oLondon UC 31942

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
oUCL 31942, LDUCE-UC31942, oRamesseum 1+2
Aufbewahrungsort
Europa » Großbritannien » (Städte K-N) » London » Petrie Museum of Egyptian Archaeology

Inventarnummer: 31942

Digitaler Katalog

https://collections.ucl.ac.uk/Details/collect/40178 (zuletzt geöffnet am 20.02.3035)

Erwerbsgeschichte

-

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben » westliches Ufer » Ramesseum

Das Ostrakon wurde zusammen mit anderen literarischen Ostraka während J.E. Quibells Grabungen 1895-1896 im Ramesseum in den Räumen südöstlich des Tempels gefunden (Spiegelberg 1898, Introduction). Der literarische Inhalt all der dort gefundenen Ostraka führte Spiegelberg zu der Annahme, dass sich dort eine Schreiberschule befand. (Für die Frage nach deren Verhältnis zur Tempelbibliothek und/oder dem Lebenshaus vgl. die zusammenfassenden Ausführungen von Burkard 1980, 102-104.)

Datierung
von: (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 19. Dynastie bis: (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Neues Reich » 20. Dynastie

Das Abfassungsdatum wird in der Laufzeit der Schreiberschule, d.h. der 19.-21. Dynastie (Burkard 1980, 104), liegen. Der Text ist in einem ramessidenzeitlichen Hieratisch geschrieben. Die beiden Papyrusparallelen stammen aus der 20. Dynastie, die beiden Parallelen auf den Ostraka aus Deir el-Medineh lassen sich noch nicht genauer datieren. Quack datiert das vorliegende Ostrakon in seiner noch in Vorbereitung befindlichen Neubearbeitung in die späte 19. Dynastie.

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en)
Inhalt

Das Ostrakon enthält eine mythische Episode, die sich dank der Parallelen auf Papyrus Chester Beatty VII, Papyrus Turin CGT 54076/002, Ostrakon Deir el-Medineh 1591 und 1592 inhaltlich als Episode aus der Vergewaltigung des personifizierten Giftes durch – höchstwahrscheinlich – Seth und funktional als sogenannte Historiola einer magischen Beschwörung identifizieren lässt. Das heißt, hier wird die mythische Episode von der Vergewaltigung des personifizierten Giftes durch Seth angerissen, für die sich das Gift revanchierte, indem es seinerseits Seth befällt. Die Parallele des Papyrus Chester Beatty VII wird konkret im Kontext der Beschwörung von Skorpionstichen verwendet.

Auf der Rückseite des Ostrakons befinden sich Zeichnungen, s. van Dijk 1986, 33 und 47, Anm. 10. Aber ob sie einen Bezug zum Text der Vorderseite haben oder nicht, d.h. ob sie eine Vignette zum magischen Spruch darstellen, kann erst nach deren Publikation beantwortet werden.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Text wurde auf ein Ostrakon geschrieben, es handelt sich also weder um eine Sammelhandschrift noch um ein typisches Amulett, das eher aus einem Papyrusblatt bestehen würde. Es stellt sich hier wie für Texte auf ganzen Tonschalen die Frage, ob das Objekt irgendwie in der Nähe eines Betroffenen abgelegt oder angebracht wurde (das Ostrakon Leipzig ÄMUL 5251 weist bspw. ein Loch zur Aufhängung(?) auf), oder ob die Beschriftung vielleicht dafür gedacht war, abgewaschen und bei der Behandlung getrunken zu werden, s. Quack 2022, 140.

Wenn dieses Ostrakon tatsächlich aus einer Schreiberschule stammt, wäre aber natürlich auch ein Schulkontext denkbar.

Material
Künstliche Materialien » Keramik
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Ostrakon
Technische Daten

Die Tonscherbe misst 23,55 × 25,3 × 0,65 cm (H×B×T) und ist auf der Außenseite beschriftet.

Schrift
Hieratisch

-

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Neuägyptisch

Der äußerst stark fragmentierte Zustand gibt nur wenig Hinweise auf die verwendete Sprachstufe. Die Parallelen werden als mittel- bis neuägyptisch eingestuft. Der Textausschnitt des Ostrakons enthält zweimal das neuägyptische Possessivpronomen pꜣy=f und einmal den Artikel tꜣ, wobei die letztere Artikelreihe schon im späteren Mittelägyptisch vorkommt. Das Satzparadigma jw=f ḥr sḏm der ersten Zeile ließe sich mittelägyptisch wie auch neuägyptisch erklären, wobei tendenziell vielleicht eher ein neuägyptischer Narrativ vorliegt.

Bearbeitungsgeschichte

Der Text ist von Spiegelberg 1898, Taf. 1 und 1a in Faksimile und hieroglyphischer Umschrift publiziert worden. Gardiner 1935, 62 mit Anm. 8 gab in seiner Bearbeitung der Parallele auf Papyrus Chester Beatty VII eine leicht verbesserte hieroglyphische Umschrift der ersten beiden Zeilen, die aber nur auf dem publizierten Faksimile und nicht auf dem Original beruht. Ein Foto (der Vorderseite) ist bislang nur bei Barbotin 2016, 179 und auf der Website des Petrie Museums publiziert. Davon abgesehen wird das Ostrakon auch in Bearbeitungen der Parallelen bzw. in Studien zu diesem magischen Spruch und/oder zu Anat berücksichtigt, meist aber nur am Rande, und meist nur die beiden ersten Zeilen, weil der Rest von den Parallelen abweicht. Zu den ausführlicheren Referenzen gehören Roccati 1972, und Schneider 2004, 620-621. Quack bereitet derzeit eine synoptische Neubearbeitung und gründliche Neuinterpretation des Mythos vor.

Editionen

- Chr. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – Chr. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179.

- W. Spiegelberg, Hieratic Ostraca and Papyri Found by J. E. Quibell in the Ramesseum, 1895-6, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2*] (Sonderband) (London 1898), Taf. 1 und 1a.

- Th. Schneider, Texte über den syrischen Wettergott aus Ägypten, in: Ugarit-Forschungen 35, 2004, 605-627, hier 620-621.

Literatur zu den Metadaten

- Barbotin 2016: C. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – C. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179.

- Burkard 1980: G. Burkard, Bibliotheken im alten Ägypten. Überlegungen zur Methodik ihres Nachweises und Übersicht zum Stand der Forschung, in: Bibliothek: Forschung und Praxis 4 (2), 1980, 79-115.

- Gardiner 1935: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. Bd. 1. Text (London 1935).

- Quack 2022: J. F. Quack, Altägyptische Amulette und ihre Handhabung, Orientalische Religionen in der Antike 31 (Tübingen 2022).

- Roccati 1972: A. Roccati, Une légende égyptienne d’Anat, in: Revue d’égyptologie 24, 1972, 152-159.

- Schneider 2004: T. Schneider, Texte über den syrischen Wettergott aus Ägypten, in: Ugarit-Forschungen 35, 2004, 605-627.

- Spiegelberg 1898: W. Spiegelberg, Hieratic Ostraca and Papyri Found by J. E. Quibell in the Ramesseum, 1895-6, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2*] (Sonderband) (London 1898).

- van Dijk 1986: J. van Dijk, ꜤAnath, Seth and the seed of Prēꜥ, in: F. Leemhuis, et al. (Hrsg.), Scripta signa vocis. Studies about Scripts, Scriptures, Scribes, and Languages in the Near East, Presented to J. H. Hospers by his Pupils, Colleagues, and Friends (Groningen 1986), 31-51.

Online-Ressourcen

- https://collections.ucl.ac.uk/Details/collect/40178 (zuletzt geöffnet am 20.02.2025)

Autoren
Dr. Lutz Popko
Autoren (Metadaten)
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

Recto: Historiola zu einem magischen Spruch (?) mit Legende der Anat

[rt. 1] Er besprang sie, wie ein Stier bespringt. Er penetrierte sie, wie ein [Widder] penetriert.1 Dann hielt [das Gift(?)]2 seinen Kopf nieder (oder: dann verdrehte3 [das Gift(?)] seinen Kopf), um (es/ihn?) in Augenschein zu nehmen.4 Der [---]5 liegt/legte6 sich auf sein(?)7 B[ett, weil er krank war].8 (?) [Und (o.ä.)] er fiel auf den Boden. Da hörte9 Neith, die Herrin von Sais (?)10 [---].11 [---] Schriftstück am Himmel, während es seinen zwei Sichtweisen/Versionen12 unterliegt, erschreckend (?) [---] [rt. 5][---] auf seiner Rückseite, die andere auf seiner Vorderseite;13 [das Gift] wurde eingefangen. Dann [---] [---] bekleidet14 [---] jede/Herrin beim Aussprechen [---]15 [---]16

Verso: Zeichnungen

(unpubliziert)17

1 ꜥmq=s ⟨ꜥ⟩mq: Die Parallelen bieten:
(1) pChester Beatty VII, vso 1,6-7: jw=f ḥr ꜥmq=st mj ꜥ[mq] [kꜣ].
(2) oDeM 1591,4-6: [jw=f ḥr pꜣi̯=st (…)], ꜥmq[=st m ꜥmq ---] n rhn.j.
(3) oDeM 1592, 3: [jw=f ḥr ꜥmq=s mj] ꜥmq (n) kꜣ.
(4) Stärker abweichend pTurin CGT 54076/002, rto 3-4: ꜥḥꜥ ꜥ[mq]=st m ꜥm[q --- n] rhn.j, A. Roccati, Une légende égyptienne d’Anat, in: Revue d’égyptologie 24, 1972, 152-159, hier, Taf. 14 und S. 155, https://papyri.museoegizio.it/o/402003 (Login nötig).
Die Parallelen zeigen, dass das Wort mꜥq auf dem Londoner Ostrakon ebenfalls als ꜥmq zu verstehen ist. Da die erste Zeichengruppe als Ligatur aus m-Eule über Arm geschrieben ist, wird hier eine Korrektur zu ⟨m ꜥ⟩mq einer Korrektur zu m ꜥ⟨m⟩q vorgezogen.

2 Quack (E-Mail vom 26.11.2024) erkennt am Ende von Zeile 1 noch Spuren von jw ⸢tꜣ mt⸣[.wt]. Auf den von Catriona Wilson (Petrie Museum, UCL) zur Verfügung gestellten Schnappschüssen ist nur noch ein Zeichen erkennbar, das ein Schilfblatt sein könnte, danach scheint das Ostrakon abzubrechen. Der in Zeile 2 folgende Satzrest erfordert aber dessen ungeachtet ein Subjekt.

3 dr kann hier kaum die Bedeutung „beseitigen, vertreiben“ haben, die im Zusammenhang mit Krankheiten und ähnlichen negativen Erscheinungen die naheliegende ist. Möglicherweise liegt hier eine Bedeutung vor, die der von Assmann vorgeschlagenen Grundbedeutung „niederhalten“ (J. Assmann, Wort und Text. Entwurf einer semantischen Textanalyse, in: Göttinger Miszellen 6, 1973, 9-32, hier 14) nähersteht. Quack (E-Mail vom 26.11.2024) denkt dagegen eher an die Bedeutung „verdrehen“ und vermutet, dass hier das Giftmädchen seinen Kopf verrenken muss, um Seth, der sie von hinten bespringt, in Augenschein nehmen zu können.

4 r mḥ: Lesung nach einem Vorschlag von Quack (E-Mail vom 26.11.2024). 

5 pꜣ ⸢⸮___?⸣: W. Spiegelberg, Hieratic Ostraca and Papyri Found by J. E. Quibell in the Ramesseum, 1895-6, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2*] (Sonderband) (London 1898), Taf. 1a dachte an pꜣ-wn: „denn“, gefolgt von einem tlw. zerstörten Götternamen. Von Letzterem ist noch der Klassifikator, der Falke auf Standarte, erkennbar. Zumindest in der Lesung pꜣ-wn dürfte ihm wohl C. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – C. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179 gefolgt sein, wenn er übersetzt: „(…) étant donné qu’elle était couchée sur leur […]“. Ein Pronomen der 3. Person Singular lässt sich aber in den Zeichenresten nicht erkennen. A.H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. Bd. 1. Text (London 1935), 62, Anm. 8 vermutet die Krokodilschuppe (Gardiner Sign-list I6) anstelle von Spiegelbergs wn, und in dem von Spiegelberg nicht transkribierten Zeichen vor dem Götterklassifikator vermutet er ein Tierfell (beides mit Fragezeichen versehen). Darauf basiert Schneiders Vorschlag „Der Schwarze schläft auf ihrem […]“ (T. Schneider, Texte über den syrischen Wettergott aus Ägypten, in: Ugarit-Forschungen 35, 2004, 605-627, hier 621). Wenn die hier vorgeschlagene Rekonstruktion des Satzendes korrekt ist, muss in jedem Falle eine Bezeichnung des Seth vorliegen.

7 sḏr: Aufgrund der Zerstörungen und des nicht sicher zu lesenden Satzbeginns bleibt unklar, ob das Verb progressiv ((ḥr) sḏr) oder stativisch (sḏr(.w)) zu übersetzen ist. Ferner ist unsicher, ob vom „Schlafen“ oder vom reinen „Liegen“ die Rede ist.

8 pꜣy=⸢⸮f?⸣ ⸮ḥ[tj]?: Spiegelberg und Gardiner lasen pꜣy=w. Ob Spiegelbergs und Gardiners w-Schleife eigentlich eher ein f mit heute zerstörtem Schwanz ist, und ihre Pluralstriche eigentlich ein ? Dann könnte die hier vorgeschlagene Phrase gestanden haben, vergleichbar zu pChester Beatty VII vso 1,7-8. Hier wäre dann gegenüber pChester Beatty VII der Satz ausgefallen, dass „Giftsame“ an die Stirn des Seth gesprungen wäre.

9 jri̯.n: Die Zeichengruppe, die Spiegelberg und Barbotin als rn lesen, sieht auf den Fotos des Petrie Museums eher wie ein Auge über n an. Das macht wiederum Gardiners Lesung des Götternamens als Neith (A.H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. Bd. 1. Text (London 1935), 62, Anm. 8) wahrscheinlicher.

10 nb …: Das Wort nach nb ist nicht mit Sicherheit zu identifizieren. Ein Ortsname liegt nahe, und Gardiner, a.a.O. denkt an Sais, wobei seine Lesung sicherlich auch durch die Lesung des Götternamens zuvor als Neith beeinflusst ist.

11 C. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – C. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179 übersetzte die Zeile mit: „il descendit en séparant la nourrice, dame de [ ?]“. Er liest das Wort vor dem Verspunkt demzufolge als jwd: „trennen“, und der Beginn mit dem Böckchen sowie das Wortende mit den laufenden Beinchen (?; alternativ ist auch das Kuhohr denkbar) legen diese Interpretation tatsächlich nahe. Allerdings ist die Zeichengruppe dazwischen unklar, und trotz der Unklarheit ist eine Lesung des ersten Zeichens als d ausgeschlossen, weil es dafür links viel zu rund ist. Quack (E-Mail vom 26.11.2024) schlägt eine Ergänzung zu jwtn vor. Das Zeichen hinter dem Verspunkt hält er für die laufenden Beinchen oder das Kuhohr und vermutet, dass sḏm intendiert war, das in dem ähnlich formulierten Satz in der Version von pPhiladelphia CG 2006-4-1 rto (D.P. Silverman – J.H. Wegner, A Late Egyptian Story in the Penn Museum, in: Z.A. Hawass – J.E. Richards (Hrsg.), The Archaeology and Art of Ancient Egypt. Essays in Honor of David B. O’Connor, Vol. 2 2, Supplément aux Annales du Service des Antiquités de l’Egypte 36.2 (Le Caire 2007), 403-424) steht.

12 Eigentlich das Wort „Gesicht“. Zur Bedeutung „Sichtweise“ s. J. Černý, Late Ramesside Letters, Bibliotheca Aegyptiaca 9 (Bruxelles 1939), 62.6 = E.F. Wente, Late Ramesside Letters, Studies in Ancient Oriental Civilization 33 (Chicago 1967), 75 und 76, Anm. c sowie D.P. Silverman – J.H. Wegner, A Late Egyptian Story in the Penn Museum, in: Z.A. Hawass – J.E. Richards (Hrsg.), The Archaeology and Art of Ancient Egypt. Essays in Honor of David B. O’Connor, Vol. 2 2, Supplément aux Annales du Service des Antiquités de l’Egypte 36.2 (Le Caire 2007), 403-424, hier 414, col. X+2:2.

12 Lesung der Wortreste vor dem ersten erhaltenen Verspunkt der Zeile nach einem Vorschlag von Quack (E-Mail vom 26.11.2024). C. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – C. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179 übersetzt: „un autre sur l’aile“. Die Zeichen hinter ḏnḥ ergeben jedoch keinen Flügel, die als Klassifikator für das Substantiv „Flügel“ nahezu obligatorisch sind. Vgl. die Form bei dem zweimaligen pwy in der ersten Zeile. Daher sollte man eher an das Verb denken (bestätigt durch Quack, a.a.O.); der erste Klassifikator könnte ein schlagender Arm sein. Die Lesung der Zeichen dahinter folgt ebenfalls Quack, a.a.O.

13 So bereits W. Spiegelberg, Hieratic Ostraca and Papyri Found by J. E. Quibell in the Ramesseum, 1895-6, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2*] (Sonderband) (London 1898), Taf. 1a und C. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – C. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179, bestätigt auf den Fotos des Petrie Museums. Die Zeichenreste davor sind noch unklar. Quack (E-Mail vom 26.11.2024) liest ḥꜣ ḥbs=s: „hinter ihren Kleidern“.

14 W. Spiegelberg, Hieratic Ostraca and Papyri Found by J. E. Quibell in the Ramesseum, 1895-6, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2*] (Sonderband) (London 1898), Taf. 1a und C. Barbotin, Seth et Ânat, in: A. Charron – C. Barbotin (Hrsg.), Khâemouaset, le prince archéologue. Savoir et pouvoir à l’époque de Ramsès II (Arles, Gand 2016), 179 haben die Zeichenreste als nb.t ḥr mḥ: „toute, en train d’emplir“ gelesen. Das nb.t ist deutlich; es scheint ein Nachtrag über der Zeile zu sein. Der Rest ist fraglich: Der Bogen und die Größe der Öffnung spricht eher gegen mḥ. Quack (E-Mail vom 26.11.2024) liest auf Basis der Parallele auf pPhiladelphia CG 2006-4-1 rto ( D.P. Silverman – J.H. Wegner, A Late Egyptian Story in the Penn Museum, in: Z.A. Hawass – J.E. Richards (Hrsg.), The Archaeology and Art of Ancient Egypt. Essays in Honor of David B. O’Connor, Vol. 2 2, Supplément aux Annales du Service des Antiquités de l’Egypte 36.2 (Le Caire 2007), 403-424) ḥr dm.

15 Quack (E-Mail vom 26.11.2024) liest m ḥm.t b〈n〉d m ꜥḥꜣ[.wtj]: „[indem du gegürtet bist] als Frau, und eingewickelt als Mann?“.

16 S. die kurze Bemerkung von J. van Dijk, ꜤAnath, Seth and the seed of Prēꜥ, in: F. Leemhuis, et al. (Hrsg.), Scripta signa vocis. Studies about Scripts, Scriptures, Scribes, and Languages in the Near East, Presented to J. H. Hospers by his Pupils, Colleagues, and Friends (Groningen 1986), 31-51, hier 33 und 47, Anm. 10.