science in ancient egypt

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Glossar

Bandwurm
Definition:

Ägyptisch pnd (zu ḥfꜣ.t, was in älteren Bearbeitungen als Bandwurm angesehen wird, s. den Kommentar dort): Schon H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), XVII vermutet hierin Taenia, einen Bandwurm, genauer Taenia mediocanellata (alias Taenia saginata), den Rinderbandwurm, wobei er als einziges Argument aber anführt, dass nach Plinius, N.H. XXVII, Kap. 119 [sic, korrekt wäre Kap. 120, s. hier: https://archive.org/details/dienatugeschicht01plin = N.H. XXVII,24] Bandwürmer in Ägypten verbreitet seien; und da „die alten Aegypter das Schweinefleisch verschmähten“, käme nur Taenia mediocanellata in Frage. Auch B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse 1938 (Oslo 1938), 34 sieht in pnd eine Bezeichnung des Bandwurmes, v.a. von Taenia mediocanellata, wenn auch mit anderer Argumentation: Neben pnd wird im pEbers noch der ḥfꜣ.t-Wurm genannt. Da Letzteres (genauer eigentlich: ḥfꜣ.w) auch die Schlange bezeichnen könne, würde damit wohl eher ein runder Wurm gemeint sein, und daher würde pnd vielleicht eher den Bandwurm meinen, dessen Glieder beim Stuhlgang abgingen und der deshalb erkennbar war. Die späteren Übersetzer des pEbers sind dagegen zurückhaltend und bleiben bei „pnd-Wurm“ u.ä.

Jüngst hat sich T. Pommerening, Medical Re-Enactments. Ancient Egyptian Prescriptions from an Emic Viewpoint, in: M. C. Guidotti – G. Rosati (Hrsg.), Proceedings of the XI[th] International Congress of Egyptologists, Florence Egyptian Museum, Florence, 23-30 August 2015, Archeopress Egyptology 19 (Oxford 2017), 519–526 wieder für die Identifizierung von pnd mit Taenia und dessen Proglottiden ausgesprochen, ohne dies aber auf eine bestimmte Taenia-Art einzuschränken. Das von Ebbell angeführte Argument der Form hält sie für unwahrscheinlich (ohne explizit auf Ebbell zu referieren), da es in der ägyptischen Sprache keine konkreten Adjektive für die Unterscheidung rund–flach gebe (S. 520-521). Durch Nachkochversuche kommt sie zu dem Schluss, dass ḥfꜣ.t wohl ein Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Eingeweidewürmer sein könnte. Für pnd würde dagegen „Bandwurm“ recht gut passen, weil in Eb 67 die njꜣjꜣ-Pflanze (= Polei-Minze?) dagegen verschrieben wurde und auch in arabischen Texten Minze gegen Bandwürmer verschrieben würde (S. 252 mit Anm. 13).

L.P.

Blätter/Zweige (?)
Definition:

Ägyptisch ꜥẖm.w. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 108-109 vermuten, dass es sich um kleine Zweige handeln könnte, an denen die Blätter noch dran sind. Eine genaue Bedeutung des Wortes lässt sich nicht festlegen.

L.P.

Blutfraß
Definition:

Die Identität der Krankheit wnm znf: „Fressen des Blutes” ist umstritten; trotz scheinbar ähnlicher Wortbildung ist sie wohl nicht identisch mit dem koptischen Kompositum ⲟⲩⲁⲙⲥⲛⲟϥ, wörtl.: „das, was das Blut frisst“ (erwähnt bei W.C. Till, Die Arzneikunde der Kopten (Berlin 1951), 479a = Rossi, Papiri copti 1.4, S. 64c (Kap. 24), vgl. S. 99 = L.-T. Lefort, Les pères apostoliques en copte édités, Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium 135 (Louvain 1952), 86a (Kap. VII.3)). Denn bei der Krankheit wnm (n) znf scheint das Blut selbst zu fressen (s. Eb 722: znf wnm.w m-ẖnw ḥꜥ.w: „Blut, das im Inneren des Leibes frisst“), es liegt Infinitiv + semantisches Subjekt/Agens vor. Das koptische ⲟⲩⲁⲙⲥⲛⲟϥ ist dagegen Participium coniunctum + Objekt.

B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 63, 1928, 71-75 und 115-121, hier 118-119 denkt bei wnm (n) znf an Skorbut, vorrangig weil die Krankheit den jeweiligen Kontexten nach an verschiedenen Stellen der Körperoberfläche auftritt und einmal dezidiert an den Zähnen, und weil sie mit Blutaustritten verbunden ist. Dass in die ägyptische Krankheitsbezeichnung auch andere hämorrhagische Krankheiten eingeschlossen sein könnten, schließt er aber nicht generell aus. In B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 102 übersetzt er dann „‚blood-eating‘ (i.e. scurvy)“. Auf seine Identifikation gehen die Hinweise auf Skorbut im Alten Ägypten zurück, hauptsächlich innerhalb der Medizingeschichte (vgl. explizit etwa G.H. Bourne, Vitamin C in the Animal Cell, in: L.V. Heilbrunn – F. Weber (Hrsg.), Protoplasmatologia. Handbuch der Protoplasmaforschung. Bd. II.B.2.b.α (Wien 1957), 71-161, hier 72 [= S. 2]), oder H. Zöllner – R. Giebelmann, Kulturhistorische Betrachtungen über Vitamin C, in: Ernährungslehre und Praxis 5, 2005, 17-20, hier 17), aber auch innerhalb der Ägyptologie (bspw. G. Keil, Der Papyrus Ebers und die Medizin des Abendlandes, in: H.-W. Fischer-Elfert (Hrsg.), Papyrus Ebers und die antike Heilkunde. Akten der Tagung vom 15.-16.3.2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, Philippika 7 (Wiesbaden 2005), 11-39, hier 29 mit Bezug auf das Rezept Eb 749, das „Skorbut, Epulis oder Parulis“ bespreche). Die wenigen Informationen, die aus den Kontexten zu gewinnen sind, sind allerdings nicht ausreichend für eine sichere Identifikation des ägyptischen Begriffs wnm (n) znf mit Skorbut, auch wenn Skorbut durchaus an Mumien nachgewiesen ist (Pommerening, Krankheit und Heilung (Ägypten), 2009, in: <https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/24048/> (zuletzt geprüft: 01.02.2019)). H. Grapow, Kranker, Krankheiten und Arzt. Vom gesunden und kranken Ägypter, von den Krankheiten, vom Arzt und von der ärztlichen Tätigkeit, Grundriß der Medizin der alten Ägypter III (Berlin 1956), 68 listet Skorbut unter den Termini auf, bei denen Vorsicht geboten ist, und H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 187 beschränken sich bei der Übersetzung auf ein rein wörtliches „Blutfraß“. Weder T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995) noch W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999) übersetzen wnm (n) znf mit Skorbut.

L.P.

Datteltrester
Definition:

Ägyptisch zrm.t, einmal, in Eb 54, nur zrm. Den Kontexten nach ein Dattelprodukt. Während diese Droge in den medizinischen Texten nur mit dem Krug, also als Flüssigkeit, klassifiziert ist, gibt es außerhalb der medizinischen Texte auch Schreibungen mit dem Rohstoffklassifikator Gardiner N33. Im Grab des Antefoqer dient zrm.t als Speise und nicht als Getränk, und in den medizinischen Texten sollen fast alle Medikamente, in denen zrm.t vorkommt, gegessen und nicht getrunken werden. Aus diesem Grund vermutet R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 160-161, dass es neben dem zrm.t-Dattelgetränk auch eine feste zrm.t-Substanz gab, die vielleicht aus dem Rückstand (Trester) gepresster Datteln bestand.

A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. II (Oxford 1947), 234*-235*, Anm. 563 vermutet ebenso, dass zrm.t „grain-like or at least semi-solid in the dry state“ sei. Als Argumente dienen ihm

  • das Grab des Ptah-schepses in Abusir, in dem zrm.t zusammen mit einer Getreidesorte und Erdmandeln genannt ist und mit drei Getreidekörnern determiniert ist (Gardiner, Sign-list M33 und nicht nur die unspezifischeren drei Kreise N33A, wie Gardiner, AEO sie wiedergibt; vgl. das Foto in M. Verner, Abusir I. The Mastaba of Ptahshepses, Excavations of the Czech Institute of Egyptology (Prague 1977), 187, Abb. 10);
  • generell die Klassifizierung mit Gardiner N33A und Pluralstrichen;
  • die Position des zrm.t unter den Getreidearten im Onomastikon des Amenemope.

Das koptische Derivat ist ⲥⲟⲣⲙ: „Hefe, Bodensatz“.

L.P.

Dja
Definition:

1 (NR-)Dja = 300 ccm.

Für die Lesung des hieratischen Zeichens (in der Literatur aus pragmatischen Gründen manchmal vereinfachend mithilfe des +-Zeichens wiedergegeben) als Abkürzung für die Einheit 1 Dja, und für das Dja als Standardmaßeinheit vordemotischer medizinischer Texte, s. etwa T. Pommerening, Neues zu den Hohlmassen und zum Medizinalmasssystem, in: S. Bickel – A. Loprieno (Hrsg.), Basel Egyptology Prize 1. Junior Research in Egyptian History, Archaeology, and Philology (Basel 2003), 201–219; Dies., Altägyptische Rezepturen metrologisch neu interpretiert, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 26 (1), 2003, 1–16; oder Dies., Healing Measures. Dja and Oipe in Ancient Egyptian Pharmacy and Medicine, in: R. David – J. Cockitt (Hrsg.), Pharmacy and Medicine in Ancient Egypt. Proceedings of the Conferences Held in Cairo (2007) and Manchester (2008), BAR International Series 2141 (Oxford 2010), 132–137.
Das Dja-Maß bezieht sich auf das Scheffelmaß Hekat, d.h. im Mittleren Reich auf das einfache oder das doppelte Hekat, in den medizinischen Texten vermutlich auf das einfache Hekat. Das Dja des Neuen Reiches und damit auch der „großen“ medizinischen Handschriften, wie dem Papyrus Ebers, Papyrus Hearst oder Papyrus Berlin P. 3038, bezieht sich auf das Vierfach-Heqat = die Oipe (19,2 Liter). Daher ist 1 NR-Dja = 1/64 Oipe = 300 ccm, s. T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur, Beihefte 10 (Hamburg 2005), 267-268 und die oben genannte Literatur.
Das Maßsystem der medizinischen Texte des Neuen Reiches stellt sich damit wie in der folgenden Tabelle dar:

 
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Das Zeichenset der Reihe (a) ist dasselbe, mit dem auch der Scheffel bemessen wurde, und wird daher in hieroglyphischen Transliterationen der hieratischen medizinischen Texte traditionell mit den Bestandteilen des Horusauges wiedergegeben. Während in der Literatur regelmäßig ein linkes Auge abgebildet wird, wird es hier gespiegelt, um den Abgleich mit transkribierten hieratischen Texten zu erleichtern, die der Schriftrichtung des Hieratischen gemäß in neueren Edition von rechts nach links geschrieben sind:

                         

 

Hieroglyphisch sind die Teile des Horusauges allerdings erst im Neuen Reich belegt, und die Gleichsetzung mit den älteren hieratischen Zeichen ist wohl nur sekundär (für eine Zusammenfassung der Diskussion s. J. Ritter, Closing the Eye of Horus. The Rise and Fall of „Horus-eye Fractions“, in: A. Imhausen – J. M. Steele (Hrsg.), Under One Sky. Astronomy and Mathematics in the Ancient Near East, AOAT 297 (Münster 2002), 297–323). Besonders die Brüche für 1/2 und 1/16 zeigen keine Ähnlichkeit mit dem Hieroglyphischen, sondern wirken sogar so, als wäre die Position der Augenwinkel miteinander vertauscht.

Das Zeichenset der Reihe (b) besteht aus ganz normalen Bruchzahlen.

Diese unterschiedliche Notation der Brüche, und das unklare Bezugssystem v.a. der Reihe (b) hat lange Zeit die Analyse der Rezeptmengen erschwert. Ältere Umrechungen sind im Grunde seit der Analyse von Pommerening obsolet. Das betrifft zunächst das Scheffelmaß selbst: Schon sehr früh wurde erkannt, dass die hieratischen Zeichen der Reihe (a) Äquivalente eben der Bestandteile des Horusauges waren und damit grundsätzlich dem Scheffelmaß „Hekat“ entsprachen. Allerdings wurden die so geschriebenen Brüche der medizinischen Texte bislang stets auf das einfache Hekat bezogen, während Pommerening herausarbeitete, dass dies nur für die medizinischen Texte des Mittleren Reiches zutrifft (s. dazu auch den Eintrag zum MR-Dja), während sich das Dja des Neuen Reiches auf das vierfache Hekat und damit die vierfache Menge bezieht.
Das Bezugssystem der Reihe (b) und damit das Verhältnis zwischen den Reihen (a) und (b) stellte lange Zeit ein Problem dar. Aus den Aufgaben 66 und 88 des mathematischen Papyrus Rhind ergibt sich die Gleichung 1 Hekat = 10 Hin = 320 Ro; daraus folgt: 1/64 Hekat = 5 Ro (kurioserweise auch in deutschen Übersetzungen meist klein geschrieben: „ro“, wohingegen das Hin-Maß, deutschen Rechtschreibregeln entsprechend, groß geschrieben wird: „Hin“). Die Verhältnisse der Maße zueinander wurden dagegen lange kontrovers diskutiert:

  • In der grundlegenden Arbeit zum Maßsystem speziell des Papyrus Ebers und generell der medizinischen Texte (F.L. Griffith, The Metrology of the Medical Papyrus Ebers, in: Proceedings of the Society of Biblical Archaeology 13, 1891, 392–406 und 526–538) schlug Griffith (S. 396-397) vor, die Reihe (a) auf das Hekat und die Reihe (b) auf das Hin zu beziehen. Über den mathematischen Papyrus Rhind, Nr. 80-81, ergibt sich zudem die Gleichung 1 Hekat = 10 Hin = 320 Ro, so dass man die Reihen (a) und (b) letztlich miteinander korrelieren könne; und laut Griffith ergänzen sie sich dergestalt, dass die Reihe (a) Teile und Vielfache von 5 Ro liefert (2,5, 5, 10, 15 usw.) und Reihe (b) eine dyadische Folge des Ro (2, 4, 8, 16 usw.).
    Dem Bezug auf das Hin folgt B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 16; und noch W. Westendorf, Grammatik der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VIII (Berlin 1962), § 161 favorisiert diesen Ansatz, wenn er auch den Ansatz von Grundriß der Medizin IX schon nennt.
  • Im Jahr 1958 waren die Mitarbeiter des Berliner Wörterbuches noch unsicher, wie sich die Reihen (a) und (b) zueinander verhalten (vgl. H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958), vi). Während die Reihe (a) im Grundriß der Medizin IV/1 in „ro“ umgerechnet wird, wird die Reihe (b) als reine Stammbrüche ohne Einheit wiedergegeben. Im Jahr 1973 schlagen dann H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Ergänzungen. Drogenquanten, Sachgruppen, Nachträge, Bibliographie, Generalregister, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IX (Berlin 1973), 4-5 vor, in den 1/64 Hekat = 5 Ro das Standardmaß der medizinischen Texte zu sehen. Grundlage dafür bildet, dass schon K. Sethe, Von Zahlen und Zahlworten bei den alten Ägyptern und was für andere Völker und Sprachen daraus zu lernen ist. Ein Beitrag zur Geschichte von Rechenkunst und Sprache, Schriften der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Straßburg 25 (Straßburg 1916), 81 und A.H. Gardiner, Egyptian Grammar Being an Introduction to the Study of Hieroglyphs 3(Oxford 1957 (Repr. 2001)), § 266, S. 198 schreiben, dass das Ro mithilfe der normalen Stammbrüche unterteilt würde, also genau so, wie die Brüche der Reihe (b) aussehen. Hauptargument des Grundrisses war jedoch, dass bei einem Bezug auf Hekat oder Hin in Mitteln, die getrunken werden sollen, das Verhältnis von festen zu flüssigen Bestandteilen nicht stimmen würde. Die denkbare, noch kleinere Einheit von 1 Ro als Bezugsmaß schließt der Grundriß wiederum aus, weil dann „der kleinste Bruch von 1/64 ro praktisch wohl kaum meßbar gewesen ist.“ Außerdem würde sich so die Bruchreihe der Scheffelmaße logisch fortsetzen.
  • W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999) will schließlich die Reihe (b) nicht auf 5 Ro, sondern auf das kleinere 1 Ro beziehen; in dem oft vorkommenden „Einerstrich“ sieht er zum einen eine Verkürzung von zu einem senkrechten Strich, alias „5 Ro“, daneben aber auch eine Schreibung für „1 Ro“, was im mathematischen Papyrus Rhind  und  geschrieben ist (G. Möller, Hieratische Paläographie. Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit. Bd. 1. Bis zum Beginn der achtzehnten Dynastie (Osnabrück 1965 (= 1927)), Nr. 714). (NB: Diese Belegung des Striches mit doppelter Bedeutung veranlasst ihn, im Rezept Eb 119 zwei verschiedene Maße als Alternative anzugeben.) Die Fälle, in denen 2, 3 oder 4 Einerstriche geschrieben sind, interpretiert er als Abkürzung für die entsprechenden Maße „2 ro“, „3 ro“ und „4 ro“. Unterstützung sieht er durch ein Set von Messbechern, das sich mit diesen Maßen deckt (vgl. dagegen Pommerening, in: Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte 26/1, 5).
  • Die französischsprachigen Editionen tendierten meist dazu, die Reihe (b) auf das Hekat zu beziehen, also in der Reihe (a) und (b) nur unterschiedliche Notationen desselben Maßsystems zu postulieren: So zuerst F. Jonckheere, Le papyrus médical Chester Beatty, La médecine égyptienne 2 (Bruxelles 1947), 60, später G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 61 (vgl. auch seine Grammaire de l’égyptien classique, Bibliothèque d’étude 12 (Le Caire, 2. Auflage, 1955), § 213bis [noch nicht in der 1. Auflage von 1940]); beide schreiben indifferent 1/x. Jonckheere setzt zusätzlich die Umrechnung in Ro dahinter. S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No. 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 196-197 bezieht ebenfalls beide Reihen auf das Hekat und vermutet in Reihe (a) das Notationssystem für Flüssigmaße und in Reihe (b) das Äquivalent für Raummaße. Auch T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995) bezieht beide Reihen auf das Hekat. Seine Fließübersetzung scheint zwar noch eine ähnliche Unsicherheit wie im Grundriß der Medizin IV/1 widerzuspiegeln und rechnet nur die Reihe (a) in die Maßeinheit Ro um, während die Reihe (b) ebenfalls ohne Einheit bleibt. Doch zeigt seine Einleitung, S. 29, dass er die so geschriebenen Brüche auf das Hekat umrechnet.
    Erst B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 264 brechen mit der französischsprachigen Tradition und beziehen Reihe (b), wohl implizit Westendorf folgend, auf 1 Ro.

Zusammenfassend stellt sich damit das favorisierte Bezugssystem der Reihe (b) so dar*:
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[*nach Grundriß der Medizin IX, 5. NB: Die zum Dja gegebenen Umrechnungswerte sind durch die von Pommerening gegebenen zu ersetzen; s. dazu die obere Tabelle.]

L.P.

ḏwj.w
Definition:

Nur in den Rezepten Eb 45 und Eb 47 belegt, beide Male in derselben Verbindung mit sḫt. Es ist mit dem Topf und Pluralzeichen geschrieben, als wäre es der Plural des ḏwj.w-Topfes (Wb 5, 551.6-7). Ein Zusammenhang zwischen beiden Lemmata wird schon von den Bearbeitern des Wb vorgeschlagen, vgl. unter ḏwj.w die Schreibungskarte DZA 31.591.970 und die Reiterkarte DZA 31.592.150 mit den beiden Ebersstellen als Beleg. Ähnlich auch H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 598. Die Kombination von sḫt mit Gans und Ente legt nahe, auch ḏwj.w trotz des Klassifikators als Vogelbezeichnung zu verstehen (vgl. auch DrogWb, 462). Ähnlich auch W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 511, der eine Verschreibung für eine homographe Vogelbezeichnung für möglich hält. Er verweist dazu auf den ḏwj.t-Vogel, Wb 5, 551.8 (= R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden 2000), 826). Als denkbare weitere Option wird im DrogWb, 598 auch eine Lesung von nḏwjw anstelle von n ḏwj.w für möglich gehalten, wenn auch ohne Übersetzungsvorschlag.

L.P.

ḏꜣꜥ
Definition:

Eine nur selten genannte Droge. In Eb 38 für das Regeln von Bauchbeschwerden und in Eb 548 gegen Hautblasen verwendet. Nach einer Angabe des Brooklyner Schlangenpapyrus, § 65c handelt es sich dabei um eine sm.w-Pflanze, die in der „Sprache der Asiaten“ grbn genannt würde und „überall wächst“ (rd m s.t nb.t). S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No. 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 90-91 verbindet die Bezeichnung grbn mit arabisch (< persisch(?)) „gulban“ und damit der Saat-Blatterbse, Lathyrus sativus L. Diese Vermutung wird zitiert bei R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 165-166, die aber skeptisch bleibt, weil die Saat-Blatterbse „in der ägyptischen Volksmedizin“ nicht verwendet würde. H.-W. Fischer-Elfert (mdl. Hinweis) erwägt einen Zusammenhang mit akkadisch kirbānu (eqli), der wilden Kamille(???).

L.P.

Feder-des-Nemti
Definition:

In einer Glosse in Edfu II 211,7 als Bezeichnung für „Rohr aus Kusch“ genannt, das aber bislang nicht identifiziert ist. Früher wurde der Name „Thots Feder“ gelesen, mit dem Pflanzennamen πτερόν ἴβεως, „Ibisfeder“, des Pseudo-Apuleius verglichen, dem πεντάφυλλον des Dioskurides, und als Kriechendes Fünffingerkraut identifiziert (ähnlicher Name und ähnlicher Gebrauch, vgl. W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts–IV, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 185-188, hier 186). Zu der neuen Lesung als „Feder des Nemti“ s. E. Graefe, Der Drogenname Šwt-Nmtj (zu Berlev’s Aufsatz in der Festschrift Korostovtsev 1975), in: Göttinger Miszellen 18, 1975, 15–20. Die Gleichung mit dem πτερόν ἴβεως ist damit nicht mehr möglich, weil die Assoziation „Thot“ = „Ibis“ entfällt. W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 306-307 hält es dagegen für denkbar, dass es aufgrund der Schreibvarianten in der Spätzeit zu Verwechslungen von Thots und Nemtis Namen gekommen sein könnte und daher die Identifizierung mit πτερόν ἴβεως nicht ganz auszuschließen ist.

L.P.

Gänsefett
Definition:
Fett eines nicht genau identifizierbaren Vogels, vielleicht der Gans. Weiterlesen...

Die hier gewählte Übersetzung gibt die beiden ägyptischen Drogennamen mrḥ.t + Vogel sowie ꜥḏ + Vogel wieder. Diese beiden Drogen mrḥ.t wie auch ꜥḏ, die beide Öl und/oder Fett bezeichnen können, kommen in den medizinischen Texten in Kombination mit einem logographisch geschriebenen Vogel vor (Gardiner Sign-list G38, die Blässgans, in älteren Texten, G41, die landende Spießente, in jüngeren Texten). Letzterer ist in der Regel ohne weitere Zusätze geschrieben, in Eb 5, Bln 155 und Bln 158 mit zusätzlicher Pluralmarkierung, gelegentlich mit Ideogramm- oder Füllstrich. Beide Drogen, Vogel-mrḥ.t und Vogel-ꜥḏ, werden ähnlich verwendet und können auch füreinander eintreten, vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 120, 268-269 und 606-607. Die genaue Lesung des logographischen Vogels ist allerdings unsicher.
In den medizinischen Texten kommt Vogel-ꜥḏ nur in dieser abgekürzten Schreibung vor. Außerhalb der medizinischen Texte gibt es auch noch ꜥḏ-Fett von der -Gans (pHarris I, 15a,8 und 63c,15) sowie von der sr(j)-Gans (pAnastasi IV, 15,10 und oGardiner 25, Zl. 6). Den Anastasi-Beleg nennt auch J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 26, Kommentar zu Kolumne C,8, wo er mit Verweis auf Gardiner vorschlägt, den mit dem logographischen Vogel geschriebenen Beleg im pRamesseum IV ebenfalls ꜥḏ sr zu lesen.
Vogel-mrḥ.t gibt es in den medizinischen Texten auch noch von njw: „Strauß“, von s.t: „Spießente“, dem gn.w: „Pirol“ und der ṯrp-Gans (s. DrogWb, 259). Insgesamt sieht jedoch DrogWb, 607 keinen Grund, dass die logographische Schreibung eine Abkürzung für eine dieser spezifischeren Drogennamen ist, und spricht sich auf S. 606 dafür aus, den Vogel vielmehr als Abkürzung für das generische Wort ꜣpd: „Vogel“ zu interpretieren – hauptsächlich deswegen, weil die koptische Medizin die Drogenbezeichnung ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ < ꜥḏ n ꜣpd kennt. (NB: Darauf verweist bereits L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 11, der trotzdem als Lesung ꜥḏ s.t vorschlägt, die einzige Kollokation, die bislang nicht belegt ist. Für Vogel-mrḥ.t schlägt er ebd., 24, die Lesungen mrḥ.t s.t oder mrḥ.t rʾ vor; G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 205 (und passim) entscheidet sich für mrḥ.t s.t.) Für den Vorschlag vom DrogWb spricht wohl auch der Wechsel der Schreibung (G38 > G41) vom Mittel- zum Neuhieratischen, die dem normalen Formenwechsel des generischen Vogelklassifikators entspricht (s. A.H. Gardiner, The Transcription of New Kingdom Hieratic, in: Journal of Egyptian Archaeology 15, 1929, 48-55, hier 52) und zeigen könnte, dass das Zeichen tatsächlich eine Abkürzung für das generische Wort für „Vogel“ ist.
Neben der Lesung ist auch die Bedeutung zu klären. Die gängige Eingrenzung auf Gänsefett (H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890); B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937); G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956); H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958); T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995); W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999)) dürfte jedenfalls in erster Linie reine Konvention sein und geht vielleicht auf Georg Ebers selbst zurück, der in G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 205 (und passim) mit „Gänseschmalz“ übersetzt (obwohl gerade für die Vogelart s.t, die er als Lesung ansetzt, bereits zu seiner Zeit auch eine Identifikation als Ente diskutiert wurde, s. hier [letzter Zugriff: 26.01.2017]). Wenn man den logographischen Vogel ꜣpd liest, sollte dann unspezifisches Vogelfett gemeint sein, d.h. Fett eines beliebigen Vogels? Oder ist doch das Fett eines spezifischeren Vogels gemeint? Ursprünglich scheint das Wort ꜣpd wohl eine Ente bezeichnet zu haben (R.O. Faulkner, ꜣpd = „duck“, in: Journal of Egyptian Archaeology 38, 1952, 128, hier 128) und wurde (ob als prototypischer Vogel schlechthin?) durch Bedeutungserweiterung zum Terminus für „Vogel“. Ökonomisch betrachtet scheinen jedoch in Ägypten eher Gänse als prototypische Vögel gegolten zu haben. Zumindest scheint eher die Gans als die Ente der generische Klassifikator für Vögel zu sein (s. Gardiner Sign-list G38 und G39). Das ins Mittlere Reich zu datierende Ramesseumsonomastikon beginnt außerdem die Sektion zu den Vögeln mit Gänsenamen, konkret mit der -Gans (A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. III (Oxford 1947), Taf. 1A). Im Demotischen und Koptischen konnte das Wort ꜣpd: „Vogel“ schließlich über eine Bedeutungseinengung konkret auch die Gans bezeichnen, W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 29, W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 289. Das koptische ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ kann also konkret „Gänsefett“ sein; und unter Berücksichtigung des Ramesseumsonomastikons könnte man vielleicht für die medizinischen Texte des Neuen Reiches ähnliches annehmen, zumal unter den Fetten, als deren Herkunft spezifischere Vögel genannt werden (s. oben), Fette von Gänsearten dominieren. Das heißt, die Droge ist zwar als „Vogelfett“ zu lesen, aber es ist vielleicht „Gänsefett“ als das „Vogelfett“ par excellence gemeint.

Von Bedeutung für die Identifikation dieser Droge könnte das Rezept Eb 209 sein. Dort hatte der Schreiber den Vogel zunächst logographisch mit der Gans und einem Logogrammstrich geschrieben worden. Später sind die Phonogramme z und t in Rot nachgetragen worden. Damit liegt in Eb 209 eine von nur zwei Stellen vor, in denen mrḥ.t der Spießente genannt wird (die andere ist Eb 368), und nur eine von drei Stellen, in denen überhaupt dieser Vogel genannt wird (Eb 684 nennt noch einen sḫt-Teil der Spießente). Angesichts der Tatsache, dass die phonetische Schreibung in Eb 209 eine spätere Korrektur darstellt, fragt sich, ob diese Stelle zur Identifizierung desjenigen Fettlieferanten beiträgt, der allein mit dem logographischen Vogel geschrieben wurde. Die Korrektur in Eb 209 ließe sich auf drei verschiedene Weisen interpretieren:

  1. Der logographisch geschriebene Vogel ist tatsächlich unspezifisch als Gattungsbezeichnung zu verstehen; es kann in diesen Fällen Fett eines beliebigen Vogels genommen werden, auch der Spießente. So hält es schon DrogWb, 419 für denkbar, dass „wenigstens in einem Teil der Stellen“, wo der Vogel nur logographisch geschrieben ist, wirklich „mrḥ.t s.t zu lesen sein könnte“. In Eb 209 und 368 erschien es dem Schreiber dann allerdings notwendig, andere Vogelfette auszuschließen und spezifisch Spießentenfett zu verschreiben, die Auswahl also einzuschränken. Dazu hat er in Eb 209 die Phonogramme nachgetragen und in Eb 368 den Vogelnamen von Anfang an phonetisch geschrieben.
  2. Der logographisch geschriebene Vogel meint dezidiert nicht die Spießente, sondern einen anderen, noch zu spezifizierenden Vogel. Das Spießentenfett von Eb 368 ist demnach klar etwas anderes als das Fett des logographisch geschriebenen Vogels, und Eb 209 ist als Korrektur einer Drogenbezeichnung in eine andere Drogenbezeichnung zu werten.
  3. Das Gegenteil von Interpretation (2): Der sonst nur logographisch geschriebene Vogel ist immer s.t zu lesen, und aus irgendeinem unbekannten Grund fühlte sich der Korrektor ausgerechnet in Eb 209 veranlasst, die logographische Schreibung zu glossieren. Ein zweites Mal wäre ihm dann eine Pleneschreibung in Eb 368 aus der Feder geflossen. Diese Möglichkeit (3) soll nur der Vollständigkeit halber genannt werden und ist zugegebenermaßen die unwahrscheinlichste.

Eine letzte Sache betrifft die genaue Lesung des Hieratischen in Eb 209. Mit Wreszinski und DrogWb wurde der Vogel s.t transkribiert. Die hieratische Zeichenform ließe jedoch auch ein r anstelle eines t für möglich erscheinen. Dann läge bei diesen Stellen eigentlich eine Schreibung der sr-Gans vor; das zuvor Diskutierte wäre entsprechend auf den sr-Vogel zu übertragen.

 L.P.

Gebrochenes (?) von Datteln
Definition:

Ägyptisch wḏꜥ n bnr. wḏꜥ ist spezifischer Dattelteil. Der älteste Beleg, im pKahun, schreibt das Wort mit den gekreuzten Stäben, dem Klassifikator für das semantische Feld „trennen“ (vgl. den Kommentar bei Gardiner, Sign-list Z9). Dies lässt einen Zusammenhang mit wḏꜥ: „abtrennen“ zumindest vermuten, auch wenn dieses Verb sonst nicht mit den gekreuzten Stäben geschrieben ist. Auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 155 vemutet einen Zerkleinerungszustand der Dattel.

L.P.

geraden Darm
Definition:

Ägyptisch qꜣb-mꜣꜥ: Nur in Eb 191 und dem Parallelrezept Eb 194 genannt. L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 21b vermutet hier einen Beleg von mꜣꜥ in der Bedeutung „offen sein, sich zeigen u.ä.“ („patere, patefacere, praebere, efficere“); vgl. zu dieser angenommenen Grundbedeutung von mꜣꜥ: „richtig sein, richtig machen“ H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Bd. II (Leipzig 1968), 574. Ob Stern hier wirklich an einen „offenen Darm“ dachte, ist mangels einer Übersetzung unklar.
Die von Brugsch übernommene Grundbedeutung ist inzwischen obsolet, die Grundbdeutung von mꜣꜥ ist eher „wahr sein, richtig sein“ (Wb-Vormanuskript, Blatt 7440). G. Takács, Etymological Dictionary of Egyptian. Vol. 3, m-, Handbuch der Orientalistik I.48.3 (Leiden 2008), 46 meint, die „original idea“ der Wortfamilie mꜣꜥ durch „to (be) direct(ed) in the right direction“ zusammenfassen zu können. Von der Grundbedeutung „richtig, wahr“ ausgehend, übersetzen H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), 41 („wirkliche[r] Darmkanal“) und B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 48 („the real intestine (rectum?)“). Ebbels Präzisierung auf „rectum“ geht vielleicht auf Wb 5, 9.18 zurück, wo qꜣb-mꜣꜥ apodiktisch mit „Mastdarm (rectum)“ übersetzt ist – ob dies wiederum auf dieselbe Grundbedeutung „richtiger Darm“ zurückgeht (vgl. H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriß der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 80) oder auf die Idee, hier den „geraden Darm“ zu haben (so H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-ḏ), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 877; die Wortbildung würde dem intestinum rectum entsprechen), ist unklar. Ähnlich verkürzt sind dann G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 129 („rectum“) sowie H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958), 89, W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 579 und S. Radestock, Prinzipien der ägyptischen Medizin. Medizinische Lehrtexte der Papyri Ebers und Smith. Eine wissenschaftstheoretische Annäherung, Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens 4 (Würzburg 2015), 139 (jeweils „Mastdarm“). T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 277 scheint das Wort übergangen zu haben, denn er übersetzt nur „les intestines“.
Wenn man mit J.H. Walker, Studies in Ancient Egyptian Anatomical Terminology, Australian Centre for Egyptology. Studies 4 (Warminster 1996), 221-245 annimmt, dass pḥ.wyt das Rektum ist, kann qꜣb-mꜣꜥ allerdings nicht dasselbe meinen, weil Eb 191 = 194 dann tautologisch wäre. Walker selbst diskutiert dieses Rezept nicht.
Etwas anders ist die Übersetzung von B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 79, die in mꜣꜥ einen Einschub sehen: „dans les intestines, en vérité, jusqu’à l’anus“. Als Einschub wirkt mꜣꜥ etwas unmotiviert, es fragt sich aber tatsächlich, ob es wirklich ein Attribut zu qꜣb sein muss. Sollte es ein Stativ sein, etwa von „führen“, der parallel zu hꜣi̯.y zu interpretieren ist: „hinabgestiegen zum Darm und geführt zum Rektum“? Dies würde auch den Wechsel der Präposition erklären: r pḥ.wyt in Eb 191, n pḥ.wyt in Eb 194, denn mꜣꜥ kann beide Präpositionen nach sich ziehen. Als Gegenargument müsste man allerdings geltend machen, dass mꜣꜥ: „führen, leiten“ sonst in den medizinischen Texten nicht belegt ist, außer höchstens in der ganz unsicheren Stelle Eb 873d.

L.P.

gngn.t
Definition:
Eine unbekannte Pflanze. Weiterlesen...

Eine unbekannte Pflanze. B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 133 schlägt eine Identifizierung als „Senna“ vor. V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 101, vermutete hierin eine Bezeichung für unreife Trauben und deren Saft und verglich mit koptisch ϣⲏⲗϣⲏⲓⲗⲓ. Dies hat bereits L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Ägyptologische Studien (Hamburg, Berlin 1924), 159 abglehnt. Auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 341 und H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 539 lehnen Ebbells und Lorets Vorschläge ab.
É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 285 bringt gngn.t im Kommentar zum koptischen ϭⲓⲛϭⲓⲛ ins Gespräch (das vielleicht dem griechischen εὔζωμον, d.h. der Rauke, entspricht, W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 824); er ist sich aber unsicher, ob es tatsächlich dieselbe Pflanze ist. Dennoch ist diese Verbindung weitgehend akzeptiert, etwa von G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 1302 oder W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 509. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 148 zweifelt dagegen einen Zusammenhang mit dem koptischen ϭⲓⲛϭⲓⲛ an, weil (1) die Blätter von gngn.t, im Gegensatz zu denen von ϭⲓⲛϭⲓⲛ, nicht in offizineller Anwendung belegt sind, und weil (2) in manchen Rezepten „Mehl“ von gngn.t verwendet würde, was nicht zur Rauke passen würde. Gegen ihr Argument (1) ist einzuwenden, dass sich die Verwendung der Pflanze zum Koptischen hin geändert haben könnte. Das zweite Argument ist dagegen sehr aussagekräftig; und selbst wenn man in diesen Rezepten „Früchte“ statt „Mehl“ liest – die beiden Wörter sind im Ägyptischen homograph, was in manchen Kontexten die Übersetzung erschwert – widerspricht das ebenfalls einer Deutung als Rauke, weil Raukengewächse keine „Früchte“ besitzen.
Bereits Chassinat, a.a.O. erwähnt das Rezept Eb 28, wo gngn.t mit der „kretischen Langbohne“ (jwr.yt Kft.jw) verglichen wird (NB: dass er von der phönizischen Langbohne spricht, liegt an einer veralteten, auf dem ptolemäerzeitlichen mehrsprachigen Kanoposdekret basierenden Gleichsetzung von Kft.jw mit Phönizien). Darauf basierend, schließt er, dass diese Pflanze zumindest traubenartig oder ein voluminöseres Korn sein müsse; Lorets Vorschlag hält er aber aufgrund der Nennung von „Mehl“ von gngn.t nicht für haltbar. Der kurze Vergleich von Eb 28 ist dann auch der Grund, weswegen T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), passim von der „fève-gengenet“ und B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 259 und passim von der „(fève-)gengenet“ bzw. der „(haricot-)gengenet“ sprechen.

L.P.

Großer-Schutz
Definition:

Wörtliche Übersetzung des ägyptischen Drogennamens zꜣ-wr. Dieser ist mit dem Rohstoffklassifikator Gardiner Sign-list N33 geschrieben, der allgemein auf ein Mineral, eine Frucht oder einen anderen Pflanzenbestandteil hindeuten kann.

J. Lieblein, Bemerkungen zum Papyrus Ebers, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 18, 1880, 127-129, hier 129 nimmt die Bedeutung „großer Schutz“ wörtlich und bringt das ägyptische Kompositum mit einer Clematis-Art zusammen, die laut Dioskurides, De Materia Medica IV, 7 von den Ägyptern φυλάκουον bezeichnet würde. Da dies kein ägyptischer Name sei, hält Lieblein es für eine Lehnbildung nach dem Ägyptischen, die sich des griechischen Wortfeldes φυλάσσω: „bewachen“ etc. bediene.

H.L.E. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 92 lehnt diese Gleichsetzung ab, weil er die Zuverlässigkeit des Dioskurides bei der Nennung ägyptischer Namen anzweifelt. Stattdessen sieht er ebd. und auf S. 145, Anm. 1 im ägyptischen zꜣ-wr den Ursprung des σῶρυ des Dioskurides, das er für ein echt ägyptisches Wort hält. Neben der vermuteten Ähnlichkeit der beiden Wörter findet er Parallelen in der Anwendung von zꜣ-wr bei Augenleiden sowie in Brech- und Abführmitteln mit derjenigen von σῶρυ bei Dioskurides und Plinius bei Augenleiden und in Mitteln gegen Harnprobleme. Lürings Gleichsetzung des ägyptischen und griechischen Drogennamens ist seitdem oft gefolgt worden, etwa von B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 133. Auch J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 179-180 hält eine Gleichsetzung von zꜣ-wr mit σῶρυ weiterhin für denkbar, zumal die Schreibung des demotischen Belegs dafür spräche, dass zꜣ-wr „a stone“ sei.

Allerdings ist überhaupt unklar, worum genau es sich bei σῶρυ handelt, weshalb es selbst bei einer Gleichsetzung mit der ägyptischen Droge unklar bliebe, was diese ist: Liddell/Scott denken an „a kind of ore, perhaps ferrous sulphate, melanterite“, Bailey an „disintegrating pyrites“ (Lit. nach Harris). Auf diese Kommentierung geht sicher der Eintrag bei R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 707, Nr. 25818 zurück, wenn er zu zꜣ-wr schreibt: „*Sory-Mineral/Erz (kupfer- od. eisenhaltig)“. Folgt Harris auch Lüring bezüglich der Verknüpfung von zꜣ-wr mit σῶρυ, so folgt er allerdings dessen Etymologie nur partiell. Harris führt das oft mit σῶρυ zusammen genannte μίσυ an, das sich vom akkadischen „musu“ herleite; analog dazu hält Harris ein gemeinsames akkadisches Wort bzw., allgemeiner: eine semitische Wurzel für denkbar, worauf einerseits das ägyptische zꜣ-wr und andererseits das griechische σῶρυ zurückgehen.

Dawson (nach J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 16) spricht sich gegen die Gleichsetzung von zꜣ-wr mit σῶρυ aus. Aufgrund der Anwendungsgebiete von zꜣ-wr vermutet Dawson darin eher ein Harz als ein Mineral. Dieser Deutung als Harz wird etwa in frankophonen Arbeiten, wie T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), passim gefolgt. J.-C. Goyon, Le recueil de prophylaxie contre les agressions des animaux venimeux du Musée de Brooklyn. Papyrus Wilbour 47.218.138, Studien zur spätägyptischen Religion 5 (Wiesbaden 2012), 69, Anm. 2 vergleicht sogar mit hebräisch צרי: „Harz“. H.-W. Fischer-Elfert, Rez. zu: Goyon, Jean-Claude, Le recueil de prophylaxie contre les agressions des animaux venimeux du Musée de Brooklyn. Papyrus Wilbour 47.218.138, 2012, in: Lingua Aegyptia 20, 2012, 281-288, hier 285 lehnt in seiner Rezension zu Goyon diese Gleichsetzung aus phonologischen Gründen jedoch ab.

R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 181-183 und R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 106-107 ist bezüglich der Identifizierung unsicher. Ihrer Meinung nach spricht das Fehlen eines Pflanzenklassifikators gegen ein Pflanzenharz, das Vorkommen in Räuchermitteln eher dafür, weil brennbare duftende Substanzen eher unter Pflanzenharzen zu finden seien. W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 504 weist darauf hin, dass G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981) zꜣ-wr nicht aufgenommen, es also wohl nicht für eine Pflanze gehalten hat. Er selbst bietet keinen weiteren Vorschlag, sondern belässt es in seiner Übersetzung bei „‚Großer Schutz‘ (Harz/Mineral) (zꜣ-wr)“.

L.P.

ḥfꜣ.t
Definition:

Meist, aber wohl fälschlich, mit dem Spulwurm identifiziert:

Sowohl H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), XVII-XVIII, als auch B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse 1938 (Oslo 1938), 34, identifizieren ḥfꜣ.t mit Ascaris lumbricoides; und wohl über Ebbells Übersetzung des Papyrus Ebers (B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 130) dürfte diese Identifikation in medizinhistorische Arbeiten eingegangen sein. Die Argumente sind allerdings kaum ausreichend: Joachim verweist dazu auf pEbers 66,1 (= Rezept Eb 461), wo ein „schwarzer ḥfꜣ.t-Wurm“ gegen Ergrauen eingesetzt werden soll, und diese Farbcharakterisierung würde nicht zum Bandwurm, dafür aber zu Ascaris lumbricoides passen – obwohl dieser eher rosafarben bis weiß ist. Ebbell führt dagegen als Argument an, dass mit diesem Wort ḥfꜣ.t (korrekter wäre eigentlich: das maskuline Gegenstück ḥfꜣ.w) auch Schlangen bezeichnet würden und ḥfꜣ.t daher wohl generell einen rundlichen Wurm bezeichnet. Und da Ascaris lumbricoides in Ägypyten „sehr verbreitet ist, und da derselbe oft mit dem Stuhlgang abgeht, groß und deshalb leicht erkennbar ist, muß man ohne Zweifel an denselben denken“.

R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 56-57 und R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 30 denkt bei ḥfꜣ.t dagegen an den Bandwurm. Denn in vier Rezepten wird mnj.t n.t jnhm: „Wurzel des Granatapfelbaumes“ dagegen verschrieben. Die Rinde von Stamm und Wurzel enthält ein Alkaloid, das „ein sicheres Bandwurmmittel“ ist (Arzneimittelpflanzen, 57), das aber „keine anderen Wurmarten abtötet“ (Handbuch, 30), und deswegen geht sie davon aus, dass ḥfꜣ.t eben den Bandwurm bezeichnet.

T. Pommerening, Medical Re-Enactments. Ancient Egyptian Prescriptions from an Emic Viewpoint, in: M. C. Guidotti – G. Rosati (Hrsg.), Proceedings of the XI[th] International Congress of Egyptologists, Florence Egyptian Museum, Florence, 23-30 August 2015, Archeopress Egyptology 19 (Oxford 2017), 519-526 kommt in ihrer detaillierten Besprechung des Rezepts Eb 63 zu einem anderen Ergebnis: Germers Interpretation lehnt sie ab, weil sie voraussetzen würde, dass die Ägypter empirisches Wissen über die pharmakologische Überlegenheit der Granatapfelwurzel auf Bandwürmer gegenüber anderen Würmern gehabt haben müssten (S. 520). Durch Nachkochversuche des Rezeptes Eb 63, in dem Granatapfelwurzeln zerstoßen und in Bier stehengelassen werden sollen, stellt Pommerening fest, dass eher das Wirkprinzip „similia similibus curantur“ vorliegt, denn das Ergebnis sieht aus wie eine Ansammlung von Würmern im Stuhl (s. eindrücklich S. 525, Abb. 8A/B). Einer Eingrenzung auf eine spezifische Gattung oder Art steht sie skeptisch gegenüber; sie vermutet in ḥfꜣ.t eher „a general term for intestinal ‚winding‘ worms“ (S. 525), der auch Taenia einschließe, ohne auf diesen beschränkt zu sein. Zu Pommerenings Argumenten ist aber einschränkend anzumerken, dass in Eb 66 der ḥfꜣ.t-Wurm und der pnd-Wurm nebeneinander genannt sind, und da letzterer eine spezifische Wurmart zu bezeichnen scheint, ist es eigentlich naheliegend, dass auch ersterer eine spezifischere Bedeutung hat.

L.P.

ḥm.w
Definition:

ḥm.w: Das Wb kennt vier verschiedene Lemmata:

  1. Wb 3, 81.20-21, ḥm.w: „in offizineller Verwendung“; mit dem Pflanzenklassifikator oder dem Korn N33 geschrieben;
  2. Wb 3, 82.1, ḥm.w: „Art Getreide“, mit dem Kornmaß mit Körnern (Gardiner, Sign-List U9) geschrieben. Beide Lemmata können auch mit doppeltem Schilfblatt geschrieben werden. Außerdem wird noch
  3. ein feminines ḥmw.t (Wb 3, 81.22, „in offizineller Verwendung“) und
  4. ein ebenfalls feminines ḥmy.t (Wb 3, 82.4) gelistet.

Auf den ersten Wb-Zetteln beider femininen Wörter wird auf das jeweils andere verwiesen. Bei Nr. (4) wird im Wb eine Lesung als ḥmꜣ.t: „Salz“ erwogen. In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 349 ist Nr. (1) noch einmal aufgespalten in ein eigenes Lemma für 81.20 und eines für 81.21 (als Bestandteil von kꜣkꜣ). Nr. (2), das in medizinischen Texten nicht verwendet wird, ist im DrogWb nicht extra genannt. Nr. (3) ist auf S. 350 als eigener Eintrag gelistet; Nr. (4) ist auf S. 345 als Schreibvariante von ḥmꜣj.t genannt, weil es in derselben Verbindung erscheint (vgl. S. 347). Das ḥmꜣj.t identifiziert V. Loret, Pour transformer un vieillard en jeune homme (Pap. Smith, XXI,9-XXII,10), in: Anonymous (Hrsg.), Mélanges Maspero I: Orient ancien, MIFAO 66 (Le Caire 1938), 853-877, hier, 866-876 mit dem Bockshornklee, weil die Gewinnung der Körner derjenigen von Graupen entspricht, die Pflanze allem Anschein nach bitter ist, man aus den Körnern ein Öl erhält und auch heute Öl aus Bockshornsamen offizinell verwendet wird; und weil die äußere Anwendung von ḥmꜣj.t im pSmith derjenigen entspricht, die in griechischen und arabischen Papyri mit diesem Öl verbunden wird. A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. I (Oxford 1947), 21 widerspricht dem, weil laut L. Keimer, Sur quelques petits fruits en faïence émaillée datant du Moyen Empire, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 28, 1929, 49-97, hier 84 Bockshornklee ein später Import nach Ägypten sei, und Gardiner vermutet mit Verweis auf eine Stele Ramses’ II. in ḥmꜣj.t „the name of a fruit“. W. Helck, Materialien zur Wirtschaftsgeschichte des Neuen Reiches (Teil V). III. Eigentum und Besitz an verschiedenen Dingen des täglichen Lebens. Kapitel AI - AL: Einzelbetrachtungen von Lebensmitteln und Materialien, Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz): Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse 1964.4 (Mainz, Wiesbaden 1965), 194 (802) schließt sich Lorets Deutung von ḥmꜣj.t als Bockshornklee an und vermutet ferner in (hier:) Nr. (2) dasselbe Wort. J.J. Janssen, Commodity Prices from the Ramessid Period. An Economic Study of the Village of Necropolis Workmen at Thebes (Leiden 1975), 357-358 bespricht kurz Nr. (2), wofür er auf Lorets Identifizierung und Gardiners Zweifel hinweist, obwohl zumindest in Lorets Besprechung das Wb-Lemma Nr. (2) keine Rolle spielt. Über die Möglichkeit, dass es sich dabei um ein Getreide handelt, kommt er aber nicht hinaus. Zur Identifizierung von ḥm.w als Bestandteil von kꜣkꜣ trägt diese Diskussion allerdings nichts bei. Auf den DZA-Zetteln ist für ḥm.w in der Verbindung mit kꜣkꜣ die Bedeutung „Blätter“ angegeben.

L.P.

ḥsb.w
Definition:

ḥsb.w n wꜣḏ: „ḥsb.w-Paste (?) aus Malachit“: In medizinischen Kontexten nur im pEbers und dort nur drei Mal belegt: in Eb 533, 613 und 766b. Das Wort vor n wꜣḏ ist in allen drei Fällen mit dem „schlechten Paket“, Gardiner Sign-list Aa2, geschrieben, das in Eb 533 als Klassifikator dient und in den anderen beiden Fällen als Logogramm; in Eb 613 und 766b hat es zusätzlich eine w-Endung und in Eb 766b ein Rechteck als Klassifikator. Die Lesung ist scheinbar durch Eb 533 vorgegeben, das die Einkonsonantenzeichen und p vor dem schlechten Paket stehen hat. Das suggeriert, dass es dasselbe Wort ẖp(ꜣ) ist, das als Bestandteil der ꜥš-Konifere, des Wacholders, des Afrikanischen Ebenholzbaumes und des Weihrauchs bekannt ist (H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 412-413). Die Übersetzungen und Kommentierungen gehen tatsächlich davon aus, dass es sich um dasselbe Wort handelt (zu den entsprechenden Übersetzungen s. daher auch den Kommentar zur ẖpꜣ-Droge); aber immerhin nimmt DrogWb es als separates Lemma auf (413-414). J.J. Clère hatte dagegen in einem 1947-1948 vorbereiteten Artikel aufgrund von Pleneschreibungen in Tb 100/129 für die logographisch geschriebenen Belege die Lesung ḥsb.w vorgeschlagen, s. E. Iversen, Some Ancient Egyptian Paints and Pigments. A Lexicographical Study, Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab. Historisk-filologiske Meddelelser 34.4 (København 1955), 17. Iversen vergleicht daraufhin dieses ḥsb.w mit dem ḥsb.t-Gewürm und vermutet hinter dem ḥsb.w n wꜣḏ die Bezeichnungen ἰὸς σκώληξ: „Grünspan-Wurm“ von Dioskurides V 92 bzw. scolecia von Plinius, N.H. 34,28. Diese Interpretation wird von DrogWb, 127-128, Anm. 2 und 413-414, eben mit Verweis auf die Pleneschreibung ẖp(ꜣ) in Eb 533, zurückgewiesen. Ohne auf die Problematik der scheinbaren Pleneschreibung einzugehen, akzeptiert J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 144-145 die Lesung ḥsb.w (n wꜣḏ); Iversens Vergleich mit ἰὸς σκώληξ und scolecia lehnt er dennoch ab, weil sich der wurmähnliche Zustand dieses Produktes durch künstliches Rollen ergebe und kein natürlicher Zustand sei. Neben der Totenbuch-Passage, wonach ḥsb.w n wꜣḏ zur Herstellung einer magischen Barke verwendet werden soll, verweist Harris auf die Herstellung eines Siegels in Edfu aus demselben Material; außerdem verweist er darauf, dass es im Totenbuch als dq.w n ḥm.t wꜣḏ.t: „Pulver von grüner Fritte“ bezeichnet sei. Insgesamt hält er ḥsb.w n wꜣḏ für „related to frit, possibly the crushed malachite used in making it“ (S. 145). Eine ausführliche Diskussion des Wortes ḥsb.w, inklusive Auflistung und Besprechung der einzelnen auch hier angeführten Belege, findet sich dann in dem erwähnten Artikel von Clère, der erst 1979 in überarbeiteter Fassung erschienen ist (J.J. Clère, Recherches sur le mot [Aa2*Z7:O39] des textes gréco-romains et sur d’autres mots apparentes, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 79, 1979, 285-310, zur Entstehungsgeschichte vgl. S. 309-310). Zu ḥsb.w n wꜣḏ und einem sicher gleichbedeutenden ḥsb.w wꜣḏ (mit Adjektiv statt Genitivverbindung) s. bes. 300-306. Nach Diskussion der Belege vermutet Clère auf S. 308 hinter ḥsb.w „une matière pâteuse ou plastique (qu’elle soit ou non de couleur verte)“. Für die Droge der medizinischen Texte hält er aufgrund der Pleneschreibung von Eb 533 dennoch eine Lesung ẖpꜣ n wꜣḏ für möglich (S. 306). Dennoch ist es denkbar, auch diese Belege denen von Clère hinzuzufügen: Eine Lösung findet sich schon bei W. Westendorf, Grammatik der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VIII (Berlin 1962), § 9.d, der in Eb 533 eine „falsche Komplementierung eines Ideogramms“ vermutet. Es wäre also denkbar, dass sich der Schreiber in Eb 533 von der Droge ẖpꜣ hat leiten lassen – entweder aufgrund der ähnlichen Klassifizierung oder vielleicht eines äußerlichen Tertium comparationis, das allerdings bis zur genauen Identifizierung der ẖpꜣ-Droge unbekannt ist.

L.P.

ḫꜣs.yt
Definition:

W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 45 vermutet aufgrund der Verwendungsweise und der Erwähnung von Ranken in dieser Pflanze die Zaunrübe (Bryonia). Diese Identifizierung wird von R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 291-292 abgelehnt, weil die genannten Anwendungsgebiete von ḫꜣs.yt zu allgemein sind, um es mit Bryonia zu vergleichen bzw. sich gerade die zu erwartenden Bestandteile bzw. Wirkungen von Bryonia kaum bis gar nicht in den Verwendungsbereichen von ḫꜣs.yt widerspiegeln. Dementsprechend lässt auch W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 550 die Übersetzung offen. T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 253 bleibt bei „bryone“, versieht es aber mit einem Fragezeichen.

L.P.

Johannisbrot
Definition:

Ägyptisch ḏꜣr.t. V. Loret, Recherches sur plusieurs plantes connues des anciens Égyptiens (suite), in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 15, 1893, 105-130, hier 124-130 (mit Besprechung älterer Vorschläge) versteht hierunter das Fruchtfleisch des Johannisbrotbaums, das getrocknet in den Rezepten als Süßstoff diente. In ptolemäischer Zeit sei die Bedeutung auf den ganzen Baum ausgedehnt worden und lebt im koptischen ϫⲓⲓⲣⲓ weiter, das Lorets Argumentationsbasis bildet. W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 41-44 schließt Lorets Meinung aus, weil der Johannisbrotbaum medizinisch nutzlos sei und ḏꜣr.t nicht in Nahrungsmittellisten auftauche. Die Verwendung seines „Inneren“ und seines „Saftes“ spräche für eine fleischige Pflanze; die Klassifizierung mit dem Korn (Gardiner, Sign-list N33) sei ein Indikator für kugelige Früchte. Dies, die Hinweise auf eine adstringierende Wirkung und den bitteren Geschmack, und schließlich Ähnlichkeiten in der Anwendung von ḏꜣr.t und der Koloquinte bei Ibn el-Beithar lässt ihn eher an die Koloquinte denken. Seine Deutung ist lang akzeptiert gewesen. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 350-360 zweifelt dagegen Dawsons Deutung an, v.a. weil es angesichts der abführenden Wirkung der Koloquinte merkwürdig sei, nur viermal ḏꜣr.t in Abführmitteln zu finden. Sie enthält sich einer Identifizierung. S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle I-III, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 83, 1983, 1-31, hier 28-31 weist Dawsons Argument der Determinierung zu Recht als wenig aussagekräftig zurück (Gardiner Sign-list N33 dürfte tatsächlich eher als Klassifikator für [ROHSTOFF] angesehen werden als einer für [RUND]). Außerdem, so Aufrère, sei der Johannisbrotbaum zwar nicht in Ägypten heimisch, aber sein Holz sei seit der 12. Dynastie verwendet und der Baum damit importiert worden. Schließlich sei angesichts der starken Wirkung der Koloquinte die Häufigkeit und v.a. die Quantität, in der ḏꜣr.t in den Rezepten vorkommt, auffällig. Er schließt sich daher wieder Loret an und deutet ḏꜣr.t als Johannisbrot. Es ist jedoch zumindest anzumerken, dass in den medizinischen Texten auch die pr.t: „Frucht“ der ḏꜣr.t genannt wird, so dass anzunehmen ist, dass das Wort auch schon vor der ptolemäischen Zeit den ganzen Baum bezeichnen kann, sofern mit pr.t nicht die in den Schoten befindlichen Samen gemeint sind.

Im Demotischen ist der Pflanzenname dann gelegentlich zu ṯꜣj-jr.t: „which takes/affects the eyes“ uminterpretiert worden, vgl. M. Smith, Papyrus Harkness (MMA 31.9.7) (Oxford 2005), 98, n.(d) (Hinweis Amber Jacob); und in den von Amber Jacob im Rahmen ihrer Dissertation bearbeiteten medizinischen Papyri in Kopenhagen findet sich eine Droge jr.t, die vielleicht nur eine abgekürzte Version davon darstellt (vgl. auch den Vorbericht A. Jacob, Demotic Pharmacology. An Overview of the Demotic Medical Manuscripts in the Papyrus Carlsberg Collection, in: N. Reggiani – F. Bertonazzi (Hrsg.), Parlare la medicina: fra lingue e culture, nello spazio e nel tempo. Atti del convegno internazionale, Università di Parma, 5-7 settembre 2016, Studi sul mondo antico 7 (Firenze, Milano 2018), 52-79, hier 72-73). Ein sehr früher Fall einer solchen Umdeutung und Abkürzung liegt vielleicht schon in dem Rezept H 125 vor, wo eine Droge jrtj vorkommt, während im Parallelrezept Eb 563 ḏꜣr.t (und bnr wꜣḏ) steht, vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 51. Was allerdings die Möglichkeit, dass der Drogenname ḏꜣr.t so umgedeutet worden sein kann, für seine Aussprache und damit für den seit Loret postulierten Zusammenhang mit dem koptischen ϫⲓⲉⲓⲣⲉ/ϫⲓⲓⲣⲓ, ergo: eines der Hauptargumente für die Übersetzung als Johannisbrot, bedeutet, bliebe weiter zu untersuchen.

L.P.

Kauens
Definition:

Kauen, ägyptisch wšꜥ.w

Herkunft

Die ägyptische Krankheitserscheinung wšꜥ.w ist eine Ableitung vom Verb wšꜥ, bei dem es sich klar um ein Verb der Nahrungsaufnahme handelt. Das ist gesichert durch die Klassifizierung mit dem Elephantenzahn (Gardiner Sign-list F19), der auf einen Zusammenhang mit Zähnen hindeutet, und den sitzenden Mann mit Hand am Mund (Gardiner Sign-list A2), der bei Wörtern der geistigen Betätigung und der Nahrungsaufnahme steht, und zum anderen durch die Kontexte der Belege.

  1. Der primäre Fokus des Verbs scheint auf dem Vorgang des Kauens zu liegen. Denn es gibt Stellen im Papyrus Ebers (Eb 25, Eb 314), in denen der Patient angewiesen ist, mit einem Heilmittel wšꜥ zu machen und es dann mit einer Flüssigkeit (als Schluckhilfe?) hinunterzuschlucken (sꜥm). Auch das wšꜥ-machen von Natron und Weihrauch im Rahmen ritueller Reinigungen etwa in Tb 172 meint zunächst das Kauen und nicht zwangsläufig auch das Hinunterschlucken.
  2. In einem erweiterten Gebrauch kann das Verb dann auch den gesamten Vorgang der Nahrungsaufnahme inklusive dem Hinunterschlucken bezeichnen. Denn es steht bspw. in den Pyramidentexten, PT 688, in einer Konstruktion parallel zu dem Verb wnm, dem allgemeinen Oberbegriff für „essen“; und in Edfu (Edfou VII, 122, 12-15) werden dem Horus „jꜣrr.t-Weintrauben mit Saft“ angeboten, und er soll die Flüssigkeit „hinunterschlucken“ (ꜥm) und die Trauben/Rosinen (wnš) wšꜥ-machen. Diese und die anderen Belege zeigen, dass wšꜥ sich auf die Aufnahme fester Nahrung bezieht. Die Tatsache, dass es zuerst in den Pyramidentexten belegt ist und auch sonst häufig in religiösen Texten, wie dem Totenbuch oder dem Ritualtext zur Niederwerfung des Apophis, vorkommt, sowie die Tatsache, dass auch Feuer wšꜥ machen kann, dürfte der Grund sein, weswegen bei Übersetzungen gelegentlich ein Verb des gehobeneren Sprachregisters (wie „verzehren“) verwendet wird, etwa in Wb 1, 370.9-12.
  3. Im Neuägyptischen kann es dann auch von Tieren gesagt sein: So wird in pLansing 6,6 der verzweifelte Bauer beschrieben, der morgens sein Gespann nicht mehr findet, weil Schakale damit wšꜥ gemacht haben, und im Märchen von Wahrheit und Lüge auf pChester Beatty II, Z. 3,3-4 wird jemand einem wilden Löwen vorgeworfen, der anscheinend – die Stelle ist etwas verderbt – sofort wšꜥ mit ihm macht. In diesen Fällen könnte man wšꜥ vielleicht mit „(auf)fressen“ oder „verschlingen“ übersetzen.
  4. Der demotische Nachfolger ist wš(e) (W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 101), der koptische ⲟⲩⲱ(ⲱ)ϣⲉ, W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 282. Beide beziehen sich auf das Verzehren des Feuers.

Vorkommen

Das Substantiv wšꜥ.w ist bislang auf medizinische Texte beschränkt, scheint also ein Terminus technicus zu sein.

Der älteste Beleg, aus der 12.-13 Dynastie, stammt aus dem Veterinärmedizinischen Papyrus Kahun (dort nur mit dem Zahn und dem Wachtelküken geschrieben, was aber im Prinzip der Abkürung mit Zahn, w-Schleife und Pluralstrichen von Eb 615 entspricht). Dort ist der letzte noch erhaltene Krankheitsfall diesem Phänomen gewidmet, das zu unterschiedlichen Jahreszeiten an einem männlichen Rind auftritt oder zumindest zu unterschiedlichen Jahreszeiten an ihm beobachtet werden kann – die Beschreibung ist nicht eindeutig. Die Erscheinung geht mit krankhaften, aber nicht sicher spezifizierbaren Zuständen der Augen einher und soll mit einem Einschnitt oder Einstich behandelt werden.
Später taucht es nur in den großen Sammelhandschriften der späten 2. Zwischenzeit / des frühen Neuen Reiches auf: den Papyri Ebers, Hearst und Louvre E 32847. Außerdem kommt es noch je einmal auf pChester Beatty VI und auf pBerlin P 3038 vor, beide aus der 19. Dynastie. Das sollte jedoch nicht dahingehend missverstanden werden, dass dieses Phänomen zunächst bei Tieren beobachtet wurde und erst später dasselbe Konzept für dasselbe oder ähnliche Phänomen bei Menschen angewendet worden wäre. Vielmehr wird es Zufall sein, dass es nicht in den wenigen und bruchstückhaften (human)medizinischen Papyri des Mittleren Reiches vorkommt; und andererseits gibt es nur diesen einen veterinärmedizinischen Papyrus, so dass keine Aussage möglich ist, ob das Phänomen nicht auch noch in späterer Zeit bei Tieren beobachtet wurde.

In den (human)medizinischen Papyri kann wšꜥ.w prinzipiell an „allen Körperteilen“ (ꜥ.t nb.t) vorkommen, explizit genannt werden im Papyrus Ebers Beine und Knie (H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 223) und im pLouvre E 32847, Vso. 4,6-11 die Arme (T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 182-183). In der Beschwörung einer kranken Brust (Eb 811) werden die Untoten beschoren, kein wšꜥ.w zu verursachen; d.h. es kann prinzipiell auch im Brustbereich auftreten. Mit Eb 742 ist zudem ein Heilmittel für einen Zahn gegeben, dessen Zahnfleisch an der Öffnung im Zustand wšꜥ ist – hier ist ein Partizip des Verbs verwendet, nicht das Substantiv, aber prinzipiell sollte diese Stelle mit berücksichtigt werden.
Ein Zweifelsfall ist Eb 662, ein Rezept gegen „wšꜥ.w eines mt-Gefäßes“. Mit mt.w sind alle strangartigen Teile im Inneren des Körpers gemeint, wie Adern, Venen, Sehnen, Nerven, Muskelfasern usw. – wenn B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse 1938 (Oslo 1938), 48-49 davon ausgeht, dass mt auch den Penis bezeichnen kann und auch Eb 662 zu den äußeren Krankheiten zu rechnen ist, dann nur deswegen, weil er für wšꜥ.w a priori die Bedeutung „jucken“ ansetzt (s.u.), was eben ein innenliegender Teil des Körpers nicht könne. Diese Behauptung wird von allen anderen Bearbeitern implizit oder explizit abgelehnt; H. Grapow, Anatomie und Physiologie, Grundriß der Medizin der alten Ägypter I (Berlin 1954), 75 verweist darauf, dass in den medizinischen Texten schon zwei Wörter für den Penis verwendet würden und ein drittes daher unwahrscheinlich wäre. Damit wäre Eb 662 ein möglicher Beleg dafür, dass wšꜥ.w auch im Körperinneren vorkommen kann. Wenn man dagegen die Rezeptüberschrift als Genitivus subjectivus interpretiert, dass also zunächst nur ein wšꜥ.w gemeint ist, das von einem mt-Gefäß verursacht wird, dann sagt Eb 662 nicht zwangsläufig aus, wo sich dieses wšꜥ.w manifestiert: das könnte auch die Körperoberfläche sein. Verkompliziert wird diese Teildiskussion durch pLouvre E 32847, wo in zwei invokativen Passagen anscheinend doch mt den Penis bezeichnen kann: In Vso. 12,5 wird der Gott Chons angerufen, pri̯ m bꜣḥ mt sḫnti̯ m Wsjr: „der aus der Eichel des mt hervorkommt [sic, pri̯ m-bꜣḥ mt: „der vor dem mt hervorkommt“, ergibt keinen Sinn], der/das vorangebracht wurde (?) von (??? m=n?) Osiris“ (Bardinet, a.a.O., 199-200; seine Übersetzung von mt sḫnti̯ m Wsjr durch „phallus en érection d’Osiris“ umgeht die Übersetzungsschwierigkeiten). Und in Vso. 15,6 wird in einer Reihe von Göttern und anderen Entitäten auch das mt n bnn, das „mt des Erzeugers“ angeruften (Bardinet, ebd., 206). Mindestens die zweite Stelle verstärkt den Verdacht, dass mt tatsächlich gelegentlich den Penis bezeichnen kann, was dann auch für Eb 662 doch wieder möglich wäre. Ob auch die Stelle in Rto. x+5,4 hierzu zählt (so jedenfalls Bardinet, a.a.O., 64), wo das mt „gesalbt (gs) werden“ soll, ist dagegen unsicher – hier könnte genauso gut das für Eb 662 als Alternativinterpretation Gebotene zutreffen, dass nämlich nicht das mt selbst, sondern dessen Manifestation auf der Körperoberfläche gesalbt werden soll (das wäre bspw. denkbar, wenn in diesem konkreten Fall mt die Muskeln meint, die sich an der Körperoberfläche abzeichnen, und ebenso wie in der modernen Medizin durch Salben behandelt werden können).
Ein weitaus gewichtigeres Argument statt Eb 662, dass wšꜥ.w auch im Körperinneren vorkommen kann, ist pLouvre E32847, Rto. x+1,2-3 (leider mit zerstörtem Anfang): Dort soll eine Frau mit einer bnn.t-Geschwulst/Geschwür während der Menstruation, wenn die „Wurzel des Kanals“ Eiter hat und die Lunge gefüllt ist (?), einen Dämon anrufen, der sich in ihrem Körper befindet und der in ihrem Leisten-/Beckenbereich (npḥ.w) wšꜥ macht (Bardinet, a.a.O., 48-49).

Ziel der Rezepte ist meist sgr.t wšꜥ.w: „stillen (wörtl.: still/stumm machen) von wšꜥ.w“. Das Verb sgr.t kommt sonst in den medizinischen Rezepten nur noch im Zusammenhang mit Husten vor und lässt daher an einen Reiz denken. Die pharmakologische Behandlung erfolgt stets durch Salben und Verbinden der betroffenen Körperstelle, wie es für äußere Erscheinungen üblich.

Insgesamt tritt wšꜥ.w oft zusammen mit šf.wt auf. Letzteres ist eine Ableitung von šfu̯: „anschwellen“ und bedeutet wohl eine Art Schwellung.B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 64 1929, 117-122, vermutet darin „Nässen, nässende Hautflechte“, denn es komme oft mit „Jucken“ vor (wšꜥ.w, s.u.); Eb 565 ist ein Mittel „zum Herausholen des Wassers“ aus šf.wt, und Eb 567 = H 128 ist dazu da, das Wasser aus šf.wt abgehen zu lassen. Außerdem käme es am gesamten Körper vor, mit „Vorliebe für die unteren Extremitäten“. Aus diesen Gründen sei es wohl eine äußerliche Erscheinung. Nur in Eb 39 und 585 erscheint es im Körper, was Ebbell damit erklärt, dass šf.wt von den Ägyptern wie andere Symptome und Krankheiten als von einer Materia peccans, einer krankmachenden Substanz im Körper, verursacht gedacht würde und daher auch schon dort bekämpft werden könne. Dass šf.wt generell Nässen bedeutet, lehnt H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-ḏ), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 850 dagegen ab, weil das zu selten genannt ist und weil nie „Trocknen“ als Behandlung genannt sei; generell geht MedWb davon aus, dass šf.wt ein allgemeiner Begriff für eine Schwellung ist.
Weil in den Rezepten, in denen šf.wt und wšꜥ.w zusammen vorkommen, wšꜥ.w immer nach šf.wt genannt wird, nehmen H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 224 und W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 295 an, dass wšꜥ.w eine Folgeerscheinung von šf.wt ist. Dies war zunächst nur eine Hypothese, könnte aber nun durch pLouvre E 32847, Rto. 28,1-9 bestätigt werden, wo in einer Beschwörung die šff.yw und bnn.yw (und vielleicht weitere, in der Lücke stehende Entitäten?), d.h. wohl die für šf.wt bzw. bnn.wt verantwortlichen Dämonen, angerufen werden, neben anderen Dingen kein wšꜥ.w zu verursachen (Bardinet, a.a.O., 155-156). In dem Lehrtext über šf.wt auf pLouvre E32847, Vso. 4,6-11 wird wšꜥ.w ferner als Teil oder Begleiterscheinung genannt, Bardinet, a.a.O., 182-183.

In Recto 21,1-4 wird in einer Beschwörung gegen die „Chons-Geschwulst“ (ꜥꜣ.t n.t Ḫns.w) eine nichtägyptische Form des Thot als „Pavian des Berges Laban“ angerufen, seinen feurigen Atem u.a. gegen šf.wt, ꜥ(r)ꜥ.wt und wšꜥ.w einzusetzen. Sowohl šf.wt als auch wšꜥ.w sind also ferner konstituierende Element der Chons-Geschwulst (Bardinet, a.a.O., 135-137). Auch im anschließenden Spruch gegen das Blut, das wohl bei der Behandlung der Chons-Geschwulst fließt, werden diese drei Elemente angesprochen und sollen vertrieben/beseitigt (dr) werden, Bardinet, a.a.O., 142.

Weiterhin sei erwähnt, dass die Rezeptgruppe Eb 592-602, die mit „Heilmittel gegen ‚Blutfraß‘ (wnm-znf) und wšꜥ.w“ überschrieben ist, auch ein Heilmittel zum „Beseitigen eines ‚Blutnestes‘ (sš-n-znf)“ und eines zum Beseitigen von Blut von einer Körperseite, eines zum „Herannahen-Lassen (d.h. Hervorbringen? stkn) von Eiter“ und eines zum Beseitigen einer Krankheit, die „im Inneren des Körpers ist“ enthält. Auch nach pLouvre E 32847, Rto. x+25,5-6 befindet sich Eiter im wšꜥ.w, vgl. Bardinet, a.a.O., 151. Je nachdem, wie sich „Blutfraß“, dessen Identität noch unklar ist (s. den Kommentar dort), und wšꜥ.w zueinander verhalten, und wie sich die in der Rezeptgruppe genannten Einzelrezepte zu diesen beiden Erscheinungen verhalten, könnte dies weiteren Aufschluss über die Identität dieser Erscheinung geben.

Bedeutung

Rein von der Grundbedeutung des Verbs wšꜥ ausgehend, könnte man das Nomen wšꜥ.w zunächst wertneutral als „Kauen“, „Verzehr/Verzehren“ oder „Fressen“ übersetzen. Klasssifiziert ist es meist mit dem Elephantenzahn allein (nur einmal noch zusätzlich mit dem Mann mit Hand am Mund) sowie mit Pluralstrichen, die aber keinen echten, grammatischen Plural anzeigen, sondern das Wort als Abstraktum klassifizieren. Im Rezept Eb 811 wird es statt mit Zahn und Pluralstrichen mit dem „schlechten Paket“ (Gardiner Aa2) und Pluralstrichen geschrieben, dem typischen Klassifikator medizinischer Texte für Krankheitserscheinungen, genauer: für Symptome und Urheber, vgl. T. Pommerening, Heilkundliche Texte aus dem Alten Ägypten: Vorschläge zur Kommentierung und Übersetzung, in: A. Imhausen – T. Pommerening (Hrsg.), Translating Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Greece and Rome. Methodological Aspects with Examples, BzA 344 (Berlin, Boston 2016), 175-279, hier 192. In vier anderen Rezepten, Eb 556, 591, 592 und 662, wird es mit dem Mineralienkorn und Pluralstrichen geschrieben, eigentlich einem typischen Klassifikator für Samen, Früchte, Mineralien u.ä. kugel- und/oder körnerförmige Drogennamen, sowie einmal, in Bln 24, mit dem Ei und Pluralstrichen, was für Zähflüssiges gebraucht wird (s. zu beidem u.a. Pommerening, a.a.O., 194). Die Ägypter scheinem dem wšꜥ.w-Phänomen demzufolge mitunter auch eine stoffliche Qualität zugeschrieben zu haben. Dafür spricht wohl auch, dass es in der Beschwörung von Eb 811 zwischen wsš.t: „Ausscheidung“ und znf: „Blut“ genannt wird. Außerdem wird es in pLouvre E 32847, Rto. 28,3 in einer Aufzählung von schädlichen Entitäten, die nicht im Körper entstehen sollen, neben mw: „Wasser, Flüssigkeit“ und ry.t: „Eiter“ genannt (Bardinet, a.a.O., 156; nebenbei bemerkt wird es dort noch zusätzlich mit der knöchernen Harpunenspitze Gardiner Sign-list T19 klassifiziert, als ob es etwas Knöchernen oder Knochenhartes wäre; aber die Schreibung wäre zunächst an einem Foto zu prüfen, bevor sie als sicher gelten kann).

Die in der Literatur oft zu findende Bedeutung „Jucken“ u.ä. basiert auf L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 57b, der wšꜥ.w mit „prurigo; mordacitas“ übersetzte, d.h. mit „Juckreiz; Bissigkeit, Beißen, Stechen“, wobei zu beachten ist, dass Stern alle Wörter ins Lateinische und nicht ins Deutsche übersetzte und daher hinter „prurigo“ nicht der medizinische Fachterminus mit allen ihm innewohnenden Charakteristika stecken mag, sondern nur das allgemeine lateinische Substantiv, das sowohl medizinische wie metaphorische Bedeutungen haben kann, s. C.T. Lewis – C. Short, A Latin Dictionary (Oxford 1879), s.v. „prurigo“. Erstmals explizit als „Symptom“ bezeichnet und damit als medizinischer Fachterminus verstanden, findet sich das „Jucken“ in Ebbells Besprechung von šf.wt (B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 64 1929, 117-122). Sterns Bedeutung ist etwas apodiktisch vom Verb abgeleitet, das er a.a.O. mit „mandere, manducare, arrondere, inde cruciare“ übersetzte, d.h. als „kauen, nagen, und daher peinigen“; seine Assoziationskette für das Substantiv war also „Kauen“ > „Beißen“ > „Stechen“ > „Jucken“. Dass die späteren Übersetzungen des Wortes als „Jucken“ oder „Juckreiz“ direkt auf ihn zurückgehen, zeigt sich am deutlichsten in der Ebers-Übersetzung von H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), der in 145, Anm. 1 die Gleichung „ušāu = prurigo“ gibt und es im Haupttext mit „Jucken“ übersetzt. Schon wenige Jahre später ist das Wort bei H.L.E. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 35 ganz selbstverständlich als „Jucken und Kitzeln“ übersetzt und nicht weiter hinterfragt. W. Wreszinski, Der grosse medizinische Papyrus des Berliner Museums (Pap. Berlin 3038). In Facsimile und Umschrift mit Übersetzung, Kommentar und Glossar, Die Medizin der alten Ägypter 1 (Leipzig 1909), 53 (zu Bln 24) umschreibt die Bedeutung immerhin noch mit: „ein Leiden, das einen ‚kauenden‘ Schmerz hervorruft, also Jucken oder Stechen“. Im Wb 1, 370, 14 steht nur noch: „das Beissen, das Jucken (als Krankheitserscheinung)“, vgl. schon DZA 22.618.430. Ebbell, a.a.O., geht in seiner Besprechung des Wortes šf.wt davon aus, dass „wšꜥw unzweifelhaft die Bezeichnung für das Symptom ‚Jucken‘“ ist. Abschließend erwähnt er eine kurze Stelle bei G. Zoëga, Catalogus codicum Copticorum manu scriptorum qui in Museo Borgiano velitris adservantur (Romae 1810), 626-627, wo das Ende eines Rezeptes vorkommt, in dem mit ϣⲁⲃⲉ ein mögliches koptisches Derivat von šf.wt genannt ist, direkt gefolgt von einem Rezeptanfang gegen ⲯⲱⲣⲁ: „Scabies“ und ϩⲱⲕⲉ: „Jucken“ (aber nicht ⲟⲩⲱ(ⲱ)ϣⲉ!). Obwohl von Ebbell nicht explizit mit wšꜥ.w verbunden, könnte man vermuten, dass ihn dieser Text in seiner Annahme, dass šf.wt von Jucken begleitet ist und im pEbers eben wšꜥ.w dieses Jucken ist, weiter bestätigte. Auch spätere Übersetzungen gehen schlicht von der Bedeutung „Jucken“ aus. So B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 87 („itching“), F. Jonckheere, Le papyrus médical Chester Beatty, La médecine égyptienne 2 (Bruxelles 1947), 17 („le prurit“), G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 99 („démangeaisons“). H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 223 geht dagegen wieder zur Grundbedeutung zurück und übersetzt mit „Fressen“; W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 295 vermutet aufgrund des Zusammenhangs mit šf.wt und des zweimaligen Vorkommens mit „Blut“ bzw. „Blutfraß“ (wnm-znf), dass es eine „Schwellung“ sein könnte, „die in ein fressendes Geschwür übergeht“. Vermutlich wegen der oben genannten, von den Ägyptern angenommenen stofflichen Qualität hat T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 205 u.ö. wšꜥ.w stets mit „substances-qui-rongent“ übersetzt.

L.P.

Kauter-Gehilfen
Definition:

Kautergehilfe, ägyptisch zꜣ-ḥmm: Wörtl.: „Sohn des ḥmm-Gerätes“. Während Wb 3, 95.12 darin eine Bezeichnung eines Arztes vermutet, denken H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-ḏ), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 707 im Gegenteil an eine Bezeichnung eines mit einem ḥmm-Gerät Behandelten, also des Patienten. Im erst seit wenigen Jahren bekannten pLouvre E 32847, Verso 6,6 ist aber der zꜣ-ḥmm als jemand genannt, der unter Aufsicht eines Arztes eine Zyste (ḥmꜣ) behandeln (srwḫ) soll, die weich ist und an der Oberfläche Wasser produziert, s. T. Bardinet, Médecins et magiciens à la cour du pharaon. Une étude du papyrus médical Louvre E 32847 (Paris 2018), 186-187 und T. Pommerening, „Wer weiß was?“. Heilkundliches Wissen und Wissenstransfer zur Zeit der Pharaonen, in: N. Reggiani – F. Bertonazzi (Hrsg.), Parlare la medicina: fra lingue e culture, nello spazio e nel tempo. Atti del convegno internazionale, Università di Parma, 5-7 settembre 2016, Studi sul mondo antico 7 (Firenze, Milano 2018), 147-180, hier 155. Das erlaubt eine eindeutige Entscheidung zwischen diesen beiden Alternativen zugunsten des Vorschlags des Wb. Auch die Bemerkung von F. Jonckheere, À la recherche du chirurgien Égyptien, in: Chronique d’Égypte 26 (51), 1951, 28-45, hier 40-43, dass der zꜣ-ḥmm weder ein „associé médical“ noch ein „collaborateur chirurgical“ (S. 43) sei, weil er in den fraglichen Ebers-Rezepten gar nicht als Handelnder erscheint, sondern nur eine bestimmte Handlung mit seiner Tätigkeit verglichen würde (mj srwḫ ...), ist damit hinfällig.
Das Wort zꜣ: „Sohn“ (die Schreibung ohne Logogrammstrich kommt auch an anderen Stellen der medizinischen Texte vor, s. MedWb 2, 703) ist in diesem Zusammenhang natürlich nur metaphorisch zu verstehen. Zum „Schüler“ als „Sohn“ in den Lebenslehren und verwandten Texten s. H. Brunner, Altägyptische Erziehung, 2., unveränderte Auflage (Wiesbaden 1991), 10-11. Dass es neben dem „Schüler des ḥmm-Gerätes” auch einen „Meister“ o.ä. gegeben habe, kann man daraus aber nicht zwangsläufig schließen. Die Stelle im Louvre-Papyrus präsentiert jedenfalls den zwn.w-Arzt als Beaufsichtigenden. Mit dem zꜣ-ḥmm ist also jemand gemeint, der auf der einen Seite die Funktion eines Gehilfen ausübt, auf der anderen Seite im Rahmen dieser Hilfsstellung aber eine gewisse Spezialisierung aufweist.
Die Identität des ḥmm-Gerätes, das bislang nur einmal, nämlich in Eb 865, außerhalb des Titels genannt ist, ist unsicher. Es ist ein „Gerät zum Aufstoßen einer ꜥꜣ.t-Geschwulst“ (MedWb 2, 602), daher wohl die Übersetzung „surgeon’s knife (?)“ bei R.O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 170. MedWb 2, 708, Anm. 1 zu zꜣ-ḥmm verweist auf das in Pyr 2029 = PT 678 genannte Verb ḥmm als mögliches Kognat; und weil dieses parallel zu smt: „verhören, foltern“ steht, vermutet MedWb hinter zꜣ-ḥmm „einen ‚Gefolterten‘ (mit heißem Metall Gebrannten)“. Da es im Rahmen von Behandlungen mit Feuer genannt wird, vermutet schon H.L.E. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 55 eine „Ausbrennung der Wunde mittelst eines glühenden Metallstabes“, worin ihm spätere Bearbeiter folgen.

L.P.

Knoblauchzehe
Definition:

Die vaginale Darreichungsform von ṯꜣ n.j ḥḏ.w (vgl. Papyrus Carlsberg VIII [Clb IV,1,x+4-x+6]) deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Droge allem Anschein nach um die Zehe einer Knoblauchzwiebel handelt. Das altägyptische ṯꜣ ist im medizinischen Sinne auch als Klümpchen und in der Verbindung mit dem Wort ḥḏ.w als Maßangabe für diese Pflanze anzutreffen, vielleicht: Knolle oder Zehe. Wb 5, 342.1 schreibt: „von den kleinen Zwiebeln des Knoblauch“. Belegstelle in pKahun 28 3,17-19: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 97, 20-21: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 70, 8-9. Das Pflanzen-Determinativ M2 statt N33 („Kügelchen“) weist ebenfalls darauf hin, dass es sich um die Mengenangabe eines pflanzlichen Produktes handelt. Die Knoblauchzehe eignet sich ihrer Form nach gut zur vaginalen oder rektalen Applikation, vgl. etwa mit einem Zäpfchen. Knoblauchzehen als Vaginalzäpfchen kommen auch in der modernen naturheilkundlichen Gynäkologie zum Einsatz.

Das altägyptische ḥḏ.w meint wortwörtlich eine helle (Gemüse)pflanze und kommt in den medizinischen Anweisungen sehr häufig zur Anwendung (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 244). Während V. Loret die Pflanze als Zwiebel (Allium cepa) identifiziert, gibt das Wörterbuch die zusätzliche Übersetzung als Knoblauch (Allium sativum) an. Zur Bedeutung und Verwendung der Zwiebel im Alten Ägypten siehe: R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 192. Zur Bedeutung und Verwendung von Knoblauch siehe: Germer, ebd., 195. Der medizinisch verwendete Teil der Pflanze – die Knoblauchwiebel – besteht auch 6-10 Zehen, die von einer weißen Hülle umschlossen sind. Dabei könnte eben diese weiße Hülle namengebend für die Pflanze sein. Der Körper einer Zwiebel ist von einer rot-bräunlichen Zwiebelschale umgeben, und weist rötlich-weißes Zwiebelfleisch auf. Laut Keimer wird daran eindeutig die Verbindung zwischen ḥḏ (weiß) und ḥḏ.w (Zwiebel) ersichtlich (L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Bd. 2, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 13 (Mainz 1984), 56). Die Verbindung zwischen weißer Farbe und Pflanzenname lässt sich bei beiden Lauchformen anbringen und kann deshalb nicht als Identifizierungsmerkmal herangezogen werden. Keimer weist darüber hinaus darauf hin, dass die ägyptische Schreibung für Knoblauch ḫṯn lautet und sich bis ins Koptische ϣϫⲏⲛ tradiert hat (Keimer, ebd., 60-61).

A.H.

Konyza (?)
Definition:

Ägyptisch jnnk.

V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 68 erwähnt mit Verweis auf A. Bsciai, Peut-on trouver encore des mots nouveaux dans la langue Copte? Lettre a M. Revillout, in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 7, 1885, 15-31, hier 25 den koptischen Pflanzennamen ⲉⲛⲅ, Var. ⲉⲛⲟⲩⲕ, der nach koptischen Versionen von Jesaja 55,13 [sic; Bsciais Angabe Jesaja 15,13 ist inkorrekt, vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 56] dem griechischen Pflanzennamen κόνυζα entspricht, welche wiederum „par les botanistes“ mit Erigeron identifiziert worden sei (Loret, ebd., 67). Dieses koptische Wort entspricht Loret, ebd., 68 zufolge dem jnnk der medizinischen Texte, und beide bezeichnen ihm zufolge Erigeron aegyptiacus als einzige Erigeron-Art, die in Ägypten heimisch sei. Daneben verweist er auf eine weitere mögliche koptische Bezeichnung ⲛⲟⲩⲛⲕ, die nach den Scalae, Msc. par. XLIV, 338 einem arabischen „Sa’bar“ entspreche (d.h. eigentlich ṣaʿabar, صعبر, vgl. G. Jéquier, Matériaux pour servir à l’établissement d’un dictionnaire d’archéologie égyptienne, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 19, 1-271, hier 140); und da diese Pflanzenbezeichnung unbekannt sei, korrigiert Loret sie zu „Sa’atar“ (d.h. ṣaʿatar, صعتر; wobei H. Munier, La Scala copte 44 de la Bibliothèque nationale de Paris. Transcription et vocabulaire. Tome 1. Transcription, Bibliothèque d’études coptes 2 (Paris 1930), 168, Zeile 33 und A.F. Khouzam, La langue Égyptienne au moyen âge. Le manuscrit Copte 44 de Paris de la Bibliothèque Nationale de France. Vol. IIa. Folios 47v-86v. Répertoires et Annexes (Paris 2006), 146, Zeile 25 bereits diese Form wiedergeben, so dass unklar ist, ob Loret und Jéquier sich verlesen haben oder Munier und Khouzam eine schon korrigierte Version abdrucken; variante Formen sind ferner سعتر und زعتر, s. H. Wehr – J.M. Cowan, A Dictionary of Modern Written Arabic, 3rd edition (New York 1976), 377 und 514).

Jéquier, ebd., 139-140 spricht beide Identifizierungsvorschläge kurz an und spricht sich eher für eine Gleichsetzung mit dem Thymian aus, weil die Eigenschaften von jnnk gegen Konyza sprechen würden. Sowohl Loret als auch Jéquier scheinen implizit davon auszugehen, dass es sich bei ⲉⲛⲅ und ⲛⲟⲩⲛⲕ um zwei verschiedene Pflanzen handelt, was sich in späteren koptischen Wörterbüchern allerdings nicht widerspiegelt.

Dawson vermutet in jnnk eher Mentha aquatica (J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956),17).

R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 238-241 steht allen bisherigen Identifizierungsversuchen skeptisch gegenüber. Immerhin führt sie einen Hinweis von Helck an, demzufolge jnnk im pRamessum E, Fragment a (s. A.H. Gardiner, A Unique Funerary Liturgy, in: Journal of Egyptian Archaeology 41, 1955, 9-17, hier Taf. 6) als Räuchermittel im Bestattungsritual verwendet würde, wozu manche Anwendungen in medizinischen Texten passen würden. Allerdings ist der Beleg höchst unsicher: Weder wird das dort stehende jnn[---] nach dem Kotext zu schließen als Räuchermittel eingesetzt, noch ist überhaupt eine Verbindung des dortigen Wortes mit der jnnk-Pflanze sicher.

S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle. VIII-XVII. Remarques au sujet des végétaux interdits dans le temple d’Isis à Philae, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 86, 1986, 1-32, hier 24-26 vergleicht mit demotisch jng und, wie schon Loret, koptisch ⲉⲛⲅ. In Bln 78 wird ein Rezept mit jnnk als Mittel gegen einen Skorpionstich empfohlen, was s.E. eher für Konyza als für Thymian spricht, weil Letzteres nie als Mittel gegen tierische Gifte eingesetzt wird, Ersteres durchaus. Er spricht sich erneut für Konyza aus, ohne dies jedoch auf eine bestimmte Art einschränken zu wollen.

L.P.

Krankheitsauslöser (?)
Definition:

Ägyptisch wḫd.w. Zu dessen Deutung als allgemeine Bezeichnung für alle möglichen krankheitsauslösenden Entitäten, seien diese nun physisch greifbar (wie es Westendorfs Übersetzung „Schmerzstoffe“ impliziert) oder nicht, s. die Diskussion bei K.S. Kolta – H. Tessenow, „Schmerzen“, „Schmerzstoffe“ oder „Fäulnisprinzip“? Zur Bedeutung von wḫdw, einem zentralen Terminus der altägyptischen Medizin, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 127, 2000, 38-52.

L.P.

Kreuzkümmel
Definition:
Cuminum Cyminum L. Weiterlesen...

Cuminum Cyminum L. Seit L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 49 als Vorläufer des koptischen ⲧⲁⲡⲉⲛ, ⲧⲁⲡⲛ erkannt. Dessen Bedeutung „Kreuzkümmel“ wurde über Belegstellen im Alten und Neuen Testament und über arabische Erklärungen als „weißer Kümmel“ erschlossen (vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 423). Die Indikationen von tpnn in den Rezepten korrespondieren gut mit der pharmazeutischen Wirkung von Kreuzkümmel (R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 154).

L.P.

kꜣkꜣ
Definition:

Das ägyptische kꜣkꜣ ist seit L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 34a oft für Rizinus gehalten worden – seit der Identifizierung von dgm mit Rizinus wäre das die zweite Bezeichnung dafür. Das basiert vor allem auf Herodot II, 94 und anderen griechischen Autoren, die schreiben, dass die Ägypter diese Pflanze als κίκι bezeichnet hätten (eine Zusammenstellung der Belege findet sich bei W.R. Dawson, Studies in Medical History. (a) The Origin of the Herbal. (b) Castor-Oil in Antiquity, in: Aegyptus 10, 1929, 49-72, hier 57-61). H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der Heiligen-und der Volks-Sprache und-Schrift der alten Ägypter. Nebst Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1237 bringt es mit hebräisch קיקיון: „Rizinus“ zusammen und kommt so, ohne Verweis auf das Griechische, ebenfalls zu dieser Bedeutung. Es gibt auch im Koptischen ein Wort ⲕⲓⲕⲓ, das laut W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 74 ebenfalls den Rizinus bezeichnet, genauer: die Pflanze, während ihm zufolge dgm die Bezeichnung der Rizinussamen sei. Das kann zumindest für die ältere Zeit nicht zutreffen, weil im pEbers mehrfach pr.t dgm: „Samen vom dgm“ und in Eb 251 auch mn.wt=f: „seine (nämlich des zuvor genannten dgm) Wurzeln“ genannt werden. Dgm kann also keine Bezeichnung von Samen sein, weil dann pr.t dgm tautologisch wäre, sondern muss eine Pflanzenbezeichnung sein. Auch fürs Koptische ist diese Unterscheidung problematisch, wenn die Scala Magna koptisches ⲕⲓⲕⲓ mit arabisch ﺣﺐ الخروع: „Samen vom Rizinus“ übersetzt (V. Loret, Les livres III et IV (animaux et végétaux) de la Scala Magna de Schams-ar-Riâsah, in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte 1, 1900, 48-63, hier 58, Nr. 192, auch erwähnt von Vycichl).

Die Übersetzung von kꜣkꜣ mit Rizinus ist auch schon früh angezweifelt worden: Bereits Gardiner zweifelte an der Identifizierung mit irgendeiner spezifischen Pflanze; mit Verweis auf pTurin Pleyte/Rossi 121 = pTurin CGT 54050, wo Tod durch kꜣkꜣ als Todesart zwischen Tod durch nh(.wt): „Bäume“ und Tod durch nbj.t: „Schilfrohr“ genannt wird, vermutet er, dass kꜣkꜣ eine allgemeine Bezeichnung für Pflanzen sei, und vermutet „a weed“ (DZA 30.562.270). Unter anderem mit Verweis darauf zweifelt auch Dawson, ebd., 66-67 an der Gleichsetzung kꜣkꜣ = κίκι. Als Ausschlussargumente führt R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 144 zudem an, dass nie Öl oder Samen von kꜣkꜣ genannt würden und das Wort auch nie mit dem Baum klassifiziert sei, was sie für Rizinus erwarten würde (und was bspw. für dgm auch belegt ist). Neben dem bereits von Gardiner angeführten Text gibt es weitere Textstellen, die eher dafür sprechen, dass dieses kꜣkꜣ zunächst eine allgemeine Pflanzenbezeichnung ist. D. Meeks, Mythes et légendes du Delta d’après le papyrus Brooklyn 47.218.84, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 125 (Le Caire 2006), 83-84, Anm. 203 geht davon aus, dass es vielleicht eher „Buschwerk“ meinen könnte (so auch schon Dawson, ebd., 67: „scrub or brushwood“), da in diesem Papyrus, Zeile x+7,2 davon die Rede ist, dass unter dem Gott Schu das Wasser hervorquillt und die kꜣkꜣ-Pflanzen wachsen lässt – warum sollte es dort nur um Rizinus gehen? Auch wenn Ramses II. in den Beischriften zu den Kadeschschlacht-Reliefs, § 18 unter den Feinden wütet „wie Feuer in den kꜣkꜣ-Pflanzen”, würde eine Bedeutung wie „Buschwerk“ besser passen als „Rizinus“. T. Pommerening, Wege zur Identifikation altägyptischer Drogennamen. Eine kritische Betrachtung, in: P. Dils – L. Popko (Hrsg.), Zwischen Philologie und Lexikographie des Ägyptisch-Koptischen. Akten der Leipziger Abschlusstagung des Akademienprojekts „Altägyptisches Wörterbuch“, Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-Historische Klasse 84 (3) (Leipzig, Stuttgart 2016), 82-111, hier 100-101, Anm. 115 hält diese Identifikation für „überzeugend“.

Es fragt sich, ob man dieses kꜣkꜣ mit dem kk.wt des pBremner Rhind, 18,25 (so schon R.O. Faulkner, The Bremner-Rhind Papyrus – II, in: Journal of Egyptian Archaeology 23, 1937, 10-16, hier 15) und dem kk der ptolemäischen Texte zusammenbringen kann (so auch P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1091; anders offenbar G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), der unter Nr. 1239 zwar kꜣkꜣ und das kk.wt des pBremner Rhind verweist, aber keine Querverweise zwischen dieser Pflanze und kk, Nr. 1273 einfügt). Letzteres scheint ebenfalls eine allgemeine Pflanzenbezeichnung zu sein, denn Isis fordert in Edfu VI 66,11 Horus auf, auf Seth zu schießen, da er gerade auf einem Hügel ohne kk.w sei, demzufolge freie Sicht habe (s. Wilson). H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Bd. IV (Leipzig 1868), 1502, brachte dieses kk dagegen mit koptisch ⲕⲏⲕ, ⲕⲟⲩⲕⲓ, ⲕⲟⲩⲕⲉ zusammen, das „Rinde, Haut“ heißt. Hierfür brachte er eine geographische Inschrift aus Edfu an, derzufolge kk.w entfernt (? šzp) und durch „neue“ ersetzt werden sollen, woraus er schließt, das kk „eine vertrocknete, gleichsam zu bloßer Rinde gewordene Blume oder Pflanze“ meine. Die von ihm genannten koptischen Wörter gehen aber wohl vielleicht auf ägyptisches qq.t (Wb 5, 71.13), demotisches qwq (W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 533) und qq.t (Erichsen, ebd., 551) zurück, vgl. W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 59.

Darüber hinaus muss kꜣkꜣ gelegentlich aber doch auch eine spezifischere Pflanze meinen. Dafür spricht nicht zuletzt der Gebrauch in den medizinischen Rezepten, wo man eine spezifische Pflanze erwartet. Ob man auch in dieser Hinsicht mit ptolemäischem kk vergleichen kann? In Dendera gibt es die Pflanzenbezeichnung kk Nḥsj, „nubisches kk“, und laut A. Lüchtrath, Das Kyphirezept, in: D. Kurth (Hrsg.), Edfu: Bericht über drei Surveys. Materialien und Studien, Die Inschriften des Tempels von Edfu: Begleitheft 5 (Wiesbaden 1999), 97-145, hier 115-117 könnte das eine von mehreren Bezeichnungen für Kalmus sein, das getrocknete Rhizom von Acorus calamus L. Laut Lüchtrath oder besser, laut P. Derchain, La recette du kyphi, in: Revue d’égyptologie 28, 1976, 61-65, auf den sie sich hierfür beruft, ist diese Pflanze vielleicht aus verschiedenen Regionen eingeführt worden. Dies würde die verschiedenen Namen erklären. Ob man diese Bedeutung dann auch für den pEbers übernehmen kann, ist aber zu unsicher. Sollte man dies tun, müsste man auch das šw.t-Nmtj in der Diskussion um die Identifikation berücksichtigen, die nach dieser Theorie ebenfalls diese Pflanze, nur eben aus einer anderen Region importiert, bezeichnen würde.

Als Vorläufer des griechischen κίκι und Entsprechung des hebräischen קיקיון vermutet W. Helck, Die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr, Ägyptologische Abhandlungen 5, 2. Auflage (Wiesbaden 1971), 522, Nr. 238 nicht kꜣkꜣ, sondern das mit einem Baum klassifizierte qꜣqꜣ im Ortsnamen Pꜣ-qꜣqꜣ des pWilbour B13,8. Ein Beleg für dieses Wort außerhalb des Ortsnamens findet sich auf oDeM 922, Zeile 4, wo pr.t qꜣqꜣ: „Samen von qꜣqꜣ“ mit einer (heute zerstörten) Gewichtsangabe verzeichnet sind, P. Grandet, Catalogue des ostraca hiératiques non littéraires de Deir el-Médinéh. Tome IX. Nos 831–1000, Documents de fouilles de l’Institut français d’archéologie orientale 41 (Le Caire 2003), 99 und 359. Grandet erwähnt mit Verweis auf Helck die mögliche Identifikation dieser Pflanze mit Rizinus, weist aber (mit Verweis auf R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 103-104) auf die scheinbare Kritik an dieser Identifikation hin und lässt das Wort daher ohne Übersetzung. Allerdings hat er sich hier von Germers Transkription ḳꜣḳꜣ, d.h. qꜣqꜣ, fehlleiten lassen; den dort angegebenen Referenzen nach ist Germers Kritik an der Identifikation auf kꜣkꜣ zu beziehen. Meeks, a.a.O. greift den Vorschlag, in qꜣqꜣ den Vorläufer des griechischen κίκι zu sehen, wieder auf.

L.P.

Leinsamen (?)
Definition:

Ägyptisch dšr.

Insgesamt sind folgende dšr-Drogen/-Mineralien bekannt:

  1. dšr mit Abkürzungsstrich, Mineralienklassifikator, Pluralstrichen.
  2. dšr/dšr.w mit Pflanzenstängel (2 Belege) und in einem Fall zusätzlichen Pluralstrichen.
  3. dšr, teilweise syllabisch (d.h. nicht mit r, sondern mit der syllabischen Gruppe rw) und mit Baumklassifikator geschrieben.
  4. Eine oder mehrere dšr genannte Holzprodukte (s. unten).
  5. dšr.w mit Abkürzungsstrich, Mineralienklassifikator, Pluralstrichen. Also dieselbe Graphie wie (1), nur mit zusätzlicher w-Schleife.

Zu (1): H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der Heiligen-und der Volks-Sprache und-Schrift der alten Ägypter. Nebst Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), nimmt es als eigenes Lemma auf und vergleicht es mit koptisch ⲑⲉⲣⲉϣ: „Leinsamen“. Auch das Wb 5, 491.5-6 nimmt es als eigenes Lemma auf: „Körner (roter Farbe?)“. Neben den Belegen aus den medizinischen Texten wird noch ein Beleg aus dem Pyramidentempel des Sahure angeführt, wo es einer Abbildung beigeschrieben ist (L. Borchardt, Das Grabdenkmal des Königs Śaꜣḥu-Reꜥ. Bd. 2. Die Wandbilder. Teil 1. Text, Wissenschaftliche Veröffentlichung der Deutschen Orient-Gesellschaft 26 (Leipzig 1913), 78; vgl. Abbildungsblätter, Bild 3). Das dortige Wort ist allerdings nicht mit Einkonsonantenzeichen, sondern mit dem Flamingo (dšr) und drei Mineralienklassifikatoren geschrieben. Sowohl der Wortanfang als auch das abgebildete Produkt sind aber teilweise zerstört; die Abbildung hilft also bei der Identifizierung nicht weiter. Sethe (in: Borchardt, a.a.O., 78) erwägt als Bedeutung „Rötel“. Allerdings spielen weder Sethes Vorschlag noch überhaupt das Sahure-Relief in späteren Besprechungen eine Rolle. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 581 interpretieren Graphie (1) und (2) als Varianten derselben Droge. Dem folgt G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 1459. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 348-350 denkt an eine pflanzliche Droge mit einem roten Farbstoff. Alkanna tinctoria oder Rubia tinctorium (Färberkrapp) schließt sie aber jedenfalls aus. W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 510 nennt mit Verweis auf J. Černý, Coptic Etymological Dictionary (Cambridge 1976), 43 wieder die Verbindung mit koptisch ⲑⲉⲣⲉϣ. Diese nennt auch R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 163-164. Sie schließt aber dennoch eine Bedeutung „Leinsamen“ aus, denn in Bln 185 wird „rotes Öl“, mrḥ.t dšr, genannt. Weil jedoch Leinsamen Öl nicht rot färben könne, das Öl in Bln 185 aber seiner Bezeichnung nach sonst keine färbenden Bestandteile habe, zweifelt sie die Bedeutung „Leinsamen“ an. Als letztes Argument verweist sie noch auf Eb 197, wo dšr zusammen mit djdj: „nubischer Hämatit“ genannt sei. Ihre Argumentation ist jedoch fehlerbehaftet: Das Benennungsmotiv der dšr-Droge ist unsicher; contra Arzneimittelpflanzen, 349 und Handbuch, 164 muss der Name nicht zwangsläufig auf einen roten Farbstoff zurückgehen. Er könnte sich ebenso gut auf die Farbe der Droge selbst beziehen. Leinsamen etwa hat eine gelbliche bis bräunliche Farbe, ein Spektrum, das durchaus innerhalb der Bandbreite der ägyptischen Farbbezeichnung dšr liegt. Ferner ist mrḥ.t dšr, wenn man es mit der Droge (1) verbindet, keine Verbindung aus Substantiv + attributivem Farbadjektiv (#Öl + rot#), sondern eine Genitivverbindung, bestehend aus Substantiv + Substantiv (#Öl (von) dšr-Droge#); es wäre also kein *rotes Öl, sondern, wenn man an der Gleichung dšr = Leinsamen festhält, „Leinöl“. Ein viel aussagekräftigeres Argument gegen die Bedeutung „Leinsamen“ ist das von Germer nicht genannte Rezept Eb 663, in dem dšr zusammen mit (j)ny.t n.t mḥj: „jny.t vom Flachs“ genannt ist. Die Droge jny.t ist auch als Bestandteil von Datteln bekannt und wird dort mit Vorsicht als Kern aufgefasst; bei jny.t von Flachs wird analog dazu von den „Samen“ ausgegangen (s. DrogWb, 36). Das würde aber im Fall von Eb 663 bedeuten, dass Leinsamen zwei Mal genannt sind, nämlich unter der Bezeichnung dšr und unter der Bezeichnung jny.t n.t mḥj. Da in den medizinischen Rezepten eine Droge nie zwei Mal genannt ist, würde dies bedeuten:

  1. dšr ist kein Leinsamen.
  2. dšr ist Leinsamen, aber vielleicht in einem bereits weiterverarbeiteten Zustand, der von den Ägyptern als so verschieden von einfachem Leinsamen verstanden wurde, dass er mit einem eigenen Begriff versehen wurde und neben „normalem“ Leinsamen in einem Rezept vorkommen kann, vgl. etwa das gemeinsame Vorkommen von jt und jt wꜣḏ: „Gerste“ und „frischer Gerste“ in Eb 422.
  3. jny.t hat in Verbindung mit mḥj eine andere Bedeutung als „Samen“.

Zu (2): Brugsch, Wb VII, 1375 nimmt es als eigenes, von (1) separiertes Lemma auf und hält es für dasselbe Wort wie (3). Wb 5, 491.3 trennt es sowohl von (1) als auch von (3). DrogWb, 581 und Germer, Handbuch, 163-164 interpretieren es wiederum als Variante von (1).

Zu (3): Wenn Nr. (1) „Leinsamen“ ist, ist Nr. (3) definitiv davon zu trennen, denn daraus können den Belegen zufolge Bretter gewonnen werden, und das ist von Flachs nicht möglich. Wohl daher ist das Wort von Brugsch, Wb VII, 1375, von Wb 5, 491.1 wie auch von Charpentier, Recueil, Nr. 1458 als separates Lemma aufgenommen. Da es nicht in medizinischen Texten vorkommt, spielt es in Analysen von Drogennamen bislang keine Rolle.

Zu (4): In Wb 5, 491.4 findet sich noch ein weiteres separates Lemma dšr, das wie (1) geschrieben ist, aber in der Verbindung ḫt-dšr vorkommt. Es ist ein Hapax legomenon, das in pHearst, H 185 vorkommt. Laut DrogWb, 407 kann es kein „Holz der dšr-Pflanze“ sein, weil dann ein indirekter Genitiv zu erwarten wäre. Germer, Arzneimittelpflanzen, 300 und Germer, Handbuch, 105 nennt es schlicht „Rotes Holz“. Entgegen DrogWb gibt es jedoch, zumindest in ptolemäischen Texten, durchaus ein ḫt-n-dšr im indirekten Genitiv (A. Mariette, Dendérah. Description générale du grand temple de cette ville. Vol. 4 (Paris 1873), Taf. 36, Kol. 45; vgl. auch, von Wb 5, 491.2 diesem zugeordnet, J. Dümichen, Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler. Bd. 2. Nebst einem Anhange, enthaltend die im Tempel von Edfu aufgefundenen Recepte, in den Jahren 1863-65 an Ort und Stelle gesammelt und erläutert (Leipzig 1866), Taf. 88, Kol. 24). Dieses ist von Wb 5, 491 dem dšr-Baum (3) untergeordnet. É. Chassinat, Le mystère d'Osiris au mois de Khoiak. Fascicule II (Le Caire 1968), 368 vermutet dagegen in ḫt-dšr und ḫt-n-dšr Varianten desselben Wortes, das von (3) zu unterscheiden wäre. Das ḫt-n-dšr von Denderah wird beschrieben als etwas, dessen Anfang (ḥꜣ.t) schwarz und dessen Ende (pḥ) weiß sei (P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 1208 übersetzt dagegen ḥꜣ.t mit „Äußeres“ und pḥ mit „Inneres“) und sein Inneres mkrr. Wenn man es zermahle, würde es „rot wie Gold“; es rieche sehr angenehm. Chassinat vermutet daher darin Gummiharz. Er übersetzt mit „bois rouge“, geht also von einer Verbindung aus Nomen + Adjektiv aus. Im Fall des ausgeschriebenen Genitiv-n in Denderah wäre diese Erklärung aber nicht möglich, denn dort liegt eben ein Genitiv vor. Zählen die unterschiedlichen Genitivverbindungen zur selben Pflanze, hat man entweder die Möglichkeit, die Denderah-Graphie für falsch zu erklären; dann kann man bei der Übersetzung „Roter Baum“ bleiben. Oder man nimmt im Gegenteil die Denderah-Stelle als Beleg dafür, dass in allen Fällen ein Genitiv vorliegt. In diesem letzteren Fall spräche dann zumindest graphisch nichts dagegen, das dortige dšr mit dem dšr von (3) zu verbinden. Auch Charpentier, Recueil listet die Belege für ḫt-dšr und ḫt-n-dšr zusammen auf: Nr. 865 (S. 436). Im Gegensatz zu Chassinat trennt er dieses ḫt-(n-)dšr auch nicht von Nr. (3) ab. In jedem Falle auszuschließen wäre wieder eine Verbindung mit (1), sofern dieses „Leinsamen“ ist.

Zu (5): Wohl eher eine Art Zerkleinerungsprodukt als ein konkreter Pflanzenteil: In Eb 191b steht dšr.w n.w sẖ.t, im Parallelrezept Eb 194 dḏw n.w sẖ.t. Ein Produkt dḏw sẖ.t (im direkten Genitiv) ist schon aus dem Alten Reich bekannt. Dḏw ist dort ein Produkt der Müllerin, etwas, was nach den Szenen des täglichen Lebens gesiebt werden kann und damit einen Zwischenschritt zur Mehlherstellung bildet. E. Edel, Die Felsengräber der Qubbet el Hawa bei Assuan. II. Abteilung. Die althieratischen Topfaufschriften. 1. Band. Die Topfaufschriften aus den Grabungsjahren 1960, 1961, 1962, 1963 und 1965. 2. Teil. Text (Fortsetzung) (Wiesbaden 1970), 25-27 vermutet eine Kombination aus Kleie und Mehl, weist aber darauf hin, dass dies noch zu beweisen wäre. R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 1063, Nr. {39350} gibt, darauf basierend, die Übersetzungsvorschläge „(ungesiebtes) Mehl, Grobmehl“ an. Dšr.w könnte daher ein ähnliches „Zerkleinerungsprodukt“ (so Germer, Arzneimittelpflanzen, 148) sein. Westendorfs Alternativvorschlag „zerriebene Körner“ (Handbuch Medizin, 510) ist daher seiner Hauptübersetzung „Körner“ vielleicht vorzuziehen. Bardinets Vorschlag „rouge (= rouille ?)“ (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 277) basiert auf der Etymologie von dšr.

L.P.

mhwj
Definition:

Schreibung und Wortvarianten:

Laut H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 280 besteht kein Unterschied zwischen mhwj mit Krugklassifikator und mhwj mit Rohstoffklassifikator N33 und auch kein Unterschied zwischen mhwj und mhw.t. Laut P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 448 könnte auch das mhꜣy aus griechisch-römischen Texten aus Edfu damit identisch sein. Sollte dies zutreffen, wäre zu überlegen, ob auch das mhꜣ (oder nur syllabisch mh zu lesen?) des pTurin B, vso. 1,10 hierher gehört. Doch letzteres Wort steht in Kombination mit einem anderen unsicheren Terminus, was es unsicher macht, diesen Terminus als weitere Variante von mhwj zu identifizieren.

Zur Bedeutung:

J.H. Breasted, The Edwin Smith Surgical Papyrus. Published in Facsimile and Hieroglyphic Transliteration with Translation and Commentary. Vol. 1. Hieroglyphic Transliteration, Translation and Commentary, Oriental Institute Publications 3 (Chicago 1930), 287 vermutet in mhwj Milch oder, da es auch aus mrḥ.t-Öl/Fett gemacht werden kann, vielleicht eine Creme. Die einzige Stelle, die über die Natur der Droge vielleicht etwas Genaueres aussagt, ist Eb 310. Dort heißt es: „Kuhmilch. Werde gekocht. Nachdem die mhw.t-Droge zermahlen/verrührt (nḏ) worden ist, werde Dickmilch/Sauermilch (smj) darauf/dazu gegeben.“ Die mhw.t-Droge bezeichnet demzufolge etwas, was beim Kochen von Milch entsteht, am wahrscheinlichsten Milchhaut. Unter dieser Voraussetzung liegt ein etymologischer Zusammenhang mit der Wortfamilie mhr: „melken“, mhr: „Melker“, mhr: „Milchkrug“ nahe.

L.P.

mnjꜣ
Definition:

Ein Körperteil: In den medizinischen Texten nur drei Mal vorkommend; zwei Mal mit dem Arm (Gardiner Sign-list D41) klassifiziert, einmal mit dem Fleischstück. In allen drei Belegen ist es mit dem Finger palpabel, aber sicher nicht der Fötus, wie T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 442 übersetzt („littéralement: ‚celui qui palpite‘“), denn in Bln 197 ist in diesem Zusammenhang davon die Rede, dass das Gefäß im Arm njꜣ mache: H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 372 bringen dieses Verb mit nj: „abweisen, zurückweisen“ zusammen (so auch schon Wb 1, 201.4-5) und vermuten eine Bezeichnung des Pulses („stoßen“ > „pulsieren“, unter Vergleich mit lat. pellere > Puls). Davon ausgehend, erwägt MedWb in mnjꜣ eine m-Ableitung des Ortes und vermutet darin die Bezeichnung des „Pulses (am Unterarm)“. Um die Nuance des Ortes zu betonen, macht W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 434 daraus die „Pulsstelle“ (vgl. ebd., 172).
Die von F.L. Griffith, The Petrie Papyri. Hieratic Papyri from Kahun and Gurob (Principally of the Middle Kingdom). Vol. I. Text (London 1898), 10 für Fall 29 des Gynäkologischen Papyrus Kahun vorsichtig erwogene Bedeutung „Schulter“ („her menaa (shoulder? or part of arm)“ findet sich, scheinbar verfestigt, bei E. Strouhal – B. Vachala – H. Vymazalová, The Medicine of the Ancient Egyptians. Vol. 1. Surgery, Gynecology, Obstetrics and Pediatrics (Cairo, New York 2010), 162 wieder, ist aber durch nichts begründet.

Außerhalb der medizinischen Texte findet sich das Wort mnjꜣ noch einmal, in Sargtextspruch 400 (A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago 1954), 168d-e und 169b), in dem eine jenseitige Fähre beschrieben wird, und darin werden Bug- und Heckzier bzw. Vorder- und Achtersteven mit dem mnjꜣ (im Singular) der Skorpiongöttin Hededet verglichen. Faulkner denkt hierbei an das Scherenpaar, weil die Beschreibung eben eine paarige Erscheinung suggeriert, hält daneben aber auch den Schwanz für denkbar (R.O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Vol. II. Spells 355-787 (Warminster 1977), 44, Anm. 5). Darauf ruhen van der Molens Vorschlag „claw?“ (R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden 2000), 168) und Hannigs Übersetzung „*Arm (mit Hand)“ für den Gebrauch in den medizinischen Texten, und „Schere (des Skorpions)“ für den Beleg aus den Sargtexten (R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 357-358). Dieser außermedizinische Beleg trägt zur Bedeutungsfindung nur wenig bei, außer der Information, dass es wohl etwas Anderes als die „Pulsstelle“ sein muss, weil das in der Beschreibung der Barke wenig sinnvoll erscheint.

L.P.

MR-Dja
Definition:

1 MR-Dja = ca. 75 ccm.

Für die Lesung des hieratischen Zeichens (in der Literatur aus pragmatischen Gründen manchmal vereinfachend mithilfe des +-Zeichens wiedergegeben) als Abkürzung für die Einheit 1 Dja und für das Dja als Maßeinheit vordemotischer medizinischer Texte s. etwa T. Pommerening, Neues zu den Hohlmassen und zum Medizinalmasssystem, in: S. Bickel, A. Loprieno (Hrsg.), Basel Egyptology prize 1. Junior research in Egyptian history, archaeology, and philology, Aegyptiaca Helvetica 17 (Basel 2003), 201-219 oder dies., Healing measures: dja and oipe in ancient Egyptian pharmacy and medicine, in: J. Cockitt, R. David (Hrsg.), Pharmacy and medicine in ancient Egypt. Proceedings of the conferences held in Cairo (2007) and Manchester (2008), BAR International Series 2141 (Oxford 2010), 132-137.

Wie im Neuen Reich (NR), so bezieht sich das Dja-Maß auch im Mittleren Reich (MR) auf die Scheffelmaße. Das Basis-Scheffelmaß im Neuen Reich und damit in den „großen“ medizinischen Handschriften, wie dem Papyrus Ebers, Papyrus Hearst oder Papyrus Berlin P 3038, ist das Vierfach-Hekat = die Oipe (19,2 Liter), so dass 1 NR-Dja = 1/64 Oipe = 300 ccm entspricht (s. auch den Kommentar hier). Das Basis-Scheffelmaß des Mittleren Reiches ist dagegen noch das einfache oder doppelte Hekat, und das Dja der medizinischen Kahun-Papyri, die in diese Epoche datieren, beziehen sich am wahrscheinlichsten auf das einfache Hekat (4,8 Liter), so dass 1 MR-Dja = 1/64 Hekat = 75 ccm entspricht, s. T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur, Beihefte 10 (Hamburg 2005), 82, 251-252 und 267-268.

L.P.

mt-Gefäß
Definition:
Übergreifender Begriff für Hohlgefäße sowie Muskel- und Sehnenstränge.

Ist ein wichtiger Begriff der ägyptischen Anatomie, der sowohl Hohlgefäße (Blutgefäße, Lymphgefäße) als auch Stränge (Muskeln, Sehnen) bezeichnet (MedWb I, 400-408). Es gibt keinen entsprechenden Begriff im Deutschen ("Gefäßstrang"?).

nḥd.t
Definition:

Klassifiziert mit dem Zahn und/oder dem Rohstoffklassifikator N33 über Pluralstrichen, einmal auch völlig ohne Klassifikation.

R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 179 schreibt dezidiert, dass die Droge nur in medizinischen Texten genannt ist. Ob man daraus schließen kann, dass sie die Belege aus den ptolemäischen Tempelinschriften (s. im Folgenden) nicht kannte, oder ob sie in letzteren ein anderes, nicht mit der Droge zusammenhängendes Wort vermutete, ist unbekannt. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 537 sieht hierin dasselbe Wort.

Die Bedeutung ist unsicher. Zumindest das nḥd(.t) der ptolemäischen Texte ist eine Myrrheart, vgl. Wilson, a.a.O. Und auf diesen späten Belegen beruhen – in manchen Fällen mit explizitem Bezug, in anderen mit zu vermutendem Bezug – alle Versuche, den Drogennamen in der Übersetzungssprache auf ein Harz einzugrenzen:

  • G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 69 („eine Weihrauchart“), der sich auf S. 144-145, Anm. 115 auf von Dümichen publizierte Texte, d.h. diese ptolemäischen Inschriften, stützt, in denen diese Droge unter „den Produkten der Balsamsträucher“ genannt sei;
  • H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), 74 („neḥedet-Harz“) und 116 („neḥed-Harz“), der aber ganz unsystematisch an anderen Stellen auch „Korn“, „Körner“ und im Index sogar „Samen“ hinzufügt, mit denen er „Zahnkrautkörner“ meint (womit er sich dezidiert auf Ebers, a.a.O. stützt, der, wohl basierend auf der Homographie mit dem nḥḏ.t-Zahn, tatsächlich S. 69 „Zahnkörner“ und S. 144 „Zahn(kraut?) Körner“ schreibt und auf S. 69, Anm. 4 den „aegyptischen Zahnbaum, balanites aegyptiaca“ nennt, der aber eine Gleichsetzung der Droge mit Teilen oder Produkten dieses Baumes auf S. 144-145 letztendlich doch ablehnt);
  • sicher auch Ebbells kommentarlose und durch nichts begründete Eingrenzung auf „Gum ammoniac“ (das ist ein Harz von Dorema ammoniacum) in B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 132;
  • D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 3. 1979 (Paris 1982), 79.1597 („un aromate“) und
  • W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 501 („nḥd.t-Duftstoff”), der ferner Dieter Kurths persönliche Mitteilung „Weihrauch“ nennt.

Ebers hatte neben Dümichen auch auf „Brugsch’s Wörterb., ser. II S. 251“ d.h. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. V (Leipzig 1880), 251, verwiesen, wo nḥd.t mit einem Harz namens mamama (H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Bd. II (Leipzig 1868), 585 = das mmꜣꜥ... von Wb 2, 59.4) gleichgesetzt würde (dieses Harz ist laut dem einzigen Beleg, DZA 24.003.720, eine „trockene Myrrhe“ von karneolartiger Farbe und sehr süßem/angenehmen Duft). Brugschs Beleg stammt ebenfalls aus Dümichens Texten, nämlich aus J. Dümichen, Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler. Bd. 2. Nebst einem Anhange, enthaltend die im Tempel von Edfu aufgefundenen Recepte, in den Jahren 1863-65 an Ort und Stelle gesammelt und erläutert (Leipzig 1866), Taf. 86, Zeile 5 (= Edfu II, 206,3). C. Leitz, Aromatische Substanzen, in: E. Jambon, et al. (Hrsg.), Altägyptische Enzyklopädien. Die Soubassements in den Tempeln der griechisch-römischen Zeit. Soubassementstudien I. Bd. 1 1, Studien zur spätägyptischen Religion 7 (Wiesbaden 2014), 483-516, hier 512 nennt zwei weitere Belege für diese Myrrheart, die er vergleichbar mit Brugsch als mꜥmꜥm und mꜥmꜣm transkribiert; und er ruft dazu auf zu prüfen, ob sie mit griechisch μαμάλι, arab. „Maʿmal“ identifiziert werden könnte. Der von Brugsch, Wb II, 585 genannte Hauptbeleg für dieses Lemma ist dagegen zu streichen, weil es sich dabei in Wirklichkeit um die mꜥmꜥ: „Dumpalme“ handelt (vgl. eine fast identische Schreibung bei Wilson, a.a.O., 403).

L.P.

nšꜣ
Definition:

Eine nur seltene, nicht genauer identifizierbare Pflanze. Ausgehend von der vereinzelten Darstellung eines bꜣ.t: „Busches“ von nšꜣ-Pflanzen im Grab des Ahanacht in Deir el-Bershah, sind in der Vergangenheit verschiedene Identifikationsvorschläge vorgebracht wurden. Diese finden sich mit entsprechender Literaturangabe, inklusive der Abbildung aus dem Grab des Ahanacht, bei T. Pommerening, Wege zur Identifikation altägyptischer Drogennamen. Eine kritische Betrachtung, in: P. Dils – L. Popko (Hrsg.), Zwischen Philologie und Lexikographie des Ägyptisch-Koptischen. Akten der Leipziger Abschlusstagung des Akademienprojekts „Altägyptisches Wörterbuch“, Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-Historische Klasse 84 (3) (Leipzig, Stuttgart 2016), 82-111, hier 95-96. Sie schließt sich allerdings keiner dieser Identifikationen an, sondern folgt eher Westendorfs Wiedergabe als „nšꜣ-Wasserpflanze“. Auf S. 96, Anm. 80 möchte sie als Benennungsgrundlage nj-šꜣ: „zum See gehörig“ vorschlagen. Dieser sollte jedoch u.U. zu nj-šꜣ: „zum Sumpfland gehörig“ modifiziert werden, weil š: „See“ nicht mit Gardiner Sign-list M8 geschrieben wird.

L.P.

Olivenöl
Definition:
Früher für Moringabaum-Öl gehalten. Weiterlesen ...

Ägyptisch bꜣq. Üblicherweise als Öl des Moringabaumes identifiziert. Zur Diskussion dieser Identifikation und dem plausiblen Gegenvorschlag, hierin eine ältere Bezeichnung für das Olivenöl zu sehen, s. J.F. Quack, Zur Frage der botanischen Natur des bꜣq-Baumes und des von ihm gewonnenen Öls mit einem Anhang: pBM 10085 „2–3“ rekto. Ein schnippischer Dialog zwischen Mann und Frau?, in: R. Landgráfová – J. Mynářová (Hrsg.), Rich and Great. Studies in Honour of Anthony J. Spalinger on the Occasion of his 70th Feast of Thot (Prague 2016), 275-290, hier 275-281.

L.P.

Pflanzenbrei
Definition:

Ägyptisch ḥsꜣ: Diese Droge wird meist mit „Pflanzenschleim“ (so H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 368 oder W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), passim), „mucilage“ (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), passim) u.ä. übersetzt. Das ist aber unter Umständen fehlleitend, weil diese Bezeichnungen auch für zähflüssige Pflanzenbestandteile oder -absonderungen verwendet werden, wohingegen ḥzꜣ ein wohl künstliches Produkt ist:

  • Im Rezept Eb 199b soll eine Mischung aus mjmj-Getreide und Dattelkernen gemischt und dann „m ḥzꜣ ṯꜣ.y ausgepresst“ werden. Wenn man die Präposition m als „(werde gemacht) zu“ versteht (so Westendorf, a.a.O., 582; diese Verwendung der Präposition kommt in den medizinischen Texten sehr oft vor, v.a. in der Formel jri̯ m: „Werde verarbeitet zu“), dann kann man daraus schließen, dass zumindest „männliches“ ḥzꜣ ein künstliches Produkt ist. (NB: Die Geschlechtsdifferenzierung auch von – nach modernen Definitionen – unbelebten Rohstoffen, wie Mineralien u.ä., bedürfte noch weiterer Untersuchung. In den medizinischen Texten kommt sie in unterschiedlicher syntaktischer Ausprägung vor; die Beifügung eines attributiven ṯꜣ.y: „männlich“ ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Vgl. einstweilen die kurzen Bemerkungen von DrogWb, 290 und Westendorf, a.a.O. 515, Anm. 57. In Eb 592 wird „Mehl/Pulver“ von „männlichem ḥzꜣ vervendet, so dass es unter bestimmten Umständen ganz oder zum Teil fest sein muss.)
  • In Eb 696 wird ḥzꜣ n jt: „Gersten-ḥzꜣ“ genannt, was dann vielleicht, Eb 199b vergleichbar, einen ähnlich produzierten Brei aus Gerste meint. (Ob also der Unterschied zwischen normalem und „männlichem“ ḥzꜣ in der Hinzufügung von Dattelkernen lag? Zu einer anderen Möglichkeit s. unten.) In diesem Rezept Eb 696 soll das ḥzꜣ geknetet und vergoren (ꜥwꜣ) werden – es liegt auf der Hand, dass die mehrfach genannte Droge ḥzꜣ (n) ꜥwꜣ.yt das Produkt dieses Prozesses ist (so auch DrogWb, 368).
  • Was man sich unter dem „ḥzꜣ des pzn-Brotes$ und dem „ḥzꜣ des šꜥ.yt-Kuchens“ gemeint ist, ist unsicher – DrogWb 367 führt diese beiden Drogenbezeichnungen jedenfalls zusammen mit dem „Gersten-ḥzꜣ“ unter der Rubrik E: „ḥzꜣ mit Angabe des Stoffes[,] aus dem es hergestellt wird“ an.
  • Weiterhin gibt es noch das ḥzꜣ (n) šbb: „ḥzꜣ der Maische“, das DrogWb, a.a.O. eher mit dem ḥzꜣ n ꜥwꜣ.yt vergleicht, in der „Maische“ also eher einen Genitivus attributivus sieht (vgl. die Nennung beider Drogen in der gleichen Rubrik in H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 440, s.v. nj, Gebrauch I.I). Im Buch von der Himmelskuh, Version Sethos’ I., Kol. 18 wird zerquetschte Gerste (scil.: und Wasser?) als šbb.t: „Maische“ bezeichnet; demzufolge wäre das „ḥzꜣ der Maische“ im Grunde dasselbe wie das „Gersten-ḥzꜣ“ von Eb 696. Dennoch deutet die verschiedene Benennung darauf hin, dass zwischen beiden ein Unterschied gewesen sein muss. Ob der allerdings in verschiedenen Ausgangsprodukten oder Herstellungsprozessen liegt oder nur ein Hinweis auf verschiedene Quellen mit unterschiedlicher Terminologie hinweist, ist unklar.
    Davon abgesehen fragt man sich, ob nicht auch hierin der der Unterschied zwischen normalem und „männlichem“ ḥzꜣ gelegen haben könnte: Ist das normale ḥzꜣ flüssig oder zähflüssig, während das „männliche“ dagegen eher der trockene Rest ist, der durch das in Eb 199b genannte „auspressen“ übrig bleibt – ist also das „männliche ḥzꜣ“ gar nicht das, was beim Auspressen unter dem Sieb im Gefäß ankommt, sondern im Gegenteil das, was oben im Sieb zurückbleibt? (Zu einer anderen Möglichkeit s. oben.) Dass laut Eb 396 eine Scherbe mit ḥzꜣ „beräuchert“ (kꜣp) werden soll, heißt jedenfalls nicht, dass es brennbar, ergo: trocken, war. Vermutlich ist die Anweisung eher so zu verstehen, dass das ḥzꜣ erhitzt und die Scherbe in den dabei entstehenden Rauch oder Dampf gehalten werden soll.
  • Ebenfalls auf die Künstlichkeit von ḥzꜣ weist schließlich die Herstellung von ḥzꜣ-Teig im Grab des Djehutihotep in Deir el-Bescheh aus dem Mittleren Reich: Dort ist im Zusammenhang mit der Brotherstellung eine Frau abgebildet, der jri̯.t ḥzꜣ: „ḥzꜣ machen” beigeschrieben ist, s. P.E. Newberry, El Bersheh. Vol. 1. The Tomb of Tehuti-hetep, Archaeological Survey of Egypt 3 (London 1895), Taf. 25.

[NB: W. Watson, Another Episode on Cereal, in: Nouvelles Assyriologiques Brèves et Utlitaires 3, 2019, 123-125, hier 124 will ḥzꜣ etymologisch mit ugaritisch ḥṯ: „unleavened loaf“, arabisch ḥutṯ: „bread without any seasoning“ verbinden.]

L.P.

Polei-Minze (?)
Definition:

Ägyptisch njꜣjꜣ.
Schon L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 27a vergleicht mit arabisch نعنع, d.h. eigentlich نعناع, und gab als Bedeutung mentha an. Offenbar dem folgend, nimmt auch H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), passim an, dass hiermit eine Minze, speziell die Pfefferminze, gemeint ist. Keine sprachlichen, sondern kontextuelle Argument für eine Gleichsetzung mit Minze liefert B. Long, A propos de l’usage des menthes dans l’Égypte ancienne, in: Anonymous (Hrsg.), Mélanges Adolphe Gutbub (Montpellier 1984), 145-159, hier 145-159, der hierin die „Polei-Minze/Flohkraut“ (Mentha pulegium) oder „une menthe sauvage proche du pouliot“ (S. 157). Als Argumente dienen ihm die verschiedenen Gebrauchsweisen, die auf eine anthelminthische, atmungserleichternde und beruhigende Wirkung hinweisen, und die dafür sprechen, dass die Pflanze ein Geruchsträger ist. Sein Hauptargument für die Identifizierung ist die Verwendung in gynäkologischen Texten (manchmal als alleiniges Mittel), etwa zur Geburtserleichterung. Diese Gebrauchsweisen vergleicht er mit hippokratischen Texten zu Uterusbeschwerden, wo er 10 Pflanzen verwendet vorfindet, davon zwei häufiger, und er diskutiert mögliche Ähnlichkeiten zwischen diesen Pflanzen und der njꜣjꜣ-Pflanze im Anwendungs- und Wirkspektrum. Die meisten Übereinstimmungen findet er bei der Pflanze, die im Griechischen γλήχων genannt wird und hinter der man i.d.R. die Polei-Minze vermutet (aber der griechische Name scheint auch gelegentlich für Katzenminze oder Origanum Dictamnus gebraucht zu werden, vgl. den entsprechenden Eintrag bei H.G. Liddell – R. Scott – H.S. Jones, A Greek-English Lexicon. Revised and augmented throughout (Oxford 1940)). Außerdem bespricht Long eine mögliche etymologische Verwandtschaft des ägyptischen Wortes njꜣjꜣ mit dem arabischen Wort für Minze: „Nana“. S. Aufrère, L'univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d’étude 105 (Le Caire 1991), 253-254, Anm. g (nicht in: Fs Gutbub, 253-254, wie R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 82 und 299 angibt) bekräftigt Longs Identifizierungsvorschlag, v.a. wegen der Geruchswirkung der Pflanze. Germer, a.a.O., 81 und 298 erwähnt Longs und Aufrères Identifizierungsvorschlag, ohne zu dessen Tragfähigkeit Stellung zu beziehen.
H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 294 halten die Pflanze dagegen für nicht identifiziert.

L.P.

Propolis
Definition:

Ägyptisch ḥs n ꜥff (manchmal im direkten Genitiv ḥs ꜥff geschrieben): Scheinbar ein selbsterklärender Name, denn es heißt wörtlich: „Fliegenkot“. So wird diese Droge üblicherweise auch übersetzt. Die Identifikation von ꜥff als „Fliege“ ist durch die Korrelation des Wortes ꜥff in Belohnungen für Soldaten wie Ahmose Pennechbet (mit der Fliege als Klassifikator) mit archäologisch nachweisbaren fliegenförmigen Anhängern gesichert. Neben der Schreibung ꜥff gibt es, zumindest laut P. Lacau – G. Roquet, Études d’égyptologie II. Morphologie, Bibliothèque d’étude 60 (Le Caire 1972), 157, § 80, auch die Schreibung ꜥf (ohne Beleg – vgl. aber bspw. P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 152). Lacau vemutet in ꜥff ein mithilfe von Reduplikation des letzten Konsonanten gebildetes Diminutiv von ꜥf: „mouche“ vs. „petite mouche, moucheron“. Laut J. Osing, Die Nominalbildung des Ägyptischen, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 3 (Mainz 1976), 176 und 683, Anm. 772 leitet sich ꜥff von einem (nur rekonstruierten) Verb ꜥff: „summen“ ab. Rein etymologisch läge also dasselbe Benennungsmotiv zugrunde wie beim deutschen „Brummer“ als Bezeichnung für große Insekten und hier besonders die Schmeißfliege. Wilson, a.a.O., 152 will dagegen das Substantiv vom Verb ꜥfi̯ < ꜥpi̯: „fliegen“ ableiten (vielleicht zurückgehend auf T. Bardinet, La mouche et l’abeille: L’utilisation de la propolis d’après les textes médicaux de l’Égypte pharaonique. Première partie: Vocabulaire, in: Göttinger Miszellen 170, 1999, 11-23, hier 20), ohne dass sie einen Beleg für diese graphisch abweichende Schreibung anführt.

Problematisch bei der Droge „Fliegenkot“ ist allerdings, dass sie sich nur schwerlich einsammeln lässt, noch dazu in verwertbarer Menge. Dieselbe Frage findet sich bereits auf DZA 21.714.330. Bardinet, a.a.O. 22-23 und ders., La mouche et l’abeille: L’utilisation de la propolis d’après les textes médicaux de l’Égypte pharaonique. Deuxième partie: Les emplois thérapeutiques, in: Göttinger Miszellen 171, 1999, 23-41, hier 23-36 versteht ꜥf(f) semantisch etwas breitgefasster als „mouche, abeille et différents insects“ und vermutet, dass es gelegentlich zur Bezeichnung der Biene verwendet wird, wenn aus sprachlichen Gründen die Standardbezeichnung für die Biene, bj.t, nicht verwendet werden soll. In dem vermeintlichen „Fliegenkot“, ḥs (n) ꜥff, vermutet er Propolis, und zwar sowohl „la matière brute“ als auch die zu Pulver zermahlene medizinische Ingredienz; in dem analog gebildeten „Fliegenblut“, snf n ꜥff, vermutet er eine Propolislösung. Diesem Vorschlag folgt T. Hofmann, Honig als „Specificum“: pEdwin Smith und die moderne Medizin. Ein Ausflug in den Cyberspace und eine Bibliographie, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 135, 2008, 40-49, hier 45, zumal Propolis nachweislich antibakterielle, antimykotische und ähnliche Eigenschaften besitzt, worauf auch schon Bardinet hinweist.

 

NB: Egal, ob man in ḥs (n) ꜥff „Fliegenkot“ oder „Bienenkot“ sieht: Es bleibt der einzig tierische ḥs-Kot unter den Drogennamen, der nicht von einem Wirbeltier stammt (sofern das nur einmal belegte und mit dem Vogel klassifizierte jdw-Tier nicht auch ein Insekt ist). Weitere Interpretationsmöglichkeiten sollten daher nicht ausgeschlossen werden:

  1. Auffälligerweise wird die ꜥff im Spruch zum Reinigen der ꜥff in pEdwin Smith, Vso. 19,14-18 als ꜣpd: „Vogel“ angesprochen (s. hier; Spruch 6; das betreffende Wort ist hier dem besseren Verständnis halber schon als „Insekt“ übersetzt). Das allein reicht jedoch nicht aus anzunehmen, dass es neben der ꜥff-Fliege auch einen ꜥff-Vogel gegeben hat, und dass in den medizinischen Texten dieser gemeint sei. Denn es gibt keinen einzigen sonstigen Beleg, in dem ꜥff einen Vogel bezeichnet; und konkret in den medizinischen Texten sei auf Eb 576 verweisen, wo sieben ꜥff-Tiere verarbeitet werden sollen, was auf eine gewisse Kleinheit hinweist. Die Bezeichnung der ꜥff als ꜣpd im pEdwin Smith wird wohl eher eine Bestätigung der Ansicht von O. Goldwasser, Prophets, Lovers and Giraffes. Wor(l)d Classification in Ancient Egypt. Classification and Categorization in Ancient Egypt 3, Göttinger Orientforschungen IV.38,3 (Wiesbaden 2002), 19 mit Anm. 52 und O. Goldwasser, The Determinative System as a Mirror of World Organization, in: Göttinger Miszellen 170, 1999, 49-68, hier 56 sein, wonach die ägyptische Tierkategorie ꜣpd Insekten, oder zumindest einige von ihnen, einschloss – eine Ansicht, die hauptsächlich auf der Klassifizierung von Insektennamen mit Vogelklassifikator beruhte (D. Meeks, De quelques ‚insectes‘ égyptiens. Entre lexique et paléographie, in: Z.A. Hawass – P.D. Manuelian – R.B. Hussein (Hrsg.), Perspectives on Ancient Egypt. Studies in Honor of Edward Brovarski, Supplément aux Annales du Service des Antiquités de l’Egypte 40 (Cairo 2010), 273-304, hier 296 vermutet dagegen in dieser Klassifizierung eine schlichte Vereinfachung der Schreibung, d.h. er geht von einem schreibtechnischen, keinem taxonomischen Hintergrund dafür aus; vgl. ferner D. Meeks, La hiérarchie des êtres vivants selon la conception êgyptienne, in: A. Gasse – F. Servajean – C. Thiers (Hrsg.), Et in Ægypto et ad Ægyptum. Recueil d’études dédiées à Jean-Claude Grenier 3, Cahiers „Égypte Nilotique et Méditerranéenne“ 5 (Montpellier 2012), 517-546, hier 529-530, wonach mindestens der ḫprr-Käfer kein ꜣpd ist).
  2. Die häufige Verwendung von ḥs in Räuchermitteln lässt J.F. Quack, Methoden und Möglichkeiten der Erforschung der Medizin im Alten Ägypten, in: Medizinhistorisches Journal 38 (1), 2002, 3-15, hier 9 vermuten, dass es sich dabei um einen Tarnnamen für Aromastoffe handeln könnte. Besonders deutlich wird das in dem von Quack zitierten Begleitspruch zum Rezept H 85, in dem eine Weihrauchkugel als „Kot“ bezeichnet wird. Vergleichbares ist auch für „Fliegenkot“ nicht a priori auszuschließen – in dem Fall müsste nur geklärt werden, was konkret in Eb 782 mit dem „Fliegenkot, der an der Wand ist“ gemeint ist, weil das für ein aromatisches Harz ein unerwarteter Ort ist.

L.P.

pꜣ-jb
Definition:

pꜣ-jb
Eine unbekannte Substanz, die nur einmal, in Eb 42, genannt ist. Nach seiner Klassifizierung zu schließen, ist es eine Flüssigkeit. Auf DZA 23.119.890 wird „Quellwasser (?)“ vorgeschlagen, als Alternative dann noch, das Hieratische nicht als jb, sondern als d mit w-Schleife zu lesen (ohne Übersetzungsvorschlag). Die Zeichenform spricht aber gegen diese Alternative.

L.P.

pꜣw.t
Definition:

pꜣw.t:
Nur in den Rezepten Eb 61 und in Bln 189 belegt; beide Male in der Phrase wḥꜥ pꜣw.t. Im pEbers mit dem sitzenden Mann mit dem Becher auf dem Kopf, im pBerlin mit zwei pꜣw.t-Broten klassifiziert. Die Frage, welche der beiden Lesungen die signifikantere ist, beeinflusst auch die Identifikationsversuche:

  • B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 35, Wb 1, 498.4 und H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 258 vermuten als Bedeutung „Last“ und nehmen damit die Schreibung des pEbers als ausschlaggebend an.
  • W. Wreszinski, Der Papyrus Ebers. Umschrift, Übersetzung und Kommentar, Die Medizin der alten Ägypter 3 (Leipzig 1913), 17 hat anscheinend die Version des Berliner Textes als korrekte Schreibung angesehen; jedenfalls wäre das die einzige Erklärung, warum er das Wort mit einem „sic“ versah. Auch J.F. Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts. Translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 46 und Anm. 175 auf S. 106 geht in seiner Übersetzung von Bln 189 davon aus, dass diese Version die korrekte ist, und denkt an das Wort pꜣ(w).t: „Opferkuchen u.ä.“ (Wb 1, 495.6-8), das er als Metapher für „scabs (?)“ deutet.
  • T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 52 gibt das Wort als „les morceaux-paout (fur détaché)“ wieder und vermutet hierin eine „référence à l’éviscération de la momie faite morceau par morceau par la fente d’éviscération“ (gefolgt von B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 47 mit Anm. 18). Vermutlich dachte er ebenfalls an eine metaphorische Verwendung des Wortes pꜣ(w).t: „Opferkuchen u.ä.“. Den konkret funerären Kontext des Spruches in Eb 61 sieht er durch die Nennung der šꜣms-Pflanze gegeben, die von Balsamierern verwendet wurde, weil sie Insekten abwehren würde (vgl. dazu S. Aufrère, L'univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d’étude 105 (Le Caire 1991), 244-245, Anm. h und S. Aufrère, Études de lexicologie et d'histoire naturelle XVIII-XXVI, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 87, 1987, 21-44, hier 22-26).

L.P.

Realgar
Definition:

Ägyptisch ꜣw.t-jb: „Herzensfreude“:
In den medizinischen Rezepten nur einmal, in Eb 325, erwähnt. L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 13a, der das erste Zeichen noch fu liest (wie auch H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Bd. II (Leipzig 1868), 540), gibt als wörtliche Übersetzung anime solatium, d.h. „Beruhigung des Geistes/Verstandes“, unterlässt aber einen Identifikationsvorschlag und bleibt bei einem allgemeinen n[omen] granorum quorundam: „eine Art von (Samen)körnern“. Mit dieser allgemeinen Bedeutung ist es verwendet in der Übersetzung von H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), 79 (als „fut-ȧb-Korn“; übernommen von C.P. Bryan, The Papyrus Ebers (London 1930), 52 als „fut-ab-grain“) und wurde aufgenommen bei H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VI (Leipzig 1881), 516 (dort mit der Lesung āu.t-ȧb, d.h. ꜥw.t-jb).  Auch für H.L.E. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 29 ist die Droge noch unidentifiziert – in Anm. 1 vermutet er aber in mnj, das in Eb 325 unmittelbar auf ꜣw.t-jb folgt, ein aromatisches Harz (s. den Kommentar dort), und „vielleicht hat die erstere [d.h. ꜣw.t-jb] eine ähnliche Bedeutung“. G. Daressy, Une inscription d’Achmoun et la géographie du nome libyque, in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte 16, 1916, 221-246, hier 233 verweist auf das Vorkommen von ꜣw.t-jb in einer Opferliste aus der 30. Dynastie (a.a.O., 223, Nr. III.12, und 225, Nr. VII.3). In Nr. VII.3 wird ꜣw.t-jb mit einem Wort qny, gleichgesetzt, das Daressy dort und 233 mit „beurre“ übersetzt (er wird vielleicht an das Wort qnw aus pBoulaq 3 gedacht haben, das H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. ... . Bd. VII (Leipzig 1882), 1255 als eigenes Lemma mit der Bedeutung „Butter“ aufgenommen hat, und das DZA 50.160.630 als „Fett“ versteht; zu einer neuen Bearbeitung dieser Stelle s. S. Töpfer, Das Balsamierungsritual. Eine (Neu-)Edition der Textkomposition Balsamierungsritual (pBoulaq 3, pLouvre 5158, pDurham 1983.11 + pSt. Petersburg 18128), Studien zur spätägyptischen Religion 13 (Wiesbaden 2015), 178, pBoulaq 3, x+9,8-9). Daher vermutet Daressy in ꜣw.t-jb ein Produkt, das zusammen mit Öl oder Fett in Brandopfern Anwendung findet, und er erwägt die Bedeutung Salz oder ein „encens spécial“; in seinen Übersetzungen von III.12 und VII.3 legt er sich konkret auf die Option „sel(?) au-ab“ fest. Wenn Wb 1, 5.1 diese Droge mit „Art Myrrhe o.ä.“ übersetzt, wird das wohl auf Daressys Erwägungen zurückgehen; zumindest bilden Daressys Listen zwei der nur vier Wb-Belege für dieses Sublemma.

Etwas apodiktisch schlägt B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 131 die Übersetzung „realgar or orpiment“ vor. Einen Grund dafür gibt er nicht an. Man kann allenfalls spekulieren, ob die Aufnahme von pChester Beatty V, Vso., 8,13 durch das Berliner Wb-Team als Beleg für ꜣw.t-jb (DZA 20.030.650) Ebbell zumindest in die Richtung Pigment gelenkt hat. Denn dort erscheint diese Substanz – wenn auch in unvollständiger/fehlerhafter(?) Schreibung als ꜣw – in einer Pigmentliste (NB: A.H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. Bd. 1. Text (London 1935), 49 gibt das Wort in der Übersetzung der Stelle nur als ꜣw wieder und ohne Übersetzung, hat also nicht zu ꜣw.t-jb ergänzt). In derselben Liste erscheint auch qnj(.t), mit dem ꜣw.t-jb in Daressys Opferliste gleichgesetzt wird, und das schon Brugsch, Wb VII, 1254 als gelbe Farbe erkannt hat).

Eine auf explizit geäußerten Argumenten basierende Festlegung auf die Bedeutung Realgar findet sich allerdings erst bei E. Iversen, Some Ancient Egyptian Paints and Pigments. A Lexicographical Study, Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab. Historisk-filologiske Meddelelser 34.4 (København 1955), 39-42: Dieser weist darauf hin, dass ꜣw.t-jb in Opferlisten üblicherweise zusammen mit Farben und Pigmenten genannt wird und demzufolge wohl auch ein Pigment ist (zu weiteren Belegen in Pigmentlisten vgl. auch J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 142), und dass es immer im Zusammenhang mit qnj.t genannt wird, einmal sogar als eine Art qnj.t bezeichnet wird (d.i. Daressys Beleg VII.3). Letzteres identifizierte Iversen, a.a.O., 34-39 mit Orpiment; hauptsächlich, weil es den Belegen nach als gelbe Farbe verwendet wurde und laut A. Lucas, Ancient Egyptian Materials (London, New York 1926), 144-145 für Ägypten nur gelber Ocker und Orpiment als Lieferanten gelber Farbe belegt seien. Da gelber Ocker als stj bezeichnet würde, so Iversen, bleibt für qnj.t nach dem Ausschlussprinzip nur Orpiment übrig. Dass qnj.t und ꜣw.t-jb immer gemeinsam vorkommen und einmal sogar miteinander identifiziert werden, erinnert ihn an die häufige gemeinsame Nennung von Orpiment und Realgar (resp. ἀρσενικόν und σανδαράχη) in griechischen und lateinischen Quellen. Nach Harris, a.a.O., 142 sind auch im Koptischen Orpiment und Realgar als miteinander verwandt verstanden worden, da Realgar sowohl als ⲥⲁⲛⲧⲁⲣⲁⲭⲏⲥ: „Sandarak“ als auch als ⲁⲥⲥⲉⲣⲛⲏϩ ⲉⲧⲧⲟⲣϣ̄ und ⲁⲥⲥⲉⲣⲛⲏϩ ⲛ̄ⲕⲟⲕⲟⲥ: „rotes Arsenikon“ bezeichnet wurde. Die Verwendung in einem Inhalationsmittel gegen Husten in Eb 325 erinnert Iversen ferner spezifisch an eine Passage bei Dioskurides, in der σανδαράχη gegen Husten verwendet wird. Insgesamt schließt sich Harris den Argumenten von Iversen an. Er warnt aber davor, ꜣw.t-jb mit „Sandarak“ zu übersetzen, weil das Sandarak der griechischen und, davon abgeleitet, der mittelalterlichen Texte neben Realgar möglicherweise auch andere rote Mineralien bezeichnen kann. Er präferiert eine konkrete Übersetzung mit „Realgar“.
NB: Seine Warnung hat Einfluss auf Iversens Vergleich der Anwendung von ꜣw.t-jb im pEbers mit derjenigen von σανδαράχη im Rezept des Dioskurides; die anderen Argumente von Iversen und Harris bleiben aber davon unberührt.
Vor dem Hintergrund, dass Realgar giftig ist, erscheint die ägyptische Benennung als ꜣw.t-jb: „Herzensfreude“ im Übrigen anmerkenswert (vgl. auch das deutsche Synonym „Rauschrot“; vgl. allerdings Lucas, a.a.O., 145, laut dem das natürliche Mineral nicht giftig sei und wohl dieses in Ägypten als Pigment verwendet worden sei).

L.P.

Reduktion
Definition:

Das ägyptische Wort thb.w ist ein seltener, auf medizinische Texte beschränkter Fachterminus mit nicht ganz klarer Bedeutung.  Meist wird der Begriff gefolgt von der Präposition r und einer Zahlenangabe. Da diese oft kleiner ist als die zuvor genannten Ingredienzen, schließen H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Ergänzungen. Drogenquanten, Sachgruppen, Nachträge, Bibliographie, Generalregister, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IX (Berlin 1973), 14 darauf, dass damit eine Art Reduktion gemeint sein könnte. Zumindest in Eb 23 ist das Resultat aber größer als die Gesamtmenge der Bestandteile; zudem ist dies der einzige Beleg, in dem die Präposition r vor thb.w steht und nicht dahinter. Demzufolge könnte hier entweder ein Textfehler vorliegen oder das Wort hat eine andere Bedeutung. Nach Grundriß der Medizin IX, 14-15 ist Eb 23 unklar; es wird eine ungenannte Menge Wasser als weiterer Bestandteil des Rezepts erwogen.

H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-ḏ), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 958-959 sehen in thb.w ausnahmslos ein Substantiv. Die Fälle von § IV, die MedWb als adverbial untergeordneten Nominalsatz interpretiert („indem die Eindickung ... beträgt“), könnte man aber auch verbal stativisch interpretieren.

L.P.

rmn.t
Definition:

Eine bislang nur im pEbers, in den Rezepten Eb 307, 314 und 324, belegte Gefäßbezeichnung. In Eb 307 soll es zur Hälfte mit Johannisbrot und zur Hälfte mit Wasser gefüllt werden, was beides vier Tage lang stehengelassen werden soll. Auch in Eb 324 werden je zur Hälfte Johannisbrot und Wasser hineingefüllt; über eine weitere Verarbeitungsanweisung steht dort nichts. In Eb 314 werden Kuhmilch und Erdmandeln hineingefüllt und darin gekocht „wie (zum) Kochen von Langbohnen“. H. Grapow, Kranker, Krankheiten und Arzt. Vom gesunden und kranken Ägypter, von den Krankheiten, vom Arzt und von der ärztlichen Tätigkeit, Grundriß der Medizin der alten Ägypter III (Berlin 1956), 102 vermutet darin einen speziellen Gefäßtyp, einen „gehälfteten“ Topf, „in dessen unteren Teil die Flüssigkeit, in dessen oberen das Feste getan wird, beide durch ein primitives quergestelltes tönernes Sieb getrennt, durch das die Flüssigkeit, nachdem sie schon, kalt stehengelassen oder erwärmt, auf die obere Droge eingewirkt hat, über diese und von ihr wirksame Bestandteile mitnehmend zum Trinken abgegossen werden kann“. Etymologisch denkt er an eine Ableitung von rmn, der „Hälfte“ (Wb 2, 418.12-18), s. H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 528. Grapows Übersetzung „gehälfteter Topf“ ist von W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 604 und T. Pommerening, Die altägyptischen Hohlmaße, Studien zur Altägyptischen Kultur, Beihefte 10 (Hamburg 2005), 73 übernommen worden. T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 298 schreibt dagegen vorsichtig nur „un pot“.

P. Wilson, A Ptolemaic Lexikon. A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu, Orientalia Lovaniensia Analecta 78 (Leuven 1997), 583 kennt noch ein rmnw-Gefäß in einem Text in Edfu, in dem sie einen möglichen späten Beleg für das rmn.t-Gefäß erwägt; aber der Kontext ist zu unspezifisch, um das zu verifizieren oder zu falsifizieren. Sie leitet die Bezeichnung ebenfalls von der „Hälfte“ her, vermutet aber eher ein halbgroßes Gefäß.

L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 36a vermutet schließlich im koptischen ⲁⲙⲓⲛ ein späteres Derivat von rmn.t. Dieses koptische Wort geht jedoch eher auf die Gefäßbezeichnung mn zurück (Wb 2, 66.4-11, W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 486).

Der Vollständigkeit halber sei schließlich noch auf P. Lacau – J.-P. Lauer, La pyramide à degrés. V: Inscriptions à l’encre sur les vases, Fouilles à Saqqarah ([Le Caire] 1965), 29-31 hingewiesen, die ein Wort rmn nennen, das im Alten Reich dreimal zusammen mit einer Zahlenangabe auf Krugscherben belegt ist und Lacau – Lauer zufolge eine sonst unbekannte Hohlmaßangabe neben der häufiger belegten, gleichlautenden Längen- und Flächenmaßangabe ist. Pommerening, a.a.O., 73, Anm. 8 vermutet dagegen auch in diesem rmn der Krugscherben das Längenmaß; ein Zusammenhang mit dem rmn.t-Gefäß des pEbers ist daher auszuschließen.

L.P.

Rötel (?)
Definition:

Ägyptisch mnj. Eine unbekannte Droge, vielleicht Rötel?

  1. In den medizinischen Texten bislang nur in Eb 325 belegt. L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 23 nennt als weiteren Beleg pEbers 68,10 (= Eb 490). Dieser ist jedoch zu streichen, denn das dort stehende Wort ist mnḥ: „Wachs“, vgl. explizit J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 172, Anm. 7. Ein möglicher weiterer Beleg in Totenbuchspruch 64 in der Version auf dem Papyrus des Juya (pCairo CG 51189; TM 134267; I. Munro, Die Totenbuchhandschriften der 18. Dynastie im Ägyptischen Museum Cairo, Ägyptologische Abhandlungen 54 (Wiesbaden 1994), Taf. 59, Z. 477) mit leicht variierender Schreibung bringt keine zusätzlichen, für die Identifizierungen nützlichen Informationen: Er steht in der Verbindung pr-mnj: „Haus des ...“ im Zusammenhang von Epitheta, mit denen der Verstorbene sich vor Osiris rechtfertigt.
    H.L.E. Lüring, Die über die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri verglichen mit den medicinischen Schriften griechischer und römischer Autoren (Leipzig 1888), 29, Anm. 1 vermutet in mnj eine Schreibvariante des Produkts mnnn, das bei der Balsamierung und als Bestandteil von Harzen genannt wird, und er vermutet in beidem „eines der aromatischen Harze“. É. Chassinat, Le mot [U7:D21-V28-X1:W22] dans les textes médicaux, in: Anonymous (Hrsg.), Recueil d’études égyptologiques: dédiées à la mémoire de Jean-François Champollion à l’occasion du centenaire de la lettre à M. Dacier relative à l’alphabet des hiéroglyphes phonétiques, lue à l’Académie des inscriptions et belles-lettres le 27 septembre 1822, Bibliothèque de l’École des hautes études, Sciences historiques et philologiques 234 (Paris 1922), 447-465, hier 463, Anm. 8 und É. Chassinat, Le manuscrit magique copte No 42573 du Musée Égyptien du Caire, Bibliothèque d’études coptes 4 (Le Caire 1955), 65-74, der Lürings Gleichsetzung von mnj mit mnnn folgt (und noch mit Stern Eb 490 für einen zweiten Beleg hält), bespricht die Belege für mnnn. Aufgrund der Verwendung v.a. bei der Balsamierung, die er mit der angeblichen Verwendung von Bitumen in den Berichten der klassischen Autoren vergleicht, sowie aufgrund der in den Texten genannten schwarzen Farbe und der festen Konsistenz kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich dabei um Bitumen handeln könnte. Auf dieser Gleichsetzung von mnj mit mnnn beruht Ebbells Übersetzung (B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 132) von mnj mit „bitumen?“, die E. Iversen, Some Ancient Egyptian Paints and Pigments. A Lexicographical Study, Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab. Historisk-filologiske Meddelelser 34.4 (København 1955), 40, Anm. 2 für „very doubtful“ hält. Aber auch die Vorschläge von H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958), 166 („mnj-Harz (?)“) und von H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 239 („mnj ist unbekannt. Vielleicht ist es ein Harz“), T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 300 („résine-men“) und S. Aufrère, L'univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d’étude 105 (Le Caire 1991), 657 gehen letztlich hierauf zurück.
    Harris, a.a.O., 173 und 234 zweifelt die Bedeutung „Bitumen“ für mnnn jedoch an, weil in der vorpersischen Zeit kein Bitumen bei der Mumifizierung verwendet wurde und mnnn in vorpersischen Belegen daher etwas anderes bezeichnen muss. Er vermutet eher Holzteer oder ein Koniferenharz (Aussage leicht modifiziert, aber nicht grundlegend geändert im Nachtrag S. 234). Die Gleichsetzung mit dem mnj$ des pEbers schließt er implizit aus, was man daran erkennt, dass er dieses an anderer Stelle diskutiert.
  2. Ein Wort mn.y, geschrieben wie in Eb 325, nur mit doppeltem Schilfblatt anstelle der doppelten diagonalen Linie (Gardiner, Sign-list Z 4), ist im Liebeslied Nr. 43, pChester Beatty I, Recto 17,3, belegt. A.H. Gardiner, The Library of A. Chester Beatty. Description of a Hieratic Papyrus with a Mythological Story, Love-Songs, and Other Miscellaneous Texts ([Oxford], London 1931), 37, Anm. 1 verbindet es explizit mit dem mnj des pEbers. Der Beleg steht im Kontext der Brandmarkung von Rindern und parallel zu ḫtm: „Siegel“; Gardiner vermutet die Bedeutung „ruddle“. M.V. Fox, The Song of Songs and the Ancient Egyptian Love Songs (Madison 1985), 73 emendiert dagegen zu mn.tj: „die beiden Beine“, was B. Mathieu, La poésie amoureuse de l’Égypte ancienne. Recherches sur un genre littéraire au Nouvel Empire, Bibliothèque d’étude 115 (Le Caire 1996), 50, Anm. 134 wiederum ablehnt, weil der Klassifikator und die verwendete Possessivkonstruktion pꜣy=f mn.y gegen einen Körperteil sprächen; man würde dann mn⟨.tj⟩=f erwarten. Als weiteren Beleg für dieses Wort führt R.A. Caminos, Literary Fragments in the Hieratic Script (Oxford 1956), 34 die Geschichte vom „Sporting King“, Zl. C2,2, an; der Beleg ist mit Gardiner Z 4 geschrieben und mit den gekreuzten Linien (Gardiner Z 9) klassifiziert.
  3. Einen weiteren möglichen Beleg für Nr. 2 findet J.J. Janssen, Commodity Prices from the Ramessid Period. An Economic Study of the Village of Necropolis Workmen at Thebes (Leiden 1975), 309-310 auf oDeM 579, Zl. 16. Die Bedeutung „ruddle“ lehnt er allerdings ab und vermutet ein Metall-, konkret: Schmuckobjekt, weil das Wort innerhalb einer Aufzählung von Metallobjekten steht und mit der Quantität „1“ sowie einem Preis von einem Deben gelistet ist. Ob er die Bedeutung „Rötel“ nur für das Lemma dieses Ostrakons ablehnt oder generell, wird nicht klar. Im Kontext von Liebeslied Nr. 43 würde ein Metallobjekt weniger gut passen; ganz auszuschließen ist es allerdings nicht.
  4. Mathieu, a.a.O. erwähnt noch einen angeblichen weiteren Beleg auf oBM EA 5631 Recto, Zl. 7 (vgl. J. Černý – A.H. Gardiner, Hieratic Ostraca. Volume I (Oxford 1957), Taf. 88). Dort steht aber nicht mn.y, sondern die Gewichtseinheit mnn: „Mine“, vgl. J.E. Hoch, Semitic Words in Egyptian Texts of the New Kingdom and Third Intermediate Period (Princeton, NJ 1994), 127, Nr. 162.

L.P.

Schirmakazie
Definition:
Ägyptisch ksb.t. Weiterlesen...

Das ägyptische Wort ist ksb.t. Zu diesem Baum im Allgemeinen vgl. den Identifizierungsvorschlag bei N. Baum, Arbres et arbustes de l’Égypte ancienne. La liste de la tombe thébaine d’Ineni (no. 81), Orientalia Lovaniensia Analecta 31 (Leuven 1988), 154-162: Die Pflanze scheint in ganz Ägypten von Nubien bis etwa zum 30. Grad nördlicher Breite belegt zu sein; sie wächst im Niltal, aber auch in den Wadis, was auf ein natürliches Vorkommen schließen lässt. Im Alten Reich erscheint sie einmal, in einer Darstellung im Grab des Anchmahor, bei der Herstellung einer Statue, wobei die Interpretation dieser Darstellung nicht unumstritten ist: Abgebildet sind zwei Maler, die mit Spachtel bzw. Pinsel an je einer Statue arbeiten. Diese sind überschrieben mit twt n ksb.t, „Statue von ksb.t“, bzw. twt n špnn, „Statue von špnn“ (N. Kanawati – A.A. Hassan, The Teti Cemetery at Saqqara. Vol. II. The Tomb of Ankhmahor, Australian Centre for Egyptology. Reports 9 (Warminster 1997), Taf. 7a und 40). R. Drenkhahn, Die Handwerker und ihre Tätigkeiten im alten Ägypten, Ägyptologische Abhandlungen 31 (Wiesbaden 1976), 58-59 lehnt die ältere Deutung, im jeweils zweiten Bestandteil der Beischrift eine Materialangabe zu verstehen, ab, weil bei derartigen Darstellungen nie der Werkstoff der Statuen genannt würde (Anm. 20). Sie vermutet in špnn und ksb.t eher Pflanzen, aus denen Farben, Farbgrundstoffe oder aber eine Grundierung gewonnen worden sein könne. Bei špnn denkt sie explizit an die homographen Mohnkörner; und tatsächlich ist bislang keine Holzbezeichnung špnn belegt. Gegen Drenkhahns Erwägungen können jedoch zwei Argumente vorgebracht werden:

  1. Die Parallelität der beiden Pflanzenbezeichnungen ist nur bedingt von Nutzen. Denn auch wenn es bislang keinen weiteren Beleg für einen špnn-Baum gibt, basiert doch die Identifizierung der Pflanze mit dem – scil. holzlosen – Schlafmohn einzig auf ihrer Verwendung in einem Mittel gegen Kindergeschrei und ist laut R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 132 „reine Spekulation“. Welche Pflanze genau mit špnn gemeint sei, ist also überhaupt nicht sicher. (NB: S. Grunert, Statuen aus Schepnen-Holz? Eine Zeichensequenz des Alten Reiches in neuer Deutung, in: Göttinger Miszellen 183, 2001, 7-8, hier 7-8 vermutet bezüglich der Darstellung bei Anchmahor, dass gar nicht $twt n špnn$ zu lesen sei, sondern twt n š pn nn: „Gleich/Äquivalent zu dieser (Stein-)Arbeit dort“. Das ist allerdings aufgrund des Parallelismus der Beischriften unwahrscheinlich.)
  2. Es fragt sich, welche Art Genitiv nach Drenkhahn in der Darstellung des Anchmahor vorliegen sollte. In Genitivkonstruktionen im Allgemeinen und bei twt-Statuen im Besonderen bezeichnet nämlich das Nomen rectum, wenn es eine Stoffangabe ist, in der Regel tatsächlich das Material, aus dem das Nomen regens ist. Das heißt, eine twt-Statue „von“ ksb.t ist eine twt-Statue *aus* ksb.t.

Wenn damit also tatsächlich das Material zur Statuenherstellung gemeint sei, muss man davon ausgehen, dass ksb.t eine gewisse Größe und Festigkeit aufweist. Dies und auch die Klassifizierung lässt Baum, a.a.O., annehmen, dass ksb.t konkret eben ein Baum ist. Die Frucht trägt denselben Namen wie der Baum. Es ist aber unbekannt, ob sie ein normales Nahrungsmittel ist; in Opferlisten ist sie jedenfalls nie genannt. Eine Verwendung von Bestandteilen, wie Ölen etc., ist nicht bekannt. Der ksb.t-Baum ist ein paar Mal mit dem Gott Min verbunden. Auf der späten Stele Lyon E 328 ist Min im Schatten eines Baumes dargestellt, bei dem es sich bei aller Stilisierung um einen ksb.t-Baum handeln könnte. In späten Texten wird der ksb.t oft zusammen mit tropischen Baumarten genannt.
Aufgrund aller dieser Anhaltspunkte vermutet Baum in ksb.t Acacia tortilis (Forssk.) Hayne mit den Unterarten raddiana und tortilis.

Germer, a.a.O. 145 folgt der Deutung des Pflanzennamens als Baumart (so auch schon in R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 336-337), steht aber der konkreten Identifizierung mit Acacia tortilis (Forssk.) Hayne skeptisch gegenüber, weil die ẖr-Teile des ksb.t-Baumes, was auch immer das für Teile sind, in mehreren Wurmmitteln Anwendung finden, wohingegen von der Akazie „keine (...) medizinische Nutzung als Wurmmittel belegt“ sei. Das zweimal genannte jmj n ksb.t: „Inneres des ksb.t-Baumes“ hält Gerner, a.a.O. außerdem für ein Ausflussprodukt, analog zum jmj n šwꜣb, das sie (Handbuch, 130) als Milchsaft der Persea versteht. Harzgewinnung sei jedoch für die Akazie ebenfalls nicht belegt. In den Pflanzen im Grab des Anchmahor vermutet R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 336-337 konkret die Ausgangspflanzen für ein Imprägnierungsmittel aus einem gerbstoffhaltigen Auszug. Da Gerbstoffe oft anthelminthische Substanzen enthalten, sieht sie hierin eine Verbindung zu der Darstellung im Grab des Anchmahor und zur Verwendung von ksb.t in Wurmmitteln. Einen Vorschlag, mit welchem Baum sie ksb.t stattdessen identifizieren will, wenn sie die Schirmakazie ablehnt, unterbreitet Germer aber nicht.

L.P.

šf.wt
Definition:

Eine Art „Schwellung“. Etymologisch mit großer Wahrscheinlichkeit von šfi̯: „anschwellen“ abzuleiten. (NB: H.-W. Fischer-Elfert, Textkritische und lexikographische Notizen zu den Late Egyptian Miscellanies, in: Studien zur Altägyptischen Kultur 10, 1983, 141-149, hier 147 sieht in dem syllabisch geschriebenen Wort jšf eine syllabische Schreibung von šfi̯, was J.E. Hoch, Semitic Words in Egyptian Texts of the New Kingdom and Third Intermediate Period (Princeton, NJ 1994), 41, Nr. 35 ablehnt.) Sicher ist šf.wt sprachlich verwandt mit dem koptischen ϣⲁϥⲉ, einer Bezeichnung für Geschwülste (W.C. Till, Die Arzneikunde der Kopten (Berlin 1951), 27-28, Nr. S.1-2). Da ϣⲁϥⲉ maskulin ist, bliebe zu untersuchen, ob es dasselbe Wort ist, das zum Koptischen hin sein Geschlecht gewechselt hat, oder ob es ein anderes Wort derselben Wortfamilie ist. B. Ebbell, Die ägyptischen Krankheitsnamen, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 64, 1929, 117-122, hier 117-118 verweist auf die große Zahl an Rezepten gegen šf.wt, was für ein häufig vorkommendes Phänomen spreche; es sei wohl mit Jucken verbunden, weil es oft mit wšꜥ.w vergesellschaftet sei, das eben „Jucken“ bedeute; es könne auf jedem Körperteil auftreten, sei aber v.a. eine äußere Erscheinung und sei von Nässen begleitet. Da es auch bei Wunden vorkommen kann, schließt er eine konkrete Krankheitsbezeichnung aus und denkt an ein allgemeineres Symptom. H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Zweite Hälfte (h-ḏ), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.2 (Berlin 1962), 850 lehnen Ebbells Hinweise auf Nässen ab, weil die Verbindung mit Feuchtigkeit zu selten genannt sei, als dass Nässen ein integraler Bestandteil von šf.wt sei; insgesamt schließt es sich aber Ebbells Deutung als allgemeine Bezeichnung für „Schwellung“ an.

Als Randnotiz sei der obsolete Vorschlag auf DZA 30.049.620 erwähnt, das Phänomen mit dem von Flavius Josephus, Contra Apionem II, 2.27 genannten Leiden σαββὼ in Beziehung zu setzen, laut ihm die ägyptische Bezeichnung für schmerzhaft geschwollene Drüsen. Darüber hinaus referiert Josephus eine von Apion vorgebrachte Ätiologie zum Wort Sabbath (II, 2.22): Dieses Wort stamme daher, dass die Hebräer während des Exodus nach sechstägiger Wanderung geschwollene Drüsen bekommen hätten, und weil die Ägypter dieses Phänomen σαββάτωσις nennen würden, hätten die Hebräer den Tag eben Sabbath genannt. Diese Ätiologie lehnt schon Josephus selbst ab, weil sich das Wort Sabbath innerhebräisch sinnvoll erklären ließe und mit den ägyptischen Krankheitsbezeichnungen nichts zu tun hätte.

L.P.

sḫt
Definition:

Nur im pEbers und dort nur viermal belegt; davon steht es zweimal im Genitiv als Bestandteil oder Produkt eines Vogels (einmal -Gans und einmal s.t-Spießente) und zweimal in der Verbindung mit ḏwj.w in den sehr ähnlichen Rezepten Eb 45 und Eb 47. B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 33 übersetzt mit „yolk of egg“. Ob es mit sḫtw, D. Meeks, Année lexicographique. Égypte ancienne. Tome 2. 1978 (Paris 1981), 78.3784 (= Erzählung „The Pleasures of Fishing and Fowling“, C2, x+1) zusammenhängt, das R.A. Caminos, Literary Fragments in the Hieratic Script (Oxford 1956), 17 vorschlagsweise als Fleisch eines mit der Falle (sḫt) gefangenen Wildvogels identifiziert?

L.P.

smt
Definition:

Eine unbekannte Droge; sicher nicht feminin, wie Germers Transkription suggeriert (R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 183; vgl. auch G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 951), sondern der Schreibung nach maskulin. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 442 vermuten ein Harz oder eine tpnn-, d.h. Kreuzkümmel-ähnliche Frucht. Germer, a.a.O. 183-184 enthält sich eines Identifizierungsversuches. L. Manniche, An Ancient Egyptian Herbal, Second Impression (London 1993), 166 erwähnt Dioskurides II 184, wo der Kresse (von Dioskurides Κάρδαμον genannt) der ägyptische Name Σεμέθ zugeschrieben wird. Daher identifiziert sie, wie schon Charpentier, smt mit Lepidum sativum. J. Berendes, Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern (Stuttgart 1902), 236 merkt allerdings an, dass die von Dioskurides in II 205 unter Ἴβηρις (nach II 184 eine andere Bezeichnung von Κάρδαμον) gegebene Beschreibung der fraglichen Pflanze eher auf die Orientalische Kresse (Erucaria aleppica Gärtn.) als auf Lepidum sativum passen würde. Diese letztere Kresse kommt in Ägypten nicht vor. Vgl. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 115, die in smt ein pflanzliches Produkt vermutet, ohne dies weiter einzugrenzen. Die Schreibung mit zusätzlichem Ohr-Klassifikator könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Drogenbezeichnung vom Wortfeld smt: „hören, lauschen“ abgeleitet ist, ohne dass sich anhand der wenigen Belege Benennungsgrund oder -motiv für die Droge feststellen ließe.

L.P.

snwt.t
Definition:

Eine der wenigen Pflanzen, für die die medizinischen Texte weitere Informationen geben, auch wenn sie nur rudimentär sind. In Eb 294 findet sich eine nähere Beschreibung: Sie wächst wie die qꜣd.t-Pflanze „auf ihrem Bauch“ (leider ist diese Pflanze unidentifizierbar; aufgrund dieser kurzen Notiz sowie eines möglichen etymologischen Zusammenhangs mit der qꜣdj-Schlange besteht die Möglichkeit, dass sie Ranken bildet), treibt Blüten wie der zšn-Lotos und Blätter „wie weißes Holz“, ein Myrrhelieferant. (Ob gemeint ist: „wie (die Blätter von) ‚weißem Holz‘“? Eine derartige Verkürzung eines Vergleiches ist im Ägyptischen durchaus gebräuchlich.) Außerdem besitzt sie pr.t-Samen/Früchte.

Aufgrund dieser Beschreibung dachte W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts–IV, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 185-188, hier 186-187 an eine Convulvulus-, d.h. Winden-Art, speziell an Convulvulus hystrix, für die es archäobotanische Nachweise in Ägypten gäbe. So dann auch der Eintrag bei G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 967: „probablement le liseron“, Convolvulus Hystrix L. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 116 schlägt, ebenfalls aufgrund der Beschreibung, Convulvulus arvensis L. vor; deren Teile hätten eine leicht laxierende Wirkung, weshalb es vorstellbar sei, dass sie in der Medizin verwendet worden sei. Auch die Wortbildung – eine Zusammensetzung mit der Schlangenbezeichnung wt.t (?) – könnte eine Interpretation als Windenart stützen (dieses Argument schon vorgeschlagen in Wb 4, 157 und aufgegriffen von S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle. VIII-XVII. Remarques au sujet des végétaux interdits dans le temple d’Isis à Philae, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 86, 1986, 1-32, hier 15).

É. Naville, La plante de Horbéit, in: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte 16, 1916, 187-191, hier 188 (mit Verweis auf eine mdl. Mitteilung von Loret) vermutet in snwt.t dagegen eine alternative Graphie der snw-Pflanze (Wb 4, 157.6; Lorets Vorschlag dürfte wohl darauf basieren, dass die snw-Pflanze in Navilles Beleg mit drei nw-Töpfen und Himmelshieroglyphe geschrieben ist, was Loret an vergleichbare Schreibungen der Himmelsgöttin Nw.t erinnert haben mag). Auch das Wb deutet ebd. eine derartige Möglichkeit an. S. Aufrère, Études de lexicologie et d'histoire naturelle XVIII-XXVI, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 87, 1987, 21-44, hier 31-35 diskutiert diese letztere Pflanze und die Frage, ob es sich um Blauen Lotos (so die ältere Interpretation) oder um den Weißen Lotos (so sein Neuvorschlag) gehandelt hat. Obwohl schon Dawson Navilles Vorschlag abgelehnt hat, weil er auf einem Missverständnis der Beschreibung „sie wächst auf ihrem Bauch“ basieren würde, geht noch Bardinets Übersetzung (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 261) der snwt.t-Pflanze als „lotus bleu“ hierauf zurück. G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), trennt dagegen beide Lemmata voneinander: In sn(n)w-p.t, Nr. 966, vermutet er Senf, Sinapis arvensis L., in snwt.t, Nr. 967, „probablement le liseron“, Convolvulus Hystrix L. Mit Verweis auf Charpentier distanziert sich T. Bardinet, Osiris et le gattilier, in: Égypte Nilotique et Méditerranéenne 6, 2013, 33-78, hier 45, letztlich ebenfalls von dieser Gleichsetzung.

L.P.

Starkbier
Definition:

Ägyptisch ḏsr.t: Dem Klassifikator nach ein Getränk. Bislang sind vier verschiedene Erklärungsansätze geboten worden, von denen der erste bislang am plausibelsten erscheint:

  1. Eine besondere Bierart, die wohl von höherer Qualität war als das normale ḥ(n)q.t-Bier, vgl. den von W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 511 angeführten Beleg bei W. Helck, in: W. Helck – W. Westendorf (Hrsg.), Lexikon der Ägyptologie. Bd. IV. Megiddo-Pyramiden (Wiesbaden 1982), 55, s.v. „Menqet“ mit Verweis auf die 4. Stunde, 16. Szene des Pfortenbuches, wo ḥnq.t und ḏsr.t ins selbe Verhältnis zueinander gesetzt werden wie Wasser und Wein. Vielleicht begründet durch dasselbe Verhältnis, gibt Caminos (R.A. Caminos, Late-Egyptian Miscellanies, Brown Egyptological Studies 1 (London 1954), 425) als Übersetzung „strong ale“.
  2. Nach W. Helck, in: W. Helck – E. Otto (Hrsg.), Lexikon der Ägyptologie. Bd. I. A-Ernte (Wiesbaden 1975), 789-792, s.v. „Bier“, Sp. 790 handelt es sich dagegen vielleicht um ein Bier aus ḏsr.t-Körnerfrüchten. Ähnlich vermutet auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 362-363 einen Zusammenhang mit der ḏsr.t-Pflanze.
    Angesichts der seltenen Erwähnung der ḏsr.t-Pflanze ist es allerdings seltsam, dass ein daraus hergestelltes Getränk so viel häufiger genannt sein soll: Für die ḏsr.t-Pflanze kennt das Wb nur drei Belegzettel mit nur zwei Belegen, wohingegen unter dem ḏsr.t-Getränk 245 Belegzettel abgelegt sind.
  3. J.K. Hoffmeier, Sacred in the Vocabulary of Ancient Egypt. Ḏsr, with Special Reference to Dynasties I-XX, Orbis Biblicus et Orientalis 59 (Freiburg (Schweiz), Göttingen 1985), 57 leitet die Bezeichnung dagegen von ḏsr im Sinne von „besonders, abgesondert sein“ ab. Basierend auf der (allerdings falschen) Beobachtung, das Getränk käme ausschließlich in funerären Texten des Alten Reiches vor, vermutet er darin einen „special drink reserved for the dead“. Ähnlich vermutet S. Grunert, Bierbrauer unter sich. Über den Nutzen eines Wörterbuches beim Übersetzen nicht nur lockerer Reden, in: Göttinger Miszellen 173, 1999, 91-112, hier 99 darin ein „besonderes“ Bier, vielleicht sei es ein „erster Abguss“ oder ein Konzentrat.
  4. B. Abadir, Ḏsr(t). The Plant and the Drink, in: Discussions in Egyptology 45, 1999, 7-22 denkt schließlich eher an ein Anis-haltiges Getränk, weil es in Hustenmitteln verwendet wird, als Aroma in Brot und anderen Bäckereiprodukten, sowie als Räuchermittel, und weil es gelegentlich als weiß/hell (ḥḏ) bezeichnet wird und in kotextueller Nähe zur Milch steht.
    Laut R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 139 sind allerdings bislang keine Anisreste in Ägypten archäologisch nachgewiesen. 

L.P.

Stechholz
Definition:

Ägyptische ḫt-ds: Der zweite Bestandteil des Kompositums war im Wb 3, 342.9-12 noch nicht sicher gelesen worden. Als Vorschlag wurde ws (< wsi̯: „sägen“) unterbreitet. Darauf beruht Saunerons Übersetzung „sciure de bois“ (S. Sauneron, Une recette égyptienne de collyre, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 57, 1958, 157-161, hier 158). Die Lesung ḫt-ds ergibt sich aus der Pleneschreibung des pEdwin Smith.

B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 133, der ebenfalls noch ḫt-ws liest, schlägt ohne Begründung „myrtle?“ vor, was R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 300 anweifelt.
S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle. VIII-XVII. Remarques au sujet des végétaux interdits dans le temple d’Isis à Philae, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 86, 1986, 1-32, hier 19-24 lehnt Ebbells Deutung ebenfalls ab, u.a. mit dem Verweis, dass die Myrte auf Koptisch ⲙⲟⲧⲣⲁ hieße (dem können noch die Formen ⲙⲟⲩⲗⲥⲏⲛⲏ, ⲙⲟⲣⲥⲩⲛⲁ u.ä. hinzugefügt werden, vgl. É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 314-315). S. Aufrère, Études de lexicologie et d'histoire naturelle XVIII-XXVI, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 87, 1987, 21-44, hier 29-30 schlägt dann vor, ḫt-ds mit dem demotischen ḫts und dem koptischen ϣⲏⲧⲥ zu verbinden und darin, basierend auf den Belegen für Letzteres, vielleicht mit dem Mönchspfeffer oder eher noch mit Sesbania sesban (L.) Merill zu verbinden.
T. Bardinet, Osiris et le gattilier, in: Égypte Nilotique et Méditerranéenne 6, 2013, 33-78 identifiziert dagegen snw (Wb 4, 157.6) mit dem Mönchspfeffer, so dass diese Identifikationsmöglichkeit für ḫt-ds ausscheiden wird.
T. Pommerening, Bäume, Sträucher und Früchte in altägyptischen Listen – eine Betrachtung zur Kategorisierung und Ordnung, in: S. Deicher – E. Maroko (Hrsg.), Die Liste. Ordnungen von Dingen und Menschen in Ägypten, Ancient Egyptian Design, Contemporary Design History and Anthropology of Design 1 (Berlin 2015), 125-166, hier 138-139 mit Anm. 38 spricht sich für eine wörtliche Übersetzung „Stechbaum“ bzw. „Stechholz“ aus. Sie steht einer genauen Identifikation skeptisch gegenüber, bringt aber, ausgehend von einem derart signifikanten Benennungsgrund, den Anabaum, Faidherbia albida, in die Diskussion ein, weil dieser in moderner Zeit ebenfalls als „Stechholz“ bezeichnet würde, und weil dessen Teile in Ägypten seit der prädynastischen Zeit nachweisbar seien. Insgesamt wird aber keiner der vorgebrachten Vorschläge von dem jeweiligen Urheber als sicher erachtet.

L.P.

šzp.t
Definition:

H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 505-507 differenzieren zwischen drei verschiedenen beinahe-homographen Drogen und in verschiedenen Kollokationen. Zu šzp.t allein oder ḫꜣ.w n.w šzp.t s. Nr. (1), zu šzp.t n.t jꜣrr.t und šzp.t n.t qmy.t s. Nr. (2), zu šzp.t n.t ḥmꜣ.yt s. Nr. (3):

  1. [= Wb 4, 537.1-2]
    Eine Droge, die mit dem Ei (?, Gardiner Sign-list H8; oft für Zähflüssiges verwendet; vielleicht eher das einzelne Saatkorn, M33B) und/oder dem allgemeinen Pflanzenklassifikator (Gardiner M2) geschrieben ist. Trotz der ungewöhnlichen Klassifizierung scheint es sich um eine Pflanzenbezeichnung zu handeln, denn sie ist u.a. in der Kollokation ḫꜣ.w n.w šzp.t belegt, und ḫꜣ.w bezeichnet Wurzeln, Stängel und/oder Blätter (am wahrscheinlichsten Letzteres, s. die Diskussion bei diesem Lemma).
    Die Identifizierung schwankt zwischen Gurke und Melonenarten, bewegt sich also im Rahmen der Familie der Kürbisgewächse: L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 46b vergleicht es mit koptisch ϣⲟⲡ, ϣⲱⲡⲉ u.ä. und sieht darin Cucumis melo (d.h. die Zuckermelone? Oder die Chate?). V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 75, Nr. 129 und 130 hält aber die Nachweise für Cucumis melo L. in Ägypten, zumindest in vorgriechischer Zeit, für zweifelhaft. Ihm zufolge entspricht das koptische ϣⲟⲡ griechischem σίκυος, und in den mittelalterlichen Scalae sei ϣⲟⲡ nur einmal mit arabisch „Battikh“, der Zuckermelone, und sonst immer mit „Faqqous“ gleichgesetzt. Zusammen mit anderen Bezeichnungen für die Melone bespricht er diesen Beleg unter Nr. 129: Cucumis sativus, d.h. der Gurke, und diese Bezeichnung ist dann auch von Wb 4, 284.11 und 536 unten übernommen worden. Tatsächlich entspricht griechisches σίκυος dieser Pflanze (s. H.G. Liddell – R. Scott – H.S. Jones, A Greek-English Lexicon. Revised and augmented throughout (Oxford 1940), 1598, s.v. σίκυος), aber „Battikh“ ist die Wassermelone, Citrullus lanatus, und „Faqqous“ scheint weniger die Gurke zu sein, wie Loret schreibt, als vielmehr die Chate, Cucumis melo L. var. chate (L.) Naud ex Boiss., vgl. L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Ägyptologische Studien (Hamburg, Berlin 1924), 15 und zum vollständigen lateinischen Namen R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 128. Die in koptischen Wörterbüchern gegebene, zusätzliche Bedeutung „gourd“ (W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 581a), „courge“ (W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 268) ist potenziell fehlleitend, wenn ihr im Deutschen die scheinbare Entsprechung „Kürbis“ zur Seite gestellt wird (so etwa W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 322 und J.F. Quack, Korrekturvorschläge zu einigen demotischen literarischen Texten, in: Enchoria 21, 1994, 63-72, hier 72 für demotisches špy; zur „Gurke“ korrigiert in F. Hoffmann – J.F. Quack, Anthologie der demotischen Literatur, Einführungen und Quellentexte zur Ägyptologie 4 (Berlin, Münster 2007), 182). Denn das deutsche Wort „Kürbis“ ist enger gefasst als (botanisch nicht festgelegtes) englisches „gourd“ oder französisches „courge“ und bezeichnet Pflanzenarten der Gattung Cucurbita, die aber aus Südamerika stammen (vgl. für den Riesenkürbis Keimer, a.a.O., 13, Germer, a.a.O., 130).
    Keimer, a.a.O., 15-16 weist darauf hin, dass es kaum möglich ist, die verschiedenen Varietäten der Kürbisgewächse sicher mit vorkoptischen Bezeichnungen versehen zu können; auf S. 130 scheint er aber unter Referenz auf Loret für šzp.t zur Chate zu tendieren. Die Unsicherheit in der Benennung spiegelt sich auch im DrogWb wider, wo unter Verweis auf Keimer Cucumis melo genannt, in der Hauptübersetzung aber „Gurke“ geschrieben wird. „Die Gurke Cucumis sativus“ war aber laut R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 125, „mit ziemlicher Sicherheit dem Alten Ägypter unbekannt.“ A.a.O., S. 126 erwähnt sie kurz, dass šzp.t als Melone identifiziert wird, legt sich aber nicht weiter fest. Ferner erwähnt sie S. 126-127, dass die Verwendung von ḫꜣ.w n.w šzp.t seine Entsprechung „in der Volksmedizin“ haben könne, wo die Wurzel von Cucumis melo L. benutzt würde. „Das sind aber nur Vermutungen, da nicht bekannt ist, ob die altägyptischen Melonensorten ähnliche Eigenschaften hatten wie die heutige Cucumis melo L.“ Außerdem hängt dies auch von der Bedeutung von ḫꜣ.w ab, das vielleicht eher Blätter als Wurzeln bezeichnet, s. den entsprechenden Kommentar. In R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 128-129 erwähnt sie das šzp.t unter dem Kommentar zur Wassermelone nicht mehr (und gibt vielmehr an, dass deren Name nicht bekannt sei), sondern nur noch unter der Chate (versehentlich šsb.t statt šsp.t transkribiert). Auch G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 1144 und P. Grandet, Le Papyrus Harris I (BM 9999), Bibliothèque d’étude 109 (Le Caire 1994), Vol. 2, 152, Anm. 613 legen sich, u.a. mit Verweis auf Germer, ebenfalls auf Chate fest. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 140, 228 und 243 erwähnt wieder die Möglichkeiten, dass šzp.t die Wassermelone oder die Chate sein könnte, lässt aber die Entscheidung offen.
    In einer Lieferliste des Mittleren Reiches aud pBerlin P 10035 Recto, x+10 erscheint ferner ein šzp.t mit einem Klassifikator, der am ehesten Gardiner N33 entspricht, U. Luft, Urkunden zur Chronologie der späten 12. Dynastie. Briefe aus Illahun, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Denkschriften der Gesamtakademie 34 (Wien 2006), 70 und Taf. 20. Luft übersetzt das Wort auf Seite 71 mit Chate und interpretiert es damit als Beleg für Nr. (1). Dieser Papyrus enthält einen Nachtrag m sꜣn ṯb.wt: „von der sꜣn-Pflanze (?), ṯb.wt-Maß (?)“. Die Lesung und Übersetzung dieses Nachtrags ist unsicher, vgl. die Kommentare bei Luft, 72. Auch die Zuordnung zu šzp.t scheint pace Luft nicht ganz sicher zu sein.

    Die Frage, ob dieses Lemma (1) identisch oder zumindest zu vergleichen ist mit sšp.t, Wb 4, 284.11, wird meist implizit bejaht, indem bei beiden Lemmata aufeinander verwiesen wird (so etwa das Wb, auch G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), der aber šzp.t eben als Chate versteht, das sšp.t, Nr. 1002, dagegen als Gurke, arabisch خيار).
    Auch die Frage zum Verhältnis von šzp.t (und sšp.t) zu šb.t, Wb 4, 438.2-3, wäre zu klären, das, wohl ebenfalls unter Rückführung auf koptisches ϣⲱⲡⲉ und dessen Identifikation mit Cucumis sativus, ebenfalls mit „Gurke“ übersetzt wird, so jedenfalls im Wb. Letztlich wäre zu klären, auf welches dieser Wörter koptisches ϣⲱⲡⲉ zurückgeht (auf šzp.t eben laut Stern, a.a.O. oder Loret, a.a.O.; auf sšp.t laut Wb 4, 284, W. Vycichl, Dictionnaire étymologique de la langue copte (Leuven 1983), 268, Chicago Demotic Dictionary. Š,104; auf šb.t bspw. W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 503), sofern nicht ein Zusammenfall aller drei Lemmata vorliegt (so J. Černý, Coptic Etymological Dictionary (Cambridge 1976), 249, W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 322). Zumindest im pEbers muss es sich jedenfalls bei šb.t und šzp.t um separate Drogen gehandelt haben, da sie anders geschrieben wurden und auch in verschiedenen Kollokationen vorkommen. [NB: Interessanterweise kennt das Koptische auch ⲃⲣⲁϣⲱⲡⲉ, was wohl pr.t ... entspricht und damit an die Verwendung von pr.t šb.t im pEbers erinnert.]

  2. [= Wb 4, 537.3-4]
    Eine Droge, die mit einem runden Zeichen klassifiziert ist – welches, ist unsicher: Die Belege des pEbers sind in bisherigen hieroglyphischen Transliterationen
    – als Kreis (H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der Heiligen-und der Volks-Sprache und-Schrift der alten Ägypter. Nebst Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1129; H. Grapow, Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert, Grundriß der Medizin der alten Ägypter V (Berlin 1958), passim und H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 506; R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pha–raonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 904),
    – als zweiphasiger Mond resp. Mond mit Erdschein (?), Gardiner Sign-list N9 (L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 46b und als zweite Schreibung bei Brugsch, a.a.O.; wohl abgelehnt von G. Möller, Hieratische Paläographie. Die ägyptische Buchschrift in ihrer Entwicklung von der fünften Dynastie bis zur römischen Kaiserzeit. Bd. 1. Bis zum Beginn der achtzehnten Dynastie, 2 (Osnabrück 1965 (= 1927)), der jedenfalls unter der entsprechenden Nr. 573 keinen Ebers-Beleg für diese Hieroglyphe verzeichnet),
    – oder als Brot X6 / X6A (W. Wreszinski, Der Papyrus Ebers. Umschrift, Übersetzung und Kommentar, Die Medizin der alten Ägypter 3 (Leipzig 1913), passim; Wb 4, 536; explizit die Berliner Zeichenliste (https://digilib.bbaw.de/digitallibrary/digilib.html?fn=/silo10/AAEW/Zeichenliste/&pn=774), s.v. X7)
    wiedergegeben worden. Die hieratische Form spricht am ehesten für das Brot oder aber für eine Sonnenscheibe. Im pChester Beatty VI scheint es eher mit dem Korn geschrieben zu sein.

    Anders als Droge (1) ist dieses Nr. (2) nur ein Drogenbestandteil und ist in den Kollokationen šzp.t n.t jꜣrr.t und šzp.t n.t qmy.t: „šzp.t von Weintrauben“ und „šzp.t von qmy.t-Harz“, belegt. Meist wird darin ein und dasselbe Lemma gesehen, s. Stern, a.a.O., 46b; Wb 4, 537.3-4 und DrogWb, 506. Einzig Brugsch, a.a.O., 1129 und G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 1141 und 1142 trennen in zwei Lemmata auf.

    Die Bedeutung ist bislang unklar: Ausgehend von der Verbindung mit jꜣrr.wt, denkt Stern an „bacca, acinus“, also an kleine Früchte, hier konkret an die Weinbeere. Ebenso Brugsch. V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 101 (dort „Shep“ transkribiert) sieht hierin apodiktisch „Le Raisin séché au soleil“. Hierauf dürfte wohl letztendlich Jonckheeres unkommentierte Übersetzung als „raisin sec“ zurückgehen (F. Jonckheere, Le papyrus médical Chester Beatty, La médecine égyptienne 2 (Bruxelles 1947), 30 (Nr. 23)). B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), passim, der Grundriß der Medizin und T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), passim enthalten sich einer Deutung. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 89-90 hält aufgrund der Verbindung mit dem Harz und dem ḥmꜣ.yt (s. hier Nr. (3)), in dem sie Salz (also ḥmꜣ.t) vermutet, eine Grundbedeutung „Körnchen“ o.ä. für denkbar, bei Weintrauben dementsprechend die Kerne. Darauf basieren die Übersetzungsvorschläge von W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 577 und 631: „Kerne“ bzw. 585: „Kügelchen“, sowie Hannig, HWb (Marburger Edition), 904: „*Traube; *Kern; *Kügelchen“. Auf dieser Bedeutung baut auch A. Lüchtrath, Das Kyphirezept, in: D. Kurth (Hrsg.), Edfu: Bericht über drei Surveys. Materialien und Studien, Die Inschriften des Tempels von Edfu: Begleitheft 5 (Wiesbaden 1999), 97-145, hier 104-108 und 134-141 in ihrer Analyse des šzp(.t) des ptolemäerzeitlichen Kyphi-Rezeptes auf, das sie für dasselbe Wort hält. Das im Kyphi-Rezept verwendete šzp(.t) [= Wb 4, 537.7] ist mit der Herkunftsangabe Dsds versehen, kommt also aus der Oase Bahariya; und es wird laut dem Rezept auch als jꜣrr.t wḥꜣ.t: „Weintrauben der Oase“ bezeichnet. Deswegen, und weil es in Philae mit dem sšp.t-Wein gleichgesetzt wird, vermutet Lüchtrath in der Substanz des Kyphi-Rezeptes „eine weinähnliche Substanz“. Aus den im Rezept angegebenen Mengen-Gewicht-Verhältnissen schließt sie ferner, dass die Substanz leichter als Wein sein müsse und daher vielleicht Traubenkernöl bezeiche. Dies würde ihr zufolge auch dazu passen, dass im beschriebenen Herstellungsvorgang bislang kein Öl genannt sei, die Zugabe von Öl aber notwendig sei.
    Die bisherige Deutung als Kügelchen, Kerne und davon ausgehend Traubenkernöl wird einzig dadurch erschwert, dass šzp.t jꜣrr.t (ohne die Genitiv-Nisbe der medizinischen Texte) in einigen Opferlisten des Alten Reiches erwähnt wird. Es handelt sich auch dort um ein attributives Verhältnis und nicht etwa um eine asyndetische Koordination (etwa „šzp.t und Weintrauben“); das zeigt sich am deutlichsten in den hieratischen Zusätzen im Grab Pepianchs des Mittleren, wo šzp.t jꜣrr.t eine gemeinsame Mengenangabe besitzt (N. Kanawati, The Cemetery of Meir. Vo. I. The Tomb of Pepyankh the Middle, Australian Centre for Egyptology. Reports 31 (Oxford 2012), 62 und Taf. 63a und 92). Dort findet es sich vereint mit verschiedenen Getreidesorten, Datteln, wnš-Weinbeeren/-Rosinen, Feigen u.a. Während šzp.t jꜣrr.t dort nur ein sekundärer Zusatz zur primären Darstellung von mehreren aufgehäuften Früchten u.ä. ist, ist es im Grab des Anchmahor originär einem dieser Haufen beigeschrieben, s. N. Kanawati – A.A. Hassan, The Teti Cemetery at Saqqara. Vol. II. The Tomb of Ankhmahor, Australian Centre for Egyptology. Reports 9 (Warminster 1997), 60 und Taf. 63. Dort befindet sich ein Haufen von šzp.t jꜣrr.t zwischen Haufen von Erdmandeln (wꜥḥ), Christdornfrüchten (nbs) und Broten davon, Wüstendatteln (jšd), Feigen (dꜣb.t) und sẖ.t-Getreide(?). Leider ist die Binnenzeichnung des šzp.t-jꜣrr.t-Haufens größtenteils zerstört, aber er scheint eine braune Färbung gehabt zu haben (s. Kanawati/Hassan, a.a.O., 67). Im Grab von Nikau-Isesi schließlich ist ein Haufen von šzp.t jꜣrr.t vereint mit Haufen von Feigen, wnš-Weinbeeren/-Rosinen, Christdornfrüchten (nbs) und Wüstendatteln (jšd), sowie zahlreichen Broten von Christdornfrüchten, s. N. Kanawati – M. Abder-Raziq, The Teti Cemetery at Saqqara. Vol. VI. The Tomb of Nikauisesi, Australian Centre for Egyptology. Reports 14 (Warminster 2000), Taf. 55 (leider keine Angabe der Farbe auf S. 57, also vielleicht nicht mehr vorhanden).
    Diese Belege werfen die Frage auf, ob šzp.t, wenn auf jꜣrr.t bezogen, wirklich die Kerne bezeichnet, oder nicht doch mehr – vielleicht die ganze Weinbeere? Dazu würde auch passen, dass in S. Cauville – D. Devauchelle – É. Chassinat, Le temple d’Edfou. Bd. II,2, Mémoires publiés par les membres de la Mission Archéologique Française au Caire 11 (Le Caire 1990), 184.3 šzp(.w) nb dp ḫt=sn: „alle šzp.w auf ihrem Holz (d.h. auf ihren Reben? auf ihren Stängeln?)“ erwähnt werden, wozu schon Lüchtrath, a.a.O., 139 schreibt, dass hier die Bedeutung „Kern“ nicht passe. Sie erwägt, dass es sich in dem Fall um unreife Weinbeeren handeln könnte – was wiederum in den Opferlisten des Alten Reiches unerwartet wäre.
    T. Pommerening, Bäume, Sträucher und Früchte in altägyptischen Listen – eine Betrachtung zur Kategorisierung und Ordnung, in: S. Deicher – E. Maroko (Hrsg.), Die Liste. Ordnungen von Dingen und Menschen in Ägypten, Ancient Egyptian Design, Contemporary Design History and Anthropology of Design 1 (Berlin 2015), 125-166, hier 148 geht davon aus, in diesen Listen eine ontologische Kategorie [essbare Baum-/Strauchfrucht] präsentiert zu haben, was dann auch šzp.t jꜣrr.t einschließt. Im Grab von Nianchchnum und Chnumhotep schließlich findet man šzp.t (sicher eine Abkürzung für šzp.t jꜣrr.t) als Beischrift zu einer Amphore neben Amphoren mit Wein (d.h. dem Getränk: jrp) und Erdmandeln (wꜥḥ), vgl. Pommerening, a.a.O., 131, Abb. 2 und 151.
    Ein Produkt jꜣrr.t zšp, (als Kompositum?) mit Pflanzenklassifikator versehen und in -Schüsseln lieferbar, erscheint schließlich zwischen anderen Früchten auch im pHarris I, Zeile 39,4. Ob hier dasselbe Produkt vorliegt oder ein anderes, ist unklar. Die Übersetzer gehen gelegentlich davon aus, vgl. etwa J.H. Breasted, Ancient Records of Egypt. Historical Documents from the Earliest Times to the Persian Conquest. Vol. 4. The Twentieth to the Twenty-sixth Dynasties (Chicago, London, Leipzig 1906), 158, § 300 mit Anm. b (Breasteds wörtliche Übersetzung „raisin-berries“ wird den Vorschlag von Stern wiederaufnehmen). P. Grandet, Le Papyrus Harris I (BM 9999), Bibliothèque d’étude 109 (Le Caire 1994), Vol. 2, 151, Anm. 607, verbindet es mit der Weinbezeichnung sšp, Wb 4, 284.12, und bringt Letztere mit der Droge des Kyphi-Rezeptes zusammen. Ob er darin wiederum dasselbe Lemma versteht wie das šzp.t der medizinischen Texte (so Lüchtrath) oder ein davon zu unterscheidendes Wort, schreibt er nicht. Da er zudem eine Übersetzung des zšp an dieser Stelle unterlässt, ist auch unklar, in welches syntaktische Verhältnis er jꜣrr.t und zšp setzt.

    Welchen Einfluss diese Identifikationsversuche auf die Verbindung šzp.t qmy.t haben, muss weiteren Studien überlassen werden. Diese Verbindung ist bislang nur einmal belegt, in Eb 460, und steht dort im Zeilenumbruch: šzp.t | n.t qmy.t. Daher könnte man sich fragen, ob hier vielleicht ein Abschreibefehler beim Zeilenwechsel vorliegt und man zu šzp.t ⟨n.t jꜣrr.t rʾ-... NN⟩ n.t qmy.t ergänzen könnte. qmy.t ist durchaus als Nomen rectum eines indirekten Genitivs belegt, s. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 517. Aber keine dieser Verbindungen zeigt im pEbers die feminine Form n.t.

  3. [= Wb 4, 537.5-6]
    Eine Droge, die wie Nr. (1) mit Ei/Saatkorn oder Pflanzenklassifikator geschrieben werden kann, aber wie (2) eher ein Drogenteil sein muss, weil er nur in der Verbindung mit der ḥmꜣ.yt-Frucht vorkommt. Daher ist trotz der unterschiedlichen Klassifikation die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, sie mit šzp.t (2) gleichzusetzen: Zustimmend Wb 5, 537, das für (1), (2) und (3) nur ein einziges Lemma ansetzt; ebenso R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 89. Ablehnend: L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 46b (der es wiederum mit Nr. (1) gleichsetzt); H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959),  506-507; R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 904.
    Da šzp.t ḥmꜣ.yt bis auf ein einziges Mal nie mit einer Mengenangabe versehen ist, wurde verschiedentlich vermutet, dass es sich vielleicht bei diesem šzp.t um eine Mengenangabe und keine Droge handelt, etwa „ein Griff = eine Handvoll“, s. DrogWb, 507.
    In der nur bruchstückhaft erhaltenen Erzählung von pBM EA 10475 Verso, Zeile x+3,1 kommt auch ein šzp.t n.t bj.t vor, das R.B. Parkinson, Two New „Literary“ Texts on a Second Intermediate Period Papyrus? A Preliminary Account of P. BM EA 10475, in: J. Assmann – E. Blumenthal (Hrsg.), Literatur und Politik im pharaonischen und ptolemäischen Ägypten. Vorträge der Tagung zum Gedenken an Georges Posener, 5.-10. September 1996 in Leipzig, Bibliothèque d’étude 127 (Le Caire 1999), 177-196, hier 191, Anm. 90 versuchsweise ebenfalls mit diesem Lemma und der Erwägung einer Maßangabe verbindet: „perhaps a ‚comb‘ of honey?“ [Der Klassifikator ähnelt dagegen eher denen von Nr. (2).]

 L.P.

šꜣms
Definition:

Eine noch unidentifizierte Pflanze, von der Blätter, Früchte und Wurzeln offizinell verwendet werden. S. Aufrère, Études de lexicologie et d'histoire naturelle XVIII-XXVI, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 87, 1987, 21-44, hier 22-26 vergleicht sie mit der akkadischen Pflanzenbezeichnung šamas, deren Eigenschaften und Beschreibung ihn an Römischen Bertram, Anacyclus pyrethrum D.C. denken lässt. Zur Identifizierung von šꜣms mit Römischem Bertram führt er u.a. folgende Argumente an:

  1. Im pEdwin Smith wird šꜣms u.a. zur Bekämpfung der „Seuche des Jahres“ eingesetzt, die nach ägyptischer Vorstellung am Jahresende droht, und Aufrère sieht hierin eine Verbindung mit der insektenvertreibenden Wirkung des Bertram;
  2. die vermeintlichen „Matricaria“-Pollen, die in der Mumie Ramses’ II. gefunden wurden, könnten evtl. ebenfalls eher zum Bertram gehören und würden zur insektenvertreibenden Wirkung dieser Pflanze passen;
  3. die Wurzeln des Bertram würde in der antiken Medizin verwendet, was sich mit der Verwendung der Wurzel der šꜣms-Pflanze deckt;
  4. der Einsatz von šꜣms zum „Weichmachen“ (sgnn) von Gliedern könnte einer Nachricht Ibn el-Beithars zur Seite gestellt werden, wonach Bertram bei Gliederbeschwerden eingesetzt würde;
  5. schließlich würde der Einsatz von šꜣms bei Kopfschmerzen zu Ibn el-Beithars Hinweis passen, zerriebener Bertram an der Vorderseite des Kopfes könnte „préserve des afflux d’humeur“.

R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 126-127 steht einer Identifikation von šꜣms mit Bertram dagegen kritisch gegenüber und lehnt hauptsächlich Aufrères Argument ab, dass sich der medizinische Gebrauch in ägyptischer und antiker Medizin decken würde. Ihr zufolge wird die Wurzel von šꜣms nur ein einziges Mal genannt und die antike Medizin verwendet die Früchte und Blätter vom Bertram gar nicht, was der Verwendung von Früchten und Blättern des šꜣms gegenübersteht.

L.P.

Tamariske
Definition:

Ägyptisch jzr

Die Identifizierung mit der Tamariske ist bereits früh erfolgt und weitgehend akzeptiert. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung die gebräuchlichsten Wörter und Gruppen der heiligen und der Volks-Sprache und Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung in französischer[,] deutscher und arabischer Sprache und Angabe ihrer Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. I (Leipzig 1867), 125 vergleicht das Wort mit hebräisch אֵשֶׁל, arabisch اثل und koptisch ⲟⲥⲓ, ⲟⲥⲉ, das seinerseits über die koptisch-lateinisch-arabischen Scalae mit lateinisch Tamariscus und arabisch اثل identifiziert wurde (vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 257 mit Verweis auf A. Kircher, Lingua aegyptiaca restituta. Opus tripartitum. Quo linguæ coptæ sive idiomatis illius primæui Ægyptiorum pharaonici, vetustate temporum pæne collapsi, ex abstrusis Arabum monumentis, plena instauratio continetur. Cui adnectitur supplementum earum rerum, quæ in Prodromo copto, & opere hoc tripartito, vel omissa, vel obscurius tradita sunt, noua, & peregrina eruditione contextum, ad instauratæ linguæ usum, speciminis loco declarandum (Romæ 1643), 175), und gibt als Bedeutung „Tamarix orientalis“ an. Die von Brugsch angebrachte Bezeichnung „Tamarix orientalis“ stammt aus Peter Forsskåls Flora Aegyptiaco-Arabica und ist heute nicht eindeutig angenommen oder abgelehnt (vgl. The Plant List und International Plant Names Index, letzter Zugriff 03.06.2019). V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 79, Nr. 132 weist allerdings darauf hin, dass das koptische ⲟⲥⲓ zwar tatsächlich über die Scalae als Tamariske identifiziert sei, dass aber das Kompositum ϣⲉⲛⲟⲥⲓ, also „ⲟⲥⲓ-Baum/-Holz“, mit dem arabischen ﻄﺮفا gleichgesetzt werde, wohingegen das arabische اثل mit dem koptischen ⲡⲓ-ⲛⲁⲙ: „Armor similis tamarisco“ (vgl. zu beidem Kircher, ebd.) gleichgesetzt würde. Da nun ägyptisch jzr und arabisch اثل dasselbe Wort seien, es im Vorkoptischen aber keinen Baum namens nm gäbe, auf den das koptische ⲡⲓ-ⲛⲁⲙ zurückgehen könnte, müsse man annehmen, dass jzr der Oberbegriff für alle Tamarisken sei. Ähnlich allgemein bleiben, ebenfalls unter Berufung auf das Koptische, L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers, Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 6b: „tamariscus, arbor hortensis“ und Wb 1, 130.1-5: „Tamariske“. L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Ägyptologische Studien (Hamburg, Berlin 1924), 55-57 nennt für Ägypten zwei Tamariskenarten, Tamarix articulata Vahl. und Tamarix nilotica Ehrbg., die sich deutlich voneinander unterscheiden würden. Aus diesem Grund zweifelt er ebd. und 155-156 Lorets Ansicht an, die Ägypter hätten beide Arten mit demselben Namen benannt. Explizit Stellung, welche der beiden Arten jzr sei, nimmt er nicht. Wenn er aber die im Papyrus Ebers (konkret Rezept Eb 96, der von ihm ebenfalls genannte pHearst ist zu streichen) genannten pr.t jzr: „Früchte vom jzr-Baum“ mit den auf der Tamarix nilotica entstehenden Galläpfeln gleichsetzt statt mit den eigentlichen Tamariskensamen, tendiert er jedenfalls zu einer Identifizierung von jzr mit der Tamarix nilotica. Für dieselbe Gleichsetzung von jzr mit Tamarix nilotica spricht sich R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 54 aus, wenn auch mit einem anderen Argument, nämlich dass Blätter der Tamarix articulata sehr unscheinbar seien und daher die einmal als Droge verwendeten ḏrḏ-Blätter eben dafür sprächen, dass jzr die andere Tamariskenart bezeichnet habe. N. Baum, Arbres et arbustes de l’Égypte ancienne. La liste de la tombe thébaine d’Ineni (no. 81), Orientalia Lovaniensia Analecta 31 (Leuven 1988), 202 hält gegen Keimer die äußerlichen Unterschiede beider Tamariskenarten für im Grunde vernachlässigbar und spricht sich wieder dafür aus, dass jzr eine generelle Bezeichnung für alle Tamariskenarten sei. Dem schließen sich R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 35 und T. Pommerening, Bäume, Sträucher und Früchte in altägyptischen Listen – eine Betrachtung zur Kategorisierung und Ordnung, in: S. Deicher – E. Maroko (Hrsg.), Die Liste. Ordnungen von Dingen und Menschen in Ägypten, Ancient Egyptian Design, Contemporary Design History and Anthropology of Design 1 (Berlin 2015), 125-166, hier 136, Anm. 37 an.

Tamariskenholz besitzt nach ägyptischen Vorstellungen eine gewisse apotropäische Funktion, gerade auch im Zusammenhang mit Horus in Falken- und anderen Gestalten: In Edfu soll nach dem Ritual zum „Schutz des Hauses“ das Schlafgemach des heiligen Falken von Tamariskenzweigen umgeben werden (D. Jankuhn, Das Buch „Schutz des Hauses“ (sꜣ-pr). Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität zu Göttingen (Göttingen 1971), 23-24, R.K. Ritner, The Mechanics of Ancient Egyptian Magical Practice, Studies in Ancient Oriental Civilization 54, 4th edition (Chicago 2008), 59-60); im pSalt 825, x+11, 3-4 (alt: VI, 3-4) erscheint ein „Stab des Sees“ aus Tamariskenholz, der als „Horus, der seine Feinde niederwirft“ bezeichnet wird (s. P. Derchain, Le Papyrus Salt 825 (B.M. 10051), rituel pour la conservation de la vie en Égypte, Académie royale de Belgique. Classe des Lettres et des Sciences Morales et Politiques. Mémoires. Collection in-8°, Deuxième série 58 (Bruxelles 1965), 139 und Feder im TLA); und im Buch vom Fayum gibt es eine Darstellung der Göttin Neith mit einem „Bogen aus Tamariskenholz“ in der Hand und mit dem Götterkind Horus (in Gestalt des krokodilköpfigen Sobek) neben sich; dieser Darstellung ist ferner beigeschrieben, dass die Tamariske der Schutz des Sobek und der Neith sei (H. Beinlich, Der Mythos in seiner Landschaft. Das ägyptische „Buch vom Fayum“. Bd. 1. Die hieroglyphischen Texte, Studien zu den Ritualszenen altägyptischer Tempel 11,1 (Dettelbach 2013), 111-113 und H. Beinlich, Der Mythos in seiner Landschaft. Das ägyptische „Buch vom Fayum“. Bd. 2. Die hieratischen Texte, Studien zu den Ritualszenen altägyptischer Tempel 11,2 (Dettelbach 2014), 380, Zeile BF 1136).

L.P.

tḥwꜣ
Definition:
Eventuell die Erbse? Weiterlesen...

Einige Male in den Late Egyptian Miscellanies neben ꜥršn: „Linsen“ als Inhalt von Lagerhäusern genannt – die Bedeutung von ꜥršn gilt aufgrund seines koptischen Derivats ⲁⲣϣⲓⲛ u.ä.: „Linse“ schon seit dem 19. Jh. als gesichert (vgl. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung die gebräuchlichsten Wörter und Gruppen der heiligen und der Volks-Sprache und Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung in französischer[,] deutscher und arabischer Sprache und Angabe ihrer Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. I (Leipzig 1867), 209). W.R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts-V, in: Journal of Egyptian Archaeology 21, 1935, 37-40, hier 38-39 schreibt, die tḥwꜣ oder tḥwj genannte Pflanze sei „usually identified with the Lentil“ – diese Identifizierung scheint aber bis dato nicht verschriftlicht worden zu sein: Wb 5, 323.1-3 unterlässt noch 1931 jeglichen Identifizierungsvorschlag; bezüglich der medizinischen Texte vermeidet noch B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), passim eine Übersetzung; und auch die älteren Übersetzungen der Miscellanies, namentlich A. Erman, Die Literatur der Aegypter. Gedichte, Erzählungen und Lehrbücher aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr (Leipzig 1923), und A. Erman – H.O. Lange, Papyrus Lansing. Eine ägyptische Schulhandschrift der 20. Dynastie (København 1925), bieten keine Übersetzung dieser Pflanze. Dawson selbst distanziert sich auch gleich von dieser Übersetzung. Denn da in den Miscellanies, namentlich in pAnastasi IV, tḥwꜣ neben ꜥršn: „Linsen“ genannt sei, müsse tḥwꜣ etwas Anderes benennen, und Dawson denkt an eine Erbsenart, evtl. Pisum arvense oder Pisum sativum.

Die Identifikation mit der Erbse gilt seitdem als Communis opinio, findet sich jedenfalls bei H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 506-561; R.O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 301; G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), 816, Nr. 1399; L. Manniche, An Ancient Egyptian Herbal, Second Impression (London 1993), 136; R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 1009, Nr. {37362}-{37363} (immerhin durch Asterisk als nur vermutet gekennzeichnet).

Allerdings liefert Dawson selbst keinerlei Argument für diese Identifizierung, und sie scheint einzig vom Vorkommen von tḥwꜣ und ꜥršn in den Miscellanies und der von Dawson abgelehnten Übersetzung von tḥwꜣ als „Linse“ beeinflusst zu sein. K.R. Weeks, Rez. zu: William J. Darby, Paul Ghalioungui, Louis Grivetti, Food. The gift of Osiris, 2 vols. London; New York; San Francisco: Academic Press 1976, in: Journal of the American Research Center in Egypt 16, 1979, 185-189, hier 186-188 zweifelt diese Interpretation jedoch an. Erstens seien die von Dawson angeführten archäologischen Nachweise für Erbsen in Illahun nicht gesichert; diese könnten auch aus römischen Schichten kommen; zweitens sei das gemeinsame Vorkommen mit ꜥršn in den Miscellanies wenig aussagekräftig, denn nur zweimal stünden beide Produkte direkt nebeneinander, wohingegen sie zwei weitere Male durch šꜣ.w: „Koriander“ voneinander getrennt seien. Ferner sei die gelegentliche Klassifizierung mit dem Korn, Gardiner Sign-list N33, wenig aussagekräftig, weil dieser Klassifikator nur eine vage rundliche Form andeute, aber nicht zwangsläufit ein erbsenförmiges Objekt. (NB: Dieses Argument stammt allerdings von Weeks selbst; die Form des Klassifikators spielt zwar bei W.R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 41-44 für dessen Identifikation von ḏꜣr.t eine Rolle, nicht aber in JEA 21 bei tḥwꜣ, zumindest nicht explizit.) Weeks wundert sich außerdem, warum tḥwꜣ in den medizinischen Texten zwar oft genannt sei, aber nicht als Verdickungsmittel, wie dies von Erbsen in „modern folk medical treatments“ bekannt sei. In medizinischen Texten der griechisch-römischen Zeit und des Mittelalters [d.h. in demotischen und koptischen medizinischen Texten?] sei die Erbse schließlich gar nicht genannt, was implizieren würde, dass sie nach häufiger Verwendung in Ägypten zunächst komplett aus der Apotheke verschwunden wäre. Weeks selbst vermutet in tḥwꜣ eine Bezeichnung des Knoblauchs. Hierfür weist er auf die gelegentliche Austauschbarkeit sowie das gemeinsame Vorkommen von tḥwꜣ mit ḥḏ.w in medizinischen Texten hin, was darin zu begründen sei, dass beide Drogen ähnliche Substanzen beinhalten oder ähnliche Eigenschaften besäßen. Da er ḥḏ.w mit der Communis opinio als Zwiebeln interpretiert, vermutet er in tḥwꜣ eben den „Knoblauch“. L.H. Lesko – B. Switalski Lesko, A Dictionary of Late Egyptian. Vol. IV (Providence 1989), 95 bieten neben „peas(?)“ auch „garlic(?)“ mit Verweis auf Weeks.

Auch R. Germer (Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 228-229; Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 86 sowie Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 157) zweifelt Dawsons Interpretation wegen der Unsicherheit der Funde aus Illahun an. Einen Gegenvorschlag bietet sie nicht. Weeks’ Vorschlag diskutiert sie (in ihren beiden späteren Arbeiten) nicht.

L.P.

tjꜥm
Definition:
Eine nur in medizinischen ... Weiterlesen...

Eine unbekannte Pflanze; in der Regel mit dem allgemeinen Pflanzenklassifikator geschrieben, zwei Mal auch mit dem Rohstoffklassifikator N33. Bislang ist sie nur aus den medizinischen Texten bekannt und wird dort meist in Einnehmemitteln verwendet, ein paar Mal auch in Salbmitteln und Verbänden, einmal in einem Zäpfchen.
L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 50a verweist mit Fragezeichen auf einen von F. Chabas, Ordre de réparer une barque, in: S. Birch, et al. (Hrsg.), Mélanges égyptologiques. Vol. III.2 (Chalon-sur-Saône 1873), 94-102, hier 100 genannten tjmw-Baum, der in pAnastasi IV, 8,2 vorkommt. Diesen hat Gardiner jedoch in Late-Egyptian Miscellanies, Bibliotheca Aegyptiaca 7 (Bruxelles 1937), 42a, Anm. 16a zum jꜣm-Baum emendiert, so dass er als zusätzlicher (und außermedizinischer) Beleg für die tjꜥm-Pflanze wegfällt. Auch der wiederum von Chabas genannte, weitere Beleg (P. Le Page Renouf, Miscellanea II, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 5, 1867, 32-33, hier 33), demzufolge dieser Baum ein Öllieferant war, ist zu streichen. Denn der bei Le Page Renouf genannte Baum ist dgm und nicht „Tam“ (d.h. tm) zu lesen. Sterns Vorschlag, in Chabas’ tjmw einen Nussbaum zu sehen, beruht einzig auf diesem vermeintlichen, nunmehr obsoleten zweiten Beleg.

Für den tjꜥm-Baum der medizinischen Texte gibt es keinen Identifizierungsvorschlag. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der Heiligen-und der Volks-Sprache und-Schrift der alten Ägypter. Nebst Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1346 vergleicht mit hebräisch טְעֵם (d.h. „Wohlgeschmack“, W. Gesenius, Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, 14. Auflage (Leipzig 1905), 249? Dachte Brugsch eine eine gut schmeckende Pflanze?). Bislang wurde kein Identifikationsvorschlag unterbreitet.

Ein möglicher Ansatz ergibt sich vielleicht aus dem Brooklyner Schlangenpapyrus: S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No. 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 152-153, Anm. 8 deutet den Namen der im § 22 dieses Papyrus genannten tjꜥm-Schlange als Verkürzung aus tj-n.t-ꜥꜣm und schlägt als Bedeutung vor: „Die von Asien“. Als Parallele für diese Wortbildung führt er die tj-n.t-ꜥꜣmw: „Asiatenkrankheit“ der medizinischen Texte auf. Als zusätzliches Argument dafür dient ihm, dass die tjꜥm-Schlange vor dem Schlangenklassifikator noch den Ersatzstrich für den Gefangenen zeigt. [Andererseits fehlt in diesem ꜥm das sonst für das Wort ꜥꜣm: „Asiat“ übliche Wurfholz.] Außerdem ist in § 18 des Brooklyner Schlangenpapyrus eine kꜣ-n-ꜥm-Schlange genannt, also ein weiterer Schlangenname, der mit ꜥm gebildet ist. Das erhärtet zumindest den Verdacht, dass dieses ꜥm ein eigenständiges Lexem ist.

Sollte man nun den Schlangennamen tjꜥm mit dem homographen Pflanzennamen in einen Zusammenhang bringen können? Falls ja, gäbe es zwei Möglichkeiten der Erklärung:

  1. Es handelt sich in beiden Fällen um eine parallele Wortbildung, also ein rein spachliches Phänomen: Man hätte einmal eine Schlange „Die von Asien“, und einmal eine Pflanze „Die von Asien“. Dafür könnte sprechen, dass die Pflanze auch in der Schreibung tjꜥꜣm belegt ist, was, als tj(-n.t)-ꜥꜣm aufgelöst, dem Konsonantenbestand von ꜥꜣm: „Asiat“ sogar noch näher kommt. Andererseits ist auch die Pflanze nie mit dem Wurfholz, und auch nicht mit dem Ersatzstrich oder anderen signifikanten Klassifikatoren geschrieben, die eine solche Überlegung stützen könnten.
  2. Die zweite Möglichkeit wäre, dass das eine nach dem anderen benannt ist: die Pflanze nach der Schlange oder die Schlange nach der Pflanze (etwa, weil sie sich einen Lebensraum teilen oder aufgrund eines anderen Tertium comparationis). Hierfür ließe sich als denkbare Parallele die qꜣd.t-Pflanze anführen, für die W. Westendorf, Schlange und Schlangenkraut, in: M. Minas, et al. (Hrsg.), Aspekte spätägyptischer Kultur. Festschrift für Erich Winter zum 65. Geburtstag, Aegyptiaca Treverensia. Trierer Studien zum Griechisch-Römischen Ägypten 7 (Mainz 1994), 265-267 einen Zusammenhang mit der fast homographen qꜣdj-Schlange vermutet (Westendorf denkt in diesem Falle konkret an eine äußere Ähnlichkeit).

L.P.

twn
Definition:

Eine unbekannte Pflanze.

L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 49a vergleicht es mit dem tjwn-Baum aus dem Grab des Ineni, TT 81, und der koptischen Pflanzenbezeichnung ϣⲉⲛⲑⲓⲛⲟⲛ, die er (in Anlehnung an G. Parthey, Vocabularium coptico-latinum et latino-copticum e Peyroni et Tattami lexicis. Accedunt elenchus episcopatuum Aegypti; index Aegypti geographicus coptico-latinus; index Aegypti geographicus latino-copticus; vocabula Aegyptia a scriptoribus Graecis explicata; vocabula Aegyptia a scriptoribus Latinis explicata (Berolini 1844), 199?) mit lignum spinosum: „stacheliges Holz“ wiedergibt. Peyron selbst gibt für ⲑⲉⲓⲛⲟⲛ die Bedeutung Ebenus (A. Peyron, Lexicon copticum. Editio iterata ad editionis principis examplum. Accedunt auctaria ex ephemeridi aegyptiaca berolinensi exerpta (Berolini 1896), 53, mit Verweis auf A. Kircher, Lingua aegyptiaca restituta. Opus tripartitum. Quo linguæ coptæ sive idiomatis illius primæui Ægyptiorum pharaonici, vetustate temporum pæne collapsi, ex abstrusis Arabum monumentis, plena instauratio continetur. Cui adnectitur supplementum earum rerum, quæ in Prodromo copto, & opere hoc tripartito, vel omissa, vel obscurius tradita sunt, noua, & peregrina eruditione contextum, ad instauratæ linguæ usum, speciminis loco declarandum (Romæ 1643), 175) und für ϣⲉⲛⲑⲉⲓⲛⲟⲛ die Übersetzung „lignum platani Indicae“. (Unsicher, welcher Baum gemeint. Das von Peyron gegebene arabische ﺳﺎﺞ bezeichnet den Teakbaum, s. bspw. hier.) Für das Kompositum ϣⲉⲛⲑⲓⲛⲟⲛ verweist Peyron auf Kircher, a.a.O., 379, der dort Lignum Sethinu angibt, für Sethinus aber als Entsprechung wiederum ﺳﺎﺞ, den Teakbaum. Außerdem verweist Peyron für ϣⲉⲛⲑⲉⲓⲛⲟⲛ auf griechisch ξύλον θύϊνον (Offenbarung des Johannes, 18:12, eines der Güter der Kaufleute Babylons, die im Zuge von dessen Untergang niemand mehr kaufen will). Das Adjektiv θύϊνος ist laut H.G. Liddell – R. Scott, An Intermediate Greek-English Lexicon (Oxford 1889), 370 „of the tree θυία“, für den sie ebd. angeben: „an African tree with scented wood, a kind of juniper or cedar“. In H.G. Liddell – R. Scott – H.S. Jones, A Greek-English Lexicon. Revised and augmented throughout (Oxford 1940), 808 grenzen sie die Bedeutung von θυία auf Juniperus foetidissima, den „Stinkenden Wacholder“, ein. Ebenda geben sie allerdings für θύϊνος eine andere Bedeutung, nämlich „of the tree θύον“, und dieser ist laut ebd., 811, „thyine-wood, citron-wood, Callitris quadrivalvis“. Letzteres findet sich dann auch als lateinische Entsprechung der Bibelstelle in der Vulgata: lignum thyinum. Das Lateinische thyinum meint laut C.T. Lewis – C. Short, Harper’s Latin Dictionary. A New Latin Dictionary Founded on the Translation of Freund’s Latin-German Lexicon (New York, Cincinnati 1907), 1870 „made of the citrus-tree“. Aus der Bibelstelle machen die Luther-Bibel lediglich „wohlriechende Hölzer“ und die King-James-Bibel „Thyine wood”, laut Merriam Webster „the fragrant and ornamental wood of the sandarac tree“. Wenn nun koptisches ϣⲉⲛⲑⲉⲓⲛⲟⲛ nur griechisches ξύλον θύϊνον wiedergibt, was recht wahrscheinlich sein dürfte, dann ist das koptische ⲑⲉⲓⲛⲟⲛ wohl nur ein Lehnwort und eine Verbindung mit älterem twn ausgeschlossen. Auch wenn es doch ein genuin koptisches Wort wäre, ist aufgrund des eine Verbindung mit twn nicht unproblematisch.

H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der Heiligen-und der Volks-Sprache und-Schrift der alten Ägypter. Nebst Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1347 verbindet das tjwn des Ineni dagegen mit hebräisch תְּאֵנָה, der Gemeinen Feige. Die Gleichsetzung der twn-Pflanze (mit Pflanzenklassifikator) und der tjwn-Pflanze (mit Baumklassifikator) wird meist akzeptiert, nicht jedoch die Identifikation mit der Gemeinen Feige. B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 133 gibt, ohne jegliche Erklärung (ob inspiriert durch den Klassifikator der Pyramidentextbelege, der einem Akazienzweig ähnelt?), die Bedeutung Acacia Seyal. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 212-213 hält diese Identifizierung für denkbar, u.a. ebenfalls wegen dieser Klassifikation. Das Rind, mit dem die Pflanze oft zusätzlich klassifiziert wird, hält sie für einen Hinweis darauf, dass die twn-Pflanze eine Futterpflanze sein könnte (contra Germer könnte dieser Klassifikator aber vielleicht eher auf einen Zusammenhang mit der Wortfamilie ṯwn: „zustoßen“ hinweisen, die mit dieser Hieroglyphe klassifiziert wird); und sie verweist dazu auf Darstellungen in Gräbern, in denen Ziegen Akazienblätter fressen. Der Anwendungsbereich in der Medizin würde gut zu einer gerbstoffhaltigen Pflanze wie der Akazie passen. Dawons, in: J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 31 kann Ebbells Deutung weder bestätigen noch ablehnen und erwähnt, dass V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), Nr. 143 den ꜥš-Baum mit Acacia seyal gleichgesetzt habe (womit er impliziert, dass er diese Möglichkeit für twn eher ausschließt). Er verweist aber ebenfalls darauf, dass die Klassifizierung von twn in den Pyramidentexten zu Akazien passen könnte. W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 510 folgt Ebbell, Germer und Dawson, schreibt aber in den Übersetzungen vorsichtig „ṯwn-Pflanze (Akazienart ?)“.

V. Loret, Le signe hiéroglyphique nn (jonc des marais), in: S.R.K. Glanville (Hrsg.), Studies Presented to F. Ll. Griffith (London 1932), 304-309, hier 307 geht, wie die meisten Ägyptologen, davon aus, dass tjwn und twn dieselbe Pflanze bezeichnet. Die unterschiedliche Klassifizierung mit Baum resp. allgemeinem Pflanzenklassifikator nimmt er zum Anlass, hierin ein strauchartiges, tlw. verholztes Gewächs zu sehen, „peut-être le Ceruana pratensis Forsk.“.

Von diesen Vorschlägen abgesehen, wird die Pflanze meist als unidentifiziert betrachtet, so etwa bei G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 162, Anm. 7, G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), § 1362 oder H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 562-564.
N. Baum, Arbres et arbustes de l’Égypte ancienne. La liste de la tombe thébaine d’Ineni (no. 81), Orientalia Lovaniensia Analecta 31 (Leuven 1988), 176-179 hält die Möglichkeit offen, dass das tjwn aus dem Grab des Ineni und das dwn ptolemäischer Texte, das ebenfalls mit einem Baum klassifiziert wird, dasselbe Wort sind und einen Baum bezeichnen, der von twn zu differenzieren ist, sie hält es aber für ebenso denkbar, dass tjwn, twn und dwn dieselbe Pflanze bezeichnen; wie Loret sieht sie in letzterem Fall die unterschiedliche Klassifizierung als Hinweis, dass wohl eine teilweise verholzte, strauchartige Pflanze gemeint sein könnte. Einen Identifikationsvorschlag unterbreitet sie nicht.

L.P.

unterägyptisches Salz
Definition:

Die genaue Konnotation der Bezeichnung ḥmꜣ.t-mḥ.t ist schwer zu fassen. Das Substantiv ḥmꜣ.t allein wird üblicherweise als Vorläufer des koptischen ϩⲙⲟⲩ: „Salz“ aufgefasst. Zu einer gelegentlichen, älteren Annahme, dahinter stecke spezifischer das „Meersalz“, vgl. die Diskussion bei J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 189. Er schließt die Möglichkeit nicht aus; ihm zufolge sei aber der größere Teil des ägyptischen Salzes aus Binnenseen und „other similar deposits“ gekommen. Die Identifizierung von ḥmꜣ.t wird jüngst wieder von S. Aufrère, L'univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d’étude 105 (Le Caire 1991), 636-637 problematisiert. Aufrère merkt an, dass die Ägypter wohl nicht scharf zwischen ḥmꜣ.t-Salz (d.h. Natriumchlorid) und Natron (einem Dekahydrat von Natriumkarbonat) unterschieden hätten, wie sich u.a. sehr gut an der Bezeichnung sḫ.t-ḥmꜣ.t: „Salzfeld“ für das Wadi en-Natrun zeigt. Ist also schon die Identifizierung von ḥmꜣ.t allein nicht so sicher, wie die gängigen Wörterbücher suggerieren, ist es gänzlich unsicher, welche Aussage die Qualifizierung von ḥmꜣ.t durch mḥ.t beinhaltet. G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), passim belässt es bei einer wörtlichen Übersetzung „sel du Nord“; ebenso H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 343 und W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 550 bei „unterägyptischem Salz“. J.H. Breasted, The Edwin Smith Surgical Papyrus. Published in Facsimile and Hieroglyphic Transliteration with Translation and Commentary. Vol. 1. Hieroglyphic Transliteration, Translation and Commentary, Oriental Institute Publications 3 (Chicago 1930), 383 dachte an Natriumchlorid aus der Wüste westlich des Deltas.

Dagegen hielt schon L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 15b mit Verweis auf Chabas (ohne weitere bibliographische Angaben) eine Übersetzung als „sel marinus“, d.h. Meersalz, für denkbar. Diese alternative Übersetzung findet sich auch noch in jüngeren Arbeiten, etwa bei T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 253 und passim. Diese Erklärung ist natürlich nur unter der Voraussetzung möglich, dass nicht ḥmꜣ.t allein schon das Meersalz bezeichnet.

Es sollte schließlich auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Attribuierung durch das dualistische Prinzip des ägyptischen Weltbildes motiviert ist und auf die Kulttopographie anspielt: Bei Opferhandlungen werden gelegentlich Opfergaben „aus Unterägypten“ neben solchen „aus Oberägypten“ genannt. Im Falle von ḥmꜣ.t-mḥ.t konkret in den medizinischen Texten könnte evtl. Eb 51 angeführt werden, wo neben ḥmꜣ.t-mḥ.t: „unterägyptischem Salz“ jt-šmꜥ: „oberägyptische Gerste“ genannt ist (zu dieser Gerste s. den Kommentar in Eb 51).

L.P.

wrm.yt
Definition:

Ein bislang nur vier Mal genanntes Phänomen bei Menschen (drei Mal) und beim Rind (ein Mal). Mit dem „schlechten Paket“, Gardiner Sign-list Aa2, klassifiziert. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse 1938 (Oslo 1938), 14 vergleicht mit den wrm.w im pEdwin Smith (Fall 6), die beim Schmelzen von Kupfer entstehen und dort in einem Vergleich mit einem unsicheren Phänomen bei einem Schädelbruch genannt werden. Ebbell nimmt an, dass die wrm.w „Schlacken“ bezeichnet. In der zugehörigen Glosse ist ferner von den „wrm.w von Eiter“ die Rede, in denen Ebbell dann in Analogie zu ersterem Schorfe vermutet. Das würde s.M. auch auf die Stelle im pEbers passen, wo die wrm.yt ausgeschieden werden, also eher einen Stoff als ein Krankheitsphänomen bezeichnen. Er denkt daher an „harte Abfallprodukte o.ä.“ – „Aber es ist schwer, irgend eine Vermutung darüber zu äußern, welcher Natur diese faecalen Bestandteile sein könnten.“
G. Lefebvre, Sur quelques mots égyptiens, in: O. Firchow (Hrsg.), Ägyptologische Studien, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 29 (Berlin 1955), 205-211, hier 205-206 betont dagegen, dass im Fall des pEbers, wo die wrm.yt ausgeschieden werden, konkret das Verb wšš verwendet wird, das eher in Richtung Urinieren deutet. Daher vermutet er in wrm.yt eher Nieren- oder Blasensteine.
H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 197-198 bringen das Phänomen erneut mit den wrm.w des pEdwin Smith zusammen. Da sie dort den Fokus auf den vermuteten welligen oder gewundenen Charakter dieser Kupfererscheinung legen, vermuten sie in den wrm.yt ein „Käuel von Eingeweide-Würmern“.

L.P.

wꜣm
Definition:
unbekannte Früchte. Weiterlesen...

Eine noch immer nicht identifizierte pflanzliche Droge, die oft innerlich gegen Würmer eingesetzt wird. Weil sie häufig mit dem Mineralienkorn, Gardiner Sign-list N33, klassifiziert wird, vermutet R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 262 darin eher eine Frucht- als eine (allgemeinere) Pflanzenbezeichnung. Aus dem Grab QH 92 in Assuan stammt ein Gefäß mit der Aufschrift wꜣm (s. schon Germer); ein zweites mit einer solchen Aufschrift, vermutlich aus demselben Grab, befindet sich heute im British Museum, London und trägt die Nummer EA 21869, s. E. Edel – K.-J. Seyfried – G. Vieler, Die Felsgräbernekropole der Qubbet el Hawa bei Assuan. I. Abteilung. Architektur, Darstellungen, Texte, archäologischer Befund und Funde der Gräber [QH 24 - QH 209] (Paderborn 2008), Bd. 2, 1266 und 1267, Fig. 24.

L.P.

ꜥbḫn
Definition:

Schon von H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der heiligen- und der Volks-Sprache und -Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. V (Leipzig 1880), 209 mit dem sonst nur in Denderah belegten ꜥbnḫ-Tier verbunden. Bei Letzterem handelt es sich aufgrund des Kontextes um einen Froschlurch: Die Bezeichnung ist Darstellungen von froschköpfigen Gottheiten (einmal dem froschköpfig dargestellten Amun, einmal einem froschgesichtigen Affen) beigeschrieben. Die Identifizierung des ꜥbnḫ-Tieres als Froschlurch ist damit gesichert; unklar ist, ob es ein allgemeiner Terminus ist, eine spezifische Froschart, oder ob es den Frosch in einem spezifischen Lebensstadium bezeichnet – so wie es ein eigenes Wort für die „Kaulquappe“, ḥfn, gibt. Als weitere Bezeichnungen für Froschlurche gibt es neben ꜥbḫn noch wḥm-ꜥnḫ („der das Leben wiederholt“ – Anspielung auf die Regenerationsfähigkeit des Frosches), qrr (ein Onomatopoetikum), p(ꜣ)gg.t oder pngg.t (vielleicht ebenfalls onomatopoetisch von einer Wurzel gꜣgꜣ oder ng(g), S. Cauville, Un préfixe p en égyptien ?, in: Revue d’égyptologie 38, 1987, 183-184, hier 184; oder „la petite accroupie“ von pꜣg: „kauern“, B. Mathieu, Une formation de noms d’animaux (ABCC) en égyptien ancien, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 104 (1), 2004, 377-388, hier 381, Nr. 10 und 382, Nr. 12); und auch ḥq.t könnte onomatopoetisch sein (E. Littmann, Bemerkungen zur ägyptisch-semitischen Sprachvergleichung, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 67, 1931, 63-68, hier 66), wobei unsicher ist, ob Letzteres, der Name einer Froschgöttin, tatsächlich auch eine Bezeichnung des Tieres ist (als Möglichkeit in Betracht gezogen auch von L. Kákosy, Heqet, in: W. Helck – W. Westendorf (Hrsg.), Lexikon der Ägyptologie. Bd. II. Erntefest-Hordjedef (Wiesbaden 1977), 1123-1124, s.v. „Heqet“, hier Sp. 1123). Aufgrund der nur geringen Beleglage lässt sich über das Verhältnis dieser Bezeichnungen zueinander nichts aussagen. Wenn W. Waitkus, Die Texte in den unteren Krypten des Hathortempels von Dendera. Ihre Aussagen zur Funktion und Bedeutung dieser Räume, Münchner Ägyptologische Studien 47 (Mainz 1997), 70 und 128 die beiden Belege für ꜥbnḫ der Krypten von Denderah mit „Kröte“ übersetzt, hat dies daher keine Relevanz für eine zoologische Bestimmung des ꜥbḫn-Tieres.
Im noch unpublizierten pQueen’s College wird dieses Tier in der Schreibung ꜥbšnn als Orakelinstanz genannt (mdl. Mitteilung H.-W. Fischer-Elfert).

L.P.

ꜥfꜣ
Definition:
Möglicherweise ein Lattichgewächs? Weiterlesen ...

Wb 1, 182 führt die Pflanzennamen ꜥf, ꜥf.t und ꜥfꜣj als drei separate Lemmata auf, fügt ihnen aber Querverweise aufeinander bei. Allerdings vermutet schon L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Ägyptologische Studien (Hamburg, Berlin 1924), 126, dass die Wörter „wohl identisch seien“. Auch S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle. VIII-XVII. Remarques au sujet des végétaux interdits dans le temple d’Isis à Philae, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 86, 1986, 1-32, hier 1986, 2-6 hält alle Schreibungen für Varianten derselben Pflanze. Nach dem Brooklyner Schlangenpapyrus, pBrooklyn 47.218.48+85, 5,23 kann die damit wohl identische ꜥfj-Pflanze mit dem „Kopf“ der jṯr.w-Pflanze (evtl. die Kapernart Capparis decidua? Vgl. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 37-38) verglichen werden (s. S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No. 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 120) und Zeile 6,3 desselben Textes erwähnt „Wasser/Saft“ (mw) dieser Pflanze (Sauneron, a.a.O., 126).

Zur Bedeutung:

L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 8a vermutet im ꜥfꜣ der medizinischen Texte eine heilige (weil im Tempel von Philae genannt), essbare Pflanze. V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 69 (Nr. 113) führt in seiner Besprechung der Lattichart Lactuca sativa L., dem Garten- bzw. Kopfsalat, dessen koptischen Namen „Pi-ôb“ an (d.h. ⲱⲃ mit maskulinem Artikel) an. Als dessen hieroglyphisch-ägyptischen Vorläufer schwankt er zwischen ꜥbw und ꜥfꜣ und tendiert zu Letzterem. Diese Interpretation wird von Keimer, a.a.O., 126 abgelehnt; auch Erman/Grapow verbinden in Wb 1, 176.10-12 das koptische Wort eher mit ꜥbw (sicher, weil Letzteres als Opfergabe für Min und den ithyphallischen Amun genannt ist und deren Verbindung mit dem Lattich auch bildlich belegt ist).

W.R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 41 schließt den Lattich ebenfalls aus, weil der Gebrauch von ꜥfꜣj gegen eine Identifikation mit Lattich spreche und nicht zuletzt dessen „Egyptian name (...) well known“ sei; sicher denkt er dabei an ꜥbw. Stattdessen denkt er an Honigklee, Melilotus officinalis L., dessen Verwendung nach Dioskurides und Plinius mit derjenigen von ꜥfꜣj vergleichbar sei. Germer, a.a.O. 40 widerspricht wiederum Dawson, weil Honigklee in Ägypten nicht heimisch sei; sie scheint aber auch Lorets Deutung abzulehnen.

Auch Aufrère, a.a.O., 2-6 zweifelt die Bedeutung „Honigklee“ an, weil keine der Anwendungen von ꜥfꜣj signifikant für Honigklee sei. Vielmehr deuteten die Anwendungsgebiete auf ein „composant ordinaire“ hin, und er vermutet, dass die Pflanze einen narkotisierenden Gummisaft enthalte, „qui est souvent une caractéristique des composées auxquelles appartient la laitue“. Anders als Germer lehnt er sich wieder an Loret an und erwägt eine Verbindung mit dem koptischen ⲱϥ/ⲱⲃ, dem Gartensalat. Dabei akzeptiert er die Gleichung ꜥbw = ⲱϥ/ⲱⲃ; er hält es aber für möglich, dass ꜥfꜣj aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit mit ꜥbw dieselbe oder eine verwandte Pflanze sein könnte, vielleicht eine Wildform. Dazu vergleicht er den Gebrauch von ꜥfꜣj gegen die nsj.t-Krankheit in den Augen in Eb 751 mit dem Gebrauch von ⲱⲃ ⲛⲥⲓϣⲉ, „bitterem Lattich“ (vielleicht Lactuca amara oder Lactuca virosa) in einem Mittel gegen Verdunklung von Augen, und schlägt vor, dass ꜥfꜣj Lactuca virosa, der Wilde oder Giftlattich, sein könnte.

L.P.

ꜥmꜥꜥ
Definition:

ꜥmꜥꜥ wird von bd.t: „Emmer“ und jt: „Gerste“ genannt sowie einmal (in Eb 83) von der Dattel, und kann seinerseits zu qꜣw/dq.w: „Mehl“ weiterverarbeitet werden. In einer magischen Anweisung im London Medical Papyrus (= pBM EA 10059), 10,5 = alt 14,5 soll einem Ibis aus Ton ꜥmꜥꜥ in den Schnabel getan werden; bei einer parallelen Herstellungsanweisung für ein Krokodil aus Ton auf pChester Beatty V = pBM EA 10685, Verso 4,5-6 wird das Wort npr: „Getreide(korn)“ verwendet. Schon L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 9a denkt an „grana, velut frumenti et nitri“: „Körner, gleichermaßen von Getreide und Natron“ – mit Letzterem bezieht er sich auf Eb 590, wo ꜥmꜥꜥ ḥzmn-dšr 1 steht, was aber mindestens seit H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), 128 als zwei Drogen unter Ausfall der Maßangabe von ꜥmꜥꜥ interpretiert wird. Tatsächlich würde man einen indirekten Genitiv ꜥmꜥꜥ n(.j) ḥzmn-dšr erwarten, wenn es nur eine Drogenbezeichnung wäre, wie in den anderen Verbindungen von ꜥmꜥꜥ. Das Wort ꜥmꜥm, vielleicht nur eine „jüngere Schreibung für ꜥmꜥꜥ“ (Wb 1, 186.8), wird im Literarischen Brief des Wermai, pMoskau 127 = pPuschkin I, б, 127, Zeile 4,16 in einem Kontext genannt, in dem es die Bedeutung „Saatgut“ haben könnte.

G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), unterscheidet bei ꜥmꜥꜥ zwischen einer Drogenbezeichnung ꜥmꜥꜥ, Var. ꜥmꜥm, in der Verbindung mit Getreide einerseits und einem ꜥmꜥꜥ n(.j) bnr, Kurzform: ꜥmꜥꜥ allein, andererseits. In Ersterem sieht er auf S. 99 eine Bezeichnung für „grains“ (also ganz wie Stern u.a.); für Letzteres schlägt er S. 58 „pulpe de datte (?)“ vor, betont aber, dass diese Übersetzung „loin d’être sûre“ sei. Auf Seite 119 mit Anm. 3 schlägt er ferner vor, in den Drogen ꜥmꜣ und ꜥꜥm zwei weitere Schreibvarianten dieses Wortes zu sehen. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 91-94 führen dagegen ꜥmꜥꜥ in allen drei Verwendungsweisen (in der Verbindung mit Getreide, in Verbindung mit Datteln und alleinstehend) unter einem einzigen Lemma auf und lehnt die von Lefebvre vorgeschlagene Gleichsetzung mit ꜥꜥm und ꜥmꜣ ab. Auch seiner Übersetzung „pulpe de dattes (?)“ für ꜥmꜥꜥ außerhalb von genitivischen Verbindungen steht DrogWb skeptisch gegenüber. Denn (1) die Verbindung ꜥmꜥꜥ n(.j) bnr kommt nur einmal vor und ist daher zu selten, als dass sich alleinstehendes ꜥmꜥꜥ auf die Dattel beziehen könnte; und (2) steht unspezifisches ꜥmꜥꜥ einmal in Parallele zu ꜥmꜥꜥ n bd.t. Daher wird ꜥmꜥꜥ ohne spezifische Pflanzenbezeichnung sich eher auf Getreide als auf Datteln beziehen. Auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 257 behandelt ꜥmꜥꜥ als ein einziges Lemma: „Es handelt sich dabei um die Samenkörner der Getreide und die Kerne der Dattel“. Ihr folgt dann W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 496: „Samenkorn bzw. Kern“; in der fortlaufenden Übersetzung des pEbers gibt er es durch „Samenkorn (ꜥmꜥꜥ)“ wieder.

I. Wallert, Die Palmen im Alten Ägypten. Eine Untersuchung ihrer praktischen, symbolischen und religiösen Bedeutung, Münchner Ägyptologische Studien 1 (Berlin 1962), 41-43 erwägt kurz die Möglichkeit, in ꜥmꜥꜥ eine Bezeichnung der männlichen Blüten der Dattel zu sehen, lehnt sie aber gleich wieder ab, weil das Wort eben auch als Teil des Getreides genannt würde. B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 132 und passim denkt an „bran?“, was allerdings für ꜥmꜥꜥ n(.j) bnj nicht geht. A. Massart, The Leiden Magical Papyrus I 343 + I 345, Oudheidkundige mededelingen uit het Rijksmuseum van Oudheden: Supplement to n.r. 34 (Leiden 1954), 64, Anm. 41 überlegt, ob es den Teil des Stiels oder Halms benennen könne, an dem die Getreidekörner bzw. die Dattelfrüchte hängen, beschränkt sich aber im Wortindex S. 123 auf „part of plant (?)“. Letzten Endes ziehen sich auch H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958), passim auf eine Wiedergabe durch „ꜥmꜥꜥ-Teil“ zurück, ebenso T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), passim: „partie-âmââ“, und G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 243: „parties inconnus“.

L.P.

ꜥpnn.t
Definition:

Ein noch unidentifiziertes Tier.

Meist mit einer Schlange; in Eb 427, 727 und (in der Schreibung [p]ꜥnn.t) in Ram III B 8 mit einem Tierfell klassifiziert. In Eb 576 werden sieben Stück davon verwendet. In Eb 474 = H 157 wechselt es mit ꜥnꜥr.t, das mit einer Schlange klassifiziert ist und von dem gesagt wird, dass es im Wasser lebt.

Es gibt folgende Bedeutungsvorschläge:

  1. „Schlange“. Dieser Vorschlag wurde schon von L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 9 vorgebracht, der einen Zusammenhang mit koptisch ⲟⲃⲓⲟⲛ erwägt. G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 169, Anm. 180 weist diese Vermutung zurück, weil koptisch ⲟⲃⲓⲟⲛ wohl auf griechisch ὄφις zurückgehen dürfte. É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 214-215 schließt sich Ebers’ Argument an. Dennoch hält er es für möglich, dass man ein ꜥpnn.t-Tier mit Schlangenklassifikator von dem ꜥpnn.t-Tier mit Tierfellklassifikator trennen sollte und in ersterem eine Schlange vermuten könnte. Es besteht jedoch kein zwingender Grund, von zwei verschiedenen Tieren auszugehen. Die ägyptische Taxonomie baut ihre Kategorien nach der Prototypensemantik auf, nicht wie die moderne westeuropäische Taxonomie nach der Merkmalssemantik. Die unterschiedliche Schreibung könnte darauf verweisen, dass das ꜥpnn.t-Tier in den „fuzzy boundaries“ zwischen den Tierkategorien [HIDE AND TAIL] und [SWORM] zu suchen ist, vgl. explizit O. Goldwasser, Prophets, Lovers and Giraffes. Wor(l)d Classification in Ancient Egypt. Classification and Categorization in Ancient Egypt 3, Göttinger Orientforschungen IV.38,3 (Wiesbaden 2002), 58, Anm. 3 und zu dem Portmanteauwort „sworm“ < „snake“ + „worm“ O. Goldwasser, A Comparison between Classifier Language and Classifier Script. The case of ancient Egyptian, in: A. Shisha-Halevy – G. Goldenberg (Hrsg.), Egyptian, Semitic and General Grammar. Studies in Memory of H. J. Polotsky, Publications of the Israel Academy of Sciences and Humanities, section of Humanities; Studies in the humanities (Jerusalem 2009), 16-39, hier 19. Die Bedeutung „Schlange“ findet sich ferner ohne Kommentar bei M.M. Luiselli, Der Amun-Re Hymnus des P. Boulaq 17 (P. Kairo CG 58038), Kleine ägyptische Texte 14 (Wiesbaden 2004), 22.
  2. Eine Art von Würmern; quasi als Verkleinerung des Vorschlages „Schlange“. Erstmals vorgebracht von H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890), 126 und 160 für die Belege im pEbers, in denen das Tier mit der Schlange klassifiziert wurde. Er scheint zu differenzieren zwischen den Schreibungen mit Schlange und denen mit Tierfell, bei denen er nur unbestimmt „āpnent-Thier“ schreibt und in Fußnoten jeweils auf Ebers’ Vorschlag „Maulwurf“ (hier Nr. 4) verweist (s. S. 100 und 159). In seinem Wortindex führt er auf S. 209 allerdings nur eine kombinierte Tierbezeichnung „āpnent-Wurm (Maulwurf)“ auf. Die Identifizierung mit Wurm wird von W. Wreszinski, Der Londoner medizinische Papyrus (Brit. Museum Nr. 10059) und der Papyrus Hearst. In Transkription, Übersetzung und Kommentar, Die Medizin der alten Ägypter 2 (Leipzig 1912), übernommen. Im Wb 1, 180.6-7 wird auf Bedeutung 1 und 2 referiert: „Art Wurm oder Schlange“. Erneut reduziert auf die Übersetzung „Wurm“ findet sich das Tier bei S. Schott, Drei Sprüche gegen Feinde, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 65, 35-42, hier 41 und M. Bommas, Zwei magische Sprüche in einem spätägyptischen Ritualhandbuch (pBM EA 10081). Ein weiterer Fall für die „Verborgenheit des Mythos“, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 131, 95-113, hier 102 bezüglich eines ꜥpwn.w (mit Schlangenklassifikator) geschriebenen Tieres auf pBM EA 10081, 36,9.
  3. „Eidechse“. Dieser Vorschlag stammt von H. Brugsch, Sendschreiben an Professor Ebers als Entgegnung auf den vorstehenden Artikel, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 20, 55-86, hier 70, der ꜥpnn.t für den Vorläufer des koptischen ⲁϥⲗⲉⲗⲓ: „Eidechse“ hält. Sein Vorschlag ist nicht weiter verfolgt worden, und tatsächlich dürfte das koptische Wort auf älteres ḥfnn.t zurückgehen, vgl. W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 406, s.v. ϩⲁϥⲗⲉ(ⲉ)ⲗⲉ.
  4. „Maulwurf“. Ein vorsichtiger Vorschlag von G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 301, Anm. 180, der auf dem wechselnden Klassifikator basiert. Der Maulwurf sei ein Tier, „der wie ein Wurm in der Erde lebt und diese durchwühlt“.
  5. „Fischotter“. In Eb 427 wird der ꜥmm-Körperteil des ꜥpnn.t-Tieres (mit Tierfell klassifiziert) verwendet. É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 214-215 vermutet hierin ein Rezept gegen Trichiasis: Auch in dem von ihm bearbeiteten koptischen Papyrus fände sich nämlich ein Rezept gegen Trichiasis, und weil ꜥmm das Gehirn bezeichne, könne man das ꜥmm n ꜥpnn.t von Eb 427 mit dem koptischen ⲁⲛⲅⲉⲫⲁⲗⲟⲥ ⲛ̅ⲟⲩϩⲟⲣ ⲙⲟⲟⲩ, dem „Gehirn des Fischotters“ verbinden. So dann auch G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), 72, immerhin mit Fragezeichen. Jedoch ist die Deutung von ꜥmm als „Gehirn“ nicht völlig sicher und auch die Festlegung auf den Fischotter wirkt etwas apodiktisch und anscheinend dadurch motiviert, das mittelägyptische und das koptische Rezept in Übereinstimmung zu bringen. Den Vorschlag „Fischotter“ übernimmt Stegbauer in ihrer Bearbeitung des Schlangenzaubers auf pBM EA 9997 + 10309 im TLA [15. Aktualisierung, 31.10.2014] und in K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 228 und 233-234 mit der Begründung, dass der Fischotter dem Mungo ähnlich sehe und sich u.a. von Schlangen ernähren würde, weswegen die Verwendung vom Fleisch dieses Tieres gegen Schlangenbisse, wie im Brooklyner Schlangenpapyrus empfohlen, magisch sinnvoll sei.
  6. „Nacktschnecke“ („slug“). W.R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts, in: Journal of Egyptian Archaeology 18 (3/4), 150-154, hier 150-151 hält ꜥmm nicht für eine Bezeichnung des Gehirns, sondern für Otolithen und andere kalkartige oder kieselartige Objekte. Das ꜥpnn.t-Tier sei eine Nacktschnecke, weil es ein kriechendes Tier bezeichnen müsse, eben eine kalkartige Absonderung, in dem Fall ein rudimentäres Gehäuse in ihrem Mantel, besitze, und weil nach Eb 576 sieben Stück davon verarbeitet werden und es demnach ein relativ kleines Tier sein muss. Auch in diesem Fall hängt die Identifizierung von ꜥpnn.t wesentlich an derjenigen von ꜥmm. Aus diesem Grund ist es methodisch problematisch, wenn W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 624 einerseits ꜥmm, anders als Dawson, als „Gekröse/Gehirn?“ versteht, andererseits bei ꜥpnn.t mit Verweis auf Dawson an „Schnecke?“ denkt. Die Argumente von Dawson sind von E. Iversen, Some remarks on the terms [D36-G17-G17-H8] and [G1-M17-S29-Aa2], in: Journal of Egyptian Archaeology 33, 47-51, hier 47-51 entkräftet worden, der u.a. das ꜥmm n pgg.t aufführt und darauf verweist, dass pgg.t contra Dawson keine Schnecke bezeichnet, sondern eine Kröte oder einen Frosch, ergo: ein Tier, das keine kieselartigen Objekte im Körper habe.
  7. „Wassermolch“. J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 20 verweist auf Dawsons Vorschlag „slug“, diskutiert in der zugehörigen Anmerkung 20 aber auch Chassinats Vorschlag, den er jedoch ablehnt, und macht abschließend den unbegründeten Vorschlag „perhaps ‚newt‘“. Das findet sich auch mit Vorbehalt bei H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 84 und bei P. Vernus – J. Yoyotte, Bestiaire des pharaons (Paris 2005), 277. Möglicherweise basiert auch Bardinets „salamandre d’eau“ (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 313) hierauf. C. Leitz, Magical and Medical Papyri of the New Kingdom, Hieratic Papyri in the British Museum 7 (London 1999), 7, Anm. 37 wendet dagegen ein, dass es in Ägypten keine Molche gegeben habe.
  8. „Blutegel“. Nach Diskussion früherer Vorschläge und der expliziten Ablehnung der Vorschläge (2) (ohne konkreten Verweis auf Joachim), (5), (6) und (7) kommt D. Meeks, La hiérarchie des êtres vivants selon la conception êgyptienne, in: A. Gasse – F. Servajean – C. Thiers (Hrsg.), Et in Ægypto et ad Ægyptum. Recueil d’études dédiées à Jean-Claude Grenier 3, Cahiers „Égypte Nilotique et Méditerranéenne“ 5 (Montpellier 2012), 517-546, hier 533-535 zu dem Ergebnis, dass es sich bei ꜥpnn.t vielleicht um eine Blutegel-Art handeln könnte. Als Argument diente ihm hierbei, dass es groß genug sei, um es zur Verwendung in magischen und medizinischen Kontexten zu zerteilen, dass es andererseits klein genug sei, um (in Eb 576) zusammen mit Fliegen und Käfern zu verwenden. Im magischen pBM EA 9997 + 10309, Zeile 2,15-16 wird es in einem Kontext genannt, in dem Isis den Schlangen Arme und Beine nimmt, so dass Meeks daraus schließt, dass das ꜥpnn.t-Tier eben keine Beine habe (wobei der Kontext dieser Stelle weniger klar ist, als Meeks suggeriert). Im pBoulaq 17 wird es zwischen Fischen + Vögeln und Insekten + Würmern genannt, im späten pBM EA 10081, 36,9 (s. oben unter Nr. (3)) dagegen vor den Kriechtieren, den [ḥrj.w]-ẖt=sn. Daraus schließt Meeks, ebd., 534 auf einen „place charnière“ zwischen diesen Tiergruppen. Außerdem verweist er auf die Rezeptparallele Eb 474 = H 157: Während im pEbers das ꜥpnn.t-Tier verarbeitet wird, soll im pHearst das ꜥnꜥr.t-Tier verwendet werden. Dieses, noch ebenfalls unidentifizierte, Tier wird mit der Schlange klassifiziert. Ferner wird im chirurgischen pEdwin Smith, Fall 12, ein Blutgerinnsel in der Nase ꜥnꜥr.t genannt und mit dem ꜥnꜥr.t-Tier verglichen, „das im Wasser ist“ (ꜥnꜥr.t wnn.t m-m mw, Zeile 6,3). Das Tertium comparationis zwischen dem Blutgerinnsel und dem Tier ist unsicher, neben der Farbe („peut-être“ mit Meeks, ebd., 535) könnte man auch an die Form denken. All das lässt ihn in Betracht ziehen, in ꜥnꜥr.t und ꜥpnn.t zwei Arten von Blutegeln zu sehen.

L.P.