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Metadaten

Recto des Ostrakon Deir el-Medineh 1414 Recto des Ostrakon Deir el-Medineh 1414 Link
Bezeichnung
Ostrakon Deir el-Medineh 1414
Weitere Bezeichnungen
Inventarnummer oIFAO 2295
oIFAO Sequestre 10059
Aufbewahrungsort
EG, Kairo, Institut Franҫais d’Archéologie Orientale
Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Das Ostrakon stammt aus den Grabungen des Institut Français d’Archéologie Orientale in Deir el-Medineh (Posener 1938, V).

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Medineh

Das Ostrakon wurde in Deir el-Medineh gefunden. G. Posener macht keine weiteren Angaben zum genauen Fundort (Posener 1978, 34).

Datierung
Neues Reich, Mitte der 19. bis Mitte der 20. Dynastie, ca. 1250–1140 v. Chr.

W. Westendorf datiert alle fünf von ihm behandelten Ostraka in die Zeit von der Mitte der 19. bis zur Mitte der 20. Dynastie (Westendorf 1999, 61). Dies beruht auf einer Notiz von G. Posener zu den Ostraka 1001–1108 der IFAO-Grabung von Deir el-Medineh, die er in einem früheren Band publizierte (Posener 1938, VI). Die Paläographie sowie der Fundort dürften hierbei für eine Datierung in die Ramessidenzeit sprechen.

Textsorte
medizinisches Rezept
Inhalt

Das Verso gibt Bruchstücke der Ingredienzien und Zubereitungsweise eines medizinischen Rezepts wieder. Es ist zu wenig erhalten, um eine innere oder äußere Anwendung des Heilmittels erkennen zu können. Auf dem Recto befindet sich ein Auszug aus dem literarischen Text der „Loyalistischen Lehre des Kairsu“.

Material
Kalkstein
Objekttyp
Ostrakon
Technische Daten

Die Kalksteinscherbe hat eine Höhe von 9 und eine Breite von 5,3 cm. Auf dem Recto und auf dem Verso befinden sich jeweils fünf Zeilen Text, davon ist keine einzige Zeile vollständig erhalten. Nur das Ende von Zeile 3 auf dem Verso ist vielleicht das tatsächliche Ende einer Zeile. Die Zeilenorientierung auf Recto und Verso ist um 90° gedreht. Der Auszug der „Loyalistischen Lehre“ auf dem Recto ist mit roten Gliederungspunkten versehen.

Schrift
Hieratisch

Es sind rote Gliederungspunkte im literarischen Text auf dem Recto vorhanden.

Sprache
Mittelägyptisch

Zu wenig ist erhalten, um andere als mittelägyptische grammatische Elemente identifizieren zu können.

Bearbeitungsgeschichte

Das Ostrakon ist bei G. Posener im „Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh“ mit Faksimile sowie hieroglyphischer Transkription aufgeführt (Posener 1977, Taf. 19–19a). Eine Übersetzung liegt im „Handbuch der altägyptischen Medizin“ vor (Westendorf 1999, 63).

Editionen

- Posener 1977: G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh. III,1. Nos 1267–1409, Documents de Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire 20, Fasc. 1 (Le Caire 1977), Taf. 19–19a.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 61, 63.

Literatur zu den Metadaten

- Posener 1938: G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh I,3, Documents de Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire 1, Fasc. 3 (Le Caire 1938), V–VI.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Ines Köhler
Bearbeitungsdatum
15.10.2019

Übersetzung und Kommentar

oDeM 1414

[1] […] Salz (?) / ḥmꜣ.yt-Pflanze (?)1 [...]
[...]-Körner: (Es) werde zerrieben auf/mit Honig […];
(es) werde eingetaucht (?) in / befeuchtet (?)2 mit Öl/Fett.
jbw-Pflanze (?) / jsw.t-Pflanze (?):3
(es) werde gemacht [… ... ...] ein [… ... ...].
[5] [...]

1 ḥmꜣ.y[t]: Das Wortende ist zerstört. Die Schreibung passt sowohl für "Salz" als auch für die ḥmꜣ.yt-Pflanze/Frucht, eine Hülsenfrucht(?), evtl. Bockshornklee.
2 tḫb oder jwḥ: Ein senkrechter Strich und die w-Schlaufe sind außer den Determinativen erhalten. Westendorf, Handbuch Medizin, 63 mit Anm. 82 fragt sich, ob tḫb: "eintauchen" zu lesen sei. Er hält auch ꜥḫm: "ablöschen", jwḥ: "befeuchten" und ntš: "besprengen" für möglich. ꜥḫm und ntš sind auszuschließen, weil sie nicht mit dem senkrechten Strich am Anfang vereinbar sind. jwḥ ist möglich, wird aber laut den Belegen des DZA nicht mit einer w-Schleife nach geschrieben (2 Belege in pKahun Tiermedizin mit Wachtelküken nach ), während es dafür bei tḫb mehrere DZA-Belege in hieratischen Texten gibt. Ein zügelloser Schreibschüler ist "eingetaucht" in Fett (mrḥ.t: pAnastasi IV, 12.4). Heilmittel werden jwḥ m mrḥ.t in pEdwin Smith 5.12, 5.19, jwḥ m ḏbꜥ n.j mrḥ.t in pHearst 10.8.
3 jbw oder jsw.t: Westendorf, Handbuch Medizin, 63 liest die jbw-Pflanze, die u.a. in Salbmitteln und Verbänden zum Einsatz kommt. mrḥ.t aus der jbw-Pflanze – falls beide Produktbezeichnungen zusammengehören – ist bislang nicht in den medizinischen Texten belegt, nur ḏdꜣ-Fett der jbw-Pflanze. Posener ist sich der Lesung des b nicht sicher und Schreibungen mit wt passen auch nicht zu jbw. Könnte man vielleicht jsw.t lesen? Im pHearst (Kol. 17.11-12) steht in einer stark beschädigten Passage das Verb tḫb und zuvor sowie nach einer Lücke auch jsw.t (mit Pflanzen- und Schnurdeterminativ).