science in ancient egypt

 

Metadaten

Papyrus Ramesseum VII, Fragment A (linke Seite) Link
Bezeichnung
Papyrus Ramesseum VII
Weitere Bezeichnungen
Papyrus London BM EA 10760
Papyrus Ramesseum 7

TM 381066: www.trismegistos.org/text/381066
Aufbewahrungsort
GB, London, British Museum
Erwerbsgeschichte

Der Papyrus wurde 1896 bei den von der British School of Archaeology in Egypt finanzierten und von W.M. Flinder Petrie und J. E. Quibell durchgeführten Grabungen im Ramesseum gefunden. 1956 wurde er zusammen mit einem größeren Konvolut der Ramesseumspapyri von der British School of Archaeology in Egypt und von A. H. Gardiner, dem die Bearbeitung übertragen worden war, an das British Museum in London gestiftet (ausführlich zur Erwerbungs- und Bearbeitungsgeschichte siehe u.a. Leach 2006, 225–227; Gardiner 1955, 1–6).

Herkunft
Oberägypten, Theben-West, Ramesseum

Der Papyrus wurde von J. E. Quibell im Jahre 1896 innerhalb des Ramesseums am Fuße eines bereits geplünderten Grabschachts gefunden (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3–4, Taf. 1–3; Parkinson 1991, XI–XIII, XXVI–XXVIII; Parkinson 2009, 139–140). Dieser Grabschacht gehört zu einer Nekropole aus der Zeit des Mittleren Reiches bis zum Anfang der 18. Dynastie (Leblanc 2005, 33–34; Nelson 2006, 115–117, 127; Parkinson 2009, 139–140), die in der 19. Dynastie durch den Totentempel („Millionenjahrhaus“) Ramses’ II. überbaut wurde. Der Schacht, in dem die Papyri gefunden wurden, liegt laut Quibell unter einem der Ziegelmagazine an der Nord-West-Ecke des Ramesseums (Parkinson 2009, 139–140), unter Magazin 5 auf dem Plan von Quibell (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, Taf. 1), nach heutiger Zählung STI.SA.08. Eine exakte Lokalisierung innerhalb dieses Magazins ist bislang nicht gelungen, da der Fundort auf dem Plan von Quibell nicht eindeutig verzeichnet ist und mehrere Schächte in Betracht kommen (eine vergebliche Suche bei Nelson 2006). Laut einer neu entdeckten Notiz von Newberry aus dem Jahr 1938 (Downing – Parkinson 2016) , der bei der Auffindung der Papyri zugegen war, befand sich der Schacht im beschrifteten Korridor des Grabes des Sehetepibre (Porter – Moss 1964, 679), der unter den Magazinräumen 5–7 des Ramesseums nach dem Plan von Quibell läuft, nach heutiger Zählung unter STI.TR bis STI.SA.08. Sollte dies zutreffen (Newberry widerspricht dezidiert Quibell [Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3], der den Papyrus-Schacht nicht mit diesem Grab verbindet), kann der Schacht oder sein Inhalt schwer zum ursprünglichen Grab des Sehetepibre gehört haben, denn Letzteres wird früher datiert als das Papyruskonvolut, d.h. der Priester (ḥm-nṯr) Sehetepibre kann nicht der ursprüngliche Eigentümer der Ramesseumspapyri gewesen sein (Downing – Parkinson 2016, 40–41). Eine neue archäologische Untersuchung des Grabes des Sehetepibre wäre erforderlich, um Klarheit zu bekommen.
Der Papyrus befand sich zusammen mit 23 weiteren Papyri und einem Bündel Schilfrohr in einer Holzkiste (Auflistung der Papyri bei Parkinson 2009, 151–153, Tab. 6.1) auf dem Boden des Schachtes. Die Papyri enthalten medizinische, medico-magische und magische Texte, aber auch literarische Texte (z.B. Beredter Bauer und Sinuhe), liturgische Texte (z.B. Dramatischer Ramesseumspapyrus und Sobek-Hymnus) sowie administrative Texte wie die Semna-Dispatches. Heute ist dieses Papyruskonvolut auf das British Museum in London und das Ägyptische Museum und Papyrussammlung in Berlin verteilt. Das Schilfrohrbündel, bei dem es sich um Rohmaterial für Schreiberbinsen handelt, wird im Manchester Museum aufbewahrt (Inv.-Nr. 1882). Der Verbleib des Holzkastens, der mit weißem Stuck überzogen und mit der Zeichnung eines Schakals dekoriert war (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3), ist unbekannt (z.B. Leach 2006, 225, Anm. 2). Hermann 1957, 113, Anm. 1 erwähnt eine Nachricht von Anthony J. Arkell, dem damaligen „honorary curator“ der Petrie Collection, dass dieser Kasten vermutlich mit den anderen Objekten von Flinders Petrie in die Sammlung des University College London liegen könnte: Flinders Petrie hatte im Jahr 1913 seine Sammlung dem University College London verkauft (https://www.ucl.ac.uk/culture/node/21/about, letzter Zugriff: 03.07.2020), und nachdem sie im 2. Weltkrieg ausgelagert worden war, widmete sich Arkell Anfang der 1950er Jahre dem Auspacken, Katalogisieren und Ausstellen der Objekte (s. Smith 1981, 146). Die Sammlung war daher Hermann noch nicht zugänglich (s. Hermann, a.a.O.) und die Verifizierung dieser Vermutung steht noch aus.
Weiterhin wurden verschiedene magische Gegenstände im Schacht gefunden. Ein Überblick der Fundsituation findet sich bei Geisen 2018, 2–7; eine Auflistung der von Quibell genannten Objekte mit ihren modernen Inventarnummern findet sich ferner auch schon bei Parkinson 1991, XII–XIII und Kemp – Merrillees 1980, 166.

Datierung
Mittleres Reich bis Anfang Zweite Zwischenzeit, 12.–13. Dynastie, ca. 1800–1700 v. Chr.

Die Datierung des Papyrus basiert zum einen auf der Einordnung des archäologischen Fundkontextes, zum anderen auf text- bzw. konvolutinteren Überlegungen. Die Nekropole, in der das Konvolut gefunden wurde, kann in das Mittlere Reich und die frühe Zweite Zwischenzeit datiert werden (Leblanc 2005, 33–34; Nelson 2006, 115–116; Parkinson 2009, 71). Über die im Grabschacht gefundenen Objekte ist keine chronologische Eingrenzung möglich, da viele dieser Gegenstände in Bestattungen des späten Mittleren Reiches gut belegt sind, teils sogar bis in die frühe 18. Dynastie fortlaufen (Parkinson 2009, 143–145). Laut Geisen 2018, 7, 10–15 würden Streufunde in der Umgebung sowie die Grabfunde selbst in Kombination mit Informationen aus den Papyri für eine Datierung der Bestattung in die mittlere 13. Dynastie sprechen.
Die Papyri selbst sind unterschiedlichen Alters und erstrecken sich paläographisch (hieratisch) über einen Zeitraum von etwa einem Jahrhundert (Gardiner 1955, 1–2; Parkinson 2009, 149). Einen Terminus post quem für die Zusammenstellung des Konvoluts geben der Papyrus Ramesseum VI (Sobek-Hymnus) mit der Nennung Amenemhets III. (12. Dynastie, ca. 1818–1773 v. Chr.) sowie das Onomastikon Papyrus Ramesseum D, das ein mit dem Namen Sesostris’ III. (ca. 1837–1818 v. Chr.) gebildetes Toponym aufweist. Die älteste Gruppe bilden mit R. B. Parkinson die kursiv-hieroglyphischen Texte aus der späten 12. Dynastie, zu denen bspw. Papyrus Ramesseum V gehört (Parkinson 2009, 149). Die jüngsten Texte gehören in die späte 13. Dynastie (bis ca. 1630 v. Chr.), da sie dem mathematischen Papyrus Rhind und dem Papyrus Boulaq 18 paläographisch aufgrund der runden Formen und stärkeren Verwendung von Ligaturen nahestehen (Parkinson 2009, 150).
Papyrus Ramesseum VII gehört aufgrund der kursiv-hieroglyphischen Schreibung in die älteste Gruppe und ist daher in die späte 12. Dynastie oder später zu datieren (Parkinson 2009, 149–150). Die Texte des Versos wurden vermutlich später angebracht und müssen damit in eine jüngere Phase datiert werden, vielleicht sogar die jüngste (vgl. Parkinson 2009, 150–151).

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Auf dem Recto sind verschiedene magische Sprüche mit Anspielungen auf mythologische Themen angebracht. Mehrere Rubra und leer gelassene Kolumnenenden lassen größere Einheiten, sprich: mehrere magische Sprüche, erkennen, wobei der fragmentierte Zustand es allerdings erschwert festzustellen, welche Fragmente zusammengehörige Sprüche bilden oder wo der Wechsel von einem Spruch zum nächsten schlicht in der Lücke zwischen den Fragmenten verloren gegangen ist. Das übergeordnete Thema scheint nach Parkinson 2009, 151 eine Sammlung von Sprüchen „for gaining respect from men?“ zu sein. Dem schließt sich auch Quack 2019, 23 an.
Schon im ersten erhaltenen Spruch, von dem nur noch geringe Reste vom Ende erhalten sind, wird der Wunsch geäußert, dass „Liebe“ zum Redner „in euren Leibern“ entstehen möge – da das ägyptische Wort für „Liebe“ zunächst eine Handlung (anfangs noch keine Empfindung) bezeichnet, die von einem Höhergestellten gegenüber einem Niedrigergestellten ausgeführt ist, sind hier vielleicht die Leiber von Göttern gemeint. Erstmals wird in diesem Satz auch ein personifiziertes bnr.t: „Liebreiz, Beliebtheit“ genannt, bei dem es sich laut Meyrat um eine Bezeichnung für die Kronenschlange handeln könnte. Der Name wäre in dem Fall als Euphemismus zu verstehen, ist die Uräusschlange doch alles andere als liebreizend. Diese Bezeichnung fällt noch mehrere Male im Papyrus.
Auch im nächsten Spruch scheint es um den Erwerb von Beliebtheit zu gehen: Die Menschen werden aufgerufen, sich über den Anwender dieses Spruches zu freuen. Mehrere Götterkonstellationen werden, in nicht immer klaren Zusammenhängen, angeredet. Die erste längere, direkte Rede, ist an die Kronenschlange Uto sowie – vielleicht – auch an die Geiergöttin Nechbet gerichtet und deutet auf ein Ritual hin, das konkret am Tag des Neumondfestes angewendet werden soll. In dieser Rede wird auch die Krönung des Horus zum König über Ägypten thematisiert; vielleicht, um den Redner oder den Nutznießer des Spruches mit diesem Gott zu identifizieren, wie es in vielen magischen Sprüchen – v.a. solchen heilender Natur – der Fall ist. Während es in Heilzaubern oft eine Episode um das kranke Horuskind ist, das von seiner Mutter Isis geheilt wird, wird hier eben seine feierliche Krönung angesprochen; man könnte spekulieren, ob die Wahl auf dieses andere Thema darin begründet liegt, dass der Nutznießer des Spruches von anderen umjubelt werden soll. Ob man sogar soweit gehen darf, konkret an den Moment einer Beförderung zu denken? Eine weitere, viel kürzere und nur noch in Bruchstücken erhaltene Rede, richtet sich an die Oberhäupter von Pe und Dep, d.h. der Doppelstadt Buto, sowie an diejenigen von Cheriaha und Heliopolis. Bei Letzteren ist v.a. sicherlich Atum gemeint, wobei der Plural impliziert, dass auch noch andere Götter angesprochen sind. Die erstere Göttergruppe ist unbekannt, doch dürfte sie vermutlich Uto, die Hauptgöttin von Buto, mit einschließen. Diese oder noch weitere Götterkonstellationen werden im immer schwerer verständlichen hinteren Teil des Spruches angesprochen, in dem der Nutznießer des Spruches vor seinen „Feinden“ geschützt werden will.
In einem weiteren Spruch geht es wohl um die Beseitigung von „Übel“. Ein weiterer, sehr fragmentierter Spruch erwähnt am Ende ausbleibende Milde; da es aber sicher eine positive Eigenschaft ist, die dem Nutznießer zugeschrieben werden soll, wird der Spruch vermutlich für Durchsetzungsvermögen sorgen und vor übertriebener Nachsicht schützen.
Der übernächste Spruch enthält eine kleine Thot-Aretalogie: Der Schlüsselsatz spricht von der Beseitigung des Kampfes und verwendet dabei eine Phraseologie, die immer mit Thot verbunden wird. Er erscheint in diesem Spruch als Schlichter im ewigen Streit zwischen Horus und Seth, als jemand, der Ägypten über seine eigenen Bedürfnisse stellt, das Herz der Menschen miteinander verbindet, aber auch konkreter als Finder von Heilmitteln (sofern die Ergänzung und die Zuordnung der Fragmente korrekt ist).
Die folgenden Fragmente werden immer kleiner und bruchstückhafter, so dass es kaum möglich ist, ein klares Bild der Inhalte zu bekommen. Fragment N erwähnt noch einmal Festdaten, zu deren Anlass(?) eine mit Fayencekacheln dekorierte Festhalle errichtet wurde. Auf den Fragmenten N2, MF I,5 und II,1 wird die Liebe der Hathor zum Sprecher erwähnt. Während auf N2 Hathors Liebe zum Sprecher genannt wird, ist sie auf MF II,1 diejenige, die die Liebe (anderer?) zum Sprecher verteilt. Da Hathor u.a. die Göttin der Liebe ist, könnten diese Fragmente vielleicht sogar zu einem Liebeszauber gehören und nicht zu einem allgemeineren Zauber zur Erlangung von Beliebtheit. Fragment O erwähnt die Liebe der Menschen und Götter zum Sprecher, könnte also wieder in den von Parkinson und Quack vermuteten Kontext vom Erwerb von Beliebtheit und Respekt stehen.
Auf dem Verso befinden sich teilweise stark zerstörte hieratische Texte, die noch immer unbearbeitet sind. Gardiner 1955, 11 vermutet auf der Rückseite von Fragment A und B (a.a.O., Taf. 27) einen magischen oder mathematischen Text, was er an den erkennbaren Wörtern skm: „vervollständigen“ und ꜣzḫ: „ernten“ festmacht, wobei er aufgrund der Zahlen auf der Rückseite von Fragment G und I leicht zu Letzterem zu tendieren scheint. Vor den Zeilenanfängen auf Fragment A sind Punkte angebracht, die ihn wiederum an ähnliche „checking or verification“-Markierungen auf dem administrativen pWilbour aus der 20. Dynastie erinnern – ohne dass er dezidiert die Möglichkeit anspricht, dass es sich auch bei den Texten auf der Rückseite von pRamesseum VII um Verwaltungsnotizen handeln könnte. Parkinson 2009, 151 vermutet dementsprechend auf dem Verso auch „later accounts“. Auch Quack 2014, 118 vermutet in den „schwer lesbaren Texte[n] auf der Rückseite des Papyrus Ramesseum VII“ solche eher „administrativer Natur“.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Fundzusammenhang und die Herkunft aus einem gesicherten archäologischen Kontext erlauben eine detailliertere Betrachtung. Der Papyrus war Bestandteil eines Konvoluts von 24 Papyri und befand sich zusammen mit einem Bündel von 118 Schilfrohren (Schreibbinsen) von je ca. 40 cm Länge in einem Holzkasten. Auf diesem Kasten war das Zeichen eines Schakales zu erkennen, das als Schreibung für den Priestertitel ḥr.j-sštꜣ „Hüter des Geheimnisses“ gelesen werden kann. Es ist daher anzunehmen, dass der Besitzer ein Priester war (Parkinson 2009, 141; Parkinson 1991,). Unter den weiteren im Grabschacht gefundenen Objekten befanden sich ein aus einem Kupfergemisch gefertigter Schlangenstab, der mit menschlichen Haaren umwickelt ist (Fitzwilliam Museum, Cambridge, E.63.1896), die Elfenbeinfigur eines Zwerges, der ein Kalb trägt (University of Pennsylvania, Museum of Archaeology and Anthropology, E.13405), sowie diverse magische Objekte im Manchester-Museum (Fayencefigur eines nackten Mädchens (Inv.-Nr. 1787), eine aus Elfenbein gefertigte Klapper (Inv.-Nr. 1796), eine Fayencefigur in Gestalt eines Pavians (Inv.-Nr. 1835) sowie ein Djed-Pfeiler-Amulett (Inv.-Nr. 1838) (Parkinson 2009, 141–145)). Diese Utensilien stellen nach A.H. Gardiner „the professional outfit of a magician and medical practitioner“ (Gardiner 1955, 1) dar. Dazu passt, dass die Mehrheit der Papyri (15 der 24 Papyri) medizinische, medico-magische oder magische Inhalte aufweisen. Der Inhaber war demnach vermutlich ein Arzt und Magier, der auch Priesterfunktionen innehatte, oder umgekehrt ein Priester, der auch als Magier und Arzt agierte (Gnirs 2009, 128–156; Morenz 1996, 144–146; Geisen 2018, 15–29, Meyrat 2019, 196–199).
Das differierende Alter der Papyri und die verschiedenen Arten von Texten (medizinisch/magisch, literarisch, liturgisch, administrativ) lassen vermuten, dass die Papyri über mehrere Generationen gesammelt und vererbt wurden, bis der letzte Eigentümer sie als Grabbeigabe erhielt (Parkinson 2009, 149). Die administrativen Angaben auf dem Verso von Papyrus Ramesseum III und Papyrus Ramesseum IV zeigen, dass eine sekundäre wirtschaftliche Nutzung dieser medizinischen Papyri vorliegt, was wiederum nahelegt, dass die Papyri – zumindest in Teilen – aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden und die Identifizierung des letzten Inhabers als Arzt daher nicht zwingend notwendig ist.

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Der Papyrus ist, wie auch die anderen Ramesseumspapyri, aufgrund der Lagerung in der feuchten Umgebung des Grabschachts in einem schlechten und fragmentarischen Zustand (Leach 2006, 227). Erhalten sind zwei größere Fragmente und zahlreiche kleinere, die in insgesamt elf Frames verglast wurden (Gardiner 1955, 10). Der Glasrahmen mit Fragment A hat eine Länge von 41 cm, neun weitere haben eine Länge von 30–32 cm, und einige wenige Fragmente sind zusammen mit Fragmenten von pRamesseum VI in einem elften Glasrahmen mit ebenfals 30 cm Länge untergebracht. Als Orientierung kann man daher die Länge der erhaltenen Fragmente auf etwa 3 Meter bestimmen: Die gegebenen Maße stammen von Rahmen und nicht von den erhaltenen Papyrusfragmenten selbst; diese sind daher auf weit weniger als 3 Meter Länge erhalten. Dieses Minus wird jedoch durch ein unbestimmbares Plus teilweise wieder aufgehoben, da der Abstand zwischen den einzelnen Fragmenten nicht bestimmbar ist und daher jeweils zwischen einer und mehreren heute verlorenen Kolumnen liegen kann.
Die beiden großen Fragmente A und B sind stellenweise über die gesamte Kolumnenhöhe erhalten, die etwa 10,75 cm beträgt. Teile des oberen und unteren Seitenrandes sind ebenfalls stellenweise vorhanden, so dass Fragment A an seiner höchsten Stelle 12,9 cm hoch ist und Fragment B etwa 12,5 cm.
Für die Beschriftung der Rückseite wurde der Papyrus sowohl vertikal, d.h. über die kurze Seite, als auch horizontal, über die lange Seite, gedreht. Vertikal gedreht wurde der Papyrus für den Text auf der Rückseite von Fragment A und B, genauer: auf der oberen Hälfte der Rückseite. Dort befinden sich Reste von drei (?) Textblöcken mit je vier waagerechten hieratischen Zeilen, die gegenüber der Vorderseite auf dem Kopf stehen: Deren „Oben“ ist das „Unten“ der Vorderseite. Gardiner 1955, 11 vermutet, dass diese Blöcke zu einem einzigen Text gehören. Allerdings fällt auf, dass sich die Zeilen vom Anfang von Fragment A optisch von denjenigen rechts daneben, d.h. dem Textblock, der den größeren Teil von Fragment A einnimmt, unterscheiden: Der Zeilenabstand ist kleiner und regelmäßiger, und die Tinte wirkt insgesamt etwas kräftiger. Diese Eigenschaften teilt der Textblock vom Anfang von Fragment A mit demjenigen auf der Rückseite von Fragment B. Aus diesem Grund wird der Textblock von Fragment B nicht den vorderen Teil des rechten Textblocks von Fragment A bilden, sondern wohl eher eine eigene Textkolumne darstellen. Es bleibt daher zu prüfen, ob diese drei Kolumnen wirklich zu einem Text gehören oder nicht vielleicht zu zwei verschiedenen Texten.
Die Rückseite von Fragment B trägt neben dem vierzeiligen Textblock in der oberen Hälfte noch eine vereinzelte Zeile in der unteren Hälfte. Diese ist zu zerstört, um sie zu identifizieren. Darunter sind noch schwarze Tintenreste an einer Abbruchkante des Papyrus zu erkennen, die aber maximal zu einem kurzen Vermerk gehören können, sofern es nicht nur zufällige Tintenkleckse sind.
Vor dieser vereinzelten Zeile sind noch Reste einer einzelnen senkrechten Kolumne zu erkennen. Diese steht gegenüber den hieratischen Zeilen auf dem Kopf und weist damit dieselbe Orientierung wie der Text auf der Vorderseite auf. Außerdem ist sie mit einem viel dünneren Pinsel geschrieben worden, stammt also definitiv von einer anderen Hand als der Rückseitentext. Es ist nicht ganz sicher, ob die Zeichen als hieratisch oder als kursivhieroglyphisch bestimmt werden können. Das vorletzte erhaltene Zeichen stellt die untere Hälfte eines Vogelkörpers dar; die restlichen Zeichen können (noch) nicht identifiziert werden. Angesichts des unterschiedlichen Duktus und der unterschiedlichen Ausrichtung wäre zu fragen, ob diese einzelne Kolumne nicht in irgendeinem Verhältnis zum Text der Vorderseite steht; für ein Incipit oder einen Titel steht es allerdings schon zu weit im Inneren der Rolle.
Die Rückseite der Fragmente C bis F ist unbeschriftet.
Die Rückseite der Fragmente G, H und J+I ist erneut beschriftet. Wieder ist der Text in Hieratisch, weist aber dieses Mal dieselbe Orientierung auf die der Text der Vorderseite und scheint auch über die gesamte Papyrushöhe zu laufen. Der Text ist nicht lesbar, aber an zwei Stellen scheint der sitzende Mann mehrfach untereinander zu stehen, als würde ein Namenliste vorliegen. Anders als der Text auf Fragment A + B finden sich hier auch rote Zeichenreste.
Während die Rückseite von Fragment K leer ist, zeigt die Rückseite von Fragment L erneut hieratischen Text mit denselben Eigenschaften wie G bis I: waagerechte Zeilen in derselben Orientierung wie der Vorderseitentext.
Fragment M scheint zunächst im oberen Teil Reste dreier senkrechter Zeilen mit Kursivhieroglyphen zu enthalten. Da diese aber so unvermittelt wieder aufhören, muss am Original geprüft werden, ob es sich dabei nicht eher um ein kleines separates Papyrusfragment handelt, das eigentlich zum Vorderseitentext gehört und nur versehentlich der Rückseite von Fragment M anhaftet.
Die Fragmente N und N2 sowie P, Q und R tragen auf ihrer Rückseite Texte mit denselben Eigenschaften wie G–I; auch auf dem Fragment O ist noch schwach der Rest einer hieratischen Zeile zu erkennen. Bei der senkrechten Linie an der linken Abbruchkante von Fragment O, direkt am Glasrahmen, ist dagegen zu prüfen, ob das nicht nur durchscheinende Tinte von der Vorderseite ist.
Die Rückseite von Fragment S und T ist leer. Die Rückseite von Fragment U und V ist dagegen erneut hieratisch beschrieben; im Unterschied zu den Fragenten N bis R allerdings gegenüber der Vorderseite auf dem Kopf stehend.
Die Mini-Fragments teilen die Mischung der großen Fragmente: Manche sind auf der Rückseite frei, andere dagegen hieratisch beschriftet; hier finden sich einige, die dieselbe Orientierung aufweisen wie das Recto (einige Mini-Fragments I, v.a. I,5 und I,8, wobei bei diesen beiden zusätzlich noch die Linien unterschiedliche dick sind), während andere erneut gegenüber der Vorderseite auf dem Kopf stehen (deutlich erkennbar bei Meyrats Mini-Fragment II,1 sowie in demselben Rahmen bei dem größeren Fragment drei Fragmente neben II,1 – vierte Reihe von links, drittes von oben).

Zusammenfassend lassen sich damit folgende Textblöcke ausmachen:
„Text 1“: Die drei waagerechten, längeren Kolumnen auf der Rückseite der Fragmente A und B; einen, vielleicht zwei Texte bildend und gegenüber dem Recto auf dem Kopf stehend.
„Text 2“: Eine vereinzelte Zeile unter Kolumne 1 von A+B Verso, Text 1 stehende hieratische Zeile; vielleicht zu A+B Verso, Text 1 gehörend oder eben einen „Text 2“ bildend; gegenüber dem Recto auf dem Kopf stehend.
„Text 3“: Eine vereinzelte senkrechte Kolumne vor A+B Verso, Text 2; ein definitiv eigener, wenn auch sehr kurzer „Text 3“. Ebenso orientiert wie das Recto.
„Text 4“: Waagerechte hieratische Zeilen auf den Fragmenten G bis R, mit (zufälligen?) Lücken auf den Fragmenten K und M. Ob sie einen oder mehrere Texte bilden, kann momentan nicht beurteilt werden; sie teilen aber die Eigenschaft, das sie dieselbe Orientierung aufweisen wie Text 3 sowie das Recto. Einige Mini-Fragments I zeigen Rückseitentext in derselben Orientierung und könnten daher ebenfalls zu „Text 4“ gehören (und damit näher an den Fragmentblock G – R anzuschließen sein).
„Text 5“: Waagerechte hieratische Zeilen auf den Fragmenten U und V, die allerdings gegenüber dem Recto und Text 4 gedreht sind und daher dieselbe Orientierung aufweisen wie Text 1 und Text 2. Einige Mini-Fragments II zeigen Rückseitentext mit derselben Orientierung und könnten daher näher an U+V anzuschließen sein.

Schrift
Kursivhieroglyphen und Hieratisch

Das gesamte Recto wurde mit Kursivhieroglyphen in senkrechten Kolumnen beschriftet, die retrograd orientiert sind
Auf dem Verso befinden sich vereinzelt horizontale hieratische Zeilen, die jedoch teilweise so zerstört oder abgerieben sind, dass sich kaum größere zusammenhängende Sätze daraus ergeben (Gardiner 1955, 10).

Sprache
Mittelägyptisch

Die erhaltenen Satzkonstruktionen sprechen für Mittelägyptisch.

Bearbeitungsgeschichte

Die Bearbeitung der Papyri sollte zunächst durch F. Ll. Griffith erfolgen, wurde dann aber an P. Newberry übergeben, der erste konservatorische Maßnahmen durchführte und erste Abschriften anfertigte (Gardiner 1955, 2; Leach 2006, 226). Auf Vermittlung A. H. Gardiners wurde die Restaurierung dann an H. Ibscher (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin) übertragen. H. Ibscher nahm nach Abschluss seiner Arbeiten die Anordnung der Papyri in Glasrahmen vor, wie sie heute noch vorliegt. Da P. Newberry kein weiteres Interesse an der philologischen Bearbeitung hatte, gingen die Papyri schließlich in den Privatbesitz von A. H. Gardiner über, den W. M. Flinders Petrie als geeignet für die Veröffentlichung ansah. A. H. Gardiner schreibt dazu: „realizing, that the cost of conservation and publication would be considerable, Petrie himself suggested that if I acquitted myself of both obligations, I could regard the papyri as my own and dispose of them as I thought best“ (Gardiner 1955, 2). Um die aufwendigen Konservierungsmaßnahmen bezahlen zu können, verkaufte A. H. Gardiner 1910 das Onomastikon Papyrus Ramesseum D aus dem Konvolut an das Berliner Ägyptische Museum. Den Papyrus Ramesseum A, der die Geschichte des Beredten Bauern und den Sinuhe enthält, hatte A. H. Gardiner bereits 1906 dem Berliner Ägyptischen Museum überlassen – unter der Bedingung, dass das Museum die Kosten für die Publikation tragen würde (Leach 2006, 226). Im Jahr 1955 legte A. H. Gardiner eine Edition der Ramesseumspapyri in Fotografie und tlw. in hieroglyphischer Transliteration vor, wobei allerdings viele der kleineren Fragmente unberücksichtigt blieben. Auch verzichtete er auf eine hieroglyphische Transliteration der Papyri Ramesseum I–V, da diese von J. W. B. Barns bearbeitet wurden (Barns 1956).
Gardiners Edition enthält Fotos und hieroglyphische Transliterationen aller großen Fragmente von pRamesseum VII (Taf. 22–26), außerdem Fotos der beschrifteten Rückseite von Fragment A und B (Taf. 27). Außerdem bietet er in seiner knappen Vorstellung des Papyrus (S. 10–11) auch eine Übersetzung einiger weniger Passagen.
Eine Gesamtbearbeitung der magischen Ramesseums-Papyri, auch von Ramesseum VII, legte Meyrat 2019, spez. 6–25, 279–296, vor. Hier finden sich auch erstmal Fotos der kleinen, von Gardiner nicht abgedruckten „Mini-Fragments“, von denen Meyrat die „größeren“ ebenfalls in seine Transkription und Übersetzung einschließt. Dem Fokus seiner Arbeit auf magische Texte entsprechend, enthält seine Publikation keine Bearbeitung der schwer lesbaren Verso-Texte.

Editionen

- Gardiner 1955: A. H. Gardiner, The Ramesseum Papyri (Oxford 1955), 10–11, Taf. 22–27.

- Meyrat, 2019: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 6–25, 279–296.

Literatur zu den Metadaten

- Barns 1956: J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956).

- Downing – Parkinson 2016: M. Downing – R. B. Parkinson, The Tomb of the Ramesseum Papyri in the Newberry Papers, The Griffith Institute Oxford, in: British Museum Studies in Ancient Egypt and Sudan 23, 2016, 35–45.

- Gardiner 1955: A. H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955).

- Geisen 2018: C. Geisen, A Commemoration Ritual for Senwosret I. P. BM EA 10610.1-5/P. Ramesseum B (Ramesseum Dramatic Papyrus), Yale Egyptological Studies 11 (New Haven, CT 2018).

- Gnirs 2009: A. M. Gnirs, Nilpferdstoßzähne und Schlangenstäbe. Zu den magischen Geräten des so genannten Ramesseumsfundes, in: D. Kessler et al. (Hrsg.), Texte – Theben – Tonfragmente. Festschrift für Günter Burkard, Ägypten und Altes Testament 76 (Wiesbaden 2009), 128–156.

- Hermann 1957: A. Hermann, Buchillustrationen auf ägyptischen Bücherkästen, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts. Abteilung Kairo 15, 1957, 112–119.

- Kemp – Merrillees 1980: B. J. Kemp – R. S. Merrillees, Minoan Pottery in Second Millennium Egypt, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut. Abteilung Kairo 7 (Mainz 1980).

- Leach 2006: B. Leach, A Conservation History of the Ramesseum Papyri, in: Journal of Egyptian Archaeology 92, 2006, 225–240.

- Leblanc 2005: C. Leblanc, Recherches et travaux réalisés au Ramesseum durant la mission d’octobre 2004 à janvier 2005, in: Memnonia 16, 2005, 19–45.

- Meyrat 2019: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019).

- Morenz 1996: L. D. Morenz, Beiträge zur Schriftlichkeitskultur im Mittleren Reich und in der 2. Zwischenzeit, Ägypten und Altes Testament 29 (Wiesbaden 1996).

- Nelson 2006: M. Nelson, La tombe d’une nourrice royale du début de la XVIIIème dynastie découverte au Ramesseum. Concession funéraire STI.Sa05/pu01, in: Memnonia 17, 2006, 115–129.

- Parkinson 1991: R. B. Parkinson, The Tale of the Eloquent Peasant (Oxford 1991).

- Parkinson 2009: R. B. Parkinson, Reading Ancient Egyptian Poetry. Among Other Histories (Chichester/Malden, MA 2009).

- Porter – Moss 1964: B. Porter – R. L. B. Moss, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. Vol. I. The Theban Necropolis. Part 2: Royal Tombs and Smaller Cemeteries (Oxford 1964).

- Quack 2014: J. F. Quack, Totenbuch und Getreideabrechnung. Von der Vereinbarkeit von profanen und religiösen Texten auf einem Schriftträger im Alten Ägypten, in: J. F. Quack – D. C. Luft (Hrsg.), Erscheinungsformen und Handhabungen heiliger Schriften, Materiale Textkulturen 5 (Berlin 2014), 111–135.

- Quack 2019: J. F. Quack, Das Streben nach Gunst im Alten Ägypten, in: Thots Infoheft 23, 2019, 16–28.

- Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898: J. E. Quibell – R. F. E. Paget – A. A. Pirie [Quibell], The Ramesseum / The Tomb of Ptah-Hetep, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2] (London 1898).

- Smith 1981: H. S. Smith, The Reverend Dr Anthony J. Arkell, in: Journal of Egyptian Archaeology 67, 1981, 143–148.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Lutz Popko
Bearbeitungsdatum
11.08.2020

Übersetzung und Kommentar

Spruch x+1: Spruch zum Erwerb von Liebe, Respekt oder Gunst (?)

[---] [A, x+1] [___]t1, des(?) Sohnes der (Skorpiongöttin) Selkis (oder: [---] (Göttin) [___]t (und) der Sohn der (Skorpiongöttin) Selkis1! Meine Liebe (d.h. die Liebe zu mir) möge [in] euren Leibern gedeihen wie dieses schöne Dickicht2 der Liebreizenden (Göttin) / wie dieser schöne Dattelhain(?)3, das/der in Imet (d.h. Buto) ist. Das Herz der Götter [möge] gefesselt werden.4 Die Ach-Geister mögen versorgt (?; oder: umjubelt(?))5 werden! Das, was [A, x+5] die Lebenden erbeten haben, es [(möge in irgendeiner Weise vorteilhaft sein)]6 für sie.
Dieser Spruch7 soll laut(?)8 gesprochen werden.

1 Vom ersten Wort der Kolumne sind nur noch zwei Zeichenreste erhalten, die schon A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 10A zu t und – „very doubtful“ – einem Schlangenklassifikator ergänzte. Dieses mögliche t kann allerdings keine Femininendung sein, falls das folgende zꜣ Srq.t eine Apposition dazu ist. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 279 und 6 übernimmt Gardiners Lesungsvorschlag, allerdings ohne Gardiners Fragezeichen. Auf S. 17 verweist er auf Nehebkau als Sohn der Selkis in den Pyramidentexten und im spätzeitlichen Brooklyner Schlangenpapyrus; aber wegen des vorhandenen t schlägt er für pRamesseum VII weder diesen Namen vor, noch kann er einen anderen Vorschlag bieten.
Im folgenden Satz wird eine Gruppe aus mehreren Personen angeredet: ẖ.wt=ṯn: „eure Leiber“. Daher ist zꜣ Srq.t hier vielleicht kein Vokativ oder Apposition eines Vokativs, sondern letztes Glied einer Aufzählung.

2 bꜣ.t bezeichnet eine Art Busch oder Gebüsch, manchmal auch das Büschel (z.B. Getreide). Die Wb-Übersetzung „Busch, Gebüsch“ (Wb 1, 416.5.9) wird davon getragen, dass es als Versteck von Feinden oder als Aufenthaltsort junger Vögel dienen kann. Auch dass sich Sinuhe in ein solches bꜣ.t „bückt“ oder „hineinduckt“ (ks), könnte zu der Konnotation beigetragen haben. Da es auch in Verbindung mit Schilfrohr vorkommt (DZA 22.768.540 = pAnastasi IV 1b,3), wird hier die Übersetzung „Dickicht“ vorgeschlagen, da die Bedeutung „Busch“ im Zusammenhang mit Schilfrohr weniger passt. Ob dem Wort tatsächlich die Konnotation eines „Dickichts“, also eines sehr engbewachsenen Pflanzenbestandes, innewohnt, ist allerdings unklar; die Tatsache, dass sich sowohl Feinde als auch Sinuhe bei seiner Flucht in einem bꜣ.t verstecken können, wie auch der Umstand, dass Schilf normalerweise recht eng steht, lassen eine solche Konnotation zumindest mitschwingen.

3 bnrj.t ist laut P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 17 ein Epitheton der Kronengöttin Uto (mit Verweis auf A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts IV. Texts of Spells 268-354, Oriental Institute Publications 67 (Chicago 1951), 154a, wo es heißt, dass jr.t Jtm.w: „das Auge des Atum“ als bnr.t erscheine) und, davon abgeleitet, der Roten Krone. Die Bezeichnung „Liebreiz, Beliebtheit“ für Uto, die Verkörperung der Uräusschlange, dürfte ein Euphemismus sein, agiert doch die Uräusschlange aufgrund ihrer Schutzfunktion gerade gegenteilig.
Die Genitivverbindung bꜣ.t n.t NN bezeichnet normalerweise das Gebüsch/Dickicht einer bestimmten Pflanzenart; daher ist man zunächst geneigt, bei bꜣ.t n.t bnr.jt an ein Wäldchen aus Dattelpalmen zu denken. Ob man Derartiges jedoch in der Deltastadt Buto verorten kann, ist unklar.

4 Syntax unsicher. Die Ergänzung der kleinen Lücke folgt A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 22A, der darin ein t und ein klassifizierendes Seil ergänzte. Er hat dabei wohl an das Verb nwḥ: „fesseln, binden“ (Wb 2, 223.14-15) gedacht. Dieses ist zwar in der Regel zusätzlich mit dem schlagenden Arm klassifiziert, doch zeigt pRamesseum VII auch an anderen Stellen unüblichere Schreibungen, so dass nicht auszuschließen ist, dass der Arm hier fehlte. Er würde jedenfalls aufgrund seiner Form nicht in die schmale Lücke passen. Die optativische Übersetzung dieser ergänzten Form folgt einem mdl. Vorschlag von Fischer-Elfert: „Ob passivisch: Das Herz der Götter möge gefesselt = fasziniert sein (wegen der Liebe zu mir)?“ Möglicherweise hatte auch Gardiner an diese Lösung gedacht – alternativ ließe seine Ergänzung jedenfalls nur eine Interpretation als Partizip oder Relativform zu; ein feminines Substantiv nwḥ.t gibt es nicht.
Anders als Gardiner ergänzt P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 279 in der Lücke nur das Seil, hat aber keine endgültigen Übersetzungsvorschlag, sondern übersetzt auf S. 6, offenbar rein provisorisch, als Infinitivphrase: „Lier les cœur des dieux, pourvoir les esprits, prier les vivants […] pour eux.“
Andere Deutungen für nwḥ kommen nicht infrage. Man könnte einzig noch an das homophone Verb nwḥ: „trinken, sich betrinken, trunken machen“ (Wb 2, 224.3-7) denken, das bislang erst ab der 22. Dynastie belegt ist. Falls man das nwḥ des pRamesseum VII als früheren Beleg vorschlagen wollte, könnte dieser allein mit einem Gefäß klassifiziert gewesen sein, wofür die Lücke ausreichen würde. Eine Übersetzung wie „Das Herz der Götter möge trunken sein von …“ ist zwar zunächst eine verführerische Alternative, ließe sich aber letzten Endes nicht rechtfertigen. Denn transitiv bedeutet das Wort „jmd. trunken machen“ (Wb 2, 224.7), nicht „trunken sein wegen etw.“.

5 sm.t: Geschrieben mit Einkonsonantenzeichen und klassifiziert mit der vereinfachten Form des Rückgrats F37 sowie dem Mann mit Hand am Mund. Dasselbe Verb kommt noch einmal in B, x+11 (nur mit Mann mit Hand am Mund klassifiziert) und vielleicht noch einmal – Wortanfang zerstört – in B, x+18 vor (ohne Klassifikator und wohl mit vereinfachtem F37 als Zweikonsonantenzeichen vor dem m). In den zwei sicheren Fällen ist es transitiv, im B, x+18 könnte es ebenfalls transitiv sein (s. dort). P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 6 geht für A, x+4 von einer Schreibung des Verbs sm: „versorgen, helfen“ (Wb 4, 120.11-13) aus und vermutet (S. 8) in B, x+11 eine nominalisierte Form davon („bienfaiteurs“). Die Stelle in B, x+18 lässt er offen (S. 8), geht also nicht davon aus, dass dasselbe Verb vorliegt.
Neben einer Deutung als sm: „versorgen“ ließe sich vielleicht auch ein Zusammenhang mit der Wortfamilie sm(w): „froh sein“ o.ä. (Wb 4, 121.3 = P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 845), sm/zmꜣ: „Freude“ (Wb 3, 452.1) und evtl. dem Wort sm.w in den Leiden des Ipuwer (pLeiden I 344, Rto. 6,4) denken, auch wenn die meisten der ohnehin wenigen sicheren Belege aus ptolemäischen Texten stammen. Da das Verb in pRamessem VII aber transitiv ist, ginge das nur, wenn man neben der vom Wb angesetzten intransitiven Bedeutung „froh sein“ (die getragen wird durch die Edfu-Stelle sm.wj jb=sn: „Wie froh ist ihr Herz“, s. DZA 29.186.750 und Wilson, a.a.O.) auch eine transitive Bedeutung annimmt, etwa das hier vorgeschlagene „umjubeln“.
Wilson, a.a.O. vermutet, dass dieses Wort smw ein Derivat von smj: „melden, berichten“ ist (Wb 4, 127.7-128.13, hier spez. die Bedeutung „verklagen“, Wb 128.10-11, vgl. auch ḏd smj in Wb 129.8-9 und das Babygeschrei smj.w Wb 4, 128.13). Jedoch passt diese eher negative Bedeutung nicht zu der angenommen positiven von smw; zudem wird die Wortfamilie smj immer mit Milchkrug im Tragenetz (Gardiner Sign-list W19) geschrieben, der bei smw fehlt.

6 Übersetzung ist nur ein Vorschlag.

7 Das Rubrum wird eher die Nachschrift des vorangegangenen Spruches bilden als die Überschrift des folgenden (Letzteres suggeriert von P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 6, indem er ans Satzende einen Doppelpunkt setzt). Das zeigt zum einen der Vergleich mit anderen, besser strukturierten und/oder vollständiger erhaltenen Zaubersprüchen, und zum anderen die Verwendung des Demonstrativpronomens pn; denn im Älteren Ägyptischen waren anaphorische, d.h. auf den Gegenstand rückverweisende, Pronomina der Normalfall, und kataphorische, d.h. vorausweisende, die Ausnahme.

8 Die Bedeutung von dp rʾ ist unsicher; mehrere Möglichkeiten kommen in Betracht:
(1) P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 18 übersetzt unkommentiert als „à haute voix“, hat also vielleicht das Kompositum dp-rʾ: „Wort, Ausspruch“ (Wb 5, 287.4-12) in einem absoluten Gebrauch im Sinn. Eine solche Bedeutung für dp-rʾ oder eine andere Verbindung aus diesen beiden Bestandteilen ist bislang nicht belegt; man vergleiche aber vielleicht die seltene, in ptolemäischen Texten belegte Adverbialphrase „etw. lesen/rezitieren m dp-rʾ“, DZA 31.064.090 und 31.064.100 (= P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1136, Beleg (12), vgl. auch ihren Beleg (11)). Auf den beiden Wb-Zetteln ist m dp-rʾ wörtlich als „mit Aussprüchen“ bzw. „in Sprüchen“ übersetzt. Wilson bietet keine Übersetzung, deutet aber auch nicht an, dass sie dieses Kompositum in diesen beiden Belegen anders verstehen will als „utterances“. Da die beiden DZA-Belege in einem Kontext mit njs: „rufen“ vorkommen, ist es jedoch nicht auszuschließen, dass dp-rʾ hier dieselbe Bedeutung haben könnte, die Meyrat für pRamesseum VII postuliert.
(2) Wb überlegt, ob dp-rʾ auch generell die Bedeutung „Mund“ haben kann (DZA 31.064.850). Dafür führt es einen Beleg auf einer Stele des Mittleren Reiches (Leiden V 72, DZA 31.064.860) auf, in der der Satz ḏd=ṯn m dp-rʾ=ṯn vorkommt, der übersetzt wird mit: „so sprechet mit eurem Munde“, gefolgt von einer wörtlichen Rede. Allerdings weist diese Übersetzung eine gewisse Tautologie auf, denn womit sonst sollte man sprechen, wenn nicht mit dem Mund? Möglicherweise könnte man diese Stelle also zur Option (1) stellen, die damit einen MR-Beleg bekommt.
(3) In pEbers 64,12 = Rezept Eb 436 wird ein Heilmittel gegen den dp-rʾ n mzḥ, den „Krokodilmund/-rachen“ verschrieben. Dabei dürfte es sich um eine metaphorische Bezeichnung für den Krokodilsbiss handeln, wie schon Wb 5, 287.3 vermutet, vgl. auch W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 625. In der ersten erhaltenen Kolumne von pRamesseum VII wird ein schlangengestaltiger(?) „Sohn der (Skorpiongöttin) Selkis“ erwähnt; es ist also durchaus möglich, dass es sich hier analog zum pEbers um einen Spruch gegen eine Bisswunde handelt und das Rubrum einen entsprechenden Rezitationsvermerk enthält. Dagegen dürfte allerdings nicht nur sprechen, dass diese Lesung die Einfügung einer Präposition erfordert, sondern auch, dass laut dem ersten komplett erhaltenen Satz die Liebe zum Redner unter den Menschen gedeihen möge. Dieser Spruch könnte also dazu gedient haben, Liebe, Gunst und/oder Respekt zu erwerben, wie auch andere Sprüche dieses Papyrus, s. dazu R.B. Parkinson, Reading Ancient Egyptian Poetry. Among Other Histories (Chichester, Malden, MA 2009), 151 und J.F. Quack, Das Streben nach Gunst im Alten Ägypten, in: Thots Infoheft 23, 2019, 16-28, hier 23.
(4) Noch unwahrscheinlicher und nur der Vollständigkeit halber sei die Möglichkeit genannt, dass dp-rʾ gar nicht mehr zur Rezitationsanweisung gehört, sondern bereits die Überschrift zum folgenden Spruch bildet. Wenig wahrscheinlich ist sie deshalb, weil in solchen Fällen, in denen ein Text mit einem Rubrum endet und der anschließende mit einem Rubrum beginnt, ein Teil der Einleitung des neuen Textabschnitts, bspw. das erste Wort, schwarz geschrieben wird, um beide Rubra voneinander abzuheben (vgl. mehrfach bspw. im pEbers oder in pTurin CGT 54051, Rto. 5,5); oder es wird ein schwarzes grḥ: „Pause“ dazwischengeschoben (so etwa zweimal auf pRamesseum III). Eine dritte Möglichkeit der Abtrennung beider Rubra ist ein Zeilenumbruch, d.h. die Zeile, die das rubrizierte Textende trägt, wird nicht bis zum Ende vollgeschrieben und der neue, ebenfalls rubrizierte Textabschnitt beginnt erst auf der folgenden Zeile (so ebenfalls im pEbers oder, um im Konvolut der Ramesseumspapyri zu bleiben, etwa in pRamesseum VIII). Noch viel schwerer als die Beobachtung, dass ein Textanfangsrubrum normalerweise nicht unmittelbar auf ein Textendrubrum folgt, ist ferner der Umstand, dass magische Sprüche eher mit rʾ n: „Spruch für …“ eingeleitet werden und nicht mit dp-rʾ: „Ausspruch“.

Spruch x+2: Spruch zum Erreichen von Zuwendung und zum Erwerben von Beliebtheit unter den Menschen (?)

O alle Menschen etc., jubelt doch darüber, mich (zu) sehen (wörtl.: jubelt doch über das Mich-Sehen); freut euch über mich, wie sich Isis und Nephthys über ihren Bruder Os[iri]s freuen, indem sie seinetwegen/für ihn … (???)1 [A, x+10], (und wie?) [Is]is und Nephthys [---] über ihren Bruder Osiris, indem sie meinetwegen/für mich das Gleiche tun!2 Mein ist Uto, die Herrin von [Dep]. Mein ist Nechbet, die Herrin von Elkab. So, wie Pe für mich gebaut wurde, so wurde Dep für mich gegründet.
(An Uto:) Sei mir(?) gegrüßt, (du) Liebreizende (Göttin), die auf (dem Haupt von) Re ist, Weiße Krone, die auf (dem Haupt von) Atum ist, [A, x+15] die von den Göttern gelobte und vom Pantheon geliebte, die im Verborgenen ist! An diesem Tag des Neumondfestes3, an dem mögest du Osiris erblicken, wenn du ihn (d.h. sein bildliches Konterfei?) auf diesem seinem grünen Metall vorfindest, wenn du ihn anrufst auf diesem seinem Metall4 aus Elektron, [wenn du]5 ihn auf dieses sein Metall des Lebens6 [setzt(?)]5, sagend: „[---] [A, x+20] für die Erdgötter, die an seiner Seite sind, den Hofstaat um [ihn] herum!“7
(An Nechbet:) Bring doch(?) die Liebreizende (Göttin) [zu mir(?)], (du) Herrin der Atefkrone[n8 --- (?)]9! Ich will sie10 meinem Sohn11 Horus geben, der inmitten des (Tempel-)Vorhofs ist, dem Erben seines Vaters Osiris, um vor ihm (d.h. als Schutz?) zu sein, um für ihn diejenigen aufgeblasenen Herzens(?)12 zu bezwingen, um ihm die Pat-Leute herbeizuzerren, um ihm die Rechyt-Leute untertänig zu machen, um ihm das Sonnenvolk zu bringen und dass zu ihm [A, x+25] die [Gött]er in Verbeugung kommen [und(?)] die Inselbewohner, ihm sagend: „[---] sein nw.y-Gewässer(?)13.“14
Komm doch [---]15
[B, x+1] [---]
[---] ???16 [---], ihn die Götter Oberägyptens(?); Horus, [der ---]17 (und) Erbe seines Vaters Os[iris], dem sein Erbe zusammen mit (?) der Liebreizenden18 (Göttin) gegeben wurde vor dem Schrein des Allherrn im großen Fürstenhaus19, [das in] Heliopolis [ist], [B, x+5] entsprechend dem, was Geb, der Nobelste der Götter, sagte20:
„O möge mir doch die Herrin herbeigeführt werden, damit sie [die beiden Länder(?)] zusammenfüge, damit sie mir die Liebreizende21 (Göttin) auf [meinem] Haupt befestige, und damit sie ihre (d.h. der beiden Länder?) Arme mit diesem Symbol der Vereinigung22 verknote! Ach, sie möge ausgelassen sein (? o.ä.)23 auf meinen Ober(?)armen!24 Meine Gestalt möge erhabener sein als die der Götter, die der großen Säulenhalle vorstehen,25 (und der des?) Atum, der in Heliopolis ist. O (ihr) Oberhäupter, die (ihr) in Pe und Dep seid, die (ihr) in Cheriaha und Heliopolis seid, die (ihr euch) in euren (wörtl.: ihren) Neulichtfesten und Halbmonatsfesten (manifestiert), die (ihr euch) in euren (wörtl.: ihren) Jahreszeiten und Tagen (manifestiert), [B, x+10] die (ihr) in den Stund[en des Tages(???)] und den Abschnitten(???) der Nacht seid,26 (o) all (ihr) Menschen, usw.: Wendet/Kümmert euch [---], [macht] mich [---], versorgt (oder: umjubelt)27 mich, sei[d] freundlich [---]28.“
Mein ist (die Göttin) [NN]29, die Herrin des Liebreizes. [Ich] grüße [euch, (o) (Göttin?) ---] und (Gott) [NN]30! Geb verinnerlichte (es???), damit/so dass er sich nicht zusammenfinden31 (kann). [Nehmt] seinen Leib [auf], damit/so dass sich seine Feinde nicht zusammenfinden31 (können)! Nehmt ihr (doch ebenso) [B, x+15] meinen Leib auf, damit/so dass sich meine Feinde nicht in Unruhe versetzen(?)32 (können)! Er soll sich nicht in Unruhe versetzen(?)32, mir etwas (zu) geben.33 (Hiermit) verschlucke/verinnerliche ich euch, damit/so dass sich meine Feinde nicht zusammenfinden31 (können). [---] meine Feinde, wobei/so dass/damit du mich liebst, [---], wobei/so dass/damit ich versorgt (?, oder: umjubelt(?))34 werde.
Meine Beliebtheit ist im Leib35 aller Menschen, usw.
[---]36

1 gmgm: Mit dem sitzenden Mann klassifiziert. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 10 übersetzt das Wort in pRamesseum VII mit „grope“, denkt also an Wb 5, 172.12, eine Handlung aus den Liebesliedern des pHarris 500 aus dem Neuen Reich, wo die Liebenden gmgm (mit schlagendem Arm klassifiziert) machen auf den Körperteilen des jeweils anderen. Meyrat übersetzt dagegen mit „malaxer(?)“, denkt also eher an das Verb von Wb 5, 172.8-11 (mit Kreuz und schlagendem Arm o.ä. klassifiziert), das er (S. 18) unter Verweis auf P. Vernus, Le préformant n et la détransitivité. Formation nC1C2C1C2 versus C1C2C1C2. A propos de la racine √gm „notion de trituration“, in: Lingua Aegyptia 17, 2009, 291-317, hier 309-311 mit „triturer, malaxer“ übersetzt (nach Vernus gehört auch das Wort aus pHarris 500 hierher).
Neben diesem gmgm gibt es noch ein zweites (P. Vernus, La racine √gm, notion de „rencontre, contact avec“, et ses radicaux dérivés (gmḥ, ngmgm et gmgm), in: K. Ryholt – R. Nyord (Hrsg.), Lotus and Laurel. Studies on Egyptian Language and Religion in Honour of Paul John Frandsen, CNI Publications 39 (Copenhagen 2015), 418-430) das mit dem Auge, mit dem sitzenden Mann mit Hand am Mund oder mit der Buchrolle klassifiziert wird und sich Vernus zufolge wie das Simplex gmi̯: „finden“ von der Wurzel gm(2): „treffen, berühren“ ableitet. Für den intransitiven Gebrauch macht er die Bedeutung „se retrouver, reprendre ses repères, s’organiser“ fest, für den transitiven Gebrauch „repérer, définir“.
Welche der beiden Gebrauchsweisen hier vorliegt, ist aufgrund der anschließenden kurzen Lücke schwer zu sagen. Eine Klassifizierung mit sitzendem Mann, wie hier, ist bislang für keine von beiden belegt.
Wollte man mit Gardiner vor dem Namen der Isis ein jri̯ ergänzen, wäre theoretisch davor noch Platz für ein kurzes direktes Objekt, so dass man einen transitiven Gebrauch hätte. Ergänzt man ein anderes, längeres Verb, müsste gmgm intransitiv sein.

2 Satzgrenzen und Übersetzung sind völlig unsicher. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 10 schlägt vor: „O all ye people, etc., rejoice ye at the sight of me and jubilate over me even as Isis and Nephtys jubilated over their brother Osiris, as they(?) groped after him(?). ⟨Even as did⟩ Isis and Nephtys for their brother Osiris, may they do the like for me.“ P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 6-7 bietet: „Ô vous les humains, etc., soyez donc contents de me voir, réjoussez-vous à mon sujet, comme se sont réjouies Isis et Nephthys au sujet de leur frère O[sir]is. Elles font pour lui l’action de malaxer (?) […] Isis et Nephthys au sujet de leur frère Osiris, elles font pour moi la même chose.“

3 Nach P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 18 deutet dieser Satz aufgrund des deiktischen Demonstrativpronomens pw darauf hin, dass der vorliegende Text an diesem Tag vorgetragen werden soll.

4 bjꜣ: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 7 und 19 denkt hier an die Bezeichnung des Himmels als (metallene) Eierschale, die von der Schöpfung stammt (zu diesem Gedanken s. auch E. Graefe, Untersuchungen zur Wortfamilie bjꜣ-. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln (Köln 1971), 40-46 und 60-66), und er übersetzt es in Anlehnung an C. Lalouette, Le „firmament de cuivre“. Contribution à l’étude du mot biꜣ, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 79, 1979, 333-353, hier 351 mit „firmament liquide“. Die Klassifizierung mit dem Stein spricht allerdings eher gegen die Bezeichnung für „Himmel“ (vgl. die Schreibungen bei Graefe, a.a.O., Tab. 33 [vor S. 90]). Es ist wohl doch eher die Bezeichnung für „Metall“ gemeint. Die Aussage ist unklar – sowohl bei Meyrats Interpretation von bjꜣ als Firmament als auch bei einer Interpretation als „Metall“. Man könnte sich fragen, ob hier metallene Konterfeis des Osiris gemeint sind. Dazu würde auch die Verwendung des Demonstrativpronomens pw passen, das auf realweltliche Pendants zu den im Text erwähnten Objekten hindeutet, die zusammen mit der hier vorgebrachten Rezitation tatsächlich verwendet wurden. Vgl. für die Pyramidentexte B. Mathieu, Linguistique et archéologie. L’usage du déictique de proximitè (pn / tn / nn) dans les textes des pyramides, in: P. Collombert, et al. (Hrsg.), Aere perennius. Mélanges égyptologiques en l’honneur de Pascal Vernus, Orientalia Lovaniensia Analecta 242 (Leuven 2016), 407-427 (Hinweis Fischer-Elfert). Die Anmerkung, dass Osiris „auf“ (ḥr) diesem Metall gefunden wird, könnte dabei andeuten, dass vielleicht weniger Statuetten als vielmehr zweidimensionale Darstellungen auf Blechen gemeint sind. Zu seltenen, aber existenten Darstellungen dieser Art vgl. vielleicht M. von Falck, Möbelbeschlag mit Seth, in: S. Petschel – M. von Falck (Hrsg.), Pharao siegt immer. Krieg und Frieden im alten Ägypten. Gustav-Lübcke-Museum Hamm, 21. März - 31. Oktober 2004 (Bönen 2004), 19 [Nr. 5] (Ramessidenzeit) und die Objekte bei N. Franken, Ein ägyptisches Bronzerelief der Göttin Mut aus dem Athena-Heiligtum von Milet, in: Antike Kunst: Zeitschrift für Klassische Archäologie 56, 2013, 3-11 (Datierung 3. Zwischenzeit / Spätzeit bzw. unbekannt). Während Franken zu dem Ergebnis kommt, dass die von ihm diskutierten Objekte am wahrscheinlichsten Patrizen waren, also eher Werkstatt-Stücke, klammert er selbst von Falcks ramessidenzeitliche Objekt aus, das „[w]enig hilfreich für die Frage der Funktion der [von ihm diskutierten, L.P.] Bronzereliefs“ sei (Franken, a.a.O., 7), dessen Funktion damit offen bleibt. Interpretationsschwierigkeiten bereitet zunächst die Interpretation von šdi̯ als „rezitieren“ statt etwa als „retten“ (so Meyrat). Wenn allerdings beide Parteien – die beschwörende und die, zu deren Gunsten beschworen wird – der Götterwelt angehören, ist das kein inhaltliches Problem. Zudem ergibt sich dadurch eine gute Einleitung für das abschließende m-ḏd.

5 [ḏi̯.t=ṯ]: Ergänzungsvorschlag von A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 22A, übernommen von P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 280. Er dürfte sich wohl v.a. in der Kürze der Lücke begründen.

6 bjꜣ n ꜥnḫ: Was mit dem „Metall des Lebens“ gemeint ist, ist unklar. Fischer-Elfert (mdl. Mitteilung) überlegt, ob das Metall eines Spiegels (ꜥnḫ, Wb 1, 204.11-14) gemeint sein könnte. Die Parallele zu bjꜣ wꜣḏ und bjꜣ n ḏꜥm spricht jedoch vielleicht eher dafür, dass auch bei bjꜣ n ꜥnḫ eine besondere Färbung oder andere Qualität des Metalls gemeint ist. Ob man mit dem – erst in ptolemäischer Zeit – belegten bqs-ꜥnḫ < *bjꜣ-Qjs-ꜥnḫ (Wb 5, 18.1, P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 334, J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 168-170) vergleichen kann, bei dem es sich vielleicht um ein magnetisches Erz handelt?

7 Ob hier ein Lobpreis auf die Erdgötter ausgesprochen oder eine Handlung erwähnt wird, die Osiris für sie tut / tun soll?

8 Die Atefkrone, als deren Herrin hier eine Göttin erscheint, ist die typische Krone des Osiris (K. Goebs, Crowns in Egyptian Funerary Literature. Royalty, Rebirth, and Destruction, Griffith Institute Monographs (Oxford 2008), 62-64 und passim); jedoch kann sie auch Re gehören (Goebs, a.a.O., 113) und wird als Teil der Herrschaftsinsignien dem Horus bei seiner Thronbesteigung übergeben (Goebs, a.a.O., 68, 116). Auch der Verstorbene kann in den Sargtexten die Atef-Krone tragen (Goebs, a.a.O., 81, 199).
Den gelegentlich vorkommenden Plural ꜣtf.w interpretiert K. Sethe, Urgeschichte und älteste Religion der Ägypter, Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes 18 (Leipzig 1930), 81, Anm. 1 als grammatischen Plural, der auf die Einzelteile der Atef-Krone, die Weiße (?) Krone, das Federpaar und das Hörnerpaar, anspielt. A.e.M.J. Abubakr, Untersuchungen über die ägyptischen Kronen (Glückstadt, Hamburg, New York 1937), 15-18 erwägt dagegen einen nur scheinbaren Plural, kommt aber zu keinem abschließenden Ergebnis, da die Grundbedeutung des Wortes ꜣtf unbekannt bleibt. Goebs, a.a.O., 112 versteht diesen Plural als Andeutung einer gewissen „hornedness“ gegenüber anderen Kronen – wie auch immer diese spezifischen Eigenschaften durch einen Plural ausgedrückt werden könnte. Auf jeden Fall ist „Herrin der Atefkronen“ ein äußerst seltenes Götterepitheton, das nur drei Mal in den Sargtexten vorkommt und eine Torwächterin sowie ein Nilfperdweibchen bezeichnet (C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. IV. nbt-h, Orientalia Lovaniensia Analecta 113 (Leuven 2002), 5c). Daneben gibt es auch noch ein singularisches Epitheton nb.t-ꜣtf: „Herrin der Atefkrone“: Damit wird in den Hymnen auf das Diadem der Pharaonen aus der zweiten Zwischenzeit die „Itfat“-Schlange bezeichnet (pMoskau 314, 15,2-17,2; A. Erman, Hymnen an das Diadem der Pharaonen. Aus einem Papyrus der Sammlung Golenischeff, Abhandlungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1911 (Berlin 1911), 47-51; M. Bommas, Das ägyptische Investiturritual, British Archaeological Reports - International Series 2562 (Oxford 2013), 63-65). Da diese wiederum ebd. als Weret-Hekau: „Zauberreiche“, und als „Horusauge“ bezeichnet wird, ist sie eine Erscheinungsform der Uräusschlange (so auch Meyrat, a.a.O., 19).

9 Die Lücke unter ꜣtf.w ist kaum größer als ein einziges Schreibquadrat – sogar kleiner, wenn man, wie Meyrat, noch die Pluralstriche ergänzt. Eigentlich ist das zu wenig für ein weiteres Attribut oder sogar einen Satzteil. Ob sie vielleicht nur einen Klassifikator der nb.t-ꜣtf.w enthalten hat?

10 Das feminine Personalpronomen bezieht sich auf die im vorigen Satz genannte bnr.t, bei der es sich erneut um die Kronenschlange handelt. Mit diesem Satz wird wohl auf die Krönung des Horus zum König Ägyptens angespielt, in deren Folge ihm die Doppelkrone und damit auch die Kronenschlange verliehen wird. Diese dient ihm dann als Schutz vor seinen Feinden.

11 Die Bezeichnung des Horus als „mein Sohn“ ist auffällig. Da er anschließend als „Erbe seines Vaters Osiris“ bezeichnet wird und nicht etwa als „mein Erbe“, kann der Redner aber weder Osiris sein noch ein Magier, der sich mit ihm identifiziert. Aber er kann auch nicht Isis, die Mutter des Horus, sein, denn diese erscheint weiter vorn in der Rede als Person, über die gesprochen wird. Darauf, dass irgendein anderer Gott einer älteren Generation redet und zꜣ=j als „mein Enkel“ zu verstehen ist, gibt es keinen Hinweis. Vielleicht liegt diesem Satz also doch die gleichzeitige Identifizierung und Distanzierung des Ritualisten mit Osiris zugrunde, wie sie sich bspw. viel expliziter in den Nichtidentifikationsformeln zeigt.

12 r dꜣr n=f nfꜣ.w jb.w: A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 10 übersetzt „to subdue to him breathers and hearts“, setzt also nfꜣ.w und jb.w syntaktisch parallel. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 7 und 19 denkt dagegen an eine Dämonenbezeichnung: „Ceux-au-cœur-haletant“ und verweist dafür auf andere Dämonenbezeichnungen, die mit nfi̯: „ausatmen, hauchen“ verbunden sind (C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. IV. nbt-h, Orientalia Lovaniensia Analecta 113 (Leuven 2002), 206c, vgl. auch den nf-ḥꜣ.tjw von Wb 2, 250.13 = LGG IV, 205c-206a). Es gibt auch noch ein Verb nf: „übel gesinnt sein“, „Unrechtes tun“ o.ä. (vgl. R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden 2000), 221 und s. das Substantiv nf: „Unrechtes“ in Wb 2, 252.1-2), doch ist dieses mit dem schlechten Vogel klassifiziert, wohingegen die nfꜣ.w jb.w des pRamesseum VII mit dem Gesicht mit Nase klassifiziert sind, so dass es wohl keine „mit Übel gesinntem Herzen“ sind.
Auffällig ist an dieser Stelle, dass die nfꜣ.w-jb wie eine eigene Kategorie von Entitäten behandelt wird, die auf der gleichen „taxonomischen“ Stufe stehen wie die Götter + die „Inselbewohner“ (das sind Bewohner der Ägäis, die anfangs für die Ägypter einen halb-mythischen Charakter besitzt, aber immer mehr an Realität gewinnt und in ptolemäischer Zeit klar die Griechen bezeichnet) sowie die Dreiergruppe pꜥ.t, rḫ.yt und ḥnmm.t, bei denen es sich um drei Kategorien von Menschen handelt, die einerseits als Teil der Bevölkerung Ägyptens betrachtet werden, ohne dass sie sich genau mit bestimmten gesellschaftlichen Schichten korrelieren ließen, andererseits aber auch als Feinde des ägyptischen Königs erscheinen (s. A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. I (Oxford 1947), *98-*112, Nr. 233 und K. Griffin, ‚All the rḫyt-people adore‘. The Role of the Rekhyt-People in Egyptian Religion, GHP Egyptology 29 (London 2018), spez. 29-46; eine neue Studie ist angekündigt von J.F. Quack, Erdklötze, Kiebitze und Strahlemänner? Was bedeuten die traditionellen Bevölkerungsgruppen Ägyptens?). Die nfꜣ.w-jb werden daher hier gleichsam als eine Sammelbezeichnung für alle feindlichen, vielleicht speziell dämonischen bzw. unterweltlichen, Wesen zu verstehen sein. Die pꜥ.t, rḫ.yt und ḥnmm.t übernehmen in dieser Aufzählung möglicherweise die Funktion der irdischen, menschlichen Teile der Welt, wobei die negativen Handlungen, die an ihnen vollzogen werden (sie werden „herbeigezerrt“ bzw. „herbeigebracht“ sowie „zur Ruhe gebracht, bezwungen“ [vgl. J. Zandee, Sargtexte, Spruch 75 (Coffin Texts I 314-348a), in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 97, 1971, 155-162, hier 158-159]) zeigen, dass an dieser Stelle die Konnotation eher auf den Feinden Ägyptens liegt. Auffällig ist der Kontrast zu den Göttern und den „Inselbewohnern“, die hier vielleicht die überirdische Sphäre präsentieren: Diese „kommen“ einfach nur, wenn auch „in Verbeugung“.

13 Die Lesung als nw.y ist aufgrund der Zerstörungen unsicher. Schreibungen dieses Wortes ohne doppeltes Schilfblatt sind vor dem 1. Jt. v.Chr. selten; und ebenso selten sind Kontexte, in denen dieses Wort mit einem Personalpronomen kombiniert wird. Eine Ergänzung der Lücke ist daher nicht möglich; es dürfte aber sicher eine Aussage sein, die den neugekrönten Horus preist. Man vgl. vielleicht die Hymnen auf Sesostris III., in denen der König als „Deich“ () gepriesen wird, „der den Nil gegen seine Wasserfluten (wḏn.w=f n.w mw) abdämmt“ (pLondon UC 32157 = pKahun LV.1, Recto II,12). Die Gewässerbezeichnung wḏn.w kann auch ohne nachfolgendes mw verwendet werden; es wird allerdings ohne den Dechsel (Gardiner Sign-list U19) geschrieben, so dass ebenfalls eine unübliche Schreibung vorläge, wenn man die Stelle in pRamesseum VII dazu ergänzen wollte.

14 Wo die wörtliche Rede endet, ist unklar. Die Annahme, dass sie sich auf diesen Satz beschränkt, ist rein spekulativ und beruht lediglich auf der Annahme, dass der folgende Imperativ wieder auf derselben Kommunikationsebene wie der letzte liegt und zur Anrede an Nechbet(?) oder eine weitere Gottheit(?) gehört.

15 Weder Gardiner noch Meyrat äußern sich zu der Frage, wie viele Kolumnen die Fragmente A und B voneinander trennt. Die Übersetzung von P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 7 suggeriert jedenfalls, dass die beiden Fragmente mehr oder weniger direkt aneinander anschlossen (auch wenn die Benennung der ersten erkennbaren Kolumne auf B als „B, x+1“ theoretisch wenigstens eine weitere Kolumne *„B, x“ davor voraussetzt).
Der Text auf der Rückseite (A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 27) hilft für diese Frage nur bedingt weiter, zumal er auch noch nicht bearbeitet ist und seine Lesung Schwierigkeiten bietet: Wenn die Fragmente A und B direkt aneinander anschließen, würde das bedeuten, dass das Teilfragment, was bei Gardiner, Taf. 27 unten links abgebildet ist (das ist die Rückseite von Fragment B, x+1-7), rechts neben dem Fragment in der oberen Hälfte der Tafel (das ist die Rückseite von Fragment A) zu platzieren wäre. Die Rückseite beider Fragmente trägt einen Text von jeweils vier Zeilen – auf der Rückseite von Fragment B folgt zwar darunter mit einigem Abstand noch eine weitere, stark zerstörte Zeile; doch da diese eben vom Rest abgesetzt ist, scheint sie nicht dazuzugehören, so dass es kein Problem ist, dass sie kein Äquivalent auf der Rückseite von Fragment A besitzt. Doch auch die beiden Textblöcke von jeweils vier Zeilen gehören zu unterschiedlichen Texten oder Kolumnen, d.h. die Zeilen auf der Rückseite von Fragment A sind nicht die Fortsetzung der Zeilen auf der Rückseite von Fragment B. Denn auf der Rückseite von Fragment B ist zu erkennen, dass die Zeilen nicht bis zur linken Abbruchkante des Papyrus fortlaufen, d.h. der linke Kolumnenrand ist noch kurz vor der Abbruchkante erhalten. Die Zeilen auf der Rückseite von Fragment A laufen dagegen über die rechte Abbruchkante des Papyrus hinweg, d.h. der rechte Kolumnenrand dieser Kolumne ist nicht erhalten und lag irgendwo im Zwischenraum zwischen Fragment A und B. Wenn nun aber die beiden Fragmente so nah aneinander anschlössen, wie Meyrats Übersetzung suggeriert, würde das folglich implizieren, dass der Kolumnenzwischenraum extrem klein war, was angesichts des Platzes, der dem Schreiber auf dem Verso zur Verfügung stand, seltsam anmuten würde. Daher wird hier auf dem Recto provisorisch noch eine weitere verlorene Kolumne angesetzt, die aus pragmatischen Gründen als A, x+27 gezählt wird. Die Frage, ob das die einzige ist, oder ob noch mehr Kolumnen zwischen A, x+27 und B, x+1 fehlen, lässt sich nur durch ein Studium der Verso-Texte und der Faserstruktur der Fragmente beantworten.
Da der physische Zusammenhang zwischen den Fragmenten A und B nicht genau festzumachen ist, ist auch schwierig zu sagen, ob das Ende von Fragment A und der Beginn von Fragment B zum selben magischen Spruch gehören, oder ob in der Lücke das Ende des einen und der Anfang des anderen Spruches zu verorten sind. Da der Tenor beider Textteile sehr ähnlich ist, wird hier davon ausgegangen, dass der Spruch x+2 über die Fragmentgrenze hinauslief.

16 dwꜣ: A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 56A schlägt eine Ergänzung zu dwꜣ.t, der „Unterwelt, Grabkammer“, vor. Der kleine Zeichenrest rechts unter dem Stern könnte zwar zu einem t gehören, aber für dieses Wort müssten auf den Papyrusfasern links daneben eigentlich noch Reste des Hausgrundrisses erkennbar sein.

17 In der Lücke nach „Horus“ wird ein weiteres Epitheton gestanden haben. Nahliegend wäre ḥr.j-jb wsḫ.t: „der inmitten des (Tempel-)Vorhofes ist“, wie in Kolumne A, x+22, weil sich dann hier dieselbe Epithetakette ergäbe wie dort. Allerdings passen die Zeichenreste, die in B, x+2 von dem Epitheton noch erhalten sind, nicht zur Schreibung von A, x+22.

18 bnr.t: A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 10 vermutet darin eine Bezeichnung für Ägypten und übersetzt jwꜥ.t m bnr.t mit: „the heritage of Egypt(?)“. Für diese Bedeutung verweist er auf Zeile B, x+12, wo in leider zerstörtem Kontext eine Göttin als nb.t bnr.t bezeichnet wird. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 17, Anm. zu Zeile A, x+2 zweifelt diese Bedeutung an und geht davon aus, dass dieses Wort wörtlich als „douce“ zu verstehen sei. Tatsächlich ist eine Bezeichnung bnr.t für Ägypten bislang unbekannt. Allerdings ist Meyrats Übersetzung von jwꜥ.t m bnr.t als „un héritage avec la douce“ (S. 8) nicht viel erhellender. Vermutlich ist mit bnr.t wieder die Kronenschlange gemeint, wie an anderen Stellen des Papyrus: Das „Erbe des Osiris“ ist die Herrschaft über Ägypten, die Horus zusammen mit der Kronenschlange (pars pro toto für die Doppelkrone) oder mithilfe der Kronenschlange (d.h. als Folge der Krönung) erhält. Das passt dann auch zur anschließenden Rede des Geb, der zufolge die „Herrin“ (die dann von der bnr.t zu unterscheiden wäre und vielleicht Hathor ist, vgl. C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. V. -, Orientalia Lovaniensia Analecta 114 (Leuven 2002), 161b) ihm die Krone aufs Haupt setzt und dadurch die beiden Länder vereint.

19 Das ḥw.t-sr, das „Fürstenhaus“, ist der Haupttempel von Heliopolis.

20 Durch die Redeeinleitung wird das Folgende als wörtliche Rede des Gottes Geb markiert. Darin erscheint er als zu krönende Person (die Suffixpronomina der 1. Person Sg. sind zwar ergänzt, aber der Platz reicht beide Male nicht aus für ein anderes Pronomen), wohingegen der hiesige Satz zeigt, das eigentlich die Krönung des Horus thematisiert wird. Sollte vielleicht auf ein Thronbesteigungsritual des Geb angespielt werden, das zur Krönung von dessen Enkel Horus sozusagen aufgegriffen wird?

21 bnr.t: Erneut möchte Gardiner, a.a.O. hierin eine Bezeichnung für Ägypten sehen (s. den Kommentar zum vorigen Satz), das von der „mistress“ (ḥn.wt) „with [her] head“ konsolidiert werden solle. Meyrat, a.a.O., 20 vermutet dagegen in bnr.t eine Bezeichnung des Uräus.

22 zmꜣ pn: Das Substantiv zmꜣ ist logographisch geschrieben. Darunter und damit neben dem pn ist eine kleine Lücke im Papyrus. Eine Ergänzung ist nicht möglich; aber da die nächste Kolumne mit einem neuen Satz beginnt, kann eigentlich nur noch ein Klassifikator von zmꜣ, vielleicht auch nur der Logogrammstrich, gestanden haben. Zeichenreste, die zu einem senkrechten Zeichen gehören könnten, sind auf dem Foto von P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 282 noch erkennbar.
Das zmꜣ-Symbol, also das Ikon für die Vereinigung von Ägypten, sind die verknüpften Wappenpflanzen von Ober- und Unterägypten. Normalerweise schließt dieses Ikon die verknüpfenden Parteien, i.d.R. Gottheiten, mit ein, anstatt ikonographisch unabhängig von ihnen zu existieren, wie die Übersetzung der Stelle zu implizieren scheint. Die Verwendung des Demonstrativpronomens pn weist auf die Verwendung eines realweltlichen Objekts hin, das bei der Rezitation dieses Spruches zur Anwendung kam. Das heißt, dass man sich also tatsächlich zwei miteinander verknotete Pflanzen vorstellen kann, die verwendet wurden, oder aber ein Amulett oder dergleichen. Ist Letzteres der Fall, wäre dessen Aussehen zu hinterfragen. Folgende Optionen kommen dafür infrage:

– Eine dreidimensionale Darstellung der Vereinigungsszene, also der miteinander verknoteten Wappenpflanzen. Ein solches Objekt dürfte jedoch schwer umsetzbar sein, so dass das unwahrscheinlich ist.

– Eine dreidimensionale Version der zmꜣ-Hieroglyphe, also der Luftröhre mit Lunge. Diese ist kompakt genug für eine Amulettform und könnte dennoch über das Wortspiel für die im Text erwähnte Vereinigung stehen.

– In A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts VII. Texts of spells 787-1185, Oriental Institute Publications 87 (Chicago 1961), 135b wird ein zmꜣ-Gegenstand in einer Reihe Opfergaben genannt. Er ist logographisch mit der Luftröhre mit Lunge geschrieben und mit den Wappenpflanzen klassifiziert (R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden 2000), 491). Näheres darüber erfährt man nicht, außer dass der Gegenstand zwischen den Gefäßbezeichnungen ꜥb.t und ꜥpr.t – nach einer Reihe von Ölen und Harzen sowie vor Leinenballen – erwähnt wird und wie die übrigen Opfergaben als „Horusauge“ bezeichnet wird. Mit großer Vorsicht könnte man also vielleicht darin ebenfalls ein Gefäß sehen.

– Als letzte, wenn auch wenig wahrscheinliche Möglichkeit könnte man sich auch fragen, ob das Wort auf das Material statt die Form des Amuletts hindeutet: In Kolumne A, x+16-19 wurde vorgeschlagen, in der unklaren Aufzählung verschiedener Metalle eine Beschreibung von einem oder mehreren Metallobjekten mit Götterdarstellungen zu sehen. Möglicherweise könnte mit zmꜣ pn ebenfalls ein Metallobjekt gemeint sein. Zumindest gibt es eine – nicht sehr häufige – Metallbezeichnung zmꜣ.w n.t 6 (Wb 3, 450.16-17), bei der es sich wohl um eine Legierung aus sechs Bestandteilen handelt, s. J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 65 mit älterer Literatur. Die Tatsache, dass dieses zmꜣ.w durch n.t 6 weiter spezifiziert wird, ist ein Indikator dafür, dass es theoretisch auch andere Arten der zmꜣ.w-Legierung gegeben hat, auch wenn diese bislang nicht belegt sind, und dass es demzufolge einen unspezifischen Oberbegriff zmꜣ.w gegeben hat. Könnte man die vorliegende Stelle mit einem solchen Oberbegriff zusammenbringen?

Die Ramesseumspapyri wurden in einer Kiste zusammen mit verschiedenen magischen Utensilien gefunden (s. J.E. Quibell – R.F.E. Paget – A.A. Pirie [Quibell], The Ramesseum / The Tomb of Ptah-Hetep, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2] (London 1898), 3 und Taf. 2-3 sowie R.B. Parkinson, The Tale of the Eloquent Peasant (Oxford 1991), XII-XIII), doch passt keines davon zu den hier aufgezählten Optionen.
Zuletzt ist schließlich noch zu erwähnen, dass in Fragment K, x+2 noch einmal ein Wort zmꜣ vorkommt, dieses Mal in Pleneschreibung. Dass das Wort von B, x+6 damit zusammenzubringen ist, dürfte jedoch nahezu ausgeschlossen sein, weil es sich dort dem Kontext nach um eine Landbezeichnung handelt.

23 hnhn: Ein seltenes Verb, das eine fröhliche Handlung bezeichnet. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 20 geht dagegen davon aus, dass eine „variante assez rare“ des Verbs hn(n): „sich neigen“ vorliegt, wofür er aber keine weiteren Belege nennt.

24 Warum genau sich die „Herrin“ (ḥn.wt) auf den Oberarmen oder Schultern des Geb befindet, wird nicht klar. Vielleicht wird auf das ägyptische Weltbild angespielt, in dem Geb, der Erdgott, auf dem Boden liegt bzw. diesen formt und sich die Himmelsgöttin Nut als Himmel über ihm wölbt. Dann wäre Nut die hier namenlose „Herrin“, der dadurch eine wesentliche Rolle bei der Einigung der Beiden Länder und der Thronbesteigung des Königs zugeschrieben würde.

25 Die Identität der „Götter, die der großen Säulenhalle vorstehen“, ist unklar.

26 ⸢wn⸣[w.wt] ⸢s⸣[w].w ḥ.(w)t wḫ.t: Spekulativer Vorschlag.

27 sm.w wj: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 8 vermutet hierin eine nominalisierte Form des Verbs sm: „versorgen, achten“ (Wb 4, 120.11-13): „mes bienfaiteurs“. Die Kolumne dürfte allerdings eher eine Reihe von pluralischen Imperativen enthalten, die den Hauptsatz bilden, der nach den Vokativen der vorherigen Kolumnen zu erwarten ist.
Neben einer Deutung als sm: „versorgen“ ließe sich vielleicht auch ein Zusammenhang mit der Wortfamilie sm(w): „froh sein“ o.ä. (Wb 4, 121.3 = P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 845), sm/zmꜣ: „Freude“ (Wb 3, 452.1) und evtl. dem Wort sm.w in den Leiden des Ipuwer (pLeiden I 344, Rto. 6,4) denken, auch wenn die meisten der ohnehin wenigen sicheren Belege aus ptolemäischen Texten stammen. Die syntaktische Nähe zu pẖr.w, das hier nach dem vorangegangenen Vokativ eine Bedeutung wie „sich jemandem (kümmernd oder schützend) zuwenden“ o.ä. haben könnte (vgl. pẖr jb/ḥꜣ.tj: „das Herz zuwenden“, Wb 1, 544.14-545.2; „die Arme um jmd. legen“, Wb 1, 545.8-9; „sich um jmd. bemühen“, Wb 1, 545.11; pẖr m-sꜣ: „hinter jmd. hergehen“, Wb 1, 546.18), spricht eher für sm: „versorgen“; das anschließende jꜣm[.w]: „freundlich sein“ u.ä. erlaubt dagegen auch ein sm: „froh sein“.
Da das Verb in pRamessem VII aber transitiv ist, ginge das nur, wenn man neben der vom Wb angesetzten intransitiven Bedeutung „froh sein“ (die getragen wird durch die Edfu-Stelle sm.wj jb=sn: „Wie froh ist ihr Herz“, s. DZA 29.186.750 und Wilson, a.a.O.) auch eine transitive Bedeutung annimmt, etwa das hier vorgeschlagene „umjubeln“.
Wilson, a.a.O. vermutet, dass dieses Wort smw ein Derivat von smj: „melden, berichten“ ist (Wb 4, 127.7-128.13, hier spez. die Bedeutung „verklagen“, Wb 128.10-11, vgl. auch ḏd smj in Wb 129.8-9 und das Babygeschrei smj.w Wb 4, 128.13). Jedoch passt diese eher negative Bedeutung nicht zu der angenommen positiven von smw; zudem wird die Wortfamilie smj immer mit Milchkrug im Tragenetz (Gardiner Sign-list W19) geschrieben, der bei smw fehlt.

28 Am Anfang von Kolumne B, x+12 sind ca. 3 Schreibquadrate zerstört; nach der Lücke sind die Buchrolle und Pluralstriche erhalten. Ob der Kolumnenbeginn nur eins oder mehrere zerstörte Wörter enthielt, ist nicht festzustellen.

29 Der an jnk anschließende Göttername ist tlw. zerstört und dadurch unlesbar. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 23A ergänzt fragend zu Ꜣs.t, dem Namen der Isis, und scheint von einer Schreibung in gespaltener Kolumne auszugehen, in der jnk und der Gottesname nebeneinander und nicht übereinander standen. Tatsächlich fällt auf, dass vor dem noch tlw. erhaltenen Gottesdeterminativ zwar noch Teile des Papyrus erhalten sind, diese aber keine Zeichenreste erhalten. Es wären aber welche zu erwarten, wenn hier das Logogramm oder die Phonogramme des Gottesnamens stünden.
Unsicher wird die Ergänzung dadurch, dass in Zeile B, x+13 noch der Klassifikator einer männlichen Gottheit erhalten zu sein scheint. Aufgrund der Kürze der Kolumnen wird er noch zu dem Satz gehören, der mit dem nḏ beginnt; und sollte er zu einem Epitheton der angeredeten Person gehören, müsste diese maskulin sein.
Das noch erhaltene Epitheton nb-bnr.t hilft bei der Identifizierung der Gottheit nur wenig weiter. C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. IV. nbt-h, Orientalia Lovaniensia Analecta 113 (Leuven 2002), 47b kennt nur sehr wenige Belege für eine weibliche nb.t-bnr.t: zum einen als Bezeichnung für die vergöttlichte Ahmes Nefertari in einem Beleg aus der Ramessidenzeit, und zum anderen gibt es zwei Belege aus der griechisch-römischen Zeit (einmal als Bezeichnung der Hathor, ein zweites Mal als Variante zur Chronokratin Bnr.t-rʾ: „die mit süßem Mund/süßer Rede“). Auch für ein maskulines nb-bnr.t: „Herr von Beliebtheit“ gibt es nur marginale Belege. C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. III. p-nbw, Orientalia Lovaniensia Analecta 112 (Leuven 2002), 621a kennt nur zwei neureichszeitliche Belege: einmal für Re und einmal für Atum. Hinzu kommt noch ein dritter aus griechisch-römischer Zeit für Harpachered als nb-bnr.w-ḥr-ḥr-nb: „Herr von Beliebtheit bei jedermann“.
P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 8 lässt die Stelle offen und übersetzt auch jnk, anders als in A, x+11-12, mit „je suis“.

30 Der Gottesname am Ende des Satzes ist nicht zu identifizieren. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 23A liest den Götterklassifikator A40, gefolgt (sic) von einem g. Über dem g ist noch das Unterteil einer Vogelhieroglyphe erhalten; welcher, ist nicht mehr erkennbar. Gardiner ergänzt fragend zu einem Schmutzgeier, P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 283 lässt die Stelle offen. Ein kontextloses g hinter dem Klassifikator ist natürlich unmöglich und zum folgenden Wort kann es auch nicht gehören, weil es kein Verb *gꜥm gibt. Möglicherweise ist er nur zu weit nach unten gerutscht und ist eigentlich das letzte Phonogramm des Gottesnamens. Oder ist es gar kein g, sondern der Rest einer ausladenden Perücke oder Krone, oder eines (Tier?-)Kopfes des Götterklassifikators?

31 ngmgm: Dieses Wort kommt in der Passage pRamesseum VII, B, x+13 – x+16 dreimal vor: (1a) Das erste Mal mit Einkonsonantenzeichen geschrieben und mit dem schlagenden Mann klassifiziert; (1b) das zweite Mal erneut mit Einkonsonantenzeichen geschrieben, aber dieses Mal ohne einen Klassifikator; (1c) das dritte Mal schließlich ist es mit zwei gm-Vögeln geschrieben, aber erneut ohne Klassifikator.
Der zeitlich nächste Beleg für dieses Verb stammt aus (2) einer Inschrift der Hatschepsut aus Deir el-Bahari, die einen Feldzug ihres Vaters, Thutmosis’ I., thematisiert (L. Popko, Untersuchungen zur Geschichtsschreibung der Ahmosiden- und Thutmosidenzeit. „… damit man von seinen Taten noch in Millionen von Jahren sprechen wird“, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 2 (Würzburg 2006), 165-171 und 283, Kol. y+7). Dort ist es wie Beleg 1c mit zwei gm-Vögeln geschrieben, die aber zusätzlich jeweils mit einem m phonetisch komplementiert sind. Außerdem ist es mit dem sitzenden Mann mit Hand am Mund klassifiziert. (3) Der letzte Beleg stammt schließlich aus einer Stele Amenhoteps II. aus Karnak (Urk. IV, 1312.8; die größtenteils parallele Memphis-Stele enthält diese Notiz nicht, bietet also keinen zusätzlichen Beleg). Dieser Beleg ist wie Nr. (2) mit gm-Vogel und phonetischem Komplement geschrieben, allerdings nicht ngmgm, sondern abgekürzt ngm-zp-2. Außerdem ist es klassifikatorlos.
Insgesamt gibt es also für dieses seltene Verb zwei verschiedene Schreibungen und drei verschiedene Arten der Klassifikation (Nullklassifikation [∅], sitzender Mann mit Hand am Mund [A2], schlagender Mann [A24]): Zum einen die Schreibung mit Einkonsonantenzeichen (1a: A24; 1b: ∅); zum anderen die Schreibung mit dem gm-Vogel (1c: ∅; 2: ∅; 3: A24). Alle Belege sind intransitiv.
Trotz der verschiedenen Schreibungen ist wohl davon auszugehen, dass es sich um dasselbe Wort handelt (s.u.).
Wb kannte nur den Beleg (3) von der Stele Amenhoteps II. (Wb 2, 349.15), die dementsprechend die Basis für die Bedeutungsfindung bildete: Dem Kontext nach drückt es eine negative Handlung aus, denn es beschreibt etwas, was die Bewohner der Stadt Ikatji tun, r jri̯.t sḫr n(.j) ḫꜣꜥ tꜣ jwꜥ.yt n(.t) ḥm=f | [r-b]⸢nr⸣ m pꜣ dmj r pnꜥ ḥr pꜣ [wr n(.j) Jkṯj] n.tj ḥr mw n(.j) ḥm=f: „um einen Plan zur Vertreibung der Besatzung Seiner Majestät aus der Stadt zu schmieden, und um den [Fürsten von Ikatji], der Seiner Majestät gegenüber loyal ist, ‚umzudrehen‘.“ Wb setzt als Bedeutung für ngmgm „sich verschwören“ an. Diese Übersetzung wird in jüngeren Arbeiten i.d.R. übernommen: sowohl in Wörterbüchern (R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 463, Nr. {16731} [NB: der dort durch eine zweite Nr. {16731} suggerierte zweite Beleg wird dieselbe Stelle meinen, nur dieses Mal im Kontext mit r]; R.O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 142: „conspire“) als auch von Bearbeitern dieser Stele (bspw. W. Helck, Urkunden der 18. Dynastie. Übersetzung zu den Heften 17-22 [IV,1227-2179], Urkunden des Ägyptischen Altertums IV (Berlin 1961), 36: „sich verschwören“; P. Der Manuelian, Studies in the Reign of Amenophis II, Hildesheimer Ägyptologische Beiträge 26 (Hildesheim 1987), 228: „conspire“; P. Beylage, Aufbau der königlichen Stelentexte vom Beginn der 18. Dynastie bis zur Amarnazeit. Teil 1. Transkription und Übersetzung der Texte. Teil 2. Methodik und Analyse der Texte, Ägypten und Altes Testament 54 (Wiesbaden 2002), 111: „Verschwörung anzetteln“; A. Klug, Königliche Stelen in der Zeit von Ahmose bis Amenophis III, Monumenta Aegyptiaca 8 (Bruxelles 2002), 263: „sich verschwören“; P. Lundh, Actor and Event. Military Activity in Ancient Egyptian Narrative Texts from Tuthmosis II to Merenptah, Uppsala Studies in Egyptology 2 (Uppsala 2002), 118: „conspire“). Ebenso A. J. Spalinger, Aspects of the Military Documents of the Ancient Egyptians, Yale Near Eastern Researches 9 (New Haven, London 1982), 60: „plot a conspiracy“. Spalinger vermerkt außerdem: „ngmgm served the same purpose as kꜣı͗ bštw m ı͗b [‚Aufruhr im Herzen planen‘, L.P.], and was probably interchangeable with it.“ Einzig M.-T. Derchain-Urtel, Das n-Präfix im Ägyptischen, in: Göttinger Miszellen 6, 1973, 39-54, hier 40 weicht davon ab und vermutet eine Bedeutung „sich zusammenfinden, sich versammeln“.
Der Kontext von Beleg (2) ist leider zerstört, aber es ist ebenfalls eine Handlung der Feinde (der Klassifikator ist noch erhalten) beschrieben: m jn.wt=sn ḥr mdw.t [---]: „in ihren Tälern mit Worten (o.ä.) [---]“. Von einer Gleichsetzung mit dem ngmgm von Nr. (3) gehen implizit D.B. Redford, History and Chronology of the Eighteenth Dynasty of Egypt. Seven Studies, Near and Middle East Series 3 (Toronto 1967), 59 („plot“), S. Ratié, La Reine Hatchepsout. Sources et problèmes (Leyden 1979), 221 („comploter“) und Popko, a.a.O., 169 („sich verschwören“) sowie explizit Lundh, a.a.O., Anm. 244 aus.
Auch für die Belege des pRamesseum VII – zeitlich die frühesten, aber bearbeitungsgeschichtlich die zuletzt berücksichtigten – geht bspw. Vernus von einer Gleichsetzung und zunächst auch von einer ähnlichen Bedeutung aus, die ein Bewegungsmoment beinhalten (vgl. das dt. „Aufruhr“). So übersetzt er die gesamte Passage zunächst (P. Vernus, Le préformant n et la détransitivité. Formation nC1C2C1C2 versus C1C2C1C2. A propos de la racine √gm „notion de trituration“, in: Lingua Aegyptia 17, 2009, 291-317, hier 307-308) mit: „Si Geb a avalé, c’est de maniere qu’il ne soit-pas pris-de-remuements dans son ventre, de manière que son ennemi ne soit pas pris-de-remuements. Acceptez le ventre de Nout pour que mon ennemi ne soit pas pris-de-culbutes. II ne sera pas pris-de-culbutes, parce que je me suis donné quelque chose (/quelque chose m’a été donné). Si je vous ai avalé, c’est de manière que mon ennemi ne soit pas pris-de-remuements.“ Das Verb ngmgm leitet er von einer Wurzel gm(1) ab (explizit S. 307), deren Bedeutung er mit „triturer, malaxer“ (vgl. ebd., sowie S. 311 für das reduplizierte gmgm) bzw. „kneading, grinding up, fidgeting“ (vgl. sein Abstract S. 291) angibt. Auf diese Studie bezieht sich P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 8 und 20 mit den einzigen Unterschieden, dass er in Kol. B, x+14 die Lücke als zu lang für die Präposition m allein ansieht und sie daher offen lässt, und dass er am Beginn von B, x+15 nicht den Götternamen Nut ergänzt, sondern basierend auf A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 23A, ẖ.t=j. An der Nuance des Verbs ändert das aber in seiner Übersetzung nichts: „Si Geb a avalé, c’est de maniere qu’il ne soit pas pris-de-remuements […] son ventre, de manière que ses ennemis ne soient pas pris-de-remuements. Acceptez [mon] ventre pour que mes ennemis ne soient pas pris de culbutes. II ne sera pas pris de culbutes, parce que quelque chose m’a donné. Si je vous ai avalés, c’est de manière que mes ennemis ne soient pas pris de remuements.“ Allerdings deutet Vernus, a.a.O., 309, Anm. 103 schon die Möglichkeit an, ngmgm auch mit einer Wurzel gm(2): „se repérer, se retrouver“ zu verbinden. Für diese Option plädiert er dann in P. Vernus, La racine √gm, notion de „rencontre, contact avec“, et ses radicaux dérivés (gmḥ, ngmgm et gmgm), in: K. Ryholt – R. Nyord (Hrsg.), Lotus and Laurel. Studies on Egyptian Language and Religion in Honour of Paul John Frandsen, CNI Publications 39 (Copenhagen 2015), 418-430, hier 424-425 und 430 aufgrund des Belegs (3), den er in seiner früheren Studien nicht berücksichtigt hat. Dort findet er eine Bedeutung „se retrouver, s’entre-organiser“ angebrachter, also wie schon Derchain-Urtel, und übersetzt Nr. (3) mit: „[les rebelles] se mettaient à se retrouver/s'entre-organiser dans leurs vallees, a parler …“. Tatsächlich scheint diese Übersetzung besser zu passen; im Deutschen würde auch ein „zusammenfinden“ sowohl in Beleg (3) als auch (2) passen und würde sowohl eine Klassifizierung mit dem sitzenden Mann mit Hand am Mund (als Verb der sinnlichen Wahrnehmung) als auch eine mit dem schlagenden Mann (als Aktionsverb) nachvollziehbar erscheinen lassen: In Beleg (2) „verschwören“ sich die Bewohner nicht, um einen Plan zu schmieden, sondern sie „finden sich zusammen“, um einen Plan zu schmieden, und in Beleg (3) „verschwören“ sich die Feinde nicht in ihren Tälern, sondern sie „finden sich“ dort „zusammen“.

32 nḫrḫr: Einmal mit schlagendem Mann klassifiziert und einmal ohne Klassifikator. Wb kennt nur ein klassifikatorloses nḫrḫr (Wb 2, 313.1) als seltene Handlung, die vom Gesicht einer Person (ḥr) gesagt wird. Laut dem Kontext des einzigen Beleges, den das Wb kennt (PT 369, Pyr. § 644d), verhindert Horus, dass dies mit dem Gesicht des verstorbenen Königs passiert. Wb vermutet „traurig sein o.ä.“. Diese Übersetzung passt zunächst auch in den wenigen anderen, seitdem neu hinzugekommenen Belegen (PT 67 [s. im TLA], und A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts VII. Texts of spells 787-1185, Oriental Institute Publications 87 (Chicago 1961), 61c). In letzterer Stelle ist nḫrḫr ebenfalls Negativkomplement und zeigt, wie in pRamesseum VII, eine w-Endung (notiert auch von W. Schenkel, Die Endungen des Prospektivs und des Subjunktivs (śč̣m=f, śč̣m.w=f, śč̣m.y=f) nach Befund der Sargtexte. Mit einem Anhang zum prospektiven Partizip śč̣m.t(ı͗)=f(ı͗), in: Lingua Aegyptia 7, 2000, 27-112, hier 61). Speziell in PT 369 wird zuvor gesagt, dass Horus die Augen des Königs erschaffen hat. Daher nimmt K. Sethe, Übersetzung und Kommentar zu den altägyptischen Pyramidentexten. Bd. 3. Spruch 326-435 (§§ 534-787) (Glückstadt, Hamburg, New York 1937), 190-191, Anm. zu § 644d an, dass nḫrḫr eher „ohne Sehkraft sein“ heißt. (NB: seine Alternativübersetzung „blöde sein“ bezieht sich nicht auf die heutige eingeengte Bedeutung dieses Wortes, sondern wird die heute außer Gebrauch geratene Bedeutung „körperlich schwach“ o.ä. meinen, s. J. Grimm – W. Grimm, Deutsches Wörterbuch. 16 Bde. in 32 Teilbänden (Leipzig 1854-1961), s.v. „blöde“, spez. Abschnitt 4-5.) Den Vorschlag „traurig sein“ des Wb lehnt Sethe dagegen explizit ab. Er überlegt ferner, ob das Wort mit nḫr, einem schlechten Zustand (Wb 2, 312.15), zusammenhängt sowie vielleicht auch mit dem unsicheren nḫr, mit dem er sich in K. Sethe, Dramatische Texte zu altägyptischen Mysterienspielen, Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Aegyptens 10 (Leipzig 1928), 156 und 158-159 „abgequält habe“ (und sich letztlich dort für eine andere Lösung entscheidet). Nur der Vollständigkeit halber sei genannt, dass auch Hannig noch ein Verb nḫrḫr kennt (Nr. {16296}), dem er ebenfalls die Bedeutung „ohne Sehkraft sein“ gibt. Sein Beleg ist A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts VII. Texts of spells 787-1185, Oriental Institute Publications 87 (Chicago 1961), 228j, wo der Satz beginnt mit: Schilfblatt und sitzendem Mann, nḫrḫr und sitzendem Gott. R.O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Vol. III. Spells 788-1185 and Indexes (Warminster 1978), 112 trennt diese Stelle dagegen anders auf und geht von dem defektiven Verbum dicendi jn/j.n aus, gefolgt von einer Götterbezeichnung Ḫrḫr: „‚(...)‘, says Ḫrḫr“. Ebenso P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire. Introduction et traduction, Littératures anciennes du Proche Orient 12 (Paris 1986), 416: „‚(...)‘, dit Ḫrḫr“. Dieser Interpretation folgt auch C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. V. -, Orientalia Lovaniensia Analecta 114 (Leuven 2002), 951a, wo dieser Sargtextbeleg als (einziger) Beleg für eine Gottheit Ḫrḫr: „Der Zerstörende (?)“ (< ḫrḫr: „zerstören“, Wb 3, 330.7) aufgenommen ist. Hannig, a.a.O. referiert zwar auf Fecht und Barguet, schlägt aber durch seine Transkription nḫrḫr eine andere Worttrennung vor: nicht j.n Ḫrḫr, sondern j Nḫrḫr: „O Nḫrḫr“ o.ä. Das heißt, sein verbaler Ansatz als Verb ist nur rekonstruiert, denn der sitzende Gott zeigt, dass auch bei Hannigs Worttrennung sein nḫrḫr eine (scil. von einem entsprechenden Verb abgeleitete) Gottesbezeichnung ist. Dies erklärt auch, warum sein Beleg ohne Klassifikator aufgenommen wurde. Die Übersetzung „ohne Sehkraft sein“ geht direkt auf Sethes Pyramidentexte zurück, wodurch klar wird, dass dieses Lemma {16296}, sofern man überhaupt an dessen Existenz glaubt, eigentlich identisch mit Wb 2, 313.1 wäre und kein davon zu trennendes Wort.
Doch warum sollten die Feinde in pRamesseum VII gerade nicht „traurig“ (Wb) oder „ohne Sehkraft“ (Sethe) sein? In diesem magischen Kontext erwartet man eigentlich das genaue Gegenteil: es wäre geradezu wünschenswert, seine Feinde „traurig“ oder „ohne Sehkraft“ zu sehen. R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 451 führt, vielleicht deswegen, das hiesige Verb als eigene Nr. {50409} auf (vgl. R. Hannig, Ägyptisches Wörterbuch II. Mittleres Reich und Zweite Zwischenzeit, Hannig-Lexica 5 (Mainz 2006), 1324) und schlägt als Bedeutung „angreifen“ vor. Eine solche Bedeutung würde in pRamesseum VII tatsächlich sehr gut passen, ist aber eben nur geraten. P. Vernus, Le préformant n et la détransitivité. Formation nC1C2C1C2 versus C1C2C1C2. A propos de la racine √gm „notion de trituration“, in: Lingua Aegyptia 17, 2009, 291-317, hier 293 und 301 übersetzt das Verb mit „se-prendre-de-culbutes, de basculements“, abgeleitet von der Wurzel ḫr: „fallen“; und in CT VII, 61c vermutet er a.a.O., 301, Anm. 52 die Bedeutung „se prendre d’inclinaisons“.
M.-T. Derchain-Urtel, Das n-Präfix im Ägyptischen, in: Göttinger Miszellen 6, 1973, 39-54 versucht eine Verbklasse mit dem Bildungsmuster nABAB zu etablieren, das eine Ableitung von einem Stamm AB ist und ähnlich einem medialen Genus Verbi eine Handlung ausdrückt, bei der deren Subjekt „die gleiche Handlung an sich selber, in seinem eigenen Interesse, in einer Bewegung auf sich selbst bezogen, ausführt“ (S. 43). Diese Handlung könne u.a. passive, reflexive, tolerative und reziproke Bedeutungen haben (S. 45). Ähnlich auch P. Vernus, Le préformant n et la détransitivité. Formation nC1C2C1C2 versus C1C2C1C2. A propos de la racine √gm „notion de trituration“, in: Lingua Aegyptia 17, 2009, 291-317, hier 308: „L’action est manifestement présentée hors causation extérieure. Le participant unique est même temps l’espace où elle se déroule. Dans le case de nḫrḫr, le participant dans sa globalité est affecté. (...) L’action es présentée comme constituée de multiples phases homologues répétées, ou, au minimum, comme impliquant intrinsèquement un processus complexe.“ Auf dieser Basis wird hier vorgeschlagen, das Verb nḫrḫr von ḫr: „fallen, fällen“ (Wb 3, 319-321.5) abzuleiten, und als Behelfsübersetzung wird „sich in Unruhe versetzen“ vorgeschlagen. Das dürfte einer reflexiven und/oder reziproken Ableitung von „fallen, fällen“ nahekommen, und es ist als eine Handlung denkbar, die man sicher gern verhindert wissen will – sei es das eigene Gesicht betreffend wie auch die Feinde.

33 nn nḫrḫr.w=f ḥr rḏi̯.t n=j (j)ḫ.t: Nach den hier vorgeschlagenen Rekonstruktionen liegt in den Kolumnen B, x+13-16 eine Passage mit dem Satzmuster ABBA vor: Die (zuvor angerufenen?) Götter werden aufgefordert, den Leib des Gottes Geb (schützend) aufzunehmen, um ihn vor beginnenden schädlichen Handlungen seiner Feinde zu schützen (AB), und sie werden aufgefordert, den Leib des Patienten(?) (gleichermaßen) schützend aufzunehmen (B), wozu der Patient sie – vielleicht in Form essbarer Amulette oder von Heilwasser, das über entsprechende Darstellungen lief – in sich aufnimmt (A). Der Satz nn nḫrḫr.w=f ḥr rḏi̯.t n=j (j)ḫ.t ist der einzige, der dieses Muster sprengt und daraus das Muster ABBCA macht. Allerdings ist er auch in Vernus’ und Meyrats Übersetzung nicht sehr überzeugend.

34 sm.t(w)=j: Die ersten Zeichen nach der Lücke sind die vereinfachte Form des Rückgrats F37 und ein tlw. zerstörtes m. Darunter folgen ein t und ein sitzender Mann. Die ersten beiden Zeichen legen eine Lesung sm nahe. Während Meyrat, a.a.O. einen Identifizierungsvorschlag unterlässt, wird hier vorgeschlagen, dass es sich um dasselbe Verb handelt wie in A, x+4 und B, x+11, auch wenn die Schreibung etwas anders ist: Das Rückgrat ist hier Zweikonsonantenzeichen, während es in A, x+4 zur Klassifikation gehört und in B, x+11 ganz fehlt.
Neben einer Deutung als sm: „versorgen“ ließe sich alternativ auch hier, wie bei den anderen beiden Stellen, vielleicht ein Zusammenhang mit der Wortfamilie sm(w): „froh sein“ o.ä. (Wb 4, 121.3 = P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 845), sm/zmꜣ: „Freude“ (Wb 3, 452.1) und evtl. dem Wort sm.w in den Leiden des Ipuwer (pLeiden I 344, Rto. 6,4) denken, auch wenn die meisten der ohnehin wenigen sicheren Belege aus ptolemäischen Texten stammen. Da das Verb in pRamessem VII auch in B, x+18 transitiv ist (die Schreibung mit t legt ein passives sḏm.t(w)=f nahe, wie auch sonst im Papyrus), ginge das nur, wenn man neben der vom Wb angesetzten intransitiven Bedeutung „froh sein“ (die getragen wird durch die Edfu-Stelle sm.wj jb=sn: „Wie froh ist ihr Herz“, s. DZA 29.186.750 und Wilson, a.a.O.) auch eine transitive Bedeutung annimmt, etwa das hier vorgeschlagene „umjubeln“.
Wilson, a.a.O. vermutet, dass dieses Wort smw ein Derivat von smj: „melden, berichten“ ist (Wb 4, 127.7-128.13, hier spez. die Bedeutung „verklagen“, Wb 128.10-11, vgl. auch ḏd smj in Wb 129.8-9 und das Babygeschrei smj.w Wb 4, 128.13). Jedoch passt diese eher negative Bedeutung nicht zu der angenommen positiven von smw; zudem wird die Wortfamilie smj immer mit Milchkrug im Tragenetz (Gardiner Sign-list W19) geschrieben, der bei smw fehlt.

35 ẖ.t: Zum „Leib, Bauch“ als Sitz von Beliebtheit u.ä. s. Wb 3, 357.4 (bislang nicht belegt in Kombination mit bnj.t).
Daneben kann ẖ.t, wenn es sich auf rmṯ.w bezieht, auch die Generation(en) meinen (Wb 3, 358.3), also sozusagen das Corpus der gerade lebenden Menschen. Diese Möglichkeit ist hier jedoch weniger wahrscheinlich, weil hier dann von einer Generation „aller“ oder „jeder beliebigen“ Menschen die Rede wäre, was weniger zu passen scheint.

36 Das räumliche Verhältnis der Fragmente B und C zueinander ist unklar. Weder Gardiner noch Meyrat äußern sich dazu. Die Rückseite der Fragmente C-F ist unbeschriftet (s. Website British Museum [letzter Zugriff 04.05.2020]), so dass sie keinen zusätzlichen Indikator bieten.

Spruch x+3 (?)

[---] [C, x+1] [---] auf meinem Kopf(?).1 Indem [du] die [___](???) des Herzens, die im Körper des Horus ist, gegenüber(???) Seth vertreibst – und umgekehrt –, beseitigst du das Übel2. (Und ebenso gilt:) Indem [du] die [___](???) des Herzens, die im Körper aller Menschen ist – usw. –, vertreibst, beseitigst du das Übel3. [C, x+5] [---]. Hiermit gebe ich dir Lobpreis [---]4
[---] [D, x+1] [---] Westen(?), indem ich sie, die kommen(?), [---] [---] Rücken(???).5
Lege mir diese Perle auf meine linke Hand!6 [---] hinter mir.7

1 In Kolumne D, x+2 findet sich die Anweisung, „eine Perle auf meine linke Hand“ zu legen. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11 deutet an, dass das eine mögliche Nachschrift eines magischen Spruches sein könnte, obwohl es nicht als Rubrum geschrieben ist. Gleiches könnte man daher auch für C, x+1 diskutieren. Allerdings ist hier so wenig erhalten, dass aus rein pragmatischen Gründen angenommen wird, dass diese Passage mit dem Folgenden zu einem einzigen Spruch gehört.

2 jnb ist seiner Klassifizierung nach die „Mauer“. Aber was soll „Tu abattras un mur“ (so P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 9) hier bedeuten? Zwar kann dr auch für physische Objekte verwendet werden, wie etwa für šd.yt: „Schutt“ (Wb 5, 473.13 = Urk. IV, 835.3; in einem Grundsteinritual, neben ḫsr ḏw.t=f: „sein Böses vertreiben“ genannt); und es können auch Tore (Wb 5, 473.19 = Urk. I, 218.14) und eine Grabpyramide (Wb 5.474.13 = pAbbott 2,9) dr: „entfernt“ werden – aber viel häufiger werden doch Krankheiten, Dämonen und generellere (negative) Dinge, wie „Übel“, dr: „beseitigt“. Neben diesem dr: „beseitigen, entfernen“ gibt es noch ein Verb dr: „verkleiden (o.ä.) mit Gold“, Wb 5, 475.5-6 (wohl identisch mit Wb 5, 475.8), was etwa von einem Tempel gesagt wird; und schließlich kennt Wb 5, 475.14 noch ein neuägyptisches Verb drj, das auch m jnb: „an der Mauer“ gemacht werden kann (vielleicht nur identisch mit dem letztgenannten). Aber auch diese Bedeutungen sind im vorliegenden Kontext, so zerstört er ist, fraglich.
Möglicherweise ist daher gar nicht die Bedeutung von dr das Problem, sondern diejenige von jnb. Vielleicht liegt viel eher ein früher Beleg für jnb.w: „Schmutz, Böses“ o.ä. (Wb 1, 95.17) vor, auch wenn dieses Lemma durch das schlechte Paket bzw. den schlechten Vogel eindeutig als negative Entität klassifiziert ist und sich durch diese Schreibung von der vorliegenden Stelle unterscheidet. Für dieses jnb.w führt Wb nur zwei Belege aus Edfu auf, davon aber einer bezeichnenderweise als direktes Objekt von dr: „beseitigen“ (DZA 20.908.630). Einen weiteren Beleg für diese Passage in pBerlin P 13242, Zeile 4b, 10 = 5c,4 (1. Jh. v. Chr.) nennt noch S. Schott, Die Reinigung Pharaos in einem memphitischen Tempel (Berlin P 13242), Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: Philologisch-Historische Klasse 1957.3 (Göttingen 1957), 63 und Taf. 12 (dort mit sitzendem Mann mit Hand am Mund sowie mit Buchrolle und Pluralstrichen (?) klassifiziert) (dieser Beleg auch schon genannt von P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 83).

3 jn[b]: Es wird wohl dasselbe Wort sein wie im vorigen Satz. Die unterschiedliche Zeichenanordnung widerspricht dem nicht, denn vielleicht hat der Schreiber nur versucht, es noch am Ende der Kolumne unterzubringen, was nicht funktioniert hätte, wenn er es wie in der vorherigen Kolumne geschrieben hätte. Das in C, x+4 nicht mehr erhaltene b müsste angesichts der hier rekonstruierten Kolumnenlänge (s. den Kommentar zum vorigen Satz) schon ziemlich gequetscht geschrieben gewesen sein, aber das wäre nicht der einzige Fall, in dem der Schreiber noch ein großes Zeichen ans Ende der Kolumne quetschte: vgl. die Enden von Kol. B, x+9 und B, x+16.

4 Ob die Fragmente C und D direkt aneinander anschließen oder nicht, und wenn Letzteres, wie viel zwischen ihnen fehlt, ist unklar. Weder Gardiner noch Meyrat äußern Vermutungen. Die Rückseite der Fragmente C-F ist unbeschriftet (s. Website British Museum [letzter Zugriff 04.05.2020]), so dass sie keinen zusätzlichen Indikator bieten.

5 Eine Ergänzung der Wortreste und Rekonstruktion eines sinnvollen Satzgefüges ist unmöglich. Auch P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 9 gibt nur eine Basisübersetzung der einzelnen, isolierten Wörter an.
– Das erste erhaltene Zeichen in Kolumne D, x+1 ist der Falke auf der Weststandarte, Gardiner Sign-list R13. Da ihm kein Logogrammstrich folgt, wird er eher Klassifikator als Logogramm für jmn.t: „Westen“ oder ein Wort derselben Wortfamilie sein. Der winzige noch erhaltene Zeichenrest darüber wird demzufolge wohl zur Schreibung dieses Wortes gehört haben, und es ist gut möglich, dass dieses Wort überhaupt den Beginn der Kolumne füllte.
– Unter dieser Hieroglyphe folgen etwa 1,5 stark zerstörte Schreibquadrate, in denen nur einzelne Zeichenreste erhalten sind. Darunter folgen der sitzende Mann mit Hand am Mund sowie der normale sitzende Mann. Ersterer wird Klassifikator sein, Letzterer vielleicht eher Suffixpronomen. Den grob dreieckigen Zeichenfleck links über dem sitzenden Mann mit Hand am Mund hat P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 284 als q-Hügel transliteriert; seine Transkription als q[...]=j auf S. 9 ist aber falsch, weil der Wortstamm des fraglichen Wortes mit diesem Zeichen endet und nicht beginnt. Korrekt wäre es also [...]q=j. Einen Übersetzungsvorschlag bietet Meyrat nicht. Die Kombination aus Hügel und sitzendem Mann mit Hand am Mund lässt an die Abkürzung qq für wnm denken, die schon seit dem Alten Reich belegt ist. Doch eine solche Lesung würde erfordern, dass die beiden waagerechten Zeichenreste zwischen diesem Wort und dem Falken auf Westhieroglyphe zu einer Konjunktion oder satzeinleitenden Partikel gehören, und hier lässt sich keine passende denken. Auch eine Schreibung von wnm mit Blüte und zwei q-Hügeln, wie sie DZA 22.383.970 für die Pyramidentexte und DZA 22.383.990 für zwei Mittlere-Reichs-Texte verzeichnet, passt nicht zu diesen Zeichenresten. Der Satz kann also auch nicht mit einem uneingeleiteten wnm begonnen haben. Die Stelle bleibt unklar, und A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), bietet auch keinen Vorschlag für die Zeichenreste über dem sitzenden Mann mit Hand am Mund.
– Der Vorschlag, das letzte Wort der Kolumne jwi̯.w zu lesen, stammt schon von Gardiner, a.a.O. Mögliche Belege für einen stammhaften Imperativ jyi̯/jwi̯ (der hier im Plural verwendet wäre) sind stark umstritten (J.F. Quack, Gibt es einen stammhaften Imperativ iyi „komm“?, in: Lingua Aegyptia 12, 2004, 133-136; S. D. Schweitzer, Nochmals zum stammhaften Imperativ von jyi̯/jwi̯, in: Lingua Aegyptia 16, 2008, 319-321; J. F. Quack, Nochmals zum angeblichen stammhaften Imperativ **ı͗yi̯ „komm!“, in: Lingua Aegyptia 24, 2016, 101-110). Selbst wenn es ihn gäbe, wäre es zweifelhaft, dass hier eine Imperativform vorliegt, da der Schreiber dieses Textes in Kolumne A, x+26 die reguläre Form mj (ebenfalls im Plural) verwendete. Damit bleiben nur nominale Formen übrig, und hier nach der Verteilung der Formen auf die Stämme jyi̯ und jwi̯ (dazu J. Winand, Le verbe iy/iw. Unité morphologique et sémantique, in: Lingua Aegyptia 1, 1991, 357-387) nur ein imperfektivisches Partizip.
– Eine Ergänzung der Zeichenreste am Anfang der nächsten Kolumne ist unmöglich. Vom ersten Zeichenquadrat sind noch die Beine eines Vogels(?) zu erkennen, am wahrscheinlichsten die eines Wachtelkükens. Zu einem m, wie das nachfolgende s es denkbar erscheinen lässt, passt die Form nicht. Ein anderes Zeichen mit Beinen ist aber nicht auszuschließen. In jedem Falle stehen diese Beine nicht mittig in der Kolumne, sondern sind nach rechts gerückt, so dass in der linken, jetzt komplett zerstörten Hälfte noch etwas anderes gestanden haben muss. Unter den Beinchen sind zwei winzige schwarze Punkte erkennbar. Ob sie die einzigen Reste eines – in dem Fall sehr kleinen – Klassifikators sind, ein weiteres Phonogramm darstellen oder bloße Tintenkleckse, ist nicht mehr feststellbar.
– Das nächste Zeichen ist der Rücken, Gardiner Sign-list Aa17. Wenn das darunter stehende Wachtelküken den Beginn des nächsten Wortes bildet, muss der Rücken Klassifikator oder Logogramm sein. Auch dieses Zeichen scheint nicht mittig in der Kolumne zu stehen, sondern etwas nach rechts gerückt. Ein winziger schwarzer Punkt links neben dem Kopf des Wachtelkükens, direkt am Rand der Lücke, könnte vielleicht der letzte Rest eines Logogrammstriches neben dem Rücken sein.

6 So schon A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11, der hierin einen Anwendungshinweis des magischen Spruches vermutet (so wird seine Anmerkung „though written in black“ zu verstehen sein, mit der er darauf anspielt, dass solche Anweisungen üblicherweise rot geschrieben sind).

7 Wenn Gardiner Recht hat und der vorige Satz Teil eines Anwendungshinweises und damit einer Nachschrift war, könnte vielleicht dieser Satzrest auch noch dazu gehören.

Spruch x+4 (?)

Des Gottes Boten,1 die geschickt wurden, um mich zu suchen: Einen Rebellen(?) haben sie beseitigt [D, x+5] [---]2
[---] [E, x+1] [---] meine Körperteile.3 Mein Brandopferbecken wird(?) sich nicht verdunkeln.4 Nicht ist [---] übel gesinnt (?)5 [---]. Ich werde nicht milde sein (???). [Mein] Gesicht wird sich nicht verhüllen [gegenüber] meinen [---] im Haus des/der [---]. (D.h.: Ich werde nicht nachsichtig wegschauen bei [---].)
[E, x+5] Werde gesprochen über einer Frauenfigur/-darstellung (oder: über (Göttin) NN)6, [---]7 sieben8 Horusfiguren(?)9, (einer Darstellung der Göttin) Selkis (oder: einem(?) Skorpion)10 [---]11 [---]12

1 Bei den anonymen Götterboten handelt es sich mit größter Sicherheit um Boten des Osiris, die den Lebenden holen sollen, vgl. dazu J. Zandee, Death as an Enemy According to Ancient Egyptian Conceptions, Studies in the History of Religions 5 (Leiden 1960), 202-203 und M. Valloggia, Götterboten, in: W. Helck – W. Westendorf (Hrsg.), Lexikon der Ägyptologie. Bd. II. Erntefest-Hordjedef (Wiesbaden 1977), 674-675, s.v. „Götterboten“. Wie sie in den Kontext dieser Sprüche passen, muss aufgrund der zahlreichen Zerstörungen offenbleiben. Wenn die Ergänzung der letzten Wörter zu sbj: „Rebell“ korrekt ist (in S. Cauville, et al., Le temple de Dendara. X. Les chapelles osiriennes (Le Caire 1997), 365.11 kommen von der Göttin Bastet ausgesandte Götterboten gegen rq.yw-Feinde des „Unversehrt Erwachenden“, d.h. gegen Osiris), könnten man vorsichtig spekulieren, ob sie hier als Helfer gegen Gegner auftreten.

2 Ob die Fragmente D und E direkt aneinander anschließen oder nicht, und wenn Letzteres, wie viel zwischen ihnen fehlt, ist unklar. Weder Gardiner noch Meyrat äußern Vermutungen. Die Rückseite der Fragmente C-F ist unbeschriftet (s. Website British Museum [letzter Zugriff 04.05.2020]), so dass sie keinen zusätzlichen Indikator bieten.
Überprüfenswert ist vielleicht auch der Umstand, dass Fragment E im unteren Drittel einen markanten waagerechte Riss aufweist, der auf Fragment D allenfalls vage sichtbar ist, wohingegen ein solcher Riss am Anfang von Fragment A und bei den Fragmenten I+J sowie K viel deutlicher erkennbar ist (die aber wiederum auf der Rückseite beschrieben sind und daher nicht mit D zusammengehören können).

3 In Kolumne D, x+2 findet sich die Anweisung, „eine Perle auf meine linke Hand“ zu legen. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11 deutet an, dass das eine mögliche Nachschrift eines magischen Spruches sein könnte, obwohl es nicht als Rubrum geschrieben ist. Gleiches könnte man daher auch für E, x+2 diskutieren. Allerdings ist in E, x+5 eine sichere Nachschrift erhalten, und die Passage zwischen E, x+2 und E, x+5 wirkt nicht, als gehöre sie zu einem eigenständigen, in sich geschlossenen Spruch.

4 Das heißt, der Redner wird nicht aufhören, Brandopfer darzubringen.

5 n njf: Entweder so oder nn jf zu lesen, aber nicht nn nf (so P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 9). njf ist mit dem schlechten Vogel klassifiziert und könnte eine Schreibung für nf: „übel gesinnt sein“ o.ä. sein. Denkbar wäre auch noch ein Fehler für das seltene und bislang erst ab der Ramessidenzeit belegte zjf: „besudeln, beleidigen“ o.ä. (Wb 4, 37.3-4). Oder ist es eine Schreibung für das seltene, im Mittleren Reich belegte Verb zfꜣ: „hassen“ (Wb 4, 114.6, R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden 2000), 486)? J.P. Allen, The Inflection of the Verb in the Pyramid Texts, Bibliotheca Aegyptia 2 (Malibu 1984), 599 kenn schließlich noch ein nur in Pyr. 80a belegtes Verb zf, das er mit „be wrong, do wrong (?)“ übersetzt.

6 P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 285, 9 und 21 vermutet in der sitzenden Frau eine logographische Schreibung für rpw.t. Alternativ denkbar wäre auch eine logographische Schreibung des Namens einer Göttin, bspw. der Isis. Und schließlich wäre sogar denkbar, dass diese Hieroglyphe gar nicht in dem Sinne zu „lesen“ wäre, sondern genau das darstellt, was der Schreiber auf das hier anzufertigende Amulett zeichnen soll. Das wäre dann bspw. vergleichbar mit dem Amulett pDeM 36 (s. im TLA), wo der Schreiber statt einer umständlichen Beschreibung dessen, was gezeichnet werden soll, einfach die Darstellungen selbst an der Stelle des Satzes einfügte, an der die zugehörige Beschreibung stehen müsste.

7
Die Zeichenreste unter der sitzenden Frau sind nicht genau identifizierbar. Liest man die sitzende Frau als Logogramm für rpw.t, dann müssten diese Zeichenreste zum Namen der Göttin ergänzt werden, oder sie gehören zu einer Zahl, sodass hier von der Anfertigung eines Amuletts mit mehreren Frauenfiguren die Rede wäre. Vgl. dazu bspw. pTurin CGT 54050, Vso. 7,10 (dort ist die Zahl, wie im Neuägyptischen üblich, vorangestellt, hier wäre sie, wie im Mittelägyptischen, nachgestellt).
A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 44A möchte die Zeichenreste zu n zp ergänzen, wie auch immer er das hier syntaktisch einbinden würde.

8 Die teilweise zerstörte Zahl ergänzt Meyrat zu einer 5, d.h. drei über zwei Strichen. Die drei noch erhaltenen Striche der oberen Reihe stehen aber so weit links, dass es wahrscheinlich ist, dass rechts daneben, heute zerstört, noch ein Strich vorhanden war. Vgl. auch Gardiner, der die drei Striche relativ klein in die linke Hälfte der Kolumne schrieb und eine weitere Ergänzung unterließ. Wenn hier tatsächlich eine Zahl stand und in der oberen Reihe vier Striche gewesen wären, müssten in der unteren Reihe eher drei als Meyrats zwei Striche gestanden haben. Dann hätte hier keine „5“, sondern die magisch bedeutendere Zahl „7“ gestanden.

9 In der Identifizierung des folgenden, tlw. zerstörten Vogels als Horusfalke sind sich Gardiner und Meyrat einig.  Die Zeichenreste direkt unter dem Horusfalken können nicht identifiziert werden. Wieder könnte man den Vogel logographisch als Ḥr.w lesen oder bildlich als Wiedergabe genau dessen deuten, was auf dem Amulett stehen soll.

10 Der Skorpion stellt erneut entweder eine logographische Schreibung des Namens der Selkis dar, wie in Fragment A, x+1 – so auch die Entscheidung Meyrats –, oder es ist die bildliche Darstellung dessen, was aufgezeichnet werden soll, in dem Fall eben ein Skorpion. Letzteres ist vielleicht dann wahrscheinlicher, wenn man die anschließenden Zeichenreste mit Meyrat erneut als Zahl liest (s. die folgende Anmerkung). Denn dann erhält man die Anweisung, dass auf dem zu besprechenden Amulett eben „x Skorpione“ aufgemalt sein sollen, was besser passt als „x Selkis-Göttinnen“ (wobei das eine das andere auch nicht ausschließt).

11
Die Zeichenreste unter dem Skorpion möchte Meyrat eben als Zahl lesen, genauer als „6“. Das hier einsehbare Foto scheint unter dem Skorpion u.a. den Rest einer waagerechten Linie zu zeigen. Diese als Teil einer „6“ zu interpretieren, funktioniert aber eigentlich nur, wenn man von einer hieratischen Zahl ausgeht. Doch warum sollte in diesem ansonsten hieroglyphischen Text eine hieratische Zahl stehen? Für Genaueres wäre eine Autopsie des Originals nötig.

12 Ob die Fragmente E und F direkt aneinander anschließen oder nicht, und wenn Letzteres, wie viel zwischen ihnen fehlt, ist unklar. Weder Gardiner noch Meyrat äußern Vermutungen. Die Rückseite der Fragmente C-F ist unbeschriftet (s. Website British Museum [letzter Zugriff 04.05.2020]), so dass sie keinen zusätzlichen Indikator bieten.

Spruch x+5 (?)

[---] [F, x+1]1 [---] alle(?) [---], die ruhen auf(?)2 [---], den wir führen und den wir zurücktreiben [---] im Bauch(?) [---] Nut, die die Götter geboren hat, nachdem [---] geopfert hat [---] [F, x+5] [---]3
[---] [G, x+1] [---] ihre [---] wie die Lotosblüte. Sein [Gesicht](?) lachte (zufrieden) [über]4 die Opferspende in/aus meiner Hand für meine Herrin Hathor.
Freue dich, freue dich!5
[G, x+5] [Werde gesprochen über --- (?)] und eingesogen6 von dem (zu heilenden) Mann.

1 Fragment F besteht aus zwei Teilfragmenten, deren Anordnung sicher, wie auch bei den übrigen Fragmenten, von Hugo Ibscher stammt. Dies ist das erste Fragment, auf dem weder die obere noch die untere Rahmenlinie erhalten sind. Verglichen mit den anderen Fragmenten, dürften sie aber nicht weit über bzw. unter den Bruchkanten des Fragments zu finden sein.

2 Übersetzung rein tentativ. Die Alternative nb-ḥtp(.w): „Herr der Opfergaben“ ließe vielleicht eher einen Götterklassifikator nach n erwarten.

3 Die Fragmente G-I sind im Gegensatz zu Fragment F auf der Rückseite beschrieben. Daher können die Fragmente F und G nicht direkt aneinander anschließen. Wie viele Kolumnen zwischen ihnen fehlen, ist unbekannt.

4 Ergänzungen nach P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 286 und 10. Sie sind allerdings unsicher: Vor allem der hintere Teil bleibt fraglich, weil die Reihenfolge #adverbiale Ergänzung + indirektes Objekt# von der üblichen Satzgliedstellung abweicht (zu solchen Abweichungen vgl. immerhin A.H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3rd, rev. edition (Oxford 1957 (Repr. 2001)), § 507.2). Außerdem mutet es merkwürdig an, wieso sich eine männliche Person über Trankopfer für Hathor freuen sollte – man erwartet vielleicht eher eine Aussage, dass sich Hathor über Trankopfer für sich freut.

5 Der Beginn der folgenden Kolumne ist zwar zerstört, doch scheint die Lücke nicht lang genug, um sowohl eine adverbiale Erweiterung zu diesem Satz („über ...“) als auch den Beginn der Nachschrift zu enthalten. Daher wird der Satz allein aus diesem Imperativ ohne Erweiterungen bestehen.

6 sn: Lesung der Zeichenreste mit P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 286 und 21, basierend auf einer vergleichbaren Anweisung in pRamesseum XVI, 25, 2-3: ḏd.tw rʾ pn ḥr jrṯ.t ḥr ḏr.t n s sn jn | s dwꜣ zp-2: „Dieser Spruch werde gesprochen über Milch auf der Hand des Mannes; werde von dem Mann am richtig frühen Morgen eingesogen.“ (s. Meyrat, a.a.O., 386). Die Vokabel ist ungewöhnlich, denn die Aufnahme von „Materiae magicae“ wird üblicherweise mithilfe von ꜥm: „verschlucken“ ausgedrückt, selbst dann, wenn es sich um Rauch oder Abstrakta wie „Zauberkraft“ handelt, vgl. Wb 1, 184.4 und R.K. Ritner, The Mechanics of Ancient Egyptian Magical Practice, Studies in Ancient Oriental Civilization 54, 4th edition (Chicago 2008), 105-106. Dass hier dezidiert sn: „einatmen, riechen“ verwendet wird, deutet demzufolge nicht notwendigerweise auf eine Inhalation hin. Das zeigt sich auch an Meyrats Referenzstelle pRamesseum XVI, wo nichts darauf hindeutet, dass nur der Geruch der Milch aufgenommen werden soll. In seinem Kommentar zur Stelle verweist Meyrat, a.a.O., 152 auf Wb 4, 154.1: „Speisen küssen, d.h. sie kosten“. Die darunter abgelegten Belegstellen sind zwar ambivalent, denn sie stammen aus dem Kontext von Gottesopfern und könnten durchaus auch das bloße Einatmen des Duftes meinen, weitere Bestätigung findet sich aber in den Belegen von Wb 4, 154.2: „die Hand küssen“ aus Deir el-Bahari, wo sn rmn(?): „den Arm ‚riechen‘“ parallel zu nsbi̯ ḥꜥ.w: „Glieder ablecken“ steht.
Vergleichbares findet sich in den medizinischen Texten: Auch dort ist ꜥm einer der Oberbegriffe für die Aufnahme von Materiae medicae (neben sꜥm, wnm u.a.), selbst dann, wenn die Inhalation von Rauch gemeint ist, s. H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 138-139.

Spruch x+6 (?): Magischer Spruch mit Thot-Aretalogie

[---] (wird) gefällt für ihn sein (göttlicher/dämonischer) Widersacher. Es kommt (?) [---] Uto in/mit/als Fayence. Es ist Horus, der gekommen ist [---] meine Weiße Krone, das Festzelt meines [---]1
[---] [H, x+1] [---] (Gott) [NN], Chepri, Harachte, [(Gott) NN] (?), [Thot(?)]2 im nördlichen Himmel. Die große Flamme [---] Ich habe ein Heilmittel (???)3 gefunden [H, x+5] [---]4
[---] [J+I, x+1]5 [---] nördlicher [Himmel(?)]6. Ich beseitigte den Kampf (scil.: zwischen Horus und Seth)7 [---] für mich / zu mir die große Flamme [---]
Ich vereinte die Erde mit dem Himmel. Ich übergab die Stätten [des Horus dem Horus8 (und) ich übergab] die Stätten des Seth dem Seth.
Ich verband [J+I, x+5] [---]. Ich stellte dieses Land (d.h. Ägypten) über [meine(?) (eigenen)] Bedürfnis[se9 ---]. Ich verband die Herzen aller Menschen miteinander, usw.10

1 Die Fragmente G und H tragen beide (denselben?) Text auf der Rückseite. Allerdings bedarf es näherer Studien, um festzustellen, ob er dabei hilft, den Abstand zwischen beiden Fragmenten näher zu bestimmen.

2 Der nördliche Himmel ist ein Areal des Gottes Seth (P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 21). Da der zuvor genannte Gott nicht mit dem Seth-Tier geschrieben ist, sondern mit einem (neutralen) sitzenden Gott klassifiziert war, vermutet Meyrat allerdings, dass hier Thot genannt war, der ebenfalls gelegentlich am nördlichen Himmel tätig war, oder „plus probablement“ das mit Seth gleichgesetzte Sternbild vom Großen Bären. Aufgrund der folgenden Sätze wird hier gegen Meyrat eher zu Thot tendiert.

3 [p]ẖr[.t]: Lesung höchst unsicher. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 10 vermutet ein Wort [p]ẖr: „[ch]emin“, dabei hat er vielleicht an pẖr.t, den „Umgang“ im Tempel (Wb 1, 548.5) gedacht, der allerdings nur drei Mal in Edfu belegt ist. Im Kontext der medizinischen und magischen Texte der Ramesseumspapyri fragt sich, ob nicht eher ein „Heilmittel“ gemeint ist.

4 Falls die Fragmente H und J+I zu demselben Spruch gehören, beginnt spätestens hier eine Reihe von Sätzen in der 1. Person Singular, von denen einer mit Sicherheit Thot zugeordnet werden kann. Es scheint hier demzufolge eine kleine Thot-Aretalogie vorzuliegen.

5 [J+I]: Die Vertauschung der Reihenfolge der beiden Fragmente gegenüber Ibschers ursprünglicher Montage (in der Folge I + J) wurde bereits von A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11 vorgeschlagen, weil er erkannte, dass die letzte erhaltene Kolumne von Fragment J seine Fortsetzung in der ersten erhaltenen Kolumne von Fragment I findet.

6 Möglicherweise ist hier wieder vom „nördlichen [Himmel]“ die Rede, wie in Fragment H, x+3.

7 dr ꜥḥꜣ: „den Kampf beseitigen“ ist eine relativ seltene Phrase, die mit Thot verbunden ist und auf den Streit zwischen Horus und Seth anspielt:
– In pTurin CGT 54053, Vso. 2,1 (= DZA 31.435.720) trägt Thot-Jah das Epitheton dr ꜥḥꜣ m p.t jmn.t(j).t: „der den Kampf im westlichen Himmel beseitigt“.
– In Tb 123 (= DZA 31.435.750; ebenso die identische Passage in Tb 139) identifiziert sich der Verstorbene mit Thot, der über sich sagt: jw dr.n=j ꜥḥꜣ=sn: „Ich habe ihren Kampf beseitigt.“ Das „ihren“ bezieht sich auf die im Satz zuvor genannten rḥ.wj: „Rivalen“, d.h. Horus und Seth.
– Auf dem Euergetestor sagt der König zum Gott Chons: dr=k ꜥḥꜣ=f: „Du beseitigst seinen Kampf (d.h. den Kampf gegen ihn)“, s. DZA 31.435.730. Das Suffixpronomen =f bezieht sich auf den zuvor erwähnten Horus. Das ꜥḥꜣ wird denselben Kampf zwischen Horus und Seth meinen wie in Tb 23. Daher hat an dieser Stelle der Mondgott Chons wohl eine der Aufgaben des Mondgottes Thot übernommen.
– Im Buch vom Atmen trägt einer der 42 Totenrichter den Namen Dr-ꜥḥꜣ-pri̯-m-Wn.w (C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. VII. š-, Orientalia Lovaniensia Analecta 116 (Leuven 2002), 555b, Beleg [3]). Durch die Namenserweiterung pri̯-m-Wn.w: „der aus Hermopolis kommt“ (vgl. dazu auch C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. III. p-nbw, Orientalia Lovaniensia Analecta 112 (Leuven 2002), 58b) wird auch diese Gottheit letztlich mit Thot identifiziert.
– Auch der als Dr-ꜥḥꜣ angerufene Gott auf pLouvre 3129 (C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. VII. š-, Orientalia Lovaniensia Analecta 116 (Leuven 2002), 555b, Beleg [1] = S. Schott, Urkunden mythologischen Inhalts [VI,1-144], Urkunden des Ägyptischen Altertums VI (Leipzig 1939), 103.3) ist den übrigen Epitheta in diesem Textabschnitt zufolge der Gott Thot. Und auch dort wird sich der „Kampf“ auf den Streit zwischen Horus und Seth beziehen, vgl. nur die unmittelbar vorangehende Bezeichnung desselben Gottes als sḥtp rḥ.wj: „der die beiden Rivalen (d.h. Horus und Seth) befriedet“.
– Auf denselben beseitigten Kampf wird dann sicher auch die Bezeichnung von Kom Ombo, der Stadt des Seth, als spꜣ.t n.t dr ꜥḥꜣ: „Gau der Beseitigung des Kampfes“ anspielen (DZA 31.435.740, 31.435.770 und 31.435.780).
– Unidentifiziert ist einzig der nṯr-ꜥꜣ m zp dp.j: „der große Gott vom Uranfang“, der auch dr-ꜥḥꜣ ist, auf dem Naos Louvre D 37 (DZA 31.435.760 = C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. VII. š-, Orientalia Lovaniensia Analecta 116 (Leuven 2002), 555b, Beleg [2] = C. Leitz, Altägyptische Sternuhren, Orientalia Lovaniensia Analecta 62 (Leuven 1995), 19-20). Es spricht aber zumindest nichts zwingend dagegen, dass dort ebenfalls eine Form des Thot gemeint sein könnte.

8 Ergänzung nach A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11 und Taf. 44A sowie P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 287. Die Stätten des Horus und Seth bezeichnen die Herrschaftsgebiete der beiden Götter. Gardiner fühlt sich an dieser Stelle an die Aufteilung des Landes an Horus und Seth durch den Gott Geb erinnert, wie es auf dem Schabakastein (in der Lesung von K. Sethe, Dramatische Texte zu altägyptischen Mysterienspielen, Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Aegyptens 10 (Leipzig 1928), 23) steht. Zu einer anderen Auffassung der Stelle vgl. A. El-Hawary, Wortschöpfung. Die Memphitische Theologie und die Siegesstele des Pije – zwei Zeugen kultureller Repräsentation in der 25. Dynastie, Orbis Biblicus et Orientalis 243 (Fribourg, Göttingen 2010), 119-120: El-Hawary sieht in dem fraglichen Wort des Schabakasteins, auf dem Horus und Seth stehen, keine jꜣ.wt: „Hügel, Stätten“, sondern „Standarten“. Wie auch immer man die Stelle auffasst: Da der Schabakastein mehr als 1000 Jahre jünger ist als pRamesseum VII, spricht er nicht dagegen, dass hier Thot der Redner sein könnte.

9 mẖr: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 22 schlägt vor, dass hier mẖr: „Speicher“ in derselben Bedeutung verwendet worden sein könnte wie später in pAnastasi I, 16,5, wo es eine Art sandgefüllte Box bezeichnet, die zur Aufrichtung von Statuen diente, vgl. A. Badawy, The Three Construction Problems by Scribe Hori. (Pap. Anastasi I, 14-17), in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 110, 1983, 12-15, hier 15, gefolgt von H.-W. Fischer-Elfert, Die satirische Streitschrift des Papyrus Anastasi I. Übersetzung und Kommentar, Ägyptologische Abhandlungen 44 (Wiesbaden 1986), 143-144. Für pRamesseum VII schlägt Meyrat eine Übersetzung als „piédestal“ vor und vermutet, dass Ägypten hier mit einem großen Bauwerk verglichen würde. Das so gezeichnete Bild wirkt aber dennoch unpassend, denn das mẖr des pAnastasi I scheint eben nur ein temporäres Gebilde gewesen zu sein, das zur Aufrichtung des besagten Obelisken diente (zu diesem Obelisken s. auch die jüngste Studie von F. Monnier, L’obélisque géant décrit sur le papyrus Anastasi I. Révision du problème, in: Cahiers caribéens d’égyptologie 24-25, 2020, 179-202 [ohne auf die fragliche Stelle einzugehen]), und nicht etwa ein permanenter Untersatz. Es wird daher vielleicht eher dieselbe Phrase gemeint sein, die sich auf der Stele des Montuhotep (Kairo CG 20539) aus der 12. Dynastie, Zeile I.b.4 befindet: (...) (j)r(.j)-pꜥ(.t) ḥꜣ.tj-ꜥ (j)m(.j)-r(ʾ) kꜣ.wt nb(.wt) n.t nsw s{r}rwḏ pꜣw.t nṯr(.w) ḏḏ tꜣ pn ḥr mẖr.w=f mj wḏ nṯr jri̯ sw (...): „(...) der Iri-pat und Hati-a, der Vorsteher aller Arbeiten des Königs, der, der alle Opferbrote der Götter dauern lässt und der dieses Land über seine Bedürfnisse stellt gemäß dem Befehl des Gottes, der ihn geschaffen hat (...)“ (vgl. im TLA).
Ob das Wort mẖr tatsächlich ohne Klassifikator geschrieben wurde, wie Meyrat annimmt, oder ob der Klassifikator, vielleicht noch zusammen mit einem Suffixpronomen, am heute zerstörten Beginn der nächsten Kolumne stand, muss offenbleiben. Der kleine freie Raum am Ende der Kolumne spricht tatsächlich für Ersteres, kann Letzteres aber nicht völlig ausschließen. Auf jeden Fall ist die Lücke am Beginn von Kolumne x+6 so kurz, dass darin eher noch eine Ergänzung zum aktuellen Satz gestanden hat, als dass sie einen (scil.: vollständigen) neuen Satz enthalten hat.

10 Aus der Tatsache, dass der Rest der Kolumne leer gelassen wurde – auch wenn das in diesem Fall nur ein einziges Schreibquadrat ist – wird man schließen können, dass hier ein Textabschnitt endete und in der folgenden Kolumne ein neuer Textabschnitt anfängt.

Spruch x+7 (?) sowie evtl. weitere Sprüche (keine klaren Spruchgrenzen)

Der Papyrus wird immer fragmentierter, und damit steigt die Gefahr, das das eine oder andere Spruchende in einer der Lücken zwischen den Fragmenten lag und heute verloren ist. Im Folgenden werden zwar weiterhin Spruchenden markiert, wenn sie erhalten sind, aber das soll nicht bedeuten, dass alles zwischen zwei Spruchenden Liegende als je ein einziger Spruch betrachtet wird. Jede Fragmentgrenze könnte auch einen Spruchwechsel enthalten, und das umso mehr in Meyrats „Mini-Fragments“, bei denen nicht einmal die Reihenfolge feststeht.

[---] ich/mich, um mir Dinge zu geben [---]
[---] [K, x+1]1 [---] insgesamt. Mir gehört der Teich, der entstanden ist (?) [---] in/aus/mit ihm. Mit gehört das Sema-Land(?)2, auf dem er/es gewachsen ist(?). Mir gehört [---] Stätte, auf der es [---]. Es ist aber [---] er gibt ihm / die er ihm gibt [---] [K, x+5] [---]3
[---] [L, x+1] [---] indem es festlich ist [---] als Strahlende(?), indem sie(?) angesehen, hervorragend (wörtl.: spitzenmäßig) und machtvoll ist. Er möge sehen / Er hat gesehen / [___] Blickt auf ihn [---] des Herzens(?) [---] jubeln(?) [---]
[---] [M, x+1]4 sie für mich die Herzen der Rechyt-Leute. [Sie]5 sehen meine [---], die erschienen ist zusammen mit der, die darin ist, die herausgekommen ist aus ihr. Ich vereinige mich [---] Ich sehe die [___]-Leute [---]
[---] [N, x+1]6 [---] mein Ansehen im Bauch von usw.7 [---] Neith am Tag des Neulichtfestes des Monats „(Ausfahrt der) Hathor“ (und) am Termin des (oder: ..., dem Tag des)8 [---], [---] zu mir die erhabenen (Dinge). Für mich wurde die Festhalle mit Fayence(kacheln) angelegt. [N, x+5] Ich will/werde sie prächtiger als (diejenige) aller Götter machen.9 Ich habe mein [---] umgeben/durchwandelt [----] Ich habe [---]10 zusammen mit Igeret (der vergöttlichten Nekropole). [---] ich/mich/mein (?) [---] für das Ansehen [---]
[---] [N2, x+1]11 [---] Sei willkommen [---] ... (?) [___]-Person (?) ... (?).12 Gedeihen lassen ... [---]. (O) Hathor, meine Herrin, wie schön ist deine Liebe zu mir (wörtl.: dein Mich-lieben)! [---] (O) Hathor, meine [Herr]in, [N2, x+5] [---]
[---] [O, x+1]13 [---] des Horizonts [---] heute in Buto und Chemmis. [---] doch zu mir / für mich, (ihr) Menschen und Götter, die (ihr) mich liebt, die (ihr) [m]ich doch liebt, (ihr) Menschen und Götter, die (ihr) mich liebt und die (ihr) [---] liebt [O, x+5] [---] ???. Isis, die Tochter der Nut [---] im (Urgewässer) Nun (und?) jeden Gott im Inneren von [---], [bevor die] Großen [geboren wurden]14, bevor die Kleinen entstanden waren, [---] zu mir / für mich die Väter [---] lösen [---]
[---] [P, x+1] sie(?), lieb[---](?) [---] [---] für Erfahrungswissen(?)15. [---] in den Fremdländern, nachdem er ihn vor den Ausländern gerettet hat [---]
[---] [Q, x+1] [---].
Werde an die Haut / das Fleisch16 des (betroffenen) Mannes gegeben [---] ihn/es (?).

1 Fragment K ist auf der Rückseite unbeschriftet.

2zmꜣ ist geschrieben, als wäre es das Wort „Lunge“. Aber da es zwischen einem „Teich“ und „Stätten“ genannt ist, dürfte es eine Örtlichkeit sein. Ferner ist es etwas, auf dem etwas anderes „wächst“ (rd), was eine Bezeichnung für eine Art Landstück nahelegt. Möglicherweise ist es ein Beleg für das zmꜣ-Land, das einige wenige Male im späten Alten Reich und im Mittleren Reich erwähnt wird, ohne dass die Stellen viel Auskunft über die Art des Landes liefern. Nach einer Grabinschrift des Nefer-seschem-Pepy, genannt Seneni, ist dieses Land „voll von Rindern, Ziegen, Eseln“ (DZA 28.667.640 = H.G. Fischer, Dendera in the Third Millennium BC down to the Theban Domination of Upper Egypt (Locust Valley, NY 1968), 127), und nach einem Vertrag aus Siut können Ackerflächen (ꜣḥ.t) darauf liegen (DZA 28.667.670 = 7. Vertrag aus dem Grab des Djefaihapi, G.A. Reisner, The tomb of Hepzefa, nomarch of Siûṭ, in: Journal of Egyptian Archaeology 5, 1918, 79-98, hier 86, Abschnitt (2) – während er und D. Devauchelle, Les contrats de Djéfaïhâpy, in: Méditerranées 6/7, 1996, 159-175, hier 171 die Pflanze dahinter als Binse M22 identifizieren und von einem Ortsnamen „Sema-resy(?)“ ausgehen, schlägt Gardiner eine Lesung als Riedgras M26 und damit als zmꜣ-šmꜥ: „zmꜣ-Land von Oberägypten“, eine Landesbezeichnung, vor, s. Reisner, a.a.O., 94-95). Ein weiterer, Wb unbekannter Beleg für dieses Land findet sich auf der Stele Kairo CG 20001 aus Gebelein, s. J. Vandier, La stèle 20.001 du Musée du Caire, in: Anon. (Hrsg.), Mélanges Maspero. Bd. I. Orient ancien, Teil 1 1, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 66 (Le Caire 1934), 137-145, hier 137. Dort ist das zmꜣ-Land, ähnlich wie bei Seneni, mḥ m špss nb: „gefüllt mit allem Edlen“. Basierend auf der Inschrift des Seneni, ergänzen schließlich Fischer, a.a.O., 157 mit Anm. (d) und W. Schenkel, Memphis, Herakleopolis, Theben. Die epigraphischen Zeugnisse der 7.-11. Dynastie Ägyptens, Ägyptologische Abhandlungen 12 (Wiesbaden 1965), 140 das zmꜣ-Land in einer nur bruchstückhaft erhaltenen Inschrift des Sen-nedjesu-i. Vergleichbar zu Seneni, wäre dieses dann gefüllt mit Rindern.
Die spärlichen Belege und bruchstückhaften Kontexte erlauben zumindest den Schluss, dass es sich bei dem zmꜣ-Land um ein fruchtbares Land handelt, das als Acker- und/oder Weideland geeignet ist. Die Inschrift Nr. 19 aus dem Wadi Hammamat (DZA 28.667.690) zeigt ferner, dass es künstlich angelegt werden kann (dort ist dieses Wort einmal wie in pRamesseum VII geschrieben). In der Inschrift des Seneni und in derjenigen aus Gebelein ist es mit dem Fremdlandzeichen Gardiner Sign-list N 25 klassifiziert. Daraus schließt Fischer, a.a.O., 127, „that the smꜣ was apart from the cultivation proper and was perhaps the marginal region that ‚unites‘ the cultivation and desert“. In der (nur ergänzten) Stelle bei Sen-nedjesu-i übersetzt er es S. 157 mit „grazing lands“.

3 Die Rückseite von Fragment L ist im Gegensatz zu derjenigen von Fragment K beschriftet. Die beiden Fragmente können also nicht unmittelbar aneinander anschließen.

4 Fragment M ist auf der Rückseite wieder unbeschriftet, kann also nicht unmittelbar an Fragment L anschließen. Das Foto der Rückseite unter Website British Museum zeigt zwar scheinbar eine Beschriftung mit den Resten dreier senkrechter Kolumnen, von denen in der mittleren noch mdw(.t): „Wort, Rede“ oder mdwi̯: „reden“ erkennbar ist. Doch dürfte das eher ein an der Rückseite klebendes separates Fragment des Vorderseitentextes sein, ein weiteres von Meyrats „Mini-Fragments“, das bei der Restaurierung der Papyri versehentlich an der Rückseite angehaftet blieb.

5mꜣ[ꜣ=sn]: Ergänzungsvorschlag A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 25A.

6 Fragment M ist auf der Rückseite unbeschriftet. Fragment N trägt zwar auf der Rückseite einen Text, aber nicht auf dem linken Teilfragment, so dass der Rückseitentext keinen Anhaltspunkt darüber liefert, wie weit die Fragmente M und N voneinander getrennt waren.

7ḥmw.t-rʾ: Wie P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 22 schon anmerkt, hat der Schreiber an dieser Stelle nicht einmal das erste Element der Aufzählung aufgeschrieben, sondern ist gleich zum „usw.“ übergegangen.

8[---] N.t hrw ꜣbd(.w) Ḥw.t-Ḥr.w sw/hrw n [---]: Vielleicht eher so zu interpretieren als Meyrats [...] Nt hrw ꜣbd ḥb Ḥw.t-Ḥr hrw n [...]: „[...] Neith au jour du mois, fête d’Hathor au jour de [...]“ (P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 12). Die Alabasterschale, Gardiner Sign-list W3, wird damit als Klassifikator zu ꜣbd.w interpretiert statt, wie in der sḥ ḥ(ꜣ)b: „Festhalle“ der übernächsten Kolumne, als Logogramm für ḥ(ꜣ)b: „Fest“ (Letzteres Meyrats Lösung). Das Wort ꜣbd.w wäre damit genauso geschrieben wie in B, x+9.
Welche Verbindung die Göttin Neith zum Neulichtfestes dieses Monats hat, ist unklar. Der Monatsname „(Ausfahrt der) Hathor“ bezieht sich im Wandeljahr auf den 3. Monat der Achet-Jahreszeit, den ⲁⲑⲱⲣ des koptischen Kalenders. Mit dem ꜣbd.w-Fest, dem Neulichtfest (vgl. R.A. Parker, The Calendars of Ancient Egypt, Studies in Ancient Oriental Civilization 26 (Chicago 1950), §§ 37-41 und V. Altmann-Wendling, MondSymbolik – MondWissen. Lunare Konzepte in den ägyptischen Tempeln griechisch-römischer Zeit, Studien zur spätägyptischen Religion 22 (Wiesbaden 2018), 2. Bd., 819-820), befindet man sich allerdings im Mondkalender – ein verführerisch erscheinender Abgleich mit den Ereignissen des Tagewählkalenders scheidet daher aus. Zwar hat C. Leitz, Tagewählerei. Das Buch ḥꜣt nḥḥ pḥ.wy ḏt und verwandte Texte, Ägyptologische Abhandlungen 55 (Wiesbaden 1994), 473 ein System entdeckt, das Korrelationen zwischen Mondmonatstagen und dem Tagewählkalender zulässt, demzufolge der Tag des Neulichts, d.h. der zweite Tag des Mondmonats, auf den 17. Tag des Wandeljahrmonats fällt, aber zumindest die ramessidenzeitlichen Tagewählkalender bieten für den III Achet 17 keine direkte Verbindung zu Neith (s. Leitz, a.a.O., 126-129). Allerdings könnte die Korrelation zwischen den Mondmonatstagen und dem am Wandeljahr orientierten Tagewählkalender während der Abfassungszeit von pRamesseum VII ein anderes gewesen sein als in der Ramessidenzeit, sodass dieser Negativbefund keine letztgültige Aussage erlaubt.
Unklar ist, ob mit dem hrw n am Ende der Kolumne ein weiteres Fest eingeleitet wird, oder ob eine Apposition zum Neulichtfest vorliegt. Die Genitivpartikel zeigt jedenfalls eine leicht differierende Konstruktion an.

9 Übersetzung unsicher. Zu ṯni̯ r vgl. vielleicht Wb 5, 374.11: „jmd. vor Anderen erhöhen“; Wb 4, 375.1: „prächtig, erhaben mehr als ...“ und Wb 4, 375.23: „jmd. den Vorzug geben vor Anderen“.

10 Das Verb am Satzanfang ist leider ohne Klassifikatoren geschrieben, so dass nicht einmal eine ungefähre semantische Kategorie bekannt ist, zu der es gehört.

11 Zur Nummer des Fragments s. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 289. Bei A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 25 ist es nicht mit abgebildet, es ist aber nach den Fotos des BM zwischen den Fragmenten N und O mit eingerahmt. Die Rückseite ist wie bei Fragment N beschriftet.

12 Das erste komplett erhaltene Zeichen der Kolumne gibt P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 289 als Kornähre, Gardiner Sign-list M34, wieder, das danach, tlw. zerstörte, als b. Beides zusammen liest er S. 12 als bd.t: „froment“ (d.h. eigentlich meint er „Emmer“, denn Weizen gab es in Ägypten erst seit der römischen Zeit). Allerdings wird die Kornähre, wenn sie in bd.t als Logogramm dient, normalerweise nicht komplementiert; und selbst wenn hier eine Ausnahme vorliegen würde, wäre eher eine Voranstellung des b vor die Kornähre zu erwarten. Denn anders als etwa bei Vögeln erwartet man bei einer Kornähre keine Inversion der zu erwartenden Lesefolge aufgrund ästhetischer Erwägungen.
Meyrats vermutetes b ist daher vielleicht anders zu rekonstruieren, etwa als sitzender Mann. Der kleine schräge Strich links oberhalb der Kornähre könnte zum Arm des Mannes gehören. Dann läge u.U. eine Personenbezeichnung vor. Es ist verführerisch anzunehmen, dass hier diejenige Person genannt ist, die im folgenden Satz etwas „gedeihen lässt“, wobei männliche Gottheiten in diesem Papyrus nicht mit einem einfachen sitzenden Mann klassifiziert sind, sondern mit dem sitzenden Gott. Wie diese Personenbezeichnung zu lesen ist, ist unklar. Denkbar sind Bd.t(j) oder H̱ms, und ab der saitischen Zeit kann auch das npr-Getreide mit einer Ähre klassifiziert sein (vgl. DZA 24.990.880 und DZA 24.990.910. Man vergleiche etwa die Korngöttin(?) von A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts VI. Texts of spells 472-786, Oriental Institute Publications 81 (Chicago 1956), 274d (dass dort Atum als Heliopolitaner genannt sein könnte, wie K. Myśliwiec, Studien zum Gott Atum I. Die heiligen Tiere des Atum, Hildesheimer Ägyptologische Beiträge 5 (Hildesheim 1978), 84 meint, ist jedenfalls auszuschließen, weil seine andere Leserichtung [waagerecht statt senkrecht] die Klassifikatoren unter den einzelnen Namen in diesem Sargtextspruch unerklärt lässt, und weil zudem nicht völlig klar wird, wie er bei seiner Lesung „Heliopolitaner“ die Kornähre erklärt).

13 Auch die Rückseite von Fragment O trägt einige Reste von Beschriftung. Allerdings ist das linke Teilfragment, das den Anschluss zu Fragment N2 herstellen könnte, unbeschriftet. Der Hauch eines Striches direkt an der linken Abbruchkante wird eher die durchscheinende Tinte vom Recto sein als ein eigenes Zeichen.

14 Ergänzungsvorschlag von A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 25A (nicht übernommen von Meyrat).

15⸢⸮šsꜣ?⸣.w: Lesungsvorschlag P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 291 und 23.

16ḥꜥ.w: Die Schreibung mit drei Fleischstücken allein kennt Wb erst seit der 18. Dynastie, DZA 26.575.120 und 26.575.150. Die vorliegende Stelle wäre damit der erste ältere Beleg.
Obwohl der Terminus ḥꜥ.w auch in medizinischen Texten häufig vorkommt (H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 585-587), kennt H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 540-543 keinen Fall, in dem etwas „an den Körper gegeben wird“ (rḏi̯ r ḥꜥ.w). Mit der Präposition ḥr statt r kennt MedWb nur einen einzigen Beleg, nämlich aus dem medizinischen Papyrus London BM EA 10059, Fall 46 (alt) = 34 (neu), s. im TLA. Dabei handelt es sich um die Beschwörung einer Brandwunde. ḫꜥ.w als etwas, woran eine Sache rḏi̯-appliziert wird, ist also kein typisches Formular medizinischer Texte, sondern scheint, soweit diese magere Ausbeute eine Aussage erlaubt, eher Fachsprache magischer Texte zu sein.

Neuer Spruch

[---] schön [---] Fayence(?), Fisch17 berühren(???)18 [---] vor allen Menschen, usw., an diesem schönen Tag des Herauskommens [---]
[---] [R, x+1] [---].19

17 rm: Lesungsvorschlag P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 291. Gardiner hatte statt der Eule an einen Schmutzgeier gedacht und statt Meyrats Fisch an einen k-Korb.

18ṯḥn: Vgl. schon die Transliteration von A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 26A. Das größtenteils zerstörte Zeichen unter dem n hat Gardiner nicht vollständig rekonstruiert, hat es aber wohl für einen Vertreter der hieroglyphischen Arme gehalten. Der einzige mögliche Vergleich dafür ist das Verb ṯḥn, Wb 4, 389.11 = H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 966, das mit dem einfachen Arm klassifiziert ist und einmal, im Papyrus Ebers, Rezept Eb 865c, vorkommt. Dieses Verb bezeichnet die Entfernung einer ꜥꜣ.t-Geschwulst mit einer Art Kauter. Aber falls dieses Wort nur eine Sonderschreibung von ṯḥn: „begegnen, berühren“ (Wb 5, 389.12-390.8) ist, könnte man in Eb 865c wie auch hier in pRamesseum VII die Bedeutung „berühren“ ansetzen. Wie genau es syntaktisch einzubinden ist, bleibt aufgrund der Lücken unklar.

19 Die wenigen erhaltenen Teile von Kolumne R, x+1 enthalten keine Hieroglyphen. Da zwei Teile der linken Kolumnenrahmenlinie erhalten sind, ist eindeutig, dass hier tatsächlich eine leere Kolumne zu verzeichnen ist und nicht etwa der Anfang eines Textes. Vermutlich hat im oberen Teil der Kolumne das Ende eines Spruches gestanden, und der Schreiber hat den Rest der Kolumne leer gelassen, wie er das bspw. in G, x+5 und möglicherweise auch in Q, x+1 getan hat.

Neuer Spruch

[---] von Millionen. Der Speichel des Re ist es. [---]. Der [___]-Ausfluss(?)20 des Atum ist es. Diese [___]-Person [---]
[---] [S, x+1] [---] größer/bedeutender/wichtiger als das Gesicht [---] Jubel/-n (?)21. Siehe, mein Lachen [---].22

20 Von dem Wort über dem Gottesnamen sind der Klassifikator, drei Getreidekörner (Gardiner Sign-list M33A) sowie einige wenige Zeichenreste erhalten, die ein t über diesem Klassifikator (so A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), Taf. 26A und P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 291) sowie vielleicht auch ein t vor ihm (nur Gardiner, a.a.O.) sein könnten. Die Abfolge der beiden Götternamen Re und Atum in nur zwei Kolumnen lässt vermuten, dass ähnliche bis parallele Aussagen vorliegen. Daher könnte das zerstörte Wort eine andere Art Ausfluss meinen, parallel zu dem nšš der vorigen Kolumne, der nach dem Klassifikator zu schließen vielleicht etwas brockiger gedacht war.

21 Die Lesung ist zweifelsfrei. Auch P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 14 denkt an „exulter“. Ein Wort ṯḥṯḥ gibt es bislang nicht, nur ṯḥḥ. Es läge daher nahe, in pRamesseum VII das zweite zu tilgen. Allerdings scheint der Schreiber, soweit es der fragmentierte Zustand des Textes zu sagen erlaubt, relativ sorgfältig geschrieben zu haben (zumindest was die Orthografie angeht; eine gute Zeichenverteilung ist ihm nicht immer gelungen). Daher wäre es denkbar, hier ein Hapax legomenon ṯḥṯḥ anzusetzen, das als Reduplikation einer Wurzel ṯḥ nach dem Muster ABAB zu erklären wäre. Das Wort ṯḥḥ wären dann u.U. als Teilreduplikation ABB von derselben Wurzel abzuleiten. So auch R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 1034 = R. Hannig, Ägyptisches Wörterbuch II. Mittleres Reich und Zweite Zwischenzeit, Hannig-Lexica 5 (Mainz 2006), 2750-2751, der dieses Wort als separates Lemma ṯḥṯḥ: „Jubel“, Nr. {38266}, aufnimmt.

22 Auf dem Farbfoto (P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 292 und Website British Museum) scheint noch ein winziger waagerechter Zeichenrest an der oberen Abbruchkante des Papyrus erhalten zu sein. Daher könnte diese Kolumne erneut eine rubrizierte Nachschrift enthalten haben, was dann auch den Freiraum darunter erklärt.

Neuer Spruch

[---], gegeben in [---] [S, x+5] [---]
[---] [T, x+1] [---].23

23 Der Leerraum am Ende der Kolumne wird erneut das Ende eines Spruches anzeigen.

Neuer Spruch

[---] seinen Herrn an der Spitze seiner Balsamierungsstätte,24 den der Gott liebt (und) den er (an) diesem Tag gesehen hat (oder: er hat diesen Tag [des ---] gesehen; oder: er möge diesen Tag [des ---] sehen).25 [---] sind erfreut und ihre Herzen sind fröhlich, wenn sie diesen Großen sehen (?).26 [---] der Große, der gekommen ist (?);27 der Altar des Re ist zufriedengestellt (?) [---] [T, x+5] [---]
[---] [U, x+1]28 [---] alle [---], alle Rechyt-Leute, usw. [---]
Die Augen werden damit geschminkt, während der (betroffene) Mann [---]

24 P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 23 verweist auf das spät belegte Epitheton ḫnty-wꜥb.t, mit dem Anubis und Osiris bezeichnet werden können, und vermutet daher, dass hier mit nb=f am wahrscheinlichsten Osiris gemeint ist.

25 Das Kolumnenende ist auffällig eng geschrieben. Da es kein Anzeichen dafür gibt, dass es sich um eine nachträgliche Korrektur eines früheren, normalgroß geschriebenen Textes handelt, ist es vielleicht eher ein Indikator dafür, dass der Schreiber in dieser Kolumne noch eine syntaktische Einheit beenden wollte.

26 Satzabtrennung nach einem mdl. Vorschlag von Fischer-Elfert.

27 P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 14 ergänzt ein r nach jyi̯ und übersetzt die Kolumne mit: „[...] grand [...] venir (vers) l’autel [solaire]m apais[er ...]“. Der hier gebrachte Gegenvorschlag stellt einzig den Versuch dar, eine Emendation des Textes zu vermeiden. Zum sḥtp ḫꜣw.t vgl. zumindest die beiden Philae-Belege DZA 27.612.400 und 27.612.410.
Als weitere Alternative könnte man noch überlegen, die aus anderen magischen Texten bekannte Formel „Es kommt NP“ anzunehmen. Zumindest können ḫꜣw.t-Altäre „getragen“ (fꜣi̯, DZA 27.609.450 und DZA 27.609.460) und in späten Gauprozessionen „gebracht“ (jni̯, DZA 27.609.290) werden; sie sind also nicht zwangsläufig fest installiert.

28 Die Rückseite von Fragment U ist beschrieben, diejenige von Fragment T ist leer. Die beiden Fragmente können daher nicht unmittelbar aneinander anschließen.

Neuer Spruch

[---] [___]-Personen, hell [---] eure Gesichter [---] große [---] zu dir, nachdem [---] gab/veranlasste [---] [U, x+5]29 [---]
[---] [V, x+1] [---] [Neheb]kau. Die Binde wird gegen ihn geknotet [---] (oder: Der Knoten ist gegen ihn (gedacht) (und) die Binde [ist (?) ---])30 [---] usw.: sie mögen mir etwas in der Art [von ---] geben [---] sie/ihre in/mit/an meinen beiden Federn, nachdem ich [---] gegeben habe [---]31 [V, x+5] [---], indem ich tüchtiger bin als [---]

[MF I,1, x+1]32 [---] du/dich, indem du gibst/veranlasst [---] ich/mich [__](?) dich [---] für sie / zu ihr (???) [---]

[MF I,2, x+1] [---] du/dich, indem du gibst/veranlasst [---] Liebreiz33 [---] (Ort) [___]u, trinken (???)34 [---]

[MF I,3, x+1] [Werde gesprochen über (o.ä.) ---] Udjat-Auge aus Fayence.35 Werde dem (betroffenen) Mann auf seine Hand gegeben.

29 Die Fragmente U und V tragen beide Text auf der Rückseite, allerdings so stark zerstört, dass sich ohne weiteres Studium nicht sagen lässt, wie sie sich zueinander verhalten.

30 Übersetzung unsicher. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 14 und 24 vermutet in ṯs das Verb „knoten“ und übersetzt: „le lien a été noué contre lui [...]“. Das widerspricht aber der normalen ägyptischen Satzgliedstellung, bei der adverbiale Erweiterungen hinter Prädikat und Subjekt stehen und nicht dazwischen, wie es dann hier der Fall wäre. Zu Ausnahmen vgl. immerhin A.H. Gardiner, Egyptian Grammar. Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs, 3rd, rev. edition (Oxford 1957 (Repr. 2001)), § 507.2.
Als Alternative wird daher hier angeboten, ṯs als Beleg für ṯs „knot, lashing“, R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden 2000), 770-771, zu verstehen und eine Parallele zwischen ṯs und mr.w anzunehmen.
Eine zweite Alternative, in r=f die Partikel „doch o.ä.“ statt der Adverbialphrase „gegen ihn“ zu sehen und ansonsten Meyrats verbaler Auffassung von ṯs zu folgen, scheidet aus, weil die Partikel in pRamesseum VII jr= und nicht r= geschrieben wird.

31 Könnte hier die wörtliche Rede einer Gottheit vorliegen, die über ihre Doppelfederkrone oder über zwei Federn an ihrer Krone (wie bspw. der Atefkrone des Osiris) spricht? Vgl. die ebenso auffällige (und leider ebenso zerstörte) Erwähnung von ḥd.t/wrr.t=j: „meiner Weißen Krone“ in G, x+8.

32 Zusätzlich zu den großen Fragmenten sind der Nummer pRamesseum VII noch zwei Glasrahmen mit kleineren Fragmenten zugeordnet: nicht publiziert bei A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), aber eingeschlossen in die Publikation von P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 15-17, 24-25 und 294-296 (unter der Bezeichnung „Mini-Fragments“, hier abgekürzt zu „MF“). Im ersten dieser beiden Glasrahmen (Meyrats „Mini-Fragments I“ = Website British Museum) sind drei Gruppen von insgesamt 13 Fragmenten zusammen eingerahmt. Die Gruppen unterscheiden sich durch die Färbung des Papyrus und durch den Umstand, dass die linke Gruppe keine Textreste auf der Rückseite hat, die mittlere und rechte dagegen schon. Von der linken Gruppe bearbeitet Meyrat die beiden größten Fragmente (hier MF I,1 und MF I,2), von den beiden anderen Gruppen alle Fragmente.
Von den drei nicht bearbeiteten enthält eines Reste einer Kolumne mit einem Schmutzgeier(?) unter einem nicht identifizierbaren Zeichen; ein anderes enthält den Rest einer Kolumne mit einem sitzenden Mann und darunter der Gruppe mr+r, also vielleicht einen Vertreter der Wortfamilie mri̯: „lieben“; das dritte schließlich winzige Reste zweier Kolumnen mit dem Rest eines Wachtelkükens(?) in der ersten und einem ḥr mit komplementierendem r in der zweiten Kolumne.

33bnrj.t: Unsicher, ob das einfache Nomen „Beliebtheit, Liebreiz“ oder die Bezeichnung für die „Liebreizende (Göttin)“ von Fragment A.

34zwr: Nur minimale Reste sind erhalten: die linke Hälfte eines Türriegel-z und darunter ein Vogelschwanz. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 15 vermutet hinter Letzterem die rḫ.yt. Das ist aber nicht die einzige Rekonstruktionsmöglichkeit; und sie ließe ferner das z syntaktisch in der Luft hängen. Zwischen einem Ortsnamen und den rḫ.yt stehend, könnte es dann nur ein Suffixpronomen sein, das aber nach einem Ortsnamen inhaltlich wenig sinnvoll scheint. Die Schwanzspitze könnte statt zum Kiebitz (rḫ.yt) auch zu einer Schwalbe (wr) passen, wodurch sich hier möglicherweise das Wort zwr: „trinken“ rekonstruieren lässt. Dieses wäre im vorliegenden Text zumindest nicht unerwartet. Da die Wortreste schwarz und nicht rot sind, scheint zunächst keine Nachschrift/Applikationsanweisung („werde getrunken ...“) vorzuliegen, obwohl selbst das nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden kann: So vermutet A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11 auch in Fragment D, x+2 („Lege mir die Perle in meine Hand“) trotz fehlender Rubrizierung eine magische Anweisung.

35 Dieses Rubrum findet sich übersetzt, ohne Abbildung, auch bei A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 11.

Neuer Spruch

[---] aus/mit Fayence ... (?) [---]

[MF I,4, x+1] [---] [___]-Gebäude, Wege [---]

Spruch zur Erlangung von Beliebtheit oder Liebeszauber (?)

[MF I,5, x]36 [---], [MF I,5, x+1] die erstaunt ist über(?) [---] [---] schwar ...37 [---] Sie möge(?) die Liebe (zu) mir verbreiten [---]38

[MF I,6, x+1]39 ... (?)40 die beiden Scheiben41 (d.h. Sonne und Mond) (?) [---]

[MF I,7, x+1]42 [---] Liebe [---] [He]kenut43 des(?) Re [---]

[MF I,8, x+1] [---] du/dich am Tag [---] Kühlung(?)44, die vor dir ist [---]

[MF I,9, x+1] [---] Tochter von(?) [---] des Horizonts, deine Frauendarstellung [---] ...(?) für dich [---]

36 Das Fragment 5 enthält Reste von fünf Kolumnenanfängen. Davon sind nur in den drei mittleren Kolumnen noch Wortreste erhalten; diesen gibt P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 2095 die Zeilennummern x+1, x+2 und x+3.
Von der ersten erhaltenen Kolumne, also derjenigen vor Meyrats Kolumne x+1, ist nur noch die obere rechte Ecke des obersten Schreibquadrates erhalten; und darin sind nur noch zwei winzige Punkte direkt an der Abbruchkante erhalten.
Von der letzten erhaltenen Kolumne, also derjenigen nach Meyrats Kolumne x+3, ist wiederum nur die obere linke Ecke des obersten Schreibquadrats erhalten; Zeichenreste sind nicht mehr vorhanden. Dass es sich allerdings trotzdem auch darum um eine Kolumne handelt und Meyrats x+3 nicht etwa das Textende markiert, beweist der obere Kolumnenbegrenzungsrahmen, der über die gesamte Fragmentbreite verläuft, d.h. von einer Abbruchkante zur anderen.

37ꜣbg: Nur die Einkonsonantenzeichen sind vorhanden, die Klassifikatoren zerstört. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 15 erwägt „nour[riture(?) ...]“, hat also vielleicht an ꜣbgbg: „profusion, abondance d’aliments“, D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 2. 1978 (Paris 1981), 78.0028, gedacht. Die Nähe zum Wort „schwarz“ macht es verführerisch, an kopt. ⲁⲃⲱⲕ: „Rabe, Krähe“ < demot. ꜥbq und ꜣbq (W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 2) zu denken (zu einem vermeintlichen frühzeitlichen Vorläufer bg.t vgl. die skeptischen Ausführungen von G. Sperveslage, Quoth the Raven: Nervermore! Zur frühzeitlichen Stele Nr. 127 aus Abydos, in: Göttinger Miszellen 256, 2018, 167-173). Allerdings ist das angesichts der Zerstörungen nichts weiter als eine flüchtige Gedankenanregung.
Die folgende Kolumne könnte u.U. auf einen Liebeszauber hindeuten – in diesem Fall könnte die Farbe „schwarz“ auch die Haarfarbe des Objekts der Begierde beschreiben.

38 Dieses Satzfragment findet seine Beinahe-Parallele im Minifragment II,1. Das Suffixpronomen könnte sich daher, wie dort, auf die Göttin Hathor beziehen. Allerdings gehören diese beiden Fragmente nicht zusammen: MF I,5 trägt auf der Rückseite eine Zeile eines hieratischen Textes, der ebenso orientiert ist wie das Recto (Recto-Oben entspricht Verso-Oben), wohingegen MF II,1 auf der Rückseite Zeilenanfänge eines hieratischen Textes trägt, die gegenüber dem Recto auf dem Kopf stehen (Recto-Oben entspricht Verso-Unten).

39 Fragment 6 stammt wie Fragment 5 von der oberen Hälfte der Seite und zeigt über den ersten Zeichen die obere Rahmenlinie und ein Stück des oberen Seitenrandes.

40 Das erste Wort der Kolumne besteht aus einem Türriegel-z, drei waagerechten Strichen, dem Gesicht (Gardiner Sign-list D19) und, nur noch in Resten vorhanden, dem sitzenden Mann mit Hand am Mund. Die drei waagerechten Linien sind nicht zu identifizieren, da ihre linke Hälfte zerstört ist. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 295 und 16 schlägt ein n und den Rippenbogen(?) (Aa 13) vor und erwägt snm: „avarice (?)“. Allerdings werden Wörter mit der Konsonantenfolge nm i.d.R. mit dem Schlachtmesser T35 geschrieben, so auch snm: „Gier“, s. Wb 4, 165.2. Zudem wird dieses Zeichen in pRamesseum VII sonst nicht für m verwendet, und es wäre hier auch noch retrograd (d.h. retrograd gegenüber dem sonstigen Text; da in pRamesseum VII alle Hieroglyphen retrograd geschrieben sind, wäre dieses Zeichen – als einziges – „normal“ geschrieben).
Die Zeichenreste könnten vielleicht eher zu einem Vertreter der Wortfamilie sn: „riechen, atmen; küssen“ gehören.

41 Der Vorschlag, die beiden Sonnenscheiben als jtn.wj zu lesen, ist rein tentativ.

42 Fragment 7 stammt von der unteren Hälfte eines Blattes und enthält ein Stück der unteren Rahmenlinie.

43 P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 24 vermutet, dass Hekenut hier als Bezeichnung für die Kronengöttin Nechbet dienen könnte.

44 qb.t: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 16 und 24 vermutet den Göttinnennamen Qbḥ.t; und weil sie „vor dir“ ist, vermutet er in ihr eine Bezeichnung für den Uräus. Es steht aber qb.t da.

Spruch zur Erlangung von Beliebtheit oder Liebeszauber (?)

[MF II,1, x+1]45 [---] Hathor, meine Herrin, die(?) die Liebe (zu) mir verbreitet [---]46 ...47 [---]

[MF II,2, x+1] [---] die Schönheit des Re, der Pavian(?) [---]

[MF II,3, x+1] [---] ich/mich(?); sie sieht die Schönheit [---]

[MF II,4, x] [---] ... [---]

[MF II,4, x+1] [---] diese meine Augen in/mit [---]

[MF II,5, x+1] [---] Leib der Menschen48 [---]

45 Zusätzlich zu den großen Fragmenten sind der Nummer pRamesseum VII noch zwei Glasrahmen mit kleineren Fragmenten zugeordnet: nicht publiziert bei A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), aber eingeschlossen in die Publikation von P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 16-17, 24-25 und 294-296 (unter der Bezeichnung „Mini-Fragments“, hier abgekürzt zu „MF“). Im zweiten dieser beiden Glasrahmen (Meyrats „Mini-Fragments II“ = Website British Museum) sind 32(?) kleine Fragmente von pRamesseum VII zusammen mit einem(?) Fragment von pRamesseum VI verglast. Von diesem Rahmen hat Meyrat die rechten beiden Drittel berücksichtigt und davon die fünf „größeren“ Fragmente auch transliteriert und zu übersetzen versucht. Auf den nicht transliterierten Fragmenten ist auf dem zweiten Fragment von rechts in der oberen Reihe (= demjenigen zwischen Meyrats Fragmenten 3 und 4) noch das Wort mrw.t: „Liebe“ zu erkennen. Die übrigen Fragmente enthalten nur Wortreste.
Von den Fragmenten in der linken Hälfte des Rahmens, außerhalb von Meyrats Bildausschnitt, zeigt das dritte von links in der oberen Reihe noch ein Rubrum, und das ganz linke könnte sogar den Rest einer Vignette bieten, was aber weiterer Studien bedarf.
Schließlich gibt es noch den anderen Rahmen, den auch Meyrat nicht mehr berücksichtigt und der noch weitere 15 Minifragmente von pRamesseum VII (sowie Fragmente von pRamesseum A) enthält. Das größte von ihnen = obere Reihe, drittes von rechts enthält ein Wort nfr.w aus der Wortfamilie nfr: „schön“, und dasjenige daneben ein weiteres Rubrum, in dem vielleicht der Gott Geb erwähnt wird.

46 Zum Satz von Minifragment II,1, x+1 vgl. die ähnliche Formulierung von Minifragmet I,5, x+3. Allerdings gehören diese beiden Fragmente nicht zusammen: MF I,5 trägt auf der Rückseite eine Zeile eines hieratischen Textes, der ebenso orientiert ist wie das Recto (Recto-Oben entspricht Verso-Oben), wohingegen MF II,1 auf der Rückseite Zeilenanfänge eines hieratischen Textes trägt, die gegenüber dem Recto auf dem Kopf stehen (Recto-Oben entspricht Verso-Unten).

47 Das Rubrum zeigt an, dass der Spruch von II,1,x+1 hier endet.

48 Vgl. vielleicht B, x+18, wo die Beliebtheit „im Leib aller Menschen“ sein soll.