science in ancient egypt

 

Technical Data

Name of Text
Papyrus Leiden I 343 + I 345
Alternative Designations
AMS 28 (= Anastasi manuscrits, für pLeiden I 343)
CI 11b (= Cimba, für pLeiden I 345)
Present Location
NL, Leiden, Rijksmuseum van Oudheden
Acquisition and Previous Ownership

Papyrus Leiden I 345 wurde wahrscheinlich Ende Mai oder Juni 1827 in Livorno als Teil der Sammlung von Maria Cimba durch Vermittlung des holländischen Oberstleutnant der Pioniere (Leutnant-Kolonel und Bauingenieur) Jean Emile Humbert angekauft (Ankunft der Sammlung in Leiden am 18.12.1827) (Halbertsma 1995, 87–90; 2003, 98–99). Maria Cimba war die Witwe von Dr. Cimba (†1824), dem Leibarzt von Henry Salt in Kairo, der wie sein Patron eine ägyptische Sammlung aufgebaut hatte. Erneut durch Vermittlung von Humbert konnte Papyrus Leiden I 343 um den 25. April 1828, ebenfalls in Livorno, als Teil der ersten Sammlung von G. Anastasi erworben werden (Ankunft in Leiden am 1.1.1829) (Massart 1954, 1; Raven 1992, 7, 8; Halbertsma 1995, 91–108; 2003, 99–106). Die Papyri wurden zuerst durch Museumsdirektor C. J. C. Reuvens unter den Nummern CI 11b bzw. AMS 28 inventarisiert, später durch seinen Nachfolger Conrad Leemans unter den Nummern I 345 bzw. I 343.

Provenance
Unterägypten, memphitische Nekropole, Saqqara

Der genaue Fundort ist unbekannt. Für eine ganze Reihe von Papyri in Leiden aus der Sammung Anastasi wird "Memphis" als Fundort im ursprünglichen Verzeichnis der Anastasi-Sammlung angegeben, so auch für pLeiden I 343 (Leemans 1840, 112; Enmarch 2005, 2). Zu pLeiden I 345 notierte Leemans 1840, 113: „Il est incertain de quel endroit ce Ms. provient, mais il pourrait être trouvé avec les deux precédents [= I 343, I 344]“. Enmarch 2005, 2 konstatiert: „‘Memphis’ almost certainly means Saqqara, since papyrus rarely survives outside necropoleis“ mit Bezug auf pLeiden I 344, der nach Leemans mit I 343 und I 345 möglicherweise zusammen gefunden wurde, und auch weil I 343+345 und I 344 die gleiche Art von Beschädigungen aufweisen, so dass es wahrscheinlich ist, dass sie übereinander aufgerollt in einem Grab gefunden worden waren (Enmarch 2005, 3–5). Raven 2012, 80, 82 schreibt: „It is well known that d’Anastasi occasionally listed ‘Memphis’ as the origin of objects which have been proven to have come from Saqqara.“ Er fragt sich, ob die fünf magischen Papyri in Leiden aus der Sammlung Anastasi, für die Memphis als Fundort im ursprünglichen Verzeichnis steht (I 343 = AMS 28; I 346 = AMS 23a; I 347 = AMS 23b; I 348 = AMS 26a und I 349 = AMS 26b), alle zusammen gefunden worden sein könnten. Er spekuliert sogar, dass sie aus dem Büro von Prinz Chaemwaset, dem Sohn Ramses' II., in Saqqara stammen könnten (Raven 2012, 80–83).

Date
Neues Reich, Ramessidenzeit, 19.–20. Dynastie, ca. 1292–1077 v. Chr.

Die Datierung erfolgte nach paläographischen und sprachlichen Kriterien (siehe im Detail Beck 2015, 99).

Text Genre
Sammelhandschrift
Content

Die Mehrzahl der enthaltenen 14 Beschwörungen entfällt auf Abwehrzauber gegen die (noch unidentifizierte) Krankheit Samanu / Achu (ꜥḫ.w). Acht Beschwörungen sind zweimal vorhanden, der Wortlaut ist zu großen Teilen identisch, zum Teil werden nur die Krankheitsbegriffe ausgetauscht. In diesen Texten kommt in erheblichem Maße vorderasiatisches Lehnvokabular zum Einsatz (Götter, Toponyme; der Krankheitsbegriff Samanu ist ein Lehnwort, Achu „Brand“ die ägyptische Übersetzung; vgl. noch Fischer-Elfert 2011). Eine weitere, inhaltsverwandte Beschwörung richtet sich gegen „Brennen auf dem Unterschenkel“ (nzr ḫpr ḥr sḏꜣ; rt. 26,15–27,6), dazu eine gegen Fußschmerzen (rd.wj mr=sn; vs. 23–24), eine gegen eine unbekannte Krankheit (rt. 25,1+x+2–26,2), dazu gibt es eine weitere zur Aktivierung der Wirksamkeit eines Amulettes (rt. 27,7–28) und verschiedene kleine Beschwörungen (vs. 25). Außerdem sind wenige medizinische Rezepte, in Fragmenten, enthalten (rt. 26,3–12). Die Überschrift der Handschrift ist nicht erhalten, die Beschwörungen beginnen meist mit k.t šnt „andere Beschwörung“ oder nur k.t „andere“ (vgl. Beck 2015, 99–100).

Original Use

Möglicherweise stammt der Papyrus aus einer memphitischen Bibliothek eines Magiers, unter der Voraussetzung, dass er mit pLeiden I 344 zusammenaufgerollt gefunden wurde (s. oben bei Herkunft) und beide Papyri zur gleichen Bibliothek wie die vielleicht zusammen gefundenen Papyri Leiden I 346–349 gehörten. Hierfür spricht, dass die Papyri I 346–349 nicht nur magische, sondern auch literarische Texte enthielten; I 343+345 enthält magische und medizinische Texte, I 344 einen Hymnus und die „Admonitions“ (siehe die Diskussion bei Enmarch 2005: 3–5; Raven 2012, 80–83). Relevant für den Verwendungskontext, aber nicht eindeutig einschätzbar, sind die Tatsachen, dass die magischen Texte auf einem wiederverwendeten Papyrus geschrieben wurden, obwohl der ursprüngliche Text auch magisch gewesen sein kann, und dass die Rolle so lange in Benutzung war, dass er zumindest eine antike Reparatur aufweist.

Material
Papyrus
Type of Object
Papyrusrolle
Description and Condition

Obwohl aus unterschiedlichen Privatsammlungen angekauft, passen pLeiden I 343 und I 345 in Kol. rt. 7 unmittelbar aneinander. Die Rolle war ursprünglich etwa 518+x cm lang und 19,5 bis 20 cm hoch; der Anfang fehlt, das Ende ist erhalten (Massart 1954, 1-2; Beck 2015, 98). Der Papyrus ist aktuell in acht Frames verglast (I 343: 3 Frames; I 345: 5 Frames). Die Fasern der Vorderseite sind horizontal, die der Rückseite vertikal (Beck 2015, 98). Es liegt ein Palimpsest vor, aber möglicherweise gehören die Beschwörungen vs. 4,9–5,8 und vs. 9,1–10,2 zur Originalbeschriftung, weil sie keine Spuren einer Textlöschung enthalten (Massart 1954, 6–7; Beck 2015, 99 mit Anm. 323). Der Papyrus enthält auf dem Recto 28 Kolumnen (I 343: 7; I 345: 21) Text mit je 12 bis 14 Zeilen, auf dem Verso 25 Kolumnen (I 343: 6; I 345: 19) mit 10 bis 12 Zeilen. Die Oberkante des Recto ist die Unterkante des Verso, die Texte auf Recto und Verso fangen an der gleichen Schmalseite der Rolle an. Die durchschnittliche Kolumnenbreite ist 16,7 cm, schwankt aber erheblich: Kol. vs. 8 misst nur 6,5 cm, Kol. rt. 21 dagegen 34,2 cm (Beck 2015, 99 mit Anm. 326). Der Papyrus ist im Bereich I 345 teilweise sehr fragmentiert: Von Kol. rt. 11–27 (= vs. 8–25) sind nur noch ein mehr oder weniger hoher Ober- und Unterstreifen (oder nur eines von beiden) vorhanden, in der Mitte klafft eine große bis sehr große Lücke, so dass insgesamt nur etwa zwei Fünftel der gesamten Textmenge erhalten sind. Am Beginn von Blatt / Kol. rt. 1 (= I 343) fehlt etwa ein Drittel jeder Textzeile. „Die oberen und unteren Ränder sind oft gebrochen. Partiell ist die Tinte stark abgerieben und der Papyrus sehr nachgedunkelt. In einigen Bereichen glänzt die Oberfläche der Handschrift wohl infolge einer Altrestaurierung“ (Beck 2015, 99). Es gibt auch eine antike Reparatur: Auf der Vorderseite, Kol. 4 (entspricht vs. 3), wurde ein Streifen Papyrus über den Text hinweggeklebt, um einen Riss zu schließen (Leemans 1840, 112).

Type of Script
Hieratisch

Die Leserichtung ist beidseitig von rechts nach links. Beide Papyrussegmente weisen auf Vorder- wie Rückseite dieselbe Handschrift auf (Chabas 1853–1862, 66). Rubren wurden zur Einleitung von neuen Texten sowie zur Markierung von Handlungsanweisungen verwendet. Verspunkte finden sich nur auf dem Recto. Ein Absatzwechsel, der sich durch eine verkürzte Zeile und einen Neuanfang auf der nächsten Zeile auszeichnet, findet sich nur in Kol. rt. 12.x+3, während in Kol. rt. 17.x+2 ein Absatzwechsel einmal durch die Hieroglyphe "Pause/Ende" markiert wird. Die letzte Kolumne auf der Vorderseite (rt. 28) zählt nur 5 Zeilen, die letzte Kolumne auf der Rückseite (vs. 25) endet nach 4 Zeilen mit "eine weitere (Beschwörung)", die aber nicht mehr kopiert wurde. „Die Schrift ist in einer schönen, einheitlichen Hand verfasst worden“ (Beck 2015, 98).

Language
Mittelägyptisch mit Neuägyptizismen

Traditionelles Mittelägyptisch mit verstreuten Neuägyptizismen (Beck 2015, 99).

Research History

Eine Erstbeschreibung erfolgte durch Leemans 1840, eine erste Faksimile-Ausgabe durch Leemans 1842–1845 (mit den Fragmenten teilweise in der falschen Reihenfolge), die ersten Übersetzungsversuche in Chabas 1853–1862, eine Transliteration / Übersetzung von pLeiden I 345 stammt von Massy 1887. Wer zuerst die Zusammengehörigkeit von I 343 und I 345 feststellte, ist unklar, vielleicht war es erst A. Gardiner, der die hieratischen Papyri von Leiden im Frühling 1905 für das Wörterbuchprojekt kopierte (vgl. Massart 1954, ix und 2). Leemans 1840 schreibt (Leemans 1840, 112–113), dass I 345 den Papyri I 343 und I 344 ähnelt und dass die Herkunft zwar unbekannt ist, eventuell aber mit I 343–344 zusammen gefunden sein könnte. Chabas erkennt in I 343 und I 345 dieselbe Schreiberhand und denselben Inhalt, aber nennt es nicht dieselbe Schriftrolle (Nachdruck Chabas 1902, 142). Die erste und bis heute einzige vollständige Edition mit hieroglyphischer Transliteration, Übersetzung, Kommentar und unter Beigabe von Fotografien legte Massart 1954 vor, wobei die hieroglyphische Transliteration von Gardiner stammt, der sie 1905 (oder zwischen 1905 und 1907) anfertigte. Der „Grundriss der Medizin“ (von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I + II; Grapow 1958) berücksichtige nur die Rezeptanweisungen am Ende der Beschwörungen sowie die wenigen erhaltenen medizinischen Rezepte (Frgm. rt. 26), ebenso die nachfolgenden Arbeiten zur Medizin (Bardinet 1995, Westendorf 1999). Anthologien von ägyptischen magischen Texten (Borghouts 1978; Fischer-Elfert 2005) enthalten in ihren Übersetzungen nur die besonders gut erhaltenen magischen Texte. Eine fotomontierte Reproduktion des gesamten erhaltenen Papyrus hat Enmarch 2005, 4 vorgenommen. Übersetzungen mit Kommentar, die nur die Samanu-/Achu-Beschwörungen berücksichtigen, geben Händel 2007 (unveröffentlicht) und Müller 2008. Eine Neubearbeitung mit Transliteration, Transkription, Übersetzung und Kommentar bietet jetzt Beck 2015, aber wiederum nur die Samanu-/Achu-Texte. Eine Neuedition des Papyrus (Fotografien, hieroglyphische Transliteration) ist durch S. Beck in Vorbereitung (Stand: Ende 2017).

Text Editions

- Leemans 1842–1845: C. Leemans, Monuments égyptiens du Musée d’Antiquités des Pay-Bas à Leide. Partie 1: Monuments de la religion et du culte public et privée (Leiden 1842–1845), I: 61, II: 2, Taf. 98–104, 126–138.

- Massart 1954: A. Massart, The Leiden Magical Papyrus I 343 + I 345, Oudheidkundige Mededelingen uit het Rijksmuseum van Oudheden te Leiden. Supplement 34 (Leiden 1954).

List of References

- Bardinet 1995: T. Bardinet, Les papyrus médicaux de l'Égypte pharaonique. Traduction intégrale et commentaire (Paris 1995), 475–477.

- Beck 2015: S. Beck, Sāmānu. Ein vorderasiatischer Dämon in Ägypten, Ägypten und Altes Testament 83 (Wiesbaden 2015), 98–161.

- Borghouts 1978: J. F. Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts. Translated, Nisaba 9 (Leiden 1978), 7–11 (Nr. 10).

- Chabas 1853–1862: F. Chabas, Notices sommaires des Papyrus hiératiques I. 343–371 du Musée d’Antiquités des Pays–Bas à Leide; in: C. Leemans (Hrsg.), Papyrus égyptiens hiératiques I. 343–371 du Musée d’Antiquités des Pays–Bas à Leide (Leiden 1853–62), 62–64, 66–67 (der Text von Chabas wurde neu abgedruckt in G. Maspero (Hrsg.), F. Chabas. Oeuvres diverses. Vol. 2, Bibliothèque égyptologique 10 (Paris 1902), 131–171 (I 343: 135–139; I 345: 142–145).

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 I: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,1. Übersetzung der medizinischen Texte (Berlin 1958).

- von Deines – Grapow – Westendorf 1958 II: H. von Deines – H. Grapow – W. Westendorf, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. IV,2. Übersetzung der medizinischen Texte. Erläuterungen (Berlin 1958).

- Enmarch 2005: R. Enmarch, The Dialoque of Ipuwer and the Lord of the All (Oxford 2005), 2–5.

- Fischer-Elfert 2005: H.-W. Fischer-Elfert, Altägyptische Zaubersprüche (Stuttgart 2005), 50–52, 138–139 (Nr. 18); 82–83, 153 (Nr. 68).

- Fischer-Elfert 2011: H.-W. Fischer-Elfert, Sāmānu on the Nile: The Transfer of a Near Eastern Demon and Magico-Medical Concept into New Kingdom Egypt; in: M. Coller – S. Snape (Hrsg.), Ramesside Studies in Honour of K. A. Kitchen (Bolton 2011), 189–198.

- Grapow 1958: H. Grapow, Grundriss der Medizin der alten Ägypter. V. Die medizinischen Texte in hieroglyphischer Umschreibung autographiert (Berlin 1958).

- Händel 2007: K. Händel, Die Sāmānu-Beschwörungen aus Mesopotamien und Ägypten (unveröffentlichte Magisterarbeit) (Leipzig 2007).

- Halbertsma 1995: R. B. Halbertsma, Le solitaire des ruines. De archeologische reizen van Jean Emile Humbert (1771–1839) in dienst van het Koninkrijk der Nederlanden (Collections of the National Museums of Antiquities at Leiden C.N.M.A.L., Vol. IX) (Leiden 1995).

- Halbertsma 2003: R. B. Halbertsma, Scholars, Travellers and Trade. The pioneer years of the National Museum of Antiquities in Leiden, 1818–40 (London/New York 2003).

- Leemans 1840: C. Leemans, Description raisonée des monumens égyptiens du Musée d’Antiquités des Pays-Bas à Leide (Leiden 1840), 111–112 (I 343) und 112–113 (I 345).

- Massy 1887: A. Massy, Études Égyptiennes III, Le Papyrus de Leide I 345 (Gand 1887).

- Müller 2008: M. Müller, Levantinische Beschwörungen in ägyptischer Übersetzung; in: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Neue Folge 4 (Gütersloh 2008), 275–293.

- Raven 1992: M. J. Raven, Numbering Systems in the Egyptian Department of the Rijksmuseum van Oudheden at Leiden, in: Oudheidkundige Mededelingen uit het Rijksmuseum van Oudheden te Leiden 72, 1992, 7–14.

- Raven 2012: M. J. Raven, Egyptian Magic. The Quest for Thoth’s Book of Secrets (Kairo/New York 2012), 78–83.

- Westendorf 1999: W. Westendorf, Handbuch der altägyptischen Medizin, Handbuch der Orientalistik I 36,1 (Leiden/Boston/Köln 1999), 66–68.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Entry by
Dr. Marc Brose
Modification date
15.07.2019

Translation and Commentary

Beschwörung rt. 1,1–4 (= Massart, Recto § 1, Beck Nr. 1; vgl. vs. 2,3–10)

[rt. 1,1] [... ... ...].
Es möge dich töten der Gott, der Herr [der Maat (?)] [… … …], der das Herz der Menschen [erfreut]1.
Dieser Spruch werde rezitiert über Harn2 […] und Harn von sieben männlichen Schweinen.
Werde gekocht; [… …]
3.

1 So nach vs. 2,8. Auch die Determinative – Schreibutensilien (Y3) und Buchrolle (Y1) – passen dazu; vgl. Massart, Leiden Magical Papyrus, 50 Amn. 6. Er ergänzt nach vs. 2,7–8: [n,tj ḥr snꜥꜥ] jb „der, welcher das Herz … zufriedenstellt.“
2 Ergänzung nach rt. 1,3, wo das Wort noch einmal auftritt; vgl. Massart, Leiden Magical Papyrus, 50 Anm. 7.
3 Am Ende vielleicht nach vs. II,10 zu ergänzen: [dd.w r=f] „[werde daran gegeben]“; so Massart, Leiden Magical Papyrus, 50 Anm. 11.

Beschwörung rt. 1,4–3,2 (= Massart, Recto § 2, Beck Nr. 2, Müller Nr. 1.2.1; Paralleltext vs. 3,1–4,8)

Eine [andere] Beschwörung:
Meine Zunge, lass spitz (d.h. scharf) sein deinen [Spruch o.ä.] [rt. 1,5] [… … …] um zu schlagen auf dem Schlachtfeld, wie das stürmische Wüten [… … …] der Feind, wie ein Feind [… … …], indem die Menschen mir ihren Rücken zuwenden.
Dann (?) (wird?) [… … … am Wohnort, wo?] Samanu ist,1 in den Gefäßen / Strängen, indem er für sich [… … … ] baut.
[Dann] wird Seth deine Stadt einreißen (lit.: umwenden) [rt. 1,10] […] [Göttin ...] jubelt über dich.
Seth soll Schrecken verbreiten, [der Löwe?]2 in dir brüllen.
Es soll machen [… … …] in dir, die Herrin der Äxte umherziehen3 [rt. 2,1] (?) ___ (?).
Du sollst auf dein Gesicht fallen, [auf der Spitze des (?)] Berges.
Die (?) ___ (?), du (?) [sollst (?)] fallen auf deine jbḥ-Zähne, auf [deine] nḥḏ.t-Zähne, [auf] dem / den Berg.4
Das Sichelschwert des Seth ist gegen dich, oh Samanu; das ktp-Schwert5 des Ba’al ist in deinem Kopf, oh Samanu; das Kupfer(beil) des Horus ist in deinem Scheitel!
Was die Banden betrifft, die du [mit dir] gebracht hast [um zu] [rt.2,5] kämpfen, viel Kupfer möge in ihre Köpfe gegeben (?) werden.
Was die Elite der Leute betrifft, die du mit dir [gebracht hast] um zu kämpfen, sie haben ihre verdorbenen Weiber6 verlassen, sie sind geflohen.
Komm heraus, Samanu, komm heraus!
Deine Augen sollen erblinden.7
Dann wirst du auf dem Mühlstein mahlen.8
Dann wird es dir elend ergehen auf dem Mühlstein des Pqsn9 und des Ḏḥr10, die die Jungfrauen entjungfern und [rt. 2,10] die Götter kastrieren.
Sie werden dir Worte geben am Tage,11 (so wie) Re spricht, wenn er aufgeht, (so wie) der obere Gott12 spricht, wenn er aufgeht, (so wie) Zepnesta13 spricht, so wie [Göttin XY] spricht, (so wie) die Schlange spricht, die am Bug der Barke des Re ist, Itement, die schlägt […]
[Dieser Spruch werde rezitiert (?)]14 über […], Kümmel, Zyperngras (?) [rt. 3,1] der Oase, Weihrauchharz [… …] Honig.
Werde fein zerrieben zu einer einheitlichen Masse.
[Werde daran gegeben.]

1 Vs. 3,4 hat: [s,t]-ḥms n,tj pꜣ ꜥḫ,w jm „der Wohnort, wo der ꜥḫ.w ist“; nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 54 Anm. 12 „seems to be the natural restoration“. Es fehlt jedoch ein Verb und ein Agens!
2 Ergänzung nach vs. 7,7–8; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 54 Anm. 22.
3 šmꜣ: Massart, Leiden Magical Papyrus, 55 Anm. 25 schlägt vor, zu šmꜣyt zu ergänzen und davor die Präposition ḥr zu ergänzen; sein Übersetzungsvorschlag: „The mistress of chisels striketh [thee].“ Müller, Beschwörungen, 279 hat Pseudopartizip: „ist umhergewandert“; Beck, Sāmānu, 107 scheint ⟨ḥr⟩ šmꜣ anzusetzen; vgl. ihre Übersetzung „indem sie umherwandert“.
4 Ergänzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 55 Anm. 26.
5 kꜣtp: Diese Waffe des Wettergottes ist aus Ugarit bekannt; siehe R.T. O’Callaghan, in: Orientalia 21, 1952, 37–46.
6 [nꜣ]kꜣ.w: Beck, Sāmānu, 109 ad 14 vermutet hier einen Zusammenhang mit der akkadischen Wurzel niāku „unerlaubten Sex haben, herumhuren“ bzw. nimmt an, dass es sich um das dazugehörige Partizip nā’iktu handelt [bzw. najjaktu „Frau, die unerlaubten Sex sucht“ o.ä.; siehe von Soden, Akkadisches Handwörterbuch II, 717; M.B.], übersetzt aber unpräzise „Weiber“ (?). Müller, Beschwörungen, 279 Anm. 141 denkt an einen Zusammenhang zu Hebr. n’q „ächzen; wehklagen“ bzw. Akkad. nāqu „aufschreien, wehklagen“; seine Übersetzung: „Was die Elite von Leuten betrifft … so stießen sie ihre Wehklage aus und flohen.“ Wie Beck a.a.O. anmerkt, ist ein idiomatischer Ausdruck ḫꜣꜥ nk sonst nicht belegt. Massart, Leiden Magical Papyrus, 56 Anm. 36 hat keine Lösung.
7 Müller, Beschwörungen, 279 übersetzt zusammen mit dem vorangehenden Satz: „Komm heraus, du beidseits Blinder!“; Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 44 ergänzt ein Suffixpronomen 1.Sg. an der Verbform: kꜣmn⟨=j⟩ „… dass ⟨ich⟩ deine Augen blende.“
8 Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 44 übersetzt passivisch: „… auf dass du auf dem Mühlstein zerrieben werdest.“
9 Pwqsꜣwnꜣ: Müller, Beschwörungen, 279 Anm. 143 möchte den Namen in Pq⟨ḥ⟩n < Nqpḥn, entsprechend des Paralleltextes vs. 4,4 emendieren. Nach Beck, Sāmānu, 110 ad 17 lassen die Schriftreste diese Korrektur jedoch nicht zu. Die Gottheit / der Dämon erscheint nur hier.
10 Ḏꜣhꜣrʾ: Nach Müller, Beschwörungen, 279 Anm. 144 vielleicht eine levantinische Gottheit ṣhr, diese aber sonst nicht belegt.
11 Emendation nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 57 Anm. 47. Müller, Beschwörungen, 280 übersetzt ganz anders: „Heute werden sie nach meinen Worten von dir ablassen“, d.h. er liest: di̯=sn tw n (?!) [mdw.t].pl=j m pꜣ hrw, mit einer spezifischen Bedeutung rdi̯ (nach Borghouts, Papyrus Leiden I 348, 39 Anm. 8). Händel, Sāmānu, Anhang, ad rt. I,4–III,2 liest: di̯=sn tw n [mdw.t] x m pꜣ hrw „Sie sollen dich heute an x’s [Worte] übergeben.“, und im Anschluss die Phrasen m ḏd [Gott XY] mit: „So befiehlt es [Gott XY].“
12 Nṯr-ḥr.j: „der obere Gott“: Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 67–68 Anm. 16 ist hier der Mondgott gemeint, zum einen, weil der Kontext dies nahelegt, und zum anderen, weil in Beschwörung 4 (rt. V,6) dieser Gott als Gatte der (mesopotamischen) Göttin Ningal erscheint; dieser wiederum ist der Mondgott Sin.
13 Zp-n=z-⟨tꜣ⟩: Verkürzte Form von Spr.tw-n=s-spr-n=s-tꜣ, eine der Horusfrauen; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 57 Anm. 51; Borghouts, Papyrus Leiden I 348, 149–150 Anm. 358.
14: Ergänzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 58 Anm. 58.

Beschwörung rt. 3,2–49 (= Massart, Recto § 3, Beck Nr. 3, Müller Nr. 1.2.2; Paralleltext vs. 5,8–7,5)

Eine andere Beschwörung:
Oh Achu, oh Samanu, oh Kind der Dienerin1 Hatum2 ___ (?), oh Mšr3, der stürmt / wütet, oh Samanu, der gegen den Kopf schlägt, oh Ṯmkn4, der [rt. 3,5] gegen den Magen5 schlägt, oh Jbsn, der gegen den Leib / Bauch schlägt,6 oh [… …], der heimlich umhergeht:
Zu wem soll ich dich geben, oh Achu?
Zu wem soll ich dich geben, oh Samanu?
Du gehörst zu den umherwandernden Eseln, die in der Wüste sind.7
Re, er dreht (lit. gibt) seinen Rücken zur Wüste,8 seine Schulter zum Berg Ḥmrq9.
Sobald er (einen Esel) ergriffen hat mit seiner Linken, schlitzt er (ihn) auf mit [rt. 3,10] seiner Rechten.
Sein (des Re!) Blut10 fällt auf seinen Fuß11, und es fällt in die Öffnung des Erdbodens.
Der Erdboden erschrickt, sagend:
“Kommt zu mir! Kommt zu mir!“
„Wer ist es, der den Mann bestraft (?)12 __ (?)?“
Anat (?)13 von Jdtqn14, sie bringt sieben Schalen aus Silber (und) acht Schalen aus Kupfer / Bronze, sie [rt. 4,1] trennt (?)15 das Blut des Re vom Erdboden, sie veranlasst, dass die Kḥb.w16 des Re es ausschenken (?)17, welches bitterer ist als die ḥmy-Pflanze18.
Sie sollen es auf die Nase des Achu werfen, sie sollen es auf ihre [Sta]rken werfen.
Los, du sollst dich von hier wegmachen, [rt. 4,5] oh Achu!
Los, [du] sollst dich von hier wegmachen, oh Samanu!
Folge der Feder19, die in meiner Hand ist.
Los, falle auf den Erdboden, der dich erschaffen hat, auf den Hügel, (der dir) [Verehrung (?)] bezeugt hat.20
Ich bin Seth!
Ich bin aus dem Himmel gekommen, (nur) um auf [deinen Nacken] zu treten.
Zu rezitieren über Kernen des Emmers.
Werde zerrieben, werde zerkocht in Pflanzenschleim.
Werde [da]ran gegeben mit Fingerw[ärme].
21

1 Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 193 mit Anm. 18 interpretiert diese Phrase als abwertend und vergleicht sie mit dem englischen „son of a bitch“. Er denkt an eine Übertragung des ugaritischen bin ’amāti „Sohn einer Sklavin“. Ähnlich bereits in ders., Zaubersprüche, 135 ad 11, mit der Erklärung: „Es wird die Geburt des Dämons und seine anschließende ‚Entsorgung‘ in die Wüste nach Art eines Sündenbockrituals geschildert.“
2 Hꜣtwmꜥ: Nicht ganz klar, ob der Eigenname einer Dämonin – das Determinativ ist eine sitzende Frau (A1) – oder ein Toponym; siehe Beck, Sāmānu, 116 ad 2.
3 $mšr$: Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 192 denkt bei dem Verb an eine im Ugaritischen belegte Wurzel $mšr$ „(den Wagen) ziehen lassen, (mit dem Wagen) fahren“ [nur im Kausativstamm belegt], und übersetzt dementsprechend „You driving one.“; Müller, Beschwörungen, 280 Anm. 153 schlägt eine Ableitung einer nordwestsemitischen Wurzel $mšl$ „herrschen“ vor.
4 Ṯꜣmꜥkꜣnꜣ: Nach Müller, Beschwörungen, 280 Anm. 154 vielleicht von nordwestsemitisch smk „Stütze“ (hier mit Nunation) abgeleitet (?).
5 Nach vs. 5,10 so zu ergänzen; davor möglicherweise die Präposition r, obwohl sie in vs. nicht steht.
6 Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 191 Anm. 14 verweist auf einen demotischen Ausdruck ḥwy-ẖ(e.t) „Wehen bekommen; eine Fehlgeburt haben“; nach M. Stadler, Isis, das göttliche Kind und die Weltordnung …, MPER 28, Wien 2004, 115.
7 Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 193 verweist auf ähnlich lautende Fluchformeln auf akkadischen Kudurru-Grenzsteinen. Massart, Leiden Magical Papyrus, 61 Anm. 11 verweist noch auf verschiedene ägyptische Belege: Mutter & Kind vs. 6,7 und Pap. Mag. Harris 6,2. Beck, Sāmānu, 117 Anm. 7 nennt noch den Festkalender von Edfu.
8 Beck, Sāmānu, 117 ad 8–9: „Der Sonnengott scheint sich zum Kampf zu positionieren.“
9 Ḥmꜥrʾqꜣ: In Keilschrifttexten aus Ebla Name eine Gottheit, in einem hurritischen Text aus Hattuša der Sitz des Sturmgottes; siehe Ayali-Darshan, in: JNES 74, 2015, 87–89. Hier ist eindeutig das Gebirge gemeint; siehe noch Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 193, 194 Anm. 25.
10 Zum Blut des Re, dass in die Öffnung des Erdbodens fällt, verweist Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 194 auf die Astarte-Geschichte (pAmherst IX+ pBibl.Nat.Paris 202 1,x+3), wo etwas ähnliches geschildert wird, und ist nach ihm eine Referenz auf ein Erdbeben. Massart, Leiden Magical Papyrus, 62 Anm. 19 verweist außerdem auf Gen 4,11, wo der Erdboden seinen Mund öffnet, um das Blut des erschlagenen Abel aufzunehmen.
11 Vs. 6,5 hat pꜣd „Knie(-scheibe)“.
12 sbꜣ: Wird von Massart, Leiden Magical Papyrus, 59 mit 62 Anm. 23 („Seems to have no meaning in the context:“) und Beck, Sāmānu, 115 mit „lehren“ / „teach“ übersetzt. Doch scheint hier die zweite Bedeutung „strafen“ / „punish“ angebrachter; so bereits von Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 43 und ders., in: FS Kitchen, 192 in Erwägung gezogen, übernommen von Müller, Beschwörungen, 281.
13 Massart, Leiden Magical Papyrus, 62 Anm. 24 möchte davor ein Verb wie „came“ (jwi̯) ergänzen; Fischer-Elfert, in FS Kitchen, 192 ergänzt fragend jwi̯ „kommen“ oder sḏm „hören“; letzteres hat auch Müller, Beschwörungen, 281.
14 Jdjtꜣqjnꜣ: Unidentifizierbares Toponym (in Vorderasien?; ein Herkunftsort der Anat); siehe Beck, Sāmānu, 117 ad 13.
15 {n}jw.y: So Beck, Sāmānu, 118 ad 14 (nach Wb 1, 48.1–2), mit der Einschränkung, dass es sonst nur in Zusammenhang mit Gliedmaßen und der Präposition r verwendet wird. Massart, Leiden Magical Papyrus, 62 Anm. 28 schlug als Verb jwy „gießen; bewässern“ vor, merkte aber an, dass es keinen Sinn ergäbe. Drioton, in: BiOr 12, 1955, 164 schlug vor, ꜥwꜣi̯ „rauben“ zu lesen. Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 43 übersetzt fragend „fing auf (?)“, und ders. in: FS Kitchen, 192: „collected / took away (?)“ (nach Drioton?); dies auch bei Händel, Sāmānu, Anhang ad rt. III,2–IV,9 (nach Hinweis Fischer-Elfert).
16 kḥb.w: Hapax legomenon, kein direkter Sinn zu erschließen; Drioton, in: BiOr 12, 1955, 164–165 schlug eine Emendation in kꜣp.w „Räucherer“ vor; dies übernommen von Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 43 und ders., in: FS Kitchen, 192. Müller, Beschwörungen, 281 Anm. 158 gibt als weitere Vorschläge kḥꜣw „Kessel“ bzw. kḥ „keuchen“, die aber auch keinen Sinn ergeben. Ebenso ist unklar, ob folgendes n die Präposition oder das Genitivadjektiv ist; siehe Beck, Sāmānu. 118 ad 15–16.
17 wbꜣ: Der einzige Beleg für die Bedeutung „ausschenken“ (Wb 1, 291.17), die nur dem Kontext nach erschlossen ist; Massart, Leiden Magical Papyrus, 62 Anm. 29 hat „to present“; Händel, Sāmānu, Anhang ad rt. III,2–IV,9 „ausschenken“; so auch Beck, Sāmānu, 115; Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 43 „servieren“; ders. in: FS Kitchen, 192 „present“; Müller, Beschwörungen, 281: „vergießen“ [das Blut].
18 ḥmy.w: Vs. 6,10 hat hier eine andere Pflanze, tw~tw~mꜥ bzw. ttm; letztere seit Drioton, in: BiOr 12, 1955 mit „Mandragora“ (nach Hebräisch dūdaj) übersetzt. Beck, Sāmānu, 118 ad 16 stellt es zu einer ugaritischen Pflanze tyt (Pl. tytm), die möglicherweise Asa foetida = Ferula assa-foetida L. „Asant“ bezeichnet; nach J. Tropper, Kleines Wörterbuch des Ugaritischen, ELO 4, Wiesbaden 2008, 130.
19 mḥ.t: Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 63 Anm. 36: „It seems that the magician while exorcizing was holding in his hand a feather charged with magical power to show the way out to the possessing spirit.“
20 Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 44 übersetzt „auf den Hügel, der [dir Verehrung bezeugt (?)] hat“, in ders. in: FS Kitchen, 192 hat er den dazugehörigen Transkriptionsvorschlag jr.t b[wꜣ(?)], übersetzt aber nur „… veneration?“; diese Ergänzung übernommen von Müller, Beschwörungen, 281. Auch Beck, Sāmānu, 119 ad 21 denkt an eine Ergänzung jri̯.t b[wꜣ=k] und übersetzt „auf den Hügel, der dich achtete.“ Vgl. die Parellestelle vs. 7,3, wo das Verb trj (< twr) „achtungsvoll behandeln; respektieren“ steht.
21 Zu ergänzen nach vs. 7,4–5. Zu srf n ḏbꜥ siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 64 Anm. 44 mit Belegen aus den medizinischen Texten; und MedWb 779.

Beschwörung rt. 4,9–6,2 (= Massart, Recto § 4, Beck Nr. 4, Müller Nr. 1.2.3; Paralleltext vs. 7,5–8,12)

Eine andere Beschwörung:
Das Wüten1 des [rt. 4,10] Seth ist gegen den [Achu]2, das Toben des Seth ist gegen dich.
Das Tosen des Unwetters / Sturms3, das nach dem Wasser aus dem Himmel dürstet, ist gegen dich.
Dann wird er beenden die (körperliche) Kraft […, indem(?)] seine beiden Arme über dir sind.
Dann wirst du kosten, was das Meer4 gekostet hat aus seiner Hand.
Dann wird das Wasser sich [rt. 5,1] [dir(?)] nähern.
Ba’al wird gegen dich schlagen mit dem Nadelholz, das in seiner Hand ist.
Er wird dich wiederholt (schlagen) mit Nadelholzspeeren, die in seiner Hand sind.
[Du wirst] ebenso sein wie das, oh Samanu, indem die Götter gegen dich handeln5, (und auch) die Anklage / der Tadel, die / den der Gott machte, und das Wasser, und die zahlreichen Gifte des Seth, und die bitteren Gifte des Schu, Sohn des Re, [rt. 5,5] und die Gifte des Upuaut, die wie (die) von Schlangen sind, und die Gifte des Oberen Gottes und der Nikkal, seiner Gemahlin, und die Gifte des Rešep und der Adamma6, seiner Gemahlin.
Die Gifte der Flamme sind gegen ⟨dich⟩, oh Achu.
Es sind die Gifte der Flamme, die dich auslöschen werden.
Dann wirst du zu Ende gehen wie das Gestern zu Ende ging.
Dann wirst du verlöschen wie die Lampe derer erlosch, die [rt. 5,10] todgeweiht sind.
Dann wirst du dich dort auch geschlagen7 zur Erde zurückziehen.
Dann wirst du sterben.
Dann werden die Götter erfahren, dass du tot bist.
Dann werden die Hathoren erfahren, dass dein Herz herausgegangen ist.
Ich werde es dem Morgengott sagen, und Wohlergehen, Gesundheit und Freude werden zum Haus des Re zurückkehren, mit den Worten:
[rt. 6,1] „Horus8 hat den Samanu besiegt.“
Zu rezitieren über Samen der Mel[one (?)] [über …], über / in Wein.9
Werde zu einer einheitlichen Masse gemacht.
Werde daran gegeben.

1 Nach Beck, Sāmānu,124 ad 1–5 liegt hier eine Anspielung auf den ugaritischen Baal-Zyklus vor (KTU 1.2 IV 7–33; TUAT III.6, 1130–1134).
2 Die Lücke reicht nur für diese Ergänzung.
3 ẖꜣẖꜣ[.tj]: Mit Gottesdeterminativ, d.h. vermutlich als Bezeichnung des Wettergottes intendiert; so schon von Massart, Leiden Magical Papyrus, 66 Anm. 3 vermutet.
4 [⸮y⸮]nwmꜥ: Die Schreibung des Wortes ist äußerst ungewöhnlich, aber noch anderweitig belegt; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 66 Anm. 7 mit Belegen Gardiner, Late Egyptian Miscellanies, 124,7 und LD III 146,30; vgl. noch Beck, Sāmānu, 123–124 ad 3; und Hoch, Semitic Words, 52–53, Nr. 52; Meeks, in: BiOr 54, 1997, 37.
5 pꜣ srḫ.t: Ältere Deutung von Massart, Leiden Magical Papyrus, 67 Anm. 13: sḫr; seine Üb. S. 65: „… the gods give effect against thee to the plan of the god’s making together with the water…“; übernommen von Händel, Sāmānu, Anhang, ad rt. IV,9–VI,2. Als srḫ.t hat es zuerst Borghouts, Magical Texts, 19 („accusation“) aufgefasst, und wurde von Müller, Beschwörungen, 282 und Beck, Sāmānu, 122 übernommen. Vs. 7,10 hat direkt sḫd „Tadel“.
6 Jtwmꜥ: Nicht sicher zu identifizieren, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit die eblaitische Göttin Adamma; siehe v.a. L. Morenz, in: Ugarit-Forschungen 31, 1999, 373–375; dazu die Kommentare bei Massart, Leiden Magical Papyrus, 68 Anm. 19; Müller, Beschwörungen, 282 Anm. 166; Beck, Sāmānu, 124–125 ad 13 mit jeweils weiteren Literaturangaben.
7 qnqn: Massart, Leiden Magical Papyrus: das Determinativ „suggests rather a verb of motion which expresses the action of a beaten enemy who e.g. ‚staggers‘ wounded upon the ground and dies.“; vgl. noch Beck, Sāmanu, 125 ad 15. Die anderen Übersetzer haben dies übernommen.
8 Der Gott Horus vielleicht aus Versehen für den vorderasiatischen Gott Ḥoron hier verwendet; siehe Beck, Sāmānu, 125–126 ad 20.
9 Massart, Leiden Magical Papyrus, 65 mit 70 Anm. 37 ergänzt [nḏ psi̯], und übersetzt: „[to be triturated and boiled] with wine“; dies wurde von Borghouts, Magical Texts, 19, Händel, Sāmānu, Anhang, ad IV,9–VI,2 und Müller, Beschwörungen, 282: übernommen. Dafür gibt es aber keine wirkliche Grundlage.

Beschwörung rt. 6,2–8,10 (= Massart, Recto § 5, Beck Nr. 5, Müller Nr. 1.2.4; Paralleltext die Fragmente vs. 11, 12, 13 )

Eine andere Beschwörung:
Siehe, ich habe dich überwunden, oh Samanu.
Siehe, [ich habe] dich überwunden, oh du, der eingetaucht ist in die Glieder des NN, den die NN geboren hat, wie der, der auffliegt und dauerhaft besteht [rt. 6,5] an dem hohen Ort, wie wenn Re auffliegt, wenn er aufgeht.
Ich habe dich ebenso überwunden, oh Samanu, ich habe dich ebenso überwunden, oh du, der eingetaucht ist.
Kennst du mich (denn) nicht, oh Samanu?
Siehe, es ist Mrj1, der mich kennt, sagend:
„Ich gehöre zur Sippe von Jrtqn2, die, die mit den Schlangen reden, die, die die Schlangen töten, [rt. 6,10] die, die ein Ende machen dem Atem der Qtj, seiner Mutter.“
Siehe, ich habe gesaugt an den Brüsten der Anat, der großen Kuh3 des Seth.
Siehe, viele Worte sind bei mir gegen dich.
Ich habe sie ausgetrunken aus dem großen Kelch des Seth, ich habe sie vollends ausgetrunken aus seinem Becher.
[rt. 7,1] Höre, höre, oh Samanu! Höre die Stimme des Seth […], höre sein Gebrüll!
Wenn es sein wird, dass du […] bist […].
Seth soll dich emporheben ⟨mit⟩ seiner Hand.
Er soll dich wiederholt [emporheben …].
Er soll dich schlagen auf dem / den Fluss.
Ḏr[..] soll sagen: […] (?).
[…] [rt. 7,5] dich für Horus und Seth deswegen (?).
Es sollen dich trinken die [… …].
Es sollen dich trinken die Wüsten, du, der eingetaucht ist.
Es sollen [dich] trinken [die …], indem sie (sehr) durstig sind.
Es sollen dich trinken die Wüsten, indem sie (sehr) ausgetrocknet sind.
[Es soll dich trinken] der ausgetrocknete4 Acker, die Wüstenei, der Acker, der nicht gesättigt ist […], der, der nicht gesättigt ist mit / vom ... Wasser […] des [Re].
[rt. 7,10] Er (der verdorrte Acker) ist es, der dich trinken wird, oh Samanu, er ist es, der dich trinken wird, oh du, der eingetaucht ist, in die zwei Füße, die gehen, in die zwei Schenkel, die eilen, in das Hinterteil, das sich beugt, in das Rückgrat, den Balken des Körperteils (d.h. des Körpers insgesamt), in seine zwei Schultern, in seinen Nacken, in seine zwei Hände, die [rt. 8,1] für ihn […], der bei ihm ist in dem jḏmn5, der in seinen Eingeweiden ist, die in Ordnung sind, [in seine] zwei [Nieren], und (sein) Herz, in seine Lunge und seine Seiten, in seinen […]6, in seine zwei Lippen, die reden, in seine Nase, der Sprudelnden (?)7, [in] sei[ne] zwei Augen, die sehen, in die sieben Knotenpunkten seines Kopfes.
Dann [werden die Götter von] [rt. 8,5] dei[nem] Tod erfahren.
Dann werden die Hathoren vom Herausgehen [deines] Herzens erfahren.
[Das Gehörte] wird das Haus des Re [erreicht] haben,8 du, der eingetaucht ist, mit den Worten:
“Horus hat den Samanu besiegt, […] der ohne seine Kraft ist, du, der eingetaucht ist, ohne Gluthauch gegen (?) […] der Gott, der Gerechte.“
Dieser Spruch werde rezitiert über Kot von ..[.. … … [rt. 8,10] Wurzeln (?)] der šꜣb.t-Pflanze.9
Werde zerrieben [… … …].

1 Mꜥwrʾjꜣ: Müller, Beschwörungen, 283 Anm. 170 möchte die erste Gruppe als ḥꜣw lesen, weil das Zeichen w an der Gruppe mꜥ ungewöhnlich ist. Dies kommt in der Schreibung von Samanu jedoch häufiger im Text vor, daher ist seine Verbesserung nicht notwendig.
2 Jjrʾtjq[ꜣ]⟨n⟩ꜣ: Wohl ein Toponym, vielleicht das Elteqōn aus Jos. 15,59; Massart, Leiden Magical Papyrus, 73 Anm. 10, nach Gauthier, Dictionnaire géographique I, 99. Die Deutung ist aber nicht gesichert; siehe Beck, Sāmānu, 137 ad. 7–9a und Müller, Beschwörungen, 283 Anm. 171.
3 Ꜥmrʾy: Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 73 Anm. 15 zurückgehend auf sumerisch amar „junger Ochse“. Hoch, Semitic Words, 67–68 Nr. 73 möchte das Wort entweder mit semit. ḥlb „Milch“ oder ꜥwl „säugen“ verbinden. Gegen beide Deutungen Beck, Sāmānu, 137–138 ad 9b, allerdings bestätigt sie, dass es sich um ein Wort für ein weibliches Rind handeln muss.
4 ḫꜣjrʾbw: Wohl eine semitische Wurzel, ḫrb „trocken sein / werden“, nicht der Ortsname „Aleppo“, der genauso geschrieben wird; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 74 Anm. 33; Hoch, Semitic Words, 249 Nr. 346 „desert“; Beck, Sāmānu, 139 ad 19a.
5 jwḏꜣmꜥjnꜣ: Dieses Wort nur hier und in der Parallele vs. 7,13 belegt; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 75 Anm. 44; sein Übersetzungsvorschlag: „pelvis“ (?). Es ist wohl ein semitisches Lehnwort; Hoch, Semitic Words, 48 Nr. 44 stellt es zu Hebr. ’ūzmejā’ōt „Knoten; Fransen“ und Ugaritisch izml / Akkadisch azamil(l)u / aza’īlu „Tragesack, -netz“ und nimmt das Haardeterminativ als Bestätigung. Müller, Beschwörungen, 284–285 Anm. 182 nimmt ein Fremdwort, das er ’ṣml transkribiert, an, macht aber keinen Deutungsvorschlag.
6 Massart, Leiden Magical Papyrus, 71 mit 75 Anm. 75 möchte „Ohren“ ergänzen: tꜣy=f [msḏr (?) 2 n.tj ḥr sḏm md.wt] „seine [zwei Ohren, die die Worte hören].“ (der Ausdruck nach pLeiden I 348 rt. 2,7, 10,7, 11,6). Die Aufzählung der Körperteile legt nahe, dass hier ein Wort für „Ohren“ [der Vorschlag msḏr stammt vom Bearbeiter hier] stand, für die weiteren Worte ist in der Lücke aber zu wenig Raum. Müller, Beschwörungen, 285 mit Anm. 183 ergänzt: „in seinen [hörenden Ohren]“.
7 tꜣ bꜥbꜥ.y: Lesung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 75 Anm. 49.
8 Zur Ergänzung siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 69 Anm. 27 (nach rt. 11,1 und vs. 5,7–8).
9 Ergänzung durch Massart, Leiden Magical Papyrus, 74 Anm. 57.

Beschwörung rt. 8,10–10,9 (= Massart, Recto § 6, Beck Nr. 6, Müller Nr. 1.2.5; Paralleltext die Fragmente vs. 14, 15)

Eine andere Beschwörung:
Die Vorwürfe der Götter sind gegen den Achu, die Vorwürfe [der Götter sind gegen] den, der eingetaucht ist, ihre Vorwürfe, indem [sie (?) …] …, die Vorwürfe der Kinder der Nut, ⟨gegen⟩ die Anklagen jeglichen Gottes, die, die schützen das Herz dessen, der Tod ist,1 seit der älteste Sohn des Re Hand an den „Alten“2 gelegt hat, der die Berge trug, der [rt. 9,1] begattete wie ein Wildstier.
Dann wird er den Mund des Samanu ausreißen.
Dann wird er seine zwei Lippen ausreißen, und seine Anklage, die an sein Herz herangetreten ist.
(Seine) zwei Hände werden sie herausreißen.
Wie Seth sich beeilt hat, so sieht dich Onuris, indem du in der Ferne bist [… …] [rt. 9,5] dir gegenüber, indem er dich mit dem Speer schlägt [… …] er wird […] mit einem Schwert in sein [… …] der Himmel [...] Schwert (?) [...] großes […], mit festem Wurfholz (?), ebenso wie (?) [… … …] für den Toten (?).
Dann wird er dein Feld von / des […] suchen.
Er wird [rt. 9,10] dich emporheben mit seiner Hand.
Er wird dich wiederholt (emporheben) [… … …].
Er wird dich dir zugewandt schlagen, gegen den Kessel [...] des Gottes.
Dann wird er dich geben in den Kessel des Gatten der Nikkal3.
Der Samanu wird auf den Erdboden fallen.
Dann werden die mächtigen Taten des Seth dir ein Ende bereiten.
Öffnet euren Mund, ihr Gefäße / Stränge des NN, den NN geboren hat!
Speit aus [rt. 10,1] den Achu, der in euch ist.
Seht, ich spreche nicht zu irgendeinem Gefäß / Strang.
Seht, ich spreche zu den Gefäßen / Strängen4, die den Achu empfangen haben.
[Ihr] werdet sitzen, indem ihr auf dem Erdboden kauert5.
Dann wird Re erfahren, dass der Samanu tot ist.
Dann werden die Hathoren vom Herausgehen des Sama[nu] erfahren, […], der [rt. 10,5] kraftlos ist, und der Samanu, der [… … …].
[... ... ... ... ... ...] in [...].
[… … … zu einer] einheitlichen [Masse].
Werde verbunden damit.

1 Beck, Sāmānu, 144 fasst den Teil anders auf: „[… Die Vo]rwürfe der Kinder der Nut, die Anklage eines jeden Gottes, [die, die] das Herz [dessen schützen], der tot ist, ⟨ist gegen dich⟩.“
2 pꜣ jꜣw: Ein Epitheton des Re; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 78, mit weiteren Belegen. Nach Beck, Sāmānu, 145 ad 4 ist aber nicht ganz klar, wer gemeint ist. Nach Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 196 Anm. 34 ist der oberste Gott des ugaritischen Pantheons, El, gemeint.
3 Nw[kꜣ]rꜥ: D.i. der „obere Gott“ nṯr-ḥr.j, der Mondgott; siehe rt. 5,6; vs. 8,2.
4 Am Ende von Z. 1 ist über die Zeile noch hrw 26 als übrig gebliebener Teil einer gelöschten Datumsangabe erhalten; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 80 Anm. 35a.
5 pgꜣ.twnj: Die Bedeutung ist nicht ganz klar. Massart, Leiden Magical Papyrus, 80 Anm. 37 denkt an „exhausted“; übernommen von Müller, Beschwörungen 286: „erschöpft“. Beck, Sāmānu, 146 ad 19 verbindet es mit „öffnen, ausbreiten“, im Sinne davon, dass die Gefäße sich geöffnet haben, um den Samanu auszuspeien.

Beschwörung rt. 10,9–11,1 (= Massart, Recto § 7, Beck Nr. 7, Müller Nr. 1.2.6; Paralleltext Fragment vs. 16)

Woher bist du gekommen […, du, der] [rt. 10,10] eingetaucht ist?1
Hast du dein Gesicht abgewendet, um zu gehen zu (?) […]?
[Fliehst]2 du vor dem Beschwörer / Magier, vor dem Diener des Horus, weil [er] den Namen des Horus und auch den Namen des Seth,3 des Herrn des Himmels, in Erinnerung ruft?
Er soll sein Sichelschwert erheben, er soll deinen Arm (lit.: Elle)4 fällen, und deine Kehle niederwerfen.
Du sollst auf den Erdboden fallen, auf dem du dein Leinentuch5 ausgebreitet hast.
Siehe, du bist dort nach (dem Wunsch) deines Herzens.
Du sollst [rt. 11,1] auf ihm (dem Gewand) sterben.
Das Gehörte wird das Haus des Re erreicht haben, mit den Worten:
„[Horus] hat [den Samanu (?)] besiegt […].“6
[... ... ...].

1 Die Mindestergänzung am Ende von Z. 9, weil es sonst auch immer pꜣ n.tj hrp heißt (vgl. die vorangehenden Beschwörungen); so bereits Massart, Leiden Magical Papyrus, 81 Anm. 1. Weitere Vorschläge zur Ergänzung der Lücke (Massart a.a.O. [pꜣ Sꜣ~mꜥ~nꜣ pꜣ n.tj]; und Müller, Beschwörungen, 286 Anm. 187 [gegen Massart; eine weitere Frage an den mit anderem Namen angesprochen Dämon]) sind zu spekulativ. Beck, Sāmānu, 148 ad 1 lässt den Rest der Lücke daher offen.
2 Zu ergänzen nach vs. 16,1.
3 Dieser Satz wird sehr unterschiedlich übersetzt; Massart, Leiden Magical Papyrus, 81 mit 81–82 Anm. 7 als Passiv, weil das direkte Objekt nicht mit m angeschlossen werden könne: „when [he] hath been mentioned in the name …“ (+ eine ältere Übersetzung von Gardiner: „as soon as he mentions the name …“ [aktiv]); Händel, Sāmānu, Anhang, ad rt. X,9–XI,1 „wenn er sich erinnert im Namen …“; Müller, Beschwörungen, 286: „wenn er den Namen … erwähnt“; Beck, Sāmānu, 148 mit Anm. ad 3 und dem Zusatz, dass im Neuägyptischen das direkte Objekt mit m an sḫꜣ angeschlossen werden kann (mit Verweis auf Wb 4, 232.12) und der Kontext eine transitive Bedeutung nahelegt: „während er an den Namen … erinnert.“ Hier wurde diese Deutung bevorzugt.
4 mḥ: Nach Händel, Sāmānu, Anhang, ad rt. X,9–XI,1 wurde dieses Wort (lit: „Elle“) gewählt, um das Kräfteverhältnis zu ḫpš „Bizeps“ besonders hervorzuheben.
5 dꜣj.w: Händel, Sāmānu, Anhang, ad rt. X,9–XI,1 übersetzt hier drastischer „dein Leichentuch“.
6 Zur Ergänzung siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 69 Anm. 27. Ob der Dämon hier als Samanu bezeichnet wurde oder nicht, muss offen bleiben. Die beiden erhaltenen anderen Stellen auf der Vorderseite (rt. 6,1, 8,6) haben ihn jeweils dort stehen.

Beschwörung rt. 11,2–14 (= Massart, Recto § 8, Beck Nr. 8, Müller Nr. 1.2.7; Paralleltext Fragment vs. 17)

Eine andere (Beschwörung):
Erwache, erwache, oh Achu! Erwache, erwache [… … …], du der schläft [… … …] Seth, der [… … …] [rt. 11,5] erwachen [… … …].
[… … … … … … … … … … … …].
[… … …] [rt. 11,10] die Worte [… … …].
Es soll heben [… … …].
Seth soll machen […] dich (?) [… …] schlagen (?) / [der (?)] schlägt (?) auf deinen Kopf.
Dann wirst du gehen zu denen, die Rešep tötet, und denen, die treten vor den „Fernen“1 des Onuris, ⟨auf⟩ [die gleiche Art] (?)2.

1 pꜣ wꜣ.y: Bedeutung unklar; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 84 Anm. 14.
2 Vorschlag Massart, Leiden Magical Papyrus 84 Anm. 15.

Fragmentgruppe rt. 12–20 (= Massart, Recto § 9)

Fragment rt. 12

[rt. 12,x+1] [… … …] in ihnen (?).
Nicht ich bin es, der dich töten wird.
Horus ist es, der dich töten wird, durch stechen / stoßen (?)1 [in (?)] dein Herz.
Re und seine Neunheit sind Zeuge.

1 ypgdd: Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 86 Anm. 2 eine (sonst unbekannte) Ortsbezeichnung oder ein Verb im Sinne von „in doing something (e.g. in thrusting his sword) [m ‚in‘] thy heart.“ Letzterer Vorschlag ist plausibler, weil Z. x+2 mit ypgdd endet, zu Beginn von Z. x+3 gleich mit ḥꜣ.tj=k anschließt, und weil ḥꜣ.tj=k sonst nicht sinnvoll damit verknüpft werden kann. Dennoch bleibt die Deutung / Ergänzung geraten.

Fragment rt. 13

[rt. 13,x+1] [… … …] [Gott XY (?)], so wie es sagen der, der mit aller Macht errettet, und der, der [… … …].

Fragment rt. 14

[rt. 14,x+1] [… …] [Göttin XY]-Horus1, die Tochter […] Ewigkeit, die Tochter des Himmels, die hoch oben ist, die Schwester des Taues, und [… … …]2.

1 [___]-Ḥr.w: Nicht identifizierbar; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 86 Anm. 7.
2 Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 86 Anm. 9 folgte vielleicht eine weitere Göttin, um ein Paar mit der erstgenannten zu bilden.

Fragment rt. 15

[rt. 15,x+1] [… … … so wie es sagt (?)] die ḏdf.t-Schlange vor dem Uräus, so wie es sagen Amun und Amaunet, so wie es sagt Jm.t (?)1 [… … …].

1 ⸮Jꜣ?mw.t: Lesung der (sonst unbekannten) Göttin unklar; Vorschläge von Massart, Leiden Magical Papyrus, 87 Anm. 14: „it is neither ʾIbꜣt, nor $Iꜣḫt, and hardly ʾImwt.“

Fragment rt. 16

[rt. 16,x+1] [… … …] Osiris über ihn / ihm, ___ (?) […] zerbrechen das, was aus der Erde über ihn gekommen ist, indem Nahrung existiert / ist [… … …].

Fragment rt. 17

[rt. 17,x+1] [… … …] ebenso, so wie es sagen Amun, Zepni, Sepet-Seth, Re(ne)nut(et) (?)1, 70 Götter, Tepi-Re, Djedfet, (und) Horus.
Dieser Spruch werde viermal rezitiert.
Ende.

1 Jrnw.t: Die Identifikation unsicher; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 87 Anm. 19.

Beginn einer Beschwörung

Eine andere (Beschwörung):
Der / Oh du [... ... ...].

Rest eines gelöschten Spruches1

[… … …] ___ (?)2, nicht wurde / wird anderes gegen ihn getan.
Wenn frei sind die Wurzeln und Blätter von (?) [ihr]em (?) [… … …]

1 Hier ist der rubrizierte Rest einer vormals gelöschten Beschwörung (?) erhalten geblieben; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 87 Anm. 21. Allein die Rubrizierung signalisiert, dass diese Zeile kontextuell nicht zur vorangehenden passt.
2 Massart, Leiden Magical Papyrus, 85 mit 87 Anm. 22 hat: „… remedies (?) of his mother“, denkt also an eine Transkription ___j zp.w mw.t=f$. Das am Ende des Verses stehende Gottesdeterminativ (G7) zeigt aber an, dass es sich hier um eine Gottheit handeln muss.

Fragment rt. 18

[rt. 18,x+1] […]..[.] dein / dich [..] der […], sie [sandten?] Anat und Astarte.
Sie sollen dein Blut und deine Giftsamen entnehmen, die [… … …]1

1 Ergänzung in der Übersetzung nach Vorschlag von Massart, Leiden Magical Papyrus, 87 Anm. 27.

Fragment rt. 19

[rt. 19,x+1] [… … …] Berg.
Er wird / soll jedes Tier töten, das in ihm ist.
Da schrie [… … …].

Fragment rt. 20

[rt. 20,x+1] [… ] er hat ihn […]1
Siehe, er / es wurde gegeben in seine Umarmung, und er / es flog auf zu seinem Kopf.
Siehe, gefüllt [hat (?) … … …]

1 Massart, Leiden Magical Papyrus, 88 Anm. 32 gibt aufgrund der Determinative als möglichen Ergänzungsvorschlag [ṯꜣi̯].n „he caught“.

Fragment rt. 21–22 (1) (=Massart, Recto § 10)

Rest einer Beschwörung

[rt. 21,x+1][… … …] zerschneiden […], während ich auf der Erde gegen dich bin.
Erhebe dich nicht in seiner Brust.
Schu ist gegen dich, der Herr der Brust.
Er hat dich beschworen, (und) Nut (?)1 hat dich zerschnitten, nachdem sie meine Worte gegen dich mobilisiert (lit.: aufgestellt) hat.
Der Mondgott wird gegen dich sein im Himmel, während ich auf Erde gegen dich bin.2
Erhebe dich nicht im Knie.3
[rt. 22,1] Upuaut ist gegen dich, der Herr des Knies.
[... ... ...].

1 Lesung wegen der unklaren Schriftreste nur geraten, siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 90 Anm. 5.
2 Inhaltliche Parallele zu pTurin 124, 13; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 90 Anm. 2.
3 In Z. 21, x+3 sind noch wenige rote Schriftreste erhalten. Diese scheinen nicht zum Text zu gehören; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 90. Vermutlich gehören sie zu einem vorher gelöschten Text.

Beschwörung rt. 22 (2) (= Massart, Recto § 11, Beck Nr. 9)

[rt. 22,1+x+1] [… …] [der] Samanu ist es, der packt [… … …] in seinem Kopf, über sein Gesicht, von den Wirbeln seines Rückgrats bis zu [… … …].

Fragmentgruppe rt. 23–24 (= Massart, Recto § 11)

Reste einer oder mehrerer Beschwörungen

[rt. 23,x+1] [… … …] dein[.. … … …].
Komm! [Komme heraus aus …], wie es Qedšet sagt.1
Komm! Komme [heraus] aus dem NN, den die NN geboren hat, wie es Ḥmrq2 sagt.
[Komm! Komme heraus, wie] es Sia sagt.
Komme heraus aus dem Land des Re [rt. 24,1] [… … …]
[… … … wie es] Nut [sagt] (?).
Komm! Komme heraus [aus … … …].
[… … … … … … … … …].
[… … …] „Haarfrucht“ (?) [… … ….].

1 Massart, Leiden Magical Papyrus, 91 Anm. 4 ergänzt die Lücke wie folgt: mj [pri̯ m ꜥ.wt m mn msi̯.n mn] m ḏd Qdš.t$ „Come! [Come forth from the limbs of M born of N], as saith [Ḳede]shet“, doch scheint hierfür die Lücke zu klein.
2 Ḥmꜥrʾ[qw]: Siehe den Kommentar zu rt. 3,9

Beschwörung rt. 25 (1) (= Massart, Recto § 12)

[… … …] [rt. 25,1+x+1] [NN,] den [die NN] geboren hat [… … …].
[… … …] werde gemacht [zu einer einheitlichen Masse in / mit…].1
Dann salbst du ihn ein, mit ___ (?) von Wäschelauge (?) / Schmutzwasser des Wäschers (?), vier Tage lang.

1 Ergänzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 92 Anm. 3. Danach sollte eine weitere Droge kommen.

Beschwörung rt. 25 (2) – 26 (1) (= Massart, Recto § 12, Müller Nr. 1.2.13)

Eine andere (Beschwörung):
Dies ist dein Blut, Horus, dies ist dein Eiter, Seth, dies ist dein Verfaultes, Seth, dies ist dein Schweiß, Mechenti-en-irti („Augenloses Gesicht“), die ich geholt habe, um zu vertreiben die [rt. 26,1] Einwirkung ⟨eines Gottes, die Einwirkung⟩ einer Göttin, die Einwirkung eines Toten, ⟨die Einwirkung einer Toten⟩, die Einwirkung eines Gegners, die Einwirkung einer Gegnerin, die Einwirkung eines Widersachers, [die Einwirkung einer Widersacherin … …] des NN, den die NN geboren hat.
Sieben Mal zu rezitieren.

Medizinische Rezepte rt. 26 (2) (= Massart, Recto § 13)

Rest_eines_medizinischen_Textes(?)

[… … …] dann sollt du ihn […] in ___ des ꜥr.w-Baumes [… … …].
[rt. 26,5] [… … …].
[… … … … … …].
[Ein anderes Heilmittel] zum Vertreiben von Schwellungen aus den Beiden und aus jedweden Körperteilen:
[… …] __: 1; Mehl der Johannisbrotfrucht: 1; Datteln: 1; Na[tron: 1 (?) …]1
[… werde] zu einer einheitlichen Masse [gemacht(?)], über Honig.
Werde damit verbunden, vier Tage lang.
Ein anderes Heilmittel:
Urin [rt. 26,10] vom Menschen: 1, roter Ocker (?): 1, Maische: 1, vergorener Pflanzenschleim: ⟨1⟩.
Werde damit verbunden.
Ein anderes Heilmittel:
Dattelkerne: 1, Maische: 1, Natron: 1.
Werde fein zerrieben.
Werde damit verbunden.
Ein anderes (Heilmittel):
Roter Ocker (?), unterägyptisches Salz, Pflanzenschleim.
Werde damit verbunden.

1 Ergänzungsvorschlag Massart, Leiden Magical Papyrus, 95 Anm. 8.

Beschwörung rt. 26,12–27,6 (= Massart, Recto § 14, Müller Nr. 1.2.14)

Eine andere Beschwörung gegen das Brennen, das auf dem Unterschenkel entstanden ist:
[rt. 27,1] Dieses (dein) Blut gehört dem Re, dieser dein Brand gehört dem Atum [.. (?)] am Tage, an dem eure Köpfe abgeschnitten wurden im Binsengefilde.
Der Himmel ist aufgebrochen, der Erd[boden] ist wütend.
Der Himmel brüllt, die Erde ringt nach Luft.
Hört er nicht, was ich sage, so werde ich dieses Auge des Horus ihm nicht (zurück)geben, so werde ich diese Hoden des Seth ihm nicht (zurück)geben, in diesem Lande ewiglich.
Das bedeutet / bewirkt, dass das Brennen sich umwenden wird, [rt. 27,5] um die Einwirkungen zu vertreiben.
Die Götter mögen in ihren Schreinen ruhen, nachdem die Einwirkungen eines Gottes bzw. einer Göttin, (und) die Einwirkungen eines Toten bzw. einer Toten vertrieben worden sind.
Dieser Spruch werde viermal rezitiert.

Beschwörung rt. 27,6–28,5 (= Massart, Recto § 14, Müller Nr. 1.2.15)

Eine andere Beschwörung:
Dieser Knoten ist der Knoten des Apis, für seinen Bruder Renui, der gekommen ist aus Punt, der gekommen ist aus der Krankheit.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Re über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Schu über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, [rt. 27,10] wie das, was Sopdu über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Chnum über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Horus über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Seth über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, [rt. 28,1] den die NN geboren hat, wie das, was Thot über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Isis über sich selbst gesprochen hat.
Ich habe über dir selbst gesprochen, NN, den die NN geboren hat, wie das, was Nephtys über sich selbst gesprochen hat.
Dieser Spruch werde sieben Mal rezitiert über einem Knoten, [der aus] rotem Stoff [gefertigt wurde].
[rt. 28,5] Werde dem Manne an dessen Unterschenkel gegeben.1

1 Massart, Leiden Magical Papyrus, 31 ergänzt noch, dass der Rest der Seite sichtbar von Text gereinigt worden ist („clearly cleaned“).

Beginn Verso

Beschwörung vs. 1,1–8 (= Massart, Verso § 1, Beck Nr. 10, Müller Nr. 1.2.8)

[vs. 1,1] [Eine andere (Beschwörung) (?)]:
[Oh] Achu, der gegangen ist [… …]:
Jeder Gott soll dich verfluchen.
⟨Jede⟩ Göttin soll [dich] verfluchen.
Der Himmel soll dich verfluchen [… …] in dir (?).
Die acht1 männlichen Götter sollen [dich] verfluchen.
Die […]2 weiblichen Götter sollen [dich] verfluchen.
Die [Große] Neunheit soll dich verfluchen.
Die Kleine Neunheit soll dich verfluchen.
[Der] [Erd]boden soll dich verfluchen und jeder, der sich darauf regt [vs. 1,5] [… ..] indem dein Gesicht fällt (?), und die beiden Finger (?) der beiden Arme / Hände (?) __ (?) [… indem (?)] das Auge des Re (es) sieht (?).
Die Kleinen (?) sollen [dich] [verflu]chen.
Re soll dich verfluchen.
Der Umkreis der Sonnenscheibe soll [dich] verfluchen.
[…] der die Erde [er]hellt, soll [dich] verfluchen, sowie das Udjat-Auge [… …].
Dieser [Spruch] werde rezitiert über […]
[Werde gemacht (?)] zu sieben Amuletten.
Werde daran gegeben.

1 Vor dem Zahlzeichen möchte Massart, Leiden Magical Papyrus, 102 Anm. 7 eine 70 ergänzen, doch nach Beck, Sāmānu, 153 ad 3 passen die Spuren nicht, es könnte eventuell 50 ergänzt werden. Müller, Beschwörungen, 288 mit Anm. 196 ergänzt zu 77.
2 Die zu ergänzende Zahl ist unsicher. Massart, Leiden Magical Papyrus, 102 Anm. 10 ergänzt [78], Müller, Beschwörungen, 288 Anm. 196 ergänzt [77]; Beck, Sāmānu, 152 lässt die Zahl offen.

Beschwörung vs. 1,8–2,3 (= Massart, Verso § 2, Beck Nr. 11, Müller Nr. 1.2.9)

Eine andere (Beschwörung):
Oh Flamme, entferne / die entfernt hat […] seine Mutter, die die Flamme rettete (?), und die Fluten, der Ausfluss (?), die Unwetterwolke des Himmels, und die […] der Erde […], [vs. 1,10] die Sterne, die am Himmel sind [… … …] meine beiden [Lippen], um zu reinigen die Worte, die [hervorkommen (?) …] sein […].
Was betrifft [den, der ausspricht (?)1] den Namen [vs. 2,1] […] beim Aussprechen des Namens der Flamme [… …] ihr Name ist der Name der Nut […] [J]qḏy.t2 ___ (?), […] Jšḫara.
Dieser Spruch werde rezitiert [… …] am ersten Tag des Redens (?) […]
[Werde gemacht (?)] zu einer einheitlichen Masse [.].“

1 Ergänzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 103 Anm.11.
2 [J]qꜣḏꜣy.t: Anhand der Schreibung sicher ein Fremdwort; nach Beck, Sāmānu, 155 ad 6–7 vielleicht ein Toponym.

Beschwörung vs. 2,3–10 (= Massart, Verso § 3, Beck Nr. 1, Müller Nr. 1.2.10; Paralleltext (?) rt. 1,1–4 = Massart, Recto § 1)

⟨Eine andere (Beschwörung) (?)⟩:1
Die [Herrin (?)]2 jedes Gottes und jeder Göttin, die weiß / kennt […] aus Kupfer, sie ist aufgestanden.
Ihre Feder (?)3 ist vor [vs. 2,5] ihr.
Ihre Axt hat Macht über […] … (?).
Dann wird sie zuschlagen mit der Axt, der [… …] … (?) […].
Dann wird [sie (?) …] zu dem Rezitierer (?) [… … …] der, der nicht gedeiht, schlägt nach ihm (?), die […] bei [dem] Meer (?)4
[…] [der Gott (?)], Herr der Ma’at,5 der Gerechte, der glättet (d.h. erfreut) das Herz der Menschen.
[Dieser Spruch] werde rezitiert […] Gebärmutter (?) von Säuen und Kot von männlichen [vs. 2,10] […].
Werde gekocht [… ..] Kot, … (?).
Werde gegeben […].

1 Steht im Text nicht da, obwohl zu erwarten. Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 104 Anm. 1 und Müller, Beschwörungen, 289 stand es noch am Ende von Z. 2,3. Dort ist aber nichts erhalten. Vielleicht wurde es nur vergessen?!
2 Vorschlag von Massart, Leiden Magical Papyrus, 104 Anm. 3.
3 mḥ[.t]: So Beck, Sāmānu, 102 ad 2, nach rt. 4,5 / vs. 7,2. Massart, Leiden Magical Papyrus 104 Anm. 5 bietet als Ergänzung mḥ[ny.t] „Stirnschlange“. Müller, Beschwörungen 289 mit Anm. 199 wagt keine Ergänzung.
4 ynw⟨mꜥ⟩: Ergänzung nach Beck, Sāmānu, 103 ad 6; mit Verweis auf rt. 6,13 für die ungewöhnliche Schreibung des Wortes für „Meer“. Diese Ergänzung ist aber nur geraten!
5 Ergänzung nach rt. 1,1, jedoch unsicher und unter der Voraussetzung, dass eine Dublette bzw. ein sehr ähnlicher Wortlaut vorliegt.

Beschwörung vs. 3,1–4,8 (= Massart, Verso § 4, Beck Nr. 2, Müller Nr. 1.2.1; Paralleltext rt. 1,4–3,2 = Massart, Recto § 2)

[vs. 3,1] Eine [andere] Beschwörung:1
[Meine] Zunge, lass spitz (d.h. scharf) sein [dei]nen [Spruch o.ä.], [lass] spitz sein deine Worte […] starke Menschen [… …] die starken Menschen […], wie die […] Menschen […], indem die Menschen geben [… am] Wohnort, [wo(?)] der Achu ist [… … indem er] für sich [… … baut] [vs. 3,5] den […].
Dann wird Seth umwenden [… …] gemachtes […].
Seth [wird] Schrecken [verbreiten], [… …] dich vor dir / über dich (?).
An[at] [wird …] in dir / über dich (?), die Herrin der Äxte (wird) [Schre]cken (verbreiten).
Dann wirst du ⟨auf⟩ dein [Gesicht] fallen auf .[.. ...].2
Dann wird dein Gesicht fallen auf die Spitze des Berges.
Der / das [… …]; das [kt]p-Schwert3 [vs. 3,10] des Ba’al ist in deinem [K]opf [.. das] Kupfer(beil) […] ist in deinem Scheitel!
[Was die] Banden [betrifft], die du mit [dir] gebracht hast, um zu kämpfen, viel Kupfer soll in ihre Köpfe gegeben werden.
Was die Elite der Leute betrifft, die du mit dir gebracht hast, [vs. 4,1] um zu kämpfen, sie haben ihre verdorbenen Weiber (?)4 verlassen, sie sind geflohen.
Komm heraus, Achu, komm heraus!
Deine Augen sollen erblinden.5
Du sollst auf dem Mühlstein mahlen.
Dir soll es elend ergehen auf dem Mühlstein des Nqpḥn6 und des Ḏḥr7, die die [vs. 4,5] Jungfrauen entjungfern und die Götter kastrieren.
Sie [werden] ⟨dir⟩ Worte geben am Tage,
8 (so wie) Re spricht, wenn er aufgeht, (so wie) der Obere Gott spricht beim Aufgehen, (so wie) Zepnesta9 spricht, (so wie) die Schlangen sprechen, die am Bug der Barke des Re sind, (und) Itemet […]
Werde rezitiert über „Haarfrucht“: 1, Zyperngras (?) der Oase: 1, Kreuzkümmel: 1, Weihrauchharz: 1, Honig: 1, Johannisbrotfrucht: 1, Natron: 1.
Werde zerrieben zu einer einheitlichen Masse.
Werde daran gegeben.

1 Der Beginn des Abschnittes ist nur in Fragmenten erhalten. Ergänzungen aus dem Paralleltext rt. 1,4–3,2 wurden hauptsächlich vorgenommen, um unvollständig erhaltene Wörter zu vervollständigen. Die weiteren Lücken wurden nur dann ausgefüllt, wenn sie als sicher erschienen. Die Segmentierung der Sätze wurde, sofern möglich, dem Paralleltext angepasst.
2 Dieser Satz fehlt im Paralleltext auf dem Recto.
3 [⸮kt?]fw: Wohl Schreibvariante zu ktp; vgl. rt. 2,3. Diese Waffe des Wettergottes ist aus Ugarit bekannt; siehe R.T. O’Callaghan, in: Orientalia 21, 1952, 37–46.
4 nꜣkꜣtw: Beck, Sāmānu, 109 Anm. 14 vermutet hier einen Zusammenhang mit der akkadischen Wurzel niāku „unerlaubten Sex haben, herumhuren“ bzw. nimmt an, dass es sich um das dazugehörige feminine Partizip nā’iktu handelt, übersetzt aber unpräzise „Weiber“ (?). Müller, Beschwörungen, 279 Anm. 141 denkt an einen Zusammenhang zu Hebr. n’q „ächzen; wehklagen“ bzw. Akkad. nāqu „aufschreien, wehklagen“; seine Übersetzung: „Was die Elite von Leuten betrifft … so stießen sie ihre Wehklage aus und flohen.“ Wie Beck a.a.O. anmerkt, ist ein idiomatischer Ausdruck ḫꜣꜥ nk sonst nicht belegt. Massart, Leiden Magical Papyrus, 56 Anm. 36 hat keine Lösung.
5 Müller, Beschwörungen, 279, übersetzt zusammen mit dem vorangehenden Satz: „Komm heraus, du beidseits Blinder!“
6 Nqbḥꜣnꜣ: Nach Müller, Beschwörungen, 279 Anm. 143 vielleicht ein Kompositum aus semit. nqp „niederschlagen; umreißen; die Haut abziehen“ bzw. nqb „durchbohren“ und ḥn „Gunst; Anmut; Schönheit“, d.h. der Dämon hieße in etwa „Der die Anmut niederschlägt“, und würde auch zum Kontext von „Defloration & Kastration“ passen. Ein solcher Dämon ist aber sonst nicht belegt; siehe Beck, Sāmānu, 110 ad 17.
7 Ḏꜣhꜣjrꜥ: Nach Müller, Beschwörungen, 279 Anm. 144 vielleicht eine levantinische Gottheit  ṣhr, diese aber sonst nicht belegt.
8 Siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 57 Anm. 47. Müller, Beschwörungen, 280, übersetzt ganz anders: „Heute werden sie nach meinen Worten von dir ablassen“, d.h. er liest mit rt. 2,10: di̯=sn tw n (?!) md.wt=j m pꜣ hrw, mit einer spezifischen Bedeutung von rdi̯ (nach Borghouts, Papyrus Leiden I 348, 39 Anm. 8). Ähnlich auch Händel, Sāmānu, Anhang, ad rt. I,4–III,2 nach dem Text des Recto: di̯=sn tw n md.wt x m pꜣ hrw „Sie sollen dich heute an x’s [Worte] übergeben.“, und im Anschluss die Phrasen m ḏd [Gott XY] mit: „So befiehlt es [Gott XY].“
9 Zp.wt-n=s-tꜣ m ḏd: Verkürzte Form von Spr.tw-n=s-spr-n=s-tꜣ, eine der Horusfrauen; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 57 Anm. 51; Borghouts, Papyrus Leiden I, 149 Anm. 358.

Beschwörung vs. 4,9–5,8 (= Massart, Verso § 5, Beck Nr. 12, Müller Nr. 1.2.11)

Eine andere (Beschwörung):
Oh Achu, der du [frisst]1, sobald du eingetaucht bist, du Hund, Knochenkauer.
[vs. 4,10]2 Siehe, ich habe dich überwunden.
Du hast [mich] nicht überwunden, oh Achu […].
Ebenso habe ich begonnen dich zu überwinden, oh Achu, [vs. 5,1] der du ergriffen bist.
Ich habe deine Mutter erschaffen, indem sie schwanger war mit dir.
Wie soll [sie]3 gebären können, wenn sie leidet und weint?4
Wegen der Schlange ist es, der, die dir der Gott auferlegt hatte.
Doch sie ließ [sie (i.e. die Schlange)] erblinden, [als sie] schlafend die Nacht verbrachte.5
Sie umkreiste ihre (i.e. der Schlange) Kinder wie die [Kühe(?)], sie umkreiste den […].
Du hast deine Füße erhoben damit du flink laufen kannst, oh Achu, um zu versiegeln den Mund / die Öffnung(en) (?) des [Patienten o.ä. (?), in (?)] den zwei Löchern [vs. 5,5] seiner Nase, wenn (sie) für ihn Luft atmet, in seinen zwei Augen, die sehen […] ⟨in⟩ den sieben Knoten(punkten) seines Kopfes, in jedem Gefäß seines Armes.
Der Meißel der Anat soll an deine Schläfe gegeben werden.
[Dann (?) wirst] du die Worte [hören(?)],6 die der Ausspeier7 gesagt hat.
Das Gehörte wird das Haus [des Re] erreicht haben, mit den Worten:8
„Horus hat den Achu besiegt.“8

1 Ergänzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 106 Anm. 1.
2 Unterhalb von vs. 4,10 finden sich noch Spuren eines gelöschten Textes; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 35.
3 Ergänzungsvorschlag Massart, Leiden Magical Papyrus, 106 Anm. 8.
4 Die Übersetzung dieses und des folgenden Satzes nach Beck, Sāmānu, 156 mit 157 ad 4–5. Massart, Leiden Magical Papyrus, 105 fasst diesen Satz und den nächsten zusammen, und übersetzt: „She readeth an incantation weeping because of the serpent which the god has given thee …“ mit šni̯ „lesen; rezitieren; beschwören“. Müller, Beschwörungen, 289–290 mit Anm. 202 emendiert und segmentiert diese Passage anders: (a) msi̯ [=st] [m]j-jḫ jw =st ḥr šni̯.t „Wie soll sie gebären, indem sie leidet?“; (b) {ḥr} ⟨m⟩ rmi̯.yt n pꜣ ḥfꜣ,w pw pꜣ rdi̯.n n =k pꜣ nṯr: „⟨Es⟩ ist die Träne der Schlange, die dir der Gott gab.“
5 Emendation und Ergänzung des Satzes nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 106 Anm. 11–12. Wie Beck, Sāmānu, 157 ad 5 anmerkt, ist aber nicht völlig klar, auf wen sich die Suffixpronomina beziehen; =s meint vermutlich die Mutter, =f vermutlich die Schlange. Der Sinn dieses und des folgenden Satzes scheint der zu sein, dass die Mutter trotz einer vom Gott geschickten Schlange die Geburt des Achu-Dämons bewerkstelligen konnte.
6 Ergänzungsvorschlag Massart, Leiden Magical Papyrus, 107 Anm. 26.
7 pzgꜣ: Diese Bezeichnung und deren Kontext unklar; siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 107 Anm. 27; Beck, Sāmānu, 158 ad 11.
8 Siehe Massart, Leiden Magical Papyrus, 69 Anm. 27 mit den verschiedenen erhaltenen Varianten dieser Formel.

Beschwörung vs. 5,8–7,5 (= Massart, Verso § 6, Beck Nr. 3, Müller Nr. 1.2.2; Paralleltext rt. 3,2–4,9 = Massart, Recto § 3)

Eine andere (Beschwörung):1
Oh Achu, oh Samanu, oh Kind der Dienerin2 Hatum3 ___ (?), oh Mšr4, der stürmt / wütet, oh [Sama]nu, der [vs. 5,10] gegen den Kopf schlägt, oh Ṯmkn5, der ⟨gegen⟩ den Magen schlägt, oh Jbs[n], [vs. 6,1] der gegen den Leib / Bauch schlägt,6 oh [… …], der [heimlich] umhergeht:
Zu wem soll ⟨ich⟩ dich geben, oh Achu?
Zu wem soll ⟨ich⟩ dich geben, oh Samanu?
Dein (?) […] (?) gehört zu den umherwandernden Eseln, die in der Wüste sind.7
Re, er dreht (lit. gibt) seinen Rücken8 [… … Berg] Ḥmrq9.
Sobald er (einen Esel) ergriffen hat mit [seiner] Linken, [… … …].
[Sein] (des Re!) Blut [vs. 6,5] auf sein Knie fällt.
E[s fäl]lt [in die] Öffnung [des Erdbodens … …].10
Der Erd[boden] erschrickt, ohne [… … sagend]:
„Kommt zu mir! Kommt zu mir!
Wer ist es, der bestraft (?)11 [… … …]“
[…], sie bringt sieben Schalen aus Silber (und) [x … Schalen] aus Kupfer / Bronze, [… ... ... ] das Blut des Re vom Erdboden, [… … des] Re, [vs. 6,10] welches bitterer ist als die ttm-Pflanze.
[… … …] auf [vs. 7,1] die Nase des Achu, man soll es auf seine Starken werfen.
Los, du sollst dich von hier wegmachen, oh Achu!
Los, [du] sollst dich von hier wegmachen, oh Samanu!
Folge der Feder13, die in meiner Hand ist, nach draußen.
Los, falle auf den Erdboden, der dich erschaffen hat, auf den Acker, der dich verehrt hat!
Ich bin Seth!
Ich bin aus dem Himmel gekommen, (nur) um auf deinen Nacken zu treten.
Zu rezitieren über Getreidekörnern: 1, Pflanzenschleim: 1.
Werde zerrieben.
Werde daran gegeben mit [vs. 7,5] Fingerwärme.

1 Der Beginn des Abschnittes ist nur in Fragmenten erhalten. Ergänzungen aus dem Paralleltext rt. 3,2–4,9 wurden hauptsächlich vorgenommen, um unvollständig erhaltene Wörter zu vervollständigen. Die weiteren Lücken wurden nur dann ausgefüllt, wenn sie als sicher erschienen. Die Segmentierung der Sätze wurde, sofern möglich, dem Paralleltext angepasst.
2 Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 193 mit Anm. 18 interpretiert diese Phrase als abwertend und vergleicht sie mit dem englischen „son of a bitch“. Er denkt an eine Übertragung des ugaritischen bin ’amāti „Sohn einer Sklavin“. Ähnlich bereits in ders., Zaubersprüche, 135 ad 11, mit der Erklärung: „Es wird die Geburt des Dämons und seine anschließende ‚Entsorgung‘ in die Wüste nach Art eines Sündenbockrituals geschildert.“
3 Hꜣdm: Nicht ganz klar, ob der Eigenname einer Dämonin – das Determinativ in der Parallele rt. 3,3 ist eine sitzende Frau (A1) – oder ein Toponym; siehe Beck, Sāmānu, 116 ad 2.
4 Mšr: Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 192 denkt bei dem Verb an eine im Ugaritischen belegte Wurzel mšr „(den Wagen) ziehen lassen, (mit dem Wagen) fahren“ [nur im Kausativstamm belegt], und übersetzt dementsprechend „You driving one.“; Müller, Beschwörungen, 280 Anm. 153 schlägt eine Ableitung einer nordwestsemitischen Wurzel mšl „herrschen“ vor.
5 Ṯwmꜥqꜣnꜣ: Nach Müller, Beschwörungen, 280 Anm. 154 vielleicht von nordwestsemitisch smk „Stütze“ (hier mit Nunation) abgeleitet (?).
6 Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 191 Anm. 14 verweist auf einen demotischen Ausdruck ḥwy-ẖ(e.t) „Wehen bekommen; eine Fehlgeburt haben“; nach M. Stadler, Isis, das göttliche Kind und die Weltordnung …, MPER 28, Wien 2004, 115.
7 Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 193 verweist auf ähnlich lautende Fluchformeln auf akkadischen Kudurru-Grenzsteinen. Massart, Leiden Magical Papyrus, 61 Anm. 11 verweist noch auf verschiedene ägyptische Belege: Mutter & Kind vs. 6,7 und Pap. Mag. Harris 6,2. Beck, Sāmānu, 117 Anm. 7 nennt noch den Festkalender von Edfu.
8 Beck, Sāmānu, 117 ad 8–9: „Der Sonnengott scheint sich zum Kampf zu positionieren.“
9 Ḥmꜥ[q]ꜣrʾ: Lies Ḥmrq. In Keilschrifttexten aus Ebla Name eine Gottheit, in einem hurritischen Text aus Hattuša der Sitz des Sturmgottes; siehe Ayali-Darshan, in: JNES 74, 2015, 87–89. Hier ist eindeutig das Gebirge gemeint; siehe noch Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 193, 194 Anm. 25.
10 Zum Blut des Re, dass in die Öffnung des Erdbodens fällt, verweist Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 194 auf die Astarte-Geschichte (pAmherst IX+ pBibl.Nat.Paris 202 1,x+3), wo etwas ähnliches geschildert wird, und ist nach ihm eine Referenz auf ein Erdbeben. Massart, Leiden Magical Papyrus, 62 Anm. 19 verweist außerdem auf Gen 4,11, wo der Erdboden seinen Mund öffnet, um das Blut des erschlagenen Abel aufzunehmen.
11 sbꜣ: Wird von Massart, Leiden Magical Papyrus, 59 mit 62 Anm. 23 („Seems to have no meaning in the context:“) und Beck, Sāmānu, 115  mit „lehren“ / „teach“ übersetzt. Doch scheint hier die zweite Bedeutung „strafen“ / „punish“ angebrachter; so bereits von Fischer-Elfert, Zaubersprüche, 43 und ders., in: FS Kitchen, 192 in Erwägung gezogen, übernommen von Müller, Beschwörungen, 281.
12 twtwmꜥ: Diese Pflanze seit Drioton, in: BiOr 12, 1955, 165 mit „Mandragora“ (nach Hebräisch dūdaj) übersetzt. Beck, Sāmānu, 118 ad 16 stellt es zu einer ugaritischen Pflanze tyt (Pl. tytm), die möglicherweise Asa foetida = Ferula assa-foetida L. „Asant“ bezeichnet; nach J. Tropper, Kleines Wörterbuch des Ugaritischen, ELO 4, Wiesbaden 2008, 130. Der Paralleltext rt. 4,3 hat eine andere Pflanze, ḥmy.
13 mḥ.t: Massart, Leiden Magical Papyrus, 63 Anm. 36: „It seems that the magician while exorcizing was holding in his hand a feather charged with magical power to show the way out to the possessing spirit.“

Beschwörung vs. 7,5–8,12 (= Massart, Verso § 7, Beck Nr. 4, Müller Nr. 1.2.3; Paralleltext rt. 4,9–6,2 = Massart, Recto § 4)

Eine andere (Beschwörung):1
Das Wüten2 des Seth ist gegen den [Achu], das Toben des Ba’al ist gegen dich.
Das Tosen des Unwetters / Sturms3 [… …] des Himmels ist gegen dich.
Dann wird er beenden die (körperliche) Kraft seiner (i.e. des Achu) zwei Arme über dir.
Dann wirst du kosten [… ...] von [seiner] Hand.
Der Löwe brüllt in dir.4
[Das Wasser] wird sich [dir] nähern.
Ba’al wird gegen dich [schlagen] mit dem Nadelholz, das in seiner Hand ist.
Er wird dich wiederholt schlagen mit Nadelholz[speeren], die in seiner Hand sind.
[Du wirst] auch so sein wie das, [vs. 7,10] oh Achu, indem die Götter handeln gegen dich, und (auch) der Tadel gegen dich, den der Gott machte, und das Wasser, und das viele Gift des Seth, und die bitteren Gifte des Schu, Sohn des Re, und die Gifte [vs. 8,1] des Upuaut, die wie (die) von Schlangen sind, und die Gifte des Oberen Gottes und der Nikkal, seiner Gemahlin, (und) die Gifte [des Rešep] und der [vs. 8,5] I[tm5, seiner Gemahlin ...].
[… … … … … … … … … ... ... ...]
[…], die todgeweiht sind.6
Dann wirst du dich dort auch geschlagen zum [Erdboden] zurückziehen7.
[... ... ...]8

1 Die zweite Hälfte des Textes ist nur in Fragmenten erhalten, das Ende fehlt ganz. Ergänzungen aus dem Paralleltext rt. 4,9–6,2 wurden hauptsächlich vorgenommen, um unvollständig erhaltene Wörter zu vervollständigen. Die weiteren Lücken wurden nur dann ausgefüllt, wenn sie als sicher erschienen. Die Segmentierung der Sätze wurde, sofern möglich, dem Paralleltext angepasst.
2 pꜣ khꜣb: Nach Beck, Sāmānu,124 ad 1–5 liegt hier eine Anspielung auf den ugaritischen Baal-Zyklus vor (KTU 1.2 IV 7–33; TUAT III.6, 1130–1134).
3 ẖꜣẖꜣ[.tj]: Mit Gottesdeterminativ, d. h. vermutlich als Bezeichnung des Wettergottes intendiert; so schon von Massart, Leiden Magical Papyrus, 66 Anm. 3 vermutet.
4 Dieser Satz im Paralleltext nicht enthalten.
5 J[twmꜥ]: Nicht sicher zu identifizieren, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit die eblaitische Göttin Adamma; siehe v.a. L. Morenz, in: Ugarit-Forschungen 31, 1999, 373–375; dazu die Kommentare bei Massart, Leiden Magical Papyrus, 68 Anm. 19; Müller, Beschwörungen, 282 Anm. 166; Beck, Sāmānu, 124–125 ad 13 mit jeweils weiteren Literaturangaben.
6 Ergänzung und Emendation nach der Parallelstelle rt. 5,9–10.
7 qnqn: Massart, Leiden Magical Papyrus: das Determinativ „suggests rather a verb of motion which expresses the action of a beaten enemy who e.g. ‚staggers‘ wounded upon the ground and dies.“; vgl. noch Beck, Sāmanu, 125 ad 15. Die anderen Übersetzer haben dies übernommen.
8 In Z. vs. 9,1 liegt der Anfang einer neuen Beschwörung vor. Es hat den Anschein, als wäre die Beschwörung hier nicht zu Ende zu Papyrus gebracht worden.

Beschwörung vs. 9,1–10,2 (= Massart, Verso § 8, Beck Nr. 13, Müller Nr. 1.2.12)

[Eine andere (Beschwörung): (?)]1
[vs. 9,1] Du [sollst] [di]ch [entfernen]2 aus dem Arm des NN, den die NN geboren hat, oh Einwirkung3, oh Achu, Toter, ⟨Tote⟩4, Widersacher, Widersacherin, die in ihm sind.
Siehe, Re wartet auf dich, um aufzugehen, Atum, um unterzugehen.
Du sollst dich entfernen aus dem Arm des NN, den die NN geboren hat, oh Einwirkung, oh Achu.
Siehe, Chontamenti wartet auf dich, um gerechtfertigt hinabzusteigen.
Du sollst dich [entfernen] aus dem Arm des NN, den die NN geboren hat, oh Einwirkung, oh Achu.
Siehe, Her[…] (?)5 wartet auf dich [um …] [vs. 9,5] Apophis.
Du sollst dich entfernen aus dem Arm [der NN, den die NN geboren hat …]
[…]6 um zu erhellen das Land mit seinem Auge.
Du sollst dich entfernen aus [dem Arm des NN, den die NN geboren hat … … …]
[… … … … … … … … …].
[… …] [Gott] [vs. 9,10] [..]tw am großen Ort.
Bist du gekommen, um […]?
[Bist du gekommen … … Barke] der Millionen7, um die Fahrt mit der Barke zu verhindern?
Bist du gekommen um die Sonnenscheibe fernzuhalten, um die Leere anschwellen (?)8 zu lassen?
Pass auf! Pass auf!
Du sollst dich entfernen aus dem Arm des NN, den die NN geboren hat.
Deine Gifte / Giftzähne9 sollen nicht darin bleiben.
Zu rezitieren über Myrrhenharz, [Fett (?)] [vs. 10,1] eines Steinbocks,10 Minze (?), Blut eines Ziegenbocks, Wasser der mstꜣ-Flüssigkeit.
Werde zerrieben zu einer einheitlichen Masse.
Werde damit verbunden.
Sehr gut!
[[Der_Rest_der_Seite_ist_verloren]]

1 Der Anfang des Textes fehlt, er setzt unvermittelt ein. Auffällig ist gegenüber den anderen Texten der Rückseite, dass er als einziger Verspunkte enthält.
2 Ergänzung nach Z. 9,2. Siehe auch Massart, Leiden Magical Papyrus, 108 Anm. 1.
3 pꜣ ꜥ: Der Begriff nur hier belegt. Aufgrund des Determinativs – schlechtes Paket – und aufgrund des Kontextes, von Massart, Leiden Magical Papyrus, 108 Anm. 4 mit „bad influence“ wiedergegeben; ähnlich Müller, Beschwörungen, 290 „schlechter Zustand“. Nach Beck, Sāmānu, 159–160 ad 1 dürfte er mit dem medizinischen Terminus s.t-ꜥ „Einwirkung; Einwirkungsstelle“ zusammenhängen, daher hier auch mit „Einwirkung“ übersetzt; Beck hat „Schlag“.
4 Die Lücke am Anfang von Z. 2 ist zu klein für das komplette Wort; es ist wohl vom Schreiber vergessen worden; siehe Beck, Sāmānu, 160 Anm. 2.
5 Ḥr[__]: Massart, Leiden Magical Papyrus, 108 Anm. 10 schlägt als Ergänzung Ḥr.j[-rw.t-zẖꜣ] „der über der Schreibtinte ist“ (ein Epitheton des Thot) vor, der in Tb 39 den Apophis fesselt. Vgl. noch Beck, Sāmānu, 160 ad 6. Diese Ergänzung ist aber unsicher und daher hier nicht vorgenommen worden, auch nicht von Müller, Beschwörungen, 290 mit Anm. 205, und Beck a.a.O.
6 Davor sollte eine Bezeichnung des Sonnengottes gestanden haben, vielleicht einfach nur Pꜣ-Rꜥ, wie Massart, Leiden Magical Papyrus, 109 Anm. 12 vorschlägt.
7 [wjꜣ]-n-ḥḥ: Ergänzung der Lücke nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 109 Anm. 16. Dies ist durch den nachfolgenden Text gerechtfertigt.
8 jšf: Bedeutung unsicher, weil in dieser Form nur hier belegt. Massart, Leiden Magical Papyrus, 109 Anm. 19 hat jšf „splendour“ (nach Wb 4, 455.4–5), evtl. mit nachfolgendem šw.t „to cause want(?)“. Händel, Sāmānu, Anhang ad vs. IX,1–10,2 verweist auf Caminos, LEM, 93: „to sear, to scorch“ (nach Medinet Habu I, 23,55 und pAnastasi III, 5,7) – es liegt das semitische Lehnwort j-š-f „verbrennen“ (WCN 31980) vor; auch Müller, Beschwörungen, 291 mit Anm. 207 möchte es damit identifizieren, und übersetzt in Verbindung mit šw.t: „das Böse […] zu verbrennen“. Beck, Sāmānu, 160 ad 11 denkt an eine Verschreibung von šfu „anschwellen“. Dies und ihre Übersetzung der Passage wurde hier übernommen.
9 nšf.w: Dieses Wort ist äußerst problematisch; vgl. den Kommentar bei Beck, Sāmānu, 160 ad 12: Wb 2, 339.11 hat entsprechend dem Kontext „[von einer Schlange]“ [im TLA: „Giftzahn(?)“, WCN 852795); MedWb 484 (nach Grundriss IV.1, 84) und Westendorf, Handbuch Medizin, 67 hat „Gift“, mit Verweis auf diesen Text (so auch bei Müller, Beschwörungen, 291); C. Reintges, in: ZÄS 123, 1996, 140 „Gifttropfen“. Massart, Leiden Magical Papyrus, 109 Anm. 21 hat šf.w, aber ohne Übersetzung, und stellt das n zum Verb, also ꜥḥꜥ.n, was, wie Beck a.a.O. anmerkt, nach der Negation nn im Mittel-/Neuägyptischen nicht üblich ist, aber selten vorkommt. Händel, Sāmānu, Anhang ad vs. IX,1–X,2 übernimmt diese Lesart, und übersetzt „Schwellung“, verweist aber auf das ungewöhnliche Determinativ des schlagenden Mannes.
10 Ergänzungsvorschlag von Massart, Leiden Magical Papyrus, 109 Anm. 22, mit Verweis auf das häufige Vorkommen in den medizinischen Texten; aber unsicher. Übernommen von Westendorf, Handbuch Medizin, 67.

Beschwörung Fragmente vs. 11–13 (= Massart, Verso § 9, Beck Nr. 5, Müller Nr. 1.2.4; Paralleltext rt. 6,2–8,10 = Massart, Recto § 5)1

[... ... ...].

1 Von dem Text der Rückseite sind nur drei Fragmente mit je 1–2 Zeilen erhalten. Ergänzungen von Lücken und Emendationen wurden entsprechend des Paralleltextes rt. 6,2–8,10 vorgenommen. Die Segmentierung erfolgt anhand des Paralleltextes.

Fragment vs.11 (vgl. rt. 6,8–10)

[…] [vs. 19,1] Familie von Jrtqn, die mit den Schlangen sprechen, die [die Schlangen] töten, [die, die ein Ende machen dem Atem der] [Qt]y, ihrer Mutter [… ... ...].
[... ... ...].

Fragment vs. 12 (vgl. rt. 7,7–8)

[...] [vs. 12,1] dürsten.
Die Wüsten sollen dich trinken, wenn sie verdorrt sind.
[…] soll dich trinken […]
[... ... ...].

Fragment vs. 13 (vgl. rt. 8,4–5)

[…] [vs. 13,1] ⟨sieben⟩ Knoten(punkte) seines Kopfes.
Dann werden die Götter von deinem Tod erfahren.
Dann werden die Hathoren erfahren [… … …].

Beschwörung Fragmente vs. 14–15 (= Massart, Verso § 10, Beck Nr. 6, Müller Nr. 1.2.5; Paralleltext rt. 8,10–10,9 = Massart, Recto § 6)1

1 Von dem Text der Rückseite sind nur zwei Fragmente mit je zwei Zeilen erhalten. Ergänzungen von Lücken und Emendationen wurden entsprechend des Paralleltextes rt. 8,10–10,9 vorgenommen. Die Segmentierung erfolgt anhand des Parelleltextes.

Fragment vs. 14 (vgl. rt. 9,3–5)

[... ... ...].
[… ... der herangetreten] ist [vs. 14,1] an [sein] Herz.
Seine zwei Hände werden sie ausreißen.
[Onur]is wird dich sehen [… …] dir gegenüber, in[dem er] schlägt […]
[... ... ...].

Fragment vs. 15 (vgl. rt. 9,14–10,1)

[vs. 15,1] Speit den Achu, der in euch ist, hinaus.
Seht, ich spreche nicht ⟨zu⟩ irgendwelchen Gefäßen.
Oh (?) [… … …].
[... ... ...].

Beschwörung Fragment vs. 16 (= Massart, Verso § 11, Beck Nr. 7, Müller Nr. 1.2.6; Paralleltext rt. 10,9–11,1 = Massart, Recto § 7)

[... ... ...].

Fragment vs. 16 (vgl. rt. 10,11–12)

[vs. 16,1] Fliehst ⟨du⟩ vor dem Beschwörer / Magier, vor dem Diener des Horus, weil er in Erinnerung ruft den Namen des [Horus … …]?
[... ... ...].1

1 Ergänzungen von Lücken und Emendationen sowie die Übersetzung wurden entsprechend des Paralleltextes rt. 10,11–12 vorgenommen.

Beschwörung Fragment vs. 17 (= Massart, Verso § 12, Beck Nr. 8, Müller Nr. 1.2.7; Paralleltext rt. 11,2–14 = Massart, Recto § 8)

[... ... ...].

Fragment vs. 17 (vgl. rt. 11,8–10)

[…] [vs. 17,1]1 und Schala2, die Aufbrecher des Berges, um die Nilflut kommen zu lassen [… …]
Dann wirst du die Worte hören, die [… … …].
[... ... ...].

1 Der erhaltene Text deckt sich kaum mit dem Paralleltext, weil dessen Erhaltungszustand an der betreffenden Stelle miserabel ist.
2 Šꜣjrꜥ: Vegetationsgottheit, Gemahlin des Wettergottes, und „Göttin der Berge“. Siehe die Kommentare von Massart, Leiden Magical Papyrus, 83–84 Anm. 6; Müller, Beschwörungen, 287 Anm. 189; Fischer-Elfert, in: FS Kitchen, 2011, 197–198; Beck, Sāmānu, 150 ad 3 (mit weiteren Literaturangaben). Massart möchte daher vor ḥnꜥ auch den Namen des Wettergottes Ba’al ergänzen. Fischer-Elfert denkt aufgrund einer ugaritischen Parallele an den Gott Mōt.

Fragmentgruppe vs. 18–21 (= Massart, Verso § 13)1

1 Diese Fragmente können nicht einem Paralleltext auf der Vorderseite zugeordnet werden.

Fragment vs. 18 (Fragment einer Beschwörung)

[… ... ...] [vs. 18,1] heraus1.
Man soll gegen dich schlagen mit einer Matte, die ich gefertigt habe.
Du sollst erwachen […] Raum (?) der […] Gesicht (?) wie (?) [… … …].

1 Massart, Leiden Magical Papyrus, 111 Anm. 1 möchte davor mj ergänzen, d.h. er denkt an eine Aufforderung „Komm heraus!“.

Fragment vs: 19 (Rest eines Rezeptes als Bestandteil einer Beschwörung)

[… ... ...] [vs. 19,1] tjꜥm-Pflanze: 1, „Haarfrucht“: 1.
Werde zerrieben in Wein: 1.
Werde daran gegeben.

Beginn einer weiteren Beschwörung

Eine andere (Beschwörung):
Seth ist es doch, der [… …].
Seth ist es do[ch], der Tose[nde … … …].

Fragment vs. 20 (Fragment einer Beschwörung)

[… ... ...] [vs. 20,1] auf seinen Niere(n),1 nachdem die Wirbel seines Rückgrats zerbrochen worden sind.
Er soll fließen lassen (?) auf seinen Fuß (?) das Gift (?),2 indem er gegen den gꜣ[_]3 schlägt.
Er (= Seth?) soll zerbrechen seine (= Krankheitsdämon?) üble Tat, die die Tat eines Mörders ist [… … …].

1 Massart, Leiden Magical Papyrus, 111 Anm 12 schlägt eine Ergänzung: [ḥ(w)i̯.tw=f] ḥr gg.t=f „[it was struck (?)] upon ist kidneys“ vor.
2 Dieser Teil ist nicht sinnvoll übersetzbar, da neben den Lücken auch die Deutung der Vokabeln unsicher ist: ḥ(w)i̯{t}.y entweder „schlagen“, dann das Determinativ „Wasser“ als ein Fehler, oder „überfließen; fluten“; außerdem: mt[.wt] „Gift“ oder „Gefäße“, in letzterem Falle wiederum das Determinativ „Phallus“ zu emendieren. Siehe die Kommentare bei Massart, Leiden Magical Papyrus, 111 Anm. 14–15 und Händel, Sāmānu, Anhang ad vs. XVIII–XXI. Hinzu kommt, dass nach $ḥr$ die Lesung des nächsten Wortes und die Füllung der Lücke nicht klar sind, und außerdem der Bezug der Suffixpronomen 3.Sg.m. nicht eindeutig.
3 Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 111 Anm. 17 ist die Lücke zu klein für gꜣb(.t) „Arm“.

Fragment vs. 21 (Fragment einer Beschwörung)

[…] [Löw]en (?)1.
[vs. 20,1] Dann werden die Schrecknisse, die in der Wüste sind, […] (und) es wird / werden […] kauen [… …] Hunde, die […]-Kauer [… … …].

1 [⸮mꜣ?]j.w: Ergänzungsvorschlag Massart, Leiden Magical Papyrus, 111 Anm. 19. Alternative: mj.w „Katzen“.

Beschwörungen Fragment vs. 22 (= Massart, Verso § 14)

Ende einer Beschwörung (= Beck Nr. 14)

[... ... ...].
[vs. 22,1] Ich habe dich beschworen, ich habe dich beschworen, Achu!
Ich ⟨habe⟩ [dich] beschworen, ich ⟨habe⟩ [dich] beschworen, […]!1
[…] Horn eines weißen Stieres mit der Feder einer Weihe der Nephthys vor dem / gegen den Feind.2
Sie ist die, die [… …] Arm des Seth.
Zu rezitieren über einer Statue des Osiris [⸮und?] der Isis, einem Bild der Nephthys […]

1 Ergänzungsvorschlag Massart, Leiden Magical Papyrus, 112 Anm. 2.
2 Übersetzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 112 mit Anm. 5 „against (?) the enemy.“, obwohl es nach ihm keinen Sinn ergibt, weil ein Feind des Achu nicht exorziert werden sollte. Da der Kontext zerstört ist, ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass hier der Achu selbst gemeint ist. Einen anderen Vorschlag hat Beck, Sāmānu, 161 ad. 2: „wegen des Unruhestifters (?)“. Ein anderer Vorschlag von Beck wäre ein Prohibitiv m-di̯.t ḫrwi̯.y „Lärme nicht!“, wobei in diesem Falle emendiert werden müsste. Wegen der Lücken bleibt der Sinn der Passage aber obskur.

Beginn einer Beschwörung

[… ...] bei jedem Leiden.
Komm zu mir, komm zu mir, Mutter […] Osiris [… … …].

Beschwörungen der Fragmente vs. 23–24 (= Massart, Verso § 15)1

1 Nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 113 liegen mindestens zwei Beschwörungen vor. Die zweite beginnt nach ihm in vs. 23,8+x+1, ohne dass er dies begründet. In dieser Zeile haben sich jedoch Reste von roter Tinte erhalten, so dass hier ein Rubrum und somit eine neue Beschwörung angesetzt werden kann.

Fragment einer Beschwörung 1

[vs. 23,1] Beschwörung für die Füße, wenn sie schmerzen:
Die Krankheitsauslöser(?) sollen auf ihre Gesichter fallen.
Die Krankheitsauslöser(?) sollen ausrutschen (o.ä.) auf ihrem Roten (= Blut) wie die Götter ausgerutscht sind auf ihrem ... (?), unter der Macht des Stabes des Mechenti-en-irti, der Letopolis voransteht.
Ich wurde herausgelöst durch Horus, […] [wurde] herausgeschnitten durch Seth.
Fallt herab, (ihr) Krankheiten seiner Füße, die [..].. gemacht hat [… … …] [vs. 23,5] jede Krankheit, die [… … …] für mich (?) / ich habe (?) .[.. … … …] die rechte Hand [… … …].

Fragment einer Beschwörung 2

[… … …].
[…] Abbild [… … …] [..]. der eingetreten ist in seinen Bauch, um zu ..[. … … …] [vs. 24,1] seine Glieder.
Der, der alle schlechten und bösen Dinge gegen ihn tat, in der Nacht, am Tag, zu jeder Zeit, seine Füße sollen sich umwenden, seine Schritte sollen attackiert (?)1 werden.
Denn du hast die Schritte des Horus attackiert, du hast dort die Schritte des Jachu verletzt.
Deine Hände werden abgehauen werden, deine Füße werden abgehauen werden.
Nicht wirst [du (?) …] machen beim Gehen zum Eingang deiner Richtstätte.
Du sollst nicht, Toter, Tote etc., dich vereinigen mit [deinen] Füßen [… … …]
[Herausgelöst (?)]2 werde der Fuß des Horus, herausgelöst werde der Fuß des [vs. 24,5] [… … … NN, den] die NN [geboren hat … … …].
[Dieser Spruch (?)] werde [rezitiert (?) … … …].

1 dbdb; nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 115 Anm. 13 am besten die Bedeutung „cut into pieces“ passend, doch die Grundbedeutung „attackieren“ ist ebenfalls möglich und hier vorgezogen.
2 Ergänzung nach Massart, Leiden Magical Papyrus, 116 Anm. 22.

Beschwörungen Fragment vs. 25 (= Massart, Verso § 16)

Beschwörung 1

[vs. 25,1] Spruch zum Fallen des Wassers:
He, du rechter […], komme heraus aus dem Wꜣḏw.yt(?)-See der Unreinheit (?).
[x]-Mal zu rezitieren.

Beschwörung 2

(Eine andere Beschwörung:) He, du, der eilends gekommen ist!
Ich bin Bṯḥ, die Frau des Horus.
Ich bin die Uräusschlange, das Geschöpf der Götter.

Beschwörung 3

Eine andere (Beschwörung):

Ende der Beschriftung1

1 Vom Ende von Z. vs. 25,1 bis zum linken Rand des Papyrus blieb ein Bereich von ca. 29,5cm Breite unbeschriftet.