science in ancient egypt

 

Technical Data

Name of Text
Innensarg des Mezehti, S1C
Alternative Designations
CG 28118
JdE 30966 (gleiche Nummer wie der äußere Sarg (S2C = CG 28119 = JdE 30966))
Present Location
EG, Kairo, Ägyptisches Museum
Acquisition and Previous Ownership

Der Innensarg des Gaufürsten Mezehti wurde im Jahre 1893 in Assiut bei staatlich erlaubten Grabungen durch den Antikenhändler Farag Ismaïn entdeckt (Daressy 1900, 79; Kahl 2007, 28, 82–83; Hagen – Ryholt 2016, 214). Durch Fundteilung gelangte das Sargensemble ins Ägyptische Museum Kairo. Weitere Objekte aus dieser Grabung, aus einer früheren Plünderung des Grabes oder aus einer Nachgrabung von 1906 befinden sich in London und Berlin (Porter – Moss 1934, 265; Zitman 2010a, 48–49; Zitman 2010b, 210–212).

Provenance
Oberägypten, Assiut

Der Innensarg des Gaufürsten Mezehti wurde im Jahre 1893 in Assiut in einem anepigraphischen Grab entdeckt, gemeinsam mit dem Außensarg CG 28119 (= JdE 30966, Sargtextsigle S2C) und eventuell der Mumienmaske CG 28120 (= JdE 30967) (Daressy 1900, 79; Kahl 2007, 28, 82–83; Zitman 2010a, 48–49, 157–164; Zitman 2010b, 210–212). Wegen der Grabfunde wird der Grabbesitzer als der Gaufürst Mezehti bestimmt. Das Grab trägt die Nummer Hogarth III und befand sich in der Mitte oder im nördlichen Teil der Nekropole. Seine genaue Lage ist heute unbekannt (Kahl 2007, 82), eventuell in der Nähe der koptischen Kapelle J11.3 (Kahl 2013, 119–120). Aus dem Grab stammen auch zwei berühmte Modelle von Soldatengruppen: eine Speer und Schild tragende Einheit (CG 258) und eine Einheit mit 40 nubischen Bogenschützen (CG 257).

Date
Mittleres Reich, ca. 1980–1760 v. Chr.

Die Datierung basiert auf typologischen Überlegungen, orthographisch-sprachlichen Beobachtungen der Särge, den weiteren Grabfunden und der chronologischen Reihung der Gaufürsten (am ausführlichsten: Zitman 2010a, 28–36, 157–164). Die ursprüngliche Datierung von Lacau (1906, 150) in die 9. bis 10. Dynastie (d.h. um 2000 v. Chr.) (ebenso Porter – Moss 1934, 265) ist überholt. Die Särge des Mezehti tradieren altes Textgut, könnten daher zu den älteren oder ältesten Särgen mit Sargtextsprüchen gehören: Laut Fecht sind die Sargtexte auf den Särgen des Mezehti in der Metrik des Alten Reiches geschrieben, während die Sargtexte sonst in der Metrik des Mittleren Reiches stehen (Fecht 1972, 143); die Dekanliste bei Mezehti S1C (Neugebauer – Parker 1960, 4–5) ist typologisch älter als die auf dem Sarg der Aschait aus der Reichseinigungszeit (Lapp 1993, 143), könnte in Assiut aber noch bis in die 12. Dynastie hinein verwendet worden sein (Lapp 1993, 139). Hannig weist in seiner paläographischen Studie der Hieroglyphen auf den Särgen von Assiut die Särge S1C und S2C seinem Typus B+b1b zu, die er mit weiteren Särgen einer Werkstätte zuordnet und in die 11. Dynastie datiert (Hannig 2006, 100–101, 147). Für Schenkel datieren orthographische Vergleiche zwischen dem Innen- und Außensarg von Mezehti und den Gräbern Siut IV (Kheti II. aus der Ersten Zwischenzeit) und Siut I (Djefaihapi I. aus der Zeit Sesostris‘ I.) sowie weitere orthographische Beobachtungen die Särge ans Ende der 11. Dynastie, nach der Wiedervereinigung, oder an den Anfang der 12. Dynastie (Schenkel 1962, 117–118; Kahl 2007, 83).
In den jüngeren Studien zur Sargtexttypologie wird keine Festlegung auf einen so engen Zeitrahmen vorgenommen, wobei die beiden Särge des Mezehti nur wenig explizit angesprochen werden. Die beiden gehören zu den Särgen mit einer lokalen, spezifisch assiutischen Dekoration. Willems 1988 hat diese assiutischen Särge mit der spezifisch lokalen Dekoration außer Betracht gelassen, aber er hält die traditionelle Datierung in die 9.–10. Dynastie für unbegründet. Wegen Teilparallelen mit Särgen aus Meir und Deir el-Berscheh aus der früheren 12. Dynastie würde er sie eher der 12. Dynastie zuweisen, zumal manche Särge aus Assiut das lokale Dekorationsprogramm mit auch anderswo gefundenen allgemeinen Dekorationstypen der 12. Dynastie kombinieren (Willems 1988, 102–104). Lapp setzt die Särge wegen der Schriftbänder- und Randbegrenzungsdekoration typologisch in seinen Typ der 11. Dynastie für Assiut (Lapp 1993, 122–125), die weitere Dekoration passt in seinen Typ Siut, die eher zur 12. Dynastie gehört (Lapp 1993, 132–135), aber eine chronologische Eingrenzung dieser beiden Typen innerhalb der späteren 11. oder der 12. Dynastie ist kaum möglich (Lapp 1993, 139–146). Alle Argumente zusammen, einschließlich der hölzernen Soldatengruppen, die im Grab gefunden wurden und eventuell noch auf die Reichseinigungszeit verweisen, sowie der Chronologie der frühen Gaufürsten könnten zu einer Datierung des Grabes bzw. der Särge in die späte 11. Dynastie oder in die frühere 12. Dynastie tendieren, laut Zitman wegen der Gaufürstenchronologie am ehesten ans Ende der 11. Dynastie (Zitman 2010a, 164).

Text Genre
magische Sprüche
Content

Die uns hier interessierenden Schlangenbeschwörungssprüche 265 (Kol. 136–140) und 586 (Kol. 126–131) finden sich auf der Rückwand des Sarges (Kol. 62–323) im Oberkörperbereich, falls die Textkolumnen am Kopfende anfangen (Lesko 1979, 77; Lacau 1906, 117 [Kol. 65–70] und 118 [Kol. 75–80]).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf S1C:
Spruch 265: Kol. 136–140 (CT III, 394–395)
Spruch 586: Kol. 126–131 (CT VI, 205–208)

Material
Holz
Type of Object
Sarg
Description and Condition

Der kastenförmige innere Sarg des Mezehti hat die Maße 214 × 62,5 × 63 cm (Länge × Höhe × Breite). Der Deckel hat zusätzlich eine Höhe von 8,5 cm (Lacau 1906, 101; vgl. Zitman 2010b, 110–111). Der gesamte Sarg ist gut erhalten, nur auf den Innenseiten ist die Schrift teilweise stark abgerieben (Lacau 1906, 128).

Type of Script
Kursiv-Hieroglyphisch

Die hier übersetzten Texte sind in Kolumnen, von rechts nach links orientiert, angeordnet. Die kursiven Hieroglyphen wurden in blauer Tinte auf gelben Hintergrund gemalt; zur Markierung der Titel fand zudem Rot Verwendung (Lacau 1906, 127; vgl. 112 zu Côté 1 und 114 zu Côté 3).

Language
Mittelägyptisch
Research History

Lacau hat 1906 den Sarg beschrieben und die Hieroglyphen abgedruckt. Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck neu kopiert und von de Buck 1947 und 1956 unter der Sigle S1C ediert. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer S1C der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg S36b. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977 und 1977a), Barguet (1986) und Carrier (2004 und 2004a). Stegbauer (2015) segmentiert die Schlangensprüche in Strophen und Verse und kommentiert sie.

Text Editions

- de Buck 1947: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. III. Texts of Spells 164-267, Oriental Institute Publications 64 (Chicago/Ill 1947), III 394a–395i (CT 265).

- de Buck 1956: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. VI. Texts of Spells 472-786, Oriental Institute Publications 81 (Chicago/Ill 1954), VI 205h–208e (CT 586).

List of References

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 223–224 (CT 265), 320–321 (CT 586).

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome I: spells [1] à [354] (Monaco 2004), 632–633 (CT 265).

- Carrier 2004a: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 1376–1379 (CT 586).

- Daressy 1900: G. Daressy, Une ancienne liste des décans égyptiens, in: Annales du Service des antiquités de l’Égypte 1, 1900, 79–90.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume I Spells 1–354 (Warminster 1977), 202 (CT 265).

- Faulkner 1977a: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 188–190 (CT 586).

- Fecht 1972: G. Fecht, Der Vorwurf an Gott in den „Mahnworten des Ipu-wer“, Abhandlungen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, Jahrgang 1972, 1. Abhandlung (Heidelberg 1972).

- Hagen – Ryholt 2016: F. Hagen – K. Ryholt, The Antiquities Trade in Egypt 1880-1930. The H.O. Lange Papers, Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab. Scientia Danica. Series H, Humanistica, 4. Vol. 8 (Copenhagen 2016).

- Hannig 2006: R. Hannig, Zur Paläographie der Särge aus Assiut, Hildesheimer Ägyptologische Beiträge 47 (Hildesheim 2006), 69, 100–103, 147–148, 164–168, 439–441.

- Kahl 2007: J. Kahl, Ancient Asyut. The First Synthesis after 300 Years of Research, The Asyut Project 1 (Wiesbaden 2007).

- Kahl 2013: J. Kahl, Die Zeit selbst lag nun tot darnieder. Die Stadt Assiut und ihre Nekropolen nach westlichen Reiseberichten des 17. bis 19. Jahrhunderts: Konstruktion, Destruktion und Rekonstruktion, The Asyut Project 5 (Wiesbaden 2013).

- Lacau 1906: P. Lacau, Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire. Nos 28087-28126. Sarcophages antérieurs au Nouvel Empire. Tome II (Le Caire 1906), 101–128.

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. S36b.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Neugebauer – Parker 1960: O. Neugebauer – R. A. Parker, Egyptian Astronomical Texts. I. The Early Decans (London 1960), 4–5.

- Porter – Moss 1934: B. Porter – R. L. B. Moss, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. IV. Lower and Middle Egypt (Delta and Cairo to Asyut) (Oxford 1934), 265.

- Schenkel 1962: W. Schenkel, Frühmittelägyptische Studien, Bonner Orientalische Studien. Neue Serie 13 (Bonn 1962).

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 149–152 (Spruch 1 = CT 265) und 169–173 (Spruch 14 = CT 586) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins (Leiden 1988).

- Zitman 2010a: M. Zitman, The Necropolis of Assiut. A Case Study of Local Egyptian Funerary Culture from the Old Kingdom to the End of the Middle Kingdom. Text, Orientalia Lovaniensia Analecta 180 (Leuven/Paris/Walpole 2010).

- Zitman 2010b: M. Zitman, The Necropolis of Assiut. A Case Study of Local Egyptian Funerary Culture from the Old Kingdom to the End of the Middle Kingdom. Maps, Plans of Tombs, Illustrations, Tables, Lists, Orientalia Lovaniensia Analecta 180 (Leuven/Paris/Walpole 2010).

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Entry by
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Modification date
05.08.2020

Translation and Commentary

CT 265

Überschrift

[136] Nicht [gefressen werden].

1. Strophe

[137] So wahr der Große lebt, der ausgestattet ist, der inmitten des Himmel ist!
Wenn die Bugseile verschnürt sind für den Großen, der in der Stadt/in Nut1 ist, sollen sie die großen Kas, die inmitten des Horizonts sind, umwinden.
[...] Horus, der inmitten der weißen Krone ist.

2. Strophe

Damit ich passieren kann, bin ich gekommen!
Meine Ba-Macht ist zum Himmel (gerichtet), die Furcht vor mir ist zum Himmel (gerichtet)!
Mein Gemetzel ist inmitten der Zimmerleute2!
Damit ich gerechtfertigt werde, bin ich gekommen!
[138] Mein Ka soll sich an meinem Leib festmachen!

3. Strophe

Der, der gestern entschwand, Thot, ist der, der die Seile an euren Kas festmacht!
Dieses Auge des [Osiris] ist es, das die Seile am Ka des Re befestigt, der inmitten seines Feldes ist.

4. Strophe

Ich bin die Galle des Bösen, des Herrn der nꜥ.w-Schlangen!
Ich werde müde, wenn Re müde wird.
[O Rerek], [139] Beauftragter des Schu, Bote der Bastet.3
Ich soll nicht den Schlächtern gegeben werden, und die Behenu-Schlangen sollen mich nicht fressen!

5. Strophe

O Lasso, Docht4, handle doch im Gotteszelt des Anubis!
[_]5
[_]6

6. Strophe

Da [ich von re]inen Dingen esse,7 gehöre ich doch zu beiden Gesellinnen8!
Willst du denn gegen mich kommen?
[140] Rufe und weiche doch zurück!
[Tu] nicht [...] mich!

7. Strophe

Auf dein Gesicht, Löwe, komm ⟨mit (?)⟩ deinen „Schwingen“.9
Ich bin der, der selbst kommt!
Ich werde nicht gefressen werden wegen [aller ...], der auf seinem Gesicht (liegend) frisst, der mit leerem Bauch, der von den Fꜣk.w und den Skks lebt!

1 Ob nʾ.t evtl. eine Homophonie für den Götternamen Nw.t ist?
2 Zu den fnḫ.ww vgl. Leitz, Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. Band III. pnbw, Orientalia Lovaniensia Analecta 114 (Leuven/Paris/Dudley, MA 2002), 191 und J. Leclant, T.P. Pépi Ier, VII: Une nouvelle mention des fnḫf dans les textes des pyramides, in: Studien zur altägyptischen Kultur, 1984, 455–460. Die fnḫ.ww spielen auch beim Minfest eine Rolle, vgl. H. Gauthier, Les fêtes du dieu Min, Recherches d’archéologie, de philologie et d’histoire 2 (Le Caire 1931).
3 Diese Stelle wird von den Bearbeitern unterschiedlich wiedergegeben:
- Faulkner 1977, 12: „O snake, the movements of Shu are what Bastet opened up...“ fasst wp.t als substantivierte Relativform in prädikativer Funktion auf.
- Barguet 1986, 320: „O Rerek, d‘emarcheur de Chou, messager de Bastet...“.
- Carrier 2004a, 913: „Ó serpent-rérek, les mouvements de Chou sont ceux qu’apprécie Bastet“.
4 Barguet 1986, 223, und Carrier 2004b, 632, übersetzen beide ꜥḫm mit „zerstören“, wohingegen R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume I Spells 1–354 (Warminster 1973), 202, bei der Grundbedeutung „löschen“ bleibt. Nun führt R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der antiken Welt 64 (Mainz 2009), 170 {5925}, ein weiteres Wort ꜥḫm, das er mit „Docht“ wiedergibt. Aufgrund des Materials, das in beiden Fällen aus Pflanzenfasern besteht, kann „Docht“ m.E. gut als Apposition zu spḥ.w „Lasso“ angesehen werden.
5 Aufgrund des fehlenden Verbums und des unzureichenden Textzusammenhangs verzichte ich auf eine Übersetzung des Verses, den auch alle anderen Bearbeiter auslassen. Ich weiche bei der Versgliederung von der Einteilung bei de Buck 1947 ab, da mir der vorhandene Text für einen einzigen Vers zu lang erscheint.
6 Auch bei diesem Vers fehlt der Kontext. Daher verzichte ich auf eine Übersetzung, gebe aber im Folgenden die der anderen Bearbeiter wieder:
- R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume I Spells 1–354 (Warminster 1973), 202: „[...] ... the toes of your doubles for the Bull, who is in your midst.“
- Barguet 1986, 224: „Puisses-tu ... les orteils (?) de tes kas au toreau qui est en toi, qui mange ... se purefie“.
- Carrier 2004, 632: „[...] l’orteil de tes kas au toreau qui est en toi, qui mange ... se purefie“.
Barguet und Carrier rechnen den nächsten Vers noch zu dieser Strophe. Faulkner lässt dagegen einen neuen Satz beginnen. Ich schließe mich ihm trotz einiger Bedenken an.
7 Für die Ergänzungen von R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume I Spells 1–354 (Warminster 1973), S. 202: „[I] eat [bread and drink (?)] pure water.“ ist der von de Buck zugemessene Raum äußerst knapp, daher die oben vorgeschlagene verkürzte Variante, die sich an CT 703, VI 334 g orientiert. Selbst dafür ist der Platz nur unter der Annahme einer kürzeren Schreibvariante ausreichend.
8 Ich folge hier der Lesung von Carrier 2004, 234, und Barguet 1986, 224. Die beiden Gesellinnen sind nach B. Backes, Von nun an sollt ihr Rḥ.tı͗ heißen: die „Beiden Kolleginnen“ von Sais, in: Göttinger Miszellen, 2001, 23–28, hier: 26, nicht unbedingt identisch mit Isis und Nephthys, aber wohl mit der Webkunst verbunden.
9 Ich nehme eine Auslassung der Präposition $m$ nach  an, da der Satz sonst nicht sinnvoll ist. Carrier 2004, 234, übersetzt ohne nähere Erläuterung „Leg deine Schwingen ab!“. ḏnḥ.w muss sich hier auf die Vorderläufe des Löwen beziehen.

CT 586

Überschrift

Den Rerek vertreiben, das Krokodil vertreiben [mithilfe von] Zauber:

1. Strophe

Zurück, Schwarzgesichtiger!
Du hast mich doch nicht gebissen1, indem du „ach“-wirksam gegen mich wärst: Ich bin einer, der sich in seinem Leib befindet, weil ich in das Innere meines Leibes gelegt bin!

2. Strophe

Ich bin einer, der naschend sucht,2 ein Bedürftiger!
Gegen mich hast du doch nicht gehandelt, denn dieser Aker hat mich nicht angegriffen!

3. Strophe

Kessel, du bist ein Kessel!
Du kochtest auf dem Kohlenbecken.
(Aber) eine Beschwerde3 über dich ist in der Unterwelt!

4. Strophe

Bewacher meines Mundes/Spruches, die Wasserrinnen sollen nicht ihre Genossen überschwemmen!4

5. Strophe

Gegrüßt seist du, Re, der sich in seiner nws-Krone befindet.
Gehe zur Ratsversammlung, damit du deine Ahnen zählen kannst, die Bewacher dessen, der die Kas zerstört!
Lapislazuliäugiger, der die Augen erfrischt!
Mit schmerzhafter Rage, der, dessen Ba-Macht nicht abgewehrt werden kann!
Wecke die Große, die müde war, und die, die die Kas zerstören, erblickt hatte, indem ihre Köpfe zerstört und ihre Gesichter [verängstigt waren]!

6. Strophe

O du Blindgesichtiger auf seinem Gesicht!
Nimm doch deinen Arm, und lege ihn auf diesen ⟨deinen⟩ Schwertarm!
Der, der die Kas zerstört: Er darf Re in seiner nws-Krone nicht einschließen (?)5.
Existenzlose (?) in ihren Kapellen:6 Ich bin ihre r.wt, der Vater, der (Ur)alte, der Wache, das Wasser, das unbedeckt ist: Ihre Schlangen sind vernichtet.
Dieser dein Schwertarm ist im Bereich des Atum, nachdem du deine Waffen ergriffen hast mit deiner Hand.7

7. Strophe

Prozessiere gegen Re, dann prozessiert Re gegen8 mich und gegen dich.

8. Strophe

Ältester, der den schlägt, der seine Kas abschneidet, der den schlägt, der seine Kas zerstört, mit dieser deiner Stärke, dieser deiner Kraft und mit dieser deiner Wirkmacht!

9. Strophe

Re, der seinen Ka aussendet, darf nicht fallen, ich darf nicht fallen, wenn ich meinen Ka aussende!
Ich bin Atum, der ausgestattet ist mit seinen Waffen!

10. Strophe

Ich entriss die Macht dessen, der seine Kas zerstört!
Bin ich schwach, ist Re schwach!
Stehe ich still, steht Re still!
Ich bin der „Meine nws-Krone ist in meiner Hand“.
Halt ein!

1 Die Übersetzungen bei Faulkner 1977, 188, („for you have not been named“), Barguet 1986, 320, („On ne t‘a certes pas nommé“) und Carrier 2004a, 1376, („(car) (c‘est pas moi qui ai prononcé [ton nom])“) verwenden alle die übertragene Bedeutung des Wortes dm, die aber m.E. des Objektes rn bedarf, das hier nicht steht. Zudem scheint mir die Grundbedeutung des Verbes „stechen, beißen“ wesentlich besser in den Kontext eines Anti-Schlangenzaubers zu passen.
2 Wörtl. „den Mund führen“ als Ausdruck des Nahrungsverzehrs (Wb 5, 513.17). Sein Vorkommen in einem Schlangenspruch lässt zudem an das Züngeln der Schlange denken.
3 ṯry.t: Wird mit dem verehrenden Mann (A30) determiniert und ist zweimal in den Sargtexten (CT I, 173c [Spruch 40] und VI, 206f [Spruch 586]) belegt. Es gibt drei verschiedene Interpretationen bzw. Übersetzungen: (1) „Beschwerde, Vorbehalt (o.ä.)“; (2) „Unreinheit, Verfehlung (o.ä.)“; (3) „ehrfürchtiger Respekt (o.ä.)“. Es stellt sich die Frage, ob ṯry.t eine jüngere Schreibung der Wurzel twr: „zurückweisen, abweisen“ (Wb 5, 252.10–13) oder twr: „pietätvoll behandeln, respektieren“ (Wb 5, 252.14–17) ist, die beide auf dieselbe Wurzel twri̯: „auf Distanz halten“ (W. Schenkel, Die Endungen des Prospektivs und des Subjunktivs (śč̣m=f, śč̣m.w=f, śč̣m.y=f) nach Befunden der Sargtexte. Mit einem Anhang zum prospektiven Partizip śč̣m.t(ı͗)=f(ı͗), in: Lingua Aegyptia 7, 2000, 27–112, hier: 87) zurückgehen könnten. R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355–787 (Warminster 1977), 188 übersetzt CT VI, 206f mit „a complaint against you“ und verweist auf CT I, 173c (Spruch 40) für dasselbe Substantiv. D. Meeks, Année lexicographique Égypte ancienne. Tome 2 (1978), 2. Auflage (Paris 1998), 78.4702 listet ein Lemma ṯrjt: „plainte, grief“ nach R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355–787 (Warminster 1977), 188 auf, für das er keine Wb-Referenz angibt. Meeks verweist noch auf R. O. Faulkner, Consice Dictionary of Middle Egyptian (Oxford 1962), 306: dort findet sich die Übersetzung „complaint(?)“ mit Verweis auf CT I, 173c. R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 765 listet beide CT-Belege ebenfalls unter demselben Substantiv ṯry.t, aber er liefert als Übersetzung: „evil, sin, uncleanness“ mit Verweis auf Wb 5, 317.12 (try.t im Neune Reich, mit „schlechtem Vogel“ als Determinativ) und 317.10–11 (tr: späte Quellen, mit „schlechtem Vogel“ als Determinativ) und auf E. Hornung, Das Buch von den Pforten des Jenseits. Nach den Versionen des Neuen Reiches. Teil II: Übersetzung und Kommentar, Ægyptiaca Helvetica (Genève 1984), 50, Anm. 2 (dort ṯryt als Gegensatz von mꜣꜥ.t). Hornung übersetzt mit „das Unreine“ als Gegensatz zu mꜣꜥ.t, aber „eine präzise Bedeutung läßt sich nicht fassen“ (Hornung verweist noch auf pLeiden I 347 für einen weiteren Beleg, aber ohne genaue Stellenangabe). Barguet 1986, 321 übersetzt ṯry.t einmal in Spruch 586 mit „la crainte respectueuse“, aber das andere Mal in Spruch 40 (S. 181) mit „charge contre moi“. Bei Carrier 2004, 87 und Carrier 2004a, 1376 findet sich für beide Sprüche „une plainte contre moi/toi“. In CT I, 173c ist der Kontext nn mtry=j / nn ṯry.t=j / nn jzf.t=j / nn ẖꜣb=j / nn ḏꜣ.t=j / nn ḫft.j=j / nn srḫw=j / nn mꜣꜥ-ḫrw=j jḫ.t r=f / nn ḥwi̯.n=j sḏb r=f ḏw: „es gibt kein Zeugnis / keinen Zeuge gegen mich, es gibt keine Beschwerde (?) gegen mich, es gibt kein Unrecht meinerseits, es gibt kein krummes Geschäft meinerseits, es gibt keinen (negativen) Rest meinerseits, es gibt nicht meinen Feind, es gibt keinen, der mich beschuldigt, ich habe keine Sache gegen ihn gerechtfertigt, ich habe keinen bösen Anschlag gegen ihn verübt.“ An dieser Stelle macht die Übersetzung „crainte respectueuse“ keinen Sinn und scheint „Beschwerde, Vorbehalt o.ä.“ besser. Für den Zusammenhang von jzf.t und ṯry.t vgl. noch pBM EA 9997+10309, Kol. 6.4: nn jzf.t=f nn try.t=f nn hꜣb=f [...]; hier würde „Unreinheit, Verfehlung“ ebenfalls passen. Die Übersetzung „Beschwerde“ wird von R. Hannig, Ägyptisches Wörterbuch II. Mittleres Reich und Zweite Zwischenzeit. Teil 2, Kulturgeschichte der antiken Welt 112 (Mainz am Rhein 2006), 2748 s.v. ṯry.t {38155} übernommen.
4 Ich folge Barguet 1986, 320, und fasse jmj mḥ.w als negierten Subjunktiv auf. Der Sinn bleibt aber dunkel. Ob man in den tꜣḥ.wt eine Anspielung auf das Gift (mtw.t) sehen darf, das die Gefäße (mt.jw) (als sein „Genosse“ wegen des lautlichen Anklangs) nicht überschwemmen soll? Dann läge ein Sinnspiel (S. Morenz, Religion und Geschichte des alten Ägypten. Gesammelte Aufsätze (Weimar 1975), 329) bzw. ein (doppelt) komplexes Wortspiel (S. L. Lippert, Komplexe Wortspiele in der Demotischen Chronik und im Mythus vom Sonnenauge, in: Enchoria 27, 2001, 88–100) vor. Allerdings kann maximal von einer Homöophonie (= Klangähnlichkeit) ausgegangen werden, da die Tonvokale von mt.jw (kopt. als ⲙⲟⲩⲧ erhalten) und mtw.t (kopt. ⲙⲁⲧⲟⲩ) ungleich gewesen sein dürften.
5 Das Verbum ss Var. jss kommt nach Faulkner 1977, 189, und R. van der Molen, A Hieroglyphic Dictionary of Egyptian Coffin Texts, Probleme der Ägyptologie 15 (Leiden/Boston/Köln 2000), 545, in PT 219, § 173, PT 251, § 271, PT 369, § 643 vor. Faulkner führt als Grundbedeutung „to do harm to“ an und möchte es hier mit „punish“ übersetzen. R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), Kulturgeschichte der antiken Welt 64 (Mainz 2009), 823 {30317}, gibt „*einschließen“ (* markiert unsicher) als Bedeutung an. Evtl. ist aber auch zu ṯsj zu emendieren.
6 Dieser Satz(teil) ist unklar. Evtl. kann man  als Verschreibung für ḫm () ansehen. Carrier 2004a, 1377, emendiert hier zu sbj, während Faulkner 1977 und Barguet 1986 die Stelle auslassen.
7 Faulkner 1977, 189, übersetzt den Satz imperativisch.
8 mdw ḥr NN „prozessieren gegen“ ist ein Terminus aus der Gerichtssprache (Hinweis Fischer-Elfert). Allerdings entgeht mir in diesem Zusammenhang der Sinn der Verse.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 149–152 (Spruch 1 = CT 265) und 169–173 (Spruch 14 = CT 586).