Papyrus Berlin P 23030

Metadaten

Wissensbereiche
Aufbewahrungsort
Europa » Deutschland » (Städte A-G) » Berlin » Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Inventarnummer: 23030

Digitaler Katalog

https://smb.museum-digital.de/object/6202 (zuletzt geöffnet am 01.04.2025)

Erwerbsgeschichte

Durch Fundteilung nach Berlin gelangt, s. https://elephantine.smb.museum/objects/object.php?o=100414.

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Assuan » Elephantine

Aus den Grabungen von Rubensohn, Kaiser 1967, 123.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Griechisch-Römische Zeit

Bidoli et al. (s. Kaiser 1967, 123, Nr. 1114; die Autoren, die für den Abschnitt zu den Papyri verantwortlich sind, sind aufgelistet auf S. 5) geben an: „Spätzeit, vielleicht 2. Jh. v. Chr.“. Diese Datierung übernehmen Burkard – Fischer-Elfert 1994, 133, Nr. 197.

Textsorte
Rezitation(en) » Beschwörung(en), Liste
Inhalt

Der Text der Vorderseite ist in der 1. Person verfasst und schreibt dem Autor gewisse magische Fertigkeiten zu. Die Fähigkeit, Köpfe anknüpfen zu können, erinnert an die Märchensammlung des Papyrus Westcar vom Ende der 2. Zwischenzeit, konkret an die Geschichte um den Zauberer Djedi, der diese Zauberkunst beherrscht (pWestcar, Zeile 8,12-23).

Material
Organisch » Faser, Pflanzliche und Tierische » Papyrus
Technische Daten

Das Papyrusfragment ist laut Inventarbuch 6 cm hoch und 5,5 cm breit, s. Kaiser 1967, 123; laut https://recherche.smb.museum/detail/808592 betragen die Abmessungen 6 cm Höhe und 5,7 cm Breite.

Das Fragment ist an allen vier Seiten abgebrochen. Die beiden waagerechten Linien über der ersten erhaltenen Zeile dürften den oberen Seitenrand markieren, s. Burkard – Fischer-Elfert 1994, 133

Schrift
Hieratisch, Hieroglyphen

Die Vorderseite enthält einen Text in „sorgfältige[n] Hieroglyphen der Spätzeit“, Burkard – Fischer-Elfert 1994, 133. Auf der Rückseite sind hieratische oder demotische Reste einer einzigen Textzeile erhalten.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch

Die Satzfragmente sind nicht signifikant genug für eine genauere Eingrenzung der Sprachstufe.

Bearbeitungsgeschichte

Der Papyrus wurde mit kurzer Beschreibung, einigen technischen Daten und einem Foto der Vorderseite in Kaiser 1967, 123, Nr. 1114 aufgenommen. Der Katalogteil zu den Papyri stammt von D. Bidoli, P. Zauzich (fehlerhaft für K.-Th. Zauzich?), H. Maehler, H. Satzinger, Z. Shunnar, s. Kaiser, a.a.O., 5. Burkard – Fischer-Elfert 1994, 198, Nr. 197 gaben erneut technische Daten, eine Abschrift der Hieroglyphen und eine ägyptologische Umschrift. Eine grundlegende Edition steht noch aus.

Editionen

- Burkard – Fischer-Elfert 1994: G. Burkard – H.-W. Fischer-Elfert, Ägyptische Handschriften. Teil 4, Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland 19 (Stuttgart 1994).

- Kaiser 1967: W. Kaiser, Ägyptisches Museum Berlin. Östlicher Stülerbau am Schloss Charlottenburg (Berlin 1967).

Online-Ressourcen
Autoren
Dr. Lutz Popko
Autoren (Metadaten)
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

pBerlin P 23030

[rto 1][---] Ich bin einer, der einen abgeschnittenen Kopf (wieder) anknüpfen kann … [---] [rto 2][---]. Ich bin einer, der [---] unterdrückt [---] [rto 3][---] Schreiber des Königs, Zauberer [---] [rto 4][---] … (?) [---] [vso][---]

1 Über der Zeile sind zwei waagerechte Linien erhalten, die den oberen Seitenrand markieren, s. G. Burkard – H.-W. Fischer-Elfert, Ägyptische Handschriften. Teil 4, Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland 19 (Stuttgart 1994), 133.

2 Die Interpretation der letzten erhaltenen Zeichengruppe ist unsicher. G. Burkard – H.-W. Fischer-Elfert, Ägyptische Handschriften. Teil 4, Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland 19 (Stuttgart 1994), 133 transkribieren nḥmw, und Lepper/Grünhagen/Härtel verstehen dies als Schreibung des Verbs nḥm: „take away“, https://elephantine.smb.museum/objects/object.php?o=100414#Text. Die Schreibung mit Pluralstrichen unter dem ḥm spricht aber gegen ein einfaches Verb. Könnte es ein Partizip sein? Oder der Plural des Substantivs nḥm: „Retter“? Oder muss man die Zeichen komplett anders interpretieren? Könnte es auch n ḥm.w(t) sein, etwa: „(abgeschnittene Köpfe) der Frauen“, „(Köpfe, die) von den / wegen der Frauen (abgeschnitten wurden)“? Die Zerstörungen des Papyrus erschweren die Interpretation des Kontextes der Rede.

3 Eine Zeile auf der Rückseite des Papyrus, etwa auf Höhe von Zeile 1 des Rectos. Der Papyrus wurde über die vertikale Achse gedreht, d.h. die Oberkante des Rectos ist auch die Oberkante des Versos. Die Zeichenreste können aber nicht mehr sinnvoll gelesen werden. Unter der Zeile befindet sich unbeschrifteter Papyrus.