science in ancient egypt

 

Technical Data

Name of Text
Innensarg des Gua, B1L
Alternative Designations
BM EA 30840
Present Location
GB, London, British Museum
Link to Website
Acquisition and Previous Ownership

Laut der Homepage des British Museums wurde der Sarg im Juni oder Juli 1899 von der R. J. Moss & Co. Company erworben (für die Monatsangabe siehe Willems 1988, 77). Diese war u.a. im Antikenhandel in Ägypten tätig. Bereits in der ersten Publikation des Sarges (British Museum 1904, 57–58) wird Deir el-Berscheh als Fundort angegeben. Daher steht zu vermuten, dass er direkt von dort über die Firma (vielleicht im Auftrag von Budge, der häufig mit dieser kooperierte) nach London gelangte. Nur die Kiste ist ins British Museum gelangt, der Sargdeckel fehlt. Gemeinsam mit dem Innensarg EA 30840 hat das British Museum noch einen weiteren Sarg des Oberarztes Gua angekauft, den Außensarg EA 30839 (Sargtextsigle B2L, Lapp B21a).

Provenance
Oberägypten, Deir el-Berscheh

Die genaue Herkunft des Innensarges des Oberarztes Gua ist nicht publiziert. Bereits in der ersten Erwähnung des Sarges (British Museum 1904, 57–58) wird Deir el-Berscheh als Fundort angegeben. Nach Willems 1988, 76 ist es aufgrund verschiedener Indizien „reasonably certain“, dass der Sarg aus Schacht 12 der dortigen Nekropole stammt. Dieser Schacht 12 ist Schacht G von Daressy, d.h. von fünf parallel angeordneten Schächten, die sich vor bzw. unmittelbar südwestlich von dem Grab des Djehutihotep (Grab 17L20/1) befinden, der zweite von rechts. Demnach wurde der Sarg wahrscheinlich unmittelbar nach der Grabungskampagne von Daressy in den Schächten D–F (November bis Dezember 1897) von der lokalen Bevölkerung gefunden (Strudwick 2006, 81) und dann vom British Museum, nach dessen Angabe über die Firma R. J. Moss & Co., angekauft. Sicherlich hat Daressy von dem Fund erfahren, denn auf seinem Plan (Daressy 1900, 23; vgl. ebd. 42: „ouvert après mon départ“) steht bei Schacht G der Name Gua. Der Schacht G alias Grab 12 wird in den aktuellen Grabungen der Universität Leuven unter der Leitung von H. Willems als Nr. 17L10/2 geführt (Willems et al. 2006, 313). Nachgrabungen im Bereich der fünf Schächte durch H. Willems und T. Pommerening (KU Leuven/JGU Mainz) haben inzwischen ergeben, dass Daressys Lageplan nicht korrekt ist. Die Särge von Gua müssen in einem anderen Schacht gefunden worden sein, vielleicht im westlichsten der fünf Schächte mit der KU Leuven-Bezeichnung 16L19/2. (Zur Architektur, Schachtzuweisung und Diskussion von Daressys Artikel, siehe Pommerening – Willems 2020).

Date
Mittleres Reich, 12. Dynastie, ca. 1939–1760 v. Chr.

Die Website des British Museum datiert den Sarg, wohl basierend auf der dort angegebenen Literatur, ins Mittlere Reich. Lapp ordnet ihn typologisch in die 12. Dynastie (Lapp 1993, 88, 276 [Nr. B21b], vgl. B21a, die Katalognummer des zugehörigen Außensarges). Der Sarg gehört typologisch zum Außenseitentypus IVab und zum Innenseitentypus 2 von Willems (1988, 21), d.h. in die Zeit Sesostris‘ II.–III. (Außenseitentypus) bzw. Amenemhets II.–III. (Willems 1988, 121, 160, 190). Die genauere chronologische Einordnung des Sarges geschieht aufgrund der architektonischen Lage des mutmaßlichen Grabschachtes vor dem Grab des Gaufürsten Djehutihotep, die dafür spricht, dass der Sargbesitzer Gua ein Untergebener von Djehutihotep war. Das führt Lapp zu einer Datierung in die Zeit Amenemhets II. bis Sesostris‘ III. oder eventuell noch etwas später (Lapp 1993, 91). Laut Willems war Djehutihotep unter Sesostris II. und III. im Amt, weshalb Gua kaum später als Sesostris III. datiert werden kann (Willems 1988, 77). Willems ordnet alle Särge aus den fünf Schächten vor dem Grab von Djehutihotep in die Zeit Sesostris‘ II.–III. (ca. 1845–1819 v. Chr.) (Willems 1988, 77). Bei Strudwick (2006, 81) findet sich die Zeit Amenemhets II. bis Sesostris‘ II. („c. 1911–1870 BC“).

Text Genre
magische Sprüche
Content

Die uns hier interessierenden Schlangenbeschwörungssprüche 379, 381 und 382 stehen alle auf dem Fußende des Sarges (Lesko 1979, 38; Abb. British Museum 1904, Taf. 4).

Übersicht der Schlangenbeschwörungssprüche auf B1L:
Sargtextspruch 379: Kol. 56–58 (CT V, 42)
Sargtextspruch 381: Kol. 58–59 (CT V, 44)
Sargtextspruch 382: Kol. 59 (CT V, 44)

Material
Holz
Type of Object
Sarg
Description and Condition

Der rechteckige innere Holzsarg des Gua, aus einer Zedernart angefertigt (Davies 1995, 147: „cedrus sp. (cedar)“; daher: Nicholson – Shaw 2000, 350: „cedar of Lebanon, Cedrus libani A. Richard“), hat eine Gesamtlänge von 224,9 cm (zum äußeren Sarg siehe B2L). Weitere Maße sind nicht publiziert. Der Verbleib des Deckels ist unbekannt (Homepage British Museum). Die Sargtextsprüche befinden sich auf den Innenseiten.

Type of Script
Kursiv-Hieroglyphisch

Die Schrift ist in Kolumnen angeordnet und verläuft in den hier aufgenommenen Sargtextsprüchen von rechts nach links. Hauptsächlich wurde schwarze Tinte genutzt; nur ein Spruchtrennzeichen grḥ ist rubriziert.

Language
Mittelägyptisch

Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck 1954 unter der Sigle B1L ediert. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer B1L der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg B21b. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert die Schlangensprüche in Strophen und Verse und kommentiert sie. Der Schacht G wurde in den aktuellen Grabungen der Universität Leuven neu ausgegraben und sein (mutmaßlicher) Inhalt wird gemeinsam mit der Universität Mainz von T. Pommerening zur Publikation vorbereitet (Homepage Mainz).

Research History

Die Inschriften wurden für das Sargtextprojekt durch Gardiner und de Buck kopiert und von de Buck 1954 unter der Sigle B1L ediert. Lapp 1993 benutzt nicht die Publikationsnummer B1L der Sargtextpublikation, sondern in seiner Nummerierung ist der Sarg B21b. Übersetzungen der Sprüche finden sich u.a. bei Faulkner (1977), Barguet (1986) und Carrier (2004). Stegbauer (2015) segmentiert die Schlangensprüche in Strophen und Verse und kommentiert sie. Der Schacht G wurde in den aktuellen Grabungen der Universität Leuven neu ausgegraben und sein (mutmaßlicher) Inhalt wird gemeinsam mit der Universität Mainz von T. Pommerening zur Publikation vorbereitet (Homepage Mainz).

Text Editions

- de Buck 1954: A. de Buck, The Egyptian Coffin Texts. V. Texts of Spells 355-471, Oriental Institute Publications 73 (Chicago/Ill 1954), V 42f–43g (CT 379), V 44a–e (CT 381), V 44f–h (CT 382).

List of References

- Barguet 1986: P. Barguet, Les textes des sarcophages égyptiens du Moyen Empire (Paris 1986), 326.

- British Museum 1904: British Museum, A Guide to the First, Second and Third Egyptian Rooms. Predynastic Human Remains, Mummies, Wooden Sarcophagi, Coffins and Cartonnage Mummy Cases, Chests and Coffers, and other Objects connected with the Funerary Rites of the Ancient Egyptians (London 1924).

- Carrier 2004: C. Carrier, Textes des sarcophages du Moyen Empire égyptien. Tome II: spells [355] à [787] (Monaco 2004), 914–915 (CT 379), 916–917 (CT 381 und CT 382).

- Daressy 1900: G. Daressy, Fouilles de Deir el Bircheh (novembre-décembre 1897), in: Annales du Service des antiquités de l’Égypte 1, 1900, 17–43.

- Davies 1995: W. V. Davies, Ancient Egyptian Timber Imports. An Analysis of Wooden Coffins in the British Museum, in: W. V. Davies – L. Schofield (Hrsg.), Egypt, the Aegean and the Levant. Interconnections in the Second Millennium BC (London 1995), 146–156.

- Faulkner 1977: R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts. Volume II Spells 355 - 787 (Warminster 1977), 13–14.

- Lapp 1993: G. Lapp, Typologie der Särge und Sargkammern von der 6. bis 13. Dynastie, Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens 7 (Heidelberg 1993), Kat.-Nr. B21b.

- Lesko 1979: L. H. Lesko, Index of the Spells on Egyptian Middle Kingdom Coffins and Related Documents (Berkeley 1979).

- Nicholson – Shaw 2000: P. T. Nicholson – I. Shaw, Ancient Egyptian Materials and Technology (Cambridge 2000).

- Pommerening – Willems 2020: T. Pommerening – H. Willems, Unravelling Daressy’s excavations of the five shafts in front of the tomb of Djehutihotep at Dayr al-Barshā (im Druck).

- Stegbauer 2015: K. Stegbauer, Magie als Waffe gegen Schlangen in der ägyptischen Bronzezeit (Borsdorf 2015), 163–164 (Spruch 8 = 379), 164–165 (Spruch 9 = 381) und 165 (Spruch 10 = 382) (doi.org/10.11588/propylaeum.529).

- Strudwick 2006: N. Strudwick, Masterpieces of Ancient Egypt. The British Museum (London 2006).

- Willems 1988: H. Willems, Chests of Life. A Study of the Typology and Conceptual Development of Middle Kingdom Standard Class Coffins, Mededelingen en Verhandelingen van het vooraziatisch-egyptisch Genootschap „Es Oriente Lux“ 15 (Leiden 1988).

- Willems et al. 2006: H. Willems et al., Preliminary Report of the 2003 Campaign of the Belgian Mission to Deir al-Barsha, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo 62, 2006, 307–339 und Taf. 55–64.

Eine vollständige Bibliographie finden Sie hier.

Entry by
Dr. Peter Dils/Dr. Katharina Stegbauer
Modification date
30.01.2020

Translation and Commentary

CT 379

Überschrift

[56] Den Rerek abwehren:
(Pause)1

1. Strophe

Komm, erhebe dich!
Herr der Mauern, suche die Herrin von Buto!
Du sollst den [57] lebenden Leib verknoten!
Du sollst aus- und eintreten im Sichtfeld der Leute!

2. Strophe

Du sollst mich ansehen mit deinem pantherartigen Gesicht2!
Dein Schwanz ist der eines Nau-Schlangenmännchens, und du greifst als nsb(.tj)-Schlange3 an.

3. Strophe

Friss nicht!
Kommt Horus etwa für mich [58] wegen deines Phallus?
Er soll doch in mich kommen!
(Pause)

1 Nach dem Spruchtitel folgt ein rubriziertes Pausenzeichen .
2 Wörtl. „mit deinem Gesicht als ein Panther.“ Das panthergestaltige Gesicht bezieht sich evtl. auf eine gefleckte Zeichnung der Schlange.
3 bsb: Die Bedeutung von bsb ist unklar. Evtl. ist es mit bsbs „Ente“ zu verbinden oder zu nsb „Flamme“ zu emendieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, bsb bzw. nsb mit der in den Sprüchen 17 und 43 erwähnten nsb.tj- bzw. nbs.tj-Schlange zu identifizieren.

CT 381

1. Strophe

[58] Zurück, Tꜣš-sn(.wj)1, der im Wermutbusch lebt!
Meide doch den Lauch2!

Nachschrift

[59] Ein Mann soll diesen Spruch gegen den Rerek sagen.
Das bedeutet: Zurückweisen einer Schlange.

1 Wörtl. „der die Brüder trennt“.
2 Zur Lesung jꜣq.t: "Lauch" statt der jꜣq-Schlange, siehe Stegbauer 2015, 160, Anm. 6.5.

CT 382

1. Strophe

[59] Mein Vater ist Bꜣꜣ.w1.
Meine Mutter ist Pp.w.

Nachschrift

Den Rerek vertreiben in der Nekropole für das Fleisch dieses Gua (oder: für diesen Osiris Gua).

1 Faulkner 1977, 14, übersetzt bꜣꜣ.w mit „besoulded“. Dagegen fasst Carrier 2004, 917, es als Name o. Ä. auf. Ich schließe mich letzterer Auffassung an.

Übersetzung nach Stegbauer 2015, 163–164 (Spruch 8 = 379), 164–165 (Spruch 9 = 381) und 165 (Spruch 10 = 382).