Ostrakon Berlin P 9898

Metadaten

Aufbewahrungsort
Europa » Deutschland » (Städte A-G) » Berlin » Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Inventarnummer: P 9898

Erwerbsgeschichte

1903 von Georg Möller in Theben-West für das Museum angekauft.

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben » westliches Ufer

Wegen des Ankaufsortes Theben-West könnte eine ursprüngliche Herkunft aus dieser Region angenommen werden.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 20. Dynastie, (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 19. Dynastie

Paläographisch datiert H.-W. Fischer-Elfert das Objekt „Aufgrund der geringen Textreste nur grob in die Ramessidenzt.“ (Fischer-Elfert 2015, 319).

Textsorte
unbestimmt
Inhalt

Das Ostrakon enthält 4 fragmentarische Zeilen, die laut der Überschrift den Anfang einer Beschwörung (šn.t) (einer "bösen Geschwulst" (ḫsd-bjn) (1. Zeile)) beinhalten.

Material
Künstliche Materialien » Keramik
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Ostrakon
Technische Daten

Tonscherbe einer Gefäßschulter mit Ansatz des Halses, möglicherweise ursprünglich von einem Weinkrug (Fischer-Elfert 2015, 319). Das Ostrakon ist mit schwarzer Tinte beschrieben und hat die Maße: H × B × T: 11,5 × 12,3 × 0,5–0,9 cm (davon 5,7 cm für die Höhe des Halses). Die ursprüngliche Größe des Textträgers ist nicht auszumachen, da das Ostrakon am unteren und linken Rand nicht vollständig erhalten ist. Die Scherbe enthält noch 4 Zeilen Text auf dem konvexen Recto (ehemalige Außenseite des Gefäßes). Es handelt sich um ein Palimpsest. H.-W. Fischer-Elfert vermutet einen älteren Text oberhalb der 1. Zeile auf dem Hals, wohingegen das Palimpsest auf der Schulter angebracht ist (Fischer-Elfert 2015, 319). Die Leserichtung verläuft von rechts nach links. Der Anfang der Zeilen 1–3 ist erhalten, ebenso wie sehr geringe Spuren einer 4. Zeile. Das konkave Verso (ehemalige Innenseite des Gefäßes) ist unbeschriftet.

Schrift
Hieratisch

An drei Stellen sind schwarze Vers- oder Gliederungspunkte erhalten. Es existieren keine Rubra.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch, Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Neuägyptisch

Die erhaltenen Satzfragmente sind grammatisch und lexikalisch zu unspezifisch für eine Bestimmung der Sprachstufe. Angesichts der Datierung kommen Mittel- und Neuägyptisch in Frage. Die Orthographie von "Mädchen" sowie der Präposition ḥr im Status Constructus ist Neuägyptisch, der indirekte Genitiv und das Pseudopartizip sind Mittelägyptisch.

Bearbeitungsgeschichte

Das Ostrakon wurde 2015 von H.-W. Fischer-Elfert mit Transkription, Transliteration, Übersetzung und einer Schwarz-Weiß-Abbildung sowie einem Kommentar publiziert (Fischer-Elfert 2015, 319–322). Zuvor wurde der erste Satz bereits von W. Westendorf auf der Grundlage einer hieroglyphischen Umschrift von Posener (Posener 1972, 29, Anm. 1) transkribiert und übersetzt (Westendorf 1999, 79, 295).

Editionen

- Fischer-Elfert 2015: H.-W. Fischer-Elfert, Magika Hieratika in Berlin, Hannover, Heidelberg und München, Ägyptische und Orientalische Handschriften des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung Berlin 2 (Berlin/München/Boston 2015), 319–322.

- Posener 1972: G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh. II,3. Nos 1109–1266, Documents de Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire, 18, Fasc. 3 (Le Caire 1972), 29 (zu oDeM 1215), Anm. 1 (Hieroglyphische Umschrift von Zeile 1).

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 79, 295 (zitiert nach Posener 1972).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Ines Köhler

Übersetzung und Kommentar

oBerlin P 9898

[1] Anfang der Beschwörung der bösen Verfaulungs-Geschwulst1.
[..., indem du] verharrst auf ihm/ihr (d.h. auf dem ḫzd), indem du […] (?)
...] eines Mädchens/einer Tochter. […
[...]

1 ḫzd/ḫsd wird von T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique. Traduction intégrale et commentaire, Penser la médecine (Paris 1995) als Abzess, von H. von Deines – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. VII. Wörterbuch der medizinischen Texte, 2 Bände (Berlin 1961–1962) und von Westendorf 1999 als Geschwulst interpretiert. Im pLondon BM EA 10059 ist ḫsd mit dem Zusatz rwḏ ("festgewordene Verfaulungs-Geschwulst") belegt. Fischer-Elfert 2015, 320–321 übersetzt ebenfalls Geschwulst.
ḫzd in der Verbindung mit bjn "bösartige Verfaulungs-Geschwulst" ist ebenfalls in O DeM 1215 rto 3 belegt, s. G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh. Tome II. Nos 1109-1266, Documents de fouilles de l’Institut français d’archéologie orientale 18 (Le Caire 1951–1972), Taf. 49a und 49.