Papyrus Ramesseum XII

Metadaten

Wissensbereiche
Alternative Namen
Papyrus London BM EA 10765 Papyrus Ramesseum 12 TM 380846
Aufbewahrungsort
Europa » Großbritannien » (Städte K-N) » London » British Museum

Inventarnummer: BM EA 10765

Erwerbsgeschichte

Der Papyrus wurde 1896 bei den von der British School of Archaeology in Egypt finanzierten und von W. M. Flinders Petrie und J. E. Quibell durchgeführten Grabungen im Ramesseum gefunden. 1956 wurde er zusammen mit einem größeren Konvolut der Ramesseumspapyri von der British School of Archaeology in Egypt und von A. H. Gardiner, dem die Bearbeitung übertragen worden war, an das British Museum in London gestiftet (ausführlich zur Erwerbungs- und Bearbeitungsgeschichte siehe u.a. Leach 2006, 225–227; Gardiner 1955, 1–6).

Herkunft
Niltal südlich von Assiut bis zum 1. Katarakt » Theben » westliches Ufer » Ramesseum

Der Papyrus wurde von J. E. Quibell im Jahre 1896 innerhalb des Ramesseums am Fuße eines bereits geplünderten Grabschachts gefunden (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3–4, Taf. 1–3; Parkinson 1991, XI–XIII, XXVI–XXVIII; Parkinson 2009, 139–140). Dieser Grabschacht gehört zu einer Nekropole aus der Zeit des Mittleren Reiches bis zum Anfang der 18. Dynastie (Leblanc 2005, 33–34; Nelson 2006, 115–117, 127; Parkinson 2009, 139–140), die in der 19. Dynastie durch den Totentempel („Millionenjahrhaus“) Ramses’ II. überbaut wurde. Der Schacht, in dem die Papyri gefunden wurden, liegt laut Quibell unter einem der Ziegelmagazine an der Nordwest-Ecke des Ramesseums (Parkinson 2009, 139–140), unter Magazin 5 auf dem Plan von Quibell (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, Taf. 1), nach heutiger Zählung STI.SA.08. Eine exakte Lokalisierung innerhalb dieses Magazins ist bislang nicht gelungen, da der Fundort auf dem Plan von Quibell nicht eindeutig verzeichnet ist und mehrere Schächte in Betracht kommen (eine vergebliche Suche bei Nelson 2006). Laut einer neu entdeckten Notiz von Newberry aus dem Jahr 1938 (Downing – Parkinson 2016), der bei der Auffindung der Papyri zugegen war, befand sich der Schacht im beschrifteten Korridor des Grabes des Sehetepibre (Porter – Moss 1964, 679), der unter den Magazinräumen 5–7 des Ramesseums nach dem Plan von Quibell läuft, nach heutiger Zählung unter STI.TR bis STI.SA.08. Sollte dies zutreffen (Newberry widerspricht dezidiert Quibell [Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3], der den Papyrus-Schacht nicht mit diesem Grab verbindet), kann der Schacht oder sein Inhalt schwer zum ursprünglichen Grab des Sehetepibre gehört haben, denn Letzteres wird früher datiert als das Papyruskonvolut, d.h. der Priester (ḥm-nṯr) Sehetepibre kann nicht der ursprüngliche Eigentümer der Ramesseumspapyri gewesen sein (Downing – Parkinson 2016, 40–41). Eine neue archäologische Untersuchung des Grabes des Sehetepibre wäre erforderlich, um Klarheit zu bekommen.
Der Papyrus befand sich zusammen mit 23 weiteren Papyri und einem Bündel Schilfrohr in einer Holzkiste (Auflistung der Papyri bei Parkinson 2009, 151–153, Tab. 6.1) auf dem Boden des Schachtes. Die Papyri enthalten medizinische, medico-magische und magische Texte, aber auch literarische Texte (z.B. Beredter Bauer und Sinuhe), liturgische Texte (z.B. Dramatischer Ramesseumspapyrus und Sobek-Hymnus) sowie administrative Texte wie die Semna-Dispatches. Heute ist dieses Papyruskonvolut auf das British Museum in London und das Ägyptische Museum und Papyrussammlung in Berlin verteilt. Das Schilfrohrbündel, bei dem es sich um Rohmaterial für Schreiberbinsen handelt, wird im Manchester Museum aufbewahrt (Inv.-Nr. 1882). Der Verbleib des Holzkastens, der mit weißem Stuck überzogen und mit der Zeichnung eines Schakals dekoriert war (Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898, 3), ist unbekannt (z.B. Leach 2006, 225, Anm. 2). Hermann 1957, 113, Anm. 1 erwähnt eine Nachricht von Anthony J. Arkell, dem damaligen „honorary curator“ der Petrie Collection, dass dieser Kasten vermutlich mit den anderen Objekten von Flinders Petrie in die Sammlung des University College London liegen könnte: Flinders Petrie hatte im Jahr 1913 seine Sammlung dem University College London verkauft (https://www.ucl.ac.uk/culture/node/21/about, letzter Zugriff: 03.07.2020), und nachdem sie im 2. Weltkrieg ausgelagert worden war, widmete sich Arkell Anfang der 1950er Jahre dem Auspacken, Katalogisieren und Ausstellen der Objekte (s. Smith 1981, 146). Die Sammlung war daher Hermann noch nicht zugänglich (s. Hermann, a.a.O.) und die Verifizierung dieser Vermutung steht noch aus.
Weiterhin wurden verschiedene magische Gegenstände im Schacht gefunden. Ein Überblick der Fundsituation findet sich bei Geisen 2018, 2–7; eine Auflistung der von Quibell genannten Objekte mit ihren modernen Inventarnummern findet sich ferner auch schon bei Parkinson 1991, XII–XIII und Kemp – Merrillees 1980, 166.

Datierung
(Epochen und Dynastien) » Pharaonische Zeit » Zweite Zwischenzeit » 13. Dynastie

Die Datierung des Papyrus basiert zum einen auf der Einordnung des archäologischen Fundkontextes, zum anderen auf text- bzw. konvolutinteren Überlegungen. Die Nekropole, in der das Konvolut gefunden wurde, kann in das Mittlere Reich und die frühe Zweite Zwischenzeit datiert werden (Leblanc 2005, 33–34; Nelson 2006, 115–116; Parkinson 2009, 71). Über die im Grabschacht gefundenen Objekte ist keine chronologische Eingrenzung möglich, da viele dieser Gegenstände in Bestattungen des späten Mittleren Reiches gut belegt sind, teils sogar bis in die frühe 18. Dynastie fortlaufen (Parkinson 2009, 143–145). Laut Geisen 2018, 7, 10–15 würden Streufunde in der Umgebung sowie die Grabfunde selbst in Kombination mit Informationen aus den Papyri für eine Datierung der Bestattung in die mittlere 13. Dynastie sprechen.
Die Papyri selbst sind unterschiedlichen Alters und erstrecken sich paläographisch (hieratisch) über einen Zeitraum von etwa einem Jahrhundert (Gardiner 1955, 1–2; Parkinson 2009, 149). Einen Terminus post quem für die Zusammenstellung des Konvoluts geben der Papyrus Ramesseum VI (Sobek-Hymnus) mit der Nennung Amenemhets III. (12. Dynastie, ca. 1818–1773 v. Chr.) sowie das Onomastikon auf Papyrus Ramesseum D, das ein mit dem Namen Sesostris’ III. (ca. 1837–1818 v. Chr.) gebildetes Toponym aufweist. Die älteste Gruppe bilden mit R. B. Parkinson die kursiv-hieroglyphischen Texte aus der späten 12. Dynastie, zu denen bspw. Papyrus Ramesseum V gehört (Parkinson 2009, 149). Die jüngsten Texte gehören in die späte 13. Dynastie (bis ca. 1630 v. Chr.), da sie dem mathematischen Papyrus Rhind und dem Papyrus Boulaq 18 paläographisch aufgrund der runden Formen und stärkeren Verwendung von Ligaturen nahestehen (Parkinson 2009, 150).
Papyrus Ramesseum XII gehört paläographisch in die späteste Gruppe bzw. gehört zu den spätesten Texten der Ramesseumskiste, und Parkinson datiert ihn paläographisch einige Jahrzehnte später als die Verwaltungsnotizen auf der Rückseite von Papyrus Ramesseum III; und während er Letztere zeitlich etwa in der Zeit Sobekhoteps III. verortet, überlegt er, ob die Papyri etwa in der Zeit Sobekhoteps IV. oder Neferhoteps I. in dem Grab abgelegt worden sein könnten (vgl. die Ausführungen von Parkinson 2009, 150 mit seiner Tabelle auf S. 152–153, sowie S. 156–157).

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Die kurzen Fragmente enthalten Anrufungen an verschiedene göttliche Entitäten, wobei Meyrat 2019, 98 aufgrund mehrere solarer Bezüge und der aggressiven Konnotationen an Erscheinungsformen des Sobek-Re denkt. Die Erwähnung, dass der „Mann unter die Finger“ gegeben werde, spricht für einen magisch-medizinischen Zusammenhang, und die Erwähnung von Augen und Anspielungen auf die Sehfähigkeit bzw. -unfähigkeit in den Epitheta der zweiten Kolumne lässt ihn an die Augenrezepte in Papyrus Ramesseum III denken. Gleichzeitig findet sich in der Sekundärliteratur die Vermutung, dass es sich um Anrufungen gegen Fieber handele (Leach 2006, 239; Parkinson 2009, 153; Geisen 2018, 25, Parkinson 2019, 155), was sich allerdings nicht direkt aus den erhaltenen Fragmenten erschließt.

Ursprünglicher Verwendungskontext

Der Fundzusammenhang und die Herkunft aus einem gesicherten archäologischen Kontext erlauben eine detailliertere Betrachtung. Der Papyrus war Bestandteil eines Konvoluts von 24 Papyri und befand sich zusammen mit einem Bündel von 118 Schilfrohren (Schreibbinsen) von je ca. 40 cm Länge in einem Holzkasten. Auf diesem Kasten war das Zeichen eines Schakales zu erkennen, das als Schreibung für den Priestertitel ḥr.j-sšt „Hüter des Geheimnisses“ gelesen werden kann. Es ist daher anzunehmen, dass der Besitzer ein Priester war (Parkinson 2009, 141; Parkinson 1991). Unter den weiteren im Grabschacht gefundenen Objekten befanden sich ein aus einem Kupfergemisch gefertigter Schlangenstab, der mit menschlichen Haaren umwickelt ist (Fitzwilliam Museum, Cambridge, E.63.1896), die Elfenbeinfigur eines Zwerges, der ein Kalb trägt (University of Pennsylvania, Museum of Archaeology and Anthropology, E.13405), sowie diverse magische Objekte im Manchester-Museum (Fayencefigur eines nackten Mädchens (Inv.-Nr. 1787), eine aus Elfenbein gefertigte Klapper (Inv.-Nr. 1796), eine Fayencefigur in Gestalt eines Pavians (Inv.-Nr. 1835) sowie ein Djed-Pfeiler-Amulett (Inv.-Nr. 1838) (Parkinson 2009, 141–145)). Diese Utensilien stellen nach A. H. Gardiner „the professional outfit of a magician and medical practitioner“ (Gardiner 1955, 1) dar. Dazu passt, dass die Mehrheit der Papyri (15 der 24 Papyri) medizinische, medico-magische oder magische Inhalte aufweisen. Der Inhaber war demnach vermutlich ein Arzt und Magier, der auch Priesterfunktionen innehatte, oder umgekehrt ein Priester, der auch als Magier und Arzt agierte (Gnirs 2009, 128–156; Morenz 1996, 144–146; Geisen 2018, 15–29, Meyrat 2019, 196–199).
Das differierende Alter der Papyri und die verschiedenen Arten von Texten (medizinisch/magisch, literarisch, liturgisch, administrativ) lassen vermuten, dass die Papyri über mehrere Generationen gesammelt und vererbt wurden, bis der letzte Eigentümer sie als Grabbeigabe erhielt (Parkinson 2009, 149). Die administrativen Angaben auf dem Verso von Papyrus Ramesseum III und Papyrus Ramesseum IV zeigen, dass eine sekundäre wirtschaftliche Nutzung dieser medizinischen Papyri vorliegt, was wiederum nahelegt, dass die Papyri – zumindest in Teilen – aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden und die Identifizierung des letzten Inhabers als Arzt daher nicht zwingend notwendig ist.

Material
Organisch » Faser, Pflanzliche und Tierische » Papyrus
Objekttyp
Artefakt » Schriftmedien » Schriftrolle
Technische Daten

Der Papyrus ist, wie auch die anderen Ramesseumspapyri, aufgrund der Lagerung in der feuchten Umgebung des Grabschachts in einem schlechten und fragmentarischen Zustand (Leach 2006, 227). Von Papyrus Ramesseum XII sind nur die Reste zweier Kolumnen, und von diesen nur die oberen Zeilen erhalten. Der obere Rand ist erkennbar und durch eine horizontale Linie auch vom originalen Schreiber als solche markiert. Die Höhe der Fragmente gibt Parkinson 2009, 153 mit 13,7 cm an; er vermutet, dass der Papyrus ursprünglich Vollformat von etwa 30 cm hatte, so dass nur die obere Hälfte der Kolumnen erhalten wäre. Beide Fragmente sind jeweils über eine Breite von etwas mehr als 17 cm erhalten.
Contra Gardiner 1955, 14 ist die Rückseite nicht leer, sondern das mittlere Fragment der ersten Kolumne enthält Reste von fünf Zeilen einer späteren Notiz unklaren Inhalts. Der Papyrus wurde zu diesem Zweck horizontal gewendet: Das Oben der Vorderseite ist das Unten der Rückseite.

Schrift
Hieratisch

Der Text ist in waagerechten Zeilen geschrieben (von rechts nach links, wie für Hieratisch üblich). Beide (erhaltenen) Kolumnen weisen einen Einzug auf: Die jeweils erste Zeile beginnt mit der rot geschriebenen Wunschformel „Leben für dich“, die gefolgt wird von einer schwarz geschriebenen Epitheta-Reihe (in der ersten Kolumne bis auf einen winzigen Zeichenrest zerstört). Die folgenden Zeilen sind um so viel eingezogen, wie die Wunschformel der ersten Zeile einnimmt, und enhalten nur die Epitheta, die dadurch alle auf gleicher Höhe beginnen.
Die Zeilenenden sind indessen unterschiedlich lang. Die Breite des Kolumnenzwischenraums lässt sich aufgrund des fragmentierten Erhaltungszustandes nicht definieren.
Außer der horizontalen Linie, die den oberen Kolumnenrand markiert, sind auf dem Fragment mit der zweiten Kolumne noch zwei horizontale (Schreib-?)Linien in Zeile 1 und 3 erkennbar.

Sprache
Ägyptisch-Koptisch » Ägyptisch » Mittelägyptisch

Die Textreste sind zu unspezifisch für eine grammatische Datierung, aber der archäologische Kontext spricht für Mittelägyptisch.

Bearbeitungsgeschichte

Die Bearbeitung der Papyri sollte zunächst durch F. Ll. Griffith erfolgen, wurde dann aber an P. Newberry übergeben, der erste konservatorische Maßnahmen durchführte und erste Abschriften anfertigte (Gardiner 1955, 2; Leach 2006, 226). Auf Vermittlung A. H. Gardiners wurde die Restaurierung dann an H. Ibscher (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin) übertragen, der sie restaurierte, ordnete und rahmte. Da P. Newberry kein weiteres Interesse an der philologischen Bearbeitung hatte, gingen die Papyri schließlich in den Privatbesitz von A. H. Gardiner über, den W. M. Flinders Petrie als geeignet für die Veröffentlichung ansah. A. H. Gardiner schreibt dazu: „realizing, that the cost of conservation and publication would be considerable, Petrie himself suggested that if I acquitted myself of both obligations, I could regard the papyri as my own and dispose of them as I thought best“ (Gardiner 1955, 2). Um die aufwendigen Konservierungsmaßnahmen bezahlen zu können, verkaufte A. H. Gardiner 1910 Papyrus Ramesseum D mit dem Onomastikon an das Berliner Ägyptische Museum. Den Papyrus Ramesseum A, der die Geschichte des Beredten Bauern und den Sinuhe enthält, hatte A. H. Gardiner bereits 1906 dem Berliner Ägyptischen Museum überlassen – unter der Bedingung, dass das Museum die Kosten für die Publikation tragen würde (Leach 2006, 226).
Zwischen 1907 und 1937 wurden mehrere der Ramesseumspapyri, darunter auch Papyrus Ramesseum XII, verglast und dazu auf Gelatine und Zellulosenitrat fixiert; diese Fixierung wurde bei einer Untersuchung 2003 bestätigt (Leach 2006, 233 und 239).

Im Jahr 1955 legte A. H. Gardiner eine Edition der Ramesseumspapyri in Fotografie und tlw. in hieroglyphischer Transliteration vor, wobei allerdings viele der kleineren Fragmente unberücksichtigt blieben. Auch verzichtete er auf eine hieroglyphische Transliteration der Papyri Ramesseum I–V, da diese von J. W. B. Barns bearbeitet wurden (Barns 1956). Gardiners Edition enthält Fotos der Vorderseite von Papyrus Ramesseum XII sowie eine Übersetzung der zweiten, besser erhaltenen Kolumne (S. 14 und Taf. 45).
Eine Gesamtbearbeitung der magischen Ramesseums-Papyri, auch von Ramesseum XII, legte Meyrat 2019, spez. 88–99, 334–335, vor.

Editionen

- Gardiner 1955: A. H. Gardiner, The Ramesseum Papyri (Oxford 1955), 14, Taf. 45.

- Meyrat 2019: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 88–99, 334–335.

Literatur zu den Metadaten

- Barns 1956: J. W. B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956).

- Downing – Parkinson 2016: M. Downing – R. B. Parkinson, The Tomb of the Ramesseum Papyri in the Newberry Papers, The Griffith Institute Oxford, in: British Museum Studies in Ancient Egypt and Sudan 23, 2016, 35–45.

- Geisen 2018: C. Geisen, A Commemoration Ritual for Senwosret I. P. BM EA 10610.1-5/P. Ramesseum B (Ramesseum Dramatic Papyrus), Yale Egyptological Studies 11 (New Haven, CT 2018).

- Gnirs 2009: A. M. Gnirs, Nilpferdstoßzähne und Schlangenstäbe. Zu den magischen Geräten des so genannten Ramesseumsfundes, in: D. Kessler, et al. (Hrsg.), Texte – Theben – Tonfragmente. Festschrift für Günter Burkard, Ägypten und Altes Testament 76 (Wiesbaden 2009), 128–156.

- Hermann 1957: A. Hermann, Buchillustrationen auf ägyptischen Bücherkästen, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 15, 1957, 112–119.

- Kemp – Merrillees 1980: B. J. Kemp – R. S. Merrillees, Minoan Pottery in Second Millennium Egypt, Sonderschrift. Deutsches Archäologisches Institut. Abteilung Kairo 7 (Mainz 1980).

- Leach 2006: B. Leach, A Conservation History of the Ramesseum Papyri, in: Journal of Egyptian Archaeology 92, 2006, 225–240.

- Leblanc 2005: C. Leblanc, Recherches et travaux réalisés au Ramesseum durant la mission d’octobre 2004 à janvier 2005, in: Memnonia 16, 2005, 19–45.

- Morenz 1996: L. D. Morenz, Beiträge zur Schriftlichkeitskultur im Mittleren Reich und in der 2. Zwischenzeit, Ägypten und Altes Testament 29 (Wiesbaden 1996).

- Nelson 2006: M. Nelson, La tombe d’une nourrice royale du début de la XVIIIème dynastie découverte au Ramesseum. Concession funéraire STI.Sa05/pu01, in: Memnonia 17, 2006, 115–129.

- Parkinson 1991: R. B. Parkinson, The Tale of the Eloquent Peasant (Oxford 1991).

- Parkinson 2009: R. B. Parkinson, Reading Ancient Egyptian Poetry. Among Other Histories (Chichester, Malden, MA 2009).

- Parkinson 2019: R. B. Parkinson, Libraries in Ancient Egypt, c.2600–1600 BCE, in: K. Ryholt – G. Barjamovic (Hrsg.), Libraries before Alexandria. Ancient Near Eastern Traditions (Oxford 2019), 115–167.

- Porter – Moss 1964: B. Porter – R. L. B. Moss, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. Vol. I. The Theban Necropolis. Part 2: Royal Tombs and Smaller Cemeteries (Oxford 1964).

- Quibell – Paget – Pirie [Quibell] 1898: J. E. Quibell – R. F. E. Paget – A. A. Pirie [Quibell], The Ramesseum / The Tomb of Ptah-Hetep, British School of Archaeology in Egypt and Egyptian Research Account [2] (London 1898).

- Smith 1981: H. S. Smith, The Reverend Dr Anthony J. Arkell, in: Journal of Egyptian Archaeology 67, 1981, 143–148.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Autoren
Dr. Lutz Popko

Übersetzung und Kommentar

Recto

Kolumne 1

[1,1]1 Leben für dich,2 [der (du) ---]; (Leben für dich), [der (du) ---]; (Leben für dich) [der (du) ---], [der (du)] diesen Mann unter meine Finger [gibst (o.ä.)] (???); (Leben für dich), [der (du) ---] zusammen mit den beiden Armen3, die für dich lebenskräftig sind (???)4; [1,5] (Leben für dich), [der (du) ---], (du) Steuermann auf dem Gottesschiff;5 [---], mir geben durch [---] ... (?) [---] ... (?) [---].

1 Ganz am Rand des rechten, ansonsten unbeschriebenen Fragments dieser Kolumne, direkt an der Abbruchkante, sind einige wenige blass-schwarze Farbspuren erkennbar, die vielleicht zum Zeilenende einer vorangehenden Kolumne gehören.
2 ꜥnḫ n=k: Zu dieser Übersetzung im Sinne einer Invokation s. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 14 für die zweite Kolumne. Dem folgt auch das LGG, vgl. bspw. C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. II. -b, Orientalia Lovaniensia Analecta 111 (Leuven 2002), 407c, s.v. wnm-bꜣ.w (= pRamesseum XII, 2,1). P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 89 und 90 vermutet dagegen hierin die Schwurformel „so wahr mir ... lebt“: „Aussi vrai que vit pour toi“, wobei er annimmt, dass der Text vom Magier rezitiert werden solle und sich das n=k auf den Patienten beziehe. Für diese Übersetzung fehlt aber eigentlich die Fortsetzung, was passieren soll oder nicht passieren darf. Diese müsste man dann in den nicht mehr erhaltenen unteren Zeilen der beiden Kolumnen rekonstruieren.
3 ꜥ.wj: P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 89 und 90 vermutet hierin eine Bezeichnung der armförmigen Klappern, wie sie u.a. auch unter den Objekten der Ramesseumskiste gefunden wurden (a.a.O., Taf. 1, Nr. 17). Da der Kontext aber letztlich zu stark zerstört ist, wird hier bei einer wörtlichen Übersetzung geblieben.
4 ꜥnḫ n=k: In Zeile 1,4 steht noch einmal ꜥnḫ n=k am Ende der Zeile, dieses Mal schwarz geschrieben. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 89 übersetzt es ebenso wie das ꜥnḫ n=k am Anfang von 1,1 und 2,1. Hier wird dagegen vorgeschlagen, es als Partizip auf die vorherigen Arme zu beziehen, wobei sicher ein sprachliches Spiel mit der Einleitung intendiert ist.
5 ḥm.y m dp.t-nṯr: Mit dem „Steuermann auf dem Gottesschiff“ ist ein evtl. ein Mitglied des Gefolges des Horus oder Horus selbst gemeint, vgl. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 90.

Kolumne 2

[2,1] Leben für dich, Brüllender, der (du) die Ba-Seelen frisst,1 der (du) gerecht richtest (oder: Richter der Maat); (Leben für dich), der (du) den Esel fesselst, der (du) den Phönix oben auf dem Erdgott einfängst;2 (Leben für dich), Kahler vom Uferrand3, der (du) an der Spitze der Barke des Re bist; (Leben für dich), Denu(?), der nachtblind(?) aus dem Leib seiner Mutter hervorkam;4 [2,5] (Leben für ich), der (du) in der Erde bist, Herr der Ewigkeit, (du) Biene, Sohn seines Auges; (Leben für dich), der (du) wütend aus dem Leib deiner Mutter herauskamst, kampfbereit in/mit [---]; (Leben für dich), der (du) umherziehst [---], der du herumwanderst [---]; [---]

1 wnm bꜣ.w wḏꜥ mꜣꜥ.t: Diese beiden Epitheta spielen sicherlich auf einen Angehörigen des Totengerichts an, vielleicht sogar schon konkret auf die „Fresserin“, die im späteren Totenbuchspruch 125 eine entsprechende Funktion einnimmt, vgl. Meyrat, Papyrus magiques du Ramesseum, 91–92.
2 spḥ Bn.w ḥr-dp Ꜣkr: A. H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 14 übersetzt mit: „lassoer of the benu-bird on the head of Aker“. Dem folgen C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. VI. -s, Orientalia Lovaniensia Analecta 115 (Leuven 2002), 276b: „Der den Phönix mit dem Lasso auf dem Kopf des Aker einfängt“ und P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 89: „qui prend au lasso ke Bénou au sommet d’Aker“. Meyrat, a.a.O., 92–93 vermutet in dieser unklaren mythologischen Anspielung einen Hinweis auf die Verbindung zwischen dem Phönix und dem Krokodil, das laut A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts VII. Texts of spells 787-1185, Oriental Institute Publications 87 (Chicago 1961), 96n-o auf den Zähnen des Aker = dem Papyrus sitze. Vielleicht dient Aker hier aber auch nur als Personifizierung des Erdbodens; zu „Aker“ als Name für den Erdboden selbst vgl. C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd I. -y, Orientalia Lovaniensia Analecta 110 (Leuven 2002), 83b, s.v. ꜣkr, Rubrik E.a mit einem Beleg aus A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts II. Texts of Spells 76-163, Oriental Institute Publications 49 (Chicago 1938), 25d: Šw m-ẖnw Nw n ṯs.t ꜣkr.w: „Schu war im Inneren des (personifizierten) Urgewässers, bevor die Erde zusammengefügt war“ (anders dagegen die Deutung der Stelle bei R.O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Vol. I. Spells 1-354 (Warminster 1973), 82: „Shu was within the Abyss when the Earth-gods had not yet been knitted together“, und s. S. 83, Anm. 5, wo er in den „Earth-gods“ eine Bezeichnung der beiden Götter Aker und Geb vermutet).
3 jꜣs jdb: A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 14 hatte das zweite Wort noch unübersetzt gelassen. P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 89 und 93 denkt an $jdb$. Da er in dem „Kahlen“ eine Bezeichnung für den Krokodilgott Sobek vermutet, passt ein Wort für „Ufer“ sehr gut in den Kontext.
4 Dn.w pri̯ šꜣ m ẖ.t n.t mw.t=f: Das erste Schreibquadrat der Zeile ist zerstört. A.H. Gardiner, The Ramesseum Papyri. Plates (Oxford 1955), 14 übersetzt „Denu(?) who came forth blear-eyed(?) from the body of his mother“. So übernimmt es auch C. Leitz (Hrsg.), Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Bd. VII. š-, Orientalia Lovaniensia Analecta 116 (Leuven 2002), 550a: Dnw (?)-pr-šꜣ-m-ḏt[sic]-nt-mwt.f „...?..., der fehlsichtig (o.ä.) aus dem Leib seiner Mutter herauskommt“. Dagegen ergänzt P. Meyrat, Les papyrus magiques du Ramesseum. Recherches sur une bibliothèque privée de la fin du Moyen Empire, Bibliothèque d’étude 172 (Le Caire 2019), 335 vor dem halb zerstörten dn noch ein s und liest [s]dnw. In diesem Wort vermutet er S. 89 und 95 eine Schreibung für sṯn.w: „erhoben; bekrönt“: „[Cou]ronné qui est sorti héméralope du ventre de sa mère“. A.a.O., 95 verweist er dafür auf den ptolemäerzeitlichen pLouvre N. 3079, Zeile 112,2 (J.-C. Goyon, Le cérémonial pour faire sortir Sokaris. Papyrus Louvre I. 3079, col. 112-114, in: Revue d’égyptologie 20, 1968, 63–96, hier 65, 70, 89, Anm. 2 und Taf. 4; zum Papyrus s. auch Totenbuch-Projekt): j sdn.w pri̯(.w) m ẖ.t: „ô Celui qui est couronné dès la naissance“. Es ist jedoch unsicher, ob sṯn.w schon im Mittleren Reich mit d statt geschrieben werden kann. Außerdem sind die noch erhaltenen $n$s in diesem Papyrus so breit, dass man sich fragt, ob in der kleinen Lücke am Beginn von 2,4 überhaupt ein zusätzliches s gepasst hätte.

Verso

Notiz (unpubliziert)

[---]1

1 Auf der Rückseite von Fragment 1, gegenüber dem Recto auf dem Kopf stehend, befinden sich die Reste von fünf Zeilenanfängen. Von den ersten vier Zeilen sind nur Wortreste erhalten; in der letzten steht mit ḥḏ.t ein Mitglied der Wortfamilie „hell“.