science in ancient egypt

 

Metadaten

Bezeichnung
Grab und Kalksteinsarg des Horhotep, T1C
Weitere Bezeichnungen
Cairo CG 28023
Brooklyn Museum 37.1507E
Aufbewahrungsort
EG, Kairo, Ägyptisches Museum

Aufbewahrungsort eines Teils der Fußplatte des Steinsarges: USA, New York City, Brooklyn Museum

Erwerbsgeschichte

Gleich nach der Entdeckung des Grabes des Horhotep im Jahr 1883 durch Gaston Maspero, Direktor der ägyptischen Altertümerbehörde, wurde die Grabkammer aus Kalksteinblöcken vor Ort entmantelt und im April 1883 ins ägyptische Museum von Boulaq transportiert (Maspero 1883, 251). Gleiches geschah mit den Kalksteinplatten des Steinsarges, die schon von Grabräubern auseinandergenommen worden waren (Maspero 1889, 135). Grabkammer und Sarg bekamen in Boulaq die Ausstellungsnummer 4599 (Maspero 1883, 251–257), nach der Überführung ins neue Museum am Tahrir-Platz (Raum 22 Erdgeschoss) die Ausstellungsnummern 114 (Maspero 1902, 43–44), dann 206 (Maspero 1903, 88–92; Maspero 1908; Roeder 1912) und schließlich 300 (Maspero 1914, 106). Grab und Sarg wurden in den Catalogue général mit einer gemeinsamen Nummer (CG 28023) aufgenommen (Lacau 1904, 42–56). Das Grab war schon vor der Entdeckung durch Maspero in der ersten Hälfte des 19. Jh. betreten worden, denn Charles Wilbour (1833–1896), der am 25. Februar 1883 die Arbeiten von Maspero besichtigte (Capart 1936, 222–223), identifizierte (Maspero 1889, 135, 172) wenig später einen Teil der Fußplatte des Steinsarges in der Sammlung von Henry William Abbott (1807–1859), zusammengetragen vor 1852. Die Sammlung wurde nach New York überführt, wo sie im Jahr 1860 von der New York Historical Society angekauft wurde. Sie wurde im Jahr 1937 als Leihgabe im Brooklyn Museum untergebracht (Cooney 1949, 21), wo das Sargfragment die Inventarnummer 37.1507E bekam. Im Jahr 1948 konnte das Brooklyn Museum mit Geldmitteln aus dem Charles Edwin Wilbour Fund die Sammlung von der Historical Society kaufen (Cooney 1949, 22).

Herkunft
Oberägypten, Deir el-Bahari

Das Grab des Siegelbewahrers des Königs von Unterägypten und Gefolgsmannes (ḫtmw-bjtj smr-wꜥtj šmsw) Horhotep (Maspero 1889, auf drei Taf. zwischen 146 und 151), Sohn der Zenet-Sche, wurde im Febraur 1883 von Gaston Maspero in der nördlichen Flanke des Talkessels von Deir el-Bahari gefunden (Maspero 1889, 134) und bekam später die Grabnummer TT 314. Das Grab gehörte zur sogenannten Nekropole 500 nach der Klassifikation der Grabungen des Metropolitan Museum of Art und erhielt in diesem System die Nummer 513. Der exakte Fundort der Grabkammer konnte vor wenigen Jahren wahrscheinlich identifiziert werden (Morales et al. 2016, 260 mit Taf. 47.b). Die Wände der Grabkammer waren aus Kalksteinblöcken gemauert und der Kalksteinsarg aus einzelnen Kalksteinplatten zusammengesetzt. Im Kalksteinsarg lag ursprünglich noch ein Holzsarg, von dem aber im Jahr 1883 nur kleine Fragmente im Grab übrig blieben.

Datierung
Mittleres Reich, Ende der 11. Dynastie, ca. 1980–1940 v. Chr.

Die Datierung von Grabkammer und Sarg basiert vor allem auf der Lage des Grabes, weniger auf der archäologischen Einordnung und der Typologie des Sarges. Lacau 1906, 150 datiert den Sarg in die 11. Dynastie, ebenso T.G. Allen (1950, 37). Sofern erhalten, passt die Architektur des Grabes mit seinem 30 m langen Korridor und gemauerter Wände typologisch zu den Gräbern des Korridor-Typs der späteren 11. Dynastie (Arnold 1971, 43–46: TT 314 wird nicht genannt). Aufgrund der Lage des Grabes in Deir el-Bahari oberhalb des Grabkomplexes von Montuhotep II. Nebhepetre und zwischen den Gräbern TT 310–316 und TT 240 aus dessen späten Regierungsjahren (nach der Wiedervereinigung) oder aus der Regierung von Montuhotep III. Seanchkare, wird allgemein die spätere 11. Dynastie als Entstehungszeit des Grabes TT 314 angesetzt (Schenkel 1962, 122: Ende der Zeit von Montuhotep Nebhepetre; Soliman 2009, 128–129). Willems 1988, 32 kann den Sarg zwar nicht typologisch einordnen, weil dieser im Dekorationsprogramm von den Standardsärgen abweicht, aber der Sarg gehört archäologisch zu seiner Sarggruppe B, die aus den Gräbern TT 311, 313, 315 und 240 stammen, weshalb er einer Datierung in die „late XIth Dynasty“ beitritt (Willems 1988, 112–113). Kein Sarg oder Grab der Sarggruppe B von Willems enthält Hinweise, dass sie noch nach der 11. Dynastie verwendet wurden, weshalb eine spätere Datierung seiner Meinung nach nicht möglich ist (Willems 1988, 114). Lapp 1993 setzt Grabkammer und Sarg zu seinem Typ der späten 11. Dynastie (Lapp 1993, 163–165), den er chronologisch in der Regierungszeit von Montuhotep II. und III. unterbringt (Lapp 1993, 177–178). Wegen der Anwesenheit einer glossierten Textversion von CT 335 und aufgrund einer statistischen Auswertung der Orthographie im Bereich der Determinativfrequenz dieses Spruchs urteilte Schenkel (1975, 63–67 und 1975a, 35–36): „Das Grab des Ḥrw-ḥtp (...) gehört aufgrund seiner teilweise sehr fortgeschrittenen Determinierung entgegen der üblichen Annahme einer Datierung in die 11. Dynastie mit großer Wahrscheinlichkeit erst in die Zeit nach der 11. Dynastie“ (Schenkel 1975, 63), d.h. in die 12. Dynastie. Dieses statistische Argument (ein potentieller Widerspruch aufgrund der Heqanacht-Papyri und der Nehri-Graffiti von Hatnub [Schenkel 1975, 76–79] vermerkt Willems 1988, 113, Anm. 253, aber die Datierung der Nehri-Graffiti ist nicht unumstritten [Willems 2014, 79–87]) hat sich gegen das Argument der Lage des Grabes in Deir el-Bahari in der Forschung nicht durchgesetzt, so dass die plausibelste Datierung die Regierungszeit von Montuhotep II. Nebhepetre nach der Wiedervereinigung oder die Regierungszeit von Montuhotep III. Seanchkare bleibt. Das Grab des Horhotep (TT 314) wurde nicht in der Neubeurteilung der Chronologie der umliegenden Gräber durch J. Allen (1996) berücksichtigt (Allen 1996; einzige Erwähnung: 16 Anm. 74): er setzt diese Gräber bzw. ihre Eigentümer zwischen der Regierungszeit von Montuhotep II. Nebhepetre und der frühen 12. Dynastie (Amenemhet I.) an, was Schenkels Beobachtung wieder relevant machen könnte. Vielleicht werden neue Untersuchungen in diesem und den umliegenden Gräbern die Datierungsfrage klären können (Morales et al. 2016; Chudzik 2017).

Textsorte
magische Sprüche
Inhalt

Der uns hier interessierende Schlangenbeschwörungsspruch 378 (CT V: Kol. 520–524; Maspero 1889, Kol. 364–367) findet sich auf der Außenseite der Fassade des Kalksteinsarges (Kol. 453–590) etwa in der Körpermitte (Lesko 1979, 100; in der Lücke zwischen den beiden Photos Maspero 1889, 154–155 (oberes Photo) und 160–161 (unteres Photo)).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf T1C:
Spruch 378: Kol. 520–524 (CT V, 41–42)

Material
Kalkstein
Objekttyp
Sarg
Technische Daten

Die Innenmaße der Grabkammer in Kalksteinblöcken betragen 3,23 × 2,68 m (Tiefe × Breite) (Lacau 1904, 42; die Maße ca. 3 × 2,90 m bei Maspero 1889, 135 basieren vermutlich auf Schätzungen der zusammengebrochenen Wände). Die Wände sind 2,51 m hoch. Alle vier Wände waren dekoriert mit jeweils einer Scheintür, Objektfriesen, Opferlisten, ornamentalen Hieroglyphenbändern sowie Pyramidentexten und Sargtextsprüchen in kursiven Hieroglyphen (Maspero 1889, 136–155 mit Photos der vier Wände).
Der Kalksteinsarg ist kein Monolith, sondern wurde aus einzelnen Blöcken mit Mörtel und Schwalbenschwänzen zusammengebaut. Er wurde ohne Boden konstruiert (Maspero 1889, 155) und ist 1,09 m hoch. Jede Längswand besteht aus zwei Blöcken, einmal die Wand selbst (Wandstärke 21 cm laut Lacau 1904, 56) und einmal die Hohlkehle; die kurzen Wände sind aus drei Blöcken aufgebaut (Wandstärke des Fragments in Brooklyn 9,9 cm; sicherlich in moderner Zeit reduziert). Die Außenmaße in Bodenhöhe betragen 2,25 × 0,95 m (Länge × Breite), in Höhe der auskragenden Hohlkehle 2,54 × 1,31 m (Lacau 1904, 49). Die beiden Seitenwände sind vollständig erhalten, das Kopfende fehlt teilweise und der erhaltene Teil des Fußendes ist heute in New York (Maspero 1889, 172). Die vier Außenwände sind mit einer Hohlkehldekoration und ornamentalen Schriftbändern versehen, darunter ist die ganze Wandfläche mit senkrechten Sargtextsprüchen bedeckt. Die Innenseiten sind in den unteren ca. 57 cm undekoriert (Maspero 1889, 155: ca. 60 cm), im oberen Bereich (Höhe laut Brooklyner Fragment 52 cm; die Maßangaben von Maspero und des Brooklyner Fragments sind nicht mit den Maßen bei Lacau 1904, 56, Fig. 1 vereinbar) vollständig mit Textkolumnen versehen, außerdem mit einer Liste der sieben heiligen Öle, einer Scheintür und einer Opfergabenliste (Maspero 1889, 155–180 mit Photos der Außenseiten der beiden Längswände).
Sowohl auf den Grabwänden als auf den Sargwänden wurden die Hieroglyphen aufgemalt, die großen Schriftbänder in blauer Farbe, die sonstigen Texte sind schwarz (Lacau 1904, 49, 55–56).

Schrift
Kursiv-Hieroglyphisch

Der hier übersetzte Spruchtext ist in Kolumnen, von rechts nach links zum Kopfende hin orientiert, angebracht. Die Überschrift wurde als Zeile („Kol.“ 520) über den Kolumnen 521–524 realisiert. Es wurde nur schwarze Tinte verwendet (de Buck 1954, V 41a–42e).

Sprache
Mittelägyptisch
Bearbeitungsgeschichte

Die Inschriften wurden von Maspero vollständig in Druckhieroglyphen und mit Photos veröffentlicht. Die Publikation im Catalogue général durch Lacau 1904 beschränkt sich deshalb auf das Wesentlichste und auf Korrekturen zu den Texten von Maspero. Für das Sargtextprojekt wurden die Inschriften durch Gardiner und de Buck neu kopiert und für Spruch 378 von de Buck 1954 unter der Sigle T1C ediert, wobei unter dieser Nummer sowohl die Texte der Sargkammer als auch die des Kalksteinsarges subsumiert wurden. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer T1C der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg T24b, das Grab ist T24a. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert den Schlangenspruch in Strophen und Verse und kommentiert ihn. Neue Forschungen im Grab und an der Grabkammer in Kairo wurden 2015 begonnen (Morales et al. 2016, 258, 260, 261; Chudzik 2017, 191–192).

Editionen

- de Buck 1954: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago/Ill 1954), V 41a–42e.

Literatur zu den Metadaten

- Allen 1950: T. G. Allen, Occurrences of Pyramid Texts with Cross Indexes of These and Other Egyptian Mortuary Texts, Studies in Ancient Oriental Civilization 27 (Chicago 1950).

- Allen (1996): J. P. Allen, Some Theban Officials of the Early Middle Kingdom, in: P. Der Manuelian (Hrsg.), Studies in Honor of William Kelly Simpson, Volume 1, (Boston 1996), 1–26.

- Arnold 1971: D. Arnold, Grabung im Asasif 1963–1970. Bd. 1. Das Grab des Jnj-jtj.f. Die Architektur, Archäologische Veröffentlichungen 4 (Mainz 1971).

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 320.

- Capart 1936: J. Capart, Travels in Egypt [December 1880 to May 1891]. Letters of Charles Edwin Wilbour (New York 1936).

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 912–913.

- Chudzik 2017: P. Chudzik, The Middle Kingdom tombs of Asasif: work in the 2015/2016 season, in: Polish Archaeology in the Mediterranean 26, 2017, 185–198 (www.ceeol.com/search/article-detail).

- Cooney 1949: J. D. Cooney, Acquisition of the Abbott Collection, in: Brooklyn Museum Bulletin 10/3, 1949, 16–22.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume I Spells 1–354 (Warminster 1977), 12–13.

- Lacau 1904: M. P. Lacau, Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 28001-28086. Sarcophages. Antérieurs au Nouvel Empire (Le Caire 1904), 42–56, hier: 49–56.

- Lacau 1906: M. P. Lacau, Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 28087-28126. Sarcophages. Antérieurs au Nouvel Empire. Tome II (Le Caire 1906), 129–133.

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. T24b.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Maspero 1883: G. Maspero, Guide du visiteur au Musée de Boulaq, Boulaq 1883, 251–257, Nr. 4599.

- Maspero 1889: G. Maspero, Trois années de fouilles dans les tombeaux de Thèbes et de Memphis; in: Mémoires publiés par les Membres de la Mission archéologique française au Caire 1, Paris 1889, 133–242, hier: 134–180.

- Maspero 1902: G. Maspero, Guide du visiteur au Musée du Caire, Le Caire 1902, 43–44, Nr. 114.

- Maspero 1903: G. Maspero, Guide to the Cairo Museum. Translated by J. E. and A. A. Quibell, Cairo 1903, 88–92, Nr. 206.

- Maspero 1908: G. Maspero, Guide to the Cairo Museum. Translated by J. E. and A. A. Quibell, 4th Edition, Cairo 1908, 101–105, Nr. 206 (mit Fig. 30).

- Maspero 1914: G. Maspero, Guide du visiteur au Musée du Caire, 4e édition, Le Caire 1914, 106–108, Nr. 300.

- Morales et al. 2016: A. J. Morales et al., The Middle Kingdom Theban Project: Preliminary report on the Freie Universität Berlin Mission to Deir el-Bahari, First and Second Seasons (2015–2016), in: Studien zur Altägyptischen Kultur 45, 2016, 257–282 mit Taf. 47–52.

- Roeder 1912: G. Roeder, Gaston Maspero, Führer durch das ägyptische Museum zu Kairo, Deutsche Bearbeitung von Günther Roeder, Kairo 1912, 32, Nr. 206 (mit Taf. 14.b).

- Schenkel 1962: W. Schenkel, Frühmittelägyptische Studien, Bonner Orientalische Studien. Neue Serie 13 (Bonn 1962).

- Schenkel 1975: W. Schenkel, Zur Redaktions- und Überlieferungsgeschichte des Spruchs 335 A der Sargtexte, in: W. Westendorf (Hrsg.), Göttinger Totenbuchstudien. Beiträge zum 17. Kapitel, Göttinger Orientforschungen IV, 3 (Wiesbaden 1975), 37–79.

- Schenkel 1975a: W. Schenkel, Repères chronologiques de l’histoire rédactionelle des Coffin Texts, in: W. Westendorf (Hrsg.), Göttinger Totenbuchstudien. Beiträge zum 17. Kapitel, Göttinger Orientforschungen IV, 3, (Wiesbaden 1975), 27–36.

- Soliman 2009: R. Soliman, Old and Middle Kingdom Theban Tombs (London 2009), 128–129.

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 161–163 (Spruch 7 = CT 378) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins (Leiden 1988).

- Willems 2014: H. Willems, Historical and Archaeological Aspects of Egyptian Funerary Culture. Religious Ideas and Ritual Practice in Middle Kingdom Elite Cemeteries, Culture and History of the Ancient Near East 73 (Leiden/Boston 2014).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Bearbeiter
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Bearbeitungsdatum
05.08.2020

Übersetzung und Kommentar

CT 378

Überschrift

[520] Worte zu sprechen, den Rerek zu vertreiben, damit nicht der Kopf eines Mannes von ihm geraubt wird:

1. Strophe

[521] O Rerek, Beauftragter des Schu, Bote der Bastet!1
Ich werde nicht dem gegeben werden, der frisst, was abgeschnitten wurde!

2. Strophe

Ich bin Horus!
[522] Von den Grenzen des Himmels und der Unterwelt bin ich heute gekommen, nachdem ich an der Kapelle der Hathor vorbeigegangen bin, auf der die vier Pfosten [523] des Himmels befestigt sind.

3. Strophe

Ich habe die Vertreibung des Bösen, der die Kas zerstört, gesehen im Haus derer, die unter den Schlagstöcken2 sind.
Daher will ich sagen, was ich [524] dort entdeckt habe.
Um den Bösen, der die Kas zerstört, zu vertreiben, bin ich gekommen!

1 Diese Stelle wird von den Bearbeitern unterschiedlich wiedergegeben:
- Faulkner 1977, 12: „O snake, the movements of Shu are what Bastet opened up...“ fasst wp.t als substantivierte Relativform in prädikativer Funktion auf.
- Barguet 1986, 320: „O Rerek, d´emarcheur de Chou, messager de Bastet...“.
- Carrier 2004, 913: „Ó serpent-rérek, les mouvements de Chou sont ceux qu’apprécie Bastet“.
Ich folge hier der Übersetzung Barguets und schließe mich damit C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band II. b, Orientalia Lovaniensia Analecta 111 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 363, und C. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band VII. š, Orientalia Lovaniensia Analecta 116 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 77, an, die šm.tj Šw und wpw.tj Bꜣst.t als eigene Einträge fähren, freilich unter Hinweis auf die hier vorliegenden Textstellen.
2 Laut R. Müller-Wollermann, Vergehen und Strafen. Zur Sanktionierung abweichenden Verhaltens im alten Ägypten, Probleme der Ägyptologie 21 (Leiden/Boston 2004), 210–211, bezieht sich das Verbum qnqn „schlagen“ auf die Folter mittels Palmrispen.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 161–163 (Spruch 7 = CT 378).