science in ancient egypt

 

Metadaten

Papyrus Rubensohn Papyrus Rubensohn Link
Bezeichnung
Papyrus Rubensohn
Weitere Bezeichnungen
Papyrus Berlin P 10456
Aufbewahrungsort
DE, Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Erwerbsgeschichte

Der Papyrus entstammt aus den eigenen Grabungen, die von den Königlichen Museen zu Berlin auf Elephantine in den Jahren 1906–1908 durchgeführt wurden, und ist durch Fundteilung nach Berlin gelangt. Das Papyrusblatt bekam die Inventarnummer P 10456. Es wurde später auch "(medizinischer) Papyrus Rubensohn" genannt, nach dem Leiter der Ausgrabungen, zuerst vielleicht von G. Möller, der ihn als "Med. Rub." in seiner Paläographie abkürzt (Möller 1912, 63). Laut W. Westendorf gehören noch weitere Berliner Fragmente zum Text, aber er nennt deren Inventarnummern nicht (Westendorf 1974, 247; 1999, 50 und 78). G. Möller spricht von Bruchstücken von zwei medizinischen Papyri aus Elephantine aus dem Ende der Perserzeit oder frühptolemäisch bzw. von Bruchstücken von zwei Handschriften medizinischen Inhalts (Möller 1912, 3, Anm. 3; 63, Anm. 1). Vielleicht meint Möller die drei medizinischen Fragmente mit den vorangehenden Inventarnummern P 10453 bis 10455, deren Herkunft jedoch nicht gesichert ist (Burkard – Fischer-Elfert 1994, 218–220, Nr. 325–327; Westendorf 1999, 50, Anm. 66 nennt P 10453 als zugehörig zu P 10456). Weitere als medizinisch eingestufte Fragmente aus den Elephantine-Grabungen sind P 23042, P 23073 (ehemals P 23237e; betrifft die Augen), P 23074 (ehemals P 23237a+b; betrifft die Augen), P 23093a–e, P 23094a–b (unklar, ob medizinisch), P 23216a–b und P 23237f–g (Burkard – Fischer-Elfert 1994, 221–228, Nr. 330–332, 334–335, 338; elephantine.smb.museum/suche/result/ [geprüft 27.01.2017]). Unpublizierte medizinische Fragmente in Berlin, deren Herkunft ungeklärt ist, sind P 14386a–f, P 23090 und P 23235 aus der Spätzeit oder der Ptolemäerzeit (d.h. zeitgenössisch mit den Elephantine-Fragmenten und vielleicht zugehörig) sowie P 23222, das vielleicht Ramessidisch ist (Burkard – Fischer-Elfert 1994, 221–227, Nr. 329, 333, 337 sowie 336).

Herkunft
Oberägypten, Elephantine

Der Papyrus wurde im Rahmen der Grabungen der Königlichen Museen zu Berlin in den Jahren 1906 bis 1908 auf der Insel Elephantine zutage gefördert. Die Unternehmung stand unter der Leitung von O. Rubensohn, assistiert von W. Honroth und F. Zucker. Ein expliziter Hinweis auf den Fund des Papyrus Rubensohn findet sich zwar nicht, aber der Grabungsbericht dokumentiert das Vorkommen von hieratischen Papyri in einer Schuttschicht, die sich über eine größere Fläche am Westrand des Kôms von Elephantine in der Nähe des dortigen Chnumtempels erstreckte, einige waren in Gefäßen verwahrt oder in Stoff eingerollt (Honroth – Rubensohn – Zucker 1909, 14–61). In einem Kurzbericht über die erste Grabungskampagne von 1906 werden keine hieratischen Papyri genannt (Rubensohn – Schubart – Spiegelberg 1907, 4–5), so dass sie vielleicht aus der zweiten oder dritten Kampagne stammen.

Datierung
Spätzeit, 26. Dynastie, ca. 664–525 v. Chr.

G. Möller, der den Papyrus im Rahmen seiner Untersuchung zur Hieratischen Paläographie begutachtet hat, datiert ihn aufgrund seiner Zeichenformen an das Ende der Perserzeit oder frühptolemäisch bzw. in das 4. Jh. v. Chr. (Möller 1912, 3, Anm. 3; 63, Anm. 1; siehe auch Honroth – Rubensohn – Zucker 1909, 50). H.O. Lange folgt der Angabe des 4. Jh. (Lange 1929, 725). W. Westendorf ist sich dieser paläographischen Datierung nicht so sicher, denn er erkennt Zeichenformen, die in Texten von der 22. Dynastie bis zum 2. Jh. v. Chr. belegt sind. Er entscheidet sich schlussendlich für eine Datierung nach der Perserzeit, d.h. eher die Ptolemäerzeit als ältere Epochen, wegen "eine(r) beträchtliche(n) Anzahl von Formen (, die) jedoch erst nach der Perserzeit bei Möller belegt (sind)" (Westendorf 1974, 248; ähnlich Westendorf 1999, 50: "Ende der Perserzeit bis Anfang der Ptolemäerzeit (4. Jhdt.v.Chr.)"). G. Burkard und H.-W. Fischer-Elfert datieren den Text als "Frühptolemäisch (?)" (Burkard – Fischer-Elfert 1994, 220, Kat.-Nr. 328), G. Vittmann hat entsprechend "ca. 3rd century BCE" (Porten 1996, 31 und 71). Die Untersuchung von U. Verhoeven-van Elsbergen hat ergeben, dass der Papyrus aber nur 5,5 % ptolemäische Zeichenformen aufweist und die Mehrzahl der paläographischen Merkmale ihre nächsten Verwandten in der 21./22. Dynastie, vor allem aber in der 26. Dynastie finden. Die regelmäßige und häufige Verwendung von einigen Ligaturen, die nach 630 v. Chr. nicht mehr belegt sind, bestätigt die zeitliche Einordnung in die 26. Dynastie (Verhoeven-van Elsbergen 2001, 276–279).

Textsorte
medizinische Sammelhandschrift
Inhalt

Der Text umfasst eine Sammlung von Diagnosen und Rezepten. Von den 20 erhaltenen Zeilen thematisieren die Zeilen 3 bis 16 mit Sicherheit die Behandlung von Hustenbeschwerden. Wegen fehlender Spezifika in den Zeilen 1-2 und nach dem Abschnittswechsel (?) von Zeile 16 zu 17 kann nicht festgestellt werden, ob diese ebenfalls Hustenbeschwerden oder vielleicht andere Krankheiten thematisieren (Westendorf 1999, 409, Anm. 660). Falls Fragment Berlin P 10453, in dessen zweiter Zeile ein Rezept gegen Schwellungen (šfw.t) genannt ist, zum Papyrus Rubensohn gehört, dann handelt es sich bei diesem nicht um ein medizinisches Spezialbuch zum Thema Husten, sondern um eine Sammelhandschrift (Westendorf 1999, 50, Anm. 3). Obwohl der Papyrus Ebers sowie der Papyrus Berlin P 3038 ebenfalls Rezeptgruppen für Hustenkrankheiten enthalten, stellt der Rubensohn-Papyrus eine eigenständige Gruppe an Rezepten dar, die sich zwar formal gesehen an bekannten Rezepten orientiert, inhaltlich aber losgelöst davon zu verstehen ist (Westendorf 1974, 253; 1999, 50).

Ursprünglicher Verwendungskontext

Da die Papyri im Bereich des Geländes des antiken Chnum-Tempels entdeckt wurden, nimmt man an, dass sie einst zum Archiv dieses Tempels gehört haben (Honroth – Rubensohn – Zucker 1909, 50; Burkard – Fischer-Elfert 1994, 220–221, Kat.-Nr. 328).

Material
Papyrus
Objekttyp
Papyrusrolle
Technische Daten

Der Papyrus liegt in mehreren Fragmenten vor. Das Hauptfragment misst 24 cm in der Höhe und 14 cm in der Breite; der obere und untere Rand des Blattes sind weitestgehend erhalten. Die anderen zugehörigen Fragmente sind unpubliziert. Das vorliegende Fragment zeigt eine Textkolumne mit 20 Textzeilen, von denen jedesmal der Anfang oder die vordere Hälfte fehlt (Länge der Lücken unbestimmbar). Der Papyrus ist links entlang der Zeilenenden abgebrochen, an der Stelle, an der das nächste Papyrusblatt angeklebt war. Am linken Rand unterhalb der Mitte sind die Reste einer weiteren Textkolumne noch gerade erkennbar. Die Rückseite des Papyrus ist unbeschriftet.

Schrift
Hieratisch

Der Text ist in klarer und sauberer Schrift geschrieben. G. Burkard und H.-W. Fischer-Elfert charakterisieren das Schriftbild zudem als "ausgeglichen" (Burkard – Fischer-Elfert 1994, 220, Kat.-Nr. 328). Der Text ist in schwarzer Tinte verfasst, Rubra werden für Überschriften und Quantenangaben, einmal auch für einen Gedankenübergang verwendet. Der Schreiber hat einige Ligaturen benutzt (Verhoeven-van Elsbergen 2001, 278–279). Zeile 16 ist nicht bis zum Ende vollgeschrieben, so dass mit Zeile 17 vielleicht ein Abschnittswechsel stattfindet.

Sprache
Mittelägyptisch

Klassisches Mittelägyptisch mit einigen jüngeren Orthographien des 1. Jahrtausends (Westendorf 1974, 248–249).

Bearbeitungsgeschichte

Im Rahmen seiner Untersuchung zur hieratischen Paläographie untersuchte G. Möller den Papyrus erstmals im Jahre 1912 (Möller 1912, 3, Anm. 3; 63). H.O. Lange publizierte eine Titelzeile (Zl. x+1.14) in einer kurzen Notiz (Lange 1929). Nach dem Zweiten Weltkrieg galt der Papyrus als verschollen und wurde erst in den 1970er Jahren von U. Luft im Archiv des (Ostdeutschen) Berliner Museums wiederentdeckt. Einen ersten Arbeitsbericht publizierte W. Westendorf in der Festschrift des Berliner Museums im Jahre 1974 mit einer Transliteration und deutscher Übersetzung. Darin befindet sich folgende Ankündigung: "Die Veröffentlichung eines der Fragmente ist als eine Art Vorbericht zu verstehen. Die umfassende Bearbeitung und Veröffentlichung des ganzen Fundes in den "Forschungen und Berichten" werden gemeinsam mit Herrn Luft erfolgen, der die Fragmente entdeckte und die Umschriftskizze (Abb. 1) anfertigte." (Westendorf 1974, 247). Eine französische Übersetzung findet sich bei Th. Bardinet (1995, 461–463), eine neuere deutsche Übersetzung bei Westendorf (1999, 179, 181–184 und 409). G. Vittmann lieferte die erste englische Übersetzung (in: Porten 1996, 71–73). Vittmann (1996) und Westendorf (1999) erkennen 19 Rezepten in dem publizierten Fragment, Bardinet hat 20 Texteinheiten (Rezept 2 von Westendorf wird von Vittmann und Bardinet in 2 aufgeteilt; Rezept 4 von Vittmann wird durch Westendorf und Bardinet in 2 aufgeteilt).

Editionen

- Westendorf 1974: W. Westendorf, Papyrus Berlin 10456. Ein Fragment des wiederentdeckten medizinischen Papyrus Rubensohn, in: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung (Ost-Berlin) (Hrsg.), Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Berliner Ägyptischen Museums, Mitteilungen aus der Ägyptischen Sammlung 8 (Berlin 1974), 247–254 und Taf. 33.

Literatur zu den Metadaten

- Bardinet 1995: T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique. Traduction intégrale et commentaire (Paris 1995), 461–463.

- Burkard – Fischer-Elfert 1994: G. Burkard – H.-W. Fischer-Elfert, Ägyptische Handschriften IV, Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland 19,4 (Stuttgart 1994), 220–221 (Kat.-Nr. 328).

- Honroth – Rubensohn – Zucker 1909: W. Honroth – O. Rubensohn – F. Zucker, Bericht über die Ausgrabungen auf Elephantine in den Jahren 1906–1908, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 46, 1909, 14–61.

- Lange 1929: H.O. Lange, Husten und Heiserkeit in der ägyptischen Medizin, in: Orientalistische Literaturzeitung 32, 1929, 725–726.

- Möller 1912: G. Möller, Hieratische Paläographie. Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit. III. Von der zweiundzwanzigsten Dynastie bis zum dritten Jahrhundert nach Chr. (Leipzig 1912), 3 (Anm. 3), 63 (Nr. 667–678 und 708–713).

- Rubensohn – Schubart – Spiegelberg 1907: O. Rubensohn – W. Schubart – W. Spiegelberg, Elephantine-Papyri, Ägyptische Urkunden aus den Königlichen Museen in Berlin. Griechische Urkunden. Sonderheft (Berlin 1907), 4.

- Verhoeven-van Elsbergen 2001: U. Verhoeven-van Elsbergen, Untersuchungen zur späthieratischen Buchschrift, Orientalia Lovaniensia Analecta 99 (Leuven 2001), 278–279.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 50–51, 78, 179, 181–184, 409.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils
Bearbeitungsdatum
02.08.2018

Übersetzung und Kommentar

[Westendorf 1; Bardinet 1; Vittmann 1]

[x+1.1] ... ... ...;] süßes Bier, 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja); [..., ... Dja.]
(Es) werde gekocht; (es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken an 4 Tagen.
Falls er sich dadurch nicht besser fühlt, dann musst du daraufhin für ihn machen/zubereiten [... ... ...
Du sollst nicht geben/zulassen, dass zahlreich [... (oder: Du sollst nicht zu häufig (?) geben/verabreichen [...)
Was dieses Rezept/Heilmittel angeht, es ist nicht von Vorteil (wörtl.: keine nützliche Sache), Fettes zu geben/verabreichen [...

[Westendorf 2; Bardinet 2; Vittmann 2]

...] sein Husten1;2 bei seinem Kommen2 gibt es A[uswür]fe (?)3 von Erbrechen.
... Es]sen in [seiner] Kehle [... ... ...

1 sry.t: Wb IV, 192.19 ist sich der Deutung dieser Krankheit noch nicht sicher: "ob Husten?" und hat in DZA 29.389.370 "Erbrechen o.ä. als Krankheit" vermerkt (vgl. DZA 29.389.390: "Erbrechen"). Stern, im Glossar zum pEbers, 41 übersetzt mit (lat.) "nausea", d.h. "Übelkeit"; Brugsch, Wb. 4, 1264 hat "Ueberladung, Unverdaulichkeit" des Magens. (Das Determinativ des Mannes mit Hand am Mund bzw. des spuckenden Mundes passt laut Brugsch zu etwas Flüssigem.) Ebbell, in: ZÄS 59, 1924, 144–147 führt 4 Argumente an, weshalb sry.t in den medizinischen pEbers und pBerlin "Husten" sein kann: die Determinative; die Behandlung mit Inhalation; Honig als Heilmittel; ein Rezept mit Honig, das einem Rezept gegen Husten bei Dioskorides ähnelt. Blackman, in: JEA 13, 1927, 187–188 akzeptiert die Hypothese von Ebbell und verwendet sie, um die Stelle nn kḥkḥ.t n.t sry.t in pWestcar 7.19 zu erklären: "without repeated hawking of the cough", d.h. "without bouts of coughing". Ihr wird ebenso in MedWb II, 773–775 gefolgt. Weitere wichtige Hinweise für die Bedeutung "Husten" liefert pBerlin P 10456, auf den schon Lange, in: OLZ 32, 1929, 725–726 hingewiesen hat (von MedWb übersehen). Er zitiert aus pBerlin P 10456 die Passage, in der ein Mann mit der sry.t-Krankheit eine heisere Stimme hat (jw ḫrw=f ḥnr). Dieser Papyrus zeigt außerdem den Zusammenhang zwischen sry.t und der Brust (šnb.t) sowie der Lunge (zmꜣ). Bardinet, Papyrus médicaux, 177 und 214–215 übersetzt sry.t mit "sécrétion-seryt". Für ihn ist sry.t also nicht der Husten an sich, sondern die Ursache für den "Husten", der seiner Meinung nach mit "soubresauts dus aux sécrétions-seryt" (d.h. äg. fꜣi̯.t n.t sry.t umschrieben wird.
2 sr(y).t=f und jy=f: Das erste Suffixpronomen dürfte sich auf den (männlichen) Patienten beziehen: "sein Husten" = "das Husten des Patienten". Bei jy=f ist das weniger eindeutig. Eventuell gehört es zu : "das Erbrechen": "[Auswü]rfe (?) von Erbrechen, wenn letzteres ankommt/einsetzt/erfolgt".
3 wnn j[_]ꜣ oder m nnj[_]ꜣ: Wegen einer Lücke ist die Stelle schwer leserlich. Es gibt zwei Möglichkeiten. Westendorf, Papyrus Berlin 10456, 251 übersetzt "sein Husten, der sich befindet [...] Auswürfe (?) von Erbrechen" (d.h. wnn und j[__]ꜣ oder [_]ꜣ; eine Präposition müsste hinter wnn ergänzt werden), aber auf S. 252, Anm. d erwägt er auch "sein Husten, verbunden mit Auswürfen von Erbrechen" (d.h. sr.t=f m nnj[_]ꜣ n.w). Das Determinativ des spuckenden Mundes nach der Lücke in Kombination mit dem Substantiv bšw: "Erbrechen; Erbrochenes" führt zur Ansetzung der Bedeutung "Auswurf" für das Lemma j[__]ꜣ oder nnj[_]ꜣ. Vittmann, 72 übernimmt die Lesung mit wnn: "his cough which is [...] [expect]orations(?) of vomit". Westendorf, Handbuch Medizin, 182 verzichtet auf eine Übersetzung: "...] sein Husten [...] Auswürfe (?) von Erbrechen". Bardinet, Papyrus médicaux, 462 liest, seiner Übersetzung nach zu urteilen, ebenfalls wnn, aber seine Übersetzung ist unmöglich: "[Remède pour chasser] ses sécrétions-seryt qui, quand elles viennent (= lors de la toux), sont accompagnées de [...] (et) de vomissements [...]". Für "sont accompagnées de" bräuchte man wnn + (erhaltene) Präposition; "(et)" ist nicht mit dem Genitiv n.w vereinbar und "quand elles viennent" setzt jy=s (Pronomen Feminin zu sry.t) und nicht jy=f voraus.

[Westendorf 2; Bardinet 3; Vittmann 3]

...] Sammelhandschrift/Rezeptsammlung des Arztes:
Emmermehl, 1/4 (Dja); Gerstenmehl, 1/4 (Dja); Dattelmehl, 1/8 (Dja); gngn.t-Pflanze1, 1/8 (Dja); Gänsefett2, 1/2 (Dja) (wörtl.: die Hälfte von 1/64 Oipe) [x+1.5] [... ... ...

1 gngn.t: vgl. kopt. ϭⲓⲛϭⲓⲛ, das griech εὔζωμον und arab. ǧirǧīr entspricht.
2 ⸮mrḥ.t? ⸮ꜣpd?: Die Lesung des Vogels ist unsicher, eventuell ist es ein Wort für "Gans". Statt mrḥ.t könnte auch ꜥḏ: "Fett" zu lesen sein (DrogWb 114, Nr. C.I); Westendorf, Papyrus Berlin 10456, 251 liest mrḥ.t (DrogWb 251 listet nur bei mrḥ.t (späte) abgekürzte Schreibungen mit dem Topf auf).

[Westendorf 3; Bardinet 4; Vittmann 4]

Rezept für ... einen, der leidet unter Wä]rme (?)1:
gngn.t-Pflanze, 1/8 (Dja); Emmermehl, 1/4 (Dja); Dattelmehl, 1/4 (Dja); Gerstenmehl, 1/8 (Dja); Gummiharz, 1/4 (Dja); [... ... ...]
(Es) werde gekocht; (es) werde über Nacht dem Tau ausgesetzt.
2/642 (Oipe = 2 Dja) werden davon (ab)genommen.
gngn.t-Pflanze, 1/8 (Dja), werde dazu gegeben;
Gänsefett, 1/8 (Dja); Honig, 1/8 (Dja);
(es) werde gefiltert/durchgeseiht; [(es) werde ...

1 tꜣw: Ergänzung nach Westendorf, Papyrus Berlin 10456, 252, Anm. (g), der auf ein Hustenrezept im pBerlin P 3038, Kol. 4.3–4 (Bln 42) verweist: jri̯.t n z z.t n.tj ẖr.j tꜣw ⟨m⟩ ⸮ẖ.t?=st: "(es) werde gemacht für den Mann oder die Frau, die an tꜣw-Hitze ⟨in⟩ ihrem Bauch(?) leidet".
2 1/64 1/64: die Quantenangabe ist unerwartet, denn 1/32 würde hier ausreichen.

[Westendorf 4; Bardinet 5; Vittmann 4]

...] Honig, 1/8 (Dja);
(es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken an 4 Tagen, lauwarm (wörtl.: in den beiden Temperaturen des Fingers)1.

1 m srf.wj n.j ḏbꜥ: Kombination der Formulierungen jm.j-tw srf.wj: "zwischen den beiden (extremen) Temperaturen" und m srf n.j ḏbꜥ: "mit der Temperatur des Fingers" (MedWb II, 779-781).

[Westendorf 6; Bardinet 7; Vittmann 6]

[Buch (?) mit (?)] Rezepten1 zum Vertreiben des Hustens in der Brust.
nḥd.t-Weihrauch/Harz(?)2, 1/8 Dja;
(es) werde fein zerrieben mit süßem Bier, 1/16(?) (Oipe = 4 Dja); [... ... ...

1 pẖr.t: Vor diesem Wort sind Spuren roten Textes vorhanden. Die Spuren passen nicht zu k.t oder n.t, eventuell ist nꜣ möglich, aber dann hätte man ein neuägyptisches Element im Text (vgl. pBrooklyn 47.218.2, Kol. x+V.15: ḥꜣtj-ꜥ m nꜣ šsꜣ.w nꜣ pẖr.wt ... laut Guermeur, in: Gs Yoyotte, 543). Westendorf, Papyrus Berlin 10456, 249, Anm. (k) fragt sich, ob Schleife und Ideogrammstrich, wie in Zl. 4 als Determinativ von dmḏ.t: "Sammelhandschrift" zu lesen sind, aber die Spuren sind doch recht unterschiedlich.
2 nḥtꜣ.tj wird mit nḥḏ oder nḥḏ.t in Verbindung gebracht. Letztere sind Bezeichungen für eine Weihrauch- oder Myrrhenart, denn sie kommen in Weihrauch- und Myrrhenopfergaben vor (Kurth, Edfou VIII, 181 mit Anm. 2 zu E VIII 102.5). Meeks, ALex 79.1597 beschränkt sich auf "un aromate" und verweist auf Germer, Arzneimittelpflanzen, 178–179. Germer, Handbuch Heilpflanzen, 89 ist sich nicht sicher, ob nḥḏ/nḥḏ.t überhaupt ein pflanzliches Produkt ist. Westendorf, Handbuch Medizin, 179, Anm. 169 fragt sich, ob nḥtꜣ.tj eine Verschreibung für nḥḏ.t: "Zahn" sein kann, denn in dem Hustenrezept Eb 316 wird der "Zahn eines Schweines" (nḥḏ.t n.t šꜣj) fein zerrieben.

[Westendorf 7; Bardinet 8; Vittmann 7]

[Rezept zum Vertrei]ben des Hustens der Lunge.
Ocker, 1/32 (Dja); Gummiharz, 1/32 (Dja); Blätter der Dornakazie, 1/32 (Dja); Weihrauchharz, 1/64 (Dja)1; [x+1.10] [... ... ...;] [Honig(?)]2, 1/4 (Dja).
(Es) werde gekocht; (es) werde gegessen an 4 Tagen.

1 snṯr ⸢rʾ-64⸣: Westendorf gibt keine Quantenangabe an, aber rote Spuren sind eindeutig vorhanden. Sie passen am ehesten zu der Zahl 1/64 (wobei "4" unterhalb von "60" in der Lücke verschwunden ist).
2 [bj].t: Das Determinativ ist die Ligatur von Schrägstrich und Gefäß oder t und Gefäß (vgl. die Graphie von bj.t in Zl. x+1.13). Eine andere Möglichkeit ist die Ligatur von w und Gefäß (vgl. ꜥḏw in Zl. x+1.15 und jrpw in Zl. x+1.16). Da die Länge der Lücke am Anfang der Zeilen nicht eingegrenzt werden kann, ist es möglich, dass bj.t (?) usw. zu einem anderen Rezept gehörten als den vorangehenden Zutaten.

[Westendorf 8; Bardinet 9; Vittmann 8]

Rezept zum Vertreiben des Hustens.
Mehl von psḏ-Schoten(?)1, 1/8 (Dja);
Datteln, [1/_ (Dja); ... ...;
...], 1/8 (Dja);
Früchte (d.h. Beeren) des Wacholderbaumes2, 1/16 (Dja);
Honig, 1/32 (Dja);
M[ilch]/B[ier] (?)3, 1/16 + 1/64 (Oipe = 5 Dja).
(Es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde [getrunken] an 4 Tagen.

1 psḏ: Das Wortende ist beschädigt, ein Mineralkorn mit drei Pluralstrichen darunter füllt die Lücke nicht aus. Westendorf vermutet, dass hinter der Droge psḏ noch der Zustand oder die Zubereitungsart angegeben war (Papyrus Berlin 10456, 252, Anm. (o)). Die Drogenbezeichnung psḏ wird entweder mit dem Mineralkorn determiniert oder ist undeterminiert. Da ein Pflanzendeterminativ niemals vorkommt, ist die Identifizierung als Pflanze oder pflanzliches Produkt unsicher (Germer, Arzneimittelpflanzen, 271–275), obwohl es meistens als solches eingestuft wird. Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, II, 32 beschränkt sich für die Bedeutung auf "grana quaedam". Brugsch, Wb 6, 487 wiederholt Stern. Ebbell, The Papyrus Ebers, 132 (Index) gibt pśḏ mit "hyoscyamus" wieder, d.h. eine Bilsenkrautart; er hat seine Begründung dafür leider niemals publiziert. Lefebvre, Médecine égyptienne, 154 mit Anm. 5 übersetzt vermutlich in Anlehnung an Ebbell psḏ mit "jusquiame", d.h. "hyoscyamus niger" oder "Schwarzes Bilsenkraut" (für Rezept Eb 222), aber er schreibt, dass die Identifikation "n'est pas absolument sûre". Lefebvre nennt "jusquiame" ein Nachtschattengewächs, dessen Name etymologisch aus dem Griechischen stammt: ὗς (gen. ὑός, Wildschwein; Eber) + κύαμος (Bohne, Vicia Faba), was an die "Saubohne" erinnert. Vermutlich mit dem Begriff "Saubohne" im Hinterkopf gibt Lefebvre für die Verbindung gs.wj n.j psḏ  als Übersetzung "cosses(?) de fèves" (d.h. "Schote der Saubohne") an (Médecine égyptienne, 159 mit Anm. 7). Dawson (in: Barns, Five Ramesseum Papyri, 26, Anm. zu pRamesseum IV, C.9) lehnt die Identifikation als "hyoscaminus/Bilsenkraut" (hyoscyaminus niger = Schwarzes Bilsenkraut) ab, weil psḏ häufig inwendig verabreicht wird und Bilsenkraut ein gefährliches Narcoticum ist. Dawson vermutet wegen der Verbindung gs.wj n.j psḏ, dass es vielleicht eine zweiteilige oder zweihälftige Pflanze ist, aber es könnte auch eine Stufe in der Zubereitung einer Pflanze sein (vielleicht, weil es die Kombinationen psḏ n.j qmy.t: "... von Gummiharz" und psḏ n.j jwry.t: "... von Langbohnen" gibt). DrogWb 205-208 möchte wegen den Quantenangaben in Rezepten doch wieder eine spezielle, spezifische Droge annehmen und keinen Drogenbereitungszustand. Charpentier, Recueil, 304–305, Nr. 476 übernimmt eine Interpretation von Lefebvre: "gousse (de papilionasées)", d.h. "Hülse/Schote (von Schmetterlingsblütlern)" (Schmetterlingsblütler/Faboideae sind eine Unterfamilie der Hülsenfrüchtler/Fabaceae). Westendorf, der zuerst psḏ als "Bilsenkraut?" übersetzte (Papyrus Berlin 10456, 251), widmete 1996 der Droge einen eigenen Aufsatz (in: GM 155, 1996, 109–112). Einen möglichen etymologischen Zusammenhang mit psḏ: "sich entfernen" und das benachbarte Auftreten in Rezepten von psḏ und Namen von Hülsenfrüchten (ḏꜣr.t, tḥwꜣ und jwry.t) führten Westendorf unabhängig von Charpentier zur Bedeutung "Hülle/Schote (...) von Hülsenfrüchten allgemein" (erneut in: Westendorf, Handbuch Medizin, 500). Dabei sind gs.wj in gs.wj n.j psḏ nicht so sehr die beiden Hälften der Schote, als vielmehr "die zwei Teile der Umhüllung von Hülsenfrüchten, einmal die äußere Schote und zweitens die Hülle, die die einzelne Frucht umgibt". Germer, Handbuch Heilpflanzen, 72–73 führt gegen Westendorf an, dass die Identifikation der zusammen mit psḏ auftretenden Pflanzennamen als Hülsenfrüchte sehr unsicher ist, weshalb die ganze Argumentation fraglich wird. Campbell/David (in: Cockitt/David, Pharmacy and Medicine, BARS 2141, 27, fälschlicherweise pšd geschrieben), nehmen die Bilsenkraut-Interpretation mit einer Identifikation von psḏ als "Hyoscyamus muticus", d.h. Ägyptisches Bilsenkraut, wieder auf, aber ohne dies an jener Stelle zu begründen.
2 wꜥn: Wird heute allgemein als "Wacholder" gedeutet. Die früheste Bedeutungsangabe stammt von Chabas, Mélanges III, 2, 292, der meint, dass "ce serait, selon toute probabilité, le caroubier" (d.h. Johannisbrotbaum), weil dieser Baum in pAnastasi IV, 17.3 mit ḏnr, koptisch ϫⲓⲛⲓⲣⲓ "siliques", d.h. "Schote" (S. ϫⲓⲉⲓⲣⲉ), versehen ist (pAnastasi IV hat jedoch ꜥwn.t-Stöcke und nicht wꜥn-Holz und ḏnr wird heute nicht mehr als Vorläufer von ϫⲓⲉⲓⲣⲉ verstanden). Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, II, 55: "n(omen) arboris, cuius fructus medicamen usitatissimum est"; er verweist auf Chabas für die Deutung als "ceratonia siliqua", d.h. Johannisbrotbaum. Brugsch, Wb 5, 305 beschränkt sich auf "eine Baumart". Loret, Flore, 2. Aufl., 41 (Nr. 51) identifiziert wꜥn mit Juniperus phoenicea L., ohne dieses an dieser Stelle zu begründen. Die Erklärung findet sich in Loret, in: Journal Asiatique, 8. Jahrgang, Heft 10, 1887, 121–123. Dort leitet er aus der Formulierung sfj pri̯ m wꜥn im Balsamierungsritual (pBoulaq 3, Kol. III.7) ab, dass wꜥn ein Koniferenbaum sein muss, weil er sfj richtigerweise mit kopt. ⲥⲓϥⲉ, ⲥⲓⲃⲉ: "Harz, Pech, Teer" verbindet. Als Bestätigung für die Koniferen-Hypothese verweist Loret auf semitische Pflanzennamen mit einer scheinbar ähnlichen Bildung wie wꜥn, Var. wꜥr, die ebenfalls Koniferenbäume bezeichnen, aber die Argumentation ist nicht überzeugend, weil die betreffenden Wörter keinen etymologischen Zusammenhang mit wꜥn, Var. wꜥr, haben (kopt. ⲁⲣⲟ (B) ist nicht "cypressus", sondern "cyperus; Zypergras" [Crum, CD, 15a] und nicht mit wꜥn/wꜥr verwandt; arab. ꜥrꜥr ist "Juniperus phoenicea"; hebr. ʾelah ist "Terebinthe"). Weil die prš-Droge mit den Früchten des wꜥn-Baumes im Kyphi-Rezept gleichgestellt wird (E II, 211.10: prš ḏd (r) pr.t wꜥn: Lüchtrath, in: D. Kurth [Hg.], Edfu: Bericht über drei Surveys; Materialien und Studien, Wiesbaden 1999, 126), verbindet Loret äg. prš mit dem hebräischen berōš "Zypresse", einer weiteren Koniferenart, aber auch hier ist der etymologische Zusammenhang mehr als fraglich. Loret meint wꜥn innerhalb der Familie der Koniferen speziell als Juniperus phoenicea L., d.h. den Phönizischen Wacholder, identifizieren zu können, aber er begründet dieses nicht. Er erklärt das bis heute unklare prš (siehe Harris, Minerals, 145-146) als die Beere / den Beerenzapfen des Wacholders, die in den griechischen Kyphi-Rezepten eine von bis zu 16 Zutaten ist (ἀρκευθίς, bacca iuniperi). Er findet eine Bestätigung für die Richtigkeit seiner Deutung in der seiner Meinung nach ähnlichen Verwendung von prš in der ägyptischen Medizin und Wacholderbeeren in der antiken Medizin. Der Hypothese von Loret als Wacholder wird heute weitestgehend gefolgt und ist bislang nicht durch eine Gegenhypothese oder der erweiterten Quellenlage widersprochen worden, im Gegenteil: wꜥn-Holz wird mit ꜥš-Holz und mrw-Holz (beides Koniferenhölzer) aus Palästina angeliefert; die Ernte von wꜥn-Beeren (wḫꜣ pr.t wꜥn) im Ausland ist im Grab von Nianchchum und Chnumhotep dargestellt (Moussa & Altenmüller, Das Grab des Nianchchnum und Chnumhotep, 110–111, Sz. 16.3 und 16.3.3); frische wꜥn-Beeren (wꜥn wꜣḏ) werden in ptolemäischen Texten als Färbemittel genannt (Germer, Textilfärberei, 124). Wb I, 285-286 hat: "ein Nadelholz" und scheint der Deutung von Loret nicht zu folgen. Keimer, Gartenpflanzen, I, 101 (Nr. 29, Anm. 10) nennt wꜥn eine Konifere wegen der Form des Determinativs (Keimer meint wahrscheinlich Sign-List M41). Gardiner, EG, 484 (Sign-List M 41) und 560 übersetzt mit "juniper(?)", ebenso Faulkner, CDME, 57, d.h. sie übernehmen "Wacholder" von Loret, allerdings mit einem Fragezeichen. Chassinat, Mystère d'Osiris identifiziert in seinem postum veröffentlichten Manuskript wꜥn einmal als Juniperus Oxycedrus L. (S. 383), einmal indirekt als Juniperus phoenicea L. (S. 430) und einmal nennt er den Baum als eine nicht eindeutig identifizierte Konifere, laut Loret einen Wacholder (S. 451–452). Meeks, ALex 770868 und ALex 790634 bleibt ebenfalls vorsichtig: "un arbre, peut-être le génévrier". DrogWb 129–132 ("Wacholder") und Charpentier, Recueil, 204–207, Nr. 317 ("genévrier: Juniperus phoenicea L., le κέδρος des Classiques") lassen das Fragezeichen weg. Baum, Arbres et arbustes, 251 schreibt: "très vraisemblablement ... Juniperus phoenicea". Germer, Arzneimittelpflanzen, 20–26 folgt der Identifikation als Wacholder (Juniperus spec.), aber erwägt neben Juniperus phoenicea auch andere Wacholderarten wie Juniperus oxycedrus (Baumwacholder), Juniperus communis (Gemeiner Wacholder) und Juniperus drupaceae (Steinfrüchtiger Wacholder). Germer, Handbuch Heilpflanzen, 50–53 (und 276–278) nennt nur noch den Zederwacholder (Juniperus oxycedrus L.), weil alle in Ägypten archäologisch aufgefundenen und untersuchten Wacholderbeeren nicht Juniperus phoenicea L., sondern Juniperus oxycedrus L. sind (Germer, Flora, 10-12: Untersuchungen von V. Täckholm und G. Schweinfurth). Hannig, HWB, 198 übersetzt wꜥn mit "*Wacholder (Rotfrüchtiger Sadebaum, *Juniperus phoenicea)" und hält somit die Identifikation weiterhin für unsicher (Verwendung des Asterisks!). wꜥn existiert noch im Demotischen als wꜥn, Var. wꜥny, wny (s. Chicago Demotic Dictionary), aber ist koptisch nicht (mehr?) bezeugt (Überlieferungszufall? Das griech. ἀρκευθίς ist laut Auskunft der DDGLC-Datenbank als Lehnwort im Koptischen belegt).
3 j[rṯ.t] oder ḥ[(n)q.t]: Schon Westendorf ergänzt jrṯ.t mit der Graphie mit Ei und t (vgl. jrṯ.t in Zl. 17) und vermerkt, dass der Platz für jrp nicht ausreicht (vgl. jrp in Zl. 16). Die sehr geringen Spuren am Wortende passen zum Gefäß mit diakritischem Punkt. Weil der für j charakteristische Schrägstrich auf der rechten Seite des senkrechten Striches fehlt, könnte auch ḥ[(n)q.t] ergänzt werden (vgl. ḥ(n)q.t nḏm(.t) in Zl. 1 und 18).

[Westendorf 9; Bardinet 10; Vittmann 9]

Ein anderes (Rezept):
(rötliche) prš-Droge von [(dem Ort) Geheset (?)1, ... (Dja); ... ...
(Es) werde ge-...; (es) werde gegessen/getrunken (?)] an 4 [Tagen].

1 prš n.j Gḥs.t: Wird von Westendorf, Papyrus Berlin 10456, 251 mit Anm. (o) aus den beiden teilzerstörten Belegen von Zl. 11–12 aufgrund von Papyrus Jumilhac (III.12 und XXIII.16) ergänzt. Laut einer Legende im Papyrus Jumilhac kommt die Substanz prš in Geheset (Ort im 18. o.äg. Gau: Vandier, Papyrus Jumilhac, 53-54) vor, weil das Blut der Genossen von Seth auf dem Berg von Geheset gefallen ist (wnn snf=sn ḫr(.w) ḥr ḏw pn / ḫp(r) prš m Gḥs.t ḥr=s). Die Anfangsspuren in Zl. 12 würden zu p und r von prš passen. Sonst ist die Verbindung prš n.j Gḥs.t bislang nirgendwo eindeutig belegt.

[Westendorf 10; Bardinet 11; Vittmann 10]

Ein anderes (Rezept) zum Vertreiben des Hustens in/aus der Brust und der Lunge.
[(rötliche) prš-Droge (?)] von (dem Ort) Geheset;
(es) werde fein zerrieben [...

[Westendorf 11; Bardinet 12; Vittmann 11]

[Ein anderes Heilmittel ...] das Herz.
frische Datteln, 1/8 (Dja);
Honig, 1/8 (?) (Dja);
Wasser;
[(Es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken]1 an 4 Tagen.

1 ꜥtḫ zwr: Ergänzungen Westendorf.

[Westendorf 12; Bardinet 13; Vittmann 12]

Ein anderes (Heilmittel):
getrocknete Datteln, 1/8 (Dja);
[... ... ...

[Westendorf 13; Bardinet 14; Vittmann 13]

[Reze]pt eines Mannes mit Hustenleiden, dessen (wörtl.: indem seine) Stimme heiser (?)1 ist.
Datteln, 1/32 (Dja);
šnf.t-Droge2, [x+1.15] [... (Dja); ...
...] Fett, wie wenn sie (d.h. die Rezeptzutaten?) frisch sind.
(Es) werde (heraus- / vom Feuer) genommen; eines davon werde lauwarm zerkaut.

1 ḥnr: Westendorf verweist auf kopt. ϩⲱⲗ "heiser sein", das auf ḫnr: "heiser sein" zurückgeht (Hoch, Semitic Words, 245, Nr. 338), und er fragt sich, ob der Übergang von  zu , der im römerzeitlichen Demotisch belegt ist, schon hier vorliegt (ebenso Westendorf, KHWB, 364; Meeks, ALex 77.2753). Ansonsten wäre ḥnr eine Neuägyptische Schreibung der Wunschpartikel ḥꜣ und die Übersetzung würde lauten: "wobei seine Stimme 'Wenn doch!' ist", d.h. "wobei seine Stimme mangelhaft ist / versagt hat".
2 šnf.t: unbekannte Droge, die meistens mit einem Mineralkorn, einmal mit einem Gefäß und einmal mit einem länglichen Brot (?) determiniert wird. Wb IV, 514–515 gibt zwei Verwendungskontexte an: offizinell verwendet (zwischen Früchten und Pflanzen genannt) und als Opferspeise (Kuchen o.ä.). Ebbell, Papyrus Ebers, 133 übersetzt šnf.t mit Fragezeichen (!) mit der unidentifizierten antiken Heilpflanze "silphium?", ohne dies zu begründen. Laut DrogWb 498–499 ist die unbekannte Droge vermutlich pflanzlich und kann die Flüssigkeitsbasis von Rezepten bilden, ist daher wohl flüssig (vgl. MedWb 862, Anm. 1: wahrscheinlich eine Flüssigkeit). Das übliche Determinativ des Mineralkorns passt allerdings nicht gut zu einer Flüssigkeit. Germer, Arzneimittelpflanzen, 328–330 nennt šnf.t eine unbekannte Droge, verwendet bei der Behandlung des Bauches und bei Wurmerkrankungen; vgl. Germer, Handbuch, 134–135 (unbekanntes Produkt, vielleicht nicht einmal pflanzlich; innerlich und äußerlich angewendet; Deutung als Silphium ist zu verwerfen). Edel, Die Felsengräber der Qubbet el Hawa. II. Abteilung. Die althieratischen Topfaufschriften. Bd. 1, 2. Teil (Text), Wiesbaden 1970, 19, 20 und 25 (Nr. 18) vermerkt, dass šnf.t als Aufschrift auf 4 Töpfen für Früchte steht, daher eine Art Frucht (auch Kornfrucht) sein kann; eventuell auch den Name eines Kuchens aus šnf.t-Früchten (wegen eines Belegs mit Brotdeterminativ) oder vielleicht eine längliche Frucht (dann nicht Brotdeterminativ, sondern Det. einer länglichen Frucht). Hannig, HWB, 897: "e. Frucht od. Kornfrucht" (geht wohl auf Edel zurück).

[Westendorf 14; Bardinet 15; Vittmann 14]

[Rezept zum] Vertreiben ⟨des Hustens aus (?)⟩ der Lunge.
Wein, 1/2 (Dja) (wörtl.: die Hälfte von 1/64 Oipe);
unterägyptisches Salz, 1/64 (Dja).
(Es) werde getrunken am Morgen; (es) werde erbrochen zur Mittagszeit.

[Westendorf 15; Bardinet 16; Vittmann 15]

[Rezept für ... ... ...] vom Fleisch des Rindes, genauer (vom) Gekröse (des Rindes).
Dann muss er, (d.h.) der unter Hitze ist/leidet, daraufhin davon trinken.

[Westendorf 16; Bardinet 17; Vittmann 16]

Ein anderes (Rezept).
Milch, 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja); krkr-[Pflanze1, ... (Dja); ... ... ...];
[___], 1/64 (Dja);
Kreuzkümmel, 1/64 (Dja);
Gänsefett, 1/8 (Dja);
süßes Bier, 1/16+1/64 (Oipe = 5 Dja);
Honig, 1/16 (Dja);
(Es) werde gekocht; (es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken an 4 Tagen.

1 krkr: Entweder die unidentifizierte Droge krk (mit Mineralkorn als Determinativ) (Wb V, 136.4; DrogWb 529–530: nur in H 61; Harris, Minerals, 215; Charpentier, Recueil, Nr. 1265) oder die unidentifizierte Pflanze ktkt/krkr (Wb V, 146.12; DrogWb 531: nur in Eb 585; Charpentier, Recueil, Nr. 1266).

[Westendorf 17; Bardinet 18; Vittmann 17]

Ein anderes (Rezept):
Ocker, 1/641 (Dja);
[... ... ...]
(Es) werde gefiltert/durchgeseiht; (es) werde getrunken an 4 Tagen.

1 stj rʾ-64: Westendorf, 1974, 250–251 liest 1/32, aber die Spuren passen, dem Farbphoto im Internet nach zu urteilen, eindeutig besser zu 1/64.

[Westendorf 18; Bardinet 19; Vittmann 18]

Ein anderes (Rezept).
nstj-Pflanze1, 1/8 (Dja);
Weihrauchharz, 1/64 (Dja);
Kreuzkümmel, 1/64 (Dja);
Feigen, 1/8 (Dja);
jšd-Frucht2 [... ... ...
[Honig(?)3], 1/8 (Dja).
(Es) werde fein zerrieben; (es) werde damit verbunden/bandagiert.

1 ns.tjw: Es gibt zwei Drogen mit dem Namen ns.ty (Wb II, 324.6–7) bzw. ns.tjw (Wb II, 324.3–5). Die eine wird mit dem Kornmaß (Sign-List U9) determiniert, die andere mit dem Pflanzendeterminativ (Sign-List M2). ns.ty (mit Kornmaß) wird medizinisch in einem Einnehmemittel gegen den Eingeweidewurm (Eb 76 = Kol. 22.8) sowie als Teil der bšꜣ-Körnerfrucht in Verbänden verwendet (DrogWb 315), ns.tjw in Salbmitteln gegen eine Hautkrankheit (DrogWb 316). Trotz des Pflanzendeterminativs in pBerlin 10456, Zl. 19 nimmt Westendorf (Papyrus Berlin 10456, 251) das in diesem Rezept verwendete ns.tj bei ns.ty mit dem Kornmaß auf und übersetzt als "ns.tj-Körnerfrucht" bzw. später als "Keimlinge ? (vom Getreidemalz)" (Westendorf, Handbuch Medizin, 409). Sofern die Behandlungsmethode in Zl. 20 noch zu diesem Rezept gehört, wird das Heilmittel äußerlich in einem Verband angewendet; dann könnten sowohl die ns.ty-Keimlinge(?) als auch die ns.tjw-Pflanze gemeint sein.
Loret, in: Kêmi 3, 1930–1935, 27 betrachtet ns.ty nicht als einen eigenen Pflanzennamen, sondern wegen der Wortverbindung ns.ty n.j bšꜣ als "une partie de l'espèce d'Orge nommée bšꜣ". Ebbell, Papyrus Ebers, 132 übersetzt ns.ty mit "Stärke (?)" (mit Fragezeichen!: "starch?"), ohne dies weiter zu begründen. Faltings, in: GM 148, 1995, 42 mit Anm. 40 lehnt die Übersetzung "Stärke" ab und schlägt hingegen "Keimlinge" vor, weil "Stärke" in einem Wurmmedikament (d.h. Eb 76) keinen Sinn ergibt, wohingegen "Keimlinge" von Getreide sehr viel Fett enthalten, das in großen Mengen eingenommen abführend wirkt. Sie ermittelt bzw. bestätigt für bšꜣ auch die Bedeutung "Malz" (S. 35–41). Westendorf, Handbuch Medizin, 409 und 501 übernimmt die Bedeutung "Keimlinge ? (vom Getreidemalz)" (mit einem Fragezeichen). Hannig, HWB, 458 hat "*Keim (aus Pflanze)" und "*Keim des Bescha-Korns" (Asterisk = unsicher).
Die Pflanze ns.tjw wird in Wb II, 324.3–4 umschrieben als "Art Pflanze, deren Wurzel rot färbt; als Bestandteil von Salben" und ist laut Wb II, 324.5 auch die Wappenpflanze Oberägyptens. Wilson, Ptol. Lex., 548 zweifelt an, dass die färbende Pflanze und die Wappenpflanze identisch sind. Die Wurzel (wꜣb) der nstj-Pflanze färbt rot (sdšr) laut einem Salbenrezept (E II, 227.10 und 227.16 = Brugsch & Dümichen, Recueil de Monuments, IV = Dümichen, Geographische Denkmäler, II, Tf. 90, Zl. 6 und 9). Loret, Flore, 2. Aufl., 66, Nr. 108 verwendete diese Textstelle, um in der Pflanze ns/nstj die Pflanze Carthamus tinctorius L. (Färberdistel, Saflor) zu erkennen, die seiner Meinung nach in chemischen Analysen von roten Stoffen nachgewiesen ist. Dabei spricht Loret von den Blüten der ns/nstj-Pflanze, die zum Rotfärben von Stoffen verwendet wurden. Er kannte wohl noch nicht die Bedeutung von wꜣb als Wurzel. Heute wird äg. kṯ/kꜣṯ, dem. gḏ, kopt. ϭⲟⲩϫ (S), ϫⲟⲩϫ (B) mit Carthamus tinctorius identifiziert (Keimer, Gartenpflanzen, 127; Charpentier, Recueil, 758-759, Nr. 1276; Germer, Handbuch Heilpflanzen, 219-220). Ebbell, in: ZÄS 64, 1929, 51 lehnt die Interpretation von Loret als "Färberdistel" wegen wꜣb: "Wurzel" ab und sucht nach einer Pflanze, deren Wurzel einen roten Farbstoff enthält. Er "habe dahin geraten, daß es möglicherweise Alkanna tinctoria Tausch. sein könnte", d.h. Schminkwurz, eng. alkanet, franz. orcanette. Eine Bestätigung findet er bei Dioskurides, der für ἄγχουσα die Verwendung durch Salbenhändler und in der Medizin in einem Umschlag beschreibt sowie βουινεσαθ als ein ausländisches Synonym für ἄγχουσα nennt, in dem Ebbell wꜣb nstj erkennt. Die Wurzel der ns.tj-Pflanze vermutet Ebbell daraufhin mit radix alkannae, roter Schlangenwurzel gleichstellen zu dürfen. Germer, Flora, 162 hält die Vermutung von Ebbell für gut passend, vermerkt aber, dass weitere unidentifizierte Drogen zum Rotfärben (z.B. die dšr-Pflanze) verwendet werden und ebenfalls für den Schminkwurz in Betracht kommen. Vgl. Charpentier, Recueil, 412-413, Nr. 651 (Alkanna tinctoria Tausch.: orcanette); Hannig, HWB, 458: "*rote Schlangenwurzel, Schminkwurz (Alkanna tinctoria Tausch., e. Pflanze, deren Wurzel rot färbt)" (mit Asterisk = unsicher). Heute wird statt Alkanna tinctoria Tausch. der Name Alkanna lehmannii Tineo verwendet (diese Bezeichnung daher bei Germer, Handbuch Arzneimittelpflanzen, 89, 186–187: "Möglicherweise bezeichnet nstjw den Schminkwurz"). Die ns.tjw-Pflanze ist möglicherweise in einem beschädigten demotischen Ostrakon nachgewiesen, das vielleicht als eine Quittung für eine Farbsteuer zu deuten ist (Mattha, Demotic Ostraka, Nr. 111, Zl. 4: nsṱ mit Pflanzen- oder Holzdeterminativ).
2 jšd: Lies entweder die jšd-Frucht mit unklarem Determinativ hinter dem Mineralkorn oder jšd(.t) ⸮⸢n.t⸣? [...]$: "Frucht des [...-Baumes]".
3 [bj.t]: Erkennbar ist der Topf als Determativ in einer Ligatur mit w (vgl. die Graphie von ꜥḏw in Zl. 15 und jrpw in Zl. 16) oder Schrägstrich (vgl. die Graphie von bj.t in Zl. 7). Die nachfolgende Quantenangabe rʾ-8 ist in diesem Text bei bj.t belegt.

[Westendorf 19; Bardinet 20; Vittmann 19]

Ein anderes (Rezept).
Grütze/Schrot1 von Emmergetreide, 1/8 (Dja);
gjw-Pflanze2 (ein Zyperngras), 1/8 (Dja); [x+2.1] [... ... ...

1 bjꜣ: Ist ein grob zerstampfter oder zermahlener Zustand des Getreides, wie aus den Parallelen Eb 268 = Bln 185 hervorgeht: bj n.j sw.t in Bln 185 entspricht sw.t sḥm.t(j): "zerstampftes Emmergetreide" in Eb 268; in H 25 (d.h. pHearst, Fall 25) steht außerdem sw.t jri̯.w m bj: "Emmergetreide, werde zu bj gemacht". Wb I, 432.10–11 umschreibt: "Art Zubereitung des Getreides (Graupen o.ä.?)". Gardiner, AEO I, 15 hat: "may well, as Wb. I, 432, 10, 11 supposes, be a kind of coarse meal or 'groats'" (d.h. Schrotmehl oder 'Grütze'). DrogWb 154–155, das die oben aufgelisteten Argumente anführt, übersetzt mit "Grütze". Die modernen Begriffe für den Zerkleinerungsgrad von Getreideteilchen gehen von "Graupe" über "Grütze" zu "Grieß". Graupen sind außerdem poliert und rund geschliffen, Grütze ist kantig; beide werden mit unterschiedlichen Geräten hergestellt. Deshalb ist die Übersetzung "Graupen" wohl nicht zutreffend (Junker, in: ZÄS 75, 1939, 67 übersetzt sw.t n.j bj gemäß Wb I, 432.10 als "Weizengraupen"). Inwiefern die Getreidekörner nach dem Zerstampfen auch gemahlen wurden, ist unklar (vgl. DrogWb 154: "Es muss etwa dem grob zermahlenen Zustand des Getreides entsprechen"; Hannig, HWB, 260: "*Grütze (grob gemahlenes Getreide)"). Statt "Grütze" käme vielleicht auch "Schrot" als Übersetzung in Betracht.
2 gjw/gyw/gꜣy/gꜣyw: Brugsch, Wb 4, 1507 (von 1868) hat gjw zuerst aufgrund des großen Berliner medizinischen Papyrus mit kopt. ϭⲏ, malum cydonium, d.h. Quitte, (Crum, CD, 803a) verglichen, aber wegen weiteren Textstellen in Edfu müsste es "eine wohlriechendes Oel enthaltende Pflanze" sein und "vielleicht daher kopt. ⲕⲓⲱⲟⲩ amaranthus". Dem Zusammenhang mit ⲕⲓⲱⲟⲩ wird bis heute gefolgt, aber die Bedeutung von ⲕⲓⲱⲟⲩ ist eine andere. Stern, im Index zu Ebers, Papyros Ebers, II, 19 (1875) verbindet ḳauʾ, ḳuʾ ebenfalls mit koptisch ⲕⲓⲱⲟⲩ "herba odorifera, ὁ κύπειρος". Diese Gleichstellung von ⲕⲓⲱⲟⲩ und κύπειρος beruht auf der Pariser Scala 44, fol. 82 vso, 49–51, in der kopt. ⲕⲓⲱⲟⲩ in der griech. Spalte ⲕⲉⲃⲟⲛ (~ κηπος? oder κυπ⟨ερ⟩ων?) und in der arab. Spalte miṯla "idem" entspricht, aber unmittelbar über ⲕⲉⲃⲟⲛ in der griech. Spalte befinden sich ⲕⲩⲡⲉⲣⲏⲥ/κυπερης und ⲕⲩⲡⲉⲣⲱⲛ/κυπερων mit den arab. Entsprechungen dasam/dasim: "Fett" und miṯla: "idem" (Munier, La scala copte 44, BdEC 2, 1930, 167; A.F. Khouzam, La langue égyptienne au moyen âge, IIa, 2006, 145; Crum, CD, 129b, am Ende) ("Fett" erklärt sich dadurch, dass ⲕⲓⲱⲟⲩ der Qualitativ von ⲕⲛⲛⲉ ist: Crum, CD, 111b). Lieblein, in: ZÄS 18, 1880, 128 akzeptiert die Identifikation von Stern; er findet außerdem Parallelen zwischen den in pEbers genannten gyw-Arten gjw n ḥsp, gjw n sḫ.t und gjw n wḏb und den durch Dioskorides beschriebenen Landschaften, in denen Cyperus wächst, sowie in der Anwendung von gyw in Rezepten im Zusammenhang mit Urin in pEbers 50.17 (= Eb 283) und bei Disokorides; außerdem führt er an, dass gjw n wḥꜣ.t im ägyptischen Kyphi-Rezept (E II, 211.11-12) erscheint und κύπερος eine der Zutaten im griechischen Kyphi-Rezept ist. Brugsch, Wb 7, 1289 (von 1882) bleibt bei der koptischen Entsprechung ⲕⲓⲱⲟⲩ, aber korrigiert die Bedeutung zu "Cyperus". Auch Loret, in: Journal Asiatique, 8. Jg., 10, 1887, 126 geht von der Gleichstellung von gꜣy.wj n.j wḥꜣ.t im Kyphi-Rezept mit ⲓⲱⲟⲩ und daher mit "Cyperus" aus, wobei er eine Bestätigung in der Tatsache findet, dass die am meisten geschätzte Cyperus-Art in der Parfümherstellung die der Ammonsoase sei. Für ihn bezeichnet gjw sowohl den aromatischen Cyperus longus L. als auch den essbaren Cyperus esculentus L. Loret hat 1887 eine größere Studie zur gjw-Pflanze angekündigt, aber Loret, Flore, 2. Aufl., 26–27, Nr. 25–26 ist kurz und ohne Begründung: das hieroglyphische gjw/gꜣj.wj sei sowohl Cyperus rotundus L. (also nicht länger Cyperus longus L.) als auch Cyperus esculentus L., das Rhizom von Cyperus rotundus heiße šbn (die Quelle ist das Kyphi-Rezept E II, 203.10 [šbn] vs. E II, 211.11–12 [gjw n wḥꜣ.t]) und das Rhizom von Cyperus esculentus wird in den koptischen Scalae ⲃⲓⲕⲭⲓ, ⲃⲩⲕⲕⲓ genannt (Crum, CD, 31a: arab. suqqiyaṭ; ḥabb al azīz, cyperus esculentus), das Loret mit bkꜣ.t (n.t sw.t) (?) [Wb I, 481.15] oder bkj [Wb I, 482.4-5] verbindet. Wb V, 157-158 beschränkt sich auf "eine wohlriechende Pflanze". Lefebvre, Médecine égyptienne, 82 nimmt nur zögerlich die Identifizierung von Loret an: "souchet odorant – Cyperus rotundus L. – si tel est, du moins, comme l'a jadis proposé Loret, le sens du mot 'giou'". DrogWb 534–537 hat "Zyperngras" und verweist auf Loret, Flore. "Souchet", d.h. Zyperngras, findet sich ebenso bei Jonckheere, Le papyrus Chester Beatty, 18–19, Anm. 5 und bei Charpentier, Recueil, 764–765, Nr. 1285: "souchet odorant, Cyperus esculentus L.". Keimer, Gartenpflanzen II (1924, aber gedruckt 1984), 67–71, setzt sich mit den Argumenten von Loret auseinander und kommt zu dem Schluss, dass gjw tatsächlich Cyperus esculentus oder dessen Rhizome, die Erdmandeln, bezeichnet. Germer, Arzneimittelpflanzen, 1979, 203–209 zweifelt die Identifizierung von Loret mit mehreren Argumenten an (für Cyperus esculentes, d.h. Erdmandel gibt es schon die Bezeichnung wꜥḥ; das Pflanzendeterminativ statt des Mineralkorns spricht dafür, dass die Pflanze selbst und nicht nur die kleinen Knollen verwendet werden; gjw wird im großen Papyrus Harris I in "Händen, Handvoll" (ḏr.t), d.h. Bündeln, gezählt (pHarris I, Kol. 40a.6 und 56a.4), was aber für Erdmandeln zur Folge hätte, dass die Knollen abfallen würden; gjw in der Salben- und Kyphibereitung weist auf eine aromatische Pflanze hin), liefert aber keinen Alternativvorschlag. Germer, Flora, 245–248 listet bei Cyperus esculentus L., Erdmandel, nur das äg. Wort wꜥḥ auf, bei Cyperus rotundus L., Nussgras, erwähnt sie gꜣjw nach Loret. Germer, Handbuch Heilpflanzen, 146–148, 249 und 251–252 meint, dass die heutige Verwendung von Nussgras gut zur Verwendung von gjw passen würde, nur dass die Anlieferung von Nussgras in "Händenvoll" unerwartet ist, weshalb sie die Idenfizierung von gjw mit Nussgras für unsicher hält. Lüchtrath (in: Kurth, Edfu: Bericht über drei Surveys, 132–133) nimmt wegen der Existenz von wꜥḥ als Erdmandel für gjw nur die Deutung als duftende Knolle von Nussgras oder eventuell Cyperus longus L. (wegen der Bündelung in Handvoll in pHarris I) an. Vgl. Hannig, HWB, 966: "e. Pflanze (*Nussgras, Cyperus rotundus)". Grandet, Le Papyrus Harris I, Bd. II, 152, Anm. 614 nennt gꜣj die Pflanze "souchet odorant, Cyperus esculentus L.", deren Rhizom wꜥḥ "Erdmandel" heißt. Im zweisprachigen Zweiten Papyrus Rhind ist eine Matte aus frischen ḳe-Pflanzen geflochten, was zur Identifikation als ein Zyperngras passen würde, aber vgl. die qꜣꜣ-Pflanze (Wilson, Ptol. Lex., 1045); die hieratische Entsprechung für demotisches ḳe ist die šw-Pflanze (Möller, Die beiden Totenpapyrus Rhind, 1913, 56, Kol. III.2; 57*, Nr. 390).

#winzige Spuren von Text am Anfang von x+2.12/13 und x+2.13/14#