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Metadaten

Verso des Ostrakon Deir el-Medineh 1091 Verso des Ostrakon Deir el-Medineh 1091 Link
Bezeichnung
Ostrakon Deir el-Medineh 1091
Weitere Bezeichnungen
Inventarnummer oIFAO 2087
Aufbewahrungsort
EG, Kairo, Institut Franҫais d’Archéologie Orientale
Digitaler Katalog
Erwerbsgeschichte

Das Ostrakon stammt aus den Grabungen des Institut Français d’Archéologie Orientale in Deir el-Medineh (Posener 1938, 23).

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Medineh, südliche Mülldeponie

Das Ostrakon wurde laut Grabungsbeschriftung auf dem Objekt am 18. Januar 1930 in den Müllbergen der 18.–20. Dynastie am Südrand des Dorfes (genannt "Koms du sud") von Deir el-Medineh gefunden (Posener 1938, 23; zu dem Fundort Koms du sud siehe Bruyère 1933, 6).

Datierung
Neues Reich, Mitte der 19. bis Mitte der 20. Dynastie, ca. 1250–1140 v. Chr.

G. Posener datiert alle Ostraka in dem von ihm veröffentlichten Band zwischen die Mitte der 19. und die Mitte der 20. Dynastie (Posener, 1938, VI; übernommen von Westendorf 1999, 61). Die Paläographie sowie der Fundort dürften hierbei für eine Datierung in die Ramessidenzeit sprechen.

Textsorte
medizinische Rezepte
Inhalt

Auf dem Recto befindet sich ein Rezept zur Behandlung des Herzens, aber nur die Überschrift ist erhalten. Das Verso gibt zwei oder drei dermatologische Rezepte wieder. Das erste ist ein Salbmittel gegen den (w)ḥꜣw-Hautausschlag und das zweite ein äußerlich anzuwendendes Mittel gegen die sr(f).t-Hautentzündung, die laut W. Westendorf eine Folgeerscheinung oder gesteigerte Form des (w)ḥꜣw-Hautausschlages ist (Westendorf 1999, 62). Eine weitestgehend zerstörte Überschrift an der unteren Bruchkante des Ostrakons könnte ein weiteres Mittel gegen die sr(f).t-Hautentzündung enthalten.

Material
Kalkstein
Objekttyp
Ostrakon
Technische Daten

Die Kalksteinscherbe hat eine Höhe von 6,5 und eine Breite von 13 cm. Die Leserichtung verläuft von rechts nach links. Auf dem Recto befinden sich nur noch Reste vom Anfang von zwei Zeilen Text. Die 1. Zeile ist ein Rubrum. Von der 2. Zeile sind nur noch zwei schwarze Zeichenreste erhalten.
Auf dem Verso befinden sich fünf Zeilen Text, teils in schwarzer, teils in roter Tinte. Rubra befinden sich in den Zeilen 1, 2, 4 und 5. Die Zeilen 1–4 sind vollständig erhalten, wobei das Ende der 1. und 2. Zeile noch auf der linken Bruchkante des Ostrakons fortgesetzt wurde. Die 5. Zeile ist vorn und hinten unvollständig. Sicherlich waren einst weitere Zeilen vorhanden.

Schrift
Hieratisch

Die Verwendung von Rubra ist zu bemerken.

Sprache
Mittelägyptisch

Der Text ist in der Tradition der mittelägyptischen Rezepte gehalten. Anders als es Westendorf schreibt (1999, 60), ist das Zahlwort nicht gemäß dem Neuägyptischen vor dem Gezählten geschrieben.

Bearbeitungsgeschichte

Das Ostrakon ist bei G. Posener im „Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh“ mit Faksimile sowie hieroglyphischer Transkription publiziert (Posener 1938, 23, Taf. 49–49a). 1958 wurde es von F. Jonckheere mit Transkription, Übersetzung sowie Kommentar bearbeitet (Jonckheere 1954, 48–50). Im „Grundriss der Medizin der alten Ägypter“ ist eine hieroglyphische Wiedergabe von Recto und Verso (Grapow 1958, 174, 439) sowie eine weitere Übersetzung zu finden (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I, 100, 257).

Editionen

- Grapow 1958: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. V. Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert (Berlin 1958), 174 (Recto), 439 (Verso: VIII A 10–VIII, A 11).

- Jonckheere 1954: F. Jonckheere, Prescriptions médicales sur ostraca hiératiques, in: Chronique d’Égypte 29 (57), 1954, 46–61, hier: 48–50.

- Posener 1938: G. Posener, Catalogue des ostraca hiératiques littéraires de Deir el-Médineh I,3, Documents de Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire 1, Fasc. 3 (Le Caire 1938), VI, 23, Taf. 49–49a.

Literatur zu den Metadaten

- Bruyère 1933: B. Bruyère, Rapport sur les fouilles de Deir el Médineh (1930), Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire 8, Fasc. 3 (Le Caire 1933).

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,1. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958), 100, 257.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 61–62, 118, 314, 315–316, 317.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Ines Köhler
Bearbeitungsdatum
09.07.2019

Übersetzung und Kommentar

oDeM 1091 Recto

[Rto 1] Heilmittel für das Herz [… ... ...]
[...]

oDeM 1091 Verso

[Vso 1] Salbmittel für das Beseitigen des (w)ḥꜣ.w-Ausschlages1:
Blätter der Dornakazie, Wachs:
(Es) werde gesalbt damit an 4 Tagen; (an) 10 Morgen: 20 (Töpfe/Maß) ndb.t-Trank (?).2

1 ḥꜣ.w oder ⟨w⟩ḥꜣ.w: In MedWb 583 wird ḥꜣw noch als eigenes Lemma und als unbekannte Krankheit aufgenommen, mit dem Verweis, dass es möglicherweise mit der Hautkrankheit wḥꜣ.w zusammenhängt, die ebenfalls mit Salbmitteln behandelt wird. Westendorf, Handbuch Medizin, 62 ergänzt das Wort in oDeM 1091 tatsächlich zu ⟨w⟩ḥꜣ.w, aber auf S. 312 betrachtet er mḥꜣ.w und ḥꜣ.w als Nebenformen des Wortes wḥꜣ.w und nicht als Schreibfehler.
2 10 Morgen, 20 Maß: Übersetzung nach Westendorf, Handbuch Medizin, 314, dazu Anm. 473 (mit ausführlicher Begründung): Er vergleicht Eb 104-112 für eine 10-tägige Behandlung. Vor allem Eb 123 spricht davon, es am Morgen auszuführen. Eb 90 empfiehlt ebenfalls eine Kombination aus Salbe und Einnehmen; Eb 125 verordnet einen Trank gegen den Hautausschlag.
Zahlen 10 und 20 ebenfalls nach Westendorf (Posener liest 100 und 200 – mit Fragezeichen).  Zur Zahlenschreibung mit den Datumszahlen vgl. oBerlin 5570.

Beseitigen des srf.t-Ausschlages1 an irgendeinem Körperglied:
Milch2, [Vso 5] [... ... ...]
[Es werde ... ... ...] ..?...

1 srf.t: Lesung als srf.t und nicht als sr.t (so Posener; MedWb 772) nach Leitz, Tagewählerei, 389, Anm. [b] und Westendorf, Handbuch Medizin, 62, 317, wobei beide eine fehlerhafte Auslassung von f annehmen. Statt des Schrägstrichs von Posener (Z5) könnte es jedoch auch f sein, dann allerdings irrtümlicherweise hinter t gerutscht.
2 jꜣjr.t: Von Jonckheere, 49 und Grundriß IV/1, 257 mit Anm. 2 als jꜣrr.t: "Trauben" gelesen, aber beide erwähnen als Alternativmöglichkeit jrṯ.t. Westendorf, Handbuch Medizin, 317, Anm. 479 entscheidet sich für "Milch", weil dieses in Heilmittel gegen die Hauterkrankungen wḥꜣw und srf.t belegt ist, während "Weintrauben" dort als Zutat nicht vorkommen.

Beseitigen (?) des sr[f.t]-Aus[schlages (?) ... ... ...]1

1 ⸮ḏi̯.w? ⸮d[r]? ⸮sr[f,t]?: Grundriß IV/1, 257 übersetzt "werde daran gegeben", d.h. ḏi̯.w r=s und Westendorf, Handbuch Medizin, 317 hat "werde an die Hautent[zündung] gegeben", d.h. ḏi̯.w r sr[f.t]. Beide Übersetzungen berücksichtigen die Existenz des Rubrums nicht und sie setzen voraus, dass unter den erhaltenen vorderen Zeichen keine weitere Zeichen gestanden haben, was in Anbetracht des folgenden sr[f.t] sehr unwahrscheinlich ist. Die Lesung ḏi̯.w nach Posener ist unsicher. Gegen d[r]: "beseitigen, vertreiben" spricht, dass das Determinativ fehlen würde.