science in ancient egypt

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Glossar

Blätter/Zweige (?)
Definition:

Ägyptisch ꜥḫm. Im DrogWb, 108-109 wird vermutet, dass es sich um kleine Zweige handeln könnte, an denen die Blätter noch dran sind. Eine genaue Bedeutung des Wortes lässt sich nicht festlegen.

L.P.

Datteltrester
Definition:

Ägyptisch srm.t, einmal, in Eb 54, nur srm. Den Kontexten nach ein Dattelprodukt. Während diese Droge in den medizinischen Texten nur mit dem Krug, also als Flüssigkeit, determiniert ist, gibt es außerhalb der medizinischen Texte auch Schreibungen mit dem Rohstoffklassifikator Gardiner N 33. Im Grab des Antefoqer dient srm.t als Speise und nicht als Getränk, und in den medizinischen Texten sollen fast alle Medikamente, in denen srm.t vorkommt, gegessen und nicht getrunken werden. Aus diesem Grund vermutet Germer, Arzneimittelpflanzen, 160-161, dass es neben dem srm.t-Dattelgetränk auch eine feste srm.t-Substanz gab, die vielleicht aus dem Rückstand (Trester) gepresster Datteln bestand.

Gardiner, AEO II, 234*-235*, Anm. 563 vermutet ebenso, dass srm.t "grain-like or at least semi-solid in the dry state" sei. Als Argumente dienen ihm

  • das Grab des Ptah-schepses in Abusir, in dem srm.t zusammen mit einer Getreidesorte und Erdmandeln genannt ist und mit drei Getreidekörnern determiniert ist (Gardiner Sign-list M 33 und nicht nur die inspezifischeren drei Kreise N 33A, wie Gardiner AEO sie wiedergibt; vgl. das Foto in Verner, Abusir I, 187, Abb. 10);
  • generell die Determinierung mit Gardiner N 33A und Pluralstrichen;
  • die Position des srm.t unter den Getreidearten im Onomastikon des Amenemope.

Das koptische Derivat ist ⲥⲟⲣⲙ: "Hefe, Bodensatz".

L.P.

ḏwjw
Definition:

Nur in den Rezpeten Eb 45 und Eb 47 genannt; beide Male in derselben Verbindung mit sḫt. Es ist geschrieben, als wäre es der Topf von Wb 5, 551.6-7. Da sḫt in den wenigen anderen Fällen ein Teil oder Produkt von Gans und Ente zu sein scheint, könnte man auch ḏwjw trotz der Schreibung als Vogelbezeichnung verstehen (vgl. auch DrogWb, 462). Ähnlich auch Westendorf, Handbuch Medizin, 511, der eine Verschreibung für möglich hält. Er verweist dazu auf den ähnlich geschriebenen Vogel von Wb 5, 551.8 und van der Molen, Dictionary of Egyptian Coffin Texts, 826.

L.P.

ḏꜣꜥ
Definition:

Eine nur selten genannte Droge. Nach einer Angabe des Brooklyner Schlangenpapyrus wird sie in der „Sprache der Asiaten“ grbn genannt; das Wort ist darin mit dem Pflanzenstengel klassifiziert, so dass man annehmen kann, dass ḏꜣꜥ eine Pflanze ist. Entsprechend ist sie auch von Germer, Handbuch, 165-166 aufgenommen, die sich aber einer Identifizierung enthält.

L.P.

Feder-des-Nemti
Definition:

In einer Glosse in Edfu II 211,7 als Bezeichnung für "Rohr aus Kusch" genannt, das aber bislang nicht identifiziert ist. Früher wurde der Name "Thots Feder" gelesen, mit dem Pflanzennamen πτερόν ἴβεως, "Ibisfeder", des Pseudo-Apuleius verglichen, dem πεντάφυλλον des Dioskurides, und als Kriechendes Fünffingerkraut identifiziert (ähnlicher Name und ähnlicher Gebrauch, vgl. Dawson, in: JEA 20, 1934, 186). Zu der neuen Lesung als "Feder des Nemti" s. Graefe, in: GM 18, 1975, 15-20. Die Gleichung mit dem πτερόν ἴβεως ist damit nicht mehr möglich, weil die Assoziation "Thot" = "Ibis" entfällt. Westendorf, Handbuch Medizin, 306-307 hält es dagegen für denkbar, dass es aufgrund der Schreibvarianten in der Spätzeit zu Verwechslungen von Thots und Nemtis Namen gekommen sein könnte und daher die Identifizierung mit πτερόν ἴβεως nicht ganz auszuschließen ist.

L.P.

Gänsefett
Definition:
Fett eines nicht genau identifizierbaren Vogels, vielleicht der Gans. Weiterlesen...

Die hier gewählte Übersetzung gibt die beiden ägyptischen Drogennamen mrḥ.t + Vogel sowie ꜥḏ + Vogel wieder. Mrḥ.t und ꜥḏ können beide Fett und Öl bezeichen, und beide Drogen, Vogel-mrḥ.t und Vogel-ꜥḏ, werden ähnlich verwendet und können auch füreinander eintreten, vgl. DrogWb, 120, 268-269 und 606-607. Die genaue Lesung des Vogels ist allerdings unsicher. In den medizinischen Texten kommt Vogel-ꜥḏ nur in dieser abgekürzten Schreibung vor. Außerhalb der medizinischen Texte gibt es auch noch ꜥḏ-Fett von der -Gans (pHarris I, 15a,8 und 63c,15) sowie von der sr(j)-Gans (pAnastasi IV, 15,10 und oGardiner 25, Zl. 6). Auf den Anastasi-Beleg verweist auch Barns, Five Ramesseum Papyri, 26, Kommentar zu Kolumne C,8, wo er mit Verweis auf Gardiner vorschlägt, den abgekürzt geschriebenen Beleg im pRamesseum IV ebenfalls ꜥḏ-sr zu lesen. Vogel-mrḥ.t gibt es in den medizinischen Texten auch noch von njw: "Strauß", von z.t: "Spießente", dem gn.w-Vogel und der ṯrp-Gans (s. DrogWb, 259). Insgesamt sieht jedoch DrogWb, 607 keinen Grund, dass die abgekürzte Schreibung für eine dieser spezifischeren Drogennamen steht, und spricht sich auf S. 606 dafür aus, den Vogel schlicht als Abkürzung für das generische Wort ꜣpd: "Vogel" zu lesen, hauptsächlich deswegen, weil die koptische Medizin die Drogenbezeichnung ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ < *ꜥḏ n ꜣpd kennt. (NB: Darauf verweist bereits Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, 2. Bd., 11, der trotzdem als Lesung ꜥḏ s.t vorschlägt, die einzige Kollokation, die bislang nicht belegt ist. Für Vogel-mrḥ.t schlägt er ebd., 24, die Lesungen mrḥ.t s.t oder mrḥ.t rʾ vor; Ebers, Kapitel über die Augenkrankheiten, 205 (und passim) entscheidet sich für mrḥ.t s.t.) Für den Vorschlag vom DrogWb spricht wohl auch der Wechsel der Schreibung (Gardiner Sign-list G38 > G41) vom Mittel- zum Neuhieratischen, die dem normalen Formenwechsel des generischen Vogelklassifikators entspricht (s. A.H. Gardiner, in: JEA 15, 1929, 52) und zeigen könnte, dass das Zeichen tatsächlich eine Abkürzung für das generische Wort für „Vogel“ ist.

Neben der Lesung wäre auch die Bedeutung zu klären. Die gängige Eingrenzung auf Gänsefett (Joachim, Papyros Ebers; Ebbell, Papyrus Ebers; Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne; Grundriß der Medizin IV/1; Bardinet, Papyrus médicaux; Westendorf, Handbuch Medizin) dürfte jedenfalls in erster Linie reine Konvention sein und geht vielleicht auf Georg Ebers selbst zurück, der in Ebers, Kapitel über die Augenkrankheiten, 205 (und passim) mit „Gänseschmalz“ übersetzt (obwohl gerade für die Vogelart s.t, die er als Lesung ansetzt, bereits zu seiner Zeit auch eine Identifikation als Ente diskutiert wurde, s. awv.informatik.uni-leipzig.de/awv/links [letzter Zugriff: 26.01.2017]). Wenn man den Vogel ꜣpd liest, sollte dann unspezifisches Vogelfett gemeint sein, d.h. Fett eines beliebigen Vogels? Oder ist doch das Fett eines spezifischeren Vogels gemeint? Ursprünglich scheint das Wort ꜣpd wohl eine Ente bezeichnet zu haben (R.O. Faulkner, ꜣpd = "duck", in: JEA 38, 1952, 128) und wurde (ob als prototypischer Vogel schlechthin?) durch Bedeutungserweiterung zum Terminus für "Vogel". Ökonomisch betrachtet scheinen jedoch in Ägypten eher Gänse als prototypische Vögel gegolten zu haben. Zumindest sind Vogelnamen und -bezeichnungen hieroglyphisch eher mit der Gans als der Ente klassifiziert worden (s. Gardiner Sign-list, G 38 und G 39). Das ins Mittlere Reich zu datierende Ramesseumsonomastikon beginnt außerdem die Sektion zu den Vogelnamen mit Gänsenamen, konkret mit der -Gans. Im Demotischen und Koptischen konnte das Wort ꜣpd: "Vogel" schließlich über eine Bedeutungseinengung konkret auch die Gans bezeichnen, Erichsen, Demotisches Glossar, 29, Westendorf, KHWb, 289. Das koptische ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ kann also konkret "Gänsefett" sein; und unter Berücksichtigung des Ramesseumsonomastikons könnte man vielleicht für die medizinischen Texte des Neuen Reiches ähnliches annehmen, zumal unter den Fetten, als deren Herkunft spezifischere Vögel genannt werden (s. oben), Fette von Gänsearten dominieren. Auch Bardinet und Westendorf übersetzen mit Gänsefett, wobei sie sich nicht dazu äußern, ob aus ähnlichen Gründen wie den hier geschriebenen oder aus anderen.

Das heißt, die Droge ist zwar als „Vogelfett“ zu lesen, aber es ist vielleicht „Gänsefett“ als das „Vogelfett“ par excellence gemeint.

 L.P.

Gebrochenes (?) von Datteln
Definition:

Ägyptisch wḏꜥ n bnr. wḏꜥ ist spezifischer Dattelteil. Der älteste Beleg, im pKahun, schreibt das Wort mit den gekreuzten Stäben, dem Klassifikator für das semantische Feld „trennen“ (vgl. den Kommentar bei Gardiner, Sign-list, Z 9). Dies lässt einen Zusammenhang mit wḏꜥ: „abtrennen“ zumindest vermuten, auch wenn dieses Verb sonst nicht mit den gekreuzten Stäben geschrieben ist. Auch Germer, Arzneimittelpflanzen, 155 vemutet einen Zerkleinerungszustand der Dattel.

L.P.

gngn.t
Definition:
Eine unbekannte Pflanze. Weiterlesen...

Eine unbekannte Pflanze. Ebbell, Papyrus Ebers, 133 schlägt eine Identifizierung als "Senna" vor. Charpentier, Recueil, Nr. 1302 vergleicht mit koptisch ϭⲓⲛϭⲓⲛ, das vielleicht die Rauke bezeichnet. Diesem Vorschlag folgt Westendorf, Handbuch Medizin, 509. Germer, Handbuch, 148 zweifelt dagegen einen Zusammenhang mit der koptischen Pflanze an, weil (1) die Blätter von gngn.t, im Gegensatz zu denen von ϭⲓⲛϭⲓⲛ, nicht in offizineller Anwendung belegt sind, und weil (2) in manchen Rezepten "Mehl" von gngn.t verwendet würde, was nicht zur Rauke passen würde. Gegen Ersteres ist einzuwenden, dass sich die Verwendung der Pflanze zum Koptischen hin geändert haben könnte. Zweites ist sicher ein wichtiges Argument; und selbst wenn man "Früchte" statt "Mehl" liest - die beiden Wörter sind im Ägyptischen homograph, was in manchen Kontexten die Übersetzung erschwert - widerspricht das ebenfalls einer Deutung als Rauke, weil Raukengewächse keine "Früchte" besitzen. Bardinet, Papyrus médicaux gibt die Pflanze mit "fève-gengenet" wieder; seine Spezifizierung als Bohnengewächs basiert sicher darauf, dass die Pflanze in Eb 28 mit der "kretischen Langbohne" verglichen wird.

L.P.

Großer-Schutz
Definition:

Wörtliche Übersetzung des ägyptischen Drogennamens zꜣ-wr. Dieser ist mit dem Rohstoffklassifikator Gardiner Sign-list N 33 geschrieben, der allgemein auf ein Mineral, eine Frucht oder einen anderen Pflanzenbestandteil hindeuten kann.

Lieblein, in: ZÄS 18, 1880, 129 nimmt die Bedeutung "großer Schutz" wörtlich und bringt das ägyptische Kompositum mit einer Clematis-Art zusammen, die laut Dioskurides, De Materia Medica IV, 7 von den Ägyptern φυλάκουον bezeichnet würde. Da dies kein ägyptischer Name sei, hält Lieblein es für eine Lehnbildung nach dem Ägyptischen, die sich des griechischen Wortfeldes φυλάσσσω: "bewachen" etc. bediene.

Lüring, Die medicinischen Kenntnisse der alten Ägypter, 92 lehnt diese Gleichsetzung ab, weil er die Zuverlässigkeit des Dioskurides bei der Nennung ägyptischer Namen anzweifelt. Stattdessen sieht er ebd. und auf S. 145, Anm. 1 im ägyptischen zꜣ-wr den Ursprung des σῶρυ des Dioskurides, das er für ein echt ägyptisches Wort hält. Neben der vermuteten Ähnlichkeit der beiden Wörter findet er Parallelen in der Anwendung von zꜣ-wr bei Augenleiden sowie in Brech- und Abführmitteln mit derjenigen von σῶρυ bei Dioskurides und Plinius bei Augenleiden und in Mitteln gegen Harnprobleme. Lürings Gleichsetzung des ägyptischen und griechischen Drogennamens ist seitdem oft gefolgt worden, etwa von Ebbell, Papyrus Ebers, 133. Auch Harris, Minerals, 179-180 hält eine Gleichsetzung von zꜣ-wr mit σῶρυ weiterhin für denkbar, zumal die Schreibung des demotischen Belegs dafür spräche, dass zꜣ-wr "a stone" sei.

Allerdings ist überhaupt unklar, worum genau es sich bei σῶρυ handelt, weshalb es selbst bei einer Gleichsetzung mit der ägyptischen Droge unklar bliebe, was diese ist: Liddell/Scott denken an "a kind of ore, perhaps ferrous sulphate, melanterite", Bailey an "disintegrating pyrites" (Lit. nach Harris). Auf diese Kommentierung geht sicher der Eintrag bei Hannig, Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch, Marburger Edition, 707, Nr. 25818 zurück, wenn er zu zꜣ-wr schreibt: "*Sory-Mineral/Erz (kupfer- od. eisenhaltig)". Folgt Harris auch Lüring bezüglich der Verknüpfung von zꜣ-wr mit σῶρυ, so folgt er allerdings dessen Etymologie nur partiell. Harris führt das oft mit σῶρυ zusammen genannte μίσυ an, das sich vom akkadischen "musu" herleite; analog dazu hält Harris ein gemeinsames akkadisches Wort bzw., allgemeiner: eine semitische Wurzel für denkbar, worauf einerseits das ägyptische zꜣ-wr und andererseits das griechische σῶρυ zurückgehen.

Dawson (nach Barns, Five Ramesside Papyri, 16) spricht sich gegen die Gleichsetzung von zꜣ-wr mit σῶρυ aus. Aufgrund der Anwendungsgebiete von zꜣ-wr vermutet Dawson darin eher ein Harz als ein Mineral. Dieser Deutung als Harz wird etwa in frankophonen Arbeiten, wie Aufrère, L'univers mineral, 254 oder Bardinet, Papyrus médicaux, passim gefolgt. Goyon, Papyrus Wilbour 47.218.138, 69, Anm. 2 vergleicht sogar mit hebräisch צרי: "Harz". Fischer-Elfert, in: LingAeg 20, 2012, 285 lehnt in seiner Rezension zu Goyon diese Gleichsetzung aus phonologischen Gründen jedoch ab.

Germer, Arzneimittelpflanzen, 181-183 und Germer, Handbuch, 106-107 ist bezüglich der Identifizierung unsicher. Ihrer Meinung nach spricht das Fehlen eines Pflanzenklassifikators gegen ein Pflanzenharz, das Vorkommen in Räuchermitteln eher dafür, weil brennbare duftende Substanzen eher unter Pflanzenharzen zu finden seien. Westendorf, Handbuch Medizin, 504 weist darauf hin, dass Charpentier, Recueill, zꜣ-wr nicht aufgenommen, es also wohl nicht für eine Pflanze gehalten hat. Er selbst bietet keinen weiteren Vorschlag, sondern belässt es in seiner Übersetzung bei "'Großer Schutz' (Harz/Mineral) (zꜣ-wr)".

L.P.

ḥm.w
Definition:

ḥm.w: Das Wb kennt vier verschiedene Lemmata:

  1. Wb 3, 81.20-21, ḥm.w: „in offizineller Verwendung“; mit dem Pflanzendeterminativ oder dem Korn N 33 geschrieben;
  2. Wb 3, 82.1, ḥm.w: „Art Getreide“, mit dem Kornmaß mit Körnern (Gardiner Sign-List U 9) geschrieben. Beide Lemmata können auch mit doppeltem Schilfblatt geschrieben werden. Außerdem wird noch
  3. ein feminines ḥmw.t (Wb 3, 81.22, „in offizineller Verwendung“) und
  4. ein ebenfalls feminines ḥmy.t (Wb 3, 82.4) gelistet.

Auf den ersten Wb-Zetteln beider femininen Wörter wird auf das jeweils andere verwiesen. Bei Nr. (4) wird im Wb eine Lesung als ḥmꜣ.t: „Salz“ erwogen. In DrogWb, 349 ist Nr. (1) noch einmal aufgespalten in ein eigenes Lemma für 81.20 und eines für 81.21 (als Bestandteil von kꜣkꜣ). Nr. (2), das in medizinischen Texten nicht verwendet wird, ist im DrogWb nicht extra genannt. Nr. (3) ist auf S. 350 als eigener Eintrag gelistet; Nr. (4) ist auf S. 345 als Schreibvariante von ḥmꜣj.t genannt, weil es in derselben Verbindung erscheint (vgl. S. 347). Das ḥmꜣj.t identifiziert V. Loret, in: Mél. Masp., 866-876 mit dem Bockshornklee, weil die Gewinnung der Körner derjenigen von Graupen entspricht, die Pflanze allem Anschein nach bitter ist, man aus den Körnern ein Öl erhält und auch heute Öl aus Bockshornsamen offizinell verwendet wird; und weil die äußere Anwendung von ḥmꜣj.t im pSmith derjenigen entspricht, die in griechischen und arabischen Papyri mit diesem Öl verbunden wird. Gardiner, AEO I, 21 widerspricht dem, weil laut Keimer, in: BIFAO 28, 1929, 84 Bockshornklee ein später Import nach Ägypten sei, und Gardiner vermutet mit Verweis auf eine Stele Ramses’ II. in ḥmꜣj.t „the name of a fruit“. Helck, Materialien 5, 194 (802) schließt sich Lorets Deutung von ḥmꜣj.t als Bockshornklee an und vermutet ferner in (hier:) Nr. (2) dasselbe Wort. Janssen, Commodity Prices, 357-358 bespricht kurz Nr. (2), wofür er auf Lorets Identifizierung und Gardiners Zweifel hinweist, obwohl zumindest in Lorets Besprechung das Wb-Lemma Nr. (2) keine Rolle spielt. Über die Möglichkeit, dass es sich dabei um ein Getreide handelt, kommt er aber nicht hinaus. Zur Identifizierung von ḥm.w als Bestandteil von kꜣkꜣ trägt diese Diskussion allerdings nichts bei. Auf den DZA-Zetteln ist für ḥm.w in der Verbindung mit kꜣkꜣ die Bedeutung „Blätter“ angegeben.

L.P.

ḥsb.w
Definition:

ḥsb.w n wꜣḏ: „ḥsb.w-Paste (?) aus Malachit“: In medizinischen Kontexten nur im pEbers und dort nur drei Mal belegt: in Eb 533, 613 und 766b. Das Wort vor n wꜣḏ ist in allen drei Fällen mit dem „schlechten Paket“, Gardiner Sign-list Aa2, geschrieben, das in Eb 533 als Klassikator dient und in den anderen beiden Fällen als Logogramm; in Eb 613 und 766b hat es zusätzlich eine w-Endung und in Eb 766b ein Rechteck als Klassifikator. Die Lesung ist scheinbar durch Eb 533 vorgegeben, das die Einkonsonantenzeichen und p vor dem schlechten Paket stehen hat. Das suggeriert, dass es dasselbe Wort ẖp(ꜣ) ist, das als Bestandteil der ꜥš-Konifere, des Wacholders, des Afrikanischen Ebenholzbaumes und des Weihrauchs bekannt ist (DrogWb, 412-413). Die Übersetzungen und Kommentierungen gehen tatsächlich davon aus, dass es sich um dasselbe Wort handelt (zu den entsprechenden Übersetzungen s. daher auch den Kommentar zur ẖpꜣ-Droge); aber immerhin nimmt DrogWb es als separates Lemma auf (413-414). J.J. Clère hatte dagegen in einem 1947-1948 vorbereiteten Artikel aufgrund von Pleneschreibungen in Tb 100/129 für die logographisch geschriebenen Belege die Lesung ḥsb.w vorgeschlagen, s. Iversen, Paints and Pigments, 17. Iversen vergleicht daraufhin dieses ḥsb.w mit dem ḥsb.t-Gewürm und vermutet hinter dem ḥsb.w n wꜣḏ die Bezeichnungen ἰὸς σκώληξ: „Grünspan-Wurm“ von Dioskurides V 92 bzw. scolecia von Plinius, N.H. 34,28. Diese Interpretation wird von DrogWb, 127-128, Anm. 2 und 413-414, eben mit Verweis auf die Pleneschreibung ẖp(ꜣ) in Eb 533, zurückgewiesen. Ohne auf die Problematik der scheinbaren Pleneschreibung einzugehen, akzeptiert Harris, Minerals, 144-145 die Lesung ḥsb.w (n wꜣḏ); Iversens Vergleich mit ἰὸς σκώληξ und scolecia lehnt er dennoch ab, weil sich der wurmähnliche Zustand dieses Produktes durch künstliches Rollen ergebe und kein natürlicher Zustand sei. Neben der Totenbuch-Passage, wonach ḥsb.w n wꜣḏ zur Herstellung einer magischen Barke verwendet werden soll, verweist Harris auf die Herstellung eines Siegels in Edfu aus demselben Material; außerdem verweist er darauf, dass es im Totenbuch als dq.w n ḥm.t wꜣḏ.t: „Pulver von grüner Fritte“ bezeichnet sei. Insgesamt hält er ḥsb.w n wꜣḏ für „related to frit, possibly the crushed malachite used in making it“ (S. 145). Eine ausführliche Diskussion des Wortes ḥsb.w, inklusive Auflistung und Besprechung der einzelnen auch hier angeführten Belege, findet sich dann in dem erwähnten Artikel von Clère, der erst in BIFAO 79, 1979, 285-310 in überarbeiteter Fassung (vgl. S. 309-310) erschienen ist. Zu ḥsb.w n wꜣḏ und einem sicher gleichbedeutenden ḥsb.w wꜣḏ (mit Adjektiv statt Genitivverbindung) s. bes. 300-306. Nach Diskussion der Belege vermutet Clère auf S. 308 hinter ḥsb.w „une matière pâteuse ou plastique (qu’elle soit ou non de couleur verte)“. Für die Droge der medizinischen Texte hält er aufgrund der Pleneschreibung von Eb 533 dennoch eine Lesung ẖpꜣ n wꜣḏ für möglich (S. 306). Dennoch ist es denkbar, auch diese Belege denen von Clère hinzuzufügen: Eine Lösung findet sich schon bei Westendorf, Grammatik, § 9.d, der in Eb 533 eine „falsche Komplementierung eines Ideogramms“ vermutet. Es wäre also denkbar, dass sich der Schreiber in Eb 533 von der Droge ẖpꜣ hat leiten lassen – entweder aufgrund der ähnlichen Klassifizierung oder vielleicht eines äußerlichen Tertium comparationis, das allerdings bis zur genauen Identifizierung der ẖpꜣ-Droge unbekannt ist.

L.P.

ḫꜣs.yt
Definition:

Dawson, in: JEA 20, 1934, 45 vermutet aufgrund der Verwendungsweise und der Erwähnung von Ranken in dieser Pflanze die Zaunrübe (Bryonia). Diese Identifizierung wird von Germer, Arzneimittelpflanzen, 291-292 abgelehnt, weil die genannten Anwendungsgebiete von ḫꜣs.yt zu allgemein sind, um es mit Bryonia zu vergleichen bzw. sich gerade die zu erwartenden Bestandteile bzw. Wirkungen von Bryonia kaum bis gar nicht in den Verwendungsbereichen von ḫꜣs.yt widerspiegeln. Dementsprechend lässt auch Westendorf, Handbuch Medizin, 550 die Übersetzung offen. Bardinet, Papyrus médicaux, 253 bleibt bei "bryone", versieht es aber mit einem Fragezeichen.

 

L.P.

Johannisbrot
Definition:

Ägyptisch ḏꜢr.t. Loret, in: RecTrav 15, 1893, 124-130 (mit Besprechung älterer Vorschläge) versteht hierunter das Fruchtfleisch des Johannisbrotbaums, das getrocknet in den Rezepten als Süßstoff diente. In ptolemäischer Zeit sei die Bedeutung auf den ganzen Baum ausgedehnt worden und lebt im koptischen ϫⲓⲓⲣⲓ weiter, das Lorets Argumentationsbasis bildet. Laut Keimer, in: BIFAO 31, 1931, 21 ist dieser Baum aber nicht in Ägypten heimisch. Dawson, in: JEA 20, 1934, 41-44 schließt Lorets Meinung aus, weil der Johannisbrotbaum medizinisch nutzlos sei und ḏꜢr.t nicht in Nahrungsmittellisten auftauche. Die Verwendung seines „Inneren“ und seines „Saftes“ spräche für eine fleischige Pflanze; die Determinierung mit dem Korn (Gardiner N 33) sei ein Indikator für kugelige Früchte. Dies, die Hinweise auf eine adstringierende Wirkung und den bitteren Geschmack, und schließlich Ähnlichkeiten in der Anwendung von ḏꜢr.t und der Koloquinte bei Ibn el-Beithar lässt ihn eher an die Koloquinte denken. Seine Deutung ist lang akzeptiert gewesen. Germer, Arzneimittelpflanzen, 350-360 zweifelt dagegen Dawsons Deutung an, v.a. weil es angesichts der abführenden Wirkung der Koloquinte merkwürdig sei, nur viermal ḏꜢr.t in Abführmitteln zu finden. Sie enthält sich einer Identifizierung. Aufrère, in: BIFAO 83, 1983, 28-31 weist Dawsons Argument der Determinierung zu Recht als wenig aussagekräftig zurück (Gardiner Sign-list N33 dürfte tatsächlich eher als Klassifikator für [ROHSTOFF] angesehen werden als einer für [RUND]). Außerdem, so Aufrère, sei der Johannisbrotbaum zwar tatsächlich nicht in Ägypten heimisch, aber sein Holz sei seit der 12. Dynastie verwendet und der Baum damit importiert worden. Schließlich sei angesichts der starken Wirkung der Koloquinte die Häufigkeit und v.a. die Quantität, in der ḏꜢr.t in den Rezepten vorkommt, auffällig. Er schließt sich daher wieder Loret an und deutet ḏꜢr.t als Johannisbrot. Es ist jedoch zumindest anzumerken, dass in den medizinischen Texten auch die pr.t: „Frucht“ der ḏꜢr.t genannt wird, so dass anzunehmen ist, dass das Wort auch schon vor der ptolemäischen Zeit den ganzen Baum bezeichnen kann, sofern mit pr.t nicht die in den Schoten befindlichen Samen gemeint sind.

L.P.

Knoblauchzehe
Definition:

Die vaginale Darreichungsform von ṯꜣ n.j ḥḏ.w (vgl. Papyrus Carlsberg VIII [Clb IV,1,x+4-x+6]) deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Droge allem Anschein nach um die Zehe einer Knoblauchzwiebel handelt. Das altägyptische ṯꜣ ist im medizinischen Sinne auch als Klümpchen und in der Verbindung mit dem Wort ḥḏ.w als Maßangabe für diese Pflanze anzutreffen, vielleicht: Knolle oder Zehe. Das Wb schreibt: "von den kleinen Zwiebeln des Knoblauch", in: Wb 342-IV.1. Belegstelle in pKahun 28 3,17-19: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 97, 20-21: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 70, 8-9. Das Pflanzen-Determinativ M2 statt N33 ("Kügelchen") weist ebenfalls darauf hin, dass es sich um die Mengenangabe eines pflanzlichen Produktes handelt. Die Knoblauchzehe eignet sich ihrer Form nach gut zur vaginalen oder rektalen Applikation, vgl. etwa mit einem Zäpfchen. Knoblauchzehen als Vaginalzäpfchen kommen auch in der modernen naturheilkundlichen Gynäkologie zum Einsatz. 

Das altägyptische ḥḏ.w meint wortwörtlich eine helle (Gemüse)pflanze und kommt in den medizinischen Anweisungen sehr häufig zur Anwendung (Bardinet, Papyrus médicaux, 244). Während V. Loret die Pflanze als Zwiebel (Allium cepa) identifiziert, gibt das Wörterbuch die zusätzliche Übersetzung als Knoblauch (Allium sativum) an. Zur Bedeutung und Verwendung der Zwiebel im Alten Ägypten siehe: Germer, Flora, 192. Zur Bedeutung und Verwendung von Knoblauch siehe: Germer, Flora, 195. Der medizinisch verwendete Teil der Pflanze - die Knoblauchwiebel - besteht auch 6-10 Zehen, die von einer weißen Hülle umschlossen sind. Dabei könnte eben diese weiße Hülle namengebend für die Pflanze sein. Der Körper einer Zwiebel ist von einer rot-bräunlichen Zwiebelschale umgeben, und weist rötlich-weißes Zwiebelfleisch auf. Laut Keimer wird daran eindeutig die Verbindung zwischen ḥḏ (weiß) und ḥḏ.w (Zwiebel) ersichtlich (Keimer, Gartenpflanzen, 56). Die Verbindung zwischen weißer Farbe und Pflanzenname lässt sich bei beiden Lauchformen anbringen und kann deshalb nicht als Identifizierungsmerkmal herangezogen werden. Keimer weist darüber hinaus darauf hin, dass die ägyptische Schreibung für Knoblauch ḫṯn lautet und sich bis ins Koptische ϣϫⲏⲛ tradiert hat (Keimer, Gartenpflanzen, 60-61).

A.H.

Konyza (?)
Definition:

Ägyptisch jnnk.

Loret, Flore, 68 erwähnt mit Verweis auf A. Bsciai, Peut-on trouver encore des mots nouveaux dans la langue Copte? Lettre a M. Revillout, in: RecTrav 7, 1885, 15-31, hier 25 den koptischen Pflanzennamen ⲉⲛⲅ, Var. ⲉⲛⲟⲩⲕ, der nach koptischen Versionen von Jesaja 55,13 [sic; Bsciais Angabe Jesaja 15,13 ist inkorrekt, vgl. Crum, CD, 56] dem griechischen Pflanzennamen κόνυζα entspricht, welche wiederum "par les botanistes" mit Erigeron identifiziert worden sei (Loret, 67). Dieses koptische Wort entspricht Loret, 68 zufolge dem jnnk der medizinischen Texte, und beide bezeichnen ihm zufolge Erigeron aegyptiacus als einzige Erigeron-Art, die in Ägypten heimisch sei. Daneben verweist er auf eine weitere mögliche koptische Bezeichnung ⲛⲟⲩⲛⲕ, die nach den Scalae, Msc. par. XLIV, 338 einem arabischen Sa'abar entspricht (صعبر, s. Jequier, in: BIFAO 19, 1921, 149); da diese Pflanzenbezeichnung unbekannt sei, korrigiert Loret sie zu Sa'atar, einer Bezeichnung des Thymians.

Jequier, in: BIFAO 19, 1921, 139-140 spricht beide Identifizierungsvorschläge kurz an und spricht sich eher für eine Gleichsetzung mit dem Thymian aus, weil die Eigenschaften von jnnk gegen Konyza sprechen würden. Sowohl Loret als auch Jequier scheinen implizit davon auszugehen, dass es sich bei ⲉⲛⲅ und ⲛⲟⲩⲛⲕ um zwei verschiedene Pflanzen handelt, was sich in späteren koptischen Wörterbüchern allerdings nicht wiederspiegelt.

Dawson vermutet in jnnk eher Mentha aquatica (Barns, Five Ramesseum Papyri,17).

Germer, Arzneimittelpflanzen, 238-241 steht allen bisherigen Identifizierungsversuchen skeptisch gegenüber. Immerhin führt sie einen Hinweis von Helck an, demzufolge jnnk im pRamessum E, Fragment a (s. JEA 41, 1955, Tf. VI) als Räuchermittel im Bestattungsritual verwendet würde, wozu manche Anwendungen in medizinischen Texten passen würden. Allerdings ist der Beleg höchst unsicher: Weder wird das dort stehende jnn[---] nach dem Kotext zu schließen als Räuchermittel eingesetzt, noch ist überhaupt eine Verbindung des dortigen Wortes mit der jnnk-Pflanze sicher.

Aufrère, in: BIFAO 86, 1986, 24-26 vergleicht mit demotisch jng und, wie schon Loret, koptisch ⲉⲛⲅ. In Bln 78 wird ein Rezept mit jnnk als Mittel gegen einen Skorpionstich empfohlen, was s.E. eher für Konyza als für Thymian spricht, weil Letzteres nie als Mittel gegen tierische Gifte eingesetzt wird, Ersteres durchaus. Er spricht sich erneut für Konyza aus, ohne dies jedoch auf eine bestimmte Art einschränken zu wollen.

L.P.

Krankheitsauslöser (?)
Definition:

Ägyptisch wḫd.w. Zu dessen Deutung als allgemeine Bezeichnung für alle möglichen krankheitsauslösenden Entitäten, seien diese nun physisch greifbar (wie es Westendorfs Übersetzung "Schmerzstoffe" impliziert) oder nicht, s. die Diskussion bei Kolta/Tessenow, in: ZÄS 127, 2000, 38-52.

Kreuzkümmel
Definition:
Cuminum Cyminum L. Weiterlesen...

Cuminum Cyminum L. Seit Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, Teil 2, 49 als Vorläufer des koptischen ⲧⲁⲡⲉⲛ, ⲧⲁⲡⲛ erkannt. Dessen Bedeutung "Kreuzkümmel" wurde über Belegstellen im Alten und Neuen Testament und über arabische Erklärungen als "weißer Kümmel" erschlossen (vgl. Crum, CD, 423). Die Indikationen von tpnn in den Rezepten korrespondieren gut mit der pharmazeutischen Wirkung von Kreuzkümmel (Germer, Handbuch, 154).

L.P.

Leinsamen (?)
Definition:

Ägyptisch dšr.

Insgesamt sind folgende dšr-Drogen/-Mineralien bekannt:

  1. dšr mit Abkürzungsstrich, Mineralienklassifikator, Pluralstrichen.
  2. dšr/dšr.w mit Pflanzenstängel (2 Belege) und in einem Fall zusätzlichen Pluralstrichen.
  3. dšr, teilweise syllabisch (d.h. nicht mit r, sondern mit der syllabischen Gruppe rw) und mit Baumklassifikator geschrieben.
  4. Eine oder mehrere dšr genannte Holzprodukte (s. unten).
  5. dšr.w mit Abkürzungsstrich, Mineralienklassifikator, Pluralstrichen. Also dieselbe Graphie wie (1), nur mit zusätzlicher w-Schleife.

Zu (1): Brugsch, Wb VII, 1375 nimmt es als eigenes Lemma auf und vergleicht es mit koptisch ⲑⲉⲣⲉϣ: „Leinsamen“. Auch das Wb 5, 491.5-6 nimmt es als eigenes Lemma auf: „Körner (roter Farbe?)“. Neben den Belegen aus den medizinischen Texten wird noch ein Beleg aus dem Pyramidentempel des Sahure angeführt, wo es einer Abbildung beigeschrieben ist (Borchardt, Sahure II, Text, 78; vgl. Abbildungsblätter, Bild 3). Das dortige Wort ist allerdings nicht mit Einkonsonantenzeichen, sondern mit dem Flamingo (dšr) und drei Mineralienklassifikatoren geschrieben. Sowohl der Wortanfang als auch das abgebildete Produkt sind aber teilweise zerstört; die Abbildung hilft also bei der Identifizierung nicht weiter. Sethe (in: Borchardt, Sahure II, Text, 78) erwägt als Bedeutung „Rötel“. Allerdings spielen weder Sethes Vorschlag noch überhaupt das Sahure-Relief in späteren Besprechungen eine Rolle. DrogWb, 581 interpretiert Graphie (1) und (2) als Varianten derselben Droge. Dem folgt Charpentier, Recueil II, Nr. 1459. Germer, Arzneimittelpflanzen, 348-350 denkt an eine pflanzliche Droge mit einem roten Farbstoff. Alkanna tinctoria oder Rubia tinctorium (Färberkrapp) schließt sie aber jedenfalls aus. Westendorf, Handbuch Medizin, 510 nennt mit Verweis auf Černý, CED, 43 wieder die Verbindung mit koptisch ⲑⲉⲣⲉϣ. Diese nennt auch Germer, Handbuch, 163-164. Sie schließt aber dennoch eine Bedeutung „Leinsamen“ aus, denn in Bln 185 wird „rotes Öl“, mrḥ.t dšr, genannt. Weil aber Leinsamen Öl nicht rot färben könne, das Öl in Bln 185 aber seiner Bezeichnung nach sonst keine färbenden Bestandteile habe, zweifelt sie die Bedeutung „Leinsamen“ an. Als Letztes nennt sie Eb 197, wo dšr zusammen mit djdj: „nubischer Hämatit“ genannt sei. Ihre Argumentation ist jedoch fehlerbehaftet: Das Benennungsmotiv der dšr-Droge ist unsicher; contra Germer, Arzneimittelpflanzen, 349 und Handbuch, 164 muss der Name nicht zwangsläufig auf einen roten Farbstoff zurückgehen. Er könnte sich ebenso gut auf die Farbe der Droge selbst beziehen. Leinsamen etwa hat eine gelbliche bis bräunliche Farbe, ein Spektrum, das durchaus innerhalb der Bandbreite der ägyptischen Farbbezeichnung dšr liegt. Ferner ist mrḥ.t dšr, wenn man es mit der Droge (1) verbindet, keine Verbindung aus Substantiv + attributivem Farbadjektiv (#Öl + rot#), sondern eine Genitivverbindung, bestehend aus Substantiv + Substantiv (#Öl (von) dšr-Droge#); es wäre also kein *rotes Öl, sondern, wenn man an der Gleichung dšr = Leinsamen festhält, „Leinöl“. Ein viel aussagekräftigeres Argument gegen die Bedeutung „Leinsamen“ ist das von Germer nicht genannte Rezept Eb 663, in dem dšr zusammen mit (j)ny.t n.t mḥj: „jny.t vom Flachs“ genannt ist. Die Droge jny.t ist auch als Bestandteil von Datteln bekannt und wird dort mit Vorsicht als Kern aufgefasst; bei jny.t von Flachs wird analog dazu von den „Samen“ ausgegangen (s. DrogWb, 36). Das würde aber im Fall von Eb 663 bedeuten, dass Leinsamen zwei Mal genannt sind, nämlich unter der Bezeichnung dšr und unter der Bezeichnung jny.t n.t mḥj. Da in den medizinischen Rezepten eine Droge nie zwei Mal genannt ist, würde dies bedeuten:
(a) dšr ist kein Leinsamen.
(b) dšr ist Leinsamen, aber vielleicht in einem bereits weiterverarbeiteten Zustand, der von den Ägyptern als so verschieden von einfachen Leinsamen verstanden wurde, dass er mit einem eigenen Begriff versehen wurde und neben „normalem“ Leinsamen in einem Rezept vorkommen kann, vgl. etwa das gemeinsame Vorkommen von jt und jt wꜣḏ: „Gerste“ und „frischer Gerste“ in Eb 422.
(c) jny.t hat in Verbindung mit mḥj eine andere Bedeutung als „Samen“.

Zu (2): Brugsch, Wb VII, 1375 nimmt es als eigenes, von (1) separiertes Lemma auf und hält es für dasselbe Wort wie (3). Wb 5, 491.3 trennt es sowohl von (1) als auch von (3). DrogWb, 581 und Germer, Handbuch, 163-164 interpretieren es wiederum als Variante von (1).

Zu (3): Wenn Nr. (1) „Leinsamen“ ist, ist Nr. (3) definitiv davon zu trennen, denn daraus können den Belegen zufolge Bretter gewonnen werden, und das ist von Flachs nicht möglich. Wohl daher ist das Wort von Brugsch, Wb VII, 1375, von Wb 5, 491.1 wie auch von Charpentier, Recueil II, Nr. 1458 als separates Lemma aufgenommen. Da es nicht in medizinischen Texten vorkommt, spielt es in Analysen von Drogennamen bislang keine Rolle.

Zu (4): In Wb 5, 491.4 findet sich noch ein weiteres separates Lemma dšr, das wie (1) geschrieben ist, aber in der Verbindung ḫt-dšr vorkommt. Es ist ein Hapax legomenon, das in pHearst, H 185 vorkommt. Laut DrogWb, 407 kann es kein „Holz der dšr-Pflanze“ sein, weil dann ein indirekter Genitiv zu erwarten wäre. Germer, Arzneimittelpflanzen, 300 und Germer, Handbuch, 105 nennt es schlicht „Rotes Holz“. Entgegen DrogWb gibt es jedoch, zumindest in ptolemäischen Texten, durchaus ein ḫt-n-dšr im indirekten Genitiv (Dümichen, Geogr. Inschriften II, 88 – unsicher, ob wirklich dieses Lemma – und Mariette, Dend. IV, 36, 45, § 46). Dieses ist von Wb 5, 491.2 dem dšr-Baum (3) untergeordnet. Chassinat, Khoiak, 368 vermutet dagegen in ḫt-dšr und ḫt-n-dšr Varianten desselben Wortes, das von (3) zu unterscheiden wäre. Das ḫt-n-dšr von Denderah wird beschrieben als etwas, dessen Anfang (ḥꜣ.t) schwarz und dessen Ende (pḥ) weiß sei (Wilson, Ptol. Lexikon, 1208 übersetzt dagegen ḥꜣ.t mit „Äußeres“ und pḥ mit „Inneres“) und sein Inneres mkrr. Wenn man es zermahle, würde es „rot wie Gold“; es rieche sehr angenehm. Chassinat vermutet daher darin Gummiharz. Er übersetzt mit „bois rouge“, geht also von einer Verbindung aus Nomen + Adjektiv aus. Im Fall des ausgeschriebenen Genitiv-n in Denderah wäre diese Erklärung aber nicht möglich, denn dort liegt eben ein Genitiv vor. Zählt man die unterschiedlichen Genitivverbindungen zur selben Pflanze, hat man entweder die Möglichkeit, die Denderah-Graphie für falsch zu erklären; dann kann man bei der Übersetzung „Roter Baum“ bleiben. Oder man nimmt im Gegenteil die Denderah-Stelle als Beleg dafür, dass in allen Fällen ein Genitiv vorliegt. In diesem letzteren Fall spräche dann zumindest graphisch nichts dagegen, das dortige dšr mit dem dšr von (3) zu verbinden. Auch Charpentier, Recueil II listet die Belege für ḫt-dšr und ḫt-n-dšr zusammen auf: Nr. 865 (S. 436). Im Gegensatz zu Chassinat trennt er dieses ḫt-(n-)dšr auch nicht von Nr. (3) ab. In jedem Falle auszuschließen wäre wieder eine Verbindung mit (1), sofern dieses „Leinsamen“ ist.

Zu (5): Wohl eher eine Art Zerkleinerungsprodukt als ein konkreter Pflanzenteil: In Eb 191b steht dšr.w n.w sẖ.t, im Parallelrezept Eb 194 dḏw n.w sẖ.t. Ein Produkt dḏw sẖ.t (im direkten Genitiv) ist schon aus dem Alten Reich bekannt. Dḏw ist dort ein Produkt der Müllerin, etwas, was nach den Szenen des täglichen Lebens gesiebt werden kann und damit einen Zwischenschritt zur Mehlherstellung bildet. Edel, QH II, 1.2, 25-27 vermutet eine Kombination aus Kleie und Mehl, weist aber darauf hin, dass dies noch zu beweisen wäre. Hannig, HWb, 2. Auflage, S. 1063 gibt, darauf basierend, die Übersetzungsvorschläge „(ungesiebtes) Mehl, Grobmehl“ an. Dšr.w könnte daher ein ähnliches „Zerkleinerungsprodukt“ (so Germer, Arzneimittelpflanzen, 148) sein. Westendorfs Alternativvorschlag „zerriebene Körner“ (Handbuch Medizin, 510) ist daher seiner Hauptübersetzung „Körner“ vielleicht vorzuziehen. Bardinets Vorschlag „rouille“ basiert sicher auf der Etymologie von dšr.

L.P.

mhwj
Definition:

Schreibung und Wortvarianten:
Laut DrogWb, 280 besteht kein Unterschied zwischen mhwj mit Krugklassifikator und mhwj mit Rohstoffklassifikator N 33 und auch kein Unterschied zwischen mhwj und mhw.t. Laut Wilson, Ptolemaic Lexikon, 448 könnte auch das mhꜣy aus griechisch-römischen Texten aus Edfu damit identisch sein. Sollte dies zutreffen, wäre zu überlegen, ob auch das mhꜣ (oder nur syllabisch mh zu lesen?) des pTurin B, vso. 1,10 hierher gehört. Doch letzteres Wort steht in Kombination mit einem anderen unsicheren Terminus, was es unsicher macht, diesen Terminus als weitere Variante von mhwj zu identifizieren. Weiterhin gibt es noch ein Wort mhj.t im pHarris I (Wb 2, 114.6), das aber sicher ein separates Lemma zu sein scheint.

Zur Bedeutung:
Breasted, Surgical Papyrus, 287 vermutet in mhwj Milch oder, da es auch aus mrḥ.t-Öl/Fett gemacht werden kann, vielleicht eine Creme. Die einzige Stelle, die über die Natur der Droge vielleicht etwas Genaueres aussagt, ist Eb 310. Dort heißt es: „Kuhmilch. Werde gekocht. Nachdem die mhw.t-Droge zermahlen/verrührt (nḏ) worden ist, werde Dickmilch/Sauermilch (smj) darauf/dazu gegeben.“ Die mhw.t-Droge bezeichnet demzufolge etwas, was beim Kochen von Milch entsteht, am wahrscheinlichsten Milchhaut. Unter dieser Voraussetzung wäre es denkbar, dass es einen etymologischen Zusammenhang mit der Wortfamilie mhr: „melken“, mhr: „Melker“, mhr: „Milchkrug“ gibt.

L.P.

mt-Gefäß
Definition:
Übergreifender Begriff für Hohlgefäße sowie Muskel- und Sehnenstränge.

Ist ein wichtiger Begriff der ägyptischen Anatomie, der sowohl Hohlgefäße (Blutgefäße, Lymphgefäße) als auch Stränge (Muskeln, Sehnen) bezeichnet (MedWb I, 400-408). Es gibt keinen entsprechenden Begriff im Deutschen ("Gefäßstrang"?).

nḥd.t
Definition:

Geschrieben wie der nḥḏ.t-Eckzahn, aber DrogWb 311-319 trennt zwischen beiden Drogen, weil die nḥd.t-Droge auch mit dem Rohstoffklassifikator N33 geschrieben werden kann, der Zahn dagegen nicht, und weil der Zahn in den beiden Belegen, in denen er vorkommt, durch eine Tierbezeichnung weiter spezifiziert wird.

Germer, Arzneimittelpflanzen, 179 schreibt dezidiert, dass die Droge nur in medizinischen Texten genannt ist. Ob man daraus schließen kann, dass sie die Belege aus den ptolemäischen Tempelinschriften (s. im Folgenden) nicht kannte, oder ob sie in Letzterem ein anderes, nicht mit der Droge zusammenhängendes Wort vermutete, ist unbekannt. Wilson, Ptolemaic Lexikon, 537 sieht hierin dasselbe Wort.

Die Bedeutung ist unsicher. Zumindest das nḥd(.t) der ptolemäischen Texte ist eine Myrrheart, vgl. Wilson, Ptolemaic Lexikon, 537. Und auf diesen späten Belegen beruhen, in manchen Fällen mit explizitem Bezug, in anderen mit zu vermutendem Bezug, alle Versuche, den Drogennamen in der Übersetzungssprache auf ein Harz einzugrenzen:

  • Ebers, Papyrus Ebers. Teil 2, Das Kapitel über die Augenkrankheiten. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Leipzig 1889, 69 („eine Weihrauchart“), der sich auf S. 144-145, Anm. 115 auf von Dümichen publizierte Texte, d.h. diese ptolemäischen Inschriften, stützt, in denen diese Droge unter „den Produkten der Balsamsträucher“ genannt sei;
  • Joachim, Papyros Ebers, 74 („neḥedet-Harz“) und 116 („neḥed-Harz“), der aber ganz unsystematisch an anderen Stellen auch „Korn“, „Körner“ und im Index sogar „Samen“ hinzufügt und mit Letzterem „Zahnkrautkörner“ meint (womit er sich dezidiert auf Ebers, ebd. stützt, der, wohl basierend auf der Homographie mit dem nḥḏ.t-Zahn, tatsächlich S. 69 „Zahnkörner“ und  S. 144 „Zahn(kraut?) Körner“ schreibt und auf S. 69, Anm. 4 den „aegyptischen Zahnbaum, balanites aegyptiaca“ nennt, der aber eine Gleichsetzung der Droge mit Teilen oder Produkten dieses Baumes auf S. 144-145 letztendlich doch ablehnt);
  • sicher auch Ebbells kommentarlose und durch nichts begründete Eingrenzung auf „Gum ammoniac“ (das ist ein Harz von Dorema ammoniacum) in Papyrus Ebers, 132;
  • Meeks, AL, 79.1597 („un aromate“) und
  • Westendorf, Handbuch Medizin, 501 („nḥd.t-Duftstoff”), der ferner Dieter Kurths persönliche Mitteilung „Weihrauch“ nennt.

Ebers hatte neben Dümichen auch auf „Brugsch’s Wörterb., ser. II S. 251“ d.h. Brugsch, Wb V, 251, verwiesen, wo nḥd.t mit einem Harz namens mamama (Brugsch, Wb II, 585 = das mmꜣꜥ... von Wb 2, 59.4) gleichgesetzt würde (dieses Harz ist laut dem einzigen Beleg, DZA 24.003.720, eine „trockene Myrrhe“ von karneolartiger Farbe und sehr süßem/angenehmen Duft). Brugschs Beleg stammt ebenfalls aus Dümichens Texten, nämlich aus J. Dümichen, Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler nebst einem Anhange, enthaltend die im Tempel von Edfu aufgefundenen Recepte in den Jahren 1863-65 an Ort und Stelle gesammelt und erläutert, 2. Abtheilung, Tafeln, Leipzig 1866, Taf. 86, Zeile 5 (= Edfu II, 206,3). Chr. Leitz, in: A. Rickert, B. Ventker (Hg.), Altägyptische Enzyklopädien. Die Soubassements in den Tempeln der griechisch-römischen Zeit. Soubassementstudien I, Bd. 1. SSR 7, Wiesbaden 2014, 483-516, hier 512 nennt zwei weitere Belege für diese Myrrheart, die er vergleichbar mit Brugsch als mꜥmꜥm und mꜥmꜣm transkribiert; und er ruft dazu auf zu prüfen, ob sie mit griechisch μαμάλι, arab. „Maʿmal“ identifiziert werden könnte. Der von Brugsch, Wb II, 585 genannte Hauptbeleg für dieses Lemma ist dagegen zu streichen, weil es sich dabei um die mꜥmꜥ: „Dumpalme“ handelt (vgl. eine fast identische Schreibung bei Wilson, Ptolemaic Lexikon, 403).

L.P.

nšꜣ
Definition:

Zu einer Zusammenfassung der bisherigen Identifikationsversuche und der Erwägung, hierin eine Art Wasserpflanze zu erkennen, s. demnächst T. Pommerening, Wege zur Identifikation altägyptischer Drogennamen - eine kritische Betrachtung, in: NN (ed.), Zwischen Philologie und Lexikographie des Ägyptisch-Koptischen. Akten der Leipziger Abschlusstagung des Akademienprojekts "Altägyptisches Wörterbuch".

L.P.

Olivenöl
Definition:
Früher für Moringabaum-Öl gehalten. Weiterlesen ...

Ägyptisch bꜣq. Ältere Übersetzungen identifizieren es mit dem Öl des Moringabaumes. Zum Vorschlag, hierin eine ältere Bezeichnung für das Olivenöl zu sehen, s. Quack. Zur Frage der botanischen Natur des bꜣq-Baumes und des von ihm gewonnenen Öls, in: Fs NN (in Vorb.).

L.P.

Pflanzenbrei
Definition:

Ägyptisch ḥsꜣ: Die gelegentlich (etwa im DrogWb oder Westendorf, Handbuch Medizin) zu findende Übersetzung mit „Pflanzenschleim“ ist u.U. fehlleitend, weil mit diesem deutschen Wort verschiedene zähflüssige Pflanzenbestandteile oder -ausscheidungen benannt werden können, wohingegen ḥsꜣ ein wohl künstliches Produkt ist, das aus Körnern, Früchten u.ä. hergestellt wird, in Verbindung mit Brot erscheint, aber auch eine Ausscheidung von kranken Tieren benennen kann, vgl. DrogWb, 386 und MedWb, 632-633. Der Determinierung zufolge zeichnet es sich durch eine gewisse flüssige Konsistenz aus.

L.P.

Polei-Minze (?)
Definition:

Ägyptisch njꜣjꜣ. Schon Joachim, Papyros Ebers, passim, vermutete hierin eine Minze, speziell die Pfefferminze, gab aber keine Begründung für seine Übersetzung an. DrogWb, 294 hält die Pflanze dagegen für nicht identifiziert. B. Long, A propos de l’usage des menthes dans l’Égypte ancienne, in: Fs Gutbub, 145–159 identifiziert die Pflanze mit der Polei-Minze (Mentha pulegium) oder „une menthe sauvage proche du pouliot“ (S. 157). Als Argumente dienten ihm die verschiedenen Gebrauchsweisen, die auf eine anthelminthische, atmungserleichternde und beruhigende Wirkung hinweisen, und die dafür sprechen, dass die Pflanze ein Geruchsträger sei. Hauptargument für die Identifizierung ist die Verwendung in gynäkologischen Texten (manchmal als alleiniges Mittel), etwa zur Geburtserleichterung. Diese Gebrauchsweisen vergleicht er mit hippokratischen Texten zu Uterusbeschwerden, wo er 10 Pflanzen verwendet vorfindet, davon zwei häufiger, und diskutiert mögliche Ähnlichkeiten des Anwendungs- und Wirkspektrums dieser Pflanzen mit der njꜣjꜣ-Pflanze. Die meisten Übereinstimmungen findet er bei der Pflanze, die im Griechischen γλήχων genannt wird, eine Pflanze, in der man i.d.R. die Polei-Minze vermutet (aber der griechische Name scheint auch gelegentlich für Katzenminze oder Origanum Dictamnus gebraucht zu werden, vgl. den entsprechenden Eintrag bei Liddl/Scott/Jones, A Greek-English Lexicon). Außerdem bespricht Long eine mögliche Verwandtschaft des ägyptischen njꜣjꜣ mit dem arabischen Wort für Minze, „Nana“. S. Aufrère, in: L’univers mineral, 253–254, Anm. g (nicht in: Fs Gutbub, 253–254, wie Germer, Handbuch, 82 und 299 angibt) bekräftigt Longs Identifizierungsvorschlag, v.a. wegen der Geruchswirkung der Pflanze. Germer, Handbuch, 81 und 298 erwähnt Longs und Aufrères Identifizierungsvorschlag, ohne zu dessen Tragfähigkeit Stellung zu beziehen.

L.P.

pꜣ-jb
Definition:

Eine unbekannte Substanz, nach der Schreibung eine Flüssigkeit. Auf DZA 23.119.890 wird "Quellwasser (?)" vorgeschlagen. Aber das Wort ist bislang nur hier belegt und jeglicher Identifizierungsvorschlag bleibt vorerst eine unbeweisbare Spekulation.

L.P.

pꜣw.t
Definition:

Nur in Eb 61 und in Bln 189 belegt; beide Male in der Phrase wḥꜥ pꜣw.t. Im pEbers mit dem sitzenden Mann mit dem Becher auf dem Kopf, im pBerlin mit zwei pꜣw.t-Broten determiniert. Die Frage, welche der beiden Lesungen die signifikantere ist, beeinflusst auch die Identifikationsversuche:

  • Ebbell, The Papyrus Ebers, 35, Wb 1, 498.4 und MedWb, 258 vermuten als Bedeutung "Last" und nehmen damit die Schreibung des pEbers als ausschlaggebend an.
  • Wreszinski hat anscheinend die Version des Berliner Textes als korrekte Schreibung angesehen; jedenfalls wäre das die einzige Erklärung, warum er das Wort in Papyrus Ebers, 17 mit einem "sic" versah. Auch Borghouts, Mag. Texts, 46 und Anm. 175 auf S. 106 geht in seiner Übersetzung von Bln 189 davon aus, dass diese Version die korrekte ist, und denkt an das Wort pꜣ(w).t: "Opferkuchen u.ä." (Wb 1, 495.6-8), das er als Metapher für "scabs (?)" deutet.
  • Bardinet, 52 gibt das Wort als "les morceaux-paout (fur détaché)" wieder und vermutet hierin eine "référence à l'éviscération de la momie faite morceau par morceau par la fente d'éviscération". Vermutlich dachte er ebenfalls an eine metaphorische Verwendung des Wortes pꜣ(w).t: "Opferkuchen u.ä.". Den konkret funerären Kontext des Spruches in Eb 61 sieht er durch die Nennung der šꜣms-Pflanze gegeben, die von Balsamierern verwendet wurde, weil sie Insekten abwehren würde.
qꜣd.t
Definition:

Westendorf, in FS Winter, 265-267 erwägt einen Zusammenhang mit der qꜣdj-Schlange des Brooklyner Schlangenpapyrus, die vielleicht namengebend für das Kraut gewesen sein könnte. Über eine Identifikation der Pflanze sagt das aber nichts. Es könnte sich als naheliegende Möglichkeit um eine Pflanze mit Ranken handeln, aber das Tertium comparationis könnte auch irgendein anderer sein (Lebensraum, Färbung etc.). Da die Identifikation der qꜣdj-Schlange unbekannt ist und der Zusammenhang nichts weiter als eine vage Option, verbietet sich jede darauf basierende Überlegung.

L.P.

Realgar
Definition:

Ägyptisch ꜣw.t-jb: „Herzensfreude“. Ältere, obsolete Identifikationen sind: ein aromatisches Harz (Brugsch und Lüring), ein Salz oder Harz (Daressy) oder „Art Myrrhe o.ä.“ (Wb 1, 5.1), s. Harris, Minerals, 141. Schon Ebbell, Papyrus Ebers, 131 schlug als Übersetzung vor: „realgar or orpiment“. Inzwischen scheint die Deutung als Realgar allgemein akzeptiert zu sein. Näher diskutiert wurde sie von Iversen, Paints and Pigments, 39-42: Er weist darauf hin, dass es in Opferlisten üblicherweise zusammen mit Farben und Pigmenten genannt wird und demzufolge wohl auch ein Pigment ist (zu weiteren Belegen in Pigmentlisten vgl. auch Harris Minerals, 142), und dass es immer im Zusammenhang mit qnj.t genannt wird, einmal sogar als eine Art qnj.t bezeichnet wird. Letzteres identifizierte Iversen, ebd., 34-39 mit Orpiment; hauptsächlich, weil es den Belegen nach als gelbe Farbe verwendet wurde und weil nach Lucas, Materials für Ägypten nur gelber Ocker und Orpiment als Lieferanten gelber Farbe belegt seien. Da gelber Ocker als stj bezeichnet würde, so Iversen, bleibt für qnj.t nach dem Ausschlussprinzip nur Orpiment übrig. Dass qnj.t und ꜣw.t-jb immer gemeinsam vorkommen und einmal sogar miteinander identifiziert werden, erinnert ihn an die häufige gemeinsame Nennung von Orpiment und Realgar (resp. ἀρσενικόν und σανδαράχη) in griechischen und lateinischen Quellen. Nach Harris, Minerals, 142 sind auch im Koptischen Orpiment und Realgar als miteinander verwandt verstanden worden, da Realgar sowohl als ⲥⲁⲛⲧⲁⲣⲁⲭⲏⲥ: „Sandarak“ als auch als ⲁⲥⲥⲉⲣⲛⲏϩ ⲉⲧⲧⲟⲣϣ̄ und ⲁⲥⲥⲉⲣⲛⲏϩ ⲛ̄ⲕⲟⲕⲟⲥ: „rotes Arsenikon“ bezeichnet wurde. Die Verwendung in einem Inhalationsmittel gegen Husten in Eb 325 erinnert Iversen ferner spezifisch an eine Passage bei Dioskurides, in der σανδαράχη gegen Husten verwendet wird. Insgesamt schließt sich Harris, Minerals den Argumenten von Iversen an. Er warnt aber davor, ꜣw.t-jb mit „Sandarak“ zu übersetzen, weil das Sandarak der griechischen und, davon abgeleitet, der mittelalterlichen Texte neben Realgar möglicherweise auch andere rote Mineralien bezeichnen kann. Er präferiert eine konkrete Übersetzung mit „Realgar“. NB: Seine Warnung hat Einfluss auf Iversens Vergleich der Anwendung von ꜣw.t-jb im Ebers mit derjenigen von σανδαράχη im Rezept des Dioskurides; die anderen Argumente von Iversen und Harris bleiben aber davon unberührt. Vor dem Hintergrund, dass Realgar giftig ist, erscheint die ägyptische Benennung als ꜣw.t-jb: „Herzensfreude“ im Übrigen anmerkenswert (vgl. auch das deutsche Synonym „Rauschrot“).

L.P.

Reduktion
Definition:

Das ägyptische Wort thb ist ein seltener, auf medizinische Texte beschränkter Fachterminus mit nicht ganz klarer Bedeutung. Darauf folgt eine Zahlenangabe, die oft kleiner ist als die zuvor genannten Ingredienzen. Daraus schließen von Deines/Grapow/Westendorf, Grundriß der Medizin IX, 14 darauf, dass eine Art Reduktion gemeint sein könnte.

Im Rezept Eb 23 ist das Resultat ausnahmsweise größer als die Gesamtmenge der Bestandteile; zudem weicht auch die Grammatik des Satzes von den anderen Belegen ab. Demzufolge könnte dort entweder ein Textfehler vorliegen oder das Wort hat eine andere Bedeutung. Nach Grundriß der Medizin IX, 14-15 ist das Rezept Eb 23 unklar, und vielleicht ist mit einer ungenannten Menge Wasser als weiterem Bestandteil des Rezepts zu rechnen.

rmn.t
Definition:

Eine bislang vielleicht nur im pEbers belegte Gefäßbezeichnung. Lacau und Lauer, La pyramide à degrès, Bd. 5, 29-31 erwähnen ein Wort rmn, das im Alten Reich dreimal zusammen mit einer Zahlenangabe auf Krugscherben belegt ist, und sie vermuten darin eine sonst unbekannte Hohlmaßangabe, die neben den bekannteren und weitaus häufiger belegten gleichlautenden Längen- und Flächenmaßen existierte. Pommerening, Hohlmaße, 73, Anm. 8 vermutet dagegen auch in diesem rmn der Krugscherben das Längenmaß; ein Zusammenhang mit dem rmn.t-Gefäß des pEbers wäre damit auszuschließen. In Edfu ist eine Gefäßbezeichnung rmnw belegt, hinter der Wilson, Ptol. Lexikon, 583 dieselbe Gefäßart wie im pEbers vermutet. Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, 36 schlägt vor, im koptischen ⲁⲙⲓⲛ ein späteres Derivat von rmn.t zu sehen. Dieses koptische Wort geht jedoch eher auf die Gefäßbezeichnung mn zurück (Wb 2, 66.4-11, Westendorf, KHWb, 486), wohingegen im Fall des rmn.t-Gefäßes, nach der Determinierung mit dem Arm zu schließen, ein Zusammenhang mit der Wortfamilie rmn: „Schulter; Seite, Hälfte“, rmni̯: „tragen“ vorliegt.

MedWb 1, 528 vermutet konkret eine Ableitung von der Bedeutung „Hälfte“ (Wb 2, 418.12-16) in dem Sinne, dass ein durch ein Sieb zweigeteilter Topf vorliege, und schlägt die Bezeichnung „gehälfteter Topf“ vor. Diese Übersetzung ist von Westendorf, Handbuch Medizin, 604 übernommen worden. Auch Pommerening, Hohlmaße, 73 übersetzt mit „gehälfteter Topf“.

Möglich wäre aber ebenso, dass bei der Wortbildung der Aspekt des Tragens eine Rolle spielt und es sich demzufolge um ein besonderes Transportgefäß handelt. Bardinet, Papyrs médicaux, 298 schreibt unspezifisch „un pot“.

L.P.

Rötel (?)
Definition:

Ägyptisch mnj. Eine unbekannte Droge, vielleicht Rötel?

  1. Das mnj von Eb 325 (bislang in den medizinischen Texten nur dort belegt). Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, Bd. 2, 23 nennt als weiteren Beleg pEbers 68,10 (Eb 490); dieser ist jedoch zu streichen, denn das dort stehende Wort ist mnḥ: „Wachs“, vgl. explizit Harris, Minerals, 172, Anm. 7. Ein möglicher weiterer Beleg in Totenbuchspruch 64 in der Version auf dem Papyrus des Juya (pCairo CG 51189; TM 134267; Munro, Totenbuch-Handschriften des Neuen Reiches, Tf. 59, Zl. 477; vgl. hier im TLA) mit leicht variierender Schreibung bringt keine zusätzlichen, für die Identifizierungen nützlichen Informationen: Er steht in der Verbindung pr-mnj: „Haus des ...“ im Zusammenhang von Epitheta, mit denen der Verstorbene sich vor Osiris rechtfertigt.
    Lüring, Medicinische Kenntnisse der alten Ägypter, 29, Anm. 1 vermutet in mnj eine Schreibvariante des Produkts mnnn, das bei der Balsamierung und als Bestandteil von Harzen genannt wird, und er vermutet in beidem „eines der aromatischen Harze“. Chassinat, in: Fs Champollion, 463, Anm. 8 und ders., Manuscrit magique copte No 42573, 65-74, der Lürings Gleichsetzung von mnj mit mnnn folgt (und noch mit Stern Eb 490 für einen zweiten Beleg hält), bespricht die Belege für mnnn. Aufgrund der Verwendung v.a. bei der Balsamierung, die er mit der angeblichen Verwendung von Bitumen in den Berichten der klassischen Autoren vergleicht, sowie aufgrund der in den Texten genannten schwarzen Farbe und der festen Konsistenz kommt er zu dem Ergebnis, dass es sich dabei um Bitumen handeln könnte. Auf dieser Gleichsetzung von mnj mit mnnn beruht Ebbells Übersetzung (Papyrus Ebers, 132) von mnj mit „bitumen?“, die Iversen, Paints and Pigments, 40, Anm. 2 für „very doubtful“ hält. Aber auch die Vorschläge im Grundriß der Medizin IV/1, 166 („mnj-Harz (?)“) und im DrogWb („mnj ist unbekannt. Vielleicht ist es ein Harz“), Bardinet, Papyrus médicaux, 300 („résine-men“) und Aufrère, L’univers mineral, 657 gehen letztlich hierauf zurück.
    Harris, Minerals, 173 und 234 zweifelt die Bedeutung „Bitumen“ für mnnn jedoch an, weil in der vorpersischen Zeit kein Bitumen bei der Mumifizierung verwendet wurde und mnnn in vorpersischen Belegen daher etwas anderes bezeichnen muss. Er vermutet eher Holzteer oder ein Koniferenharz (Aussage leicht modifiziert, aber nicht grundlegend geändert im Nachtrag S. 234). Die Gleichsetzung mit dem mnj des pEbers schließt er implizit aus, was man daran erkennt, dass er dieses an anderer Stelle diskutiert.
  2. Ein Wort mn.y, geschrieben wie in Eb 325, nur mit doppeltem Schilfblatt anstelle der doppelten diagonalen Linie (Gardiner, Sign-list Z 4), ist im Liebeslied Nr. 43, pChester Beatty I, Recto 17,3 belegt. Gardiner, Chester Beatty Library 1, 37, Anm. 1 verbindet es explizit mit dem mnj des pEbers. Der Beleg steht im Kontext der Brandmarkung von Rindern und parallel zu ḫtm: „Siegel“; Gardiner vermutet die Bedeutung „ruddle“. Fox, Love Songs, 73 emendiert dagegen zu mn.tj: „die beiden Beine“, was Mathieu, Poésie amoureuse, 50, Anm. 134 wiederum ablehnt, weil der Klassifikator und die verwendete Possessivkonstruktion pꜣy=f mn.y gegen einen Körperteil sprächen; man würde dann mn⟨.tj⟩=f erwarten. Als weiteren Beleg für dieses Wort führt Caminos, Literary Fragments, 34 die Geschichte vom „Sporting King“, Zl. C2,2, an; der Beleg ist mit Gardiner Z 4 geschrieben und mit den gekreuzten Linien (Gardiner Z 9) klassifiziert.
  3. Einen weiteren möglichen Beleg für Nr. 2 findet Janssen, Commodity Prices, 309-310 auf oDeM 579, Zl. 16. Die Bedeutung „ruddle“ lehnt er allerdings ab und vermutet ein Metall-, konkret: Schmuckobjekt, weil das Wort innerhalb einer Aufzählung von Metallobjekten steht und mit der Quantität „1“ sowie einem Preis von einem Deben gelistet ist. Ob er die Bedeutung „Rötel“ nur für das Lemma dieses Ostrakons ablehnt oder generell, wird nicht klar. Im Kontext von Liebeslied Nr. 43 würde ein Metallobjekt weniger gut passen; ganz auszuschließen ist es allerdings nicht.
  4. Mathieu, Poésie amoureuse erwähnt noch einen angeblichen weiteren Beleg auf oBM EA 5631 Recto, Zl. 7 (vgl. Černý/Gardiner, HO, Tf. 88). Dort steht aber nicht mn.y, sondern die Gewichtseinheit mnn: „Mine“, vgl. Hoch, Semitic Words, 127, Nr. 162.

L.P.

Schirmakazie
Definition:
Ägyptisch ksb.t. Weiterlesen...

Das ägyptische Wort ist ksb.t. Zum diesem Baum im Allgemeinen vgl. den Identifizierungsvorschlag bei Baum, Arbres et arbustes, 154-162: Die Pflanze scheint in ganz Ägypten von Nubien bis etwa zum 30. Grad nördlicher Breite belegt zu sein; sie wächst im Niltal, aber auch in den Wadis, was auf ein natürliches Vorkommen schließen lässt. Im Alten Reich erscheint sie einmal, in einer Darstellung im Grab des Anchmahor, bei der Herstellung einer Statue, wobei die Interpretation dieser Darstellung nicht unumstritten ist: Abgebildet sind zwei Maler, die mit Spachtel bzw. Pinsel an je einer Statue arbeiten. Diese sind überschrieben mit twt n ksb.t, "Statue von ksb.t", bzw. twt n špnn, "Statue von špnn" (Kanawati/Hassan, Teti Cemetery II, Tf. 7a und 40). Drenkhahn, Handwerker, 58-59 lehnt die ältere Deutung, im jeweils zweiten Bestandteil der Beischrift eine Materialangabe zu verstehen, ab, weil bei derartigen Darstellungen nie der Werkstoff der Statuen genannt würde (Anm. 20). Sie vermutet darin eher Pflanzen, aus denen Farben, Farbgrundstoffe oder aber eine Grundierung gewonnen worden sein könne. Bei špnn denkt sie explizit an die homographen Mohnkörner; und tatsächlich ist bislang keine Holzbezeichnung špnn belegt. Gegen Drenkhahns Erwägungen können jedoch zwei Argumente vorgebracht werden:

(1) Die Parallelität der beiden Pflanzenbezeichnungen ist nur bedingt von Nutzen. Denn auch wenn es bislang keinen weiteren Beleg für einen špnn-Baum gibt, basiert doch die Identifizierung der Pflanze mit dem - scil. holzlosen - Schlafmohn einzig auf ihrer Verwendung in einem Mittel gegen Kindergeschrei und ist laut Germer, Handbuch, 132 "reine Spekulation". Welche Pflanze genau mit špnn gemeint sei, ist also überhaupt nicht sicher. St. Grunert, in: GM 183, 2001, 7-8 vermutet bezüglich der Darstellung bei Anchmahor sogar, dass gar nicht twt n špnn zu lesen sei, sondern twt n š pn nn: "Gleich/Äquivalent zu dieser (Stein-)Arbeit dort". In dem Fall gäbe es gar keinen Parallelismus in der Formulierung.

(2) Es fragt sich, welche Art Genitiv nach Drenkhahn in der Darstellung des Anchmahor vorliegen sollte. In Genitivkonstruktionen im Allgemeinen und bei twt-Statuen im Besonderen bezeichnet nämlich das Nomen rectum, wenn es eine Stoffangabe ist, in der Regel tatsächlich das Material, aus dem das Nomen regens ist. Das heißt, eine twt-Statue "von" ksb.t ist eine twt-Statue *aus* ksb.t.

Wenn damit also tatsächlich das Material zur Statuenherstellung gemeint sei, muss man davon ausgehen, dass die Pflanze eine gewisse Größe und Festigkeit aufweist. Dies und auch die Schreibung lässt Baum, Arbres et arbustes, ebd. annehmen, dass ksb.t konkret eben ein Baum ist. Die Frucht trägt denselben Namen wie der Baum. Es ist aber unbekannt, ob sie ein normales Nahrungsmittel ist; in Opferlisten ist sie jedenfalls nie genannt. Eine Verwendung von Bestandteilen, wie Ölen etc., ist nicht bekannt. Der ksb.t-Baum ist ein paar Mal mit dem Gott Min verbunden. Auf der späten Stele Lyon E 328 ist Min im Schatten eines Baumes dargestellt, bei dem es sich bei aller Stilisierung um einen ksb.t-Baum handeln könnte. In späten Texten wird der ksb.t oft zusammen mit tropischen Baumarten genannt.

Aufgrund aller dieser Anhaltspunkte vermutet Baum in ksb.t Acacia tortilis (Forssk.) Hayne mit den Unterarten raddiana und tortilis.

Germer, Handbuch, 145 folgt der Deutung des Pflanzennamens als Baumart (so auch schon in Germer, Arzneimittelpflanzen, 336-337), steht aber der konkreten Identifizierung mit Acacia tortilis (Forssk.) Hayne skeptisch gegenüber, weil die ẖr-Teile des ksb.t-Baumes, was auch immer das für Teile sind, in mehreren Wurmmitteln Anwendung finden, wohingegen von der Akazie "keine (...) medizinische Nutzung als Wurmmittel belegt" sei. Das zweimal genannte jmj n ksb.t: "Inneres des ksb.t-Baumes" hält Gerner, ebd. außerdem für ein Ausflussprodukt, analog zum jmj n šwꜣb, das sie (Handbuch, 130) als "Milchsaft der Persea" versteht. Harzgewinnung sei jedoch für die Akazie ebenfalls nicht belegt. In den Pflanzen im Grab des Anchmahor vermutet Germer, Arzneimittelpflanzen, 336-337 konkret die Ausgangspflanzen für ein Imprägnierungsmittel aus einem gerbstoffhaltigen Auszug. Da Gerbstoffe oft anthelminthische Substanzen enthalten, sieht sie hierin eine Verbindung zu der Darstellung im Grab des Anchmahor und zur Verwendung von ksb.t in Wurmmitteln. Einen Vorschlag, mit welchem Baum sie ksb.t stattdessen identifizieren will, wenn sie die Schirmakazie ablehnt, unterbreitet Germer aber nicht.

L.P.

šf.wt
Definition:

šf.wt: „Schwellung“ o.ä. Etymologisch mit großer Wahrscheinlichkeit von šfi̯: „anschwellen“ abzuleiten. Sicher ist es sprachlich auch verwandt mit dem koptischen ϣⲁϥⲉ, einer Bezeichnung für Geschwülste (Till, Arzneikunde der Kopten, 27-28, Nr. S.1-2); aber es ist unklar, ob es dasselbe Wort ist, denn šf.wt ist feminin, ϣⲁϥⲉ maskulin, und um so mehr, ob beide dasselbe Phänomen bezeichnen. Ebbell, in: ZÄS 64, 1919, 117-118 verweist auf die große Zahl an Rezepten gegen šf.wt, was für ein häufig vorkommendes Phänomen spreche; es sei wohl mit Jucken verbunden, weil es oft mit wšꜥ.w vergesellschaftet sei, das eben „Jucken“ bedeute; es könne auf jedem Körperteil auftreten, sei aber v.a. eine äußere Erscheinung und sei von Nässen begleitet. Da es auch bei Wunden vorkommen kann, schließt er eine konkrete Krankheitsbezeichnung aus und denkt an ein allgemeineres Symptom. MedWb 2, 850 lehnt Ebbells Hinweise auf Nässen ab, weil die Verbindung mit Feuchtigkeit zu selten genannt sei, als dass Nässen ein integraler Bestandteil von šf.wt sei; insgesamt schließt es sich aber Ebbells Deutung als allgemeine Bezeichnung für „Schwellung“ an.

Am Rande sei der Vorschlag auf DZA 30.049.620 erwähnt, das Phänomen mit dem von Flavius Josephus, Contra Apionem II, 2.27 genannten Leiden σαββὼ in Beziehung zu setzen, laut ihm die ägyptische Bezeichnung für schmerzhaft geschwollene Drüsen. Darüber hinaus referiert Josephus eine von Apion vorgebrachte Ätiologie zum Wort Sabbath (II, 2.22): Dieses Wort stamme daher, dass die Hebräer während des Exodus nach sechstägiger Wanderung geschollene Drüsen bekommen hätten, und weil die Ägypter dieses Phänomen σαββάτωσις nennen würden, hätten die Hebräer den Tag eben Sabbath genannt. Diese Ätiologie lehnt schon Josephus selbst ab, weil sich das Wort Sabbath innerhebräisch sinnvoll erklären ließe und mit den ägyptischen Krankheitsbezeichnungen nichts zu tun hätte.

L.P.

sḫt
Definition:

Nur im pEbers und dort nur viermal belegt; davon steht es zweimal im Genitiv als Bestandteil oder Produkt eines Vogels (einmal -Gans und einmal s.t-Spießente) und zweimal in der Verbindung mit ḏwjw in den sehr ähnlichen Rezepten Eb 45 und Eb 47. Ebbell, Papyrus Ebers, 33 übersetzt mit „yolk of egg“. Ob es mit sḫtw, Meeks, AL 78.3784 (= Erzählung „The Pleasures of Fishing and Fowling“, C2, x+1) zusammenhängt, das Caminos, Literary Fragments, 17 vorschlagsweise als Fleisch eines mit der Falle (sḫt) gefangenen Wildvogels identifiziert?

L.P.

smt
Definition:

Eine unbekannte Droge; sicher nicht feminin, wie Germers Transkription suggeriert (Arzneimittelpflanzen, 183; vgl. auch Charpentier, Recueil, Nr. 951), sondern der Schreibung nach maskulin. Im DrogWb, 442 wird darin ein Harz oder eine tpnn-, d.h. Kreuzkümmel-ähnliche Frucht vermutet. Germer, Arzneimittelpflanzen, 183-184 enthält sich eines Identifizierungsversuches. Manniche, Herbal, 162 und 166 erwähnt Dioskurides II 184, wo der Kresse (von Dioskurides Κάρδαμον genannt) der ägyptische Name Σεμέθ zugeschrieben wird. Daher identifiziert sie, wie schon Charpentier, smt mit Lepidum sativum. Berendes, Pedanios Dioskurides Arzneimittellehre, 236 merkt allerdings an, dass die von Dioskurides in II 205 unter Ἴβηρις (nach II 184 eine andere Bezeichnung von Κάρδαμον) gegebene Beschreibung der fraglichen Pflanze eher auf die Orientalische Kresse (Erucaria aleppica Gärtn.) als auf Lepidum sativum passen würde. Diese letztere Kresse kommt in Ägypten nicht vor. Vgl. Germer, Handbuch, 115, die ebd. in smt ein pflanzliches Produkt vermutet, ohne dies weiter einzugrenzen. Der Schreibung mit zusätzlichem Ohr-Klassifikator könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Drogenbezeichnung vom Wortfeld smt: „hören, lauschen“ abgeleitet ist, ohne dass sich anhand der wenigen Belege Benennungsgrund oder -motiv für die Droge feststellen ließe.

snwt.t
Definition:

Eine der wenigen Pflanzen, für die die medizinischen Texte weitere Informationen geben, auch wenn sie nur rudimentär sind. In Eb 294 findet sich eine nähere Beschreibung: Sie wächst wie die qꜣd.t-Pflanze „auf ihrem Bauch“ (leider ist diese Pflanze unidentifizierbar; aufgrund dieser kurzen Notiz sowie eines möglichen etymologischen Zusammenhangs mit der qꜣdj-Schlange besteht die Möglichkeit, dass sie Ranken bildet), treibt Blüten wie der zšn-Lotos und Blätter „wie weißes Holz“, ein Myrrhelieferant. (Ob gemeint ist: „wie (die Blätter von) ‚weißem Holz‘“? Eine derartige Verkürzung eines Vergleiches ist im Ägyptischen durchaus gebräuchlich.)
Aufgrund dieser Beschreibung dachte Dawson, in: JEA 20, 1934, 186-187 an eine Convulvulus-(Winden-)Art, speziell an Convulvulus hystrix, für die es archäobotanische Nachweise gäbe. Germer, Handbuch, 116 schlägt, ebenfalls aufgrund der Beschreibung, Convulvulus arvensis L. vor; deren Teile hätten eine leicht laxierende Wirkung, weshalb es vorstellbar sei, dass sie in der Medizin verwendet worden sei. Auch die Wortbildung – eine Zusammensetzung mit der Schlangenbezeichnung wt.t (?) – könnte eine Interpretation als Windenart stützen (dieses Argument schon vorgeschlagen in Wb 4, 157 und aufgegriffen von Aufrère, in: BIFAO 86, 1986, 15).
Naville, in: ASAE 16, 1916, 188 (mit Verweis auf Loret) vermutet in snwt.t dagegen eine alternative Graphie der snw-Pflanze (Wb 4, 157.6) – auch das Wb deutet ebd. eine derartige Möglichkeit an. Aufrère, in: BIFAO 87, 1987, 31-35 diskutiert diese letztere Pflanze und die Frage, ob es sich um Blauen Lotos (so die ältere Interpretation) oder um den Weißen Lotos (so sein Neuvorschlag) gehandelt hat. Obwohl schon Dawson Navilles Vorschlag abgelehnt hat, weil er auf einem Missverständnis der Beschreibung „sie wächst auf ihrem Bauch“ basieren würde, geht noch Bardinets Übersetzung (Papyrus médicaux, 261) der snwt.t-Pflanze als „lotus bleu“ hierauf zurück. Später, in ENiM 6, 2013, 45, distanziert sich Bardinet jedoch ebenfalls von dieser Gleichsetzung. Auch Charpentier, Recueil, trennt beide Lemmata voneinander. In sn(n)w-p.t, Nr. 966, vermutet er Senf, Sinapis arvensis L., in snwt.t, Nr. 967, „probablement le liseron“, Convolvulus Hystrix L.

L.P.

Starkbier
Definition:

Ägyptisch ḏsr.t: Eine besondere Bierart, die wohl von höherer Qualität war als normale, ḥ(n)q.t, genannte Bier, vgl. den von Westendorf, Handbuch Medizin, 511 angeführten Beleg bei Helck, in: LÄ IV, 1982, Sp. 55, s.v. "Menqet" mit Verweis auf die 4. Stunde, 16. Szene des Pfortenbuches, wo ḥnq.t und ḏsr.t ins selbe Verhältnis zueinander gesetzt werden wie Wasser und Wein. Vielleicht begründet durch dasselbe Verhältnis, gibt Caminos, LEM, 425 als Übersetzung "strong ale".

Nach Helck, in: LÄ I, 1975, Sp. 789-792, s.v. "Bier", spez. Sp. 790 handelt es sich vielleicht auch um ein Bier aus ḏsr.t-Körnerfrüchten. Ähnlich vermutet auch Germer, Arzneimittelpflanzen, 362-363 einen Zusammenhang mit der ḏsr.t-Pflanze. Angesichts der seltenen Erwähnung der ḏsr.t-Pflanze ist es allerdings seltsam, dass ein daraus hergestelltes Getränk so viel häufiger genannt sein soll: Für diese Pflanze kennt das Wb nur drei Belegzettel mit nur zwei Belegen, wohingegen unter dem ḏsr.t-Getränk 245 Belegzettel abgelegt sind.

Hoffmeier, Sacred, 57 leitet die Bezeichnung dagegen vom Verb ḏsr im Sinne von "besonders, abgesondert sein" her. Basierend auf der (allerdings falschen) Beobachtung, das Getränk käme ausschließlich in funerären Texten des Alten Reiches vor, vermutet er darin einen "special drink reserved for the dead". Ähnlich vermutet Grunert, in: GM 173, 1999, 99 darin ein "besonderes" Bier, vielleicht sei es ein "erster Abguss" oder ein Konzentrat.

Abadir, in: DE 45, 1999, 7-22 denkt eher an ein Anis-haltiges Getränk, weil es in Hustenmitteln verwendet wird, als Aroma in Brot und anderen Bäckereiprodukten, sowie als Räuchermittel, und weil es gelegentlich als "weiß/hell" bezeichnet wird und in kotextueller Nähe zur Milch steht. Laut Germer, Flora, 139 sind allerdings bislang keine Anisreste in Ägypten archäologisch nachgewiesen.

L.P.

Stechholz
Definition:

Ägyptische ḫt-ds: Der zweite Bestandteil des Kompositums war im Wb 3, 342.9-12 noch nicht sicher gelesen worden. Als Vorschlag wurde ws (< wsi̯: „sägen“) unterbreitet. Darauf beruht Saunerons Übersetzung „sciure de bois“ (BIFAO 57, 1958, 158). Die Lesung ḫt-ds ergibt sich aus der Pleneschreibung des pEdwin Smith. Ebbell, Papyrus Ebers, 133, der ebenfalls noch ḫt-ws liest, schlägt ohne Begründung „myrtle?“ vor, was Germer, Arzneimittelpflanzen, 300 anzweifelt. S. Aufrère, in BIFAO 86, 1986, 19-24 lehnt Ebbells Deutung ebenfalls ab, u.a. mit dem Verweis, dass die Myrte auf Koptisch ⲙⲟⲧⲣⲁ hieße (dem können noch die Formen ⲙⲟⲩⲗⲥⲏⲛⲏ, ⲙⲟⲣⲥⲩⲛⲁ u.ä. hinzugefügt werden, vgl. E. Chassinat, Un papyrus médical copte, MIFAO 32, Le Caire 1921, 314-315). In BIFAO 87, 1987, 29-30 schlägt Aufère vor, ḫt-ds mit dem demotischen ḫts und dem koptischen ϣⲏⲧⲥ zu verbinden und darin, basierend auf den Belegen für Letztere, vielleicht mit dem Mönchspfeffer oder eher noch mit Sesbania sesban (L.) Merill zu verbinden. Bardinet, in: ENiM 6, 2013, 33-78 identifiziert dagegen snw (Wb 4, 157.6) mit dem Mönchspfeffer, so dass diese Identifikationsmöglichkeit für ḫt-ds ausscheiden wird. T. Pommerening, Bäume, Sträucher und Früchte in altägyptischen Listen - eine Betrachtung zur Kategorisierung und Ordnung, in: S. Deicher, E. Maroko (Hg.). Die Liste: Ordnungen von Dingen und Menschen in Ägypten. Ancient Egyptian design, contemporary design history and anthropology of design 1. Berlin 2015, 138-139 mit Anm. 38 spricht sich für eine wörtliche Übersetzung „Stechbaum“ bzw. „Stechholz“ aus; ausgehend von einem derart signifikanten Benennungsgrund bringt sie ferner den Anabaum, Faidherbia albida, in die Diskussion ein, weil dieser in moderner Zeit ähnlich als „Stechholz“ bezeichnet würde und dessen Teile in Ägypten seit der prädynastischen Zeit nachweisbar seien. Zusammenfassend wird aber keiner der vorgebrachten Vorschlägen von dem jeweiligen Urheber als sicher erachtet.

L.P.

šꜣms
Definition:

Eine noch unidentifizierte Pflanze, von der Blätter, Früchte und Wurzeln offizinell verwendet werden. Aufrère, in: BIFAO 87, 1987, 22-26 vergleicht sie mit der akkadischen Pflanzenbezeichnung šamas, deren Eigenschaften und Beschreibung ihn an Römischen Bertram, Anacyclus pyrethrum D.C. denken lässt. Zur Identifizierung des ägyptischen Pflanzennamens mit dem Römischen Bertram führt er u.a. folgende Argumente an:

  1. Im pEdwin Smith wird die Pflanze u.a. zur Bekämpfung der "Seuche des Jahres" eingesetzt, die nach ägyptischer Vorstellung am Jahresende droht, und Aufrère sieht hierin eine Verbindung mit der insektenvertreibenden Wirkung des Bertram;
  2. die vermeintlichen "Matricaria"-Pollen, die in der Mumie Ramses' II. gefunden wurden, könnten evtl. ebenfalls zum Bertram gehören und würden zur insektenvertreibenden Wirkung dieser Pflanze passen;
  3. die Wurzeln des Bertram würde in der antiken Medizin verwendet, was sich mit der Verwendung der Wurzel der šꜣms-Pflanze deckt;
  4. der Einsatz von šꜣms zum "Weichmachen" von Gliedern könnte einer Nachricht Ibn el-Beithars zur Seite gestellt werden, wonach Bertram bei Gliederbeschwerden eingesetzt würde;
  5. schließlich würde der Einsatz von šꜣms bei Kopfschmerzen zu Ibn el-Beithars Hinweis passen, zerriebener Bertram an der Vorderseite des Kopfes könnte "préserve des afflux d'humeur".

Germer, Handbuch, 126-127 steht einer Identifikation von šꜣms mit Bertram dagegen kritisch gegenüber und lehnt hauptsächlich Aufrères Argument ab, dass sich der medizinische Gebrauch in ägyptischer und antiker Medizin decken würde. Ihr zufolge wird die Wurzel von šꜣms nur ein einziges Mal genannt und die antike Medizin verwendet die Früchte und Blätter vom Bertram gar nicht, was der Verwendung von Früchten und Blättern des šꜣms gegenübersteht.

L.P.

tḥwꜣ
Definition:
Eventuell die Erbse? Weiterlesen...

In den Miscellanies neben ꜥršn: „Linsen“ als Inhalt von Lagerhäusern genannt. W.R. Dawson, in: JEA 21, 1935, 38-39 schreibt, dass die Pflanze „usually“ als „lentil“ identifiziert worden sei, was aber angesichts der parallelen Nennung von tḥwꜣ und ꜥršn in den Miscellanies eben nicht möglich sei. Daher müsse tḥwꜣ eine andere, ähnliche Pflanze bezeichnen und Dawson denkt an Erbsen.

Die Meinung, dass tḥwꜣ eine linsenähnliche Pflanze gewesen sei, scheint einzig von der von Dawson abgelehnten Identifizierung mit der „Linse“ beeinflusst zu sein; jedenfalls liefert Dawson dafür keine Begründung (K.R. Weeks, in: JARCE 16, 1979, 186 nimmt an, dass Dawson u.a. mit der Form des Klassifikators, dem runden Zeichen Gardiner Sign-list N 33, argumentiert hätte – dieser Klassifikator spielt zwar tatsächlich bei Dawsons Diskussion um die Bedeutung von ḏꜣr.t eine Rolle, JEA 20, 1934, 41-44, nicht aber bei seiner Diskussion zu tḥwꜣ). Germer, Flora, 86 zweifelt Dawsons Interpretation wegen fehlender Belege an. Auch K.R. Weeks, in: JARCE 16, 1979, 186-187 zweifelt Dawsons Deutung an: tḥwꜣ sei nur einmal, eben in den Miscellanies, neben ꜥršn genannt, was als Beleg nicht ausreicht, eine Ähnlichkeit der Pflanzenarten anzunehmen. In medizinischen Kontexten sei tḥwꜣ oft genannt worden, aber nicht als Verdickungsmittel, wie dies von Erbsen in „modern folk medical treatments“ bekannt sei; in antiken und mittelalterlichen medizinischen Texten sei die Erbse gar nicht genannt, was implizieren würde, dass sie nach häufiger Verwendung in Ägypten zunächst komplett aus der Apotheke verschwunden wäre. Als Alternative weist Weeks auf die gelegentliche Austauschbarkeit von tḥwꜣ mit ḥḏ.w in medizinischen Texten hin, was darin zu begründen sei, dass beide Drogen ähnliche Substanzen beinhalten oder ähnliche Eigenschaften besäßen. Da er ḥḏ.w mit der Communis opinio als Zwiebeln interpretiert (s. dort), vermutet er in tḥwꜣ „Knoblauch“.

L.P.

tjꜥm
Definition:
Eine nur in medizinischen ... Weiterlesen...

Eine nur aus medizinischen Texten bekannte Pflanze. Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, Vol. 2, schlägt mit Verweis auf Chabas, in: Mélanges égyptologiques III.2, 100 einen Zusammenhang mit der tjmw-Pflanze vor, die in pAnastasi IV, 8,2 vorkommt. Diese ist jedoch von Gardiner, LEM, 42a, Anm. 16a zum jmꜣ-Baum emendiert worden und fällt damit als zusätzlicher Beleg weg. Die anderen von Chabas genannten Belege für die ṯꜥm-Pflanze sind ebenfalls zu streichen, da das Wort, auf das er referiert, dgm zu lesen ist, vgl. Chabas' Verweis auf Le Page Renouf, in: ZÄS 5, 1867, 33. Sterns Vorschlag, in tjꜥm einen Nussbaum zu sehen, beruht einzig auf Chabas' Interpretation dieser vermeintlichen, nunmehr obsoleten Belege. Germer, Handbuch, 149-150 gibt keinen Identifikationsvorschlag.

Sauneron, Ophiologie, 152-153, Anm. 8 deutet den Namen der im § 22 des Brooklyner Schlangenpapyrus genannten tjꜥm-Schlange als "Die von Asien", erklärt als Verkürzung aus tj-n.t-ꜥꜣm. Als Parallele führt er die tj-n.t-ꜥꜣmw, die "Asiatenkrankheit" der medizinischen Texte auf, eine Bezeichnung, die auf dieselbe Weise gebildet wäre. Außerdem ist in § 18 eine kꜣ-n-ꜥm-Schlange genannt, also ein weiterer Schlangenname, der mit ꜥm gebildet ist. Dies erhärtet den Verdacht, dass bei der tjꜥm-Schlange eine Zusammensetzung mit einem Wort ꜥm vorliegen könnte. Auffällig ist jedoch, dass das ꜥm im Namen der Schlange nicht mit dem Wurfholz geschrieben ist, wie es für das Wort ꜥꜣm: "Asiat" üblich ist. Immerhin ist diese vor dem Schlangendeterminativ noch mit dem Ersatzstrich für den Gefangenen determniert, was Sauneron als Argument für seine Interpretation wertet. Sollte man diesen Schlangennamen mit dem homographen Pflanzennamen in einen Zusammenhang bringen können? Falls ja, gäbe es zwei Möglichkeiten der Erklärung: (1) Es handelt sich in beiden Fällen um eine parallele Bildung; man hätte einmal eine Schlange "Die von Asien", und einmal eine Pflanze "Die von Asien" (eine solche Benennung würde zugegebenermaßen der Identifikation der Pflanze nur minimal weiterhelfen). Immerhin ist die Pflanze auch in der Schreibung tjꜥꜣm belegt, was, als tj(-n.t)-ꜥꜣm aufgelöst, dem Konsonantenbestand von ꜥꜣm: "Asiat" sogar noch näher kommt. Andererseits ist auch die Pflanze nicht mit dem Wurfholz, noch mit dem Ersatzstrich oder anderen signifikanten Klassifikatoren geschrieben, die eine solche Überlegung stützen könnten. (2) Die zweite Möglichkeit wäre, dass das eine nach dem anderen benannt ist: die Pflanze nach der Schlange oder die Schlange nach der Pflanze (etwa, weil sie sich einen Lebensraum teilen oder aufgrund anderer Tertia comparationes). Hierfür ließe sich als denkbare Parallele die qꜣd.t-Pflanze anführen, für die Westendorf, in FS Winter, 265-267 einen Zusammenhang mit der fast homographen qꜣdj-Schlange vermutet (Westendorf denkt in diesem Falle konkret an eine äußere Ähnlichkeit).

L.P.

Unterägyptisches Salz
Definition:

Die genaue Konnotation der ägyptischen Bezeichnung ist schwer zu fassen.Das Substantiv ḥmꜣ.t allein wird üblicherweise mit dem ϩⲙⲟⲩ des Koptischen verbunden und als das ägyptische Wort für "Salz" aufgefasst. Zu einer gelegentlichen, älteren Annahme, dass damit spezifischer "Meersalz" gemeint sei, vgl. die Diskussion bei Harris, Minerals, 189. Harris schließt diese Möglichkeit nicht aus; ihm zufolge sei aber der größere Teil des ägyptischen Saltze aus Binnenseen und "other similar deposits" gekommen. Die Identifizierung von ḥmꜣ.t wird jüngst wieder von Aufrère, L'univers minéral, 636-637 problematisiert. Aufrère merkt an, dass die Ägypter wohl nicht scharf zwischen Salz (d.h. Natriumchlorid) und Natron (einem Dekahydrat von Natriumkarbonat) unterschieden hätten, wie sich u.a. sehr gut an der Bezeichnung sḫ.t-ḥmꜣ.t: "Salzfeld" für das Wadi en-Natrun zeigt.

Ist also schon die Identifizierung von ḥmꜣ.t allein nicht so sicher, wie die gängigen Wörterbücher suggerieren, ist es gänzlich unsicher, welche Aussage die Qualifizierung von ḥmꜣ.t durch mḥ.t: "(von) Unterägypten/(vom) Norden" beinhaltet. Lefebvre, Médecine Égyptienne, passim belässt es bei einer wörtlichen Übersetzung "sel du Nord" und ebenso DrogWb, 343 und Westendorf, Handbuch Medizin, 550 bei "unterägyptischem Salz". Breasted, Surgical Papyrus, 383 dachte an Natriumchlorid aus der Wüste westlich des Deltas. Bardinet, Papyrus médicaux, 253 vermutet dagegen hinter der Verbindung eine Bezeichnung für "sel marin", was natürlich nur unter der Voraussetzung funktioniert, dass nicht ḥmꜣ.t allein schon das Meersalz bezeichnet. Es sollte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Attribuierung durch das dualistische Prinzip des ägyptischen Weltbildes motiviert ist und auf die Kulttopographie anspielt. Bei Opferhandlungen werden gelegentlich Opfergaben "aus Unterägypten" neben solchen "aus Oberägypten" genannt. Im Falle der medizinischen Texte könnte evtl. Eb 51 angeführt werden, wo neben ḥmꜣ.t-mḥ.t: "unterägyptischem Salz" jt-šmꜥ: "oberägyptische Gerste" genannt ist (zu dieser Gerste s. den Kommentar in Eb 51).

L.P.

Vierzeilige Gerste
Definition:

Die gängige Übersetzung des Ägyptischen ist "oberägyptische Gerste". Für die Möglichkeit, dass es eigentlich die "schmale", d.h. die vierzeilige Gerste ist, vgl. R. Müller-Wollermann, Die sogenannte ober- und unterägyptische Gerste, in: VA 3, 1987, 39-41. Pommerening, Wege zur Identifikation altägyptischer Drogennamen - eine kritische Betrachtung (im Druck), steht dieser Deutung, zumindest in medizinischen Kontexten, kritisch gegenüber, weil die Nebeneinanderstellung von "oberägyptischen" und "unterägyptischen" Produkten dem Dualitätsprinzip der Alten Ägypter entspricht.

L.P.

weißes Holz
Definition:

Im Ägyptischen steht einfach ḫt ḥḏ: „weißes/helles Holz“. Die Schreibungen im pEbers und im pHearst lassen keine Entscheidung zu, ob eine spezifische Pflanzenbezeichnung vorliegt (etwa *„Weißholz“), oder ob schlicht "helles Holz" gemeint ist. Im DrogWb gibt es keinen eigenen Eintrag, und nicht einmal eine Bemerkung unter dem allgemeinen Lemma ḫt. Bardinet, Papyrus médicaux, 296 übersetzt es kommentarlos mit „sycomore“, setzt aber immerhin noch die wörtliche Übersetzung daneben. Wie er zu dieser Bedeutung kommt, ist unklar. Weder Germer, Arzneimittelpflanzen, noch Germer, Handbuch oder Charpentier, Recueil führen eine entsprechende Pflanze auf. In ptolemäischen Texten ist allerdings ebenfalls ḫt ḥḏ erwähnt (s. Wilson, Ptol. Lexikon, 753) und wird als Styraxlieferant neben ḫt km: „schwarzem Holz“ und ḫt dšr: „rotem Holz“ genannt. Es ist eine „Wiederholung wie das Getrocknete des ḏꜣr.t-Baumes“, d.h. vom Johannisbrotbaum, es wird fest, wenn es zerbrochen wird, ist weich wie der Charakter (?; jwn: „Farbe, Wesen, Charakter“) von Gold, riecht wie tj-šps (der Kampferbaum, vgl. Lüchtrath, in: GM 101, 1988, 43-48); und wenn es auf seine Seite gelegt wird „mit seinem Einschnitt (?)“, ist es wie die Flügelfarbe des sft-Vogels. Vgl. zu diesem Text Chr. Leitz, in: Rickert/Ventker, Altägyptische Enzyklöpädien, Bd. 1, 508-509.

L.P.

wrm.yt
Definition:

Ebbell, Alt-ägyptische Krankheiten, 14 vermutet "Schlacken, Schorfe, Abfallstoffe". Im MedWb wird diese Deutung aufgenommen, aber daneben vermutet, dass die Krankheit nach Windungen (wrm.w) bezeichnet sein könnte und ein Knäuel von Eingeweidewürmern bezeichnet.

L.P.

wꜣm
Definition:
unbekannte Früchte. Weiterlesen...

Die wꜣm-Droge wird oft innerlich gegen Würmer eingesetzt. Aufgrund der Determinierung vermutet Germer, Arzneimittelpflanzen, 262 eher eine Frucht- als eine (allgemeinere) Pflanzenbezeichnung. Aus dem Grab QH 92 stammt ein Gefäß mit der Aufschrift wꜣm (s. schon Germer); ein zweites mit einer solchen Aufschrift, vermutlich aus demselben Grab, befindet sich heute im BM und trägt die Nummer EA 21869, s. Edel, QH I, 1266 und 1267, Fig. 24. Eine Identifizierung der Pflanze ist nicht möglich.

L.P.

ꜥ.t
Definition:
Ein Körperteil. Weiterlesen...

Ꜥ.t ist die allgemeinste Bezeichnung für einen Teil des Körpers. Sowohl (Teile von) Arm und Bein können als Ꜥ.t bezeichnet werden, als auch allgemein alle möglichen Teile des Körpers, vgl. MedWb, 121 und Walker, Anatom. Term., 19-26. Einzelstücke von Opfertieren sind Ꜥ.wt; die Chaosschlange Apophis hat Ꜥ.wt und auch der Kopf (dp) kann wenigstens ein Ꜥ.t besitzen. Das deutsche Wort "Körperglied" eignet sich daher nicht als Übersetzung, weil dieses eigentlich einen durch Gelenke mit dem Körper verbundenen Teil des Körpers bezeichnet, also den Torso und seine Teile nicht berücksichtigt. Ebenso wenig geeignet ist das englische "limb", das beim menschlichen Körper nur Arme und Beine benennt; das Wort "member" bezeichnet zwar theoretisch jeden Teil des Körpers, wird aber oft auch mit den "limbs" assoziiert, zudem ist es veraltet. Beide passen daher nicht als Entsprechung.

L.P.

ꜥbḫn
Definition:

Schon von Brugsch, Wb V, 209 mit dem sonst nur in Denderah belegten ꜥbnḫ-Tier verbunden. Bei Letzterem handelt es sich aufgrund des Kontextes um einen Froschlurch: Die Bezeichnung ist Darstellungen von froschköpfigen Gottheiten (einmal dem froschköpfig dargestellten Amun, einmal einem froschgesichtigen Affen) beigeschrieben. Die Identifizierung des ꜥbnḫ-Tieres als Froschlurch ist damit gesichert; unklar ist, ob es ein allgemeiner Terminus ist, eine spezifische Froschart, oder ob es den Frosch in einem spezifischen Lebensstadium bezeichnet – so wie es ein eigenes Wort für die „Kaulquappe“, ḥfn, gibt. Als weitere Bezeichnungen für Froschlurche gibt es neben ꜥbḫn noch wḥm-ꜥnḫ („der das Leben wiederholt“ – Anspielung auf die Regenerationsfähigkeit des Frosches), qrr (ein Onomatopoetikum), p(ꜣ)gg.t oder pngg.t (vielleicht ebenfalls onomatopoetisch von einer Wurzel gꜣgꜣ oder ng(g), Cauville, in: RdE 38, 1987, 184; oder „la petite accroupie“ von pꜣg: „kauern“, Mathieu, in: BIFAO 104, 2004, 381, Nr. 10 und 382, Nr. 12); und auch ḥq.t könnte onomatopoetisch sein (Littmann, in: ZÄS 67, 1931, 66), wobei unsicher ist, ob Letzteres, der Name einer Froschgöttin, tatsächlich auch eine Bezeichnung des Tieres ist (als Möglichkeit in Betracht gezogen auch von Kákosy, LÄ II, 1977, Sp. 1123, s.v. „Heqet“). Aufgrund der nur geringen Beleglage lässt sich über das Verhältnis dieser Bezeichnungen zueinander nichts aussagen. Wenn Waitkus, Krypten, 70 und 128 die beiden Belege für ꜥbnḫ der Krypten von Denderah mit „Kröte“ übersetzt, hat dies daher keine Relevanz für eine zoologische Bestimmung des ꜥbḫn-Tieres.

L.P.

ꜥfꜣ
Definition:
Möglicherweise ein Lattichgewächs? Weiterlesen ...

Wb 1, 182 führt die Pflanzennamen ꜥf, ꜥf.t und ꜥfꜣj als drei separate Lemmata auf, fügt ihnen aber Querverweise aufeinander bei. Allerdings vermutet schon Keimer, Gartenpflanzen I, 126, dass die Wörter „wohl identisch seien“. Auch Aufrère, in: BIFAO 86, 1986, 2-6 hält alle Schreibungen für Varianten derselben Pflanze. Nach dem Brooklyner Schlangenpapyrus, pBrooklyn 47.218.48+85, 5,23 kann die damit wohl identische ꜥfj-Pflanze mit dem „Kopf“ der jṯr.w-Pflanze (evtl. die Kapernart Capparis decidua? Vgl. Germer, Handbuch, 37-38) verglichen werden (Sauneron, Ophiologie, 120) und Zeile 6,3 desselben Textes erwähnt „Wasser/Saft“ (mw) dieser Pflanze (Sauneron, Ophiologie, 126).

Zur Bedeutung:
Stern, in Ebers, Papyros Ebers, 2. Bd., 8 vermutet im ꜥfꜣ der medizinischen Texte eine heilige (weil im Tempel von Philae genannt), essbare Pflanze. In seiner Besprechung der Lattichart Lactuca sativa L., dem Garten- bzw. Kopfsalat, führt Loret, Flore, 69 (Nr. 113) dessen koptischen Namen „Pi-ôb“ an (d.h. ⲱⲃ mit maskulinem Artikel); als dessen hieroglyphisch-ägyptischen Vorläufer erwägt er ꜥbw und ꜥfꜣ und tendiert zu Letzterem. Diese Interpretation wird von Keimer, Gartenpflanzen I, 126 abgelehnt; auch Erman/Grapow verbinden in Wb 1, 176.10-12 das koptische Wort eher mit ꜥbw (sicher, weil Letzteres als Opfergabe für Min und den ithyphallischen Amun genannt ist und deren Verbindung mit dem Lattich auch bildlich belegt ist). Dawson, in JEA 20, 1934, 41 schließt den Lattich ebenfalls aus, weil der Gebrauch von ꜥfꜣj gegen eine Identifikation mit Lattich spreche und nicht zuletzt dessen „Egyptian name (...) well known“ sei; sicher denkt er dabei an ꜥbw. Stattdessen denkt er an Honigklee, Melilotus officinalis L., dessen Verwendung nach Dioskurides und Plinius mit derjenigen von ꜥfꜣj vergleichbar sei. Germer, Handbuch, 40 widerspricht wiederum Dawson, weil Honigklee in Ägypten nicht heimisch sei; sie scheint aber auch Lorets Deutung abzulehnen. Auch Aufrère, in: BIFAO 86, 1986, 2-6 zweifelt die Bedeutung „Honigklee“ an, weil keine der Anwendungen von ꜥfꜣj signifikant für Honigklee sei. Vielmehr deuteten die Anwendungsgebiete auf ein „composant ordinaire“ hin, und er vermutet, dass die Pflanze einen narkotisierenden Gummisaft enthalte, „qui est souvent une caractéristique des composées auxquelles appartient la laitue“. Anders als Germer lehnt er sich wieder an Loret an und erwägt eine Verbindung mit dem koptischen ⲱϥ/ⲱⲃ, dem Gartensalat. Dabei akzeptiert er die Gleichung ꜥbw = ⲱϥ/ⲱⲃ; er hält es aber für möglich, dass ꜥfꜣj aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit mit ꜥbw dieselbe oder eine verwandte Pflanze sein könnte, vielleicht eine Wildform. Dazu vergleicht er den Gebrauch von ꜥfꜣj gegen die nsj.t-Krankheit in den Augen in Eb 751 mit dem Gebrauch von ⲱⲃ ⲛⲥⲓϣⲉ, „bitterem Lattich“ (vielleicht Lactuca amara oder Lactuca virosa) in einem Mittel gegen Verdunklung von Augen, und schlägt vor, dass ꜥfꜣj Lactuca virosa, der Wilde oder Giftlattich, sein könnte.

L.P.

ꜥnḏ.jjt
Definition:
ein Gefäßtyp. Weiterlesen...

Eine Parallele für die Verwendung dieses Gefäßes findet sich im pEbers 93, 13-16 (DZA 21.889.730). Die Textstelle zeugt jedoch eher davon, dass es sich um ein Gefäß aus einem festen, wasserundurchlässigen Material handelt: "Du sollst veranlassen, dass ein neues Andjet-Gefäß und ein neuer Chentu-Krug die Nacht im Tau verbringen, indem sie mit Wasser gefüllt sind." Die hier verwendete Form entspricht also einer Variante, die aus Stoff gefertigt ist, während andere Gefäßvarianten desselben Typus auch aus anderen Materialien hergestellt werden können.

L.P.