science in ancient egypt

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Glossary

(copy 1)

Gänsefett
Fett eines nicht genau identifizierbaren Vogels, vielleicht der Gans. Weiterlesen...

Die hier gewählte Übersetzung gibt die beiden ägyptischen Drogennamen mrḥ.t + Vogel sowie ꜥḏ + Vogel wieder. Diese beiden Drogen mrḥ.t wie auch ꜥḏ, die beide Öl und/oder Fett bezeichnen können, kommen in den medizinischen Texten in Kombination mit einem logographisch geschriebenen Vogel vor (Gardiner Sign-list G38, die Blässgans, in älteren Texten, G41, die landende Spießente, in jüngeren Texten). Letzterer ist in der Regel ohne weitere Zusätze geschrieben, in Eb 5, Bln 155 und Bln 158 mit zusätzlicher Pluralmarkierung, gelegentlich mit Ideogramm- oder Füllstrich. Beide Drogen, Vogel-mrḥ.t und Vogel-ꜥḏ, werden ähnlich verwendet und können auch füreinander eintreten, vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 120, 268-269 und 606-607. Die genaue Lesung des logographischen Vogels ist allerdings unsicher.
In den medizinischen Texten kommt Vogel-ꜥḏ nur in dieser abgekürzten Schreibung vor. Außerhalb der medizinischen Texte gibt es auch noch ꜥḏ-Fett von der -Gans (pHarris I, 15a,8 und 63c,15) sowie von der sr(j)-Gans (pAnastasi IV, 15,10 und oGardiner 25, Zl. 6). Den Anastasi-Beleg nennt auch J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956), 26, Kommentar zu Kolumne C,8, wo er mit Verweis auf Gardiner vorschlägt, den mit dem logographischen Vogel geschriebenen Beleg im pRamesseum IV ebenfalls ꜥḏ sr zu lesen.
Vogel-mrḥ.t gibt es in den medizinischen Texten auch noch von njw: „Strauß“, von s.t: „Spießente“, dem gn.w: „Pirol“ und der ṯrp-Gans (s. DrogWb, 259). Insgesamt sieht jedoch DrogWb, 607 keinen Grund, dass die logographische Schreibung eine Abkürzung für eine dieser spezifischeren Drogennamen ist, und spricht sich auf S. 606 dafür aus, den Vogel vielmehr als Abkürzung für das generische Wort ꜣpd: „Vogel“ zu interpretieren – hauptsächlich deswegen, weil die koptische Medizin die Drogenbezeichnung ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ < ꜥḏ n ꜣpd kennt. (NB: Darauf verweist bereits L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 11, der trotzdem als Lesung ꜥḏ s.t vorschlägt, die einzige Kollokation, die bislang nicht belegt ist. Für Vogel-mrḥ.t schlägt er ebd., 24, die Lesungen mrḥ.t s.t oder mrḥ.t rʾ vor; G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 205 (und passim) entscheidet sich für mrḥ.t s.t.) Für den Vorschlag vom DrogWb spricht wohl auch der Wechsel der Schreibung (G38 > G41) vom Mittel- zum Neuhieratischen, die dem normalen Formenwechsel des generischen Vogelklassifikators entspricht (s. A.H. Gardiner, The Transcription of New Kingdom Hieratic, in: Journal of Egyptian Archaeology 15, 1929, 48-55, hier 52) und zeigen könnte, dass das Zeichen tatsächlich eine Abkürzung für das generische Wort für „Vogel“ ist.
Neben der Lesung ist auch die Bedeutung zu klären. Die gängige Eingrenzung auf Gänsefett (H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde (Berlin 1890); B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937); G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956); H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Übersetzung der medizinischen Texte, Grundriß der Medizin der alten Ägypter IV.1 (Berlin 1958); T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995); W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999)) dürfte jedenfalls in erster Linie reine Konvention sein und geht vielleicht auf Georg Ebers selbst zurück, der in G. Ebers, Papyrus Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten. I. Die Gewichte und Hohlmaasse des Papyrus Ebers; II. Das Kapitel über die Augenkrankheiten im Papyrus Ebers. T. LV,2 - LXIV,13. Umschrift, Übersetzung und Commentar, Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 11 (Leipzig 1889), 205 (und passim) mit „Gänseschmalz“ übersetzt (obwohl gerade für die Vogelart s.t, die er als Lesung ansetzt, bereits zu seiner Zeit auch eine Identifikation als Ente diskutiert wurde, s. hier [letzter Zugriff: 26.01.2017]). Wenn man den logographischen Vogel ꜣpd liest, sollte dann unspezifisches Vogelfett gemeint sein, d.h. Fett eines beliebigen Vogels? Oder ist doch das Fett eines spezifischeren Vogels gemeint? Ursprünglich scheint das Wort ꜣpd wohl eine Ente bezeichnet zu haben (R.O. Faulkner, ꜣpd = „duck“, in: Journal of Egyptian Archaeology 38, 1952, 128, hier 128) und wurde (ob als prototypischer Vogel schlechthin?) durch Bedeutungserweiterung zum Terminus für „Vogel“. Ökonomisch betrachtet scheinen jedoch in Ägypten eher Gänse als prototypische Vögel gegolten zu haben. Zumindest scheint eher die Gans als die Ente der generische Klassifikator für Vögel zu sein (s. Gardiner Sign-list G38 und G39). Das ins Mittlere Reich zu datierende Ramesseumsonomastikon beginnt außerdem die Sektion zu den Vögeln mit Gänsenamen, konkret mit der -Gans (A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. III (Oxford 1947), Taf. 1A). Im Demotischen und Koptischen konnte das Wort ꜣpd: „Vogel“ schließlich über eine Bedeutungseinengung konkret auch die Gans bezeichnen, W. Erichsen, Demotisches Glossar (Kopenhagen 1954), 29, W. Westendorf, Koptisches Handwörterbuch, 2. Auflage (Heidelberg 2008), 289. Das koptische ⲱⲧ ⲛ̄ ⲱⲃⲧ̄ kann also konkret „Gänsefett“ sein; und unter Berücksichtigung des Ramesseumsonomastikons könnte man vielleicht für die medizinischen Texte des Neuen Reiches ähnliches annehmen, zumal unter den Fetten, als deren Herkunft spezifischere Vögel genannt werden (s. oben), Fette von Gänsearten dominieren. Das heißt, die Droge ist zwar als „Vogelfett“ zu lesen, aber es ist vielleicht „Gänsefett“ als das „Vogelfett“ par excellence gemeint.

Von Bedeutung für die Identifikation dieser Droge könnte das Rezept Eb 209 sein. Dort hatte der Schreiber den Vogel zunächst logographisch mit der Gans und einem Logogrammstrich geschrieben worden. Später sind die Phonogramme z und t in Rot nachgetragen worden. Damit liegt in Eb 209 eine von nur zwei Stellen vor, in denen mrḥ.t der Spießente genannt wird (die andere ist Eb 368), und nur eine von drei Stellen, in denen überhaupt dieser Vogel genannt wird (Eb 684 nennt noch einen sḫt-Teil der Spießente). Angesichts der Tatsache, dass die phonetische Schreibung in Eb 209 eine spätere Korrektur darstellt, fragt sich, ob diese Stelle zur Identifizierung desjenigen Fettlieferanten beiträgt, der allein mit dem logographischen Vogel geschrieben wurde. Die Korrektur in Eb 209 ließe sich auf drei verschiedene Weisen interpretieren:

  1. Der logographisch geschriebene Vogel ist tatsächlich unspezifisch als Gattungsbezeichnung zu verstehen; es kann in diesen Fällen Fett eines beliebigen Vogels genommen werden, auch der Spießente. So hält es schon DrogWb, 419 für denkbar, dass „wenigstens in einem Teil der Stellen“, wo der Vogel nur logographisch geschrieben ist, wirklich „mrḥ.t s.t zu lesen sein könnte“. In Eb 209 und 368 erschien es dem Schreiber dann allerdings notwendig, andere Vogelfette auszuschließen und spezifisch Spießentenfett zu verschreiben, die Auswahl also einzuschränken. Dazu hat er in Eb 209 die Phonogramme nachgetragen und in Eb 368 den Vogelnamen von Anfang an phonetisch geschrieben.
  2. Der logographisch geschriebene Vogel meint dezidiert nicht die Spießente, sondern einen anderen, noch zu spezifizierenden Vogel. Das Spießentenfett von Eb 368 ist demnach klar etwas anderes als das Fett des logographisch geschriebenen Vogels, und Eb 209 ist als Korrektur einer Drogenbezeichnung in eine andere Drogenbezeichnung zu werten.
  3. Das Gegenteil von Interpretation (2): Der sonst nur logographisch geschriebene Vogel ist immer s.t zu lesen, und aus irgendeinem unbekannten Grund fühlte sich der Korrektor ausgerechnet in Eb 209 veranlasst, die logographische Schreibung zu glossieren. Ein zweites Mal wäre ihm dann eine Pleneschreibung in Eb 368 aus der Feder geflossen. Diese Möglichkeit (3) soll nur der Vollständigkeit halber genannt werden und ist zugegebenermaßen die unwahrscheinlichste.

Eine letzte Sache betrifft die genaue Lesung des Hieratischen in Eb 209. Mit Wreszinski und DrogWb wurde der Vogel s.t transkribiert. Die hieratische Zeichenform ließe jedoch auch ein r anstelle eines t für möglich erscheinen. Dann läge bei diesen Stellen eigentlich eine Schreibung der sr-Gans vor; das zuvor Diskutierte wäre entsprechend auf den sr-Vogel zu übertragen.

 L.P.

gngn.t
Eine unbekannte Pflanze. Weiterlesen...

Eine unbekannte Pflanze. B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), 133 schlägt eine Identifizierung als „Senna“ vor. V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 101, vermutete hierin eine Bezeichung für unreife Trauben und deren Saft und verglich mit koptisch ϣⲏⲗϣⲏⲓⲗⲓ. Dies hat bereits L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Ägyptologische Studien (Hamburg, Berlin 1924), 159 abglehnt. Auch R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 341 und H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 539 lehnen Ebbells und Lorets Vorschläge ab.
É. Chassinat, Un papyrus médical copte, Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale 32 (Le Caire 1921), 285 bringt gngn.t im Kommentar zum koptischen ϭⲓⲛϭⲓⲛ ins Gespräch (das vielleicht dem griechischen εὔζωμον, d.h. der Rauke, entspricht, W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 824); er ist sich aber unsicher, ob es tatsächlich dieselbe Pflanze ist. Dennoch ist diese Verbindung weitgehend akzeptiert, etwa von G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), Nr. 1302 oder W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 509. R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 148 zweifelt dagegen einen Zusammenhang mit dem koptischen ϭⲓⲛϭⲓⲛ an, weil (1) die Blätter von gngn.t, im Gegensatz zu denen von ϭⲓⲛϭⲓⲛ, nicht in offizineller Anwendung belegt sind, und weil (2) in manchen Rezepten „Mehl“ von gngn.t verwendet würde, was nicht zur Rauke passen würde. Gegen ihr Argument (1) ist einzuwenden, dass sich die Verwendung der Pflanze zum Koptischen hin geändert haben könnte. Das zweite Argument ist dagegen sehr aussagekräftig; und selbst wenn man in diesen Rezepten „Früchte“ statt „Mehl“ liest – die beiden Wörter sind im Ägyptischen homograph, was in manchen Kontexten die Übersetzung erschwert – widerspricht das ebenfalls einer Deutung als Rauke, weil Raukengewächse keine „Früchte“ besitzen.
Bereits Chassinat, a.a.O. erwähnt das Rezept Eb 28, wo gngn.t mit der „kretischen Langbohne“ (jwr.yt Kft.jw) verglichen wird (NB: dass er von der phönizischen Langbohne spricht, liegt an einer veralteten, auf dem ptolemäerzeitlichen mehrsprachigen Kanoposdekret basierenden Gleichsetzung von Kft.jw mit Phönizien). Darauf basierend, schließt er, dass diese Pflanze zumindest traubenartig oder ein voluminöseres Korn sein müsse; Lorets Vorschlag hält er aber aufgrund der Nennung von „Mehl“ von gngn.t nicht für haltbar. Der kurze Vergleich von Eb 28 ist dann auch der Grund, weswegen T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), passim von der „fève-gengenet“ und B. Lalanne – G. Métra, Le texte médical du Papyrus Ebers. Transcription hiéroglyphique, translittération, traduction, glossaire et index, Langues et cultures anciennes 28 (Bruxelles 2017), 259 und passim von der „(fève-)gengenet“ bzw. der „(haricot-)gengenet“ sprechen.

L.P.

ḥm.w

ḥm.w: Das Wb kennt vier verschiedene Lemmata:

  1. Wb 3, 81.20-21, ḥm.w: „in offizineller Verwendung“; mit dem Pflanzenklassifikator oder dem Korn N33 geschrieben;
  2. Wb 3, 82.1, ḥm.w: „Art Getreide“, mit dem Kornmaß mit Körnern (Gardiner, Sign-List U9) geschrieben. Beide Lemmata können auch mit doppeltem Schilfblatt geschrieben werden. Außerdem wird noch
  3. ein feminines ḥmw.t (Wb 3, 81.22, „in offizineller Verwendung“) und
  4. ein ebenfalls feminines ḥmy.t (Wb 3, 82.4) gelistet.

Auf den ersten Wb-Zetteln beider femininen Wörter wird auf das jeweils andere verwiesen. Bei Nr. (4) wird im Wb eine Lesung als ḥmꜣ.t: „Salz“ erwogen. In H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 349 ist Nr. (1) noch einmal aufgespalten in ein eigenes Lemma für 81.20 und eines für 81.21 (als Bestandteil von kꜣkꜣ). Nr. (2), das in medizinischen Texten nicht verwendet wird, ist im DrogWb nicht extra genannt. Nr. (3) ist auf S. 350 als eigener Eintrag gelistet; Nr. (4) ist auf S. 345 als Schreibvariante von ḥmꜣj.t genannt, weil es in derselben Verbindung erscheint (vgl. S. 347). Das ḥmꜣj.t identifiziert V. Loret, Pour transformer un vieillard en jeune homme (Pap. Smith, XXI,9-XXII,10), in: Anonymous (Hrsg.), Mélanges Maspero I: Orient ancien, MIFAO 66 (Le Caire 1938), 853-877, hier, 866-876 mit dem Bockshornklee, weil die Gewinnung der Körner derjenigen von Graupen entspricht, die Pflanze allem Anschein nach bitter ist, man aus den Körnern ein Öl erhält und auch heute Öl aus Bockshornsamen offizinell verwendet wird; und weil die äußere Anwendung von ḥmꜣj.t im pSmith derjenigen entspricht, die in griechischen und arabischen Papyri mit diesem Öl verbunden wird. A.H. Gardiner, Ancient Egyptian Onomastica. Vol. I (Oxford 1947), 21 widerspricht dem, weil laut L. Keimer, Sur quelques petits fruits en faïence émaillée datant du Moyen Empire, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 28, 1929, 49-97, hier 84 Bockshornklee ein später Import nach Ägypten sei, und Gardiner vermutet mit Verweis auf eine Stele Ramses’ II. in ḥmꜣj.t „the name of a fruit“. W. Helck, Materialien zur Wirtschaftsgeschichte des Neuen Reiches (Teil V). III. Eigentum und Besitz an verschiedenen Dingen des täglichen Lebens. Kapitel AI - AL: Einzelbetrachtungen von Lebensmitteln und Materialien, Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz): Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse 1964.4 (Mainz, Wiesbaden 1965), 194 (802) schließt sich Lorets Deutung von ḥmꜣj.t als Bockshornklee an und vermutet ferner in (hier:) Nr. (2) dasselbe Wort. J.J. Janssen, Commodity Prices from the Ramessid Period. An Economic Study of the Village of Necropolis Workmen at Thebes (Leiden 1975), 357-358 bespricht kurz Nr. (2), wofür er auf Lorets Identifizierung und Gardiners Zweifel hinweist, obwohl zumindest in Lorets Besprechung das Wb-Lemma Nr. (2) keine Rolle spielt. Über die Möglichkeit, dass es sich dabei um ein Getreide handelt, kommt er aber nicht hinaus. Zur Identifizierung von ḥm.w als Bestandteil von kꜣkꜣ trägt diese Diskussion allerdings nichts bei. Auf den DZA-Zetteln ist für ḥm.w in der Verbindung mit kꜣkꜣ die Bedeutung „Blätter“ angegeben.

L.P.

ḫꜣs.yt

W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 45 vermutet aufgrund der Verwendungsweise und der Erwähnung von Ranken in dieser Pflanze die Zaunrübe (Bryonia). Diese Identifizierung wird von R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 291-292 abgelehnt, weil die genannten Anwendungsgebiete von ḫꜣs.yt zu allgemein sind, um es mit Bryonia zu vergleichen bzw. sich gerade die zu erwartenden Bestandteile bzw. Wirkungen von Bryonia kaum bis gar nicht in den Verwendungsbereichen von ḫꜣs.yt widerspiegeln. Dementsprechend lässt auch W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 550 die Übersetzung offen. T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 253 bleibt bei „bryone“, versieht es aber mit einem Fragezeichen.

L.P.

Johannisbrot

Ägyptisch ḏꜣr.t. V. Loret, Recherches sur plusieurs plantes connues des anciens Égyptiens (suite), in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 15, 1893, 105-130, hier 124-130 (mit Besprechung älterer Vorschläge) versteht hierunter das Fruchtfleisch des Johannisbrotbaums, das getrocknet in den Rezepten als Süßstoff diente. In ptolemäischer Zeit sei die Bedeutung auf den ganzen Baum ausgedehnt worden und lebt im koptischen ϫⲓⲓⲣⲓ weiter, das Lorets Argumentationsbasis bildet. W.R. Dawson, Studies in Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 41-44 schließt Lorets Meinung aus, weil der Johannisbrotbaum medizinisch nutzlos sei und ḏꜣr.t nicht in Nahrungsmittellisten auftauche. Die Verwendung seines „Inneren“ und seines „Saftes“ spräche für eine fleischige Pflanze; die Klassifizierung mit dem Korn (Gardiner, Sign-list N33) sei ein Indikator für kugelige Früchte. Dies, die Hinweise auf eine adstringierende Wirkung und den bitteren Geschmack, und schließlich Ähnlichkeiten in der Anwendung von ḏꜣr.t und der Koloquinte bei Ibn el-Beithar lässt ihn eher an die Koloquinte denken. Seine Deutung ist lang akzeptiert gewesen. R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 350-360 zweifelt dagegen Dawsons Deutung an, v.a. weil es angesichts der abführenden Wirkung der Koloquinte merkwürdig sei, nur viermal ḏꜣr.t in Abführmitteln zu finden. Sie enthält sich einer Identifizierung. S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle I-III, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 83, 1983, 1-31, hier 28-31 weist Dawsons Argument der Determinierung zu Recht als wenig aussagekräftig zurück (Gardiner Sign-list N33 dürfte tatsächlich eher als Klassifikator für [ROHSTOFF] angesehen werden als einer für [RUND]). Außerdem, so Aufrère, sei der Johannisbrotbaum zwar nicht in Ägypten heimisch, aber sein Holz sei seit der 12. Dynastie verwendet und der Baum damit importiert worden. Schließlich sei angesichts der starken Wirkung der Koloquinte die Häufigkeit und v.a. die Quantität, in der ḏꜣr.t in den Rezepten vorkommt, auffällig. Er schließt sich daher wieder Loret an und deutet ḏꜣr.t als Johannisbrot. Es ist jedoch zumindest anzumerken, dass in den medizinischen Texten auch die pr.t: „Frucht“ der ḏꜣr.t genannt wird, so dass anzunehmen ist, dass das Wort auch schon vor der ptolemäischen Zeit den ganzen Baum bezeichnen kann, sofern mit pr.t nicht die in den Schoten befindlichen Samen gemeint sind.

Im Demotischen ist der Pflanzenname dann gelegentlich zu ṯꜣj-jr.t: „which takes/affects the eyes“ uminterpretiert worden, vgl. M. Smith, Papyrus Harkness (MMA 31.9.7) (Oxford 2005), 98, n.(d) (Hinweis Amber Jacob); und in den von Amber Jacob im Rahmen ihrer Dissertation bearbeiteten medizinischen Papyri in Kopenhagen findet sich eine Droge jr.t, die vielleicht nur eine abgekürzte Version davon darstellt (vgl. auch den Vorbericht A. Jacob, Demotic Pharmacology. An Overview of the Demotic Medical Manuscripts in the Papyrus Carlsberg Collection, in: N. Reggiani – F. Bertonazzi (Hrsg.), Parlare la medicina: fra lingue e culture, nello spazio e nel tempo. Atti del convegno internazionale, Università di Parma, 5-7 settembre 2016, Studi sul mondo antico 7 (Firenze, Milano 2018), 52-79, hier 72-73). Ein sehr früher Fall einer solchen Umdeutung und Abkürzung liegt vielleicht schon in dem Rezept H 125 vor, wo eine Droge jrtj vorkommt, während im Parallelrezept Eb 563 ḏꜣr.t (und bnr wꜣḏ) steht, vgl. H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 51. Was allerdings die Möglichkeit, dass der Drogenname ḏꜣr.t so umgedeutet worden sein kann, für seine Aussprache und damit für den seit Loret postulierten Zusammenhang mit dem koptischen ϫⲓⲉⲓⲣⲉ/ϫⲓⲓⲣⲓ, ergo: eines der Hauptargumente für die Übersetzung als Johannisbrot, bedeutet, bliebe weiter zu untersuchen.

L.P.

Knoblauchzehe

Die vaginale Darreichungsform von ṯꜣ n.j ḥḏ.w (vgl. Papyrus Carlsberg VIII [Clb IV,1,x+4-x+6]) deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Droge allem Anschein nach um die Zehe einer Knoblauchzwiebel handelt. Das altägyptische ṯꜣ ist im medizinischen Sinne auch als Klümpchen und in der Verbindung mit dem Wort ḥḏ.w als Maßangabe für diese Pflanze anzutreffen, vielleicht: Knolle oder Zehe. Wb 5, 342.1 schreibt: „von den kleinen Zwiebeln des Knoblauch“. Belegstelle in pKahun 28 3,17-19: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 97, 20-21: ṯꜣ n.j ḥḏ.w; pEbers Kol. 70, 8-9. Das Pflanzen-Determinativ M2 statt N33 („Kügelchen“) weist ebenfalls darauf hin, dass es sich um die Mengenangabe eines pflanzlichen Produktes handelt. Die Knoblauchzehe eignet sich ihrer Form nach gut zur vaginalen oder rektalen Applikation, vgl. etwa mit einem Zäpfchen. Knoblauchzehen als Vaginalzäpfchen kommen auch in der modernen naturheilkundlichen Gynäkologie zum Einsatz.

Das altägyptische ḥḏ.w meint wortwörtlich eine helle (Gemüse)pflanze und kommt in den medizinischen Anweisungen sehr häufig zur Anwendung (T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 244). Während V. Loret die Pflanze als Zwiebel (Allium cepa) identifiziert, gibt das Wörterbuch die zusätzliche Übersetzung als Knoblauch (Allium sativum) an. Zur Bedeutung und Verwendung der Zwiebel im Alten Ägypten siehe: R. Germer, Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 192. Zur Bedeutung und Verwendung von Knoblauch siehe: Germer, ebd., 195. Der medizinisch verwendete Teil der Pflanze – die Knoblauchwiebel – besteht auch 6-10 Zehen, die von einer weißen Hülle umschlossen sind. Dabei könnte eben diese weiße Hülle namengebend für die Pflanze sein. Der Körper einer Zwiebel ist von einer rot-bräunlichen Zwiebelschale umgeben, und weist rötlich-weißes Zwiebelfleisch auf. Laut Keimer wird daran eindeutig die Verbindung zwischen ḥḏ (weiß) und ḥḏ.w (Zwiebel) ersichtlich (L. Keimer, Die Gartenpflanzen im alten Ägypten. Bd. 2, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 13 (Mainz 1984), 56). Die Verbindung zwischen weißer Farbe und Pflanzenname lässt sich bei beiden Lauchformen anbringen und kann deshalb nicht als Identifizierungsmerkmal herangezogen werden. Keimer weist darüber hinaus darauf hin, dass die ägyptische Schreibung für Knoblauch ḫṯn lautet und sich bis ins Koptische ϣϫⲏⲛ tradiert hat (Keimer, ebd., 60-61).

A.H.

Konyza (?)

Ägyptisch jnnk.

V. Loret, La flore pharaonique d’après les documents hiéroglyphiques et les spécimens découverts dans les tombes, 2., erweiterte Auflage (Paris 1892), 68 erwähnt mit Verweis auf A. Bsciai, Peut-on trouver encore des mots nouveaux dans la langue Copte? Lettre a M. Revillout, in: Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l’archéologie égyptiennes et assyriennes 7, 1885, 15-31, hier 25 den koptischen Pflanzennamen ⲉⲛⲅ, Var. ⲉⲛⲟⲩⲕ, der nach koptischen Versionen von Jesaja 55,13 [sic; Bsciais Angabe Jesaja 15,13 ist inkorrekt, vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 56] dem griechischen Pflanzennamen κόνυζα entspricht, welche wiederum „par les botanistes“ mit Erigeron identifiziert worden sei (Loret, ebd., 67). Dieses koptische Wort entspricht Loret, ebd., 68 zufolge dem jnnk der medizinischen Texte, und beide bezeichnen ihm zufolge Erigeron aegyptiacus als einzige Erigeron-Art, die in Ägypten heimisch sei. Daneben verweist er auf eine weitere mögliche koptische Bezeichnung ⲛⲟⲩⲛⲕ, die nach den Scalae, Msc. par. XLIV, 338 einem arabischen „Sa’bar“ entspreche (d.h. eigentlich ṣaʿabar, صعبر, vgl. G. Jéquier, Matériaux pour servir à l’établissement d’un dictionnaire d’archéologie égyptienne, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 19, 1-271, hier 140); und da diese Pflanzenbezeichnung unbekannt sei, korrigiert Loret sie zu „Sa’atar“ (d.h. ṣaʿatar, صعتر; wobei H. Munier, La Scala copte 44 de la Bibliothèque nationale de Paris. Transcription et vocabulaire. Tome 1. Transcription, Bibliothèque d’études coptes 2 (Paris 1930), 168, Zeile 33 und A.F. Khouzam, La langue Égyptienne au moyen âge. Le manuscrit Copte 44 de Paris de la Bibliothèque Nationale de France. Vol. IIa. Folios 47v-86v. Répertoires et Annexes (Paris 2006), 146, Zeile 25 bereits diese Form wiedergeben, so dass unklar ist, ob Loret und Jéquier sich verlesen haben oder Munier und Khouzam eine schon korrigierte Version abdrucken; variante Formen sind ferner سعتر und زعتر, s. H. Wehr – J.M. Cowan, A Dictionary of Modern Written Arabic, 3rd edition (New York 1976), 377 und 514).

Jéquier, ebd., 139-140 spricht beide Identifizierungsvorschläge kurz an und spricht sich eher für eine Gleichsetzung mit dem Thymian aus, weil die Eigenschaften von jnnk gegen Konyza sprechen würden. Sowohl Loret als auch Jéquier scheinen implizit davon auszugehen, dass es sich bei ⲉⲛⲅ und ⲛⲟⲩⲛⲕ um zwei verschiedene Pflanzen handelt, was sich in späteren koptischen Wörterbüchern allerdings nicht widerspiegelt.

Dawson vermutet in jnnk eher Mentha aquatica (J.W.B. Barns, Five Ramesseum Papyri (Oxford 1956),17).

R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 238-241 steht allen bisherigen Identifizierungsversuchen skeptisch gegenüber. Immerhin führt sie einen Hinweis von Helck an, demzufolge jnnk im pRamessum E, Fragment a (s. A.H. Gardiner, A Unique Funerary Liturgy, in: Journal of Egyptian Archaeology 41, 1955, 9-17, hier Taf. 6) als Räuchermittel im Bestattungsritual verwendet würde, wozu manche Anwendungen in medizinischen Texten passen würden. Allerdings ist der Beleg höchst unsicher: Weder wird das dort stehende jnn[---] nach dem Kotext zu schließen als Räuchermittel eingesetzt, noch ist überhaupt eine Verbindung des dortigen Wortes mit der jnnk-Pflanze sicher.

S. Aufrère, Études de lexicologie et d’histoire naturelle. VIII-XVII. Remarques au sujet des végétaux interdits dans le temple d’Isis à Philae, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 86, 1986, 1-32, hier 24-26 vergleicht mit demotisch jng und, wie schon Loret, koptisch ⲉⲛⲅ. In Bln 78 wird ein Rezept mit jnnk als Mittel gegen einen Skorpionstich empfohlen, was s.E. eher für Konyza als für Thymian spricht, weil Letzteres nie als Mittel gegen tierische Gifte eingesetzt wird, Ersteres durchaus. Er spricht sich erneut für Konyza aus, ohne dies jedoch auf eine bestimmte Art einschränken zu wollen.

L.P.

Kreuzkümmel
Cuminum Cyminum L. Weiterlesen...

Cuminum Cyminum L. Seit L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 49 als Vorläufer des koptischen ⲧⲁⲡⲉⲛ, ⲧⲁⲡⲛ erkannt. Dessen Bedeutung „Kreuzkümmel“ wurde über Belegstellen im Alten und Neuen Testament und über arabische Erklärungen als „weißer Kümmel“ erschlossen (vgl. W.E. Crum, A Coptic Dictionary (Oxford 1939), 423). Die Indikationen von tpnn in den Rezepten korrespondieren gut mit der pharmazeutischen Wirkung von Kreuzkümmel (R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 154).

L.P.

mt-Gefäß
Übergreifender Begriff für Hohlgefäße sowie Muskel- und Sehnenstränge.

Ist ein wichtiger Begriff der ägyptischen Anatomie, der sowohl Hohlgefäße (Blutgefäße, Lymphgefäße) als auch Stränge (Muskeln, Sehnen) bezeichnet (MedWb I, 400-408). Es gibt keinen entsprechenden Begriff im Deutschen ("Gefäßstrang"?).

Schirmakazie
Ägyptisch ksb.t. Weiterlesen...

Das ägyptische Wort ist ksb.t. Zu diesem Baum im Allgemeinen vgl. den Identifizierungsvorschlag bei N. Baum, Arbres et arbustes de l’Égypte ancienne. La liste de la tombe thébaine d’Ineni (no. 81), Orientalia Lovaniensia Analecta 31 (Leuven 1988), 154-162: Die Pflanze scheint in ganz Ägypten von Nubien bis etwa zum 30. Grad nördlicher Breite belegt zu sein; sie wächst im Niltal, aber auch in den Wadis, was auf ein natürliches Vorkommen schließen lässt. Im Alten Reich erscheint sie einmal, in einer Darstellung im Grab des Anchmahor, bei der Herstellung einer Statue, wobei die Interpretation dieser Darstellung nicht unumstritten ist: Abgebildet sind zwei Maler, die mit Spachtel bzw. Pinsel an je einer Statue arbeiten. Diese sind überschrieben mit twt n ksb.t, „Statue von ksb.t“, bzw. twt n špnn, „Statue von špnn“ (N. Kanawati – A.A. Hassan, The Teti Cemetery at Saqqara. Vol. II. The Tomb of Ankhmahor, Australian Centre for Egyptology. Reports 9 (Warminster 1997), Taf. 7a und 40). R. Drenkhahn, Die Handwerker und ihre Tätigkeiten im alten Ägypten, Ägyptologische Abhandlungen 31 (Wiesbaden 1976), 58-59 lehnt die ältere Deutung, im jeweils zweiten Bestandteil der Beischrift eine Materialangabe zu verstehen, ab, weil bei derartigen Darstellungen nie der Werkstoff der Statuen genannt würde (Anm. 20). Sie vermutet in špnn und ksb.t eher Pflanzen, aus denen Farben, Farbgrundstoffe oder aber eine Grundierung gewonnen worden sein könne. Bei špnn denkt sie explizit an die homographen Mohnkörner; und tatsächlich ist bislang keine Holzbezeichnung špnn belegt. Gegen Drenkhahns Erwägungen können jedoch zwei Argumente vorgebracht werden:

  1. Die Parallelität der beiden Pflanzenbezeichnungen ist nur bedingt von Nutzen. Denn auch wenn es bislang keinen weiteren Beleg für einen špnn-Baum gibt, basiert doch die Identifizierung der Pflanze mit dem – scil. holzlosen – Schlafmohn einzig auf ihrer Verwendung in einem Mittel gegen Kindergeschrei und ist laut R. Germer, Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 132 „reine Spekulation“. Welche Pflanze genau mit špnn gemeint sei, ist also überhaupt nicht sicher. (NB: S. Grunert, Statuen aus Schepnen-Holz? Eine Zeichensequenz des Alten Reiches in neuer Deutung, in: Göttinger Miszellen 183, 2001, 7-8, hier 7-8 vermutet bezüglich der Darstellung bei Anchmahor, dass gar nicht $twt n špnn$ zu lesen sei, sondern twt n š pn nn: „Gleich/Äquivalent zu dieser (Stein-)Arbeit dort“. Das ist allerdings aufgrund des Parallelismus der Beischriften unwahrscheinlich.)
  2. Es fragt sich, welche Art Genitiv nach Drenkhahn in der Darstellung des Anchmahor vorliegen sollte. In Genitivkonstruktionen im Allgemeinen und bei twt-Statuen im Besonderen bezeichnet nämlich das Nomen rectum, wenn es eine Stoffangabe ist, in der Regel tatsächlich das Material, aus dem das Nomen regens ist. Das heißt, eine twt-Statue „von“ ksb.t ist eine twt-Statue *aus* ksb.t.

Wenn damit also tatsächlich das Material zur Statuenherstellung gemeint sei, muss man davon ausgehen, dass ksb.t eine gewisse Größe und Festigkeit aufweist. Dies und auch die Klassifizierung lässt Baum, a.a.O., annehmen, dass ksb.t konkret eben ein Baum ist. Die Frucht trägt denselben Namen wie der Baum. Es ist aber unbekannt, ob sie ein normales Nahrungsmittel ist; in Opferlisten ist sie jedenfalls nie genannt. Eine Verwendung von Bestandteilen, wie Ölen etc., ist nicht bekannt. Der ksb.t-Baum ist ein paar Mal mit dem Gott Min verbunden. Auf der späten Stele Lyon E 328 ist Min im Schatten eines Baumes dargestellt, bei dem es sich bei aller Stilisierung um einen ksb.t-Baum handeln könnte. In späten Texten wird der ksb.t oft zusammen mit tropischen Baumarten genannt.
Aufgrund aller dieser Anhaltspunkte vermutet Baum in ksb.t Acacia tortilis (Forssk.) Hayne mit den Unterarten raddiana und tortilis.

Germer, a.a.O. 145 folgt der Deutung des Pflanzennamens als Baumart (so auch schon in R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 336-337), steht aber der konkreten Identifizierung mit Acacia tortilis (Forssk.) Hayne skeptisch gegenüber, weil die ẖr-Teile des ksb.t-Baumes, was auch immer das für Teile sind, in mehreren Wurmmitteln Anwendung finden, wohingegen von der Akazie „keine (...) medizinische Nutzung als Wurmmittel belegt“ sei. Das zweimal genannte jmj n ksb.t: „Inneres des ksb.t-Baumes“ hält Gerner, a.a.O. außerdem für ein Ausflussprodukt, analog zum jmj n šwꜣb, das sie (Handbuch, 130) als Milchsaft der Persea versteht. Harzgewinnung sei jedoch für die Akazie ebenfalls nicht belegt. In den Pflanzen im Grab des Anchmahor vermutet R. Germer, Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 336-337 konkret die Ausgangspflanzen für ein Imprägnierungsmittel aus einem gerbstoffhaltigen Auszug. Da Gerbstoffe oft anthelminthische Substanzen enthalten, sieht sie hierin eine Verbindung zu der Darstellung im Grab des Anchmahor und zur Verwendung von ksb.t in Wurmmitteln. Einen Vorschlag, mit welchem Baum sie ksb.t stattdessen identifizieren will, wenn sie die Schirmakazie ablehnt, unterbreitet Germer aber nicht.

L.P.

tḥwꜣ
Eventuell die Erbse? Weiterlesen...

Einige Male in den Late Egyptian Miscellanies neben ꜥršn: „Linsen“ als Inhalt von Lagerhäusern genannt – die Bedeutung von ꜥršn gilt aufgrund seines koptischen Derivats ⲁⲣϣⲓⲛ u.ä.: „Linse“ schon seit dem 19. Jh. als gesichert (vgl. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung die gebräuchlichsten Wörter und Gruppen der heiligen und der Volks-Sprache und Schrift der alten Ägypter. Nebst deren Erklärung in französischer[,] deutscher und arabischer Sprache und Angabe ihrer Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des Koptischen und der semitischen Idiome. Bd. I (Leipzig 1867), 209). W.R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts-V, in: Journal of Egyptian Archaeology 21, 1935, 37-40, hier 38-39 schreibt, die tḥwꜣ oder tḥwj genannte Pflanze sei „usually identified with the Lentil“ – diese Identifizierung scheint aber bis dato nicht verschriftlicht worden zu sein: Wb 5, 323.1-3 unterlässt noch 1931 jeglichen Identifizierungsvorschlag; bezüglich der medizinischen Texte vermeidet noch B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The Greatest Egyptian Medical Document (Copenhagen, London 1937), passim eine Übersetzung; und auch die älteren Übersetzungen der Miscellanies, namentlich A. Erman, Die Literatur der Aegypter. Gedichte, Erzählungen und Lehrbücher aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr (Leipzig 1923), und A. Erman – H.O. Lange, Papyrus Lansing. Eine ägyptische Schulhandschrift der 20. Dynastie (København 1925), bieten keine Übersetzung dieser Pflanze. Dawson selbst distanziert sich auch gleich von dieser Übersetzung. Denn da in den Miscellanies, namentlich in pAnastasi IV, tḥwꜣ neben ꜥršn: „Linsen“ genannt sei, müsse tḥwꜣ etwas Anderes benennen, und Dawson denkt an eine Erbsenart, evtl. Pisum arvense oder Pisum sativum.

Die Identifikation mit der Erbse gilt seitdem als Communis opinio, findet sich jedenfalls bei H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 506-561; R.O. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 2002 (Repr. 1962)), 301; G. Charpentier, Recueil de matériaux épigraphiques relatifs à la botanique de l’Égypte antique (Paris 1981), 816, Nr. 1399; L. Manniche, An Ancient Egyptian Herbal, Second Impression (London 1993), 136; R. Hannig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v. Chr.). Die Sprache der Pharaonen (Marburger Edition), Kulturgeschichte der Antiken Welt 64, 4. Auflage (Mainz am Rhein 2006), 1009, Nr. {37362}-{37363} (immerhin durch Asterisk als nur vermutet gekennzeichnet).

Allerdings liefert Dawson selbst keinerlei Argument für diese Identifizierung, und sie scheint einzig vom Vorkommen von tḥwꜣ und ꜥršn in den Miscellanies und der von Dawson abgelehnten Übersetzung von tḥwꜣ als „Linse“ beeinflusst zu sein. K.R. Weeks, Rez. zu: William J. Darby, Paul Ghalioungui, Louis Grivetti, Food. The gift of Osiris, 2 vols. London; New York; San Francisco: Academic Press 1976, in: Journal of the American Research Center in Egypt 16, 1979, 185-189, hier 186-188 zweifelt diese Interpretation jedoch an. Erstens seien die von Dawson angeführten archäologischen Nachweise für Erbsen in Illahun nicht gesichert; diese könnten auch aus römischen Schichten kommen; zweitens sei das gemeinsame Vorkommen mit ꜥršn in den Miscellanies wenig aussagekräftig, denn nur zweimal stünden beide Produkte direkt nebeneinander, wohingegen sie zwei weitere Male durch šꜣ.w: „Koriander“ voneinander getrennt seien. Ferner sei die gelegentliche Klassifizierung mit dem Korn, Gardiner Sign-list N33, wenig aussagekräftig, weil dieser Klassifikator nur eine vage rundliche Form andeute, aber nicht zwangsläufit ein erbsenförmiges Objekt. (NB: Dieses Argument stammt allerdings von Weeks selbst; die Form des Klassifikators spielt zwar bei W.R. Dawson, Studies in the Egyptian Medical Texts-III, in: Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, 41-46, hier 41-44 für dessen Identifikation von ḏꜣr.t eine Rolle, nicht aber in JEA 21 bei tḥwꜣ, zumindest nicht explizit.) Weeks wundert sich außerdem, warum tḥwꜣ in den medizinischen Texten zwar oft genannt sei, aber nicht als Verdickungsmittel, wie dies von Erbsen in „modern folk medical treatments“ bekannt sei. In medizinischen Texten der griechisch-römischen Zeit und des Mittelalters [d.h. in demotischen und koptischen medizinischen Texten?] sei die Erbse schließlich gar nicht genannt, was implizieren würde, dass sie nach häufiger Verwendung in Ägypten zunächst komplett aus der Apotheke verschwunden wäre. Weeks selbst vermutet in tḥwꜣ eine Bezeichnung des Knoblauchs. Hierfür weist er auf die gelegentliche Austauschbarkeit sowie das gemeinsame Vorkommen von tḥwꜣ mit ḥḏ.w in medizinischen Texten hin, was darin zu begründen sei, dass beide Drogen ähnliche Substanzen beinhalten oder ähnliche Eigenschaften besäßen. Da er ḥḏ.w mit der Communis opinio als Zwiebeln interpretiert, vermutet er in tḥwꜣ eben den „Knoblauch“. L.H. Lesko – B. Switalski Lesko, A Dictionary of Late Egyptian. Vol. IV (Providence 1989), 95 bieten neben „peas(?)“ auch „garlic(?)“ mit Verweis auf Weeks.

Auch R. Germer (Untersuchung über Arzneimittelpflanzen im Alten Ägypten. Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg (Universität Hamburg 1979), 228-229; Flora des pharaonischen Ägypten, Sonderschrift, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo 14 (Mainz 1985), 86 sowie Handbuch der altägyptischen Heilpflanzen, Philippika 21 (Wiesbaden 2008), 157) zweifelt Dawsons Interpretation wegen der Unsicherheit der Funde aus Illahun an. Einen Gegenvorschlag bietet sie nicht. Weeks’ Vorschlag diskutiert sie (in ihren beiden späteren Arbeiten) nicht.

L.P.

tjꜥm
Eine nur in medizinischen ... Weiterlesen...

Eine unbekannte Pflanze; in der Regel mit dem allgemeinen Pflanzenklassifikator geschrieben, zwei Mal auch mit dem Rohstoffklassifikator N33. Bislang ist sie nur aus den medizinischen Texten bekannt und wird dort meist in Einnehmemitteln verwendet, ein paar Mal auch in Salbmitteln und Verbänden, einmal in einem Zäpfchen.
L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 50a verweist mit Fragezeichen auf einen von F. Chabas, Ordre de réparer une barque, in: S. Birch, et al. (Hrsg.), Mélanges égyptologiques. Vol. III.2 (Chalon-sur-Saône 1873), 94-102, hier 100 genannten tjmw-Baum, der in pAnastasi IV, 8,2 vorkommt. Diesen hat Gardiner jedoch in Late-Egyptian Miscellanies, Bibliotheca Aegyptiaca 7 (Bruxelles 1937), 42a, Anm. 16a zum jꜣm-Baum emendiert, so dass er als zusätzlicher (und außermedizinischer) Beleg für die tjꜥm-Pflanze wegfällt. Auch der wiederum von Chabas genannte, weitere Beleg (P. Le Page Renouf, Miscellanea II, in: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde 5, 1867, 32-33, hier 33), demzufolge dieser Baum ein Öllieferant war, ist zu streichen. Denn der bei Le Page Renouf genannte Baum ist dgm und nicht „Tam“ (d.h. tm) zu lesen. Sterns Vorschlag, in Chabas’ tjmw einen Nussbaum zu sehen, beruht einzig auf diesem vermeintlichen, nunmehr obsoleten zweiten Beleg.

Für den tjꜥm-Baum der medizinischen Texte gibt es keinen Identifizierungsvorschlag. H. Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch. Enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung und Folge den Wortschatz der Heiligen-und der Volks-Sprache und-Schrift der alten Ägypter. Nebst Erklärung der einzelnen Stämme und der davon abgeleiteten Formen unter Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit den entsprechenden Wörtern des koptischen und der semitischen Idiome. Bd. VII (Leipzig 1882), 1346 vergleicht mit hebräisch טְעֵם (d.h. „Wohlgeschmack“, W. Gesenius, Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, 14. Auflage (Leipzig 1905), 249? Dachte Brugsch eine eine gut schmeckende Pflanze?). Bislang wurde kein Identifikationsvorschlag unterbreitet.

Ein möglicher Ansatz ergibt sich vielleicht aus dem Brooklyner Schlangenpapyrus: S. Sauneron, Un traité égyptien d’ophiologie. Papyrus du Brooklyn Museum No. 47.218.48 et .85, Bibliothèque générale 11 (Le Caire 1989), 152-153, Anm. 8 deutet den Namen der im § 22 dieses Papyrus genannten tjꜥm-Schlange als Verkürzung aus tj-n.t-ꜥꜣm und schlägt als Bedeutung vor: „Die von Asien“. Als Parallele für diese Wortbildung führt er die tj-n.t-ꜥꜣmw: „Asiatenkrankheit“ der medizinischen Texte auf. Als zusätzliches Argument dafür dient ihm, dass die tjꜥm-Schlange vor dem Schlangenklassifikator noch den Ersatzstrich für den Gefangenen zeigt. [Andererseits fehlt in diesem ꜥm das sonst für das Wort ꜥꜣm: „Asiat“ übliche Wurfholz.] Außerdem ist in § 18 des Brooklyner Schlangenpapyrus eine kꜣ-n-ꜥm-Schlange genannt, also ein weiterer Schlangenname, der mit ꜥm gebildet ist. Das erhärtet zumindest den Verdacht, dass dieses ꜥm ein eigenständiges Lexem ist.

Sollte man nun den Schlangennamen tjꜥm mit dem homographen Pflanzennamen in einen Zusammenhang bringen können? Falls ja, gäbe es zwei Möglichkeiten der Erklärung:

  1. Es handelt sich in beiden Fällen um eine parallele Wortbildung, also ein rein spachliches Phänomen: Man hätte einmal eine Schlange „Die von Asien“, und einmal eine Pflanze „Die von Asien“. Dafür könnte sprechen, dass die Pflanze auch in der Schreibung tjꜥꜣm belegt ist, was, als tj(-n.t)-ꜥꜣm aufgelöst, dem Konsonantenbestand von ꜥꜣm: „Asiat“ sogar noch näher kommt. Andererseits ist auch die Pflanze nie mit dem Wurfholz, und auch nicht mit dem Ersatzstrich oder anderen signifikanten Klassifikatoren geschrieben, die eine solche Überlegung stützen könnten.
  2. Die zweite Möglichkeit wäre, dass das eine nach dem anderen benannt ist: die Pflanze nach der Schlange oder die Schlange nach der Pflanze (etwa, weil sie sich einen Lebensraum teilen oder aufgrund eines anderen Tertium comparationis). Hierfür ließe sich als denkbare Parallele die qꜣd.t-Pflanze anführen, für die W. Westendorf, Schlange und Schlangenkraut, in: M. Minas, et al. (Hrsg.), Aspekte spätägyptischer Kultur. Festschrift für Erich Winter zum 65. Geburtstag, Aegyptiaca Treverensia. Trierer Studien zum Griechisch-Römischen Ägypten 7 (Mainz 1994), 265-267 einen Zusammenhang mit der fast homographen qꜣdj-Schlange vermutet (Westendorf denkt in diesem Falle konkret an eine äußere Ähnlichkeit).

L.P.

unterägyptisches Salz

Die genaue Konnotation der Bezeichnung ḥmꜣ.t-mḥ.t ist schwer zu fassen. Das Substantiv ḥmꜣ.t allein wird üblicherweise als Vorläufer des koptischen ϩⲙⲟⲩ: „Salz“ aufgefasst. Zu einer gelegentlichen, älteren Annahme, dahinter stecke spezifischer das „Meersalz“, vgl. die Diskussion bei J.R. Harris, Lexicographical Studies in Ancient Egyptian Minerals, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 54 (Berlin 1961), 189. Er schließt die Möglichkeit nicht aus; ihm zufolge sei aber der größere Teil des ägyptischen Salzes aus Binnenseen und „other similar deposits“ gekommen. Die Identifizierung von ḥmꜣ.t wird jüngst wieder von S. Aufrère, L'univers minéral dans la pensée égyptienne, Bibliothèque d’étude 105 (Le Caire 1991), 636-637 problematisiert. Aufrère merkt an, dass die Ägypter wohl nicht scharf zwischen ḥmꜣ.t-Salz (d.h. Natriumchlorid) und Natron (einem Dekahydrat von Natriumkarbonat) unterschieden hätten, wie sich u.a. sehr gut an der Bezeichnung sḫ.t-ḥmꜣ.t: „Salzfeld“ für das Wadi en-Natrun zeigt. Ist also schon die Identifizierung von ḥmꜣ.t allein nicht so sicher, wie die gängigen Wörterbücher suggerieren, ist es gänzlich unsicher, welche Aussage die Qualifizierung von ḥmꜣ.t durch mḥ.t beinhaltet. G. Lefebvre, Essai sur la médecine égyptienne de l’époque pharaonique (Paris 1956), passim belässt es bei einer wörtlichen Übersetzung „sel du Nord“; ebenso H. Grapow – H. von Deines, Wörterbuch der ägyptischen Drogennamen, Grundriß der Medizin der alten Ägypter VI (Berlin 1959), 343 und W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I.36 (Leiden 1999), 550 bei „unterägyptischem Salz“. J.H. Breasted, The Edwin Smith Surgical Papyrus. Published in Facsimile and Hieroglyphic Transliteration with Translation and Commentary. Vol. 1. Hieroglyphic Transliteration, Translation and Commentary, Oriental Institute Publications 3 (Chicago 1930), 383 dachte an Natriumchlorid aus der Wüste westlich des Deltas.

Dagegen hielt schon L. Stern, Glossarium, in: G. Ebers (Hrsg.), Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzeneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Vol. 2 (Leipzig 1875), 1-63, hier 15b mit Verweis auf Chabas (ohne weitere bibliographische Angaben) eine Übersetzung als „sel marinus“, d.h. Meersalz, für denkbar. Diese alternative Übersetzung findet sich auch noch in jüngeren Arbeiten, etwa bei T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l’Égypte pharaonique, Penser le médecine (Paris 1995), 253 und passim. Diese Erklärung ist natürlich nur unter der Voraussetzung möglich, dass nicht ḥmꜣ.t allein schon das Meersalz bezeichnet.

Es sollte schließlich auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Attribuierung durch das dualistische Prinzip des ägyptischen Weltbildes motiviert ist und auf die Kulttopographie anspielt: Bei Opferhandlungen werden gelegentlich Opfergaben „aus Unterägypten“ neben solchen „aus Oberägypten“ genannt. Im Falle von ḥmꜣ.t-mḥ.t konkret in den medizinischen Texten könnte evtl. Eb 51 angeführt werden, wo neben ḥmꜣ.t-mḥ.t: „unterägyptischem Salz“ jt-šmꜥ: „oberägyptische Gerste“ genannt ist (zu dieser Gerste s. den Kommentar in Eb 51).

L.P.

wrm.yt

Ein bislang nur vier Mal genanntes Phänomen bei Menschen (drei Mal) und beim Rind (ein Mal). Mit dem „schlechten Paket“, Gardiner Sign-list Aa2, klassifiziert. B. Ebbell, Alt-ägyptische Bezeichnungen für Krankheiten und Symptome, Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse 1938 (Oslo 1938), 14 vergleicht mit den wrm.w im pEdwin Smith (Fall 6), die beim Schmelzen von Kupfer entstehen und dort in einem Vergleich mit einem unsicheren Phänomen bei einem Schädelbruch genannt werden. Ebbell nimmt an, dass die wrm.w „Schlacken“ bezeichnet. In der zugehörigen Glosse ist ferner von den „wrm.w von Eiter“ die Rede, in denen Ebbell dann in Analogie zu ersterem Schorfe vermutet. Das würde s.M. auch auf die Stelle im pEbers passen, wo die wrm.yt ausgeschieden werden, also eher einen Stoff als ein Krankheitsphänomen bezeichnen. Er denkt daher an „harte Abfallprodukte o.ä.“ – „Aber es ist schwer, irgend eine Vermutung darüber zu äußern, welcher Natur diese faecalen Bestandteile sein könnten.“
G. Lefebvre, Sur quelques mots égyptiens, in: O. Firchow (Hrsg.), Ägyptologische Studien, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Institut für Orientforschung. Veröffentlichungen 29 (Berlin 1955), 205-211, hier 205-206 betont dagegen, dass im Fall des pEbers, wo die wrm.yt ausgeschieden werden, konkret das Verb wšš verwendet wird, das eher in Richtung Urinieren deutet. Daher vermutet er in wrm.yt eher Nieren- oder Blasensteine.
H. von Deines – W. Westendorf, Wörterbuch der medizinischen Texte. Erste Hälfte (ꜣ-r), Grundriß der Medizin der alten Ägypter VII.1 (Berlin 1961), 197-198 bringen das Phänomen erneut mit den wrm.w des pEdwin Smith zusammen. Da sie dort den Fokus auf den vermuteten welligen oder gewundenen Charakter dieser Kupfererscheinung legen, vermuten sie in den wrm.yt ein „Käuel von Eingeweide-Würmern“.

L.P.