Papyrus Carlsberg 906

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
pCarlsberg 906
Aufbewahrungsort
Europa » Dänemark » Kopenhagen » Carlsberg Papyrus Collection

Inventarnummer: 906

Erwerbsgeschichte

Der Papyrus stammt aus Tebtynis (Töpfer 2019, 1137, 1140). Daher dürfte er wohl zu den Papyri gehören, die im Jahr 1931 angekauft wurde, s. dazu Hagen – Ryholt 2016, 178–180.

Herkunft
Niltal von Kairo bis Assiut » Fajjum » Tebtynis

Der Papyrus stammt aus Tebtynis. Es kann nicht sicher spezifiziert werden, ob direkt aus der Tempelbibliothek oder den Papyrusmüllhalden, aber Töpfer 2019, 1140 vermutet mit folgenden Argumenten Letzteres: (a) Die vorliegende Handschrift hat kein zugehöriges Fragment im Tebtynis-Material des Istituto Papirologico „Girolamo Vitelli“ in Florenz, das aus den Grabungen der Tempelbibliothek stammt. (b) Die Handschrift von pCarlsberg 906 entspricht derjenigen von Papyri, die auch noch in den aktuellen Grabungen im Bereich der Abfallhaufen gefunden werden.

Datierung
von: (Absolute Datierung: Jahrhunderte) » (Jahrhunderte v.Chr.) » 1. Jhdt. v.Chr. » 2. Hälfte 1. Jhdt. v.Chr. bis: (Absolute Datierung: Jahrhunderte) » (Jahrhunderte n.Chr.) » 1. Jhdt. n.Chr. » 1. Hälfte 1. Jhdt. n.Chr.

Datierung aufgrund der Paläographie des Textes, Töpfer 2019, 1139-1140.

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en)
Inhalt

Fragment A enthält eine Reihe von Epitheta einer Göttin, vermutlich der Hathor.

Fragment B enthält mehrere übelabwehrende Sprüche, die in den Kontext des Rituals vom „Schutz des Leibes“ (urspr.: des Pharaos) gehören. Erhalten sind hauptsächlich die Spruchanfänge in Gestalt der Formel „ein anderer (Spruch)“ sowie ein kleiner Ausschnitt der Handlungsanweisungen, die die Zeichnung einer Abbildung erwähnen. An drei Stellen ist Platz für entsprechende Vignetten gelassen, aber sie wurden nicht aufgemalt. Die Sprüche in der oberen Hälfte von Fragment B gehören in den Kontext der abendlichen und nächtlichen Fahrt des Sonnengottes: die „Abendbarke“, die „Unterwelt“, die „Bewohner der Finsternis“, die „Verklärten und Toten“. All dies deutet darauf hin, dass hier auf den kosmischen Kreislauf angespielt wird, der immer wieder von gefährlichen Entitäten wie Seth und Apophis bedroht wird und daher gesichert werden muss. In Analogie zu diesem Schutz wird dann der menschliche Nutznießer des Spruches vor Unheil bewahrt. An mehreren Stellen weisen feminine Personalpronomina zusätzlich auf ein feminines Bezugswort hin. Bei diesem könnte es sich um Hathor/Sachmet handeln, die einerseits als Herrin über Krankheitsdämonen eine Verursacherin von Leid ist, aber in derselben Rolle sowie in ihrer Manifestation als Sonnenauge bzw. Uräusschlange auch eine übelabwehrende Gottheit ist. Möglicherweise bildet sie auch den Link zu den Götterepitheta auf Fragment A.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Text ist zu zerstört, um eine sichere Aussage über den Verwendungskontext zu treffen. Die Kombination mehrerer Sprüche miteinander auf Fragment B und die Kombination dieser Sprüche mit Anrufungen an eine Göttin sprechen jedoch eher für eine Sammelhandschrift als für ein einzelnes Amulett. Die Sprüche könnten sowohl für den Tempelkult als auch für eine private Anwendung gedacht gewesen sein; im letzteren Falle ist der in Zeile B.x+17 genannte „Pharao“ vielleicht nur ein Platzhalter für den Namen des nichtköniglichen Nutznießers, Töpfer 2019, 1153-1154.

Material
Organisch » Faser, Pflanzliche und Tierische » Papyrus
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Schriftrolle
Technische Daten

Der erhaltene Teil des Papyrus setzt sich aus zwei Fragmenten zusammen, die, nach der generellen Materialbeschaffenheit, dem Layout und der Handschrift zu schließen, Teil derselben Papyrusrolle waren. Aber der Faserverlauf spricht dafür, dass beide Fragmente zu verschiedenen Blättern dieser Rolle gehörten. S. hierzu und zum Weiteren Töpfer 2019, 1137-1139.

Fragment A ist 10,5 cm hoch und 4,3 cm breit. Fragment B ist 25,0 cm hoch und 8,5 cm breit; es zeigt eine Klebung. Auf der Vorderseite von Fragment B sind verblasste Hilfslinien zu erkennen, und da diese bis an den oberen Rand reichen, geht Töpfer, a.a.O., 1138 davon aus, dass der leeren Raum am oberen Ende des Fragments B noch nicht zum oberen Rand der Rolle gehört. Im Vergleich zu anderen Handschriften aus Tebtynis könnten von der Gesamthöhe insgesamt ca. 3-5 cm fehlen; Töpfer rekonstruiert eine ursprüngliche Gesamthöhe von 29-30 cm und eine Satzspiegelhöhe von ca. 26 cm. Die Freiräume hinter den Zeilen in der Mitte und unten – und wohl auch oberhalb der ersten erhaltenen Zeilen – sollten eigentlich zur Aufnahme von Vignetten dienen.

Der Papyrus ist für die Beschriftung der Rückseite über die horizontale Achse gewendet worden: Der obere Rand der Vorderseite ist der untere Rand der Rückseite.

Schrift
Demotisch, Hieratisch

Der Text ist in einem späten Hieratisch aus dem Übergang von der Ptolemäer- zur Römerzeit geschrieben, Töpfer 2019, 1139.

Der Text ist weitgehend schwarz geschrieben; auf Fragment B finden sich einige kurze rot geschriebene Passagen.

Auf der Rückseite finden sich auf beiden Fragmenten Reste von kurzen Notizen: Diejenige von Fragment A ist unleserlich, könnte aber Töpfer 2019, 1138 zufolge vielleicht eine Blattnummerierung enthalten. Die Rückseite von Fragment B enthält zwei Zeilen eines demotischen, aber ebenfalls nicht klar lesbaren Textes; auch diese könnte u.a. eine Blattnummerierung enthalten.

Der Text ist mit dem Kalamos, d.h. dem Schreibrohr, geschrieben und nicht mit der Binse, Töpfer 2019, 1139.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch » traditionelles Mittelägyptisch, Ägyptisch-Koptisch » Demotisch

Der Text ist zu zerstört, um die Sprachstufe sicher bestimmen zu können. Wo er besser erhalten ist, liegen meist feste Formulare vor. Die Verwendung des Demonstrativpronomens tn (Zeile B.x+12; evtl. auch B.x+5 und B.x+8) ist zumindest eine ältere Erscheinung. Die Verwendung von pr-ꜥꜣ: „Pharao“ als Herrschertitel (Zeile B.x+17) ist dagegen nachklassisch. Weder der Relativkonverter n.tj (B.x+5, B,x+12) noch die Genitiv-Nisbe n (B.x+21) zeigen eine Anpassung an feminine Bezugswörter. Die Schreibung von pẖr.t mit zwei r übereinander (Verwechslung der Hieratogramme von pẖr und r, B.x+16) ist erst ab der Ramessidenzeit belegt. Töpfer 2019, 1147 erklärt die ungewöhnliche Graphie von šnꜥ in Zeile B.x+4 mit der fehlenden Vertrautheit des Schreibers mit diesem Wort. Dies spricht für eine sehr späte Abfassungszeit.

Die Notizen auf der Rückseite zeigen, wenn richtig gelesen, die jüngere Bildung der Ordinalzahlen mit mḥ statt mit dem Suffix .nw. Ein Zeichenrest lässt sich vielleicht zum jüngeren Artikel pꜣ ergänzen, Töpfer 2019, 1138.

Bearbeitungsgeschichte

Die Editio princeps stammt von Töpfer 2019, 1137–1157.

Editionen

- S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Bd. 2, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7.2 (Berlin 2019), 1137-1157.

Literatur zu den Metadaten

- Hagen – Ryholt 2016: F. Hagen – K. Ryholt, The Antiquities Trade in Egypt 1880-1930. The H.O. Lange Papers, Scientia Danica. Series H, Humanistica, 4 8 (Copenhagen 2016).

- Töpfer 2019: S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157.

Autoren
Dr. Lutz Popko
Autoren (Metadaten)
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

Papyrus Carlsberg 906

Fragment A

Recto

A.1[---] die Herrin von Heliopolis. A.2[---] des Großen Hauses. A.3[---] (Göttin) [NN] im Tempel des Lobpreises. A.4[---] (Göttin) [NN], die Herrin von Terenouthis. A.5[---] (Göttin) [NN], die Herrin des „Feldes“. A.6[---] (Göttin) [NN], die Herrin von Aphroditopolis.

Verso

Etwa in der Mitte der Seite: zwei Zeilen Zeichenreste.

Fragment B

Recto

B.x+1[---] in1 der Abendbarke, der Herr2 der Furcht beim Eintreten [---] B.x+2[---] Unterwelt, als einer, der ihn abwehrt, der Gnädige [---] B.x+3[---] für sie die Bewohner der Finsternis, die nicht [---] B.x+4[---] er vernichtete und hält ab den Untoten,3 die Untote, [den Feind, ---] B.x+5[---] diese [Figur], die als Zeichnung (existiert), gezeichnet auf [---] B.x+6[---]. B.x+7[---]. B.x+8[---] diese [---]. Ein anderer Spruch:4 B.x+9[---]. B.x+10[---] ihren wirklichen Namen kennen [---] B.x+11[---] indem sie [geht/kommt] in ihrer wirklichen Gestalt [---] B.x+12[---]. [Ein anderer Spruc]h: Diese Figur, die [---] B.x+13[---] wahrhaftig. Ein anderer Spruch: O Feind, [---] B.x+14[---] Verklärte und Tote; es sind ja Wesen, die beseitigt/niedergehalten [werden ---] B.x+15[--- ihren Namen (?)] den er mit Ehrfurcht vor ihr nennt,5 den er … (?) nennt; Lobpreis [---] B.x+16[--- im(?)] Per-neser, mit gewichtigen/wirkungsvollen Heilmitteln6 im Haus des Horus, vor der die Ehrfurcht [--- ist ---] B.x+17[---]; jene beugt sich7 vor Pharao, l.h.g., …8 B.x+18[---] in seinen Gliedern. Es kommt jene/-s (?). B.x+19[--- in Zeichnung], gezeichnet. [---] B.x+20[---]-Schiff,9 werde rezitiert (?)10 zum Öffnen der Augen [---] B.x+21[--- Amu]lett zum Schutz des Leibes [---]

Verso

In der Mitte der Seite: zwei verwischte demotische Zeilen.11

1 m (m)sk.tt: In späterer Zeit herrscht bei msk.tt eine Schreibung ohne initiales m vor. Daher ist auch hier das ausgeschriebene m tendenziell eher als Präposition aufzufassen.

2
nb{.t} snḏ: Das t bei nb.t wird hier mit S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1146 nur als Füllzeichen aufgefasst.

3
 So die Interpretation der Zeile von S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1147. Die Graphie von šnꜥ erklärt sie als fehlerhafte Ersetzung des Löwen, mit dem šnꜥ oft geschrieben wird (aufgrund einer Verwechslung der hieratischen Zeichen von Löwe und Pflug), durch das Phonogramm r. Als Ursache für diesen Fehler vermutet sie die Seltenheit des Wortes šnꜥ zur Abfassungszeit des Textes; daher habe der Schreiber wohl nicht gewusst, dass der Löwe eine rein graphische Erscheinung war und in dem Wort kein r vorkam.
Man könnte aber auch überlegen, ob doch šnꜥ r=f zu lesen ist und eine Partizipialkonstruktion vorliegt, die als direktes Objekt zu tm=f dient: „er vernichtete den, der von ihm abgehalten wird/werden soll, den Untoten, …“.

4
k(y) rʾ: Sic, nicht als Rubrum geschrieben, wie in den anderen Fällen dieses Papyrus. Die anschließenden Wörter sind nachträglich getilgt worden; in einem kann man noch mkw.t: „Schutz“ erkennen, s. auch S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1148. Sie vermutet ebenda, dass die Wörter getilgt wurden, weil sie als fehlerhaft angesehen wurden, oder weil man den Platz für eine Vignette brauchte (die aber letztendlich nicht gezeichnet wurde). In ihrer technischen Beschreibung des Fragments auf S. 1139 favorisiert sie die letztere Erklärung.

5 dm=f: S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1143 übersetzt beide Formen indikativisch: „er spricht (…)“ bzw. „er nennt (…)“. Das Verb dm kommt sehr oft in der Kollokation dm rn: „den Namen nennen/aussprechen“ vor. Daher wird hier alternativ das dm als Relativform aufgefasst, das sich auf ein in der Lücke davor stehendes rn beziehen könnte. Das Wort nach dem zweiten dm=f liest S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1143 und 1149 als tfy: „jene“. Das Hieratische lässt aber Zweifel aufkommen, ob das obere Zeichen wirklich ein reines t ist.

6
ꜥꜣ pẖr(.t): S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1143 beginnt damit einen Adjektivalsatz. Könnte vielleicht auch ein Epitheton vorliegen, sodass diese Zeile insgesamt eine Kette von Epitheta enthält?

7 ksi̯ tfj: So die Deutung von S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1143 und 1150. Oder ist es ksi̯.t(j)=fj: „der sich beugen wird“? Allerdings steht in der folgenden Zeile ein ebenso geschriebenes jyi̯ tfj, und laut J. Winand, Le verbe iy/iw. Unité morphologique et sémantique, in: Lingua Aegyptia 1, 1991, 357-387, hier 377 wird das sḏm.tj=fj von jwi̯/jyi̯ im älteren Ägyptisch vom Stamm jwi̯ gebildet, und im jüngeren Ägyptisch ist die Form überhaupt nicht mehr belegt. Sollte also in pCarlsberg 906 ein sḏm.tj=fj vorliegen, wäre in Zeile x+18 eher jwi̯.tj=fj zu erwarten statt *jyi̯.tj=fj. Da aber dort eben der Stamm jyi̯ steht, liegt wohl eher kein sḏm.tj=fj vor, und daraus ist zu schließen, dass auch das ksi̯ tfj in x+17, analog dazu, kein sḏm.tj=fj ist.

8 k: Das vereinzelte k am Ende der Zeile ist laut Töpfer, a.a.O., der Beginn eines weiteren ky rʾ: „Ein anderer Spruch“, das der Schreiber aber nicht zu Ende führte, weil es an dieser Stelle fehlerhaft sei. Und weiter: „Anders als in Z. x+8 wird der ‚Fehler‘ frühzeitig bemerkt, denn es sind keine Tilgungs-Spuren erkennbar.“ Man fragt sich aber, warum der Schreiber nur abgebrochen und nicht versucht hat, das k zu löschen. Eine andere Erklärung für das k kann allerdings nicht geboten werden, außer dass es sich vielleicht um eine neue Art einer metatextuellen Markierung handelt (Zusatz, Wiederholung, Auslassung, …), deren Bedeutung wegen des fragmentierten Zustandes nicht ersichtlich ist.

9 Vom ersten erhaltenen Wort(?) ist nur noch eine Barke erhalten. S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1150 vermutet, dass es sich bei diesem Schiff eher um eine Vignette handeln könnte, weil das Zeichen etwas größer geschrieben ist als der übrige Text. Sie überlegt, ob hiermit die in Zeile x+1 genannte msk.tt-Barke gemeint sein könnte. Andererseits wirkt die Barke nicht dermaßen viel größer; der leichte Größenunterschied könnte auch nur dadurch bedingt sein, dass der Schreiber das Zeichen etwas elaborierter schreiben wollte als die übrigen Hieratogramme und dadurch nur zufällig etwas raumgreifender geschrieben hat.

10 Unsicher ist auch die Lesung der Gruppe nach dem Schiff. Für das obere Hieratogramm schlägt S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1150-1151 die Lesungen mḥ: „füllen“ (Gardiner Sign-list V22), šd: „rezitieren“ (F30), ꜥrq: „umbinden“ (V62) oder šfd: „Buchrolle“ (V62) vor und tendiert zu Letzterem. Allerdings ist das Zeichen darunter ein deutliches r, und man fragt sich, ob eine „Buchrolle zum Öffnen der beiden Augen“ (so ihre Übersetzung auf S. 1144, mit Fragezeichen) nicht eher šdf n statt šfd r lauten würde. Ob man vielleicht doch šdi̯ lesen sollte? Die Schreibung ist für jedes der drei vorgeschlagenen Verben ungewöhnlich kurz.

11 Die Lesung der beiden Zeilen ist unklar; vgl. die Vorschläge bei S. Töpfer, Magika Hieratika in Kopenhagen – Sprüche zum Schutz des Leibes auf pCarlsberg 906, in: M. Brose, et al. (Hrsg.), En détail – Philologie und Archäologie im Diskurs. Festschrift für Hans-Werner Fischer-Elfert, Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, Beihefte 7 (Berlin 2019), 1137-1157, hier 1138. Sie bzw. Fabian Wespi, auf den sie sich bezieht, vermutet in der zweiten Zeile eine Blattnummerierung mḥ-1.