science in ancient egypt

 

Metadaten

Bezeichnung
Innensarg des Amenemhet, B9C
Weitere Bezeichnungen
CG 28091
JdE 34289
Aufbewahrungsort
EG, Kairo, Ägyptisches Museum
Erwerbsgeschichte

Der Sarg wurde während der Ausgrabungen des Service des antiquités de l’Égypte von März bis April 1900 in Deir el-Berscheh gefunden und gelangte dadurch ins Ägyptische Museum Kairo.

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Berscheh

Der Sarg wurde während der Ausgrabungen des Service des antiquités de l’Égypte unter der Leitung von Ahmed Bey Kamal von März bis April 1900 in Deir el-Berscheh in einem durch Steinbrucharbeiten schwer beschädigten und eingestürzten Grab entdeckt, in Schacht 21 nach der Nummerierung von Kamal (Willems 1988, 69 und Kamal 1901, 15, 17–30). Das Grab befindet sich unmittelbar östlich vom Grab des Djehutihotep und wird aufgrund der Grabfunde dem Gaufürsten Amenemhet zugeschrieben. Das Grab war in der Antike einmal beraubt worden, aber ein Großteil des Grabmobiliars war noch in der Grabkammer vorhanden, darunter der äußere (CG 28092, Sargtextsigle B10C) und innere (CG 28091, Sargtextsigle B9C) rechteckige Sarg des Amenemhets sowie die Bretter eines anthropomorphen Sarges (CG 28093) innerhalb des Innensarges. Das Grab wird in den aktuellen Grabungen der Universität Leuven unter der Leitung von H. Willems als Nr. 17L22/1 geführt (Willems et al. 2009, 392).

Datierung
Mittleres Reich, 12. Dynastie, ca. 1939–1760 v. Chr.

Der Besitzer des Sarges, Nomarch Amenemhet, kann genealogisch mit hoher Wahrscheinlichkeit als einer von zwei Söhnen und Amtsnachfolger von Nehri II., d.h. als Nomarch des Hasengaues, eingeordnet werden. Als solche übten beide das Amt gegen Ende der Regierungszeit Sesostris I. und v.a. unter dessen Nachfolger Amenemhet II. (1878–1843) aus, wobei unklar ist, ob zunächst Amenemhet oder sein Bruder Djehutinacht (VI.) im Amt war. Es wird angenommen, das der Sargbesitzer Amenemhet mit einem Amenemhet in Graffito 49 von Hatnub aus dem 31. Regierungsjahr Sesostris‘ I. identisch ist. Der Sarg stammt demnach aus der Zeit von König Amenemhet II. oder kurz davor (Willems 1988, 74–75). Aus typologischen Gründen ordnet Lapp den Außensarg in die frühe 12. Dynastie ein, was mit der Beliebtheit des Personennamens „Amenemhet“ ab König Amenemhet I. übereinstimmt und zur Gleichstellung der Amenemhets des Sarges und des Hatnub-Graffitos passt (Lapp 1993, 85 und 88).

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Der uns hier interessierende Schlangenbeschwörungsspruch 434 (Kol. 106–107) befindet sich auf der Innenseite der Rückwand des Sarges (Kol. 60–205) im Brust- bzw. Rückenbereich, falls die Textkolumnen am Kopfende anfingen (Lesko 1979, 31).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf B9C:
Spruch 434: Kol. 106–107 (CT V, 283–285)

Material
Holz
Objekttyp
Sarg
Technische Daten

Der kastenförmige innere Sarg des Amenemhet hat die Maße 89 × 86 × 265 cm (Höhe × Breite × Länge) und ist bis auf wenige Beschädigungen komplett erhalten (Lacau 1906, 37).

Schrift
Kursiv-Hieroglyphisch

Die Schrift des hier relevanten Textes ist in Kolumnen, von rechts nach links, angeordnet. Es wurde für Spruch 434 nur schwarze Tinte verwendet.

Sprache
Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Lacau hat 1906 den Sarg publiziert, aber ohne die kompletten Sargtexte auf den Innenseiten. Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck 1954 unter der Sigle B9C ediert. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer B9C der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg B1b. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert den Schlangenspruch in Strophen und Verse und kommentiert ihn.

Editionen

- de Buck 1954: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago/Ill 1954), V 283c–285c.

Literatur zu den Metadaten

 - Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 327.

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 1050–1051.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 74.

- Kamal 1901: A. Kamal, Fouilles à Déïr-el-Barsheh (mars-avril 1900), in: Annales du Service des antiquités de l’Égypte 2, 1901, 14–43, hier: 24–30.

- Lacau 1906: P. Lacau, Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 28087-28126. Sarcophages antérieurs au Nouvel Empire. Tome II (Le Caire 1906), 37–51.

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. B1b.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 166–167 (Spruch 11 = 434) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins (Leiden 1988).

- Willems et al. 2009: H. Willems et al., Report of the 2004–2005 Campaigns of the Belgian Mission to Deir al-Barsha, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo 65, 2009, 377–432 und Taf. 44–46.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Bearbeitungsdatum
30.01.2020

Übersetzung und Kommentar

CT 434

1. Strophe1

[106] Als Elende2 bin ich zum Haus der Elenden2 gekommen.
Ich bin die, [107] die sich befindet in den ḫꜣ.w3 des Horus.
Ich suche Osiris ⟨bei On⟩.
Ich bin gesandt von diesem Großen, der nicht sterben kann.4
[__]

1 B1Y hat einen weiteren Vers. Eine Überschrift findet sich nur in den Textzeugen: B2Bo und B1Y, S2C und M22C, wobei sie in den letzten drei Fällen zerstört ist.
2 ḥwr.t ist m.E. auf die Isis zu beziehen, die als arme Witwe nach Osiris sucht.
3 Die Bedeutung von ḫꜣ.w ist unklar.
4 Wörtl. „der kein Anlanden hat“.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 166–167 (Spruch 11 = 434).