science in ancient egypt

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Arbeitsweise

Arbeitsweise im Rahmen des interakademischen Projekts „Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache“

Das Hauptziel des Projekts ist es, die diachrone Entwicklung des Wortschatzes vom hieroglyphisch-hieratischen Ägyptischen über das Demotische bis hin zum Koptischen in seinen Strukturen und Transformationen mithilfe einer annotierten, digitalen Textdatenbank nachzuzeichnen (dem TLA). Auf diese Weise wird es nicht nur möglich sein, die semantischen und lexikalischen Entwicklungen (Bedeutungsveränderungen und Veränderungen des Wortbestandes) in den Übergangsphasen des Ägyptisch-Koptischen besser zu erkennen, sondern vor allem das im Wortschatz definierte Wissen und Weltverständnis der ägyptischen Sprechergemeinschaft aufzudecken und in seinen Veränderungen nachzuverfolgen.

Die konkreten Arbeitsvorgänge bei der Textaufnahme in diese Datenbank bestehen aus folgenden Schritten: Anfertigung einer neuen, dem Stand der Forschung entsprechenden Übersetzung inklusive einer Kommentierung sprachlicher und inhaltlicher Probleme; Eingabe des Textes in der ägyptologischen Umschrift und in Hieroglyphen; Lemmatisierung aller Wörter (d.h. Verknüpfung mit digitalen Wortlisten); morphologische Bestimmung aller Wörter und grammatische Codierung gewisser Satzstrukturen. Die genannten digitalen Wortlisten bestehen schon für die älteren, hieroglyphisch oder hieratisch geschriebenen Phasen des Ägyptischen sowie für die nächstjüngere, demotische Phase. Die koptische Liste wird derzeit erstellt. Diese drei Wortlisten werden auf zweierlei Arten miteinander vernetzt: Zum einen werden die Lemmata oder Wurzeln an sich mit den chronologisch jüngeren oder älteren Lemmata morphologisch verknüpft, sofern sie nicht im Laufe der Zeit aussterben und/oder von neuen Lemmata oder Wurzeln abgelöst werden. Zum anderen werden die Lemmata in semantische Netzwerke/Ontologien eingebunden, um sie auf Bedeutungsebene zueinander in Beziehung zu setzen. Dadurch werden die unterschiedlichen Strukturierungen des Wortschatzes sowie dessen Wandel sichtbar. Die Verknüpfung der Wortliste mit einer Textdatenbank wird es erlauben, die Strukturen und Entwicklungen anhand von konkreten Textbeispielen nachzuweisen und zu illustrieren. Dazu werden gezielt zwei geeignete Textkorpora ausgewählt und in die Datenbank eingegeben. Dies sind einerseits historisch-biographische, funeräre und religiöse Texte aus dem 1. Jt. vor und nach Chr. sowie ein Modellkorpus an koptischen Texten, insgesamt also aus der Scharnierphase, in der die neuen Schriftarten Demotisch und Koptisch auftauchen und das Ägyptische mit dem Griechischen als neuer dominierender Fremd- und Amtssprache konfrontiert wird. Andererseits sind es die wissenschaftlichen Texte, die im 2. Jt. v. Chr. einsetzen, eine lange Kontinuität aufweisen, vorderasiatische und griechisch-römische wissenschaftliche Ansichten integrieren bzw. von ihnen abgelöst werden, und sich mit ihren Fachsprachen und Fachwortschätzen anders als die Allgemeinsprache verhalten können.

Bereitstellung der Daten auf der Website „Science in Ancient Egypt“

Um die bearbeiteten Wissenstexte auch Wissenschaftshistorikern und Nachbardisziplinen zugänglich zu machen, werden sie zusätzlich zum TLA auf der hiesigen Website publiziert. Die Eingabe erfolgt sukzessive im Anschluss an die Fertigstellung der Texte. Aus diesem Grund ist die Website kein fertiges Produkt, sondern wird mit voranschreitender Projektzeit nach und nach erweitert. Der Schwerpunkt der Bearbeitung und Onlinestellung liegt dabei auf drei Bereichen:

1) Die Bereitstellung von Metadaten. Jede historische Quelle kann nur im Rahmen ihres zeit-, sprach- und kulturspezifischen Kontextes korrekt interpretiert werden. Daher werden für jede einzelne Quelle alle Metadaten (Herkunft, Datierung, Verwendungskontext usw.) zusammengestellt, die eruiert werden können. Einige dieser Daten können außerdem als Suchfilter verwendet werden, um beispielsweise alle Texte zu finden, die zu einer bestimmten Zeit geschrieben oder an einem bestimmten Ort gefunden wurden.

2) Die fortlaufende Übersetzung:

— Jeder bereitgestellte Text ist ins Deutsche übersetzt; eine englische Übersetzung kann im Rahmen des zeitlich und personell limitierten Projekts nicht angeboten werden. Es handelt sich stets um Neuübersetzungen aus dem Ägyptischen durch die Projektmitarbeiter oder Kooperationspartner. Ältere Übersetzungen aller ägyptologischer Wissenschaftssprachen (englisch, französisch, deutsch) sind aber nicht übergangen, sondern im Gegenteil für die Neuübersetzung herangezogen worden.

— Jeder Text ist in einer fortlaufenden Übersetzung gegeben, d.h. die Übersetzung spiegelt den originalen Textaufbau wider. Dies ist v.a. für die medizinischen Texte von Bedeutung: Die Standardedition, der „Grundriss der Medizin der Alten Ägypter“, ordnet die einzelnen Rezepte und Untersuchungsmethoden nach modernen Krankheitsbildern und Verletzungstypen und zerstört dadurch den originalen Textzusammenhang. Auf der Website „Science in Ancient Egypt“ wird bewusst von einer solchen Aufsplittung Abstand genommen, um die originale, emische Textstruktur nachzeichnen zu können. Dennoch werden moderne, eingebürgerte Gliederungsmerkmale (z.B. Paragraphenzählungen) übernommen.

— Auf Papyri und Ostraka findet man neben der üblichen schwarzen Tinte auch Passagen in roter Tinte. Diese sogenannten „Rubra“ dienten als originale Gliederungshilfen (vergleichbar zu Unterstreichungen bei modernen Überschriften) oder zur Hervorhebung. Solche rubrizierten Passagen sind in der Übersetzung der Texte rot gefärbt.

— Es wird versucht, die Diktion und das Sprachregister des Originals wiederzugeben. Da die Erforschung der Fachsprache der Ägypter das Ziel des Projekts und nicht dessen Ausgangsbasis ist, kann aber nicht garantiert werden, dass das gewählte Sprachregister in jedem Falle korrekt ist. Ob ein bestimmtes Wort im gegebenen Kontext ein Fachwort ist und entsprechend übersetzt werden muss, oder ob es ein allgemeinsprachlicher Ausdruck ist, kann mitunter erst zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt werden. Nachträgliche Änderungen in den Übersetzungen sind daher denkbar. Ist eine Passage schwer zerstört oder lässt sie sich inhaltlich und/oder sprachlich nicht genau fassen, kann gelegentlich eine Übersetzung ins sogenannte „Ägyptologendeutsch“ – eine wortgetreue Übersetzung unter Beibehaltung der originalen Wortfolge – vorkommen.

— Lässt sich die Bedeutung eines Begriffes, etwa eines Drogennamen in medizinischen Texten, nicht sicher bestimmen, wird er je nach Grad der Unsicherheit unterschiedlich markiert: (a) Ein hinter die Übersetzung gesetztes Fragezeichen – (?) – zeigt Zweifel an einer etablierten Übersetzung an. (b) Lässt sich die exakte Bedeutung eines Begriffes nicht genau fassen, er aber doch zumindest wörtlich übersetzen, wird dies durch Anführungszeichen gekennzeichnet (z.B. „Schafsmelone“, eine botanisch nicht genau identifizierbare Pflanze), gegebenenfalls erweitert um eine Determination, falls die wörtliche Übersetzung zu unspezifisch ist oder das Original zusätzliche Informationen liefert (z.B. „Feder-des-Nemti“-Pflanze). (c) Wenn ein Wort nicht einmal wörtlich übersetzt werden kann, lässt es sich nicht vermeiden, dass es wie ein Fremdwort nur mithilfe des ägyptologischen Transkriptionsalphabets umschrieben wird. In solchen Fällen wird durch eine angehängte Determination zumindest das weitere semantische Feld angegeben (z.B. tjꜥm-Pflanze).

Das ägyptologische Transkriptionsalphabet enthält folgende Zeichen:

sowie folgende Strukturelemente:

. – der Punkt wird verwendet, um Wortendungen anzuzeigen.

= – das Gleichheitszeichen (urspr. eigentlich der doppelte Bindestrich der Frakturschriften) dient zur Abtrennung von solchen Personalpronomen, die als Suffix an das vorangehende Wort gehängt werden.

Traditionell werden die Zeichen und wie ein „a“ ausgesprochen, j und y wie ein „i“ und w entweder wie ein „w“ oder wie ein „u“. Ansonsten wird zwischen die übrigen Konsonanten ein „e“ eingesetzt (der häufigste Vokal der drei ägyptologischen Wissenschaftssprachen und gleichzeitig ein Vokal, auf dem selten eine besondere Emphase liegt). Eine Regel, wo ein „e“ einzufügen ist, und welche Konsonantencluster zulässig sind, gibt es nicht – es handelt sich dabei nur um künstliche Aussprachehilfen, die nicht dem tatsächlichen Lautbestand entsprechen! Punkte können während der Lesung der Transkription ignoriert werden und Gleichheitszeichen so behandelt werden, als ob an ihrer Stelle ein Leerzeichen stünde.

3) Die erwähnten problematischen Begriffe sowie andere sprachliche und inhaltliche Probleme werden kommentiert. Auf der Website kommen zwei Arten der Kommentierung vor: (a) Eine Kommentierung einer bestimmten Textstelle. Diese Kommentare sind direkt unter dieser Passage zu finden. (b) Eine Kommentierung einer Wortbedeutung. Eine solche Kommentierung wird nicht bei jedem Vorkommen des Wortes wiederholt, sondern ist ins sogenannte Glossar ausgelagert; die Verknüpfung zwischen dem kommentierten Wort und dem Kommentar ist durch einen Link hergestellt. Das Glossar kann auch in Gänze über den Reiter „Glossar“ konsultiert werden. Dort sind alle kommentierten Begriffe alphabetisch (d.h. nach lateinischem Alphabet) sortiert aufgelistet. Die Möglichkeit, sich von dieser Seite aus alle Belege für einen Begriff anzeigen zu lassen, ist nicht vorgesehen. Für derartige Suchabfragen sollte der TLA konsultiert werden.