science in ancient egypt

 

Metadaten

Bezeichnung
Außensarg des Hapi, alias Anchtifi, M2NY
Weitere Bezeichnungen
Inv.-Nr.: 12.183.11a
Aufbewahrungsort
USA, New York, Metropolitan Museum of Art
Erwerbsgeschichte

Der Sarg wurde während der Ausgrabungen durch Ahmed Bey Kamal vom 11. Januar bis zum 14. Februar 1911 in Meir entdeckt (Kamal 1914, 73). Es war die zweite Kampagne in Meir, die er von 1910 bis 1914 auf Kosten von Said Bey Khaschabah (einem Händler aus Assiut) und Mohammed Effendi Seoudi durchführte (Kamal 1911, 3). Aufgrund der damals gültigen Fundteilung erhielt Khaschabah u.a. diesen Sarg, den er nicht in seinem privaten Museum in Assiut unterbrachte, sondern mit vielen anderen Funden weiterverkaufte (Hagen – Ryholt 2016, 123–124, 260–261). J. P. Morgan erwarb den Sarg im Jahr 1912 von Khashaba für das Metropolitan Museum of Art, wo er sich bis heute befindet (Homepage MET).

Herkunft
Oberägypten, Meir

Der rechteckige Außensarg des Hapi, alias Anchtifi (Vernus 1986, 39) wurde während der Ausgrabungen durch Kamal im Januar/Februar 1911 in Meir entdeckt (Kamal 1914, 82–86). Kamal gibt als Fundort ein Felsgrab („hypogée“) an, dessen Lage aktuell nicht mehr auffindbar ist, vielleicht unweit der Gräbergruppe B (vgl. Kamal 1914, 78 [„deuxième monticule“ mit den Gräbern von Senbi und Uchhotep I–III] und 82 [„non loin de là“]). Der genaue Fundort fast aller der zahlreichen von Kamal entdeckten Särge kann wegen seiner ungenauen Angaben nicht lokalisiert werden (Willems 1988, 82). Merkwürdigerweise erwähnt Kamal nicht den rechteckigen Innensarg (MMA Inv. 12.183.11b; Willems 1988, 38, Nr. M56; Lapp 1993, 288, Nr. M25b) und darin den anthropomorphen Sarg (MMA Inv. 12.183.11c.1–2) desselben Hapi/Anchtifi, auch nicht seinen Kanopenkasten (MMA Inv. 12.183.14.a–c; Willems 1988, 26, Nr. M3NY), die ebenfalls von J. P. Morgan im Jahr 1912 bei Khaschabah erworben und dem Metropolitan Museum of Art geschenkt wurden.

Datierung
Mittleres Reich, ca. 1980–1760 v. Chr.

Das Sargensemble von Hapi-anchtifi kann wegen der ungenügend dokumentierten Fundsituation in Meir nur typologisch eingeordnet und dann durch Vergleich mit ähnlichen Särgen aus anderen Fundorten datiert werden. Der Außensarg gehört typologisch zum Außenseitentypus VI (Palastfassade) und zum Innenseitentypus 2 von Willems (1988, 26), die ab der Zeit Sesostris‘ III. oder eventuell noch dem Ende der Regierung Amenemhets II. (Außenseitentypus) bzw. ab Amenemhet II. (Innenseitentypus) belegt sind (Willems 1988, 121, 161–164, 190). Wegen der ikonographischen Besonderheiten setzt Willems (1988, 99) den Sarg M2NY zunächst in seine Gruppe D von Meir und datiert ihn in die Regierungszeit von Amenemhet II. bis Sesostris III. Als ihm bewusst wird, dass der Innensarg und der Kanopenkasten dazugehören, dehnt er die Datierung wegen der Form und Beschriftung des Innensarges auf die späte 12. und die 13. Dynastie aus, frühestens ab Sesostris II. (Willems 1988, 99–100; 169, Anm. 171a). Lapp setzt ihn typologisch in seinen Typ der 12./13. Dynastie, wobei ein Terminus ante quem non die Scheintürverzierung sein kann, die in der Residenz erst mit Sesostris III. aufkommt. Lapp nimmt an, das seinen Meir-Typ der 12./13. Dynastie erst in der späten 12. oder sogar erst in der 13. Dynastie eingeführt wurde, bis sie irgendwann von seinem Typ der 13. Dynastie abgelöst wurde (Lapp 1993, 108–112, 114–120).

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Der uns hier interessierende Schlangenbeschwörungsspruch 640 (Kol. 49–56) befindet sich auf der Innenseite der Rückwand des Sarges (Kol. 35–117) nahe dem Kopfende (falls die Inschriften am Kopfende anfangen) (Lesko 1979, 71).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf M2NY:
Spruch 640: Kol. 49–56 (CT VI, 261)

Material
Holz
Objekttyp
Sarg
Technische Daten

Der kastenförmige äußere Sarg des Hapi/Anchtifi aus einem Koniferenholz hat die Maße 259,3 × 94 × 96 cm (Länge × Höhe × Breite) (Homepage MET). Kamal nennt die Maße 255 × 114 × 96 cm (Länge × Höhe × Breite), wobei vermutlich der Deckel mit einer Dicke von 21 cm mit eingerechnet ist (Kamal 1914, 82, 83).

Schrift
Hieratisch

Die Schrift des hier aufgenommenen Textes verläuft in Kolumnen von rechts nach links. Hauptsächlich wurde schwarze Tinte genutzt, der Spruchtitel ist zudem rubriziert. Laut Kamal ist die rechte Längsseite versehen mit 54 Kolumnen in „hiéroglyphes cursifs“, die Kopfseite in 17 Kolumnen und die linke Längsseite in 54 Kolumnen in „écriture cursive“, während das Fußende 17 Kolumnen „texte cursive“ enthält (Kamal 1914, 85–86). Die Homepage des MET spricht von Hieratisch.

Sprache
Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck unter der Sigle M2NY ediert (Spruch 640 in de Buck 1956). Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer M2NY der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg M25a. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert den Schlangenspruch in Strophen und Verse und kommentiert ihn.

Editionen

- de Buck 1956: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. VI. Texts of Spells 472-786, Oriental Institute Publications 81 (Chicago/Ill 1956), VI 261a–n.

Literatur zu den Metadaten

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 204.

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 1464–1465.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 218.

- Hagen – Ryholt 2016: F. Hagen – K. Ryholt, The Antiquities Trade in Egypt 1880-1930. The H.O. Lange Papers, Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab. Scientia Danica. Series H, Humanistica, 4. Vol. 8, (Copenhagen 2016).

- Kamal 1911: A. Kamal, Rapport sur les fouilles exécutées dans la zone comprise entre Deïrout au nord et Deîr-el-Ganadlah, au sud, in: Annales du service des antiquités de l’Égypte 11, 1911, 3–39.

- Kamal 1914: A. Kamal, Rapport sur les fouilles exécutées dans la zone comprise entre Déîrout au nord et Déîr-el-Ganadlah, au sud. Suite, in: Annales du service des antiquités de l’Égypte 14, 1914, 45–87, hier: 82–86.

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. M25a.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 173–176 (Spruch 15 = 640) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Vernus 1986: P. Vernus, Le surnom au Moyen Empire, Studia Pohl 13 (Rome 1986).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins (Leiden 1988).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Bearbeitungsdatum
30.01.2020

Übersetzung und Kommentar

CT 640

Überschrift

[49] Den Rerek vertreiben:

1. Strophe

Um Hapi, (alias) Anchtifi, ist der Knoten geknotet [50] d[ort] und Re [bewacht] täg[lich] {die Sachen}, indem er den Knoten an dem, der müde auf seinen Schenkeln ist, befestigt,1 an jenem Tag des [51] Abschneidens der Trauerfrisur.
[52] (Pause)

2. Strophe

Der Knoten [um] Hapi, (alias) Anchtifi, herum ist [geknotet] durch Seth, als die Neunheit in ⟨ihrer⟩ [53] uranfänglichen Macht stand, als der Aufruhr [des Seth(??)] noch nicht entstanden war.
Möget ihr mich wohlbehalten sein lassen vor/als dem/r, [54] der den Vater getötet hat.
Ich bin (ja) der, der [die beiden Länder] ergriffen hat!

3. Strophe

[Der Knoten] um Hapi, (alias) Anchtifi, herum [ist geknotet durch Nut(?)]2, [55] die ihr [erstes Mal (?)] sah, die gesehen hat (?) […].
[56] Ich bin P[enti]!
Ich bin der [Erbe der großen Götter]!

1 Vgl. die Übersetzung von TB 50 bei E. Hornung, Das Totenbuch der Ägypter (Zürich/München 1990), 122.
2 Hier weicht der Text wohl stark von Sarg T2Be ab. Ich folge mit der Ergänzung Nw.t in CT VI, 261k Faulkner 1977, 18, n. 6.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 173–176 (Spruch 15 = 640).