Papyrus Ramesseum XIII

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
Papyrus London BM EA 10766 Papyrus Ramesseum 13 TM 380847
Aufbewahrungsort
Europa » Großbritannien » (Städte K-N) » London » British Museum

Inventarnummer: BM EA 10766

Erwerbsgeschichte

Der Papyrus wurde 1896 bei den von der British School of Archaeology in Egypt finanzierten und von W. M. Flinders Petrie und J. E. Quibell durchgeführten Grabungen im Ramesseum gefunden. 1956 wurde er zusammen mit einem größeren Konvolut der Ramesseumspapyri von der British School of Archaeology in Egypt und von A. H. Gardiner, dem die Bearbeitung übertragen worden war, an das British Museum in London gestiftet (ausführlich zur Erwerbungs- und Bearbeitungsgeschichte siehe u.a. Leach 2006, 225–227; Gardiner 1955, 1–6).

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben » westliches Ufer » Ramesseum

Der Papyrus wurde von J. E. Quibell im Jahre 1896 innerhalb des Ramesseums am Fuße eines bereits geplünderten Grabschachts gefunden (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3–4, Taf. 1–3; Parkinson 1991, XI–XIII, XXVI–XXVIII; Parkinson 2009, 139–140). Dieser Grabschacht gehört zu einer Nekropole aus der Zeit des Mittleren Reiches bis zum Anfang der 18. Dynastie (Leblanc 2005, 33–34; Nelson 2006, 115–117, 127; Parkinson 2009, 139–140), die in der 19. Dynastie durch den Totentempel („Millionenjahrhaus“) Ramses’ II. überbaut wurde. Der Schacht, in dem die Papyri gefunden wurden, liegt laut Quibell unter einem der Ziegelmagazine an der Nordwest-Ecke des Ramesseums (Parkinson 2009, 139–140), unter Magazin 5 auf dem Plan von Quibell (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, Taf. 1), nach heutiger Zählung STI.SA.08. Eine exakte Lokalisierung innerhalb dieses Magazins ist bislang nicht gelungen, da der Fundort auf dem Plan von Quibell nicht eindeutig verzeichnet ist und mehrere Schächte in Betracht kommen (eine vergebliche Suche bei Nelson 2006). Laut einer neu entdeckten Notiz von Newberry aus dem Jahr 1938 (Downing – Parkinson 2016), der bei der Auffindung der Papyri zugegen war, befand sich der Schacht im beschrifteten Korridor des Grabes des Sehetepibre (Porter – Moss 1964, 679), der unter den Magazinräumen 5–7 des Ramesseums nach dem Plan von Quibell läuft, nach heutiger Zählung unter STI.TR bis STI.SA.08. Sollte dies zutreffen (Newberry widerspricht dezidiert Quibell [Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3], der den Papyrus-Schacht nicht mit diesem Grab verbindet), kann der Schacht oder sein Inhalt schwer zum ursprünglichen Grab des Sehetepibre gehört haben, denn Letzteres wird früher datiert als das Papyruskonvolut, d.h. der Priester (ḥm-nṯr) Sehetepibre kann nicht der ursprüngliche Eigentümer der Ramesseumspapyri gewesen sein (Downing – Parkinson 2016, 40–41). Eine neue archäologische Untersuchung des Grabes des Sehetepibre wäre erforderlich, um Klarheit zu bekommen.
Der Papyrus befand sich zusammen mit 23 weiteren Papyri und einem Bündel Schilfrohr in einer Holzkiste (Auflistung der Papyri bei Parkinson 2009, 151–153, Tab. 6.1) auf dem Boden des Schachtes. Die Papyri enthalten medizinische, medico-magische und magische Texte, aber auch literarische Texte (z.B. Beredter Bauer und Sinuhe), liturgische Texte (z.B. Dramatischer Ramesseumspapyrus und Sobek-Hymnus) sowie administrative Texte wie die Semna-Dispatches. Heute ist dieses Papyruskonvolut auf das British Museum in London und das Ägyptische Museum und Papyrussammlung in Berlin verteilt. Das Schilfrohrbündel, bei dem es sich um Rohmaterial für Schreiberbinsen handelt, wird im Manchester Museum aufbewahrt (Inv.-Nr. 1882). Der Verbleib des Holzkastens, der mit weißem Stuck überzogen und mit der Zeichnung eines Schakals dekoriert war (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3), ist unbekannt (z.B. Leach 2006, 225, Anm. 2). Hermann 1957, 113, Anm. 1 erwähnt eine Nachricht von Anthony J. Arkell, dem damaligen „honorary curator“ der Petrie Collection, dass dieser Kasten vermutlich mit den anderen Objekten von Flinders Petrie in der Sammlung des University College London liegen könnte: Flinders Petrie hatte im Jahr 1913 seine Sammlung dem University College London verkauft (https://www.ucl.ac.uk/culture/node/21/about, letzter Zugriff: 03.07.2020), und nachdem sie im 2. Weltkrieg ausgelagert worden war, widmete sich Arkell Anfang der 1950er Jahre dem Auspacken, Katalogisieren und Ausstellen der Objekte (s. Smith 1981, 146). Die Sammlung war daher Hermann noch nicht zugänglich (s. Hermann 1957, 113, Anm. 1) und die Verifizierung dieser Vermutung steht noch aus.
Weiterhin wurden verschiedene magische Gegenstände im Schacht gefunden. Ein Überblick der Fundsituation findet sich bei Geisen 2018, 2–7; eine Auflistung der von Quibell genannten Objekte mit ihren modernen Inventarnummern findet sich ferner auch schon bei Parkinson 1991, XII–XIII und Kemp – Merrillees 1980, 166.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Zweite Zwischenzeit » 13. Dynastie

Die Datierung des Papyrus basiert zum einen auf der Einordnung des archäologischen Fundkontextes, zum anderen auf text- bzw. konvolutinteren Überlegungen. Die Nekropole, in der das Konvolut gefunden wurde, kann in das Mittlere Reich und die frühe Zweite Zwischenzeit datiert werden (Leblanc 2005, 33–34; Nelson 2006, 115–116; Parkinson 2009, 71). Über die im Grabschacht gefundenen Objekte ist keine chronologische Eingrenzung möglich, da viele dieser Gegenstände in Bestattungen des späten Mittleren Reiches gut belegt sind, teils sogar bis in die frühe 18. Dynastie fortlaufen (Parkinson 2009, 143–145). Laut Geisen 2018, 7, 10–15 würden Streufunde in der Umgebung sowie die Grabfunde selbst in Kombination mit Informationen aus den Papyri für eine Datierung der Bestattung in die mittlere 13. Dynastie sprechen.
Die Papyri selbst sind unterschiedlichen Alters und erstrecken sich paläographisch (hieratisch) über einen Zeitraum von etwa einem Jahrhundert (Gardiner 1955, 1–2; Parkinson 2009, 149). Einen Terminus post quem für die Zusammenstellung des Konvoluts geben der Papyrus Ramesseum VI (Sobek-Hymnus) mit der Nennung Amenemhets III. (12. Dynastie, ca. 1818–1773 v. Chr.) sowie das Onomastikon auf Papyrus Ramesseum D, das ein mit dem Namen Sesostris’ III. (ca. 1837–1818 v. Chr.) gebildetes Toponym aufweist. Die älteste Gruppe bilden mit R. B. Parkinson die kursiv-hieroglyphischen Texte aus der späten 12. Dynastie, zu denen bspw. Papyrus Ramesseum V gehört (Parkinson 2009, 149). Die jüngsten Texte gehören in die späte 13. Dynastie (bis ca. 1630 v. Chr.), da sie dem mathematischen Papyrus Rhind und dem Papyrus Boulaq 18 paläographisch aufgrund der runden Formen und stärkeren Verwendung von Ligaturen nahestehen; Papyrus Ramesseum XIII gehört paläographisch in diese jüngste Gruppe (Parkinson 2009, 150, 153).

Textsorte
Rezitation(en)
Inhalt

Die Vorderseite enthält die Reste zweier Kolumnen, von deren zweiter nur noch winzigste Reste einiger Zeilenanfänge erhalten sind. Die erste noch erhaltene Kolumne setzt mitten in einem Rezitationstext ein; die Kolumne endet mit Nachschrift. Darunter sind, im Vergleich zu den Zeilenresten der folgenden Kolumne, zwei Zeilen freigelassen worden. Das heißt, dass der Schreiber mit dem anschließenden Text, bei dem es sich um einen weiteren magischen Spruch gehandelt haben dürfte, eine neue Kolumne begann. Wofür bzw. wogegen die magischen Sprüche dieses Papyrus gerichtet waren, lässt sich aufgrund des hohen Zerstörungsgrades nicht mehr eruieren. Meyrat 2019, erwägt einen Zusammenhang mit Bestattungsritualen, sicherlich beeinflusst durch die Nennung der Stundenpriesterschaft und der Klagefragen am Beginn des erhaltenen Fragments. Seine Überlegung, ob der Spruch in einen Zusammenhang mit dem Transport der Mumie auf einem Schlitten gehören könnte, ist dagegen aus grammatischen Gründen unwahrscheinlich (s. den Kommentar zum letzten Satz der Nachschrift).
Die Rückseite enthält eine ursprünglich drei Kolumnen umfassende Tabelle mit Kardinalzahlen, die bis zur Zahl 77 reichen (zum Layout s. unten). Diese sind zu Gruppen von je sieben zusammengefasst, die jeweils als „Reinigung“ bezeichnet werden. Gardiner 1955, 14 vermutet in dieser Tabelle eine Auflistung von Tagen; die Einteilung in siebentägige Gruppen erinnert ihn an Wochen, aber er gibt zu bedenken, dass die siebentägige Woche keine ägyptische Zeiteinteilung war. Inhaltlich erwägt er einen Zusammenhang mit der Einbalsamierung des Verstorbenen.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Fundzusammenhang und die Herkunft aus einem gesicherten archäologischen Kontext erlauben eine detailliertere Betrachtung. Der Papyrus war Bestandteil eines Konvoluts von 24 Papyri und befand sich zusammen mit einem Bündel von 118 Schilfrohren (Schreibbinsen) von je ca. 40 cm Länge in einem Holzkasten. Auf diesem Kasten war das Zeichen eines Schakales zu erkennen, das als Schreibung für den Priestertitel ḥr.j-sšt „Hüter des Geheimnisses“ gelesen werden kann. Es ist daher anzunehmen, dass der Besitzer ein Priester war (Parkinson 2009, 141; Parkinson 1991). Unter den weiteren im Grabschacht gefundenen Objekten befanden sich ein aus einem Kupfergemisch gefertigter Schlangenstab, der mit menschlichen Haaren umwickelt ist (Fitzwilliam Museum, Cambridge, E.63.1896), die Elfenbeinfigur eines Zwerges, der ein Kalb trägt (University of Pennsylvania, Museum of Archaeology and Anthropology, E.13405), sowie diverse magische Objekte im Manchester-Museum (Fayencefigur eines nackten Mädchens (Inv.-Nr. 1787), eine aus Elfenbein gefertigte Klapper (Inv.-Nr. 1796), eine Fayencefigur in Gestalt eines Pavians (Inv.-Nr. 1835) sowie ein Djed-Pfeiler-Amulett (Inv.-Nr. 1838) (Parkinson 2009, 141–145)). Diese Utensilien stellen nach A. H. Gardiner „the professional outfit of a magician and medical practitioner“ (Gardiner 1955, 1) dar. Dazu passt, dass die Mehrheit der Papyri (15 der 24 Papyri) medizinische, medico-magische oder magische Inhalte aufweisen. Der Inhaber war demnach vermutlich ein Arzt und Magier, der auch Priesterfunktionen innehatte, oder umgekehrt ein Priester, der auch als Magier und Arzt agierte (Gnirs 2009, 128–156; Morenz 1996, 144–146; Geisen 2018, 15–29, Meyrat 2019, 196–199).
Das differierende Alter der Papyri und die verschiedenen Arten von Texten (medizinisch/magisch, literarisch, liturgisch, administrativ) lassen vermuten, dass die Papyri über mehrere Generationen gesammelt und vererbt wurden, bis der letzte Eigentümer sie als Grabbeigabe erhielt (Parkinson 2009, 149). Die administrativen Angaben auf dem Verso von Papyrus Ramesseum III und Papyrus Ramesseum IV zeigen, dass eine sekundäre wirtschaftliche Nutzung dieser medizinischen Papyri vorliegt, was wiederum nahelegt, dass die Papyri – zumindest in Teilen – aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden und die Identifizierung des letzten Inhabers als Arzt daher nicht zwingend notwendig ist.

Material
Organisch » Faser, Pflanzliche und Tierische » Papyrus
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Schriftrolle
Technische Daten

Der Papyrus ist, wie auch die anderen Ramesseumspapyri, aufgrund der Lagerung in der feuchten Umgebung des Grabschachts in einem schlechten und fragmentarischen Zustand (Leach 2006, 227). Von Papyrus Ramesseum XIII sind nur die Reste zweier Kolumnen, und von diesen nur die untere Hälfte, erhalten. Der untere Rand ist erkennbar. Die Höhe der Fragmente gibt Parkinson 2009, 153 mit ca. 12 cm an; er vermutet, dass der Papyrus ursprünglich Halbformat von etwa 13 cm Höhe hatte, dass also oben im Grunde nur ein Stück vom oberen Rand fehlte. Dagegen spricht jedoch die Tabelle auf dem Verso (ebenso ausgerichtet wie das Recto: der obere Rand des Rectos ist auch der obere Rand des Versos), die nur ein Vollformat von etwa 30 cm Höhe zulässt: Erhalten sind noch zwei Kolumnen; eine davorstehende erste Kolumne lässt sich rekonstruieren, ist aber heute komplett verloren. Kolumne 2 zeigt ein komplexes Layout: Sie lässt sich wiederum in fünf Spalten aufteilen, die jeweils durch einen Freiraum voneinander getrennt sind. Spalte 1 (in Kol. 2 zerstört, aber nach Kol. 3 zu rekonstruieren) enthielt, untereinander stehend, Kardinalzahlen. Links daneben folgt in kleinem Abstand Kolumne zwei, in der untereinander zyklisch die Kardinalzahlen 1–7 folgen. Anders als der übrigen Text der Tabelle sind die Zahlen von Spalte 2 rot geschrieben. Wiederum nach einem kleinen Freiraum folgt in einer dritten Spalte, zumindest in den drei obersten noch erhaltenen Kolumnen, ein hieratischer Haken. Dieser mag ein reines Füllzeichen sein oder vielleicht ein Wiederholungszeichen – falls Letzteres, muss in der ersten Zeile in dieser Spalte ein ausgeschriebener Vermerk gestanden haben. Nach einem erneuten Freiraum folgen in Spalte 4 kurze Vermerke, die bedauerlicherweise alle bis auf geringe Zeichenreste zerstört sind. Abschließend finden sich in einer Spalte 5 nach einem letzten Freiraum erneut hieratische Haken, die wieder Füllzeichen oder Wiederholungsvermerke sein könnten.
Zwischen Spalte 2 und 3 stehen im erhaltenen Teil der Kolumne außerdem zweimal senkrecht geschriebene Summenangaben. Die Position der zweiten noch erhaltenen sowie die Position der einzigen in Kolumne 3 erhaltenen deutet darauf hin, dass sie an das Ende jedes siebentägigen Abschnitts gehören.
In Kolumne 3 setzt sich das Layout von Kolumne 2 in vereinfachter Weise fort: Dort sind im unteren erhaltenen Teil nur noch die Spalten 1 und 2 vorhanden; die Vermerke der Spalten 3–5 fehlen. Einmal findet sich ferner nach Spalte noch eine weitere Summenangabe.
Bezeichnend für das Layout der Tabelle sind ferner die schwarzen horizontalen Linien, die jeweils denselben Abstand zueinander einnehmen und stets drei Tabellenzeilen umfassen. Hervorhebenswert ist hierbei, dass die unterste Linie nicht etwa den unteren „Tabellenrahmen“ bildet, sondern über der letzten Zeile steht. Aufgrund dessen kann man rekonstruieren, dass auch die oberste horizontale Linie auf dem heute verlorenen oberen Teil des Papyrus nicht unter der dritten Zeile, sondern schon unter der zweiten Zeile der Tabelle stand.
Die Tabelle hatte daher ursprünglich ungefähr dieses Aussehen:

Verso Ramesseum XIII Schema

Schrift
Hieratisch

Der Text ist in waagerechten Zeilen geschrieben (von rechts nach links, wie für Hieratisch üblich).

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch

Die Textreste sind zu unspezifisch für eine grammatische Datierung, aber der archäologische Kontext spricht für Mittelägyptisch.

Bearbeitungsgeschichte

Die Bearbeitung der Papyri sollte zunächst durch F. Ll. Griffith erfolgen, wurde dann aber an P. Newberry übergeben, der erste konservatorische Maßnahmen durchführte und erste Abschriften anfertigte (Gardiner 1955, 2; Leach 2006, 226). Auf Vermittlung A. H. Gardiners wurde die Restaurierung dann an H. Ibscher (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin) übertragen, der sie restaurierte, ordnete und rahmte. Da P. Newberry kein weiteres Interesse an der philologischen Bearbeitung hatte, gingen die Papyri schließlich in den Privatbesitz von A. H. Gardiner über, den W. M. Flinders Petrie als geeignet für die Veröffentlichung ansah. A. H. Gardiner schreibt dazu: „realizing, that the cost of conservation and publication would be considerable, Petrie himself suggested that if I acquitted myself of both obligations, I could regard the papyri as my own and dispose of them as I thought best“ (Gardiner 1955, 2). Um die aufwendigen Konservierungsmaßnahmen bezahlen zu können, verkaufte A. H. Gardiner 1910 Papyrus Ramesseum D mit dem Onomastikon an das Berliner Ägyptische Museum. Den Papyrus Ramesseum A, der die Geschichte des Beredten Bauern und den Sinuhe enthält, hatte A. H. Gardiner bereits 1906 dem Berliner Ägyptischen Museum überlassen – unter der Bedingung, dass das Museum die Kosten für die Publikation tragen würde (Leach 2006, 226).
Zwischen 1907 und 1937 wurden mehrere der Ramesseumspapyri, darunter auch Papyrus Ramesseum XIII, verglast und dazu auf Gelatine und Zellulosenitrat fixiert; diese Fixierung wurde bei einer Untersuchung 2003 bestätigt (Leach 2006, 233 und 239).

Im Jahr 1955 legte A. H. Gardiner eine Edition der Ramesseumspapyri in Fotografie und tlw. in hieroglyphischer Transliteration vor, wobei allerdings viele der kleineren Fragmente unberücksichtigt blieben. Auch verzichtete er auf eine hieroglyphische Transliteration der Papyri Ramesseum I–V, da diese von J. W. B. Barns bearbeitet wurden (Barns 1956). Gardiners Edition enthält ein Foto der Vorderseite von Papyrus Ramesseum XIII sowie eine hieroglyphische Transliteration der Rückseite (S. 14–15 und Taf. 46).
Eine Gesamtbearbeitung der magischen Ramesseumspapyri, auch von Ramesseum XIII Recto, legte Meyrat 2019, spez. 99–100, 336–337, vor.

Editionen

- Gardiner 1955: A. H. Gardiner, The Ramesseum Papyri (Oxford 1955), 14–15, Taf. 46.

- Meyrat 2019: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 99–100, 336–337.

Literatur zu den Metadaten

- Barns 1956: J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956).

- Downing – Parkinson 2016: M. Downing – R. B. Parkinson, The Tomb of the Ramesseum Papyri in the Newberry Papers, The Griffith Institute Oxford, in: British Museum Studies in Ancient Egypt and Sudan 23, 2016, 35–45.

- Geisen 2018: C. Geisen, A Commemoration Ritual for Senwosret I. P. BM EA 10610.1-5/P. Ramesseum B (Ramesseum Dramatic Papyrus), Yale Egyptological Studies 11 (New Haven, CT 2018).

- Gnirs 2009: A. M. Gnirs, Nilpferdstoßzähne und Schlangenstäbe. Zu den magischen Geräten des so genannten Ramesseumsfundes, in: D. Kessler, et al. (Hrsg.), Texte – Theben – Tonfragmente. Festschrift für Günter Burkard, Ägypten und Altes Testament 76 (Wiesbaden 2009), 128–156.

- Hermann 1957: A. Hermann, Buchillustrationen auf ägyptischen Bücherkästen, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 15, 1957, 112–119.

- Kemp – Merrillees 1980: B. J. Kemp – R. S. Merrillees, Minoan Pottery in Second Millennium Egypt, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 7 (Mainz 1980).

- Leach 2006: B. Leach, A Conservation History of the Ramesseum Papyri, in: Journal of Egyptian Archaeology 92, 2006, 225–240.

- Leblanc 2005: C. Leblanc, Recherches et travaux réalisés au Ramesseum durant la mission d’octobre 2004 à janvier 2005, in: Memnonia 16, 2005, 19–45.

- Morenz 1996: L. D. Morenz, Beiträge zur Schriftlichkeitskultur im Mittleren Reich und in der 2. Zwischenzeit, Ägypten und Altes Testament 29 (Wiesbaden 1996).

- Nelson 2006: M. Nelson, La tombe d’une nourrice royale du début de la XVIIIème dynastie découverte au Ramesseum. Concession funéraire STI.Sa05/pu01, in: Memnonia 17, 2006, 115–129.

- Parkinson 1991: R. B. Parkinson, The Tale of the Eloquent Peasant (Oxford 1991).

- Parkinson 2009: R. B. Parkinson, Reading Ancient Egyptian Poetry. Among Other Histories (Chichester, Malden, MA 2009).

- Porter – Moss 1964: B. Porter – R. L. B. Moss, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. Vol. I. The Theban Necropolis. Part 2: Royal Tombs and Smaller Cemeteries (Oxford 1964).

- Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898: J. E. Quibell – R. F. E. Paget – A. A. Pirie [Quibell], The Ramesseum / The Tomb of Ptah-Hetep, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2] (London 1898).

- Smith 1981: H. S. Smith, The Reverend Dr Anthony J. Arkell, in: Journal of Egyptian Archaeology 67, 1981, 143–148.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

Recto: Magische Sprüche

[X+1, 1] [---] [X+1, x+1] [---]
Die Stundenpriesterschaft [---] vollkommen(?)1 [---] Klagefrauen [---] jede/alle [---] NN, geboren von NN, der/das gekommen ist zu ihm / gegen ihn.2 [---] zufrieden, eilen [---] sich umwenden [---] er fragt / ihn fragen [---] dieser [---].
[X+1, x+5] Dieser Spruch werde über einem Zahn [---] ... (?)3 gesprochen, wobei zu ihm (?) Brot hinzugefügt werde [---] 4 Tage (?)4.
Dieser Spruch werde vier Mal rezitiert jeden/s [---]5, um ihn/es herauszuziehen.
[X+2, 1] [---]
[X+2, x+1] [---]

Zu singen:6

[X+2, x+5] [---]
[---]7

1 ꜥp⸢⸮r?⸣_.tw: Unter Meyrats p sind noch Zeichenreste vorhanden, die zu einem r oder n passen würden. Die Konsonantenfolge ꜥpn ist bislang nur für das ꜥpnn.t-Tier belegt, dessen Nennung an dieser Stelle aber recht unerwartet wäre. Die Konsonantenfolge ꜥpr wiederum lässt an die Wortfamilie ꜥpr: „ausstatten“, „vollkommen sein“ denken, allerdings passt der Zeichenrest danach nicht zu der zu erwartenden Troddel Gardiner Sign-list Aa20.

2
Satzgrenzen unklar.

3
„Zahn [---] ... (?)“: Das erste Wort ist logographisch mit dem Zahn geschrieben, aber die Hinzufügung des t macht deutlich, dass nḥḏ.t zu lesen ist und nicht etwa jbḥ. Es ist zu erwarten, dass der Zahn weiter determiniert ist, und das anschließende Wort ꜥḥꜣ verführt zunächst zu einer Lesung nḥḏ.t ꜥḥꜣ: „Zahn eines Nilbarschs“, vgl. die Verwendung des „Rückgrats“ (jꜣ.t) und anderer Knochen (ks.w) dieses Fisches in den medizinischen Texten (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 107). Das würde jedoch erfordern, dass die beiden Wörter nḥḏ.t und ꜥḥꜣ im Genitivverhältnis zueinander stehen; allerdings sind zwischen ihnen noch Zeichenreste erhalten, nicht sich nur schwer zu einer Genitiv-Nisbe n.t ergänzen lassen. Auch würde der noch erhaltene schräge Strich vor rḏi̯ n zwar weitgehend zu einem hieratischen Fisch passen, aber eben nicht vollständig: Es ist kein Rest der dann zu erwartenden Schwanzflosse erkennbar.

4
hrw 4: Lesung unsicher; P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 337 und 99 lässt die Lesung des Wortes vor der Zahl 4 offen. Der Zeichenrest unmittelbar rechts davon hat zwar eine kleine Ecke, weist aber andererseits auch eine Rundung auf. Könnte es eine Sonnenscheibe sein? „4 Tage“ ist zumindest eine Zeitangabe, die als Anwendungsdauer von Heilmitteln sehr gut aus medizinischen Rezepten bekannt ist. Das in der nächsten Zeile stehende zp: „Mal“ scheidet als Alternative aus.

5
[___] nb: Eine Ergänzung zu [rꜥw-]nb: „täglich“ ist verführerisch, passt aber nicht zu den noch erhaltenen Zeichenresten.

6
Vor der hier als [x+6] gezählten Zeile befindet sich im Interkolumnium eine schwarze ḥs-Vase. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 99 vermutet hierin eine logographische Schreibung des Verbs ḥzi̯: „loben“. Könnte es auch ein Vermerk ḥs: „singen“ sein? Dann wäre es vielleicht ein Vermerk, dass der nebenstehende Text während der Rezitation zu singen wäre. Allerdings wäre das eine völlig ungewöhnliche Anweisung, die in der Form bislang aus magischen Texten nicht bekannt ist.

7 Der Zeichenrest am Beginn von Zeile [X+2, x+8] ist schwarz, die Zeichenreste davor rot. Es liegt aber nahe anzunehmen, dass auch diese Kolumne einen oder mehrere Zaubersprüche enthielt, die, wie derjenige der vorherigen Kolumne, mit rubrizierten Nachschriften endeten. Sofern der letzte Spruch auf dieser zweiten, fast vollständig zerstörten Kolumne also keine sehr kurze Nachschrift besaß, die komplett in den jetzt zerstörten Teil von [X+2, x+8] gepasst hat, kann man wenigstens eine weitere Kolumne [X+3] postulieren, die heute vollständig verloren ist.

Verso: Kalendarische Notiz zur Balsamierung (?)

Kolumne 1

[---]1

[(27 Tabellenzeilen zerstört)]

Kolumne 2

[(15 Tabellenzeilen zerstört)]
[(Tag) 39 (Wochentag) 4] ? ... (?)
[(Tag) 40]  (Wochentag) 5 ? ... (?)
[(Tag) 41] (Wochentag) 6 ? ... (?)
[(Tag) 42] (Wochentag) 7 2 ... (?)
Summe: sechste Reinigung.3
[(Tag) 43] (Wochentag) 1 [---] (?) [---]
[(Tag) 44] (Wochentag) 2  [---] (?) ?
[(Tag) 45] (Wochentag) 3 [---] [---] ?
[(Tag) 46] (Wochentag) 4 [---] [---] ?
[(Tag) 47] (Wochentag) 5 [---] [---] ?
[(Tag) 48] (Wochentag) 6 [---] [---] ?
[(Tag) 49] (Wochentag) 7 [---] [---] ?
Summe: [siebte] Reinigung.
[(Tag) 50] (Wochentag) 1 [---] [---] ?

Kolumne 3

[(15 Tabellenzeilen zerstört)]
(Tag) 6[6] (Wochentag) 3 4
(Tag) 67 (Wochentag) 4
(Tag) 6[8] (Wochentag) 5
(Tag) 6[9] (Wochentag) 6
(Tag) 70 (Wochentag) 7
Summe: [zehnte] Reinigung.
(Tag) 71 (Wochentag) 1
(Tag) 72 (Wochentag) 2
(Tag) 73 (Wochentag) 3
(Tag) 74 (Wochentag) 4
(Tag) 75 (Wochentag) 5
(Tag) 76 (Wochentag) 6
(Tag) 77 (Wochentag) 75
[Summe: elfte Reinigung]6

1 Die ersten vier Zeilen könnten einen Einleitungstext o.ä. enthalten haben, s. die technischen Details in den Metadaten.

2
In dieser Zeile steht in Spalte 3 kein schwarzer Kringel mehr. Dafür ist an der Abbruchkante eine kleine dunkle Spur zu erkennen, die am Original geprüft werden müsste: Eigentlich ist sie zu klein und zu weit unten für einen Zeichenrest.

3 6.nw.t: Die Zahl ist hieratisch mit Möller-Nr. 661 geschrieben, der liegenden Zahl „6“. Dieses Hieratogramm gehört zu der hieratischen Gruppe Möller „BB: Zahlen im Datum (Monatstage)“. Es deutet jedoch nichts darauf hin, dass in pRamesseum XIII Monatstage gemeint seien. Vielmehr geht A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 14 (gefolgt von M. Rochholz, Schöpfung, Feindvernichtung, Regeneration. Untersuchung zum Symbolgehalt der machtgeladenen Zahl 7 im alten Ägypten, Ägypten und Altes Testament 56 (Wiesbaden 2002), 203) davon aus, dass sich die schwarz geschriebenen Zahlen in der jeweils ersten Spalte auf fortlaufende Tage beziehen und die roten Zahlen in der Spalte daneben auf Dekaden. Die Zahl nach wꜥb.t kann dann keinen Kalendermonatstag bezeichnen, weil dann unklar wäre, in welchem Verhältnis er zu den Dekaden und Tagen der anderen Spalten stünde. Vielmehr wird sie eine fortlaufende Nummerierung der Dekaden bzw. der „Reinigungen“ dieser Dekaden bezeichnen. Schon G. Möller, Hieratische Paläographie. Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit. Bd. 1. Bis zum Beginn der achtzehnten Dynastie, 2 (Osnabrück 1965 (= 1927)), 68, Anm. 3 vermerkt zu der Gruppe BB, dass der Gebrauch dieser Zahlzeichen im älteren Hieratisch „etwas ausgedehnter als in der späteren Zeit“ sei und bspw. zur Schreibung der Ordinalzahlen diene. Dies wird hier der Fall sein; und während A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 15 in seiner hieroglyphischen Transliteration nur die Zahl selbst angibt, zeigt das Farbfoto an der Abbruchkante noch eine kleine blass-schwarze Verfärbung, die vielleicht zum Ordinalzahlsuffix gehört.

4 Die dritte Kolumne besteht im erhaltenen unteren Teil nur noch aus Tabellenspalte 1 und 2. Die Zeilen 3,16 und 3,17 sind zwar im hinteren Teil zerstört, aber vermutlich bestanden auch sie nur noch aus zwei Spalten.

5
Unter den beiden Spalten ist unbeschriebener Papyrus erhalten; diese Zeile war demzufolge die letzte der Kolumne. Die Zahl 77 bildet auch einen konzeptionell guten Abschluss der Tabelle. Links daneben scheint es keine weitere Kolumne gegeben zu haben.

6 Es ist denkbar, dass die letzte Siebenergruppe von Tagen ebenfalls durch eine Summenangabe abgeschlossen war. Möglicherweise war sie ursprünglich aufgrund des Layouts der Tabelle komplett waagerecht neben dem Eintrag von Tag 77 geschrieben und hätte damit an der Stelle gestanden, an der der Papyrus heute komplett zerstört ist.