science in ancient egypt

 

Metadaten

Papyrus Chester Beatty VIII, Kol. vs. 3–4 Papyrus Chester Beatty VIII, Kol. vs. 3–4 Link
Bezeichnung
Papyrus Chester Beatty VIII
Weitere Bezeichnungen
Papyrus London BM EA 10688
Papyrus Chester Beatty 8
Trismegistos TM 381085
Aufbewahrungsort
GB, London, British Museum
Erwerbsgeschichte

Der Papyrus Chester Beatty VIII gehörte zuerst zur Papyrussammlung des amerikanischen Großindustriellen Alfred Chester Beatty (1875–1968), der die Papyri II–XIX im Jahre 1930 dem British Museum in London schenkte (Hall 1930, 46–47), während er den Papyrus Chester Beatty I in der Chester Beatty Library in Dublin unterbrachte.

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Medineh

Die genauen Erwerbsumstände sowie der originale Fundzusammenhang des Papyrus sind ungewiss. G. Posener gibt an, dass die 19 Chester-Beatty-Papyri mit dem Fund von 17 (?) Papyri aus Deir el-Medineh zu vergesellschaften sind, die im Jahre 1928 von B. Bruyère in einem schmalen, trapezförmigen Bereich mit gestampftem Boden zwischen dem Gewölbe einer Grabkapelle und dem Fundament einer Grabpyramide in Deir el-Medineh entdeckt wurden: "Il est permis de dire à présent que la découverte dépassa en importance les papyrus recueillis par le fouilleur le 20 février 1928. (...) On saura plus tard que les papyrus Chester Beatty proviennent de la même trouvaille." (Černý – Posener 1978, VIII; Plan des Fundorts: Bruyère 1929, Plan 1: unten rechts, zwischen den Schächten P.1165 und P.1169). Darüber hinaus verweist er auf den Eintrag in B. Bruyères Grabungstagebuch vom 21. Februar 1928, in dem es heißt, dass ihm zu Ohren gekommen sei, dass er von drei Arbeitern bestohlen wurde. Der Papyrus Chester Beatty VIII ging demnach möglicherweise als Diebesgut in den Antikenhandel, wo er von A. Chester Beatty erworben wurde (Černý – Posener 1978, VIII). Zu dem Papyrusfund scheinen, abgesehen von den 19 Chester-Beatty-Papyri und den 17 von J. Černý gemeinsam veröffentlichten Deir-el-Medineh-Papyri (für die wenigsten der 17 Papyri liegen genaue Fundbeschreibungen vor), auch zwei Naunachte-Papyri in Kairo zu gehören, eventuell noch zwei Naunachte-Papyri in Oxford sowie ein Genfer Papyrus (P. Geneva MAH 15274), also insgesamt mindestens 40 Papyri (Pestman 1982, 155–172). Falls dies stimmt, wurden also alle Papyri im oberirdischen Bereich einer Grabanlage gefunden, dessen oder deren Besitzer bei der Grabung nicht bestimmt werden konnte(n). P. W. Pestman ermittelte die aufeinanderfolgenden Eigentümer der Papyri als Ken-her-chepesch-ef den Älteren, seine Frau Naunachte und ihre Söhne aus zweiter Ehe, Amun-nacht und Pa-maa-nacht-ef. Möglicherweise ist einer der Papyri (Papyrus Chester Beatty IX) irgendwann nass geworden, entrollt und nach der Trocknung wieder aufgerollt worden (Gardiner 1935 I, 78). Y. Koenig verweist auf den Brief Papyrus BM EA 10326 (= LRL, Nr. 9), in dem nassgeregnete Papyri inspiziert und später in einem Grab mit oberirdischen Räumen deponiert wurden, und er erkennt Analogien zwischen den dort geschilderten Vorgängen und dem Fundzusammenhang des Fundes von B. Bruyère von 1928 (Koenig 1981, 41–43).

Datierung
Neues Reich, Ramessidenzeit, 19.–20. Dynastie, ca. 1292–1077 v. Chr.

Die Datierung beruht auf paläographischen Kriterien. Der Zeitpunkt der Niederschrift des Rectos von Papyrus Chester Beatty VIII "may have been the end of the Nineteenth Dynasty". Das Verso wurde zuerst von einem Schreiber geschrieben, dessen Handschrift "closely resembling the hand of the verso of Papyrus No. XI" ist, während ab Kolumne 4 "a different scribe, probably of the Twentieth Dynasty" tätig wurde (Gardiner 1935 I, 66). Für Papyrus Chester Beatty XI Recto gibt A. H. Gardiner "a good Nineteenth Dynasty literary hand" an (Gardiner 1935 I, 116). Die datierten Texte des Archivs, zu dem Papyrus Chester Beatty VIII gehört bzw. die identifizierten Eigentümer des Archivs, stammen aus dem Datierungszeitraum von der frühen Regierungszeit Ramses’ II. bis hin zu Ramses IX. (Pestman 1982, 158). Dies umfasst eine Zeitspanne von ca. 170 Jahren (ca. 1279–1109 v. Chr.).

Textsorte
Aufzählung/Liste
Inhalt

Der Papyrus ist mit diversen magischen und magisch-medizinischen Texten sowie Hymnen beschrieben, insgesamt sechs Texten auf dem Recto und wenigstens neun auf dem Verso, zu denen auch teilweise parallele Textzeugen existieren, wobei die Lückenhaftigkeit der Handschrift die inhaltliche Erschließung teilweise erschwert. Im Einzelnen:
Texte des Recto: Text 1 (rt. 1,1–2,9): Eine modifizierte Form von Totenbuch-Spruch Tb 18, der für sich bereits einen Zauberspruch zur Feindabwehr darstellt. Text 2 (rt. 2,9–3,5): Ein Spruch zur Abwehr eines Toten („Handelt ein Toter gegen einen Mann.“; jri̯ mwt r z). Text 3 (rt. 3,5–5,3): Spruch mit nicht erhaltener Zielstellung, am Ende ist jedoch ein vollständiges Manual mit Drogen und Zitieranweisungen beigegeben. Text 4 (rt. 5,4–6,x): „Buch von Tage (und) Zubringen des Tages“ (mḏꜣ.t n.(j)t hrw wršu̯); mit Anrufung an die Götter und Beigabe von zahlreichen Epitheta; recht fragmentarisch, aber durch die Parallele pChesterBeatty IX vs. B 1,6–11,3 gut zu ergänzen. Text 5 (rt. 6,x–9,9): Schutzzauber vor „allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, aus allen bösen Zaubern, die gegen dich ausgesprochen worden sind“ (m-ꜥ ꜣḫ.t nb.t bjn ḏw.t m-ꜥ ḥkꜣ.w nb ḏw{t} j:ḏd=sn r=k), wobei sich die betreffende Zauberformel zehnmal mit geringen Änderungen des Wortlauts wiederholt. Am Ende gibt es ein Kolophon! Text 6 (rt. 9,10–11.6): „Buch zum Zufriedenstellen aller Götter“ (mḏꜣ.t n.(j)t sḥtp nṯr.w nb.w), enthält eine Reihe hymnische Beschwörungen an verschiedene Götter (Amun; Ptah; Re-Harachte-Atum; allg. Götter und Göttinnen), am Ende Zitieranweisungen.
Texte des Verso: Text 1 (vs. 1,1–2,4) (Parallele: pAthen Nr. 1826 rt. x+13,10–15,11): Beschwörung mit umfassender Gliedervergottung von Gebäudeteilen. Text 2 (vs. 2,4–3,3): „Anderer Spruch“ (ky rʾ) mit nicht genau feststellbarer Zielstellung, weil zu fragmentiert. Am Ende stehen Rezeptanweisungen. Text 3 (vs. 3,4–9): Beschwörung unbekannter Zielstellung, am Ende sind wiederum Zitieranweisungen vorhanden. Text 4 (vs. 4,1–7,5) (Paralleltext: pTurin CGT 54055 = vs. 4,8–11): „Buch zum Entfernen eines Feindes“ (mḏꜣ.t n.(j)t sḥrj ḫft.j), eine umfangreiche Beschwörung zur Abwehr verschiedener Arten von Dämonen und Untoten, in denen die Körperteile des Osiris eine prominente Rolle spielen. Text 5 (vs. 7,5–12): Ein Amulettspruch zur Abwehr (mḏꜣ.t n.(j)t sḥrj) von Dämonen und Untoten. Die Kol. vs. 8 ist nicht erhalten. Texte 6 und 7 (9.1–10.8): Zwei Hymnen an die Uräusschlange, mit zahlreichen Parallelen (Edfou III 290–291 = vs. 10,1–8; Elkab I, pls. 15–19 = vs. 9,4–10,7; Philä I, 56–58, fig. 28 = vs. 10,1–8; pBerlin P. 15749 Z. 2–5 = vs. 10,1–2; vgl. Vandier 1966 und Goyon 2006). Text 8 (vs. 10,8–13,1): Litanei auf die zwölf Namen des Re-Harachte (vgl. Gasse 1984; weitere Textzeugen: Pap. de Luynes; Urk VIII,115 = Clère 1961, pl. 72–73; Edfou III 10–11; Edfou III 34–35; pStrasbourg II, col. x+3, 5–19), im Text ist aber Horus statt Re-Harachte der gepriesene Gott. Text 9 (vs. 13,2–15,10): Die letzten drei Kolumnen sind stark fragmentiert, so dass sich kein rechter Textzusammenhang mehr erkennen lässt. Vermutlich liegen noch mehrere Beschwörungen vor, die sich nicht genau abgrenzen lassen (vgl. Gardiner 1935 I, 76).

Ursprünglicher Verwendungskontext

Das Papyruskonvolut, zu welchem auch der Papyrus Chester Beatty VIII zählt, gehörte zum Familienbesitz einer thebanischen Familie. Das Papyrusarchiv hat dabei mindestens 40 Papyri umfasst, die heute in verschiedenen europäischen Sammlungen untergebracht sind (Pestman 1982, 155). Während der ursprüngliche Besitzer unidentifiziert bleibt, ist bekannt, dass das Papyrus-Archiv zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt an den Schreiber Ken-her-chepesch-ef übergegangen ist. Durch seine Frau Naunachte wurde das Korpus schließlich an die Kinder aus zweiter Ehe weitervererbt. Zunächst ging der Papyrus in den Besitz des Amun-nacht und dann über weitere unbekannte Hände, bis er schließlich zusammen mit den anderen Stücken im oberirdischen Bereich einer Grabanlage deponiert wurde (Pestman 1982, 160–172; siehe auch Koenig 1981, 41–43).
Das Papyrusarchiv, zu dem der Papyrus Chester Beatty VIII zählt, besteht thematisch aus folgenden Textsorten: private Urkunden und Verwaltungstexte (u.a. Briefe, Memoranda), (Schul)-Übungen, semi-literarische Texte (medizinische, magisch-medizinische, mantische) und "rein" literarische Texte. P. W. Pestman nennt die semi-literarischen Texte, zu denen Papyrus Chester Beatty VIII gehört, "something like practical handbooks for daily use" (Pestman 1982, 165).

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Ursprünglich umfasste der Papyrus auf dem Recto 11+x Kolumnen mit 11–13 Zeilen (Kol. 11, die vermutlich ursprünglich letzte Kolumne, hat nur 5 Zeilen) und auf dem Verso 15 Kolumnen mit 10–12 Zeilen. Vor Kolumne 1 des Recto ist mindestens eine Kolumne verloren. Zugleich ist auf der Rückseite Kolumne 15 aber über die volle Breite erhalten; ob dort noch eine weitere Kolumne fehlt ist beim fragmentierten Erhaltungszustand nicht auszumachen. Die Kolumnen des Recto sind mit jeweils 30 cm Breite recht breit geraten, nur etwas weniger betragen die Kol. vs. 4–15, wohingegen die Kol. vs. 1–3 nur jeweils etwa die Hälfte bis zwei Drittel an Breite ausmachen. Der Papyrus liegt heute in zahlreichen größeren und kleineren Fragmenten vor; er ist in sechs Frames verglast. In der Antike wurden laut Gardiner mehrere Stücke aus dem Papyrus herausgeschnitten, d. h. die Rolle wurde in mehrere Teile zerlegt und Stücke wurden abgetrennt und wiederverwendet. So wurde ein Stück von ca. 28 cm in der Mitte herausgeschnitten: Es fehlen Kol. rt. 6 und vs. 8 und der Großteil von vs. 9. Hinzu kommt eine Lücke von ca. 15 cm auf dem vorletzten Blatt (Kol. rt. 10 bzw. vs. 2–3), dazu weitere ca. 15–20 cm am Ende des letzten Blattes (Kol. rt. 11). Die Kol. vs. 1 liegt vollständig vor und fängt gleich am Rand der Rolle an, so dass das Verso erst nach dem Abtrennen dieses Papyrusstreifens beschrieben worden sein kann, das Herausschneiden der anderen Blätter erfolgte aber erst nach dem Beschreiben des Verso! Kombiniert man die Länge der herausgeschnittenen Teile mit den gut erhaltenen Partien, die zusammen eine Breite von 196 cm umfassen, und weitere 98 cm, die sich durch die Menge der Fragmente ergeben, ist eine Papyrusrolle von 350+x cm Länge rekonstruierbar. Sie wurde aus 14+x Papyrusblättern hergestellt. Die einzelne Blattbreite schwankt zwischen 24,5–25,5 cm, die Höhe ist jeweils 21 cm. Die Joins waren von guter handwerklicher Qualität. In der Mitte des 10. Blattes wurde auf dem Verso ein Streifen von 2,5 cm Breite aufgeklebt, um eine schwache Stelle zu verstärken, und auch sonst sind verschiedene Reparaturmaßnahmen zu erkennen (alle Angaben nach Gardiner 1935 I, 66).

Schrift
Hieratisch

Die Leserichtung verläuft von rechts nach links. Das Verso beginnt dort, wo das Recto endet (die Rolle wurde über die kurze Seite gedreht). Es sind drei Hände zu unterscheiden: Der Schreiber des Recto „wrote a bold literary hand, showing a tendency to angularity in the forms of the signs. (...) The verso, where the pages are narrower, started in a rather large and rapid hand abounding in ligatures, and closely resembling the hand of the verso of Papyrus No. XI. In vs. 4 a new book begins and appears to have been written by a different scribe, probably of the Twentieth Dynasty, to judge from his liking for dotted signs and other criteria.“ (Gardiner 1935 I, 66). Der Schreiber des Recto machte durchgängig von Verspunkten Gebrauch, die zwei des Versos dagegen nicht.

Sprache
Mittelägyptisch mit Neuägyptizismen

Traditionelles Mittelägyptisch mit einigen Neuägyptizismen.

Bearbeitungsgeschichte

Im Rahmen seiner Untersuchung zu den hieratischen Papyri des British Museum legte A. H. Gardiner im Jahre 1935 eine Erstbearbeitung des Textes vor, nachdem er sich schon vor der Schenkung ans British Museum mit den Chester Beatty Papyri beschäftigt hatte. Die Publikation bietet neben der hieroglyphischen Edition des Textes auch eine Übersetzung der gut oder einigermaßen erhaltenen Passagen sowie eine näherungsweise inhaltliche Deutung der zu stark fragmentierten Passagen. In späteren Studien sind einige Partien, zu denen parallele Textzeugen existieren, in synoptischen Editionen wiedergegeben worden (s. die Inhaltsbeschreibung). Die Gesamtbearbeitungen der medizinischen Texten berücksichtigen nur das Manual einer Beschwörung in rt. 5,1–3 (Grapow 1958; von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I+II; Bardinet 1995; Westendorf 1999). Anthologien magischer Texte bieten in ihren Übersetzungen nur eine Auswahl der gut erhaltenen Passagen auf dem Verso (Borghouts 1978; Fischer-Elfert 2005).

Editionen

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,1. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958), 118.

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,2. Übersetzung der medizinischen Texte. Erläuterungen (Berlin 1958), 106.

- Gardiner 1935 I: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. I. Text (London 1935), 66–77.

- Gardiner 1935 II: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. II. Plates (London 1935), Taf. 39–49.

- Grapow 1958: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. V. Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert (Berlin 1958), 206–207.

Literatur zu den Metadaten

- Bardinet 1995: T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l'Égypte pharaonique. Traduction intégrale et commentaire (Paris 1995), 478.

- Borghouts 1978: J. F. Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts. Translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 7–11 (Nr. 10 und 11).

- Bruyère 1929: B. Bruyère, Rapport sur les fouilles de Deir el-Médineh (1928), Fouilles de l'Institut Franҫais d'Archéologie Orientale du Caire 6,2 (Le Caire 1929), Taf. 1.

- Černý – Posener 1978: J. Černý – G. Posener, Papyrus hiératiques de Deir el-Médineh. I. Nos I–XVII, Documents de Fouilles de l'Institut Franҫais d'Archéologie Orientale du Caire 8 (Le Caire 1978), VIII.

- Fischer-Elfert 2005: H.-W. Fischer-Elfert, Altägyptische Zaubersprüche (Stuttgart 2005), 50–52, 138–139 (Nr. 18); 82–83, 153 (Nr. 68).

- Hall 1930: H. R. H. Hall, The Chester-Beatty Egyptian Papyri, in: British Museum Quarterly 5,2, 1930, 46–47.

- Koenig 1981: Y. Koenig, Notes sur la découverte des papyrus Chester Beatty, in: Bulletin de l'Institut Franҫais d'Archéologie Orientale 81, 1981, 41–43.

- Pestman 1982: P. W. Pestman, Who Were the Owners, in the "Community of Workmen", of the Chester Beatty Papyri, in: R. J. Demarée – J. J. Janssen (Hrsg.), Gleanings from Deir el-Medîna, Egyptologische Uitgaven 1 (Leiden 1982), 155–172.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 70–71.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Marc Brose/Dr. Katharina Stegbauer
Bearbeitungsdatum
15.10.2019

Übersetzung und Kommentar

Totenbuchspruch Tb 18 (rto. 1,1–2,9)

(Übersetzung: Marc Brose)

[rt. 1,1]1 [… in] dem Hohen Gericht, das in Heliopolis ist, in dieser Nacht des [Fällens (?)2] der Feinde.
Was das [Hohe] Gericht betrifft, [das in Heliopolis ist], (das sind) [Atum], Schu (und) Tefnut.
[Gebt] Lob[preis dem] Thot!
[Ich will] ihm Jubel [bereiten] jeden Tag.
Luft wurde dem Müd[herz]igen gegeben.
[Befriedet wurde das Herz des] Wen[en]nefer LHG.
Osiris [wurde Rechtfertigung verschafft über den Feind, im Hohen Gericht] in Letopolis, in der Nacht des Kämpfens […].
[Was das Hohe Ger]richt [betrifft, das in] Letopolis [ist], [das sind Horus, Me]chenti-irti, [Thot … in] T[a]⟨j⟩ertef.
[Gebt Lo]bpreis dem Thot!
[Ich will ihm J]ubel bereiten jeden Tag.
Luft wurde [rt. 1,5] [dem Müd]herzigen gegeben.
[Befriedet wurde das Herz des Wenen]nefer LHG.
Osiris wurde Rechtfertigung ⟨verschafft⟩ über den Feind, im Gericht im Pe (und) [Dep], in [dieser] Nacht [des] Aufstellens [...] von / für […], seine Wohltat (?) in diesem (?) Land des (?) Osiris [mit (?) dem Eigentum (?)] ⟨seines⟩ Vaters Osiris.
Was das Hohe Gericht betrifft, das in Pe (und) Dep ist, [das ist Horus, das ist Isis], das sind Am[set] (und) Hapi.
Gebt Lob[preis dem Thot]!
Ich will ihm Jubel bereiten jeden Tag.
Luft wurde dem [Müdherzigen] gegeben.
Befriedet wurde das [Herz des Wenennefer LHG].
[Osiris wurde Rechtfertigung verschafft über den Feind], im Hohen Gericht, das in „Die-beiden-Ufer-der-Wäscher“ ist, in [dieser] Nacht, die Isis [mit Trauern] über ihren Bruder Osiris verbracht hat.
[Was das] Hohe [Gericht] betrifft, das in „Die-beiden-Ufer-der-Wäscher“ ist, das ist [Isis], das ist Ams[et].
[rt. 1,10] [Gebt Lobpreis] dem Thot!
[Ich will ihm] Jubel [bereiten] jeden Tag.
[Luft wurde dem] Müdherzigen [gegeben].
[Be]friedet wurde das Herz des Wenennefer LHG.
[Osiris wurde Rechtfertigung verschafft über den F]eind, im Hohen Ge[rich]t, das in […] ist, in dieser Nacht [des Auf]hackens der Erde [im Blut].
[rt. 2,1] Osiris [wurde Rechtfertigung verschafft] über den Feind.
Kommen war, was Seth tat, zusammen mit seiner Bande, nachdem [sie ihre Gestalten in Kleinvieh] verwandelt hatten.
Dann wurden [sie] geschlachtet vor [dem …] dieses erhabenen Gottes, in dieser Nacht des Aufhackens [der Erde … …].
Gebt [Lobpreis dem Thot]!
[Ich will] ih[m] Jubel [bereiten] jeden Tag.
Luft wurde [dem] Müdherzigen gegeben.
Befriedet wurde das Herz [des Wenennefer LHG, im Hohen Gericht], das in Tajertef ist.
Was [das] Hohe [Gericht] betrifft, [das in Tajer]tef [ist], das ist Schu, das ist Baba, das ist Re.
Gebt Lobpreis [dem Thot]!
[Ich will ihm Jubel bereiten jeden Tag].
Luft wurde [dem] Müd[herz]igen gegeben.
[rt. 2,5] Befriedet wurde [das Herz] des Wenennefer [LH]G, im Hohen Gericht, das in Ro-[setau] ist, [in dieser Nacht, die] Anubis ⟨mit⟩ seinen [Händen] über den Opfergaben [hinter] Osiris [zubrachte].
Osiris wurde ⟨Rechtfertigung verschafft⟩ über den Feind.
Was das [Hohe] Ge[richt] betrifft, [das in Ro-setau ist, das ist …].
[Horus, sein Herz] ist froh; Osiris, sein Herz ist entspannt […], die Beiden Kapellen, ihre Herzen sind zufrieden.
[Gebt] Lobpreis [dem Thot]!
[Ich will ihm Jubel bereiten jeden Tag].
[Luft wurde dem Müdherzigen gegeben].
[Befriedet] ist das Herz des [Wenennefer LHG].
Osiris wurde Rechtfertigung verschafft über [den Feind], im Hohen Gericht, in dem [jeder Gott und jede Göttin ist … …].
[…] NN, den die NN geboren hat […] zufrieden bei jedem Gott.

1 Bei diesem Text handelt es sich um eine modifizierte Version von Tb 18, das für sich selbst schon einen Spruch zur Feindabwehr darstellt. Die Lücken in den fragmentierten Kol. rt. 1 und 2 in der Wiedergabe bei Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 39 konnte Gardiner daher auch weitgehend nach dieser Parallele ergänzen (nach der Ausgabe von Tb 18 bei Grapow, Religiöse Urkunden, 109ff. [Neuedition: Lapp, Totenbuch, 3–145]); vgl. den Kommentar bei Gardiner, Hieratic Papyri I, 67. Einige Lücken konnten auch dadurch aufgefüllt werden, dass manche Sätze mehrfach im Text in gleicher Gestalt vorkommen.
2 Ergänzungsvorschlag von Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 39, col. 1 ad rt. 1,1 b–c, nach Grapow, Religiöse Urkunden, 101.17 (Tb 20 [vgl. Lapp, Totenbuch, 150b]). Die Alternative wäre zꜣw bzw. jri̯.t zꜣw.t „Bewachung“, vgl. Grapow, Religiöse Urkunden, 114,16; Lapp, Totenbuch, 10–11a. Wegen der geringen Größe der Lücke würde aber maximal Platz für zꜣw sein.

Magischer Text (rto. 2,9–3,5)

(Übersetzung: Marc Brose)

Ein Totengeist handelt gegen einen Mann [… … …]:1
[…] diese Glieder (des?) Gottes [..] hinter (?) ihren (?) [… …].
[rt. 2,10] Komme [du (?) gegen (?)] den männlichen Totengeist, den weiblichen Totengeist, [den Feind, die Feindin … …], dein […] (?), was ich gehört habe (?).
So „sei fern davon“, zu (?) sagen [d.h. So sage also!]:
„Du hast entblößt das Glied […] unter / mit [… … … ...].“
So „sei fern davon“, zu sagen (d.h. So sage also!):
„Du ergreifst vier Glieder
[rt. 3,1] [… …] Osiris, [nachdem (?) du (?) ihn (?)] begraben hast, in dieser Nacht des Passierens [des Kopfes (?)], der Seiten (und) deiner beiden Oberschenkel.
Du hast den Pfahl (?) gelöst,
du [hast (?)] beschützt [… …] der ver[stüm]melt hat den Orion, der angegriffen / herausgefordert (?) hat, obwohl (?) du die Annehmlichkeit des Abhaltens (?) hattest.
Du hast gerettet den, der geht […] .[.]., (indem) der Himmel ist durch [… …].“
Dann also (?) … … du wirst einatmen die Luft des … die Ach-Geister […] von … […].
Zu rezitieren durch den Mann [… …] mit seinem Mund, mit gereinigtem […], (indem / wenn) sein Nagel / Daumen […] ist, ein Verfaulungs-Geschwulst ⟨an⟩ seinem Körper ist, das verhüllt worden ist [mit (?)] neuen Kleidern, [rt. 3,5] das [ge]schmückt ist [...] (und) seine beiden Arme [gebeugt (?)] sind.
Werde [Weihrauch]
ins Feuer gegeben, nachdem das Buch (laut) gelesen worden ist.

1 Diese Textpassage ist so stark fragmentiert, dass weder eine eindeutige Segmentierung noch eine einigermaßen sichere Übersetzung möglich ist; vgl. die Einschätzung von Gardiner, Hieratic Papyri I, 67. Inhaltlich gehört er wahrscheinlich nicht mehr direkt zum vorangehenden Text, weil der erste Satz dieses Textes ihn eindeutig als Spruch zur Abwehr eines Totengeistes ausweist, wohingegen der vorangehende Text zum Schutze des Osiris / Toten und zur Abwehr des Seth ist.

Magisch-medizinischer Text (rto. 3,5–5,3)

(Übersetzung: Marc Brose)

⟨Für⟩ deinen Ka, Thot, [..] der festgesetzt hat [… …].
[Für] deinen Ka, Thot [… …], für (?) Thot, der die Beiden Länder [zufrieden]stellt (?)1.
Für deinen Ka, Thot, der das Herz des Re belebt.
Für deinen Ka, Thot [… …], den Liebling der Götter [… ..] den Bedarf jeden Tages, entsprechend allem, was die Götter dir geben, von allem schönen […] Dingen [… …] Millionen [… ….] dieses Gottes, am schönen Tag [im] Himmel und der Erde, indem (?) er die Dunkelheit vertreibt [… … … …].
Lobpreis geben dem Stier in der Neunheit (= Osiris), Lobpreis [rt. 3,10] [… …] die [Leuch]tenden (Sterne) (?) [… …] die Große am Kopf ihres Herrn, die [ihm (?)] erscheint als Maat, als (?) [… …] .. [… …] (indem) ihre Herzen fröhlich sind, die Götter mit / unter […] … [rt. 4,1] entsprechend wie er die Schriften gemacht hat.
Oh Wütender, der die Feinde zerstückelt, der für den Friedlichen eintritt, mögest du gnädig sein mit dem NN, den die NN geboren hat, mögen jeder Gott und jede Göttin ihm gnädig sein, mögest du verlängern seine Lebenszeit im / in einem Jahr des Lebens.
Seine Liebe, seine Liebenswürdigkeit, seine Annehmlichkeit sind im Leib aller Menschen, aller pꜥ.t-Menschen, aller rḫ.yt-Menschen, aller ḥnmm.t-Menschen etc.
Dieses Buch wurde gefunden im Schriftenhaus, einem Raum des Tempels.
Dieser Spruch werde rezitiert über: [Weiß]brot: 7; sšr,t-Brot: 7; Rippenstücke: 7; Mann (d.h. Figur eines Mannes) aus Brot: 7; Chate (Cucumis melo): 7; der […]: 4 Schalen; Salz: 4 Schalen; Grillfleisch: 4 Schalen; Weintrauben: 4 Schalen; Weihrauch: 4 Schalen; Wein von ausgezeichneter Qualität: [rt. 4,5] [4] Schalen; [….]; Bier: 4 (Krüge?); Blätter: 4 Körbe (?) [od.: Blätter von Blumen: 4].
Und fertige: die Statue eines Mannes aus einem Leib Weißbrot: 1; […] aus Wachs: 1; unterägyptische (?) sr.t-Gans (?)2: 1; … [x], lebender […]: 1; [Kat]ze(nfigur) aus Wachs: [1]; ꜣbd-Fisch, der aus dem Leib gekommen ist [d.h. gerade geboren wurde(?)]3: [x]; lebender ꜣbd-Fisch aus dem Fluss: 1; Ziegen: 4; lebender Käfer: 1; […] sein / er […] hinab, so dass all seine (= der Totengeist?) Bosheit stirbt.
Und fertige dieses Buch auf einer neuen Papyrus[rolle].
Werde gegeben an den Hals eines lebenden Katers, zusammen mit dem Zierrat (?) […] ein lebender ꜥb.w-Vogel (Taube?), ein lebender ꜣbd-Fisch aus dem Fluss.
Du gibst [sie zur Zeit] des Morgens vor Re.
Und mache ihr (?) Begräbnis […] Osiris, Atum, Schu (und) Tefnut.
„Sieben in euer Gesicht, Schlangen!“
Er (?) […] der gehörig ist zur Unterwelt, der Besitzlose, der mit seinen beiden Armen agiert […], [rt. 4,10] er möge / werde (?) […] in / aus seinem Leib, sein Name werde kopfübergestellt.
Köpfe ein lebendes Bildnis (?) [...] einen lebenden Kopf mit dem Abscheu seiner Geschwister.
Schnitze [ein Bildnis (o.Ä.)] des Amset, des Hapi, des Duamutef (und) des Qebehsenuef, eine Statue [des …] (und) des Upuaut, wobei du diese Götter (jeweils) als Gott entsprechend [seiner] Idealgestalt ausführst.
[rt. 5,1] Danach sollst du den Göttern das Opfer darbringen, und ein Rezept fertigen zum Herausziehen des Giftes eines Gottes aus dem Leib eines Mannes od[er] einer Frau, zum Herausziehen des Gottes aus dem Leib, um zu [vertreiben (?) / zerstören (?) (o.Ä.)] jeden [männlichen Toten] und (jede) weibliche Tote (und) jede Krankheit, wobei dafür zu machen ist: Honig: die Hälfte von 1/64 (Oipe = 0,5 Dja); Weihrauch: die Hälfte von 1/64 (Oipe = 0,5 Dja); frisches Moringa-Öl: die Hälfte von 1/64 (Oipe = 0,5 Dja); Wein: [die Hälfte von 1/64 (Oipe = 0,5 Dja)].4
Werde getrunken vom Manne od[er] der Frau.

1 Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 40 ad rt. 3,6 Anm. c überlegt eine Ergänzung durch ⸢s⸣[hr jb (?)] „der zufriedenstellt (?) …“, merkt jedoch an, dass dafür der Platz zu gering ist. Für seinen anderen Vorschlag, shrr, den er nur als Verweis zu Tb 182,8 gibt, reicht der Platz dagegen aus.
2 So nach Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 40 ad rt. 4,5 Anm. d, d.h. vermutlich die sr.w- bzw. sr.t-Gans (WCN 139140 od. 139090), und wohl nicht stw.t, wie von Gardiner in seiner Transliteration bevorzugt.
3 Deutung nach Gardiner, Hieratic Papyri I, 68, aber unsicher.
4 Die Auflistung der Drogen entspricht der im Rezept Eb 214 (= 43,21–44,1); ein Einnehmemittel für den Magen, rʾ-jb; dort wird es aber gegessen, nicht getrunken.

Anrufungen an die Götter (rto. 5,4–6,x)1

(Übersetzung: Marc Brose)

Buch von der Tageszeit (?):2
[Oh] Re in seinen beiden Horizonten!
Oh Re, der von selbst entstanden ist!
Oh Re, Herr von Hermopolis!
Oh Re, der Pun[t] erschaffen hat!
[rt. 5,5] Oh Re-Chepri!
Oh Re, Herr der Götter!
Oh Re, der die Götter belebt!
Oh Re, Oberst[er] der Götter!
Oh Atum, Herr der Götter!
Oh Atum, Oberhaupt von Hermopolis!3
Oh Ptah, Schöngesichtiger!4
Oh Ptah, Herr der Ma'at!
Oh Ptah, der die Götter hervorgebracht hat!
Oh [Pt]ah, der auf dem Großen Thron ist!
Oh Ptah, der die Götter kreiert hat!
Oh Ptah, [Vorderster] von Tanen!5
Oh Ptah unter seinem Moringabaum!
Oh Thot, Herr der Gottesworte!
Oh Thot, [Herr] von Hermopolis!
Oh Thot, der handelt ⟨mit⟩ seinen Fingern!6
Oh Thot, der ⟨die Wahrheit⟩ richtet!
⟨Oh Thot⟩, der die Beiden Rivalen (= Horus und Seth) ⟨getrennt hat⟩!
Oh Thot, der aus dem Scheitel gekommen ist!7
Oh Thot, Mondsichel [am] Him[mel]!
[Oh] Thot, der über die Neunheit richtet!
Oh Thot, der Gefallen an der Wahr[heit] hat!8
Oh Thot, Vorderster von Hesret!
Oh Thot im Bücherhaus!9
Oh Osiris, [Herrscher des Westens]!
Oh Osiris Wenennefer!
Oh Osiris inmitten von Busiris!
[rt. 5,10] Oh Osiris, Herr von Hutkaptah (= Memphis)!10
Oh Osiris, dessen Abscheu die [Isfet] ist!
[Oh] Osiris in Hut-nebui!
Oh Osiris, Vorderster seines Hauses!11
Oh [Horus], Rächer (seines) Vaters!
Oh Horus Chenti-irti!
Oh [Horus, Vorderster von Letopolis]!
[Oh] Horus Herischef!
Oh Horus, der in Hermopolis ist!
[Oh Horus [rt. 6,1] … … …]!

1 Dieser Text hat eine (nicht exakte) Parallele in der Passage pChester Beatty 9 vs. B 1,6–11,3. Die Lücken hier wurden von Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 41 weitgehend danach ergänzt. Die Kol. rt. 6, in der der Text endete, ist nicht erhalten, weil das betreffende Blatt bereits von einem Besitzer in der Antike abgeschnitten worden war; Gardiner, Hieratic Papyri I, 69.
2 Lit: „Buch vom Tage (und) Zubringen des Tages“ (?). Gardiner, Hieratic Papyri I, 68 mit Anm. 8 übersetzt und kommentiert: „‘daytime’, emphazising the contrast between this and ‘night’ more emphatically than hrw alone would have done“. Möglicherweise liegt ein Festkontext vor; vgl. das Nachwort in der Parallele pChester Beatty 9 vs. B 13,8f.: swꜥb.tj hrw sjs.nwt ḫ(w)i̯.tw hrw wrš „(and) thou art purified on the day of the sixthday festival, and protected in the daytime (?).“; Üb. Gardiner, Hieratic Papyri I, 111. Vgl. noch S. Schott, Bücher und Bibliotheken im Alten Ägypten, Wiesbaden 1990, 102 Nr. 191.
3 pChester Beatty 9 vs. B 3,2 hat als Variante: j Tm.w ḥr.j-jb Jwn.w „Oh Atum, inmitten von Heliopolis!“ Danach folgen in vs. B 3,3–3,5 weitere Verse zu Atum und Ptah, die hier nicht vorkommen: 3,3: j Tm.w jtj nṯr.w „Oh Atum, Vater der Götter!“; 3,4: j Tm.w nb p.t „Oh Atum, Herr des Himmels!“; 3,4: j Ptḥ rsj-jnb=f „Oh Ptah Südlicher-seiner-Mauer!“
4 Dieser Vers kommt im Paralleltext nicht vor.
5 So nach der Parallele pChester Beatty 9 vs. B 4,2 zu ergänzen. Gardiner, Hieratic Papyri I, 107 Anm. 14 ging davon aus, dass am Ende von Z. 5,6 nichts mehr fehlt.
6 Zur Lesung Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 41 ad rt. 5,7 Anm. a, nach pChester Beatty 9 vs. B 4,6.
7 Vgl. die Geschichte von Horus und Seth (pChester Beatty I rt. 12,11–13,1), wo in einer Szene die Mondscheibe aus dem Scheitel des Seth herauskommt und Thot sie an sich nimmt. In einer anderen Version war Thot selbst das Wesen, das dem Scheitel des Seth entsprang; siehe den Kommentar bei Gardiner, The Chester Beatty Papyri, No. 1, Oxford 1931, 23 Anm. 1; mit Referenzen: Sargtextspruch 50, CT I 229g–232g [bei Gardiner: Lacau, in: RecTrav 37, 1907, 144], Stele Turin 74, zwei Texte aus Edfu [bei Gardiner ohne Belegangabe; die Stellen sind: Edfou II, 44.12–13; Edfou I, 82.6–7].
8 pChester Beatty 9 vs. B 5,4 hat danach noch einen weiteren Vers, der hier fehlt: j Ḏḥw.tj mri̯ mꜣꜥ.t „Oh Thot, der die Wahrheit liebt!“
9 Im Paralleltext pChester Beatty 9 vs. B 5,6–7 folgen zwei weitere Verse, die hier fehlen: j Ḏḥw.tj nb Jbn „Oh Thot, Herr von Jbn!“; und j Ḏḥw.tj sḥtp Wḏꜣ.t „Oh Thot, der das Udjat-Auge zufriedenstellt / befriedet!“
10 pChester Beatty 9 vs. B 6,3 hat an dieser Stelle j Wsjr nb ꜣbḏ.w „Oh Osiris, Herr von Abydos!“
11 pChester Beatty 9 vs. B 6,8–9 hat nach diesem Vers zwei weitere, die hier fehlen: j Wsjr [nb(?)] ḏ.t „Oh Osiris, [Herr (?)] der Ewigkeit!“; und j Ḥr.w zꜣ ꜣs.t „Oh Horus, Sohn der Isis!“

Magischer Text (rto. 6,x–9,9)

(Übersetzung: Marc Brose)

[… … …].1
[Ich] [rt. 7,1] bin Thot, der das Herz des Re zufriedenstellt.
Ich habe dir deinen Nacken in dein Gefolge gegeben.
Denn was deinen Nacken betrifft, (er ist) der (Hals)wirbel der Wirbelsäule des Nehebkau.
Nicht wird Macht über deinen Nacken ausgeübt werden, durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?)2, irgendwelche Leute, irgendwelche rḫ.yt-Leute, irgendwelche ḥnmm.t-Leute, irgendwelche Männer, irgendwelche Frauen, die im Himmel sind, die auf Erden sind, die leben, die tot sind.
Nicht werden sie deinen Nacken schief machen.
Nicht werden sie abgewehrt durch irgendeinen Gott, irgendeine Göttin etc. (?).3
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich habe dich gerettet, ich habe dich herausgeholt aus allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, aus allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?), (obwohl?) sie Entstandene (= entstanden) sind, [rt. 7,5] um sie (= die bösen Zaubersprüche) gegen dich auszusprechen.
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der die Sterne (?) … (?)4.
Ich habe dir deine Brust ⟨in dein Gefolge⟩ gegeben.
Denn ⟨was⟩ deine Brust ⟨betrifft⟩, das ist der Daumen5 des Thot, des Schreibers der „Herrscherin“.
Nicht wird Macht über deine Brust ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich habe dich gerettet, ⟨ich habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der die Pläne ausführt, entsprechend den Konstruktionen seines Herzens.
Ich habe dir deine(n) Arm(e) in dein Gefolge gegeben.
Denn was dein(e) Arm(e) betrifft, das sind die Arme des Horus am Steuerruder in der Barke, [rt. 7,10] die Lotsen (?) in der Gottesbarke.
Nicht wird Macht über deine(n) Arm(e) ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich habe dich gerettet, ⟨ich habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deine Glieder.
Sie werden nicht in deinen Körper eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, mit aufrechtem Herzen.
Ich habe dir dein Herz in dein Gefolge gegeben.
Denn was dein Herz betrifft, das ist das Herz des Chepri.
Nicht wird Macht über dein Herz ausgeübt werden durch Menschen, [Götter, „Ed]le“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
[Ich habe dich] gerettet, [rt. 8,1] ich ⟨habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der die Gerechtigkeit zu Re aufsteigen lässt.
Ich habe dir deine Leber in dein Gefolge gegeben.
Denn was deine Leber betrifft, das ist die Leber des Atum.
Nicht wird Macht über deine Leber ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich habe dich gerettet, ich ⟨habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
[rt. 8,5] Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
⟨Denn⟩ ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der die Gerechtigkeit urteilt.
Ich habe dir deine Milz6 in dein Gefolge gegeben.
Denn deine Milz, das ist die Milz des Re.
Nicht wird Macht über deine Milz ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich ⟨habe⟩ dich gerettet, ⟨ich habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der die Beiden Herren, die Beiden Brüder, die Beiden Rivalen zufriedenstellte.
Ich habe dir deine Lunge in dein Gefolge gegeben.
Denn was deine Lunge betrifft, das ist die Lunge desjenigen, dessen Schrein groß ist.
Nicht wird Macht über deine Lunge ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich habe dich gerettet, ich ⟨habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor [rt. 8,10] allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der den Hapi von dem Ort geholt hat, wo er ist.
Ich habe dir deinen Bauch in dein Gefolge gegeben.
Denn was deinen Bauch betrifft, das ist der Bauch der Nut, die die Götter geboren hat, die unter ihr sind (?), die zu ihr kommen (?).7
Nicht wird Macht über deinen Bauch ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
⟨Ich habe⟩ dich gerettet, ich ⟨habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben [rt. 9,1] über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der das Udjat-Auge gebracht hat, vollständig und geprüft.
Ich habe dir deinen Bauchnabel in dein Gefolge gegeben.
Denn was deinen Bauchnabel betrifft, das ist der Bauchnabel des Sterns, des Einzigartigen8 am Bug der Barke des Re.
Nicht wird Macht über deinen Bauchnabel ausgeübt werden durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat!
Ich habe dich gerettet, ich ⟨habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der die Gerechtigkeit preist.
Ich habe dir gegeben ⟨… … …⟩.9
⟨Nicht wird Macht über deinen … ausgeübt werden⟩ durch Menschen, Götter, „Edle“ (edle Tote?).
Oh NN, den die NN geboren hat.
[rt. 9,5] Ich ⟨habe⟩ dich gerettet, ich ⟨habe⟩ dich beschützt, vor allen schlimmen (und) bösen Angelegenheiten, vor allen bösen Zaubern, die sie gegen dich ausgesprochen haben.
Sie werden nicht gegen dich geschehen (d.h. wirken?).
Sie werden keinen Geschmack finden an dir.
Sie werden keine Macht ausüben über deinen Körper.
Sie werden nicht in deine Glieder eindringen.
Denn ich habe dich gereinigt, (denn) ich bin Thot, der frei ist vom Stehlen und Zurückbringen (d.h. unstetem Lebenswandel).
Ich habe dir dein Hinterteil in dein Gefolge gegeben.
(Denn) was dein Hinterteil betrifft, das ist das Hinterteil der Isis.
Nicht wird Macht über dein Hinterteil ausgeübt werden durch Menschen etc.
Nicht werden irgendwelche Zauber eintreten, die männliche oder weibliche Zauberer gegen dich wirken.
Nicht wird geschehen, was sie gewirkt haben.
Nicht wird gehört werden, was sie ausgesprochen haben.
Zerschnitten und abgehalten werden ihre Zauber aus ihren Mündern durch Re persönlich.
NN, den die NN geboren hat, ist gereinigt, so wie Re täglich rein ist.
Es ist (zu Ende) gekommen.

1 Die Kol. rt. 6, in der der Text begann, ist nicht erhalten, weil das betreffende Blatt bereits von einem Besitzer in der Antike abgeschnitten worden war; Gardiner, Hieratic Papyri I, 69.
2 Übersetzungsvorschlag Gardiner, Hieratic Papyri I, 69 mit Anm. 4, vielleicht als Substitut für ꜣḫ.w „Ach-Geister“ (?).
3 Der Sinn dieses Satzes ist, so wie er dasteht, zweifelhaft, so dass Gardiner, Hieratic Papyri I, 69 Anm. 5 ein „(sic)“ einfügte. Damit der Satz, der in diesem Text nur hier vorkommt, Sinn ergibt, sollte vielleicht emendiert werden, und zwar entweder: {nn} ḫsf.tw =sn jn nṯr nb nṯr.t nb.t: „Sie werden abgewehrt werden durch jeden Gott …“; oder: nn ḫsf.tw {=sn} ⟨nḥb.t=k⟩ jn nṯr nb nṯr.t nb.t: „⟨Dein Nacken⟩ wird nicht attackiert werden durch irgendeinen Gott.“ (?)
4 nꜣḫs{n}: Ein (unklares) Epitheton des Thot, dessen Wortlaut vermutlich verderbt wiedergegeben worden ist; siehe Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 41 ad rt. 7,5 Anm. c.
5 ꜥn.t: Dieses Körperteil wurde vielleicht hier eingesetzt, weil es lautliche Ähnlichkeit zu ꜥn „Schreibtafel“ (vgl. die Schreibung hier mit Determinativ "Holz"; M3), die wiederum sehr gut zum Gott Thot passt, aufweist. Nichtsdestotrotz werden in allen Passagen an dieser Stelle Körperteile genannt, daher ist auch hier nicht zu emendieren!
6 < nnšm „Milz“: Siehe Gardiner Hieratic Papyri I, 69 Anm. 7 und II, pl. 42 ad rt. 8,5 c.
7 Diese Epitheta der Nut sind unklar. Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 42 ad rt. 8,11a bzw. 8,12 will emendieren bzw. hält eine Korruption für möglich. In Gardiner, Hieratic Papyri I, 70 lässt er sie daher unübersetzt.
8 sbꜣ pw wꜥ.tj: Wortspiel mit sbꜣ wꜥ.tj „einzigartiger Stern“, eine Bezeichnung u.a. für den Morgenstern oder den Orion, siehe LGG VI, 240.
9 Hier ist ungefähr eine ganze Zeile ausgefallen, inkl. des zu nennenden Körperteils, das geschützt werden sollte. Nach Gardiner, Hieratic Papyri I, 70 Anm. 1 sollte es hnn, der „Phallus“, sein.

Magischer Text (rto. 9,10–11,6)

(Übersetzung: Marc Brose)

[rt. 9,10] Buch zum Zufriedenstellen aller Götter:
Sei gegrüßt, Amun! Sei gegrüßt, Ptah!
Ich bin zu dir gekommen, dass ⟨ich⟩ dir Brot bringe, um mit dir zu prozessieren, vor Re-Harachte.
Sei gegrüßt, Amun! Sei gegrüßt, Ptah!
Ich bin zu dir gekommen, dass ⟨ich⟩ dir Bier bringe, ⟨um⟩ mit dir zu prozessieren, vor Wenennefer LHG in der Nekropole.
Sei gegrüßt, Amun! Sei gegrüßt, Ptah!
Ich bin zu dir gekommen, dass ⟨ich⟩ dir Weihrauch auf die Flamme bringe, ⟨um⟩ mit dir zu prozessieren, vor der Majestät des Allherrn.
[rt. 10,1] Sei ge[grüßt, Amun! Sei gegrüßt, Ptah!]
[Ich bin zu dir gekommen, dass ⟨ich⟩ dir Geflügel (?) bringe], ⟨um⟩ mit dir zu prozessieren, vor der Sonnenscheibe wie (vor) Re, jeden Tag.
Sei ge[grüßt, Amun! Sei gegrüßt, Ptah!]
[Ich bin zu dir gekommen, dass ⟨ich⟩ dir … bringe], ⟨um⟩ gegen dich zu prozessieren, vor den Göttern, den Herren der Schreine.
Denn, was tat [… … … … …] dass ich für dich Speisen bereite (?).
Sei [gegrü]ßt, Re-Harachte-Atum [… … … die große Neunheit], die kleine [Neunheit], die Götter die im Himmel sind, die Götter die auf Erden sind, diejenigen, die sind [rt. 10,5] [… … … die Götter des Südens], die Götter des Nordens, die Götter des Westens, die Götter des Ostens, diejenigen, die sind [… … …]!
[Sei gegrüßt (?), …, der (?) …] mit seinen Strahlen!
[Sei] gegrüßt, Himmelsscheibe der Nacht [… … …]!
[Sei gegrü]ßt, Nun, […] die Flut, der geboren hat alle Länder!
Sei [gegrüßt (?) … … …]!
[Sei gegrü]ßt, Ptah, Herr von […], der die rḫ.yt-Menschen erhellt mit seinen beiden Augen!
Sei ge[grüßt] [… … … …]!
Seid gegrüßt, Götter und Göttinnen!
Ich spreche aus [rt. 10,10] [eure] Namen [… … … …] von allen schlechten Taten, die er begangen hat, von jedem Eid, die er geschworen hat, von jeder Gewalttat, die er begangen hat [… … … …] des Gottes, damit er zerhacke alles Gesagte von seinem Munde, von allem, was getan wurde [rt. 11,1] von seiner Hand, in Lüge und Wahrheit auf Erden, wie der [… … … …].
[… (?)] Majestät des Seth, befreie den NN, den die NN geboren hat, von [… … … …], von jedem Bogen1, von jedem Pfeil.
Zu rezitieren über einem Feuerbecken [… … … ….] Männer aus Brot: 7; Herzen: 7; Vögel: 7 [… … … ].
[rt. 11,5] Und gib Feuer an sie, zusammen mit einer Statue des / von [… … …].
[Und veranlasse (?), dass] es ein Mann [besprengt (?)]
2 mit Wasser aus dem Fluss.
Und veranlasse, dass es löst [… … … …].

1 ꜥb: Geschrieben wie ꜥb.w „Unreinheit“!
2 Vgl. die Übersetzung bei Gardiner, Hieratic Papyri I, 71, aber nur geraten. Das fehlende Verb sollte dem Kotext nach die Bedeutung „besprengen; befeuchten“ [jwḥ (?), ntš (?)] o.ä. tragen.

Magischer Text (vso. 1,1–2,4)

(Übersetzung: Marc Brose)

[… … …] (?).1
[vs. 1,1] NN, den die NN geboren hat, hat das Fenster beschworen.
Er ist der Kater (= Re).
NN, den die NN geboren hat, hat die Luke beschworen.
Er ist das Falkenweibchen.
NN, den die NN geboren hat, hat den Riegel beschworen.
Er ist Ptah.
NN, den die NN geboren hat, hat das Loch beschwört.
Er ist Nehebkau.
[vs. 1,5] NN, den die NN geboren hat, hat den „verborgenen Raum“ (= das Versteck) beschworen.
Er ist der „Verborgen-ist-sein-Name“ (= Amun).
NN, den die NN geboren hat, hat die Querbalken der Tore beschworen.
Er ist der Meister der Geheimnisse.
Er hat seinen Thron, seine Kammer (und) sein Bett beschworen.
Er hat die vier Edlen Damen2 beschworen, deren Flammen in ihren Mündern sind, deren Feuersbrünste hinter ihnen sind, um zu vertreiben jeden männlichen und weiblichen Feind, jeden Toten und jede Tote, die im Körper des NN, den die NN geboren hat, sind.
[vs. 1,10] Nicht werden sie kommen gegen ihn, in der Nacht, am Tage, zu irgendeiner Zeit.
Nicht werden sie herabkommen [vs. 2,1] [gegen] die vier Edlen Damen, [deren Feuersbrünste hinter ihnen sind (?)]3, deren Flammen in [ihren Mündern sind] [… …] Schilfrohr, Johannisbrotfrüchte [… …].

1 Nach Gardiner, Hieratic Papyri I, 71 fehlt vorneweg eine Kolumne. Da vom letzten Blatt ein gutes Stück abgetrennt worden ist, ist dies sehr wahrscheinlich. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass auch Text dieses Spruches fehlt!
2 tꜣ 4.t špsy.t „die vier Edlen Damen“: Nach Gardiner, Hieratic Papyri I, 71 Anm. 11 die vier Wände eines Raumes, nach Koenig, in: BIFAO 104, 2004, 304–305 können aber auch andere Entitäten gemeint sein (z.B. vier Fackeln, die vier Horussöhne); nach Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 84 (Nr. 68) sind Uräen gemeint.
3 Ergänzungsvorschlag von Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 44 ad vs. 2,1 a, nach vs. 1,8.

Magischer Text (vso. 2,4–3,3)

(Übersetzung: Marc Brose)

Ein anderer Spruch:
Oh [… … ] [vs. 2,5] Flamme aus den Strahlen [… …] hinter (?) [..]. der Ir[is (?) … … …].
Re ist das Udjat-Auge (oder: ist im Udjat-Auge?) [… …], sein Udjat-Auge ist [… …], indem (?) sie umstürzen [jede (?) böse (?)]1 Sache [… …] [vs. 2,10] ausbreiten ein / das Bett für einen Mann [… … … …] [vs. 3,1] Göttin [x].
Werde gemacht aus Ton der Erde [… …] hinaus, zusammen mit einer Nase (?).
Werde gekocht (?) [… …].

1 Vgl. Tb 136A [z.B. pNu = pBM EA 10477 Tb 136A, 22].

Magischer Text (vso. 3,4–3,9)

(Übersetzung: Marc Brose)

[… … …]1 ist […] für Re, der vollständig ist jeden Tag.
Das Anstrahlen [vs. 3,5] [… … … NN], den die NN geboren hat.
Das Udjat-Auge, das für sie umhergeht / umkreist [… … …] NN, den die NN geboren hat.
Fürchte dich nicht vor [… … … (Ta)]nen.
Siehe, ich habe Horus gefunden, seine beiden Augen (waren) [… … … NN], den die NN geboren hat, was in deiner Pupille ist.
Nicht wird [… … …].
Zu rezitieren ⟨über⟩ einem Udjat-Auge, das mit Ocker gezeichnet worden ist.

1 Der Text ist stark fragmentiert. Die angegebenen Satzgrenzen sind daher teilweise nur geraten!

Zauberspruch (vso. 4,1–7,5)

(Übersetzung: Katharina Stegbauer)

[vs. 4,1] Anfang der Schriftrolle zum Entfernen eines Feindes:
O, dessen Spruch abrechnet, Erster des Ostens, mit jedem Untoten, jeder Untoten, jedem Feind, jeder Feindin, jedem Widersacher, jeder Widersacherin, jedem Geist, jedem Gespenst, jedem Eindringling, jedem Umherschweifer, jedem Zitterer, ob (einer) aus der Nachbarschaft oder einer, der von Ferne ausspäht oder als Erzittern irgendeines Gliedes,
ob als Lebende oder Gefolgsleute des Horus, die unter der Aufsicht des Osiris stehen, die alt werden, ohne zu sterben:
Lass mich den Namen dieses Maleficiums wissen, das über NN., geboren von NN., kommt!
Was nun dieses Reliquiar aus Akazienholz angeht, von dem [vs. 4,5] man den Namen dessen, was darin ist, nicht nennen kann:
Das ist der Oberarm, das ist die Leber, das sind die Reliquien des Osiris!
Ich bin es nicht, der es gesagt hat, ich bin es nicht, der es wiederholt hat, sondern das Maleficium, das über NN., geboren von NN., kommt, ist es, das es gesagt hat, das es wiederholt hat, als es die Geheimnisse des Osiris verriet, als es die Gestalt der Götter verriet, damit ihm die Neunheit am großen Thron diene.
Kennt Osiris seinen Namen nicht?
Dann werde ich verhindern, dass er nach Busiris rudert, dann werde ich verhindern, dass er nach Abydos segelt!
Dann werde ich seinen Ba ausreißen, dann werde ich seinen Leichnam vernichten, dann werde ich Feuer legen an jedes der ihm zugehörigen Gräber!
Was dieses Reliquiar aus Akazienholz angeht, das sich unter Athribis von der Nekropole befindet und von dem man den Namen dessen, [vs. 4,10] was darin ist, nicht nennen kann:
Das ist das Herz, das ist die Lunge, das ist die Niere, das ist die Gallenblase, das sind die Reliquien des Osiris, also die Mitte des Osiris!
Ich bin es nicht, der es gesagt hat, ich bin es nicht, der es wiederholt hat, sondern jenes Maleficium, das kommt über NN., geboren von NN., ist es, das es gesagt hat, das es wiederholt hat, als es die Geheimnisse des Osiris verriet, als es die Gestalt der Götter verriet, damit ihm die Neunheit am großen Thron diene.
Kennt Osiris seinen Namen nicht?
Dann werde ich verhindern, dass er nach Busiris rudert, dann werde ich verhindern, dass er nach Abydos segelt, [vs. 5,1] dann werde ich seinen Leichnam vernichten am Festtag des Sokar, dann werde ich seinen Ba ausreißen an den 5 Epagomenentagen, dann werde ich Feuer an ihn legen am Beginn der großen Festsaison.
Was dieses Reliquiar aus Akazienholz angeht, das in Cheraha ist und von dem man den Namen dessen, was darin ist, nicht nennen kann:
Das ist der Arm, das sind die Lippen, das sind die Haare des Osiris!
Ich bin es nicht, der es gesagt hat, ich bin es nicht, der es wiederholt hat, sondern jenes Maleficium, das kommt über NN., geboren von NN., ist es, das es gesagt hat, das es wiederholt hat, als es die Geheimnisse des Osiris verriet, als es die Gestalt der Götter verriet, [vs. 5,5] damit ihm die Neunheit am großen Thron diene.
Kennt Osiris seinen Namen nicht?
Dann werde ich verhindern, dass er nach Busiris rudert, dann werde ich verhindern, dass er nach Abydos segelt, dann werde ich seinen Leichnam vernichten am (Fest)tag des Sokar, dann werde ich seinen Ba ausreißen an den 5 Epagomenentagen, ich werde Feuer an ihn legen am Beginn der großen Festsaison!
Was dieses Reliquiar aus Akazienholz angeht, das unter Horus, dem Herrn von Letopolis ist und von dem man den Namen dessen, was darin ist, nicht nennen kann:
Das ist die Zunge, das sind die Augen, das ist die Kehle, die aus der (Brust-)Höhle entweicht, das sind die Reliquien des Osiris!
Ich bin es nicht, der es gesagt hat, ich bin es nicht, der es wiederholt hat, sondern dieses Maleficium, das kommt über NN., geboren von NN., ist es, das es gesagt hat, das es wiederholt hat, [vs. 5,10] als es die Geheimnisse des Osiris verriet, als es die Gestalt der Götter verriet, damit ihm die Neunheit am großen Thron diene.
Kennt Osiris seinen Namen nicht?
Dann werde ich verhindern, dass er nach Busiris rudert, dann werde ich verhindern, dass er nach Abydos segelt, dann werde ich seinen Leichnam vernichten am Festtag des Sokar, dann werde ich seinen Ba ausreißen an den 5 Epagomenentagen, dann werde ich Feuer an ihn legen am Beginn der großen Festsaison.
Was den Namen dieser Reliquien [vs. 6,1] des Widders, des Herrn von Busiris, angeht, (mit) 4 Köpfen auf einem einzigen Hals, [...]
Man kennt nicht die Geheimnisse, die im "großen Tempel" sind.
Ich bin es nicht, der es gesagt hat, ich bin es nicht, der es wiederholt hat, sondern dieses Maleficium, das kommt über NN., geboren von NN., ist es, das es gesagt hat, das es wiederholt hat, als es die Geheimnisse des Osiris verriet, als es die Gestalt der Götter verriet, damit ihm die Neunheit am großen Thron diene.
Kennt Osiris seinen Namen nicht?
Dann werde ich verhindern, dass er nach Busiris rudert, dann werde ich verhindern, dass er nach Abydos segelt, dann werde ich seinen Leichnam zerstören [vs. 6,5] am Festtag des Sokar, dann werde ich seinen Ba ausreißen an den 5 Epagomenentagen, dann werde ich Feuer an ihn legen am Beginn der großen Festsaison.
Was die Reliquien, die man in Herakleopolis entdeckte, angeht:
Das sind die Hinterbacken, das ist der Penis, das sind die Beine, das ist der Hintern, das sind die Reliquien des Osiris, also, was diese Reliquien angeht, die man in einem Reliquiar aus Akazienholz fand, das in Herakleopolis war:
Ich bin es nicht, der es gesagt hat, ich bin es nicht, der es wiederholt hat, sondern dieses Maleficium, das kommt über NN., geboren von NN., ist es, das es gesagt hat, das es wiederholt hat, als es die Geheimnisse des Osiris verriet, als es die Gestalt der Götter verriet, damit ihm die Neunheit am großen Thron diene.
Kennt [vs. 6,10] Osiris seinen Namen nicht?
Dann werde ich verhindern, dass er nach Busiris rudert, dann werde ich verhindern, dass er nach Abydos segelt, dann werde ich seinen Leichnam zerstören am Festtag des Sokar, dann werde ich seinen Ba ausreißen an den 5 Epagomenentagen, dann werde ich Feuer an ihn legen am Beginn der großen Festsaison.
Wenn er kommt als Untoter oder Untote und NN., geboren von NN., sagt:
"Ich will abwehren von mir",
dann wird man Kꜣy=tw-n-zp-n(,j)-ꜥꜣpp [vs. 7,1] viermal zerschneiden, wenn Kꜣy=tw-n-zp viermal Feuer gegen ihn spuckt.
O Chnum, Herr der 4 Kinder, die groß sind im Gefolge, die in der Nacht geboren wurden, die gestern empfangen wurden, die heute geboren wurden, also das sind die 4 Sias, die Apep niedermachen, den Feind des Re, wenn er aufgeht.
Schau, ich bekämpfe für dich deinen Apep!
Komm, und bekämpfe den, der [vs. 7,5] über NN., geboren von NN., kommt!

Zauberspruch (vso. 7,5–7,12)

(Übersetzung: Katharina Stegbauer)

Amulettrolle für die Vernichtung eines Feindes, einer Feindin, eines Untoten, einer Untoten, eines Widersachers oder einer Widersacherin, der Feinde der Neunheit, die ihre Jugend erneuert, gesprochen vom Gott, der sich selbst erschuf:
Ein Spruch zum Vermeiden seines Stabes [...] seiner Glieder.
"Hüte dich vor diesem Amulett" bedeutet es, (und) "verhindere, dass ein anderer es aufrollt!"
Zu rezitieren von
einem Zauberer gegenüber [...]
Wende deine Handlung ab von der Erde, o Rebell, o Feind, der keine Arme hat!
Bist du im Auftrag von [...] gekommen, o Dieb, Rebell, der den Gebärziegel zum Einsturz bringt, Widersacher des Chnum?
O böser Ba, der aus den Grabstätten stammt, [vs. 7,10] Geb wird dich nicht aufnehmen!
O Schwimmender, o Abscheu der Götter, der einen üblen Anschlag verübt, der nicht [...]
Schau, ich werde dich bändigen, um dich zu entfernen von Himmel und Erde, (ich) werde deinen Namen vernichten, (ich) werde [deinen Leichnam] zerstören, (ich) werde dich beleidigen inmitten der Neunheit.
Ich bin einer, der im Dunkeln entstand, der Erste, der Erste wie Re; [meine] beiden Beine [...] [...]

Zauberspruch (vso. 9,1–10,1)

(Übersetzung: Katharina Stegbauer)

[vs. 9,1] [...] in Dendera Temet ist sie [...]
Nefer-usi
Temet ist sie, Useret [...]
von Hellem/Silber (o. ä.) mit trockenen Myrrhen und [frischen (?)] Myrr[hen] (?).
[...] die Schöngesichtige, die über dem Wüstengebirge herauskommt!
[vs. 9,5] [...] die Götter.
Strauchle nicht, sein [...] gänzlich (?).
Also, sie ist auf dem Kopf des Re.
[...] Nechbet, Temet ist es, Useret!
[...] Re, die Hathor des Re.
Ihre Parusie [...]
[...] als Maat, als Sachmet, als Herrin der weißen Krone.
[vs. 9,10] König von Ober- und Unterägypten Usermaatre-Meriamun, schön [...]
Werde an den Hals des Patienten gegeben zusammen mit dem Geben [vs. 10,1] von Weihrauch auf die Flamme, während dieser Spruch gesprochen wird.

Zauberspruch (vso. 10,1–10,8)

(Übersetzung: Katharina Stegbauer)

Ein anderer Hymnus:
O Große, [Herrin beider Länder], die Unheil abwendet von den Herren der Kapellen, Allherrin unter den Göttern, die ihre [Gewalttätigkeit] vertreibt, die, die den Sturm zurückdrängt, Herrin der Todesfurcht überall in der Welt.
Ich gebe Lobpreis der Doppelfeder des Re, der Königin, [die] für ihn seine beiden Horizonte [beherrscht], seinen Thron im Himmel und auf Erden, um dadurch ihre Befriedigung zu bewirken, in diesem ihrem Namen "Herrin des Friedens"!
"Komm in Frieden heraus", sprach Re, "Großes Auge, sei willkommen in [vs. 10,5] Frieden!
Komm auf mein Haupt!
Schütze es [jenes] Haupt, aus dem du [hervorgegangen bist].
O die, mit der mein Herz zufrieden ist in seiner Brust, möge dein Herz sich niederlassen zu seinem Schutz.
Komm zu ihm, dem König von Ober- und Unterägypten Usermaatre-Meriamun in Frieden, damit er der Neunheit Gutes erweisen kann.
Mögest du die Pfeile vertreiben, indem sie ihm fern bleiben, mögest du das Schlechte von ihm abwaschen!
Beschirme ihn, schütze seinen Leib!"
Horus! Das wꜣḏ-Amulett der Sachmet sei um sein Fleisch herum, dass es vollständig sei für das Leben!

Zauberspruch (vso. 10,8–13,1)

(Übersetzung: Katharina Stegbauer)

Die 12 Namen des Horus, die man spricht am frühen Morgen, während [Re] aufgeht aus dem Horizont; ein großer Schutz der Glieder [...] [das Vertreiben] aller Streitigkeiten:
Sie werden nicht herantreten in seiner Umgebung
[...] sich mit 5 Aruren [vs. 10,10] von Feuer in seiner Umgebung;
Dieser Spruch werde gesprochen, während du sauber und rein bist und du weder Fische, noch [...], noch Ziegenfleisch, noch den Abscheu irgendeines Gottes oder Göttin gekostet hast, indem du rein bist und dein Körper rein ist.
O
edler Falke, o, der [sich verbirgt] in dem, [vs. 11,1]was er schuf durch das Können des göttlichen Wirkmächtigen (Auge)!
Das ist der göttliche Benuvogel, der auf der Weide sitzt.
Lobpreis sei dir, Atum ist dein Name!
O Horus, Edler, [Bese]elter, der die Ewigkeit in seinem Griff hat, Ältester der Götter, dem das Wirkmächtige (Auge) seinen Schutz bereitet, möge die Flamme in deinem Auge dich schützen!
Du bist Re, du bist Re, du bist Re-Harachte!
O, der aufgeht und erstrahlt in seiner Scheibe, der erleuchtet das Erleuchtete, das der spürt, bei dem die Sonnenscheibe ist!
[vs. 11,5] Lobpreis sei dir, du bist Re!
O, der sich selbst schuf, der du aus der Fackel aufgestiegen bist, der sich vereint, um die Arme hochzuheben, der aufgeht auf dem Ostgebirge am Morgen, der im Westen versinkt auf dem Westgebirge, mit 4 Köpfen auf einem einzigen Hals, Lobpreis sei dir, Ba-neb-djed, [lebender] Ba des Re ist dein Name!
O Greis, der sich verjüngt in der Erde, der das Leuchten in seinen Zustand von Gestern zurücksetzt, [...] männliche [Kinder]. Skarabäus, der zum Falken wird!
Komm zu mir, Re, indem du dahinfährst, bis Tatenens Arme dich entgegennehmen!
Lobpreis sei dir, Pfeiler, Re ist dein Name!
[vs. 11,10] O, der jubelt inmitten der Huld von Schu und Tefnut wenn du [...] im Triumph!
Lobpreis sei dir, Ptah ist dein Name!
O Scheibe, die auf ihrem Sechemszepter ist, die auf ihrem ehernen Thronsessel sitzt!
Lobpreis sei dir, Chepri ist dein Name!
[vs. 12,1] O, der inmitten der Gesichter ist, der großen Respekt erregt bei dem, der sich ihm nähert, o, der, dessen [...] mit vier Gesichtern, Edler, der Millionen Ohrenpaare und Millionen Augenpaare besitzt!
Lobpreis sei dir, Schöpfer der Erde ist dein Name!
O Zauberreicher, der [die Namen] (?) nannte (?), der gestern empfangen, heute geboren wurde, großer Löwe, Vorsteher des Westgebirges!
Komm zu mir, Löwe, indem du deine Augen öffnest!
[vs. 12,5] Lobpreis sei dir, Falke, der Schöpfer, ist dein Name!
O, der auf- und untergeht im Nun, [indem er sich zur Ruhe begibt an seinem richtigen Platz,] der herauskommt als roter Fisch [in seiner Flamme]. Großer, Edler nach seinem [...], [dessen] Iris [bei ihm ist (?)].
Lobpreis sei dir, Nehebkau ist dein Name!
O geheimnisvoller Ba, der aus dem Nun aufsteigt, um dessen Vollkommenheit sich die beiden Schwestern sorgen, o, der in dem die Scheibe [...], der in Frieden für / aus Nut hochschnellt (?)!
Lobpreis sei dir, "der für das Sonnenvolk aufgeht" ist dein Name!
O Horus, Ältester, Großer, Greis, [vs. 12,10] der [...] sein [...], [...] sein Kommen überall in seinen lebenden (?) Augen, der Seth ergreift, der entgegennimmt [...] der Isis, der [...] Isis.
Lobpreis sei dir, "er verbirgt sich" ist dein Name!
Dieser Spruch werde gesprochen über [vs. 13,1] den großen und edlen Namen des Bas des Amun (?) [...] östlicher Horizont (?)

Magischer Text (vso. 13,2–15,10)

(Übersetzung: Marc Brose)

[..]1 des Himmels (?), komm zu mir, Herr des Essens, [… … …], du / dein [… … … ], in / aus deinem […, wenn (?)] du aufgehst [… …], du gehst umher am frühen Morgen […], nachdem (?) du bestrahlt hast den geheimen Ort (?) [… …], deine Feuersglut dein / dich […].
Du [… … [am] Morgen [… …] dir Respekt erweisen .[.. … …]
[vs. 13,5] sie tun / tun sie […].
Ebenso ist es, dass .[.. … …] dein (?) Körper.
Du mögest herauskommen [… …], als ob du […] auf / bei [… … …].
Du mögest ihn / es tun, dein (?) [… … … … …] das ganze Land.
[…] diese (?) Millionen [… … …] sie tut [… …].
Ein anderer (?) [Spruch(?)]:2
[… … …] Barke [… …] er / sein / ihn [… … … … …] sein […] auf dein (?) [.. …].
Dir gehört […] in deiner Gegenwart [… … [vs. 13,10] …].
Du bist der, der leuchten wird, dein [… … …], du wirst (?) […], der du groß an Schritt bist [… wie (?)] du willst, du wirst "waschen" (= erfreuen) dein Herz [… …].
[vs. 14,1] [… … …] der Flamme, sie / es [veranlasst (?)], dass er zerschnitten wird.
Sie [werden nicht (?)]3 leiden (?) an irgendeinem Auge, alle Menschen, auf / bei [… … …].
Sie / es wird sich in Ehrfurcht vor deiner Macht vorbeugen, [A]mun-Re-Harachte.
Oh, du Gott, Herr der Millionen, der [… … …] sein […], Millionen von Ellen in der Dunkelheit, (in) jeder […].
Komm zu mir in deiner Stunde, in deiner .[..].
[Du] mögest retten [… … …].
Ich4 bin der, der Wasser ausgießt, für die, die im Sarkophag sind [… …] (Göttin) [x] da [vs. 14,5]5 [… … …] des Phönix, der welcher [..] .[..] [im (?)] Obeliskenhaus.
[… … …] Macht ausüben […] dein […] … wenn Re untergeht aus dem Leben.
Tritt ein, du mögest verschließen [… … …] aus den Gräb[ern],6 die Ignoranten (?) auf Erden.
Ba, der eingetreten ist [in] ihre Höhle [… … … Apo]phis.
Nicht soll [die Schlange] herumreisen.
Nicht soll der Skorpion sich ausstrecken.
Der Abscheu [… … …] ist gefallen an der Richtstätte, … […] an der Schlachtbank (?) [… [vs. 14,10] … … …] seine beiden Füße.
Es sei sein […] … an [...] 600 (?) [… … [vs. 15,1]  …] die (böse) Erinnerung an ihn.
Nicht [wirst du (?) eintreten (?) in]7 irgendwelche Körperglieder des [NN], den die NN geboren hat.
Nicht wird Schmerz von dir entstehen an / in ihm.
[… …] des (?) Re, dein Ende wurde gemacht, dein Ba wurde zer[st]ört, […] du bist fortgegangen (aus?) dem Sarkophag (?) […] deine (negative) Einwirkung.
Toter, Tote, du seist zerstört!
Du bist zerstört worden .[.. …].
Nicht [… …].
[Nicht] wirst du Macht erlangen [über] irgendein Körper(teil) (des) [NN, den] die NN [geboren hat].
Entferne dich [… …] sofort (?).
[vs. 15,5] Er wird […] gegen dich.
Er ist doch der große (?) Schützer, […] . [… …] . sein / ihn [.].[.].
Toter (?), [Tote (?)], [ent]ferne dich von ihm!
Du bist gefall[en an (?)] dieser Richtstätte.
Abgehauen wurde dein Ba […].
Dein Leichnam ist zerstört.
Nicht wirst du im Glanze erscheinen.
Nicht wirst du hervorquellen.
Nicht wird dein [Giftsame (?) …] in den Bauch des NN,8 [den die NN geboren hat].
Nicht wirst du zer[stören …].
Nicht wirst du umwenden (?) ..[. … … …].
Nicht wirst du […] [seine (?)] Kehle.
[Nicht] wirst du seine Zunge irreleiten.
Nicht [… …].
Nicht wirst du verstopfen (?) […] für dich (?) in diesem (?) Leib.
Nicht (?) wirst [du (?)] dich vereinigen [vs. 15,10] vor […], seine [… …] dein (?) Unterschlupf, rot (d.h. boshaft) (?) dein […].
Du [wirst] nicht herauskommen [… …].

1 Die Kolumnen vs. 13–15 sind stark fragmentiert, daher ist eine Segmentierung in verschiedene Texte nicht mehr sinnvoll; siehe Gardiner, Hieratic Papyri I, 76. Er setzt in 13,2 wegen eines Wechsels der Schriftfarbe von Schwarz auf Rot den Beginn des ersten Teiltextes, einer Invokation an den Sonnengott, an, und nimmt sein Ende in 13,6, wegen der relativen Kürze der Zeile des Endes des vorangehenden Textes, an. Dies ist möglich, aber nicht gesichert. Eine endgültige Entscheidung ist nicht zu treffen. Allerdings scheint in Z. 13,7, wo erneut ein Wechsel von roter zu schwarzer Tinte stattfindet, und ein ky „anderer“ steht, der Beginn eines neuen Texts gewesen zu sein.
Die Segmentierung in einzelne „Sätze“ wurde, wenn nicht eindeutig erkennbar, jeweils nach eigenem Ermessen vorgenommen.
2 Ob hier ein neuer Spruch beginnt oder nicht, kann nicht entschieden werden.
3 Vorschlag Gardiner, Hieratic Papyri II, pl. 49 ad vs. 14,1 b.
4 Direkt davor sind noch Reste eines Rubrums. Möglicherweise gab es hier noch einmal eine direkte Invokation?!
5 Z. 14,5 scheint etwas kürzer gewesen zu sein, wie Gardiner, Hieratic Papyri I, 77 vermerkt. Z. 14,6 beginnt mit Rubrum, daher scheint dort wiederum eine neue Sektion eingesetzt zu haben.
6 Gardiner, Hieratic Papyri I, 77, übersetzt mit hypothetischen Ergänzungen: „Enter and shut [thy door ? against those who come from ?] the tombs.“ Wenn auch nicht auszuschließen, wurde hier aufgrund der ungewissen Länge der Lücke auf einen Ergänzungsvorschlag verzichtet.
7 Ergänzungsvorschlag Gardiner, Hieratic Papyri I, 77.
8 Vgl. Gardiner, Hieratic Papyri I, 77: „[thou shalt not cast (?) thy] seed (?) into the body of …“.