ist unklar, ob jm als Lokaladverb "dort, darin" zu verstehen und auf ḥꜣ.tj-Herz oder mt-Gefäß zu beziehen ist, oder ob es sich als "daraus, dadurch" auf das Messen bezieht (Allen, Art of Medicine, 73: "to learn the knowledge that comes from it").

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "allerdings schmerzen1 [die Ränder]2 [1.10] seiner Wunde" angeht:
das bedeutet, dass (man) sagt: "Seine Wunde ist klein, [ohne weit zu sein] und ohne dass die beiden (Wundränder) auseinander klaffen (wörtl.: ohne dass es ein Klaffen durch einen (Wundrand) (weg) von seinem zweiten gibt).

1 mn: Das Verb ist wie mn "leiden an, schmerzen" geschrieben. Breasted, Surgical Papyrus, 114–115 meint, dass eine Negation erforderlich ist und er denkt entweder an einen Fehler für nn "nicht" oder für das Neuägyptische mn "nicht sein/haben" (gefolgt von Ebbell, Bardinet, Sanchez/Meltzer). Für die Autoren des Grundrisses liegt das Verb mn "bleiben" mit dem falschen Determinativ ("schlechter Vogel" statt Buchrolle) vor (vgl. Grundriß IV/2, 140, Anm. 8 zu Fall 1; Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 31, Anm. 2; Westendorf, Handbuch Medizin, 712 mit Anm. 1). Meltzer, 33 und 34 ergänzt mn [nn sp.tj wbn]w=f "a patient/sufferer [whose wound does not have two lips(?)]". Das Substantiv mn "der Leidende" ist zwar belegt (Wb II, 67.5), aber nicht in den medizinischen Texten und in Kolumne 1.1, auf die diese Glosse wahrscheinlich verweist, ist keine Negation vorhanden.
2 sp.tj wbnw=f: Ergänzung nach Kolumne 1.1: jst mn sp.tj wbnw=f.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "(eine Wunde,) die bis zum [Knochen des (Hirn-)Schädels reicht, ohne zu klaffen]" angeht:
das bedeutet, dass (man) sagt: "(Es) gibt ein Klaffen (wörtl.: es wird geklafft) seitens des Fleisches (d.h. der Haut);
allerdings ist diese [Wunde(?) beendet(?)]1 auf/über dem Knochen seines Schädels,
ohne dass die beiden (Wundränder) auseinander klaffen (wörtl.: ohne dass es ein Klaffen durch einen (Wundrand) (weg) von seinem zweiten gibt)2, (mit dem Ergebnis, dass die Wunde) klein ist, ohne weit zu sein."

1 jsṯ pꜣ [wbn.w ...(.w)]: Ergänzungsvorschlag von Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 31 (ebenso Westendorf, Handbuch Medizin, 712; gefolgt von Brawanski). Westendorf äußert sich nicht zum ägyptischen Verb, das mit "enden" ergänzt wird.
2 nn kfi̯.t jn [wꜥ.t r sn.nw.t=s]: Hier weicht Meltzer (in: Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 33–35) von der gängigen Ergänzung ab. Er hat nn kfi̯.t jn [sqr wbn.w=f] nḏs(.w) "there being no slash wound/cutting by [a blow, his wound] being small." Das Verb sqr taucht erst in Fall 8 auf. Die übliche Ergänzung beruht auf der Textstelle in Glosse B des Falles 1 (Kolumne 1.10: n[n] kfi.t jn wa r sn.w=s).

Fall 2 (1.12–1.18): Kopfverletzung mit klaffender Wunde

(Titel:) Erfahrungswissen über eine [klaffende] Wunde [an seinem Kopf], die bis zum Knochen reicht.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer [klaffenden] Wunde [an] seinem [Kopf], die bis zum Knochen reicht, untersuchst,
dann musst du folglich deine Hand auf sie (d.h. auf die Wunde, wohl nicht auf den Mann) legen,
(und) [dann musst du] seine [Wunde (durch Abtasten)] erfor[schen/absuchen].
Wenn du seinen (Hirn-)Schädel1 [unversehrt(?)]2 vorfindest, (ohne dass) [es einen Spal]2t(?)3 (oder) ein Loch / eine Durchbohrung in ihm (dem Schädel) gibt,
(Diagnose:) dann sagst du daraufhin über ihn (den Patienten):
"Einer mit [einer klaffenden Wunde] an seinem Kopf:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann mu[sst du sie (d.h. die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) [1.15] frischem Fleisch] verbinden.
[Dann musst du folglich einen ꜣ.wj-Doppelverband/Kreuzverband(?) aus Leinenstoff auflegen.]
[Du sollst ihn/sie danach] täglich [mit Öl/Fett, Honig und Faserbausch] versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.4

1 ḏnn.t: Bezeichnet vor allem den knöchernen Schädel oder mehr spezifisch den Hirnschädel (wohl nicht nur das Schädeldach), denn es kann durchstoßen/durchbohrt (thm), gespalten (pšn) und zersplittert/zerbrochen (sḏ) werden und bei Verletzungen wird der Knochen (qs) des ḏnn.t erreicht oder es entstehen Schalen/Scherben (pꜣq.t) und Knochen(fragmente) (qs), die zum Innern einsinken können. Brüche im Gesichtsbereich werden nicht mit ḏnn.t in Zusammenhang gebracht, weshalb der Gesichtsschädel wahrscheinlich nicht gemeint ist bzw. ausgeschlossen werden kann. Außerdem bezeichnet ḏnn.t nicht ausschließlich den knöchernen Hirnschädel, sondern in manchen Fällen auch den Schädelinhalt (das Gehirn ꜣjs n.j ḏnn.t und die lederartige tpꜣ.w zwischen den pꜣq.t des ḏnn.t). Die allgemeine Bezeichnung "(knöcherner) Schädel" findet man im Wb V, 576.13–14 ("Schädel" und "insbesondere der (knöcherne) Schädel, in dem das Gehirn liegt"), bei Breasted, Surgical Papyrus, 86–87 ("skull") und im MedWb II, 1005 ("Schädel") (z.B. auch bei Nunn, Egyptian Medicine, 49; Karenberg und Leitz, in: Cephalalgia 21, 2001, 913: "skull as a whole"). Die lateinische Entsprechung für den knöchernen Schädel, einschließlich des Unterkiefers, lautet cranium. Die Bedeutung "Schädel" wird teilweise weiter eingegrenzt, entweder nur in spezifischen Zusammenhängen oder generell, entweder auf "Hirnschädel" (neurocranium = Hirnschale/Gehirnschale = braincase) oder auf "(knöchernes) Schädeldach" (calvarium/calvaria = Schädelkalotte = skull cap). Grapow, Anatomie, 26 sagt, dass es "der knöcherne Schädel, in dem das Gehirn liegt" ist (d.h. das neurocranium). Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 22 hat seinerseits schon mit "Gehirnschale" übersetzt, bei Grapow findet man ḏnn.t unter dem ungebräuchlichen, mittlerweile veralteten Begriff "Schädelkapsel" als Teil/Bereich des Hirnschädels eingeordnet (das Lemma "Schädelkapsel" steht nicht in den gängigen Wörterbüchern wie Grimmsches Wörterbuch, Meyers Großes Konversationslexikon, Duden oder Wahrig). Auch wenn das französische "crâne" dem deutschen "Schädel" entspricht, schränkt Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 10 die Bedeutung von ḏnn.t in ähnlicher Weise ein: "le crâne, qui constitue la partie supérieure et postérieure de la tête" (also der Hirnschädel). Weeks, Anatomical Knowledge, 18–19 versteht ḏnn.t als "cranium", d.h. "the bones of the head and not the head as a whole", wobei für ihn die Mundöffnung nicht dazugehört. Somit ist der Terminus cranium schlecht gewählt; neurocranium wäre besser gewesen (Oder wird in der älteren anglo-amerikanischen medizinischen Terminologie cranium anders definiert als in der deutschen?). Einmal (S. 18) übersetzt Weeks ḏnn.t allerdings mit "calvarium", was eine Beschränkung auf den (oberen) Teil des Schädels implizieren würde, der das Gehirn enthält, aber ohne die Schädelbasis. Walker, Anatomical Terminology, 279 übersetzt mit "braincase, cranium" (sic!) und er vermerkt, dass ḏnn.t "denotes only that part of the skull enclosing the brain" und "does not include the bones of the face". Die Übersetzung "braincase" wird ebenfalls durch Sanchez/Meltzer verwendet. Auch Singer, My Skull Has Not Beek Crushed, versteht ḏnn.t als den knöchernen Schädel ohne den Gesichtsbereich, was er fälschlicherweise das calvarium nennt (in seiner Abb. 1 auf S. 10 scheint die Schädelbasis mit eingeschlossen zu sein). Für calvaria entscheidet sich Breasted, Surgical Papyrus, 86, der nicht vom Hirnschädel spricht. In Anbetracht der Art der Knochenverletzungen verwendet der Autor von pEdwin Smith nach Meinung von Breasted das Wort ḏnn.t in technischem Sinne für die calvaria, d.h. das knöcherne Schädeldach (wahrscheinlich weil es typische Verletzungen für platte Knochen sind). Das Schädeldach (die Schädelkalotte) mit dem darunterliegenden Gehirn gehören eindeutig zum ḏnn.t, aber ḏnn.t ist wahrscheinlich mehr als nur das Schädeldach und schließt den ganzen Hirnschädel mit ein (sofern die Ägypter eine ähnliche Klassifikation wie heute vorgenommen haben!). ḏnn.t kann manchmal mit ḏꜣḏꜣ abwechseln, das eine allgemeine Bezeichnung für "Kopf" ist, sich in diesen Fällen dann aber konkret auf den knöchernen Kopf, d.h. den Schädel bezieht.
2 wḏꜣ.tj n-wn.t: ergänzt mit Breasted, Surgical Papyrus, 119 nach Kolumne 7.9 und 9.14.
3 n-wn.t pšn thm: Vor thm sind Zeichenspuren vorhanden, die Breasted als nt liest und zu n-wn.t ergänzt. In Kolumne 7.9 und 9.15 ist die Zeichenanordnung von n-wn.t jedoch eine andere. Deshalb sind n + kleines Zeichen eher als das Ende von pšn aufzufassen (n + Kreuz-Determinativ), das laut Glosse C (Kolumne 1.17) auch vorhanden sein muss (jr n-wn.t pšn thm [...]), hier mit Grundriß (Grundriß der Medizin IV/1, 173 und IV/2, 140, Anm. 1 zu Fall 2) zu ergänzen. Breasted, Surgical Papyrus, 120 meint auf der Grundlage von Glosse C, dass der Kopist irrtümlicherweise pšn vergessen hat und dass seine Ergänzung die komplette Lücke schon ausfüllt (Die Schreibung bzw. Zeichenverteilung von wḏꜣ.tj ist jedoch nicht rekonstruierbar; das Wort könnte größtenteils am Ende von Zeile 13 gestanden haben). Ebbell, Brawanski, Allen und Sanchez/Meltzer folgen der Ergänzung von Breasted; Grundriß IV, Westendorf und Bardinet ergänzen zusätzlich [pš]n.
4 Alle Ergänzungen nach Breasted, Surgical Papyrus, 121, der einige Wörter weglassen bzw. verkürzt schreiben möchte, um die Ergänzungen entsprechend der mutmaßlichen Länge der Lücke einpassen zu können. Am Ende ist noch das Determinativ von ftt "Faserbausch" erhalten, zweifellos in der gängigen Kombination von Öl/Fett, Honig und Faserbausch. Am Anfang wird die tiefe Fleischwunde möglicherweise mit frischem Fleisch am ersten Tag bandagiert (wt). Beide Elemente kommen schon in der Behandlung von Fall 1 (und auch in späteren Fällen) gemeinsam vor. Aber laut Glosse B sollten auch die Stoffstreifen ꜣ.wj/ꜣr.wj n.j ḥbs.w ergänzt werden, die in Kolumne 2.23, 5.9 und 9.16 aufgelegt (wdi̯/rḏi̯), nicht bandagiert (wt) werden.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine [klaffende] Wunde [an seinem Kopf, die bis zum Knochen reicht]" angeht:
[das bedeutet ... ... ...] seine Wunde.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "der ꜣ.wj-Doppelverband/Kreuzverband(?) aus Leinenstoff" angeht:
[das ist] ein Paar sšd-Binden [aus Leinenstoff,
das man auf die beiden Ränder der klaffenden Wunde legt, um dafür zu sorgen, dass der eine (Rand)] den anderen [berührt].

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "Es gibt keinen Spalt und kein Loch [in ihm (d.h. dem Schädel)]1" angeht:
[das bedeutet ... ... ...]2

1 pšn thm [jm=s]: Breasted ergänzt [sḏ jm=s] wegen der Parallele in Kolumne 7.9: n-wn.t pšn thm sḏ jm=f, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass auch die sd-Verletzungsart in Fall 2 (in Zeile 1.14) erwähnt wird. Trotzdem folgen Brawanski sowie Sanchez/Meltzer der Ergänzung von Breasted.
2 Die Länge der Lücke mit der erklärenden Glosse beträgt ca. 12–13 Quadrate. Nur Westendorf, Handbuch Medizin, 712 erwägt eine Ergänzung: "Was anbetrifft: Nicht ist ein Spalt (oder) ein Loch [an ihm. – Das bedeutet: Sein Schädel ist unversehrt, nicht ist er gespalten (oder) durchlöchert]."

Fall 3 (1.18–2.2): Schädelverletzung mit Lochbruch

(Titel:) [Erfahrungswissen über eine] klaffende [Wun]de an seinem Kopf, die bis zum Knochen reicht – sein [(Hirn-)Schädel ist] durchbohrt/durchstoßen1.
(Untersuchung:) [Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an] seinem [Kopf untersuchst], die bis zum Knochen reicht
– sein (Hirn-)Schädel ist durchbohrt/durchstoßen –,
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Du findest [1.20] ihn2 vor, indem er nicht in der Lage ist, auf seine Schultern und seine Brust zu blicken,
und (indem) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet.
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit [einer klaffenden Wunde an seinem Kopf, die bis zum Knochen reicht]
– sein (Hirn-)Schädel [ist durchbohrt/durchstoßen] –,
(indem) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung)3 in seinem Nacken leidet:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) So[bald du (also) jenen Mann / jene Durchbohrung vorfindest,]
[darfst du] am ersten Tag [kein] frisches [Fleisch] auf seine Wunde [legen] (?).
oder:
Nach[dem du ihn genäht hast,
da musst du folglich] am ersten Tag frisches [Fleisch] auf seine Wunde [legen] (?).4
Du darfst ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) nicht verbinden.
(Er) werde auf den Boden [auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?)] gelegt, [sodass / bis der Höhepunkt / die kritische Phase seines jh-Leidens vorübergeht.]
Du mögest ihn [an]schließend täglich mit Öl/Fett, Honig und Faserbausch [versor]gen/pflegen, bis es ihm besser geht (oder: sodass er sich (wieder) wohl fühlt).

1 thm: In pEdwin Smith werden drei Arten von Knochenverletzungen beschrieben: thm, pšn und sd. Das Verb thm hat unterschiedliche Bedeutungen (Wb V, 321–322; Hannig, HWB, 1009: "durchstoßen, durchlöchern; stoßen; erlegen; drängen; löchern; klopfen"), aber wird teilweise mit einem kleinen runden Kreis determiniert, der für ein Loch steht. Die Bedeutung "durchbohren, durchstoßen, durchlöchern" passt in den verschiedenen medizinischen Fällen (Breasted, Surgical Papyrus, 125–126: "perforate"; Wb V, 321.6: "durchstossen sein"; MedWb II, 959: "durchlöchert sein (von Knochen)"). Das Ergebnis ist ein Lochbruch, der durch einen spitzen Gegenstand mit kleiner Aufprallfläche (Werkzeug, Waffe) verursacht wird (Brawanski, in: SAK 29, 2001, 14, Abb 1). Laut Brawanski, in: SAK 29, 2001, 15 (gefolgt von Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 48, Anm. 26) ist eine thm-Verletzung durch einen sḏ-Schlag vermutlich eine Untergruppe und eine kleinere Verletzung ("clean punched out bone fracture") der sḏ-Verletzungen ("an open comminuted fracture") (das könnte aus Glosse A von Fall 3 herauszulesen sein). Allen, Art of Medicine, 73 übersetzt thm mit "to violate" und verwendet damit eine weniger präzise Bedeutung. Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 14 lehnt die Bedeutungen "perforate" bzw. "Loch" (für das zugehörige Substantiv) ab, denn seiner Meinung nach ist die allgemeine Bedeutung von thm "betreten, hineingehen, hineindringen". Und die Bedeutung "eindringen" bzw. "Eindruck" würde laut Ebbell überall in pEdwin Smith gut passen. Er verweist insbesondere auf Fall 3, der in der Reihenfolge zwischen der Wunde mit unversehrtem Schädel (Fall 2) und der mit gespaltenen Schädel (Fall 4) steht. Seiner Meinung nach müsste in Fall 3 deshalb eine Hiebwunde gemeint sein, die zwar mehr oder weniger tief in den Schädelknochen eindringen kann, aber keine Spaltung oder Fraktur bewirkt, d.h. einen "Eindruck" hinterlässt. Ebbel vergleicht mit dem griech. medizinischen Begriff ἓδρα bei Hippokrates: "das verbleibende Mal oder die Knochenwunde, welche entsteht, wenn eine Waffe ein Stück in einen Knöchel hineindringt".
2 gmm=k sw: Ergänzungsvorschlag Breasted. Vergleiche die Glosse C zu diesem Fall 3.
3 ṯsw: Siehe Fall 8, Kolumne 4.9.
4 Zwei verschiedene Ergänzungen liegen für diese Passage vor. Eine ist von Breasted (132–133 und Tf. Ic) nach den Fällen 10 und 26: jr [m-ḫt jdr=k sw / wdi̯.ḫr=k jwf] wꜣḏ .... Westendorf, in: GM 153, 1996, 107–110 (und schon vorher in: Grundriß der Medizin IV/2, 140, Anm. 1 zu Smith Fall 3; Grundriß der Medizin IX, 79 [Nachträge], und in: Papyrus Edwin Smith, 33–34) lehnt diese Ergänzung ab, weil das Vernähen der Wunde in den Fällen 10 und 26 schon bei der Untersuchung stattfindet und nicht erst nach der Diagnose. Westendorf ergänzt deshalb jr [ḏr gmm=k z pf thm ḏnn.t=f] "Wenn du also jenen Mann findest, dessen Schädel durchlöchert ist" oder, weil der Platz dafür wohl nicht ausreicht, kürzer jr [ḏr gmm=k z pf] "Wenn [du also jenen Mann findest]" oder eventuell jr [ḏr gmm=k thm pf] "Wenn [du also jenes Loch findest]".
wdi̯.ḫr=k ist die Ergänzung von Breasted. In Grundriß der Medizin IV/2, 140, Anm. 2 zu Sm Fall 3 wird auch die Ergänzung von rḏi̯ statt wdi̯ für möglich gehalten. Aber in jüngeren Beiträgen argumentiert Westendorf für eine Konstruktion mit einer Negation (Westendorf, Handbuch Medizin, 713 = Westendorf, in: GM 153, 1996, 107–110): [jmi=k wdi̯/rḏj jwf] wꜣḏ].

(Glosse A:) [Was (die Textstelle) "... ... ... ...] sein Hirnschädel [ist ... (Bewegungsverb)]1" [angeht],2
<das ist> ein kleiner sḏ-Bruch (Splitterbruch)3,
weil er (der Mann oder sein Kopf) sich einen sḏ-Bruch ähnlich wie die nꜥš-Durchbohrung(?)4 eines ḥnw-Topfes zugezogen hat.
oder:
[Was (die Textstelle) "sein Hirnschädel ist durchbohrt" angeht:
das ist ein sd-Bruch(?), der] seinen Hirnschädel [... (Bewegungsverb) hat].2
Der sd-Bruch (Splitterbruch) erweist sich als klein,
weil er sich einen sd-Bruch ähnlich wie die nꜥš-Durchbohrung(?) eines ḥnw-Topfes zugezogen hat.
[1.25] [... ... ... ..., den] er sich [zugezo]gen hat(?).

1 ḏnn.t=f: unmittelbar davor sind die Beinchen (Gardiner Sign-List D54) erhalten. Aus dem Grund lehnt Breasted, Surgical Papyrus, 136, Anm. a die Ergänzung thm ab, das im pEdwin Smith mit dem (angewinkelten) Bein (Gardiner Sign-List D56) determiniert wird. Trotzdem übersetzt Allen mit "violated" (d.h. thm) und auch Meltzer hat "penetrated(?)". Meltzer (in: Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 47–48) erwägt außer thm noch die Ergänzung folgender Verben: ḏfy "penetrate", ḫmꜥ "penetrate" und ꜥq "enter". Westendorf (Handbuch Medizin, 713) erwägt die Ergänzung des Verbs pḥ "erreichen". In den Übersetzungen liegen folgende Ergänzungen vor: "Das bedeutet, es ist ein Loch/Bruch in seinem Kopf], erreichend (pḥ?) seinen Schädel." (Westendorf, Handbuch Medizin, 713) (etwa [thm/sd? pw m tp=f pḥ] ḏnn.t=f); "Das bedeutet, es ist ein Loch/Bruch in] seinem (Hirn-)Schädel." (Westendorf, in: GM 153, 1996, 107) (etwa thm/sd? pw m] ḏnn.t=f); "das bedeutet, ein Lochbruch ist in seinem Kopf, reichend bis zum Knochen seines Schädels" (Brawanski, in: SAK 29, 2001, 15: ohne die Lücke anzugeben; Ergänzung eindeutig nach Westendorf); "[As for 'a gaping wound in his head, which has penetrated to the bone and violated] his skull', it is a small fracture" (Allen, Art of Medicine, 73) (etwa [jr wbn n.j kf.t m tp=f (j)ꜥr r qs thm] ḏnn.t=f / sd nḏs].
2 Die Ergänzung des Anfangs der Glosse hängt mit dem erhaltenen Rubrum ḏnn.t=f und der Interpretation des anschließenden sd nḏs in schwarzer Tinte zusammen. Entweder ist ḏnn.t=f das letzte Wort des Zitats, das glossiert wird (so Allen), oder es ist das letzte Wort des ersten Satzes (ein pw-Satz) der Erklärung (so die meisten Übersetzer). Fall es der erste Satz der Erklärung ist, müsste dort sd ebenfalls ergänzt werden, denn ansonsten lässt sich die Anwesenheit von sd in den nächsten Sätzen nicht erklären. Unerwartet ist jedenfalls, dass der letzte Satz der Behandlung und der erste Satz der Glosse nicht durch die Verwendung von unterschiedlicher Tinte differenziert zu sein scheinen.
3 sḏ: "zerbrechen, zersplittern": Ist in pEdwin Smith eine von drei Arten/Ursachen von Schädelverletzungen, neben thm "durchbohren, durchstoßen" und pšn "spalten". Bei der Durchbohrung entsteht ein Lochbruch, beim Spalten ein Spaltbruch (Fissur). Das Verb sḏ bedeutet wahrscheinlich ursprünglich "einen Topf zerbrechen (in zahlreiche Scherben)", denn das Verb wird in Pyr. 954a (Spruch 476, Version M300) mit einer Topfscherbe determiniert. Bei der sḏ-Verletzung des Schädels entstehen "Knochen" (qs.w) bzw. "zahlreiche Reste" (zp.w ꜥšꜣ.w) in der Wunde (siehe pEdwin Smith, Fall 5, Glosse A, Kolumne 2.17), d.h. es ist ein Splitterbruch mit ausgedehnten Frakturen und Fissuren, was im Bereich des Schädels auch als Berstungsfraktur bezeichnet wird. Nach der Anzahl der Fragmente kann man des Weiteren von einer Stückfraktur (weniger als 7 Fragmente) oder einer Trümmerfraktur (mehr als 7 Fragmente) sprechen, englisch "comminuted fracture". Brawanski, in: SAK 29, 2001, 15 fragt sich, ob der thm-Bruch eine Unterform des sḏ-Bruches ist (das könnte aus Glosse A von Fall 3 herauszulesen sein). Zusätzlich zum sḏ-Bruch (Splitterbruch) gibt es den ḥsb-Bruch. sḏ kommt bei Schädelverletzungen vor, ḥsb bei anderen Knochenbrüchen; sḏ kann auch zu Fleisch, Geschwülsten und Krankheitserscheinungen (aufbrechen, zerbrechen, aufplatzen, zerplatzen) gesagt werden, ḥsb nicht. Die Art des Bruchs bei ḥsb wird in pEdwin Smith nicht durch eine Glosse erklärt, aber in Abgrenzung von sḏ wird es ein einfacher Bruch sein. Westendorf, Erwachen der Heilkunst, S. 147 für die verschiedenen Arten von Knochenbrüchen; Westendorf, Handbuch Medizin, 281 (nur ḥsb und sḏ); Grapow, Kranker, 49–51.
4 nꜥš: Ist ein Hapax legomenon, dessen Bedeutung als "puncture" durch Breasted, Surgical Papyrus, 137 aus der Bedeutung von thm abgeleitet wurde. Dieselbe Bedeutung bei Wb II, 210.1: "Sprung oder Riss eines Topfes (mit dem ein Bruch im Schädel verglichen wird)"; MedWb I, 448: "Durchlöcherung (eines Topfes)"; Hannig, HWB, 418: "Durchlöcherung (e. Topfes)". Möglicherweise ist nꜥš "brüchig(?)" (so Westendorf, Handbuch Medizin, 713, Anm. 7), das von der Stimme eines Neugeborenen in Eb 839 gesagt wird, von derselben Wurzel (anders MedWb I, 448).

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "er ist nicht in der Lage, auf seine Schultern und [seine Br]ust zu blicken" angeht:
[das bedeutet, dass es für ihn nicht angenehm ist, dass er auf] seine Schultern [blickt],
(indem) es für ihn (ebenfalls) nicht angenehm ist, dass er auf seine Brust blickt.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "er leidet an Steifheit/Steifigkeit [2.1] in seinem Nacken" angeht:
das bedeutet ein Aufgerichtet-sein/Steilstehen1 wegen seines jh-Leidens;
dieses ist abgewandert (oder: hat sich verirrt) in seinen Nacken.
Und dann muss folglich sein Nacken darunter/infolgedessen leiden.

1 ṯsi̯.t: Ist der Infinitiv von ṯzi̯ "aufrichten; erheben". Laut Brawanski, in: SAK 29, 2001, 16 würde die Übersetzung "Steilstellung" einen klinischen Sinn ergeben.

(Glosse D:) Was (die Textstelle) "(Er) werde auf den Boden auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) gelegt1" angeht:
das bedeutet, ihn auf sein jmj.t-Bettzeug(?)2 zu setzen;
(Man) sei Zeuge/anwesend (oder: (er) werde bezeugt/überprüft)3, ohne für ihn ein Heilmittel zuzubereiten.

1 dr: Geschrieben sind ein d und darunter, hintereinander, ein r und ein Arm. Dies erweckt den Eindruck, dass dr "vertreiben", mit dem (schlagenden) Arm als Determinativ geschrieben steht. Gemeint ist jedoch wohl wdi̯ r (mit der Hand für wdi̯) oder eventuell ḏi̯ r (mit dem Arm mit Spitzbrot für ḏi̯).
2 mj.t: Breasted, Surgical Papyrus, 524 las dieses Wort als wnm.t, mit dem ovalen Brot (Gardiner Sign-list X4/N18) als Determinativ und mit der Übersetzung: "diet" (d.h. "Diät, Ernährung"), was in Kombination mit mtj/mtr zu der Bedeutung "customary diet" bzw. "gewohntes Essen, übliche Nahrung" führt (daher die Deutung von wdi̯ r tꜣ ḥr mnj.w=f in Wb I, 387.19 und Wb V, 564.23: "(den Kranken) auf seine gewohnte Diät setzen"). Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 12 lehnt die Übersetzung "üblich" für mtj zugunsten von "recht, richtig" ab. wnm.t mtj.t wird dann bei Ebbell zu dem "richtigen Essen", was eine ziemlich strenge Diät für den Kranken implizieren würde. Die Lesung wnm.t von Breasted wird wiederum durch Grundriß IV/1, 174 und IV/2, 141 (Anm. 8 zu Sm Fall 3) abgelehnt, zugunsten von jmj.t mtr.t/mtj.t "das gewohnte Bett". In MedWb I, 50 stehen bei jmj.t die Bedeutungen "Bett; Lagerstatt" (jmj.t mt(r).t "die gewohnte Lagerstatt"; vgl. MedWb I, 372: "Lager, Bettzeug") und es wird dort angenommen, dass das Determinativ nicht ein ovales Brot (Gardiner, Sign-list X4), sondern ein Stoffzeichen ist (wird in MedWb als Gardiner, Sign-list N18 identifiziert, was jedoch eine Insel ist). Zur Untermauerung der Existenz eines Wortes jmj.t "Bett, Lagerstatt" wird in MedWb auf die Stoffbezeichnung jm.w/jmj.w (Grab des Seni: Jéquier, Tombeaux de particuliers, Fouilles à Saqqara, Le Caire 1929, 39, Fig. 43; K. Scheele, Die Stofflisten des Alten Reiches: Lexikographie, Entwicklung und Gebrauch (Menes 2), Wiesbaden 2005, 89 und Abb. 29: jm.w 414 bei einer Kiste mit Stoffballen; Lemma nicht in Wb.) und auf den Gegenstand jm.jt-rꜣ (Jéquier, Frises d'objets, MIFAO 47, Le Caire 1921, 244 = Wb. I, 74.14) verwiesen. Das Wort jm.jt-rꜣ, von Jéquier mit Bettlaken oder Bettdecken verbunden, taucht in Gräbern der 6. Dynastie auf, aber die Identität dieses "Gerätes" (so Wb I, 74.14) ist umstritten (siehe Willems, Coffin of Heqata, OLA 70, 452, Anm. 468; Fischer-Elfert, in: GM 127, 1992, 40–41: eine Art Stab als Würdezeichen). Die Bedeutung "Bett; Lagerstatt" für jmj.t in MedWb 50 geht wohl auf die für mnj.w erschlossene Bedeutung "Ruhebett" zurück. Die Bedeutung von jm.jt=f in pEdwin Smith 2.2, das nur hier vorkommt, kann also nicht als gesichert gelten.
3 mtj/mtr: Breasted hat mtj/mtr mit dem vorhergehenden Wort verbunden (so auch Ebbell, Lefebvre, Grundriß, Westendorf, Bardinet, Brawanski), ohne zu berücksichtigen, dass mit mtj von roter auf schwarzer Tinte umgeschaltet wurde, was auf einen neuen Satz oder Satzteil hinweisen kann (nicht notwendigerweise: siehe die (verspätete) Veränderung der Tinte von jr wdi̯ r tꜣ zu r mnj.w=f ... im selben Satz beim Zeilenwechsel). Erst Allen, Art of Medicine, 74 hat mit mtj einen neuen Satz angefangen (gefolgt von Sanchez/Meltzer). Dann liegt nicht mtj "richtig, aufrichtig; genau, zuverlässig; maßvoll sein" vor, sondern mtr "zugegen sein, bezeugen; unterweisen". Allen übersetzt mtr mit "to check" (im Infinitiv, parallel zu rḏi̯.t), Meltzer "to monitor" (im Imperativ, Anfang eines neuen Satzes). Wahrscheinlich liegt, wie oft in den medizinischen Texten, ein unpersönliches Passiv vor.

Fall 4 (2.2–2.11): Schädelverletzung mit Spaltbruch

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde an seinem Kopf, die bis zum Knochen reicht - sein (Hirn-)Schädel ist gespalten1.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf untersuchst, die bis zum Knochen reicht
- sein (Hirn-)Schädel ist gespalten -,
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Du findest dort etwas, das uneben ist (oder: Sachen, die uneben sind)2 unter deinen Fingern;
(Er) wird wirklich sehr zittern (?)3;
oder:
(Es) wird wirklich sehr wackeln/nachgeben (?)3;
Die tḫb-Schwellung4, die auf ihr (d.h. der Wunde oder dem Spaltbruch) ist, schwillt auf / erhebt sich5;
(indem) er aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren blutet (wörtl.: er gibt Blut),
(indem) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet,
(und indem) er nicht in der Lage ist (wörtl.: nicht (eine Möglichkeit) findet), [2.5] auf seine Schultern und seine Brust zu blicken.
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn (d.h. den Patienten):
"Einer mit einer klaffenden Wunde in seinem Kopf, die bis zum Knochen reicht
- sein (Hirn-)Schädel ist gespalten -,
wobei er aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren blutet (wörtl.: Blut gibt),
(und) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet:
eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
(Behandlung:) Sobald (oder: weil) du (also) jenen Mann (d.h. Patienten) vorfindest, dessen (Hirn-)Schädel gespalten ist (wörtl.: gespalten ist sein Schädel),
dann sollst du ihn6 nicht verbinden;
(Er) werde auf den Boden auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) gelegt,7 sodass/bis der Höhepunkt / die kritische Phase8 seines jh-Leidens9 vorübergeht10.
Seine Behandlung besteht aus Sitzen,
(nachdem) zwei Stützbauten/Stützen(?)11 aus Lehmziegeln für ihn angefertigt worden sind,
sodass / bis du erkennst, dass er die (entscheidende) Sache erreicht (hat) (d.h. es schaffen wird?)12.
Dann musst du folglich Öl/Fett auf/an seinen Kopf geben;
Sein Nacken und seine beiden Schultern werden damit entspannt (wörtl.: weichgemacht, d.h. die Steifheit/Steifigkeit im Nacken wird gelöst)13.
An jedem Mann, bei dem du feststellst, dass sein (Hirn-)Schädel gespalten ist, handelst du ebenso.

1 pšn: In pEdwin Smith werden drei Arten von Knochenverletzungen beschrieben: thm, pšn und sd. Das Verb pšn hat die Bedeutung "spalten" (Breasted, Surgical Papyrus, 140–141: "to split"; Wb I, 560.3–7: "spalten; sich spalten, gespalten sein"; MedWb I, 300: "(sich) spalten"; Hannig, HWB, 315: "spalten; trennen; sich spalten, gespalten sein; getrennt sein"). Es wird u.a. verwendet bei Holz, das gespalten wird. Für die Festlegung der Bedeutung als "spalten" ist das Determinativ in Pyr. 305a (Spruch 257, Version T254) wichtig: eine Axt über einem Holzzeichen. Altägyptische Waffen, die Spaltverletzungen am Kopf verursachen können, sind Axt und Sichelschwert.
2 nḥꜣ: Wird in Wb II, 290. 5–14 als "wild, schrecklich, gefährlich u.ä." übersetzt, in medizinischen Texten als "uneben; unruhig" (MedWb I, 471). Das Adjektivverb wurde ausführlich von Lloyd, in: JEA 61, 1975, 59–66 untersucht, der ebenfalls zur Bedeutung "rough" kommt, wobei Inschrift Wadi Hammamat Nr. 191 eine wichtige Rolle spielt. Davon abweichend übersetzt Meltzer (in: Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 54) nḥꜣ mit "shaking" (Pseudopartizip/Stativ) unter Bezugnahme auf dieselbe Inschrift. Ebenfalls abzulehnen sind ältere Übersetzungen von Breasted ("disturbing") oder Lefebvre ("inquiétant").
3 nri̯ bedeutet "erschrecken, schaudern" (Wb II, 277.4–8) und in den medizinischen Texten mehr spezifisch "schaudern, zucken" (MedWb I, 466–467). Es stellt sich die Frage, was das Subjekt des Satzes ist: Ist es der Patient, ist es die Wunde oder ist es "etwas grobes/unebenes" (ḫ.t nḥꜣ) in der Wunde? Außerdem ist die Frage, ob es einen (kausalen) Zusammenhang zwischen dem Abtasten der Wunde, dem Vorfinden von etwas Grobem/Unebenem und dem Schaudern/Zucken gibt oder nicht. Letzteres hängt wiederum mit der Interpretation von r=f zusammen. Laut einer Interpretation ist es der Patient (=f), der schaudert. Falls richtig, dann kann dies eigentlich kein allgemeines Symptom sein (so vielleicht doch Breasted, Surgical Papyrus, 141; Bardinet, Papyrus médicaux, 496; Lefebvre, Grammaire, § 351 hat das Beispiel ḏꜥr.ḫr=k wbnw=f j:nri̯.y rf wrt nach Fall 7 (Kolumne 3.2–3): "tu palperas sa blessure, même si (ou: quoiqu'il) tremble beaucoup)", denn das passt nicht in der Beschreibung der Wunde. Es müsste also mit der Untersuchung zusammenhängen. Aber laut Brawanski, 18 löst in Fall 4 eine Untersuchung der Schädelverletzung bzw. ein Berühren der Unebenheit in der Wunde kein Erzittern beim Patienten aus (so jedoch z.B. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 180, Anm. 6; MedWb I, 467). Da im vorherigen und im nächsten Satz die Wunde bzw. die Unebenheit(en) in der Wunde das Hauptthema sind, gehen Lloyd, Ralston, Brawanski und Meltzer von der Wunde bzw. der Unebenheit in der Wunde als Subjekt von nri̯ aus. Für Brawanski, 18 ist es die Unebenheit bzw. sind es die unebenen Knochenstücke in der Wunde, die zittern, d.h. "wackeln" (vgl. schon Ralston, in: JEA 63, 1977, 119–120 und ähnlich in der Übersetzung von Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 53). Für Lloyd (in: JEA 61, 1975, 60 mit Anm. 30) bedeutet das Zittern der Unebenheiten in der Wunde, dass Knochenstücke hör- und fühlbar aneinanderreiben (Krepitation), was von Brawanski, 18 für Schädelknochen (anders als für Röhrenknochen) als klinisch unmöglich abgelehnt wird (auch schon Ralston, in: JEA 63, 1977, 119–120; siehe trotzdem die Übersetzung von Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 73 für Fall 7).
Manche Autoren übersetzen nri̯ nicht mit "schaudern, zucken", sondern interpretieren als "unter starken Schmerzen leiden" o.ä. (z.B. Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 20: "indem es sehr schmerzhaft für ihn ist"; Chapman, in: JARCE 29, 1992, 36 "it being very frightening for him"; Allen, Art of Medicine, 74: "should he be very much in pain at it").
4 tḫb: Siehe Fall 8 für die Übersetzung.
5 šwi̯: Siehe Fall 8 für die Übersetzung.
6 sw: Siehe Fall 8, Kolumne 4.9 für die Übersetzung.
7 ḏi̯ r tꜣ ḥr mnj.w=f: Siehe Fall 11, Kolumne 5.12.
8 ꜣ.t jh=f: Der Zeitbegriff ꜣ.t bedeutet den Augenblick, Zeitpunkt u.ä. der größten Machtentfaltung, d.h. den "Höhepunkt" u.ä. (Ogden, in: GM 164, 1998, 79–83). Dieser "Augenblick" kann zwar etwas länger dauern (siehe Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 58–59: "the (critical) period of his injury"), aber ꜣ.t impliziert an sich nicht die Zeitdauer. Deshalb ist "Zeit des Leidens" (oder "period of injury" [Breasted, Allen], "la période douloureuse" [Bardinet]) als Übersetzung ungenau.
9 jh: Siehe Fall 8.
10 r swꜣ: Siehe Konstruktion r + sḏm=f/Inf. Im nächsten Satz r rḫ=k würde eine temporale Übersetzung am Besten passen, d.h. "bis zum Vorübergehen des Höhepunkts seines Leidens" oder: "so dass die kritische Phase seines Leidens vorübergehen KANN". Für T. Hofmann, in: ZÄS 135, 2008, 45 handelt es sich bei swꜣ ꜣ.t jh=f wohl zweifellos um einen Sterbenden, dessen letzte Minuten in uns sehr nahe stehender Weise mit 'Leidenszeit' beschrieben werden.
11 mkꜣ.t: Wird einmal mkꜣ.t (pEdwin Smith 2.7: mit zwei pr-Zeichen), einmal mk.t/mꜣk.t (pEdwin Smith 3.15: mit zwei Hochrechtecken) geschrieben. Breasted, Surgical Papyrus, 150–151 vergleicht mkꜣ.t mit dem jüngeren mk.t/mꜣk.t (Wb II, 161.8–12: "Stelle, Platz; richtige Stelle") und erschließt die Bedeutung "support" aus dem Zusammenhang. Wb II, 162.13 hat in ähnlicher Weise "stützender Unterbau" und vergleicht ebenfalls mit mk.t. In Urk. I, 184.17 (5. Dyn.) ist von einem Sphinx in seiner schönen Stätte der Ewigkeit (s.t nfr.t n.t ḏ.t) auf einer mkꜣ.t, einem Sockel, von 5 Ellen die Rede (E. Schott, in: J. Assmann, E. Feucht, R. Grieshammer [Hgg.], Fragen an die altägyptische Literatur, Gs Otto, Wiesbaden 1977, 448; A. Roccati, La littérature historique sous l'Ancien Empire égyptien, LAPO, Paris 1982, 120, § 90 [Nr. 24]; N. Kloth, Die (auto-)biographischen Inschriften des ägyptischen Alten Reiches, SAK Beiheft 8, Hamburg 2002, 188; N. Strudwick, Texts from the Pyramid Age, SBL, Leiden/Boston 2005, 284 [Nr. 212]). Die Belege für mkꜣ.t in den medizinischen Texten werden in MedWb I, 399 als "Unterlage (auf der das Herz sich abstößt)" und "Stütze" gedeutet. Hannig, HWB, 393 hat "(stützender) Unterbau (z.B. zwei Ziegel), Sockel, Podium; Totenbahre" und verweist nicht auf mk.t.
12 spr=f r ḫ.t: Siehe Fall 8, Kolumne 4.
13 sgnn: Von der Wurzel gnn "schwach, schlaff, kraftlos sein; weich sein" wird ein Kausativverb "erweichen, weich machen" gebildet. Beide Lemmata werden mit dem müden Mann mit herabhängenden Armen (Gardiner Sign-List A7) oder dem "schlechten Vogel" determiniert. Daneben gibt es ein Substantiv sgnn "Öl; Salbe" und ein zugehöriges Verb sgnn "salben", das mit einem Gefäß bzw. einem Gefäß und einem "schlagenden Mann" (Gardiner Sign-List A24) determiniert wird. In MedWb II, 809–811 werden "erweichen" und "salben" unter demselben Lemma abgelegt, weshalb Brawanski, in: SAK 29, 2001, 18 sowie Westendorf, Handbuch Medizin, 714 unsere Textstelle mit "salben" übersetzen, vermutlich weil jm "damit" sich nur auf mrḥ.t "Öl, Fett" beziehen kann (weichmachen mittels Öl/Fett, d.h. durch salben). Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 53 übersetzen sgnn in Fall 4 mit "(to) soften/massage", d.h. das Öl/Fett wäre nur eine Hilfe bei der mechanischen Behandlung des Massierens und nicht das schmerzlindernde oder erweichende Mittel an sich (Meltzer übersieht jm "damit" in seiner Übersetzung. In Fall 20, Kolumne 8.5 übersetzt er sgnn tp=f m mrḥ.t mit "Soothe his head with ointment", ohne den Aspekt "Massage" zu erwähnen.).

(Glosse A:) Was (die Textstelle) " sein Hirnschädel ist gespalten" angeht:
das bedeutet, dass eine Scherbe/Schale1 seines Schädels von einer (anderen) Scherbe/Schale getrennt worden ist,
(mit dem Ergebnis, dass) Stücke/Reste im Hautgewebe seines Kopfes verbleiben,
ohne dass (sie) zu Boden fallen (können).

1 pꜣq.t: Das Wort pvq.t hängt mit der Wurzel pꜣqi̯ "dünn sein" zusammen und bedeutet ursprünglich eine Scherbe eines (Ton-)Topfes, was dann auf die Schale einer Schildkröte und auf die platten Knochen des Schädels übertragen wurde. In Tb. 154 (pNu, Kolumne 19; DZA 23.123.430) ist pꜣq.t (im Singular) ein Körperteil im Kopfbereich (genannt zwischen Auge und Ohr), der keine hꜣb-Verletzung (?) erleiden möge. Laut Wb I, 500.2 ist pꜣq.t in übertragenem Sinne u.a. eine "Bezeichnung der Hirnschale des Menschen" und laut MedWb 258 ist pꜣq.t eine "Schale (des Schädels)". Für Walker, Anatomical Terminology, 269 ist pꜣq.t "shell of the skull, thin plate of bone, the thin bone of the vault of the head". Aus pEdwin Smith Kolumne 2.9 (Fall 4) und 3.16 (Fall 7) geht hervor, dass der ḏnn.t-Schädel aus mindestens zwei pꜣq.t besteht. Für Breasted, Surgical Papyrus, 152–153 sind mit den Scherben oder Schalen des Schädels die squamae gemeint. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Breasted unter squamae die platten Schädelknochen und insbesondere das Stirnbein (os frontale) versteht (vgl. S. 218 zu Fall 9: pꜣq.t n.t ḏnn.t = frontal bone = squama frontalis), die durch die Schädelnähte (sutura) begrenzt sind ("the shell-like segments of the skull ...; ... may designate the os frontale, and if so is likely to have been limited by the sutures"), und nicht der modernen, eingeschränkten Bedeutung von "Schuppen" (squama) als einem gewissen Teil des Stirnbeins, des Schläfenbeins usw. folgt (vgl. ebenso Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 11: "désigne les segments en forme d'écailles (squamae) constituant les os du crâne"). Laut Fall 7 befindet sich etwas Lederartiges (dḥr) zwischen zwei pꜣq.t. Deshalb können mit den zwei pꜣq.t nicht die obere bzw. untere Knochenschicht des Schädelknochens (Tabula interna/vitrea und Tabula externa) gemeint sein (vgl. jedoch Chapman, in: JARCE 29, 1992, 40 mit Anm. 31 in seiner Interpretation von Fall 7 und tpꜣ.w für den sinus frontalis zwischen vorderer und hinterer Stirnhöhlenwand (pꜣq.t). In ähnlicher Weise findet man bei Grapow, Anatomie, 27, dass pꜣq.t der anatomische Name der großen Schädelknochen wie Stirnbein und der beiden Scheitelbeine ist (Grapow benutzt den Terminus squama nicht). Für Nunn, Egyptian Medicine, 49 sind die pꜣq.yt die doppelt vorkommenden Scheitelbeine (os parietale), die gemeinsam die "vault of the skull" (Schädeldach, Kalotte) bilden, und in einem Fall auch das Stirnbein. Singer, My Skull Has Not Be Crushed, 50–58 beschließt seine Analyse des Wortes pꜣq.t damit, dass es ein Knochen ist, der einer Topfscherbe ähnelt und "should be understood as a 'squama' of the skull". Er lässt offen, ob nur die Parietal- und Frontalknochen (Scheitelbeine und Stirnbein) oder auch der obere Bereich der Okkipital- und Temporalknochen (Hinterhauptbein und Schläfenbeine) gemeint sein können. Da letztere weniger einer Topfscherbe ähneln, tendiert er schließlich doch zu "the squama of calvarium". Weeks, Anatomical Knowledge, 19–21 stellt zuerst die Deutung von pꜣq.t als squamae in Frage ("separate portions of several bones") und entscheidet sich anschließend gegen eine Deutung als os parietale (Scheitelbein) (wegen des Zusammenhangs mit tpꜣ.w, das für Weeks das falx cerebri ist). Er hält schließlich "calotte" (d.h. das Schädeldach als oberster Teil des Hirnschädels) für die befriedigendste Übersetzung (für Weeks ist ḏꜣḏꜣ "the skull" (cranium mit Unterkiefer – d.h. Neurocranium + Viscerocranium) und ḏnn.t das "cranium" (d.h. nur Neurocranium)). Für Brawanski, in: SAK 29, 2001, 19 bedeutet pꜣq.t "allgemein der Schädelknochen" und nicht einen spezifischen, topographisch zuordnungsbaren Bereich. In pEdwin Smith Fall 9 (Kolumne 4.19) wird bezüglich einer Verletzung an der Stirn (ḥꜣ.t-ḥr) gesagt, dass das pꜣq.t des ḏnn.t-Schädels zerbrochen ist. Sanchez (in: Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 98) meint, dass hier eindeutig die "outer table of the frontal bone" gemeint ist (also: tabula externa des os frontale). vgl. später in Fall 8, Kolumne 4.13 die gleiche Anmerkung – ḥꜣ.w: siehe später, Kommentar in Fall 23.

(Glosse B:) [2.10] Was (die Textstelle) "die tḫb-Schwellung, die auf ihm/ihr ist, erhebt sich" angeht:das bedeutet, dass die šfw.t-Schwellung, die auf diesem Spaltbruch ist, groß ist, (indem) sie nach oben hin angehoben ist.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "du weißt/erkennst, dass er die (entscheidende) Sache erreicht (hat)" angeht:
das bedeutet, dass (man) sagt: "du weißt, dass er (zuerst weiter) stirbt, bis er überlebt haben wird",
denn er ist (ein Kranker vom Typus): "eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde".

Fall 5 (2.11-2.17): Schädelverletzung mit Splitterbruch

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde in seinem Kopf, <die bis zum Knochen reicht>1
– sein (Hirn-)Schädel ist zerbrochen/zertrümmert2.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf untersuchst,
die bis zum Knochen reicht
– sein (Hirn-)Schädel ist zerbrochen/zertrümmert –,
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Du findest jenen Trümmer-/Splitterbruch, der in seinem (Hirn-)Schädel ist, tief und eingesunken unter deinen Fingern.
Die tḫb-Schwellung, die auf ihm (d.h. dem Bruch oder eventuell der Wunde) ist, schwillt auf / erhebt sich,
(indem/wobei) er (d.h. der Patient) aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren blutet (wörtl.: er gibt Blut),
(indem/wobei) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet,
(und indem/wobei) er nicht in der Lage ist, auf seine Schultern und seine Brust zu blicken.3
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn (d.h. den Patienten):
"Einer mit einer klaffenden Wunde in seinem Kopf, die bis zum [2.15] Knochen reicht
- sein (Hirn-)Schädel ist zersplittert/zertrümmert -,
<wobei er aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren blutet,>
(wobei) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet,
<(und wobei) er nicht in der Lage ist, auf seine Schultern und seine Brust zu blicken>:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann".
Du sollst ihn nicht verbinden.
(Er) werde auf den Boden auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) gelegt, sodass / bis der Höhepunkt / die kritische Phase seines jh-Leidens vorübergeht.

1 (j)ꜥr n qs: Fehlt in der Überschrift, wird aber gleich im Anschluss in der Diagnose genannt.
2 sḏ "zerbrechen, zertrümmern": Ist in pEdwin Smith eine von drei Arten/Ursachen von Schädelverletzungen, neben thm "durchbohren, durchstoßen" und pšn "spalten". Bei der Durchbohrung entsteht ein Lochbruch, beim Spalten ein Spaltbruch (Fissur). Das Verb sḏ bedeutet wahrscheinlich ursprünglich "einen Topf zerbrechen (in zahlreiche Scherben)", denn das Verb wird in Pyr. 954a (Spruch 476, Version M300) mit einer Topfscherbe determiniert. Bei der sḏ-Verletzung des Schädels entstehen "Knochen" (qs.w) bzw. "zahlreiche Reste" (zp.w ꜥšꜣ.w) in der Wunde (siehe pEdwin Smith, Fall 5, Glosse A, Kolumne 2.17), d.h. es ist ein Splitterbruch mit ausgedehnten Frakturen und Fissuren, was im Bereich des Schädels auch als Berstungsfraktur bezeichnet wird. Nach der Anzahl der Fragmente kann man des Weiteren von einer Stückfraktur (weniger als 7 Fragmente) oder einer Trümmerfraktur (mehr als 7 Fragmente) sprechen, englisch "comminuted fracture". Übersetungen für sḏ sind daher "zersplittern, zertrümmern, zerbrechen", engl. "to smash, to crush", franz. "éclater". Das Verb sd/sḏ wird vor allem für die Schädelknochen verwendet, nicht oder kaum für die übrigen Knochen, für die in Papyrus Edwin Smith das Verb ḥsb verwendet wird. Die Art des ḥsb-Bruchs wird in pEdwin Smith nicht durch eine Glosse erklärt, aber in Abgrenzung von sḏ wird es ein einfacher Bruch sein und das Verb ḥsb wird für "(in nur 2 Stücke) zerbrechen" stehen. Vgl. schon oben Fall 3, Kolumne 1.25.
3 Die Symptome des Nasen- und Ohrenblutens sowie die Unmöglichkeit, auf Schultern und Brust zu blicken, werden in der Diagnose nicht wiederholt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "sein (Hirn-)Schädel ist zersplittert/zertrümmert" angeht:
das bedeutet, dass sein (Hirn-)Schädel zersplittert/zertrümmert wurde;
Knochen(splitter), die bei/aus jenem Splitterbruch entstanden sind, sind (im Ergebnis) im Innern seines (Hirn-)Schädels eingesunken.
oder:
Knochen(splitter) sind entstanden bei/aus jenem Splitterbruch, (wobei dieser Bruch im Ergebnis) in das Innere seines (Hirn-)Schädels eingesunken ist.
Die Sammelschrift (über) "Die-Angelegenheiten-der-Wunden" hat da<zu>1 gesagt:
"Es ist ein Zerbrechen/Zersplittern seitens seines (Hirn-)Schädels in zahlreichen Stücken/Resten, die (im Ergebnis) im Innern seines (Hirn-)Schädels eingesunken sind." 

1 wbn.w =f: In Fall 41 (Kolumne 14.10) steht eindeutig jw ḏd.n ṯꜣw n.j jr.j-n.j-wbn.w r=f, so dass das auch hier zu ergänzen ist (so Grundriß IV/2, 141, Anm. 2 zu Fall 5). Vgl. Fall 19 (Kolumne 7.20.21): jw ḏd.n ṯꜣw n.j jr.j-n.j-wt r=f. Breasted, Surgical Papyrus, 163 erkennt den wahrscheinlichen Fehler =f, aber er korrigiert ihn nicht in seiner Übersetzung.

Fall 6 (2.17–3.1): Schädelverletzung mit Splitterbruch und sichtbarer Hirnmasse

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde in seinem Kopf, die bis an den Knochen heranreicht
– sein (Hirn-)Schädel ist zerbrochen/zertrümmert –
(und) das Gekröse/Gedärm1 seines (Hirn-)Schädels (d.h. das Gehirn) ist aufgerissen/hervorgebrochen2 (d.h. freigelegt oder hervorgequollen).
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf untersuchst,
die bis an den Knochen heranreicht
– sein (Hirn-)Schädel ist zerbrochen/zertrümmert
(und) das Gekröse/Gedärm seines (Hirn-)Schädels (d.h. das Gehirn) ist aufgerissen/hervorgebrochen –,
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
3 Du findest [2.20] jenen (besagten) Splitterbruch, der in seinem (Hirn-)Schädel ist, vor,
(und zwar) <wie> diese (wohlbekannten) wrm-Rillen/Blasen/Klumpen/(Metall-)Schlacken(?)4, die im Kupfer des ꜥḏn.t-Schmelztiegels/-ofens(?) entstehen,
(wobei) dort (d.h. im Splitterbruch) etwas ist, das pocht/zittert und flattert unter deinen Fingern,
wie die schwache Stelle des whnn-Scheitelbereichs eines Kindes, (indem/wenn) er/es (d.h. der Scheitelbereich oder das Kind) nicht ausgeheilt/intakt (d.h. verwachsen) ist;
– jenes Pochen/Zittern und Flattern entsteht unter deinen Fingern, (und zwar) sobald/weil (also) das Gekröse/Gedärm seines (Hirn-)Schädels (d.h. sein Gehirn) hervorbricht/aufgerissen ist –,
(wobei) er (d.h. der Patient) aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen blutet,5
(und wobei) er an Steifheit/Steifigkeit im Nacken leidet.
(Diagnose:) <Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer klaffenden Wunde in seinem Kopf, die bis an den Knochen heranreicht – sein (Hirn-)schädel ist zerbrochen/zertrümmert, ... ... ...>:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."
(Behandlung:) Dann musst du folglich jene seine Wunde mit Öl/Fett beträufeln(?)6.
Du sollst sie (d.h. die Wunde) nicht verbinden.
Du sollst keinen ꜣjw-Doppelverband/Kreuzverband (?) auf sie legen, sodass / bis du erkennst, dass er (d.h. der Patient) die (entscheidende) Sache erreicht (d.h. es schaffen wird?).

1 ꜣjs: Kommt in anderen Texten auch als ꜣs und js vor, was wohl jüngere Wortformentwicklungen des ursprünglichen ꜣjs sind (J.J. Clère, Les chauves d'Hathor, OLA 63, 19; in Wb I, 2.10.11 bzw. 20.10–11 sind ꜣjs und ꜣs/js separat abgelegt und Grapow, Anatomie, 28, Anm. 4 bezweifelt, dass ꜣjs und ꜣs/js identisch sind). Breasted, Surgical Papyrus, 166–167 meint auf der Grundlage von pEdwin Smith, dass es "organic substances of a viscous or semifluid consistency like marrow" bedeuten kann (vgl. das Determinativ der Pustel mit Eiterausfluss [Gardiner Sign-List Aa3] oder spuckendem Mund in Eb 455 [pEbers 65, 13–14]). Durch die Zugabe von n.j ḏnn.t wird es dann für Breasted "marrow of the skull" oder mehr konkret "brain", d.h. "Gehirn", eine Bedeutung, die in pEdwin Smith auch dann eindeutig zutrifft, wenn n.j ḏnn.t fehlt. Das Lemma ꜣjs wird daher in Wb I, 2.10–11 mit "Gehirn" übersetzt (ebenso Grapow, Anatomie, 27). Iversen, in: JEA 33, 1947, 48–51 meint, dass die Bedeutung "Gehirn" zwar richtig ist, aber nur wenn n.j ḏnn.t hinzugefügt oder intendiert ist. Ansonsten und in den Belegen mit der Graphie ꜣs und js (siehe s.v. As in Wb I 20.10–11: "Körperteil des Rindes und des Schweins in offizieller Verwendung (ob identisch mit ꜣjs-Gehirn?") ist laut Iversen eine allgemeinere Bedeutung erforderlich und da passt "viscera", d.h. "Eingeweide" am Besten (Iversen geht nicht auf das "Mark" von Breasted ein; daher auch Faulkner, CDME, 1: "viscera"). In einer Besprechung von Seiten 1–2 des Wb verweist Gardiner, in: JEA 34, 1948, 16 auf Iversen für die Bedeutung "marrow" ("Mark") statt "brain" ("Gehirn"), obwohl Iversen eigentlich von "viscera" spricht. Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 12–13, § 11 und 31, § 35 versteht ꜣjs ebenfalls als die Eingeweide von Schädel, Brustkorb und Bauch, wobei er auf Iversen verweist. Weeks, Anatomical Knowledge, 28 folgt der Argumentation von Iversen und übersetzt mit "cerebro-spinal viscera". Walker, Anatomical Terminology, 265: "internal organs, viscera" beruft sich implizit auf Lefebvre. Bardinet übersetzt mit "la moelle du crâne" (d.h. "das Mark des Schädels"), wobei er sich der Bedeutung von Breasted anschließt. In MedWb 2 wird ꜣjs mit "Gehirn" übersetzt, in DrogWb 1–2 wird es als ein allgemeines Wort für "Gekröse" (in Anführungszeichen!) beschrieben. Hannig, HWB, 2 bietet die Übersetzungen "Gehirn" und "Gekröse" an, beide in Apostrophen, was eine gebräuchliche deutsche Übersetzung und ein eigentlich erforderliches "sogenannt" impliziert (S. xxxiv). Gekröse geht zurück auf die Wurzel "kraus", was "in unregelmäßigen, gedrehten, welligen Linien oder Falten" bedeutet. Mit "Gekröse" ist das Gedärm gemeint, dann auch die Eingeweide, die essbaren Innereien und schließlich die gekräuselte(n) Bauchfellfalte(n) (omentum). vgl. auch den Kommentar zu Fall 8, Kolumne 4.12.
2 ngi̯.y: Ähnlich wie bei thm, pšn und sḏ, wird ngꜣ/ngi̯ grammatisch als attributives Partizip Aktiv Präsens oder Perfekt, als Passives sḏm=f im Umstandssatz und als Partizip Passiv im Adjektivalsatz aufgefasst. Das Verb ngi̯/ngꜣ bedeutet "zerbrechen, aufbrechen, aufmachen" (Wb II, 348.6–12; MedWb 487). Es wird transitiv von Statuen gesagt, die zerbrochen werden, von Toren, die aufgebrochen werden, von Quelllöchern, die geöffnet werden. Intransitiv (laut Wb II, 348.13–14 erst griech. belegt) ist es "hervorbrechen, sich öffnen", z.B. vom Nil, der hervorbricht. ngi̯ wird in Fall 6 kontextuell auch mit "to rend open" (Breasted, Surgical Papyrus, 166), "to expose" (Bardinet, Allen, Sanchez/Meltzer) übersetzt; eventuell ist auch die intransitive Bedeutung anzusetzen. Es wird in Glosse A so erklärt, dass die Membrane, die das Gehirn umschließt, offen/geöffnet (wbꜣ) ist. In Fall 30 (Kolumne 10.12) ergibt laut Brawanski, in: SAK 32, 2004, 66, Anm. 2 die intransitive Bedeutung "auseinanderweichen" die medizinisch sinnvollste Übersetzung.
3 Textparallele in Fall 8 (Kolumne 4.10–12).
4 wrm.w: Ergänzt durch Breasted, Surgical Papyrus, 165, Anm. (a) nach der Parallele in Fall 8, Kolumne 4.10. Diese Ergänzung wird von fast allen Bearbeitern vorgenommen und ist erforderlich. Nur Brawanski kommt ohne Ergänzung aus, indem er wrm jpn auf der gleichen Höhe wie sḏ pf und später ḫ.t jm stellt, aber dann wird nur gesagt, dass der Splitterbruch gefunden wird, was nicht viel besagt. Wichtiger ist doch, wie er vorgefunden wird. Die Ergänzung von Burridge, in: JSSEA 27, 1997, 13 ist grammatisch problematisch: "If you should find that fracture which is in his skull, those convolutions ...", weil im Ägyptischen zuerst das direkte Objekt und erst danach die adverbielle Erweiterung steht.
5 m msꜣḏ.tj=fj: In Fall 8 (Kolumne 4.12) mit demselben Text steht zusätzlich m msḏr.wj=fj. Das Fehlen des Blutens aus den Ohren – sofern es kein Versehen des Kopisten ist – könnte bedeuten, dass nur die vordere Schädelbasis verletzt wurde (siehe Brawanski, in: SAK 29, 2001, 22; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 68).
6 nsr: Ist ein Hapax. Dem Zusammenhang nach ist nsr ein Verb, das eine Art der Behandlung einer Wunde mit Öl/Fett bezeichnet, wobei die Wunde jedoch nicht verbunden wird. Breasted, Surgical Papyrus, 171 errät aus diesem Zusammenhang die Bedeutung "to anoint" (daher Bardinet, Papyrus médicaux, 497: "enduire"); Wb II, 335.3 hat "betupfen o.ä."; Med. Wb. I, 481–482: "betupfen, beträufeln o.ä."; Hannig, HWB, 457: "*betupfen, beträufeln"; Allen, Art of Medicine, 75 übersetzt englisch mit "sprinkle" und Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 67 variieren mit "to daub, apply gently". Nur Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 23 und 24 denkt an ein anderes Verb: "brennen", auch wenn das Flammendeterminativ fehlt. Er vermutet, dass warmes Öl über die Wunde gegossen werden sollte und er vermerkt: "dies ist ja auch bis in die neuere Zeit sehr viel bei bösartigen Wunden benutzt worden."

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "sein (Hirn-)Schädel ist zerbrochen/zertrümmert;
(und) das Gekröse/Gedärm seines (Hirn-)Schädels (d.h. das Gehirn) ist aufgerissen/hervorgebrochen" angeht:
<das ist> ein großer Splitterbruch, (mit dem Ergebnis, dass er) zum Innern seines (Hirn-)Schädels (und zur / d.h. zur) Membrane/Haut1, die sein Gekröse/Gedärm (d.h. Gehirn) umschließt (d.h. die Hirnhäute), offen/geöffnet ist2.
Dann/Folglich muss es (d.h. das Gehirn) zerbrochen/zertrümmert sein3, (indem/wobei) es [2.25] aus dem Innern seines Kopfes/Schädels4 hervorquillt5.

1 ntnt oder ntn.t: Die Belege dieses Wortes sind im Wörterbuch je nach Determinativ unter zwei Lemmata abgelegt: ntnt in Wb II, 356.11 mit Fleischdeterminativ: "Körperteil des Menschen (zwischen Brust und Bauch genannt)" (Beleg: pBerlin P.3027: N. Yamazaki, Zaubersprüche für Mutter und Kind. Papyrus Berlin 3027, Achet B2, Berlin 2003, 18, 20) und ntnt in Wb II, 356.12 mit Tierfelldeterminativ: "Haut (vgl. ntt)" (Beleg: pEdwin Smith). Es wird im Wörterbuch als ein Maskulinum eingetragen, aber das Partizip Feminin ꜥrf.t spricht für ein Femininum (so MedWb I, 490; ebenso Hannig, HWB, 466). Trotzdem möchte Westendorf, Grammatik, 81, § 123 nicht ausschließen, dass ntnt eine ABAB-Wortbildung ist und dass ꜥrf.t zu Unrecht mit einer Femininendung am Partizip versehen wurde, weil das stammhafte t fälschlicherweise als Femininendung eingestuft wurde (also entweder ntnt ꜥrf{.t} ꜣjs=f oder ntn.t ꜥrf.t ꜣjs=f. Die Bedeutung von ntnt/ntn.t mit dem Tierfell- oder Lederdeterminativ erschließt sich aus dem Kontext, da es das Gehirn wie einen Beutel umschließt/einpackt (ꜥrf). Es muss eine (lederartige) "Haut" oder eine "Membran" sein (Wb II, 356.12; MedWb I, 490), die in diesem Fall das Gehirn umschließt, also entweder die drei Hirnhäute (Meningen) zusammen (so Breasted, Surgical Papyrus, 172; Brawanski, in: SAK 29, 2001, 23, Anm. 2) oder nur die (straffe) äußerste Hirnhaut (Dura mater) (so Ebbell, in: AcOr 15, 1937, 304; Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 13, § 11; Weeks, Anatomical Knowledge, 28). Walker, Anatomical Terminology, 271 spezifiziert sogar einen Bereich der Dura mater: "intracranial diaphragm i.e. falx cerebri, falx cerebelli", ohne eine Begründung zu geben. Die Bedeutung "Haut, Membrane" passt auch für das Wort mit dem Fleischdeterminativ in pBerlin P.3027 (Kolumne IV.5), den Zaubersprüchen für Mutter und Kind, als Körperteil zwischen Brust und Bauch, wo das Zwerchfell (Diaphragma) gemeint sein wird (Ebbell, in: AcOr 15, 1937, 304–305; Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 27, § 29). Syntaktisch gesehen ist ntnt entweder als eine Präzisierung von ẖnw ḏnn.t=f zu verstehen ("das heißt; genauer gesagt"), oder es ist als Koordination zu betrachten ("und"). Die Übersetzungen von Ebbell ("... daß die Zersplitterung groß ist und nach dem Innern seiner Gehirnschale die Membrane öffnet") und Bardinet ("l'éclatement est important, ouvrant à l'intérieur du crâne la membrane qui enveloppe la moelle") sind grammatisch nicht möglich (das direkte Objekt müsste vor der Adverbiale stehen). Anders versteht es Meltzer, der von ntnt ꜥrf.t ḏnn.t=f das vorangestellte Subjekt von sḏ.ḫr=f macht (dann kann ntnt nur ein Maskulinum sein).
2 wbꜣ: Das Verb bedeutet ursprünglich "bohren" und die Bedeutung wird dann erweitert zu "öffnen" (transitiv) und "geöffnet sein, sich öffnen" (intransitiv, reflexiv). Falls hier die Glossenerklärung mit pw zu ergänzen ist, wird wbꜣ ein Pseudopartizip/Stativ zu sḏ sein, eventuell ein Partizip aktiv. Abweichend davon übersetzen Brawanski und Sanchez/Meltzer mit einer pseudoverbalen Konstruktion mit sḏ wr als Subjekt und dem Pseudopartizip wbꜣ als Prädikat: "ein großer Splitterbruch ist offen".
3 sḏ.ḫr=f: Das Subjekt von sḏ wird unterschiedlich gehandhabt. Es ist entweder der (große) Splitterbruch (sd) (so Breasted, Ebbell, Bardinet), das Gehirn (ꜣjs) (so Grundriß der Medizin IV/1; Westendorf 1966; Westendorf, Handbuch Medizin; Brawanski; wahrscheinlich auch Allen) oder die Membran (ntnt/ntn.t) (so Sanchez/Meltzer; dann muss ntnt ein Maskulinum sein). Mit dem Gehirn oder die Membran als Subjekt muss sd/sḏ die intransitive/passive Bedeutung: "zer-, aufbrechen, aufgebrochen sein" haben (siehe Westendorf, Grammatik, 187, § 258).
4 tp/ḏnn.t=f: Das Wort wird ausschließlich mit dem Kopf geschrieben. Entweder fehlt der Ideogrammstrich für tp (vgl. aber Kolumne 1.1, wo in wbn m tp=f ebenfalls der Ideogrammstrich fehlt) oder die phonetischen Zeichen von ḏnn.t wurden vergessen.
5 nẖ: Wird mit dem spuckenden Mund bzw. mit Wassertropfen determiniert und kommt sowohl als Verb als auch als Substantiv vor. Das Wort wird in Wb II, 318.14–15 mit "ausspeien; das Ausgespieene, der Speichel" (Verb; Substantiv) übersetzt. Wahrscheinlich liegt dieselbe Wurzel in der Graphie in Fall 41 vor, wo es auch in Glosse E (Kolumne 14, 15–16) erklärt wird (in Wb II, 337.8 nur als Substantiv "Speichel o.ä." aufgenommen). Breasted, Surgical Papyrus, 172 übersetzt daher das Verb mit "(to) issue, stream forth, flow out" und das Substantiv mit "fluid". Er versteht nẖ in unserer Textstelle als Substantiv und als Objekt des Verbs sd "it breaks open his fluid" (ebenso Ebbell, Bardinet, vgl. Burridge). Für ihn bricht (sd) die Zersplitterung (ebenfalls sd!) die Flüssigkeit auf (von Bardinet, Papyrus médicaux, 497 wird das Verb sd umschrieben als: "il (l'éclatement) ouvre une brèche au fluide"), wobei er vermutet, dass mit nẖ "the soft or viscous consistency of the brain itself" gemeint ist (Deshalb übersetzt er wohl mit "his fluid", d.h. die Flüssigkeit des Patienten, und nicht mit "its fluid", d.h. die Flüssigkeit des Gehirns). Breasted zitiert aber auch seinen medizinischen Gewährsmann Dr. Luckhardt, dass nẖ sich auf die cerebrospinale Flüssigkeit (liquor cerebrospinalis), von der das Gehirn umgeben ist, bezieht. Das hält Brawanski, in: SAK 29, 2001, 23, Anm. 2 für unwahrscheinlich, weil diese Flüssigkeit bei einer Kopfverletzung nicht leicht heraustropft. Dass der Splitterbruch (oder die Zersplitterung) die Flüssigkeit (oder die zähflüssige Masse) zersplittern/aufbrechen sollte, ist zumindest stilistisch unwahrscheinlich. Deshalb wird wohl eher ꜣjs (oder ntnt) das Subjekt des Verbs sd sein, das dann intransitiv sein wird ("zerbrochen, zertrümmert sein"). Dementsprechend kann nẖ kein Substantiv mehr sein, sondern ist auch als Verb zu verstehen (so Grundriß, Westendorf, Brawanski, Allen). Als Übersetzungen für nẖ (m) werden dann angesetzt: "quillen (aus)" (Grundriß IV/1; Westendorf), "wölben (aus)" (Brawanski), "to gush (from)" (Allen).

(Glosse B:) Was (die Textstelle): "diese wrm-Rillen/Blasen/Klumpen/(Metall-)Schlacken(?), die am/beim Kupfer des ꜥḏn.t-Schmelztiegels/-ofens(?) entstehen" angeht:
das ist Kupfer, das der (Kupfer)schmied (ab/weg?)gießt (oder: (in eine Form) gegossen hat)1,
[3.1] wenn es (d.h. das Kupfer) noch nicht mit einem Stein(hammer) (?)2 zu einer Sache3 breitgeklopft ist4 (oder: das ist Kupfer, das der (Kupfer)schmied (in eine Form) gegossen hat, bevor er (d.h. der Schmied) (es) mit einem Stein(hammer) zu einer Sache breitgeklopft hat).
Seine Oberfläche (wörtl.: Gesicht; d.h. die des Kupfers oder der Sache)5 ist (im Ergebnis) roh/uneben wie ...?...6
Das bedeutet, dass (man) sagt: "(Es) ist wie wrm-Propfen/Blasen/Pusteln/Krusten(?) von Eiter7."

1 wdḥ: Das Verb bedeutet "schütten, gießen" (Wb I, 393.6–13), was aus dem koptischen Nachfahr ⲟⲩⲱⲧϩ hervorgeht (Crum, 498b: "pour (liquid), cast (in mould), draw (water)"). Bezogen auf Metall übersetzt das Wörterbuch sowohl "Kupfer schmelzen" (Wb I, 393.11) als auch "(kupferne) Türflügel u.ä. giessen" (Wb I, 393.12). Auch im Koptischen wird ⲟⲩⲱⲧϩ im Zusammenhang mit Metall schmelzen verwendet (siehe Crum, 498b–499a). Breasted, Surgical Papyrus, 173 hat für wdḥ die ursprüngliche Bedeutung "gießen" im Sinne von "weggießen" angenommen ("pour off (reject)") (ebenso Bardinet, Sanchez/Meltzer). Er übersetzt wdḥ wie eine Relativform Präsens: "copper which the coppersmith pours off (rejects)". Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 23 hingegen nimmt einerseits die Bedeutung "schmelzen" an und übersetzt wdḥ andererseits als attributives Partizip Passiv zu ḥmt mit dem logischen Subjekt im Genitiv angebunden: "das vom Kupferschmied geschmolzene Kupfer". Grundriß der Medizin (IV/1, 176; MedWb 236–237) und Westendorf bleiben bei "(Metall) gießen" (also nicht "weggießen"), was impliziert, dass das Kupfer in eine Form gegossen wird. Lloyd, in: JEA 61, 1975, 61 möchte eher mit "to smelt", d.h. "(Metall) schmelzen" übersetzen, weil der Kontext seiner Meinung nach nicht zu "to cast", d.h. "in eine Form (ab)gießen" passt. Für ihn gehören die wrm.w zum Schmelzvorgang und nicht zum Gießvorgang. Hannig, HWB, 244 gibt für wdḥ in Zusammenhang mit Metall beide Bedeutungen als fraglich an: "*ausgießen (und vorher schmelzen), *schmelzen (Metall, Kupfer in Gusstechnik)".
2 ꜥꜣ.t: ist mit einem Abkürzungsstrich determiniert, was die Identifikation des Gegenstands erschwert. Breasted, Surgical Papyrus, 174 hat schon erkannt, dass ꜥꜣ.t ein Gegenstand ist, mit Hilfe dessen (m "mit") die Aktivität pds getan wird oder in (m "in") dem die Aktivität hineingetan wird. Er meint, dass mit ꜥꜣ.t das Wort "Stein" gemeint ist und mehr konkret ein steinernes Gefäß (vgl. Wb I, 166.1–2), das er als eine Steinmodel oder eine Gussform aus Stein versteht. Für Breasted ist pds m ꜥꜣ.t "'pouring into' or 'forcing into the mould'" (ebenso Ebbell, Grundriss IV/1, Bardinet, Allen, Sanchez/Meltzer). MedWb 129 mit Anm. 1 verweist jedoch auf Metallverarbeitungsszenen im Alten Reich, bei denen "das erstarrte Metall auf einen großen Stein gelegt und mit Steinen breit geklopft (wird)" (Siehe für diese Metallarbeiten L. Klebs, Die Reliefs des alten Reiches, Heidelberg 1915, 85 (Nr. 4); B. Scheel, Egyptian Metalworking and Tools (Shire Egyptology), Princes Risborough 1989, 27–30.). Deshalb wird ꜥꜣ.t in MedWb mit "Stein" übersetzt. Auch Lloyd, in: JEA 61, 1975, 62 erkennt das Wort "(kostbarer) Stein" im Sinne einer Art Handhammer aus einem Steinklumpen.
3 r ḫ.t gehört sicherlich zu pds "zu einer Sache breitschlagen" (so Ebbell, Grundriss, Westendorf, Brawanski, Allen), weil ansonsten die Präposition r Schwierigkeiten bereitet. Dieser Vorschlag geht auf Grapow zurück und wird von Breasted, Surgical Papyrus, 174 erwähnt, jedoch abgelehnt, weil ḫ.t ḥr=f nḥꜣ durch Breasted als Parallele zu ḫ.t jm nḥꜣ (Kolumne 2.3–4) verstanden wird, wo ḫ.t nicht von jm nḥꜣ getrennt werden kann. Dadurch hat Breasted Schwierigkeiten, die Präposition r zu übersetzen: er versteht r als "'against' in the sense of 'to avoid'" (S. 174) aber er verwendet in seiner Übersetzung (S. 173) die problematische kausale Bedeutung "because of" ("because of something foreign upon it like [wrinkles]"; ebenso Bardinet), während Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 67 das Problem mit "with respect to" zu umgehen versuchen ("it has been flattened in a stone mold with respect to something upon it that is bumpy, like wrinkles").
4 pds: Das Verb pdz als Variante von pds wird sonst mit dem Bein und/oder dem schlagenden Mann/Arm als Determinativ geschrieben, an unserer Stelle wurde ein unklares Determinativ in roter Tinte vor dem schlagenden Arm nachgetragen (ein Messer?). Es handelt sich um eine Tätigkeit des Metallschmieds. Wb I, 566.12 trennt pdz als Verb der Kupferverarbeitung vom Verb pds "breitdrücken, zertreten, zerstören" (Wb I, 566.16–19), aber es wird das gleiche Verb sein (so Breasted, Surgical Papyrus, 173; MedWb 301–302: "breitdrücken", mit der Erklärung "vom Breitschlagen erstarrten Metalls"). Welche Aktivität gemeint ist, hängt mit der Interpretation von ꜥꜣ.t zusammen. Breasted denkt an eine steinerne Gussform und versteht pds als "hineinpressen"; Westendorf (MedWb 129 und Westendorf, 1966) denkt an einen Steinhammer und übersetzt pds mit "breitschlagen". Grammatisch ist n pds.t=f ein negiertes sḏm.t=f, aber es wird teils aktiv (Ebbell, Bardinet, Allen), teils passiv (Breasted, Grundriss, Westendorf, Brawanski, Sanchez/Meltzer; Westendorf, Grammatik, 195, § 268; Zonhoven, Studies sDm.t=f, Kapitel IV, § 6) übersetzt. Im ersten Fall ist der Kupferschmied (ḥmt.j) das Subjekt und fehlt das direkte Objekt, im zweiten Fall ist das Kupfer (ḥmt) Subjekt. Da im nächsten Satz die Oberfläche des Kupfers Subjekt ist, wird auch hier wohl eher das Kupfer Subjekt des sḏm.t=f sein.
5 ḥr=f: An der Graphie kann man nicht erkennen, ob der Status Pronominalis des Substantivs ḥr oder der Präposition ḥr vorliegt. Breasted hat sich für die Präposition ḥr entschieden und trennt den Satz anders ab: r ḫ.t ḥr=f nḥꜣ(.w) mj pjw (ebenso Bardinet, Sanchez/Meltzer) "wegen(?) der Sache auf ihm (dem Kupfer), die sich roh/uneben wie ...?... herausstellt". Grapow (bei Breasted, Surgical Papyrus, 174) schlägt hingegen vor, in ḥr das Substantiv "Gesicht" im Sinne von "Oberfläche" zu erkennen. Weitere Belege für die Bedeutung "Oberfläche" in MedWb II, 614 (unter B) und vgl. ḥr.j (substantivierte Nisbe) und ḥr.w "Oberfläche". In Wb III, 127.4–8 ist für die übertragene Verwendung nur die Bedeutung "Vorderseite" eingetragen.
6 pjw: Die Bedeutung dieses Substantivs ist unbekannt, ebenso wie die von pj.t in Eb 197a, das ebenfalls im Zusammenhang mit dem Wort nḥꜣ "grob, uneben" vorkommt. Wb I, 502.5 und MedWb I, 260 sowie Hannig, HWB, 290 liefern keine Übersetzung. Laut Breasted, Surgical Papyrus, 143 spricht der Zusammenhang für eine Bedeutung wie "wrinkles(?)" (gefolgt von Allen, Sanchez/Meltzer). Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 38 hat "Blasen" (ebenso Westendorf, Handbuch Medizin, 716; gefolgt von Brawanski); Bardinet, 497 übersetzt mit: "pustules", d.h. "Warze, Pickel, Pustel, Eiterbläschen".
7 ry.t: Die Bedeutung "Eiter" (Eng. & Franz. "pus") wird allgemein akzeptiert (Wb II, 399.13–15; MedWb I, 521–522; Bardinet, Papyrus médicaux, 137–138; Meeks, ALex 78.2369: "suppuration"; Westendorf, Handbuch Medizin, 350 mit Anm. 535; Hannig, HWB, 489: "Eiter; Ausscheidung"). Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 67 und 69 sind weniger spezifisch: "discharge". In älteren Bearbeitungen des pEbers wird ty.t statt ry.t gelesen (siehe dazu Breasted, Surgical Papyrus, 174). Die Übersetzung "blood clot(?)" von Burridge, in: JSSEA 27, 1997, 14 mit Anm. 34 beruht auf einem Fehlverständnis der Erklärung von Wb II, 399,13–14: "Eiter o.ä. als Inhalt der Geschwüre (13) u.a.m. Gern neben 'Blut' (14)."

Fall 7 (3.2-4.4): Schädelverletzung mit Durchbohrung der Tepau-Region (Nebenhöhlenbereiche?)

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde in seinem Kopf, die bis zum Knochen reicht
– die tpꜣ-Regionen/Bereiche (Stirn-/Nebenhöhlenbereiche?)1 seines (Hirn-)Schädels sind durchbohrt/durchstoßen.
(Untersuchung:) <Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf untersuchst, die bis an den Knochen heranreicht - die tpꜣ-Regionen/Bereiche (Stirn-/Nebenhöhlenbereiche?) seines (Hirn-)Schädels sind durchbohrt/durchstoßen -,>
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
(Er) wird wirklich sehr zittern (?).
oder:
(Es) wird wirklich sehr wackeln/nachgeben (?).
Daraufhin veranlasst du, dass er sein Gesicht anhebt.3
Es fällt ihm schwer, seinen Mund zu öffnen;
sein Herz ist (zu) müde/erschöpft, um zu reden.4
Wenn du seinen Speichel5 untersuchst, der auf seine Lippen tritt / getreten (wörtl.: gefallen) ist6 – (dieser) kann nicht zu Boden fallen –,7
(indem) er aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren blutet (wörtl.: Blut gibt),
(indem) er an Steifheit/Steifigkeit (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet,
(indem) er nicht in der Lage ist, [3.5] auf seine Schultern und seine Brust zu blicken:
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn (den Patienten):
"Einer mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf, die bis an den Knochen heranreicht
– die tpꜣ.w-Regionen/Bereiche (Stirn-/Nebenhöhlenbereiche?) seines (Hirn-)Schädels sind durchbohrt/durchstoßen
(und) das wꜣ.t-Band8 seines Unterkiefers ist zusammengebunden/festgezurrt9,
(indem) er aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen10 und seinen Ohren blutet,
(indem) er an Steifigkeit/Versteifung (wörtl.: Aufrichtung) in seinem Nacken leidet:
eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
(Behandlung:) Sobald (oder: weil) du (also) jenen Mann vorfindest, indem das wꜣ.t-Band seiner Unterkiefer(hälften) zusammengebunden/festgezurrt worden ist,
dann musst du folglich veranlassen, dass für ihn etwas Warmes/Heißes gemacht wird,
bis / sodass es ihm besser geht.
Dann muss sein Mund sich (zwangsläufig/folglich) öffnen.
Dann musst du ihn folglich mit Fett/Öl, Honig und Faserbausch verbinden,
bis / sodass du erkennst, dass er die/eine (entscheidende) Sache erreicht (d.h. es schaffen wird?).
(2. Untersuchung:) Aber wenn du jenen Mann vorfinden wirst, indem sein Körper (oder: sein Hautgewebe) Hitze/Fieber entwickelt (wörtl.: ergriffen) hat infolge jener Wunde, die in den tpꜣ.w-Regionen seines (Hirn-)Schädels ist
– jener Mann, er hat außerdem tjꜣ-Leiden (Kaumuskelkrampf?)11 entwickelt (wörtl.: ergriffen) infolge jener Wunde –,
dann hast du daraufhin [3.10] deine Hand auf ihn (oder: <auf> sein Gesicht) gelegt.12
Feucht13 vor Schweiß wirst du seine mḫnt-Stirn (oder: sein mḫnt-Antlitz)14 vorfinden;
Die mt-Stränge seines Nackens sind angespannt15;
Sein Gesicht ist gerötet16;
Seine Eckzähne17 <...> und sein Rücken <...>.18
Der Geruch des "Kastens seines Kopfes"19 ist wie (der Geruch) der bkn-Exkremente (Köttelchen?)20 von Kleinvieh.
Sein Mund ist (wie) zugebunden.
Seine beiden Augenbraue sind hochgezogen/verzogen(?)21.
Sein Gesicht ist in der Art, wie wenn es weint / weinen wird / geweint hat.22
(2. Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf, die bis an den Knochen heranreicht
– die tpꜣ-Regionen/Bereiche (Stirn-/Nebenhöhlenbereiche?) seines (Hirn-)Schädels sind durchbohrt/durchstoßen –,
wobei er ein tjꜣ-Leiden (Kaumuskelkrampf?) entwickelt (wörtl.: ergriffen) hat, sodass sein Mund (wie) zugebunden ist,
und wobei er an Steifheit/Steifigkeit im Nacken leidet:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."
(Differentialdiagnose:) Aber wenn du jenen Mann vorfinden wirst,
indem er blass/bleich (wörtl.: weiß) geworden ist,
nachdem er zuvor eine Schwäche gezeigt (wörtl.: hingelegt) hat,23
dann musst du folglich veranlassen, dass ein Meißel/Zapfen (?)24 aus Holz für ihn gemacht wird, der mit Stoff bekleidet ist.
(Er, d.h. der Meißel) werde auf/an seinen Mund gegeben.
Dann musst du folglich veranlassen, dass ein "Schlürftrank" (eine Brühe?)25 [3.15] von Erdmandeln26 für ihn gemacht wird.
Seine Behandlung besteht aus Sitzen, wobei er zwischen zwei Stützbauten/Stützen(?) aus Lehmziegeln gesetzt ist,
sodass / bis du erkennst, dass er die/eine (entscheidende) Sache erreicht (d.h. es schaffen wird?).

1 tpꜣ.w: Wird mit einem kleinen Kreis determiniert, der verwendet wird für Mineralien, Körner, aber auch für ein kleines Loch. Das Wort wird in Glosse A erklärt als etwas, das sich zwischen einer Schale (pꜣq.t, d.h. scherbenförmigem Schädelknochen) und einer zweiten Schale befindet und lederartig oder hautartig (dḥr) ist. Die Orthographie von tpꜣ.w und die Genitiv-Partikel n.w weisen auf einen Plural hin (Singular wäre dann tpꜣ), aber eine im Kopfbereich situierte Krankheit tpꜣ/tpꜣ.w wird gleich geschrieben. Die Identifikation der betreffenden Körperteile bzw. der betreffenden Körperregionen ist nach wie vor umstritten. Eine gute Zusammenfassung der unterschiedlichen Meinungen zu diesem Wort steht bei Brawanski, in: SAK 29, 2001, 26–28. Erman/Grapow übersetzen es in der Wortverbindung tpꜣ.w n.w ḏnn.t als "die Kopfhaut, Kopf-'schwarte'" (Wb V, 295.5–6). Brawanski, 26 gibt für die "Kopfhaut, Kopfschwarte" als entsprechenden lateinischen Begriff Galea [aponeurotica] an, die unmittelbar unter der eigentlichen Kopfhaut liegt und fest mit ihr verbunden ist. Die Identifikation passt für den lederartigen Charakter, aber nicht für die Positionierung zwischen Knochenschalen. Breasted, Surgical Papyrus, 185–186 betrachtet tpꜣ.w als die Suturen (lat.: Sutura), d.h. die Nahtstellen zwischen zwei Schädelknochen (daher Hannig, HWB, 1001: "Kopfnähte, Knochennähte"), wobei die lederartige Textur sich laut Breasted auf das Bindegewebe der Nähte vor dessen Verknöcherung bezieht (gefolgt von Bardinet, Dents et mâchoires, 171; Allen, Art of Medicine, 77). Grapow, Anatomie, 27 lehnt die Meinungen von Breasted und von Wb V, 295 ab, ohne einen alternativen Vorschlag zu machen. Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 26 und MedWb II, 948 widersprechen der Meinung von Breasted und vermuten, dass "Tentorium cerebelli" (Kleinhirnzelt) bzw. "wahrscheinlich die Hirnsichel (falx cerebri)" gemeint ist. Das Erste ist eine Membran, die die Schädelhöhle am Hinterkopf in einem größeren oberen (Großhirn) und einem kleineren unteren Bereich (Kleinhirn; cerebellum = Kleinhirn) verteilt, das Zweite ist eine Membrane, die das Gehirn in eine linke und eine rechte Hälfte verteilt. Weeks, Anatomical Knowledge, 28–29 lehnt die Übersetzung "suture" ebenfalls ab und folgt dem Vorschlag von von Deines & Westendorf, dass tpꜣ.w "falx cerebri" ist (Weeks äußert sich nicht zum Tentorium cerebelli). Ein philologisches Problem bei den Interpretationen von Ebbell und MedWb ist, dass tpꜣ.w ein grammatischer Plural ist. Die Auffassungen von Ebbel und MedWb werden von Chapman und Brawanski zurückgewiesen, weil diese Membrane bei offenen Kopfverletzungen sehr selten sichtbar werden und Verletzungen in diesen Bereichen unweigerlich zum Tode führen würden, was laut Fall 7 nicht notwendigerweise der Fall sein muss. P.H. Chapman, in: JARCE 29, 1992, 35–42 situiert die Verletzung auf der Grundlage der allgemeinen Anordnung der Verletzungen im Papyrus Edwin Smith im Stirnbereich (vgl. die Verortungsskizze der Verletzungen bei Chapman, 39, Fig. 1 mit der Skizze in Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 21, Visual Index I, wo gerade für die Fälle 7–9 teilweise unterschiedliche Meinungen herrschen). Kombiniert mit der Tatsache, dass die Verletzung nicht tödlich sein muss und zugleich relativ häufig auftreten sollte (sonst würde sie nicht in pEdwin Smith stehen), entscheidet Chapman sich bei der in Fall 7 vorliegenden Verletzung für eine Verletzung der Stirnhöhlen (Sinus frontalis), welche mit einer dünnen Schleimhaut versehen sind und von den Deckplatten (Tabula externa und interna) eingefasst sind, mit denen dann die beiden "Schalen" oder "Scherben" (pꜣq.t) gemeint sind. Da die tpꜣ.w aus dḥr sind, sind sie für Champan daher die dünnen Schleimhäute der Stirnhöhlen. Falls dies zutrifft, hat dḥr hier also nicht die konkrete Bedeutung "Leder", sondern ist eine allgemeinere Bezeichnung für "Haut" oder "Fell" oder "Membrane". Walker, Anatomical Terminology, 278 folgt der Interpretation von Chapman für tpꜣ.w mit der Umschreibung "membranes lining sinus cavities", obwohl er S. 61–62 dessen Deutung von hn n.j tp ablehnt. Andere Autoren möchten tpꜣ.w nicht auf die Membrane in den Sinushöhlen beschränken, sondern die Höhlen mit einbeziehen (z.B. Bardinet, Papyrus médicaux, 237, der 497–499 mit "les poches du crâne" übersetzt, weil sowohl Sinus/Stirnhöhle als auch Schleimhaut nicht der ägyptischen Begrifflichkeit entsprechen; ähnlich Westendorf, Handbuch Medizin, 717: "Höhlungen"). Nun wird bei der Verletzung der tpꜣ.w der Geruch des "Kopfkastens" (hn n tp) als Symptom angesprochen und dieser "Kopfkasten" wird in Glosse H in der Mitte des Scheitelbereichs (wp.t) des Schädels verortet. Brawanski, in: SAK 29, 2001, 28 möchte deshalb den Verletzungsbereich bei einer tpꜣ.w-Verletzung ausweiten auf Stirnhöhle, Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales) und den frontalen Bereich der Schädelhöhle, die bis zum Scheitel hinauf reicht. Die lederartige Struktur der tpꜣ.w ist für ihn eine Kombination von Stirnhöhlenschleimhaut, Siebbeinzellenschleimhaut und harter Hirnhaut (Dura mater) im Bereich der vorderen Schädelbasis (Frontobasis). Für Brawanski ist tpꜣ.w nicht nur eine haut- oder lederartige Struktur, sondern auch ein Bereich: der Stirnhöhlenbereich, den er beschreibt als die Region zwischen den Augenbrauen und deren Umgebung nach oben hin; er benutzt dafür den lateinischen Terminus Glabella. Sanchez/Meltzer scheinen auch an eine Kombination von Struktur und Bereich/Region zu denken, die auf die Studie von Chapman basiert (sie erwähnen Brawanski an dieser Stelle nicht), denn sie übersetzen tpꜣ.w als "membranous lined sinus cavities" (Beachte "lined" statt "lining"!). Wie sich diese Interpretation von tpꜣ.w als Teil des Kopfes mit der tpꜣ.w-Kopfkrankheit und der tpꜣ.wt als Pflanzenbestandteil vereinbart, bleibt zu klären. Auch ist der Zusammenhang mit dḥr-Leder/Haut und mit hn n.j tp "Kasten des Kopfes" sowie ḥr.j-jb n.j wp.t "Innerer/mittlerer Bereich des Scheitels" (in der erklärenden Glosse) nicht ganz überzeugend. Sofern ḏnn.t der Hirnschädel im Unterschied zum Gesichtsschädel sein sollte, ist die Interpretation von tpꜣ.w als Stirnhöhle unsicher.
2 j:nri̯.y: Zur grammatischen Konstruktion und Interpretation siehe den Kommentar bei Kolumne 2.4 (Fall 4). Das wesentliche Problem ist, ob der Patient zittert/erschaudert, oder ob etwas in der Wunde wackelt.
3 fꜣi̯ ḥr: "das Gesicht anheben". Brawanski, in: SAK 29, 2001, 24 vermutet, dass der Patient aufgefordert wird, das Gesicht anzuheben, um dessen Bewusstseinszustand, d.h. Wachheitsgrad zu prüfen (ebenso Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 78), nicht um die Nackensteifheit zu prüfen. Er meint (S. 25), dass eine Bewusstseinstrübung (herabhängender Kopf) gegen eine Diagnose von Tetanuserkrankung sprechen würde, weil "der Patient bei der Tetanusinfektion immer wach ist und keine Bewusstseinstrübung zeigt". Für Bardinet, Dents et mâchoires, 169 ist die Aufforderung, das Gesicht anzuheben, ein Zeichen von hochgradiger Erschöpfung ("prostation").
4 wrḏ jb=f r mdwi̯.t: Wurde früher als Umschreibung für einen schwachen Puls verstanden, weil in Fall 1 (Kolumne 1.8; ergänzt nach Eb 854a = pEbers Kolumne 99.5) das Klopfen des Herzens bzw. das Spüren des Pulses mit dem Reden (mdwi̯) des Herzens umschrieben wird (Breasted, Surgical Papyrus, 178; Grundriß IV/2, 141, Anm. 2; Westendorf 1966, 42, Anm. 2; Westendorf, Erwachen, 1992, 132; Nunn, Egyptian Medicine, 181; Westendorf, Handbuch Medizin, 716; vgl. schon Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 182, Anm. 2 als Alternativerklärung). In neueren Interpretationen wird "Herz" im Sinne von "Geist" verstanden: der Patient ist zu erschöpft, um zu reden (Chapman, in: JARCE 29, 1992, 36, Anm. 10; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 78; so schon Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 25).
5 jš=f: Die Anordnung der Zeichen ergibt ein Wort jšf, das in Wb I, 135.1 als "Speichel, Schaum auf den Lippen" aufgenommen wurde, aber zweifellos ist jš=f "sein Speichel" zu lesen (so Breasted, Surgical Papyrus, 178; MedWb I, 107).
6 ḫr r sp.tj=f "auf seine Lippen fallen": Die Phrase wird in Nachfolge von Breasted auch häufig umschrieben mit "von/an seinen Lippen (herunter)hängen" (Breasted, Lefebvre, Chapman, Bardinet, Sanchez/Meltzer), was zwar vielleicht der medizinischen Realität entspricht, aber nicht dem ägyptischen Wortlaut. Übersetzungen wie "fallen from his lip but not falling to the ground" (Allen; ähnlich Nunn) würde eine unterschiedliche Bedeutung der Präposition r im ersten ḫr r und im zweiten ḫr r implizieren, was unwahrscheinlich ist. Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 25 übersetzt mit "daß sein Speichel nach den Lippen rinnt", was bedeutet, dass ḫr ein Partizip Aktiv Präsens ist (ebenso impliziert in den Überstzungen von Breasted, Lefebvre, Chapman, Bardinet, Nunn, Sanchez/Meltzer); aber ein Partizip Perfekt oder ein Stativ/Pseudopartizip sind ebenfalls denkbar (so Grundriß IV/1, Westendorf, Brawanski, Allen; explizit als Pseudopartizip in einer Zustandsbeschreibung nach dem Verb ḫꜣi̯ identifiziert: Malaise & Winand, Grammaire raisonnée, 488, Beispiel 1272).
7 ḫꜣi̯ ... n ḫr.nj r tꜣ: Bedeutet "vermessen" und erweitert in medizinischen Texten "(durch vermessen) untersuchen". Breasted, Surgical Papyrus, 177 übersetzt diese Stelle jedoch mit "to observe", als ob es ein Synonym von gmi̯ "finden" oder mꜣꜣ "sehen" ist (gefolgt von Ebbell, Lefebvre, Chapman, Bardinet, Nunn, Allen, Sanchez/Meltzer). Die Übersetzung von ḫꜣi̯ mit "untersuchen" (so Grundriß, Westendorf, Brawanski) impliziert, dass n ḫr.nj r tꜣ eigentlich das Ergebnis der Untersuchung ist. Deshalb wird in der Übersetzung von Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 39; Westendorf, Erwachen der Heilkunst, 132; Westendorf, Handbuch Medizin, 716 (gefolgt von Brawanski, in: SAK 29, 2001, 23) davon ausgegangen, dass ein Stück Text ausgefallen ist, z.B. gmm=k sw "Wenn du seinen Speichel untersuchst, der auf seine Lippen getreten (wörtlich: gefallen) ist, (so stellst du fest:) er kann nicht zu Boden fallen." (für gmm=k vgl. Kolumne 12.15–16, 12.22, 13.3–4, 14.22–23, 15.6–7, 15.10–11 und 15.20–21; andere Fortsetzungen in 11.2, 13.19 und 14.17–18).
8 wꜣ.t: Bedeutet eine Art von Schnur, Seil oder Band (Wb I, 244.4–5: "Schnur, Band"; MedWb I, 160: "Band (am Kiefergelenk); Hannig, HWB, 181: "Schnur, Schlepptrosse; Band"). Das Wort wird für die Schnur oder den Strick verwendet, der eine Grundfläche bei der Gründungszeremonie eingrenzt (neben wꜣwꜣ.t, dessen Symplex es ist), ist vielleicht auch eine Schlepptrosse vom Schiff (vgl. Dürring, Materialien zum Schiffbau im Alten Ägypten, Berlin 1995, 75: wꜣt(.t) und wꜣr.t "Zugseil(?)") und ist eine Umschreibung für die Muskelfasern und Sehnen am Kiefergelenk (Belege für alle drei Kontexte bei Hannig, Ägyptisches Wörterbuch II, Teil 1, 585). Laut Glosse C ist wꜣ.t der mt-Muskelstrang, der das Ende des Unterkiefers zubindet.
9 ḥtr: Das Verb ḥtr mit einer Schnur als Determinativ bedeutet etwa "zusammenbinden; (gefangene Vögel) zusammenfassen" (Wb III, 202.3–4; MedWb II, 640: "binden; gebunden sein"; Faulkner, CDME, 181: "bind together; be contracted"; Hannig, HWB, 615: "binden, zusammenbinden; gebunden sein"; van der Molen, Hieroglyphic Dictionary of CT, 366: "bind together"). Es hat wahrscheinlich eine etymologische Verwandtschaft mit ḥtr "steuerlich verpflichten", mit ḥtr "Gespann" und ḥtr "Zwilling" (siehe Osing, Nominalbildung, II, 772–773, Anm. 946 mit Nachtrag S. 889). Der kopt. Nachfahr ϩⲱⲧⲣ / ϩⲱⲧⲉⲣ (S) bedeutet "verbinden, vereinigen, zu einem Paar machen; übereinstimmen, harmonieren; (sich) verdingen; mieten, pachten" (Westendorf, KHWB, 400). Das Zusammenbinden oder Festzurren des wꜣ.t-Bandes wird in Glosse B (Kolumne 3.16–18) erklärt als ein Steifsein (nḫt) der Muskelstränge des Unterkiefers. Der Kaumuskelkrampf wird als ein Hauptindikator für Tetanus erkannt, kann laut Brawanski, in: SAK 29, 2001, 25 jedoch auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden.
10 ꜥr.tj=fj: Breasted, Surgical Papyrus, 180 und 188 liest ꜥr.tj=fj wgy.tj=fj "that man's mandible, his jaw", wobei seiner Meinung nach das zweite Wort schon als eine Erklärung des ersten Wortes (später) hinzugefügt ist (so auch Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 182, Anm. 4). Aber wgy.t wäre in dem Fall logographisch geschrieben, was unerwartet ist (siehe MedWb I, 146, Anm. 5 und Westendorf, Grammatik, 7, § 15 mit Anm. 1; Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 42, Anm. 4; Brawanski, in: SAK 29, 2001, 24, Anm. 2). Außerdem steht in der vorangehenden Diagnose nur ꜥr.tj=fj. Vermutlich liegt nur eine fehlerhafte Korrektur vor, weil das erste =fj von den anschließenden Unterkieferhieroglyphen teilweise überdeckt wird; die beiden vorangehenden Fleischzeichen sind dann jedoch überflüssig. Mit zwei Wörtern für den Unterkiefer übersetzen auch Nunn, Egyptian Medicine, 181, Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 74 sowie Westendorf, Handbuch Medizin, 716 in seiner letzten Gesamtübersetzung.
11 tjꜣ: Das Wort ist mit dem Zahn determiniert. Breasted, Surgical Papyrus, 181–182 liefert keine Übersetzung, er erwähnt bloß einen fragenden Vorschlag von Dr. Luckhardt: "convulsions (?); delirium (?)". Auch Wb V, 241.4 lässt dieses Wort unübersetzt, liefert für das fast identische tjꜣ.w jedoch die Interpretation "Schmerzen an den Zähnen" (Wb V, 241.5), wohl wegen des Determinativs und weil es im Zusammenhang mit den Zähnen und/oder dem Mund vorkommt. Außerdem erwähnt Wb V, 241.6 das zugehörige Verb tjꜣ "vor Zahnschmerzen stöhnen, schreien o.ä." Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 27 nimmt an, dass tjꜣ "gewiß 'Zähneknirschen' bedeuten muss, d.h. Trismus." (Die Etymologie von Trismus oder tonischer Kaumuskelkrampf ist das griech. τρίζω "knirschen".) MedWb II, 937–938 legt tjꜣ und tjꜣ.w zusammen mit der Bedeutung "Zahnschmerzen" bzw. "Zahnschmerzen haben" (daher Nunn, Egyptian Medicine, 181 und Allen, Art of Medicine, 77: "toothache"). Chapman, in: JARCE 29, 1992, 37, Anm. 11 möchte das Leiden nicht auf die Zähne beschränken und übersetzt mit "jaw pain": der Zusammenhang in Fall 7 "suggests pain in the lower face or jaw rather than an affliction related to the teeth per se". Das Symptom "Zahnschmerzen" passt tatsächlich nicht gut im Rahmen einer Schädelverletzung. Bardinet, Dents et mâchoires, 169 und 179–185 nimmt den Vorschlag von Ebbell wieder auf und fasst tjꜣw als "trismus" auf, während das Verb tjꜣ "serrer les mâchoires, contracter les mâchoires, serrer les dents" bedeutet (Bardinet, Papyrus médicaux, 498: "crispation des mâchoires", d.h. "Kieferkrampf, Kieferklemme"). Die Interpretation "Kaumuskelverkrampfung" (Hannig, HWB, 988) oder "Kaumuskelkrampf" (Westendorf, Handbuch Medizin, 716; Brawanski, in: SAK 29, 2001, 24) wird auch von Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 79–82 übernommen, nur dass tjꜣ für sie mehr als nur das Symptom "Kaumuskelkrampf" ist und in Fall 7 stellvertretend für das Krankheitsbild Tetanus steht (wie im eng. "lockjaw").
12 wdi̯ ꜥ=k ḫr=f: Meistens wird "deine Hand auf ihn legen" übersetzt. Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 42, Anm. 6 erwähnt als Alternative "auf sein Gesicht legen", was die Ergänzung der Präposition ḥr erforderlich macht. Westendorf, Handbuch Medizin, 716 hat sich in seiner Übersetzung für diese letztere Lösung entschieden. Das passt jedenfalls gut mit dem Substantiv mḫnt "Stirn; Gesicht" im nächsten Satz.
13 bꜣi̯ oder bꜣj kommt als (Adjektiv-)Verb nur in diesem Papyrus vor. Das Determinativ und der Kontext legen eine Bedeutung "feucht sein" o.ä. nahe (Wb I, 417.11–12; MedWb I, 239–240; Hannig, HWB, 255; Faulkner, CDME, 77: "damp"; Breasted, Surgical Papyrus, 181 und 192: "clammy"), aber die Intensität der Feuchtigkeit ist in den Übersetzungen teilweise unterschiedlich (Chapman, in: JARCE 29, 1992, 37: "moist"; Nunn, Egyptian Medicine, 181: "wet"; Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 182: "moite de"; Bardinet, Papyrus médicaux, 498: "enduit de (sueur)").
14 mḫnt: Ist ein seltenes Wort, gebildet aus dem Lokalpräfix m und der Wurzel ḫnt. Es wird in Wb II, 132.5 mit "Antlitz (eig. Vorderseite?)" übersetzt. Grapow, Anatomie, 30 gibt für unsere Textstelle "Gesicht". In MedWb I, 387 findet man "Stirn". Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 13–14, § 12 listet nur ḫnt auf, was er beschreibt als "désignant à la fois 'visage' et 'front', autrement dit la partie antérieure de la tête". In der Glosse D (Kolumne 3.18–19) steht ḫnt statt mḫnt, aber es gibt an dieser Stelle keinen Grund, hinter gmm=k die Präposition m + Substantiv ḫnt zu lesen.
15 dwn "ausstrecken; sich ausstrecken": Ein Bogen, der ausgestreckt wird, wird "gespannt", ein Maßband wird ausgelegt und "angespannt" (siehe Wb V, 431.1–2). Das Verb wird hier (Kolumne 3.10) und im Glossenzitat (Glosse E, Kolumne 3.20) mit dem Seil determiniert, in der Glossenerklärung (Kolumne 3.20) mit den Beinchen; eine Bedeutungsdifferenzierung nach Determinativ ist schwer zu bestimmen. Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 42, Anm. 7 (und Westendorf, Erwachen der Heilkunst, 133) nimmt an, dass der Kopf vornüberhängt, weshalb es zuvor die Aufforderung von Seiten des Arztes gegeben hat, das Gesicht anzuheben. Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 27 meint hingegen, dass mit dem Strecken der Nackenmuskeln gemeint ist, dass der Nacken nach hinten gebeugt wird und er denkt dabei an Opisthotonus (krampfartige Rückwärtsbeugung des Nackens und Überstreckung des Rückens) (ebenso Brawanski, in: SAK 29, 2001, 25; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 82–83).
16 ṯms: Ist eine Farbbezeichnung im roten Spektrum. Teilweise wird mit "bläulichrot" übersetzt (Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 25; Harris, Minerals, 226–227).
17 nḥḏ.t: Wird meistens nur mit "Zahn" übersetzt und kommt neben einem anderen Wort für Zahn: jbḥ vor. MedWb I, 44 fragt sich deshalb, ob jbḥ die vorderen (Schneide-) und nḥḏ.t die hinteren (Mahl-)Zähne sein können. Laut Bardinet, Dents et mâchoires, 47–48 bedeutet nḥḏ.t: "la dent offensive des animaux, soit leurs crocs, défenses, canines" (d.h. Fangzahn, Stoßzahn, Eckzahn/Reißzahn), während jbḥ das generische Wort für "Zahn" ist und ṯs.t das Kollektiv "denture" (Gebiss) bedeutet.
18 psḏ=f: Ein Verb, das beschreibt in welchem Zustand die Zähne und der Rücken sind, fehlt. Bardinet, Dents et mâchoires, 169–171 emendiert psḏ=f zum Verb psḏ "leuchten" im Stativ psḏ.tj: "ses crocs sont luisants, brillants, se découvrent, se dévoilent". Die Zähne sind gefletscht infolge der Kontraktion der Gesichtsmuskulatur (vgl. sardonisches Lächeln beim Tetanus?). Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 74, 76 und 81, Anm. 81, folgen Bardinet, was den Sinn des Satzes angeht, aber sie erkennen eine andere Satzkonstruktion, nämlich Subjekt + sḏm=f "seine Zähne, indem sie leuchten" (Sie vermerken nicht, dass man das Determinativ anpassen muss und dass nḥḏ.wt dann als feminines Kollektiv zu verstehen ist, das durch ein maskulines Pronomen wiederaufgenommen zu sein scheint.). Die meisten Bearbeiter behalten das Wort Rücken. Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 40 ergänzt: "seine Zähne (und) sein Rücken". Brawanski, 24–25 hat "daß sein Gebiß und sein Rücken" (er übersetzt nḥḏ.wt mit dem Kollektiv "Gebiss").
19 hn n.j tp: Kann wörtlich als "der Kasten / die Truhe des Kopfes" übersetzt werden, wobei das hieratische Determinativ jedoch nicht eindeutig als Kasten/Truhe identifizierbar ist. In der Glosse H von Fall 7 (Kolumne 4.1–2) steht, dass er einem Kasten / einer Truhe (hn) ähnelt und sich in der Mitte seines Gehörns/Scheitelbereichs (wp.t) in der Nähe (hꜣw) der Innereien (ꜣjs) befindet. Gemeint sind die Innereien des Kopfes, d.h. das Gehirn. Durch die in Fall 7 beschriebene Verletzung verbreitet der "Kasten des Kopfes" einen Geruch wie die Exkremente von Ziegen und Schafen. Für Breasted, Surgical Papyrus, 197 wird hn n tp als Bezeichnung für "the dome of the skull" verwendet, wobei das Wort hn "Kasten" eine Parallele im deutschen "Gehirnkasten" findet. Laut Wb II, 492.4 ist hn n tp "als Bez. der Schädelkapsel, in der das Gehirn ruht"; Grapow, Anatomie, 24 und 26: "Gehirnkasten", als Ort des Gehirns; MedWb II, 565: "Schädelkasten"; Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 12 (§ 10): "le coffre de la tête" ist "une expression imagée" für "le sommet de la tête". Weeks, Anatomical Knowledge, 19 identifiziert es als calvarium: "The use of hn in non-medical contexts to mean 'chest', 'box', or 'container' leaves little doubt that hn n tp refers to the braincase. (...) It seems certain that hn refers, therefore, to that portion of the cranium housing the brain, i.e., the calvarium, and excludes the bones of the face." Chapman, in: JARCE 29, 1992, 42 hat versucht, den "Kasten des Kopfes" als eine Umschreibung für die Stirnhöhle (sinus frontalis) zu deuten. Das wurde von Walker, Anatomical Terminology, 62 abgelehnt, weil in der Glosse H (Kolumne 4.1) der "Kasten des Kopfes" als ḥr.j-jb n.j wp.t "die Mitte des Scheitelbereichs" umschrieben wird. Chapman hat wp.t zwar als "brow", d.h. "Stirn" übersetzt, aber allgemein wird davon ausgegangen, dass mit wp.t der "Scheitelbereich" gemeint ist (Wb I, 297–298; MedWb I, 181–182; Walker, Anatomical Terminology, 57–63, 69). Es sei erwähnt, dass wp.t auch "Gehörn" bedeutet, und Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 77 weisen darauf hin, dass die Hörner von Rindern mit den Stirnhöhlen verbunden sind. Laut Walker, Anatomical Terminology, 57–69 ist wp.t ein größerer Bereich als nur der eigentliche Scheitel (vertex: d.h. die oberste Stelle des Kopfes), der auch den Parietalbereich mit einschließt. Walker, Anatomical Terminology, 271 kehrt dann für hn n tp zurück zu der Bedeutung: "the cavity of the cranium, otherwise known as the vault or dome of the skull" und "casket of the head, calvarium", wobei er bildsprachliche Entsprechungen im englischen "brain-case" und deutschen "Gehirnkasten" erkennt (S. 61–62 und 271). Die Interpretation von Singer, My Skull Has Not Beek Crushed, 17 und 42–48: "inner table of the skull" (d.h. tabula interna/vitrea) erscheint sehr zweifelhaft. Singer vermutet, dass es die innere Knochenschicht des Schädeldaches im Parietalbereich ist: "the inner layer of the skull in the parietal region" (er folgt Weeks, Anatomical Knowledge, 26–28 darin, dass tbn die Diploe-Schicht zwischen den beiden dichten Knochenschichten des Schädeldaches sein sollte). Der "Kasten des Kopfes" wird der Hohlraum für das Gehirn in der Mitte von bzw. zwischen den Hörnern (wp.t) sein (d.h. die Schädelhöhle, eng. cranial vault, cranial cavity) oder die den Hohlraum umgebende Hülle. Falls es die Hülle ist, kann es das Schädelgewölbe ohne Boden (d.h. calvaria) oder, wie bei einem Kasten (hn), das Schädelgewölbe mit Boden (d.h. neurocranium) sein. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass hn n tp in pEdwin Smith den gesamten Kopf bedeuten kann (so jedoch A. Karenberg und C. Leitz, Headache in magical and medical papyri of Ancient Egypt, in: Cephalalgia 21, 2001, 911–916 (doi: 10.1046/j.1468-2982.2001.00274.x) [S. 913 ein Schema mit den Bezeichnungen; hn n.j tp = "head as a whole"]), auch wenn in Texten der Griechisch-Römischen Zeit ein Wort hn mit der Bedeutung "Kopf" belegt ist, wahrscheinlich eine Reduktion von hn n tp mit einer Bedeutungserweiterung.
20 bkn: Wb I, 482.6: "Mist o.ä. (von Ziegen)"; MedWb I, 254: "Exkremente (von Kleinvieh)"; Hannig, HWB, 280: "Mist; Exkremente (von Ziegen)". Das Wort kommt nur in Fall 7 von pEdwin Smith vor (Kolumne 3.11 und 3.21). Es verbreitet einen Geruch (sṯj) und ist, dem Determinativ nach zu urteilen, eine feste Substanz. In der Glosse G (Kolumne 3.21–4.1) wird es mit dem wzš.t von Kleinvieh (d.h. Ziegen und Schafen) verglichen. Das Verb wzš wird mit dem Phallus determiniert und bedeutet "ausscheiden, harnen" (Wb I, 357.16–20) und das Substantiv wzš.t ist eine Bezeichnung für "Ausscheidung, Urin, Harn" (Wb I, 358.1–3), wobei allerdings auch das Ausscheiden von Kot impliziert ist (MedWb 220–221, § 1). Da bkn eine feste Substanz zu sein scheint, kann es nicht ausschließlich "Urin" bedeuten (so die Übersetzung von Breasted, gefolgt von Ebbell, Lefebvre, Allen), sondern es wird eher eine Art von Exkrementen, Dung oder Mist (sicherlich nicht im Sinne von Stallmist) sein.
21 sd: Das Determinativ dieses Verbs ist einmal der Mann mit Hand am Mund, einmal der liegende Schakal (wegen eines Schakalgottes sd mit der gleichen Konsonantenfolge). In Wb IV, 365.11 wird keine Übersetzung vorgeschlagen, sondern der Kontext umschrieben als: "Zustand der Augenbrauen bei einer Wunde am Kopf". Breasted, Surgical Papyrus, 181 und vor allem 198 leitet die Bedeutung "distorted, drawn" aus dem Zusammenhang von Glosse I (Kolumne 4.2–4) ab (daher Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 26: "verzogen(?)"; Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 40: "krampfartig verzogen"; Westendorf, Handbuch Medizin, 717: "entstellt"). MedWb II, 824 gibt ebenfalls keine Übersetzung ("[krankhafte Tätigkeit der Augenbrauen]"), aber fragt sich, ob ein Zusammenhang von sd und sdꜣ "zittern, zucken" denkbar ist, wofür die Glossenerklärung mit einer Auf- und Abbewegung sprechen würde (daher Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 74: "his eyebrows quivering"). Allen, Art of Medicine, 77 übersetzt "his eyebrows knit", d.h. "seine Stirn runzeln" oder "seine Augenbrauen zusammenziehen".
22 mj jḫ.t rmi̯=f: Wird in MedWb I, 103 (VI) separat in der Kombination mj jḫ.t + sḏm=f "wie wenn" (d.h. als eine Art Konjunktion) verzeichnet. In Wb II, 37.9 werden weitere Belege für mj jḫ.t "wie, als ob" aufgelistet, aber keine weiteren mit einem folgenden sḏm=f. Vgl. Edel, Altägyptische Grammatik, § 751.d für das Adverb mj jḫ.t "ebenso". Nur Allen, Art of Medicine, 77 übersetzt mit "etwas, wenn es weint" ("his face like something crying"). Es ist die Frage, ob rmi̯=f als Präsens, Perfekt oder Futur zu verstehen ist, d.h. ist das Gesicht des Patienten wie das von jemandem, der geweint hat, am Weinen ist oder weinen möchte? Grundriß IV/2, 142, Anm. 6 zu S. 178 fragt sich, ob es sich um die Beschreibung eines Schweißausbruchs handelt, den der Autor des Papyrus mit Weinen vergleicht.
23 wdi̯ nhd: Bedeutet wörtlich "eine Schwäche setzen/stellen/legen bzw. stoßen", wie aus dem Synonym verwendeten ꜣh.t/ꜣht in Glosse J (Kolumne 4.4) hervorgeht. Für Breasted, Surgical Papyrus, 183 und 200 ist wahrscheinlich "to show exhaustion" gemeint. Auch Grundriß IV/1, 177 geht von einem Schwächeanfall aus (ebenso Westendorf, Nunn, Brawanski, Allen: "exhibit weakness"; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus: "lie down weak"; Hannig, HWB, 241: wdi̯ nhd/ꜣhd "einen Schwächeanfall erleiden"). Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 25 möchte dagegen eher mit "Weichheit darbieten" übersetzen und dieses so verstehen, dass eine "Muskelerschlaffung, im Gegensatz zu der früheren Steifheit" vorliegt. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 183, Anm. 2 denkt ähnlich wie Ebbell: "qu'il a déjà donné des signes de détente" (nhd oder ꜣht ist laut Lefebvre hier nicht sosehr "faiblesse, épuisement" als viel mehr "détente"). Bardinet, Papyrus médicaux, 499 übersetzt mit "après avoir vaincu sa faiblesse" (d.h. wdi̯ nhd ist für ihn "seine Schwäche hinlegen, abgeben, abstoßen").
24 mḏꜣ.t: Der Gegenstand ist mit dem Holzdeterminativ versehen aber zugleich wird gesagt, dass es aus Holz ist (n.t ḫt). Breasted, Surgical Papyrus, 184 übersetzt mit "a brace" und fragt sich, ob es mit mḏꜣ.t "Meißel" (Wb II, 188.5; vgl. 188.6–10) identisch ist. Er erwähnt einen Vorschlag von Grapow, dass es ein Rohr ("a tube") sein könnte. Es wird in Wbseparat vom Wort für "Meißel" aufgeführt mit der Bedeutung: "'ein hölzernes Saugrohr' o.ä. (um einem Patienten flüssige Nahrung einzuführen)" (Wb II, 187.3; gefolgt von Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 183). MedWb I, 415 bietet für unser Beispiel die Bedeutung "Meißel". Ein identisch geschriebenes Wort in den Sargtexten bedeutet "Gestänge (des Netzes)" und "Holzdübel, Holzzapfen" (Hannig, Ägyptisches Wörterbuch II, Teil 1, 1171; van der Molen, Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, 194).
25 sḫb: Die Wurzel sḫb bedeutet "schlürfen, einschlürfen, aufsaugen" (Wb IV, 268; MedWb II, 793). Das davon abgeleitete Substantiv sḫb.w wird entsprechend als "Schlürftrank" (MedWb II, 793–794) übersetzt (in Wb IV, 269.6 noch "Trankmittel", daher bei Hannig, HWB, 822: "Trankmittel, Schlürftrank"). Andere Übersetzungen sind "a draught" [d.h. ein Schluck, ein Zug, eine medizinische Portion] (Breasted, Surgical Papyrus, 184), "soup" [Suppe] (Allen, Art of Medicine, 77), "broth" [Brühe, Bouillon] (Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 75), auch mehr allgemein "breuvage" (Bardinet, Papyrus médicaux, 499) und "drink" (Nunn, Egyptian Medicine, 182).
26 wꜥḥ: Wb I, 289.1–9: "eine Körnerfrucht"; DrogWb 132–135 und MedWb I, 171: "[Hülsenfrucht]". Sind als "Erdmandeln" zu identifizieren, weil auf der Qubbet el-Hawa Töpfe mit wꜥḥ als Aufschrift und Erdmandeln als Inhalt gefunden wurden (Germer, Handbuch Heilpflanzen, 53–54). Ältere Interpretationen wie die von Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 27–28 "Manna-Wasser" (er meint eine Art Zuckerwasser, vielleicht von der Pflanze Alhagi manniferum(?)) oder von Loret (in: RecTrav 15, 1893, 122–124) als die getrocknete Schote des Johannisbrotbaumes (daher Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne, 183 "caroubes" und Allen, Art of Medicine, 77 "carob beans") sind damit hinfällig.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "die tpꜣ-Regionen/Bereiche (Stirn-/Nebenhöhlenbereiche?) <seines (Hirn-)Schädels> sind durchbohrt/durchstoßen" angeht:
das ist das, was in/zwischen einer (Schädel-)Platte/Scherbe bis zur (anderen) (Schädel-)Platte/Scherbe ist.
Aus Leder (d.h. mit einer lederartigen Textur) sind die tpꜣ-Regionen/Bereiche.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "die wꜣ.t-Bänder seines Unterkiefers sind zusammengebunden/festgezurrt" angeht:
das bedeutet ein Steifsein (wörtl.: ein Kraft-Ausüben)1 von Seiten der mt-Stränge (hier konkret: die Kaumuskeln) vom Ende seines ꜣmꜥ.t-Knochens2 (hier: der Unterkieferast)3 dadurch (d.h. durch die Verletzung?)4,
(mit dem Ergebnis, dass) er (der Unterkieferast) in/an seinem gmꜣ-Jochbein-Schläfenbereich5 verbleibt6
– das ist das Ende seiner Kinnlade7 –,
ohne sich hin- und herzubewegen / auf- und abzugehen (wörtl.: ohne wegzunehmen und ohne zurückzubringen).
Seinen Mund zu öffnen ist nicht angenehm für ihn infolge/aufgrund seines jh-Leidens. 

1 nḫt: Bedeutet zuerst "stark, mächtig, siegreich sein", wird aber auch für die Beschreibung des erigierten Penis und für verdreckte Kleidung verwendet, daher die Bedeutung "steif sein" (Wb II, 314.6–10; MedWb I, 477–479; eine Bedeutung "hart sein" passt eher nicht).
2 ꜣmꜥ.t: Siehe Fall 8, Kolumne 4.8.
3 mt.w pḥ.wj ꜣmꜥ.wt "die Stränge am Ende des Gabelknochens (des Kiefers)". Laut Breasted, Surgical Papyrus, 188 ist damit der musculus temporalis gemeint, aber Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 27 nennt es den musculus masseter, der weiter unten liegt und den Unterkieferast bedeckt. Ob die Ägypter innerhalb der Kaumuskulatur differenzierten, ist unbekannt.
4 nj: Das Präpositionaladverb scheint sich auf die Verletzung/Wunde zu beziehen (so Grundriß IV/1, 177 und Westendorf in seinen verschiedenen Übersetzungen).
5 gmꜣ: Siehe bei Fall 18, Kolumne 7.7.
6 mn: Als Bezugswort kommen mt.w und pḥ.wj in Betracht. In den Übersetzungen von Breasted, Ebbell und Allen sind die mt.w-Stränge eindeutig das Bezugswort ("the ligaments at the end of his ramus, which are fastened to his temporal bone"). Dann verbleiben die Kaumuskelstränge fest am oder im Joch- und Schläfenbein. Logischer ist die Interpretation von Grundriß IV/1, 177 (ebenso in den Übersetzungen von Westendorf, Bardinet, Brawanski), laut der es die Enden des Unterkiefers sind, die im Joch- und Schläfenbein verbleiben. Aber der direkte Genitiv spricht eher dagegen.
7 wgw.t/wgy.t: Wb I, 376.3–5: "der Unterkiefer, die Kinnlade" (ebenso MedWb I, 225: "Unterkiefer; Kinnbacken"; Hannig, HWB, 237: "Unterkiefer, Kinnlade"), ist koptisch noch als ⲟⲩⲟⲟϭⲉ (S) "Kinnbacken, Unterkiefer, Wange" erhalten. Es ist laut MedWb I, 225, § 2 ein jüngeres Wort, das das ältere ꜥr.t ersetzt. Es geht auf die Wurzel wgi̯ "kauen" zurück, weshalb man auch die Übersetzung "Kauknochen" findet. Die Übersetzung "the ends of the ramus" von Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 75 für pḥ.wj wgy.t ist zu eng bzw. "the ends of" ist überflüssig.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "Das wA.t-Band seines Unterkiefers" angeht:
das sind die mt-Gefäße/Stränge (hier: die Kaumuskeln), die das Ende seiner Kinnlade zubinden,
so wie (man) "wꜣ.t-Band" sagt <zu> einer Sache mit einem swš-Band/Strang(?)1.
oder:
so wie (man) sagt: "Das wꜣ.t-Band einer Sache ist (wie) ein swš-Band/Strang".

1 s(w)š: Das Wort mit einer Schnur als Determinativ wird unterschiedlich interpretiert. Unsere Stelle ist in Wb IV, 76.1 s.v. swš "als Bez. für etwas Krankhaftes" (DZA 29.070.640) aufgenommen. Breasted, Surgical Papyrus, 189–191 versteht es als eine Art von Bandage, die sonst zš.wj und swš/swš.wj geschrieben wird (Wb III, 485 und Wb IV, 75.17: "Bausch, kleiner Ballen o.ä. von Leinen") und die er mit "splint", d.h. "Schiene" übersetzt. Die breite, flache Schiene würde dann die breite und flache Kaumuskulatur erklären. Er fragt sich allerdings, ob hier ein Fehler für sšd "Binde" vorliegen kann. Die Übersetzung "Schiene" wird schon von Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 15 in Frage gestellt ("Pfropf, Bausch o.ä.") und in MedWb II, 733 ebenfalls zugunsten von "Band, Ballen, Ballung" aufgegeben. Dieses swš ist ein gedrehter(?) Pfropfen, Ballen oder Strang, der als Tampon/Tupfer u.a. in der Behandlung einer gebrochenen Nase verwendet wird (siehe Fall 12, Kolumne 5.18).

(Glosse D:) Was (die Textstelle) "seine ḫnt-Stirn ist feucht vor Schweiß" angeht:das bedeutet, dass sein Kopf in geringem Maße verschwitzt ist, wie wenn Sachen feucht/angefeuchtet worden sind.

(Glosse E:) Was (die Textstelle) "die mt-Stränge seines Nackens sind angespannt1" angeht:
[3.20] das bedeutet, dass die mt-Stränge seines Nackens gestreckt und steif sind infolge/aufgrund seines jh-Leidens.

1 dwn wird einmal mit dem Seil determiniert und einmal mit den Beinchen und hat unterschiedliche Formen dwn.y und dwn im Pseudopartizip. Das könnte auf eine gewisse Bedeutungsdifferenz hinweisen, sofern die Glossenerklärung nicht bloß eine jüngere Graphie ist, denn beide Formen haben dasselbe Subjekt. Breasted, Surgical Papyrus, 192 hat "tense" und "stretched"; Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 41: "ausgestreckt" und "ausgedehnt" (laut Anm. 13 eigentlich erneut "ausgestreckt"); Brawansik, in: SAK 29, 2001, 29 unterscheidet zwischen "gestreckt" und "gespannt".

(Glosse F:) Was (die Textstelle) "Sein Gesicht ist gerötet" angeht:
das bedeutet, dass die Farbe seines Gesichts rot ist,
wie die Farbe der Früchte des (rötlichen) ṯms.t-Baumes/Strauches1.

1 pr.t ṯms.t: In ḥr=f ṯms ist das Verb ṯms mit Schreibpalette und Buchrolle determiniert. In pr.t ṯms.t hat es Schreibpalette, Mineralkorn und Pluralstriche als Determinative. Man kann ṯms.t als Adjektiv(verb) zu pr.t auffassen (so in der Übersetzung von Allen, Art of Medicine, 77 und Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 75), aber dann stellt sich die Frage, weshalb es nicht wie vorhin die Buchrolle als Determinativ hat. ṯms.t ist in Wb V, 369.15 als separates Lemma neben dem Adjektiv(verb) ṯms in der Verbindung jrt.jw ṯms.t aufgenommen, aber ohne Übersetzung. In Fall 41 (Kolumne 14.13: jrtjw ṯms.t) ist ṯms.t zum einen ein Substantiv und hat es zum anderen noch zusätzlich ein Baumdeterminativ, was auf eine Pflanzenbezeichnung hinweist. Dieser "Rotbaum" oder "Rotpflanze" ist nicht identifiziert (Breasted, Surgical Papyrus, 193–194; Grundriss IV/1, 178; MedWb II, 954; Charpentier, II, Nr. 1378; Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 41; Westendorf, Handbuch Medizin, 718, Anm. 20: "'Rot'-Pflanze/Strauch/Baum, benannt nach der roten/violetten Farbe ihrer Früchte").

(Glosse G:) Was (die Textstelle) "der Geruch des 'Kastens seines Kopfes' ist wie (der Geruch) der bkn-Exkremente von Kleinvieh" angeht:
das bedeutet, dass [4.1] der Geruch seines Scheitels1 wie (der Geruch) der wsš.t-Ausscheidungen2 von Kleinvieh ist.

1 wp.t: Allgemein wird davon ausgegangen, dass mit dem "Scheitel(bereich)" (vertex) die oberste Stelle des Kopfes gemeint ist (Wb I, 297–298: "Gehörn; Scheitel"; MedWb I, 181–182: "Scheitel; Gehörn"; Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 11–12, § 10: "le sommet de la tête, le point le plus élevé – vertex summus – du corps humain, au delà du front"). Etymologisch bedeutet wp.t "Gehörn" (Walker, Anatomical Terminology, 57 weist auf wpi̯ "trennen" und wp.t als "Trennlinie" hin; vgl. Scheitellinie) und Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 77 vermerken, dass die Hörner von Rindern mit den Stirnhöhlen verbunden sind. A. Karenberg und C. Leitz, Headache in magical and medical papyri of Ancient Egypt, in: Cephalalgia 21, 2001, 911–916 hier: S. 913 ein Schema mit den Bezeichnungen des Kopfes; wp.t = "top of the head". Laut Walker, Anatomical Terminology, 57–69 ist wp.t ein größerer Bereich als nur der eigentliche Scheitel (vertex: d.h. die oberste Stelle des Kopfes) und der Begriff schließt auch den Parietalbereich mit ein. Jedenfalls hat die wp.t einen mittleren Bereich (ḥr.j-jb). Abweichend davon findet man bei Gardiner, EG, 462 (Sign-List, F13) die Bedeutungen "brow, top (of forehead)" (daher Faulkner, CDME, 59: "horns; top of head; brow") und auch Chapman, in: JARCE, 29, 1992, 42 hat wp.t als "brow", d.h. "Stirn, (Augen-)Braue" übersetzt (was natürlich gut zu seiner Auffassung von tpꜣ.w als die Membranen der Stirnhöhle passt). Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 11–12, § 10 lehnt die Übersetzung "front" (d.h. Stirn) ab, die daher rührt, dass der Uräus auf dem wp.t liegt, d.h. auf dem Scheitel, aber der Kopf des Uräus sich über der Stirn erhebt. Ein Problem ist die Differenzierung zwischen wp.t und dem seltenen whnn (dem Bereich um der großen Fontanelle beim Kind). Für Grapow, Anatomie, 26 ist whnn der anatomische Terminus für den Scheitel, während ansonsten wp.t verwendet wird.
2 wzš.t: Das Substantiv wzš.t ist von der Wurzel wzš abgeleitet. Das Verb wzš wird mit dem Phallus determiniert und bedeutet laut Wb I, 357.16–20: "harnen"; das zugehörige Substantiv wzš.t ist eine Bezeichnung für "Harn" (Wb I, 358.1–3). Laut MedWb 220–221, § 1 ist die Bedeutung jedoch nicht auf "Urin harnen" beschränkt, sondern impliziert das Wort auch das Ausscheiden von Kot. Hier wird wzš.t mit drei Körnern determiniert, was die Köttelchen von Ziegen und Schafen evozieren könnte. Die Übersetzung "Urin" oder "Jauche" (Breasted, Ebbell, Brawanski, Allen, Sanchez/Meltzer) ist deshalb unsicher.

(Glosse H:) Was (die Textstelle) "Kasten seines Kopfes" angeht:
das ist der mittlere/innere Bereich seines Scheitels in der Nähe seines Gekröses (d.h. seines Gehirns).
Das bedeutet, dass er einem Kasten / einer Truhe ähnelt.

(Glosse I:) Was (die Textstelle) "Sein Mund ist (wie) zugebunden; Seine beiden Augenbrauen sind hochgezogen/verzogen(?); Sein Gesicht ist in der Art, wie wenn es weint / weinen wird / geweint hat" angeht:
das bedeutet, dass er seinen Mund nicht öffnet, damit er sprechen kann;
(und) seine Augenbrauen sind verstümmelt (d.h. verzerrt?)1,
(wobei) (durch die eine Augenbraue) ein Fall von Hochziehen(?)2 nach oben und (durch die andere Augenbraue) ein Fall von Abdecken/Verbergen nach unten gemacht wurde,
wie der, der blinzelt/zwinkert, (indem/während) sein Gesicht weint (oder: verweint ist)3.

1 jꜣṯ: Bedeutet laut Wb I, 34.21–22: "verstümmelt werden o.ä.; weh tun, schmerzen". In Wb wird keine aktiv-transitive Bedeutung "verletzen" angegeben; siehe jedoch MedWb I, 20, § 1 "schmälern, verringern, verstümmeln" mit Verweis auf pEdwin Smith Fall 47 (daher: Hannig, HWB, 24: "verstümmelt, verletzt werden; schmälern, verringern"). Breasted, Surgical Papyrus, 198–199 vermerkt, dass das Verb neben der ursprünglichen Bedeutung "to wound, to injure" auch die Bedeutung "to twist, to distort" hat, aber der angeführte Beleg Tb. 115 nach pNu ꜥḥꜥ.n rꜣ=f ꜣṯ.w (DZA 20.239.270) wird in Wb bei "weh tun, schmerzen" untergebracht. MedWb I, 20–21 liefert keine eindeutige Übersetzung, aber glaubt nicht an "distorted", weil der Zusammenhang eher an ein krampfartiges Zucken denken lässt (wegen n ḥr.w "nach oben", n ẖr.w "nach unten" und ṯrm "zwinkern"). Statt Breasteds "verzerrt sein" übersetzt Ebbell, "seine Augenbrauen sind verzogen (?)" mit einem Fragezeichen. Auch Grundriß IV/1 operiert mit der Bedeutung "sich verziehen": "es verziehen sich seine beiden Augenbrauen". Westendorf, Papyrus Edwin Smith, 41 hat "krampfartig verzogen" und Westendorf, Handbuch Medizin, 718: "Seine beiden Augenbrauen sind verzogen/verkrampft". Allen übersetzt "his eyebrows knit" ("to knit one's brow" = "die Augenbrauen zusammenziehen" oder "die Stirn runzeln"). Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 76 verbinden jꜣṯ mit dem vorangehenden mdwi̯=f "his speech is distorted" (dann natürlich mit dem Substantiv mdw=f "seine Rede") und auch MedWb I, 21, Anm. 2 erwägt (mit Fragezeichen!) eine Anbindung an mdwi̯=f im Stativ: "er kann nicht seinen Mund öffnen, dass er rede, indem er verkrampft ist". Das Problem dabei ist jedoch die grammatische Anbindung von jnḥ.wj jri̯ .... Die Übersetzung von Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 76: "His two eyebrows maintain a diseased condition" erfordert jnẖ.wj ẖr jri̯.t ... und zp n.j sfr.t n ḥr.w muss direktes Objekt von jri̯ sein, was mit jri̯ als Stativ nicht möglich ist.
2 sfr/sfri̯: Ist ein Hapax; fehlt in Wb III und Wb IV. Grammatisch kann es ein kausatives II-rad. Verb sfr oder ein IV-Inf. Verb sfri̯ sein. Breasted, Surgical Papyrus, 199 errät die Bedeutung "to draw" aus dem Zusammenhang. MedWb II, 746 gibt keine Übersetzung, sondern beschreibt den Zusammenhang als "krankhafte Tätigkeit der Augenbrauen", bei der man an "hochziehen, sich nach oben bewegen" denken könnte (daher Hannig, HWB, 754: "eine krankhafte Tätigkeit der Augenbrauen (*hochziehen)"). MedWb II, 746, Anm. 2 erwägt eine alternative Lesung s:ft (kausatives II-Rad. Verb der Wurzel ft "sich abwenden"); ebenso Westendorf, Grammatik, 184, § 254.d. Ein Verb s:fr/s:fri̯ mit dem schlagenden Arm als Determinativ existiert nicht, auch nicht das Symplex fr/fri̯. Die Übersetzung von sfr durch Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 76: "to maintain a diseased condition" ist eigentlich eine Kontextumschreibung.
3 rmj.t: Das t ist klein (aber vgl. sḥd.t weiter im gleichen Satz). Grammatisch liegt entweder ein Infinitiv vor, wobei dann die Präposition ḥr zu ergänzen ist: ḥr=f rmj.t "sein Gesicht weint / ist am Weinen" (Haplographie beim Zeilenumbruch), oder es ist ein Pseudopartizip ḥr=f rmj{.t} "sein Gesicht ist verweint". Da beim vorangehenden Verb ṯrm das Determinativ nachträglich über die Zeile geschrieben wurde, liegt in diesem Satz mindestens ein Fehler vor. Vielleicht war ursprünglich n.tj ḥr ṯrm ḥr rmj.t "einer, der (gleichzeitig) zwinkert und weint" zu lesen.

(Glosse J:) Was (die Textstelle) "er ist blass/bleich (wörtl.: weiß) geworden, nachdem er zuvor eine Schwäche gezeigt (wörtl.: hingelegt) hat" angeht:das bedeutet ein Blasswerden, denn er ist einer, der mit der (unheilbaren) bṯw-Krankheit1 vertraut ist (wörtl.: in die bṯw-Krankheit eingetreten)2 angesichts der Schwäche.oder:das bedeutet (bloß) ein Blasswerden, denn er ist (vom Typus) "Trete <gegen sie/die Krankheit> ein (d.h. engagiere dich)! Lass <ihn> nicht im Stich!" angesichts der Schwäche.

1 bṯ.w: Von der Wurzel bṯ "laufen; davonlaufen, im Stich lassen, aufgeben" (mit den laufenden Beinchen als Determinativ) ist ein Substantiv bṯ.w gebildet als Bezeichnung einer Giftschlange oder einer dämonischen Krankheit (mit der Schlange als Determinativ; etymologisch wohl etwa "einer, vor dem man davonläuft"; die Interpretation von Ebbell, Alt-ägyptische Krankheiten, 19–20 von bṯ.w als die Wurmkrankheit "ägyptische Chlorose" oder dessen Verursacher, der Wurm "Anchylostomum duodenale" ist abzulehnen, siehe MedWb I, 255). Nun kann bṯ.w in unserem Satz zwei Sachen sein: entweder ist es das Substantiv bṯ.w oder es ist das negative Komplement des Verbs bṯ mit dem falschen Determinativ. Die meisten Bearbeiter gehen in Anlehnung an Breasted vom Verb aus, Allen und Sanchez/Meltzer arbeiten mit dem Substantiv.
2 ꜥq m bṯw: Die Lesung von ꜥq beruht auf vier Stellen im pEbers, bei denen bṯw in Kombination mit ꜥq vorkommt. Grundriß IV/2, 142, Anm. 14 verweist für die ungewöhnliche Form des q auf die Schreibung von pꜣq.t in Zeile 4.13, wo das q jedoch nicht identisch und zudem ebenfalls unsicher ist (Breasted geht an der Stelle von einer fehlerhaften Schreibung pꜣw.t für pꜣq.t aus) (Die Alternativlesung ꜥ.wj "Zustand" durch Ebbell, Alt-ägyptische Krankheiten, 20 ist kaum vertrauenswürdig). In den vier Ebers-Stellen steht ꜥq r=f / m bṯ sw "Trete gegen sie (die Krankheit) auf! Lass ihn (den Patienten) nicht im Stich!" bzw. m ꜥq r=f / bṯ.w pw "Trete nicht gegen sie auf! Es ist eine (unheilbare) dämonische Krankheit." Außerdem steht ein ähnlicher Satz in Kolumne 2.11: ḏr-n.tt sw m mr ꜥḥꜥ=j ḥnꜥ "Denn er (der Patient) ist (vom Typus) 'Eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde'". Breasted und die meisten Bearbeiter in seiner Folge emendieren deshalb unsere Textstelle mit n.tt sw m ꜥq / m bṯ.w "Denn er ist einer (vom Typus) 'Trete auf! Lass nicht im Stich!'", wobei Breasted die vielen Ergänzungen als Unsicherheitsfaktor anerkennt. In dieser Interpretation ist bṯ.w das negative Komplement des Verbs bṯ mit der Schlange statt der laufenden Beinchen als Determinativ. Allen, Art of Medicine, 79 sowie Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 76 gehen jedoch von bṯ.w als "Giftschlange, dämonische Krankheit" aus. ꜥq m bṯ.w wird dann "einer, der in die dämonische Krankheit eintritt", d.h. "einer, der mit der dämonischen Krankheit vertraut ist" oder, laut den Übersetzungen von Allen, "one who is in danger – as one who meets a poisonous snake" (Adverbialsatz mit m-Identicum) bzw. Sanchez/Meltzer "he is entering into an incurable condition" (Pseudoverbalkonstruktion mit m + Infinitiv beim Verb der Bewegung.

Fall 8 (4.5-4.18): Splitterbruch des Schädels ohne sichtbare Wunde

[4.5] (Titel:) Erfahrungswissen über einen Splitterbruch in seinem (Hirn-)Schädel unter <seiner> Kopfhaut1.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem Splitterbruch seines (Hirn-)Schädels unter seiner Kopfhaut untersuchst2,
(und) es gibt keinerlei Sache auf ihr (d.h. keine sichtbare Wunde auf der Haut),
dann musst du folglich seine Wunde/Verletzung (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Auf der Rückseite (d.h. Außenseite) jenes Splitterbruchs, der in seinem (Hirn-)Schädel ist, findest du eine tḫb-Schwellung (hier: eine Beule?), die aufgeschwollen/erhoben ist.
Sein Auge steht schief (oder: schielt) infolgedessen,
an der Seite von ihm, die jene Schlagverletzung aufweist, welche in seinem Hirnschädel ist;
(und) er geht lahm/humpelnd/schlurfend (?) mit seinem Fuß,
an der Seite von ihm, die jene Schlagverletzung aufweist, welche in seinem (Hirn-)Schädel ist;
– Von einem, den etwas geschlagen hat, das von außen eingetreten ist (d.h. etwas dämonisches, eine dämonische Einwirkung), sollst du ihn unterscheiden,
d.h. als einen (oder: und auch von einem), bei dem der (Gelenk?-)Kopf des ꜣmꜥ.t-Knochens in seiner qꜥḥ-Schulter sich nicht gelöst hat,
und (als) einen (oder: und von einem), dessen ꜥn.t-Finger (Daumen?) nicht in die Mitte seiner Hand gefallen ist. –
er blutet aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren;
er leidet an Steifheit/Steifigkeit in seinem Nacken.
(Diagnose:) <Dann sagst du daraufhin über ihn (den Patienten): Einer mit einem Splitterbruch in seinem Schädel, ... ... ...:>
"eine Krankheit, die man nicht behandeln kann".
(Behandlung:) Seine Behandlung (ist) Sitzen, sodass (oder: bis) er glatt wird (d.h. sich entspannt?), sodass / bis du erkennst, dass er die/eine (entscheidende) Sache erreicht (d.h. es schaffen wird?).
[4.10] (2. Untersuchung:) Sobald (oder: weil) du (also) jenen Splitterbruch, der in seinem (Hirn-)Schädel ist, vorfindest
wie diese (wohlbekannten) wrm-Rillen/Blasen/Klumpen/(Metall-)Schlacken(?), die beim Kupfer des ꜥḏn.t-Schmelztiegels/-ofens(?) entstehen,
(und) etwas dort ist, das unter deinen Fingern pocht/zittert und flattert wie die schwache Stelle des whnn-Schädelbereichs eines Kindes, wenn er (d.h. der Scheitelbereich) noch nicht verknüpft (d.h. verwachsen) ist
– jenes Pochen/Zittern und Flattern entsteht unter deinen Fingern, (und zwar) sobald/weil das Gekröse/Gedärm seines (Hirn-)Schädels (d.h. sein Gehirn) hervorbricht/aufgerissen ist –,
(wobei) er (d.h. der Patient) aus seinen Nasenlöchern/Nasenhöhlen und seinen Ohren blutet,
(und wobei) er an Steifheit/Steifigkeit im Nacken leidet:
(2. Diagnose:) <dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einer klaffenden Wunde an seinem Kopf, ... ... ...:>
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."

1 jnm n tp: "Haut des Kopfes". Mehrere Autoren (Breasted, Grundriss IV/1, Westendorf 1966, Westendorf 1999, Allen) übersetzen mit "sein Kopf", d.h. sie fügen implizit oder explizit ein Suffixpronomen tp=f hinzu. In der nächsten Zeile und in Glosse A (Zeile 4.13) steht tatsächlich ḫr jnm n.j tp=f, was diese Ergänzung unterstützt, zumal auch im Titel weiterer Fälle das Personalpronomen vorhanden ist.
2 ḫꜣi̯: Meistens abgekürzt mit dem schlagenden Arm D40 geschrieben; Gardiner, EG, 455 (Signlist D40, Anm. 2) vergleicht pEbers 37.2 mit pEbers 36.4 für die Auflösung der Abkürzung. Das Verb mit dem schlagenden Arm als Determinativ bzw. als Logogramm wird in Wb III, 223.2–3: "untersuchen, in Behandlung nehmen" separat vom Verb ḫꜣi̯ "messen, wägen" (Wb III, 223.4–16, mit dem Getreidemaß U9 als Determinativ) aufgelistet, obwohl erwogen wird, ob es damit identisch ist. Das scheint trotz der unterschiedlichen Determinativen ziemlich sicher zu sein, denn das Verb mit D40 wird in Glosse A zu Fall 1 (Kolumne 1.3–4) mit dem Verb jp "zählen" erklärt (vgl. Breasted, Surgical Papyrus, 104–105). In Kolumne 9.7 (Fall 26) und Kolumne 10.4–5 (Fall 29) steht ḫꜣi̯ an einer Stelle, wo sonst immer das Verb ḏꜥr steht, was vermuten lässt, dass beide Verben eine ähnliche Semantik haben. Dar ist koptisch noch als ϫⲱⲣ "erkunden, untersuchen, erforschen" erhalten und bedeutet "suchen, durchsuchen, untersuchen". Deshalb wird auch für ḫꜣi̯ die Bedeutung "(einen Mann, eine Krankheit) untersuchen" angesetzt. In MedWb II, 644–645 sind die zwei Bedeutungen"messen; untersuchen" aufgelistet (auch Hannig, HWB, 623 hat beide Kontexte zusammengelegt: "messen; untersuchen"). Für Allen, Art of Medicine scheint ḫꜣi̯ in medizinischem Sinne mehr als "messen" oder "untersuchen" zu sein, denn er übersetzt jr ḫꜣi̯=k z systematisch mit "if you treat a man", d.h. "behandeln, ärztlich beistehen" (vgl. schon die alternative Bedeutung in Wb III, 223.2–3; Breasted, Surgical Papyrus, 553: im Index gibt er drei Bedeutungen "measure, examine, treat"). In Fall 7, Kolumne 3.3–4 steht jr ḫꜣi̯=k jš=f "wenn du seinen Speichel untersuchst", was Breasted, Surgical Papyrus, 177 jedoch ohne weitere Begründung als "if thou observe his spittle ..." übersetzt (nachgefolgt in den Übersetzungen von Chapman 1992; Bardinet, Papyrus médicaux; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus; vgl. "If you notice" bei Allen 2005).

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "der Splitterbruch in seinem (Hirn-)Schädel unter seiner Kopfhaut, (indem) es keinerlei Wunde/Verletzung auf ihr (d.h. der Haut) gibt" angeht:
das ist ein Splitterbruch der schalenförmigen Knochen seines (Hirn-)Schädels;
(aber) das Hautgewebe, das <auf> seinem ḏꜣḏꜣ-Kopf ist (d.h. die Kopfschwarte), ist intakt/unversehrt (geblieben).

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "er geht, indem er mit seinem Fuß lahmt/humpelt/schlurft" angeht:
er (der Arzt oder das Wundenbuch) sagt über seine Gangart(?): "Sein Fuß ist träge/schwach (d.h. taub?)."
Er (d.h. der Fuß) macht das Gehen für ihn (den Patienten) nicht angenehm, so wie er (d.h. der Fuß) schlaff/kraftlos ist (oder: nachgibt?) und herabhängt/einknickt (?).
Seine Zehenspitzen (wörtl.: die Köpfe seiner Zehen) [4.15] sind zur Fußsohle / zum Fußgewölbe / zum Fußrist (?; wörtl.: Bauch seines Fußes) hin gekrümmt,
wobei sie (d.h. die Zehenspitzen) gehen, indem sie den Boden suchen.
Er (der Arzt oder das Wundenbuch) sagt dazu, dass er (der Patient) lahmt/humpelt/schlurft.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "einer, den etwas, das von außen eingetreten ist, geschlagen hat, an/auf derjenigen Seite von ihm, die dieses jh-Leiden aufweist" angeht:das bedeutet: ein festes Pressen/Haften/Treffen durch etwas, das von außerhalb eingetreten ist, an/auf derjenigen Seite von ihm, die dieses jh-Leiden aufweist.oder:das ist/bedeutet: etwas, das von außerhalb eingetreten ist, haftet fest an derjenigen Seite von ihm, die dieses jh-Leiden aufweist.

(Glosse D:) Was (die Textstelle) "etwas, das von außen eingetreten ist" angeht:
das ist der Hauch eines Gottes von draußen oder (der Hauch) eines Toten/Wiedergängers;
fürwahr (?), etwas, das sich einen Zugang erzwungen hat (?; oder: etwas, das hineingelassen wurde), nicht etwas, das sein (d.h. des Patienten) Körper (selbst) erschaffen hat.  

(Glosse E:) Was (die Textstelle) "(als) einer, bei dem der (Gelenk?-)Kopf des ꜣmꜥ.t-Knochens seiner qꜥḥ-Schulter sich nicht gelöst hat, und als einer, dessen ꜥn.t-Finger (Daumen?) nicht in die Mitte seiner Hand gefallen ist" angeht: er (d.h. der Arzt oder das Wundenbuch) sagt (dazu): das bedeutet, dass der (Gelenk?-)Kopf des ꜣmꜥ.t-Knochens seiner qꜥḥ-Schulter nicht gelöst wurde / sich nicht löst, und dass der ꜥn.t-Finger (Daumen?) nicht in die Mitte seiner Hand fällt.  

Fall 9 (4.19–5.5): Stirnverletzung

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde am Vorderteil/Anfang seines Gesichts (d.h. an der Stirn)
– die Schale seines (Hirn-)Schädels ist zerbrochen/zersplittert.
(Untersuchung und Behandlung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Wunde an der Vorderseite seines Gesichts (d.h. an der Stirn) untersuchst
– die Schale [4.20] seines ḏꜣḏꜣ-Kopfes ist zerbrochen/zersplittert –,
dann musst du folglich für ihn zubereiten: ein Straußenei, zerrieben in/mit Fett/Öl.
(Es) werde in die Öffnung seiner Wunde gegeben.
Danach musst du folglich für ihn zubereiten: ein Straußenei, zerrieben und zu (einem) Pulver/Puder zubereitet.
Das ist ein Trockenmittel(?) der Wunde.
Dann musst du folglich für ihn einen ḥꜣy.t-Verband von der Tasche(?) des Arztes auf sie (d.h. die Wunde) legen.
[5.1] Dann musst du sie (die Wunde) folglich am dritten Tag freilegen.
Du stellst fest, dass es (d.h. das Pulver?) die Schale (d.h. den schalenförmigen Schädelknochen) zusammenhält (wörtl.: zusammenknüpft), (indem/wobei) die Beschaffenheit (wörtl.: Farbe) wie (die eines) Straußeneis ist.
Was als Zauber(spruch) zu diesem Heilmittel gesagt wird:
"Der Feind, der in der Wunde ist, werde vertrieben!
Die Verschwörung(?), die im Blut ist, werde zum Erzittern gebracht!
Oh Räuber(?) des Horus, Schutz(?) gehört(?) zum Mund/Spruch der (Zauber-)Wirksamen (d.h. Isis).
oder:
Der Verschwörer (?) (gegen?) Horus <von> jeglicher (?) Seite werde dem Mund/Spruch der (Zauber-)Wirksamen (d.h. Isis) übergeben.
Nicht wird diese Schläfe zusammenbrechen(?);
Nicht hat/ist ein mt-Gefäß/Strang dort ge-...(?).
(Denn) ich bin im Schutz der (Zauber-)Wirksamen (d.h. Isis);
Der Sohn des Osiris wird gerettet."
Danach musst du folglich für ihn eine Abkühlung <bereiten>: jšd.t-Früchte des Feigen(baums), Öl/Fett, Honig.
(Es) werde gekocht, (es) werde abgekühlt, (es) werde ihm (dem Patienten) gegeben.

(Glosse A:) Was (die Textpassage) "ein ḥꜣy.t-Verband von der Tasche(?) des Arztes" angeht: [5.5] das ist die sšd-Binde, die in der Obhut dieses Bandagierers/Verbinders (oder: Balsamierers/Mumifizierers?) ist und die er (der Bandagierer oder der Arzt?) auf/über dieses (besagte) Heilmittel legt, welches auf dieser (besagten) Wunde ist, die an seiner Stirn ist.

Fall 10 (5.5–5.9): Augenbrauenverletzung

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde an der Spitze seiner Augenbraue.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) untersuchst mit einer Wunde an der Spitze seiner Augenbraue, die bis an den Knochen heranreicht, dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Ihre Klaffung (d.h. die der Wunde) werde für ihn (den Patienten) durch Nähen/Näharbeit (oder: mit einem Faden?) zusammengefasst.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn (d.h. den Patienten):
"<Einer mit> einer Wunde in seiner Augenbraue:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Nachdem du sie (die Wunde) genäht hast, <musst du sie folglich> am ersten Tag mit frischem Fleisch <bandagieren>.
Falls du diese/besagte Wunde vorfindest, indem ihre Naht sich lockert / gelöst hat,
dann musst du (sie) folglich für ihn (d.h. den Patienten) mit einem ꜣ.wj-Doppelverband/Kreuzverband(?) zusammenfassen.
Du sollst ihn täglich mit Öl/Fett und Honig versorgen/pflegen, bis/sodass er sich (wieder) wohlfühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "der ꜣ.wj-Doppelverband/Kreuzverband(?) aus Leinenstoff" angeht:das sind ein Paar Binden aus Leinenstoff, die man auf die beiden Ränder der klaffenden Wunde legt, um dafür zu sorgen, dass der eine (Rand) den anderen berührt.

Fall 11 (5.10–5.15): Nasenverletzung mit Bruch des Nasenpfeilers

[5.10] (Titel:) Erfahrungswissen über einen (einfachen) ḥsb-Bruch im Pfeiler seiner Nase (d.h. der knorpelige und knöcherne Bereich des Nasenrückens?).
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem (einfachen) ḥsb-Bruch im Pfeiler seiner Nase untersuchst, dann ist seine Nase in breitgedrücktem (?) Zustand;
sein Gesicht ist eingeebnet (?).
Die tḫb-Schwellung, die auf ihm (d.h. dem Bruch) ist, erhebt sich / nimmt zu,
(und zwar während) er aus seinen beiden Nasenlöchern/Nasenhöhlen blutet.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn: "Einer mit einem (einfachen) ḥsb-Bruch im Pfeiler seiner Nase: eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du (sie: d.h. die Nase/Nasenhöhlen) folglich für ihn <mit> zwei sšm-Tupfern/Pfropfen aus Leinenstoff auswischen.
Dann musst du folglich zwei (andere) sšm-Tupfer/Pfropfen aus Leinenstoff, die mit Öl/Fett befeuchtet sind, ins Innere seiner beiden Nasenhöhlen/-löcher legen.
Dann musst du <ihn> folglich auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) legen, sodass / bis seine tḫb-Schwellung abzieht (d.h. zurückgeht).
Dann musst du ihm folglich bḏꜣ-Röllchen/Ballen(?) aus Leinenstoff (an)legen;
seine Nase werde von ihnen eingeschnürt/zusammengehalten(?).
Du sollst ihn danach täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "der Pfeiler seiner Nase" angeht:
das ist die obere Spitze (wörtl. der obere Kopf) seiner Nase bis hin zu ihrer Seite/Hälfte auf der Oberseite (d.h. Außenseite?) seiner Nase; (und) im Innern seiner Nase in der Mitte von (d.h. zwischen) seinen beiden Nasenhöhlen.

[5.15] (Glosse B:) Was (die Textstelle) "seine beiden Nasenlöcher/Nasenhöhlen" angeht:
<das sind> die beiden Seiten(räume?)/Flanken seiner Nase, die bis zu seiner Wange (und) bis hin zum (inneren?) Ende seiner Nase reichen, (und) die <an/auf> der Oberseite (d.h. Außenseite?) seiner Nase loslassen/aufhören.  

Fall 12 (5.16–6.3): Nasenverletzung mit Bruch der Nasenkammer

(Titel:) Erfahrungswissen über einen ḥsb-Bruch in der šty.t-Kammer seiner Nase.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem ḥsb-Bruch in der šty.t-Kammer seiner Nase untersuchst, dann findest du seine Nase krumm stehend vor;
sein Gesicht ist breitgedrückt;
die tḫb-Schwellung, die auf ihm (dem Bruch) ist, erhebt sich / nimmt zu.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn: "Einer mit einem ḥsb-Bruch in der šty.t-Kammer seiner Nase: eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) <Daraufhin hast> du ihn (die Nase oder den gebrochenen Knochen) zurückfallen lassen, (mit dem Ergebnis, dass er) an seine (richtige) Stelle (zurück)gelegt ist.
Das, was in seinen beiden Nasenlöchern/Nasenhöhlen ist, werde für ihn mit zwei swš-Ballen/Strängen aus Leinenstoff weggewischt,
bis / sodass jedes ꜥnꜥr.t-Gewürm aus Blut (d.h. jedes Blut-Gerinnsel), das im Innern seiner beiden Nasenlöchern/Nasenhöhlen verknotet (d.h. geronnen) ist, hinauskommt.
Danach musst du folglich zwei sšm-Tupfer/Pfropfen aus Leinenstoff, die mit Öl/Fett befeuchtet sind, hinlegen;
(sie) werden in seine beiden Nasenhöhlen/-löcher gegeben.
[5.20] Dann musst du ihm folglich zwei bḏꜣ-Ballen/Röllchen aus Leinenstoff (an)legen;
(Es) werde ein Verband darüber gelegt (wörtl.: (es) werde darüber verbunden).
Du sollst ((ihn)) danach täglich mit Öl/Fett, Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "der ḥsb-Bruch in der šty.t-Kammer seiner Nase" angeht:
das ist die Mitte seiner Nase bis hin zum (hinteren) Ende, das bis zum Bereich zwischen seinen beiden Augenbrauen reicht.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "seine Nase steht (jetzt) krumm; sein Gesicht ist breitgedrückt" angeht:
das bedeutet, dass seine Nase verbogen/schief ist, angeschwollen bis zu ihrer Grenze und vergrößert;
seine beiden Wangen ebenfalls (d.h. angeschwollen und vergrößert).
Dann ist sein Gesicht infolgedessen breitgedrückt.
Es ist nicht in seiner normalen/richtigen Form wegen/aufgrund der Tatsache, dass [6.1] jede Höhle/Vertiefung mit einer šfw.t-Schwellung verstopft ist.
Dann sieht man sein Gesicht infolgedessen breitgedrückt.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "jedes ꜥnꜥr.t-Gewürm aus Blut (d.h. jedes Blut-Gerinnsel), das im Innern seiner beiden Nasenlöcher/Nasenhöhlen verknotet (d.h. geronnen) ist" angeht:
das bedeutet, dass das Blut im Innern seiner Nasenlöcher/Nasenhöhlen geronnen ist (wörtl.: gebacken/eingedickt wurde).
(Es) ähnelt dem ꜥnꜥr.t-Gewürm, das im Wasser existiert.  

Fall 13 (6.3–6.7): Nasenverletzung mit Splitterbruch der Nase

(Titel:) Erfahrungswissen über einen sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner Nase.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner Nase untersuchst, dann musst du folglich deine Hand auf seine Nase im Bereich jenes sḏ-Bruchs legen.
[6.5] Unter deinen Fingern wird er (der Bruch) knirschen (?; oder: sich verschieben?);
und außerdem gibt er (der Patient) noch Blut aus seinem (einen) Nasenloch/Nasenhöhle, aus seinem (einen) Ohr, aus seinem Mund wegen jenes sḏ-Bruchs (oder: <an der Seite von ihm, die> jenen sḏ-Bruch aufweist).
Es fällt ihm aus dem Grund schwer, seinen Mund aufzumachen/zu öffnen;
(und) er ist benommen.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn: "Einer mit einem sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner (einen) Nasenhöhle (?):
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann".

Fall 14 (6.7–6.14): Nasenverletzung mit Wunde an der Nasenhöhle

(Titel:) Erfahrungswissen über eine (offene) Wunde in seiner (einen) Nasenhöhle.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer (offenen) Wunde in seiner (einen) Nasenhöhle untersuchst, wobei sie (d.h. die Wunde) aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist,
dann findest du die beiden Ränder jener Wunde auseinandergezogen(?) in Bezug auf einander vor.
Dann musst du folglich jene Wunde durch Nähen/Näharbeit (oder: mit einem Faden?) zusammenfassen/festhalten.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer Wunde in seinem Nasenloch, die aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du folglich [6.10] für ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) zwei swš-Ballen/Stränge aus Leinenstoff machen.
Dann musst du folglich jedes ꜥnꜥr.t-Gewürm aus Blut (d.h. jedes Blut-Gerinnsel), das im Innern seiner beiden Nasenhöhlen verknotet (d.h. geronnen) ist, abwischen.
Dann musst du sie (die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Wenn ihre (der Wunde) Naht sich löst, nachdem du ihr/ihm (der Wunde oder dem Patienten) das frische Fleisch abgenommen hast,
dann musst du sie (die Wunde) folglich täglich mit Öl/Fett, Honig und Faserbausch verbinden, bis es ihm (dem Patienten) besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine Wunde in seiner Nasenhöhle, die aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist" angeht: das bedeutet, dass die beiden Ränder seiner Wunde weich sind / nachgeben, (wobei sie) zum Innern seiner Nase offen sind, so wie (man) "(es ist) aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?)" sagt über eine Sache, die weich ist / nachgibt.

Fall 15 (6.14–6.17): Wangenverletzung mit Loch(bruch) in der Wange

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Durchbohrung (oder: ein Loch, einen Lochbruch) in seiner Wange.
[6.15] (Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Durchbohrung (oder: einem Loch/Lochbruch) in seiner Wange untersuchst,
dann findest du eine tḫb-Schwellung, die aufgeschwollen/erhoben, schwarz und fremdartig/anormal ist, auf seiner Wange vor.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer Durchbohrung (oder: einem Loch/Lochbruch) in seiner Wange:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn/sie (den Patienten oder die Durchbohrung) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Danach mögest du ihn/sie täglich <mit> Öl/Fett und Honig versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 16 (6.17–6.21): Wangenverletzung mit Spalt(bruch) in der Wange

(Titel:) Erfahrungswissen über einen Spalt/Spaltbruch in seiner Wange.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem Spalt/Spaltbruch in seiner Wange untersuchst,
dann findest du eine tḫb-Schwellung auf seiner Wange vor, die aufgeschwollen/erhoben und rötlich/bläulich rot ist, auf der Außenseite jenes Spalts/Spaltbruchs.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einem Spalt/Spaltbruch in seiner Wange:
[6.20] eine Krankheit, die <ich> behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du sie (die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Seine Behandlung besteht aus Sitzen,
sodass / bis seine tḫb-Schwellung abzieht (d.h. zurückgeht).
Du sollst ihn danach täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 17 (7.1–7.7): Wangenverletzung mit Splitterbruch in der Wange

[7.1] (Titel:) Erfahrungswissen über einen sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner Wange.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner Wange untersuchst,
dann musst du folglich deine Hand auf seine Wange im Bereich jenes sḏ-Bruchs (Splitterbruch) legen.
Unter deinen Fingern wird er (der Bruch) knirschen (?; oder: sich verschieben?);
außerdem gibt er Blut aus seiner Nasenhöhle und aus seinem Ohr an derjenigen Seite von ihm, die jene Schlagverletzung aufweist;
und außerdem gibt er noch Blut aus seinem Mund
– Es fällt ihm infolgedessen schwer, seinen Mund zu öffnen.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn: "Einer mit einem Splitterbruch in seiner Wange, wobei er Blut aus seiner (einen) Nasenhöhle, [7.5] aus seinem (einen) Ohr und aus seinem Mund gibt und dabei benommen ist:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."
(Behandlung:) Dann musst du <ihn> folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Seine Linderung/Lagerungshaltung/Behandlungsroutine(?) ist Sitzen, sodass / bis seine tḫb-Schwellung abzieht (d.h. zurückgeht).
Danach sollst du ihn täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Wattebausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 18 (7.7–7.14): Wunde im Jochbein-Schläfenbereich

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich).
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer (offenen) Wunde in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich) untersuchst
– es gibt keine Klaffung (wörtl.: es gibt nicht seine Klaffung),
allerdings/und doch reicht jene Wunde bis zum Knochen –,
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Wohlbehalten findest du seine gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich) vor,
und es gibt keinen Spalt/Spaltbruch, Lochbruch/Durchbohrung (oder) Splitterbruch in ihr (der gmꜣ-Schläfe).
(Diagnose:) Daraufhin sagst du [7.10] über ihn: "Einer mit einer Wunde in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich):
Eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du sie (die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Danach sollst du <ihn/sie> täglich <mit> Öl/Fett und Honig versorgen/pflegen, bis es ihm (dem Patienten) besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine Wunde, {die nicht klafft} <es gibt keine Klaffung> und doch reicht sie bis zum Knochen" angeht:
das ist eine kleine Wunde, die den Knochen erreicht hat,
(aber) es ist keine Klaffung in ihr (der Wunde) entstanden.
Er (d.h. der Arzt oder ein Wundenbuch) sagt (solches) über etwas Schmales (oder: über die Tatsache, dass (es) schmal ist); es gibt {{seine}} die beiden Ränder seiner Wunde nicht.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "seine gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich)" angeht:
das ist das, was sich davon zwischen der Verkleinerung/Verengung seines Auges (d.h. dem äußeren Augenwinkel) und dem gry.t-Teil seines Ohres und dem (oberen/hinteren) Ende seiner Kinnlade befindet.

Fall 19 (7.14–7.22): Loch(bruch) im Jochbein-Schläfenbereich

(Titel:) Erfahrungswissen über ein Loch / eine Durchbohrung / einen Lochbruch [7.15] in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich).
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) <mit> einem Loch(bruch) / einer Durchbohrung in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich) untersuchst
– und eine (offene) Wunde ist auf/über ihm/ihr (dem Loch oder der gmꜣ-Schläfe) –,
dann musst du (dir) folglich seine Wunde anschauen.
Du sollst ihm sagen: "Blicke auf deine Schultern!"
(Es) fällt ihm schwer, (es) zu tun (wörtl.: es ist schwierig, dass er (es) tut);
(Nur) wenig dreht sich ihm sein Hals/Nacken.
Sein Auge ist gerötet/entzündet/zugeschwollen(?) an derjenigen Seite von ihm, die jene Schlagverletzung aufweist.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einem Loch(bruch) / einer Durchbohrung in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbeien- und Schläfenbereich),
(wobei) er ...?...
(und wobei) er an Versteifung in seinem Nacken leidet:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn folglich auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) legen,
bis der Höhepunkt seines jh-Leidens vorübergegangen sein wird.
Du sollst <ihn> täglich mit Öl/Fett, Honig und Wattebausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "seine beiden Augen sind gerötet/entzündet/zugeschwollen(?)" angeht:
[7.20] das bedeutet, dass die Färbung seiner beiden Augen rot ist, wie die Färbung der šꜣs-Pflanze.
Die Sammelhandschrift über "Die Angelegenheiten des (Wund-)Verbinders" hat darüber gesagt:
"Seine Augen sind so gerötet (blutunterlaufen?) und DA-krank, wie ein Auge am Ende seiner Schwäche."

Fall 20 (7.22–8.5): Lochbruch im Jochbein-Schläfenbereich mit tiefer Wunde

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich), die bis zum Knochen reicht – seine gmꜣ-Schläfe ist durchbohrt/durchstoßen.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Wunde in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich), die bis zum Knochen reicht, untersuchst – seine gmꜣ-Schläfe ist durchbohrt/durchstoßen –,
dann sind seine Augen gerötet/entzündet/zugeschwollen(?);
(und) er blutet aus seinen Nasenhöhlen
– (aber) nur wenig läuft hinunter (wörtl.: gering ist, dass (etwas Blut) hinunterläuft).
Wenn du deine Finger auf die Öffnung [8.1] jener Wunde legst,
zittert (er) sehr (?; oder: wackelt(?) (es) wirklich sehr).
Wenn du ihn zu seinem mn.t-Leiden befragst,
(stellst du fest:) er kann nicht zu dir sprechen.
Ein großes Weinen (d.h. viele Tränen) ist aus seinen Augen hinuntergelaufen;
dann muss er folglich häufig seine Hand zu seinem Gesicht nehmen,
damit er seine Augen mit dem Rücken seiner Hand abwischt,
wie das, was ein Kind tut; er weiß nicht, was er tut.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer Wunde in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich), die bis zum Knochen reicht – seine gmꜣ-Schläfe ist durchbohrt/durchstoßen –,
(indem/wobei) er aus seinen Nasenhöhlen blutet (wörtl.: er gibt Blut),
(und indem/wobei) er an Steifheit/Steifigkeit in seinem Nacken leidet
und dabei benommen ist:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."
(Behandlung:) Sobald (oder: weil) du (also) jenen Mann benommen vorfindest,
<sollst du ihn nicht verbinden (...).>
Seine Linderung/Lagerungshaltung/Behandlungsroutine(?) ist Sitzen.
(oder: Sobald (oder: weil) du jenen Mann [8.5] benommen vorfindest,
dann ist seine Linderung/Lagerungshaltung/Behandlungsroutine(?) Sitzen.)
Sein Kopf werde mit Öl/Fett eingecremt.
mhwj-Milchprodukt (?) werde in seine Ohren gegossen/geträufelt.  

Fall 21 (8.6–8.9): Spaltbruch im Jochbein-Schläfenbereich

(Titel:) Erfahrungswissen über einen Spalt/Spaltbruch in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbogen- und Schläfenbereich).
[8.10] (Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem Spalt/Spaltbruch in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich) untersuchst,
dann findest du auf der Außenseite jenes Spalts/Spaltbruchs eine tḫb-Schwellung, die aufgeschwollen/erhoben ist.
Außerdem gibt er (der Patient) noch einseitig Blut aus seiner (einen) Nasenhöhle und aus seinem (einen) Ohr infolge jenes Spalts/Spaltbruchs.
Es fällt ihm infolgedessen schwer, etwas zu hören/verstehen (wörtl.: Es ist schwierig, dass er ein Wort hört / einer Rede zuhört infolgedessen).
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einem Spalt/Spaltbruch in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich),
(wobei) er Blut aus seiner (einen) Nasenhöhle und seinem (einen) Ohr infolge jener Schlagverletzung gibt:
eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn (d.h. den Patienten) folglich auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) legen, sodass / bis du erkennst, dass er die (entscheidende) Sache erreicht (hat) (d.h. es schaffen wird?).

Fall 22 (8.9–8.17): Splitterbruch im Jochbein-Schläfenbereich

(Titel:) Erfahrungswissen über einen sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich).
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem sḏ-Bruch (Splitterbruch) in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich) untersuchst,
dann musst du folglich deinen (einen) Finger (den Daumen?) auf sein Kinn und deinen (weiteren) Finger (den Zeigefinger?) auf das Ende seines ꜣmꜥ.t-Knochens (des Unterkiefers; hier: der Unterkieferast) legen.
Dann muss folglich Blut aus seinen Nasenhöhlen und aus dem Innern (?; oder: und vom Inhalt?) seiner Ohren infolge jenes sḏ-Bruchs (Splitterbruchs) hinunterlaufen.
(Es) werde für ihn mit einem sšm-Tupfer/Pfropfen aus Leinenstoff weggewischt, sodass / bis du seine Splitter in (oder: im Innern von) seinen beiden Ohren siehst.
Wenn du ihn angesprochen/zugerufen hast,
(dann stellst du fest:) er ist benommen;
er kann nicht sprechen.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn: "Einer mit einem sd-Bruch (Splitterbruch) in seiner gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich),
(wobei) er Blut aus seinen Nasenhöhlen und seinen Ohren gibt und dabei in benommenem Zustand ist,
(und wobei) er an Steifheit/Steifigkeit in seinem Nacken leidet:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "das Ende seines ꜣmꜥ.t-Knochens" angeht:
das ist das Ende seines Unterkiefers.
Der ꜣmꜥ.t-Knochen, er reicht (wörtl: er ist erreichend) bis in seine [8.15] gmꜣ-Schläfe (Jochbein- und Schläfenbereich),
so wie die Kralle des ꜣmꜥ-Vogels nach/in etwas greift. 

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "du siehst seine (Knochen)splitter im Innern seiner Ohren" angeht:
das bedeutet, dass Einiges/Etwas an Knochensplittern dabei ist, sich an den sšm-Tupfer/Pfropfen zu haften (wörtl.: im Kommen ist, um sich zu haften),
der hinabgeführt ist (wörtl.: der veranlässt Gewordene, dass er hinabsteigt), um im Innern seiner Ohren zu wischen. 

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "er ist benommen" angeht:
das bedeutet, dass er schweigt in Schwäche/Benommenheit/Erstarrung(?), ohne zu reden,
wie einer, der unter dg.y ist (oder: an dg.y leidet) wegen etwas, das von außen hineingetreten ist (d.h. ein Krankheitdämon).  

Fall 23 (8.18–8.22): Wunde am Ohr

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde an seinem Ohr.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Wunde an seinem Ohr untersuchst,
die bis zu seiner Körperöffnung (oder: Öffnung des Hautgewebes, d.h. bis zur Ohröffnung oder zum äußeren Gehörgang) hineingeschlagen/eingehackt ist
– allerdings bleibt etwas von der Unterseite seines Ohres am Körper (oder: am Hautgewebe) haften –,
dann musst du (es) folglich für ihn (den Patienten) durch Nähen hinter dem ẖn.tj-Bereich seines Ohres zusammenhalten.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn (den Patienten):
"Einer mit einer Wunde [8.20] an seinem Ohr, die bis zu seiner Körperöffnung (oder: Öffnung des Hautgewebes, d.h. bis zur Ohröffnung oder zum äußeren Gehörgang) hineingeschlagen/eingehackt ist:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Wenn du jene Wunde vorfindest,
indem ihre Naht sich lockert / gelöst hat,
(aber im Ergebnis noch) an den beiden Rändern seiner Wunde verbleibt,
dann musst du folglich für ihn bḏꜣ-Röllchen/Ballen(?) aus Leinenstoff herstellen.
Die Rückseite seines Ohres werde damit ausgestopft.
Du sollst sie/ihn (die Wunde oder den Patienten) danach täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 24 (8.22–9.2): Bruch des Unterkiefers

(Titel:) Erfahrungswissen über einen ḥsb-Bruch in seinem Unterkiefer.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem ḥsb-Bruch in seinem Unterkiefer untersuchst,
dann musst folglich du deine Hand auf ihn (den Bruch) legen.
Du findest jenen ḥsb-Bruch vor, indem <er> unter deinen Fingern knirscht (?; oder: sich verschiebt?).
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
[9.1] "Einer mit einem ḥsb-Bruch in seinem Unterkiefer
– die Wunde über ihm (d.h. dem Bruch) ist aufgebrochen, (mit dem Ergebnis, dass) sie ...?... ist (ob: durchnäßt o.ä.?),
(nachdem) sie aufgehört hat zu ...?.... (ob: Wundflüssigkeit absondern o.ä.?) –,
(wobei) ihm (dem Patienten) infolgedessen šmm-heiß ist (Fieber?):
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."

Fall 25 (9.2–9.6): Verrenkung des Unterkiefers

(Titel:) Erfahrungswissen über eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Art Verrenkung oder Ausrenkung) an seinem Unterkiefer.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. einer Art Verrenkung) an seinem Unterkiefer untersuchst,
und wenn du seinen Mund offenstehend vorfindest
– sein Mund kann sich für ihn nicht schließen,
Dann musst du folglich deine (beiden) ḏbꜥ-Finger auf das (jeweilige) Ende der beiden (gegabelten) ꜣmꜥ.t-Knochen der beiden Unterkieferhälften (d.h. der jeweiligen Unterkieferast) im Innern seines Mundes legen;
deine (beiden) ꜥn.t-Finger (Daumen?) sind unter seinem Kinn.
Daraufhin lässt du sie (d.h. die beiden ꜣmꜥ.t-Knochen oder die beiden Unterkieferhälften) (zurück)fallen, [9.5] (mit dem Ergebnis, dass sie) an ihrem (richtigen) Platz (zurück)gesetzt sind.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. einer Art Verrenkung) an seinen (beiden) Unterkieferhälften:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn (den Patienten oder den Kiefer) folglich täglich mit jmr.w-Verband(?) und Honig verbinden, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 26 (9.6–9.13): Wunde an der Lippe

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde an seiner (Ober-)Lippe.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Wunde an seiner (Ober-)Lippe untersuchst,
wobei sie (d.h. die Wunde) bis zum Innern seines Mundes aufgeweicht/eingetieft/ eingesunken(?) ist,
dann musst du folglich seine Wunde bis hin zum Pfeiler seiner Nase untersuchen.
(Und) Dann musst du folglich jene Wunde <durch> Nähen/Näharbeit (oder: <mit> einem Faden?) zusammenfassen/festhalten.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer Wunde in seiner (Ober-)Lippe,
wobei sie (d.h. die Wunde) bis zum Innern seines Mundes aufgeweicht/eingetieft/ eingesunken(?) ist:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Nachdem [9.10] du sie (die Wunde) genäht hast,
musst du sie folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Du sollst <<ihn/sie>> (den Patienten oder die Wunde) danach täglich <mit> Öl/Fett und Honig versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine Wunde an seiner (Ober-)Lippe, wobei sie bis zum Innern seines Mundes aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist" angeht:
Das bedeutet, dass die beiden Ränder (wörtl. "Lippen") seiner Wunde nachgeben (oder: schwach/weich sind),
wobei sie (die Wunde) zum Innern seines Mundes geöffnet/offen ist.
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt "(es ist) aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?)" über etwas Weiches (wörtl.: eine schwache/weiche Sache).

Fall 27 (9.13–9.18): Wunde am Kinn

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde an seinem Kinn.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seinem Kinn untersuchst,
die bis zum Knochen reicht,
dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen.
Wenn du seinen Knochen [9.15] unversehrt vorfindest,
ohne dass es einen Spalt/Spaltbruch oder ein(e) Loch/Durchbohrung in ihm gibt,
(Diagnose:) dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einer klaffenden Wunde an seinem Kinn, die bis zum Knochen reicht:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du folglich für ihn einen ꜣ.wj-Doppelverband/Kreuzverband(?) auf besagte (wörtl.: diese) Klaffungen legen.
Dann musst du ihn/sie (den Patienten oder die wbnw-Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Du sollst ihn/sie danach täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Wattebausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 28 (9.18-10.3): Klaffende Wunde an der Halsvorderseite

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde an seiner Halsvorderseite.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seiner Halsvorderseite untersuchst,
wobei sie (d.h. die Wunde) bis zu seiner Luft-Speiseröhre aufgeweicht/eingetieft/ eingesunken(?) ist;
Wenn er Wasser trinkt,
[9.20] dann muss er <folglich> würgen (??) / sich (dagegen) sträuben (??).
Es ist aus der Öffnung seiner Wunde, dass (es) herauskommt.
oder:
Wenn er Wasser trinkt,
[9.20] dann muss er <folglich> das auswählen (??), was aus der Öffnung seiner Wunde herauskommt.
Sie (die Wunde) ist häufig (oder: sehr?) nsr-entflammt (d.h. entzündet?).
Aufgrund dessen entwickelt (wörtl.: ergreift) er (d.h. der Patient) (lokale?) srf-Hitze.
Dann musst du folglich jene Wunde durch Nähen/Näharbeit (oder: mit einem Faden?) zusammenfassen/festhalten.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn: "Einer mit einer Wunde an seiner Halsvorderseite, wobei sie (d.h. die Wunde) bis zu seiner Luft-Speiseröhre aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist:
Eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
[10.1] (Behandlung:) Dann musst du ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Danach sollst du ihn täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Wattebausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.
(2. Untersuchung:) Aber wenn du <<ihn>> vorfindest, indem ihm aufgrund jener Wunde šm-heiß ist (d.h. er fiebert?),
dann musst du ihm folglich einen trockenen Wattebausch in die Öffnung seiner Wunde hineinlegen.
(Er) werde auf den Boden auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) gelegt, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 29 (10.3-10.8): Klaffende Wunde an einem Halswirbel

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde an einem Wirbel seines Halses.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an einem Wirbel seines Halses untersuchst, die bis zum Knochen reicht
– der Wirbel seines Halses ist durchbohrt/durchstoßen –;
(Und) wenn du [10.5] jene Wunde ausleerst(?)/untersuchst(?),
wird (er) wirklich sehr zittern (?) (oder: (Es) wird wirklich sehr wackeln/nachgeben (?));
(und) er ist nicht in der Lage, auf seine Schultern und seine Brust zu blicken.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"<Einer mit> einer Wunde an seinem Hals, die bis zum Knochen hineinreicht
– der Wirbel seines Halses ist durchbohrt/durchstoßen –,
wobei er an einer Steifheit/Steifigkeit in seinem Nacken leidet:
eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Danach werde (er) auf den Boden auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) gelegt, sodass / bis der Höhepunkt / die kritische Phase seines jh-Leidens vorübergeht.

Fall 30 (10.8-10.12): nrw.t-Zerrung an einem Halswirbel

(Titel:) Erfahrungswissen über eine nrw.t-Zerrung/Verstauchung/Zerreißung an einem Wirbel seines Halses.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer nrw.t-Zerrung/Verstauchung/Zerreißung an einem Wirbel seines Halses untersuchst,
dann sagst du <daraufhin> zu ihm: "Blicke auf deine Schultern und deine Brust!"
[10.10] Tut er (es), so ist es schwierig zu sehen/beobachten, dass (es) durch ihn geschieht.
oder:
[10.10] Tut er (es), so ist es schwierig, das mit ihm Passierte (oder: durch ihn Verwirklichte) zu beobachten.
oder:
[10.10] Tut er (es), so ist das (Hinab)blicken, das durch ihn geschieht, schwierig/schmerzlich.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer nrw.t-Zerrung/Verstauchung/Zerreißung an einem Wirbel seines Halses:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Was die Zeit danach angeht, da sollst du (ihn/sie) {danach} täglich <mit> jmr.w-Verband(?) und Honig versorgen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "die nrw.t-Zerrung/Verstauchung/Zerreißung" angeht:
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt (dies) über das ngi̯.t-Aufgerissensein/Auseinanderreißen durch das Gelenk(?) (oder: seitens zweier Glieder/Gelenkteile),
wobei es (d.h. das Gelenk oder jedes Glied) (allerdings noch) an seiner Stelle ist.

Fall 31 (10.12-10.22): wnḫ-Lockerung (Verrenkung, Verschiebung?) an einem Halswirbel

(Titel:) Erfahrungswissen über eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an einem Wirbel <seines> Halses.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an einem Wirbel seines Halses untersuchst,
(und) wenn du ihn vorfindest, indem er seine Arme und seine Beine aufgrund dessen nicht spürt (wörtl.: nicht kennengelernt hat);
Sein Penis ist aufgrund dessen erhärtet (d.h. steif/erigiert);
Ohne dass er es weiß, läuft Urin {in seiner Anwesenheit} <aus seiner bꜣḥ-Eichel(?)> hinunter;
Sein Fleisch hat Luft aufgenommen;
[10.15] seine beiden Augen sind gerötet/entzündet/zugeschwollen(?).
Es ist eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) des Wirbels (oder: <an einem> Wirbel) seines Halses, welcher bis zu seiner Brustwirbelsäule reicht,
die dafür sorgt, dass er seine Arme und seine Beine nicht spürt.
Wenn aber der mittlere Wirbel seines Halses wnḫ-gelockert (d.h. verrenkt) wurde,
dann ergibt das einen (unkontrollierten) mnsꜣ-Samen-/Harnerguss (?), der an seiner bꜣḥ-Eichel stattfindet.
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"einer mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an einem Wirbel seines Halses,
(wobei) er seine Beine und seine Arme nicht spürt,
(und wobei) sein Urin tropfen/tröpfeln (wörtl.: träge, langsam fließen) wird:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "Eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an einem Wirbel seines Halses" angeht:
er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt (es) über eine jwd-Trennung eines Halswirbels von dem nächsten (wörtl.: seinem zweiten),
(aber) das Hautgewebe, das darüber ist, erweist sich als unversehrt;
so wie (man) "(es) ist gelöst/gelockert" sagt über eine Sache, die (noch) zusammenhängend/berührend ist,
während ein (Teil) (doch) von dem anderen (wörtl.: von seinem zweiten) abgespalten/abgetrennt wird.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) [10.20] "das ist ein (unkontrollierter) mnsꜣ-Samen-/Harnerguss (?), der an seiner bꜣḥ-Eichel stattfindet" angeht:
<Das bedeutet,> dass sein Penis erhärtet (d.h. steif/erigiert) ist, mit einem nš.w-Ausfluss am Ende seines Penis.
Das bedeutet, dass (man) sagt: "Er (d.h. der Patient) bleibt fest (d.h. unbeweglich) und abwartend,
(wobei) er sich nicht nach unten neigen kann,
sich aber (auch) nicht nach oben aufrichten kann."

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "Sein Urin tröpfelt/tropft (langsam)" angeht:
Das bedeutet, dass Urin {vor ihm} <aus seiner bꜣḥ-Eichel> hinunterläuft,
wobei er (der Urin) sich nicht für ihn (den Patienten?) zurückhalten kann.

Fall 32 (11.1-11.9): nsw.t-Senkung (?) an einem Halswirbel

[11.1] (Titel:) Erfahrungswissen über eine nsw.t-Senkung an einem Wirbel seines Halses.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer nsw.t-Senkung an einem Wirbel seines Halses untersuchst,
<und wenn du feststellst:> sein Gesicht bleibt fest (d.h. unbeweglich);
sein Hals/Nacken kann sich für ihn nicht drehen (oder: <er> kann seinen Hals nicht drehen).
Dann musst du folglich zu ihm sagen:
"Blicke auf deine šnb.t-Brust und deine beiden Schultern!"
Er ist nicht in der Lage, sein Gesicht zu drehen und/oder auf seine šnb.t-Brust und seine beiden Schultern zu blicken.
(Diagnose:) <<Dann sagst du daraufhin über ihn:>> "Einer mit einer nsw.t-Senkung(?) an einem Wirbel seines Halses:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn (den Wirbel oder den Patienten) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
[11.5] Dann musst du folglich seinen Verband lösen.
Dann musst du folglich Öl/Fett auf seinen Kopf geben, um zu seinem Hals (hinab)zufließen (oder: sodass (es) zu seinem Hals (hinab)fließt).
Dann musst du ihn folglich über/mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Danach sollst du ihn täglich <mit> Honig versorgen/pflegen.
Seine Linderung/Lagerungshaltung/Behandlungsroutine(?) ist Sitzen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "Eine nsw.t-Senkung(?) an einem Wirbel seines Halses" angeht:
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt (es) über das hrp-Einsinken/Abtauchen eines Wirbels seines Halses <ins> Innere seines Halses,
oder:
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt (es) über (die Tatsache,) dass ein Wirbel seines Halses <ins> Innere seines Halses hrp-einsinkt/abtaucht,
so wie ein Bein/Fuß in den Ackerboden ns-hineingeht/einsinkt (?, d.h. einen Abdruck hinterläßt).
Es ist ein ḏfi̯-Absacken/Eindrücken(?) nach unten.

Fall 33 (11.9-11.17): sḥm-Stauchung/Quetschung an einem Halswirbel

(Titel:) Erfahrungswissen über eine sḥm-Stauchung/Quetschung an einem Wirbel seines Halses.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer sḥm-Stauchung/Quetschung an einem Wirbel [11.10] seines Halses untersuchst,
(und) wenn du ihn (den Patienten) vorfindest, indem ein Wirbel in seinen Nachbarwirbel (wörtl.: seinen Zweiten, Kollegen) gefallen ist.
Außerdem ist er benommen; er kann nicht sprechen.
– Es ist sein Hinfallen als einer, der die ganze Zeit kopfüber steht/hängt, das dafür sorgt (wörtl.: veranlasst), dass ein Wirbel in seinen Nachbarwirbel (wörtl.: seinen Zweiten, Kollegen) hineingequetscht wurde (oder: sich hineingequetscht hat). –
(Und) wenn du <ihn> vorfindest, indem er seine Arme und seine Beine aufgrund dessen nicht spürt (wörtl.: nicht kennengelernt hat);
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer sḥm-Stauchung/Quetschung an einem Wirbel seines Halses,
wobei er seine Arme und seine Beine nicht spürt und in benommenem Zustand ist:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann".

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "Eine Stauchung/Quetschung an einem Wirbel seines Halses" angeht:
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt (es) über das Fallen eines Wirbels seines Halses in seinen Nachbarwirbel (wörtl.: seinen Zweiten, Kollegen);
einer (d.h. ein Wirbel) ist in einen (anderen) hineingedrungen, ohne sich (noch) hin- oder herzubewegen (wörtl.: ohne [etwas] wegzunehmen oder hinzubringen).
oder:
Er (d.h. der Arzt oder ein zuvor genanntes Handbuch) sagt (es) über (die Tatsache,) dass ein Wirbel seines Halses in seinen Nachbarwirbel (wörtl.: seinen Zweiten, Kollegen) gefallen ist,
wobei einer in einen (anderen) hineingedrungen ist, [11.15] ohne sich (noch) hinein- oder herauszubewegen.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "Es ist sein Hinfallen als einer, der die ganze Zeit kopfüber steht/hängt, das dafür sorgt, dass ein Wirbel in seinen Nachbarwirbel (wörtl.: seinen Zweiten, Kollegen) hineingequetscht wurde (oder: sich hineingequetscht hat)" angeht:
es bedeutet, dass er (d.h. der Patient) hingefallen ist, wobei er mit dem Kopf nach unten auf seinen Kopf/Schädel gestellt war,
sodass ein Wirbel seines Halses in seinen Nachbarwirbel (wörtl.: seinen Zweiten, Kollegen) eingekeilt(?) wurde/ist.

Fall 34 (11.17-12.2): wnḫ-Lockerung am Schlüsselbein

(Titel:) Erfahrungswissen über eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an seinen beiden Schlüsselbeinen.
(1. Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. einer Verrenkung, Verschiebung) an seinen beiden Schlüsselbeinen untersuchst,
(und) wenn <du> seine beiden Schulterblätter niedergebeugt/herabhängend vorfindest,
wobei der Kopf (oder: die Spitze) seiner Schlüsselbeine zu seinem Gesicht hervorsteht.
(1. Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer wnḫ-Lockerung an seinen (beiden) Schlüsselbeinen (d.h. einer Art Verrenkung):
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(1. Behandlung:)
Lass <sie> (d.h. die Schlüsselbeine) dir zurückfallen (oder: <Daraufhin> lässt du <sie> zurückfallen), (mit dem Ergebnis, dass sie) an ihren (richtigen) Platz (zurück)gesetzt sind!
Dann musst du [11.20] ihn/es (den Patienten oder das eine Schlüsselbein) folglich mit bḏꜣ-Polster/Röllchen/Ballen(?) aus Leinenstoff verbinden.
Danach sollst du ihn/es täglich <mit> Öl/Fett und Honig versorgen/pflegen, bis es ihm (dem Patienten) besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.
(2. Untersuchung:) Aber wenn du seine beiden Schlüsselbeine vorfinden wirst,
(wobei) <die Wunde> über ihr (d.h. der Schlüsselbeinregion?) aufgebrochen ist, zum Inneren hin aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?),
oder:
Aber wenn du seine beiden Schlüsselbeine deswegen gebrochen vorfinden wirst, zum Innern hin aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?),
<dann sagst du daraufhin:> "eine Krankheit, die ich behandeln werde."

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine wnḫ-Lockerung (d.h. einer Verrenkung, Verschiebung) an seinen beiden Schlüsselbeinen" angeht:
Das bedeutet, dass die Köpfe/Spitzen seines Sichels (d.h. seines sichelförmigen Schlüsselbeinknochens) gelöst wurden.
Ihre (Plural!) Köpfe/Spitzen verbleiben/ruhen (normalerweise?) im oberen Knochen seines qꜣb.t-Brustbeins (oder: Brustkorbs),
der bis zu seiner ḥtj.t-Kehle hinaufreicht (oder: wobei sie bis zu seiner ḥtj.t-Kehle heranreichen).
[12.1] Darüber/Darauf befindet sich das Gewebe/Fleisch seiner bby.t-Schlüsselbeinregion(?).
– Das ist das Gewebe/Fleisch, das sich auf/über seiner šꜣšꜣ.t-Halsgegend (?) befindet. –
Zwei mt-Gefäße/Stränge befinden sich unter ihr (d.h. unter der bb.yt- oder šꜣšꜣ.t-Gegend),
eins auf der rechten Seite und (eins) auf der linken Seite für seine ḥtj.t-Kehle (bzw.) für seinen šꜣšꜣ.t-Hals (oder: und gehört zu seiner ḥtj.t-Kehle bzw. zu seinem šꜣšꜣ.t-Hals).
Es ist zu seiner Lunge, dass sie führen.

Fall 35 (12.3-12.8): ḥsb-Bruch des Schlüsselbeins

(Titel:) Erfahrungswissen über einen ḥsb-Bruch an seinen beiden Schlüsselbeinen.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem ḥsb-Bruch an seinen beiden Schlüsselbeinen untersuchst,
(und) wenn du seine beiden Schlüsselbeine so vorfindest, (dass das eine) verkürzt ist und von (oder: im Verhältnis zu) seinem Zweiten (d.h. das zweite Schlüsselbein oder die zweite Knochenhälfte) absteht (?).
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem ḥsb-Bruch an seinen beiden Schlüsselbeinen:
eine Krankheit, {{die man nicht behandeln kann}} <<die ich behandeln werde>>."
(Behandlung:) Daraufhin legst du [12.5] ihn hin, ausgestreckt auf dem Rücken,
(wobei) etwas Zusammengerolltes/Zusammengefaltetes zwischen seinen beiden Schulterblättern ist.
Dann musst du folglich mit Hilfe seiner Schultern (oder: im Bereich seiner Schultern) eine Ausbreitung/Spreizung vornehmen,
um seine Schlüsselbeine auszustrecken/auszudehnen (oder: sodass sich seine Schlüsselbeine ausdehnen),
sodass jener ḥsb-Bruch an seine (richtige) Stelle zurückfällt.
Daraufhin fertigst du für ihn zwei swš-Ballen/Stränge aus Leinenstoff an.
Daraufhin legst du den einen <von> beiden (Ballen/Strängen) an die Innenseite (= Vorderseite) seines Oberarmes,
den andern <von beiden> an die Unterseite (= Hinterseite) seines Oberarmes.
Dann musst du ihn/sie (den Patienten oder den Bruch) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Du sollst ihn danach täglich <mit> Honig versorgen/pflegen, bis/sodass er sich (wieder) wohlfühlt.

Fall 36 (12.8-12.14): ḥsb-Bruch des Oberarms

(Titel:) Erfahrungswissen über einen ḥsb-Bruch an seinem Oberarm.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem ḥsb-Bruch an seinem Oberarm untersuchst,
(und) wenn du seinen Oberarm so vorfindest, (dass) er zu niedrig(?) für ihn (den Patienten) ist (oder: von ihm herabhängt/weghängt(?)) [12.10] und von seinem Zweiten (d.h. den zweiten Arm oder die zweite Knochenhälfte) absteht (?).
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem ḥsb-Bruch an seinem Oberarm:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Daraufhin legst du ihn (den Patienten) hin, ausgestreckt auf dem Rücken,
(wobei) etwas Zusammengerolltes/Zusammengefaltetes zwischen seinen beiden Schulterblättern ist.
Dann musst du folglich mit Hilfe seiner Schultern (oder: im Bereich seiner Schultern) eine Ausbreitung/Spreizung vornehmen,
um seinen Oberarm auszustrecken/auszudehnen (oder: sodass sich sein Oberarm ausdehnt),
sodass jener ḥsb-Bruch an seine (richtige) Stelle zurückfällt.
Daraufhin fertigst du für ihn zwei swš-Ballen/Strängen aus Leinenstoff an.
Daraufhin legst du den einen von beiden (Ballen/Stränge) an die Innenseite (= Vorderseite) seines Oberarmes,
den andern von beiden an die Unterseite (= Hinterseite) seines Oberarmes.
Dann musst du ihn (den Patienten oder den Bruch) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Du sollst <ihn> danach täglich <mit> Honig versorgen/pflegen, bis/sodass er sich (wieder) wohlfühlt.

Fall 37 (12.14-12.21): ḥsb-Bruch des Oberarms mit sichtbarer Wunde bzw. offener Bruch

(Titel:) Erfahrungswissen über einen ḥsb-Bruch [12.15] an seinem Oberarm;
eine (offene) Wunde ist auf/über ihm.
(1. Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem ḥsb-Bruch an seinem Oberarm untersuchst
– die Wunde über ihm (d.h. dem Bruch) ist aufgebrochen –,
(und) wenn du jenen ḥsb-Bruch vorfindest, indem er unter deinen Fingern knirscht (?; oder: sich verschiebt?);
(1. Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einem ḥsb-Bruch an seinem Oberarm
– die Wunde über ihm (d.h. dem Bruch) ist aufgebrochen –:
eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
(1. Behandlung:) Daraufhin fertigst du für ihn zwei swš-Ballen/Stränge aus Leinenstoff an.
Dann musst du ihn (den Patienten oder den Bruch) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Du sollst ihn danach täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis/sodass du erkennst, dass er die/eine (entscheidende) Sache erreicht (d.h. es schaffen wird?).
(2. Untersuchung:) Aber wenn du jene Wunde, die auf/über dem ḥsb-Bruch ist, vorfinden wirst,
indem Blut aus ihr (der Wunde) herauskommt,
[12.20] und wobei sie zum Innern seiner Wunde hin aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist,
(2. Diagnose:) dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem ḥsb-Bruch an seinem Oberarm
– die Wunde über ihm (d.h. dem Bruch) ist aufgebrochen, wobei sie (zum Innern hin) aufgeweicht/eingetieft/eingesunken(?) ist –:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."

Fall 38 (12.21-13.2): pšn-Spaltbruch des Oberarms

(Titel:) Erfahrungswissen über einen pšn-Spaltbruch an seinem Oberarm.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem [13.1] pšn-Spaltbruch an seinem Oberarm untersuchst,
und auf der Rückseite (= Außenseite) jenes Spalt(bruch)s, der an seinem Oberarm ist, findest du eine tḫb-Schwellung vor, die aufgeschwollen/erhoben ist;
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem pšn-Spaltbruch an seinem Oberarm:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn (den Patienten oder den Bruch) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Du sollst ihn danach täglich <mit> Honig versorgen, bis/sodass er sich (wieder) wohlfühlt.

Fall 39 (13.3-13.12): bnw.t-Geschwür/Geschwulst mit Entzündung auf einer Schlagverletzung an der Brust

(Titel:) Erfahrungswissen über ein(e) bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf einer Schlagverletzung an seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem/einer bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf einer Schlagverletzung an seiner Brust untersuchst,
und du findest twꜣw-Erhebungen vor,
die (wörtl.: wobei sie, Plural!) sich mit Eiter ausgebreitet/ausgebildet (?) haben auf seiner Brust und
[13.5] die (wörtl.: wobei sie) eine Rötung produziert haben (oder: eine bläulich-rote Färbung angenommen haben);
Außerdem gibt es dort eine große srf-Hitze (wörtl.: Außerdem ist die Hitze darin groß),
wie (?) deine Hand sie/ihn (die twꜣ.w-Schwellung oder den Patienten) vorfindet;
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem/einer bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf einer Schlagverletzung an seiner Brust,
wobei {{sie (Plural!, d.h. die Geschwüre/Geschwülste)}} <<er (d.h. der Schlag oder den Patienten?)>> eine Absonderung (?) von Eiter produziert hat:
eine Krankheit, die ich mit dem Feuerbohrer behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du für ihn folglich eine Brennbehandlung auf seiner Brust durchführen, (genauer:) auf jenen bnw.t-Geschwüren/Geschwülsten, die auf seiner Brust sind.
Du sollst ihn mit einer Wundversorgung versorgen/pflegen.
Du sollst nicht verhindern/zögern/abwarten (?), dass es (das Geschwür / die Geschwulst) sich dort/dabei von selbst öffnet, wegen (?) der Gutartigkeit (?) in seiner Wunde (oder: es gibt keine (?) Gutartigkeit (?) in seiner Wunde).
Jede Wunde, die an seiner Brust entstanden ist, trocknet (üblicherweise) aus, sobald sie sich von selbst geöffnet hat.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) [13.10] "ein(e) bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf einer Schlagverletzung an seiner Brust" angeht:
das bedeutet, dass es Sachen gibt, die aufgeschwollen sind und sich auf seiner Brust ausgebreitet haben infolge seines jh-Leidens,
wobei sie Eiter und rote Sachen auf seiner Brust gebildet haben.
Das bedeutet, dass (man) sagt: "(Es) ist wie Sachen, die aufgekratzt (?) sind; das was sie produzieren, ist Eiter."

Fall 40 (13.12-13.17): Wunde in der Brust, die bis zum Knochen (Sternum) reicht

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Wunde an seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Wunde an seiner Brust untersuchst,
die bis zum Knochen {wäscht} <reicht>
– durchbohrt ist das ḥntꜣ-Teil (Brustbein?) seiner Brust –,
dann hältst du daraufhin das ḥntꜣ-Teil (Brustbein?) seiner Brust mit deinen Fingern fest
– (Er) wird wirklich sehr zittern (?) (oder: (Es) wird wirklich sehr wackeln/nachgeben (?)).
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer Wunde in seiner Brust, [13.15] die bis zum Knochen {wäscht} <reicht>
– durchbohrt ist das ḥntꜣ-Teil (Brustbein?) seiner Brust –,
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du sie (d.h. die Wunde) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
Du sollst ihn danach täglich <mit> Öl/Fett, Honig und Wattebausch versorgen, bis/sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "das ḥntꜣ-Teil seiner Brust" angeht:
(das ist) die obere Spitze seiner Brust;
wie das, was die Gestalt eines ḥntꜣ-Tieres (Stachelschwein?, Igel?) hat, ist es.

Fall 41 (13.18-14.16): Wunde in der Brust mit einer Anomalie / Infizierte Wunde in der Brust

(Titel:) Erfahrungswissen über eine Anomalie der Wunde an seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer Anomalie der Wunde an seiner Brust untersuchst,
und jene Wunde ist außerdem nsr-entflammt (d.h. entzündet?);
eine Ballung von (lokaler?) srf-Hitze, sie strömt aus der Öffnung jener Wunde gegen [13.20] deine Hand heraus;
gerötet/rötlich sind die beiden Ränder (wörtl.: Lippen) jener Wunde;
jener Patient (wörtl.: Mann), es ist ihm außerdem (ständig) šmm-heiß infolgedessen;
sein Fleisch verträgt (wörtl.: akzeptiert) keinen Verband;
jene Wunde bekommt (wörtl.: akzeptiert) keinen (neuen) Rand aus Haut;
die pꜣjs.t (der Schorf?), die in der Öffnung jener Wunde ist, ist (üblicherweise) wässrig;
glühend/brennend ist ihre (Plural!) Färbung/Beschaffenheit;
die Menge (an Flüssigkeit), [14.1] die davon/daraus (ständig) hinunterläuft, stellt sich als ölig glänzend (oder: klar) heraus.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer Anomalie der Wunde an ⟨seiner⟩ Brust, (indem) sie nsr-entflammt (d.h. entzündet?) ist,
(wobei) ihm infolgedessen (ständig) šmm-heiß ist:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung 1:) Dann musst du für ihn folglich kühlende Mittel zubereiten zum Entziehen der srf-Hitze aus der Öffnung der Wunde:
(Kühlmittel 1:) Blätter der Weide (und des) Christdorns, qsn.tj-Mineral (?):
(es) werde darauf gelegt.
(Kühlmittel 2:) Blätter des jmꜣ-Baumes, bnf-Galle (des Rindes?), ḥnj-tꜣ-Pflanze (ḥnj-Binse? des festen/trockenen Bodens?), qsn.tj-Mineral(?):
(es) werde darauf gelegt.
(Behandlung 2:) Dann musst du folglich für ihn Mittel zum Austrocknen der [14.5] Wunde zubereiten:
(Austrocknungsmittel 1:) (grüne) Fritte von Malachit, wšb.t-Mineral (kobalthaltiges Alaun?), Fayence, Fett:
(es) werde zerrieben, (es) werde damit/darüber verbunden.
(Austrocknungsmittel 2:) Unterägyptisches Salz, Fett des Steinbocks:
(es) werde zerrieben, (es) werde damit/darüber verbunden.
(Behandlung 3:) Dann musst du folglich für ihn ein Pulver/Puder zubereiten:
Samen/Körner der špn-Pflanze, (rote) dšr-Körner/Samen, Körner der ns-š-Pflanze/Mineral(?) ("Teichzunge"), Johannisbrotfrucht, Blätter der Sykomore:
(es) werde damit/darüber verbunden.
Falls das Gleiche an irgendeinem (anderen) Körperteil entsteht,
dann sollst du ihn gemäß diesen Wissenserfahrungen/Informationen/Lehrtexten untersuchen.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine Anomalie der Wunde an seiner Brust, indem sie nsr-entflammt (d.h. entzündet?) ist" angeht:
das bedeutet, dass die Wunde, die auf seiner Brust ist, zögerlich ist (beim Ausheilen),
ohne sich zu verschließen (wörtl.: verhüllen, bedecken);
eine hohe šmm.t-Hitze kommt (ständig) [14.10] aus ihr heraus;
ihre (Wund)ränder (wörtl.: Lippen) sind in gerötetem Zustand;
ihre (Wund)mündung steht offen.
Die Sammelschrift über "Die Angelegenheiten der Wunden" hat dazu gesagt:
das bedeutet, dass sie (d.h. die Wunde) überaus stark aufgeschwollen ist;
man sagt "nsr-Entflammt-Sein (d.h. Entzündung?)" zu/wegen der (Temperatur)höhe (oder: man sagt: "(es ist) hochgradig nsr-entflammt").

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "eine Ballung von (lokaler?) srf-Hitze an seiner Wunde" angeht:
das bedeutet, dass eine srf-Hitze zusammengeballt wurde, die das Innere seiner gesamten Wunde durchzieht.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "gerötet/rötlich sind seine beiden (Wund)ränder" angeht:
das bedeutet, dass seine beiden (Wund)ränder rot sind, wie die Färbung von Körnern/Samen der ṯms.t-Pflanze.

(Glosse D:) Was (die Textstelle) "sein Fleisch verträgt (wörtl.: akzeptiert) keinen Verband" angeht:
das bedeutet, dass sein Fleisch kein Heilmittel verträgt (wörtl.: akzeptiert) infolge der šmm.t-Hitze, die [14.15] auf seinem Fleisch ist.

(Glosse E:) Was (die Textstelle) "die srf-Hitze, sie strömt außerdem aus der Öffnung der Wunde gegen deine Hand heraus" angeht:
<das bedeutet, dass> srf-Hitze aus der Öffnung der Wunde gegen deine Hand herauskommen wird,
genauso wie (man) "(es) ist hinausgeströmt" sagt <über> eine Sache, die auf den Boden ausgelaufen (wörtl.: hinausgekommen) ist.

Fall 42 (14.16-14.22): nrw.t-Zerrung an den Rippen-Brustbein-Gelenken (Sternocostalgelenken)

(Titel:) Erfahrungswissen über eine nrw.t-Zerrung/Verstauchung/Zerreißung an den Rippen seiner Brust (oder: seines Brustkorbs).
(Untersuchung:) Wenn du einen <Mann (d.h. Patienten) mit einer nrw.t-Zerrung an den Rippen seiner Brust> untersuchst,
wobei er an den Rippen seiner Brust leidet (d.h. Schmerzen hat),
(aber) es gibt keine wnḫ-Lockerung/Verrenkung
und es ist nicht(s) gebrochen
– der Mann, er leidet trotzdem (wörtl.: außerdem, bekanntermaßen) daran;
(er) wird wirklich sehr zittern (?) (oder: (es) wird wirklich sehr wackeln/nachgeben (?)) –;
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einer nrw.t-Zerrung/Verstauchung an den Rippen seiner Brust:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du [14.20] ihn (den Patienten) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Du sollst ihn danach täglich <mit> Honig versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "die Rippen seiner Brust" angeht:
das sind die Knochen seiner Brust;
Das Stachelteil (?; d.h. die Rippengegend?) ist wie etwas, das die Gestalt eines Stachelbratens (??) hat.

Fall 43 (14.22-15.6): wnḫ-Verrenkung an den Rippen-Brustbein-Gelenken (Sternocostalgelenken)

(Titel:) Erfahrungswissen über eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) der Rippen seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) der Rippen seiner Brust untersuchst,
und du findest die Rippen seiner Brust in ḫꜣs-Zustand (vorgewölbt?) vor
– gerötet/rötlich sind [15.1] ihre Köpfe/Spitzen –;
und jener Mann, er leidet außerdem an st.t-Schleimstoffen an seinen beiden (Körper)seiten,
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einer wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an den Rippen seiner Brust:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung:) Dann musst du ihn (den Patienten) folglich mit jmr.w-Verband(?) verbinden.
Du sollst <ihn> danach täglich <mit> Honig versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine wnḫ-Lockerung (d.h. eine Verrenkung, Verschiebung) an den Rippen seiner Brust" angeht:
das bedeutet, dass die Köpfe/Spitzen der Rippen seiner Brust gelöst worden sind (oder: sich gelöst haben),
die normalerweise in seiner Brust (oder: an seinem Brustkorb) verbleiben.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "er leidet an [15.5] st.t-Schleimstoffen an seinen beiden (Körper)-Seiten" angeht:
das bedeutet, dass er leidet an den entsprechenden Verlagerungen (?) in seiner Brust,
(wobei sie) in seine beiden (Körper)-Seiten ausgeströmt (?) sind.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "seine beiden (Körper)-Seiten" angeht:
das sind seine beiden dp.t-Flanken/Lenden(?).

Fall 44 (15.6-15.9): ḥsb-Bruch der Rippen mit offener Wunde

(Titel:) Erfahrungswissen über einen ḥsb-Bruch an den Rippen seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einem ḥsb-Bruch an den Rippen seiner Brust untersuchst
– aufgebrochen ist eine Wunde auf ihr (d.h. der Brust) –,
und du findest die Rippen seiner Brust vor, indem sie unter deinen Fingern knirschen (?; oder: sich verschieben?),
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem ḥsb-Bruch an den Rippen seiner Brust,
(wobei) eine Wunde auf ihr (d.h. der Brust) aufgebrochen ist:
eine Krankheit, die man nicht behandeln kann."

Fall 45 (15.9-15.19): Ballartige(s) bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf der Brust

(Titel:) Erfahrungswissen über ein(e) ballartig gewordene(s) bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) [15.10] mit einem/einer ballartig gewordenen bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf seiner Brust untersuchst,
und du feststellst, dass sie (Plural!, die Geschwüre/Geschwulste) sich auf seiner Brust ausgebreitet/ausgebildet (?) haben;
wenn du deine Hand auf seine Brust, (d.h.) auf jene bnw.t-Geschwüre/Geschwulste legst,
und du findest sie (d.h. die Brust) vor, indem sie sehr kühl/abgekühlt ist;
es gibt keinerlei srf-Hitze in ihr (der Brust),
wie (?) deine Hand sie (die srf-Hitze) feststellt (oder: wie (?) deine Hand ihn (den Patienten) vorfindet);
sie (Plural!, d.h. die bnw.t-Geschwüre/Geschwulste) sind nicht körnig/sandig,
sie produzieren kein Wasser (d.h. sie sondern kein Wasser ab),
<sie> bilden keine Ansammlungen (wörtl.: Haufen) von Wasser,
aber sie sind ballartig gegen deine Hand;
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einem/einer ballartig gewordenen bnw.t-Geschwür/Geschwulst:
eine Krankheit, [15.15] mit der ich kämpfen werde."
(Behandlung:) Es gibt nichts (oder: Es ist nichts (da im Manuskript)).
Wenn du ein(e) ballartig gewordene(s) bnw.t-Geschwür/Geschwulst an irgendeinem Körperteil eines Mannes vorfindest,
dann sollst du ihn (d.h. den Mann) gemäß diesen Wissenserfahrungen/Informationen/Lehrtexten untersuchen.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "ein(e) ballartig gewordene(s) bnw.t-Geschwür/Geschwulst auf seiner Brust" angeht:
das bedeutet, dass šfw.t-Schwellungen auf seiner Brust sind, groß, ausgedehnt und hart.
Wenn man sie (Plural!) berührt, ist das, wie wenn man einen Ballen von ...?... berührt.
(Es) ähnelt einer frischen ḥmꜣ.yt-Frucht/Schote(?).
Sie (d.h. die ḥmꜣ.yt-Frucht/Schote(?)) ist hart und kalt gegen die Unter-/Innenseite deiner Hand,
wie wenn man diese (besagten) šfw.t-Schwellungen, die auf seiner Brust sind, berührt.

Fall 46 (15.20-16.16): Eine sḥr-Schwellung auf einer sꜥr-Verletzung (?) an der Brust

[15.20] (Titel:) Erfahrungswissen über eine sḥr-Schwellung auf einer <s>ꜥr-Verletzung (?) an seiner Brust.
(Untersuchung:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer sḥr-Schwellung auf einer sꜥr-Verletzung an seiner Brust untersuchst,
und du eine sehr große tḫb-Schwellung, die aufgeschwollen/erhoben ist, auf seiner Brust vorfindest,
wobei sie (d.h. die Schwellung) ölig glänzend (oder: klar) [16.1] wie Wasser unter deiner Hand ist;
sie (Plural!, d.h. die sḥr-Schwellungen) haben Sachen gebildet, <deren> Farbe/Färbung/Beschaffenheit nicht (?) funkelnd (?) ist,
oder:
sie (Plural!) haben Sachen mit bleicher (?) Farbe/Färbung (oder: feuchtkühler (?) Beschaffenheit) gebildet,
(wobei) sich ihre (Plural!) Oberflächen (wörtl.: Gesichter) nicht gerötet haben (oder: nicht bläulich-rot werden);
(Diagnose:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einer sḥr-Schwellung auf einer <s>ꜥr-Verletzung (?) an seiner Brust:
eine Krankheit, die ich behandeln werde
mit kühlenden Mitteln gegen jene sḥr-Schwellung, die an seiner Brust ist."
(Kühlmittel 1:) sḫ.t-Gerste (?), nṯr.t-Körner (eine Art Natron?), qsn.tj-Mineral (?):
(es) werde zerrieben, (es) werde damit/darüber verbunden.
(Kühlmittel 2:) dqw-Pulver von Kalzitalabaster, [16.5] qsn.tj-Mineral, (Mergel?)-Ton des Maurers/Töpfers, Wasser:
(es) werde zerrieben, (es) werde damit/darüber verbunden.
(2. Untersuchung und Behandlungsvorgabe:) Wenn aber (?) diese kühlenden Mittel abgewiesen werden (oder: Wenn es Widerstand (?) gegen (?) diese kühlenden Mittel gibt; oder: Wenn diese kühlenden Mittel daran (d.h. an die Brust?) angebracht (?; wörtl.: angenähert) sind),
dann wirst du daraufhin jene Heilmittel überwachen (?; oder: aufbewahren?, zurückhalten?), bis / sodass alle Flüssigkeit (wörtl.: Wasser), die in <dieser> sḥr-Schwellung {auf} (oder: in der sḥr-Schwellung auf <der sꜥr-Verletzung>) ist, abläuft/hinunterläuft.
(2. Behandlung:) Du sollst ihn mit einer Wundversorgung versorgen/pflegen
(und / d.h.) mit Mitteln zum Entziehen der srf-Hitze aus der Öffnung der Wunde in seiner Brust.
(Kühlmittel 1:) Blätter der Dornakazie, Blätter der Sykomore, Wasser:
<(es) werde damit/darüber verbunden.>
(Kühlmittel 2:) Blätter des jmꜣ-Baumes, bnf-Galle des Rindes, ḥnj-tꜣ-Pflanze (ḥnj-Binse? des festen/trockenen Bodens?):
(es) werde damit/darüber verbunden.
Dann bereitest du daraufhin für ihn ein Austrocknungsmittel [16.10] <der / für die Wunde> an seiner Brust zu:
(Austrocknungsmittel 1:) (grüne) Fritte von Malachit, Johannisbrotfrucht, Terpentin (wörtl.: Fett) der Konifere, Öl/Fett:
<(es) werde damit/darüber verbunden.>
(Austrocknungsmittel 2:) Unterägyptisches Salz, Fett des Steinbocks:
(es) werde damit/darüber verbunden.
Dann bereitest du daraufhin für ihn ein Pulver/Puder zu:
Samen/Körner der špn-Pflanze, (rote) dšr-Körner/Samen, <Blätter der> Sykomore:
(es) werde zerrieben, (es) werde darauf gelegt.

(Glosse A:) Was (die Textstelle) "eine sḥr-Schwellung auf einer Schlagverletzung an seiner Brust" angeht:
das bedeutet, dass es Sachen gibt, die stark angeschwollen (oder: angeschwollen und groß) sind wegen des jh-Leidens, das an seiner Brust ist,
(wobei sie) weich/nachgiebig wie Wasser unter <deiner> Hand sind.

(Glosse B:) Was (die Textstelle) "ihre (Plural!) Farbe/Färbung/Beschaffenheit funkelt (?) nicht (?)" (oder: "die Bleichheit/Klammheit (?) ihrer (Plural!) Farbe/Färbung/Beschaffenheit") angeht:
[16.15] das bedeutet, dass ihre (Plural!) Haut nicht glüht/glänzt.

(Glosse C:) Was (die Textstelle) "es gibt keine Rötung darauf" angeht:
das bedeutet, das es keine Sache darauf gibt, die rot ist.

Fall 47 (16.16-17.15): Klaffende Wunde an der Achsel

(Titel:) Erfahrungswissen über eine klaffende Wunde in/an seiner Achsel/Achselhöhle.
(Untersuchung 1:) Wenn du einen Mann (d.h. Patienten) mit einer klaffenden Wunde an seiner Achsel untersuchst
– aufgeworfen ist sein (des Patienten oder der Wunde) Hautgewebe
(und) auseinandergetrennt sind seine (der Wunde?) Seiten –,
wobei er (der Patient) an st.t-Schleimstoffen in seinem Schulterblatt leidet,
{dann musst du folglich sagen: "seine Wunde <...>"} <dann musst du folglich seine Wunde (durch Abtasten) erforschen/absuchen>;
(und) wenn du ihre (der Wunde) Klaffungen auseinandergezogen(?) vorfindest,
(wobei/nachdem) ihre (der Wunde) Seiten an/aus (?) seiner Wunde abgewendet (?) worden sind,
wie wenn ꜥꜣ.t-Leinen entrollt (?) wird
– es fällt ihm aufgrund dessen schwer, [16.20] seinen Arm hochzuheben (wörtl.: es ist schwer/schwierig, dass er seinen Arm hochhebt wegen es) –,
dann musst du folglich für ihn seine/ihre (des Mannes oder der Wunde) Klaffungen durch Nähen/Näharbeit (oder: mit einem Faden?) zusammenfassen/festhalten.
(Diagnose 1:) Daraufhin sagst du über ihn:
[17.1] "Einer mit einer klaffenden Wunde an seiner Achsel
– aufgeworfen ist sein/ihr (des Patienten oder der Wunde) Hautgewebe
(und) auseinandergetrennt sind seine/ihre (der Wunde?) Seiten –,
wobei er (der Patient) an st.t-Schleimstoffen in seinem Schulterblatt leidet:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
(Behandlung 1:) Dann musst du sie/ihn (d.h. die Wunde oder den Patienten) folglich am ersten Tag über (oder: zusammen mit) frischem Fleisch verbinden.
(Untersuchung 2:) Wenn du jene Wunde aufgegangen/offenstehend vorfindest,
indem ihre Naht sich gelockert/gelöst hat,
(Behandlung 2:) dann fasst du <daraufhin> für ihn (den Mann) seine/ihre (der Wunde?) Klaffungen mit einem ꜣj.wj- Doppelverband/Kreuzverband (?) aus Leinenstoff zusammen, <die gelegt werden (?)> auf/über jene Klaffungen.
Du sollst ihn (den Mann) danach täglich <mit> Öl/Fett, [17.5] Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.
Wenn du eine Wunde vorfindest, (indem) ihr (d.h. der Wunde) Hautgewebe aufgeworfen ist und ihre Seiten auseinandergetrennt sind, in irgendeinem (anderen) Körperteil eines Mannes,
dann sollst du ihn (d.h. den Mann) gemäß diesen Wissenserfahrungen/Informationen/Lehrtexten untersuchen.
(Untersuchung 3:) Aber wenn du jene Wunde vorfindest,
indem/nachdem sein/ihr (des Patienten oder der Wunde) Hautgewebe srf-Hitze entwickelt (wörtl.: ergriffen) hat aufgrund jener Wunde, die an seiner Achsel ist,
und jene Wunde außerdem nsr-entflammt (d.h. entzündet?) und aufgegangen/offenstehend ist,
indem ihre Naht sich gelockert/gelöst hat,
dann legst du daraufhin deine Hand auf sie (die Wunde);
(und) wenn du eine srf-Hitze vorfindest, die (wörtl.: indem sie) aus der Öffnung seiner Wunde gegen deine Hand herausströmt,
– die Menge/Ansammlung (an Flüssigkeit), [17.10] die davon/daraus (ständig) hinunterläuft, ist kühl wie Rosinen-/Weintraubenwasser –,
(Diagnose 3:) Dann sagst du daraufhin über ihn:
"Einer mit einer klaffenden Wunde an seiner Achsel,
die sich als nsr-enflammt (d.h. entzündet?) herausstellt,
(wobei) ihm (dem Patienten) aufgrund dessen (ständig) heiß ist (Fieber?):
eine Krankheit, mit der ich kämpfen werde."
(Untersuchung 4:) Aber wenn du (oder: <Sobald> du <also>) jenen Mann vorfindest, indem ihm (ständig) šmm-heiß ist,
und jene Wunde außerdem nsr-enflammt (d.h. entzündet?) ist,
(Behandlung 4:) (dann) darfst du ihn/sie (den Patienten oder die Wunde) nicht verbinden.
(Er) werde auf den Boden auf seine Anlegepflöcke(?) / sein Ruhebett(?) gelegt, sodass / bis der Höhepunkt / die kritische Phase seines jh-Leidens vorübergeht.
(Untersuchung 5:) Aber wenn seine šmm.t-Erhitzung sich verringert (wörtl.: verstümmelt worden ist),
und die srf-Hitze aus der Öffnung seiner Wunde zu Boden strömt (= sich senkt, weggeht),
dann sollst du ihn danach täglich <mit> Öl/Fett, [17.15] Honig und Faserbausch versorgen/pflegen, bis es ihm besser geht / sodass er sich (wieder) wohl fühlt.

Fall 48 (17.15-17.19): nrw.t-Zerrung/Verstauchung (?) an einem Rückenwirbel

(Titel:) Erfahrungswissen über eine nrw.t-Zerrung/Verstauchung <an> einem Wirbel seines Rückgrats.
(Untersuchung:) Wenn du <einen Mann (d.h. Patienten) mit> einer nrw.t- Zerrung/Verstauchung an einem Wirbel seines Rückgrats untersuchst,
dann sagst du daraufhin zu ihm:
"Strecke doch/bitte deine Beine aus!
Gebeugt/angezogen sind sie (oder: Beuge sie / ziehe sie (wieder) ein!)".
Dann muss er sie folglich ausstrecken;
(Aber) Dann muss er sie folglich sofort (wieder) beugen/anziehen,
oder:
So wie er sie folglich ausstrecken muss, so muss er sie folglich sofort (wieder) beugen/anziehen,
weil (es) schwierig ist, dass er (es, d.h. das Ausstrecken) tut
mit (d.h. wegen) dem Wirbel seines Rückens, an dem er leidet.
(Diagnose:) Daraufhin sagst du über ihn:
"Einer mit einer nrw.t-Zerrung/Verstauchung an einem Wirbel seines Rückgrats:
eine Krankheit, die ich behandeln werde."
Dann musst du ihn folglich hinlegen, ausgestreckt (auf den Rücken).
Dann musst du folglich für ihn zubereiten/herstellen <...>

...to be continued...