science in ancient egypt

 

Metadaten

Bezeichnung
M23C, Sarg eines Unbekannten
Weitere Bezeichnungen
CG 28076
Aufbewahrungsort
EG, Kairo, Ägyptisches Museum
Erwerbsgeschichte

Die Erwerbungsgeschichte ist unpubliziert und vermutlich auch unbekannt. Das Objekt hat keine Journal d’Entrée-Inventarnummer. Andere von Lacau 1904 publizierten Särge aus Meir und ohne Journal d’Entrée-Nummer stammen aus Grabungen von Daressy und Barsanti in den Jahren 1892–1895. Blackman 1914, 14 nennt noch weitere Anlässe vor 1904, bei denen Särge und Sargfragmente ans Ägyptische Museum (damals noch in Gizeh) geschickt wurden.

Herkunft
Oberägypten, Meir

Der Catalogue général gibt Meir als Provenienz an (Lacau 1904, 168). Genaueres ist nicht bekannt. Auf den Sargfragmenten CG 28076 (Sargtextsigle M23C) wird der Eigentümer nicht genannt, aber Lacau (1904, 168, Anm. 1) hält es wegen der Schriftähnlichkeit für möglich, dass die Fragmente zum Sargbrett CG 28075 des Ḥn-ḥrj-jb (Sargtextsigle M18C) gehören.

Datierung
Mittleres Reich, ca. 1980–1760 v. Chr.

Aufgrund der mutmaßlichen Herkunft und des Vorhandenseins von Sargtextsprüchen ist eine Datierung in das Mittlere Reich sehr wahrscheinlich. Das Material ist schlecht publiziert, typologische Merkmale sind kaum bekannt, was also keine genauere zeitliche Einordnung erlaubt (siehe Willems 1988, 25, 95). Willems datiert die Eigentümer der großen Gräber von Meir zwischen die Regierung von Amenemhet I. und III. (Willems 1988, 87), die in Zusammenhang mit diesen Komplexen beerdigten Särge könnten deshalb aus der 12. oder 13. Dynastie stammen. Lacau 1906, 150 datiert CG 28076 ohne Angabe von Gründen in die 12. Dynastie (1939–1760 v. Chr.), mit der Bemerkung „tout à fait provisoire“.

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Die uns hier interessierenden Schlangenbeschwörungssprüche finden sich auf Furnierfragmenten von Längsseiten (Lesko 1979, 65). Dabei ist Spruch 378 auf Kolumne 92–93 der vorletzte Spruch einer Seite mit 81 Textkolumnen (Kol. 24–105), wobei Kol. 24 die erste und Kol. 105 die letzte Kolumne der Seite ist (siehe Spruch 75: CT I, 333a, 8*; Spruch 930: CT VII, 131r). Das spricht für einen Anbringungsort des Spruchs im Unterschenkelbereich dieser Längsseite. Die Spruche 377, 436a, 435 und 436b stehen nacheinander (Kol. 210–220) auf einem anderen Fragment mit 41 erhaltenen Kolumnen (Kol. 188–229), wobei Kol. 229 die letzte Kolumne der Wand ist (siehe Spruch 931: CT VII, 132e, 3*). Auch hier werden die Schlangensprüche ursprünglich im Unterschenkelbereich der Längsseite gestanden haben.

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf M23C:
Spruch 377: Kol. 210–214 (CT V, 39–40)
Spruch 378: Kol. 92–93 (CT V, 41)
Spruch 435: Kol. 216–218 (CT V, 286)
Spruch 436, Version 1: Kol. 214–216 (CT V, 287–289)
Spruch 436, Version 2: Kol. 218–220 (CT V, 287–289)

Material
Holz
Objekttyp
Sarg
Technische Daten

M23C wird im Catalogue général als Fragmente von „un placage intérieur de sarcophage rectangulaire“ beschrieben. 18 Stücke sind erhalten, die zum größten Teil keine direkten Verbindungen aufweisen, weshalb die Texte schwer zu identifizieren waren. Die Dicke der einzelnen „Furnier“-teile liegt zwischen vier und fünf Millimetern (Lacau 1904, 168). Sie waren einmal mit runden Dübeln an den Sargwänden befestigt. Die Fragmente gehören zu einem Fußende und zu zwei Längsseiten.

Schrift
Kursiv-Hieroglyphisch

Die Beschriftung des Objektes besteht durchgehend aus Kursivhieroglyphen, die von rechts nach links zu lesen sind. Es wurde nur blaue Tinte genutzt, die fast grün geworden ist (Laucau 1904, 168).

Sprache
Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Lacau 1904 hat die Fragmente kurz beschrieben. Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck 1954 unter der Sigle M23C ediert. Lapp 1993 behandelt den Sarg nicht, zweifellos weil ihm keine Daten vorlagen. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert die Schlangensprüche in Strophen und Verse und kommentiert sie.

Editionen

- de Buck 1954: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago/Ill 1954), V 39c–40h (CT 377), V 41c (CT 378), V 286c–g (CT 435), V 287c–289b (CT 436).

Literatur zu den Metadaten

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 320 (CT 377–378), 328 (CT 435–436).

- Blackman 1914: A. M. Blackman, The Rock Tombs of Meir. Part I. The Tomb-Chapel of Ukh-ḥotp’s Son Senbi, Archaeological Survey of Egypt 22 (London 1914).

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 910–911 (CT 377), 912–913 (CT 378), 1050–1051 (CT 435), 1052–1053 (CT 436).

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 11–13 (CT 377–378), 74–75 (CT 435–436).

- Lacau 1904: M. P. Lacau, Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 28001-28086. Sarcophages. Antérieurs au Nouvel Empire. Tome premier (Le Caire 1904), 168.

- Lacau 1906: M. P. Lacau, Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 28087-28126. Sarcophages. Antérieurs au Nouvel Empire. Tome II (Le Caire 1906), 150.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 159–160 (Spruch 6 = 377), 161–163 (Spruch 7 = 378), 167–168 (Spruch 12 = 435) und 168–169 (Spruch 13 = 436) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins (Leiden 1988).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Bearbeitungsdatum
12.08.2020

Übersetzung und Kommentar

CT 377

1. Strophe

[210] [O sšn-Barke, erlöse mich, beschütze mich und umgekehrt!]
[Seksek-Schlange, die in] ihrem Wermutstrauch1 ist, hüte dich vor dem Lauch2!
Osiris [211] [ist es, wenn er um ein Begräbnis bittet!]
[Komm hervor, Feuer, gegen Geb!]

2. Strophe

O der, den die Majestät des Neheb-Kau verbrennt3!
[212] […]
[213] [... der in] seinem Busch [ist], hüte [214] [dich]!

1 Zur Lesung sꜥm vgl. F. Daumas, Remarques sur l’absinthe et le gattilier dans l‘Égypte antique, in: M. Görg – E. Pusch (Hrsg.), Festschrift Elmar Edel. 12. März 1979, Ägypten und Altes Testament 1 (Wiesbaden 1979), S. 70. Es handelt sich vermutlich um den Wermut, der auch in Rezepten gegen Schlangenbisse Verwendung fand: vgl. S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No. 47.218.48 et 85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 79.
2 jꜣq.t ist mit  determiniert, wodurch die Zuweisung zu jꜣq.t "Lauch" sicher ist. Vielleicht soll die Schlange durch den Geruch des Lauchs vertrieben werden.
3 H. Willems, The Coffin of Heqata (Cairo JdE 36418). A Case Study of Egyptian Funerary Culture of the Early Middle Kingdom, Orientalia Lovaniensia Analecta 70 (Leuven 1996), S. 255, gibt ꜣm Nḥb-kꜣ.w mit „brazier of Nehebkau“ wieder. Ich folge jedoch der Übersetzung Carriers (2004).

CT 378

Überschrift

[92] [Den R]erek [abwehren].
Ein Mann soll diesen Spruch [93] [zum Rerek] sagen.

1. Strophe

O Rerek, Beauftragter des Schu, Bote der Bastet!1

1 Diese Stelle wird von den Bearbeitern unterschiedlich wiedergegeben:
- Faulkner 1977, 12: „O snake, the movements of Shu are what Bastet opened up…“ fasst wp.t als substantivierte Relativform in prädikativer Funktion auf.
- Barguet 1986, 320: „O Rerek, d´emarcheur de Chou, messager de Bastet…“.
- Carrier 2004, 913: „Ó serpent-rérek, les mouvements de Chou sont ceux qu’apprécie Bastet“.
Ich folge hier der Übersetzung Barguets und schließe mich damit C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band II. b, Orientalia Lovaniensia Analecta 111 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 363, und C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band VII. š, Orientalia Lovaniensia Analecta 116 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 77, an, die šm.tj šw und wpw.tj bꜣst.t als eigene Einträge führen, freilich unter Hinweis auf die hier vorliegenden Textstellen.

CT 435

1. Strophe

[216] [Nachdem ich] dein [Zittern vertrieben habe], große Ka-Schlange, – [das ist] dein Gift, [217] [das in deinem Kopf ist – wird dein Gifthauch zu deiner Schlachtung werden und umgekehrt.]

2. Strophe

[…]
[218] [Gib mir dieses, das auf deinem Mund ist!]
[Ich bin doch einer von euch hinter dem Maschesed.]

CT 436a

1. Strophe

[214] [O der, der die Köpfe abschneidet und die Hälse dieser] Feinde des Osiris, [durchtrennt]!
[215] [O Henbaa-Schlange ohne Arme und Beine!]

2. Strophe

[Bist du stolz wegen dessen, was auf] deinem [Maul ist], was dir deine Mutter [216] [Selket (?)] gegeben hat?
[Weiche zurück vor der, die du erblickt hast, Schwacher!]

CT 436b

1. Strophe

[O der, den] Kopf [abschneidet] und die Hälse dieser drei, [der Feinde des Osiris, durch]trennt!

2. Strophe

[Bist du stolz wegen dessen, was auf] deinem Maul ist, was dir deine Mutter [Selkis (?)] gegeben hat?
[Deine Mutter soll gegen dich herauskommen!]
[Weiche zurück vor der, die du erblickt hast, Schwach]er!

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 159–160 (Spruch 6 = 377), 161–163 (Spruch 7 = 378), 167–168 (Spruch 12 = 435) und 168–169 (Spruch 13 = 436).