science in ancient egypt

 

Technical Data

Name of Text
Papyrus Chester Beatty XII
Alternative Designations
TM 381081
Papyrus London BM EA 10692
Present Location
GB, London, British Museum
Acquisition and Previous Ownership

Der Papyrus Chester Beatty XII gehörte zuerst zur Papyrussammlung des amerikanischen Großindustriellen Alfred Chester Beatty (1875–1968), der die Papyri II–XIX im Jahre 1930 dem British Museum in London schenkte (Hall 1930, 46–47), während er den Papyrus Chester Beatty I in der Chester Beatty Library in Dublin unterbrachte.

Provenance
Oberägypten, Deir el-Medineh

Die genauen Erwerbsumstände sowie der originale Fundzusammenhang des Papyrus sind ungewiss. G. Posener gibt an, dass die 19 Chester-Beatty-Papyri mit dem Fund von 17 (?) Papyri aus Deir el-Medineh zu vergesellschaften sind, die im Jahre 1928 von B. Bruyère in einem schmalen, trapezförmigen Bereich mit gestampftem Boden zwischen dem Gewölbe einer Grabkapelle und dem Fundament einer Grabpyramide in Deir el-Medineh entdeckt wurden: "Il est permis de dire à présent que la découverte dépassa en importance les papyrus recueillis par le fouilleur le 20 février 1928. (...) On saura plus tard que les papyrus Chester Beatty proviennent de la même trouvaille." (Černý – Posener 1978, VIII; Plan des Fundorts: Bruyère 1929, Plan I: unten rechts, zwischen den Schächten P.1165 und P.1169). Darüber hinaus verweist er auf den Eintrag in B. Bruyères Grabungstagebuch vom 21. Februar 1928, in dem es heißt, dass ihm zu Ohren gekommen sei, dass er von drei Arbeitern bestohlen wurde. Der Papyrus Chester Beatty XII ging demnach möglicherweise als Diebesgut in den Antikenhandel, wo er von A. Chester Beatty erworben wurde (Černý – Posener 1978, VIII). Zu dem Papyrusfund scheinen, abgesehen von den 19 Chester-Beatty-Papyri und den 17 von J. Černý gemeinsam veröffentlichten Deir-el-Medineh-Papyri (für die wenigsten der 17 Papyri liegen genaue Fundbeschreibungen vor), auch zwei Naunachte-Papyri in Kairo zu gehören, eventuell noch zwei Naunachte-Papyri in Oxford sowie ein Genfer Papyrus (P. Geneva MAH 15274), also insgesamt mindestens 40 Papyri (Pestman 1982, 155–172). Falls dies stimmt, wurden also alle Papyri im oberirdischen Bereich einer Grabanlage gefunden, dessen oder deren Besitzer bei der Grabung nicht bestimmt werden konnte(n). P. W. Pestman ermittelte die aufeinanderfolgenden Eigentümer der Papyri als Ken-her-chepesch-ef den Älteren, seine Frau Naunachte und ihre Söhne aus zweiter Ehe, Amun-nacht und Pa-maa-nacht-ef. Möglicherweise ist einer der Papyri (Papyrus Chester Beatty IX) irgendwann nass geworden, entrollt und nach der Trocknung wieder aufgerollt worden (Gardiner 1935 I, 78). Y. Koenig verweist auf den Brief Papyrus BM EA 10326 (= LRL, Nr. 9), in dem nassgeregnete Papyri inspiziert und später in einem Grab mit oberirdischen Räumen deponiert wurden, und er erkennt Analogien zwischen den dort geschilderten Vorgängen und dem Fundzusammenhang des Fundes von B. Bruyère von 1928 (Koenig 1981, 41–43).

Date
Neues Reich, Ramessidenzeit, 19.–20. Dynastie, ca. 1292–1077 v. Chr.

Die datierten Texte des Archivs, zu dem Papyrus Chester Beatty XII gehört bzw. die identifizierten Eigentümer des Archivs, stammen aus dem Datierungszeitraum von der frühen Regierungszeit Ramses II. bis hin zu Ramses IX. (Pestman 1982, 158). Dies umfasst eine Zeitspanne von ca. 170 Jahren (ca. 1279–1109 v. Chr.). Paläographisch kann der Papyrus nicht genauer als in die ramessidische Zeit datiert werden („careless Ramesside literary hand“) (Gardiner 1935 I, 122).

Text Genre
mythologisches/magisches Fragment
Content

Da nur ein geringer Teil der vermutlichen ursprünglichen Papyrusrolle vorhanden ist, ist eine Inhaltsangabe schwierig. Die erhaltenen Zeilenenden erwähnen mehrere Körperteile von Göttern, gegen die eine unbekannte Entität (vielleicht eine Art Dämon) vorgeht. In der sechsten Zeile wird darüber gesagt, dass sie die „Krankheit einer Frau“ ist. Damit könnte es sich um eine mythologische Geschichte handeln, die in einem magischen Spruch zur Heilung oder zum Schutz einer (vielleicht konkret weiblichen) Person diente (vgl. Gardiner 1935 I, 122).

Original Use

Das Papyruskonvolut, zu welchem auch der Papyrus Chester Beatty XII zählt, gehörte zum Familienbesitz einer thebanischen Familie. Das Papyrusarchiv hat dabei mindestens 40 Papyri umfasst, die heute in verschiedenen europäischen Sammlungen untergebracht sind (Pestman 1982, 155). Während der ursprüngliche Besitzer unidentifiziert bleibt, ist bekannt, dass das Papyrus-Archiv zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt an den Schreiber Ken-her-chepesch-ef übergegangen ist. Durch seine Frau Naunachte wurde das Korpus schließlich an die Kinder aus zweiter Ehe weitervererbt. Zunächst ging der Papyrus in den Besitz des Amun-nacht und dann über weitere unbekannte Hände, bis er schließlich zusammen mit den anderen Stücken im oberirdischen Bereich einer Grabanlage deponiert wurde (Pestman 1982, 160–172; siehe auch Koenig 1981, 41–43).
Das Papyrusarchiv, zu dem der Papyrus Chester Beatty XII zählt, besteht thematisch aus folgenden Textsorten: private Urkunden und Verwaltungstexte (u.a. Briefe, Memoranda), (Schul)-Übungen, semi-literarische Texte (medizinische, magisch-medizinische, mantische) und "rein" literarische Texte. P. W. Pestman nennt die semi-literarischen Texte, zu denen Papyrus Chester Beatty XII gehört, "something like ‚practical handbooks for daily use‘" (Pestman 1982, 165).
Sowohl die zwei vermeintlichen Radierungen (Zeile zwei und sieben), als auch die wenig sorgfältige Handschrift und die grobe Beschaffenheit des Papyrus suggerieren, dass es sich nicht um eine Prachthandschrift handelt, die für längere Lagerung gedacht war und der Text vielleicht relativ kurzfristig für eine schnelle Anwendung erstellt wurde. Dagegen sprechen allerdings die roten Gliederungspunkte, die auf eine längere Arbeit am Text hindeuten (vgl. Gardiner 1935 I, 122 und Homepage des British Museum).

Material
Papyrus
Type of Object
Papyrusblatt
Description and Condition

Das Papyrusblatt ist der linke Teil einer nicht mehr zu bestimmenden größeren Einheit und hat eine Höhe von 16,5 cm (Breite: 12 cm). Eventuell bildete es ursprünglich das Ende einer längeren Papyrusrolle, da der linke Rand durch einen schmalen Papyrusstreifen verstärkt wurde. Der Papyrus selbst ist relativ grob und in der Höhe der dritten Zeile befindet sich ein Bruch. Beschriftung ist nur auf der Rectoseite zu finden (sieben Zeilen). Das Fragment endet mit einem Rubrum, dass so wirkt, als sei es nach der ersten Phrase absichtlich getilt worden (Gardiner 1935 I, 122 und Homepage des British Museum). Zudem scheint es so, dass ungefähr in der ersten Hälfte der zweiten Zeile eine Radierung der Schrift stattgefunden hat.

Type of Script
Hieratisch

Die Schrift ist „a careless Ramesside literary hand“. Hauptsächlich wurde schwarze Tinte verwendet, nur die letzte Zeile endet mit einem Rubrum. Zudem ist der Text durch rote Punkte gegliedert worden (Gardiner 1935 I, 122).

Language
Mittelägyptisch
Research History

Im Rahmen seiner Untersuchung zu den hieratischen Papyri des British Museum legte A. H. Gardiner im Jahre 1935 eine Erstbearbeitung des Textes vor, nachdem er sich schon vor der Schenkung ans British Museum mit den Chester Beatty Papyri beschäftigt hatte (Gardiner 1935).

Text Editions

- Gardiner 1935 I: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. I. Text (London 1935), 122.

- Gardiner 1935 II: A. H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series: Chester Beatty Gift. II. Plates (London 1935), Taf. 69.

List of References

- Bruyère 1929: B. Bruyère, Rapport sur les fouilles de Deir el-Médineh (1928), Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire 6,2 (Le Caire 1929), Plan I.

- Černý – Posener 1978: J. Černý – G. Posener, Papyrus hiératiques de Deir el-Médineh. I. Nos I–XVII, Documents de Fouilles de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale du Caire 8 (Le Caire 1978), VIII.

- Hall 1930: H. R. H. Hall, The Chester-Beatty Egyptian Papyri, in: British Museum Quarterly 5,2, 1930, 46–47.

- Koenig 1981: Y. Koenig, Notes sur la découverte des papyrus Chester Beatty, in: Bulletin de l’Institut Franҫais d’Archéologie Orientale 81, 1981, 41–43.

- Pestman 1982: P. W. Pestman, Who Were the Owners, in the "Community of Workmen", of the Chester Beatty Papyri, in: R. J. Demarée – J. J. Janssen (Hrsg.), Gleanings from Deir el-Medîna, Egyptologische Uitgaven 1 (Leiden 1982), 155–172.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Entry by
Dr. Anke Ilona Blöbaum
Modification date
12.08.2020

Translation and Commentary

Papyrus Chester Beatty XII (pBM 10692)

[1] [… … …]1 er […] ihn, wobei er/es getötet/niedergeworfen2 worden war (?).
Da sprang3 er (hinauf) auf das Hinterteil4 des [… … …].
[… … …] Unterschenkel des Seth.
Sieh doch, er packt den Nacken des Min.
[… … …] [eine Göttin: Isis?]5.
Da kam er/es heraus aus dem Unterleib der Isis.
Sieh doch, er packt […] [… … …], (?) der NN (?)6.
[Sie]h doch, er packt die Fische, die in dem Wasser sind.
[5] „[… … …]“ nennt man es.7
Als/sobald er den Schenkel des Seth gepackt hatte, [… … …].
[… … …] [ein Körperteil: der Unterleib (?)]8 der Isis: „Frauenkrankheit“ nennt man es.7
„[… … …] [ein Körperteil]9“ nennt man es.7
Blind bist du geworden {{mit/durch/als}} der/die Achu-Krankheit10 (oder: oh, Achu-Krankheit)!11 {{?}}12

1 [___]nw =f: Leider sind die erhaltenen Zeichen (nw: W24 – w: Z7 – Y1) zu unspezifisch, um eine Ergänzung vorzunehmen.
2 ẖdb: Ohne einen ausführlicheren Kontext ist es schwer zu entscheiden, ob ẖdb „töten, ermorden“ (Wb 3, 403.3–13) oder ẖtb „niederwerfen, niederstrecken“ (Wb 3, 402.12–15) vorliegt, aber falls sich das Subjekt von pwy im nächsten Satz hierauf beziehen sollte, kann nur „niederwerfen“ gemeint sein.
3 pwy m pḥ.wj: Bei dem Verb pwy handelt es sich um eine Bedeutungsvariante von pꜣi̯: „hochfliegen“ (Wb 1, 494.1–12), das entsprechend mit den Beinen (D54) klassifiziert ist. Gardiner verweist allerdings auch auf pChester Beatty 7, vso 1.6, wo das Verb pꜣy: „begatten, bespringen“ (Wb 1, 497.13–14) ebenfalls in Verbindung mit pḥ.wj „Hinterteil“ verwendet wird. Könnte auch an unserer Stelle eine sexuelle Konnotation vorliegen, obschon ein entsprechender Klassifikator nicht geschrieben ist?
4 pḥ.wj:Gardiner (HPBM 3.2, Taf. 69) liest in unserem Papyrus pḥ.tj, fasst das Wort aber ebenfalls als „Hinterteil: backside“ (HPBM III, Bd. 1, 122) auf. Eine Schreibung mit t verweist allerdings auf das zumeist im spezifischen Kontext bezeugte pḥ.wyt „Anus/Rektum“ (Wb 1, 537.3; MedWb, 273–281); Walker, Anatom. Term., 221–230; Jørgensen, in FS Frandsen, 139–140).
5 [__].t: Erhalten sind die Zeichen t: X1 – H8 (Ei) – G7 (Falke auf Standarte). Bezeichnet wird also hier mit Sicherheit eine Göttin. Da im weiteren Verlauf die Göttin Isis genannt ist, könnte auch hier Isis zu ergänzen sein.
6 [___].t mn.t: Die Stelle ist schwierig zu verstehen. Gardiner (HPBM III, Bd. 2, Taf. 69) sieht t: X1-Buchrolle: Y1-mn: Spielbrett (Y5) über Wasserlinie (N35)-t: X1-Buchrolle: Y1. Die Zeichen sind recht gut zu erkennen und ziemlich eindeutig. Auf dem rechten Rand sind noch Spuren von mindestens einem Zeichen zu erkennen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können, aber eventuell mit einer weiteren Gruppe mn: Spielbrett (Y5) über Wasserlinie (N35) in Einklang zu bringen wären. Gardiner (HPBM III, Bd. 1, 122) übersetzt „[N, born of?] M“, was in magischen Texten häufig belegt ist, aber gerade hier aus verschiedenen Gründen problematisch ist. Die erhaltene Gruppe mn.t könnte man gut mit „N.N. (fem.)“ (Wb 2, 65.3–5) in Einklang bringen, auch wenn hier nicht noch zusätzlich B1 (die sitzende Frau) als Klassifikator geschrieben ist. Die vorausgehende Gruppe ist nun aber ebenfalls wieder als t über der Buchrolle (Y1) zu lesen, was sich eindeutig nicht mit einer Schreibung von msi̯.n in Verbindung bringen lässt. Eventuell könnte man diese Gruppe also als Rest eines weiteren (unbekannten) Substantivs im Status constructus deuten. Bliebe man bei dem Vorschlag von Gardiner, so müsste man auf jeden Fall von zwei weiblichen Personen ausgehen (jeweils ohne entsprechenden Klassifikator) und die Stelle folgendermaßen emendieren: [mn].t ⟨msi̯.n⟩ mn.t „N.N., die die N.N. geboren hat“. Da im weiteren Verlauf des Textes von einer „Frauenkrankheit“ die Rede ist, wäre das nicht ganz abwegig, auch wenn die fehlerhafte Auslassung von msi̯.n bei einer so geläufigen Gruppe unwahrscheinlich anmutet.
7 ḫr=tw r=f: zur Formulierung ḫr=tw r=f „sagt man dazu“ (Wb 3, 318; MedWb, 666) um Namen oder Bezeichnungen anzugeben, vgl. z.B. Eb 28; pLeiden I 348, 11.1 (Spruch 17); pBrooklyn 47.218.84, x+2,4; 2,6; 2,8; 3,3 usw., s. Meeks, Mythes et légendes, 398 (Index).
8 [__].t ꜣs.t: Am rechten Papyrusrand sind noch die Reste eines t (X1) über dem Fleischstück (F51) zu erkennen, daher handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Körperteil, vermutlich um die bereits in Z. 3 erwähnte „Unterleibsregion“ kns{.t} der Isis.
9 [__].t: Am rechten Papyrusrand ist der Rest eines hohen Zeichens zu erkennen, darauf folgt das Fleischstück (F51) über einem t (X1). Es ist also mit einiger Sicherheit die Bezeichnung eines Körperteils zu ergänzen, doch aufgrund des fehlenden Kontextes sind keine näheren Angaben möglich.
10 Die Erwähnung von pꜣ ꜥḫ.w setzt das Papyrusfragment Chester Beatty 12 in die Nähe der Sāmānu/Achu-Dokumente, die überregional durch Vorderasiatische und Ägyptische Quellen überliefert sind (Beck, Sāmānu, 3–93). Die hier belegten Reste können allerdings nicht mit der bekannten Überlieferung in Verbindung gebracht werden, auch wenn im pLeiden I 343+345 zwei Mal – ebenso wie im Papyrus Chester Beatty 12 – ein Erblinden bzw. Blenden angesprochen ist. So ist in der Beschwörung 12 einmal špw belegt (pLeiden I 343+345 V:V2), doch nur indirekt im Zusammenhang mit der/dem Achu-Krankheit/Dämon: „[… ebenso begann ich dich zu überwinden, o Achu,] indem ⟨du⟩ ergriffen bist. Als ich deine Mutter erschuf, die mit dir schwanger war: [W]ie soll [sie] gebären, während sie leidet (und) weint? Wegen der Schlange ist es, die, die dir der Gott gab. Sie lässt [sie (?)] blenden, [während sie] die N[acht] schlafend [verbringt].“ (Beck, Sāmānu, 156; vgl. Beck, Exorcism, Illness and Demons (pLeiden 343+345), 91). In Beschwörung 2 wird zwar der/dem Achu-Krankheit/Dämon die Blendung der beiden Augen angedroht (V:IV2–3), doch wird anderes Vokabular verwendet: pꜣ ꜥḫ.w m[j](.t)r-bnr kꜣmn jr.tj=k „O Achu! Komm hinaus! Deine beiden Augen sollen geblendet werden!“ (Beck, Sāmānu, 106–107; vgl. Beck, Exorcism, Illness and Demons (pLeiden 343+345), 26–27).
11 špw.n =k {{⸢⸮m?⸣}} pꜣ ꜥḫ.w: Der Sinn des Satzes hängt daran, ob man eine intentionelle Tilgung der Präposition m annimmt, oder nicht. Geht man von einer Tilgung aus, wäre auch ein Imperativ mit folgendem ethischen Dativ als Interpretation des Satzes möglich: „Erblinde! Oh, Achu-Krankheit/Dämon!“ In diesem Zusammenhang, wäre es ebenfalls möglich eine Verwechslung der Verben šp „blind sein, blenden“ (Wb 4, 443.1–11) und šp „ausfließen, zu Grunde gehen“ (Wb 4, 443.14–444.7) anzunehmen (Hinweis von P. Dils, 23.01.19). Allerdings ist dies eine Aufforderung, die regelmäßig in Giftbeschwörungen belegt ist, nicht jedoch für die/den Achu-Krankheit/Dämon.
Der obere Teil der Präposition scheint ebenso wie die Zeichen am Ende der Zeile ausgewischt worden zu sein. Bei genauerer Betrachtung sehen die Spuren allerdings unterschiedlich aus. Am Ende der Zeile sind alle Zeichen gleichmäßig blass und man kann darüber hinaus keine weiteren Spuren erkennen. In der Mitte des Rubrums allerdings gibt es einen fast kreisrunden, leicht rötlichen Fleck im oberen Bereich der Zeile direkt auf dem m und der untere Teil des Zeichens scheint davon unberührt. Es sieht so aus, als wäre durch einen Tropfen Flüssigkeit die Tinte gelöst worden. Wischspuren sind nicht erkennbar. Man könnte also ebenso gut annehmen, dass es sich bei dieser Stelle nicht um eine gezielte Tilgung, sondern um eine zufällige Löschung des Zeichens handeln könnte. Allerdings ist nach dem Zeichen etwa ein halbes Quadrat unbeschrieben, was eher zu einer Tilgung passen würde. Doch ist in der darüber liegenden Zeile an der gleichen Stelle ebenfalls eine kleine Lücke zwischen den Zeichen zu beobachten. Der Papyrus an dieser Stelle ist auch etwas verfärbt. Möglicherweise war der Untergrund an dieser Stelle nicht gut zu beschreiben, was durch eine Autopsie des Originals übergeprüft werden müsste.
12 {{[__]}}: Nach dem Verspunkt sind Reste von mindestens drei weiteren mit roter Tinte geschriebenen Zeichen zu erkennen, die ausgewischt worden sind. Nach zwei hohen Zeichen sind Reste von ein oder eventuell auch zwei waagerechten Zeichen zu sehen.