science in ancient egypt

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Glossary

(copy 1)

Gänsefett
Fett eines nicht genau identifizierbaren Vogels, vielleicht der Gans. Weiterlesen...

Die hier gewählte Übersetzung gibt die beiden ägyptischen Drogennamen mrḥ.t + Vogel sowie ꜥḏ + Vogel wieder. Mrḥ.t und ꜥḏ können beide Fett und Öl bezeichen, und beide Drogen, Vogel-mrḥ.t und Vogel-ꜥḏ, werden ähnlich verwendet und können auch füreinander eintreten, vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 120, 268-269 und 606-607. Die genaue Lesung des Vogels ist allerdings unsicher. In den medizinischen Texten kommt Vogel-ꜥḏ nur in dieser abgekürzten Schreibung vor. Außerhalb der medizinischen Texte gibt es auch noch ꜥḏ-Fett von der -Gans (pHarris I, 15a,8 und 63c,15) sowie von der sr(j)-Gans (pAnastasi IV, 15,10 und oGardiner 25, Zl. 6). Auf den Anastasi-Beleg verweist auch J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 26, Kommentar zu Kolumne C,8, wo er mit Verweis auf Gardiner vorschlägt, den abgekürzt geschriebenen Beleg im pRamesseum IV ebenfalls ꜥḏ-sr zu lesen. Vogel-mrḥ.t gibt es in den medizinischen Texten auch noch von njw: „Strauß“, von z.t: „Spießente“, dem gn.w-Vogel und der ṯrp-Gans (s. DrogWb, 259). Insgesamt sieht jedoch DrogWb, 607 keinen Grund, dass die abgekürzte Schreibung für eine dieser spezifischeren Drogennamen steht, und spricht sich auf S. 606 dafür aus, den Vogel schlicht als Abkürzung für das generische Wort ꜣpd: „Vogel“ zu lesen, hauptsächlich deswegen, weil die koptische Medizin die Drogenbezeichnung ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ < *ꜥḏ n ꜣpd kennt. (NB: Darauf verweist bereits L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1–63, hier, 11, der trotzdem als Lesung ꜥḏ s.t vorschlägt, die einzige Kollokation, die bislang nicht belegt ist. Für Vogel-mrḥ.t schlägt er ebd., 24, die Lesungen mrḥ.t s.t oder mrḥ.t rʾ vor; G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten, in: Abhandlungen der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 25 (2-3), 1889, 133–336, hier, 205 (und passim) entscheidet sich für mrḥ.t s.t.)

Neben der Lesung wäre auch die Bedeutung zu klären. Die gängige Eingrenzung auf Gänsefett (H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890); B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937); G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956); H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958); T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995); W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999)) dürfte jedenfalls in erster Linie reine Konvention sein und geht vielleicht auf Georg Ebers selbst zurück, der in Ebers, Kapitel über die Augenkrankheiten, 205 (und passim) mit „Gänseschmalz“ übersetzt (obwohl gerade für die Vogelart s.t, die er als Lesung ansetzt, bereits zu seiner Zeit auch eine Identifikation als Ente diskutiert wurde, s. hier [letzter Zugriff: 26.01.2017]). Wenn man den Vogel ꜣpd liest, sollte dann unspezifisches Vogelfett gemeint sein, d.h. Fett eines beliebigen Vogels? Oder ist doch das Fett eines spezifischeren Vogels gemeint? Ursprünglich scheint das Wort ꜣpd wohl eine Ente bezeichnet zu haben (R.O. Faulkner, ꜣpd = „duck“, in: Journal of Egyptian Archaeology 38, 1952, 128) und wurde (ob als prototypischer Vogel schlechthin?) durch Bedeutungserweiterung zum Terminus für "Vogel". Ökonomisch betrachtet scheinen jedoch in Ägypten eher Gänse als prototypische Vögel gegolten zu haben. Zumindest sind Vogelnamen und -bezeichnungen hieroglyphisch eher mit der Gans als der Ente klassifiziert worden (s. Gardiner Sign-list, G 38 und G 39). Das ins Mittlere Reich zu datierende Ramesseumsonomastikon beginnt außerdem die Sektion zu den Vogelnamen mit Gänsenamen, konkret mit der -Gans. Im Demotischen und Koptischen konnte das Wort ꜣpd: „Vogel“ schließlich über eine Bedeutungseinengung konkret auch die Gans bezeichnen, W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 29, W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch (Heidelberg 2008), 289. Das koptische ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ kann also konkret „Gänsefett“ sein; und unter Berücksichtigung des Ramesseumsonomastikons könnte man vielleicht für die medizinischen Texte des Neuen Reiches ähnliches annehmen, zumal unter den Fetten, als deren Herkunft spezifischere Vögel genannt werden (s. oben), Fette von Gänsearten dominieren. Auch Bardinet und Westendorf übersetzen mit Gänsefett, wobei sie sich nicht dazu äußern, ob aus ähnlichen Gründen wie den hier geschriebenen oder aus anderen.

Das heißt, die Droge ist zwar als „Vogelfett“ zu lesen, aber es ist vielleicht „Gänsefett“ als das „Vogelfett“ par excellence gemeint.

 L.P.

gngn.t
Eine unbekannte Pflanze. Weiterlesen...

Eine unbekannte Pflanze. B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 133 schlägt eine Identifizierung als „Senna“ vor. G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 1302 vergleicht mit koptisch ϭⲓⲛϭⲓⲛ, das vielleicht die Rauke bezeichnet. Diesem Vorschlag folgt W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 509. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 148 zweifelt dagegen einen Zusammenhang mit der koptischen Pflanze an, weil (1) die Blätter von gngn.t, im Gegensatz zu denen von ϭⲓⲛϭⲓⲛ, nicht in offizineller Anwendung belegt sind, und weil (2) in manchen Rezepten „Mehl“ von gngn.t verwendet würde, was nicht zur Rauke passen würde. Gegen Ersteres ist einzuwenden, dass sich die Verwendung der Pflanze zum Koptischen hin geändert haben könnte. Zweites ist sicher ein wichtiges Argument; und selbst wenn man „Früchte“ statt „Mehl“ liest – die beiden Wörter sind im Ägyptischen homograph, was in manchen Kontexten die Übersetzung erschwert – widerspricht das ebenfalls einer Deutung als Rauke, weil Raukengewächse keine „Früchte“ besitzen. Bardinet, Papyrus médicaux gibt die Pflanze mit „fève-gengenet“ wieder; seine Spezifizierung als Bohnengewächs basiert sicher darauf, dass die Pflanze in Eb 28 mit der „kretischen Langbohne“ verglichen wird.

L.P.

ḥm.w

ḥm.w: Das Wb kennt vier verschiedene Lemmata:

  1. Wb 3, 81.20-21, ḥm.w: „in offizineller Verwendung“; mit dem Pflanzenklassifikator oder dem Korn N33 geschrieben;
  2. Wb 3, 82.1, ḥm.w: „Art Getreide“, mit dem Kornmaß mit Körnern (Gardiner Sign-List U 9) geschrieben. Beide Lemmata können auch mit doppeltem Schilfblatt geschrieben werden. Außerdem wird noch
  3. ein feminines ḥmw.t (Wb 3, 81.22, „in offizineller Verwendung“) und
  4. ein ebenfalls feminines ḥmy.t (Wb 3, 82.4) gelistet.

Auf den ersten Wb-Zetteln beider femininen Wörter wird auf das jeweils andere verwiesen. Bei Nr. (4) wird im Wb eine Lesung als ḥmꜣ.t: „Salz“ erwogen. In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 349 ist Nr. (1) noch einmal aufgespalten in ein eigenes Lemma für 81.20 und eines für 81.21 (als Bestandteil von kꜣkꜣ). Nr. (2), das in medizinischen Texten nicht verwendet wird, ist im DrogWb nicht extra genannt. Nr. (3) ist auf S. 350 als eigener Eintrag gelistet; Nr. (4) ist auf S. 345 als Schreibvariante von ḥmꜣj.t genannt, weil es in derselben Verbindung erscheint (vgl. S. 347). Das ḥmꜣj.t identifiziert V. Loret, Pour transformer un vieillard en jeune homme (Pap. Smith, XXI,9-XXII,10), in: Anonymous (Hrsg.), Mélanges Maspero I: Orient ancien, MIFAO 66 (Le Caire 1938), 853-877, hier, 866-876 mit dem Bockshornklee, weil die Gewinnung der Körner derjenigen von Graupen entspricht, die Pflanze allem Anschein nach bitter ist, man aus den Körnern ein Öl erhält und auch heute Öl aus Bockshornsamen offizinell verwendet wird; und weil die äußere Anwendung von ḥmꜣj.t im pSmith derjenigen entspricht, die in griechischen und arabischen Papyri mit diesem Öl verbunden wird. A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. I (Oxford 1947), 21 widerspricht dem, weil laut L. Keimer, Sur quelques petits fruits en faïence émaillée datant du Moyen Empire, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 28, 1929, 49-97, hier 84 Bockshornklee ein später Import nach Ägypten sei, und Gardiner vermutet mit Verweis auf eine Stele Ramses’ II. in ḥmꜣj.t „the name of a fruit“. W. Helck, Materialien zur Wirtschaftsgeschichte des Neuen Reiches (Teil V). III. Eigentum und Besitz an verschiedenen Dingen des täglichen Lebens. Kapitel AI - AL: Einzelbetrachtungen von Lebensmitteln und Materialien, Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz): Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse 1964.4 (Mainz, Wiesbaden 1965), 194 (802) schließt sich Lorets Deutung von ḥmꜣj.t als Bockshornklee an und vermutet ferner in (hier:) Nr. (2) dasselbe Wort. J.J. Janssen, Commodity Prices from the Ramessid Period. An Economic Study of the Village of Necropolis Workmen at Thebes (Leiden 1975), 357-358 bespricht kurz Nr. (2), wofür er auf Lorets Identifizierung und Gardiners Zweifel hinweist, obwohl zumindest in Lorets Besprechung das Wb-Lemma Nr. (2) keine Rolle spielt. Über die Möglichkeit, dass es sich dabei um ein Getreide handelt, kommt er aber nicht hinaus. Zur Identifizierung von ḥm.w als Bestandteil von kꜣkꜣ trägt diese Diskussion allerdings nichts bei. Auf den DZA-Zetteln ist für ḥm.w in der Verbindung mit kꜣkꜣ die Bedeutung „Blätter“ angegeben.

L.P.

ḫꜣs.yt

W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 45 vermutet aufgrund der Verwendungsweise und der Erwähnung von Ranken in dieser Pflanze die Zaunrübe (Bryonia). Diese Identifizierung wird von R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 291-292 abgelehnt, weil die genannten Anwendungsgebiete von ḫꜣs.yt zu allgemein sind, um es mit Bryonia zu vergleichen bzw. sich gerade die zu erwartenden Bestandteile bzw. Wirkungen von Bryonia kaum bis gar nicht in den Verwendungsbereichen von ḫꜣs.yt widerspiegeln. Dementsprechend lässt auch W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 550 die Übersetzung offen. T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 253 bleibt bei „bryone“, versieht es aber mit einem Fragezeichen.

L.P.

Johannisbrot

Ägyptisch ḏꜣr.t. V. Loret, Recherches sur plusieurs plantes connues des anciens Égyptiens (suite), in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 15, 1893, 105-130, hier 124-130 (mit Besprechung älterer Vorschläge) versteht hierunter das Fruchtfleisch des Johannisbrotbaums, das getrocknet in den Rezepten als Süßstoff diente. In ptolemäischer Zeit sei die Bedeutung auf den ganzen Baum ausgedehnt worden und lebt im koptischen ϫⲓⲓⲣⲓ weiter, das Lorets Argumentationsbasis bildet. W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 41-44 schließt Lorets Meinung aus, weil der Johannisbrotbaum medizinisch nutzlos sei und ḏꜣr.t nicht in Nahrungsmittellisten auftauche. Die Verwendung seines „Inneren“ und seines „Saftes“ spräche für eine fleischige Pflanze; die Klassifizierung mit dem Korn (Gardiner Sign-list N33) sei ein Indikator für kugelige Früchte. Dies, die Hinweise auf eine adstringierende Wirkung und den bitteren Geschmack, und schließlich Ähnlichkeiten in der Anwendung von ḏꜣr.t und der Koloquinte bei Ibn el-Beithar lässt ihn eher an die Koloquinte denken. Seine Deutung ist lang akzeptiert gewesen. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 350-360 zweifelt dagegen Dawsons Deutung an, v.a. weil es angesichts der abführenden Wirkung der Koloquinte merkwürdig sei, nur viermal ḏꜣr.t in Abführmitteln zu finden. Sie enthält sich einer Identifizierung. S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle I-III, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 83, 1983, 1-31, hier 28-31 weist Dawsons Argument der Determinierung zu Recht als wenig aussagekräftig zurück (Gardiner Sign-list N33 dürfte tatsächlich eher als Klassifikator für [ROHSTOFF] angesehen werden als einer für [RUND]). Außerdem, so Aufrère, sei der Johannisbrotbaum zwar nicht in Ägypten heimisch, aber sein Holz sei seit der 12. Dynastie verwendet und der Baum damit importiert worden. Schließlich sei angesichts der starken Wirkung der Koloquinte die Häufigkeit und v.a. die Quantität, in der ḏꜣr.t in den Rezepten vorkommt, auffällig. Er schließt sich daher wieder Loret an und deutet ḏꜣr.t als Johannisbrot. Es ist jedoch zumindest anzumerken, dass in den medizinischen Texten auch die pr.t: „Frucht“ der ḏꜣr.t genannt wird, so dass anzunehmen ist, dass das Wort auch schon vor der ptolemäischen Zeit den ganzen Baum bezeichnen kann, sofern mit pr.t nicht die in den Schoten befindlichen Samen gemeint sind.

L.P.

Knoblauchzehe

Die vaginale Darreichungsform von ṯꜣ n.j ḥḏ.w (vgl. Papyrus Carlsberg VIII [Clb IV,1,x+4-x+6]) deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Droge allem Anschein nach um die Zehe einer Knoblauchzwiebel handelt. Das altägyptische ṯꜣ ist im medizinischen Sinne auch als Klümpchen und in der Verbindung mit dem Wort ḥḏ.w als Maßangabe für diese Pflanze anzutreffen, vielleicht: Knolle oder Zehe. Wb 5, 342.1 schreibt: „von den kleinen Zwiebeln des Knoblauch“. Belegstelle in pKahun 28 3,17-19: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 97, 20-21: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 70, 8-9. Das Pflanzen-Determinativ M2 statt N33 („Kügelchen“) weist ebenfalls darauf hin, dass es sich um die Mengenangabe eines pflanzlichen Produktes handelt. Die Knoblauchzehe eignet sich ihrer Form nach gut zur vaginalen oder rektalen Applikation, vgl. etwa mit einem Zäpfchen. Knoblauchzehen als Vaginalzäpfchen kommen auch in der modernen naturheilkundlichen Gynäkologie zum Einsatz. 

Das altägyptische ḥḏ.w meint wortwörtlich eine helle (Gemüse)pflanze und kommt in den medizinischen Anweisungen sehr häufig zur Anwendung (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 244). Während V. Loret die Pflanze als Zwiebel (Allium cepa) identifiziert, gibt das Wörterbuch die zusätzliche Übersetzung als Knoblauch (Allium sativum) an. Zur Bedeutung und Verwendung der Zwiebel im Alten Ägypten siehe: R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 192. Zur Bedeutung und Verwendung von Knoblauch siehe: Germer, ebd., 195. Der medizinisch verwendete Teil der Pflanze – die Knoblauchwiebel – besteht auch 6-10 Zehen, die von einer weißen Hülle umschlossen sind. Dabei könnte eben diese weiße Hülle namengebend für die Pflanze sein. Der Körper einer Zwiebel ist von einer rot-bräunlichen Zwiebelschale umgeben, und weist rötlich-weißes Zwiebelfleisch auf. Laut Keimer wird daran eindeutig die Verbindung zwischen ḥḏ (weiß) und ḥḏ.w (Zwiebel) ersichtlich (L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Bd. 2, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 13 (Mainz 1984), 56). Die Verbindung zwischen weißer Farbe und Pflanzenname lässt sich bei beiden Lauchformen anbringen und kann deshalb nicht als Identifizierungsmerkmal herangezogen werden. Keimer weist darüber hinaus darauf hin, dass die ägyptische Schreibung für Knoblauch ḫṯn lautet und sich bis ins Koptische ϣϫⲏⲛ tradiert hat (Keimer, ebd., 60-61).

A.H.

Konyza (?)

Ägyptisch jnnk.

V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 68 erwähnt mit Verweis auf A. Bsciai, Peut-on trouver encore des mots nouveaux dans la langue Copte? Lettre a M. Revillout, in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 7, 1885, 15-31, hier 25 den koptischen Pflanzennamen ⲉⲛⲅ, Var. ⲉⲛⲟⲩⲕ, der nach koptischen Versionen von Jesaja 55,13 [sic; Bsciais Angabe Jesaja 15,13 ist inkorrekt, vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 56] dem griechischen Pflanzennamen κόνυζα entspricht, welche wiederum „par les botanistes“ mit Erigeron identifiziert worden sei (Loret, ebd., 67). Dieses koptische Wort entspricht Loret, ebd., 68 zufolge dem jnnk der medizinischen Texte, und beide bezeichnen ihm zufolge Erigeron aegyptiacus als einzige Erigeron-Art, die in Ägypten heimisch sei. Daneben verweist er auf eine weitere mögliche koptische Bezeichnung ⲛⲟⲩⲛⲕ, die nach den Scalae, Msc. par. XLIV, 338 einem arabischen „Sa’bar“ entspreche (d.h. eigentlich ṣaʿabar, صعبر, vgl. G. Jéquier, Matériaux pour servir à l’établissement d’un dictionnaire d’archéologie égyptienne, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 19, 1-271, hier 140); und da diese Pflanzenbezeichnung unbekannt sei, korrigiert Loret sie zu „Sa’atar“ (d.h. ṣaʿatar, صعتر; wobei H. Munier, La Scala copte 44 de la Bibliothèque nationale de Paris. Transcription et vocabulaire. Tome 1. Transcription, Bibliothèque d’études coptes 2 (Paris 1930), 168, Zeile 33 und A.F. Khouzam, La langue Égyptienne au moyen âge. Le manuscrit Copte 44 de Paris de la Bibliothèque Nationale de France. Vol. IIa. Folios 47v-86v. Répertoires et Annexes (Paris 2006), 146, Zeile 25 bereits diese Form wiedergeben, so dass unklar ist, ob Loret und Jéquier sich verlesen haben oder Munier und Khouzam eine schon korrigierte Version abdrucken; variante Formen sind ferner سعتر und زعتر, s. H. Wehr – J.M. Cowan, A Dictionary of Modern Written Arabic, 3rd edition (New York 1976), 377 und 514).

Jéquier, ebd., 139-140 spricht beide Identifizierungsvorschläge kurz an und spricht sich eher für eine Gleichsetzung mit dem Thymian aus, weil die Eigenschaften von jnnk gegen Konyza sprechen würden. Sowohl Loret als auch Jéquier scheinen implizit davon auszugehen, dass es sich bei ⲉⲛⲅ und ⲛⲟⲩⲛⲕ um zwei verschiedene Pflanzen handelt, was sich in späteren koptischen Wörterbüchern allerdings nicht widerspiegelt.

Dawson vermutet in jnnk eher Mentha aquatica (J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956),17).

R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 238-241 steht allen bisherigen Identifizierungsversuchen skeptisch gegenüber. Immerhin führt sie einen Hinweis von Helck an, demzufolge jnnk im pRamessum E, Fragment a (s. A.H. Gardiner, A Unique Funerary Liturgy, in: Journal of Egyptian Archaeology 41, 1955, 9-17, hier Taf. VI) als Räuchermittel im Bestattungsritual verwendet würde, wozu manche Anwendungen in medizinischen Texten passen würden. Allerdings ist der Beleg höchst unsicher: Weder wird das dort stehende jnn[---] nach dem Kotext zu schließen als Räuchermittel eingesetzt, noch ist überhaupt eine Verbindung des dortigen Wortes mit der jnnk-Pflanze sicher.

S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle. VIII-XVII. Remarques au sujet des végétaux interdits dans le temple d’Isis à Philae, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 86, 1986, 1-32, hier 24-26 vergleicht mit demotisch jng und, wie schon Loret, koptisch ⲉⲛⲅ. In Bln 78 wird ein Rezept mit jnnk als Mittel gegen einen Skorpionstich empfohlen, was s.E. eher für Konyza als für Thymian spricht, weil Letzteres nie als Mittel gegen tierische Gifte eingesetzt wird, Ersteres durchaus. Er spricht sich erneut für Konyza aus, ohne dies jedoch auf eine bestimmte Art einschränken zu wollen.

L.P.

Kreuzkümmel
Cuminum Cyminum L. Weiterlesen...

Cuminum Cyminum L. Seit L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 49 als Vorläufer des koptischen ⲧⲁⲡⲉⲛ, ⲧⲁⲡⲛ erkannt. Dessen Bedeutung „Kreuzkümmel“ wurde über Belegstellen im Alten und Neuen Testament und über arabische Erklärungen als „weißer Kümmel“ erschlossen (vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 423). Die Indikationen von tpnn in den Rezepten korrespondieren gut mit der pharmazeutischen Wirkung von Kreuzkümmel (R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 154).

L.P.

mt-Gefäß
Übergreifender Begriff für Hohlgefäße sowie Muskel- und Sehnenstränge.

Ist ein wichtiger Begriff der ägyptischen Anatomie, der sowohl Hohlgefäße (Blutgefäße, Lymphgefäße) als auch Stränge (Muskeln, Sehnen) bezeichnet (MedWb I, 400-408). Es gibt keinen entsprechenden Begriff im Deutschen ("Gefäßstrang"?).

Schirmakazie
Ägyptisch ksb.t. Weiterlesen...

Das ägyptische Wort ist ksb.t. Zum diesem Baum im Allgemeinen vgl. den Identifizierungsvorschlag bei Baum, Arbres et arbustes, 154-162: Die Pflanze scheint in ganz Ägypten von Nubien bis etwa zum 30. Grad nördlicher Breite belegt zu sein; sie wächst im Niltal, aber auch in den Wadis, was auf ein natürliches Vorkommen schließen lässt. Im Alten Reich erscheint sie einmal, in einer Darstellung im Grab des Anchmahor, bei der Herstellung einer Statue, wobei die Interpretation dieser Darstellung nicht unumstritten ist: Abgebildet sind zwei Maler, die mit Spachtel bzw. Pinsel an je einer Statue arbeiten. Diese sind überschrieben mit twt n ksb.t, "Statue von ksb.t", bzw. twt n špnn, "Statue von špnn" (Kanawati/Hassan, Teti Cemetery II, Tf. 7a und 40). Drenkhahn, Handwerker, 58-59 lehnt die ältere Deutung, im jeweils zweiten Bestandteil der Beischrift eine Materialangabe zu verstehen, ab, weil bei derartigen Darstellungen nie der Werkstoff der Statuen genannt würde (Anm. 20). Sie vermutet darin eher Pflanzen, aus denen Farben, Farbgrundstoffe oder aber eine Grundierung gewonnen worden sein könne. Bei špnn denkt sie explizit an die homographen Mohnkörner; und tatsächlich ist bislang keine Holzbezeichnung špnn belegt. Gegen Drenkhahns Erwägungen können jedoch zwei Argumente vorgebracht werden:

(1) Die Parallelität der beiden Pflanzenbezeichnungen ist nur bedingt von Nutzen. Denn auch wenn es bislang keinen weiteren Beleg für einen špnn-Baum gibt, basiert doch die Identifizierung der Pflanze mit dem - scil. holzlosen - Schlafmohn einzig auf ihrer Verwendung in einem Mittel gegen Kindergeschrei und ist laut Germer, Handbuch, 132 "reine Spekulation". Welche Pflanze genau mit špnn gemeint sei, ist also überhaupt nicht sicher. St. Grunert, in: GM 183, 2001, 7-8 vermutet bezüglich der Darstellung bei Anchmahor sogar, dass gar nicht twt n špnn zu lesen sei, sondern twt n š pn nn: "Gleich/Äquivalent zu dieser (Stein-)Arbeit dort". In dem Fall gäbe es gar keinen Parallelismus in der Formulierung.

(2) Es fragt sich, welche Art Genitiv nach Drenkhahn in der Darstellung des Anchmahor vorliegen sollte. In Genitivkonstruktionen im Allgemeinen und bei twt-Statuen im Besonderen bezeichnet nämlich das Nomen rectum, wenn es eine Stoffangabe ist, in der Regel tatsächlich das Material, aus dem das Nomen regens ist. Das heißt, eine twt-Statue "von" ksb.t ist eine twt-Statue *aus* ksb.t.

Wenn damit also tatsächlich das Material zur Statuenherstellung gemeint sei, muss man davon ausgehen, dass die Pflanze eine gewisse Größe und Festigkeit aufweist. Dies und auch die Schreibung lässt Baum, Arbres et arbustes, ebd. annehmen, dass ksb.t konkret eben ein Baum ist. Die Frucht trägt denselben Namen wie der Baum. Es ist aber unbekannt, ob sie ein normales Nahrungsmittel ist; in Opferlisten ist sie jedenfalls nie genannt. Eine Verwendung von Bestandteilen, wie Ölen etc., ist nicht bekannt. Der ksb.t-Baum ist ein paar Mal mit dem Gott Min verbunden. Auf der späten Stele Lyon E 328 ist Min im Schatten eines Baumes dargestellt, bei dem es sich bei aller Stilisierung um einen ksb.t-Baum handeln könnte. In späten Texten wird der ksb.t oft zusammen mit tropischen Baumarten genannt.

Aufgrund aller dieser Anhaltspunkte vermutet Baum in ksb.t Acacia tortilis (Forssk.) Hayne mit den Unterarten raddiana und tortilis.

Germer, Handbuch, 145 folgt der Deutung des Pflanzennamens als Baumart (so auch schon in Germer, Arzneimittelpflanzen, 336-337), steht aber der konkreten Identifizierung mit Acacia tortilis (Forssk.) Hayne skeptisch gegenüber, weil die ẖr-Teile des ksb.t-Baumes, was auch immer das für Teile sind, in mehreren Wurmmitteln Anwendung finden, wohingegen von der Akazie "keine (...) medizinische Nutzung als Wurmmittel belegt" sei. Das zweimal genannte jmj n ksb.t: "Inneres des ksb.t-Baumes" hält Gerner, ebd. außerdem für ein Ausflussprodukt, analog zum jmj n šwꜣb, das sie (Handbuch, 130) als "Milchsaft der Persea" versteht. Harzgewinnung sei jedoch für die Akazie ebenfalls nicht belegt. In den Pflanzen im Grab des Anchmahor vermutet Germer, Arzneimittelpflanzen, 336-337 konkret die Ausgangspflanzen für ein Imprägnierungsmittel aus einem gerbstoffhaltigen Auszug. Da Gerbstoffe oft anthelminthische Substanzen enthalten, sieht sie hierin eine Verbindung zu der Darstellung im Grab des Anchmahor und zur Verwendung von ksb.t in Wurmmitteln. Einen Vorschlag, mit welchem Baum sie ksb.t stattdessen identifizieren will, wenn sie die Schirmakazie ablehnt, unterbreitet Germer aber nicht.

L.P.

tḥwꜣ
Eventuell die Erbse? Weiterlesen...

In den Miscellanies neben ꜥršn: „Linsen“ als Inhalt von Lagerhäusern genannt. W.R. Dawson, in: JEA 21, 1935, 38-39 schreibt, dass die Pflanze „usually“ als „lentil“ identifiziert worden sei, was aber angesichts der parallelen Nennung von tḥwꜣ und ꜥršn in den Miscellanies eben nicht möglich sei. Daher müsse tḥwꜣ eine andere, ähnliche Pflanze bezeichnen und Dawson denkt an Erbsen.

Die Meinung, dass tḥwꜣ eine linsenähnliche Pflanze gewesen sei, scheint einzig von der von Dawson abgelehnten Identifizierung mit der „Linse“ beeinflusst zu sein; jedenfalls liefert Dawson dafür keine Begründung (K.R. Weeks, in: JARCE 16, 1979, 186 nimmt an, dass Dawson u.a. mit der Form des Klassifikators, dem runden Zeichen Gardiner Sign-list N 33, argumentiert hätte – dieser Klassifikator spielt zwar tatsächlich bei Dawsons Diskussion um die Bedeutung von ḏꜣr.t eine Rolle, JEA 20, 1934, 41-44, nicht aber bei seiner Diskussion zu tḥwꜣ). Germer, Flora, 86 zweifelt Dawsons Interpretation wegen fehlender Belege an. Auch K.R. Weeks, in: JARCE 16, 1979, 186-187 zweifelt Dawsons Deutung an: tḥwꜣ sei nur einmal, eben in den Miscellanies, neben ꜥršn genannt, was als Beleg nicht ausreicht, eine Ähnlichkeit der Pflanzenarten anzunehmen. In medizinischen Kontexten sei tḥwꜣ oft genannt worden, aber nicht als Verdickungsmittel, wie dies von Erbsen in „modern folk medical treatments“ bekannt sei; in antiken und mittelalterlichen medizinischen Texten sei die Erbse gar nicht genannt, was implizieren würde, dass sie nach häufiger Verwendung in Ägypten zunächst komplett aus der Apotheke verschwunden wäre. Als Alternative weist Weeks auf die gelegentliche Austauschbarkeit von tḥwꜣ mit ḥḏ.w in medizinischen Texten hin, was darin zu begründen sei, dass beide Drogen ähnliche Substanzen beinhalten oder ähnliche Eigenschaften besäßen. Da er ḥḏ.w mit der Communis opinio als Zwiebeln interpretiert (s. dort), vermutet er in tḥwꜣ „Knoblauch“.

L.P.

tjꜥm
Eine nur in medizinischen ... Weiterlesen...

Eine nur aus medizinischen Texten bekannte Pflanze. Stern, in: Ebers, Papyros Ebers, Vol. 2, schlägt mit Verweis auf Chabas, in: Mélanges égyptologiques III.2, 100 einen Zusammenhang mit der tjmw-Pflanze vor, die in pAnastasi IV, 8,2 vorkommt. Diese ist jedoch von Gardiner, LEM, 42a, Anm. 16a zum jmꜣ-Baum emendiert worden und fällt damit als zusätzlicher Beleg weg. Die anderen von Chabas genannten Belege für die ṯꜥm-Pflanze sind ebenfalls zu streichen, da das Wort, auf das er referiert, dgm zu lesen ist, vgl. Chabas' Verweis auf Le Page Renouf, in: ZÄS 5, 1867, 33. Sterns Vorschlag, in tjꜥm einen Nussbaum zu sehen, beruht einzig auf Chabas' Interpretation dieser vermeintlichen, nunmehr obsoleten Belege. Germer, Handbuch, 149-150 gibt keinen Identifikationsvorschlag.

Sauneron, Ophiologie, 152-153, Anm. 8 deutet den Namen der im § 22 des Brooklyner Schlangenpapyrus genannten tjꜥm-Schlange als "Die von Asien", erklärt als Verkürzung aus tj-n.t-ꜥꜣm. Als Parallele führt er die tj-n.t-ꜥꜣmw, die "Asiatenkrankheit" der medizinischen Texte auf, eine Bezeichnung, die auf dieselbe Weise gebildet wäre. Außerdem ist in § 18 eine kꜣ-n-ꜥm-Schlange genannt, also ein weiterer Schlangenname, der mit ꜥm gebildet ist. Dies erhärtet den Verdacht, dass bei der tjꜥm-Schlange eine Zusammensetzung mit einem Wort ꜥm vorliegen könnte. Auffällig ist jedoch, dass das ꜥm im Namen der Schlange nicht mit dem Wurfholz geschrieben ist, wie es für das Wort ꜥꜣm: "Asiat" üblich ist. Immerhin ist diese vor dem Schlangendeterminativ noch mit dem Ersatzstrich für den Gefangenen determniert, was Sauneron als Argument für seine Interpretation wertet. Sollte man diesen Schlangennamen mit dem homographen Pflanzennamen in einen Zusammenhang bringen können? Falls ja, gäbe es zwei Möglichkeiten der Erklärung: (1) Es handelt sich in beiden Fällen um eine parallele Bildung; man hätte einmal eine Schlange "Die von Asien", und einmal eine Pflanze "Die von Asien" (eine solche Benennung würde zugegebenermaßen der Identifikation der Pflanze nur minimal weiterhelfen). Immerhin ist die Pflanze auch in der Schreibung tjꜥꜣm belegt, was, als tj(-n.t)-ꜥꜣm aufgelöst, dem Konsonantenbestand von ꜥꜣm: "Asiat" sogar noch näher kommt. Andererseits ist auch die Pflanze nicht mit dem Wurfholz, noch mit dem Ersatzstrich oder anderen signifikanten Klassifikatoren geschrieben, die eine solche Überlegung stützen könnten. (2) Die zweite Möglichkeit wäre, dass das eine nach dem anderen benannt ist: die Pflanze nach der Schlange oder die Schlange nach der Pflanze (etwa, weil sie sich einen Lebensraum teilen oder aufgrund anderer Tertia comparationes). Hierfür ließe sich als denkbare Parallele die qꜣd.t-Pflanze anführen, für die Westendorf, in FS Winter, 265-267 einen Zusammenhang mit der fast homographen qꜣdj-Schlange vermutet (Westendorf denkt in diesem Falle konkret an eine äußere Ähnlichkeit).

L.P.

unterägyptisches Salz

Die genaue Konnotation der ägyptischen Bezeichnung ist schwer zu fassen.Das Substantiv ḥmꜣ.t allein wird üblicherweise mit dem ϩⲙⲟⲩ des Koptischen verbunden und als das ägyptische Wort für "Salz" aufgefasst. Zu einer gelegentlichen, älteren Annahme, dass damit spezifischer "Meersalz" gemeint sei, vgl. die Diskussion bei Harris, Minerals, 189. Harris schließt diese Möglichkeit nicht aus; ihm zufolge sei aber der größere Teil des ägyptischen Saltze aus Binnenseen und "other similar deposits" gekommen. Die Identifizierung von ḥmꜣ.t wird jüngst wieder von Aufrère, L'univers minéral, 636-637 problematisiert. Aufrère merkt an, dass die Ägypter wohl nicht scharf zwischen Salz (d.h. Natriumchlorid) und Natron (einem Dekahydrat von Natriumkarbonat) unterschieden hätten, wie sich u.a. sehr gut an der Bezeichnung sḫ.t-ḥmꜣ.t: "Salzfeld" für das Wadi en-Natrun zeigt.

Ist also schon die Identifizierung von ḥmꜣ.t allein nicht so sicher, wie die gängigen Wörterbücher suggerieren, ist es gänzlich unsicher, welche Aussage die Qualifizierung von ḥmꜣ.t durch mḥ.t: "(von) Unterägypten/(vom) Norden" beinhaltet. Lefebvre, Médecine Égyptienne, passim belässt es bei einer wörtlichen Übersetzung "sel du Nord" und ebenso DrogWb, 343 und Westendorf, Handbuch Medizin, 550 bei "unterägyptischem Salz". Breasted, Surgical Papyrus, 383 dachte an Natriumchlorid aus der Wüste westlich des Deltas. Bardinet, Papyrus médicaux, 253 vermutet dagegen hinter der Verbindung eine Bezeichnung für "sel marin", was natürlich nur unter der Voraussetzung funktioniert, dass nicht ḥmꜣ.t allein schon das Meersalz bezeichnet. Es sollte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Attribuierung durch das dualistische Prinzip des ägyptischen Weltbildes motiviert ist und auf die Kulttopographie anspielt. Bei Opferhandlungen werden gelegentlich Opfergaben "aus Unterägypten" neben solchen "aus Oberägypten" genannt. Im Falle der medizinischen Texte könnte evtl. Eb 51 angeführt werden, wo neben ḥmꜣ.t-mḥ.t: "unterägyptischem Salz" jt-šmꜥ: "oberägyptische Gerste" genannt ist (zu dieser Gerste s. den Kommentar in Eb 51).

L.P.

wrm.yt

Ebbell, Alt-ägyptische Krankheiten, 14 vermutet "Schlacken, Schorfe, Abfallstoffe". Im MedWb wird diese Deutung aufgenommen, aber daneben vermutet, dass die Krankheit nach Windungen (wrm.w) bezeichnet sein könnte und ein Knäuel von Eingeweidewürmern bezeichnet.

L.P.