science in ancient egypt

 

Metadaten

Papyrus British Museum EA 10085+10105 Papyrus British Museum EA 10085+10105 Link
Bezeichnung
Papyrus British Museum EA 10085+10105
Weitere Bezeichnungen
Trismegistos TM 380683
Aufbewahrungsort
GB, London, British Museum
Erwerbsgeschichte

BM 10085 wurde 1865 aus dem Besitz des Grafen Guglielmo Libri für das British Museum erworben, BM 10105 war bereits 1861 vom Buchhändler und Antiquar Bernard Quaritch angekauft (Leitz 1999, 2 [dort der Händler fälschlich mit Namen Quaritan genannt, in der British Museum Database aber korrekt Quaritch; ähnlich Guglielma statt Guglielmo]).

Herkunft
Ägypten, genaue Provenienz unbekannt

Leitz 1999 macht keine Angabe zur Herkunft. Nach Roccati 2001, 195 stammt der Text nicht aus Deir el-Medina, weil die in Kol. 2,5-10 gegebene Liste von Personennamen nicht dazu passend sei.

Datierung
Neues Reich, 19. Dynastie, ca. 1292–1191 v. Chr.

Datierung in die Ramessidenzeit aus paläographischen Gründen (Leitz 1999, 2 mit Anm. 5); die Nennung eines der Streitwagenpferde Ramses' II. in rto. x+3, Z. 5+6 macht die 19. Dynastie wahrscheinlicher. Da die Personen in der Personennamenliste von Kol. x+2,5–10 nicht identifizierbar sind, ist über diesen Weg keine Präzisierung der Datierung möglich.

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Sofern der Inhalt aus dem erhaltenen Fragment der Papyrusrolle erschlossen werden kann (Anfang und Ende fehlen), liegt eine Sammelhandschrift vor, in der zuerst magische Sprüche (Sektionen I–II) und anschließend Miscellany-Texte (Sektionen III–VI) vorliegen. Der Zaubertext bzw. die magische Spruchsammlung, dessen Anfang nicht erhalten ist, beinhaltet zwei Beschwörungen gegen „Biss / Stich“ (psḥ), vermutlich von Schlangen (Sektionen I und II = Kol. rt. x+1–2 = pBM EA 10085 rt. ‘I’ und pBM EA 10105 [Leitz]). Es gibt mythologische Anspielungen auf Apophis („Feind des Re“; ḫft.j n Rꜥw), auf Isis, die Horus beschützt („Mutter Isis ist bei dir“, mw.t ꜣs.t m-dj=k), auf Osiris („der Schlafende“, nmꜥ) und Horus und Seth. Dieser Text endet mit einem Kolophon, dass 26 Personennamen, die fast alle den Titel „Schreiber“ (zẖꜣ) führen, nennt (die Angaben nach Leitz 1999, 85–88; Müller 2006, 449–450).
Die Sektionen III–VI (= Kol. rt. x+3–4 und vs. x+1 = pBM EA rt. ‘II’ – ‘III’ und vs. 1 [Leitz]) umfassen Texte aus dem Bereich der Late Egyptian Miscellanies: Sektion III: „Incantation of varied reference“, aufgrund des Zustands des erhaltenen Textes ist der Inhalt aber nicht sicher. Erwähnt werden eine Weihräucherung, die Lieferung verschiedener Pflanzen und Tiere aus dem Delta (eine ähnliche Passage in pAnastasi IV rt. 15,5–6), das Verjagen von Flöhen und das Graben und Umpflanzen eines Pools in der Wüste. Sektion IV gibt eine Liste ausländischer Waren (eine ähnliche Passage in pAnastasi IV rt. 15,2–5), Sektion V befasst sich mit Pferdetraining; das Ende ist nicht erhalten (alle Angaben nach Leitz 1999, 88–92). J. F. Quack deutet den Inhalt der Sektionen III–V dagegen als einen zusammenhängenden Text, und zwar als einen schwankhaften „schnippischen Dialog zwischen Mann und Frau“, der der Liebespoesie nahe steht (Quack 2016, 281–286). Auf der Rückseite befindet sich Sektion VI, deren Anfang verloren ist. Hier warnt ein Lehrer den Schüler vor Müßiggang; die Abschrift wurde vom Schreiber nicht vollendet und hört abrupt am Ende der Kolumne auf.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Es handelt sich um eine Schülerhandschrift, die in der Fortgeschrittenenausbildung der Schreiber Verwendung fand, wie das Vorhandensein von einigen Texten aus dem Fundus der Late Egyptian Miscellanies nahelegt (in eine ähnliche Richtung weisen die Erörterungen bei Müller 2006, 462–463).

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Die ursprüngliche Rolle besteht aus drei Papyrusstücken, zwei mit der Inventarnummer 10085, eins mit der Nummer 10105. Letzteres passt, dem Faserverlauf nach zu urteilen, direkt an den rechten Rand des größeren Fragments (bezeichnet als 'II–III') von 10085 an. Das kleinere Fragment von 10085 (bezeichnet als 'I') muss aus inhaltlichen Gründen noch weiter am Anfang der Rolle platziert werden. Es ist möglich, aber weder durch den Faserverlauf noch durch den Textfluss sicher nachweisbar, dass es unmittelbar am rechten Rand von 10105 anschließt (Leitz 1999, 2, 85). Die Maße der einzelnen Segmente sind: BM EA 10085 ‘I’: Länge: 23,0 cm, Höhe: 19,5 cm. BM EA 10105: Länge 24,5 cm, Höhe: 19,0 cm. BM EA 10085 ‘II’ + ‘III’: Länge: 46,5 cm, Höhe 19 cm. Die Gesamtlänge des erhaltenen Papyrusbestandes beträgt somit 94 cm, die Blatthöhe schwankt zwischen 19,0–19,5 cm. Insgesamt sind 4 Textkolumnen auf der Vorderseite und eine Textkolumne auf der Rückseite vorhanden. Die Maße der erhaltenen Kolumnen sind: Kol. rt. x+1: Höhe 10,0 cm; Breite: 19,5 cm, oberer Rand: 3,0 cm, unterer Rand: 2,5 cm; Kol. rt. x+2: Höhe 14,0 cm, Breite: 22,0 cm, oberer Rand: 2,5 cm, unterer Rand: 2,5 cm; Kol. rt. x+3: Höhe: 14,0 cm, Breite 20,0 cm; Kol. rt. x+4: Höhe 14,5 cm, Breite 21,5 cm, oberer Rand: 2,5 cm, unterer Rand: 2,0 cm; Kol. vs. 1: Höhe 15,5 cm, Breite: 15,5+x cm. Die Kolumnen auf der Vorderseite umfassen jeweils 10 Zeilen, die auf der Rückseite 12 (alle Angaben nach Leitz 1999, 85). Der Papyrus weist zahlreiche Lücken und Löcher auf. Die Tinte ist mancherorts abgerieben. Es fehlt mindestens ein weiteres Blatt am Anfang, weil zu Beginn von Kol. rt. x+1 ein Zauberspruch endet. Nach sichtbaren erhaltenen Resten auf pBM 10105 zu urteilen (und einer noch erhaltenen Datumsangabe über Kol. x+3, die auf einen gelöschten Verwaltungstext hinweist), ist der Papyrus ein Palimpsest (Leitz 1999, 85). Die Textkolumne auf dem Verso befindet sich auf der Rückseite von Kol. rt. x+1; der Rest der Rückseite blieb unbeschriftet.

Schrift
Hieratisch

Die Leserichtung verläuft von rechts nach links. Auf der Vorderseite ist die Verwendung von Rubra zur Markierung von Abschnittsanfängen zu beobachten. Es gibt keine Verspunkte.

Sprache
Neuägyptisch

Neuägyptisch mit einigen Mittelägyptizismen (Müller 2006, 449).

Bearbeitungsgeschichte

Die editio princeps legte Leitz 1999 vor. Eine Neubearbeitung der beiden Zaubersprüche und des dazugehörigen Kolophons (Sektion I–II) inkl. neuer Lesungen unternahm Müller 2006, eine Neubearbeitung und Neubewertung eines Teils der Late Egyptian Miscellanies (Sektionen III–V) wurde von Quack 2016 vorgelegt.

Editionen

- Leitz 1999: C. Leitz, Hieratic Papyri in the British Museum VII. Magical and Medical Papyri of the New Kingdom (London 1999), 2, 85–92, Taf. 47–51.

- Müller 2006: M. Müller, Magie in der Schule?. Die magischen Sprüche der Schülerhandschrift pBM EA 10.085 + 10.105, in: G. Moers et al. (Hrsg.), jn.t ḏr.w. Festschrift für Friedrich Junge. Band II (Göttingen 2006), 449–465.

- Quack 2016: J. F. Quack, Zur Frage der botanischen Natur des bꜣḳ-Baumes und des von ihm gewonnenen Öls mit einem Anhang: pBM 10085 „2–3“ rekto. Ein schnippischer Dialog zwischen Mann und Frau?, in: R. Landgráfová – J. Mynářová (Hrsg.), Rich and Great. Studies in Honour of Anthony J. Spalinger on the Occasion of his 70th Feast of Thoth (Prague 2016), 275–290, hier: 281–286.

Literatur zu den Metadaten

- Roccati 2001: A. Roccati, [Rezension:] Leitz, C., Magical and Medical Papyri of the New Kingdom, in: Orientalia. Commentarii periodici pontificii Instituti Biblici. Nova Series 70, 2001, 193–195, hier: 194–195.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Marc Brose
Bearbeitungsdatum
15.10.2019

Übersetzung und Kommentar

Sektion I

Beschwörung 11

[rt. x+1,1] […] Er [wird gehen], gesund für seine Mutter, wie [Horus] ging, [gesund für seine Mutter Is]is am Morgen, als er gebissen worden ist.2

1 Die Einteilung in Sektionen beruht auf Leitz, Hieratic Papyri. Müller, in: FS Junge konnte wahrscheinlich machen, dass die Sektionen I und II eine zusammenhängende Reihe von Beschwörungen bilden, die durch das überlange Kolophon in rt. x+2,5–10 abgeschlossen werden.
2 Die Lesung und Übersetzung dieses Satzes erfolgt nach Müller, in: FS Junge, 450–451. Es handelt sich, nach Roccati, in: Orientalia N.S. 70, 194 um eine Abschlussformel magischer Sprüche gegen Bisse und Stiche (Parallelstellen: pTurin P & R 135,13–134,1 [= pTurin CGT 54001 vs. 2,13–3,1]; pTurin P & R 135,5 [= pTurin CGT 54001 vs. 2,5]; pGenf MAH 15274 rt. 5, 6–7). In der ersten erhaltenen Passage transliterierte Leitz, Hieratic Papyri, pl. 47 statt mw.t-Geier (Gardiner G14) den Arm mit Spitzbrot (D37) [Lesung daher: […] snb n di̯.t =f mj šm […]], und übersetzte S. 86: „[…] healthy by his giving like the going […].“, und die zweite erhaltene Passage: „praising on account of the bite.“.

Beschwörung 2

[Eine andere Beschwörung (?):]1
[Siehe (?),] Isis ist gekommen.
Das Land hüllt sich ein (?)2 für ihn wegen des Fluches.
Nicht wird sie zulassen, dass der Nordwind [stromaufwärts kommt], so dass die Nilflut nicht stromabwärts kommen kann.3
Sie lässt die Barke des [Re (?)] sich neigen, wegen der (zu geringen) Wasser(höhe) von eineinhalb Ellen4.
[Sie lässt] den Schiffer der Barke mit Erde / Dreck beschmiert sein.5
Die Neunheit [ste]ht (hilflos) da, ist eingekreist.
Ih[re] (= die Götter der Neunheit) [rt. x+1,5] Lederdollen (?)6 sind gelöst.
Man sagt also zu dir:
„(Deine) Mutter Isis ist bei dir!“
"Isis, deren Zauber [groß sind], ist die, die gekommen ist."
"Nein! Es ist kein (gewöhnlicher) Zauber, der in meinem Munde ist!"
"Es sind [vortreffliche (?)] Wort(e), die in ⟨meinem⟩ Munde sind."
"[Ich(?)] spreche [sie (?)] aus, während / sodass etwas für Horus geschieht, während der Feind des Re (= Apophis?) die Nacht damit zubringt, eine Rebellion durchzuführen."

1 Alle Ergänzungen in rt. x+1,2–7 folgen dem Vorschlag von Müller, in: FS Junge, 451, 464.
2 tꜣ ḥr knm: Siehe Müller, in: FS Junge, 451–452 Anm. b: Problematisch am Verb ist, dass es nur wenige Male in den Pyramidentexten belegt ist, was die Identifizierung und Übersetzung unsicher macht. Leitz, Hieratic Papyri, 86 las hier „the land is in darkness (?)“ [= tꜣ ḥr knm(.t)], als eine mögliche Umschreibung für „the land is flooded“.
3 Nach Leitz, Hieratic Papyri, 86 Anm. 4 (mit Verweis auf Leitz, Tagewählerei, ÄA 55, Wiesbaden 1994, 17, 95–96, 132 und Borghouts, in: RdÉ 32, 1980, 41 Anm. 59) eine Anspielung auf die Ansicht, dass die Nilflut durch die Nordwinde (Passatwinde) hervorgerufen wurde, die das Nilwasser zurück in den Fluss trieben und so die Nilflut auslösten, eine These, die im 6. Jh. auch von Thales von Milet geäußert wurde [vgl. noch Herodot 2,20]; sowie mit Verweis auf die Textstelle pChesterBeatty 4 rt. 8,10–11, die diese Annahme bereits für die Ägypter bezeugt. Müller, in: FS Junge, 452 zitiert noch weitere Belegstellen mit ähnlichem Wortlaut (pDeir el-Medine 1, vs. 3,4–5; pTurin P & R 136,11 [= pTurin CGT 54001 vs. 4,11]), und nennt als Belegsammlung B. H. Stricker, De Overstroming van de Nil, MVEOL 11, Leiden 1956, 10–12.
4 Eine recht geringe Höhe von ca. 0,78 m, also eine Angabe des Wassermangels im Fluss; siehe Müller, in: FS Junge, 452 Anm. d, nach S. J. Seidlmayer, Historische und moderne Nilstände. Untersuchungen zu den Pegelablesungen des Nils von der Frühzeit bis in die Gegenwart, ACHET A1, Berlin 2001; anders Leitz, Hieratic Papyri, 86 Anm. 6: ca. 1,60 m über dem durchschnittlichen Feldhöhenniveau („field surface level“) und damit kein Niedrigstand (!).
5 Ein Trauergestus; siehe Müller, in: FS Junge, 453–454 Anm. d mit Verweis auf B. Dominicus, Gesten und Gebärden in Darstellungen des Alten und Mittleren Reiches, SAGA 10, Heidelberg 1994, 70 mit Anm. 434, mit Belegstellen pLansing 4, 4–5 (= LEM 103,5; Miscellanies) und pd’Orbiney 8,7 (= LES 18,5–7; Brüdermärchen).
6 Siehe Müller, in: FS Junge, 454 Anm. f. Dieses Wort ist sonst nur noch einmal in Edfu belegt. Möglicherweise handelt es sich um die Dolle, einen Teil des Ruders, hier in lederner Gestalt (vgl. das Determinativ „Tierschwanz“; F27); nach Blackman & Fairman, in: JEA 30, 1944, 7 Anm. e: „rowlocks“; N. Dürring, Materialien zum Schiffbau im Alten Ägypten, ADAIK 11, Berlin 1995, 84: vielleicht die „lederne Bindung des Steuerruders an die Haltepfosten“.

Sektion II

Beschwörung 3

[Eine andere Beschwörung]1 ⟨zum⟩ Abtöten von Gift:
Oh! Ah! Oh! Ah! Wehe! Wehe!
Der Himmel ist durchtrampelt, die Erde in Finsternis.
Neunheit, kommt zu mir!
Du Gift, das verhüllt gekommen ist, wirst / sollst gesehen (d.h. sichtbar) werden.
Du (Gift) bist gekommen, flutend wie der Nil [rt. x+1,10] und bedeckend wie die Regenwolken, nachdem (od: so dass?) unser Körper ergriffen wurde.2
Sie (= die Giftstoffe)3 haben den Schlafenden4 gebissen.
[rt. x+2,1] Die Weihe (?) ist (die), die verweilte (?).5
Würden sie (= die Giftstoffe) doch durch sein6 Beschwören ausfließen (?), diese schlechten / kranken Flüssigkeiten, die im Körper desjenigen sind, der gebissen worden ist.
Eile doch [in] der Vollkommenheit seiner Mutter, wie Horus in der Vollkommenheit seiner Mutter geeilt ist.
Zu rezitieren über Rückständen (?) von süßem Bier, zum (?) Zufriedenstellen.

1 Parallelstelle für den Beginn des Spruches in rt. x+1,7–8: pChesterBeatty 7 rt. 7,7–8.
2 Hier wechselt der Text von der 3. in die 1./2. Person, es scheint eine direkte wörtliche Rede als Kommentar der Neunheit zur Sichtbarmachung des Giftes vorzuliegen. Daher wird dieser Satz hier als eigenständig geführt.
3 Scheint eine Vorwegnahme auf nn-n mw mr.w „die schlimmen Flüssigkeiten“ in Z. 2,1 zu sein!?
4 Eine Bezeichnung für Osiris auf dem Totenbett; siehe Leitz, Tagewählerei, 34–36.
5 Lesung der Zeichen und der Wortlaut sind sehr unsicher; siehe Müller, in: FS Junge, 457 Anm. h. Die „Weihe“ wäre in diesem Kontext, der auf Osiris anspielt, wohl mit Isis zu identifizieren.
6 Der Bezug des Suffixpronomens ist unklar. Nach Müller, in: FS Junge, 457 Anm. i ist damit vermutlich der Benutzer der Beschwörung gemeint.

Beschwörung 4

[Eine andere (Beschwörung)]:1
[Du], der wütet, du (?) […] seine Nase:
Der vierte (?) Mann ist nicht gekommen aus dem Bösen eines Mannes, (sondern) aufgrund (?) des Momentums (?) des Findens (?).2
Man wird feststellen, dass es deine Sprüche (sind), die ihn vertreiben, ebenso dass die Ruinenhügel (?) aufgebrochen (?)3 sind.
Es sind die (betreffenden) Beschwörungen, denn was die Worte gegen dich4 betrifft, sie gehören [rt. x+2,5] Seth (und) der Nꜥw-Schlange (?)5, sie sind Sprüche des Horus.

1 Müller, in: FS Junge, 458 setzt hier den Beginn eines neuen Spruches an, weil der Inhalt zu den vorangehenden Passagen sich auffällig ändert. Leitz, Hieratic Papyri, 87 macht keine diesbezügliche Angabe und fährt mit dem vorangehenden Spruch fort.
2 Der Satz ist in vielerlei Hinsicht problematisch:
z mḥ-4: „Der vierte (?) Mann“: Leitz, Hieratic Papyri, 87 mit Anm. 22 hat „without there being a man of four cubits“ mit Verweis auf pAnastasi I 23,8, wo dies als Charakteristikum der Shasu-Beduinen genannt wird. Müller, in: FS Junge, 458 mit 459 Anm. c merkt an, dass mḥ mit der Bedeutung „Elle“ anders hätte geschrieben werden müssen, und zwar zusätzlich mit dem „Unterarm“ (D41/D42). Der Bezug ist ihm unklar, er nennt aber noch Belege für Vierergruppen in magischen Kontexten, z.B. „vier Balsamierer“ (pꜣ 4 wt; pMag Vatikan); „vier Edeldamen“ (tꜣ 4 šps.yt; pChesterBeatty 8 vs. 1,8+2,1; pChesterBeatty 9 vs. B 14,9–10).
⟨ḥr⟩-ḏꜣḏꜣ-n {j}ꜣ.t n gmi̯.t: „(sondern) aufgrund (?) des Momentums (?) des Findens (?)“: Nach Müller, in: FS Junge, 460 Anm. d ist „die Stelle zumindest graphisch sehr eigen umgesetzt“, d.h. er geht von einer stark fehlerbehafteten Wiedergabe dessen aus, was ursprünglich gemeint war: so ergänzt er ḏꜣḏꜣ n zur Präposition ⟨ḥr⟩-ḏꜣdꜣ-n, nachfolgendes jꜣ.t wird zu ꜣ.t „Moment; Augenblick“ emendiert, beim Verb am Ende denkt er noch an eine eventuelle Lesung als gmgm „umherirren“, der zweite Teil des Verbs würde, weil dann am Ende von Z. 3 und zu Beginn von Z. 4 drei Mal hintereinander die Gruppe gm stünde, durch Haplographie ausgefallen sein. Leitz, Hieratic Papyri 87 hat die Stelle anderes aufgefasst. Den ersten Teil zieht er zum vorangehenden Satz: „[…] his nose, without there being a man of four cubits, comig forth from the evil of man.“ (fnḏ=f nn z mḥ-4 pri̯ m ḏw.t z). Den zweiten Teil interpretiert er als neuen Satz: „The head at (?) the back is found (?) …“ (ḏꜣḏꜣ n jꜣ.t n gmi̯.t). Die ganze nächste Zeile lässt er mangels Verständnis (Anm. 23: „remains obscure“) unübersetzt. Tatsächlich macht der erhaltene Text, so wie er dasteht, keinen Sinn! Hier wurde die Deutung Müllers übernommen.
3 Deutungen nach Müller, in: FS Junge, 460 Anm. f, aber unsicher.
4 Bezieht sich auf die feindlichen Mächte, wohingegen die angesprochene Entität zu Beginn des Spruches (pꜣ n.tj nšni̯) eher Seth zu meinen scheint?!
5 So Müller, in: FS Junge, 460 Anm. h, allerdings ohne Determinativ geschrieben, aber auch ohne eine Emendation der Stelle vornehmen zu müssen; trotzdem unsicher.

Kolophon

Es ist schön und in Frieden zu Ende gekommen, durch den Ka des Ersten Ausrufers seiner Majestät LHG Amenwahsu, des Schreibers [A]menemope, des Ersten Schreibers Jay, des Schreibers Amenemope, des Schreibers Mer-ipet, des Schreibers Merire, Sohn des Hat, des Schreibers Re-jay, des Schreibers Merire, Sohn des Hat, dessen Mutter Ta-ker-en-Chmunu (?) ist, des Schreibers Pa-secher-her-awifi, des Schreibers Re-ja, des Schreibers Re-ja, des Schreibers Merimaat, des Schreibers Chonsui, des Schreibers Hui, des Schreibers Sui Sohn des Hui, des Schreibers Nebwai, des Schreibers Nebnefer, des Schreibers Ramose, Sohn des Pendua, dessen Mutter Ta-[sh]a’a (?) ist, [des Schreibers] Pai-sen-neb, des Schreibers Pai, Sohn des Hui, dessen Mutter Iuy ist, [rt. x+2,10] des Schreibers Chonsu, des Schreibers Kasa, des Schreibers Hui, des Schreibers Merire, des Schreibers Merire, des Schreibers Paiu-senefer, (und) des Schreibers Chonsui.