Gefäß Privatsammlung Ibrahim Harari (Kairo)

Metadaten

Schlagwörter
Aufbewahrungsort
(unbekannt)

Ehemals (?) Privatsammlung Ibrahim Harari, Kairo

Erwerbsgeschichte

Unbekannt.

Herkunft
(unbekannt)

Genauere Daten zum Ankauf oder zur Provenienz sind nicht bekannt.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Spätzeit » 27. Dynastie, (Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Spätzeit » 26. Dynastie

S. Sauneron datiert die Aufschrift auf dem Gefäß aufgrund paläographischer Indizien in die Saitenzeit bzw. in die erste Perserzeit (Sauneron 1958, 161). Für das Gefäß selbst liegt keine Datierung vor. Die Angabe "Vase der Spätzeit" bei Quack (1999, 146) beruht auf der Datierung der Aufschrift.

Textsorte
Rezept(e)
Inhalt

Auf einem kleinen zylindrischen Keramik-Gefäß aus feinem Ton, vermutlich mit einem rötlichen Schlick überzogen, findet sich eine Zeile in hieratischer Schrift mit einem Rezept für eine Augensalbe, sowie einer Applikationsanweisung mit oder in einem Verband (Sauneron 1958, 157–158). Dass es sich konkret um eine Augensalbe handelt, kann nur aus den Zutaten, vor allem dem ḥtm-Mineral, erschlossen werden.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Vermutlich stammt das Stück aus dem Besitz einer Privatperson und somit handelt es sich um ein Zeugnis der praktischen Anwendung von Heilmitteln in der Augenheilkunde.

Material
Künstliche Materialien » Keramik
Objekttyp
Artefakt » Geräte & Instrumente » Toilettenutensilien » Schminkgefäß
Technische Daten

Leider sind keine konkreten Maße oder eine detaillierte Beschreibung oder ein Foto des Gefäßes publiziert. Nur die allgemeine Form „petit vase cylindrique“ und das Material „poterie rose très fine“ sind überliefert. Falls das Faksimile bei Sauneron (Sauneron 1958, 158) in realer Größe abgedruckt ist, beträgt die Länge der umlaufenden Inschrift 13,9 cm, d.h. der Durchmesser des Gefäßes ist größer als 4,5 cm.

Schrift
Hieratisch

Die Leserichtung verläuft von rechts nach links. Der Text ist in schwarzer Tinte außen um das Gefäß umlaufend geschrieben. Sauneron beschreibt die Schrift als „un peu raide et artificiel“ (Sauneron 1958, 158), aber es wird sicherlich nicht einfach gewesen sein, einen fließenden Text auf dem umlaufenden Untergrund zu schreiben.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch

Der Text ist zu kurz, um eine sprachliche Einordnung zu ermöglichen. Jedenfalls liegen weder orthographisch-morphologische noch grammatische Formen vor, die gegen die gängige Verfassung solcher Rezepte in mittelägyptischer Sprache sprechen.

Bearbeitungsgeschichte

S. Sauneron publizierte die hieratische Inschrift 1958 mit einem Faksimile, Hieroglyphen-Transkription sowie einer Übersetzung und philologischem Kommentar (Sauneron 1958, 157–161).

Editionen

- Sauneron 1958: S. Sauneron, Une recette égyptienne de collyre, in: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale 57, 1958, 157–161.

Literatur zu den Metadaten

- Quack 1999: J. F. Quack, Ein neues medizinisches Fragment der Spätzeit (pAshmolean Museum 1984.55 rt.), in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 126, 1999, 141–149 und Taf. 13, hier: 146.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Anke Ilona Blöbaum

Übersetzung und Kommentar

Ähnliche Gefäße (Becher, engl. beaker) mit demotischer oder hieratischer Beschriftung sind im Zusammenhang mit Einbalsamierungsmaterialien bezeugt:
L. Bareš – K. Smoláriková, Abusir XXV. The shaft tomb of Menekhibenekau I: Archaeology (Prague 2011), 99–178.
F. Scalf, An Embalmer’s Bowl with Demotic Inscription (Oriental Institute Museum E9115), in: R. K. Ritner (Hrsg.),  Essays for the Library of Seshat. Studies presented to Janet H. Johnson on the Occasion of Her 70th Birthday, Studies in Ancient Oriental Civilization 70 (Chicago 2017), 311–323.

„Stechholz“, Blätter der Akazie, ḥtm-Mineral1, Gänsefett2: werde damit verbunden.

1 ḥtm: Bei ḥtm (Wb 3, 199.1–2) handelt sich um eine bisher noch nicht eindeutig identifizierte mineralische Substanz, die häufig in Verbindung mit msdm.t-Augenschminke ebenso wie in dem hier vorgelegten Text als Bestandteil von Heilmitteln in der Augenheilkunde belegt ist, s. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 384; J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für Orientforschung, Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 176–178. Die Substanz ist ebenfalls schon seit den Pyramidentexten (PT 57) als Material für ḥnw.t-Töpfe bezeugt, Wb 3, 199.3. Der Vorschlag von Balcz, die beiden Bezeichnungen als unterschiedliche Lemmata aufzufassen und die Materialangabe ḥsꜣ zu lesen (H. Balcz, Die Gefässdarstellungen des Alten Reiches, Mitteilungen des Deutschen Instituts für Ägyptische Altertumskunde in Kairo 3, 1932, 75), ist abzulehnen, da die Lesung ḥtm mittlerweile durch ausführlich geschriebene Belege in den Abusir-Papyri (pLouvre E 25280, h3; pBM 10735, frame 12, l1, frame 17, h3; pBerlin 15732) gesichert ist, s. P. Posener-Kriéger – J. L. de Cenival, The Abu Sir papyri. Hieratic papyri in the British Museum 5 (London 1968), Taf. 21, 22, 24 [A], 89 [B]; J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für Orientforschung, Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 177).
Die Nähe zu msdm.t „schwarze Augenschminke: Bleiglanz/Galenit“ (Wb 2, 153.8–15; J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für Orientforschung, Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 174–176) und gsfn „ein mineralischer Stoff?“ (Wb 5, 206.9–11; P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1112) ließ Brugsch (H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 869) davon ausgehen, dass es sich mindestens um ähnliche, aber vermutlich eher um „durchaus identische“ Substanzen handeln müsse. Dies widerspricht allerdings dem Befund in den medizinischen Texten, wo die Begriffe zum Teil in Kombination Verwendung finden (z.B. Eb 367, 388, 391: msdm.t und ḥtm), was keinen Sinn ergeben würde, wenn es sich um reine Synonyme handelte. Lüring (Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 90–91) verbindet den Begriff ḥtm mit griech. καδμ(ε)ία, lat. cadmia „Galmei“. „Galmei“ ist im Deutschen eine allgemeine Sammelbezeichnung für nicht sulfidische Zinkerze, in der Hauptsache Zinkspat (Zinkkarbonat) und Kieselzinkerz (Zinksilikat), die sekundär durch Metasomatose aus sulfidischer Zinkblende entstanden sind. Man unterscheidet den sog. Felsgalmei, der fest, stückig und kompakt auftritt, von einer durch Verwitterung entstandenen erdigen Variante, die entsprechend als „Erdgalmei“ bezeichnet wird. Die antike Bezeichnung „Kadmia“ fasst das natürlich vorkommende Erz sowie ein hergestelltes Produkt, das bei der Verhüttung von Kupfer entsteht, zusammen. Bei dem Produkt (Ofenbruch) werden zudem verschiedene Varietäten unterschieden. Als „Ofenbruch“ werden im Allgemeinen Schlacken bezeichnet, die sich im Inneren des Schmelzofens ansetzen; in diesem Fall handelt es sich um ein unreines Zinkoxyd, das sich nach dem Schmelzvorgang von Zinkerzen in unterschiedlicher Konsistenz an den Wänden des Ofens findet. Eine zusammenfassende Beschreibung dieser Varietäten, ihrer Herstellung sowie Verwendung nach antiken Quellen (v.a. Plinius und Dioscurides) findet sich in den Erläuterungen zu Buch VI der Celsus-Übersetzung von Scheller/Frieboes aus dem Jahr 1906 (Cornelius Celsus, Über die Arzneiwissenschaft in 8 Büchern. Übersetzt und erklärt von Eduard Scheller. Nebst vollständigem Register und Bicarris Briefe über Celsus. Nach der Textausgabe von Daremberg von Walter Frieboes neu durchgesehen und mit einem Vorwort von R. Kobert versehen, 2. Auflage (Braunschweig 1906), 611). Lüring (Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 90–91) begründet seinen Vorschlag zum einen mit der lautlichen Ähnlichkeit der beiden Begriffe, wobei er die Auffassung vertritt, dass das griechische Wort aus dem Ägyptischen entlehnt sein könnte. Zum anderen auch mit einer vergleichbaren Verwendung in der Augenheilkunde, für die er Angaben von Dioscurides (De materia medica V, 74) heranzieht. Joachim (Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), 89–90, 94, 138, 173) folgt dieser Zuweisung. Chassinat (Un papyrus médical copte, Memoires de l’Institut francais d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 131–132) diskutiert den damaligen Forschungsstand und kommt zu dem Schluss, dass es sich bei ḥtm nicht um das natürlich vorkommende Erz, sondern um eine Varietät des Ofenbruchs handeln müsse. Sauneron (1958, 159–160) fokussiert in seiner Diskussion des Begriffs auf die enge Beziehung zu msdm.t „Bleiglanz“ und vermutet daher, dass es sich mindestens um ein ähnliches Mineral, wenn nicht sogar lediglich um ein simples Synonym der Bezeichnung handeln müsse. Dementsprechend übersetzt er ḥtm mit „galène“. Harris (Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für Orientforschung, Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 178) schließt Galmei und Ofenbruch nicht aus, spricht sich jedoch mit Hinweis auf chemische Analysen von Augenschminke (A. Lucas, Ancient Egyptian Materials (London/New York 1926), 80–81), bei denen nur in sehr geringem Umfang Zinkverbindungen nachgewiesen werden konnten, für Manganoxid aus, das immerhin in ca. 10 % der untersuchten Proben vorkam und so nach Bleiglanz, das in mehr als 60 % der Proben nachgewiesen wurde, die zweithäufigste Substanz darstellt. Hierauf rekurrieren die Angaben bei R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.) – Marburger Edition –, Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 614, Nr. {22285}: „ein Mineral (*Manganoxid; *Kadmeia, Ofenbruch: e. bei der Verhüttung des Kupfers gewonnenes Zinkoxyd)“. Schwierigkeiten macht bei dieser Zuweisung allerdings die Verwendung von ḥtm als Material für ḥnw.t-Gefäße. Zinkgefäße wären vorstellbar, aber nicht belegt (J. R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für Orientforschung, Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 178), die Verwendung von Mangan zur Herstellung von Gefäßen ist ebenfalls nicht nachgewiesen. Harris (Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für Orientforschung, Veröffentlichung 54 (Berlin 1961), 178) vermutet daher, dass es sich eventuell zunächst um zwei verschiedene Begriffe gehandelt haben könnte, die ab einem bestimmten Zeitpunkt miteinander verwechselt worden sind und dann zu einem Begriff zusammengefallen sein könnten. Diese Auffassung lehnt Posener-Kriéger ab und adaptiert daher für die Belege der Abusir-Papyri (Pap. d’Abousir, 165–166, mit Anm. 1) die Lesung „galène“ (= Bleiglanz) von Sauneron. Auch Eichler (Untersuchungen zum Expeditionswesen des ägyptischen Alten Reiches, Göttinger Orientforschungen, 4. Reihe: Ägypten 26 (Wiesbaden 1993), 296) vertritt die Auffassung, dass es sich bei den aus ḥtm hergestellten ḥnw.t-Töpfen um mit Bleiglanz überzogene Gefäße handeln müsse. Eine Abgrenzung zu msdm.t diskutiert er nicht, ebenso wenig wie das Kern-Material der Gefäße. Aufrère (L'univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d'étude 105, 2. Band (Le Caire 1991), 586), schließlich, vertritt die Auffassung, dass es sich bei ḥtm und msdm.t um unterschiedliche Substanzen handeln muss, und übersetzt ḥtm mit „calamine“ ohne dies näher auszuführen.
2 mrḥ.t ꜣpd: „Gänsefett“ H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 245–260; Zur Bezeichnung und Lesung von Vogelfett mit dem generischen Vogel-Klassifikator, s. Popko, in: Glossar, Gänsefett.