science in ancient egypt

 

Technical Data

Name of Text
Ostrakon Turin CGT 57104
Alternative Designations
Museo Egizio Inv.-Nr. 10516
Cat. Suppl. 6433
Present Location
IT, Turin, Museo Egizio
Acquisition and Previous Ownership

Das Ostrakon wurde 1905 von E. Schiaparelli bei der Grabung in Deir el-Medineh gefunden und kam danach an das Turiner Museum.

Provenance
Oberägypten, Deir el-Medineh

Es wurde 1905 von Ernesto Schiaparelli in Deir el-Medineh gefunden.

Date
Neues Reich, Ramessidenzeit, 19.–20. Dynastie, ca. 1292–1077 v. Chr.

Wohl aufgrund des Fundortes datiert J. López das Ostrakon in die Ramessidenzeit (Lopez 1980, 12). Tausende hieratischer Aufschriften auf Ton- und Kalksteinscherben aus Deir el-Medineh stammen aus der Ramessidenzeit.

Text Genre
Aufzählung/Liste
Content

Aufzählung menschlicher Körperteile im Rumpfbereich: Bauch, Lunge, Leber, Magen/Gallenblase (?), Eingeweide (Kolumne 1) und ms[jn.t]-Organ (?) (Kolumne 2).

Original Use

Wahrscheinlich liegt eine Schul- bzw. eine Schreibübung vor, entweder um Vokabeln zu memorieren oder schreiben zu lernen (Cortese 1997).

Material
Kalkstein
Type of Object
Ostrakon
Description and Condition

Die Kalksteinscherbe hat eine Höhe von 11 und eine Breite von 9 cm. Der linke Rand und möglicherweise auch der untere Rand (López 1980, Taf. 54a–54) des Ostrakons (aus der Perspektive des Rectos) sind abgebrochen. Auf dem Recto finden sich zwei Spalten an Text, wobei die erste (rechte) fünf Wörter untereinander aufzählt. Die zweite (linke) Kolumne fängt viel niedriger als das letzte Wort der ersten Spalte an und besteht aus nur einem Wort, dessen Ende nicht erhalten ist. Auf dem Verso befinden sich Reste einiger unleserlicher Zeichen.

Type of Script
Hieratisch

Text in schwarzer Tinte.

Language
Mittelägyptisch

Auf der Wortliste sind keine für die Sprachstufe relevanten Merkmale vorhanden. Falls das Wort für Magen/Gallenblase (?) richtig gedeutet ist, liegt es in einer Neuägyptischen Orthographie bzw. Aussprache vor.

Research History

J. Lopez publizierte das Recto des Ostrakons mit Faksimile und hieroglyphischer Transliteration (Lopez 1980, 12, Taf. 54a–54). Dieselben Daten, einschließlich einer italienischen Übersetzung, liegen seit 1997 vor (Cortese 1997, 83). Westendorf (1999, 60) liefert eine deutsche Übersetzung.

Text Editions

- Cortese 1997: V. Cortese, in: A.M. Donadoni Roveri (Hrsg.), La scuola nell'antico Egitto (Torino 1997), 83.

- López 1980: J. López, Ostraca ieratici N. 57093–57319. Catalogo del Museo Egizio di Torino. Serie Seconda – Collezioni III,2 (Milano 1980), 12, Taf. 54a–54.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Entry by
Dr. Ines Köhler
Modification date
09.07.2019

Translation and Commentary

oTurin CGT 57104

Rumpf/Bauch
Lunge
Leber
mnḏr-Unterleibsorgan (Magen? Gallenblase?)1
Eingeweide2
ms[jn.t]-Körperteil (?)3

1 mnd(r): Geschrieben sind mnd und ein Abkürzungsstrich, gefolgt von einer kleinen Lücke, in der vermutlich nur das Fleischdeterminativ gestanden hat. Es wird von Cortese als "guancia", d.h. "Wange" und von Westendorf, Handbuch Medizin, 60 als "Brust?" (mit Fragezeichen!) übersetzt. Da die identifizierbaren Körperteile sich im Brust- oder Bauchinnenraum befinden, wird weder das eine, noch das andere zutreffen. In pChester Beatty VIII, Vso 4.10 wird nach dem ḥꜣtj-Herz, der Lunge und der Milz (n⟨n⟩šm) das Körperteil mnd.t pn genannt, in dem Faulkner und Gardiner nicht mnd.t: "Wange" erkennen (ginge auch nicht mit dem Demonstrativpronomen pn) (Gardiner, Hieratic Papyri III. Chester Beatty Gift, 73, Anm. 6), sondern das alte mnḏr: "intestine (?) or the like" (sie äußern sich nicht zu mnḏ: "Brust"). W. Dawson glaubte zuerst, dass mnḏr ein anderes Wort für rʾ-jb: "Magen" war, aber später vermutete er, dass es die Gallenblase sein könnte (erwähnt bei Gardiner, AEO, I, 18). Gardiner verbindet mnḏr etymologisch mit dem Verb nḏr: "to catch hold of, secure". Lefebvre, Tableau des parties du corps humain, 34, § 38 folgt Dawson für die Gallenblase. Grapow, Anatomie, 79 hält diese Bedeutung für "nicht völlig gesichert". MedWb, 376 beschränkt sich auf "inneres Organ", auch wenn die Vermutung von Dawson erwähnt wird. Ähnlich verfährt Weeks, Anatomical Knowledge, 74. Hornung, Anbetung des Re, I, 211 und II, 142, Anm. 478 wählt "Magen (?)" wegen der Etymologie und der Position des Wortes zwischen den übrigen Organen (nach Herz, Leber, Milz, Lunge und vor Eingeweiden). Walker, Anatomical Terminology, 213-219 untersucht den Begriff und schließt aus Listen mit Körperteilen, darunter mnḏr, dass es in diesen Listen nur für den Magen, die Gallenblase, die Bauchspeicheldrüse und das Zwerchfell keine identifizierten Wörter gibt. Die mögliche Etymologie "Behälter" könnte zu allen vier Organen passen, der Zusammenhang mit dem Wegeöffner Upuaut in Gliedervergottungen (~ ein Organ mit Öffnungen) spricht gegen das Zwerchfell. Die Verwendung des mnḏr einer Ziege als Materia medica in Eb 766 und der Vergleich des mnḏr einer Maus mit "etwas" in einer ꜥꜣwt-Geschwulst (Eb 875) würden laut Walker eher für den Magen als für die Gallenblase oder die Bauchspeicheldrüse sprechen. Weil er rʾ-jb nicht als den "Magen" versteht und dieses Organ also keine ägyptische Entsprechung mehr hat, könnte für ihn mnḏr am ehesten der Magen sein. Hannig, HWB, 363 schreibt "e. inneres Organ (des Menschen und Säugetiere, *Gallenblase; *Magen)". Eine andere Bezeichnung für die Galle bzw. die Gallenblase ist wdd: die/deren Flüssigkeit wird als dḥr: "bitter" beschrieben (Dawson, in: ZÄS 62, 1927, 21-22; DrogWb 145-146).
2 mẖtw: siehe AEO II, 252*-253* (Nr. 602); Walker, Anatomical Terminology, 113-114: "intestines, intestinal tract" (kollektiver Begriff).
3 ms[jn.t]: Das mit ms anfangende Wort steht links unterhalb von der Kolumne mit den Körperteilen, vielleicht weil das untere Ende des Ostrakons erreicht war und als letztes Wort noch dazugehörte. An Körperteilen, die mit ms anfangen, sind msḏr: "Ohr", mskꜣ: "Haut", msd.t: "Schenkel", msꜣḏ.t: Nasenflügel" und msjn.t belegt. Falls das Wort ms[__] also die Liste der inneren Organe fortsetzt, kommt nur msjn.t in Betracht. Es ist bislang nur in pEbers 106.16 = Eb 865c belegt. Ebbell, in: AcOr 7, 1929, 10: verbindet msjn.t mit dem Verb msi̯: "gebären" und vermutet, dass msjn.t etwas mit der Geburt zu tun haben und dann möglicherweise "Nabel" bedeuten könnte. Es gibt jedoch keinen Grund für einen etymologische Zusammenhang mit msi̯. MedWb 391-392 vermerkt, dass msjn.t in Eb 865 tiefer als der Nabel (Ebbell) liegt und irgendein inneres Organ in der Blasengegend ist. Lefebvre, 57 kann keine Übersetzung, nicht einmal eine Hypothese vorlegen. Walker, Anatomical Terminology, 270: "spermatic cord?", d.h. "Samenstrang" (auf der Grundlage von Eb 865).